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MÄRCHEN

Aschenputtel, ein armes Stiefkind, wird von ihrer bösen Stiefmutter und ihren Schwestern schlecht behandelt, findet jedoch Trost bei einem Haselbaum, der ihr wunderschöne Kleider und Schuhe schenkt, um zu einem königlichen Fest zu gehen. Der Prinz verliebt sich in sie, aber sie entkommt ihm dreimal, bis er einen Trick anwendet, um ihren Fuß zu messen und den goldenen Schuh zu finden, der nur ihr passt. Schließlich wird Aschenputtel als die wahre Braut erkannt, und die Stiefschwestern erhalten ihre gerechte Strafe.

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MÄRCHEN

Aschenputtel, ein armes Stiefkind, wird von ihrer bösen Stiefmutter und ihren Schwestern schlecht behandelt, findet jedoch Trost bei einem Haselbaum, der ihr wunderschöne Kleider und Schuhe schenkt, um zu einem königlichen Fest zu gehen. Der Prinz verliebt sich in sie, aber sie entkommt ihm dreimal, bis er einen Trick anwendet, um ihren Fuß zu messen und den goldenen Schuh zu finden, der nur ihr passt. Schließlich wird Aschenputtel als die wahre Braut erkannt, und die Stiefschwestern erhalten ihre gerechte Strafe.

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Aschenputtel

Einem reichen Manne, dem staubig und schmutzig aussah,


wurde seine Frau krank, und als sie nannten sie es Aschenputtel.
fühlte, dass ihr Ende herankam, rief Es trug sich zu, dass der Vater einmal
sie ihr einziges Töchterlein zu sich in die Messe ziehen wollte, da fragte
ans Bett und sprach »liebes Kind, er die beiden Stieftöchter, was er
bleibe fromm und gut, so wird dir der ihnen mitbringen sollte. »Schöne
liebe Gott immer beistehen, und ich Kleider,« sagte die eine, »Perlen und
will vom Himmel auf dich Edelsteine,« die zweite. »Aber du,
herabblicken, und will um dich sein.« Aschenputtel,« sprach er, »was willst
Darauf tat sie die Augen zu und du haben?« »Vater, das erste Reis,
verschied. Das Mädchen ging jeden das Euch auf Eurem Heimweg an den
Tag hinaus zu dem Grabe der Mutter Hut stößt, das brecht für mich ab.« Er
und weinte, und blieb fromm und gut. kaufte nun für die beiden
Als der Winter kam, deckte der Stiefschwestern schöne Kleider,
Schnee ein weißes Tüchlein auf das Perlen und Edelsteine, und auf dem
Grab, und als die Sonne im Frühjahr Rückweg, als er durch einen grünen
es wieder herabgezogen hatte, nahm Busch ritt, streifte ihn ein Haselreis
sich der Mann eine andere Frau. und stieß ihm den Hut ab. Da brach
Die Frau hatte zwei Töchter mit ins er das Reis ab und nahm es mit. Als
Haus gebracht, die schön und weiß er nach Haus kam, gab er den
von Angesicht waren, aber garstig Stieftöchtern, was sie sich gewünscht
und schwarz von Herzen. Da ging hatten, und dem Aschenputtel gab er
eine schlimme Zeit für das arme das Reis von dem Haselbusch.
Stiefkind an. »Soll die dumme Gans Aschenputtel dankte ihm, ging zu
bei uns in der Stube sitzen!« seiner Mutter Grab und pflanzte das
sprachen sie, »wer Brot essen will, Reis darauf, und weinte so sehr, dass
muss es verdienen: hinaus mit der die Tränen darauf niederfielen und es
Küchenmagd.« Sie nahmen ihm seine begossen. Es wuchs aber, und ward
schönen Kleider weg, zogen ihm ein schöner Baum. Aschenputtel ging
einen grauen alten Kittel an, und alle Tage dreimal darunter, weinte
gaben ihm hölzerne Schuhe. »Seht und betete, und allemal kam ein
einmal die stolze Prinzessin, wie sie weißes Vöglein auf den Baum, und
geputzt ist!« riefen sie, lachten und wenn es einen Wunsch aussprach, so
führten es in die Küche. Da musste es warf ihm das Vöglein herab, was es
von Morgen bis Abend schwere Arbeit sich gewünscht hatte.
tun, früh vor Tag aufstehen, Wasser Es begab sich aber, dass der König
tragen, Feuer anmachen, kochen und ein Fest anstellte, das drei Tage
waschen. Obendrein taten ihm die dauern sollte, und wozu alle schönen
Schwestern alles ersinnliche Jungfrauen im Lande eingeladen
Herzeleid an, verspotteten es und wurden, damit sich sein Sohn eine
schütteten ihm die Erbsen und Linsen Braut aussuchen möchte. Die zwei
in die Asche, so dass es sitzen und sie Stiefschwestern, als sie hörten, dass
wieder auslesen musste. Abends, sie auch dabei erscheinen sollten,
wenn es sich müde gearbeitet hatte, waren guter Dinge, riefen
kam es in kein Bett, sondern musste Aschenputtel und sprachen »kämm
sich neben den Herd in die Asche uns die Haare, bürste uns die Schuhe
legen. Und weil es darum immer und mache uns die Schnallen fest, wir

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gehen zur Hochzeit auf den Königs dem Garten und rief »ihr zahmen
Schloss.« Aschenputtel gehorchte, Täubchen, ihr Turteltäubchen, all ihr
weinte aber, weil es auch gern zum Vöglein unter dem Himmel, kommt
Tanz mitgegangen wäre, und bat die und helft mir lesen,
Stiefmutter, sie möchte es ihm die guten ins Töpfchen,
erlauben. »Du Aschenputtel,« sprach die schlechten ins Kröpfchen.«
sie, »bist voll Staub und Schmutz, Da kamen zum Küchenfenster zwei
und willst zur Hochzeit? du hast keine weiße Täubchen herein und danach
Kleider und Schuhe, und willst die Turteltäubchen, und endlich
tanzen!« Als es aber mit Bitten schwirrten und schwärmten alle
anhielt, sprach sie endlich »da habe Vögel unter dem Himmel herein und
ich dir eine Schüssel Linsen in die ließen sich um die Asche nieder. Und
Asche geschüttet, wenn du die Linsen die Täubchen nickten mit ihren
in zwei Stunden wieder ausgelesen Köpfchen und fingen an pick, pick,
hast, so sollst du mitgehen.« Das pick, pick, und da fingen die übrigen
Mädchen ging durch die Hintertür auch an pick, pick, pick, pick, und
nach dem Garten und rief »ihr lasen alle guten Körner in die
zahmen Täubchen, ihr Schüsseln. Und ehe eine halbe
Turteltäubchen, all ihr Vöglein unter Stunde herum war, waren sie schon
dem Himmel, kommt und helft mir fertig, und flogen alle wieder hinaus.
lesen, Da trug das Mädchen die Schüsseln
die guten ins Töpfchen, zu der Stiefmutter, freute sich und
die schlechten ins Kröpfchen.« glaubte, nun dürfte es mit auf die
Da kamen zum Küchenfenster zwei Hochzeit gehen. Aber sie sprach »es
weiße Täubchen herein, und danach hilft dir alles nichts: du kommst nicht
die Turteltäubchen, und endlich mit, denn du hast keine Kleider und
schwirrten und schwärmten alle kannst nicht tanzen; wir mussten uns
Vöglein unter dem Himmel herein deiner schämen.« Darauf kehrte sie
und ließen sich um die Asche nieder. ihm den Rücken zu und eilte mit ihren
Und die Täubchen nickten mit den zwei stolzen Töchtern fort.
Köpfchen und fingen an pick, pick, Als nun niemand mehr daheim war,
pick, pick, und da fingen die übrigen ging Aschenputtel zu seiner Mutter
auch an pick, pick, pick, pick, und Grab unter den Haselbaum und rief
lasen alle guten Körnlein in die »Bäumchen, rüttle dich und schüttle
Schüssel. Kaum war eine Stunde dich,
herum, so waren sie schon fertig und wirf Gold und Silber über mich.«
flogen alle wieder hinaus. Da brachte Da warf ihm der Vogel ein golden und
das Mädchen die Schüssel der silbernes Kleid herunter und mit
Stiefmutter, freute sich und glaubte, Seide und Silber ausgestickte
es dürfte nun mit auf die Hochzeit Pantoffeln. In aller Eile zog es das
gehen. Aber sie sprach »nein, Kleid an und ging zur Hochzeit. Seine
Aschenputtel, du hast keine Kleider, Schwestern aber und die Stiefmutter
und kannst nicht tanzen: du wirst nur kannten es nicht und meinten, es
ausgelacht.« Als es nun weinte, müsse eine fremde Königstochter
sprach sie », wenn du mir zwei sein, so schön sah es in dem
Schüsseln voll Linsen in einer Stunde goldenen Kleide aus. An Aschenputtel
aus der Asche rein lesen kannst, so dachten sie gar nicht und dachten, es
sollst du mitgehen, « und dachte säße daheim im Schmutz und suchte
»das kann es ja nimmermehr.« Als sie die Linsen aus der Asche. Der
die zwei Schüsseln Linsen in die Königssohn kam ihm entgegen, nahm
Asche geschüttet hatte, ging das es bei der Hand und tanzte mit ihm.
Mädchen durch die Hintertür nach Er wollte auch sonst mit niemand
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tanzen, also dass er ihm die Hand aufforderten, sprach er »das ist
nicht losließ, und wenn ein anderer meine Tänzerin.
kam, es aufzufordern, sprach er »das « Als es nun Abend war, wollte es
ist meine Tänzerin.« fort, und der Königssohn ging ihm
Es tanzte, bis es Abend war, da nach und wollte sehen, in welches
wollte es nach Haus gehen. Haus es ging: aber es sprang ihm fort
Der Königssohn aber sprach »ich und in den Garten hinter dem Haus.
gehe mit und begleite dich,« denn er Darin stand ein schöner großer Baum,
wollte sehen, wem das schöne an dem die herrlichsten Birnen
Mädchen angehörte. Sie entwischte hingen, es kletterte so behänd wie
ihm aber und sprang in das ein Eichhörnchen zwischen die Äste,
Taubenhaus. Nun wartete der und der Königssohn wusste nicht, wo
Königssohn, bis der Vater kam, und es hingekommen war. Er wartete
sagte ihm, das fremde Mädchen wäre aber, bis der Vater kam, und sprach
in das Taubenhaus gesprungen. Der zu ihm »das fremde Mädchen ist mir
Alte dachte »sollte es Aschenputtel entwischt, und ich glaube, es ist auf
sein?« und sie mussten ihm Axt und den Birnbaum gesprungen.« Der
Hacken bringen, damit er das Vater dachte »sollte es Aschenputtel
Taubenhaus entzweischlagen konnte: sein?« ließ sich die Axt holen und
aber es war niemand darin. Und als hieb den Baum um, aber es war
sie ins Haus kamen, lag Aschenputtel niemand darauf. Und als sie in die
in seinen schmutzigen Kleidern in der Küche kamen, lag Aschenputtel da in
Asche, und ein trübes Öllämpchen der Asche, wie sonst auch, denn es
brannte im Schornstein ; denn war auf der anderen Seite vom Baum
Aschenputtel war geschwind aus dem herabgesprungen, hatte dem Vogel
Taubenhaus hinten herabgesprungen, auf dem Haselbäumchen die schönen
und war zu dem Haselbäumchen Kleider wiedergebracht und sein
gelaufen : da hatte es die schönen graues Kittelchen angezogen.
Kleider abgezogen und aufs Grab Am dritten Tag, als die Eltern und
gelegt, und der Vogel hatte sie Schwestern fort waren, ging
wieder weggenommen, und dann Aschenputtel wieder zu seiner Mutter
hatte es sich in seinem grauen Grab und sprach zu dem Bäumchen
Kittelchen in die Küche zur Asche »Bäumchen, rüttle dich und schüttle
gesetzt. dich,
Am anderen Tag, als das Fest von wirf Gold und Silber über mich.«
neuem anhob, und die Eltern und Nun warf ihm der Vogel ein Kleid
Stiefschwestern wieder fort waren, herab, das war so prächtig und
ging Aschenputtel zu dem Haselbaum glänzend, wie es noch keins gehabt
und sprach hatte, und die Pantoffeln waren ganz
»Bäumchen, rüttle dich und schüttle golden. Als es in dem Kleid zu der
dich, Hochzeit kam, wussten sie alle nicht,
wirf Gold und Silber über mich.« was sie vor Verwunderung sagen
Da warf der Vogel ein noch viel sollten. Der Königssohn tanzte ganz
stolzeres Kleid herab als am vorigen allein mit ihm, und wenn es einer
Tag. Und als es mit diesem Kleide auf aufforderte, sprach er »das ist meine
der Hochzeit erschien, erstaunte Tänzerin.«
jedermann über seine Schönheit. Der Als es nun Abend war, wollte
Königssohn aber hatte gewartet, bis Aschenputtel fort, und der
es kam, nahm es gleich bei der Hand Königssohn wollte es begleiten, aber
und tanzte nur allein mit ihm. Wenn es entsprang ihm so geschwind, dass
die andern kamen und es er nicht folgen konnte. Der
Königssohn hatte aber eine List
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gebraucht, und hatte die ganze Da nahm er sie als seine Braut aufs
Treppe mit Pech bestreichen lassen: Pferd und ritt mit ihr fort.
da war, als es hinabsprang, der linke Als sie an dem Haselbäumchen
Pantoffel des Mädchens hängen vorbeikamen, saßen die zwei
geblieben. Der Königssohn hob ihn Täubchen darauf und riefen
auf, und er war klein und zierlich und »rucke di guck, rucke di guck,
ganz golden. Am nächsten Morgen Blut ist im Schuck (Schuh):
ging er damit zu dem Mann und sagte Der Schuck ist zu klein,
zu ihm »keine andere soll meine die rechte Braut sitzt noch daheim.«
Gemahlin werden als die, an deren Er blickte nieder auf ihren Fuß und
Fuß dieser goldene Schuh passt.« Da sah, wie das Blut aus dem Schuh
freuten sich die beiden Schwestern, quoll und an den weißen Strümpfen
denn sie hatten schöne Füße. Die ganz rot heraufgestiegen war. Da
älteste ging mit dem Schuh in die wendete er sein Pferd und brachte
Kammer und wollte ihn anprobieren, die falsche Braut wieder nach Haus.
und die Mutter stand dabei. Aber sie »Das ist auch nicht die rechte,«
konnte mit der großen Zehe nicht sprach er, »habt ihr keine andere
hineinkommen, und der Schuh war ihr Tochter?« »Nein,« sagte der Mann,
zu klein, da reichte ihr die Mutter ein »nur von meiner verstorbenen Frau
Messer und sprach »hau die Zehe ab: ist noch ein kleines verbuttertes
wann du Königin bist, so brauchst du Aschenputtel da: das kann unmöglich
nicht mehr zu Fuß zu gehen.« Das die Braut sein.« Der Königssohn
Mädchen hieb die Zehe ab, zwängte sprach, er sollte es heraufschicken,
den Fuß in den Schuh, Verbiss den die Mutter aber antwortete »ach nein,
Schmerz und ging heraus zum das ist viel zu schmutzig, das darf
Königssohn. Da nahm er sie als seine sich nicht sehen lassen.« Er wollte es
Braut aufs Pferd und ritt mit ihr fort. aber durchaus haben, und
Sie mussten aber an dem Grabe Aschenputtel musste gerufen werden.
vorbei, da saßen die zwei Täubchen Da wusch es sich erst Hände und
auf dem Haselbäumchen und riefen Angesicht rein, ging dann hin und
»rucke di guck, rucke di guck, neigte sich vor dem Königssohn, der
Blut ist im Schuck (Schuh): ihm den goldenen Schuh reichte.
Der Schuck ist zu klein, Dann setzte es sich auf einen
die rechte Braut sitzt noch daheim.« Schemel, zog den Fuß aus dem
Da blickte er auf ihren Fuß und sah, schweren Holzschuh und steckte ihn
wie das Blut herausquoll. in den Pantoffel, der war wie
Er wendete sein Pferd um, brachte angegossen. Und als es sich in die
die falsche Braut wieder nach Hause Höhe richtete und der König ihm ins
und sagte, das wäre nicht die rechte, Gesicht sah, so erkannte er das
die andere Schwester solle den Schuh schöne Mädchen, das mit ihm getanzt
anziehen. Da ging diese in die hatte, und rief »das ist die rechte
Kammer und kam mit den Zehen Braut.« Die Stiefmutter und die
glücklich in den Schuh, aber die Ferse beiden Schwestern
war zu groß. Da reichte ihr die Mutter erschraken und wurden bleich vor
ein Messer und sprach »hau ein Stück Ärger: er
von der Ferse ab: wann du Königin aber nahm Aschenputtel aufs Pferd
bist, brauchst du nicht mehr zu Fuß und ritt mit
zu gehen.« Das Mädchen hieb ein ihm fort. Als sie an dem
Stück von der Ferse ab, zwängte den Haselbäumchen vorbeikamen, riefen
Fuß in den Schuh, Verbiss den die zwei weißen Täubchen
Schmerz und ging heraus zum »rucke di guck, rucke di guck,
Königssohn. kein Blut im Schuck:
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Der Schuck ist nicht zu klein, Brautleute nun zur Kirche gingen, war
die rechte Braut, die führt er heim.« die älteste zur rechten, die jüngste
Und als sie das gerufen hatten, zur linken Seite: da pickten die
kamen sie beide herabgeflogen und Tauben einer jeden das eine
setzten sich dem Aschenputtel auf Auge aus. Hernach, als sie
die Schultern, eine rechts, die andere herausgingen, war die älteste zur
links, und blieben dasitzen. linken und die jüngste zur rechten: da
Als die Hochzeit mit dem pickten die Tauben einer jeden das
Königssohn sollt gehalten werden, andere Auge aus. Und waren sie also
kamen die falschen Schwestern, für ihre Bosheit und Falschheit mit
wollten sich einschmeicheln und teil Blindheit auf ihr Lebtag bestraft.
an seinem Glück nehmen. Als die

Die drei kleinen Schweinchen

Es war einmal eine Schweinemutter. Der Wolf ging zum Strohhaus und
Sie lebte mit ihren drei kleinen rief: „Kleines Schwein, lass mich
Schweinchen. Sie waren glücklich herein!“
zusammen. Aber eines Tages waren „Nein! Ich lass dich nicht ins Haus
die drei Schweinchen groß. Da sagte herein!“ antwortete das
die Mutter: „Ihr seid groß. Jeder muss Schweinchen.
ein Haus für sich selbst bauen.“ „Dann trample und puste ich!“ Und
Das erste Schweinchen baute sich ein der Wolf pustete das Strohhaus weg.
Haus aus Stroh. Das war EINFACH, Das erste Schweinchen rannte so
und das Schweinchen baute schnell es konnte zum Holzhaus.
SCHNELL. Es war glücklich und Nochmal rief der Wolf: „Kleines
DACHTE, „Hier kommt der Wolf nicht Schwein, lass mich herein!“
herein.“ „Nein! Wir lassen dich nicht ins Haus
Das zweite Schweinchen baute sich herein!“ antworteten die beiden
ein Haus aus Holz. Das war auch Schweinchen.
einfach, und das Schweinchen baute „Dann trample und puste ich!“ Und
schnell. Auch dieses Schweinchen der Wolf pustete das Holzhaus weg.
war glücklich und dachte, „Hier Die beiden Schweinchen rannten so
kommt der Wolf nicht herein.“ schnell sie konnten zum Steinhaus.
Das dritte Schweinchen baute sich Nochmal rief der Wolf: „Kleines
ein Haus aus Stein. Das war SCHWER Schwein, lass mich herein!“
und LANGSAM. Es baute für eine „Nein! Wir lassen dich nicht ins Haus
lange Zeit. Dann sagte das herein!“ antworteten die drei kleinen
Schweinchen, „In mein Haus kommt Schweinchen.
der Wolf NIEMALS herein.“ Lange Zeit „Dann trample und puste ich!“ Und
lebten die drei kleinen Schweinchen nochmal pustete der Wolf. Aber das
glücklich. Doch eines Tages hörten Haus aus Stein konnte er nicht
sie den Wolf. Das erste und zweite wegpusten.
Schweinchen hatten große Angst und Da hatte der Wolf eine Idee. Er nahm
zitterten in ihren Häusern*. eine lange Leiter und wollte durch
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den Kamin steigen. Das dritte Deckel auf den Kessel und sangen,
Schweinchen aber hängte einen „Der Wolf ist tot! Der Wolf ist tot! “
Kessel mit Wasser über das Feuer bis Die beiden Schweinchen bauten sich
es kochte. Der Wolf kam durch den auch ein Haus aus Stein. Und alle
Kamin und fiel in das heiße Wasser. lebten glücklich bis an ihr Ende
Die Schweinchen machten den

Schneewittchen

Es war einmal mitten im Winter, und wer ist die Schönste im ganzen
die Schneeflocken fielen wie Federn Land?«
vom Himmel herab, da saß eine so antwortete der Spiegel
Königin an einem Fenster, das einen »Frau Königin, Ihr seid die Schönste
Rahmen von schwarzem Ebenholz im Land.«
hatte, und nähte. Und wie sie so Da war sie zufrieden, denn sie
nähte und nach dem Schnee wusste, dass der Spiegel die Wahrheit
aufblickte, stach sie sich mit der sagte.
Nadel in den Finger, und es fielen drei Schneewittchen aber wuchs heran
Tropfen Blut in den Schnee. Und weil und wurde immer schöner, und als es
das Rote im weißen Schnee so schön sieben Jahre alt war, war es so schön
aussah, dachte sie bei sich »hätte ich wie der klare Tag, und schöner als die
ein Kind so weiß wie Schnee, so rot Königin selbst. Als diese einmal ihren
wie Blut, und so schwarz wie das Holz Spiegel fragte
an dem Rahmen.« Bald darauf bekam »Spieglein, Spieglein an der Wand,
sie ein wer ist die Schönste im ganzen
Töchterlein, das war so weiß wie Land?«
Schnee, so rot wie Blut, und so so antwortete er
schwarzhaarig wie Ebenholz, und »Frau Königin, Ihr seid die Schönste
wurde darum das Schneewittchen hier,
(Schneeweißen) genannt. Und wie aber Schneewittchen ist tausendmal
das Kind geboren war, starb die schöner als Ihr.«
Königin. Da erschrak die Königin und wurde
Über ein Jahr nahm sich der gelb und grün vor Neid. Von Stunde
König eine andere Gemahlin. an, wenn sie Schneewittchen
Es war eine schöne Frau, aber sie war erblickte, kehrte sich ihr das Herz im
stolz und übermütig, und konnte Leibe herum, so hasste sie das
nicht leiden, dass sie an Schönheit Mädchen. Und der Neid und Hochmut
von jemand sollte übertroffen wuchsen wie ein Unkraut in ihrem
werden. Sie hatte einen wunderbaren Herzen immer höher, dass sie Tag
Spiegel, und Nacht keine Ruhe mehr hatte. Da
wenn sie vor den trat und sich darin rief sie einen Jäger und sprach »bring
beschaute, sprach sie das Kind hinaus in den Wald, ich wills
»Spieglein, Spieglein an der Wand, nicht mehr vor meinen Augen sehen.
Du sollst es töten und mir Lunge und
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Leber zum Wahrzeichen mitbringen.« weil es so hungrig und durstig war, aß
Der Jäger gehorchte und führte es von jedem Tellerlein ein wenig
hinaus, und als er den Hirschfänger Gemüse und Brot, und trank aus
gezogen hatte und Schneewittchens jedem Becherlein einen Tropfen
unschuldiges Herz durchbohren Wein; denn es wollte nicht einem
wollte, fing es an zu weinen und allein alles wegnehmen. Hernach,
sprach »ach, lieber Jäger, Lass mir weil es so müde war, legte es sich in
mein Leben; ich will in den wilden ein Bettchen, aber keins passte; das
Wald laufen und nimmermehr wieder eine war zu lang, das andere zu kurz,
heimkommen.« bis endlich das siebente recht war:
Und weil es so schön war, hatte der und darin blieb es liegen, befahl sich
Jäger Mitleid und sprach »so lauf hin, Gott und schlief ein.
du armes Kind.« »Die wilden Tiere Als es ganz dunkel geworden
werden dich bald gefressen haben,« war, kamen die Herren von dem
dachte er, und doch wars ihm, als Häuslein, das waren die sieben
wäre Zwerge, die in den Bergen nach Erz
ein Stein von seinem Herzen gewälzt, hackten und gruben. Sie zündeten
weil er es nicht zu töten brauchte. ihre sieben Lichtlein an, und wie es
Und als gerade ein junger Frischling nun hell im Häuslein wurde, sahen
da hergesprungen kam, stach er ihn sie, dass jemand darin gewesen war,
ab, nahm Lunge und Leber heraus, denn es stand nicht alles so in der
und Ordnung, wie sie es verlassen hatten.
brachte sie als Wahrzeichen der Der erste sprach »wer hat auf
Königin mit. Der Koch musste sie in meinem Stühlchen gesessen?« Der
Salz kochen, und das boshafte Weib zweite »wer hat von meinem
aß sie auf und meinte, sie hätte Tellerchen gegessen?« Der dritte
Schneewittchens Lunge und Leber »wer hat von meinem Brötchen
gegessen. genommen?« Der vierte »wer hat von
Nun war das arme Kind in dem meinem Gemüschen gegessen?« Der
großen Wald mutterseelenallein, und fünfte »wer hat mit meinem
wurde ihm so angst, dass es alle Gäbelchen
Blätter an den Bäumen ansah und gestochen?« Der sechste »wer hat
nicht wusste, wie es sich helfen sollte. mit meinem Messerchen
Da fing es an zu laufen und lief über geschnitten?« Der siebente »wer hat
die spitzen Steine und durch die aus meinem Becherlein getrunken?«
Dornen, und die wilden Tiere Dann sah sich der erste um und sah,
sprangen an ihm vorbei, aber sie dass auf seinem Bett eine kleine
taten ihm nichts. Es lief, solange nur Delle war, da sprach er »wer hat in
die Füße noch fortkonnten, bis es mein Bettchen getreten?« Die andern
bald Abend werden wollte, da sah es kamen gelaufen und riefen »in
ein kleines Häuschen und ging hinein, meinem hat auch jemand gelegen.«
sich zu ruhen. In dem Häuschen war Der siebente aber, als er in sein Bett
alles klein, aber so zierlich und sah, erblickte Schneewittchen, das
reinlich, dass es nicht zu sagen ist. lag darin und schlief. Nun rief er die
Da stand ein weißgedecktes Tischlein andern, die kamen herbeigelaufen,
mit sieben kleinen Tellern, jedes und schrien vor Verwunderung,
Tellerlein mit seinem Löffelein, ferner holten ihre sieben Lichtlein
sieben Messerlein und Gäblein, und und beleuchteten Schneewittchen.
sieben Becherlein. An der Wand »Ei, du mein Gott! ei, du mein Gott!«
waren sieben Bettlein nebeneinander riefen sie, »was ist das Kind so
aufgestellt und schneeweiße Laken schön!« und hatten so große Freude,
darüber gedeckt. Schneewittchen, dass sie es nicht aufweckten, sondern
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im Bettlein fortschlafen ließen. Der bei den sieben Zwergen
siebente Zwerg aber schlief bei ist noch tausendmal schöner als Ihr.«
seinen Gesellen, bei jedem eine Da erschrak sie, denn sie wusste,
Stunde, da war die Nacht herum. dass der Spiegel keine Unwahrheit
Als es Morgen war, erwachte sprach, und merkte, dass der Jäger
Schneewittchen, und wie es die sie betrogen hatte und
sieben Zwerge sah, erschrak es. Sie Schneewittchen noch am Leben war.
waren aber freundlich und Und da sann und sann sie
fragten »wie heißt du?« »Ich heiße aufs Neue, wie sie es umbringen
Schneewittchen,« antwortete es. wollte; denn solange sie nicht die
»Wie bist du in unser Haus Schönste war im ganzen Land, ließ ihr
gekommen?« sprachen weiter die der Neid keine Ruhe. Und als sie sich
Zwerge. Da erzählte es ihnen, dass endlich etwas ausgedacht hatte,
seine Stiefmutter es hätte wollen färbte sie sich das Gesicht, und
umbringen lassen, der Jäger hätte kleidete sich wie eine alte Krämerin,
ihm aber das Leben geschenkt, und und war ganz unkenntlich. In dieser
da wäre es gelaufen den ganzen Tag, Gestalt ging sie über die sieben Berge
bis es endlich ihr Häuslein gefunden zu den sieben Zwergen, klopfte an
hätte. Die Zwerge sprachen »willst du die Türe und rief
unsern Haushalt versehen, kochen, »schöne Ware feil! feil!«
betten, waschen, nähen und stricken, Schneewittchen guckte zum Fenster
und willst du alles ordentlich und heraus und rief »guten Tag, liebe
reinlich halten, so kannst du bei uns Frau, was habt Ihr zu verkaufen?«
bleiben, und es soll dir an nichts »Gute Ware, schöne Ware,«
fehlen.« »Ja,« sagte Schneewittchen, antwortete sie, »Schnürriemen von
»von Herzen gern,« und blieb bei allen Farben,« und holte einen
ihnen. Es hielt ihnen das Haus in hervor, der aus bunter Seide
Ordnung: morgens gingen sie in die geflochten war. »Die ehrliche Frau
Berge und suchten Erz und Gold, kann ich hereinlassen, « dachte
abends kamen sie wieder, und da Schneewittchen, riegelte die Türe auf
musste ihr Essen bereit sein. Den Tag und kaufte sich den hübschen
über war das Mädchen allein, da Schnürriemen. »Kind,« sprach die
warnten es die guten Alte, »wie du aussiehst! komm, ich
Zwerglein und sprachen »hüte dich will dich einmal ordentlich schnüren.«
vor deiner Stiefmutter, die wird bald Schneewittchen hatte kein Arg, stellte
wissen, dass du hier bist; Lass ja sich vor sie, und ließ sich mit dem
niemand herein.« neuen Schnürriemen schnüren: aber
Die Königin aber, nachdem sie die Alte schnürte geschwind und
Schneewittchens Lunge und Leber schnürte so fest, dass dem
glaubte gegessen zu haben, dachte Schneewittchen der Atem verging,
nicht anders, als sie und es für tot hinfiel. »Nun bist du die
wäre wieder die erste und Schönste gewesen,« sprach sie und
Allerschönste, trat vor ihren Spiegel eilte hinaus.
und sprach Nicht lange darauf, zur
»Spieglein, Spieglein an der Wand, Abendzeit, kamen die sieben Zwerge
wer ist die Schönste im ganzen nach Haus, aber wie erschraken sie,
Land?« als sie ihr liebes Schneewittchen
Da antwortete der Spiegel auf der Erde liegen sahen; und es
»Frau Königin, Ihr seid die Schönste regte und bewegte sich nicht, als
hier, wäre es tot. Sie hoben es in die Höhe,
aber Schneewittchen über den und weil sie sahen, dass es zu
Bergen
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festgeschnürt war, schnitten sie den ohne Besinnung niederfiel. »Du
Schnürriemen Ausbund von Schönheit,« sprach das
entzwei: da fing es an ein wenig zu boshafte Weib, »jetzt ists um dich
atmen, und wurde nach und nach geschehen,« und ging fort. Zum
wieder lebendig. Als die Zwerge Glück aber war es bald Abend, wo die
hörten, was geschehen war, sprachen sieben Zwerglein nach Haus kamen.
sie »die alte Krämerfrau war niemand Als sie Schneewittchen wie tot auf der
als die gottlose Königin: hüte dich Erde liegen sahen, hatten sie gleich
und Lass keinen Menschen herein, die Stiefmutter in Verdacht, suchten
wenn wir nicht bei dir sind.« nach, und fanden den giftigen Kamm,
Das böse Weib aber, als es und kaum hatten sie
nach Haus gekommen war, ging vor ihn herausgezogen, so kam
den Spiegel und fragte Schneewittchen wieder zu sich und
»Spieglein, Spieglein an der Wand, erzählte, was vorgegangen war. Da
wer ist die Schönste im ganzen warnten sie es noch einmal, auf
Land?« seiner Hut zu sein und niemand die
Da antwortete er wie sonst Türe zu öffnen.
»Frau Königin, Ihr seid die Schönste Die Königin stellte sich daheim
hier, vor den Spiegel und sprach
aber Schneewittchen über den »Spieglein, Spieglein an der Wand,
Bergen wer ist die Schönste im ganzen
bei den sieben Zwergen Land?«
ist noch tausendmal schöner als Ihr.« Da antwortete er wie vorher
Als sie das hörte, lief ihr alles Blut »Frau Königin, Ihr seid die Schönste
zum Herzen, so erschrak sie, denn sie hier,
sah wohl, dass Schneewittchen aber Schneewittchen über den
wieder lebendig geworden war. »Nun Bergen
aber,« sprach sie, »will ich etwas bei den sieben Zwergen
aussinnen, das dich zugrunde richten ist noch tausendmal schöner als Ihr.«
soll,« und mit Hexenkünsten, die sie Als sie den Spiegel so reden hörte,
verstand, machte sie einen giftigen zitterte und bebte sie vor Zorn.
Kamm. Dann verkleidete sie sich und »Schneewittchen soll sterben,« rief
nahm die Gestalt eines anderen alten sie, »und wenn es mein eignes Leben
Weibes an. So ging sie hin über die kostet.« Darauf ging sie in eine ganz
sieben Berge zu den sieben Zwergen, verborgene einsame Kammer, wo
klopfte an die Türe und rief »gute niemand hinkam, und machte da
Ware feil! feil!« Schneewittchen einen giftigen Apfel. Äußerlich sah er
schaute heraus und sprach »geht nur schön aus, weiß mit roten Backen,
weiter, ich darf niemand dass jeder, der in erblickte, Lust
hereinlassen.« »Das Ansehen wird dir danach bekam, aber wer ein
doch erlaubt sein,« sprach die Alte, Stückchen davon ab, der musste
zog den giftigen Kamm heraus und sterben. Als der Apfel fertig war,
hielt ihn in die Höhe. Da gefiel er dem färbte sie sich das Gesicht und
Kinde so gut, dass es sich betören verkleidete sich in eine Bauersfrau,
ließ und die Türe öffnete. Als sie des und so ging sie über die sieben Berge
Kaufs einig waren, sprach die Alte zu den sieben Zwergen. Sie klopfte
»nun will ich dich einmal ordentlich an, Schneewittchen streckte den Kopf
kämmen.« Das arme Schneewittchen zum Fenster heraus und sprach »ich
dachte an nichts, und ließ die Alte darf keinen Menschen einlassen, die
gewähren, aber kaum hatte sie den sieben Zwerge haben mir es
Kamm in die Haare gesteckt, als das verboten.« »Mir auch recht,«
Gift darin wirkte, und das Mädchen antwortete die Bäuerin, »meine Äpfel
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will ich schon los werden. Da, einen wir nicht in die schwarze Erde
will ich dir schenken.« versenken,« und ließen einen
»Nein,« sprach Schneewittchen, »ich durchsichtigen Sarg von Glas
darf nichts annehmen.« »Fürchtest du machen, dass man es von allen
dich vor Gift?« sprach die Alte, Seiten sehen konnte, legten es
»siehst du, da schneide ich den Apfel hinein, und schrieben mit goldenen
in zwei Teile; den roten Backen isst Buchstaben seinen Namen darauf,
du, den weißen will ich essen.« Der und dass es eine Königstochter wäre.
Apfel war aber so künstlich gemacht, Dann setzten sie den Sarg hinaus auf
dass der rote Backen allein vergiftet den Berg, und einer von ihnen blieb
war. Schneewittchen lüstrierte den immer dabei und bewachte ihn. Und
schönen Apfel an, und als es sah, die Tiere kamen auch und beweinten
dass die Schneewittchen, erst eine Eule, dann
Bäuerin davon aß, so konnte es nicht ein Rabe, zuletzt ein Täubchen.
länger widerstehen, streckte die Hand Nun lag Schneewittchen lange
hinaus und nahm die giftige Hälfte. Zeit in dem Sarg und verweste nicht,
Kaum aber hatte es einen Bissen sondern sah aus, als wenn es
davon im Mund, so fiel es tot zur schliefe, denn es war noch so weiß
Erde nieder. Da betrachtete es die als Schnee, so rot als Blut, und so
Königin mit grausigen Blicken und schwarzhaarig
lachte überlaut und sprach »weiß wie wie Ebenholz. Es geschah aber, daß
Schnee, rot wie Blut, schwarz wie ein Königssohn in den Wald geriet
Ebenholz! diesmal können dich die und zu dem Zwergenhaus kam, da zu
Zwerge nicht wiedererwecken.« Und übernachten. Er sah auf dem Berg
als sie daheim den Spiegel befragte den Sarg und das schöne
»Spieglein, Spieglein an der Wand, Schneewittchen darin, und las, was
wer ist die Schönste im ganzen mit goldenen Buchstaben darauf
Land?« geschrieben war. Da sprach er zu den
so antwortete er endlich Zwergen »lasst mir den Sarg, ich will
»Frau Königin, Ihr seid die Schönste euch geben, was ihr dafür haben
im Land.« wollt.« Aber die Zwerge antworteten
Da hatte ihr neidisches Herz Ruhe, so »wir geben ihn nicht um alles Gold in
gut ein neidisches Herz Ruhe haben der Welt.« Da sprach er »so schenkt
kann. mir ihn, denn ich kann nicht leben,
Die Zwergleine, wie sie abends ohne Schneewittchen zu sehen, ich
nach Haus kamen, fanden will es ehren und hochachten wie
Schneewittchen auf der Erde liegen, mein Liebstes.« Wie er so sprach,
und es ging kein Atem mehr aus empfanden die guten Zwerglein
seinem Mund, und es war tot. Sie Mitleiden mit ihm und gaben ihm den
hoben es auf, suchten, ob sie was Sarg. Der Königssohn ließ ihn nun von
Giftiges fänden, schnürten es auf, seinem Dienern auf den Schultern
kämmten ihm die Haare, wuschen es forttragen. Da geschah es, dass sie
mit Wasser und Wein, aber es half über einen Strauch stolperten, und
alles nichts; das liebe Kind war tot von dem Schüttern fuhr der giftigen
und blieb tot. Sie legten es auf eine Apfelgrütze, den Schneewittchen
Bahre und setzten sich alle sieben abgebissen hatte, aus dem Hals.
daran und beweinten es, und weinten Und nicht lange, so öffnete es die
drei Tage lang. Da wollten sie es Augen, hob den Deckel vom Sarg in
begraben, aber es sah noch so frisch die Höhe, und richtete sich auf, und
aus wie ein lebender Mensch, und war wieder lebendig. »Ach Gott, wo
hatte noch seine schönen roten bin ich?« rief es. Der Königssohn
Backen. Sie sprachen »das können sagte voll Freude »du bist bei mir,«
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und erzählte, was sich zugetragen aber die junge Königin ist tausendmal
hatte, und sprach »ich habe dich schöner als Ihr.«
lieber als alles auf der Welt; komm Da stieß das böse Weib einen Fluch
mit mir in meinen Vaters Schloss, du aus, und ward ihr so angst, so Angst,
sollst meine Gemahlin werden.« Da dass sie sich nicht zu lassen wusste.
war ihm Schneewittchen gut und ging Sie wollte zuerst gar nicht auf die
mit ihm, und ihre Hochzeit ward mit Hochzeit kommen: doch ließ es ihr
großer Pracht und Herrlichkeit keine
angeordnet. Ruhe, sie musste fort und die junge
Zu dem Fest wurde aber auch Königin sehen. Und wie sie hineintrat,
Schneewittchens gottlose Stiefmutter erkannte sie Schneewittchen, und vor
eingeladen. Wie sie sich nun mit Angst und Schrecken stand sie da
schönen Kleidern angetan hatte, trat und konnte sich nicht regen. Aber es
sie vor den Spiegel und sprach waren schon eiserne Pantoffeln über
»Spieglein, Spieglein an der Wand, Kohlenfeuer gestellt und wurden mit
wer ist die Schönste im ganzen Zangen hereingetragen und vor sie
Land?« hingestellt. Da musste sie in die
Der Spiegel antwortete rotglühenden Schuhe treten und so
»Frau Königin, Ihr seid die Schönste lange tanzen, bis sie tot zur Erde fiel.
hier,

Rumpelstilzchen

Es war einmal ein Müller, der Kammer selbst zu, und sie blieb allein
war arm, aber er hatte eine schöne darin.
Tochter. Nun traf es sich, dass er mit Da saß nun die arme
dem König zu sprechen kam, und um Müllerstochter und wusste um ihr
sich ein Ansehen zu geben, sagte er Leben keinen Rat: sie verstand gar
zu ihm »ich habe eine Tochter, die nichts davon, wie man Stroh zu Gold
kann Stroh zu Gold spinnen.« spinnen konnte, und ihre Angst ward
Der König sprach zum Müller, »das ist immer größer, dass sie endlich zu
eine Kunst, die mir wohl gefällt, wenn weinen anfing. Da ging auf einmal die
deine Tochter so geschickt ist, wie du Türe auf, und trat ein kleines
sagst, so bring sie morgen in mein Männchen herein und sprach »guten
Schloss, da will ich sie auf die Probe Abend, Jungfer Müllerin, warum weint
stellen.« Als nun das Mädchen zu ihm sie so sehr?« »Ach,« antwortete das
gebracht wurde, führte er es in eine Mädchen, »ich soll Stroh zu Gold
Kammer, die ganz voll Stroh lag, gab spinnen und verstehe das nicht.«
ihr Rad und Haspel und sprach »jetzt Sprach das Männchen »was gibst du
mache dich an die Arbeit, mir, wenn ich dir es spinne?« »Mein
und wenn du diese Nacht durch bis Halsband,« sagte das Mädchen.
morgen früh dieses Stroh nicht zu Das Männchen nahm das Halsband,
Gold versponnen hast, so musst du setzte sich vor das Rädchen, und
sterben.« Darauf schloss er die schnurr, schnurr, schnurr, dreimal
gezogen, war die Spule voll. Dann
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steckte es eine andere auf, und Morgen der König kam und alles fand,
schnurr, schnurr, schnurr, dreimal wie er gewünscht hatte, so hielt er
gezogen, war auch die zweite voll: Hochzeit mit ihr, und die schöne
und so gings fort bis zum Morgen, da Müllerstochter ward eine Königin.
war alles Stroh versponnen, und alle Über ein Jahr brachte sie ein
Spulen waren voll Gold. Bei schönes Kind zur Welt und dachte gar
Sonnenaufgang kam schon der König, nicht mehr an das Männchen: da trat
und als er das Gold erblickte, es plötzlich in ihre Kammer und
erstaunte er und freute sich, aber sprach »nun gib mir, was du
sein Herz ward nur noch goldgieriger. versprochen hast.« Die Königin
Er ließ die Müllerstochter in eine erschrak und bot dem Männchen alle
andere Kammer voll Stroh bringen, Reichtümer des Königreichs an, wenn
die noch viel größer war, und befahl es ihr das Kind lassen
ihr, das auch in einer Nacht zu wollte: aber das Männchen sprach
spinnen, wenn ihr das Leben lieb »nein, etwas Lebendes ist mir lieber
wäre. Das Mädchen wusste sich nicht als alle Schätze der Welt.« Da fing die
zu helfen und weinte, da ging Königin so an zu jammern und zu
abermals die Türe auf, und das kleine weinen, dass das Männchen Mitleiden
Männchen erschien und sprach »was mit ihr hatte: »drei Tage will ich dir
gibst du mir, wenn ich dir das Stroh Zeit lassen,« sprach er, »wenn du bis
zu Gold spinne?« »Meinen Ring von dahin meinen Namen weißt, so sollst
dem Finger,« antwortete das du dein Kind behalten. «
Mädchen. Das Männchen nahm den Nun besann sich die Königin die
Ring, fing wieder an zu schnurren mit ganze Nacht über auf alle Namen, die
dem Rade und hatte bis zum Morgen sie jemals gehört hatte, und schickte
alles Stroh zu glänzendem Gold einen Boten über Land, der sollte sich
gesponnen. Der König freute sich erkundigen weit und breit, was es
über die Maßen bei dem Anblick, war sonst noch für Namen gäbe. Als am
aber noch immer nicht Goldes satt, andern Tag das Männchen kam, fing
sondern ließ die Müllerstochter in sie an mit Kaspar, Melchior, Balzer,
eine noch größere Kammer voll Stroh und sagte alle Namen, die sie wusste,
bringen und sprach »die musst du nach der Reihe her, aber bei jedem
noch in dieser Nacht verspinnen: sprach das Männlein »so heiß ich
gelingt dir es aber, so sollst du meine nicht.« Den zweiten Tag ließ sie in der
Gemahlin werden.« »Wenn es auch Nachbarschaft herumfragen, wie die
eine Müllerstochter ist,« dachte er, Leute da genannt würden, und sagte
»eine reichere Frau finde ich in der dem Männlein die ungewöhnlichsten
ganzen Welt nicht.« Als das Mädchen und seltsamsten Namen vor »heißt
allein war, kam das Männlein zum du vielleicht Rippenbiest oder
drittenmal wieder und sprach »was Hammels Wade oder Schnürbein?«
gibst du mir, wenn ich dir noch aber es antwortete immer »so heiß
diesmal das Stroh spinne?« »Ich habe ich nicht.« Den dritten Tag kam der
nichts mehr, das ich geben könnte,« Bote wieder zurück und erzählte
antwortete das Mädchen. »So »neue Namen habe ich keinen
versprich mir, wenn du Königin wirst, einzigen finden können, aber wie ich
dein erstes Kind.« »Wer weiß, wie das an einen hohen Berg um die
noch geht,« dachte die Müllerstochter Waldecke kam, wo Fuchs und Hase
und wusste sich auch in der Not nicht sich gute Nacht sagen, so sah ich da
anders zu helfen; sie versprach also ein kleines Haus, und vor dem Haus
dem Männchen, was es verlangte, brannte ein
und das Männchen spann dafür noch
einmal das Stroh zu Gold. Und als am
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Feuer, und um das Feuer sprang ein Königin, wie heiß ich?« fragte sie erst
gar zu lächerliches Männchen, hüpfte »heißest du Kunz?« »Nein.« »Heißest
auf einem Bein und schrie du Heinz?« »Nein.«
»heute backe ich, morgen braue ich, »Heißt du etwa Rumpelstilzchen?«
übermorgen hol ich der Königin ihr »Das hat dir der Teufel gesagt, das
Kind; hat dir der Teufel gesagt,« schrie das
ach, wie gut ist, dass niemand weiß, Männlein und stieß mit dem rechten
dass ich Rumpelstilzchen heiß!« Fuß vor Zorn so tief in die Erde, dass
Da könnt ihr denken, wie die Königin es bis an den Leib hineinfuhr, dann
froh war, als sie den Namen hörte, packte es in seiner Wut den linken
und als bald hernach das Männlein Fuß mit beiden Händen und riss sich
hereintrat und fragte »nun, Frau selbst mitten entzwei.

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