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Das Dokument beschreibt die archäologischen Forschungen und die historische Bedeutung der hethitischen Hauptstadt Ḫattuša in der Türkei, die von ca. 1650 bis 1180 v. Chr. als zentraler Kultort und Verwaltungssitz des Hethitischen Großreiches diente. Die Ruinen, die seit 1986 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören, bieten Einblicke in die hethitische Kultur und Geschichte, einschließlich bedeutender Monumente und Keilschrifttexte. Die interdisziplinären Forschungsarbeiten des Deutschen Archäologischen Instituts seit 1931 zielen darauf ab, die Entwicklung der Stadt und ihrer Umgebung über verschiedene Epochen hinweg zu dokumentieren und zu verstehen.

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Das Dokument beschreibt die archäologischen Forschungen und die historische Bedeutung der hethitischen Hauptstadt Ḫattuša in der Türkei, die von ca. 1650 bis 1180 v. Chr. als zentraler Kultort und Verwaltungssitz des Hethitischen Großreiches diente. Die Ruinen, die seit 1986 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören, bieten Einblicke in die hethitische Kultur und Geschichte, einschließlich bedeutender Monumente und Keilschrifttexte. Die interdisziplinären Forschungsarbeiten des Deutschen Archäologischen Instituts seit 1931 zielen darauf ab, die Entwicklung der Stadt und ihrer Umgebung über verschiedene Epochen hinweg zu dokumentieren und zu verstehen.

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ḪATTUŠA/BOĞAZKÖY – DIE HAUPTSTADT DES

HETHITERREICHES

DAI Standort Abteilung Istanbul

Laufzeit seit 1931

METADATEN

Projektverantwortlicher Andreas Schachner

Adresse

Email [Link]@[Link]

Team Andreas Schachner

Laufzeit seit 1931

Partner Universität Istanbul, Fachbereich für Hethitologie, Univerisität Würzburg,


Altorientalistik, Vorderasiatische Archäologie, T.C. Kültür ve Turizm Bakanlığı, Kültür
Varlıkları ve Müzeler Genel Müdürlüğü und Museum Boğazköy, Università di Napoli
Federico II, Neapel, Università degli Studi Suor Orsola Benincasa, Neapel

Förderer Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Gerda Henkel Stiftung, Fritz Thyssen


Stiftung für Wissenschaftsförderung, GRH-Stiftung (Gisela und Reinhold Häcker Stiftung)

Projekt-ID 5864

Permalink [Link]

+

Leaflet | DAI
OVERVIEW
Die Ruinen der bronzezeitlichen Stadt Ḫattuša (auch Hattuša, dtsch.: Hattuscha, engl.:
Hattusha, türk.: Hattuşa) liegen im Kreis Boğazkale (früher Boğazköy) der Provinz
Çorum/Türkei im anatolischen Hochland, etwa 190 Kilometer östlich von Ankara. Seit 1986
zählt die Stätte zum UNESCO-Weltkulturerbe und seit 2001 werden die hier gefunden
Keilschrifttexte auf der UNESCO-Liste des Weltgedächtnisses geführt. Boğazköy ist so einer der
wenigen Orte, die auf beiden UNESCO Listen geführt werden.

Ḫattuša war von ca. 1650 bis 1180 v. Chr. Hauptstadt und zentraler Kultort des Hethitischen
Großreiches mit Sitz der Großkönige und Reichsverwaltung. Neben Ägypten, Mitanni und
Assyrien/Babylonien waren die Hethiter eine der Großmächte Westasiens. Einzigartige
Monumente der hethitischen Kultur werden hier archäologisch erforscht. Dazu zählen die
etwa sieben Kilometer langen Stadtmauern mit ihren eindrucksvollen Toren, zahlreiche
Tempel, der Palast und reichen Keilschrifttafelarchive, die ein Schlüssel zum Verständnis von
Religion und Kult, Staatspolitik, historischer Geographie und vielen anderen Aspekten des
Lebens in der Spätbronzezeit sind.

Die seit 1931 unter Federführung des Deutschen Archäologischen Instituts andauernden
Forschungen in der hethitischen Hauptstadt haben die Entwicklung von den ersten
Siedlungsansätzen im Chalkolithikum bis zum Ausbau zu einer repräsentativen
Herrschaftsstadt im 13. Jh. v. Chr. ebenso dokumentiert, wie das Nachleben in der Eisenzeit,
der hellenistisch-galatischen Periode, der römischen Kaiserzeit und in Byzantinischer Zeit.
Dabei steht die strukturelle Entwicklung von einer anatolischen Kleinstadt zu einer Metropole
internationaler Größe im Laufe des 2. Jts. v. Chr. ebenso im Mittelpunkt der Arbeiten wie die
Frage, wie der Mensch in dieser geographisch eher ungünstigen Region eine Stadt dieser
Komplexität und Größe unterhalten konnte.

SPACE & TIME


RAUM
Boğazköy/Ḫattuša erstreckt sich über etwa 2 km bei einer Höhendifferenz von fast 400 m auf
einem von Süden nach Norden in das Tal des Budaközü abfallenden Hang der Zincirli Dağları.
Diese sind Teil west-östlich verlaufender Gebirgsketten, die eine Barriere zwischen den
Steppen Zentralanatoliens und den Ausläufern der pontischen Gebirge bilden. Boğazköy
befindet sich gleichsam in einer Sackgasse, die von Norden durch das Budaközü-Tal
erschlossen wird, nach Süden aber durch die Bergkette abgeschlossen ist.

Die Siedlung liegt auf einem leicht erhöhten Plateau, das durch tief eingeschnittene Täler im
Westen und Osten begrenzt und durch zahlreiche Felskegel, steile Hänge und natürliche
Terrassen gegliedert ist. Diese wurden von den hethitischen Baumeistern teilweise mit großem
Aufwand zur funktionalen und chronologischen Gliederung genutzt. So entsteht eine leicht zu
verteidigende und strategisch günstige Lage. Gleichzeitig ermöglichen die beiden Täler des
Budaközü und des Yazır aber auch den Zugang zu zwei der sehr seltenen Übergänge über die
Zincirli Dağları. Die Kontrolle über die Kreuzung der Wege zu diesen Pässen spielte für die
Gründung einer urbanen Siedlung im späten 3. Jt. v. Chr. ebenso eine zentrale Rolle wie für die
Entscheidung hier in der römischen Kaiserzeit ein Militärlager zu errichten.

Die für das Siedlungssystem Zentral- und Ostanatoliens charakteristische Positionierung am


Rand einer Ebenen (türk. ova) erlaubt neben dem Aspekt der Sicherheit und der Kontrolle über
geographisch wichtige Punkte auch den ganzjährigen Zugang zu Wasser. Boğazköy ist hierfür
ein Beispiel par excellence; denn aufgrund der Geologie finden sich jeweils am Fuß der
zahlreichen Felsen im Stadtgebiet ganzjährig wasserführende Quellen. Die Grundwasser
führenden Schichten ließen sich an den Hängen leicht anschneiden, um das Wasser in
künstlich angelegten Reservoiren zu speichern.

ZEIT
Erste Siedlungsspuren auf Büyükkaya datieren in die erste Hälfte des 6. Jts. v. Chr. Die
Entwicklung der ersten sesshaften und produzierenden Gemeinschaften lässt sich
exemplarisch für Nordanatolien anhand der Arbeiten in Yarıkkaya und Çamlıbel Tarlası bis in
das späte 4. Jahrtausend v. Chr. verfolgen.

Nach einer wahrscheinlich etwa 1.000 Jahre dauernden Lücke beginnt die Besiedlung im
späten 3. Jahrtausend v. Chr. erneut, als ein Fürstensitz entsteht, der im Rahmen eines sich
intensivierenden inneranatolischen Austauschnetzwerks wichtige Nord-Süd-Verbindungen
kontrolliert. Dieser wird im 19.–18. Jahrhundert v. Chr. zusätzlich Standort einer assyrischen
Handelskolonie (kārum). Durch die hier gefundenen Keilschrifttexte ist der Name der Siedlung,
Hattuš, überliefert.
Spätestens seit der Mitte des 17. Jahrhunderts v. Chr. ist Hattuša Hauptstadt und Residenz der
hethitischen Großkönige. Im Lauf des 16. Jahrhunderts v. Chr. wird das Stadtgebiet von 79 auf
180 Hektar erweitert. Der monumentale Aus- und Neubau der Befestigungen und
Palastanlagen sowie die Einrichtung eines Tempelviertels in der Oberstadt charakterisieren die
Blütezeit der Stadt vom 15. bis in s frühe 13. Jahrhundert v. Chr. Um ca. 1180 v. Chr. wird die
Stadt aufgegeben und das Hethitische Großreich bricht zusammen.

Entgegen früherer Annahmen setzt sich die Besiedlung auf zunächst bescheidenem Niveau
ohne Unterbrechung in der frühen Eisenzeit (etwa ab dem 11. Jahrhundert v. Chr.) fort. Deren
kontinuierliche Entwicklung mündet in einer städtischen Besiedlung, die sich vom 9. bis ins 5.
Jahrhundert im Bereich der hethitischen Altstadt konzentrierte. Die weitere
Siedlungsgeschichte lässt sich über die hellenistische-galatische, die römische und die
byzantinische Zeit bis in die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts n. Chr. verfolgen.

YAZILIKAYA
Etwa zwei Kilometer nordöstlich der bronzezeitlichen Stadtruine liegt, versteckt in einem
Felsengarten das Freilichtheiligtum von Yazılıkaya. Funde deuten darauf hin, dass bereits im 3.
Jt. v. Chr. hier Kulthandlungen stattfanden. Aber erst in hethitischer Zeit wurde das Heiligtum
schrittweise ausgebaut. Die heute sichtbaren Reliefzyklen verdanken wir Großkönig Tuthalija IV
(ca. 1236‒125 v. Chr.), der das Heiligtum völlig neu gestalten und sich gleichsam als Stifter
darstellen ließ.

Vor dem Felslabyrinth befinden sich Gebäude, die der Anlage die Gestalt eines hethitischen
Tempels verleihen, lediglich mit dem Unterschied, dass die Cella (Kammer A) nie überdacht
war.

Zwei Felskammern sind mit Reliefs ausgeschmückt. In der größeren Kammer A ist eine
Versammlung der hethitischen Götter dargestellt, wobei auf der linken Seite die männlichen
und auf der rechten die weiblichen Gottheiten aus dem Fels gemeißelt wurden. In der Mitte
der Kopfseite stehen sich der Wettergott und die Sonnengöttin von Arinna gegenüber.
Bemerkenswert ist, dass die Gottheiten hier in der 2. Hälfte des 13. Jhs. v. Chr. mit ihren
hurritischen Bezeichnungen dargestellt wurden, was anzeigt, wie stark das hethitische
Großreich durch die Kulturen der Regionen im Süden des Reichs geprägt wurde. Tuthalija IV.
als Stifter ist ebenfalls rechts dargestellt.

Die Darstellungen in der Kammer B – König Tuthalijya IV und sein persönlicher Schutzgott
Šarumma, der Gott der Unterwelt Nergal und die 12 Götter ‒ stehen wahrscheinlich allgemein
im Zusammenhang mit den Totenritualen für den verstorbenen König.

RESEARCH
FRAGESTELLUNG
Seit 1931 wird die hethitische Hauptstadt Ḫattuša und ihr Umfeld unter Federführung des
Deutschen Archäologischen Instituts erforscht. Die interdisziplinären Arbeiten dokumentieren
die kulturgeschichtliche Entwicklung der Region von ersten Siedlungen im Chalkolithikum über
die Entwicklung einer repräsentativen Herrschaftsstadt in hethitischer Zeit, die Entstehung
neuer urbaner Strukturen in der Eisenzeit sowie die weitere Entwicklung in der hellenistisch-
galatischen Zeit, der römischen Kaiserzeit bis in die byzantinische Epoche.

FORSCHUNGSGESCHICHTE
Die Ruinen von Boğazköy wurden erstmals 1834 von einem europäischen Forscher, Ch. Texier,
entdeckt und beschrieben. Er glaubt, die medische Stadt Pteria gefunden zu haben.
Zahlreiche Besuche westlicher Gelehrter führten bis in die 1890er Jahre zu einer Verdichtung
der Kenntnisse und ersten Grabungen 1893/94 durch E. Chantre. Die systematische
Erforschung begann 1906 mit Ausgrabungen der Istanbuler Museen unter Th. Makridi
zusammen mit H. Winckler (Deutsche Orient-Gesellschaft). Die Auffindung größerer
Tontafelsammlungen führte bereits 1906 zur Identifizierung der bis dahin unbekannten
Hauptstadt der Hethiter: Hattuša. 1907 nahm eine Gruppe des DAI unter O. Puchstein
erstmals an den Arbeiten teil und fertigte Pläne und topographische Karten an, die die
Grundlage der weiteren Erforschung bildeten. Die Arbeiten Makridis und Wincklers wurden
1911 und 1912 fortgesetzt.

GESCHICHTE DES ORTES


Erste Siedlungsspuren in Boğazköy finden sich im frühen Chalkolithikum (1. Hälfte des 6.
Jahrtausends v. Chr.) auf Büyükkaya. Diese Befunde weisen nicht nur die ältesten sesshaften
Gemeinschaften in Nordanatolien nach, sondern es wird deutlich, dass die Menschen
eigenständige, an das Ökosystem angepasste Strategien entwickelten, die sich deutlich von
den Kulturen des südlichen Zentralanatolien unterscheiden, um die Region aufzusiedeln. Im
Umfeld der späteren bronzezeitlichen Siedlung konnte durch die Untersuchung von Camlıbel
Tarlası und Yarıkkaya (beide 4. Jahrtausend v. Chr) die Entwicklung dieser frühen
produzierenden Kulturen verfolgt werden

FORSCHUNGSZIELE
Zentrales Ziel der interdisziplinären Arbeiten der internationalen DAI-Forschungsplattform ist
ein möglichst differenziertes Verständnis der Entwicklung aller greifbaren Kulturstufen. Dabei
steht die hethitische Epoche aufgrund ihrer allgemeinen Bedeutung für Westasien insgesamt
im Fokus des Interesses. Mehrere laufende Projekte zielen darauf, Lücken im Verständnis der
strukturellen, funktionalen und chronologischen Entwicklung insbesondere der hethitischen
Stadt zu schließen. Parallel dazu werden besonders bisher weniger gut bekannte Epochen der
Kulturgeschichte, z. B. die vor-hethitische Phase, die Eisenzeit, die hellenistisch-galatische
Periode und die römische Kaiserzeit in den Blick genommen.

METHODEN
Mit dem Ziel ein möglichst facettenreiches Bild der Kulturentwicklung der Region zu erhalten,
verbindet das Projekt unterschiedlichste geistes- und naturwissenschaftliche Methoden.
Neben stratigraphischen Ausgrabungen, die eingebettet in analoge und digitale
Dokumentationssysteme eine wichtige Rolle spielen, ergänzen je nach geologischen und
topographischen Möglichkeiten bzw. Notwendigkeiten geophysikalische Methoden, 3D-Scans
und Luftbilder die Generierung von Primärdaten.

QUELLEN
Die chronologisch breitgefächerten, interdisziplinären Arbeiten ermöglichen die Erhebung und
Analyse einer großen Bandbreite von Daten, die von archäologischen Befunden und
Artefakten, über unterschiedlichste Formen der Architektur, Denkmäler der Groß- und
Kleinkunst bis hin zu biologischen Materialien (archäobotanische und archäozoologische
Funde) reichen. Die Auswertung geographischer, geophysikalischer und geologischer Daten
ermöglicht wesentliche Einblicke in den Naturraum zu bestimmten Zeiten und erlaubt so die
Beurteilung des anthropogenen Handelns, das sich in den Hinterlassenschaften der
materiellen Kultur spiegelt. Gleichzeitig werden Proben einzelner Artefaktgruppen (z. B.
Keramik, Metalle, Stein) naturwissenschaftlichen Untersuchungen unterzogen, um
Rückschlüsse auf ihren Ursprung oder Herstellung und Verarbeitung zu gewinnen.

CULTURAL HERITAGE
Die Boğazköy-Grabung verfolgt seit den 1960er Jahren ein intensives Programm der
Restaurierung und Konservierung. Dabei kommt das von Peter Neve entwickelte Hattuscha-
System zum Einsatz, das die in den Ausgrabungen lose geborgenen Versturzsteine und den
Erdaushub nutzt. Die ausgegrabenen Areale werden teilweise verfüllt und die
Bruchsteinmauern in der gleichen Technik so weit erhöht, dass die Grundrisse an der
Oberfläche sichtbar sind. Auf diese Weise werden Schutthalden in der Ruine vermieden, die
architektonischen Befunde konserviert und gleichzeitig für die Besucher eingebettet in die
natürliche Umwelt erlebbar gemacht. Die jährlichen Arbeiten erhalten bereits über
Generationen traditionelles Wissen der Steinbearbeitung.

Parallel wurden die in der Stadtruine gefundenen monumentalen hethitischen


Kunstdenkmäler entweder soweit ergänzt (Löwenbecken, Löwentor), dass sie in ihrem
ursprünglichen Zusammenhang verständlich sind, oder in den Fällen, in denen sie in Museen
verbracht wurden (Sphingentor, Königstor), durch original getreue Kopien an ihrem
ursprünglichen Platz visualisiert.

Um dem Besucher eine Vorstellung von der Monumentalität hethitischer Architektur zu geben,
rekonstruiert J. Seeher einen 68 m langen Abschnitt der hethitischen Stadtmauer
originalgetreu mit luftgetrockneten Lehmziegeln. Dieser vermittelt nicht nur einen Einblick in
die Bauprozesse und die Schwierigkeiten der Erhaltung eines solchen Bauwerks unter den
gegebenen klimatischen Bedingungen, sondern das Mauerstück hat sich auch zu einem
neuen Wahrzeichen der Region entwickelt, was sich in zahlreichen Adaptionen niederschlägt.

Einen wichtigen Beitrag zum Kulturerhalt leistet die digitale Dokumentation zentraler
Denkmäler, die in Kooperation mit Kollegen der Universität Frederico II in Neapel durchgeführt
werden. Die 3D-Scans ermöglichen neben neuen Forschungsansätzen eine objektive
Sicherung, neue Formen der musealen Präsentation und bilden die Grundlage für ein
langfristiges Monitoring.

TEAM
+
− 30
19
3
16 2
86

11

Leaflet | DAI

RESULTS
Die DAI-Forschungsplattform Boğazköy-Hattuša und ihre internationalen Partner konnten seit
2006 u. a. folgende Ergebnisse erzielen:

1) Siedlungsgeschichte

- Untersuchung der chalkolitischen Siedlung Çamlıbel Tarlası und Beschreibung der


Subsistenzstrategien, mit denen sich im nördlichen Anatolien die ersten produzierenden
Gemeinschaften etablierten.

- Nachweis von zwei Schichten eines kārum in der Unterstadt und einer trotz Zerstörung der
jüngeren Schicht ununterbrochenen Besiedlung bis in die hethitische Epoche in allen
Bereichen der Unterstadt
- Basierend auf Radiokarbondatierung neues chronologisches Gerüst für die Entwicklung der
Altstadt, die nur bis in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts v. Chr. genutzt wurde.

- Durch geophysikalische Prospektion und anschließende Grabungen Klärung des Verlaufs, der
Struktur und der Datierung mehrerer Stadtmauern, so dass die Stadtentwicklung besser
verständlich ist.

- Anhand der neuen Datierungen wird der Vergleich zwischen den Siedlungsarealen möglich.
Dabei stellt sich heraus, dass sich die Siedlungsschwerpunkte innerhalb des topographisch
definierten Raums konstant verschieben und die Stadt nie in dem bisher rekonstruierten
Umfang besiedelt war.

- In verschiedenen Bereichen (Tal vor Sarıkale, Oberstadt Westhang, Tempel 8) wird deutlich,
dass die Aufsiedlung der Oberstadt bereits in der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts begann und
länger dauerte als bisher her postuliert.

- In der westlichen Oberstadt können mindestens zwei weitere Tempel nachgewiesen werden.

- Auf der Büyükkale wurden durch neue Grabungen eine bisher unbekannte Bebauung der
Eisenzeit sowie erste Reste der Bronzezeit nachgewiesen. Der Grundriss der Palastanlage
muss chronologisch und strukturell völlig neu rekonstruiert werden.

- Durch die Grabungen bei Kesikkaya gelang erstmals der Nachweis monumentaler Architektur
der mittleren Eisenzeit

- Neue Forschungen führen den Nachweis einer Stadtmauer in der späteren Eisenzeit, die quer
über den Büyükkale-Nordwesthang verläuft und deren Errichtung spricht dafür, dass die
Siedlung dieser Zeit den Hang hinauf verlegt wurde.

- Bei Kesikkaya und nun auch auf dem mittleren Büyükkale-Nordwesthang wurde
zusammenhängende Siedlungsreste der galatische Zeit freigelegt. Eine kleine Festung und ein
Herrenhaus, in denen auch Prestigegüter gefunden wurden, sprechen für eine ausgeprägte
soziale Hierarchie.

- Die teilweise Aufdeckung eines römischen Militärlagers, einer ausgedehnten Badeanlage und
eines Banketthauses an einem großen Wasserbecken schließen nicht nur ein eine Lücke in der
Besiedlungsgeschichte sondern zeigen eindrücklich, das Wechselspiel zwischen Einflüssen der
Reichskultur und andauernden lokalen Bestrebungen.
2) Mensch-Umwelt-Interaktion

- Die Bedeutung der Geographie für die Wahl des Siedlungsplatzes in verschiedenen Epochen
zeigt sich durch eine diachrone Betrachtung

- Die seit Jahrzehnten andauernde Analyse archäobotanische Funde spricht dafür, dass in der
Bronze- und Eisenzeit ähnliche Produktionsbedingungen herrschten, die ähnliche Güter und
Erntemengen hervorbrachten. Dabei sind in der hethitischen Zeit deutliche Unterschiede
zwischen den zentralen staatlichen Großsilos und den Funden in der Siedlung erkennbar, die
wichtige Rückschlüsse auf die Wirtschaftsweisen erlauben.

- Gleichzeitig wird die große Bedeutung der Tierhaltung und Weidewirtschaft für die
hethitische Wirtschaft anhand der untersuchten Tierknochen deutlich.

- Geologische und hydrologische Untersuchungen vermitteln einen Eindruck von der


Bedeutung die Wasser für die Siedlungen in den verschiedenen Epochen spielte. Besonders
bemerkenswert ist der Nachweis, dass die künstlichen Wasserspeicher durch das Anschneiden
der Grundwasserspiegel befüllt wurden.

- Gleichzeitig konnten in verschiedenen Bereichen der Grabungen und durch


Geländebegehungen katastrophale Umweltereignisse (Sturzfluten) insbesondere in der
hethitischen Zeit nachgewiesen werden. Bemerkenswert ist, dass die betroffenen Bereiche
teilweise nicht wieder aufgebaut wurden, je nach der sozio-politischen Bedeutung der
betroffenen Areale.

- Unerwartet konnte der Nachweis geführt werden, dass Boğazköy unmittelbar auf
Verwerfungslinien liegt, die Erdbeben verursachen, die in verschiedensten Siedlungsepochen
sichtbar sind.

- Der Nachweis der geologischen Herkunft der hethitischen Werksteine ermöglicht


Rückschlüsse auf Bauabläufe und die sozialen Umstände der Errichtung der
Monumentalgebäude insbesondere in der Unterstadt

3) Städtebau
- Der Übergang von der kārum Zeit zur hethitischen ist im späten 17. Jahrhundert v. Chr. durch
eine vollständige Umgestaltung der Siedlung von einer „normalen“ anatolischen zu Stadt zu
einer repräsentativen Königsstadt geprägt. Hierdurch wird ein für Anatolien völlig neuer
Urbanismus sichtbar. Dieser wird durch die Etablierung der ausschließlich repräsentativen
Oberstadt im Laufe des 16. Jahrhunderts v. Chr. noch weiter verstärkt.

- Für die hethitische Zeit wird nun auch in Boğazköy in den neu gestalteten Stadtbereichen
eine eher lockere Siedlungsstruktur sichtbar.

- Die Publikation der Monumentalbauten in der Unterstadt eröffnet völlig neue


Interpretationsmöglichkeiten für den gesamten Stadtorganismus

- Basierend auf einem wesentlich verfeinerten chronologischen Schema wird sichtbar, dass die
Siedlungsentwicklung nicht linear von einem kleinen Nukleus im späten 3. Jahrtausend v. Chr.
bis zur größten Ausdehnung im 13. jahrhundert v. Chr. verlief. Vielmehr ist ein Hin-und-Her der
Siedlungsschwerpunkte innerhalb des topographisch definierten Raums erkennbar. Die
hethitische Stadt umfasst offenbar nie die Fläche, die bisher postuliert wurde. Gleichzeitig
bestanden häufig große unbebaute Flächen oder Ruinen innerhalb der Stadtmauern.
Insgesamt wird eine sehr dynamische Entwicklung greifbar.

- Neu erkannte und datierte Formen der Stadtbefestigungen tragen wesentlich zu dieser
Interpretation bei.

- Grabungen bei Kesikkaya und auf dem mittleren Büyükkale-Nordwesthang verdichten unsere
Kenntnisse über die Entwicklung der eisenzeitlichen Stadt, deren Schwerpunkte sich ähnlich
wie die der hethitischen in dem geographischen Raum mehrfach verschoben.

4) Infrastruktur, Ressourcennutzung, Besiedlungsstruktur

- Umfassende Untersuchungen an Metallobjekten ermöglichen einen detaillierten Überblick


über die verwendeten Legierungen in der Bronzezeit und darüber hinaus. Dabei wird deutlich,
dass bis in den Bronzezeit von einer relativ lokal organisierten Metallurgie mit zahlreichen
verschiedenen Legierungen auszugehen ist.

- Ähnlich können die mit drei verschiedenen Methoden durchgeführten Analysen an Tonen der
Keramik interpretiert werden. Mehrheitlich wurde die Keramik in allen Epochen aus sehr
lokalen Tonquellen hergestellt. Die Analyse eines Großfundes gesiegelter Tonbullae weist in die
gleiche Richtung, so dass eine relativ begrenzte wirtschaftlicher Reichweite rekonstruiert
werden kann.

- Einerseits führt die Geologie von Boğazköy dazu, dass hier an vielen Stellen Wasser
ganzjährig verfügbar ist und so an diesem Ort eine besonders geeignete Siedlungslage bietet.
Andererseits lassen sich insbesondere in hethitischen Schichten Naturkatastrophen erkennen,
die die Gefahr des Wassereindrücklich zeigt. In den einzelnen Epochen lassen sich
unterschiedliche Strategien im Umgang mit diesem Naturphänomenen rekonstruieren.

- Die stellenweise großflächigen Grabungen ermöglichen in der nördlichen Unterstadt und auf
dem Büyükkale-Nordwesthang die Rekonstruktion des Wegenetzes. Dabei wird in der
Unterstadt deutlich, wie öffentliche Plätze einerseits als Verteiler vor einem Tor genutzt
wurden, und andererseits im Zusammenhang mit einem kultisch genutzten Gebäude standen.

5) Epigraphie

- Im Laufe der letzten Jahre ist es gelungen, sämtliche Kleischrifttexte vollständig zu publizieren
(Hethitologie Portal Mainz)

- Durch den Einsatz hochauflösender 3D Scantechnologien kann die bisher als nicht lesbar
geltende Inschrift von Nişantaşı nun weitestgehend entziffert werden. Die Anwendung der
gleichen Techniken in Yazılıkaya führte zu Klärung zahlreicher offener Fragen bzgl. der
Inschriften und Bildwerke; so auch zur Entdeckung einer unbekannten Figur.

- Die Entdeckung aufgemalter Inschriften anatolischer Hieroglyphen in der Poterne von


Yerkapı eröffnet völlig neue Einblicke in die Nutzung von Schrift als Kommunikationsmittel im
öffentlichen Raum.

- Der Einzelfund einer Keilschrifttafel liefert den Nachweis einer neuen indo-europäischen
Sprache in der Spätbronzezeit Anatoliens.

6) Bestattungen und Nekropolen


- Im Norden der Unterstadt wurde ein umfangreicher Teil einer Nekropole freigelegt, die sich
bis zur Poternenmauer erstreckte. Diese bietet exemplarische Einblicke in das harte Leben
einer ruralen Gemeinschaft der römischen Kaiserzeit.

Ḫattuša/Boğazköy Boğazköy-Ḫattuša. Ergebnisse der


Ausgrabungen

Hattuša Boğazkale

PARTNER & FÖRDERER

PARTNER
Universität Istanbul, Fachbereich für Hethitologie Univerisität Würzburg, Altorientalistik, Vorderasiatische
Archäologie

T.C. Kültür ve Turizm Bakanlığı, Kültür Varlıkları ve Università di Napoli Federico II, Neapel
Müzeler Genel Müdürlüğü und Museum Boğazköy

Università degli Studi Suor Orsola Benincasa, Neapel


FÖRDERER

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) Gerda Henkel Stiftung

Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaftsförderung GRH-Stiftung (Gisela und Reinhold Häcker Stiftung)

TEAM

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