Einführung in die Textanalyse
Die Textanalyse ist ein zentrales Teilgebiet der Germanistischen
Linguistik und stellt den nächsten logischen Entwicklungsschritt nach
der Beschäftigung mit grundlegenden linguistischen Disziplinen wie
Phonetik, Phonologie, Morphologie und Syntax dar.
Während diese Disziplinen einzelne Ebenen der Sprache untersuchen,
richtet sich die Textanalyse auf die Sprache als funktionale
Gesamteinheit, also auf den Text als Träger von Bedeutung,
Kommunikation und gesellschaftlicher Funktion.
Beziehung zu anderen linguistischen Disziplinen
1) Beziehung zur Phonetik und Phonologie
(Phonetik = Lautlehre / Phonologie = Lautsystem)
Die Phonetik untersucht die lautliche Realisierung von Sprache, zum
Beispiel Betonung, Intonation und Rhythmus.
In der Textanalyse werden diese Aspekte besonders bei mündlichen
Texten wie Reden oder Interviews relevant.
Beispiel:
Eine steigende Intonation in einer politischen Rede kann Zweifel
ausdrücken, während eine fallende Intonation Sicherheit und Autorität
signalisiert.
→ Die Phonetik liefert hier das Fundament für die textpragmatische
Interpretation.
2) Beziehung zur Morphologie
(Morphologie = Formenlehre)
Die Morphologie analysiert Wortformen und Wortbildung.
In der Textanalyse wird untersucht, wie diese Wortformen gezielt
eingesetzt werden, um bestimmte Bedeutungen oder Haltungen
auszudrücken.
Beispiel:
Die häufige Verwendung von Nominalisierungen in wissenschaftlichen
Texten:
die Durchführung der Analyse
die Bewertung der Ergebnisse
zeigt einen objektiven und distanzierten Stil, der typisch für
wissenschaftliche Texte ist.
3) Beziehung zur Syntax
(Syntax = Satzlehre)
Die Syntax beschreibt den Aufbau einzelner Sätze.
Die Textanalyse geht darüber hinaus und fragt, wie Sätze miteinander
verknüpft werden, um einen kohärenten Text zu bilden.
Beispiel:
Ein Satz allein:
Das Experiment war erfolgreich.
Im Textzusammenhang:
Das Experiment war erfolgreich. Deshalb konnten die Ergebnisse
veröffentlicht werden.
→ Die Syntax erklärt den Satzbau, die Textanalyse erklärt den logischen
Zusammenhang im Text.
4) Beziehung zur Semantik
(Semantik = Bedeutungslehre)
Die Semantik untersucht die Bedeutung einzelner Wörter und Sätze.
Die Textanalyse betrachtet, wie Bedeutung über mehrere Sätze
hinweg entsteht.
Beispiel:
Die Wörter „Flüchtlinge“ und „Migranten“ haben unterschiedliche
semantische und ideologische Konnotationen.
Die Textanalyse zeigt, wie diese Wortwahl die Haltung eines gesamten
Textes beeinflusst.
5) Beziehung zur Pragmatik
(Pragmatik = Sprachgebrauch im Kontext)
Die Pragmatik spielt eine zentrale Rolle in der Textanalyse, da Texte
immer in einem kommunikativen Kontext stehen.
Beispiel:
Der Satz:
„Das wäre vielleicht eine Lösung.“
kann je nach Kontext:
• ein Vorschlag
• eine Kritik
• eine indirekte Ablehnung
sein.
Die Textanalyse interpretiert diese Bedeutung im Kontext.
Textanalyse als integrative Disziplin
Die Textanalyse verbindet alle linguistischen Ebenen:
Ebene Rolle in der Textanalyse
Phonetik Intonation, Betonung
Ebene Rolle in der Textanalyse
Morphologie Wortformen, Nominalstil
Syntax Satzverknüpfung
Semantik Bedeutungsaufbau
Pragmatik Intention und Wirkung
Sie ermöglicht damit eine ganzheitliche Betrachtung von Sprache.
Bedeutung der Textanalyse
Die Textanalyse ist besonders wichtig für:
• wissenschaftliches Arbeiten
• Medienanalyse
• politische Kommunikation
• Übersetzung
• kritisches Lesen von Texten
Sie befähigt Studierende, Texte nicht nur zu verstehen, sondern kritisch
zu hinterfragen.
Textanalyse
Einführung in die linguistische Textanalyse
Die Textanalyse ist ein Teilgebiet der Germanistischen Linguistik
Sie beschäftigt sich mit der Untersuchung von Texten als vollständige
sprachliche Einheiten, nicht nur mit einzelnen Sätzen.
1) Textbegriff
Ein Text ist eine zusammenhängende sprachliche Einheit mit:
Anfang und Ende ()بداية ونهاية
Sinnzusammenhang ()ترابط معنوي
Kommunikativer Funktion ()وظيفة تواصلية
Der Text kann schriftlich oder mündlich sein.
2) Textstruktur ()بنية النص
Die Textstruktur beschreibt den inneren Aufbau des Textes:
Einleitung
Hauptteil
Schluss
Sie zeigt, wie Gedanken und Argumente organisiert sind.
3) Kohäsion ()التماسك الشكلي
Kohäsion sind sprachliche Verknüpfungsmittel an der Oberfläche des
Textes.
Beispiele:
Pronomen: er, sie, es
Konjunktionen: weil, aber, deshalb
Artikel / Verweise ()إحالة: dieser, jener
Sie verbinden Sätze formal miteinander.
4) Kohärenz ()االتساق الداللي
Kohärenz beschreibt den inhaltlichen Sinnzusammenhang.
Beziehungen:
Ursache – Wirkung ()سبب – نتيجة
Gegensatz ()تعارض
Zeitfolge ()تسلسل زمني
Begründung ()تعليل
Ohne Kohärenz wirkt der Text unverständlich.
5) Textsorten ()أنواع النصوص
Texte werden nach ihrer Funktion klassifiziert.
Wichtige Textsorten:
1. Narrativer Text ()نص سردي
→ Geschichten, Romane
2. Deskriptiver Text ()وصفي
→ Beschreibungen
3. Argumentativer Text ()حجاجي
ِ
→ Meinungsartikel
4. Instruktiver Text ()إرشادي
→ Anleitungen, Regeln
6) Kommunikative Funktionen ()الوظائف التواصلية
Jeder Text hat eine kommunikative Absicht.
Funktionen:
Informieren ()إخبار
Überzeugen ()إقناع
Auffordern ( أمر/ طلب
Warnen ()تحذير
Beispiel:
Werbung → Überzeugung
Bericht → Information
7) Kontext ()السياق
Die Textanalyse berücksichtigt den Kontext.
Kontextarten:
1. Sprachlicher Kontext
2. Sozialer Kontext
3. Kultureller Kontext
4. Historischer Kontext
Der Kontext beeinflusst die Bedeutung.
8) Lexikalische Analyse
Untersuchung des Wortschatzes im Text:
Wortwahl
Fachbegriffe ()مصطلحات تخصصية
Wertende Wörter ()ألفاظ أيديولوجية
Beispiel:
„Flüchtlinge“ vs „Migranten“
9) Syntaktische Analyse ()التحليل النحوي
Analyse der Satzstruktur:
Satzlänge
Passiv
Komplexe Strukturen
Wissenschaftliche Texte nutzen oft das Passiv.
10) Pragmatische Analyse ()التحليل التداولي
Untersuchung der kommunikativen Absicht:
Sprecherintention ()نية المتكلم
Wirkung auf den Leser ()تأثير النص
Sprechakte ()أفعال الكالم
11) Stilistische Analyse ()التحليل األسلوبي
Analyse des Sprachstils:
Formal / Informell ( غير رسمي/ )رسمي
Wissenschaftlich / Journalistisch
Stilmittel
Metapher ()استعارة
Ironie ()سخرية
Hyperbel ()مبالغة
1) Textualität – Kriterien der Textualität التناص
(nach de Beaugrande & Dressler)
Grundidee
Nicht jede Ansammlung von Sätzen ist ein Text.
Ein Text muss bestimmte Kriterien erfüllen.
Er muss:
• verständlich sein
• zusammenhängen
• ein Ziel haben
• in einer bestimmten Situation stehen
Diese Kriterien nennt man Textualitätskriterien.
1. Kohäsion – formaler Zusammenhang
Was bedeutet Kohäsion?
Kohäsion ist der sichtbare sprachliche Zusammenhang im Text.
Sie verbindet Sätze auf der Oberfläche.
Es geht also um grammatische und sprachliche Mittel.
Worauf achten wir im Text?
Wir suchen nach:
1. Konnektoren (Bindewörter)
weil, deshalb, aber, außerdem, jedoch, daher …
2. Pronomen (Verweise)
er, sie, es, dieser, jene …
3. Artikel und Bestimmungen
der, die, das – sie können auf etwas Bekanntes verweisen.
4. Wiederholung oder Paraphrase
Ein Wort wird wiederholt oder mit einem ähnlichen Wort ersetzt.
5. Ellipse (Auslassung)
Ein Teil wird weggelassen, weil er bekannt ist.
Beispiel: „Ich auch.“
Beispiel:
„Ahmed war krank. Deshalb ging er nicht zur Arbeit.“
• deshalb = kausaler Konnektor (Ursache → Folge)
• er = Pronomen, verweist auf Ahmed
Wichtiger Hinweis:
Kohäsion bedeutet nicht automatisch, dass der Text sinnvoll ist.
Ein Text kann gut verbunden sein – aber keinen logischen Sinn haben.
2. Kohärenz – inhaltlicher Zusammenhang
Was bedeutet Kohärenz?
Kohärenz ist der logische und inhaltliche Zusammenhang im Text.
Die Gedanken passen zusammen und ergeben Sinn.
Hier geht es nicht um Grammatik, sondern um Bedeutung.
Gutes Beispiel (mit Kohärenz):
„Es regnete stark. Deshalb wurden die Straßen überflutet.“
Regen → Überschwemmung
Das ist logisch.
Beispiel mit Kohäsion, aber ohne Kohärenz:
„Es regnete stark. Deshalb liebe ich Pizza.“
Es gibt das Wort „deshalb“,
aber inhaltlich passt es nicht zusammen.
3. Intentionalität – Absicht des Autors
Was bedeutet Intentionalität?
Der Autor schreibt mit einer bestimmten Absicht.
Er möchte zum Beispiel:
• informieren
• überzeugen
• kritisieren
• erklären
• warnen
Sprachliche Hinweise im Text:
1. Aufforderungen (Imperativ)
„Jetzt handeln!“
„Bitte beachten Sie…“
2. Überzeugende Sprache
„Wir müssen…“
„Es ist notwendig…“
3. Erklärende Sprache
„Das bedeutet…“
„Unter X versteht man…“
Wichtig:
Die Absicht ist nicht immer direkt sichtbar.
Manchmal ist sie indirekt oder zwischen den Zeilen.
4. Akzeptabilität – Akzeptanz beim Leser
Was bedeutet Akzeptabilität?
Der Text muss für die Zielgruppe passend und verständlich sein.
Die Leser müssen ihn akzeptieren.
Wichtige Fragen:
• Ist der Text klar für die Zielgruppe?
• Gibt es zu viele Fachbegriffe?
• Ist der Stil passend? (formal oder informell)
Beispiel:
Ein medizinischer Text für Patienten
muss schwierige Begriffe erklären.
Sonst ist die Akzeptabilität niedrig.
5. Informativität – Informationsgehalt
Was bedeutet Informativität?
Ein Text enthält neue Informationen.
Aber die Menge muss passend sein.
Drei mögliche Situationen:
• Zu wenig Information → langweilig
• Zu viel Information → schwer verständlich
• Passende Menge → gut lesbar und informativ
Typische Hinweise:
• Zahlen und Statistiken
• neue Definitionen
• Fachbegriffe
• Forschungsergebnisse
6. Situationalität – Bezug zur Situation
Was bedeutet Situationalität?
Ein Text entsteht in einer bestimmten Situation.
Er gehört zu einem bestimmten Kontext.
Zum Beispiel:
• Krankenhaus
• Schule
• Behörde
• Werbung
• Nachricht
Beispiel:
„Bitte bringen Sie Ihre Karte am Untersuchungstag mit.“
Das gehört zur Situation „Labor“ oder „Arztbesuch“.
Sprachliche Hinweise:
• Zeitangaben: heute, morgen
• Ortsangaben: im Krankenhaus
• direkte Ansprache: Sie / ihr
• Regeln oder Anweisungen
7. Intertextualität – Beziehung zu anderen Texten
Was bedeutet Intertextualität?
Ein Text bezieht sich auf andere Texte.
Das kann sein:
• ein Zitat
• ein Gesetz
• eine bekannte Redewendung
• ein religiöser oder kultureller Ausdruck
Formen:
Zitat
Direkte Übernahme mit Anführungszeichen.
Referenz
Verweis auf ein Gesetz oder ein Buch.
Anspielung
Indirekter Hinweis ohne direkte Nennung.
Formelhafte Sprache
Feste Ausdrücke, z.B.:
„Gesundheit ist das höchste Gut.“
2) Thema und Rhema – Informationsstruktur
Grundidee
Jeder Satz besteht aus zwei Teilen:
• Thema = das Bekannte / der Ausgangspunkt
• Rhema = die neue Information
Einfaches Beispiel:
„Die Patientin hat Fieber.“
• Thema → Die Patientin
• Rhema → hat Fieber
Warum ist das wichtig?
Im Text entsteht dadurch eine Textprogression.
Der Text entwickelt sich Schritt für Schritt.
Ein guter Text springt nicht chaotisch von einem Thema zum anderen.
Er verbindet:
Bekanntes → Neues → Weiterentwicklung
Beispiel für Textprogression:
„Ein Virus verursacht eine Infektion.
Diese Infektion führt zu Fieber.
Fieber kann gefährlich sein.“
Hier wird jede neue Information zum nächsten Thema.
Das macht den Text klar und logisch.
1. Texttypen und Funktionen
Texttyp Funktion Beispiele
Wissenschaftlicher Artikel über
Erklären,
Expositorisch Klimaänderungen / مقال علمي عن تغير
Informieren /
/ تفسيري ;المناخLehrbuchkapitel über Chemie /
إعالم،شرح
فصل كتاب دراسي عن الكيمياء
Werbeanzeige für ein Fitnessstudio /
Handeln anregen
Appellativ / ;إعالن لمنتجع رياضيPolitische Rede zur
/ تحفيز القارئ على
تحريضي Wahlbeteiligung / خطاب سياسي لتشجيع
فعل شيء
التصويت
Kurzgeschichte über eine Reise / قصة
Geschichten
Narrativ / ;قصيرة عن رحلةRomankapitel über
erzählen / سرد
سردي Kindheitserinnerungen / فصل رواية عن
أحداث
ذكريات الطفولة
Beschreibung eines Gartens / وصف
Etwas
Deskriptiv / ;حديقةLandschaftsbeschreibung in
beschreiben /
وصفي einem Reisebericht / وصف منظر طبيعي
وصف شيء
في تقرير سفر
Argumentativ Meinung Meinungsartikel in einer Zeitung / مقال
/ حجاجي vertreten, ;رأي في صحيفةEssay über Vor- und
Texttyp Funktion Beispiele
überzeugen / Nachteile von Homeoffice / مقال عن
إقناع،التعبير عن رأي مزايا وعيوب العمل من المنزل
القارئ
Anleitungen Kochrezept / ;وصفة طبخ
Instruktiv /
geben / إعطاء Bedienungsanleitung für ein Gerät /
إرشادي
تعليمات دليل استخدام جهاز
Hinweis
Viele reale Texte enthalten Mischformen. Ein wissenschaftlicher Artikel
kann z. B. auch argumentativ sein, ein Reisebericht kann deskriptive und
narrative Elemente kombinieren.
2. Textkohäsion
Lexikalische Kohäsion / التماسك المعجمي
• Wiederholung
1. „Der Patient hatte Fieber. Das Fieber hielt drei Tage an.“
• Synonyme
„Infektion – Krankheit – Virus“
• Hyponyme / تصنيفات فرعية:
„Hund – Labrador – Haustier“
Referenzielle Kohäsion / التماسك اإلشاري
• Pronomen / ضمائر:
„Ahmed war krank. Er blieb zu Hause.“ → „Er“ verweist auf
Ahmed
• Demonstrativpronomen
„Dieses Buch ist interessant. Das Kapitel über Geschichte
gefällt mir besonders.“
Kohäsion durch semantische Felder / التماسك عبر الحقول الداللية
• Wörter zum Thema „Gesundheit“: Arzt, Krankenhaus,
Medikamente, Therapie
3. Textkohärenz
Logische Beziehungen / العالقات المنطقية
• Kausalität / سببية:
„Es regnete stark. Deshalb wurden die Straßen überflutet.“
• Konzessiv / تناقض مع شرط:
„Er war krank, trotzdem ging er zur Arbeit.“
• Temporal / زمنية:
„Zuerst frühstückte sie. Dann ging sie zur Arbeit.“
Pragmatische Kohärenz / االتساق التداولي
• „Bitte beachten Sie die Anweisungen.“ → Erwartung: Leser folgt
den Regeln
Ideologische Kohärenz / االتساق األيديولوجي
• „Flüchtlinge sollen unterstützt werden.“ → positive Haltung
• „Migranten verursachen Probleme.“ → negative Konnotation
4. Diskursanalyse – Beispiele erweitert
Fokus / التركيز
• Wiederkehrende Themen / مواضيع متكررة: Migration, Klimawandel,
Gesundheit
• Argumentationsmuster / أنماط الحجاج: Ursache-Folge, Vergleich,
Beispiel
• Sprachliche Strategien / استراتيجيات لغوية: Metaphern, rhetorische
Fragen, Wiederholungen
Beispiel / مثال:
• Politische Rede über Migration:
„Wir müssen unsere Grenzen schützen, aber gleichzeitig
Menschen in Not helfen.“
→ zeigt konsistente Argumentation / يُظهر حجاج متسق
• Vergleich zweier Reden:
Rede A: Migranten als Chance / المهاجرون فرصة
Rede B: Migranten als Problem / المهاجرون مشكلة
→ unterschiedliche ideologische Ausrichtung / اتجاه أيديولوجي
مختلف
Textfunktionen nach Brinker
1. Grundidee der Textfunktionen
Der Linguist Klaus Brinker beschreibt Texte nach ihrer
kommunikativen Funktion.
Das bedeutet:
Nicht nur die Form des Textes ist wichtig, sondern auch was der Text
kommunikativ erreichen will.
2. Die fünf Textfunktionen nach Brinker
Brinker unterscheidet fünf grundlegende Textfunktionen:
Textfunktion Beispiel
Informationsfunktion Nachrichten, Berichte
Appellfunktion Werbung, politische Reden
Obligationsfunktion Verträge
Kontaktfunktion
Begrüßungen
Deklarationsfunktion Gerichtsurteil
3. Informationsfunktion
Der Text vermittelt Informationen über Sachverhalte.
Typische Textsorten:
• Nachrichten
• wissenschaftliche Artikel
• Berichte
• Lehrbücher
Beispiel:
„Die Erde bewegt sich um die Sonne.“
Der Autor versucht hier nicht zu überzeugen, sondern nur zu
informieren.
4. Appellfunktion
Der Autor versucht, den Leser zu beeinflussen oder zu einer Handlung
zu bewegen.
Typische Textsorten:
• Werbung
• politische Reden
• Kommentare
Beispiel:
„Kaufen Sie jetzt unser neues Produkt!“
Sprachliche Merkmale:
• Imperativ
• emotionale Sprache
• rhetorische Fragen
5. Obligationsfunktion
Der Text schafft eine Verpflichtung zwischen zwei Parteien.
Typische Beispiele:
• Verträge
• Vereinbarungen
• Gesetze
Beispiel:
„Der Mieter verpflichtet sich, die Miete monatlich zu zahlen.“
6. Kontaktfunktion
Der Text dient dazu, soziale Beziehungen herzustellen oder
aufrechtzuerhalten.
Typische Beispiele:
• Begrüßungen
• Glückwünsche
• Small Talk
Beispiel:
„Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!“
""!عيد ميالد سعيد
Hier ist die Information nicht wichtig, sondern die soziale Beziehung.
7. Deklarationsfunktion
Der Text verändert eine soziale Realität durch Sprache.
Typische Beispiele:
• Gerichtsurteile
• Eheschließungen
• offizielle Entscheidungen
Beispiel:
„Hiermit erkläre ich Sie zu Mann und Frau.“
Die Aussage selbst schafft eine neue Realität.
8. Mehrfunktionalität von Texten
Viele Texte haben mehr als eine Funktion.
Beispiel:
Zeitungsartikel:
• Information
• manchmal auch Appell oder Bewertung
9. Bedeutung für die Textanalyse
Bei der Analyse eines Textes fragt man:
Welche Funktion hat der Text?
Welche sprachlichen Mittel unterstützen diese Funktion?
Welche Wirkung hat der Text auf den Leser?
Übung: Linguistische Textanalyse
Viele Menschen arbeiten heute im Homeoffice. Dadurch sparen sie Zeit,
weil sie nicht täglich zur Arbeit pendeln müssen. Außerdem ermöglicht
diese Arbeitsform eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Aufgaben
1. Bestimmen Sie den Texttyp.
Handelt es sich um einen:
• narrativen Text
• deskriptiven Text
• argumentativen Text
• instruktiven Text
Begründen Sie Ihre Entscheidung.
2. Identifizieren Sie Kohäsionsmittel im Text.
Finden Sie sprachliche Mittel, die die Sätze miteinander verbinden.
Achten Sie auf:
• Konnektoren
• Pronomen
• lexikalische Beziehungen
3. Analysieren Sie die Kohärenz.
Welche logische Beziehung besteht zwischen den Sätzen?
Zum Beispiel:
• Ursache – Wirkung
• Begründung
• Ergänzung
4. Bestimmen Sie die kommunikative Funktion des Textes.
Welche Funktion hat der Text?
• Informationsfunktion
• Appellfunktion
• Kontaktfunktion
• Obligationsfunktion
• Deklarationsfunktion
5. Bestimmen Sie Thema und Rhema im ersten Satz.
Satz:
Viele Menschen arbeiten heute im Homeoffice.
Musterlösung mit Begründung
1. Texttyp
Der Text ist argumentativ.
Begründung
Der Autor präsentiert eine Aussage und unterstützt diese durch
Begründungen.
These:
Viele Menschen arbeiten im Homeoffice.
Begründungen:
• Zeitersparnis durch Wegfall des Pendelns
• bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie
Da der Text Gründe für eine Situation liefert, hat er eine argumentative
Struktur.
2. Kohäsionsmittel
Im Text erscheinen mehrere Kohäsionsmittel.
Konnektoren
• dadurch
• weil
• außerdem
Diese Wörter verbinden die Sätze logisch miteinander.
Beispiel:
„Dadurch sparen sie Zeit.“
→ „Dadurch“ verweist auf die vorherige Aussage und stellt eine Folge
dar.
Pronomen
• sie
Das Pronomen „sie“ bezieht sich auf „viele Menschen“.
Dies nennt man referenzielle Kohäsion.
Lexikalische Kohäsion
Wörter mit thematischem Zusammenhang:
• Homeoffice
• Arbeit
• pendeln
• Beruf
Diese Wörter gehören zum gleichen semantischen Feld „Arbeitswelt“.
3. Kohärenz
Die Kohärenz basiert auf Ursache-Wirkung-Beziehungen.
Satz 1
Viele Menschen arbeiten im Homeoffice.
→ Einführung des Themas.
Satz 2
Dadurch sparen sie Zeit, weil sie nicht pendeln müssen.
Erklärung der Konsequenz.
Struktur:
Homeoffice → kein Pendeln → Zeitersparnis
Satz 3
Außerdem ermöglicht diese Arbeitsform eine bessere Vereinbarkeit von
Beruf und Familie.
zusätzliche Begründung.
Die Sätze sind logisch miteinander verbunden und bilden einen
kohärenten Text.
4. Kommunikative Funktion
Die dominante Funktion ist die Informationsfunktion.
Begründung
Der Text informiert über Vorteile des Homeoffice.
Der Autor fordert den Leser nicht direkt zu einer Handlung auf.
Es gibt:
• keine Imperative
• keine direkte Aufforderung
Der Text vermittelt hauptsächlich Informationen über ein
gesellschaftliches Phänomen.
5. Thema – Rhema
Satz:
Viele Menschen arbeiten heute im Homeoffice.
Thema
Viele Menschen
→ bekannte oder eingeführte Information.
Rhema
arbeiten heute im Homeoffice
→ neue Information über das Thema.
Die Informationsstruktur des Satzes folgt dem Prinzip:
Bekanntes → Neue Information
Kurze Zusammenfassung der Analyse
Analyseebene Ergebnis
Texttyp argumentativ
Kohäsion Konnektoren, Pronomen, lexikalische Beziehungen
Kohärenz Ursache–Wirkung und Ergänzung
Textfunktion Informationsfunktion
Thema: Viele Menschen / Rhema: arbeiten im
Thema/Rhema
Homeoffice