In Memoriam: Dr. Rer. Nat. Joachim Knaack (2.1.1933 - 5.12.2012)
In Memoriam: Dr. Rer. Nat. Joachim Knaack (2.1.1933 - 5.12.2012)
In memoriam
Dr. rer. nat. Joachim Knaack (2.1.1933 – 5.12.2012)
desinstitut für Hygiene Brandenburg unter Leitung seines nerzeit wurde in der Literatur teilweise die Meinung ver
von ihm hochgeschätzten Förderers Prof. Friedrich Sar treten, dass sich das Weibchen des Punktierten Panzer
torius. In den frühen fünfziger Jahren hatte er weiterhin welses bei der Paarung an dem Männchen festsaugt, ob
Gelegenheit als Gasthörer an der Pädagogischen Hoch wohl bereits Carbonnier (1878) das Paarungsverhalten
schule Potsdam und an der Humboldt-Universität Berlin dieser Art eindeutig beschrieb. Knaack konnte dagegen
in den Fachrichtungen Biologie und Chemie Praktika und endgültig klären, dass das Männchen mit seiner Brust
Vorlesungen zu belegen. 1955 erwarb er das Staatsexamen flosse die Barteln des Weibchens festklemmt und dieses
als chemisch-technischer Assistent in Halle. Danach stu so an sich drückt. Auch der bis dahin unbekannte Weg des
dierte er an der Karl-Marx-Universität Leipzig Biologie Spermas wurde von ihm durch Versuche aufgeklärt. Diese
mit einer Spezialausbildung für Trink-, Brauch- und Beobachtungen hatten und haben für das Verständnis des
Abwasserbiologie. 1957 beendete er erfolgreich sein Stu Fortpflanzungsverhaltens der gesamten Gattung noch im
dium mit dem Diplom als Biologe. Im Anschluss arbeite mer generelle Bedeutung (Knaack, 1955). Es folgten ne
te er an seiner Promotion unter dem Thema „Beiträge zur ben anderen Publikationen die Erstbeschreibungen von
Biologie und Parasitenfauna der mitteleuropäischen Co Corydoras guapore (1961), C. haraldschultzei und C. ster
bitiden“, die er am 5. Juli 1961 in Leipzig erfolgreich bai (1962) sowie C. pygmaeus (1966). Dann tritt für Au
verteidigte. Diese Arbeit beschäftigte sich u. a. mit der ßenstehende eine lange ichthyologische und aquaristische
Fortpflanzungsbiologie der einheimischen Schmerlen, die Schaffenspause ein, in der er nicht publizierte und nicht
seinerzeit alle noch in der Familie der Cobitidae vereinigt öffentlich in Erscheinung trat. Erst 1999 beendete er sein
waren. Besonders bemerkenswert war hier, dass er alle Schweigen durch neue ichthyologische und aquaristische
drei damals in Deutschland bekannten Arten in Gefan Veröffentlichungen. Dieses Stillschweigen wurde ihm
genschaft erfolgreich vermehrte, das Ablaichverhalten von offizieller Seite auferlegt, war aber nicht gleichbe
dieser Fische verglich und fotografisch dokumentierte, deutend mit einer Inaktivität seinerseits. Tatsächlich ver
sowie erfolgreiche Kreuzungsversuche zwischen diesen mehrte er neben seiner wissenschaftlichen beruflichen
drei Arten durchführte. Zu seinen akademischen Lehrern Tätigkeit, die aufgrund seiner vielfältigen Leitungsfunk
zählten Arno Wetzel (1890 – 1977) und Günther Sterba, tionen im Institut mit erheblichen Belastungen verbunden
der auch sein Doktorvater war. Nach seiner Promotion war, solche damals sehr gesuchten und als Problemfische
übernahm er die Leitung der Abteilung „Trink-, Brauch- bezeichneten Aquarienfische wie Chromobotia macracan
und Abwasserhygiene“ im damaligen Bezirkshygiene thus, Epalzeorhynchos bicolor, Epalzeorhynchos frena
institut Potsdam. An der Akademie für ärztliche Fort tus, Dianema longibarbis, Dianema urostriata und Dorn
bildung in Berlin-Lichtenberg absolvierte er eine Aus augen (Pangio spec.), um nur einige zu nennen. Diese
bildung zum Kreishygienearzt und anschließend eine Erfolge waren möglich durch die von ihm in der Aquaristik
Ausbildung zum Facharzt für Hygiene und Epidemio etablierte und zur Perfektion gebrachte Verwendung von
logie, die er 1966 als Fachwissenschaftler der Medizin Hypophysenhormonen in der Fischzucht. Die Methode
abschloss. Mitte der 1980er Jahre wurde er Inspektions wird von einigen Kritikern abgelehnt, ist jedoch seit ge
leiter für Umwelthygiene und -medizin und stand den raumer Zeit in der kommerziellen Nutzfischzucht eine
Abteilungen Wasser-, Boden-, Luft, Lärm sowie Bau- und anerkannte und verbreitete Arbeitsweise, so dass ihre An
Wohnungshygiene vor. Nach der politischen Wende in wendung bei der Vermehrung von seltenen Aquarien
Deutschland wurde das Hygieneinstitut abgewickelt und fischen durchaus ihre Berechtigung hat. Zudem zeigte
aus einigen Fachbereichen dieses Institutes entstand das sich, dass die Nachkommen einiger Arten, die zunächst
Landesgesundheitsamt Brandenburg, für das er bis zu sei mit dem Einsatz von Hypophysenhormonen vermehrt
nem Ausscheiden 1993 als Direktor verantwortlich zeich wurden, später bei fachgerechter Konditionierung auch
nete. ohne den Einsatz derartiger Hormone in Gefangenschaft
Darüber hinaus war Joachim Knaack begeisterter zur Fortpflanzung schritten. Als Beispiel für diese Arten
Tauch- und Kampfsportler. So war er als Mitglied der Na mag der Kiemenschlauchwels, Heteropneustes fossilis,
tionalmannschaft der DDR Vizeeuropa- (Barcelona 1970) gelten, den er ebenfalls vermehrte. Die letzte Art, die er
und Vizeweltmeister (Neuglobsow 1985?) im Orientie erfolgreich zur Fortpflanzung brachte, dürfte ein klein
rungstauchen und zeitweise auch Trainer der National bleibender, noch unbestimmter afrikanischer Zitterwels
mannschaft der Damen und Herren der DDR im Orientie sein, den er im Sommer des letzten Jahres vermehrte.
rungstauchen. Die Mannschaft der Damen errang 1972 in Diese Zuchterfolge brachten ihm schnell den Ruf einer
Arnheim (Niederlande) unter seiner Leitung den Europa unnahbaren, grauen Eminenz ein. In Wirklichkeit war er
meistertitel. aber auch ungeachtet des aquaristischen Publikationsver
Joachim Knaack war verheiratet und hatte einen Sohn botes aufgrund seiner vielfältigen beruflichen, sportlichen
und eine Tochter. und aquaristischen Verpflichtungen objektiv nicht in der
Sein wissenschaftliches Hauptinteresse galt den Lage eine aktivere Rolle in der Öffentlichkeit wahrzuneh
Schmerlen sowie den Schwielen-, Panzer- und Harnisch men. Dies änderte sich erst 1993 mit seinem Eintritt in
welsen. Diese Fische haben ihn sein gesamtes Leben lang den vorzeitigen Ruhestand. Diesen Schritt unternahm er,
begeistert und beschäftigt. Einer seiner ersten großen wis weil er die Lebensweise seiner geliebten Welse in der Na
senschaftlichen Erfolge war die Aufklärung des Ablaich tur kennenlernen wollte. Jetzt bereiste er die Herkunfts
verhaltens von Corydoras paleatus im Jahre 1955. Sei länder der Panzer- und Harnischwelse (Brasilien, Para
250
VERTEBRATE ZOOLOGY — 63 (3) 2013
guay, Argentinien, Uruguay und Bolivien) auch auf der Knaack, J. (1955): Corydoras paleatus (Jenyns). – Aquarien Terra
Suche nach unbekannten Arten. Dabei waren ihm seine rien, Monatsschrift für Ornithologie und Vivarienkunde, Aus
tauchsportlichen Erfahrungen und sein überaus durchtrai gabe B, 2(6): 161 – 167.
nierter Körper von großer Hilfe. So konnte es passieren, Knaack, J. (1961): Über das Verhalten des Schlammpeitzgers, Mis
dass er schon einmal 50 km zu Fuß durch den Regenwald gurnus fossilis (Linné), bei der Vermehrung. – Die Aquarien-
lief, wenn er einen bestimmten Fundort aufsuchen wollte, und Terrarienzeitschrift (DATZ), 14(11): 333 – 337.
der nur auf diese Weise zu erreichen war. Joachim Knaack Knaack, J. (1961): Über das Verhalten des Schmerle, Noemacheilus
war ein Praktiker, den man vielleicht als überaus natur barbatulus (Linné), bei der Vermehrung. – Die Aquarien- und
verbundenen Menschen im besten Sinne bezeichnen Terrarienzeitschrift (DATZ), 14(12): 362 – 366.
kann, obwohl diese Charakterisierung seine Persönlichkeit Knaack, J. (1961): Beiträge zur Biologie und Parasitenfauna der
zu stark einengt. Als Wissenschaftler der alten Schule si mitteleuropäischen Cobitiden. – Unveröffentlichte Dissertation,
cherte er seine Aussagen und Veröffentlichungen immer Karl-Marx-Universität Leipzig, 91 S., Datum der Verteidigung:
durch genaue eigene Beobachtungen in zahlreichen prak 5. Juli 1961.
tischen Versuchen ab. So beschrieb er nur Arten als wis Knaack, J. (1961): Ein neuer Panzerwels aus Brasilien (Corydoras
senschaftlich neu, die er selbst der Natur entnommen und guapore) (Pisces, Teleostei, Callichthyidae). – Sitzungsberichte
in Gefangenschaft über mehrere Generationen erfolgreich der Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin (N.F.),
vermehrt hatte. Die dabei gewonnenen Beobachtungen 1(1/3): 135 – 138.
gaben ihm eine absolute Sicherheit, die man bei anderen, Knaack, J. (1962): Zwei neue Panzerwelse, Corydoras harald
in letzter Zeit zu den von ihm bearbeiteten Fischgruppen schultzi und Corydoras sterbai (Pisces, Teleostei, Callichthyi
publizierten Arbeiten durchaus vermisst. Eine Ausnahme dae). – Senckenbergiana Biologica, 43(2): 129 – 135, Tafel 11 – 12.
bilden hier nur seine frühen, in den 1960er Jahren be Knaack, J. (1962): Untersuchungen an den Geschlechtsprodukten
schriebenen Arten, die er selbst nicht sammeln konnte. der mitteleuropäischen Cobitiden. – Bulletin of Aquatic Bio
Insgesamt hat Joachim Knaack 22 von ihm entdeckte, logy, 3(29): 81 – 96
neue Arten beschrieben, davon sind 17 Corydoras-Arten Knaack, J. (1962): Zur Fortpflanzung des Steinbeißers, Cobitis tae
und fünf Loricariiden. Leider konnte er viele seiner be nia Linné. – Die Aquarien- und Terrarienzeitschrift (DATZ),
gonnenen Arbeiten nicht mehr abschließen, so dass eine 15(2): 42 – 45.
größere Anzahl von Arbeiten, einschließlich der Be Knaack, J. (1965): Beiträge zur Biologie der mitteleuropäischen
schreibung mehrerer neuer Arten, nicht mehr erscheinen Cobitiden. I. Geographische Verbreitung, Biotope und Fang. II.
werden. Geschlechtsdimorphismus und natürliches Geschlechtsverhält
nis. III. Natürliches und durch Hypophyseninjektion hervorge
Folgende Arten wurden von Joachim Knaack erstmals rufenes Ablaichen. IV. Kreuzungen zwischen Noemacheilus
wissenschaftlich beschrieben (Aufzählung in chronologi barbatulus (L.), Misgurnus fossilis (L.) und Cobitis taenia L. –
scher Reihenfolge): Die Aquarien- und Terrarienzeitschrift (DATZ), 18(1): 10 – 13,
(2): 43 – 45, (3): 78 – 80, (4): 107 – 110.
Callichthyidae (Genus Corydoras): Knaack, J. (1966): Ein Zwergpanzerwels aus Brasilien: Corydoras
1961: guapore. pygmaeus. Neubeschreibung (Pisces, Teleostei, Callichthyi
1962: haraldschultzi, sterbai. dae). – Aquarien-Terrarien. Monatsschrift für Ornithologie und
1966: pygmaeus. Vivarienkunde, Ausgabe B, 13(11): 364 – 365.
1999: spectabilis. Knaack, J. (1999): A new species of Bristelmouth catfish of the ge
2000: areio. nus Ancistrus Kner, 1854 from the Mato Grosso, Brazil (Pisces,
2001: pantanalensis. Siluriformes, Loricariidae). – Topical Fish Hobbyist, 47(19):
2002: bilineatus, cruziensis, mamore. 70 – 76.
2004: negro, noelkempffi, albolineatus, isbrueckeri, Knaack, J. (1999): A new species of Suckermouth catfish (Hyposto
paragua, paucerna. mus Lacépède, 1803) from the Mato Grosso, Brazil (Pisces, Silu
2007: longipinnis. riformes, Loricariidae). – Topical Fish Hobbyist, 47(19): 102 – 107.
Knaack, J. (1999): New Ancistrus species from the Rio Cuiba Sys
Loricariidae: tem, Brazil (Pisces, Siluriformes, Loricariidae). – Tropical Fish
1999: claro, Ancistrus; cuiabae, Ancistrus; mutucae, Hobbyist, 47(12): 150 – 155.
Hypostomus. Knaack, J. (1999): Corydoras spectabilis n. sp. Eine weitere neue
2000: guapore, Lasiancistrus. Art der Gattung Corydoras Lacépède, 1803 aus dem Mato
2003: aurata, Hemiloricaria. Grosso (Pisces, Siluriformes, Callichthyidae). – VDA-aktuell,
1(2000): 74 – 79.
Joachim Knaack publizierte als überaus vielseitiger Bio Knaack, J. (2000): Corydoras areio n. sp. Eine weitere neue Art der
loge in den verschiedensten Zeitschriften zu den unter Gattung Corydoras Lacépède, 1803 aus dem Mato Grosso
schiedlichsten Themen, so dass es sehr schwer ist, eine (Pisces: Siluriformes: Callichthyidae). – VDA-aktuell, 2(2000):
vollständige Publikationsliste zu erstellen. Als Beispiele 45 – 56.
seien nachfolgend nur seine wichtigsten Publikationen Knaack, J. (2000): Ein weiterer neuer Harnischwels aus dem Rio
auf aquaristischem und ichthyologischem Gebiet ge Guaporé: Lasiancistrus guaporé n. sp. – Aquaristik aktuell,
nannt: 8(9 – 10): 56 – 61.
251
A. Zarske: In memoriam Dr. rer. nat. Joachim Knaack (2.1.1933 – 5.12.2012)
Knaack, J. (2001): Ein weiterer neuer Panzerwels aus Bolivien: Knaack, J. (2004): Beschreibung von sechs neuen Arten der Gat
Corydoras pantanalensis n. sp. (Pisces, Siluriformes, Callich tung Corydoras La Cépède, 1803 (Teleostei: Siluriformes: Cal
thyidae). – Aquaristik aktuell, 9(9 – 10): 58 – 63. lichthyidae). – Zoologische Abhandlungen; Staatliches Muse
Knaack, J. (2002): Ein weiterer neuer Panzerwels aus Bolivien: um für Tierkunde in Dresden, 54: 55 – 105.
Corydoras cruziensis n. sp. (Pisces, Siluriformes, Callichthyi Knaack, J. (2004): Ergänzende Bemerkungen zu Corydoras di
dae). – VDA-aktuell, 3(2001): 60 – 69. phyes Axenrot & Kullander, 2003 (Teleostei: Siluriformes:
Knaack, J. (2002): Ein neuer Panzerwels aus Bolivien: Corydoras Callichthyidae) aus Paraguay. – Zoologische Abhandlungen;
bilineatus n. sp. (Pisces, Siluriformes, Callichthyidae). – Aqua Staatliches Museum für Tierkunde in Dresden, 54: 107 – 135.
ristik aktuell, 10(4): 50 – 56. Knaack, J. (2007): Beiträge zur Kenntnis der Callichthyidae (Te
Knaack, J. (2003): Ein weiterer neuer Panzerwels aus Bolivien: leostei: Siluriformes). III. Corydoras longipinnis sp. n. – ein
Corydoras mamoré n. sp. (Pisces, Siluriformes, Callichthyi neuer Panzerwels aus dem río Dulce in Argentinien (Teleostei:
dae). – VDA-aktuell, 1(2003): 16 – 24. Siluriformes: Callichthyidae). – Vertebrate Zoology, 57(1):
Knaack, J. (2003): Ein neuer Prachthexenwels aus Paraguay: He 35 – 55.
miloricaria aurata n. sp. (Pisces, Siluriformes, Loricariidae). –
Aquaristik aktuell, 1(2003): 56 – 61.
Diese Liste spiegelt nur einen sehr kleinen Teil seiner Leere hinterlässt, die nicht oder nur sehr schwer und lang
Publikationen wider und schließt seine Veröffentlichungen sam zu schließen ist. Aber vielleicht stellt sich im Lauf
auf beruflichem, ichthyofaunistischem und tauchsportli der Zeit ein Gefühl ein, das mich dankbar dafür sein lässt,
chem Gebiet aus. dass ich ein Stück des Weges mit einem solchen großar
tigen Menschen gemeinsam gehen konnte und dass ich
Mit Joachim Knaack verlieren wir einen der kenntnis ihn zu meinen Freunden zählen durfte.
reichsten und kollegialsten Mitstreiter und ich persönlich
einen guten Freund, dessen Verlust eine schmerzliche Axel Zarske
252