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Flaeche Rili

Am 28.9.2023 wurde ein Erratum zur KRINKO-Empfehlung veröffentlicht, das die sporizide Wirkung von Glutaral in Tabelle 4 korrigiert. Die aktualisierte Empfehlung zu Hygieneanforderungen bei der Reinigung und Desinfektion von Flächen berücksichtigt neue Erkenntnisse und differenziert zwischen Flächenreinigung, desinfizierender Flächenreinigung und Flächendesinfektion. Die Empfehlungen gelten für stationäre und ambulante Gesundheitseinrichtungen sowie für die Pflege von Bewohnern in stationären Pflegeeinrichtungen.

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Flaeche Rili

Am 28.9.2023 wurde ein Erratum zur KRINKO-Empfehlung veröffentlicht, das die sporizide Wirkung von Glutaral in Tabelle 4 korrigiert. Die aktualisierte Empfehlung zu Hygieneanforderungen bei der Reinigung und Desinfektion von Flächen berücksichtigt neue Erkenntnisse und differenziert zwischen Flächenreinigung, desinfizierender Flächenreinigung und Flächendesinfektion. Die Empfehlungen gelten für stationäre und ambulante Gesundheitseinrichtungen sowie für die Pflege von Bewohnern in stationären Pflegeeinrichtungen.

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Für diese Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) ist

am 28.9.2023 ein Erratum erschienen. Die Korrektur bezieht sich auf die Angabe zur sporiziden
Wirkung von Glutaral in Tabelle 4.

„Erratum zu: Anforderungen an die Hygiene bei der Reinigung und Desinfektion von Flächen“

(Bundesgesundheitsbl 2023 · 66:1302–1303 · [Link]


Bekanntmachungen – Amtliche Mitteilungen

Bundesgesundheitsbl 2022 · 65:1074–1115 Bekanntmachung des Robert Koch-Instituts


[Link]
© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil

Anforderungen an die Hygiene


von Springer Nature 2022

bei der Reinigung und


Desinfektion von Flächen
Empfehlung der Kommission
für Krankenhaushygiene und
Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert
Koch-Institut

zen, wurden mit wenigen Ausnahmen Kontaminationsquelle ist die Bedeutung


Zusatzmaterial online
nur Quellen aufgenommen, die nach der von mikrobiellen Kontaminationen bzw.
Zusätzliche Informationen sind in der KRINKO-​Empfehlung von 2004 erschie- Kolonisationen (Biofilme) unbelebter Flä-
Online-Version dieses Artikels (https:// nen bzw. nicht in der zuvor genannten chen in Innenräumen als Quelle nosoko-
[Link]/10.1007/s00103-022-03576-1) ent- KRINKO-​Empfehlung berücksichtigt mialer Infektionen (NI) wissenschaftlich
halten. Informativer Anhang zur Empfehlung
„Anforderungen an die Hygiene bei der
worden sind. Wenn sich Aussagen auf weniger umfangreich untersucht; im Ein-
Reinigung und Desinfektion von Flächen“ der Quellen in der Empfehlung aus dem Jahr zelfall lässt sich der Zusammenhang häu-
Kommission für Krankenhaushygiene und 2004 beziehen, wird auf diese KRINKO-​ fig nicht nachweisen. Das erklärt die un-
Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Empfehlung als Quelle verwiesen. Um terschiedliche Bewertung des Stellenwerts
Koch-Institut. der Komplexität der Thematik gerecht zu der desinfizierenden Flächenreinigung
werden, werden im Vergleich zur Empfeh- bzw. Flächendesinfektion als Maßnahme
Kategorien in der Richtlinie lung aus dem Jahr 2004 einige Begriffe neu der Basishygiene. Inzwischen hat ein Pa-
für Krankenhaushygiene und eingeführt (siehe Abschnitt 3.1) bzw. wird radigmenwechsel jetzt auch in den anglo-
Infektionsprävention stärker als zuvor zwischen Flächenreini- amerikanischen Ländern [2] aufgrund
gung, desinfizierender Flächenreinigung der zunehmenden Aufklärung epidemio-
Die im nachfolgenden Dokument gege- und Flächendesinfektion differenziert. logischer Zusammenhänge zwischen dem
benen Empfehlungen basieren auf den Zugleich wurde die Evidenzlage überprüft Vorkommen von Krankheitserregern in
aktuellen Kategorien der Richtlinie für und zum Teil neu bewertet. der Umgebung des Patienten, der Tena-
Krankenhaushygiene und Infektionsprä- Im Vergleich zum Menschen (Patient, zität und Übertragbarkeit der Erreger auf
vention aus dem Jahr 2010 [1]. Diese wer- Mitarbeiter, Besucher) als Infektionsquel- Patienten sowie der Wirksamkeit der des-
den in . Tab. 1 aufgeführt. le und Überträger sowie zu ungenügend infizierenden Flächenreinigung im Rah-
aufbereiteten Medizinprodukten (MP) als men des Ausbruchsmanagements und
1 Einleitung

Im vorliegenden Dokument wird die Tab. 1 Kategorien in der Richtlinie für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (2010)
Empfehlung der Kommission für Kran- Kategorie ­IA Diese Empfehlung basiert auf gut konzipierten systematischen Reviews oder
kenhaushygiene und Infektionspräventi- einzelnen hochwertigen randomisierten kontrollierten Studien.
on (KRINKO) zu Anforderungen an die Kategorie ­IB Diese Empfehlung basiert auf klinischen oder hochwertigen epidemiologischen
Hygiene bei der Reinigung und Desinfek- Studien und strengen, plausiblen und nachvollziehbaren theoretischen Ableitun-
gen.
tion von Flächen aus dem Jahr 2004 ak-
tualisiert und erweitert. Um den Umfang Kategorie ­II Diese Empfehlung basiert auf hinweisenden Studien/Untersuchungen und stren-
gen, plausiblen und nachvollziehbaren theoretischen Ableitungen.
des Literaturverzeichnisses zu begren-
Kategorie ­III Maßnahmen, über deren Wirksamkeit nur unzureichende oder widersprüchliche
Hinweise vorliegen, deshalb ist eine Empfehlung nicht möglich.
Grundsätzlich sind in diesem Dokument bei al-
len Berufs- bzw. Gruppenbezeichnungen immer Kategorie ­IV Anforderungen, Maßnahmen und Verfahrensweisen, die durch allgemein gelten-
alle Geschlechter gemeint. de Rechtsvorschriften zu beachten sind.

1074 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 10 · 2022


lung von Patienten über kontaminierte
Inhaltsverzeichnis
Oberflächen eingeschränkt bzw. verhin-
Kategorien in der Richtlinie für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention dert werden [11, 23–32]. Mit der desin-
1 Einleitung fizierenden Flächenreinigung können
1.1 Zielsetzung
zugleich Verunreinigungen (z. B. Blut, Se-
1.2 Geltungsbereich
1.3 Bezug zu anderen KRINKO-​Empfehlungen, zum Medizinprodukterecht, zum Biozidproduk- krete, Exkrete) entfernt werden [33]; da-
terecht und zur Listung von Desinfektionsmitteln mit wird zusätzlich ein Beitrag zur opti-
2 Risikobewertung von Flächen und Präventionspotential der Flächenreinigung, desinfizierenden schen Sauberkeit geleistet. Sofern Flächen
Flächenreinigung und Flächendesinfektion in Ausbruchsgeschehen involviert sind,
2.1 Risikounterscheidung von patientennahen und patientenfernen Flächen
ist die gezielte Flächendesinfektion, häu-
2.2 Vorkommen und Persistenz nosokomialer Erreger in der Patientenumgebung und
Verminderung der Erregerlast durch Desinfektionsmaßnahmen fig als Bestandteil eines Maßnahmenbün-
2.3 Infektionsepidemiologische Untersuchungen dels (Bündelstrategie), essenziell für die
2.4 Schlussfolgerungen rasche Beendigung des Ausbruchs. Bei
3 Flächenreinigung, desinfizierende Flächenreinigung und Flächendesinfektion aseptischen Tätigkeiten wird durch die
3.1 Definitionen
Flächendesinfektion das erforderliche er-
3.2 Wirksamkeit von Flächenreinigung und desinfizierender Flächenreinigung
4 Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen in unterschiedlichen Risikobereichen regerarme Umfeld gewährleistet [34]. Die
4.1 Zuordnung von Räumen zu Risikobereichen desinfizierende Flächenreinigung bzw.
4.2 Hinweise zu Risiken bei der Anwendung von Flächendesinfektionsmitteln Flächendesinfektion tragen auch zum
5 Anforderungen an Flächenreinigungs- und -desinfektionsverfahren und Auswahlkriterien Gesundheitsschutz der Mitarbeiter bei,
5.1 Wirksamkeit und Wirkspektrum
insbesondere im Fall der gezielten Flä-
5.2 Einwirkzeit
5.3 Verhinderung der Erregerverbreitung chendesinfektion nach potenzieller Kon-
5.4 Vermeidung von Selektion und Resistenzentwicklung tamination mit auch für immunkompe-
5.5 Risiken für Mensch und Umwelt tente Mitarbeiter infektionsrelevanten
5.6 Entsorgung Krankheitserregern.
5.7 Personalschutz
Krankheitserreger können von kon-
5.8 Brandschutz
5.9 Schlussfolgerungen taminierten Flächen auf folgenden We-
6 Verfahren zur Flächenreinigung, desinfizierenden Flächenreinigung und Flächendesinfektion gen weiterverbreitet werden (siehe auch
6.1 Verfahren unter Anwendung chemischer Desinfektionsmittel . Abb. 1):
6.2 Berührungslose apparative Verfahren 55über die Hände (über Haut oder
6.3 Probiotische Reinigungsverfahren
Handschuhe) des Personals, anderer
7 Bauliche Anforderungen und apparative Voraussetzungen
7.1 Räume und Ausstattung Patienten und Dritter (z. B. Besucher)
7.2 Anforderungen an Flächen in medizinischen Einrichtungen in Bezug auf Reinigung und direkt zum Patienten bei Nichteinhal-
Desinfektion tung der Händehygiene [35],
7.3 Apparative Voraussetzungen 55ausgehend von kontaminierten Flä-
7.4 Materialverträglichkeit gegenüber Reinigungs- und Desinfektionsverfahren
chen auf weitere Flächen und von
7.5 Antiadhäsive und antimikrobiell wirksame Oberflächen
8 Qualitätssicherung dort Weiterverbreitung über die Hand
8.1 Anforderungen an das Personal, personelle und materielle Ressourcen [36],
8.2 Hygieneplan 55durch Kontakt des Patienten mit der
8.3 Durchführung des Monitorings kontaminierten Fläche (Hände, bar-
9 Empfehlungen
fuß beim Verlassen des Betts, Haut-
Abkürzungen
Literatur kontakt z. B. bei Diagnostik),
55über sekundär kontaminierte MP und
andere Materialien, z. B. nach Zwi-
der Schlussdesinfektion stattgefunden. Es [2, 9–20], was noch ausgeprägter in Aus- schenablage auf einer kontaminierten
besteht international Einigkeit über die bruchssituationen zutrifft [21, 22] (siehe Fläche,
Notwendigkeit der indikationsgerech- auch Abschnitt 2.3). 55erregerabhängig auch aerogen durch
ten desinfizierenden Flächenreinigung Aufwirbelung von Staub und Ver-
[3–8]. Das findet auch darin seinen Aus- 1.1 Zielsetzung schmutzungen von kontaminierten
druck, dass sowohl in Reviews als auch in Flächen mit nachfolgender Sedimen-
Richtlinien zur Prävention der Übertra- Durch die desinfizierende Flächenreini- tation auf weitere Flächen.
gung von z. B. Clostridioides (C.) difficile, gung bzw. Flächendesinfektion sollen als
Methicillin-resistenten Staphylococcus (S.) Maßnahme der Basishygiene zur Prä- Wenn auch bei der exogenen Übertragung
aureus-Stämmen (MRSA) und Noroviren vention von NI Flächen als Reservoire von NI, deren Anteil in Europa 5–20 %
die kontrolliert durchgeführte desinfizie- für Krankheitserreger ausgeschaltet und ausmacht [37], die Hand im Vordergrund
rende Flächenreinigung als Bestandteil die Weiterverbreitung von Krankheitser- steht, kann auch die Fläche eine relevante
der Präventionsstrategie empfohlen wird regern während der Pflege und Behand- Kontaminationsquelle sein [38, 39]. Inso-

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 10 · 2022 1075


Bekanntmachungen – Amtliche Mitteilungen

ides difficile-Infektion (CDI) [48], Emp-


fehlungen zur Prävention und Kontrolle
von Methicillin-resistenten Staphylococ-
cus aureus-Stämmen (MRSA) in medizi-
nischen und pflegerischen Einrichtungen
[49], Hygienemaßnahmen bei Infektio-
nen oder Besiedlung mit multiresistenten
Gram-negativen Stäbchen [50], Hygiene­
maßnahmen zur Prävention der Infektion
durch Enterokokken mit speziellen Anti-
biotikaresistenzen [51] und Anforderun-
gen der Hygiene an abwasserführende
Systeme in medizinischen Einrichtungen
[52]. Bei einigen Empfehlungen ist die
Flächendesinfektion der Basishygiene als
Aufgabenstellung zugeordnet.

Biozidprodukterecht (BPR): Flächen-


desinfektionsmittel gehören in der Regel
zu den Biozidprodukten (Produktart 2)
Abb. 1 8 Übertragungswege ausgehend von kontaminierten Oberflächen
und müssen einem Zulassungsverfahren
unterzogen werden, sofern sie nicht unter
fern müssen Händehygiene [40] und indi- In Stations- und Milchküchen sowie in die rechtlichen Regelungen für MP fal-
kationsgerechte Flächenhygiene als Basis- zentralen Krankenhausküchen sind erre- len (siehe Artikel 2 der EU-​Verordnung
hygienemaßnahmen zur Prävention von gerarme Umgebungsbedingungen erfor- Nr. 528/2012 [53]). Die Bundesanstalt
NI einander ergänzen. Ist im Einzelfall die derlich; hier sind die Vorgaben des Le- für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
Notwendigkeit der desinfizierenden Flä- bensmittelrechts zu beachten [41] (zur (BAuA) stellt eine Liste der Biozidpro-
chenreinigung/der Flächendesinfektion praktischen Umsetzung siehe [42–44]). dukte, die in Deutschland aufgrund ei-
unklar, sollte eine Biozidanwendung nach nes laufenden Entscheidungsverfahrens
einer Abwägung des Infektionsrisikos ge- 1.3 Bezug zu anderen auf dem Markt bereitgestellt und ver-
genüber dem Risiko durch den Umgang KRINKO-​Empfehlungen, zum wendet werden dürfen, zur Verfügung
mit dem Gefahrstoff erfolgen. Medizinprodukterecht, zum [54]. Die Biozid-Verordnung sieht für
Biozidprodukterecht und zur die Zulassung von Biozidprodukten ein
1.2 Geltungsbereich Listung von Desinfektionsmitteln zweistufiges Verfahren, bestehend aus
Wirkstoffgenehmigung und Biozidpro-
Die nachfolgenden Empfehlungen gelten KRINKO-​Empfehlungen: Die Flächen- duktzulassung, vor. Mit der Aufnah-
für stationäre und risikoadaptiert für am- desinfektion wird in nahezu allen KRIN- me eines genehmigten Wirkstoffs in die
bulante Gesundheitseinrichtungen ein- KO-​Empfehlungen thematisiert, entweder „Unionsliste“ wird die Frist festgelegt,
schließlich des Rettungsdienstes und des in Bezug auf Flächen in Räumen (Arbeits- innerhalb der die Hersteller die Zulas-
qualifizierten Krankentransports sowie flächen, Mobiliar, Fußböden, Sanitärbe- sung der diesen Wirkstoff enthaltenden
für die pflegerische und ärztliche Betreu- reiche) oder in Bezug auf die Desinfekti- Produkte bei der zuständigen Behörde
ung von Bewohnern in stationären Pfle- on von Oberflächen von unkritischen MP eines Mitgliedsstaats bzw. bei der Euro-
geeinrichtungen, aber auch für nicht von (z. B. Inkubatoren, Monitore, Tastaturen, päischen Chemikalienagentur (ECHA)
Patienten genutzte Bereiche (z. B. Auf- geräteseitige Bedienoberflächen, Baby- beantragen müssen, sofern das Produkt
bereitungseinheit für Medizinprodukte waagen). Wegen der umfangreicheren weiterhin vertrieben werden soll. Ent-
(AEMP)), zur Ausschaltung einer Erre- speziellen Inhalte zur Flächendesinfekti- scheidend für den Produktzulassungsan-
gerverschleppung (z. B. Putzräume, Ge- on soll gesondert auf die folgenden KRIN- trag ist der Zeitpunkt der Genehmigung
räteräume, Umkleideräume) oder in Ar- KO-​Empfehlungen hingewiesen werden: des Wirkstoffs des jeweiligen Produkts,
beitsbereichen, in denen ein erregerarmes Prävention postoperativer Wundinfekti- der als letzter in die „Unionsliste“ auf-
Umfeld benötigt wird. Die aufgeführten onen [45], Infektionsprävention im Rah- genommen wurde. Somit wird noch für
Maßnahmen können aber auch in einer men der Pflege und Behandlung von Pa- Jahre eine Vielzahl von Produkten gemäß
an die lokalen Gegebenheiten angepassten tienten mit übertragbaren Krankheiten den derzeit geltenden Übergangsbestim-
Form in speziellen Situationen im häus- [46], Anforderungen an die Infektions- mungen, d. h. ohne abgeschlossenes Zu-
lichen Bereich, z. B. bei der ambulanten prävention bei der medizinischen Versor- lassungsverfahren, verfügbar sein. Im
Krankenpflege, angewendet werden. gung von immunsupprimierten Patienten Rahmen der Zulassung werden Anfor-
[47], Hygienemaßnahmen bei Clostridio- derungen an die Wirksamkeit und an die

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kontrollierte Qualität des Produkts ge- Medizinprodukterecht: Desinfektions- durch zusätzliche Verdünnungsstufen
stellt. Außerdem ist eine Bewertung des mittel können als MP eingestuft werden, Neutralisationseinflüsse erfasst werden.
Risikos erforderlich, das sich aus der An- wenn als Zweckbestimmung die Anwen- Das ist von praktischer Bedeutung beim
wendung für die Gesundheit von Mensch dung für festgelegte MP deklariert ist [57– Einsatz in besonders sensiblen Bereichen.
und Tier sowie für den Schutz der Um- 59]. Ein Desinfektionsmittel kann auch Bei den Prüfungen werden nicht nur die
welt ergibt. Zum Nachweis der Wirksam- sowohl als Medizinprodukt als auch als antimikrobielle Wirksamkeit des Pro-
keit sind vorrangig europäische Normen Biozid deklariert werden (dual-use claim). dukts geprüft, sondern auch die Formu-
des technischen Entscheidungsgremi- Damit bestehen verschiedene mögliche lierung (z. B. Schäume) und die Art der
ums innerhalb des Europäischen Komi- Anforderungsprofile. Flächendesinfekti- Anwendung berücksichtigt, soweit Prüf-
tees (CEN TC) 216 für Desinfektionsmit- onsmittel, die für die Aufbereitung von methoden hierzu veröffentlicht sind [65–
tel und Antiseptika vorgesehen, um eine MP deklariert sind, müssen als MP zu- 72]. Wo immer möglich, müssen praxis-
einheitliche Basis in allen EU-​Staaten zu gelassen sein und die Anforderungen nahe Tests durchgeführt werden. So wird
ermöglichen. Die Bewertung der zuge- der Medical Device Regulation (MDR) beim 4-Felder-Test gemäß DIN EN 16615
lassenen Produkte erfolgt gemäß Ver- erfüllen. Die Übereinstimmung des MP [70] bzw. Methode 14.2 des VAH [61, 62]
ordnung (EU) Nr. 528/2012 [53] nach mit den grundlegenden Sicherheits- und die erfolgreiche Flächendesinfektion ei-
Kriterien, die als Mindestanforderungen Leistungsanforderungen wird vom Her- ner angetrockneten kontaminierten An-
für Biozide angesehen werden und die steller durch die CE-​Kennzeichnung und schmutzung durch Wischen mit einem
von den europäischen Normungsgremi- eine Konformitätserklärung bestätigt. Bei desinfektionsmittelgetränkten Tuch ge-
en erarbeitet wurden. Eine Bewertung Desinfektionsmitteln für MP müssen ne- testet. Bei Produkten, die mit einem be-
anhand der tatsächlichen Infektionsrisi- ben der Wirksamkeit die Kompatibilität liebigen, nicht spezifizierten Tuch einge-
ken vor Ort steht hierbei nicht im Mit- für das MP und z. B. auch die Lagerstabi- setzt werden, kann eine Beeinflussung
telpunkt. Gemäß der im europäischen lität nach Anbruch deklariert sein. der Wirksamkeit durch das Tuchmaterial
Normungsvorhaben TC 216 zugeordne- nicht ausgeschlossen werden. Die Wirk-
ten europäischen Norm DIN EN 14885 Desinfektionsmittel-Liste des Ver- samkeitstests der Produkte müssen gemäß
[55] sind keine verbindlichen Vorgaben bund für Angewandte Hygiene e. V. den Anforderungen des VAH von Prüfla-
zur Reproduktion der Testergebnisse ent- (VAH) [60]: Sie enthält die Zusammen- boratorien durchgeführt und dokumen-
halten, daher ist ein Testdurchgang mit stellung aller Produkte, die zum jewei- tiert werden, die vom Hersteller unabhän-
den jeweiligen Testorganismen pro vor- ligen Erscheinungstermin ein gültiges gig sind und deren Kompetenz z. B. durch
gegebener Norm ausreichend. National Zertifikat des VAH besitzen. Dieses wird Teilnahme an Ringversuchen und/oder
ist es möglich, bei Bedarf über die Min- ausgestellt, wenn die von der Desinfek- Akkreditierung nach DIN EN ISO/IEC
deststandards einer Desinfektionsmit- tionsmittel-Kommission veröffentlich- 17025 [73] nachgewiesen ist. Die VAH-​
telzulassung bezüglich der Wirksamkeit ten Anforderungen an die Wirksamkeit Liste ermöglicht die Auswahl von Desin-
gemäß des europäischen BPR hinauszu- erfüllt sind. Dazu werden die Gutachten fektionsmitteln auf der Basis unabhängi-
gehen [56]. Zugleich ist zu berücksichti- und Prüfberichte einem Bewertungsver- ger Zertifikate.
gen, dass auch die Anforderungen an die fahren durch herstellerunabhängige Sach-
Herstellung von Desinfektionsmitteln verständige unterzogen. Der Nachweis der Desinfektionsmittelliste der Deutschen
bzgl. des Stands der Technik über die re- Wirksamkeit für den jeweiligen Verwen- Veterinärmedizinischen Gesellschaft
gulatorischen Anforderungen der Bio- dungszweck sowie die angegebenen Kon- e. V. (DVG): Für den Einsatz chemischer
zid-Verordnung hinausgehen. zentrationen und Einwirkzeiten (EWZ) Desinfektionsverfahren im Lebensmit-
Unabhängig von der Art der Zulassung basieren auf mindestens zwei Gutach- telbereich, in der Tierhaltung oder in der
sollte sich der Anwender davon überzeu- ten mit den dazugehörigen Prüfberich- Tierärztlichen Praxis wird die DVG-​Des-
gen, dass die für den Einsatz benötigte ten über Untersuchungen, die auf wissen- infektionsmittelliste [74] herausgegeben.
Wirksamkeit gewährleistet ist; ggf. kann schaftlich begründeten Prüfmethoden Die Liste für den Tierbereich enthält auch
die individuelle Prüfung von Gutachten beruhen, die vom VAH [61, 62] oder der antiparasitäre Produkte und Verfahren.
inklusive der Prüfberichte weitere Anwen- Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung
dungshinweise geben. Zur Überprüfung, der Viruskrankheiten e. V. (DVV) [63, 64] Liste der vom Robert Koch-Institut (RKI)
ob die benötigte Wirksamkeit gewährleis- entwickelt wurden oder den einschlägigen geprüften und anerkannten Desinfekti-
tet ist, können herstellerunabhängige Lis- europäischen Normen entsprechen. Die onsmittel und -verfahren: Gemäß § 18
ten zu Grunde gelegt werden, welche die VAH- bzw. DVV-​Prüfmethoden stellen Abs. 1 Infektionsschutzgesetz (IfSG) [75]
Anwendungsbedingungen berücksichti- teilweise höhere Anforderungen an den dürfen für behördlich angeordnete Maß-
gen (siehe dazu Erläuterungen zur Desin- Nachweis der Wirksamkeit von Desinfek- nahmen zur Desinfektion nur Mittel und
fektionsmittel-Liste des Verbund für An- tionsmitteln als die europäischen Normen, Verfahren angewendet werden, die in der
gewandte Hygiene e. V. (VAH) in diesem indem z. B. zusätzliche Testorganismen Liste der vom RKI geprüften und aner-
Abschnitt). untersucht (siehe Tabelle 7 im informa- kannten Desinfektionsmittel und -ver-
tiven Anhang dieser Empfehlung), quan- fahren aufgeführt sind [76]. Zwischen der
tifizierbare Ergebnisse gewährleistet und Desinfektionsmittelliste des RKI und der

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 10 · 2022 1077


Bekanntmachungen – Amtliche Mitteilungen

des VAH bestehen insbesondere bei den im Rahmen der Zulassung gemäß der eu- Sicherheit hinsichtlich der Produktwirk-
Angaben zur Flächendesinfektion wesent- ropäischen Biozid-Verordnung (Verord- samkeit bringen. Daher werden unab-
liche Unterschiede. Die Ursachen hierfür nung (EU) 528/2012 [53]) erfolgen, z. B. hängige Desinfektionsmittellisten wie
sind in den unterschiedlichen Aufgaben nach DIN EN 14885 [55]. Wie eingangs die des VAH und des RKI ihre Bedeu-
der Listen und dementsprechend in den erwähnt, ist das vorrangige Ziel der Zu- tung behalten.
unterschiedlichen Prüfmethoden und lassung eines Produkts nach dem harmo-
Bewertungskriterien begründet. Die Lis- nisierten BPR nicht, den Infektionsschutz 2 Risikobewertung von Flächen
te des VAH ist in erster Linie auf die rou- auf einem höchstmöglichen Niveau si- und Präventionspotential
tinemäßige Desinfektion ausgerichtet, die cherzustellen. der Flächenreinigung,
Liste des RKI vornehmlich auf die behörd- Gemäß den Erläuterungen zur Pro- desinfizierenden
lich angeordnete Desinfektion (die in der duktart 2 umfasst der Anwendungs- Flächenreinigung und
Regel nur in besonderen Fällen – z. B. bei bereich unter anderem Schwimmbä- Flächendesinfektion
Ausbrüchen oder bei speziellen Erregern der, Aquarien, Badewasser und anderes
– Anwendung findet). Die zugrunde lie- Wasser, Klimaanlagen sowie Wände und 2.1 Risikounterscheidung
genden Prüfmethoden für Flächendesin- Böden sowohl im privaten als auch im von patientennahen und
fektionsmittel unterscheiden sich in der öffentlichen und industriellen Bereich patientenfernen Flächen
Art der Prüfanschmutzung und der Prüf- und in anderen für eine berufliche Tä-
körper sowie in der Auswahl der Testor- tigkeit genutzten Bereichen. Medizini- Die mögliche Bedeutung von Flächen als
ganismen. Bei Prüfungen durch das RKI sche Einrichtungen werden nicht expli- Reservoir und/oder Quelle der Übertra-
wird als Prüfanschmutzung der Testob- zit aufgeführt. Vielmehr ist Hauptzweck gung von Krankheitserregern ist abhängig
jekte erregerhaltiges gerinnendes Blut der Verordnung die Vermeidung unnö- von der Erregerlast des kolonisierten und/
verwendet. Außerdem beinhaltet der tiger Gefahren für die Umwelt oder für oder infizierten Patienten und der damit
Wirkbereich A zusätzlich zu vegetativen die Menschen. Daraus resultieren An- verbundenen Freisetzung von Krankheits-
Bakterien und Pilzen einschließlich Pilz- forderungen an die Wirksamkeit von erregern in die Umgebung, deren Menge,
sporen generell auch Mykobakterien, die Desinfektionsmitteln im Rahmen der Virulenz, Resistenz und Tenazität in der
aufgrund ihrer Chemotoleranz in der Re- Biozidgesetzgebung, die nicht den An- Umgebung sowie von der Infektionsdosis,
gel höhere Anforderungen an das Desin- forderungen für Desinfektionsmittel zur dem Infektionsweg und der Immunkom-
fektionsmittel stellen. Dadurch ergeben Sicherung eines höchstmöglichen In- petenz des Patienten. Auch patientenun-
sich für viele Wirkstoffgruppen in der fektionsschutzes in medizinischen Ein- abhängige Quellen (z. B. Verbreitung von
Liste des RKI höhere Konzentrationsan- richtungen genügen. Die gemäß BPR Schimmelpilzen durch Baustaub) können
gaben und/oder längere EWZ als in der mögliche Zulassung eines Flächendes- zu einer Kontamination von Flächen bei-
Liste des VAH. infektionsmittels auf der Basis einer tragen. Im Umfeld infektionsanfälliger
Die Wirksamkeitsprüfung der Produk- Gruppenprüfung (Produktfamilie) ist und abwehrgeschwächter Patienten ist
te muss gemäß den Anforderungen des für medizinische Bereiche nicht ausrei- die desinfizierende Flächenreinigung be-
RKI durch herstellerunabhängige Gutach- chend, um die sichere Wirksamkeit zu sonders relevant.
ten von Prüflaboratorien, deren Kompe- gewährleisten, weil die Wirksamkeit ei- Die Entscheidung, ob eine Reinigung
tenz z. B. durch Teilnahme an Ringversu- nes Produkts zusätzlich zum Wirkstoff- ausreicht oder Desinfektionsmaßnahmen
chen bzw. Akkreditierung nachgewiesen gehalt durch Zusätze wie Tenside und erforderlich sind, wird bestimmt durch
wurde, belegt werden. Darüber hinaus pH-Wert beeinflusst wird. Als Voraus- 55die Wahrscheinlichkeit der mikrobiel-
erfolgen praktische Wirksamkeitsprüfun- setzung für eine sichere Wirksamkeit len Kontamination,
gen durch das RKI. muss die im jeweiligen medizinischen 55das Potenzial zur Freisetzung von
Einsatzbereich erforderliche bakterizi- Krankheitserregern mit unterschied-
Zusammenstellung von Desinfektions- de, levurozide, tuberkulozide, mykobak- licher Patientengefährdung, die sich
mitteln des Industrieverbands Hygiene terizide, fungizide, sporizide oder/und aus Kolonisation, Infektionsverdacht
und Oberflächenschutz e. V. (IHO): Die virusinaktivierende Wirksamkeit durch oder Infektion des Patienten ergeben,
IHO Desinfektionsmittelliste ist eine Zu- zwei voneinander unabhängige Prüf- 55die Wahrscheinlichkeit, mit der sich
sammenstellung von Desinfektionsmit- berichte und Gutachten, die den Stand Personal oder Patienten direkt an der
teln für verschiedene Anwendungsberei- der derzeitigen Wissenschaft erfüllen, Fläche kontaminieren können,
che mit Angaben zur Wirksamkeit, deren neue Anwendungsformen berücksichti- 55die Notwendigkeit einer pathogen-
Einträge von den jeweiligen Firmen je- gen und von herstellerunabhängigen ak- freien Umgebung bei aseptischen
doch ausschließlich in eigener Verantwor- kreditierten Prüfinstituten erstellt wor- Tätigkeiten (z. B. Vorbereitung von
tung erstellt werden. den sind, gesichert sein, wie es z. B. vom Infusionslösungen, enteralen Ernäh-
VAH praktiziert wird. Zugleich könnte rungslösungen, Bereitstellung von
Fazit zur Listung von Desinfektions- die regelmäßige Nachtestung von Pro- Utensilien zur Injektion, Herstellung
mitteln: In Zukunft wird die Wirksam- dukten aus dem Markt durch eine un- von Arzneimitteln in der Apotheke,
keitsprüfung von Desinfektionsmitteln abhängige Institution eine zusätzliche chirurgische Operationseinheit),

1078 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 10 · 2022


55die Infektionsanfälligkeit des Patien- unmittelbar vor der Tätigkeit desinfiziert Kontaminationsquelle einzubeziehen
ten, z. B. Immunschwäche durch un- werden, um eine Kontamination von erre- und insbesondere bei sichtbarer Verun-
reifes Immunsystem, chronische Er- gerarmen bzw. sterilen Produkten zu ver- reinigung zu reinigen und zu desinfizie-
krankungen oder Immunsuppression, hindern. Das betrifft z. B. die Arbeitsfläche ren, sofern nicht ein Ausbruchsgeschehen
55die Gefährdung des Personals durch des Verbandwagens und reine Arbeitsflä- die Einbeziehung patientenferner Flächen
Krankheitserreger. chen, auf denen z. B. Infusionslösungen erforderlich macht [87]. Solche Flächen
und Spritzen vorbereitet werden. Hier- sind z. B. Wände (außerhalb des direk-
Beispielsweise wurde ein genotypisch zu sind aus Praktikabilitätsgründen Des- ten Kontaktbereichs vom Patientenbett),
identischer Serratia liquefaciens vom Si- infektionsmittel mit der kürzesten EWZ, Fußböden in Bereichen ohne erhöhtes
phon weiterverbreitet, u. a. auf eine reine z. B. eine Minute (min), zu bevorzugen. Infektionsrisiko, Lüftungsauslässe (ein-
Arbeitsfläche, und gelangte durch fehlen- Flächen, die der häufigen Desinfekti- schließlich Abluftöffnungen), Lampen
de bzw. unzureichende Desinfektion der on (z. B. reine Arbeitsflächen) unterzogen und Heizkörper. Vor allem bei nicht ae-
Arbeitsfläche und der Hände auf zwei In- werden, zeigen bei Überprüfung durch rogen bzw. über Aufwirbelung übertrag-
fusionsflaschen mit der Folge einer Sepsis Kontaktkultur (sog. „Abklatsch“-Me- baren Erregern nimmt der Stellenwert der
[77]. Sowohl bei der Rekonstitution von thode) in der Regel eine relativ niedrige desinfizierenden Flächenreinigung auf pa-
Parenteralia [78] als auch bei der Herstel- Gesamtzahl koloniebildender Einheiten tientenfernen Flächen zur Infektionsprä-
lung nichtsteriler Rezepturarzneimittel ist (KbE). Im Gegensatz dazu sind auf häufig vention mit zunehmender Distanz zum
die Desinfektion der Arbeitsflächen vor- berührten Oberflächen ohne zwischen- Patienten ab [88].
geschrieben [79]. zeitliche Desinfektion, z. B. auf PC-​Tasta-
Bei der Risikobewertung sind v. a. Flä- tur, Box zur Entnahme von Mund-Nasen- 2.2 Vorkommen und Persistenz
chen zu berücksichtigen, die mit Haut Schutz und pathogenfreien medizinischen nosokomialer Erreger in der
(insbesondere Händen), Schleimhaut Einmalhandschuhen, Türklinken u. Ä., Patientenumgebung und
oder Wunden von Patienten und Perso- mittels Kontaktkultur häufig ≥ 20 KbE/ Verminderung der Erregerlast
nal direkt in Kontakt kommen, mit Sekre- Quadratzentimeter (cm2) einschließlich durch Desinfektionsmaßnahmen
ten und Exkreten verunreinigt bzw. ggf. potenzieller Erreger von NI nachweisbar
auch durch Aufwirbelung kontaminiert [81–83]. Durch die rasante Weiterent- Vor allem in der patientennahen Umge-
werden. Von diesen Flächen können in- wicklung der Techniken des next-gene- bung mikrobiell kolonisierter oder infi-
direkt (z. B. über Hände, Pflegehilfsmittel) ration sequencing (NGS) ist es möglich, zierter Patienten können die ätiologisch
oder über Staub und aktive Verwirbelung auch das Krankenhausmikrobiom zu er- der Kolonisation bzw. Infektion zugrun-
Krankheitserreger auf Patienten oder in- fassen. Dabei handelt es sich um die Ge- de liegenden Spezies, sofern keine Flä-
fektionsrelevante Flächen und MP/In- samtheit aller Mikroorganismen, die sich chendesinfektion durchgeführt wurde,
strumente (z. B. im OP) übertragen wer- auf den Oberflächen der unterschied- nachgewiesen werden. Das betrifft auch
den (siehe . Abb. 1). lichen Flächen der Räumlichkeiten im Viren, vor allem Enteroviren [89], Noro-
Dabei sind patientennahe Flächen mit Krankenhaus nachweisen lassen. Im Ver- viren [90, 91] und SARS-CoV-2 [92]
häufigem Hand-/Hautkontakt (häufig be- gleich zu Kontaktkulturen wird mittels sowie Bakterien, z. B. MRSA [93, 94],
rührte Flächen/„high-touch“), die häufig NGS das genetische Material von weitaus Vancomycin-resistente Enterokokken
kontaminiert werden können, mit einem mehr Spezies nachgewiesen. Dabei ist ein (VRE) [93, 95], Carbapenem-resistente
höheren Übertragungsrisiko verbunden Nachweis auch dann möglich, wenn die Enterobacteriaceae (CRE) [96, 97], Aci-
als patientenferne Flächen, mit denen Mikroorganismen nicht kultivierbar sind. netobacter spp. [91], C. difficile [91, 98],
auch das Personal keinen Kontakt hat. Es kann jedoch keine Aussage darüber ge- Sprosspilze und Hefen [99], selten auch
Patientennahe Flächen sind z. B. Kontakt- troffen werden, ob die Mikroorganismen Dermatophyten [100] sowohl auf pa-
teile des Betts und Zubehör, Nachttisch, zum Zeitpunkt der Beprobung vermeh- tientennahen Flächen und Hand- und
Sanitärbereich des Patienten (Badewanne, rungsfähig waren [84–86]. Erste Studien Hautkontaktflächen als auch auf Fuß-
Waschbecken und -umgebung, Armatu- weisen darauf hin, dass ein um die Erfas- böden [101, 102]. Selbst Acanthamoeba,
ren, Toilette), Türgriffe, Fernbedienungen, sung des Mikrobioms der Innenräume in Vahlkampfia und Vermamoeba spp. wur-
Wickeltische, Untersuchungsliegen sowie Krankenhäusern ergänztes Umgebungs- den im Staub auf internistischen Inten-
Oberflächen von Geräten bzw. unkriti- monitoring künftig neue Möglichkeiten sivtherapiestationen (ITS) sowie in ITS
schen Medizinprodukten (z. B. Inkuba- eröffnen könnte, Bekämpfungsstrategi- für Chirurgie und offene Herzchirurgie
toren, EKG-​Gerät und Zubehör) [20, 80]. en anhand von bestimmten charakteris- auf Equipment, Türen und in der Klima-
Bei der Bedienung von Geräten sollte die tischen Zusammensetzungen des Mik- anlage nachgewiesen [103]. Aspergillus
Gefahr möglicher Kreuzkontaminationen robioms auf den verschiedenen Flächen spp. werden vor allem bei Umbaumaß-
zwischen patientenseitigen Oberflächen abzuleiten (siehe Abschnitt 6.3). nahmen [104] freigesetzt.
und geräteseitigen Bedienoberflächen be- Auch patientenferne Flächen ohne Die Tenazität von Mikroorganismen
achtet werden. häufigen Hand- oder Hautkontakt (selten bzw. Viren beeinflusst das Risiko der di-
Flächen, auf denen aseptische Tätigkei- berührte Flächen/„low-touch“) sind nach rekten oder indirekten Weiterverbreitung
ten durchgeführt werden sollen, müssen infektionshygienischer Risikoanalyse als von Krankheitserregern, während die mi-

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Bekanntmachungen – Amtliche Mitteilungen

nimale Infektionsdosis das Erkrankungs- halten ohne Umgebungskontamination Intervention bestand in der Verbesserung
risiko bestimmt. Sowohl Gram-positive beobachtet wurde. Die Umgebungskonta- der Flächendesinfektion durch Schulung,
als auch Gram-negative Bakterien können mination erhöhte das Risiko für die wie- Qualitätskontrollen mit Fluoreszenzfarb-
abhängig von den Umgebungsbedingun- derkehrende Infektion signifikant [124]. stoff und Rückmeldung der Ergebnis-
gen und der Erregerlast Tage bis Wochen Auf einer chirurgischen ITS war das se. Die Intervention zeigte eine zuneh-
bis Monate, Bakteriensporen teilweise Vorkommen von S. aureus auf patien- mend bessere Qualität der Desinfektion
noch deutlich länger überleben. Die Te- tennahen Handkontaktflächen tendenzi- in den Interventionshäusern, jedoch kei-
nazität von Viren ist häufig geringer, wo- ell mit einer höheren Rate von NI asso- nen Einfluss auf die Rate nosokomialer
bei große Unterschiede zwischen behüll- ziiert. Nicht unterscheidbare Genotypen CDI. Welche Desinfektionsmittel einge-
ten und unbehüllten Viren bestehen (für zwischen von Patienten und aus der Um- setzt wurden, ist in der Publikation nicht
Details zur Infektionsdosis und zur Tena- gebung isolierten S. aureus und zeitliche angegeben, so dass nur gemutmaßt wer-
zität siehe im informativen Anhang dieser Abhängigkeiten sprechen für die Trans- den kann, dass der fehlende Effekt durch
Empfehlung). mission in beiden Richtungen [125]. ungenügende sporizide Wirksamkeit be-
Die Reduktion der mikrobiellen Flä- Es wurden bislang nur wenige klinisch dingt sein könnte [131].
chenbelastung durch desinfizierende Flä- kontrollierte Studien zur Wirksamkeit In einer Cluster-randomisierten Cross-
chenreinigung wurde in verschiedenen der desinfizierenden Flächenreinigung over Multicenterstudie ergab sich eine
medizinischen Bereichen nachgewiesen im Rahmen der Basishygiene mit dem signifikante Reduktion von Neu-Ko-
[105–113]. Endpunkt Infektion durchgeführt. Die lonisationen oder Infektionen durch mul-
Reduktion der Flächenkontamination tiresistente Erreger (MRE), wenn anstelle
2.3 Infektionsepidemiologische durch intensivierte desinfizierende Flä- von QAV Natriumhypochlorit eingesetzt
Untersuchungen chenreinigung um 94 % hatte eine 35 %ige wurde. Durch Kombination mit UV-​Be-
Reduktion der Kolonisation und/oder In- strahlung war kein zusätzlicher Einfluss
Für die Assoziation zwischen Umge- fektion der Patienten mit MRSA, VRE, C. nachweisbar [132]. In einer Vorher-Nach-
bungskontamination und Infektionsrisiko difficile und multiresistenten Acinetobac- her-Untersuchung wurde nach Wechsel
wächst die Studienlage. In verschiedenen ter spp. zur Folge [126]. Die meisten Un- von einem zweistufigen Verfahren (De-
Untersuchungen wurde festgestellt, dass tersuchungen wurden im Zusammenhang finition siehe Abschnitt 3.1), also Reini-
nach Entlassung von Patienten, die mit mit CDI vorgenommen. In einem Vor- gung und anschließende Wischdesinfek-
bestimmten Erregern kolonisiert oder in- her-Nachher-Design wurde der Einfluss tion mit Propan-2-ol, auf ein einstufiges
fiziert waren, nachfolgend aufgenommene des Desinfektionsmittels auf die Rate von Verfahren (Definition siehe Abschnitt
Patienten bei Mängeln in der Schlussdes- CDI untersucht. Mit der Umstellung eines 3.1) mit QAV-​basiertem Desinfektions-
infektion denselben Erreger erwarben [23, Chlor-basierten Flächendesinfektionsmit- reiniger die MRSA-​Inzidenz signifikant
26, 114–118]. Das hat sich in Metaanaly- tels auf Peressigsäure (PES)-haltige Tücher gesenkt [133]. Beim hier beschriebenen
sen bestätigt [119, 120]. Allerdings wurde reduzierte sich die CDI-​Rate von 6/1000 zweistufigen Verfahren kann eine man-
in keiner Studie belegt, dass der vorherige Patienten auf 2/1000 Patienten [25]. Nach gelhafte Desinfektionswirkung angenom-
und der neue Patient mit demselben Klon Umstellung der Desinfektion von mit ei- men werden, z. B. infolge Restfeuchte und
der jeweiligen Spezies kolonisiert wur- ner quartären Ammoniumverbindung Verdünnung des Propan-2-ol oder infolge
den, so dass die Assoziation nur mit ho- (QAV) getränktem Tuch auf Hypochlo- einer zu schnellen Verdunstung und man-
her Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist. rit reduzierte sich die CDI-​Rate um 85 % gelhaften Benetzung der Oberflächen.
Analog konnte die Umgebungskontami- von 24,3 auf 3,6/10.000 Patienten [127]. In Bei der Beherrschung von Ausbrü-
nation mit VRE sowohl in einer internis- zwei weiteren Vorher-Nachher-Interven- chen mit VRE [134, 135], C. difficile [136],
tischen ITS als auch in einem postakuten tionsstudien wurde die Inzidenz von CDI MRSA [106], Acinetobacter (A.) bauman-
Pflegebereich als unabhängiger Risikofak- nur bei relativ hoher endemischer Rate nii [137–140] und MRGN [134, 141] er-
tor für die Akquirierung von VRE identi- nach Substitution von QAV durch Hypo- wies sich die intensivierte Flächendes-
fiziert werden [121, 122]. Im Ergebnis ei- chlorit gesenkt, stieg nach Rückkehr zu infektion als wirksame Maßnahme im
nes Reviews wurden sowohl Ausbrüche QAV wieder an und wurde nach Wechsel Interventionsbündel. Parallel wurde in
als auch sporadische Infektionen auf kon- zum Hypochlorit erneut reduziert [128, einigen dieser Studien zusätzlich die Re-
taminierte patientennahe Oberflächen zu- 129]. Hacek et al. [130] konnten auch bei duktion der erregerspezifischen Flächen-
rückgeführt [123]. niedriger endemischer CDI-​Rate nach belastung durch Flächendesinfektion
In einer Kohorten-Studie (n = 82) zur Wechsel von QAV zu Hypochlorit eine nachgewiesen [105, 107, 136].
Ermittlung von Risikofaktoren für Infek- signifikante Senkung der Inzidenz von
tionen mit community acquired MRSA CDI nachweisen. In einer Multicenter- 2.4 Schlussfolgerungen
(CA-​MRSA) in Haushalten erlitten 65 % studie zum Einfluss eines intensivierten
der Patienten mit Kontamination durch Flächendesinfektionsprogramms auf das Durch die Desinfektion patientennaher
CA-​MRSA in der Umgebung im Haushalt Auftreten von CDI an 16 Krankenhäusern Flächen lässt sich ein infektionspräventi-
eine wiederkehrende Infektion, während in Ohio wurden die Häuser randomisiert ver Einfluss erreichen, der bisher überwie-
das nur bei 35,5 % der Patienten aus Haus- in Interventions- und Kontrollhäuser. Die gend für C. difficile und MRE (Klebsiella

1080 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 10 · 2022


pneumoniae, VRE) sowie im Bündel bei Flächendesinfektion erforderlich (zwei- erstreckt sich auf Flächen, von denen zu
der Beherrschung von Ausbrüchen [142] stufiges Verfahren). vermuten oder anzunehmen ist, dass sie
nachgewiesen wurde. Als Konsequenz Neben der Unterhaltsreinigung (Rei- mit erregerhaltigem Material kontami-
wird der Desinfektion patientennaher Flä- nigung im Rahmen der Basishygiene), niert wurden, ohne dass das im Einzelfall
chen und Flächen mit häufigem Hand-/ gibt es zusätzliche Reinigungs- bzw. Pfle- erkennbar ist. Durch die Desinfektion bei
Hautkontakt in internationalen Richtlini- gemaßnahmen, z. B. Pflegefilmsanierung, Patientenentlassung/-wechsel soll der Be-
en eine Schlüsselrolle innerhalb der Basis- Grundreinigung und Einpflege des Fuß- reich/Raum so hergerichtet werden, dass
hygiene zur Unterbrechung der Ausbrei- bodens, die nicht Gegenstand dieser Emp- er zur Pflege oder Behandlung des nächs-
tung kritischer Erreger sowie generell zur fehlung sind [148]. ten Patienten genutzt werden kann, ohne
Prävention von NI zugewiesen [143–146]. dass eine Infektionsgefährdung besteht.
Aus dem oben Gesagten ergeben sich Desinfektion: Desinfektion ist ein Pro- Diese beiden Verfahren können nur
analog zur Händedesinfektion folgende 5 zess, durch den die Anzahl vermehrungs- einstufig durchgeführt werden, wenn kei-
Indikationen für eine Flächendesinfekti- fähiger Mikroorganismen infolge Abtö- ne starke Verschmutzung der Fläche vor-
on [147]: tung/Inaktivierung unter Angabe eines liegt (siehe Abschnitt 5.1).
55Desinfizierende Flächenreinigung im standardisierten, quantifizierbaren Wir- Bei der desinfizierenden Flächenreini-
Rahmen der Basishygiene (ungeziel- kungsnachweises auf ein gemäß dem gung kommen Produkte zum Einsatz, die
te Flächendesinfektion) auf patienten- Stand des Wissens angenommenes in- sowohl einen Reinigungszusatz als auch
nahen Flächen im Rahmen der Pfle- fektionshygienisch unbedenkliches Ni- einen Desinfektionswirkstoff enthalten.
ge/Behandlung, insbesondere häufig veau reduziert wird, mit dem Ziel, einen Soweit nicht vom Hersteller vorgesehen,
berührter Flächen, Gegenstand/Bereich in einen Zustand dürfen Reinigungs- und Desinfektions-
55gezielte desinfizierende Flächenreini- zu versetzen, dass von ihm keine Infek- mittel aufgrund möglicher Unverträglich-
gung oder Flächendesinfektion nach tionsgefährdung mehr ausgehen kann. keiten der Inhaltsstoffe nicht vermischt
Kontamination mit potenziell erreger- Das gilt sowohl für die desinfizierende werden (Vermischungsverbot).
haltigem Material, Flächenreinigung als auch für die Flä-
55Flächendesinfektion vor aseptischen chendesinfektion. Die zugrunde gelegten Gezielte Flächendesinfektion: Hierbei
Tätigkeiten auf der Arbeitsfläche, Anforderungen an die Wirksamkeit von werden Flächendesinfektionsmittel mit
55Schlussdesinfektion, Flächendesinfektionsmitteln sind nicht spezieller Indikation eingesetzt.
55desinfizierende Flächenreinigung als epidemiologisch begründet und daher 55Flächendesinfektion mit speziel-
Bestandteil eines Maßnahmenbündels nur ein Anhaltspunkt. lem Wirkspektrum: Sie wird bei Pa-
zur Beherrschung von Ausbrüchen. tienten mit Freisetzung von Erregern
Desinfektionsverfahren im Rahmen der durchgeführt, für deren Inaktivierung
3 Flächenreinigung, Basishygiene (auch als routinemäßige ein spezifisches Wirkspektrum, z. B.
desinfizierende Desinfektion oder laufende Desinfekti- tuberkulozid, sporizid, fungizid oder
Flächenreinigung und on bezeichnet): Sie dienen der Redukti- viruzid, benötigt wird. Sie wird insbe-
Flächendesinfektion on der Flächenkontamination, ohne dass sondere in Ausbruchssituationen und
ein Hinweis auf die Freisetzung bestimm- bei isolierten oder kohortierten Pa-
3.1 Definitionen ter Erreger vorhanden ist, deren Elimina- tienten als desinfizierende Flächenrei-
tion ein erweitertes Wirkungsspektrum nigung während der Behandlung oder
Flächenreinigung: Durch Reinigungspro- erfordert. Pflege des Patienten und als Schluss-
zesse sollen Verunreinigungen (z. B. Staub, desinfektion nach Aufhebung der Iso-
Schmutz, organische Substanzen wie Blut, Bei der Flächendesinfektion wird die lierung (Ende der Infektiosität) oder
Sekrete, Exkrete) unter Verwendung von Fläche ohne den Anspruch zusätzlicher Entlassung eines Patienten durchge-
Wasser mit reinigungsverstärkenden Zu- Reinigungswirkung durch Einsatz eines führt.
sätzen (z. B. Tenside) entfernt werden. Flächendesinfektionsmittels desinfiziert 55Desinfektion nach Verunreinigung
Dabei werden auch Mikroorganismen (einstufiges Verfahren). Hauptanwen- mit potenziell erregerhaltigem Ma-
mechanisch entfernt, ohne dass bestim- dungsbereich ist die Desinfektion von Ar- terial: Nach Verunreinigung mit Blut,
mungsgemäß eine Abtötung/Inaktivierung beitsflächen vor aseptischen Tätigkeiten, Sekreten oder Exkreten ist von einer
stattfindet bzw. beabsichtigt ist. Allerdings z. B. Aufziehen von Spritzen oder Umgang hohen Belastung mit Erregern und/
gibt es bisher keine valide Prüfmethode für mit Parenteralia. oder organischem Material auszuge-
die Quantifizierung der Reinigung, so dass Bei der desinfizierenden Flächenreini- hen. Diese ist unmittelbar mechanisch
keine Angaben zur Reinigungswirkung gung erfolgen Reinigung und Desinfekti- zu entfernen (kein Einsatz von Des-
von Reinigungsmitteln vorliegen. on in einem Arbeitsgang (einstufiges Ver- infektionsmitteln wegen Eiweißfixie-
Abhängig von der Menge der Verun- fahren). Dadurch soll die Verbreitung von rung). Erst im Anschluss ist die des-
reinigung ist die Reinigung vor der des- Krankheitserregern während der Pfle- infizierende Flächenreinigung bzw.
infizierenden Flächenreinigung bzw. ge und Behandlung von Patienten einge- Flächendesinfektion (mit Auslobung
schränkt bzw. unterbunden werden. Sie

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 10 · 2022 1081


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„dirty“, siehe Abschnitt 5.1) durchzu- fizierende Flächenreinigung eine signifi- Evidenz für den Infektionsschutz im An-
führen (zweistufiges Verfahren). kant höhere Reduktion im Vergleich zur wendungsbereich und die Risiken, die
55Schlussdesinfektion: Im Rahmen der Kontrolle mit Wasser mit Tensidzusatz er- sich aus der Biozidanwendung, dem Che-
einrichtungsspezifischen Risikobe- reicht wird [151, 152]. Im Gegensatz zur mikaliengesetz [154] und der Gefahrstoff-
urteilung muss festgelegt werden, bei desinfizierenden Flächenreinigung gibt es verordnung [155] ergeben, berücksichti-
welchen Erregern eine Schlussdesin- keine Evidenz dazu (zur Evidenzlage siehe gen. Obwohl z. B. kontaminierte Türgriffe
fektion erforderlich ist. Die Schluss- Abschnitt 2.3), dass die Flächenreinigung und Tastaturen Ursache von Ausbrüchen
desinfektion erstreckt sich je nach die Rate von NI verringert. Nach Verwen- waren [156, 157], ist nicht nach jedem
Krankheitserreger auf die patienten- dung von Reinigungslösungen waren auf Kontakt eine Desinfektion durchführbar;
nahen bzw. alle erreichbaren Oberflä- den Flächen signifikant häufiger nosoko- daher müssen derartige Infektionswege
chen und Gegenstände, die mit dem miale Erreger nachweisbar als bei Ver- entsprechend dem Multibarrierenkon-
Krankheitserreger kontaminiert sein wendung von Desinfektionsmittellösun- zept durch Händedesinfektion, persönli-
können. In besonderen Fällen kön- gen [153]. che Schutzausrüstung und distanzierende
nen andere Konzentrations-Zeit-Re- Arbeitsweise (Non-Touch-Technik) un-
lationen und Verfahren als bei der 4 Reinigungs- und terbrochen werden. Dagegen müssen Flä-
Flächendesinfektion im Rahmen der Desinfektionsmaßnahmen chen, die nacheinander mit der Haut ver-
Basishygiene notwendig sein, z. B. bei in unterschiedlichen schiedener Patienten in Kontakt kommen
behördlich verfügter Desinfektion mit Risikobereichen (z. B. Kontaktflächen von Patientenliegen,
Produkten bzw. Verfahren nach der Kopfstützen, Babywaagen), nach jeder Be-
Liste der vom RKI geprüften und an- 4.1 Zuordnung von Räumen zu nutzung desinfiziert werden.
erkannten Desinfektionsmittel und Risikobereichen
-verfahren [76]. 5 Anforderungen an
Wie in den vorangehenden Abschnitten Flächenreinigungs- und
Sowohl gemäß § 23 IfSG als auch gemäß beschrieben, hängt die Entscheidung, ob -desinfektionsverfahren und
§ 137 SGB V sind innerbetriebliche Ver- eine Reinigung oder eine desinfizierende Auswahlkriterien
fahrensweisen zur Infektionshygiene in Flächenreinigung durchgeführt werden
Hygieneplänen festzulegen. Die Techni- soll, von einer Reihe von Faktoren ab, die 5.1 Wirksamkeit und Wirkspektrum
schen Regeln für Biologische Arbeitsstof- Patienten, Personal und Prozesse betref-
fe (TRBA), insbesondere die TRBA 250 fen können. Um den Prozess der Reini- Durch Reinigungsverfahren sollen rein
„Biologische Arbeitsstoffe im Gesund- gung bzw. der desinfizierenden Flächen- mechanisch Verschmutzungen entfernt
heitswesen und in der Wohlfahrtspflege“ reinigung dennoch soweit wie möglich zu werden (siehe Abschnitt 1.3). Allerdings
[149], präzisiert diese Forderung; danach standardisieren, hat es sich als praktika- gibt es keine Anforderungen an die Reini-
sollte auf Grundlage des Hygieneplans im bel erwiesen, Räume und Flächen in un- gungswirkung in Bezug auf die Reduktion
Reinigungs- und Desinfektionsplan für terschiedliche Risikobereiche einzuteilen der Anzahl von Mikroorganismen.
alle Flächen festgelegt werden, wann, wo- (. Tab. 2). Im Unterschied dazu sind für Flächen-
mit und wie diese zu reinigen bzw. desin- desinfektionsverfahren die Anforderun-
fizieren sind, inklusive Angaben zur Wie- 4.2 Hinweise zu Risiken gen an die Wirksamkeit durch europäische
derbenutzung (siehe Abschnitt 8.2). bei der Anwendung von Normen und nationale Prüfmethoden
Flächendesinfektionsmitteln festgelegt [61–73] (für Prüfmethoden sie-
3.2 Wirksamkeit von he Abschnitt 5 im informativen Anhang).
Flächenreinigung und Umfang, Wirkspektrum, EWZ und Fre- Durch die Desinfektion soll die Abtötung
desinfizierender Flächenreinigung quenz der Flächendesinfektion sind ab- vegetativer Bakterien auf der Fläche ≥ 5
hängig vom Risikobereich und von Risi- log10 erreichen. Für Hefen, Schimmel-
Durch die Reinigung kann zwar eine koflächen (. Tab. 3) gemäß TRBA 250 pilze, Mykobakterien, C. difficile-Sporen
Abreicherung, jedoch in der Regel kei- [149] einrichtungsspezifisch durch das und Viren ist die Anforderung mit ≥ 4
ne ausreichende Abtötung/Inaktivierung Hygienefachpersonal im Reinigungs- und log10 festgelegt [61–64]. Diese Anforde-
von Krankheitserregern erreicht werden. Desinfektionsplan auf der Grundlage des rungen berücksichtigen den worst case
Nur einige wenige empfindliche Erreger Hygieneplans (siehe Abschnitt 8.2) festzu- der Flächenkontamination in Gesund-
lassen sich bereits durch Tenside inakti- legen. Ambulante Einrichtungen, die über heitseinrichtungen, weil die bakterielle
vieren [150]. Daher sind bei indizierter kein Hygienefachpersonal verfügen und Kontamination auf patientennahen Flä-
desinfizierender Flächenreinigung bzw. auch keinen Hygienebeauftragen haben, chen nur im Bereich von 30 KbE/cm2 liegt
Flächendesinfektion alleinige Reinigungs- müssen über die Träger bzw. Leiter die- [159]; selbst in öffentlichen Toiletten wird
maßnahmen in Einrichtungen des Ge- ser Einrichtungen laut § 23 Abs. 3 des IfSG der Bereich von 103 KbE/cm2 nicht über-
sundheitswesens nicht ausreichend. die Festlegungen treffen und die infekti- schritten und liegt meist unter 102 KbE/
Im 4-Felder-Test wurde experimentell onspräventive Verantwortung tragen [75]. cm2 [160]. Die Prüfung der Wirksamkeit
belegt, dass für S. aureus durch die desin- Die Festlegung muss die epidemiologische berücksichtigt damit die Anwendungsbe-

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Tab. 2 Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen in Abhängigkeit vom Infektionsrisiko für Patienten und Personal (die Aufzählung innerhalb
der Spalten ist beispielhaft zu verstehen)
Bereiche ohne Bereiche mit Bereiche mit Reine Arbeitsbe- Bereiche mit Bereiche, in
erhöhtes Infekti- möglichem Infek- erhöhtem Infekti- reiche besonderem denen nur für
onsrisikoa tionsrisiko onsrisiko Infektionsrisikob das Personal ein
Infektionsrisiko
besteht
Zuordnung der Treppenhäuser, Allgemeinstatio- OP-​Einheiten sowie Reine Isolierbereiche Mikrobiologische
Bereiche Flure, Verwaltung, nen, Ambulanzbe- Einheiten für: Arbeitsräume/ (räumlich inkl. Laboratorien,
Büros, Speiseräu- reiche, Radiologie, 55Intensivthera- -flächen, reine Vorraum) oder Pathologie, Ent-
me, Hörsäle, Physikalische pie/Intermedia- Bereiche von Funk- bettseitige Isolier- sorgung, unreine
Unterrichtsräume, Therapie, Sa- te Care (IMC) tionseinheiten, z. B. pflege Bereiche von:
technische Berei- nitärbereiche, 55Schwerstbrand- AEMP, Wäscherei, 55Wäscherei
che, Wartezimmere Dialyse, Kreißsaal, Verletzte Herstellungsbe- 55Funktionsein-
Funktionsdiagnos- 55Transplan- reich in Apotheken, heiten, z. B.
tik, Psychiatrie, Ein- tation (z. B. transfusions- AEMP
griffsräume, Ret- Knochenmark, medizinischen
tungsdienst- und Stammzellen) Einrichtungen und
Patiententrans- 55Hämato- Gewebebanken
portfahrzeuge, Onkologie (z. B.
Wartezimmer aggressive Che-
motherapie)
55Neonato-
logische
Intensivstation
(neonatal
intensive care
unit; NICU)
Bereichsspezifische Alle Flächen: Häufig berührte Häufig berührte Arbeitsflächen Häufig berührte Siehe TRBAc
Maßnahmen Reinigung bzw. patientenna- bzw. patientenna- vor aseptischen bzw. patientenna-
he Flächen/Barfuß- he Flächen: Tätigkeiten: he Flächen:
bereiche: desinfizierende Desinfektion der desinfizierende
desinfizierende Flächenreinigung/ sauberen Flächen Flächenreinigung/
Flächenreinigungd/ Flächendesinfek- Flächendesinfek-
Flächendesinfek- tion Beachtung von tion
tion Fußböden: Vorgaben weiterer Fußböden:
Fußböden und desinfizierende Rechtsbereiche desinfizierende
selten berührte Flächenreinigung (z. B. Arzneimittel- Flächenreinigung
Flächen: Selten berührte gesetz, Trans- Selten berührte
Reinigung Flächen: fusionsgesetz, Flächen:
Reinigung Apothekenbetrei- Reinigung
berverordnung)
Nach Entlassung
Schlussdesinfek-
tion
Die Entscheidung, ob routinemäßig eine desinfizierende Flächenreinigung oder eine Flächendesinfektion durchgeführt werden soll, ist situationsabhängig zu treffen
a
Ausgehend von Flächen in Bezug auf das allgemeine Risiko in der Bevölkerung
b
Umfangserweiterung kann in epi- bzw. pandemischer Situation bzw. bei besonders kontagiösen, aerogen übertragbaren Krankheitserregern (z. B. offene Lungentuberku-
lose) erforderlich sein
c
Nähere Angaben zur Risikobewertung enthalten die TRBA (z. B. TRBA 250 [149])
d
In zahnärztlichen Untersuchungsräumen kann durch tägliche desinfizierende Flächenreinigung des Fußbodens eine Senkung der durch das Behandlungsaerosol potenzi-
ell entstehenden Erregerbelastung erreicht werden
e
Nur bei Separierung von Patienten mit Infektionsverdacht sowie von Patienten mit ausgeprägter Immunsuppression

dingungen von Flächendesinfektionsmit- ler) durch Bezugnahme auf anwendungs- gen Eiweiß-, aber hohen Blutfehler [161].
teln mittels Wischen oder mittels Sprühen nahe Prüfmethoden ausgewiesen. Es ist Für die Deklarierung der Wirksamkeit
bei geringfügigen Verschmutzungen. Bei zu berücksichtigen, dass der Eiweißfeh- bei optisch sauberen Flächen („niedri-
einer Listung durch den VAH werden die ler innerhalb der Desinfektionswirkstoffe ge Belastung/clean conditions“) erfolgt
entsprechende Eignung für das jeweilige unterschiedlich ausgeprägt ist. So haben die Prüfung mit einer Testanschmutzung
Verfahren und die entsprechende Wirk- z. B. QAV und Alkohole einen ausgepräg- von 0,03 % Albumin, bei sichtbarer Ver-
samkeit abhängig von der Belastung mit ten, Aldehyde jedoch einen geringeren Ei- unreinigung („hohe Belastung/dirty con-
Eiweiß (Eiweißfehler) und Blut (Blutfeh- weißfehler. Oxidantien haben einen gerin- ditions“) mit einer Testanschmutzung

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 10 · 2022 1083


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Tab. 3 Anwendungsbereiche der Flächendesinfektion oder desinfizierenden Flächenreinigung mit Hinweisen zur Einwirkzeit und Anwen-
dungsfrequenza
Anwendungsbereich Beispiele Wirkspektrum Einwirkzeit (siehe Reinigung Frequenz
auch Abschnitt 5.2)
Selten berührte bzw. patientenferne Flächen
Vor aseptischen Reine Arbeitsflächen, Medikamenten- Bakterizid, Nutzung nach Einhal- Entfällt bei optisch Unmittelbar
Tätigkeiten tisch, Verbandwagen levurozidb ten der EWZ sauberer Fläche vor Beginn
Erhöhte Kontaminati- Labor, unreiner Arbeitsraum, Entsor- Nutzung nach Bevorzugt als desinfi- Nutzungstäg-
onsgefahr gung Antrocknung möglich zierende Flächenrei- lich, ggf. zu
nigung Beginn und
am Arbeits-
ende
Kontamination aus Kontamination mit Abwasser oder Nutzung nach Einhal- Je nach Kontaminati- Unmittelbar
Umweltquellen Baustaub ten der EWZ onsgrad desinfizieren- nach Kontami-
de Flächenreinigung nation
oder vorherige
Flächenreinigung und
anschließende
desinfizierende Flä-
chenreinigung bzw.
-desinfektion
Häufig berührte bzw. patientennahe Flächen im Rahmen der Basishygiene (Infektionsrisiken beachten siehe . Tab. 2)
Basishygiene Patientenzimmer, Arztpraxis, Ret- Bakterizid, Nutzung nach Bevorzugt als desinfi- Nutzungstäg-
tungsmittel levurozidb Antrocknung möglich zierende Flächenrei- lich
nigung
Patientenwechsel Entlassung aus Ein- oder Mehrbett- Vor Neubele-
(ohne vorherige zimmer, Untersuchungsraum gung
Isolation)
Patientenwechsel im Klinische und ambulante Operati- Bakterizid, Instrumententisch:
OP-​Raumc onszentren (Hygienemaßnahmen levurozidb Nutzung nach Einhal-
abhängig vom Risiko für postopera- ten der EWZ
tive Wundinfektionen (surgical site Übrige Bereiche:
infections; SSI) [158]) Nutzung nach
Aseptische Bereiche: z. B. Instrumen- Antrocknung möglich
tentisch
Häufig berührte bzw. patientennahe
Bereiche: z. B. OP-​Tisch, OP-​Lampen-
griff
Fußböden:
desinfizierende Flächenreinigung
(siehe . Tab. 2)
Selten berührte Flächen:
Reinigung
Gezielte Hygienemaßnahmen
Gezielt nach sichtbarer Sichtbare Verunreinigungen mit Bakterizid, Nutzung nach Einhal- Verunreinigung Unmittelbar
Verunreinigung potenziell erregerhaltigem Material levurozidb ten der EWZ mechanisch entfernen nach Auftre-
wie z. B. Blut, Sekreten, Exkreten bzw. (kein Einsatz von Des- ten
nach relevanter Erregerfreisetzung im infektionsmitteln we-
OP (z. B. Darm-OP bei CDI) gen Eiweißfixierung);
danach desinfizieren-
de Flächenreinigung
bzw. Desinfektion
Hygienemaßnahmen Patientenzimmer während Isolierung Angepasst an Nutzung nach Bevorzugt desinfizie- Nutzungstäg-
in Isolierbereichen den Erreger Antrocknen möglich rende Flächenreini- lich
gung
Schlussdesinfektion Entlassung oder Aufheben der Isolie- Nutzung nach Einhal- Vor Neubele-
rung, relevante, nicht sichtbare Konta- ten der EWZ gung
mination im OP, z.B. bei Abtragung
von Condylomata
a
Auswahl des Desinfektionsmittels abhängig von Indikation (Desinfektionsverfahren im Rahmen der Basishygiene oder gezielte Flächendesinfektion)
b
ggf. erregerabhängig erweitertes Wirkspektrum
c
Arbeitsschutzhinweis: wegen Rutschgefahr müssen Fußböden vor Betreten lufttrocken sein

1084 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 10 · 2022


Tab. 4 Orientierende Angaben zum Wirkspektrum mikrobizider Wirkstoffe bzw. Stoffklassen für die Flächendesinfektion siehe
„Erratum
Wirkstoff Wirkspektruma zu:
Bakterien Viren Hefepilzee Schim- Bakterien- Anforde-
melpilz- sporen rungen an
Gram- Gram- Mykobak- Behüllt b
Unbehüllt
Ta die
sporen
positiv negativ terien
Partiell Hydro- Hygiene
lipophilc phild bei der
Ethanol + + + + + > 80 % w/w bzw. in + + – Reinigung
synergistischer Kombi- und
nation Desinfek-
be tion von
Propan-1-ol + > 80 % – + Flächen“
w/w (Bundes-
Propan-2-ol + + 90 % gesund-
w/w heitsbl
2023 ·
Formaldehyd + + + + + + + + –
lle 66:1302–
Glutaral ± + + + + + – 1303)
Glyoxal – + + + – – –
Aliphatische Carbonsäuren + + – + + + + + –
Peroxidef/ + + + + + + + + +
Peressigsäure(PES)
un
Anorganische Chlorab- + + + + + + + + +
spalterf
Chloramin T + + + + + – + + –
QAV + ± – + ± – + + –
Aliphatische Amine + + +
gü + – – + – –
Glucoprotamin + + + + ± – + + –
Phenolderivate + + + + – – + – –
a
Wirksamkeit wird nicht nur vom Wirkstoff bestimmt, sondern hängt von der Formulierung und der EWZ ab
b
Entspricht der Deklarierung begrenzt viruzid
c
Entspricht der Deklarierung begrenzt viruzid PLUS
l tig
d
Entspricht der Deklarierung viruzid
e
Entspricht der Deklarierung levurozid
f
Ausgeprägten Blutfehler beachten
+ Wirksam
± Erregerabhängig Wirkungslücken
– Keine ausreichende Wirkung bzw. nicht untersucht

von 0,3 % Albumin und 0,3 % Schafery- (tuberkulozid), atypische Mykobakterien entsprechend der in Deutschland veröf-
throzyten. Auf optisch sauberen Flächen (mykobakterizid), Bakteriensporen (spo- fentlichten Methoden überprüft werden.
sind Produkte mit der Auslobung „clean“, rizid), Schimmelpilze (fungizid) und/ Wenn von einem Krankheitserreger eine
auf sichtbar verschmutzen Flächen mit oder Viren (begrenzt viruzid, begrenzt höhere Chemoresistenz bekannt wird
der Auslobung „dirty“ einzusetzen. Bei viruzid PLUS oder viruzid) inaktiviert (z. B. wie bei Candida (C.) auris [162]),
starken Verschmutzungen ist anstelle des werden. Zur Deklarierung des Wirkspek- kann ggf. unter Auswertung des aktuellen
einstufigen Verfahrens mit Einsatz von trums wird die geforderte Wirksamkeit Wissenstandes eine Anwendungsempfeh-
Desinfektionsmitteln mit der Auslobung gegen die in den Prüfnormen festgeleg- lung abgeleitet werden.
„dirty conditions“ das zweistufige Ver- ten Testorganismen zugrunde gelegt (sie- Die Auswahl des Flächendesinfekti-
fahren mit Reinigung und nachfolgender he Tabelle 7 im informativen Anhang). onsmittels muss auf der Basis einer sorg-
desinfizierender Flächenreinigung anzu- Falls einzelne Produkte mit dem Wirk- fältigen Nutzen-Risiko-Analyse unter Be-
wenden. bereich gegenüber C. difficile und/oder rücksichtigung des Wirkspektrums und
Das Wirkspektrum zur Flächendesin- Viren nicht in den Listen des VAH bzw. des Verträglichkeitsprofils (Mensch, Tier,
fektion muss als Basisanforderung vege- RKI enthalten sind, kann die Auswahl für Umwelt, Material) erfolgen (siehe Ab-
tative Bakterien (bakterizid) und Hefen diese Wirkbereiche anhand der Plausibi- schnitt 3 im informativen Anhang). Als
(levurozid) umfassen. Erregerabhängig lität und Kongruenz der Gutachten und Grundlage dient die Produktinformati-
müssen ggf. zusätzliche Krankheitserre- Prüfberichte (mindestens je zwei von un- on des Herstellers mit Angaben zu Wirk-
ger wie Mycobacterium (M.) tuberculosis abhängigen akkreditierten Prüflaboren)

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 10 · 2022 1085


Bekanntmachungen – Amtliche Mitteilungen

spektrum, Anwendungskonzentration der Art der Nutzung in der Mehrzahl der 55wenn die Wirksamkeit gegen Viren
und EWZ. Fälle unter Beachtung der hier dargeleg- oder bakterielle Sporen nur in Sus-
Orientierende Angaben zum Wirk- ten Besonderheiten/Bedingungen nach pensionstests nachgewiesen wurde.
spektrum mikrobizider Wirkstoffe bzw. Lufttrocknung benutzt bzw. betreten wer-
Stoffklassen für die Flächendesinfektion den (siehe . Tab. 3). Ein solches Vorgehen 5.3 Verhinderung der
finden sich in . Tab. 4. Es ist anzumerken, ist gerechtfertigt, wenn keine sichtbaren/ Erregerverbreitung
dass diese Tabelle nur eine Orientierung massiven Verunreinigungen vorliegen
geben kann, weil es sich bei Handelspro- (geringe Erregerlast), eine ausreichende Vor allem Reinigungslösungen, in gewis-
dukten im Allgemeinen um Kombina- Menge an Desinfektionsmittel mit Me- sem Umfang aber auch Desinfektionsmit-
tionen mehrerer Wirkstoffe handelt, die chanik (Wischen) aufgebracht wird und tellösungen, in die das Wischtextil nach
zusammen mit der speziellen Art der For- die Anwendungsbedingungen aus praxis- Abwischen von Flächen wieder einge-
mulierung die Wirksamkeit beeinflussen nahen Tests und nicht anhand von Sus- taucht wird, sind rasch mit Erregern, wie
können. Deshalb ist die gutachterlich be- pensionstests, wie es für die Wirksamkeit Pseudomonas (P.) aeruginosa, Enterobac-
legte Wirksamkeit maßgeblich, während gegen Viren oder bakterielle Sporen noch teriaceae und Acinetobacter spp. konta-
die Verträglichkeit anhand der enthalten- häufig der Fall ist, abgeleitet wurden, weil miniert [153, 164, 165]. Die Anwendung
den Einzelwirkstoffe nur orientierend ab- aus praxisnahen Tests in der Regel höhere kontaminierter Lösungen führt zu einer
zuschätzen ist, da Kombinationseffekte of- Konzentrationen und/oder längere EWZ Weiterverbreitung von Mikroorganis-
fenbleiben. resultieren. Sofern der 4-Stunden-Wert men auf nachfolgend gewischten Flächen
zugrunde gelegt werden soll, ist aufgrund und kann mit Ausbrüchen assoziiert sein
5.2 Einwirkzeit der geringen Konzentration das Risiko [166]. Reinigungs- und Desinfektionsver-
gegeben, dass bis zur Antrocknung keine fahren müssen deshalb so organisiert sein
Die Abtötung/Inaktivierung der Mikro- ausreichende Erregerreduzierung erreicht und durchgeführt werden, dass es nicht zu
organismen erfolgt abhängig von der Art wird, so dass die Fläche noch nicht als des- einer Erhöhung der mikrobiellen Belas-
des Wirkstoffs, der aufgetragenen Desin- infiziert angesehen werden kann. tung und zu einem Ausbringen/Verteilen
fektionsmittelmenge und der Konzentra- Der Operationsraum stellt insofern ei- von Krankheitserregern auf den Flächen
tion nach einer jeweils typischen Kinetik nen besonderen Bereich dar, da sich in kommt (siehe Abschnitt 6.1.1). Insbeson-
[163]. In Laborprüfungen werden me- Abhängigkeit von der Fläche (aseptische dere ist ein Wiedereintauchen benutzter
thodisch bedingt große Mengen an Test- Flächen, häufig berührte bzw. patienten- Wischtextilien unzulässig [148]. Bei Häu-
organismen (106 bis 108) verwendet, um nahe und selten berührte bzw. patienten- fungen von nosokomialen Kolonisationen
die geforderte Reduktion nachweisen zu ferne Flächen) unterschiedliche Kontami- und Infektionen müssen auch nicht sach-
können. Derart hohe Erregermengen tre- nationsrisiken ergeben. Während auf dem gerecht durchgeführte Reinigungs- und
ten nur in sichtbaren Verunreinigungen Instrumententisch als Fläche für asepti- Desinfektionsverfahren als Infektions-
bzw. in Biofilmen auf. In der Regel sind sche Tätigkeiten eine Nutzung nicht vor quelle in Betracht gezogen werden.
die Oberflächen in der Praxis deutlich ge- Ablauf der EWZ erfolgen soll, können Wischtextilien zum mehrmaligen Ge-
ringer belastet. Durch das Wischen der übrige Flächen bereits nach Antrocknung brauch sind maschinell so aufzubereiten,
Oberflächen erfolgt zusätzlich zur Desin- genutzt werden. Ob die nächste Operation dass keine Krankheitserreger nachweis-
fektionswirkung auch eine mechanische (Schnitt) bereits vor Ablauf der EWZ be- bar sind und es zu keiner nachträglichen
Abreicherung der Erreger. Ergebnisse aus gonnen werden kann, ist im Rahmen ei- mikrobiellen Vermehrung kommt (keine
praxisnahen Prüfungen von Flächendes- ner Risikobewertung gemeinsam mit ei- Restfeuchte). Zugleich muss optische Sau-
infektionsmitteln beinhalten die Sicher- nem Krankenhaushygieniker festzulegen. berkeit erzielt werden. Andernfalls kann
heit, dass auch größere Erregermengen in Hierbei sind Aspekte wie Verunreinigung das Desinfektionsmittel durch verbliebe-
der ermittelten EWZ sicher abgetötet/in- des OP-​Fußbodens, Raumlufttechnik, Art ne Verunreinigungen inaktiviert werden
aktiviert werden. Je kleiner die aufgetra- der Operation etc. zu berücksichtigen. Je und seine Wirksamkeit verlieren. Darüber
gene Desinfektionsmittelmenge ist, umso nach Fläche können Desinfektionsmittel hinaus kann es zur Toleranz- oder Resis-
mehr steigt das Risiko von unbenetzten mit sehr kurzer EWZ ausgewählt werden, tenzentwicklung kommen [167]. Es ist zu
Flächen. z. B. EWZ von 1 min für Instrumententi- beachten, dass bei langer Standzeit vorge-
Bei der Flächendesinfektion ist abhän- sche oder ≤ 5 min für Fußböden. tränkter Wischtextilien eine mikrobielle
gig vom Infektionsrisiko (siehe . Tab. 2) Zusätzlich zu den Angaben in . Tab. 3 Vermehrung stattfinden kann [148].
und der benötigten Patientensicherheit ist in folgenden Situationen die EWZ ab-
abzuwägen, ob die Fläche bereits nach zuwarten: 5.4 Vermeidung von Selektion und
Antrocknung genutzt werden kann oder 55in allen Fällen, in denen nach der Resistenzentwicklung
die EWZ vor Nutzung einzuhalten ist. Produktanwendung mit Trinkwasser
Der Grund hierfür ist, dass die Abtö- nachgespült und der Desinfektions- Abhängig vom Wirkungsmechanismus ist
tung/Inaktivierung der Erreger nicht li- prozess dadurch beendet wird, z. B. in bei bestimmten mikrobiziden Wirkstoffen
near, sondern logarithmisch verläuft. Da- der Stationsküche oder in Patienten- eine Resistenzentwicklung z. T. mit Kreuz-
her können Flächen in Abhängigkeit von badewannen, resistenz gegenüber Antibiotika möglich –

1086 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 10 · 2022


ein Gesichtspunkt, der bisher bei der Aus- in mikrobizid und levurozid wirksamer fe aufgrund der EU-​Zulassung ohne Ein-
wahl von Flächendesinfektionsmitteln zu Konzentration eingesetzt werden sollte. schränkung in Bezug auf toxische Risiken
wenig beachtet wird. Im Suspensionstest wurde als geringste in Flächendesinfektionsmitteln verkehrs-
Eine Resistenzentwicklung ist unter wirksame Konzentration 0,005 % sowohl fähig sind, werden im informativen An-
den in Flächendesinfektionsmitteln ein- für BAC als auch für DDAC identifiziert. hang dieser Empfehlung im Interesse
gesetzten Desinfektionswirkstoffen bisher Im Fall eines Ausbruchsgeschehens durch des Gesundheitsschutzes unter dem Ge-
nur für die QAV, z. B. für Benzalkonium- MRE sollten keine Flächendesinfektions- sichtspunkt der Gefährdungsbeurteilung
chlorid (BAC) und Didecyldimethylam- mittel eingesetzt werden, die ausschließ- Anregungen gegeben, in welchen Fällen
moniumchlorid (DDAC), nachgewiesen lich auf QAV-​Basis beruhen, weil die bei gleichem Wirkspektrum Auswahl-
worden. Auf genetischer und molekula- Empfindlichkeit der antibiotikaresisten möglichkeiten unter dem Gesichtspunkt
rer Ebene konnten die zugrundeliegen- Stämme gegen die QAV nicht prognosti- möglicher Nebenwirkungen für Mensch
den Resistenzmechanismen aufgeklärt zierbar ist [179]. und Umwelt bestehen, solange die Risi-
werden, z. B. durch Nachweis unspezifi- Für Alkohole, Glucoprotamin, Aldehy- ken nicht im Rahmen der Biozidprodukt-
scher Multidrug-Efflux-Pumpen [168– de, PES, Peroxide, Chlordioxid und Hy- zulassung bewertet sind.
173]. Das erklärt auch die gleichzeitige pochlorit ist keine Resistenzentwicklung
Resistenzzunahme gegen bestimmte An- bekannt. Gegenüber Chloramin B (1:250 Kurzkettige aliphatische Alkohole: We-
tibiotika. Beim Vergleich von Isolaten, die verdünnt) stieg die minimale wachstums- gen der Entflammbarkeit sollen Alkohole
von Flächen isoliert wurden, auf denen hemmende Konzentration (MHK) signi- nur auf kleinen umschriebenen Flächen
zur Desinfektion BAC-getränkte Tücher fikant an, während die minimale bakteri- (max. 50 Milliliter (ml)/Quadratmeter
(Wipes) oder Sprays eingesetzt wurden, zide Konzentration (MBK) unverändert (m2) [183]) eingesetzt werden. Funken
mit Isolaten von Flächen ohne derartige blieb, d. h. die Anwendungskonzentration durch elektrische Geräte oder elektrosta-
Anwendung, waren nur auf ersteren re- war uneingeschränkt wirksam [180]. tische Aufladung müssen ausgeschlossen
sistente Staphylokkenstämme mit Kreuz- sein. Eine Gesundheitsgefährdung durch
resistenz gegen Antibiotika nachweisbar 5.5 Risiken für Mensch und Umwelt inhalative Exposition ist nicht gegeben
[171]. Bei einem P. aeruginosa Stamm [187, 188]. Zu beachten ist die Material-
wurde durch Passagierung in vitro die Die zur Flächendesinfektion eingesetzten verträglichkeit; manche Kunststoffe wer-
Resistenz gegen BAC von 0,02 auf 0,36 % Wirkstoffe zeigen deutliche Unterschiede den geschädigt. Es ist zu beachten, dass
erhöht [174]. Sofern z. B. BAC als Mono- bezüglich ihrer Risiken für Mensch und offene Gebinde durch Verdunstung Wirk-
wirkstoff in der Verdünnung des 4-Stun- Umwelt [181, 182] (siehe auch Abschnitt stoff verlieren können.
den-Werts diese Konzentration erreicht 3 im informativen Anhang). Aufgrund
oder unterschreitet, ist eine Wirkungs- der mikrobiziden Wirkungsweise bedür- Aldehyde: Insbesondere zur Flächen-,
schwäche in praxi nicht auszuschließen. fen Desinfektionswirkstoffe der sorgfälti- aber auch zur Raumdesinfektion sind Al-
Ob das auch in Kombination mit ande- gen toxikologischen und ökotoxikologi- dehyde aus toxikologischen Gründen ab-
ren mikrobiziden Wirkstoffen oder bei schen Bewertung, um Nebenwirkungen zulehnen, weil verträglichere Alternativen
Einsatz von BAC mit basischem Zusatz für Mensch und Umwelt so weit wie mög- zur Verfügung stehen. Im Vordergrund
zur Erreichung eines hohen alkalischen lich zu minimieren. Dem tragen u. a. die der Gefährdung steht die allergene Po-
pH-Werts, wodurch eine viruzide Wirk- Vorgaben der Technischen Regeln für tenz mit Kreuzsensibilisierung zwischen
samkeit erreicht wird, zutrifft, ist nicht Gefahrstoffe (TRGS), insbesondere der Aldehyden. Für Formaldehyd beträgt die
untersucht. Für DDAC, BAC und Cetyltri- TRGS 525 [183], und die Empfehlungen Schwellenkonzentration zur Sensibilisie-
methylammoniumchlorid ist durch Pas- der TRBA 250 [149] zum Arbeitsschutz rung 0,3 %, für die Auslösung der epi-
sagierung bei subletalen Konzentrationen Rechnung. Weiterführende Hinweise fin- kutanen Reaktion 0,05 %, extrem selten
eine adaptive Resistenzzunahme induzier- den sich in den Empfehlungen des Spit- < 0,05 %. Langfristige inhalative Formal-
bar [175, 176]. Wird DDAC lange Zeit in zenverbandes der Deutschen Gesetzli- dehydexposition erhöht das Risiko einer
wachstumshemmender anstatt in mikro- chen Unfallversicherung (DGUV) bzw. chronisch obstruktiven Lungenerkran-
bizider Konzentration eingesetzt, können der Internationalen Vereinigung für so- kung (COPD) [189]. Die von der WHO
Spezies mit erhöhter Antibiotikaresistenz ziale Sicherheit (IVSS) [184–186] und im (2010) für den Innenraum abgeleitete
selektiert werden [177]. Auch in der Kom- informativen Anhang dieser Empfehlung. und vom Umweltbundesamt übernom-
bination von DDAC mit 20 % Propan-2-ol Unabhängig davon ist die toxikologische mene Empfehlung gilt für Patienten und
war eine adaptive Resistenzentwicklung und ökotoxikologische Bewertung Teil für Arbeitsbereiche, in denen nicht mit
gegen P. aeruginosa-Stämme nachweis- des Biozidzulassungsverfahrens. Formaldehyd umgegangen wird. Dauer-
bar, wobei die Resistenz durch erhöhte Für den Umgang mit Gefahrstoffen haft und in jedem 30-Minuten-Zeitraum
Konzentrationen bzw. verlängerte Kon- besteht ein Minimierungsgebot, so dass soll die Konzentration 0,08 parts per mil-
taktzeit aufgehoben werden konnte [178]. der Einsatz von Desinfektionsmitteln im- lion (ppm) (0,1 Milligramm (mg)/Kubik-
Als Schlussfolgerung lässt sich ableiten, mer sachlich begründet und möglichst meter (m3)) nicht überschreiten [190]. An
dass insbesondere in QAV-​basierten Flä- minimiert sein muss [154, 155]. Obwohl Arbeitsplätzen, an denen mit Formalde-
chendesinfektionsmitteln der Wirkstoff die nachfolgend aufgeführten Wirkstof- hyd umgegangen wird, gilt ein Arbeits-

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 10 · 2022 1087


Bekanntmachungen – Amtliche Mitteilungen

platzgrenzwert (AGW) von 0,3 ppm (0,37 ist erst möglich, wenn die Konzentration abbaubaren Verbindungen mit mutage-
mg/m3); 4 × pro Schicht ist für 15 min mit von H2O2 unter den derived no-effect le- ner und karzinogener Potenz [198], die in
einem Abstand von einer Stunde eine vel (DNEL) für die akute inhalative Expo- Krankenhausabwässern häufig zu Grenz-
doppelt so hohe Konzentration zulässig sition der Allgemeinbevölkerung von 1,93 wertüberschreitungen führen. Allerdings
[191]. Beide Vorgaben schützen sowohl mg/m3 gefallen ist [195]. Moderne Tech- wird der Hauptanteil durch iodorgani-
vor Reizwirkungen als auch vor durch nologien überwachen die Raumluftkon- sche Wirkstoffe von Röntgenkontrastmit-
Gewebeschädigung ausgelösten Krebser- zentration von H2O2 während der Verneb- teln verursacht [199, 200]. Bei benötigter
krankungen. lung bis zur Freigabe. Sofern dem H2O2 als sporizider Wirkung sollten bei großflächi-
Die Raumbegasung mit Formaldehyd Katalysator kolloidales Silber im ppm-Be- gem Einsatz Oxidantien anstelle von chlo-
wird sowohl im Krankenhaus, außer bei reich zugesetzt ist, ist wegen der Stabilität rabspaltenden Produkten bevorzugt wer-
Sonderisolierstationen, als auch im Kran- kolloidalen Silbers auch nach Abfall von den, um die Abwasserbelastung mit AOX
kentransport, außer zur Gefahrenabwehr H2O2 unter die Nachweisgrenze ein inha- zu reduzieren.
bei außergewöhnlichen Infektionsgesche- latives Risiko nicht auszuschließen.
hen, nicht mehr durchgeführt. Sollen bei QAV: Toxikologisch ist die großflächige
behördlich angeordneten Desinfektions- Peressigsäure (PES): Analog zu Peroxi- regelmäßige Anwendung von QAV nicht
maßnahmen ggf. formaldehydhaltige den ist PES nicht allergen. Inhalativ (2,4 ausreichend charakterisiert. Bei Anwen-
Desinfektionsmittel eingesetzt werden, ppm) ist PES neurotoxisch [196]. Die In- dung auf Fußböden kommt es zu sichtba-
muss durch Arbeitsschutzmaßnahmen halation von PES wirkt bereits in relativ ren Auflagerungen (Anreicherung), die
eine Gefährdung ausgeschlossen werden. geringen Konzentrationen reizend, ge- mit üblichen Reinigungsverfahren nicht
Alternativ ist der Einsatz der Verneblung mäß ECHA beträgt der DNEL für Ar- entfernt werden können. Bei der Auf-
von Wasserstoffperoxid (H2O2) zu prüfen. beitsschutz 0,56 mg/m3 und für die All- bringung der Desinfektionsmittel wird
Auch Glutaral geht bei Anwendung gemeinbevölkerung 0,28 mg/m3 [197]. immer ein Teil der QAV als Anhaftung
zur Desinfektion in die Raumluft über. Bereits unterhalb dieser Konzentrationen an Aerosol- oder Staubpartikel aufgewir-
Der AGW für den Umgang mit Glutaral sind Geruchsbelästigungen zu erwarten; belt und gelangt in die Raumluft, so dass
beträgt 0,2 mg/m3 (0,05 ppm); 4 × pro eine gute Belüftung ist erforderlich. PES es entweder zu einer inhalativen Aufnah-
Schicht ist für 15 min mit einem Abstand wirkt insbesondere auf Kupfer und seine me oder weiterer Verbreitung kommen
von einer Stunde eine doppelt so hohe Legierungen korrosiv. kann [201]. Beim Begehen von flächen-
Konzentration zulässig [191]. Da die Ge- desinfizierten Bereichen können sich an-
ruchsschwelle 0,04 ppm beträgt, ist bei Chlorabspaltende Verbindungen: Hy- getrocknete QAV-​Partikel ablösen, die
geruchlicher Wahrnehmung ein inhala- pochlorit und hypochlorige Säure sind möglicherweise aufgewirbelt und ein-
tives Risiko gegeben [192]. Bei Messun- gering toxisch, werden aber als geruchs- geatmet oder verschleppt werden. Auf-
gen an verschiedenen Arbeitsplätzen im belästigend und konzentrationsabhängig grund der hohen Oberflächenaktivität
Krankenhaus wurden bis zu 0,08 ppm ge- atemwegsreizend empfunden, weshalb sie der QAV können eingeatmete Staubpar-
messen. In Endoskopieeinheiten konn- in Deutschland im Unterschied zu anglo- tikel das Surfactant der Lunge angreifen,
te durch Provokationstests der Zusam- amerikanischen Ländern oder dem südli- wodurch die Entwicklung einer COPD
menhang zwischen der Exposition mit chen Europa kaum angewendet werden. verursacht und/oder gefördert werden
Glutaral und der Auslösung von Asthma Sofern Hypochlorit und hypochlorige könnte. Hinzu kommt die hohe Zytoto-
und Rhinitis bestätigt werden [193]. Säure in stark alkalischen Formulierun- xizität für den oberen Respirationstrakt.
gen gehandelt werden, sind potenzielle Bei Patienten mit Bronchialasthma kann
Aliphatische Carbonsäuren: Organi- Gesundheitsgefährdungen zu berücksich- BAC, der Hauptvertreter der QAV, in der
sche Carbonsäuren (z. B. Milchsäure und tigen. Bei Vermischung mit sauren Lösun- Dosierung von 600 Mikrogramm (µg)
Ameisensäure) werden pur oder in Kom- gen können lebensgefährliche Chlorgas- eine Bronchokonstriktion induzieren
bination, z. B. mit QAV, in Flächendesin- emissionen auftreten. Hypochlorite sind [202]. Tierexperimentelle Befunde wei-
fektionsmitteln eingesetzt, um die QAV- mit einigen Oberflächen (z. B. Alumi- sen auf weitere Risiken bei der Exposition
Konzentration zu reduzieren. Sie sind in nium) nicht kompatibel. Natriumhypo- mit BAC hin. Aufgrund von Erkenntnis-
den Anwendungskonzentrationen ohne chlorit kann sehr selten eine Sensibilisie- sen aus Tierversuchen ist BAC in Klasse I
toxische Risiken und umweltverträglich rung induzieren. Tosylchloramidnatrium der akuten Inhalationstoxizität eingeord-
[194]. Außerdem haben sie eine kalklö- (Chloramin T) ist ein schwaches Allergen; net. Nach 2-wöchiger Exposition einer
sende Wirkung. beim Einatmen als Staub wurden verein- BAC-​Triethylen-Glycol-Mischung zeig-
zelt allergische Atemwegerkrankungen ten Ratten schwere Atemwegsbeschwer-
Peroxide: Bei Einsatz von H2O2 zur ausgelöst [161]. den und degenerative Veränderungen in
Raumdesinfektion kann aufgrund der In- Problematisch ist für alle chlorabspal- den Nasenhöhlen [203]. Bei Einsatz zur
stabilität von H2O2 der Raum nach der tenden Produkte einschließlich Chlo- Flächendesinfektion in der Tierhaltung
verfahrensabhängig ermittelten Abkling- ramin T die Bildung von adsorbierba- (Labormäuse) wurden als Nebenwirkun-
zeit betreten werden (AGW: 0,5 ml/m3 ren organisch gebundenen Halogenen gen herabgesetzte Fertilität, verzögerte
bzw. 0,7 mg/m3). Die Zimmerbelegung (AOX) zu toxischen, biologisch schwer embryonale Entwicklung und beeinträch-

1088 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 10 · 2022


tige Immunreaktionen beobachtet [204]. QAV zur Aufbereitung von MP eine As- Gebrauchslösungen von Reinigungs- und
Nach derzeitigem Kenntnisstand können soziation zwischen QAV-​Anwendung und Desinfektionsmitteln ist zu beachten, dass
auch entwicklungsneurotoxische Aus- Asthma nicht bestätigt werden [214], ver- die angesetzte Menge weitgehend ver-
wirkungen von BAC nicht ausgeschlos- mutlich wegen der geringeren Expositi- braucht wird, um die Abwasserbelastung
sen werden, obwohl die orale Aufnah- on. In einer prospektiven Kohortenstudie zu minimieren [222]. Konzentrate, z. B.
me mit 120 mg BAC/kg Körpermasse/d (n = 116.429; 14 US-Staaten) konnte bei verfallene Gebinde, sind als gefährlicher
hoch gewählt wurde. Bei trächtigen La- Pflegepersonal eine Assoziation zwischen Abfall [223] zu entsorgen; Hinweise dazu
bormäusen konnte bei oraler Gabe von Exposition mit Desinfektionsmitteln und sind den Sicherheitsdatenblättern und Be-
BAC gezeigt werden, dass diese die Blut- COPD nachgewiesen werden, die nicht triebsanweisungen der Hersteller zu ent-
Plasma-Schranke passieren, das neonata- durch Rauchen oder Asthmastatus beein- nehmen.
le Gehirn erreichen und dort die Sterin- flusst wurde [215]. Der Einsatz von Desin-
und Lipidhomöostase verändern könnten fektionsmitteln auf Basis von Hypochlorit 5.7 Personalschutz
[205]. Nach Passage der Plazentaschran- und Glutaral war mit erhöhtem Asthmari-
ke nach Exposition während der Schwan- siko assoziiert [216]. Durch längere Expo- Beim Umgang sowohl mit Konzentra-
gerschaft über die mütterliche Ernährung sition gegenüber einer BAC-​haltigen Rei- ten als auch mit Gebrauchslösungen von
wird die Cholesterin- und Lipid-Ho- nigungslösung am Arbeitsplatz wurde ein Flächendesinfektions- und auch von -rei-
möostase im Gehirn von neugeborenen berufsbedingtes Asthma verursacht. Der nigungsmitteln ist die Gefährdung von
Mäusen verändert [205]. Bei 43 zufällig Wechsel des Arbeitsplatzes führte zur Haut und Schleimhäuten durch Kontakt
ausgewählten Probanden (Bevölkerungs- vollständigen Remission [217]. Der Ein- sowie Einatmen von Dämpfen zu beach-
stichprobe) gelang der Nachweis von QAV satz desinfizierender Flächenreinigungs- ten. Daher müssen die vom Hersteller im
im Blut bei 80 % der Studienteilnehmer, mittel war auch mit bronchialer Hyper- produktspezifischen Sicherheitsdatenblatt
wobei bei der Hälfte dieser Probanden die reagibilität assoziiert [216]. In jedem Fall angegebenen Schutzmaßnahmen sorgfäl-
Werte zwischen 10 und 150 nM (alte Ein- ist die Sprühapplikation von QAV wegen tig eingehalten werden, wie beispielsweise:
heit; Nanomolarität) QAV variierten, was der hohen inhalativen Exposition zu ver- 55Herstellen der Desinfektionsmittellö-
eine Größenordnung darstellt, die in Zell- meiden [218]. sung mit Schutzbrille, ggf. auch mit
kulturen den Zellstoffwechsel beeinflusst. Mund-Nasen-Schutz,
Bei den Probanden waren dosisabhängig Phenolderivate: Diese werden vor allem 55Tragen von geeigneten Schutzhand-
eine verminderte Mitochondrienfunktion aus toxikologischen Gründen kaum noch schuhen bei möglichem Kontakt mit
und ein Anstieg der Entzündungszytokine in Flächendesinfektionsmitteln eingesetzt. dem Desinfektionsmittel und der Ge-
nachweisbar. Zwischenprodukte des Cho- Außerdem haben sie eine vergleichswei- brauchslösung (betrifft z. T. auch ge-
lesterinsyntheseweges waren generell er- se geringe Wirksamkeit, ein enges Wirk- tränkte Tücher),
höht [206]. Ebenso wurden QAV in Mut- spektrum, sind schwer abbaubar und bei 55Reihenfolge der Anmischung beach-
termilch mit Werten zwischen 0,33–7,4 Chlorkresolen und -phenolen entstehen ten,
Nanogramm (ng)/ml nachgewiesen [207]. AOX. Hinzu kommt der unangenehme 55Lüftung der Räume bei großflächi-
Da QAV nicht nur in Desinfektions- und langanhaltende Geruch [219]. ger Desinfektion; bei Desinfektions-
Reinigungsmitteln, sondern auch zur maßnahmen, bei denen hohe Raum-
Konservierung von Pflegeprodukten und Glucoprotamin: Es gibt keine publizier- luftkonzentrationen von reizenden
in Lebensmittelbetrieben eingesetzt wer- ten Daten zu Unverträglichkeiten im Rah- Substanzen benötigt werden, können
den, ist der Ursprung offen. Da es insbe- men der Anwendung als Flächendesin- Atemschutzmasken notwendig sein,
sondere bei der Flächendesinfektion vor fektionsmittel [220]. Die Anwendung von 55bei Feuchtarbeiten bzw. Tragen flüs-
allem inhalativ zu chronischer Exposition Glucoprotamin ist mit einer geringen Auf- sigkeitsdichter Handschuhe von > 2 h
kommt, sind diese Befunde alarmierend. lagerung auf Flächen verbunden. Umsetzung eines Hautschutzplans
Durch QAV verursachte allergische [149, 224].
Kontaktekzeme mit Kreuzreaktivität un- 5.6 Entsorgung
terschiedlicher QAV [208] sind seit län- Eine Sprühdesinfektion ist nur in begrün-
gerem bekannt [209–211]. Bei Schwei- Es sollten Reinigungs- und Desinfektions- deten Ausnahmefällen zulässig [218], z. B.
nezüchtern [212] war der Gebrauch mittel bevorzugt werden, deren Inhalts- wenn die Oberfläche bei der Wischdesin-
QAV-​ haltiger Desinfektionsmittel mit stoffe in der Abwasseraufbereitungsanlage fektion nicht erreicht werden kann [183].
Asthma assoziiert. Auch bei klinisch tä- leicht und vollständig biologisch abbaubar Wenn Flächendesinfektions- oder -rei-
tigen Pflegekräften war die Anwendung oder zumindest eliminierbar sind und da- nigungsmittel herstellerseitig als Sprüh-
von QAV zur Desinfektion signifikant mit nicht in den Wasserkreislauf gelangen produkt ausgelobt sind, müssen ggf.
mit Asthma assoziiert, ermittelt mittels können [221, 222]. Aufgrund von Ver- besondere Hinweise im Sicherheitsdaten-
Fragebogen, Arbeitsplatzanalyse, Lun- dünnungseffekten könnte wirkstoffabhän- blatt beachtet werden. Sofern Flächendes-
genfunktionsprüfung und spezifischem gig das Risiko einer Resistenzentwicklung infektions- oder -reinigungsmittel zum
IgE-​Assay [213]. Allerdings konnte bei ei- auftreten, was einen bisher wenig beach- Sprühen eingesetzt werden sollen, ohne
ner Fragebogenerhebung bei Einsatz von teten Aspekt darstellt. Bei Ansetzen der

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 10 · 2022 1089


Bekanntmachungen – Amtliche Mitteilungen

dafür ausgelobt zu sein, kann ein Atem- Die Auswahl des Desinfektionsmittels Bei Virusinfektionen ist abhängig vom
schutz erforderlich sein. muss auf der Basis einer sorgfältigen Nut- Erreger die Auswahl von Produkten mit
zen-Risiko-Analyse (siehe Abschnitt 5.1 der Deklarierung begrenzt viruzid, be-
5.8 Brandschutz dieser Empfehlung und Abschnitt 3 im in- grenzt viruzid PLUS oder viruzid zu tref-
formativen Anhang) erfolgen. Das bedeu- fen.
Bei Alkohol-basierten Flächendesinfek- tet z. B., dass nicht in jedem Fall ein Mittel Bei offener Tuberkulose durch M. tu-
tionsmitteln sind wegen der Brand- und mit dem breitesten Wirkspektrum anzu- berculosis sind tuberkulozid wirksame
Explosionsgefahr zusätzlich Schutzmaß- wenden ist, ohne gleichzeitig die Risiken Produkte ausreichend. Bei nichttuberku-
nahmen zu beachten. So ist der Einsatz zu beachten, sondern es sind das für den lösen Mykobakteriosen sollten Produkte
alkoholischer Desinfektionsmittel in der Anwendungszweck ausreichend wirksa- mit mykobakterizider Wirkung eingesetzt
Nähe von offenen Flammen oder ande- me Produkt bzw. die ausreichende Kon- werden, z. B. Peroxide. Wird eine Wirkung
ren Zündquellen nicht zulässig. Gemäß zentration auszuwählen. gegen Schimmelpilze benötigt, z. B. nach
TRGS 525 [183] ist folgendes zu beachten: Auf kleinen Flächen sind Alkohol-ba- Sanierung von Feuchteschäden gemäß
55Die ausgebrachte Gesamtmenge pro sierte Flächendesinfektionsmittel wegen Umweltbundesamt-Schimmelleitfaden
Raum darf aus Gründen der Sicher- der raschen Wirkung, gesundheitlichen [225], sind Produkte mit der Deklarierung
heit und des Gesundheitsschutzes Unbedenklichkeit und Abbaubarkeit zu fungizid1 einzusetzen. Da die Wirksam-
sowie des Explosionsschutzes nicht bevorzugen, sofern die Materialverträg- keitsprüfung gegen Dermatophyten in der
mehr als 50 ml je m2 Raumgrundflä- lichkeit gegeben ist. Testhierarchie des VAH [61, 62] nicht vor-
che betragen. Flächendesinfektionsmittel auf Ba- gesehen ist, gibt es bei ggf. notwendiger
55Aerosolbildung muss so weit wie sis von Formaldehyd sind aus toxiko- Desinfektion, z. B. bei Vorliegen beson-
möglich vermieden werden. Heiße logischen Gründen nicht mehr für die ders kontagiöser Dermatomykosen (z. B.
Flächen müssen vor der Desinfektion prophylaktische Desinfektion und die Tinea capitis durch Microsporum audoui-
abgekühlt sein. Schlussdesinfektion einzusetzen. Sollen nii), nur die Möglichkeit, beim Hersteller
55Mit der Desinfektion darf erst be- bei behördlich angeordneten Desinfekti- anzufragen, ob Prüfgutachten vorliegen.
gonnen werden, wenn keine anderen onsmaßnahmen ggf. formaldehydhaltige Ansonsten finden sich auch Angaben zu
brennbaren Gase oder Dämpfe in der Desinfektionsmittel eingesetzt werden, Einzelwirkstoffen [226], wobei allerdings
Raumluft vorhanden sind. muss durch Arbeitsschutzmaßnahmen die Wirksamkeit von der Gesamtformu-
eine Gefährdung ausgeschlossen werden. lierung beeinflusst wird.
Es ist sinnvoll, die arbeitsbereichs- und Flächendesinfektionsmittel auf Basis von Ggf. müssen weitere Anforderungen
stoffgruppen- oder stoffbezogene Be- Glutaral und Glyoxal sollten nur ange- berücksichtigt werden. So sind in Kran-
triebsanweisung mit den Vorgaben aus wendet werden, wenn keine Alternative kenhausküchen die Vorgaben des Lebens-
dem Hygiene-, Reinigungs- und Desin- verfügbar ist. mittelrechts zu berücksichtigen. Für den
fektionsplan sowie dem Hautschutzplan Für die Desinfektion im Sanitärbereich Einsatz chemischer Desinfektionsverfah-
in einer Arbeitsanweisung zusammenzu- (Waschbecken, Toiletten, Duschbecken, ren im Lebensmittelbereich wird von der
fassen [183]. Abflussöffnungen) sind Peroxide mit DVG die DVG-​Desinfektionsmittelliste
sporizider Wirkung Mittel der Wahl, weil für den Lebensmittelbereich herausgege-
5.9 Schlussfolgerungen sie keine Rückstände hinterlassen, keine ben [74].
AOX-​Bildung wie bei chlorabspaltenden
Bei der Auswahl von Desinfektionsmitteln Verbindungen erfolgt und die sporizide 6 Verfahren zur
sind folgende Kriterien zu beachten: Wirkung im Sanitärbereich von Vorteil ist Flächenreinigung,
55erforderliches Wirkspektrum, [52]. Reinigungs- oder Desinfektionspro- desinfizierenden
55praktikable EWZ, dukte für Oberflächen im Sanitärbereich Flächenreinigung und
55Risiken für Mensch und Umwelt, haben zur Kalklösung oft eine saure Re- Flächendesinfektion
55Materialverträglichkeit, zeptur, z. B. durch Zusatz von Zitronen-,
55Akzeptanz (keine oder geringe Ge- Amidosulfon- oder Milchsäure, die relativ Zur Reinigung bzw. Desinfektion von Flä-
ruchsbelästigung), gut materialverträglich sind. chen werden hauptsächlich manuelle Ver-
55Lagerstabilität von Gebrauchslösun- Bei CDI sind sporizide Flächendes- fahren eingesetzt. Da die Ergebnisqualität
gen und infektionsmittel einzusetzen. Während der manuellen Wischdesinfektion vom
55Wirtschaftlichkeit. in den Vereinigten Staaten von Ameri- Faktor Mensch abhängig ist, wurden in
ka (USA) und im Vereinigten König- den letzten Jahren auch berührungslose
Für den Umgang mit Gefahrstoffen be- reich (UK) bei benötigter sporizider Wir- apparative Technologien eingeführt (sie-
steht ein Minimierungsgebot, so dass der kung überwiegend Natriumhypochlorit he Abschnitt 6.2). Ob derartige Techniken
Einsatz von Desinfektionsmitteln immer (Bleichlauge) eingesetzt wird, wird in Eu- die manuelle Wischdesinfektion im Rah-
sachlich begründet und möglichst mini- ropa der Einsatz von Peroxiden oder PES
miert sein muss [154, 155]. empfohlen, um die Abwasserbelastung 1
Wirksamkeit beruht auf Testung gegen Pilz-
mit AOX zu vermeiden. sporen, da nur diese quantifizierbar sind [72].

1090 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 10 · 2022


men der Basishygiene ablösen, wird die 55Einsatz von Mehrweg- oder Einweg- Die mikrobiologische Überprüfung auf-
Zukunft zeigen. textilien: bereiteter Mehrwegtextilien ergab deutli-
Als aussichtsreiche Perspektive wurden Desinfektionsmittel können durch che Mängel, wenn die genannten Anfor-
probiotische Reinigungsmittel, d. h. Kom- aufbereitbare Mehrwegtextilien oder derungen nicht eingehalten wurden [232].
binationen von Probiotika mit Tensiden, durch Einwegtextilien aufgebracht und Zusätzlich besteht beim Einsatz von auf-
entwickelt, um die Belastung mit chemi- verteilt werden. Eine Untersuchung, bereitbaren Textilen mit unterschiedli-
schen Substanzen zu reduzieren (siehe wonach die Ökobilanz eines Einweg- chen Materialqualitäten das Risiko der
Abschnitt 6.3). wischbezugs günstiger als eines Mehr- Adsorption der Desinfektionswirkstoffe
wegbezugs war, bedarf der Überprü- in das Material. Sofern die Tücher nicht
6.1 Verfahren unter Anwendung fung, weil die methodischen Angaben zusammen mit dem Desinfektionsmit-
chemischer Desinfektionsmittel für eine schlüssige Bewertung nicht tel geprüft worden sind, bleibt eine Unsi-
ausreichen [227]. Bei OP-​Kitteln waren cherheit bezüglich der Effektivität, da die
Für die Anwendung chemischer Desin- Mehrwegtextilien bzgl. der Ökobilanz Flüssigkeitsaufnahme und Wirkstoffad-
fektionsmittel stehen unterschiedliche Einwegtextilien überlegen [228], was sorption materialabhängig variieren. Ver-
Verfahren zum Ansetzen der Gebrauchs- aber nicht auf Wischtextilien über- wendete Wischtextilien sollen eine hohe
lösung, zur Applikation und Verteilung tragbar ist. Insgesamt ist die Datenlage Aufnahmefähigkeit für Flüssigkeit haben,
auf der Fläche und der dabei verwendeten unbefriedigend, so dass für Wischtex- beständig gegen Reinigungsdetergenzien
Hilfsmittel zur Verfügung. Die verschie- tilien bisher keine Schlussfolgerung und Desinfektionsmittel, möglichst wenig
denen Anwendungsbedingungen sind abgeleitet werden kann. Erst wenn un- flusend und bei hoher Temperaturbestän-
nicht in klinischen Studien gegeneinan- abhängige vergleichende Studien zur digkeit leicht aufzubereiten sein.
der verglichen worden. Zum Teil werden Ökobilanz (life cycle assessment) von
bei der Prüfung der Wirksamkeit der Ver- Einweg- bzw. Mehrwegwischtextilien Einwegtextilien: Zur Auswahl stehen
fahren in den praxisnahen Versuchen die (einschließlich Tuchspendersysteme mit Desinfektionsmittellösung getränkte
Anwendungsverfahren simuliert. Bei der versus gebrauchsfertige Tücher) vor- gebrauchsfertige Tücher in Einwegverpa-
Auswahl der Verfahren müssen Wirksam- liegen, ist die Voraussetzung gegeben, ckung (z. B. in Form handelsüblicher sog.
keit, Praktikabilität, Effektivität, Gesund- die ökologisch günstigere Alternative Flowpacks oder kompakter Standgefä-
heitsgefährdung und Kosten abgewogen auszuwählen. ße) und Feuchttuchspendersysteme. Der
werden. Hersteller übernimmt die Verantwortung
Mehrwegtextilien: Wichtige Hinwei- dafür, dass Textil und Desinfektionsmit-
6.1.1 Wischdesinfektion se: Prinzipiell ist zu beachten, ob der tel kompatibel sind und über die Anwen-
Je nach Beschaffenheit und Größe der auf- Hersteller des aufbereitbaren Wischtex- dungszeit eine gleichbleibende Wirksam-
zubereitenden Fläche und der Indikation tils Angaben zur maximalen Anzahl der keit des Desinfektionsmittels vorliegt.
der Desinfektion kommen verschiedene Aufbereitungszyklen gibt, da der Materi- Wichtige Hinweise: Der Vorteil von ge-
Methoden zur Anwendung. alverschleiß mit jeder Nutzung und jedem brauchsfertigen Produkten ist die unmit-
Flächendesinfektionsmittel können Aufbereitungsprozess zunimmt. Dadurch telbare Verfügbarkeit am Einsatzort. Sie
als direkt anwendbare gebrauchsfertige können Reinigungseigenschaften verloren sind in unterschiedlichen Größen für alle
Lösung (ready to use) oder als Konzent- gehen [229]. Deshalb ist das Mehrwegtex- Wirkspektren erhältlich. Die Standzeit
rat zur Verfügung stehen, welches vor Ort til spätestens dann zu entsorgen, wenn es nach Anbruch beträgt bis zu 3 Monaten.
in die geeignete Verdünnung (Gebrauchs- der Funktionalität nicht mehr genügt. Nachteile sind das hohe Abfallaufkom-
lösung) gebracht werden muss. Letzteres Mehrwegtextilien müssen in validierten men einschließlich der Kunststoffpa-
bietet den Vorteil des geringeren Trans- chemothermischen bzw. thermischen ckung, die u. U. nicht ausreichende Flüs-
port- und Lageraufwands. Es besteht je- Desinfektionswaschverfahren aufbereitet sigkeitsabgabe auf die zu desinfizierende
doch vor Ort die Gefahr der Herstellung werden, sofern keine vorgetränkten Bezü- Fläche, das Risiko eingeschränkter Halt-
fehlerhafter Anwendungskonzentratio- ge verwendet werden. Anschließend wer- barkeit und hohe Kosten.
nen. den sie getrocknet und sind hygienisch, Für gebrauchsfertige getränkte Ein-
Folgendes ist zu beachten: insbesondere trocken, zu lagern, damit wegtücher gelten die für Feuchttuchspen-
55Herstellung der Gebrauchslösung: keine Vermehrung von Mikroorganis- dersysteme aufgeführten Anforderungen
Wichtige Hinweise: Gebrauchslö- men stattfindet [230, 231]. Dabei müssen noch ausgeprägter.
sungen sollen wegen des Risikos der alle Verfahrensparameter wie Konzentra- 55Bereitstellung am Einsatzort:
Konzentrationsveränderung und un- tion der Prozesschemikalien, EWZ, Tem- Die Desinfektion kann entweder mit
nötiger Raumluftbelastung nicht of- peratur und Flottenverhältnis exakt einge- trockenem Wischtextil nach Eintau-
fen stehen und sind innerhalb eines halten werden. Weitere Additive wie z. B. chen in eine frisch hergestellte Des-
Arbeitstags zu verwenden. Falls der alkalische Waschverstärker können nur infektionsmittellösung (Gebrauchs-
Hersteller Standzeiten für die Ge- zugesetzt werden, wenn die Wirksamkeit lösung), mit vorgetränkten Textilien
brauchslösung vorsieht, sind diese des Verfahrens mit diesem Zusatz unter oder mit gebrauchsfertig verpack-
einzuhalten. festgelegten Bedingungen bestätigt wurde. ten Tüchern durchgeführt werden.

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 10 · 2022 1091


Bekanntmachungen – Amtliche Mitteilungen

Für das manuelle Vortränken stehen maschinell vorgetränkten Wischtexti- gen nicht auf Sporenkontamination
nutzungstäglich hergestellte Vorräte lien bis zum Ende der Standzeit zum geprüft [240].
oder befüllbare, aufbereitbare Tuch- gewünschten Desinfektionsergebnis Unabhängig von der Überprüfung
spendersysteme mit trockenen Vlies- führen, genannt [148]. der korrekten Handhabung der Tuch-
tuchrollen zur Verfügung, die nach Wichtige Hinweise: Für Tuchspender- spendersysteme sollte im Rahmen
Eingabe der trockenen Tuchrolle mit systeme gilt, dass bei Überschreitung von Ausbruchssituationen mit rele-
der Desinfektionsmittellösung befüllt der Standzeit, zu geringer Dosierung vanten Erregern, insbesondere mit
werden. Die Standzeit vorgetränkter und/oder unzureichender Aufberei- Gram-negativen Bakterien, eine hy-
Tücher hängt vom System ab. Vor- tung der Behälter eingebrachte Infek- gienisch-mikrobiologische Untersu-
getränkte Mehrwegtextilien haben tionserreger Desinfektionsmittelto- chung der aufbereitbaren Tuchspen-
bei sachgerechter Lagerung (perma- leranzen entwickeln und zu einem dersysteme erfolgen [233]. Zusätzlich
nente Lagerung des Wischtextils in potenziellen Infektionsreservoir ggf. kann eine jährliche stichprobenartige
der Gebrauchslösung in geeignetem mit Biofilmbildung führen können. hygienisch-mikrobiologische Unter-
geschlossenem Behältnis) in der Re- Bisherige Erkenntnisse zeigen, dass suchung mittels Membranfiltration
gel eine Standzeit für die Dauer eines Kontaminationen insbesondere bei erwogen werden, um die Aufberei-
Arbeitstags. Für Tuchspendersysteme Formulierungen auf Basis oberflä- tung zu überprüfen. Als Grenzwert
beträgt sie im Allgemeinen 28 Tage. chenaktiver Wirkstoffe, selten auch werden für die Desinfektionsmit-
Vom Hersteller der Tuchrolle bzw. des bei aldehydischen Formulierungen, tellösung im Tuchspendersystem 0
Desinfektionsmittels für Tuchspen- bislang jedoch nicht bei alkoholischen KbE/10 ml für Gram-negative Mik-
dersysteme im Vortränksystem muss Wirkstoffen, festgestellt wurden [236– roorganismen und 3 KbE/10 ml für
gutachterlich, z. B. durch chemische 238]. Daher empfiehlt die Desinfekti- aerobe Sporenbildner und andere
Analyse, belegt sein, dass es während onsmittelkommission des VAH, auf- apathogene Umgebungsflora (z. B.
der ausgelobten Standzeit nicht zu ei- bereitbare Tuchspendersysteme – mit Micrococcus spp.) empfohlen. Die
nem Wirkstoffverlust kommt [233]. Ausnahme des Einsatzes Alkohol-ba- Untersuchung sollte alle eingesetzten
Vor dem Einsatz von Tuchspendersys- sierter Desinfektionsmittel – nicht in Tuchspendersysteme einschließen.
temen muss geprüft werden, für wel- Bereichen mit erhöhtem Infektions- Tuchspendersystemen in Nichtrisi-
chen Bereich das betreffende System risiko, z. B. Intensivtherapie, Hämato- kobereichen können für eine erste
geeignet ist. logie/Onkologie, Neonatologie, Ver- Orientierung auf geeigneten Nährbo-
Das maschinelle Vortränken (Kon- brennungsstation, einzusetzen. Das denträgern (z. B. Dip Slides) überprüft
fektionierung) erfolgt in dafür vor- gilt auch, wenn nur deren Verschluss- werden [241].
gesehenen Waschmaschinen; Her- vorrichtungen (Deckel) wiederaufzu- Zur Wahrung des Personalschutzes
stellerangaben der eingesetzten bereiten sind [239]. und Vermeidung einer Kontamina-
Reinigungstextilien, Waschmaschi- Vor der Neubeschickung von Tuch- tion müssen die Tücher mit frischen
nen, Dosiergeräte und Reinigungs- spendersystemen ist eine Aufbe- bzw. desinfizierten Schutzhandschu-
und Flächendesinfektionsmittel sind reitung des Behälters und Deckels hen der entsprechenden Durchbruch-
dabei zu beachten [148]. Wischtex- gemäß Herstellerangabe mit dem klasse entnommen werden.
tilien werden in der Waschmaschi- Wirkspektrum bakterizid, fungizid Praxisbeobachtungen ergaben, dass
ne konfektioniert. Hierzu werden die und sporizid erforderlich. Es konnte bei nicht verschlossenem Deckel aus
Wischtextilien in der Waschmaschine gezeigt werden, dass durch die Aufbe- dem Eimer herausragende Desinfek-
mit Desinfektionsmittel vorgetränkt reitung eines experimentell kontami- tionsmitteltücher austrocknen und
und anschließend in einem geschlos- nierten Tuchspendersystems im Rei- ihre Wirksamkeit verlieren. Außer-
senen Behälter bis zur Entnahme für nigungs-Desinfektionsgerät (RDG) dem besteht ein Kontaminationsrisi-
den Gebrauch gelagert (Achtung: ma- ohne und mit Zusatz chemischer Rei- ko z. B. durch Kontakt mit kontami-
ximale Lagerzeiten beachten). Das niger die Rekontamination verhin- nierten Handschuhen, insbesondere
Verfahren zur maschinellen Vorträn- dert wird, wenn eine Temperatur von aus Feuchtbereichen mit Gram-nega-
kung ist gemäß DIN 13063 [148] zu 60–70 °C über mindestens 5 min si- tiven Bakterien. Es muss sichergestellt
validieren. Die Abstände zur Revali- chergestellt war. Ebenso verhinderte werden, dass es nicht zu einer Aus-
dierung sind mit dem Prüfer in Zu- die Vorreinigung mit heißem Wasser trocknung von Desinfektionsmittel-
sammenarbeit mit der Krankenhaus- oder in Form eines gründlichen Rei- tüchern, z. B. durch unzureichenden
hygiene festzulegen. Aufgrund der nigungsschritts mit nachfolgender Verschluss, kommt und Tücher nicht
Vielfalt der Einflussfaktoren (z. B. Ver- Wischdesinfektion mittels Einweg- frei herausragen. Ebenso ist durch
dünnungseffekte, Waschmittelrück- tuch und sauerstoffabspalterhaltigem Arbeitsanweisungen sicherzustellen,
stände) wird das Verfahren kritisch Desinfektionsmittel die Rekontami- dass bei Nichtverwendung der Des-
bewertet [234, 235]. In der DIN 13063 nation der Desinfektionsmittellösung infektionsmitteltücher aus dem Tuch-
sind eine Reihe von Kriterien zur nach Neubefüllung. Allerdings wurde spendersystem die Deckel sicher ver-
Überprüfung der Wirksamkeit, ob die die Wirksamkeit beider Aufbereitun- schlossen sind [233]. Die Tuchqualität

1092 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 10 · 2022


Tab. 5 Vor- und Nachteile unterschiedlicher Wischmethoden zur manuellen desinfizierenden Reinigung bzw. Desinfektiona von Fußböden
Anwendungsmethode Vorteile Nachteile Erforderliche Kontrollen
Gebrauchslösung des Desinfekti- Interaktionen zwischen Wischtextil Mögliche Gesundheitsrisiken Aufbereitung der Wischtextilien,
onsmittels wird auf den Boden ge- und Desinfektionsmittel unwahr- beim Hantieren mit Konzentraten Anwendungsbeobachtung
geben und mit einem Klapphalter scheinlich (Arbeitsschutz beachten), Fehler bei
mit frischem Wischtextil verteilt der Wahl der Menge des Desinfekti-
onsmittelsb
Wischbezug wird kurz vor Gebrauch Mögliche Gesundheitsrisiken
in der Gebrauchslösung getränkt beim Hantieren mit Konzentraten
(Arbeitsschutz beachten), größere
Mengen der Gebrauchslösung
müssen in entsprechenden Wannen
transportiert werden
Wischtexilien werden am Beginn Transport von Flüssigkeiten mit Ge- Mögliche Gesundheitsrisiken beim
des Arbeitstags in der Gebrauchslö- fahr des Überschwappens entfällt, Hantieren mit Konzentraten (Ar-
sung vorgetränkt effiziente Nutzung des Volumens beitsschutz beachten), Kompatibi-
des Desinfektionsmittels lität von Wischtextil und Desinfekti-
onsmittel muss nachgewiesen sein,
Wirksamkeit nur bei sachgerechter
Lagerung der Wischtextilien ge-
währleistet (siehe Abschnitt 6.1.1)
Wischtextilien werden in der Wasch- Trocknung der Wischtextilien nach Kompatibilität von Wischtextil und Validierung der Vortränkung und
maschine vorgetränkt (Konfektio- dem Waschen entfällt Desinfektionsmittel muss nachge- Überprüfung der Wirksamkeitc
nierung) wiesen seinb
Einsatz von gebrauchsfertigen Aufbereitung der Wischtextilien Erhöhtes Abfallaufkommen Anwendungsbeobachtung, Lager-
Wischtextilien entfällt, methode und -zeit nach Anbruch,
Wischtextilien lassen sich überall sachgerechtes Abfallmanagement
vorhalten
a
Hinweise zur Reinigung sind z. B. der DIN 13063 [148] zu entnehmen
b
Risiko der ungleichmäßigen Verteilung der Gebrauchslösung
c
Hinweise zur Überprüfung sind z. B. der DIN 13063 [148] zu entnehmen

muss die ausreichende Tränkung bis für die Praxis verfügbar ist. Sofern die gelegt, während der Reinigung bzw.
zur letzten Entnahme gewährleisten, Wirksamkeit gebrauchsfertiger Ein- Desinfektion fortlaufend entnommen
d. h. der Flüssigkeitsgehalt muss kon- wegwischtextilien im 4-Felder-Test und dann direkt zur Aufbereitung
stant bleiben und es darf keine Ver- zertifiziert ist, ist die Mengenangabe oder Entsorgung gesammelt werden
dunstung zustande kommen. pro Fläche nicht erforderlich. (sog. Tuch-/Bezugswechselverfahren).
55Anwendungsprozess Das aufgetragene Desinfektionsmittel Bei hoher Kontamination einer Flä-
Das Aufbringen des Flächendesinfek- darf vor Ablauf der EWZ nicht durch che, z. B. mit Blut, Erbrochenem o. a.,
tionsmittels soll möglichst standardi- Nachwischen mit Wasser oder Tro- ist das Material unmittelbar mecha-
siert erfolgen. ckenwischen entfernt werden. Eine nisch zu entfernen (kein Einsatz von
Wichtige Hinweise: Zur Gewährleis- Ausnahme ist z. B. im Küchenbereich Desinfektionsmitteln wegen Eiweiß-
tung der Effektivität der Desinfektion gegeben, in dem nach Ablauf der fixierung) und erst im Anschluss die
ist die Fläche mit einer ausreichen- EWZ Desinfektionsmittelreste, z. B. desinfizierende Flächenreinigung
den Menge an Desinfektionslösung durch Abspülen entfernt werden. bzw. Flächendesinfektion durchzu-
vollständig zu benetzen (individuel- Grundsätzlich muss nach dem Ab- führen (zweistufiges Verfahren).
le optische Kontrolle der Benetzung wurfprinzip gearbeitet werden, Um einer Erregerverschleppung vor-
kann sinnvoll sein). Für alle Wisch- d. h. nur einmaliges Eintauchen des zubeugen, sollte für die Reinigung
textilien ist zu berücksichtigen, dass Wischtextils, weil die Wirksamkeit bzw. desinfizierende Flächenreinigung
in der Regel keine Herstellerangaben des Desinfektionsmittels durch in die die bereichsbezogene Nutzung durch
zur Reichweite der ausreichenden Be- Lösung übertragene Verunreinigun- unterschiedliche Farbgebung der Tü-
netzung angegeben werden. Für ge- gen reduziert oder aufgehoben wer- cher unterstützt werden. Die Tücher
brauchsfertige Tücher wurde hierfür den kann. Ein Wiedereintauchen ist sind nach jeder Patienteneinheit (Pa-
eine geeignete Methode vorgeschla- nicht zulässig. Zur Umsetzung dieser tientenzimmer inkl. Sanitärbereich)
gen [242], so dass zu hoffen ist, dass Methode können mehrere Wisch- der Aufbereitung zuzuführen bzw. zu
in Zukunft diese Angabe (m2 desinfi- textilien initial vor der Anwendung verwerfen [148, 181, 243]. Durch die
zierbare Fläche/Tuch) als Hilfestellung in die saubere Gebrauchslösung ein- unterschiedliche Farbgebung kann

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 10 · 2022 1093


Bekanntmachungen – Amtliche Mitteilungen

auch der Patient beurteilen, ob pati- tels als Schaum anstatt Sprühen kann die oder der Ausbruchsbekämpfung einge-
entennahe Hygienemaßnahmen kor- inhalative Exposition vernachlässigt wer- setzt werden.
rekt durchgeführt werden. Für die den. In Bereichen mit erhöhtem bzw. beson-
desinfizierende Flächenreinigung von In . Tab. 6 sind die Vor- und Nachteile derem Infektionsrisiko (siehe . Tab. 2)
Fußböden in Bereichen mit erhöhtem der Möglichkeiten zur Desinfektion klei- sollten berührungslose physikalische ap-
Infektionsrisiko (siehe . Tab. 2) hat ner Flächen zusammengefasst. parative Verfahren derzeit aufgrund feh-
es sich zur Vermeidung einer Erreger- lender Prüfnormen zur desinfizierenden
verschleppung als sinnvoll erwiesen, 6.1.3 Maschinelle Wirkung und der damit unsicheren Wirk-
im unreinen Bereich zu beginnen, um Oberflächenreinigung samkeit nicht zum Einsatz kommen.
reine Bereiche nicht über die Schuhe Für Kunststoffbeläge und Fliesen können
erneut zu kontaminieren. Die Schutz- Scheuersaugmaschinen, für textile Böden 6.2.1 Chemische Verfahren
handschuhe des Reinigungspersonals Sprühextraktionsverfahren eingesetzt
(siehe Abschnitt 5.7) sind nach jeder werden [245, 246]; allerdings existieren Aerosole und Vernebelung: Bei Desin-
Patienteneinheit zu desinfizieren oder derzeit keine Prüfverfahren zum Nach- fektionsverfahren, die das desinfizierende
zu wechseln [40]. weis der reinigenden bzw. desinfizieren- Agens als Aerosol oder Vernebelung aus-
55Aufbereitung verwendeter Hilfs- den Wirksamkeit der maschinellen Ver- bringen, werden verschiedene Desinfekti-
mittel fahren [148]; daher sollten maschinelle onswirkstoffe eingesetzt.
Bei Einsatz in Bereichen ohne er- Verfahren zur Oberflächenreinigung nur Eine Raumdesinfektion durch Ver-
höhtes oder mit möglichem Infekti- in Bereichen ohne Infektionsrisiko einge- dampfen oder Vernebeln von Formalde-
onsrisiko (siehe . Tab. 2) genügt es, setzt werden. hyd ist nur in extrem seltenen Ausnah-
potenziell kontaminierte Stellen am Der Einsatz von Scheuersaugmaschi- mefällen notwendig [248]. Falls dieses
Reinigungswagen (z. B. Griffe, Behäl- nen zur Reinigung von Fußböden in Ein- Verfahren in besonderen Situationen im
ter, Rollen, Halterungen) nach Ende richtungen des Gesundheitswesens führte Rahmen einer behördlich angeordneten
der letzten Schicht, mindestens je- bei sachgerechter Bedienung und War- Desinfektionsmaßnahme dennoch zum
doch einmal einsatztäglich, zu reini- tung nicht zu einer erhöhten mikrobiellen Einsatz kommen sollte, finden sich die
gen und abtrocknen zu lassen [148]. Raumluftbelastung. Da zur Wirksamkeit detaillierten Anwendungsbedingungen in
Wichtiger Hinweis: Nach Einsatz in der desinfizierenden Flächenreinigung der Liste der vom RKI geprüften und an-
Bereichen mit erhöhtem Infektions- bisher keine Daten vorliegen, sollten die- erkannten Desinfektionsmittel und -ver-
risiko sind potenziell kontaminier- se Maschinen nur zu Reinigungszwecken fahren [76]. Außerdem ist bei der Anwen-
te Stellen am Reinigungswagen (z. B. eingesetzt werden [247]. dung des Verfahrens die TRGS 522 [249]
Griffe, Behälter, Rollen, Halterungen) Voraussetzung für den Einsatz ist das zu beachten.
nach Ende der letzten Schicht, min- Betreiben der Maschinen gemäß Her- Für die Raumdesinfektion wird zu-
destens jedoch einmal einsatztäglich, stellerangaben hinsichtlich Wartung und nehmend das Vernebeln von H2O2 als Er-
desinfizierend zu reinigen und ab- Aufbereitung (zu bevorzugen sind Schläu- gänzung zur Wischdesinfektion diskutiert
trocknen zu lassen. Zur Aufbereitung che, Sauglippen und Bürsten, die maschi- [250–253]. Voraussetzung für den Einsatz
von Wischtextilien siehe Abschnitt nell-(chemo)thermisch aufzubereiten ist der herstellerseitige Wirksamkeits-
7.3.2. sind) [148]. Die genannten Vorausset- nachweis [254]. Da die Wirksamkeit des
zungen und der Rhythmus der Aufberei- Verfahrens stark von der Raumausstat-
In . Tab. 5 sind die Vor- und Nachteile tung sind von den Geräteherstellern durch tung (z. B. existierende Einbauten, Tex-
der Möglichkeiten zur Durchführung der Gutachten zu belegen. tilien), Raumgröße und der Erreichbar-
Desinfektion von Fußböden zusammen- keit durch das Verfahren abhängt, ist die
gefasst. 6.2 Berührungslose apparative Überprüfung der Wirksamkeit im Pra-
Verfahren xistest für die effektive Anwendung erfor-
6.1.2 Sprühverfahren derlich; dabei können ggf. Ergebnisse von
Bei der Sprühdesinfektion wird das Des- Berührungslose apparative Desinfektions- gleichartigen Räumen verwendet wer-
infektionsmittel auf die zu behandelnde verfahren umfassen chemische und phy- den. Hinweise zum methodischen Vorge-
Oberfläche aufgesprüht. Dabei kommt es sikalische Wirkprinzipien. Da diese kei- hen dafür sind in der Liste der vom RKI
zur inhalativen Exposition des Personals, ne Reinigungswirkung aufweisen, ist zur geprüften und anerkannten Desinfekti-
so dass aus Arbeitsschutzgründen von Entfernung von Kontaminationen vor onsmittel und -verfahren [76] angegeben.
diesem Verfahren abgeraten wird [184, Einsatz dieser Verfahren eine ergänzende Bei sachgerechtem Einsatz ist eine signifi-
186] bzw. die Sprühdesinfektion nur in Reinigung erforderlich. kante Reduzierung der Erregerlast auf den
begründeten Ausnahmen als zulässig ein- Berührungslose Technologien ein- behandelten Oberflächen nachweisbar
gestuft wird [183], wenn der Bereich nicht schließlich der Verneblung von H2O2 [253, 255–257]. Ebenso konnten eine Re-
durch Wischdesinfektion erreichbar ist, kommen nicht im Rahmen der Basishy- duktion der Inzidenz nosokomialer Ko-
aber der Desinfektion bedarf [218, 244]. giene in Betracht; sie können ggf. ergän- lonisationen und Infektionen [250, 252,
Bei Aufbringung des Desinfektionsmit- zend im Rahmen der Schlussdesinfektion 255, 256, 258] sowie die Wirksamkeit bei

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Tab. 6
5 Vor- und Nachteile unterschiedlicher Methoden zur desinfizierenden Flächenreinigung und Flächendesinfektion kleiner Flächen
(Fortsetzung)
Anwendungs­ Beschreibung Vorteile Nachteile Einsatzmöglichkeit Erforderliche Kon-
methode (Beispiel) trollen
Gebrauchsfertige Produkte
Lösung zum Sprühen Lösung wird durch Durch Wischdesinfek- Möglichkeit der Soll nach Arbeits- Anwendungsbeob-
ohne Mechanik Verwendung eines tion nicht erfassbare Inhalation des Desin- schutzrichtlinien nur in achtung
Sprühkopfs auf die Bereiche können fektionsmittels und begründeten Ausnah-
Fläche aufgesprüht, erreicht werden Risiko der ungenü- mefällen auf anders
kein nachfolgendes genden Benetzung nicht zugänglichen
Wischen durch Sprühnebel ist Flächen verwendet
gegeben werden
Lösung zur Anwen- Lösung wird durch Ver- Schäume erlauben Risiko der ungenü- Hautkontaktflächen Anwendungsbeob-
dung als Schaum ohne wendung eines ent- ein dosiertes direktes genden Benetzung auf Patientenliegen achtung
und mit Mechanik sprechenden Sprüh- Aufbringen der Lösung ist gegeben, da die
kopfs aufgeschäumt auch auf vertikalen Flä- aufgebrachte Menge
und als Schaum auf die chen, schwer zugäng- größer erscheint, als
Fläche aufgebracht, liche Bereiche können sie tatsächlich ist
kein nachfolgendes erreicht werden
Wischen oder in
Kombination mit nach-
folgendem Wischen
Lösungen zur Anwen- Lösung wird direkt auf Lösung kann in ausrei- Je nach Saugfähigkeit Desinfektion im Anwendungsbeob-
dung mit Mechanik die Fläche aufgebracht chender Menge und des Wischtuches kann Rahmen der Basishy- achtung
oder auf ein Wischtex- korrekter Dosierung die Menge der aufge- giene (z. B. Flächen für
til gegeben und auf aufgebracht werden brachten Lösung stark aseptische Tätigkeiten)
der Fläche verteilt reduziert werden und/oder zur gezielten
Flächendesinfektion
Gebrauchsfertige Das getränkte Tuch Tücher stehen am Ort Das Tuch kann bei Flächen für aseptische Anwendungsbeob-
Tücher (ready to use) wird einem Standge- des Einsatzes zur Ver- unsachgemäßer Tätigkeiten achtung, Lagerme-
in Einwegverpackung fäß/Beutel entnom- fügung (Erhöhung der Lagerung, z. B. durch thode und -zeit nach
men und die Fläche Compliance). Tuch und Verdunsten des Anbruch
damit gewischt Desinfektionsmittel Desinfektionsmittels,
sind aufeinander ab- zu trocken sein, so dass
gestimmt und wurden nicht genügend Des-
zusammen geprüft infektionsmittel auf
die Fläche aufgebracht
wird
Produkte, die vor Ort zubereitet werden
Zu verdünnendes Herstellung der Durch den Flüssigkeits- Gesundheitsrisiken Flächendesinfektion Richtige Anwen-
Konzentrat ohne spezi- Gebrauchslösung aus überschuss und die können beim Hantie- durch Leistungser- dungskonzentration
fiziertes Wischtextil dem Konzentrat mit sofortige Anwendung ren mit Konzentraten bringer (Beobachtung bei
Desinfektionsmit- spielt die Wirkstoffad- bestehen (Arbeits- manueller Dosie-
teldosiergerät oder sorption keine Rolle. schutz beachten). Es rung, Prüfung des
Dosierhilfe. Wischtextil Wenn Mehrwegtextili- besteht das Risiko von Desinfektionsmitteldo-
wird eingetaucht en verwendet werden, Dosierungsfehlern. siergeräts hinsichtlich
und die Fläche damit reduzieren sich Behälter mit Desinfek- Dosiergenauigkeit
gewischt Transportaufwand und tionsmittel müssen am und mikrobiologischer
Abfallmenge Einsatzort zusammen Kontamination),
mit Wischtextilvorrat Anwendungsbeobach-
zur Verfügung stehen. tung, Lagermethode
Es ist zu beachten, dass und -zeit nach Anset-
bei Wiedereintauchen zen der Lösung
des Wischtextils die
Gefahr einer Erreger-
verschleppung besteht

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 10 · 2022 1095


Bekanntmachungen – Amtliche Mitteilungen

Tab. 6 (Fortsetzung)
Anwendungs­ Beschreibung Vorteile Nachteile Einsatzmöglichkeit Erforderliche Kon-
methode (Beispiel) trollen
Zu verdünnendes Kon- Herstellung der Tücher stehen am Gesundheitsrisiken Hand- und Haut- Richtige Beschickung
zentrat für aufbereit- Gebrauchslösung mit Ort des Einsatzes zur können beim Hantie- kontaktflächen in und Anwendungskon-
bare Tuchspendersys- Desinfektionsmit- Verfügung (Erhöhung ren mit Konzentraten Räumen mit häufigem zentration (Beobach-
teme mit spezifizierten teldosiergerät oder der Compliance) bestehen (Arbeits- Patientenwechsel tung bei manueller
Tüchern, die vom Dosierhilfe, Tuchrolle schutz beachten). Es (Untersuchungsräume) Dosierung, Prüfung
Anwender vor Ort wird im Tuchspender besteht das Risiko von in Risikobereichen des Desinfektions-
vorgetränkt werden mit der vorgegebenen Dosierungsfehlern. mitteldosiergeräts
Menge an Lösung Herstellerangaben zur hinsichtlich Dosier-
vorgetränkt; Entnahme Beschickung und zu genauigkeit und
eines Wischtuchs zur Lagerzeiten müssen mikrobiologischer
Flächendesinfektion beachtet werden. Kontamination), Lager-
Das Tuch kann bei zeit nach Ansetzen der
unsachgemäßer Lösung und Befüllen
Lagerung, z. B. durch des Systems, Aufberei-
Verdunsten des tung des Tuchspender-
Desinfektionsmittels, system
zu trocken sein, so dass
nicht genügend Des-
infektionsmittel auf
die Fläche aufgebracht
wird

der Beherrschung von Ausbrüchen [255, sowie raumlufttechnische Anlagen 55Es ist zu beachten, dass in Blutresten
259–262] gezeigt werden. Daher kann bei sind gesondert zu beachten [265]. keine Wirksamkeit erreicht wird und
einem nicht beherrschbaren Ausbruchs- 55Der Desinfektionserfolg hängt von die Wirksamkeit z. B. in Flüssigkeits-
geschehen die Verneblung mit H2O2 in der Größe der in dem zu desinfizie- ansammlungen unsicher ist. Die Ver-
Betracht gezogen werden [261]. Auch renden Raum befindlichen Oberflä- neblung ist daher nur als Ergänzung
nach Belegung von Patientenzimmern chen und dem dortigen Strömungs- zur vorher durchgeführten Flächen-
mit COVID-19-Patienten hat sich die Ver- verhalten (z. B. Ausschalten der desinfektion mittels Wischverfahren
neblung vor Neubelegung als praktikabel raumlufttechnischen Anlage (RLTA), sinnvoll.
erwiesen. Insgesamt ist die derzeit vorlie- Abkleben von Lüftungsschächten)
gende Evidenz solcher Verfahren jedoch ab. Daher ist bei Verneblungsverfah- Folgende Voraussetzungen sind sei-
nicht ausreichend [250–253] und die zu ren und ebenso beim Ausbringen von tens der Verträglichkeit zu beachten:
beachtenden Limitationen sind zahlreich Aerosolen die reproduzierbare Wirk- 55Die Raumdesinfektion durch Ver-
[76, 184, 185, 248, 252, 253, 263, 264], so samkeit der Maßnahme im Rahmen nebeln von H2O2 ist nur in nicht be-
dass derzeit keine Empfehlung zum Ein- einer Validierung vor Ort zu prüfen legten Räumen, d. h. im Rahmen
satz des Vernebelns von H2O2 zur Schluss- [76, 265], was in den zitierten Studi- der Schlussdesinfektion, anwendbar,
desinfektion gegeben werden kann. en nicht beschrieben wurde. Für ei- weil H2O2 in der Anwendungskon-
nen wirksamen Einsatz der Verfahren zentration von 10 % inhalativ hoch
Folgende Voraussetzungen sind für sind technische Lösungen wie Senso- toxisch ist und in weitaus tieferen
die wirksame Desinfektion zu beach- ren zu fordern, die eine kontinuierli- Konzentrationen der Respirations-
ten: che Messung der Konzentration von trakt (Reizschwelle 10 mg/m3) gereizt
55H2O2 kann nur bei direktem Kon- H2O2 in der Raumluft während der wird [268]. Daher können die Räume
takt mit der Oberfläche wirken. Da- Verneblung für die Zeitdauer der zu- erst nach längeren Lüftungsinterval-
mit eine möglichst große Oberfläche vor ermittelten EWZ für die Gewähr- len wieder genutzt werden [76, 263,
erreicht werden kann, sind Schränke leistung der Desinfektionswirkung 264, 269, 270]. Die Zimmerbelegung
und Schubladen zu öffnen und sonsti- ermöglichen. ist erst möglich, wenn die Konzentra-
ge Materialien im Raum, die potenzi- 55Ferner hängt die Wirksamkeit stark tion von H2O2 unter den DNEL-​Wert
ell kontaminierte Oberflächen verde- von der Beschaffenheit der zu desin- für die akute inhalative Exposition ge-
cken, vorher zu entfernen und dann fizierenden Oberflächen ab. So kann fallen ist [195]. Idealerweise wird der
im Anschluss gesondert zu desinfizie- z. B. die erforderliche Zeit zur ausrei- Konzentrationsabfall nach der Ver-
ren. Geräte und Öffnungen, die kon- chenden Reduktion eines Erregers nebelung durch kontinuierliche Mes-
struktionsbedingt ein Eindringen des nur aufgrund seiner Anhaftung an ei- sung des H2O2 in der Innenraumluft
desinfizierenden Agens erschweren, ner anderen Oberfläche die zehnfache vom H2O2-Desinfektionsgerät selbst
Zeit erfordern [266, 267]. verfolgt und dokumentiert. Handelt

1096 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 10 · 2022


es sich um Arbeitsräume, darf die Tä- von den Herstellerangaben aufbereite- UV- und HINS-​ Strahlung: UV- und
tigkeit bereits aufgenommen werden, ten Medizinproduktes vollumfänglich high-intensity narrow-spectrum (HINS)-
wenn der AGW von 0,5 ppm unter- zu gewährleisten. Strahlung (405 Nanometer (nm) HINS-
schritten wurde. Das ist zuverlässig Strahlung) kann je nach Strahlendosis
nur durch begleitende Messtechnik Aufgrund der hohen Giftigkeit von Ozon, bakterizid, sporizid und viruzid wirk-
zu gewährleisten, da die Lüftungs- der Genotoxizität und des Verdachts der sam sein [283–285]. Aufgrund mögli-
dauer bis zum Zerfall von H2O2 von Karzinogenität [161] hat die Anwendung cher Schattenbildung werden Erreger auf
der Raumsituation abhängig ist. Eine von Ozon in Gesundheitseinrichtungen stark strukturierten Oberflächen (z. B.
automatische Freigabe des Raumes keine Bedeutung zur Flächendesinfektion Poren, Vertiefungen, Kavernen, Innen-
durch das Gerät ist nötig, um die Si- erlangt. Aktuelle weitergehende Evaluati- lumina) und Flächen mit flachem Strah-
cherheit von Patienten und Personal onen von Ozon für die Anwendung zur lungswinkel nicht sicher abgetötet. Damit
zu gewährleisten. Sollte es während Desinfektion innerhalb des Gesundheits- beschränkt sich die Anwendung von UV-
des Desinfektionsprozesses zu Kom- wesens bleiben abzuwarten [272–279]. und HINS-​Strahlung im Wesentlichen
plikationen (z. B. bei Nichtabschal- Die Arbeitsgruppe „Chemische Risi- auf glatte Oberflächen. Die Geräte müs-
tung der RLTA) kommen, muss der ken“ der Sektion Gesundheitswesen der sen entsprechend der Herstellerangaben
Prozess automatisch durch das H2O2- IVSS hat unter Mitwirkung der Berufs- bedient und gewartet werden (insbeson-
Desinfektionsgerät abgebrochen und genossenschaft für Gesundheitsdienst dere muss die Brenndauer wegen mögli-
das Bedienpersonal benachrichtigt und Wohlfahrtspflege die Gefährdungen cher Energieverluste eingehalten werden).
werden. Weiterhin sind bei Verfahren und Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten In jedem Fall ist der Schutz der Anwen-
mit einer Verneblungslösung mit Ge- mit Desinfektionsmitteln im Gesund- der hinsichtlich Strahlenexposition und
halt > 8–35 % H2O2 zusätzliche Anfor- heitswesen analysiert. 2014 hat sie in ih- möglicher Belastung mit Ozon zu ge-
derungen aufgrund des Gefahrenpo- rem Factsheet 8 darauf hingewiesen, dass währleisten. Außerdem ist die Material-
tentials zu beachten [271]. Begasungsverfahren ein hohes Gefähr- verträglichkeit gegenüber dem Verfahren
55Zur Gewährleistung des Schutzes der dungspotenzial für die Akteure und die zu bewerten.
Mitarbeiter und Patienten ist auf die Umgebung besitzen und daher hohe An-
Abtrennung des Raums, in dem das forderungen an die Kompetenz der durch- Die antimikrobielle Bestrahlung von
H2O2 vernebelt wird, von der Umge- führenden Personen und an den Ablauf Oberflächen durch UV- bzw. HINS-​
bung zu achten. Dabei sind alle of- der einzelnen Schritte der Raumdesin- Strahlung durch mobile Bestrahlungsge-
fenen Verbindungen zu anderen Be- fektion, d. h. die Vorbereitung, Durchfüh- räte (Roboter) wird in den letzten Jahren
reichen abzukleben, z. B. Türspalte, rung und Nachbereitung, bestehen [184, zunehmend im Rahmen der Schlussdes-
Ventilationsschächte, Heizungsroh- 185]. infektion nach Belegung mit Patienten
re und Steckdosen. Die Eignung des mit C. difficile oder MRE eingesetzt [256,
dafür benötigten Materials sollte vom 6.2.2 Physikalische Verfahren 286–297]. Die Mehrheit der Studien weist
Hersteller nachgewiesen sein. auf die Wirksamkeit der Verfahren zur
55Zum Nachweis des erfolgreichen Ver- Dampf: Eine ressourcenintensive und Verhütung von nosokomialen Infektio-
laufs des Desinfektionsprozesses sollte zugleich unzuverlässige Methode ist die nen durch C. difficile und MRE hin. Eine
ein Abschlussbericht mit Daten über Anwendung von Dampf (z. B. Dampfrei- abschließende Einschätzung der Wirk-
den Raum, die verbrauchte Menge an niger) zur Reduktion der Erregerbelas- samkeit dieser Technologie zur Präventi-
H2O2 und die Freimessung des Raums tung. Dabei sind folgende Probleme bis- on von definierten nosokomialen Infekti-
vom Gerät erstellt werden. her ungelöst: fehlende Validierung der onen ist gegenwärtig noch nicht möglich
55Um eine sichere Desinfektion zu ge- Wirksamkeit und Reinigungswirkung so- [15, 295], da die Studien keine Aussagen
währleisten, sollte ein System zur wie Risiko der Erregerverschleppung. Un- über die Über- oder Unterlegenheit der
jährlichen Kalibrierung und Quali- ter speziellen Bedingungen war eine Re- bisher praktizierten Wischdesinfektion
tätssicherung der Verneblungseinheit duktion der Erregerbelastung mit Dampf zulassen.
zur Verfügung stehen. Zusätzlich soll- auf Oberflächen erreichbar [280], ohne
te vom Hersteller die Einweisung bei dabei zu reinigen. Mit einem transporta- 6.3 Probiotische
der Einführung des Gerätes erfolgen. blen System wurden Coliforme nur um Reinigungsverfahren
55Von Bedeutung ist ebenfalls, dass Ma- < 1 log10 reduziert [281]. Dagegen erwies
terialschäden möglich sind, und für sich in einer Anwendungsstudie auf einer In Studien zum Mikrobiom konnte ge-
MP, die im Raum verbleiben, gibt es ITS die Dampfdesinfektion gegenüber ei- zeigt werden, dass eine verminderte Di-
in der Regel keine Herstellerfreigabe nem zweistufigen Verfahren mit Reini- versität von Mikroorganismen zu einem
für dieses Desinfektionsverfahren. So- gung und anschließender Anwendung erhöhten Infektionsrisiko führen kann.
mit obliegt es dem Betreiber der MP, von 1000 bzw. 5000 ppm Hypochlorit ge- Deshalb wurde die Hypothese aufgestellt,
die Funktionsfähigkeit zur Erfüllung gen MRSA, VRE, Carbapenem resistente dass nicht nur die Anwesenheit pathoge-
der Zweckbestimmung und die An- P. aeruginosa und multiresistente A. bau- ner Erreger, sondern auch die Abwesen-
wendungssicherheit des abweichend mannii als gleichwertig [282]. heit einer diversen Zusammensetzung

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 10 · 2022 1097


Bekanntmachungen – Amtliche Mitteilungen

von nicht pathogenen Umgebungsbakte- von 1,57 auf 1 % und Rückgang von MRE me fensterlos sind, muss die Abluft abge-
rien in der Krankenhausumwelt eine Rol- von 1,13 auf 0,53 % [309]. Auch beim Ver- führt werden.
le bei der Entstehung von NI spielen kann gleich der Reinigung mit Seife, Desinfek- Je nach Gebäudekonfiguration kön-
[298–300]. Darauf aufbauend wurden Un- tion und probiotischem Verfahren wurde nen Räume zentral oder dezentral ange-
tersuchungen zum Einfluss probiotischer durch Seife und probiotischem Erreger ordnet werden. Bei zentraler Anordnung
Mikroorganismen auf das Krankenhaus- im Gegensatz zur Desinfektion das Ober- ist sicherzustellen, dass das Personal auch
mikrobiom und dessen Auswirkung auf flächenmikrobiom mit Verdrängung von außerhalb der Hauptbetriebszeiten auf
NI untersucht. Escherichia (E.) coli und S. aureus stabili- Hilfsmittel zur Desinfektion zurückgrei-
In probiotischen Reinigungsmitteln siert [310]. Bisher gibt es keinen Anhalt, fen kann. Alternativ können beispiels-
kommen unterschiedliche Bakterienspe- dass durch die probiotischen Bakterien weise mit Desinfektionslösung getränkte
zies zum Einsatz (z. B. Bacillus spp., Lac- Patienten gefährdet werden [311]. Da sich gebrauchsfertige Einweg-Wischtextilien
tobacillus spp., Streptococcus spp.). Durch Viren nicht außerhalb der Wirtszelle ver- vorgehalten werden. Zur weiteren Ori-
Kolonisation mit probiotischen Bakterien mehren können, ist nicht davon auszuge- entierung hinsichtlich der zentralen An-
kann die Vermehrung von Krankheitser- hen, dass sie bei der Kontamination von forderungen an die Räumlichkeiten, z. B.
regern verhindert werden, indem die Pro- Oberflächen mit probiotischen Bakterien Stromanschlüsse, Abläufe, Umkleidemög-
biotika den Wettbewerb um Nährstoffe durch das Mikrobiom verdrängt werden. lichkeiten, kann die DIN 13063 [148] zu-
und Raum verschärfen und Sekundärme- Bei Indikation zur Virusdesinfektion ist grunde gelegt werden.
taboliten absondern, die einen Überle- demzufolge die chemische Desinfektion Zum Auf- und Abrüsten der Reini-
bensvorteil verschaffen [301]. Gemäß dem unverzichtbar. Insgesamt ist der Einsatz gungswagen sollte ein ausreichend großer
Prinzip der kompetitiven Exklusion, auch von Probiotika auf Flächen in medizini- Raum zur Gewährleistung der Trennung
bekannt als Gause’s Prinzip, Gause’s Ge- schen Einrichtungen ein interessanter An- in unreinen/reinen Bereich mit Be- und
setz, Gause’s Hypothese, Volterra–Gause satz, weil anstelle nosokomialer Pathogene Entlüftung zentral oder dezentral zur Ver-
Prinzip, Grinnell’s Axiom, Volterra–Lotka probiotische Bakterien ein langfristig sta- fügung stehen.
Gesetz [302], können in einem homoge- biles Mikrobiom bilden [312, 313], wäh- Zur Aufbereitung gebrauchter Hilfs-
nen Lebensraum um dieselbe begrenzen- rend der Erfolg der Desinfektion nur kurz- mittel müssen ausreichend groß bemesse-
de Ressource konkurrierende Arten nicht zeitig anhält [314], wirkstoffabhängig eine ne, belüftbare Räume mit apparativer Aus-
koexistieren. Werden durch Desinfekti- Resistenzentwicklung mit Kreuzresistenz stattung zur Aufbereitung einschließlich
on Mikroorganismen von einer Oberflä- gegen Antibiotika sowie eine Gefährdung separater Trocknungsmöglichkeit (falls
che entfernt, wird die Diversität gestört, so von Mensch und Umwelt möglich ist. Vo- das nicht schon im Aufbereitungsprozess
dass ein Krankheitserreger aufgrund der raussetzung für eine sichere Anwendung erfolgt) vorhanden sein. Der Aufberei-
geringeren Konkurrenz gedeihen und den ist die Gewährleistung der mikrobiologi- tungsprozess muss so organisiert werden,
Raum besiedeln kann [303]. schen Produktqualität, weil Fremdkonta- dass unreine und reine Bereiche vonei-
Experimentell konnte gezeigt werden, minationen nachgewiesen wurden [315]. nander getrennt sind, z. B. optimal mittels
dass durch probiotische Reinigungsver- Die Effektivität probiotischer Reinigungs- Durchladewaschmaschinen. Die aufberei-
fahren die Oberflächenbelastung mit Pa- verfahren muss allerdings noch gründli- teten Hilfsmittel sind geschützt vor Konta-
thogenen im Vergleich zu konventioneller cher untersucht werden, ehe allgemeine mination (Trennung unreiner/reiner Be-
Wischdesinfektion um bis zu 90 % mehr Empfehlungen für ihren Einsatz im Kran- reich) aufzubewahren. In einer Analyse in
reduziert wurde [304, 305], ohne dass es kenhaus abgeleitet werden können [316]. 44 Plankrankenhäusern war die Trennung
zur Selektion von MRE kam [306, 307]. in 42 % nicht gewährleistet. Minderbelüf-
In einer multizentrischen Studie wurde 7 Bauliche Anforderungen und tung wurde in 12 % konstatiert [317].
durch das probiotische Verfahren im Ver- apparative Voraussetzungen
gleich zur chemischen Desinfektion die 7.2 Anforderungen an Flächen
kumulative Inzidenz für NI von 4,8 auf 7.1 Räume und Ausstattung in medizinischen Einrichtungen
2,3 % (p < 0,0001) reduziert. Darüber hi- in Bezug auf Reinigung und
naus verringerten sich die antimikrobi- Um eine gleichbleibend hohe Qualität Desinfektion
ellen Resistenzgene um bis zu 99 % und der Flächendesinfektion und desinfizie-
der mit dem Auftreten von NI assoziier- renden Flächenreinigung zu gewährleis- Bereits in der Planungsphase sind Funk-
te Verbrauch von Antibiotika zeigte einen ten, sind entsprechende Räumlichkeiten tionalität, Sicherheit und Hygiene in glei-
Rückgang um 60,3 % mit einem Rückgang vorzuhalten. Die im Folgenden getroffe- chem Maß zu berücksichtigen, d. h. die
der damit verbundenen Kosten um 75,4 % nen Feststellungen beziehen sich auf ein Durchführung von Reinigung und Des-
[306, 308]. Allerdings stellt das Vorher- stationäres Setting und sind im ambulan- infektion soll effizient und anwender-
Nachher-Design ein mögliches Bias dar. ten Bereich risiko- und einrichtungsbe- freundlich möglich sein. Auf schlecht zu-
Das Ergebnis wurde in einer nachfolgen- zogen zu berücksichtigen. Zur Lagerung, gängliche Nischen soll baulich verzichtet
den Studie nahezu identisch bestätigt mit z. B. der Hilfsmittel und Reinigungswa- werden.
Herabsetzung der kumulativen Inzidenz gen, müssen Räume vorhanden sein (sog. Fußböden und weitere hygienisch re-
für NI von 4,6 auf 2,6 %, für schwere NI Putzmittelräume). Wenn Putzmittelräu- levante Oberflächen sollen leicht zu reini-

1098 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 10 · 2022


gen und zu desinfizieren sein, d. h. mög- tomatische Dosierung in dezentralen Des- wollläppchen), aufzubereiten. Die Aufbe-
lichst eben, abwischbar und fugendicht infektionsmittel-Dosiergeräten erreicht reitung muss gewährleisten, dass Schmutz
sein. Aus diesem Grund sind Teppichbö- [319]. Zentrale Desinfektionsmittel-Do- und organische Belastungen entfernt wer-
den nicht für Therapie- und Pflegeberei- siergeräte mit Leitungsnetz im ganzen den und keine Krankheitserreger mehr
che geeignet. Haus werden wegen ihrer Nachteile (Kos- nachweisbar sind. Bei zur Desinfektion in
Anstelle von Hohlkehlen, die nicht sel- ten, bei Biofilmbildung keine Möglichkeit Bereichen mit erhöhtem Infektionsrisiko
ten defekt und dann aufwendig zu reparie- der Sanierung) nicht mehr eingesetzt. eingesetzten Wischtextilien ist bei dem
ren sind, lassen sich ausreichend verfugte Aber auch bei dezentralen Desinfekti- Transport zum Aufbereitungsprozess eine
Stellsockel leichter reparieren und durch onsmittel-Dosiergeräten und insbeson- Erregerverschleppung zu vermeiden (z. B.
Wischtextilien gut erreichen. dere bei Kombigeräten, mit denen neben flüssigkeitsdichte Verpackung). Nach dem
Die Benetzbarkeit der Oberfläche hat Desinfektionsmitteln auch Reiniger do- Waschen erfolgt die maschinelle Trock-
einen Einfluss auf die Kontaminierbar- siert werden, kann es zur Biofilmbildung nung. Sofern keine vorgetränkten Wisch-
keit und auf das Ergebnis der Reinigung in den flüssigkeitsführenden Leitungen textilien verwendet werden, sind die voll-
und Desinfektion einer Oberfläche. Eine kommen. ständig getrockneten Wischtextilien bis
geringe Benetzbarkeit (z. B. Lotuseffekt) Durch mindestens jährliche technische zur nächsten Verwendung trocken zu la-
kann einen negativen Einfluss auf das Er- Überprüfung sollen Fehlsteuerungen ver- gern, um eine Vermehrung von potenziel-
gebnis der Desinfektion haben. In ande- hindert werden, die durch Unterkonzent- ler Restflora zu verhindern. Aufbereitete
ren hygienerelevanten Bereichen wie der ration von Desinfektionsmitteln das Risi- Wischtextilien sind vor Rekontamination
Lebensmittelindustrie hat sich für mecha- ko der unzureichenden Desinfektion und/ zu schützen.
nisch bearbeitete Oberflächen eine Rau- oder Selektion Desinfektionsmittel-tole- Die Anforderungen an den Aufberei-
heit (Ra) von 0,8 Mikrometer (µm) be- ranter Mikroorganismen bergen [319]. tungsprozess des Desinfektionswaschver-
währt [318]. Offenporige und granulare Bei (in der Regel seltenen) nosokomialen fahrens können z. B. der DIN 13063 [148]
Werkstoffe sind zu vermeiden. Ausbrüchen kann eine hygienisch-mik- entnommen werden. Sofern die Maschi-
Es sollten Materialien bzw. Beschich- robiologische Kontrolle auf das Vorliegen ne nur mit einer manuellen Waschmittel-
tungen gewählt werden, die gegen die zu von Biofilmen hinweisen. dosierung ausgestattet ist, müssen skalier-
erwartenden physikalischen (z. B. UV-​ te Dosierhilfen verwendet werden. Eine
Strahlung, Temperaturexposition) und 7.3.2 Aufbereitung von jährliche Wartung der Waschmaschinen
chemischen Einwirkungen (z. B. Reini- Wischtextilien wird empfohlen. Regelmäßige Wasch-
gungs- und Desinfektionsmittel) und wei- Zur Aufbereitung soll eine Trennung von gangkontrollen sind mit Bioindikato-
tere Einflüsse langfristig beständig sind. anderer aufzubereitender Wäsche auf- ren durchzuführen [320]; eine Aussage
In der klinischen Realität sind viele stark grund von Verschmutzungsgrad, Mate- zu Überprüfungsintervallen liegt bisher
beanspruchte Oberflächen in der Patien- rialbeschaffenheit (z. B. Risiko des Che- nicht vor [321], allerdings erscheint eine
tenversorgung nach einigen Jahren defekt mikalieneintrags) und Hygienerisiko jährliche Überprüfung sinnvoll. Im Aus-
und weisen nicht sicher desinfizierbare erfolgen. Zur Reinigung eingesetzte Tex- bruchsgeschehen ist eine hygienisch-mi-
Areale auf, in denen sich Schmutz ansam- tilien können in einer Haushaltswasch- krobiologische Überprüfung der in Fra-
melt. Besonders in Risikobereichen soll- maschine aufbereitet und in einem Haus- ge kommenden Quellen, z. B. eingesetzte
te alles unternommen werden, dass eine haltswäschetrockner getrocknet werden; Wischtextilien und Aufbereitungsprozess,
Desinfektion der Oberflächen sicherge- eine Trocknung an der Luft ist wegen des indiziert.
stellt werden kann. Risikos der Verkeimung und Rekontami- Für den ambulanten Bereich besteht
Schränke sollen raumhoch sein und nation abzulehnen. Werden Wischtexti- die Möglichkeit, die Aufbereitung extern
fußbodenläufig abschließen, um unzu- lien zur Desinfektion eingesetzt, sind bei an zertifizierte Wäschereien (z. B. RAL-
gängliche Flächen zu reduzieren. Heizkör- deren Aufbereitung höhere Anforderun- GZ 992/2 für „Krankenhauswäsche“
per sollen so beschaffen sein, dass keine gen zu beachten als bei Einsatz zu Reini- [322]) zu vergeben. Sofern die Wischtex-
unzugänglichen Räume entstehen. gungszwecken. Sofern die Aufbereitung tilien in Wäschereien aufbereitet werden,
nicht möglich ist, sind Einwegwischtexti- die nach dem Qualitätssicherungssystem
7.3 Apparative Voraussetzungen lien zu verwenden. RABC (Risikoanalyse und Kontrollsystem
Zur Desinfektion eingesetzte Mehr- Biokontamination) arbeiten, muss gemäß
7.3.1 Desinfektionsmittel- wegwischtextilien sind in einem thermi- DIN 14065 die Revalidierung des Wasch-
Dosiergeräte schen bzw. chemothermischen Desinfek- verfahrens jährlich bzw. nach Prozessän-
Die exakte Dosierung des Desinfektions- tionswaschverfahren mit nachgewiesener derungen durchführt werden [323].
mittels ist Voraussetzung für die wirksa- Wirksamkeit, z. B. gemäß den Vorgaben
me Desinfektion und zur Vermeidung der Desinfektionsmittel-Liste des VAH
einer Selektion von Mikroorganismen oder der Liste der vom RKI geprüften
mit erhöhter Desinfektionsmitteltoleranz und anerkannten Desinfektionsmittel
bzw. -resistenz. Abhängig von der Einrich- und -verfahren oder mit nachgewiesener
tungsgröße wird das am besten durch au- Wirksamkeit im Praxistest (z. B. Baum-

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 10 · 2022 1099


Bekanntmachungen – Amtliche Mitteilungen

7.4 Materialverträglichkeit steht darin, sich für einen Produkttyp für organische Belastung [329]) wider, erlau-
gegenüber Reinigungs- und empfindliche und einen für unempfindli- ben keine Aussage zur Verlässlichkeit der
Desinfektionsverfahren che Oberflächen zu entscheiden, und sich Wirksamkeit und müssen daher in praxi
vom Hersteller des Geräts bzw. des Des- überprüft werden [330]. Auf Kupferober-
Bei der Desinfektion von Oberflächen infektionsmittels die Freigabe zur Anwen- flächen war in vitro und in situ eine an-
ist zu unterscheiden zwischen Oberflä- dung schriftlich bestätigen zu lassen [324]. timikrobielle Wirksamkeit nachweisbar
chen von Mobiliar und Inventar einer- Inkompatibilitäten sind z. B. zu beach- [331, 332]. In 4 aus 638 ausgewählten
seits und MP andererseits. Alle Oberflä- ten bei Anwendung von: Studien ergab sich, dass unter dem Ein-
chen von Mobiliar und Inventar, die der 55QAV auf einigen Kautschukbelägen, fluss von Kupferoberflächen die Rate von
Reinigung, der desinfizierenden Flächen- 55Alkoholen auf Acrylglas, Weich-PVC NI tendenziell reduziert wurde; allerdings
reinigung oder der Flächendesinfekti- und Polystyrol, war die Qualität der Studien durch teilwei-
on bedürfen, müssen beständig gegen 55Glucoprotamin auf Silicon, bei Dau- se hohe methodische Schwächen und In-
bestimmungsgemäß verwendete Reini- eranwendung auch auf Polycarbonat, teressenkonflikte gekennzeichnet, so dass
gungs- und Desinfektionsmittel sowie die Polysulfon und Acrylglas, derzeit keine Empfehlung für den Einsatz
Reinigungsmechanik sein. Daher ist die 55sauren Produkten auf Zementwerk- abgeleitet werden kann [333].
Chemikalienbeständigkeit ein wichtiges stoffen (z. B. Terrazzo-Böden) und Durch den breiten Einsatz von Mate-
Auswahlkriterium. Fliesenfugen, rialien mit in subbakterizider Konzen-
Sofern Mobiliar oder Inventar ange- 55Chlorverbindungen auf korrodier- tration zugesetzten Wirkstoffen wie Tric-
schafft werden soll, das im Bereich der Pa- baren Metallen und sogar Standard- losan, BAC, Chlorhexidin, Silber und
tientenversorgung eingesetzt wird, muss Edelstählen, Kupfer besteht das Risiko der Toleranz-
das Material der Reinigung und Desin- 55PES auf korrodierbaren Metallen und und Resistenzentwicklung mit Korrela-
fektion zugänglich sein und standhalten. 55alkalischen Produkten auf Alumini- tion zu Antibiotikaresistenzen [149, 163,
Hierzu muss der Hersteller valide Anga- um und Linoleumböden. 167, 325, 334–340] und des Verlusts von
ben bereitstellen, z. B. Effektivitätsnach- Biodiversität. Daher wird beispielsweise
weis für Reinigungs- und ggf. Desinfek- Gegenüber H2O2 verhalten sich Tantal, die unkontrollierte Anwendung Kupfer-
tionsverfahren, Materialverträglichkeit Aluminium (99,6 %), Zinn (99 %), polier- und Silber-basierter Produkte nicht nur
und ggf. Einfluss der Desinfektion auf die te und gereinigte Edelstähle, Perbunan, in Bezug auf die Ausrüstung von Oberflä-
Lebensdauer des Produkts. Es empfiehlt viele Kunststoffe (PE, PVC, Polytetraflu- chen, sondern auch in der Tierernährung
sich, vor der Beschaffung von Inventar orethylen), Borsilicatglas, weißes Stein- und in Kosmetika als kritisch betrachtet
und Fußbodenbelägen die Angaben zur zeug und Porzellan inert. [341–343].
Reinigung bzw. Desinfizierbarkeit beim Grundsätzlich ist zu berücksichtigen,
Hersteller mit Hilfe einer Checkliste anzu- 7.5 Antiadhäsive und antimikrobiell dass antimikrobiell wirksame Oberflä-
fordern, um zu verhindern, dass aufgrund wirksame Oberflächen chen nur eine Ergänzung zur desinfizie-
unterschiedlicher Oberflächen verschie- renden Flächenreinigung oder Flächen-
dene Wirkstoffgruppen zur Desinfektion Antiadhäsive Ausrüstungen (z. B. Super- desinfektion darstellen können und im
eingesetzt werden müssen, wodurch in hydrophobie, Zwitterionen, Hydrogele, Vertrauen auf Sicherheit ggf. dazu verlei-
praxi Verwechslungen vorprogrammiert Nanostrukturierung) können durch ste- ten können, die Basishygienemaßnahmen
sind (Beispiel für eine Checkliste in [324]). rische oder elektrostatische Effekte die zu vernachlässigen.
Sofern zur Reinigung und Desinfekti- Anhaftung von Mikroorganismen mini-
on von Bedien- bzw. Geräteoberflächen mieren. Daher wird die Einführung anti- 8 Qualitätssicherung
von MP Herstellerangaben vorgegeben mikrobiell imprägnierter bzw. wirksamer
sind, sind diese nach Plausibilitätsprüfung Oberflächen zunehmend auch in Gesund- Flächenreinigung, desinfizierende Flä-
einzuhalten. Darüber hinaus sind die Her- heitseinrichtungen diskutiert [326], um in chenreinigung und Flächendesinfektion
stellerangaben zur Aufbereitung gemäß der Zeitspanne zwischen den desinfizie- müssen als Prozess betrachtet werden, für
Medizinprodukte-Betreiberverordnung renden Flächenreinigungen die Erreger- den Standardarbeits- bzw. Verfahrensan-
(MPBetreibV) [325] zu berücksichtigen. last auf Flächen zu reduzieren. Ob diese weisungen zu erarbeiten sind. Die sachge-
Bei unvollständigen und/oder nicht Oberflächen geeignet sind, die Basishygi- rechte Umsetzung kann durch Auditsyste-
plausiblen Angaben zur Reinigung und ene in Bezug auf die desinfizierende Flä- me sichergestellt werden [6].
Desinfektion von Bedien- bzw. Gerä- chenreinigung zu ergänzen, müssen wei- Die Durchführung und die Frequenz
teoberflächen ist eine Vervollständigung, tere unabhängige Untersuchungen zeigen. der Flächenreinigung und desinfizieren-
Präzisierung und/oder Korrektur beim Antimikrobiell ausgerüstete Oberflächen den Flächenreinigung ist für jede medi-
Hersteller anzufordern. In der Praxis ist werden gemäß ISO 22196 [327] geprüft. zinische Einrichtung raum- und ober-
es problematisch, wenn bei unterschied- Die Verfahrensparameter der Norm spie- flächenbezogen im Reinigungs- und
lichen Geräten unterschiedliche Mittel geln allerdings nicht die praktischen Ein- Desinfektionsplan bzw. bei externen Leis-
zur Anwendung kommen müssten. Eine satzbedingungen (unterschiedliche Tem- tungserbringern (Gebäudereiniger) in
Möglichkeit zur Lösung des Problems be- peratur, Feuchtigkeit, EWZ, Erreger [328], der Leistungsbeschreibung (Leistungs-

1100 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 10 · 2022


beschreibung in DIN 13063, Anhang A 8.1 Anforderungen an das kenhaushygieniker, Hygienefachkraft und
[148]) und mit Hinweisen zur Durchfüh- Personal, personelle und materielle ggf. Hygiene-Ingenieur; nachfolgend Hy-
rung festzulegen (siehe auch Abschnitt Ressourcen gieneteam genannt) mit dem Leistungs-
4.2). Ist ein externer Leistungserbringer erbringer erforderlich. Entscheidend sind
beauftragt, trägt dieser die Verantwor- Zur Sicherung der Infektionsprävention die gemeinsame Erarbeitung und risiko-
tung für die qualifizierte Durchführung; ist für Einrichtungen gemäß § 23 Abs. 3 basierte Festlegung der Reinigungs- und
andernfalls muss der Einrichtungsleiter IfSG die erforderliche Qualifikation und Desinfektionsmaßnahmen, um eine Ar-
die Qualifikation des zuständigen Perso- Schulung des Personals zu regeln, was beitsatmosphäre gegenseitigen Verständ-
nals sicherstellen. In der DIN 13063 sind auch Maßnahmen der Basishygiene ein- nisses und kollegialer Zusammenarbeit
detaillierte Anforderungen an den Leis- schließt. Dem Einrichtungsleiter obliegt zu schaffen.
tungserbringer, wie beispielsweise Ver- die Verantwortung für die qualitätsge- In einer Vorher-Nachher-Studie auf
antwortlichkeiten, Befugnisse und Quali- rechte Durchführung der Maßnahmen einer pädiatrischen Station für Immun-
fikationen, aufgeführt [148]. zur Flächenhygiene; dabei können exter- supprimierte konnte durch den Einsatz
Für die Effektivität der Flächenreini- ne Leistungserbringer oder einrichtungs- qualifizierteren Personals zur Flächen-
gung, desinfizierenden Flächenreinigung internes Personal eingesetzt werden. reinigung die Umgebungskontamination
und Flächendesinfektion sind nicht nur Sowohl für die Flächenreinigung als mit Noroviren von 20 auf 6 % und von
die Produktauswahl, sondern ebenso die auch für die desinfizierende Flächenrei- Rotaviren von 15 auf 10 % gesenkt wer-
Compliance zur qualitätsgerechten, stan- nigung müssen die Voraussetzungen für den [352]. Das Beispiel verdeutlicht, wie
dardisierten Durchführung maßgeblich deren korrekte und wirksame Durchfüh- wichtig die Durchführung der Flächen-
[6, 7, 147, 344, 345]. Es wurde nachgewie- rung jederzeit gegeben sein. Zu den Vo- reinigung durch professionelles Perso-
sen, dass weniger als die Hälfte der pati- raussetzungen gehören beispielsweise, nal ist.
entennahen Flächen regelmäßig gereinigt dass der Leistungserbringer sicherstellt, Durch Training ist eine mehr als zwei-
wurde [125, 346–348]. Nach Schlussdes- dass die erforderliche personelle und ma- fache Verbesserung der Ergebnisquali-
infektion war der Zielerreger noch in bis terielle Ausstattung sowie Fachkenntnisse tät erreichbar [353]. Erwartungsgemäß
zu 60 % nachweisbar [349]. zur Ausübung von Reinigungs- und Des- führt auch die Kombination von Monito-
Die Gewährleistung der qualitätsge- infektionsarbeiten einschließlich der Fä- ring und Training zur signifikanten Ver-
rechten Durchführung sowohl der Rei- higkeit zur Umsetzung vorhanden sind. besserung der Ergebnisqualität [354]. In
nigung als auch der desinfizierenden Dafür verlangt beispielsweise die DIN einem Universitätskrankenhaus in Virgi-
Flächenreinigung sorgt für anhaltende 13063 Einarbeitungs- und Schulungspro- nia werden die Ergebnisse des internen
Diskussionen bei Krankenhausmitarbei- gramme und nennt im Anhang D Inhal- Monitorings mittels Fluoreszenzmarkern
tern, Patienten und Besuchern [350]. Im te der Fachkunde, die als Hilfestellung für vom Hersteller extern validiert und die Er-
Ergebnis einer online-Erhebung mit Be- Schulungen abhängig von der Einrich- gebnisse dem Infektionskontroll-Komitee
teiligung von 10 % der deutschen Kran- tungsgröße geeignet sind [148]. Optimal monatlich übermittelt, um die Qualität
kenhäuser wurden folgende Angaben zur ist die Zuordnung von speziell geschul- fortlaufend zu gewährleisten [8]. Durch
Qualitätssicherung gemacht [351]: Von ten Mitarbeitern zu Risikobereichen. Für eine kombinierte Intervention, bestehend
der Abteilung für Krankenhaushygiene Erkrankung und Urlaub ist ein Ausfall- aus einem hoch motivierten trainier-
wurde die Qualität der Reinigung in 51 % konzept des Leistungserbringers mit dem ten Team, täglicher desinfizierender Flä-
visuell bei Begehungen, in 35 % durch Auftraggeber zu vereinbaren. chenreinigung und abschließendem Mo-
Kontaktkultur und in 12 % durch fluores- Vor der Einführung neuer Techno- nitoring in Isoliereinheiten für Patienten
zierende Markierung in 28 % monatlich, logien oder Desinfektionsmittel ist eine mit CDI, wurde die Zahl positiver Umge-
in 24 % vierteljährlich, in 28 % halbjähr- zusätzliche Schulung erforderlich. Weil bungsnachweise um 89 % (p < 0,006) ge-
lich und in 20 % aus besonderem Anlass dem Vorarbeiter in der kontinuierlichen senkt [98].
(z. B. Personalwechsel, Wechsel des Reini- Verbesserung der Aufgabenerfüllung des Ergänzend zum Training haben ei-
gungssystems oder Ausbruch) überprüft. Reinigungspersonals eine verantwortli- nige Zentren den Einfluss der Erweite-
Sonntags fand in über 50 % der rückmel- che Aufgabe zukommt, sollte der Perso- rung der Personalausstattung untersucht.
denden Kliniken keine Reinigung in Pati- nalschlüssel Vorarbeiter/Reinigungskräfte Durch Einstellung einer zusätzlichen Ar-
entenzimmern statt, in 13 bzw. 16 % auch festgelegt und bei externer Vergabe an ei- beitskraft von Montag bis Freitag für die
nicht am Samstag und Mittwoch. nen Leistungserbringer vertraglich fixiert Durchführung der desinfizierenden Flä-
Häufig wurden Maßnahmen zur Ver- werden. Gleiches betrifft auch die Festle- chenreinigung nur der kritischen Flächen
besserung der Effektivität der Flächenrei- gung der Anzahl der Reinigungskräfte. in jeweils einer von 2 chirurgischen Ein-
nigung und desinfizierenden Flächenrei- Zur Bewertung der Qualität der heiten für die Dauer von jeweils 6 Mona-
nigung in Bündeln untersucht. Bündel, durchgeführten Maßnahmen und der ten (prospektives cross-over Design) wur-
die Schulung und Training, dem Bereich sich daraus ergebenden Umsetzung zur den die mikrobielle Kontamination der
zugeordnetes Personal und die Überwa- Qualitätsverbesserung ist die enge Zusam- Oberflächen signifikant reduziert und die
chung mittels Checklisten einschlossen, menarbeit des gesamten Fachpersonals für Infektionsrate durch MRSA signifikant
führten zur Verbesserung [4]. Hygiene und Infektionsprävention (Kran- gesenkt [110].

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 10 · 2022 1101


Bekanntmachungen – Amtliche Mitteilungen

Tab. 7 Vergleich verschiedener Methoden zur Ergebnisbewertung der desinfizierenden Flächenreinigung der Patientenumgebung. (Modifi-
ziert nach [359])
Methode Identifikation von Genauigkeit Nützlichkeit für Einsatz in Monito- Laborkapazität Ergebnis
Pathogenen Schulungen ring-Programmen erforderlich
Sichtbeurteilung Nein Variabel Ja Möglich Nein Ergebnis der
als Audit mittels Sauberkeit
Checkliste
Abstriche (z. B. mit Ja Hoch Nein Möglich Ja Quantitative und
Tupfer, Schwamm) qualitative Aussage
Kontaktkultur Ja Hoch Ja Ja Ja
Fluoreszenzgel Nein Hoch Ja Ja Nein Qualitative Aussa-
ge zur Reinigung
(nicht zur Desin-
fektion)
ATP-​System Nein Variabel Ja Möglicha Nein Semiquantitative
Aussage
a
Misst Sauberkeit im Untersuchungsmoment, aber nicht den Reinigungsprozess

8.2 Hygieneplan Darin werden Kliniken aufgefordert, Pro- tiver Bakterien sind Abstrichtupfer Kon-
gramme zur Verbesserung der Reinigung taktplatten überlegen, für Gram-positive
Als Bestandteil des Hygieneplans sind im und Desinfektion von häufig berührten Kokken ist es umgekehrt [358]. Die detail-
Reinigungs- und Desinfektionsplan In- patientennahen Kontaktflächen zu imple- lierte Beschreibung der Methoden wurde
dikationen, Zielobjekte und Durchfüh- mentieren. Dabei werden zwei Level vor- in Abschnitt 4 des informativen Anhangs
rungsintervalle der Flächenreinigung und geschlagen. Level I umfasst ein auf die in- dieser Empfehlung aufgenommen, wäh-
desinfizierenden Flächenreinigung ab- dividuelle Klinik angepasstes und von der rend die Aussagekraft hier in . Tab. 7 zu-
hängig vom Risikobereich (siehe . Tab.2, Hygiene und dem Leistungserbringer ge- sammengefasst ist, ohne eine Präferenz
3 und 4) und dem Kontaminationsrisiko meinsam festgelegtes Programm mit de- für eine Messmethode zu geben.
festzulegen und in der Leistungsbeschrei- finierten Checklisten und strukturierten Nach Ferreira et al. [359] eignen sich
bung abzubilden. Im stationären Bereich Schulungen der Reinigungskräfte sowie die Fluoreszenz-Methode und die opti-
empfiehlt sich bei der Erarbeitung des ein regelmäßiges, standardisiertes Moni- sche Kontrolle gut zur Überwachung der
Hygieneplans die Abstimmung zwischen toring der Reinigungsleistung durch das Compliance mit den Reinigungsvorga-
dem Hygieneteam und dem Leistungser- Hygieneteam und den Leistungserbringer. ben, während Methoden, die die mikro-
bringer. Im ambulanten Bereich ist der Dabei sollen auch Surveys zur Patienten- biologische Belastung überprüfen, einen
Leiter der Einrichtung für die Erstellung zufriedenheit bewertet werden. Aus den besseren Hinweis auf ein tatsächliches In-
und Einhaltung des Hygieneplans verant- Ergebnissen sollen im Team Verbesse- fektionsrisiko und die Wirksamkeit der
wortlich; eine externe Hygieneberatung rungsvorschläge erarbeitet und umgesetzt Desinfektion geben. Unabhängig vom
kann je nach Einrichtungsprofil sinnvoll werden. Level II umfasst darüber hinaus Einsatz einer Messmethode ist die Be-
sein. Zur Umsetzung muss der Leistungs- den Einsatz sog. objektiver Methoden obachtung von Prozessabläufen mittels
erbringer Verfahrensanweisungen mit zur Überprüfung der Reinigungsleistung Checkliste zur Beurteilung der qualitäts-
damit verbundenen Zuständigkeiten ein- (z. B. Fluoreszenz- oder Adenosintriphos- gerechten Durchführung der desinfizie-
schließlich des Umgangs mit speziellen phat (ATP)-Methode), die mindestens 3 renden Flächenreinigung notwendig. Die
Verfahren/Technologien festlegen. × jährlich durchgeführt und im Rahmen Wiederholungsabstände müssen von den
eines Feedbacks zurückgespiegelt werden Ergebnissen des Audits abhängig gemacht
8.3 Durchführung des Monitorings sollen, mit dem Ziel, eine mindestens 10– werden.
20 %ige Verbesserung der Reinigung zu Selbstverständlich ist in ambulanten
Derzeit gibt es keinen internationalen erreichen. Einrichtungen abhängig vom Risikoprofil
Standard für ein einheitliches Monito- Sofern das Monitoring gezielt zur nicht so ein umfangreiches Monitoring er-
ring der Flächenreinigung und Flächen- Qualitätsverbesserung eingesetzt wird, forderlich, trotzdem sollten auch hier eine
desinfektion. Eine Orientierung bieten ist die Auswahl der Methode nachgeord- Qualitätssicherung der Flächenreinigung
die Empfehlungen der Centers for Di- net. Bzgl. der Wiederfindung bzw. der und Flächendesinfektion gewährleistet
sease Control and Prevention (CDC) zur Sensitivität waren Nylon-Flockfaser-Ab- sein und eine kontinuierliche Verbesse-
Infektionskontrolle in medizinischen Ein- strichtupfer den Celluloseschwämmchen rung angestrebt werden.
richtungen [143] und die daraus abgeleite- zum Nachweis Gram-negativer Bakterien
ten Empfehlungen zur Evaluation der Flä- überlegen [356] bzw. bei CRE gleichwer-
chenreinigung in Krankenhäusern [355]. tig [357]. Für den Nachweis Gram-nega-

1102 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 10 · 2022


9 Empfehlungen er auch für die Einhaltung des Reini- gramme sollte ebenfalls in Abstim-
gungs- und Desinfektionsplans sowie mung erfolgen (ohne Kat.).
Zur Prävention von NI sind die Flächen- für die Gewährleistung der Qualifika- 55die Festlegung von Reinigungs- und
reinigung, die indikationsgerechte des- tion des zuständigen Personals verant- Flächendesinfektionsmaßnahmen in
infizierende Flächenreinigung und die wortlich (Kat. IV). Stations- und Milchküchen von Ge-
Flächendesinfektion wesentliche Maß- 55dass im Reinigungs- und Desinfek- sundheitseinrichtungen durch den
nahmen der Basishygiene. Entscheidend tionsplan für alle Flächen festgelegt Krankenhaushygieniker (ohne Kat.).
für ihr Präventionspotential ist die Einhal- wird, wann, womit und wie diese zu 55die Festlegung von Reinigungs- und
tung weiterer Maßnahmen der Basishygi- reinigen bzw. desinfizieren sind, in- Flächendesinfektionsmaßnahmen in
ene mit dem Schwerpunkt der Hände- klusive Angaben zur Wiederbenut- Bereichen, in denen Arzneimittel her-
hygiene. Im Rahmen der Überarbeitung zung (Kat. IV). gestellt bzw. MP aufbereitet werden,
dieser Empfehlung wurde die Evidenz für Bei der Festlegung sind ggf. auch an- gemäß den Vorgaben des Arzneimit-
einige Empfehlungen überprüft und neu dere, die Flächendesinfektion bzw. die tel- und Medizinprodukterechts (Kat.
bewertet, so dass einige Kategorien ange- desinfizierende Flächenreinigung be- IV).
passt wurden. Auch wenn keine Kategorie treffende Empfehlungen der KRINKO 55die Flächendesinfektion bzw. desin-
vergeben wurde, besteht die Notwendig- zu speziellen Bereichen zu berück- fizierende Flächenreinigung auf Flä-
keit der Einhaltung der guten hygieni- sichtigen, insbesondere die Empfeh- chen, auf denen aseptische Tätigkei-
schen Praxis. lungen zur Prävention postoperativer ten ausgeführt werden, vor Beginn
Wundinfektionen, zur Infektionsprä- der Tätigkeit (Kat. IB/IV).
Organisation und Umfang vention im Rahmen der Pflege und 55die Flächendesinfektion nach sicht-
der Flächenreinigung und Behandlung von Patienten mit über- barer Flächenverunreinigung mit po-
-desinfektion tragbaren Krankheiten, die Anforde- tenziell infektiösen Materialien (z. B.
rungen an die Infektionsprävention Blut, Sekrete, Exkrete, Fäkalien usw.)
Die Kommission empfiehlt bei der medizinischen Versorgung nach vorheriger mechanischer Entfer-
55dass die Leiter medizinischer Einrich- von immunsupprimierten Patienten, nung der Verunreinigung (Kat. IV).
tungen die Rahmenbedingungen für Hygienemaßnahmen bei Clostridio- 55dass Flächen, die nacheinander mit
die Gewährleistung der qualitätsge- ides difficile-Infektion (CDI), bei In- der Haut verschiedener Patienten in
rechten Reinigungs- und Desinfekti- fektionen oder Besiedlung mit multi- Kontakt kommen (z. B. Kontaktflä-
onsmaßnahmen festlegen (Kat. IV). resistenten Gram-negativen Stäbchen chen von Patientenliegen, Kopfstüt-
55als Handlungsgrundlage für exter- und zur Prävention der Infektion zen, Babywaagen), nach jeder Benut-
ne Leistungserbringer die Festlegung durch Enterokokken mit speziellen zung desinfizierend gereinigt oder
des Leistungsumfangs der Reinigung Antibiotikaresistenzen sowie Empfeh- desinfiziert werden (Kat. II).
(Unterhaltsreinigung und zusätzli- lungen zur Prävention und Kontrolle 55in Bereichen mit möglichem Infekti-
che Reinigungsleistungen) und der von Methicillin-resistenten Staphylo- onsrisiko (siehe . Tab. 2), aber feh-
Flächendesinfektion (Desinfektions- coccus aureus-Stämmen (MRSA) in lendem Anhalt für eine Kolonisation
verfahren im Rahmen der Basishy- medizinischen und pflegerischen Ein- bzw. Infektion mit kritischen Erre-
giene und gezielte Flächendesinfek- richtungen. gern, die tägliche desinfizierende Flä-
tion) in stationären und ambulanten 55dass die Schnittstellen zum externen chenreinigung häufig berührter bzw.
Gesundheitseinrichtungen abhängig Leistungserbringer sowie die Aufga- patientennaher Flächen sowie nach
vom Risikobereich (siehe . Tab. 2) ben, die nicht von diesem erbracht der Entlassung von Patienten (Kat. II).
und Kontaminationsrisiko raum- und werden, bereichs- bzw. einrichtungs- 55in Bereichen mit erhöhtem Infek-
oberflächenbezogen in einer Leis- bezogen (ambulante Einrichtungen) tionsrisiko, z. B. bei immunsuppri-
tungsbeschreibung zusammenzustel- im Reinigungs- und Desinfektions- mierten Patienten, Intensivpatienten,
len (ohne Kat.). Im stationären Bereich plan festgelegt werden (ohne Kat.). sowie in Bereichen mit besonderem
empfiehlt sich bei der Erarbeitung die 55dass der externe Leistungserbringer Infektionsrisiko, z. B. Isolierbereiche,
Abstimmung zwischen dem Hygiene- zur Umsetzung in Abstimmung mit (siehe . Tab. 2) die tägliche desinfi-
team und dem Leistungserbringer. Ist dem Hygieneteam Verfahrensanwei- zierende Flächenreinigung häufig be-
ein externer Leistungserbringer beauf- sungen einschließlich des Umgangs rührter bzw. patientennaher Flächen
tragt, trägt dieser die Verantwortung mit speziellen Verfahren/Technologi- (Kat. IB) sowie der Fußböden (Kat.
für die qualifizierte Durchführung. Im en festlegt (ohne Kat.). IB).
ambulanten Bereich ist der Leiter der 55dass der externe Leistungserbringer 55bei Hinweisen auf gehäufte nosoko-
Einrichtung für die Erstellung des Rei- Programme für die Einarbeitung und miale Transmissionen oder Aus-
nigungs- und Desinfektionsplans auf Schulung des Reinigungspersonals in bruchsgeschehen im Rahmen des
der Grundlage des Hygieneplans ver- Abstimmung mit dem Hygieneteam Interventionsbündels die Maßnah-
antwortlich. Wenn hier kein externer erstellt. Die Durchführung dieser Pro- men zur Desinfektion der Flächen
Leistungserbringer involviert ist, ist mit häufigem Hand-/Hautkontakt

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 10 · 2022 1103


Bekanntmachungen – Amtliche Mitteilungen

hinsichtlich der Durchführung, der der Isolierung alle erreichbaren und te Wischtextilien aus aufbereitbaren
Wirkstoffauswahl und der Anwen- potenziell kontaminierten Oberflä- Tuchspendersystemen oder aus der
dungsbedingungen der Desinfekti- chen und Gegenstände einschließlich Waschmaschine (konfektioniert) ein-
onsmittel zu überprüfen und ggf. an- Fußboden mit einem gegen C. difficile gesetzt werden.
zupassen (Kat. IB). nachgewiesen wirksamen Desinfek- 55Anwendungsmethoden einzusetzen,
55die desinfizierende Flächenreinigung tionsmittel in sporizider Konzentra- die ein Wiedereintauchen benutz-
nach Entlassung isolierter Patienten tion-Zeit-Relation zu desinfizieren ter Wischtextilien in die Reinigungs-
als Schlussdesinfektion (Kat. IB). (Kat. II). bzw. Desinfektionsmittellösung nicht
55in Bereichen ohne Infektionsrisiko, 55bei Infektionen mit unbehüllten Vi- vorsehen (ohne Kat.); ein Wiederein-
d. h. vergleichbar dem Risiko in der ren mit partieller Lipophilie (Noro-, tauchen ist grundsätzlich abzulehnen
Bevölkerung, auf allen Flächen die Rota-, Adenoviren) den Einsatz von (Kat. II).
routinemäßige Reinigung (ohne Kat.). Desinfektionsmitteln mit der Dekla- 55sichtbare Verunreinigungen mit orga-
rierung begrenzt viruzid PLUS, bei nischem Material zunächst mecha-
Auswahl der hydrophilen unbehüllten Viren (z. B. nisch zu entfernen (ohne Einsatz von
Flächendesinfektionsmittel Picornaviren), den Einsatz von Desin- Desinfektionsmittel); anschließend ist
fektionsmitteln mit der Deklarierung die Fläche zu desinfizieren (zweistufi-
Die Kommission empfiehlt viruzid (Kat. II). ges Verfahren) (Kat. IV).
55im stationären Bereich die Auswahl 55bei Vorliegen von Schimmelpilz- 55die sachgerechte Aufbereitung und
des Desinfektionsmittels inkl. Anwen- kontamination nach Sanierung von trockene Lagerung der eingesetzten
dungskonzentration und EWZ durch Feuchtigkeitsschäden und anschlie- Hilfsmittel (z. B. Tuchspendersyste-
den Krankenhaushygieniker. Im am- ßender Feinreinigung in Abstimmung me, farbcodierte Behälter, Wannen,
bulanten Bereich ist hierfür der Ein- mit dem Hygienefachpersonal den Wischbezughalter, Presse, Einlagesieb,
richtungsleiter verantwortlich. Es ist Einsatz von Flächendesinfektionsmit- Reinigungswagen, Handkontaktflä-
zu beachten, dass das erforderliche teln mit fungizider Wirkung (Kat. II). chen) (ohne Kat.).
Wirkungsspektrum gewährleistet ist 55QAV-​basierte Flächendesinfektions- 55bei der Aufbereitung sowohl zur Rei-
(Kat. IB). mittel wegen des Risikos der Resis- nigung als auch zur Desinfektion ein-
55bei der Auswahl der Flächendesinfek- tenzentwicklung nicht in der geringen gesetzter Wischtextilien die Trennung
tionsmittel Wirkspektrum, Wirksam- Konzentration des 4-Stunden-Werts von anderer aufzubereitender Wäsche
keit, Materialverträglichkeit sowie einzusetzen (ohne Kat.). aufgrund des Verschmutzungsgrads,
Risiken für Mensch und Umwelt ab- 55dass grundsätzlich Flächendesinfek- der Materialbeschaffenheit (z. B. Ab-
zuwägen (Kat. IB). tionsmittel mit den Anwendungsbe- lösung von Textilfasern) und des Ri-
55Räume, in denen CDI-​Patienten un- dingungen zum Einsatz kommen, mit sikos des Chemikalieneintrags (ohne
tergebracht sind, täglich mit einem denen ihre Wirksamkeit im praxisna- Kat.).
Flächendesinfektionsmittel mit nach- hen Test ermittelt wurde (Kat. II). 55dass zur Reinigung eingesetzte Texti-
gewiesener Wirksamkeit gegen C. dif- lien in einer Haushaltswaschmaschine
ficile zu desinfizieren (Kat. II); hierbei Durchführung aufbereitet und in einem Haushalts-
sollten mindestens die Konzentration wäschetrockner getrocknet werden
und EWZ entsprechend der bakteri- Die Kommission empfiehlt können (ohne Kat.); dagegen sind zur
ziden/levuroziden Wirksamkeit ge- 55die zu desinfizierende Fläche mit ei- Desinfektion eingesetzte Mehrweg-
wählt werden (ohne Kat.). ner ausreichenden Menge an Des- wischtextilien in einem Desinfekti-
55bei CDI-​Ausbrüchen auch Flure (in- infektionslösung zu benetzen (ohne onswaschverfahren aufzubereiten, um
klusive Handläufe im Flur) und Ne- Kat.); das aufgetragene Desinfekti- Schmutz und organische Belastun-
benräume der Station mit Desin- onsmittel nicht vor Ablauf der EWZ gen aus den Spül-, Reinigungs- und
fektionsmitteln mit gegen C. difficile durch Nachwischen mit Wasser oder Feuchtwischbezügen sicher zu entfer-
nachgewiesener Wirksamkeit in spo- Trockenwischen zu entfernen (ohne nen und um zu gewährleisten, dass
rizider Konzentration-Zeit-Relation Kat.). keine Krankheitserreger mehr nach-
zu desinfizieren (Kat. II). Der Umfang 55den sachgerechten, vor Kontamina- weisbar sind (Kat. II).
ist im Einzelnen mit dem Kranken- tion geschützten Umgang mit Ge- 55die maschinelle Trocknung der auf-
haushygieniker im Ergebnis einer be- brauchslösungen (ohne Kat.) unter bereiteten Wischtextilien (ohne Kat.).
reichs- und patientenbezogenen Risi- Einhaltung der Verwendungsdauer Sofern keine vorgetränkten Wisch-
koanalyse festzulegen. (Kat. IV). textilien verwendet werden, sind die
55für die Schlussdesinfektion eines Pa- 55frische, saubere Wischtextilien zu ver- vollständig getrockneten Wischtextili-
tientenzimmers einschließlich Sani- wenden (ohne Kat.); alternativ kön- en bis zur nächsten Verwendung tro-
tärbereichs, in dem CDI-​Patienten nen mit Desinfektionsmittellösung cken zu lagern, um eine Vermehrung
untergebracht waren, nach Entlas- getränkte Wischtextilien aus Ein- von potenzieller Restflora zu verhin-
sung, Verlegung oder bei Aufhebung wegverpackungen oder vorgetränk- dern. Aufbereite Wischtextilien sind

1104 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 10 · 2022


vor Rekontamination zu schützen zznach Kontamination aus Umwelt- 55maschinelle Verfahren zur Oberflä-
(ohne Kat.). quellen, chenreinigung aufgrund fehlender
55den Einsatz von Einwegwischtextili- zzbei der Schlussdesinfektion, Wirksamkeitsnachweise nur in Berei-
en, sofern die Aufbereitung von zur zzin Patientenbadewannen bis zum chen ohne Infektionsrisiko einzuset-
Desinfektion eingesetzter Wischtexti- nächsten Einlaufen des Badewas- zen (ohne Kat.).
lien im Desinfektionswaschverfahren sers, 55berührungslose physikalische appa-
nicht möglich ist (Kat. II). zzin der Stationsküche, wenn nach rative Verfahren aufgrund fehlen-
55bei besonderen Verfahren wie der der Desinfektion mit Trinkwasser der Prüfnormen zur desinfizierenden
maschinellen Vortränkung von nachgespült werden muss, Wirkung und der damit unsicheren
Wischtextilien (Konfektionierung) zzbei Anwendung von Flächendes- Wirksamkeit nicht in Bereichen mit
aufgrund der Vielfalt möglicher Ein- infektionsmitteln insbesondere ge- erhöhtem bzw. besonderem Infekti-
flussfaktoren den Einsatz im Rahmen gen Viren oder bakteriellen Sporen onsrisiko einzusetzen (ohne Kat.).
einer Risikoanalyse abzuwägen und (bzw. ggf. bei weiteren Wirkspekt-
die Wirksamkeit zu überprüfen (ohne ren), deren Anwendungsbedingun- Bauliche Voraussetzungen,
Kat.). gen ausschließlich auf der Basis von Materialverträglichkeit und
55aufbereitbare Tuchspendersysteme Suspensionstests festgelegt wurden. Oberflächengestaltung
grundsätzlich nicht in Bereichen mit
erhöhtem Infektionsrisiko einzuset- Müssen Flächen regelmäßig schnell wieder Die Kommission empfiehlt
zen (Kat. II). Hiervon ausgenommen benutzt werden, ist es sinnvoll, Desinfek- 55dass hygienisch relevante Oberflächen
sind Tuchspendersysteme, bei denen tionsmittel mit kurzer, der Praxissituation einschließlich Fußböden sicher zu rei-
Alkohol-basierte Desinfektionsmittel angemessenen EWZ einzusetzen. Alle an- nigen und zu desinfizieren sind und
zum Einsatz kommen. deren Flächen können nach Antrocknung durch die Reinigung bzw. desinfizie-
55bei Einsatz von Tuchspendersystemen betreten/genutzt werden (ohne Kat.). rende Flächenreinigung keine Mate-
in Form aufbereitbarer Systeme die rialschäden verursacht werden (ohne
vom Hersteller deklarierte Verwen- Auswahl der Verfahren Kat.). Vor Neuanschaffung, z. B. von
dungsdauer (Vorhandensein gutach- Fußbodenbelägen und Mobiliar wird
terlicher Bestätigung) und Aufberei- Die Kommission empfiehlt empfohlen, sich vom Hersteller Anga-
tung des Systems (bakterizid, fungizid 55nur Bereiche, die mit einer Wischdes- ben zur Materialverträglichkeit in Be-
und sporizid) vor Neubeschickung infektion nicht erreichbar sind, mit- zug auf die Desinfizierbarkeit bestäti-
einzuhalten (Kat. IV); nach jeder tels Sprühverfahren zu desinfizieren gen zu lassen.
Tuch­entnahme ist das Spendersystem (Kat. IV). 55keinen Einsatz antiadhäsiver sowie
sorgfältig zu verschließen. 55den Einsatz apparativer Verfahren zur antimikrobiell imprägnierter Ober-
55aufbereitbare Tuchspendersysteme im Verneblung von H2O2 zusätzlich zur flächen zur Ergänzung der Basishygi-
Fall nosokomialer Ausbrüche insbe- regulären Flächendesinfektion ledig- ene in Bezug auf die desinfizierende
sondere mit Gram-negativen Bakte- lich bei Ausbrüchen von NI, bei de- Flächenreinigung, solange der infek-
rien hygienisch-mikrobiologisch zu nen routinemäßig eingesetzte Verfah- tionspräventive Nutzen nicht epide-
überprüfen (Kat. II); ggf. kann zusätz- ren der Wischdesinfektion nicht zum miologisch nachgewiesen ist und Ri-
lich eine jährliche stichprobenarti- Ende des Ausbruchs führten (Kat. II); siken für Mensch und Umwelt sowie
ge hygienisch-mikrobiologische Un- ihre Anwendung setzt den Nachweis für mikrobielle Resistenzentwicklung
tersuchung erwogen werden, um die der erforderlichen Konzentration von nicht abgeklärt sind (Kat. III).
Aufbereitung zu überprüfen. H2O2 in der Raumluft für die Zeitdau- 55dass für den stationären Bereich zur
55den Einsatz Alkohol-basierter Flä- er der zuvor gutachterlich ermittel- Aufbereitung und Aufbewahrung der
chendesinfektionsmittel wegen der ten EWZ und Konzentration für die Hilfsmittel belüftbare Räume vorhan-
Brandgefahr auf kleine umschriebe- Gewährleistung der Desinfektions- den sind, entweder räumlich separiert
ne Flächen zu begrenzen; die ausge- wirkung voraus. Der Raum kann vom in rein und unrein, oder bei ausrei-
brachte Gesamtmenge pro Raum darf Personal erst nach Unterschreiten des chender Raumgröße zumindest eine
nicht mehr als 50 ml je m2 Raum- AGW (0,5 ml/m3 bzw. 0,7 mg/m3) be- Trennung in reinen und unreinen
grundfläche betragen (Kat. IV). treten werden (Kat. IV). Die Zimmer- Bereich erlauben; im ambulanten Be-
55die für die Anwendungskonzentrati- belegung ist erst möglich, wenn die reich müssen einrichtungsbezogene
on vom Hersteller deklarierte EWZ Konzentration von H2O2 unter den Lösungen umgesetzt werden (ohne
abzuwarten: DNEL-​Wert (1,93 mg/m3) gefallen ist Kat.).
zzauf Arbeitsflächen vor aseptischen (Kat. IV). Es ist zu beachten, dass in 55abhängig von der Einrichtungsgrö-
Tätigkeiten, Blutresten keine Wirksamkeit erreicht ße und Herstellungsart der Desin-
zznach sichtbarer Verunreinigung mit wird und in Flüssigkeitsansamm- fektionsmittelgebrauchslösung die
potenziell erregerhaltigem Material lungen die Wirksamkeit unsicher ist Installation automatischer dezentra-
(z. B. Blut, Sekreten, Exkreten), (Kat. II). ler Desinfektionsmittel-Dosiergeräte

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 10 · 2022 1105


Bekanntmachungen – Amtliche Mitteilungen

(ohne Kat.); im Hinblick auf die Do-


Abkürzungen
siergenauigkeit sollen die Dosiergerä-
AEMP Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte (früher: Zentrale Sterilgutversorgungsab- te die von der Bundesanstalt für Ma-
teilung) terialforschung und -prüfung (BAM),
AGW Arbeitsplatzgrenzwert dem RKI und der KRINKO heraus-
ATP Adenosintriphosphat gegebene Richtlinie erfüllen; zugleich
AOX Adsorbierbare organisch gebundene Halogene darf das Funktionsprinzip des Geräts
keiner Biofilmbildung Vorschub leis-
BAC Benzalkoniumchlorid
ten (ohne Kat.).
BPR Biozidprodukterecht
55bei nosokomialen Ausbrüchen die
CA-​MRSA Community acquired MRSA hygienisch-mikrobiologische Über-
CDI Clostridioides difficile-Infektion prüfung von dezentralen Desinfekti-
cm 2
Quadratzentimeter onsmittel-Dosiergeräten (ohne Kat.);
unabhängig davon richtet sich der
COPD Chronisch obstruktive Lungenerkrankung
Rhythmus der technischen Überprü-
CRE Carbapenem-resistente Enterobacteriaceae
fung nach der Herstellerangabe (Kat.
DDAC Didecyldimethylammoniumchlorid IV).
DNEL Derived no-effect level 55dass für den Fall, dass kein Dosier-
DVG Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft gerät eingesetzt wird, andere sichere
DVV Deutsche Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten e. V.
Dosiermethoden angewendet werden,
die einfach, zuverlässig und wenig
EWZ Einwirkzeit
störanfällig sind; die richtige Anwen-
H2O2 Wasserstoffperoxid dung muss gewährleistet sein und
HINS High-intensity narrow-spectrum überprüft werden (ohne Kat.).
IfSG Infektionsschutzgesetz
ITS Intensivtherapiestation Qualitätssicherung der
Flächenreinigung und
IVSS Internationale Vereinigung für Soziale Sicherheit
-desinfektion
KbE Koloniebildende Einheiten
KRINKO Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention Die Kommission empfiehlt
m 2
Quadratmeter 55die Bereitstellung der erforderlichen
m3 Kubikmeter personellen und materiellen Aus-
stattung zur Gewährleistung der
mg Milligramm
qualitätsgerechten Reinigung und
log10 Dekadischer Logarithmus desinfizierenden Flächenreinigung
min Minute einschließlich der Aufbereitungs-
ml Milliliter technik (ohne Kat.); durch Einarbei-
MP Medizinprodukt tungsprogramme sowie regelmäßi-
ge dokumentierte Schulungs- und
MRE Multiresistente Erreger
Trainingsmaßnahmen ist die Qualität
MRSA Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus und kontinuierliche Verbesserung der
NI Nosokomiale Infektionen Durchführung zu gewährleisten (Kat.
PES Peressigsäure II); abhängig von der Einrichtungs-
ppm Parts per million größe ist das Vorgehen anzupassen
(ohne Kat.).
QAV Quartäre Ammoniumverbindungen
55durch einrichtungsbezogenes Hygi-
RKI Robert Koch-Institut
enemonitoring die Qualität der Flä-
RLTA Raumlufttechnische Anlage chenreinigung und -desinfektion zu
TRBA Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe gewährleisten (Kat. II); der Umfang
TRGS Technische Regeln für Gefahrstoffe des Monitorings und die Zuständig-
VAH Verbund für Angewandte Hygiene e. V.
keit für die Durchführung, Bewer-
tung und Wiederholungsabstände
VRE Vancomycin-resistente Enterokokken
sowie die Kommunikationswege im
stationären Bereich sind durch den
Krankenhaushygieniker und im am-
bulanten Bereich durch den Einrich-

1106 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 10 · 2022


tungsleiter ggf. in Abstimmung mit quisition: the case for hospital cleaning. Lancet 25. Carter Y, Barry D (2011) Tackling C difficile
Infect Dis 8(2):101–113 with environmental cleaning. Nurs Times
der externen Hygieneberatung festzu- 10. MacCannell T, Umscheid CA, Agarwal RK et al 107(36):22–25
legen (ohne Kat.). (2011) Guideline for the prevention and control 26. Shaughnessy MK, Micielli RL, DePestel DD et al
55anlassbezogen die Überprüfung der of norovirus gastroenteritis outbreaks in health- (2011) Evaluation of hospital room assignment
care settings. Infect Control Hosp Epidemiol and acquisition of Clostridium difficile infection.
desinfizierenden Flächenreinigung im 32(10):939–969 Infect Control Hosp Epidemiol 32(3):201–206
Rahmen der Schlussdesinfektion nach 11. Otter JA, Yezli S, Salkeld JAG, French GL (2013) 27. Weber DJ, Rutala WA (2013) Understanding
Auftreten besonderer Erreger durch Evidence that contaminated surfaces contribute and Preventing Transmission of Healthcare-
to the transmission of hospital pathogens and Associated Pathogens Due to the Contaminated
ein Hygienemonitoring (ohne Kat.). an overview of strategies to address contami- Hospital Environment. Infect Control Hosp
55bei Aufbereitung von zur Desinfek- nated surfaces in hospital settings. Am J Infect Epidemiol 34(5):449–452
tion eingesetzten Mehrwegtextilien Control 41(5):S6–S11 28. Weber DJ, Rutala WA (2013) Assessing the risk
12. Barclay L, Park GW, Vega E et al (2014) Infection of disease transmission to patients when there
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control for norovirus. Clin Microbiol Infect is a failure to follow recommended disinfection
des desinfizierenden Waschverfahrens 20(8):731–740 and sterilization guidelines. Am J Infect Control
in der jeweiligen Einrichtung (ohne 13. Calfee DP, Salgado CD, Milstone AM et al (2014) 41(5 Suppl):S67–S71
Kat.). Im Ausbruchsgeschehen ist eine Strategies to prevent methicillin-resistant Sta- 29. Otter JA, Yezli S, French GL (2014) The Role
phylococcus aureus transmission and infection Played by Contaminated Surfaces in the Trans-
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Quellen indiziert (ohne Kat.). 14. Siani H, Maillard JY (2015) Best practice in Healthcare Acquired Infections. Springer, Cham,
healthcare environment decontamination. Eur J S 27–58
Interessenkonflikt. Diese Empfehlung wurde Clin Microbiol Infect Dis 34(1):1–11 30. Rosa R, Arheart KL, Depascale D et al (2014)
ehrenamtlich und ohne Einflussnahme kommerziel- 15. McDonald LC, Gerding DN, Johnson S et al Environmental Exposure to Carbapenem-Resis-
ler Interessengruppen im Auftrag der Kommission (2018) Clinical Practice Guidelines for Clostri- tant Acinetobacter baumannii as a Risk Factor
für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention dium difficile Infection in Adults and Children: for Patient Acquisition of A. baumannii. Infect
erarbeitet von Prof. Dr. Axel Kramer (Leiter der Ar- 2017 Update by the Infectious Diseases Society Control Hosp Epidemiol 35(4):430–433
beitsgruppe), Dr. Bärbel Christiansen, Prof. Dr. Martin of America (IDSA) and Society for Healthcare 31. Weber DJ, Anderson D, Rutala WA (2013) The
Exner, Prof. Dr. Ursel Heudorf, Prof. Dr. Lutz Jatzwauk Epidemiology of America (SHEA). Clin Infect Dis role of the surface environment in healthcare-
sowie Prof. Dr. Constanze Wendt. Vom Robert Koch- 66(7):987–994 associated infections. Curr Opin Infect Dis
Institut waren Dr. Franziska Lexow, Dr. Ingeborg 16. Han JH, Sullivan N, Leas BF, Pegues DA, Kaczma- 26(4):338–344
Schwebke (ehemals RKI) und Marc Thanheiser betei- rek JL, Umscheid CA (2015) Cleaning Hospital 32. Weber DJ, Anderson DJ, Sexton DJ, Rutala WA
ligt. Die Empfehlung wurde durch die Arbeitsgruppe Room Surfaces to Prevent Health Care-Associa- (2013) Role of the environment in the trans-
vorbereitet und nach ausführlicher Diskussion in der ted Infections: A Technical Brief. Ann Intern Med mission of Clostridium difficile in health care
Kommission abgestimmt. 163(8):598–607 facilities. Am J Infect Control 41(5 Suppl):S105–
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nitionen. Bundesgesundheitsbl 53(7):754–756 Authority (WRHA). [Link] 2. Aufl. Grosvenor House Publishing, Guildford,
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of surface disinfection in infection prevention.
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GMS Hyg Infect Control 8(1):Doc10
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23. Huang SS, Datta R, Platt R (2006) Risk of acqui- lonized patients. Infect Control Hosp Epidemiol
infection: focus on the role of the environment
ring antibiotic-resistant bacteria from prior room 32(2):185–187
and new technologies for decontamination. Clin
occupants. Arch Intern Med 166(18):1945–1951 39. Chen LF, Knelson LP, Gergen MF et al (2019) A
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mental cleaning and disinfection of patient
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areas. Int J Infect Dis 67:52–57
with vancomycin-resistant Enterococcus or the TransFER study. Infect Control Hosp Epidemiol
9. Dancer SJ (2008) Importance of the environment 40(1):47–52
colonized patients’ environment. Infect Control
in meticillin-resistant Staphylococcus aureus ac-
Hosp Epidemiol 29(2):149–154

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 10 · 2022 1107


Bekanntmachungen – Amtliche Mitteilungen

40. Kommission für Krankenhaushygiene und Themen/Anwendungssichere-Chemikalien- mykobakteriziden Wirkung chemischer Desin-
Infektionsprävention (KRINKO) (2016) Händehy- und-Produkte/Chemikalienrecht/Biozide/pdf/ fektionsmittel im humanmedizinischen Bereich
giene in Einrichtungen des Gesundheitswesens. [Link]. einschließlich der Instrumentendesinfektions-
Bundesgesundheitsbl 59(9):1189–1220 Zugegriffen: 7. Juli 2022 mittel – Prüfverfahren und Anforderungen (Pha-
41. Verordnung (EG) Nr. 852/2004 des Europäischen 55. DIN EN 14885:2019-10 Chemische Desinfek- se 2, Stufe 1); Deutsche Fassung EN 14348:2005.
Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 tionsmittel und Antiseptika – Anwendung Beuth, Berlin
über Lebensmittelhygiene, (ABl. L 139 vom Europäischer Normen für chemische Desinfekti- 67. DIN EN 14476:2019-10 Chemische Desinfek-
30.4.2004, S. 1). onsmittel und Antiseptika; Deutsche Fassung EN tionsmittel und Antiseptika – Quantitativer
42. DIN 10516:2020-10 Lebensmittelhygiene – 14885:2018 Beuth, Berlin Suspensionsversuch zur Bestimmung der
Reinigung und Desinfektion. Beuth, Berlin 56. Verbund für Angewandte Hygiene e. V. (VAH), viruziden Wirkung im humanmedizinischen
43. Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene Desinfektionsmittel-Kommission (2018) Zum Bereich – Prüfverfahren und Anforderungen
(DGKH) (2018) Hygieneanforderungen beim Stellenwert der Desinfektionsmittel-Liste des (Phase 2, Stufe 1); Deutsche Fassung EN
Umgang mit Lebensmitteln in Krankenhäusern, VAH vor dem Hintergrund der Biozidprodukte- 14476:2013+A2:2019. Beuth, Berlin
Pflege- und Rehabilitationseinrichtungen und Verordnung. Hyg Med 43(1/2):31–33 68. DIN EN 17126:2019-02 Chemische Desinfek-
neuen Wohnformen. Hyg Med 43(1):7–12 57. Verordnung (EU) 2017/745 des Europäi- tionsmittel und Antiseptika – Quantitativer
44. Heckmann M, Kramer A, Küster H (2022) Mut- schen Parlaments und des Rates vom 5. April Suspensionsversuch zur Bestimmung der spori-
termilch, Frauenmilchspende und Formulanah- 2017 über Medizinprodukte, zur Änderung ziden Wirkung im humanmedizinischen Bereich
rung. In: Kramer A, Assadian O, Exner M, Hübner der Richtlinie 2001/83/EG, der Verordnung – Prüfverfahren und Anforderungen (Phase
NO, Scheithauer S, Simon A (Hrsg) Krankenhaus- (EG) Nr. 178/2002 und der Verordnung 2, Stufe 1); Deutsche Fassung EN 17126:2018.
und Praxishygiene, 4. Aufl. Elsevier, München, S (EG) Nr. 1223/2009 und zur Aufhebung der Beuth, Berlin
467–472 Richtlinien 90/385/EWG und 93/42/EWG des 69. DIN EN 17387:2021-10 Chemische Desinfek-
45. Kommission für Krankenhaushygiene und In- Rates. Amtsblatt der Europäischen Union 60 tionsmittel und Antiseptika – Quantitativer
fektionsprävention (KRINKO) (2018) Prävention (L117):1–175 Oberflächen-Versuch zur Bestimmung der
postoperativer Wundinfektionen. Bundesge- 58. Jäkel C (2009) Disinfectants for Human Use— bakteriziden und/oder levuroziden und/oder
sundheitsbl 61(4):448–473 Classification as Medicinal Products even fungiziden Wirkung chemischer Desinfekti-
46. Kommission für Krankenhaushygiene und Infek- following 15th amendment to the AMG. Hyg onsmittel auf nicht porösen Oberflächen im
tionsprävention (KRINKO) (2015) Infektionsprä- Med 34(6):240–247 humanmedizinischen Bereich – Prüfverfahren
vention im Rahmen der Pflege und Behandlung 59. Jäkel C (2013) Rechtliche Einstufung von Des- und Anforderungen ohne mechanische Behand-
von Patienten mit übertragbaren Krankheiten. infektionsmitteln im Gesundheitswesen – ein lung (Phase 2, Stufe 2); Deutsche Fassung EN
Bundesgesundheitsbl 58(10):1151–1170 Update. PharmR 35(6):261–269 17387:2021. Beuth, Berlin
47. Kommission für Krankenhaushygiene und Infek- 60. Verbund für Angewandte Hygiene e. V. (VAH), 70. DIN EN 16615:2015-06 Chemische Desinfek-
tionsprävention (KRINKO) (2021) Anforderungen Desinfektionsmittel-Kommission (2022) tionsmittel und Antiseptika – Quantitatives
an die Infektionsprävention bei der medizini- Desinfektionsmittel-Liste des VAH. [Link] Prüfverfahren zur Bestimmung der bakteriziden
schen Versorgung von immunsupprimierten [Link]/. Zugegriffen: 5. Mai 2022 und levuroziden Wirkung auf nicht-porösen
Patienten. Bundesgesundheitsbl 64(2):232–264 61. Verbund für Angewandte Hygiene e. V. (VAH), Oberflächen mit mechanischer Einwirkung
48. Kommission für Krankenhaushygiene und Infek- Desinfektionsmittel-Kommission (2019) Anfor- mit Hilfe von Tüchern im humanmedizinischen
tionsprävention (KRINKO) (2019) Hygienemaß- derungen und Methoden zur VAH-Zertifizierung Bereich (4-Felder-Test) – Prüfverfahren und
nahmen bei Clostridioides difficile-Infektion chemischer Desinfektionsverfahren. [Link] Anforderungen (Phase 2, Stufe 2); Deutsche
(CDI). Bundesgesundheitsbl 62(7):906–923 [Link]/files/download/ebooks/eBook_VAH_ Fassung EN 16615:2015. Beuth, Berlin
49. Kommission für Krankenhaushygiene und Infek- Methoden_Anforderungen.pdf. Zugegriffen: 7. 71. DIN EN 16777:2019-03 Chemische Desinfek-
tionsprävention (KRINKO) (2014) Empfehlungen Juli 2022 tionsmittel und Antiseptika – Quantitativer
zur Prävention und Kontrolle von Methicillin- 62. Verbund für Angewandte Hygiene e. V. (VAH), Versuch auf nicht porösen Oberflächen ohne
resistenten Staphylococcus aureus-Stämmen Desinfektionsmittel-Kommission (2021) Anfor- mechanische Einwirkung zur Bestimmung der
(MRSA) in medizinischen und pflegerischen derungen und Methoden zur VAH-Zertifizierung viruziden Wirkung im humanmedizinischen Be-
Einrichtungen. Bundesgesundheitsbl 57(6):695– chemischer Desinfektionsverfahren-Kapitel 1 bis reich – Prüfverfahren und Anforderungen (Phase
732 4: Stand 1. November 2021 (Anforderungen und 2, Stufe 2); Deutsche Fassung EN 16777:2018.
50. Kommission für Krankenhaushygiene und Methoden zur VAH-Zertifizierung chemischer Beuth, Berlin
Infektionsprävention (KRINKO) (2012) Hygien- Desinfektionsverfahren.). [Link] 72. DIN EN 13624:2022-08 Chemische Desinfek-
emaßnahmen bei Infektionen oder Besiedlung files/download/ebooks/211109-VAH-Methoden- tionsmittel und Antiseptika – Quantitativer
mit multiresistenten gramnegativen Stäbchen. [Link]. Zugegriffen: 7. Juli Suspensionsversuch zur Bestimmung der
Bundesgesundheitsbl 55(10):1311–1354 2022 fungiziden oder levuroziden Wirkung im
51. Kommission für Krankenhaushygiene und 63. Rabenau HF, Schwebke I, Blümel J et al (2015) humanmedizinischen Bereich – Prüfverfahren
Infektionsprävention (KRINKO) (2018) Hygiene- Leitlinie der Deutschen Vereinigung zur und Anforderungen (Phase 2, Stufe 1); Deutsche
maßnahmen zur Prävention der Infektion durch Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV) e. V. Fassung EN 13624:2021. Beuth, Berlin
Enterokokken mit speziellen Antibiotikaresisten- und des Robert Koch-Instituts (RKI) zur Prüfung 73. DIN EN ISO/IEC 17025:2018-03 Allgemeine
zen. Bundesgesundheitsbl 61(10):1310–1361 von chemischen Desinfektionsmitteln auf Anforderungen an die Kompetenz von Prüf- und
52. Kommission für Krankenhaushygiene und Infek- Wirksamkeit gegen Viren in der Humanmedizin. Kalibrierlaboratorien (ISO/IEC 17025:2017);
tionsprävention (KRINKO) (2020) Anforderungen Bundesgesundheitsbl 58(6):493–504 Deutsche und Englische Fassung EN ISO/IEC
der Hygiene an abwasserführende Systeme in 64. Rabenau HF, Schwebke I, Steinmann J, Eggers M, 17025:2017. Beuth, Berlin
medizinischen Einrichtungen. Bundesgesund- Rapp I, Neumann-Haefelin D (2012) Quantitative 74. Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft
heitsbl 63(4):484–501 Prüfung der viruziden Wirksamkeit chemischer (DVG) (2022) 8. Liste der nach den Richtlinien
53. Verordnung (EU) Nr. 528/2012 des europäischen Desinfektionsmittel auf nicht-porösen Oberflä- der DVG (4. Auflage) geprüften und als wirksam
Parlaments und des Rates vom 22. Mai 2012 chen. Hyg Med 37(3):78–85 befundenen Desinfektionsmittel (Handelsprä-
über die Bereitstellung auf dem Markt und die 65. DIN EN 13727:2015-12 Chemische Desinfek- parate, ohne Ausbringungsverfahren) für den
Verwendung von Biozidprodukten. Amtsblatt tionsmittel und Antiseptika – Quantitativer Lebensmittelbereich. Stand: 07.07.2022. https://
der Europäischen Union 55 (L167):1–123 Suspensionsversuch zur Bestimmung der [Link]/fileadmin/templates/
bakteriziden Wirkung im humanmedizinischen fachgruppen/desinfektion/scripts/pdfDesinfek-
54. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeits-
Bereich – Prüfverfahren und Anforderungen [Link]/?pdf=1&list=lm. Zugegriffen: 7. Juli
medizin (2022) Biozidprodukte im Entschei-
(Phase 2, Stufe 1); Deutsche Fassung EN 2022
dungsverfahren. Liste der Biozidprodukte,
die in Deutschland aufgrund eines laufenden 13727:2012+A2:2015. Beuth, Berlin 75. Infektionsschutzgesetz vom 20. Juli 2000 (BGBl.
Entscheidungsverfahrens auf dem Markt 66. DIN EN 14348:2005-04 Chemische Desinfek- I S. 1045), das zuletzt durch Artikel 3a des Geset-
bereitgestellt und verwendet werden dürfen tionsmittel und Antiseptika – Quantitativer zes vom 28. Juni 2022 (BGBl. I S. 938) geändert
(Stand 06.07.2022). [Link] Suspensionsversuch zur Bestimmung der worden ist.

1108 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 10 · 2022


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ten Desinfektionsmittel und -verfahren. Stand: mental Materials Contaminated by COVID-19 107. Denton M, Wilcox MH, Parnell P et al (2004)
31. Oktober 2017 (17. Ausgabe). Bundesgesund- Patients in the Republic of Korea. Osong Public Role of environmental cleaning in controlling
heitsbl 60(11):1274–1297 Health Res Perspect 11(3):128–132 an outbreak of Acinetobacter baumannii on
77. Engelhart S, Saborowski F, Krakau M, Scherholz- 93. Knelson LP, Williams DA, Gergen MF et al (2014) a neurosurgical intensive care unit. J Hosp Infect
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