Gruselgeschichte (Mustertext)
Deutschstunde 2. Lehrplan 2023. Sprachbuch, S. 120
Das Kellergespenst
Eines Abends war ich alleine zuhause. Meine Eltern waren bei unseren
Nachbarn eingeladen. Kein Laut war zu hören. Das war mir sehr recht, denn
ich lag in meinem gemütlichen Bett und wollte ein gruseliges Buch lesen. Noch
konnte ich nicht ahnen, dass es mit der Ruhe bald vorbei sein würde. Ich
begann zu lesen. Die Geschichte spielte in einer Höhle. Es war sehr spannend
und schon bald war ich völlig in das Buch vertieft.
Plötzlich vernahm ich ein schreckliches Geräusch. Ich erschrak. Was war das?
Ich horchte in die Stille. Da! Schon wieder hörte ich das Knarren. Es kam aus
dem Keller. Soll ich hinuntergehen und nachschauen?, fragte ich mich. Nach
einer Minute des Grübelns war ich mir sicher. Ich schnappte mir mein Handy,
aktivierte die Taschenlampenfunktion und ging in Richtung des Kellerabgangs.
Vorsichtig öffnete ich die schwere Tür. Eine rauchige, stinkende Duftwolke
schlug mir entgegen. Ganz langsam tappte ich Schritt für Schritt die alte
Treppe hinunter. Auf einmal spürte ich etwas Weiches, das meinen Fuß
berührte. Schlagartig überkam mich fürchterliche Angst. Nur mit Mühe konnte
ich einen Schrei unterdrücken. Als ich mit der Taschenlampe auf den Boden
leuchtete, erblickte ich eine kleine Maus. Da hatte ich also den Übeltäter. Klirr!
Aber was war das? Ich sah eine Gestalt durch den Keller huschen. Eine
Täuschung? Nein. Ich bekam noch mehr Angst. Das Herz schlug mir bis zum
Hals herauf. Es war totenstill. Dann folgte erneut das unheimliche Geräusch:
Klirr! Klirr! Es war mit einem Mal stockdunkel. Der Akku meines Handys war
aus. „Wer i... ist d... d... da?“, stotterte ich in die Finsternis. Ich wollte nur
noch hier weg. „Paul? Bist du es?“, hörte ich eine rauchige Stimme fragen.
Nichts wie weg von diesem grässlichen Ort! Ich hatte keine Lust, auf
krächzende und klirrende Gespenster zu treffen. Doch meine Beine waren wie
gelähmt. Mein Herz klopfte wie verrückt. Klick! In diesem Moment ging das
Licht an und vor mir stand: Mein Vater!
„Du?“, fragte ich völlig verdattert, denn der Schreck saß noch in meinen
Knochen. „Ja! Der Wein war aus, also bin ich zu uns gegangen, um neuen zu
holen“, erzählte Papa. „Aber ... warum klingst du so krächzend?“, wollte ich
wissen. „Ach, weil wir bei den Müllers so laut geredet und viel gelacht haben“,
gab er hustend zur Antwort „das schlägt sich auf meine Stimme.“ Also war
alles aufgeklärt. Ich lachte erleichtert auf. Beruhigt legte ich mich wieder in
mein Bett.
© VERITAS-Verlag, Linz Weber-Leb, Bergthal, Erlacher, Sonnleitner
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