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20154

Das Dokument ist das Protokoll der 154. Sitzung des Deutschen Bundestages, die am 22. Februar 2024 in Berlin stattfand. Es umfasst die Begrüßung eines neuen Abgeordneten, Glückwünsche zu Geburtstagen, verschiedene Wahlen von Abgeordneten in Gremien sowie die Abgabe von Regierungserklärungen und Unterrichtungen durch die Bundesregierung. Zudem werden mehrere Zusatzpunkte behandelt, darunter der Jahreswirtschaftsbericht 2024 und das Jahresgutachten des Sachverständigenrates.

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20154

Das Dokument ist das Protokoll der 154. Sitzung des Deutschen Bundestages, die am 22. Februar 2024 in Berlin stattfand. Es umfasst die Begrüßung eines neuen Abgeordneten, Glückwünsche zu Geburtstagen, verschiedene Wahlen von Abgeordneten in Gremien sowie die Abgabe von Regierungserklärungen und Unterrichtungen durch die Bundesregierung. Zudem werden mehrere Zusatzpunkte behandelt, darunter der Jahreswirtschaftsbericht 2024 und das Jahresgutachten des Sachverständigenrates.

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Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, [Link]-
[Link]" herstellung="H. Heenemann GmbH Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei,
Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, [Link]" sitzung-ort="Berlin"
herausgeber="Deutscher Bundestag" issn="0722-7980" wahlperiode="20" sitzung-
nr="154" sitzung-datum="22.02.2024" sitzung-start-uhrzeit="9:00" sitzung-ende-
uhrzeit="23:49" sitzung-naechste-datum="23.02.2024" start-seitennr="19579">
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<herausgeber>Deutscher Bundestag</herausgeber>
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date="22.02.2024">Donnerstag, den 22. Februar 2024</datum></veranstaltungsdaten>
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<inhaltsverzeichnis>
<ivz-titel>Inhalt:</ivz-titel>
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<ivz-eintrag-inhalt>Begrüßung des neuen Abgeordneten Jürgen Kretz
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<ivz-eintrag-inhalt>Glückwünsche zum Geburtstag der Abgeordneten
Boris Mijatović und Dr. Peter Ramsauer </ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt>Wahl der Abgeordneten Awet Tesfaiesus und
Bettina Margarethe Wiesmann als Schriftführerinnen </ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt>Wahl des Abgeordneten Carsten Müller
(Braunschweig) in das Gremium gemäß Artikel 13 Absatz 6 des Grundgesetzes </ivz-
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<ivz-eintrag-inhalt>Wahl des Abgeordneten Olav Gutting in den
Verwaltungsrat der Kreditanstalt für Wiederaufbau </ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt>Wahl der Abgeordneten Emily Vontz in die
Gemeinsame Kommission von Deutschem Bundestag und Bundesregierung zur Aufarbeitung
der Verbrechen der Opfer der Colonia Dignidad </ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt>Erweiterung der Tagesordnung </ivz-eintrag-
inhalt>
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<ivz-block-titel>Zusatzpunkt 2:</ivz-block-titel>
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<ivz-eintrag-inhalt>Abgabe einer Regierungserklärung durch den
Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz: Zum Jahreswirtschaftsbericht 2024
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<ivz-block-titel>Zusatzpunkt 3:</ivz-block-titel>
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<ivz-eintrag-inhalt>Unterrichtung durch die Bundesregierung:
Jahreswirtschaftsbericht 2024 der Bundesregierung </ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt>in Verbindung mit</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-block-titel>Zusatzpunkt 4:</ivz-block-titel>
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<ivz-eintrag-inhalt>Unterrichtung durch die Bundesregierung:
Jahresgutachten 2023/24 des Sachverständigenrates zur Begutachtung der
gesamtwirtschaftlichen Entwicklung </ivz-eintrag-inhalt>
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Klimaschutz</rolle_lang><rolle_kurz>Bundesminister
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BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Katharina Beck (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-block-titel>Tagesordnungspunkt 7:</ivz-block-titel>
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echte Zeitenwende in der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik </ivz-eintrag-
inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner id="11004762"><name><vorname>Ottmar
Wilhelm</vorname><nachname>von Holtz</nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN</fraktion></name></redner>Ottmar Wilhelm von Holtz (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</ivz-eintrag-inhalt>
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>SPD</fraktion></name></redner>Jörg Nürnberger (SPD)</ivz-eintrag-inhalt>
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nachname><fraktion>Die Linke</fraktion></name></redner>Dr. Gregor Gysi (Die
Linke)</ivz-eintrag-inhalt>
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NIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Sara Nanni (BÜNDNIS 90/DIE
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id="11004259"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Karamba</vorname><nachname>Diaby</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Dr. Karamba Diaby (SPD)</ivz-
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<ivz-eintrag-inhalt>Namentliche Abstimmung </ivz-eintrag-
inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt>Ergebnis </ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-block>
<ivz-block-titel>Tagesordnungspunkt 8:</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>a)Antrag der Fraktionen SPD, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN und FDP: Zehn Jahre russischer Krieg gegen die Ukraine – Die Ukraine und
Europa entschlossen verteidigen </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19621" typ="druckseitennummer"
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<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
href="[Link]
eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>c)Antrag der Abgeordneten Matthias
Moosdorf, Petr Bystron, Tino Chrupalla, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der
AfD: Den rechtsstaatlichen Finanz- und Wirtschaftsstandort Europa nicht durch
rechtswidrige Verwendung russischen Staatsvermögens zerstören </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19621" typ="druckseitennummer"
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<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
href="[Link]
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="999990093"><name><vorname>Boris</vorname><nachname>Pistorius</
nachname><rolle><rolle_lang>Bundesminister der
Verteidigung</rolle_lang><rolle_kurz>Bundesminister
BMVg</rolle_kurz></rolle></name></redner>Boris Pistorius, Bundesminister BMVg</ivz-
eintrag-inhalt>
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id="11004182"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Johann
David</vorname><nachname>Wadephul</nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></
redner>Dr. Johann David Wadephul (CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Agnieszka
Brugger (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11004709"><name><vorname>Thomas</vorname><nachname>Erndl</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Thomas Erndl (CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11004106"><name><vorname>Agnieszka</vorname><nachname>Brugger</
nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Agnieszka
Brugger (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</ivz-eintrag-inhalt>
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k-Zimmermann</nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></redner>Dr. Marie-Agnes
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>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Thomas Röwekamp (CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11005246"><name><vorname>Robin</vorname><nachname>Wagener</nachname><fraktion>B
ÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Robin Wagener (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11003802"><name><vorname>Michael
Georg</vorname><nachname>Link</nachname><ortszusatz>(Heilbronn)</ortszusatz><frakti
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inhalt>
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id="11003259"><name><vorname>Annette</vorname><nachname>Widmann-Mauz</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Annette Widmann-Mauz
(CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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</fraktion></name></redner>Klaus Ernst (BSW)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11004068"><name><vorname>Roderich</vorname><nachname>Kiesewetter</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Roderich Kiesewetter
(CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11003742"><name><vorname>Michael</vorname><nachname>Brand</nachname><ortszusatz
>(Fulda)</ortszusatz><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Michael Brand
(Fulda) (CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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DP</fraktion></name></redner>Ulrich Lechte (FDP)</ivz-eintrag-inhalt>
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nachname><fraktion>AfD</fraktion></name></redner>Dr. Harald Weyel (AfD)</ivz-
eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004764"><name><vorname>Johannes</vorname><nachname>Huber</nachname><fraktion>
fraktionslos</fraktion></name></redner>Johannes Huber (fraktionslos)</ivz-eintrag-
inhalt>
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005045"><name><vorname>Deborah</vorname><nachname>Düring</nachname><fraktion>
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Deborah Düring (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005053"><name><vorname>Robert</vorname><nachname>Farle</nachname><fraktion>fr
aktionslos</fraktion></name></redner>Robert Farle (fraktionslos)</ivz-eintrag-
inhalt>
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004226"><name><vorname>Wolfgang</vorname><nachname>Hellmich</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Wolfgang Hellmich (SPD)</ivz-
eintrag-inhalt>
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Namentliche Abstimmung </ivz-eintrag-
inhalt>
<a href="S19645" typ="druckseitennummer"
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Ergebnis </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19654" typ="druckseitennummer"
id="IVZe2"><seite>19654</seite> <seitenbereich>C</seitenbereich></a>
</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Zusatzpunkt 5:</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Antrag der Abgeordneten Frank Rinck,
Stephan Protschka, Peter Felser, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD:
Deutsche Landwirtschaft wirklich entlasten – Höfesterben sofort beenden </ivz-
eintrag-inhalt>
<a href="S19645" typ="druckseitennummer"
id="IVZt7"><seite>19645</seite> <seitenbereich>D</seitenbereich></a>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
href="[Link]
eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>in Verbindung mit</ivz-eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Zusatzpunkt 6:</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Antrag der Abgeordneten Bernd Schattner,
Stephan Protschka, Peter Felser, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD:
Stilllegungsflächen für die Nahrungs- und Futtermittelproduktion fristlos freigeben
</ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19645" typ="druckseitennummer"
id="IVZt8"><seite>19645</seite> <seitenbereich>D</seitenbereich></a>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
href="[Link]
eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005203"><name><vorname>Bernd</vorname><nachname>Schattner</nachname><fraktion
>AfD</fraktion></name></redner>Bernd Schattner (AfD)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11004355"><name><vorname>Susanne</vorname><nachname>Mittag</nachname><fraktion>
SPD</fraktion></name></redner>Susanne Mittag (SPD)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11003706"><name><vorname>Artur</vorname><nachname>Auernhammer</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Artur Auernhammer
(CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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Ing.</titel><vorname>Zoe</vorname><nachname>Mayer</nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Dr.-Ing. Zoe Mayer (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11004754"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Gero
Clemens</vorname><nachname>Hocker</nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></
redner>Dr. Gero Clemens Hocker (FDP)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11004752"><name><vorname>Karsten</vorname><nachname>Hilse</nachname><fraktion>A
fD</fraktion></name></redner>Karsten Hilse (AfD)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11005203"><name><vorname>Bernd</vorname><nachname>Schattner</nachname><fraktion
>AfD</fraktion></name></redner>Bernd Schattner (AfD)</ivz-eintrag-inhalt>
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</fraktion></name></redner>Frank Rinck (AfD)</ivz-eintrag-inhalt>
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</fraktion></name></redner>Anke Hennig (SPD)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner id="11004915"><name><vorname>Hans-
Jürgen</vorname><nachname>Thies</nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></
redner>Hans-Jürgen Thies (CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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nachname><fraktion>AfD</fraktion></name></redner>Stephan Protschka (AfD)</ivz-
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<ivz-eintrag-inhalt><redner id="11004915"><name><vorname>Hans-
Jürgen</vorname><nachname>Thies</nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></
redner>Hans-Jürgen Thies (CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11005225"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Anne
Monika</vorname><nachname>Spallek</nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN</fraktion></name></redner>Dr. Anne Monika Spallek (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11005027"><name><vorname>Ingo</vorname><nachname>Bodtke</nachname><fraktion>FDP
</fraktion></name></redner>Ingo Bodtke (FDP)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11005123"><name><vorname>Ina</vorname><nachname>Latendorf</nachname><fraktion>D
ie Linke</fraktion></name></redner>Ina Latendorf (Die Linke)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11005103"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Franziska</vorname><nachname>Kersten
</nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Dr. Franziska Kersten
(SPD)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11004369"><name><vorname>Ingrid</vorname><nachname>Pahlmann</nachname><fraktion
>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Ingrid Pahlmann (CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11005017"><name><vorname>Karl</vorname><nachname>Bär</nachname><fraktion>BÜNDNI
S 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Karl Bär (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</ivz-
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U/CSU</fraktion></name></redner>Dieter Stier (CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005017"><name><vorname>Karl</vorname><nachname>Bär</nachname><fraktion>BÜNDNI
S 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Karl Bär (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</ivz-
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005204"><name><vorname>Johannes</vorname><nachname>Schätzl</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Johannes Schätzl (SPD)</ivz-
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</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Tagesordnungspunkt 33:</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>a)Erste Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des
Umweltstatistikgesetzes </ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
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eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>b)Unterrichtung durch die Bundesregierung:
Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit
Deutschlands 2023 </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19667" typ="druckseitennummer"
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>c)Unterrichtung durch die Bundesregierung:
Rahmenprogramm der Bundesregierung 2024 bis 2029 – Forschung für die zivile
Sicherheit – gemeinsam für ein sicheres Leben in einer resilienten Gesellschaft
</ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19667" typ="druckseitennummer"
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>d)Antrag der Fraktion der CDU/CSU:
Nationale Hafenstrategie fertigstellen – Finanzierung verbindlich zusagen </ivz-
eintrag-inhalt>
<a href="S19667" typ="druckseitennummer"
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
href="[Link]
eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>e)Erste Beratung des von den Abgeordneten
Martin Sichert, Dr. Christina Baum, Jörg Schneider, weiteren Abgeordneten und der
Fraktion der AfD eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Steigerung der
Blutspendenbereitschaft in der Bevölkerung </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19667" typ="druckseitennummer"
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
href="[Link]
eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>f)Antrag der Abgeordneten Martin Reichardt,
Mariana Iris Harder-Kühnel, Gereon Bollmann, weiterer Abgeordneter und der Fraktion
der AfD: Gegen jede Form des Rassismus, auch der anti-weißen Diskriminierung in
Deutschland </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19667" typ="druckseitennummer"
id="IVZt14"><seite>19667</seite> <seitenbereich>D</seitenbereich></a>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
href="[Link]
eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>g)Antrag der Abgeordneten Jörn König, Klaus
Stöber, Andreas Bleck, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Förderung
und Unterstützung ehrenamtlicher Funktionsträger im Sportverein </ivz-eintrag-
inhalt>
<a href="S19668" typ="druckseitennummer"
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
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eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>h)Antrag der Abgeordneten Barbara
Benkstein, Eugen Schmidt, Edgar Naujok, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der
AfD: Förderung quelloffener KI-Lösungen </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19668" typ="druckseitennummer"
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
href="[Link]
eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>i)Antrag der Abgeordneten Dr. Michael
Kaufmann, Nicole Höchst, Dr. Götz Frömming, weiterer Abgeordneter und der Fraktion
der AfD: Fachkräfteinitiative für die Fusionsforschung </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19668" typ="druckseitennummer"
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
href="[Link]
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</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>in Verbindung mit</ivz-eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Zusatzpunkt 7:</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Erste Beratung des von der Bundesregierung
eingebrachten Entwurfs eines Dritten Gesetzes zur Änderung des
Bundesschuldenwesengesetzes </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19668" typ="druckseitennummer"
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
href="[Link]
eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Tagesordnungspunkt 34:</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>a)Beschlussempfehlung und Bericht des
Rechtsausschusses zu dem Streitverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht
2 BvF 3/23 </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19668" typ="druckseitennummer"
id="IVZt19"><seite>19668</seite> <seitenbereich>C</seitenbereich></a>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
href="[Link]
eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>b)Beschlussempfehlung und Bericht des
Rechtsausschusses: Übersicht 5 – über die dem Deutschen Bundestag zugeleiteten
Streitsachen vor dem Bundesverfassungsgericht </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19668" typ="druckseitennummer"
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
href="[Link]
eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>c)Beschlussempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Gesundheit zu dem Antrag der Abgeordneten Peter Felser, Stephan
Protschka, Bernd Schattner, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD:
Maßnahmen zur Bekämpfung von Mangelernährung in Krankenhäusern und
Pflegeeinrichtungen </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19668" typ="druckseitennummer"
id="IVZt21"><seite>19668</seite> <seitenbereich>D</seitenbereich></a>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksachen <a
href="[Link] <a
href="[Link]
eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>d)–i)Beratung der Beschlussempfehlungen des
Petitionsausschusses: Sammelübersichten 511, 512, 513, 514, 515 und 516 zu
Petitionen </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19669" typ="druckseitennummer"
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksachen <a
href="[Link] <a
href="[Link] <a
href="[Link] <a
href="[Link] <a
href="[Link] <a
href="[Link]
eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>in Verbindung mit</ivz-eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Zusatzpunkt 8:</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Antrag der Abgeordneten Peter Boehringer,
Dr. Harald Weyel, Jochen Haug, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD zu
dem Vorschlag für die Änderung der Verordnung (EU, Euratom) 2020/2093 zur
Festlegung des mehrjährigen Finanzrahmens für die Jahre 2021 bis 2027 – hier:
Stellungnahme des Deutschen Bundestages nach Artikel 23 Absatz 3 des
Grundgesetzes – Friedenslösung statt Kriegsunterstützung – keine weiteren Gelder
für die EU </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19669" typ="druckseitennummer"
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
href="[Link]
eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Zusatzpunkt 10:</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Wahlvorschlag der Fraktion der CDU/CSU:
Wahl eines Mitglieds des Kuratoriums der „Bundesstiftung Magnus Hirschfeld“ </ivz-
eintrag-inhalt>
<a href="S19669" typ="druckseitennummer"
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
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eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Tagesordnungspunkt 10:</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Wahlvorschlag der Fraktion der AfD: Wahl
eines Stellvertreters der Präsidentin </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19669" typ="druckseitennummer"
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
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eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Tagesordnungspunkt 11:</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Wahlvorschlag der Fraktion der AfD: Wahl
eines Mitglieds des Parlamentarischen Kontrollgremiums gemäß Artikel 45d des
Grundgesetzes </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19669" typ="druckseitennummer"
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
href="[Link]
eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Zusatzpunkt 9:</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Wahlvorschlag der Fraktion der CDU/CSU:
Wahl eines Mitglieds des Parlamentarischen Kontrollgremiums gemäß Artikel 45d des
Grundgesetzes </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19670" typ="druckseitennummer"
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
href="[Link]
eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Wahlen </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19670" typ="druckseitennummer"
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Ergebnisse </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19694" typ="druckseitennummer"
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</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Zusatzpunkt 11:</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion
der CDU/CSU: Bezahlkarte jetzt rechtssicher einführen – Blockade innerhalb der
Bundesregierung beenden </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19670" typ="druckseitennummer"
id="IVZt28"><seite>19670</seite> <seitenbereich>C</seitenbereich></a>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004169"><name><vorname>Stephan</vorname><nachname>Stracke</nachname><fraktion
>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Stephan Stracke (CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11005165"><name><vorname>Rasha</vorname><nachname>Nasr</nachname><fraktion>SPD<
/fraktion></name></redner>Rasha Nasr (SPD)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11004900"><name><vorname>René</vorname><nachname>Springer</nachname><fraktion>A
fD</fraktion></name></redner>René Springer (AfD)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11005011"><name><vorname>Andreas</vorname><nachname>Audretsch</
nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Andreas
Audretsch (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11005238"><name><vorname>Jens</vorname><nachname>Teutrine</nachname><fraktion>F
DP</fraktion></name></redner>Jens Teutrine (FDP)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11004342"><name><vorname>Andrea</vorname><nachname>Lindholz</nachname><fraktion
>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Andrea Lindholz (CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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D</fraktion></name></redner>Annika Klose (SPD)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11004857"><name><vorname>Filiz</vorname><nachname>Polat</nachname><fraktion>BÜN
DNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Filiz Polat (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11004385"><name><vorname>Martina</vorname><nachname>Renner</nachname><fraktion>
Die Linke</fraktion></name></redner>Martina Renner (Die Linke)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11004796"><name><vorname>Konstantin</vorname><nachname>Kuhle</
nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></redner>Konstantin Kuhle (FDP)</ivz-
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id="999990143"><name><vorname>Marion</vorname><nachname>Gentges</nachname><rolle><r
olle_lang>Ministerin (Baden-Württemberg)</rolle_lang><rolle_kurz>Ministerin (Baden-
Württemberg)</rolle_kurz></rolle></name></redner>Marion Gentges, Ministerin (Baden-
Württemberg)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11004802"><name><vorname>Helge</vorname><nachname>Lindh</nachname><fraktion>SPD
</fraktion></name></redner>Helge Lindh (SPD)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11003753"><name><vorname>Klaus</vorname><nachname>Ernst</nachname><fraktion>BSW
</fraktion></name></redner>Klaus Ernst (BSW)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005159"><name><vorname>Maximilian</vorname><nachname>Mörseburg</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Maximilian Mörseburg
(CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Zusatzpunkt 12:</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>–Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Vierten Gesetzes zur Änderung des
Bundesschienenwegeausbaugesetzes </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19688" typ="druckseitennummer"
id="IVZt29"><seite>19688</seite> <seitenbereich>A</seitenbereich></a>
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksachen <a
href="[Link] <a
href="[Link] <a
href="[Link]
eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>–Bericht des Haushaltsausschusses gemäß
§ 96 der Geschäftsordnung </ivz-eintrag-inhalt>
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
href="[Link]
eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>in Verbindung mit</ivz-eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Zusatzpunkt 13:</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Beschlussempfehlung und Bericht des
Verkehrsausschusses zu dem Antrag der Abgeordneten Wolfgang Wiehle, Dr. Dirk
Spaniel, Dirk Brandes, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Die Deutsche
Bahn AG zielgerichtet und wirkungsvoll reformieren </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19688" typ="druckseitennummer"
id="IVZt31"><seite>19688</seite> <seitenbereich>B</seitenbereich></a>
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksachen <a
href="[Link] <a
href="[Link]
Buchstabe b</a></ivz-eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004914"><name><vorname>Michael</vorname><nachname>Theurer</nachname><rolle><r
olle_lang>Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Digitales und
Verkehr</rolle_lang><rolle_kurz>Parl. Staatssekretär
BMDV</rolle_kurz></rolle></name></redner>Michael Theurer, Parl. Staatssekretär
BMDV</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004262"><name><vorname>Michael</vorname><nachname>Donth</nachname><fraktion>C
DU/CSU</fraktion></name></redner>Michael Donth (CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11003816"><name><vorname>Detlef</vorname><nachname>Müller</nachname><ortszusatz
>(Chemnitz)</ortszusatz><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Detlef Müller
(Chemnitz) (SPD)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004933"><name><vorname>Wolfgang</vorname><nachname>Wiehle</nachname><fraktion
>AfD</fraktion></name></redner>Wolfgang Wiehle (AfD)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004278"><name><vorname>Matthias</vorname><nachname>Gastel</nachname><fraktion
>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Matthias Gastel (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004789"><name><vorname>Carina</vorname><nachname>Konrad</nachname><fraktion>F
DP</fraktion></name></redner>Carina Konrad (FDP)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004087"><name><vorname>Ulrich</vorname><nachname>Lange</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Ulrich Lange (CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005213"><name><vorname>Christian</vorname><nachname>Schreider</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Christian Schreider (SPD)</ivz-
eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004865"><name><vorname>Bernd</vorname><nachname>Riexinger</nachname><fraktion
>Die Linke</fraktion></name></redner>Bernd Riexinger (Die Linke)</ivz-eintrag-
inhalt>
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005219"><name><vorname>Stefan</vorname><nachname>Seidler</nachname><fraktion>
fraktionslos</fraktion></name></redner>Stefan Seidler (fraktionslos)</ivz-eintrag-
inhalt>
<xref div="C" pnr="19697" ref-type="rede" rid="ID2015409600">
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005240"><name><vorname>Anja</vorname><nachname>Troff-Schaffarzyk</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Anja Troff-Schaffarzyk (SPD)</ivz-
eintrag-inhalt>
<xref div="A" pnr="19698" ref-type="rede" rid="ID2015409700">
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</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Tagesordnungspunkt 13:</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>a)Antrag der Fraktion der CDU/CSU: Mit
Entschlossenheit für neues Vertrauen und eine gemeinsame Sicherheits- und
Europapolitik in den deutsch-polnischen Beziehungen sowie eine Neuaufstellung des
Weimarer Dreiecks eintreten </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19699" typ="druckseitennummer"
id="IVZt32"><seite>19699</seite> <seitenbereich>A</seitenbereich></a>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
href="[Link]
eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>b)Antrag der Abgeordneten Petr Bystron,
Tino Chrupalla, Markus Frohnmaier, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD:
Partnerschaft mit den Visegrád-Staaten ausbauen – Abendländische Werte verteidigen,
Europa neu denken, Wirtschaftskooperation vertiefen </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19699" typ="druckseitennummer"
id="IVZt33"><seite>19699</seite> <seitenbereich>B</seitenbereich></a>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
href="[Link]
eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005002"><name><vorname>Knut</vorname><nachname>Abraham</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Knut Abraham (CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11003199"><name><vorname>Dietmar</vorname><nachname>Nietan</nachname><fraktion>
SPD</fraktion></name></redner>Dietmar Nietan (SPD)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004692"><name><vorname>Petr</vorname><nachname>Bystron</nachname><fraktion>Af
D</fraktion></name></redner>Petr Bystron (AfD)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005226"><name><vorname>Merle</vorname><nachname>Spellerberg</
nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Merle
Spellerberg (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</ivz-eintrag-inhalt>
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005150"><name><vorname>Anikó</vorname><nachname>Glogowski-Merten</
nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></redner>Anikó Glogowski-Merten (FDP)</ivz-
eintrag-inhalt>
<xref div="B" pnr="19703" ref-type="rede" rid="ID2015410200">
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id="IVZr117"><seite>19703</seite> <seitenbereich>B</seitenbereich></a>
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004938"><name><vorname>Paul</vorname><nachname>Ziemiak</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Paul Ziemiak (CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004881"><name><vorname>Johannes</vorname><nachname>Schraps</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Johannes Schraps (SPD)</ivz-
eintrag-inhalt>
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005111"><name><vorname>Chantal</vorname><nachname>Kopf</nachname><fraktion>BÜ
NDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Chantal Kopf (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</ivz-eintrag-inhalt>
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004427"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Volker</vorname><nachname>Ullrich</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Dr. Volker Ullrich
(CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005234"><name><vorname>Konrad</vorname><nachname>Stockmeier</
nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></redner>Konrad Stockmeier (FDP)</ivz-
eintrag-inhalt>
<xref div="C" pnr="19707" ref-type="rede" rid="ID2015410700">
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id="IVZr122"><seite>19707</seite> <seitenbereich>C</seitenbereich></a>
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</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Tagesordnungspunkt 12:</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Antrag der Bundesregierung: Fortsetzung der
Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an der Mission der Vereinten
Nationen in der Republik Südsudan (UNMISS) </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19707" typ="druckseitennummer"
id="IVZt34"><seite>19707</seite> <seitenbereich>D</seitenbereich></a>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
href="[Link]
eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
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id="999990093"><name><vorname>Boris</vorname><nachname>Pistorius</
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Verteidigung</rolle_lang><rolle_kurz>Bundesminister
BMVg</rolle_kurz></rolle></name></redner>Boris Pistorius, Bundesminister BMVg</ivz-
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id="11004337"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Katja</vorname><nachname>Leikert</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Dr. Katja Leikert
(CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11004067"><name><vorname>Katja</vorname><nachname>Keul</nachname><rolle><rolle_
lang>Staatsministerin im Auswärtigen Amt</rolle_lang><rolle_kurz>Staatsministerin
AA</rolle_kurz></rolle></name></redner>Katja Keul, Staatsministerin AA</ivz-
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id="11005264"><name><vorname>Joachim</vorname><nachname>Wundrak</nachname><fraktion
>AfD</fraktion></name></redner>Joachim Wundrak (AfD)</ivz-eintrag-inhalt>
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nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Dr. Volker Ullrich
(CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-block-titel>Tagesordnungspunkt 15:</ivz-block-titel>
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<ivz-eintrag-inhalt>Antrag der Fraktion der CDU/CSU:
Deutschland braucht sichere Grenzen – Nationale Grenzkontrollen verlängern, bis die
EU-Außengrenzen wirksam geschützt sind </ivz-eintrag-inhalt>
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>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Alexander Throm (CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11004969"><name><vorname>Marcel</vorname><nachname>Emmerich</nachname><fraktion
>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Marcel Emmerich (BÜNDNIS 90/DIE
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id="11005261"><name><vorname>Mechthilde</vorname><nachname>Wittmann</
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(CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11005173"><name><vorname>Julian</vorname><nachname>Pahlke</nachname><fraktion>B
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<ivz-block-titel>Tagesordnungspunkt 14:</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Antrag der Bundesregierung: Fortsetzung der
Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an der NATO-geführten Maritimen
Sicherheitsoperation SEA GUARDIAN im Mittelmeer </ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
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id="999990093"><name><vorname>Boris</vorname><nachname>Pistorius</
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Verteidigung</rolle_lang><rolle_kurz>Bundesminister
BMVg</rolle_kurz></rolle></name></redner>Boris Pistorius, Bundesminister BMVg</ivz-
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>AfD</fraktion></name></redner>Joachim Wundrak (AfD)</ivz-eintrag-inhalt>
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P</fraktion></name></redner>Rainer Semet (FDP)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11004427"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Volker</vorname><nachname>Ullrich</
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(CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004259"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Karamba</vorname><nachname>Diaby</
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<ivz-block>
<ivz-block-titel>Tagesordnungspunkt 17:</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Antrag der Fraktion der CDU/CSU:
Wiederaufbau im Ahrtal durch Anpassungen bei der Aufbauhilfe 2021 beschleunigen
</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
href="[Link]
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005190"><name><vorname>Lars</vorname><nachname>Rohwer</nachname><fraktion>CDU
/CSU</fraktion></name></redner>Lars Rohwer (CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004836"><name><vorname>Sebastian</vorname><nachname>Münzenmaier</
nachname><fraktion>AfD</fraktion></name></redner>Sebastian Münzenmaier (AfD)</ivz-
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id="11005130"><name><vorname>Anja</vorname><nachname>Liebert</nachname><fraktion>BÜ
NDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Anja Liebert (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004929"><name><vorname>Sandra</vorname><nachname>Weeser</nachname><fraktion>F
DP</fraktion></name></redner>Sandra Weeser (FDP)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005194"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Thorsten</vorname><nachname>Rudolph<
/nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Dr. Thorsten Rudolph (SPD)</ivz-
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004288"><name><titel>Dr.</titel><vorname>André</vorname><nachname>Hahn</
nachname><fraktion>Die Linke</fraktion></name></redner>Dr. André Hahn (Die
Linke)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004215"><name><vorname>Harald</vorname><nachname>Ebner</nachname><fraktion>BÜ
NDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Harald Ebner (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</ivz-eintrag-inhalt>
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</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Zusatzpunkt 14:</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Erste Beratung des von den Fraktionen SPD,
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung
des Strafgesetzbuches – Strafbarkeit der unzulässigen Interessenwahrnehmung </ivz-
eintrag-inhalt>
<a href="S19736" typ="druckseitennummer"
id="IVZt38"><seite>19736</seite> <seitenbereich>C</seitenbereich></a>
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
href="[Link]
eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>in Verbindung mit</ivz-eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Zusatzpunkt 15:</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Erste Beratung des von den Abgeordneten
Thomas Seitz, Marc Bernhard, Thomas Dietz, weiteren Abgeordneten und der Fraktion
der AfD eingebrachten Entwurfs eines … Strafrechtsänderungsgesetzes – Ausweitung
und Verschärfung des Straftatbestandes der Abgeordnetenbestechung </ivz-eintrag-
inhalt>
<a href="S19736" typ="druckseitennummer"
id="IVZt39"><seite>19736</seite> <seitenbereich>C</seitenbereich></a>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
href="[Link]
eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004056"><name><vorname>Ansgar</vorname><nachname>Heveling</nachname><fraktion
>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Ansgar Heveling (CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004270"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Johannes</vorname><nachname>Fechner<
/nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Dr. Johannes Fechner (SPD)</ivz-
eintrag-inhalt>
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004891"><name><vorname>Thomas</vorname><nachname>Seitz</nachname><fraktion>Af
D</fraktion></name></redner>Thomas Seitz (AfD)</ivz-eintrag-inhalt>
<xref div="B" pnr="19738" ref-type="rede" rid="ID2015414200">
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005132"><name><vorname>Helge</vorname><nachname>Limburg</nachname><fraktion>B
ÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Helge Limburg (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11004427"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Volker</vorname><nachname>Ullrich</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Dr. Volker Ullrich
(CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11005049"><name><vorname>Sonja</vorname><nachname>Eichwede</nachname><fraktion>
SPD</fraktion></name></redner>Sonja Eichwede (SPD)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-block-titel>Tagesordnungspunkt 19:</ivz-block-titel>
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<ivz-eintrag-inhalt>Antrag der Abgeordneten Susanne Ferschl,
Gökay Akbulut, Matthias W. Birkwald, weiterer Abgeordneter und der Gruppe Die
Linke: Sachgrundlose Befristung vollständig abschaffen </ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
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id="11004715"><name><vorname>Susanne</vorname><nachname>Ferschl</nachname><fraktion
>Die Linke</fraktion></name></redner>Susanne Ferschl (Die Linke)</ivz-eintrag-
inhalt>
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SPD</fraktion></name></redner>Michael Gerdes (SPD)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11004365"><name><vorname>Wilfried</vorname><nachname>Oellers</
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(CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11004117"><name><vorname>Beate</vorname><nachname>Müller-Gemmeke</
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Gemmeke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</ivz-eintrag-inhalt>
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P</fraktion></name></redner>Pascal Kober (FDP)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11003858"><name><vorname>Alexander</vorname><nachname>Ulrich</
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id="11004073"><name><vorname>Axel</vorname><nachname>Knoerig</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Axel Knoerig (CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-block>
<ivz-block-titel>Zusatzpunkt 16:</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Unterrichtung durch die Bundesregierung:
Strategie für die Internationale Digitalpolitik der Bundesregierung </ivz-eintrag-
inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
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id="11005058"><name><vorname>Maximilian</vorname><nachname>Funke-Kaiser</
nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></redner>Maximilian Funke-Kaiser
(FDP)</ivz-eintrag-inhalt>
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nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Nicolas Zippelius
(CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004603"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Jens</vorname><nachname>Zimmermann</
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id="11005209"><name><vorname>Eugen</vorname><nachname>Schmidt</nachname><fraktion>A
fD</fraktion></name></redner>Eugen Schmidt (AfD)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner id="11005013"><name><vorname>Tobias
B.</vorname><nachname>Bacherle</nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN</fraktion></name></redner>Tobias B. Bacherle (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</ivz-
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<ivz-block>
<ivz-block-titel>Tagesordnungspunkt 21:</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>a)Antrag der Fraktion der CDU/CSU: Für
transparente Verhandlungen über das WHO-Pandemieabkommen – Gegen Fehlinformationen
und Verschwörungstheorien </ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
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eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>b)Antrag der Abgeordneten Martin Sichert,
Dr. Christina Baum, Jörg Schneider, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD:
Ablehnung des WHO-Pandemievertrags sowie der überarbeiteten Internationalen
Gesundheitsvorschriften </ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11002666"><name><vorname>Hermann</vorname><nachname>Gröhe</nachname><fraktion>C
DU/CSU</fraktion></name></redner>Hermann Gröhe (CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005195"><name><vorname>Tina</vorname><nachname>Rudolph</nachname><fraktion>SP
D</fraktion></name></redner>Tina Rudolph (SPD)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005018"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Christina</vorname><nachname>Baum</
nachname><fraktion>AfD</fraktion></name></redner>Dr. Christina Baum (AfD)</ivz-
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id="11004327"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Georg</vorname><nachname>Kippels</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Dr. Georg Kippels
(CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004060"><name><vorname>Andrej</vorname><nachname>Hunko</nachname><fraktion>BS
W</fraktion></name></redner>Andrej Hunko (BSW)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005262"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Herbert</vorname><nachname>Wollmann<
/nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Dr. Herbert Wollmann (SPD)</ivz-
eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005053"><name><vorname>Robert</vorname><nachname>Farle</nachname><fraktion>fr
aktionslos</fraktion></name></redner>Robert Farle (fraktionslos)</ivz-eintrag-
inhalt>
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004095"><name><vorname>Lars</vorname><nachname>Lindemann</nachname><fraktion>
FDP</fraktion></name></redner>Lars Lindemann (FDP)</ivz-eintrag-inhalt>
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</ivz-block>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Tagesordnungspunkt 26:</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Beschlussempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung: Änderung der
Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages – hier: Anlage 2a Verhaltenskodex für
Interessenvertreterinnen und Interessenvertreter im Rahmen des
Lobbyregistergesetzes </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19757" typ="druckseitennummer"
id="IVZt44"><seite>19757</seite> <seitenbereich>A</seitenbereich></a>
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004270"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Johannes</vorname><nachname>Fechner<
/nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Dr. Johannes Fechner (SPD)</ivz-
eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004678"><name><vorname>Stephan</vorname><nachname>Brandner</
nachname><fraktion>AfD</fraktion></name></redner>Stephan Brandner (AfD)</ivz-
eintrag-inhalt>
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</ivz-block>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Tagesordnungspunkt 23:</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Antrag der Fraktion der CDU/CSU: Fußball-
EM 2024 – Volle Unterstützung für ein neues Sommermärchen </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19758" typ="druckseitennummer"
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004788"><name><vorname>Jörn</vorname><nachname>König</nachname><fraktion>AfD<
/fraktion></name></redner>Jörn König (AfD)</ivz-eintrag-inhalt>
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004864"><name><vorname>Bernd</vorname><nachname>Reuther</nachname><fraktion>F
DP</fraktion></name></redner>Bernd Reuther (FDP)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004800"><name><vorname>Jens</vorname><nachname>Lehmann</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Jens Lehmann (CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Tagesordnungspunkt 25:</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Erste Beratung des von der Bundesregierung
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über die Digitalisierung des Finanzmarktes
(Finanzmarktdigitalisierungsgesetz – FinmadiG) </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19761" typ="druckseitennummer"
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
href="[Link]
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004418"><name><vorname>Johannes</vorname><nachname>Steiniger</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Johannes Steiniger
(CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005170"><name><vorname>Lennard</vorname><nachname>Oehl</nachname><fraktion>SP
D</fraktion></name></redner>Lennard Oehl (SPD)</ivz-eintrag-inhalt>
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004788"><name><vorname>Jörn</vorname><nachname>König</nachname><fraktion>AfD<
/fraktion></name></redner>Jörn König (AfD)</ivz-eintrag-inhalt>
<xref div="C" pnr="19763" ref-type="rede" rid="ID2015417400">
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</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Tagesordnungspunkt 20:</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Zehnten Gesetzes zur Änderung des
Bundesverfassungsgerichtsgesetzes – Einführung des elektronischen Rechtsverkehrs
mit dem Bundesverfassungsgericht </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19764" typ="druckseitennummer"
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksachen <a
href="[Link] <a
href="[Link]
eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005129"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Thorsten</vorname><nachname>Lieb</
nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></redner>Dr. Thorsten Lieb (FDP)</ivz-
eintrag-inhalt>
<xref div="C" pnr="19764" ref-type="rede" rid="ID2015417500">
<a href="S19764" typ="druckseitennummer"
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004427"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Volker</vorname><nachname>Ullrich</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Dr. Volker Ullrich
(CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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<a href="S19765" typ="druckseitennummer"
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004678"><name><vorname>Stephan</vorname><nachname>Brandner</
nachname><fraktion>AfD</fraktion></name></redner>Stephan Brandner (AfD)</ivz-
eintrag-inhalt>
<xref div="C" pnr="19765" ref-type="rede" rid="ID2015417700">
<a href="S19765" typ="druckseitennummer"
id="IVZr192"><seite>19765</seite> <seitenbereich>C</seitenbereich></a>
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</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Tagesordnungspunkt 22:</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des DWD-
Gesetzes </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19766" typ="druckseitennummer"
id="IVZt48"><seite>19766</seite> <seitenbereich>D</seitenbereich></a>
</ivz-eintrag>
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<ivz-eintrag-inhalt>Drucksachen <a
href="[Link] <a
href="[Link] <a
href="[Link]
eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005052"><name><vorname>Martina</vorname><nachname>Englhardt-Kopf</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Martina Englhardt-Kopf
(CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="IVZr193"><seite>19767</seite> <seitenbereich>A</seitenbereich></a>
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005031"><name><vorname>Dirk</vorname><nachname>Brandes</nachname><fraktion>Af
D</fraktion></name></redner>Dirk Brandes (AfD)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005149"><name><vorname>Susanne</vorname><nachname>Menge</nachname><fraktion>B
ÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Susanne Menge (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004678"><name><vorname>Stephan</vorname><nachname>Brandner</
nachname><fraktion>AfD</fraktion></name></redner>Stephan Brandner (AfD) (zur
Geschäftsordnung)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004175"><name><vorname>Stephan</vorname><nachname>Thomae</nachname><fraktion>
FDP</fraktion></name></redner>Stephan Thomae (FDP) (zur Geschäftsordnung)</ivz-
eintrag-inhalt>
<xref div="A" pnr="19770" ref-type="rede" rid="ID2015418200">
<a href="S19770" typ="druckseitennummer"
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</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Zusatzpunkt 17:</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Ersten Gesetzes zur Änderung des
Saubere-Fahrzeuge-Beschaffungs-Gesetzes </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19770" typ="druckseitennummer"
id="IVZt49"><seite>19770</seite> <seitenbereich>A</seitenbereich></a>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksachen <a
href="[Link] <a
href="[Link] <a
href="[Link] Nr. 4</a>, <a
href="[Link]
eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004854"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Christoph</vorname><nachname>Ploß</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Dr. Christoph Ploß
(CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004899"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Dirk</vorname><nachname>Spaniel</
nachname><fraktion>AfD</fraktion></name></redner>Dr. Dirk Spaniel (AfD)</ivz-
eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004726"><name><vorname>Stefan</vorname><nachname>Gelbhaar</nachname><fraktion
>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Stefan Gelbhaar (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="IVZr200"><seite>19772</seite> <seitenbereich>A</seitenbereich></a>
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</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Tagesordnungspunkt 18:</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Unterrichtung durch die Bundesregierung:
Bericht zum Anerkennungsgesetz 2023 </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19773" typ="druckseitennummer"
id="IVZt50"><seite>19773</seite> <seitenbereich>C</seitenbereich></a>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Drucksache <a
href="[Link]
eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004676"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Jens</vorname><nachname>Brandenburg<
/nachname><rolle><rolle_lang>Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für
Bildung und Forschung</rolle_lang><rolle_kurz>Parl. Staatssekretär
BMBF</rolle_kurz></rolle></name></redner>Dr. Jens Brandenburg, Parl. Staatssekretär
BMBF</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004753"><name><vorname>Nicole</vorname><nachname>Höchst</nachname><fraktion>A
fD</fraktion></name></redner>Nicole Höchst (AfD)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005028"><name><vorname>Friedhelm</vorname><nachname>Boginski</
nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></redner>Friedhelm Boginski (FDP)</ivz-
eintrag-inhalt>
<xref div="B" pnr="19775" ref-type="rede" rid="ID2015418800">
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id="IVZr203"><seite>19775</seite> <seitenbereich>B</seitenbereich></a>
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</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Nächste Sitzung </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19776" typ="druckseitennummer"
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<ivz-block-titel>Anlage 1</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Entschuldigte Abgeordnete </ivz-eintrag-
inhalt>
<a href="S19793" typ="druckseitennummer"
id="IVZANLt1"><seite>19793</seite> <seitenbereich>A</seitenbereich></a>
</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Anlage 2</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Erklärung nach § 31 GO der Abgeordneten
Manuel Höferlin, Dr. Christoph Hoffmann, Carina Konrad, Kristine Lütke, Alexander
Müller, Ria Schröder und Dr. Stephan Seiter (alle FDP) zu der namentlichen
Abstimmung über den Antrag der Fraktion der CDU/CSU: Für eine echte Zeitenwende in
der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik</ivz-eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>(Tagesordnungspunkt 7) </ivz-eintrag-
inhalt>
<a href="S19794" typ="druckseitennummer"
id="IVZANLt2"><seite>19794</seite> <seitenbereich>A</seitenbereich></a>
</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Anlage 3</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Erklärungen nach § 31 GO zu der
namentlichen Abstimmung über den Antrag der Fraktion der CDU/CSU: Für eine echte
Zeitenwende in der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik</ivz-eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>(Tagesordnungspunkt 7) </ivz-eintrag-
inhalt>
<a href="S19794" typ="druckseitennummer"
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005001"><name><vorname>Valentin</vorname><nachname>Abel</nachname><fraktion>F
DP</fraktion></name></redner>Valentin Abel (FDP)</ivz-eintrag-inhalt>
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004003"><name><vorname>Christine</vorname><nachname>Aschenberg-Dugnus</
nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></redner>Christine Aschenberg-Dugnus
(FDP)</ivz-eintrag-inhalt>
<xref div="A" pnr="19795" ref-type="rede" rid="ID2015419000">
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id="IVZANLr2"><seite>19795</seite> <seitenbereich>A</seitenbereich></a>
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner id="11004697"><name><vorname>Carl-
Julius</vorname><nachname>Cronenberg</nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></
redner>Carl-Julius Cronenberg (FDP)</ivz-eintrag-inhalt>
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<a href="S19795" typ="druckseitennummer"
id="IVZANLr3"><seite>19795</seite> <seitenbereich>B</seitenbereich></a>
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005058"><name><vorname>Maximilian</vorname><nachname>Funke-Kaiser</
nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></redner>Maximilian Funke-Kaiser
(FDP)</ivz-eintrag-inhalt>
<xref div="C" pnr="19795" ref-type="rede" rid="ID2015419200">
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004948"><name><vorname>Peter</vorname><nachname>Heidt</nachname><fraktion>FDP
</fraktion></name></redner>Peter Heidt (FDP)</ivz-eintrag-inhalt>
<xref div="D" pnr="19795" ref-type="rede" rid="ID2015419300">
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004745"><name><vorname>Markus</vorname><nachname>Herbrand</nachname><fraktion
>FDP</fraktion></name></redner>Markus Herbrand (FDP)</ivz-eintrag-inhalt>
<xref div="A" pnr="19796" ref-type="rede" rid="ID2015419400">
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005219"><name><vorname>Stefan</vorname><nachname>Seidler</nachname><fraktion>
fraktionslos</fraktion></name></redner>Stefan Seidler (fraktionslos)</ivz-eintrag-
inhalt>
<xref div="C" pnr="19796" ref-type="rede" rid="ID2015419500">
<a href="S19796" typ="druckseitennummer"
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004922"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Andrew</vorname><nachname>Ullmann</
nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></redner>Dr. Andrew Ullmann (FDP)</ivz-
eintrag-inhalt>
<xref div="C" pnr="19796" ref-type="rede" rid="ID2015419600">
<a href="S19796" typ="druckseitennummer"
id="IVZANLr8"><seite>19796</seite> <seitenbereich>C</seitenbereich></a>
</xref>
</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Anlage 4</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Erklärung nach § 31 GO des Abgeordneten
Dr. Rainer Kraft (AfD) zu den namentlichen Abstimmungen über</ivz-eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>–den Antrag der Fraktion der CDU/CSU: Für
eine echte Zeitenwende in der deutschen Außen – und Sicherheitspolitik</ivz-
eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>und</ivz-eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>–den Antrag der Fraktionen SPD,
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP: Zehn Jahre russischer Krieg gegen die Ukraine – Die
Ukraine und Europa entschlossen verteidigen</ivz-eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>(Tagesordnungspunkte 7 und 8 a) </ivz-
eintrag-inhalt>
<a href="S19797" typ="druckseitennummer"
id="IVZANLt4"><seite>19797</seite> <seitenbereich>A</seitenbereich></a>
</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Anlage 5</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Erklärung nach § 31 GO der Abgeordneten
Frank Junge, Dr. Nina Scheer, Dr. Ralf Stegner und Dr. Herbert Wollmann (alle SPD)
zu der namentlichen Abstimmung über den Antrag der Fraktionen SPD, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN und FDP: Zehn Jahre russischer Krieg gegen die Ukraine – Die Ukraine und
Europa entschlossen verteidigen</ivz-eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>(Tagesordnungspunkt 8 a) </ivz-eintrag-
inhalt>
<a href="S19797" typ="druckseitennummer"
id="IVZANLt5"><seite>19797</seite> <seitenbereich>B</seitenbereich></a>
</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Anlage 6</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Erklärung nach § 31 GO der Abgeordneten
Maja Wallstein (SPD) zu der namentlichen Abstimmung über den Antrag der Fraktionen
SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP: Zehn Jahre russischer Krieg gegen die Ukraine –
Die Ukraine und Europa entschlossen verteidigen</ivz-eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>(Tagesordnungspunkt 8 a) </ivz-eintrag-
inhalt>
<a href="S19798" typ="druckseitennummer"
id="IVZANLt6"><seite>19798</seite> <seitenbereich>A</seitenbereich></a>
</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Anlage 7</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Ergebnisse und Namensverzeichnis der
Mitglieder des Deutschen Bundestages, die an der Wahl eines Stellvertreters der
Präsidentin des Deutschen Bundestages (1. Wahlgang) sowie an der Wahl von
Mitgliedern des Parlamentarischen Kontrollgremiums gemäß Artikel 45d des
Grundgesetzes teilgenommen haben</ivz-eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>(Tagesordnungspunkte 10 und 11 sowie
Zusatzpunkt 9) </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19798" typ="druckseitennummer"
id="IVZANLt7"><seite>19798</seite> <seitenbereich>B</seitenbereich></a>
</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Anlage 8</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Erklärung nach § 31 GO des Abgeordneten
Bernd Riexinger (Die Linke) zu der Abstimmung über die Entschließung unter
Buchstabe b der Beschlussempfehlung des Verkehrsausschusses zu dem Gesetzentwurf
der Bundesregierung: Entwurf eines Vierten Gesetzes zur Änderung des
Bundesschienenwegeausbaugesetzes</ivz-eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>(Zusatzpunkt 12) </ivz-eintrag-inhalt>
<a href="S19802" typ="druckseitennummer"
id="IVZANLt8"><seite>19802</seite> <seitenbereich>A</seitenbereich></a>
</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Anlage 9</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung
des Antrags der Bundesregierung: Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter deutscher
Streitkräfte an der NATO-geführten Maritimen Sicherheitsoperation SEA GUARDIAN im
Mittelmeer</ivz-eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>(Tagesordnungspunkt 14) </ivz-eintrag-
inhalt>
<a href="S19802" typ="druckseitennummer"
id="IVZANLt9"><seite>19802</seite> <seitenbereich>A</seitenbereich></a>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004068"><name><vorname>Roderich</vorname><nachname>Kiesewetter</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Roderich Kiesewetter
(CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
<xref div="B" pnr="19802" ref-type="rede" rid="ID2015419700">
<a href="S19802" typ="druckseitennummer"
id="IVZANLr9"><seite>19802</seite> <seitenbereich>B</seitenbereich></a>
</xref>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner id="11005013"><name><vorname>Tobias
B.</vorname><nachname>Bacherle</nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN</fraktion></name></redner>Tobias B. Bacherle (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</ivz-
eintrag-inhalt>
<xref div="A" pnr="19803" ref-type="rede" rid="ID2015419800">
<a href="S19803" typ="druckseitennummer"
id="IVZANLr10"><seite>19803</seite> <seitenbereich>A</seitenbereich></a>
</xref>
</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Anlage 10</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Zu Protokoll gegebene Rede zur
Beratung</ivz-eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>–des von den Fraktionen SPD, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN und FDP eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des
Strafgesetzbuches – Strafbarkeit der unzulässigen Interessenwahrnehmung</ivz-
eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>–des von den Abgeordneten Thomas Seitz,
Marc Bernhard, Thomas Dietz, weiteren Abgeordneten und der Fraktion der AfD
eingebrachten Entwurfs eines … Strafrechtsänderungsgesetzes – Ausweitung und
Verschärfung des Straftatbestandes der Abgeordnetenbestechung</ivz-eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>(Zusatzpunkte 14 und 15) </ivz-eintrag-
inhalt>
<a href="S19803" typ="druckseitennummer"
id="IVZANLt10"><seite>19803</seite> <seitenbereich>C</seitenbereich></a>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004175"><name><vorname>Stephan</vorname><nachname>Thomae</nachname><fraktion>
FDP</fraktion></name></redner>Stephan Thomae (FDP)</ivz-eintrag-inhalt>
<xref div="D" pnr="19803" ref-type="rede" rid="ID2015419900">
<a href="S19803" typ="druckseitennummer"
id="IVZANLr11"><seite>19803</seite> <seitenbereich>D</seitenbereich></a>
</xref>
</ivz-eintrag>
</ivz-block>
<ivz-block>
<ivz-block-titel>Anlage 11</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Zu Protokoll gegebene Rede zur Beratung des
Antrags der Abgeordneten Susanne Ferschl, Gökay Akbulut, Matthias W. Birkwald,
weiterer Abgeordneter und der Gruppe Die Linke: Sachgrundlose Befristung
vollständig abschaffen</ivz-eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>(Tagesordnungspunkt 19) </ivz-eintrag-
inhalt>
<a href="S19804" typ="druckseitennummer"
id="IVZANLt11"><seite>19804</seite> <seitenbereich>B</seitenbereich></a>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005041"><name><vorname>Jan</vorname><nachname>Dieren</nachname><fraktion>SPD<
/fraktion></name></redner>Jan Dieren (SPD)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-block-titel>Anlage 12</ivz-block-titel>
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<ivz-eintrag-inhalt>Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung
der Unterrichtung durch die Bundesregierung: Strategie für die Internationale
Digitalpolitik der Bundesregierung</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt>(Zusatzpunkt 16) </ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005098"><name><vorname>Anna</vorname><nachname>Kassautzki</nachname><fraktion
>SPD</fraktion></name></redner>Anna Kassautzki (SPD)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004703"><name><vorname>Anke</vorname><nachname>Domscheit-Berg</
nachname><fraktion>Die Linke</fraktion></name></redner>Anke Domscheit-Berg (Die
Linke)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-block-titel>Anlage 13</ivz-block-titel>
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<ivz-eintrag-inhalt>Zu Protokoll gegebene Reden zur
Beratung</ivz-eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>–des Antrags der Fraktion der CDU/CSU: Für
transparente Verhandlungen über das WHO-Pandemieabkommen – Gegen Fehlinformationen
und Verschwörungstheorien</ivz-eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>–des Antrags der Abgeordneten Martin
Sichert, Dr. Christina Baum, Jörg Schneider, weiterer Abgeordneter und der Fraktion
der AfD: Ablehnung des WHO-Pandemievertrags sowie der überarbeiteten
Internationalen Gesundheitsvorschriften</ivz-eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>(Tagesordnungspunkt 21 a und b) </ivz-
eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005248"><name><vorname>Johannes</vorname><nachname>Wagner</nachname><fraktion
>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Johannes Wagner (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004922"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Andrew</vorname><nachname>Ullmann</
nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></redner>Dr. Andrew Ullmann (FDP)</ivz-
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004181"><name><vorname>Kathrin</vorname><nachname>Vogler</nachname><fraktion>
Die Linke</fraktion></name></redner>Kathrin Vogler (Die Linke)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-block-titel>Anlage 14</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung
der Beschlussempfehlung und des Berichts des Ausschusses für Wahlprüfung, Immunität
und Geschäftsordnung: Änderung der Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages –
hier: Anlage 2a Verhaltenskodex für Interessenvertreterinnen und
Interessenvertreter im Rahmen des Lobbyregistergesetzes</ivz-eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>(Tagesordnungspunkt 26) </ivz-eintrag-
inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004146"><name><vorname>Patrick</vorname><nachname>Schnieder</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Patrick Schnieder
(CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11005086"><name><vorname>Bruno</vorname><nachname>Hönel</nachname><fraktion>BÜN
DNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Bruno Hönel (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11005075"><name><vorname>Philipp</vorname><nachname>Hartewig</
nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></redner>Philipp Hartewig (FDP)</ivz-
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<ivz-block-titel>Anlage 15</ivz-block-titel>
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<ivz-eintrag-inhalt>Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung
des Antrags der Fraktion der CDU/CSU: Fußball-EM 2024 – Volle Unterstützung für ein
neues Sommermärchen</ivz-eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>(Tagesordnungspunkt 23) </ivz-eintrag-
inhalt>
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id="11005213"><name><vorname>Christian</vorname><nachname>Schreider</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Christian Schreider (SPD)</ivz-
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id="11005262"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Herbert</vorname><nachname>Wollmann<
/nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Dr. Herbert Wollmann (SPD)</ivz-
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id="11003589"><name><vorname>Stephan</vorname><nachname>Mayer</nachname><ortszusatz
>(Altötting)</ortszusatz><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Stephan Mayer
(Altötting) (CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11005114"><name><vorname>Philip</vorname><nachname>Krämer</nachname><fraktion>B
ÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Philip Krämer (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004288"><name><titel>Dr.</titel><vorname>André</vorname><nachname>Hahn</
nachname><fraktion>Die Linke</fraktion></name></redner>Dr. André Hahn (Die
Linke)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-block-titel>Anlage 16</ivz-block-titel>
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<ivz-eintrag-inhalt>Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung
des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über die
Digitalisierung des Finanzmarktes (Finanzmarktdigitalisierungsgesetz –
FinmadiG)</ivz-eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>(Tagesordnungspunkt 25) </ivz-eintrag-
inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004603"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Jens</vorname><nachname>Zimmermann</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Dr. Jens Zimmermann (SPD)</ivz-
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005071"><name><vorname>Sabine</vorname><nachname>Grützmacher</
nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Sabine
Grützmacher (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11005183"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Volker</vorname><nachname>Redder</
nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></redner>Dr. Volker Redder (FDP)</ivz-
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<ivz-block-titel>Anlage 17</ivz-block-titel>
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<ivz-eintrag-inhalt>Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung
des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Zehnten Gesetzes zur
Änderung des Bundesverfassungsgerichtsgesetzes – Einführung des elektronischen
Rechtsverkehrs mit dem Bundesverfassungsgericht</ivz-eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>(Tagesordnungspunkt 20) </ivz-eintrag-
inhalt>
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id="11005049"><name><vorname>Sonja</vorname><nachname>Eichwede</nachname><fraktion>
SPD</fraktion></name></redner>Sonja Eichwede (SPD)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11004056"><name><vorname>Ansgar</vorname><nachname>Heveling</nachname><fraktion
>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Ansgar Heveling (CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11005228"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Till</vorname><nachname>Steffen</
nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Dr. Till Steffen
(BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-block-titel>Anlage 18</ivz-block-titel>
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<ivz-eintrag-inhalt>Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung
des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Zweiten Gesetzes zur
Änderung des DWD-Gesetzes</ivz-eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>(Tagesordnungspunkt 22) </ivz-eintrag-
inhalt>
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id="11005181"><name><vorname>Jan</vorname><nachname>Plobner</nachname><fraktion>SPD
</fraktion></name></redner>Jan Plobner (SPD)</ivz-eintrag-inhalt>
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id="11005204"><name><vorname>Johannes</vorname><nachname>Schätzl</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Johannes Schätzl (SPD)</ivz-
eintrag-inhalt>
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id="11005125"><name><vorname>Jürgen</vorname><nachname>Lenders</nachname><fraktion>
FDP</fraktion></name></redner>Jürgen Lenders (FDP)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-block>
<ivz-block-titel>Anlage 19</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung
des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Ersten Gesetzes zur
Änderung des Saubere-Fahrzeuge-Beschaffungs-Gesetzes</ivz-eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>(Zusatzpunkt 17) </ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005036"><name><vorname>Isabel</vorname><nachname>Cademartori
Dujisin</nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Isabel Cademartori
Dujisin (SPD)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004103"><name><vorname>Thomas</vorname><nachname>Lutze</nachname><fraktion>SP
D</fraktion></name></redner>Thomas Lutze (SPD)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005052"><name><vorname>Martina</vorname><nachname>Englhardt-Kopf</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Martina Englhardt-Kopf
(CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004864"><name><vorname>Bernd</vorname><nachname>Reuther</nachname><fraktion>F
DP</fraktion></name></redner>Bernd Reuther (FDP)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-block>
<ivz-block-titel>Anlage 20</ivz-block-titel>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung
der Unterrichtung durch die Bundesregierung: Bericht zum
Anerkennungsgesetz 2023</ivz-eintrag-inhalt>
</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt>(Tagesordnungspunkt 18) </ivz-eintrag-
inhalt>
<a href="S19820" typ="druckseitennummer"
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005221"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Lina</vorname><nachname>Seitzl</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Dr. Lina Seitzl (SPD)</ivz-
eintrag-inhalt>
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</ivz-eintrag>
<ivz-eintrag>
<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005247"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Carolin</vorname><nachname>Wagner</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Dr. Carolin Wagner (SPD)</ivz-
eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004655"><name><vorname>Norbert
Maria</vorname><nachname>Altenkamp</nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></
redner>Norbert Maria Altenkamp (CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11004241"><name><vorname>Stephan</vorname><nachname>Albani</nachname><fraktion>
CDU/CSU</fraktion></name></redner>Stephan Albani (CDU/CSU)</ivz-eintrag-inhalt>
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<ivz-eintrag-inhalt><redner
id="11005187"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Anja</vorname><nachname>Reinalter</
nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Dr. Anja
Reinalter (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</ivz-eintrag-inhalt>
<xref div="C" pnr="19823" ref-type="rede" rid="ID2015423100">
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</ivz-eintrag>
</ivz-block>
</inhaltsverzeichnis>
</vorspann>
<sitzungsverlauf>
<sitzungsbeginn sitzung-start-uhrzeit="9:00">
<name>Präsidentin Bärbel Bas:</name>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Ich wünsche Ihnen allen einen schönen guten Morgen. Die Sitzung ist
eröffnet.</p>
<p klasse="J"><a id="s1"/>Bevor wir beginnen, begrüße ich einen neuen
Kollegen in unserer Mitte. Für den ausgeschiedenen Abgeordneten Christian Kühn hat
der Kollege Jürgen Kretz die Mitgliedschaft im Deutschen Bundestag erworben.
Herzlich willkommen und auf gute Zusammenarbeit! </p>
<kommentar>(Beifall)</kommentar>
<p klasse="J"><a id="s2"/>Außerdem gratuliere ich nachträglich dem
Kollegen Boris Mijatović zum 50. Geburtstag sowie dem Kollegen Dr. Peter Ramsauer
zum 70. Geburtstag. </p>
<kommentar>(Beifall)</kommentar>
<p klasse="O">Herzlichen Glückwunsch im Namen des ganzen Hauses!</p>
<p klasse="J"><a id="s3"/>Nun haben wir noch einige Wahlen
durchzuführen. Als Schriftführerinnen sollen auf Vorschlag der Fraktion
Bündnis 90/Die Grünen die Abgeordnete Awet Tesfaiesus als Nachfolgerin für die
Abgeordnete Denise Loop sowie auf Vorschlag der Fraktion der CDU/CSU die
Abgeordnete Bettina Margarethe Wiesmann als Nachfolgerin für den ausgeschiedenen
Abgeordneten Armin Schwarz gewählt werden. – Ich sehe keinen Widerspruch. Dann sind
Sie damit einverstanden. Dann sind die Kolleginnen gewählt. </p>
<p klasse="J"><a id="s4"/>In das Gremium gemäß Artikel 13 Absatz 6 des
Grundgesetzes soll auf Vorschlag der Fraktion der CDU/CSU der Abgeordnete Carsten
Müller als Nachfolger für den ausgeschiedenen Abgeordneten Ingmar Jung gewählt
werden. – Ich sehe auch hier keinen Widerspruch. Dann sind Sie damit einverstanden.
Dann ist der Kollege Müller gewählt. </p>
<p klasse="J"><a id="s5"/>In den Verwaltungsrat der Kreditanstalt für
Wiederaufbau soll auf Vorschlag der Fraktion der CDU/CSU der Abgeordnete Olav
Gutting als Nachfolger für den ausgeschiedenen Abgeordneten Dr. André Berghegger
für die restliche Amtszeit gewählt werden. Sind Sie damit einverstanden? – Ich sehe
auch hier keinen Widerspruch. Dann ist der Kollege Gutting als Mitglied gewählt.
</p>
<p klasse="J"><a id="s6"/>In die Gemeinsame Kommission von Deutschem
Bundestag und Bundesregierung zur Aufarbeitung der Verbrechen der Opfer der
„Colonia Dignidad“ soll auf Vorschlag der Fraktion der SPD die Abgeordnete Emily
Vontz als Nachfolgerin für den Abgeordneten Esra Limbacher gewählt werden. – Auch
hier sehe ich keinen Widerspruch. Dann sind Sie damit einverstanden. Dann ist die
Kollegin Vontz gewählt. </p>
<p klasse="J">Damit komme ich schließlich zur Tagesordnung.</p>
<p klasse="J"><a id="s7"/>Auf Verlangen der Fraktion der AfD findet am
morgigen Freitag eine Aktuelle Stunde mit dem Titel „Meinungsfreiheit gegen
staatliche Übergriffe schützen – Kritik ist kein Extremismus“ statt. </p>
</sitzungsbeginn>
<tagesordnungspunkt top-id="Zusatzpunkt 2">
<p klasse="J">Jetzt rufe ich die Zusatzpunkte 2 bis 4 auf:</p>
<p klasse="T_ZP_NaS"><a id="t1"/> ZP 2 Abgabe einer
Regierungserklärung durch den Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz: </p>
<p klasse="T_fett"> Zum Jahreswirtschaftsbericht 2024</p>
<p klasse="T_ZP_NaS"><a id="t2"/> ZP 3 Beratung der Unterrichtung
durch die Bundesregierung </p>
<p klasse="T_fett"> Jahreswirtschaftsbericht 2024 der
Bundesregierung</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_Ueberweisung"> Überweisungsvorschlag:
Wirtschaftsausschuss (f) Rechtsausschuss Finanzausschuss Ausschuss für Ernährung
und Landwirtschaft Ausschuss für Arbeit und Soziales Verkehrsausschuss Ausschuss
für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung Ausschuss für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung Ausschuss für Tourismus Ausschuss für die
Angelegenheiten der Europäischen Union Ausschuss für Digitales Ausschuss für
Klimaschutz und Energie Haushaltsausschuss</p>
<p klasse="T_ZP_NaS"><a id="t3"/> ZP 4 Unterrichtung durch die
Bundesregierung </p>
<p klasse="T_fett"> Jahresgutachten 2023/24 des
Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_Ueberweisung"> Überweisungsvorschlag:
Wirtschaftsausschuss (f) Rechtsausschuss Finanzausschuss Ausschuss für Ernährung
und Landwirtschaft Ausschuss für Arbeit und Soziales Verkehrsausschuss Ausschuss
für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung Ausschuss für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung Ausschuss für Tourismus Ausschuss für die
Angelegenheiten der Europäischen Union Ausschuss für Digitales Ausschuss für
Klimaschutz und Energie Haushaltsausschuss</p>
<p klasse="J">Für die Aussprache im Anschluss an die
Regierungserklärung wurde eine Dauer von 68 Minuten beschlossen.</p>
<p klasse="J">Das Wort zur Abgabe einer Regierungserklärung hat der
Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, Herr Dr. Robert Habeck.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten
der SPD und der FDP)</kommentar>
<rede id="ID2015400100">
<p klasse="redner"><a id="r1"/><redner
id="11005074"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Robert</vorname><nachname>Habeck</
nachname><rolle><rolle_lang>Bundesminister für Wirtschaft und
Klimaschutz</rolle_lang><rolle_kurz>Bundesminister
BMWK</rolle_kurz></rolle></name></redner>Dr. Robert Habeck, Bundesminister für
Wirtschaft und Klimaschutz:</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren!
Liebe Kolleginnen und liebe Kollegen! Erlauben Sie mir zu Beginn der Ausführungen
zum Jahreswirtschaftsbericht eine Einordnung. Es ist jetzt fast auf den Tag genau
zwei Jahre her, dass wir den Angriff Russlands auf die Ukraine erlebt und hier
besprochen haben. Gerade an Tagen wie diesen und kurz nach der Münchner
Sicherheitskonferenz muss man einmal daran erinnern, dass die Gewalt und das
Sterben in der Ukraine unvermindert weitergehen, ja, in diesen Tagen sogar in
gesteigerter Form weitergehen.</p>
<p klasse="J">Dieser Angriff ist die Ursache vieler ökonomischer
Turbulenzen, vor allem ist er der Grund für unsägliches Leid. Hunderte von Soldaten
sterben auf der ukrainischen Seite jeden Tag, auf der russischen Seite werden es
mehr sein. Putin schlachtet diese Menschen dahin. Daran hat sich nichts geändert.
Aber es muss sich ändern. Wir müssen der Ukraine weiter hilfreich und unterstützend
zur Seite stehen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD, der
CDU/CSU und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Dieser Angriff war auch immer ein Angriff auf die
wirtschaftliche Ordnung Europas und vor allem Deutschlands. Und er ist abgewehrt
worden. Er ist in Etappen abgewehrt worden, sodass wir die Energieversorgung
sichern konnten. Damals – Sie erinnern sich daran – gab es Prognosen, dass ohne
russisches Gas die Wirtschaft um 5 oder gar 10 Prozent einbrechen würde.
Natürlich – und da will ich auch nicht drum herumreden – sind wir noch lange nicht
über den Berg. Wir sind immer noch in schwerem Fahrwasser. Aber dieser Angriff ist
abgewehrt worden. Die Energieversorgung ist sicher.</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Dr. Rainer Kraft [AfD])</kommentar>
<p klasse="O">Die Gasspeicher sind auch am Ende des zweiten Winters
voll.</p>
<p klasse="J">Und der Gaspreis – das ist der zweite Angriff – wird
jetzt auch wieder runtergehen. Gestern lagen die Gaspreise am Spotmarkt bei
24 Euro. Das ist Vorkriegsniveau, mitten im Februar. Wir erwarten, dass zum
Jahr 2025 noch einmal ein großes Volumen an Gas auf den Markt kommt. Der Markt wird
zu einem Buyer’s Markt werden, das heißt, die Gaspreise werden runtergehen. Die
energieintensive Industrie zieht wieder an, sie produziert jetzt wieder mehr. Auch
das ist bewältigt worden, entsprechend auch im Strombereich.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Gleichwohl mussten wir gegenüber der Prognose von vor
einem Jahr und auch der Herbstprognose die wirtschaftlichen Aussichten deutlich
nach unten korrigieren. Vor einem Jahr haben wir im Geleitzug mit allen anderen
Wirtschaftsinstitutionen und Forschungseinrichtungen für das Jahr 2024 ein Wachstum
von 1,8 Prozent erwartet. In der Herbstprognose haben wir auf 1,3 Prozent
reduzieren müssen. Laut Jahreswirtschaftsbericht, den ich gestern vorgelegt habe,
erwarten wir nun nur noch die wirklich kleine, klägliche Zahl von 0,2 Prozent
Wachstum. Das ist im Grunde eine Stagnation der Wirtschaft.</p>
<p klasse="J">Was ist passiert in nur wenigen Monaten? Warum ist es
zu diesem Abschwung gekommen? Und was folgt daraus für die Bundesregierung, für die
Bundesrepublik und für unseren gemeinsamen Diskurs? Erst einmal: Deutschland ist
eine Exportnation. Wenn man sich anschaut, wo die europäischen Länder 1990
gestartet sind, sieht man: Alle waren mehr oder weniger gleichauf. Dann sind wir
abgehoben und – das ist ja eine Erfolgsgeschichte –: Die Leistungsbilanz der
deutschen Wirtschaft ist enorm gestiegen. Wir haben Produktionen im osteuropäischen
Ausland aufgebaut – „wir“ heißt: die Unternehmen – und konnten damit auf dem
Weltmarkt reüssieren. Heute sind wir mit weitem Abstand das exportstärkste Land
Europas.</p>
<p klasse="J">Was ist passiert im letzten Jahr? Der Welthandel ist
regelrecht eingebrochen. Das Wachstum des Welthandelsvolumens hat sich im Jahr 2023
von 5,2 Prozent auf 0,4 Prozent reduziert. Noch dramatischer ist die Entwicklung in
den Ländern, mit denen Deutschland spezifische Handelsbeziehungen hat. Das
Welthandelsvolumen dieser für Deutschland relevanten Länder ist von 7 Prozent auf
1 Prozent zurückgegangen. Das hat natürlich einen Effekt auf Deutschland und auf
die deutsche Wirtschaft. Etwa die Hälfte des BIPs ist abhängig vom Export. Dieser
ist von 7 Prozent Wachstum auf 1 Prozent runtergegangen und damit regelrecht auf
einem historischen Tiefstand angelangt.</p>
<p klasse="J">Das hat Gründe, wir sehen es jeden Abend in den
Nachrichten: Die Unsicherheit ist groß. Protektionismus entsteht überall in der
Welt, ebenso Krisen und Konflikte, Handelsrouten werden blockiert oder geschlossen,
längere Ausweichrouten müssen genutzt werden. Man muss kein Prophet sein, um zu
sagen, dass das in Zukunft sicher nicht besser wird.</p>
<p klasse="J">Dennoch leite ich daraus eine politische Aufgabe ab.
Ich fange mit einer Positionsbestimmung an: Es ist im deutschen Interesse, dass wir
an einer globalen Weltordnung, an multilateralen Institutionen wie der
Welthandelsorganisation festhalten. Protektionismus schadet nicht nur der
Wirtschaft, er schadet dem Wohlstand und damit auch der Überwindung von Armut in
der Welt. Es ist Aufgabe Deutschlands, dafür zu sorgen, dass dieses Einschleichen
von Nationalismus im Handel überwunden wird.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Im Jahr 2023 – ich habe es eben angesprochen,
allerdings mit der Perspektive nach vorne – hatten wir noch hohe Energiepreise.
Wenngleich sich die Handelsvolumen jetzt günstiger darstellen und die Preise am
Spotmarkt und auch die Futures günstiger werden, vor allem für die Bürgerinnen und
Bürger, die Konsumenten und die kleineren Unternehmen, die nicht am Spotmarkt
einkaufen, hatten wir im Jahr 2023 natürlich noch die hohen Energiepreise aus der
Zeit, als wir russisches Gas ersetzen mussten. Das heißt, wir haben
selbstverständlich gerade in der energieintensiven Industrie im letzten Jahr einen
Produktionsrückgang gesehen.</p>
<p klasse="J">Dazu kommt die Inflation im Jahr 2023, die sich auch
über den Winter als hartnäckig erwiesen hat. Inflation heißt, dass Einkommens- und
Lohnzuwächse aufgefressen werden. Die Bürgerinnen und Bürger hatten einfach weniger
Geld. Die zweite Hälfte des BIP-Wachstums ist ja, grob gesprochen, der Konsum. Wenn
die Inflation über den Einkommens- und Lohnzuwächsen liegt, dann hat man weniger
Geld, und es gibt eine Konsumzurückhaltung. Wir konnten sie deutlich sehen und
deutlich spüren.</p>
<p klasse="J">Dazu kommt die geldpolitische Straffung. Wir
bekämpfen die Inflation, und zwar erfolgreich, muss man sagen, mit einer Erhöhung
des Zinses. Die EZB hat den Leitzins mehrfach angehoben. Aber eine Leitzinsanhebung
zerstört natürlich geplante Investitionen, schiebt sie zumindest auf. Das hat die
Bauwirtschaft in voller Härte getroffen. Die Auftragsbücher sind jetzt langsam
leer, und Entscheidungen für neue Investitionen sind aufgeschoben worden.</p>
<p klasse="J">Hinzu kommt – ich konnte es zuerst gar nicht glauben;
aber die Zahlen der Forschungsinstitute sind deutlich gewesen – ein sehr hoher
Krankenstand im letzten Jahr. Wahrscheinlich sind in der Nachfolge von Corona sehr
viele Atemwegskrankheiten nachgeschwappt. Die Zahlen wiederhole ich hier nicht; ich
halte sie für zu hoch. Aber einen Effekt wird das gehabt haben, jedenfalls sagen
das die Forschungsinstitute.</p>
<p klasse="J">Dann gibt es fiskalpolitische Effekte, die zu Buche
geschlagen sind – wir haben darüber mehrfach gesprochen –: Infolge des
Verfassungsgerichtsurteils mussten noch weitere Maßnahmen nach unten korrigiert
oder aufgehoben werden, einfach weil das Geld fehlte. So ist eine Menge
zusammengekommen, sodass wir die 1,3-Prozent-Wachstumsprognose aus dem letzten Jahr
nicht haben halten können.</p>
<p klasse="J">Nach vorne gerichtet: Wie könnte sich jetzt die
Dynamik entwickeln? Und warum glauben wir, dass es auch eine Perspektive nach vorne
gibt? Vielleicht ist das Wichtigste, dass ungefähr seit der Jahreswende – nach dem,
was wir sehen können – der Einkommenszuwachs über der Inflation liegt. Also: Wir
sind nach zwei Jahren, in denen die Inflation das Einkommen der Menschen
aufgefressen hat, an einem Punkt angekommen, wo wieder mehr Geld im Portemonnaie
übrig bleibt. Damit ist auch die Möglichkeit, die Binnennachfrage, den Konsum
anzuheben, deutlich gestiegen.</p>
<p klasse="J">Natürlich haben Menschen das Geld erst einmal
zurückgelegt. Die politische Unsicherheit und die Debatte über das Wegfallen von
Gas- und Strompreisbremsen haben sicherlich dazu geführt, dass man Geld
zurückgehalten hat. Die Sparquote – wir können es sehen – ist mit 11,3 Prozent
sehr, sehr hoch. Das Geld, das da war, wurde also zurückgelegt. Aber mit dem
Anstieg der Löhne und der Gehälter ist die Perspektive da, dass wieder mehr
konsumiert wird.</p>
<p klasse="J">Ich will darauf hinweisen, dass Lohnabschlüsse
natürlich den Tarifpartnern obliegen, aber auch politische Maßnahmen dazu
beigetragen haben, dass die Menschen wieder mehr Geld haben. Und dieses Mehr an
Geld arbeitet im Jahr 2024 hoffentlich – für das Wachstum des Landes.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Es sind die Erhöhungen von Kindergeld und
Kinderfreibetrag, die Erhöhung des Grundfreibetrags, die steuerlichen Entlastungen,
die wir gegeben haben, zu nennen. Auch Unternehmen haben davon profitiert –
beispielsweise von der Senkung der Stromsteuer, jedenfalls einige Unternehmen –,
dass wir versuchen, das Geld bei den Unternehmen und bei den Menschen zu
lassen.</p>
<p klasse="J">Zweitens folgt daraus, dass wir versuchen müssen, die
Störung im globalen Handel durch neue Handelsverträge aufzufangen. Da sind wir im
letzten Jahr ordentlich vorangekommen. Das große Handelsabkommen, das natürlich
jetzt im Raum steht, ist Mercosur. Ich kann Ihnen versichern, dass wir hinter und
vor den Kulissen energisch daran arbeiten, dass es funktioniert. Es ist eine
politische Aufgabe, in dieser fragmentierten Welt für neue Partnerschaften zu
sorgen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der
FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Drittens. Die gute Nachricht des sonst schwierigen
Prognosewerks des Jahreswirtschaftsberichts ist, dass wir in diesem Jahr eine
Abnahme der Inflation auf 2,8 Prozent erwarten und zum Ende des Jahres eine
Annäherung an die 2 Prozent. Mit der fallenden Inflation sind die Aussichten auf
Zinssenkungen in diesem Jahr realistisch geworden. Das sagt die Fed, das sagt die
EZB, das sagt die Deutsche Bundesbank. Wann genau und mit welchen vorsichtigen
Schritten es passiert, das weiß natürlich keiner und das darf auch keiner wissen,
weil es ja eine Unabhängigkeit gibt. Aber eine Entlastung in der Geldpolitik wäre
ein Investitionsanreiz, würde die Investitionen deutlich hebeln.</p>
<p klasse="J">Dann gibt es viertens die staatlichen Zuwendungen,
die wir auskehren. Ja, wir könnten mehr machen, und wir hatten auch mehr vor. Sie
erinnern sich an die Debatte, die wir hier über das Bundesverfassungsgerichtsurteil
und den Wegfall von einigen Geldern geführt haben. Dennoch muss man sagen, dass die
Investitionen staatlicherseits, dass die Zuschüsse, die Unterstützung von den
Ländern und vom Bund ein Niveau haben wie seit Mitte der 90er-Jahre nicht mehr.
Diese Investitionen müssen schnell ausgegeben werden. Schnell ausgeben – und dazu
komme ich gleich –, das ist die Aufgabe der Stunde.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der
FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Lassen Sie mich deswegen zu den Aufgaben kommen, die
wir jenseits der politischen Debatte, wie wir und wo wir weitere Gelder hebeln
können, sowieso erledigen müssen. Was ich bisher nicht ausgeführt habe, ist, dass
eines der großen und in der Zukunft schwerer zu lösenden strukturellen Probleme das
Wachstumspotenzial an sich ist. Wir haben zu wenig Hände und Köpfe in Deutschland.
Schon jetzt ist die Fachkräftelücke – man kann gar nicht mehr „Fachkräftelücke“
sagen; man muss sagen „Arbeitskräftelücke“ – so groß, dass bei einer quasi
stagnierenden Wirtschaft die Arbeit, die da ist, nicht geleistet werden kann.
Ungefähr 700 000 offene Stellen ist die Zahl, die gemeldet ist. Aber das ist
wahrscheinlich nicht die Wahrheit. Sehr viele Unternehmen melden die Zahl der
offenen Stellen gar nicht mehr, weil sie wissen, dass der Arbeitsmarkt weitgehend
leergefegt ist, und hängen nur noch einen Zettel ins Schaufenster oder fragen im
Freundeskreis, ob irgendjemand irgendjemanden kennt.</p>
<p klasse="J">Dieses Problem, das mangelnde Potenzialwachstum, wird
in den nächsten Jahren größer werden. Potenzialwachstum heißt ja das, was die
Volkswirtschaft leisten könnte, wenn alle anderen Probleme gelöst wären, also genug
Geld, genug Aufträge und eine schlanke Bürokratie da wären. Dann muss die Arbeit ja
immer noch umgesetzt werden. Dieses Potenzialwachstum ist deutlich nach unten
gegangen. In den 80er-Jahren hatten wir ein Potenzialwachstum von 2 Prozent, jetzt
0,8 Prozent, in der Perspektive 0,5 Prozent. Warum? Weil der demografische Wandel
jetzt voll zuschlägt. Bei allem, was wir uns vorhalten: Das ist jetzt keine
Überraschung. Dass wir älter werden, kann niemanden wundern. Diese
Fachkräfte-/Arbeitskräftelücke ist die strukturelle Hauptbedrohung für Wohlstand
und Wachstum in Deutschland in der Zukunft, und sie muss geschlossen werden.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der
FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Damit bin ich bei den politischen Aufgaben, die
anstehen, und der Arbeit, die wir schon geleistet haben. Lassen Sie mich bei dem
Potenzialwachstum stehen bleiben. Diese Bundesregierung hat das
Fachkräfteeinwanderungsgesetz beschlossen und auch in der Debatte um Asylpolitik
dafür gesorgt, dass viele Menschen, die im Land sind, aus den Sozialsystemen
rausgehen können und arbeiten können, und das ist auch richtig.</p>
<kommentar>(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Das klappt aber
nicht!)</kommentar>
<p klasse="O">Wer sich hier verdient machen will, der soll auch
etwas verdienen können. Das ist allemal besser, als Transferleistungen zu
beziehen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der
FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Dieses System muss jetzt gelebt werden. Wir müssen es
in allen Bereichen mit Praxis füllen: mit schnellen Visavergaben, mit einer
Ansprache an die Arbeitsagenturen, dass es tatsächlich ernst gemeint ist, Leute
jetzt nicht von der Arbeit fernzuhalten, sondern sie in Arbeit zu bringen. Wir
müssen dafür sorgen, dass – das führt der Jahreswirtschaftsbericht aus, und zwar in
den Kapiteln, die sonst immer so ein bisschen despektierlich betrachtet werden –,
Menschen trotz Familiengründungsphase arbeiten dürfen und können, wenn sie es denn
wollen. Wenn man mal ein bisschen Pause machen und sich um die Kleinen kümmern
will, ist das fein; aber wenn man gerne weiterarbeiten will – in der Partnerschaft
trifft es ja vor allem Frauen –, es aber wegen fehlender Bildungs- und
Betreuungsinfrastruktur häufig nicht kann, dann ist das ein politisches
Problem.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der
FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Ferner will ich darauf hinweisen, dass wir
2,6 Millionen Menschen zwischen 20 und 34 ohne Berufsqualifizierung haben –
2,6 Millionen Menschen! Da mögen auch einige dabei sein, die – wie soll ich
sagen? – ein bisschen laissez faire rangehen. Aber 2,6 Millionen Menschen zu
qualifizieren, ist eine politische Aufgabe. Das ist ein strukturelles Problem. Wir
müssen es angehen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD
sowie bei Abgeordneten der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Wir müssen überall über Ausbildung, Weiterbildung,
Fortbildung, den Zugang in die Ausbildung reden und diese Menschen in Arbeit
bringen.</p>
<p klasse="J">Natürlich müssen wir auch dafür sorgen, dass
Zuwanderung gelebt wird und nicht Signale gesendet werden, dass wir alle Menschen,
die nicht „Müller“, „Meier“ oder „Habeck“ heißen, nicht in Deutschland haben und
wieder abschieben wollen. Das wäre das Ende der deutschen Wirtschaft. Jede Chance
auf Wachstum wäre damit genommen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der
FDP sowie des Abg. Thomas Heilmann [CDU/CSU] – Friedrich Merz [CDU/CSU]: Das ist
doch ein Popanz, den Sie da aufbauen! Machen Sie es doch!)</kommentar>
<p klasse="O">Das wäre ökonomischer Wahnsinn und würde wirklich die
Axt an den Wohlstand des Landes legen.</p>
<p klasse="O">All das müssen wir in jedem Fall tun. Und wir müssen
auch sehen, dass wir bei der Bürokratie vorankommen. Die Bundesregierung hat ja
viel angeschoben und viel gemacht. Aber wir sind noch nicht da, wo wir
hinwollen.</p>
<p klasse="J">Wo müssen wir hinwollen? Am Ende muss die Verwaltung
selbst, das System aus sich selbst heraus wissen, dass es gut ist, schlankere,
einfache oder weniger Vorschriften zu machen.</p>
<kommentar>(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Weniger Personal!)</kommentar>
<p klasse="O">Im Moment ist das ein politischer Prozess. Nach
Jahren, in denen immer versucht wurde, alles besonders richtig zu machen, müssen
wir in eine politische Kultur eintreten, in der es gewollt ist und belohnt wird,
die Dinge schneller und zügiger zu entscheiden. Diese Arbeit ist eine gemeinsame
Arbeit. Sie geht in die Ämter hinein, sie geht über die Länder, sie geht über die
Kommunen, und natürlich nimmt sie auch die Bundesregierung in die Pflicht.</p>
<kommentar>(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Die Bundesregierung macht das
Gegenteil!)</kommentar>
<p klasse="J">Das Geld, das da ist, muss schnell arbeiten, muss
schnell ausgegeben werden. Wir müssen Beispiele setzen, die zeigen, dass es gewollt
ist, dass dieses Geld schnell ausgekehrt wird, dass die Genehmigungsverfahren
schneller werden, dass die Bauverfahren zügiger und günstiger durchgeführt werden.
Das ist eine No-Regret-, das ist eine Sowieso-Aufgabe, die wir in Zukunft angehen
werden bzw. die wir längst angegangen sind.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der
FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Lassen Sie mich kurz noch über finanzielle Impulse
reden; das ist ja ein bisschen der Elefant im Raum. Lassen Sie mich über den
Babyelefanten reden; das ist das Wachstumschancengesetz. Es ist einfach logisch
schwer zusammenzukriegen, wenn man sagt: „Mach doch mehr, Regierung!“, aber dieses
Mehr nicht mit Gegeneinnahmen oder Gegenfinanzierung hinterlegt und gleichzeitig
auf die Einhaltung der Schuldenbremse pocht. Da muss man sagen: Das ist Voodoo-
Ökonomie oder Voodoo-Finanzpolitik, die wirklich jeder kann.</p>
<kommentar>(Heiterkeit und Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und
bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP – Friedrich Merz [CDU/CSU]: Der
Finanzminister ist doch gar nicht da! – Julia Klöckner [CDU/CSU]: Wo ist der
Finanzminister?)</kommentar>
<p klasse="J">Weil Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen von der
Union, gerade so beredt schweigen, darf ich kurz sagen: Sie haben sich nicht die
Mühe gemacht, Ihre Vorschläge gegenzufinanzieren. Aber die überschlägige Schätzung
besagt, dass Ihre Vorschläge Steuerausfälle mit einem Volumen von 45 bis
50 Milliarden Euro</p>
<kommentar>(Friedrich Merz [CDU/CSU]: Machen Sie doch
100!)</kommentar>
<p klasse="O">im Haushalt verursachen würden. Ihre Gegenrechnung
sieht so aus – das habe ich vom Generalsekretär der Union gehört –: Das holen wir
alles wieder rein durch mehr Wachstum. – Also 50 Milliarden Euro Steuereinnahmen
mehr durch Wachstum. Das hieße bei 25 Prozent Unternehmensbesteuerung, dass es
ungefähr 200 Milliarden Euro mehr zu besteuern gibt. Nach überschlägiger Rechnung
entspräche das einem BIP-Wachstum von 5 Prozent</p>
<kommentar>(Heiterkeit beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der
SPD)</kommentar>
<p klasse="O">in zehn Monaten. Wir reden aktuell darüber, ob wir
1 Prozent, vielleicht 1,5 oder 2 Prozent hinbekommen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Also ich würde sagen: Das übersteht noch nicht mal
eine vorläufige Prüfung des Bundesrechnungshofs.</p>
<p klasse="J">Deswegen: Lassen Sie uns das machen, was wir jetzt
machen können. Es ist wenig genug; da will ich nicht drum herumreden. Hören Sie auf
die Wirtschaft, hören Sie auf die Wirtschaftsverbände, und geben Sie dem
Wachstumschancengesetz endlich grünes Licht.</p>
<p klasse="J">Danke schön.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der
FDP – Dorothee Bär [CDU/CSU]: Das war ja mal gar nichts! – Thorsten Frei [CDU/CSU]:
Peinlich!)</kommentar>
<name>Präsidentin Bärbel Bas:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank. – Ich eröffne nun die Aussprache.
Zuerst hat das Wort für die CDU/CSU-Fraktion Alexander Dobrindt.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Zuruf der Abg. Katrin Göring-
Eckardt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015400200">
<p klasse="redner"><a id="r2"/><redner
id="11003516"><name><vorname>Alexander</vorname><nachname>Dobrindt</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Alexander Dobrindt
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen
und Herren! Herr Bundesminister, Sie haben sich nicht mal die Mühe gemacht, die
zentralen Vorwürfe gegenüber Ihrer Wirtschaftspolitik hier zu entkräften. Sie
können es wahrscheinlich auch gar nicht. Nicht nur die Wirtschaftsverbände, selbst
die IG-Metall-Vorsitzende wirft Ihnen vor, dass Deutschland im Moment eine
schleichende Deindustrialisierung erlebt. Das, was Sie hier vorlegen, ist keine
Antwort darauf. Das ist auch kein Jahreswirtschaftsbericht, sondern das ist die
wirtschaftspolitische Bankrotterklärung dieser Ampelregierung.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Matthias Gastel
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ihr blockiert im Bundesrat!)</kommentar>
<p klasse="J">Sie haben Ihre wirtschaftspolitische Verantwortung
für diese Abwärtsspirale offensichtlich überhaupt nicht verstanden. Im letzten Jahr
war Deutschland in einer Rezession. Jetzt senken Sie Ihre Wachstumsprognose von 1,3
auf 0,2 Prozent; das ist knapp vor der nächsten Rezession. Deutschland ist das
absolute Schlusslicht in Europa, und dafür tragen Sie einen erheblichen Teil der
Verantwortung, Herr Minister.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Thorsten Frei [CDU/CSU]: Wer
denn sonst?)</kommentar>
<p klasse="J">Das letzte Mal, dass Deutschland so eine
Wirtschaftsschwäche erlebt hat, war in den Jahren 2002 und 2003. Damals gab es eine
Antwort auf diese Wirtschaftsschwäche, und die hieß „Agenda 2010“.</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Bernd Westphal [SPD])</kommentar>
<p klasse="O">Wie schaut eigentlich Ihre Antwort heute aus, Herr
Minister?</p>
<kommentar>(Julia Klöckner [CDU/CSU]: Weitermachen wie
bisher!)</kommentar>
<p klasse="O">Sie sind diese Antwort schlichtweg schuldig geblieben
hier an diesem Rednerpult.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Stattdessen – aber das kennen wir schon –: Vorwürfe
an die Opposition,</p>
<kommentar>(Dorothee Bär [CDU/CSU]: Ja, immer!)</kommentar>
<p klasse="O">wir würden Ihr Wachstumschancengesetz nicht
ausreichend würdigen, es blockieren.</p>
<kommentar>(Dr. Johannes Fechner [SPD]: Genau so ist
es!)</kommentar>
<p klasse="O">Nur mal zur Erinnerung an dieser Stelle: Das
Wachstumschancengesetz wurde von allen Bundesländern in den Vermittlungsausschuss
verwiesen, weil es schlichtweg nicht umsetzbar war. Das ist der Grund dafür.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Katharina Dröge
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Nur die CDU-Bundestagsfraktion wollte es
nicht!)</kommentar>
<p klasse="J">Wir haben in den letzten Wochen daran gearbeitet, es
im Vermittlungsausschuss umsetzbar zu machen.</p>
<kommentar>(Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">Wir haben Ihnen gestern Abend im
Vermittlungsausschuss sogar noch einen Kompromiss unterbreitet.</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Christian Dürr [FDP])</kommentar>
<p klasse="O">Sie wollen mit Ihrem Wachstumschancengesetz
1,4 Milliarden Euro Entlastung. Gleichzeitig wollen Sie die Landwirtschaft mit
500 Millionen Euro an der Refinanzierung dieser Entlastung beteiligen und sie
belasten.</p>
<kommentar>(Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">Das ist eine Ungerechtigkeit, die wir nicht
akzeptieren können.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Thorsten Frei [CDU/CSU]: Die
auch keinen Sinn macht!)</kommentar>
<p klasse="J">Sie reden hier über eine neue Dynamik, die Sie
entfachen wollen. Ich sage Ihnen: Sie haben nicht die politische Kraft für eine
neue Agenda 2010. Sie haben diese Kraft einfach nicht. Der ifo-Präsident Fuest hat
vollkommen recht, wenn er sagt: „Die Verunsicherung der Wirtschaft muss sich die
Ampel zuschreiben lassen.“ Das ist die Realität in diesem Land.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<name>Präsidentin Bärbel Bas:</name>
<p klasse="J_1">Herr Dobrindt, erlauben Sie eine Zwischenfrage oder
Zwischenbemerkung aus der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen?</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11003516"><name><vorname>Alexander</vorname><nachname>Dobrindt</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Alexander Dobrindt
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Ja, gerne.</p>
<name>Präsidentin Bärbel Bas:</name>
<p klasse="J_1">Kollegin, Sie haben das Wort.</p>
<p klasse="redner"><a id="r3"/><redner
id="11004659"><name><vorname>Lisa</vorname><nachname>Badum</nachname><fraktion>BÜND
NIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Lisa Badum (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, lieber Kollege Dobrindt, dass Sie die
Frage zulassen. – Ich verstehe natürlich, dass Sie sich hier in Kritik an der
Bundesregierung ergehen. Ich persönlich mache mir sehr große Sorgen um die
bayerische Wirtschaft und würde hierzu gern einen Kommentar von Ihnen hören.</p>
<kommentar>(Julia Klöckner [CDU/CSU]: Die bayerische
Wirtschaft!)</kommentar>
<p klasse="J">Wir haben das Chemiedreieck in Bayern, das seit
Jahren versucht, erneuerbare Energien auszubauen, um die Energiesicherheit vor Ort
herzustellen. Windkraft haben Sie jahrelang verhindert. Jetzt ist die Möglichkeit
da, dank dem Bund. Ein Bürgerentscheid für Windkraft ist leider negativ
ausgegangen.</p>
<kommentar>(Zuruf von der AfD: Zum Glück!)</kommentar>
<p klasse="O">Der bayerische Wirtschaftsminister hat vor Ort nur
gesagt: Na ja, man muss halt gucken, was rauskommt. – Er hat sich nicht dezidiert
hinter diesen Bürgerentscheid gestellt. Dann hat Wirtschaftsminister Aiwanger noch
einen Streit mit Thüringen angefangen – dort soll eine Stromtrasse noch stärker
ausgebaut werden –, sodass sich die Stromtrasse nach Bayern weiter verzögert.
Mittlerweile sagt der Mittelstandsverband: Aiwanger ist absolut untätig; er ist auf
Demos unterwegs</p>
<kommentar>(Julia Klöckner [CDU/CSU]: „Auf Demos“? Da sind die
Grünen ja gar nicht!)</kommentar>
<p klasse="O">und tut überhaupt nichts für den Mittelstand.</p>
<kommentar>(Dorothee Bär [CDU/CSU]: Wie peinlich ist das
denn?)</kommentar>
<p klasse="O">Es gibt massive Kritik aus der Wirtschaft. Deswegen
meine Frage, Herr Dobrindt: Was tun Sie gegen das Standortrisiko Aiwanger im
bayerischen Wirtschaftsministerium?</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP – Thorsten Frei [CDU/CSU]: So ein Quatsch! Das ist
doch absurdes Theater, was Sie hier machen! Peinlich! – Dorothee Bär [CDU/CSU]: Da
schämt sich sogar die FDP bei dieser Frage! Das ist ja peinlich! – Julia Klöckner
[CDU/CSU]: Super! So Zwischenfragen immer zulassen!)</kommentar>
<p klasse="redner"><redner
id="11003516"><name><vorname>Alexander</vorname><nachname>Dobrindt</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Alexander Dobrindt
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Liebe Kollegin, vielen Dank für die Frage und den
Hinweis auf Demonstrationen. Da sprechen Sie von Dingen, von denen Sie etwas
verstehen.</p>
<kommentar>(Heiterkeit und Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Mein erster Hinweis dazu. Ich habe mir die neue
Statistik der Bundesnetzagentur geholt, um mal nachzuschauen, wie denn der Zubau
der erneuerbaren Energien im letzten Jahr, 2023, in den Bundesländern war.
Offizielle Statistik der Bundesnetzagentur: Platz eins beim Ausbau der erneuerbaren
Energien in Deutschland: der Freistaat Bayern.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Julia Klöckner [CDU/CSU]:
Eigentor! – Zurufe von der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">Platz zwei mit einem Drittel weniger Ausbau:
Nordrhein-Westfalen. Platz drei mit nur noch der Hälfte an Neuausbau erneuerbarer
Energien: das grün regierte Baden-Württemberg.</p>
<kommentar>(Zurufe von der SPD)</kommentar>
<p klasse="J">Nächster Hinweis – Sie haben ja Bürgerentscheide zur
Windenergie angesprochen –: In den letzten Jahren sind sechs Bürgerentscheide für
Windparks in Bayern erfolgreich durchgeführt worden: in Ebersberg, in Kronach, in
Landsberg, in Schweinfurt, in Regensburg und in Bamberg.</p>
<p klasse="J">Und jetzt zur Frage.</p>
<kommentar>(Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Es steht nicht eine
Turbine!)</kommentar>
<p klasse="O">Wussten Sie eigentlich, liebe Frau Kollegin, wer
gegen diesen Windpark, gegen den es einen negativen Bürgerentscheid gegeben hat, am
meisten negative Stimmung gemacht hat? Der energiepolitische Sprecher der Grünen im
Bayerischen Landtag hat es als Abzocke bezeichnet, dass ein französischer Konzern
sich beteiligt!</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Und das hat die Stimmung im Land vergiftet. Das
lassen Sie sich mal gesagt sein.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Dorothee Bär [CDU/CSU], an
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN gewandt: Plötzlich Schweigen in der Ampel! Die Zwischenfrage
wirkte wie bestellt für den Alexander Dobrindt!)</kommentar>
<p klasse="J">Sehr geehrter Herr Bundesminister, Sie präsentieren
heute einen Jahreswirtschaftsbericht, in dem Sie sich in der Koalition auf fast
nichts verständigen konnten; Sie konnten sich auf fast nichts verständigen. Sie
sind eigentlich ja schon froh, dass Sie den Termin der Vorstellung überhaupt halten
konnten. Das ist das Einzige, auf was Sie sich in Wahrheit geeinigt haben. Der
Umgang in der Ampel untereinander, auch in Fragen der Wirtschaftspolitik, bewegt
sich zwischen Rauferei und Realitätsverlust. So bekämpft man aber keine Rezession.
So schafft man eine Depression im Land. Das ist das, was Sie tun.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Jetzt haben Sie hier versucht, Herr Bundesminister,
letztlich alles mit externen Krisen zu erklären. Alles, was in der
Wirtschaftspolitik schiefläuft, falsch läuft – die Rezession, das mangelnde
Wachstum –, haben Sie auf externe Krisen geschoben. Jetzt muss ich Ihnen aber
sagen: Die Rezession ist keine weltweite; sie ist auch keine europäische. Sie ist
schlichtweg eine deutsche: Deutschland ist das Schlusslicht in Europa. Alle unsere
Nachbarn haben die gleichen Krisen, aber ein größeres Wachstum. Entscheidend ist
Ihre Verantwortung und nicht die Weltkrise.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Es geht auch nicht nur um die Frage, wie viele Krisen
es um uns herum gibt. Es geht doch vor allem darum, wie der Umgang mit diesen
Krisen funktioniert. Da müssen Sie sich mit allen anderen Ländern um uns herum doch
einfach mal messen lassen. Blicken wir auf unsere Nachbarländer: Alle Länder bauen
die Energieproduktion aus. Sie schalten die Kernkraft in Deutschland ab. Alle
entlasten den Mittelstand. Sie schaffen neue Belastungen. Alle unterstützen neue
Arbeitsplätze. Sie schaffen mit Ihrem Bürgergeld Arbeitslosigkeit. – Sie sind nicht
die Lösung, Sie sind das Problem der Wirtschaftsschwäche, Herr Bundesminister.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der
AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Wir haben Ihnen in den vergangenen Tagen – Friedrich
Merz und ich persönlich – konkrete Vorschläge gemacht für Maßnahmen, um aus dieser
Wirtschaftskrise herauszukommen. Sie selber reden immer gerne von der
Wirtschaftswende. Wenn Sie eine Wirtschaftswende wollen, dann senken Sie die
Unternehmensteuern auf ein wettbewerbsfähiges Niveau, dann senken Sie die
Energiepreise, und dann sorgen Sie dafür, dass sich Arbeit endlich wieder lohnt,
und zementieren Sie nicht Arbeitslosigkeit. Dann schaffen wir eine
Wirtschaftswende.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Noch ein Hinweis, meine Damen und Herren. Als
Deutschland, liebe Kolleginnen und Kollegen von der FDP, Anfang der 80er-Jahre vor
einer strukturellen Wachstumsschwäche stand und die FDP erkannt hat, dass man mit
linker Politik kein Wachstum organisieren kann, da hat es das Lambsdorff-Papier,
den Scheidungsbrief für die sozialliberale Koalition, gegeben. Ich kann Ihnen nur
raten: Es wird Zeit für ein Scheidungspapier, um dieses Ampelchaos endlich zu
beenden, liebe Kollegen der FDP.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<name>Präsidentin Bärbel Bas:</name>
<p klasse="J_1">Als Nächste hat das Wort für die SPD-Fraktion
Verena Hubertz.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie
bei Abgeordneten der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015400300">
<p klasse="redner"><a id="r4"/><redner
id="11005089"><name><vorname>Verena</vorname><nachname>Hubertz</nachname><fraktion>
SPD</fraktion></name></redner>Verena Hubertz (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr
Wirtschaftsminister Habeck! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die wirtschaftliche
Lage ist ernst; aber sie ist nicht hoffnungslos.</p>
<kommentar>(Lachen des Abg. Karsten Hilse [AfD])</kommentar>
<p klasse="O">Wir stehen nicht dort, wo wir sein wollen. Aber wir
stehen auch nicht so schlecht da, wie manch ein Brandbrief es vermuten lässt hier
in diesem Hause.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Der DAX ist auf Rekordniveau. Gerade heute Morgen
wurde eine neue Rekordmarke von 17 300 Punkten geknackt. Wir haben Japan als
drittstärkste Volkswirtschaft überholt. Wir haben so viele Gründungen von
Unternehmen wie noch nie in diesem Land.</p>
<kommentar>(Zuruf von der SPD: Hört! Hört!)</kommentar>
<p klasse="J">Wenn ich Ihnen, Herr Dobrindt, von der Opposition
zuhöre, könnte ich ja fast zu dem Eindruck kommen: Wir sind da, wo wir sind, weil
jetzt seit zwei Jahren plötzlich eine Ampel regiert.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der
AfD)</kommentar>
<p klasse="O">Aber die Probleme in diesem Land liegen tiefer. Wir
regieren nicht im luftleeren Raum; der Wirtschaftsminister hat es ausgeführt. Wir
leben in Zeiten von Krieg und Krise. Die strukturellen Probleme sind doch über
Jahrzehnte gewachsen, und wir packen diesen Reformstau endlich mal an.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP – Alexander Dobrindt [CDU/CSU]: Er hat doch
gerade erklärt, dass die letzten 30 Jahre gut waren! Er hat doch gerade erklärt,
dass das Wirtschaftswachstum gestiegen ist!)</kommentar>
<p klasse="J">Schauen wir uns die Bürokratie an. Die entsteht doch
nicht von ungefähr. Die entsteht über Jahre. Der Rückstand der Digitalisierung, die
Mobilfunklöcher sind auch mit der Zeit gewachsen. Ewige Planungsverfahren, brüchige
Brücken, das ist etwas, was wir geerbt haben, und das nicht erst seit gestern.</p>
<kommentar>(Lachen bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">– Ich würde mich freuen, wenn sich die Gemüter noch
mal beruhigten. Das zeigt ja, dass man auch im Verkehrsministerium auf
Infrastrukturpolitik</p>
<kommentar>(Alexander Dobrindt [CDU/CSU]: Das haben wir von
Finanzminister Scholz geerbt!)</kommentar>
<p klasse="O">ganz emotional zurückblickt und reagiert, Herr
Dobrindt.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP – Dorothee Bär [CDU/CSU]: Da ist ja alles
falsch!)</kommentar>
<p klasse="J">Unterm Strich: Uns ging es in diesem Land lange sehr
gut. Wir haben es uns zu einfach gemacht. Wir krempeln jetzt die Ärmel hoch und
bringen dieses Land auf einen Wachstumspfad. Der ist gepflastert mit Reformen, mit
strukturellen Gesetzgebungen. Und da packen wir es jetzt endlich an, liebe
Kolleginnen und Kollegen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Wenn wir Ihre Vorschläge prüfen – der
Wirtschaftsminister hat es ausgeführt –, stellen wir fest: Das ist ein
Gemischtwarenladen ohne Gegenfinanzierung. Das ist „Wünsch dir was“. Das ist weder
originell noch seriöse Wirtschaftspolitik. Ich wünsche mir, dass wir hier in diesem
Hohen Haus über die Lage und über die Lösungen ernsthaft miteinander
diskutieren.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Wir als Ampel schauen nach vorne. Wir brauchen einen
Weg mit wirkungsvollen Maßnahmen. Wir brauchen das Wachstumschancengesetz
kurzfristig; denn es ist ein Signal, dass auch Bürokratie jetzt schon abgebaut
wird. Das reicht aber nicht. Es geht um Investitionen in diesem Land. Wir als SPD-
Fraktion richten extra eine Taskforce ein, um genau zu schauen, wie wir diese
investiven Maßnahmen mobilisieren und wie wir auch gangbare Lösungen miteinander
finden.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP – Dr. Volker Ullrich [CDU/CSU]: Wenn du nicht
mehr weiterweißt, gründe einen Arbeitskreis!)</kommentar>
<p klasse="J">Wir wollen diese Lösungen erarbeiten. Mit einem
kleinen Blick können wir hier an dieser Stelle auch selbstkritisch sagen: Auch wenn
wir diese Woche das Postgesetz novellieren, ist es doch schön, wenn wir uns
untereinander weniger Briefe schreiben, weniger Selfies machen und miteinander an
einem Tisch Lösungen erarbeiten, die nicht nur der eine Partner gut findet, sondern
die auch mit allen gegangen werden können. Ich glaube, auch die Ampel hat gezeigt,
dass wir auch bei unterschiedlichen Ansichten gemeinsame Wege gehen können.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">In diesem Land ist auch nicht alles schlecht. Gucken
wir nach Rheinland-Pfalz. Dort regiert eine Ampel. Dort wird wirtschaftlich
investiert. Wir haben gerade ein Leuchtturmprojekt vom US-Pharmaunternehmen Eli
Lilly; 2,3 Milliarden Euro Investitionen in Alzey. Dort entstehen über
1 000 Arbeitsplätze in einer innovativen Branche, weil man langfristig strukturell
in die Grundlagenforschung an der Universität Mainz investiert hat. Dort ist
BioNTech entstanden. Dort entsteht jetzt ein Cluster, und alle – von der Kommune
über das Land bis hin zum Bund – arbeiten miteinander.</p>
<kommentar>(Beifall der Abg. Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann
[FDP])</kommentar>
<p klasse="O">Und das kann auch hier für uns manchmal ganz dienlich
sein. Es passiert etwas, und wir sorgen dafür, dass es auch weitergeht.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Lassen Sie mich zum Schluss kommen.</p>
<kommentar>(Julia Klöckner [CDU/CSU]: Ja, bitte!)</kommentar>
<p klasse="O">Der Jahreswirtschaftsbericht ist eine Analyse. Er ist
Mahnung, aber zugleich auch Motivator. So, wie es ist, kann es nicht bleiben, und
so wird es auch nicht bleiben. Was es jetzt braucht, sind konzentrierte
Impulse,</p>
<kommentar>(Dr. Volker Ullrich [CDU/CSU]: Dann macht
mal!)</kommentar>
<p klasse="O">ist ein konzentriertes Arbeiten. Da werden wir
anpacken; da werden wir liefern.</p>
<p klasse="J">Herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie
bei Abgeordneten der FDP – Dorothee Bär [CDU/CSU]: Ach du liebe Güte!)</kommentar>
<name>Präsidentin Bärbel Bas:</name>
<p klasse="J_1">Als Nächster hat das Wort für die AfD-Fraktion
Leif-Erik Holm.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015400400">
<p klasse="redner"><a id="r5"/><redner
id="11004761"><name><vorname>Leif-Erik</vorname><nachname>Holm</nachname><fraktion>
AfD</fraktion></name></redner>Leif-Erik Holm (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Liebe Bürger! Frau Präsidentin! Meine Damen und
Herren! Die Ampel, Herr Minister, hat uns nichts weiter als ein grünes
Wirtschaftswunder versprochen. Und jetzt? Nichts geht mehr. Deutschland steckt in
der Stagnation, ohne Wachstum, mit Inflation und Unternehmen, die reihenweise
abwandern oder pleitegehen.</p>
<p klasse="J">Der Jahreswirtschaftsbericht stellt Ihnen einen
klaren Befund aus, Herr Minister: Sie sind mit Ihrer Transformation krachend
gescheitert.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="O">Die Weltwirtschaft wächst um 3 Prozent; und wir
halten die rote Laterne. Aber Herr Habeck würde sagen: Wir sind gar kein
Schlusslicht; es ist nur keiner mehr hinter uns.</p>
<kommentar>(Heiterkeit und Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Wir erleben einen schleichenden Niedergang unseres
Landes. Und das liegt eben nicht allein, Herr Habeck, an externen Faktoren; denn
anderen Ländern geht es deutlich besser. Es liegt an Ihrer Traumtänzerei. Seien Sie
doch mal so ehrlich!</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="O">Stehen Sie zu den Folgen Ihrer eigenen Politik,
anstatt immer andere vorzuschieben. Die größte Standortgefahr für Deutschland ist
diese Ampel.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Unternehmer schreiben Brandbriefe. Verbände schreiben
Brandbriefe. Wirtschaftsforscher warnen. Professor Wollmershäuser vom ifo-Institut
hat doch recht, wenn er über unsere Lage sagt: Vieles hat mit dem Missmanagement
der Wirtschafts- und Klimapolitik zu tun.</p>
<kommentar>(Zuruf der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="J">Genau so ist es, und deswegen ist es auch kein
Wunder,</p>
<kommentar>(Zuruf der Abg. Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="O">dass Unternehmer, Handwerker, Bauern, Gastronomen,
auf Deutsch gesagt, die Schnauze voll haben von der grünen Bevormundung, von
Verboten, von Vorgaben, von immer mehr Bürokratie. Sie haben keinen Bock mehr,
Melkkühe der Nation zu sein. Sie zahlen viel zu hohe Steuern, damit weltfremde
Grüne sinnfreie Projekte in der ganzen Welt finanzieren können:</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="O">Klimaneutrales Kochen im Senegal oder gendersensible
Männerarbeit in der Karibik, was, bitte schön, soll das alles?</p>
<p klasse="J">Unsere Bürger, unsere Unternehmen wollen fleißig
sein. Sie wollen aber auch ein bisschen was davon haben. Sie wollen, dass sich
Arbeit endlich wieder lohnt in unserem Land.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Stattdessen haben Sie die Steuern weiter erhöht, und
wir sagen: Schluss damit! Wir brauchen endlich klare, deutliche Entlastungen und
nicht immer mehr Belastungen. Geben Sie den Menschen mehr Geld in ihre Taschen
zurück, mehr Netto vom Brutto! Das ist das Gebot der Stunde.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Und es wird Zeit für eine sichere und bezahlbare
Energieversorgung. Wir sind vom zweitgrößten Stromexporteur zum zweitgrößten
Stromimporteur in der Europäischen Union geworden. Es war Ihr Kardinalfehler,
mitten in einer Energiekrise sichere und saubere Kernkraftwerke abzuschalten.</p>
<p klasse="J">Das allein wäre doch schon Grund genug, den
Regierungsauftrag abzugeben. Sie haben damit unserem Standort und dem Wohlstand
unseres Landes schweren Schaden zugefügt. Kein anderes Land macht einen solchen
Irrsinn. Und deshalb wird es höchste Zeit, Sie endlich nach Hause zu schicken.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Es liegt ja auf der Hand, was zu tun ist, um unser
Land wieder nach vorne zu bringen: Kernkraftwerke wieder ans Netz, runter von den
hohen Energiekosten, runter von der hohen Steuerlast und natürlich konsequenter
Bürokratieabbau. Der Lieferkettenmurks gehört abgeschafft. Wir brauchen
Investitionen in eine moderne Infrastruktur. Bei der Digitalisierung hängen wir
weiter meilenweit hinterher.</p>
<p klasse="J">Und wir müssen unser Fachkräftepotenzial heben. Herr
Minister, Sie haben sehr viel über die Fachkräftezuwanderung gesprochen. Wir sagen:
Wir brauchen unsere einheimischen Fachkräfte, gute Bildung und Ausbildung – das ist
das Entscheidende, was wir tun müssen –, und wir müssen die Standortbedingungen so
verbessern, dass sich Arbeit wieder lohnt.</p>
<kommentar>(Zurufe von der SPD)</kommentar>
<p klasse="O">Denn dann wollen die Leute auch arbeiten gehen, dann
verharren sie nicht im Bürgergeld, sondern suchen sich freiwillig einen neuen Job,
und es wandern nicht mehr hunderttausend Leute pro Jahr ab – gut qualifizierte
Deutsche –, sondern suchen sich hier ihren Arbeitsplatz.</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Bernd Westphal [SPD])</kommentar>
<p klasse="O">Das ist unser Ziel, und das wollen wir umsetzen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Die Dinge sind nicht kompliziert. Man muss sie nur
beherzt und richtig anpacken. Wir sind dafür bereit. Machen wir gemeinsam Schluss
mit dieser Transformation. Transformieren Sie sich, Herr Minister, bitte ganz
schnell in die Opposition. Den Bürgern ist doch klar: Aus dem grünen Frosch wird
keine schöne Prinzessin mehr. Deutschland braucht einen Neuanfang. Deutschland
braucht Neuwahlen – jetzt!</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<name>Präsidentin Bärbel Bas:</name>
<p klasse="J_1">Als Nächster hat das Wort für die FDP-Fraktion
Christian Dürr.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015400500">
<p klasse="redner"><a id="r6"/><redner
id="11004705"><name><vorname>Christian</vorname><nachname>Dürr</nachname><fraktion>
FDP</fraktion></name></redner>Christian Dürr (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Herzlichen Dank, Frau Präsidentin! – Verehrte
Kolleginnen und Kollegen! Die wirtschaftliche Entwicklung in der Bundesrepublik
Deutschland kann uns alle nicht zufriedenstellen. Nach einer Rezession im letzten
Jahr musste die Wirtschaftsprognose für das Jahr 2024 auf 0,2 Prozent Wachstum nach
unten korrigiert werden.</p>
<p klasse="J">Jetzt – der Bundeswirtschaftsminister hat es
angedeutet – müssen wir uns an der Stelle sehr, sehr ehrlich machen, meine Damen
und Herren. Wir haben in den letzten vier Jahren erhebliche Effekte gehabt,
insbesondere die Coronapandemie und dann natürlich den Angriffskrieg Russlands auf
die Ukraine, die die wirtschaftlichen Aussichten in Deutschland eingetrübt
haben.</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Dr. Volker Ullrich
[CDU/CSU])</kommentar>
<p klasse="J">Gleichwohl: Dass wir aktuell insbesondere beim
Potenzialwachstum nicht da sind, wo wir sein könnten, das ist nicht allein mit der
Coronapandemie und dem russischen Angriffskrieg zu erklären. Seit mindestens
anderthalb Jahrzehnten, meine Damen und Herren, wird für die Wettbewerbsfähigkeit
der deutschen Volkswirtschaft nicht Ausreichendes getan. Das müssen wir nüchtern
feststellen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie der Abg. Dr. Sandra Detzer
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="J">Herr Kollege Dobrindt, deswegen finde ich manche
Äußerungen hier vorne und übrigens auch die Breitbeinigkeit in der Rhetorik
geradezu bemerkenswert. Es werden doch jetzt in Wahrheit die Standortnachteile
Deutschlands offensichtlich. Es ist jetzt an uns, gemeinsam – übrigens insbesondere
auch mit den unionsgeführten Bundesländern – dieses zu ändern. Wir müssen endlich
aufräumen in Deutschland und eine Wirtschaftswende einleiten, liebe Kolleginnen und
Kollegen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP – Alexander Dobrindt [CDU/CSU]:
Dazu müsst ihr abdanken! – Zuruf der Abg. Dorothee Bär [CDU/CSU] – Weitere Zurufe
von der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Einiges ist bereits getan worden; der
Bundeswirtschaftsminister hat es angedeutet. Wir haben beispielsweise das
Freihandelsabkommen mit Kanada beschlossen. Wir haben bei der Einkommensteuer
erhebliche Reduzierungen vorgenommen – alleine in diesem Jahr 15 Milliarden Euro –,
wir haben die EEG-Umlage abgeschafft, die Stromsteuer für das produzierende Gewerbe
um 96 Prozent gesenkt</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Karsten Hilse [AfD])</kommentar>
<p klasse="O">und zudem das Zukunftsfinanzierungsgesetz
verabschiedet, damit in Deutschland wieder investiert wird. Und natürlich haben wir
das Genehmigungsbeschleunigungsgesetz sowie insbesondere, um das
Arbeitskräftepotenzial zu heben, das Fachkräfteeinwanderungsgesetz beschlossen. Es
werden im Bundeskabinett derzeit Bürokratieentlastungspakete besprochen, die
schnell in den Bundestag kommen sollten.</p>
<p klasse="J">Und ich will auch für meine Fraktion sagen: Wir
stehen nicht bereit für zusätzliche bürokratische Belastungen, wie sie die CDU-
Politikerin Ursula von der Leyen in den letzten Jahren vorgeschlagen hat – um das
in aller Klarheit zu sagen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP – Lachen der Abg. Alexander
Dobrindt [CDU/CSU] und Thorsten Frei [CDU/CSU])</kommentar>
<p klasse="J">Aber das allein, diese ersten wichtigen Schritte
werden nicht ausreichen. Deutschland braucht eine umfassende und breit angelegte
Wirtschaftswende. Deswegen bin ich froh, dass sowohl der Bundeswirtschaftsminister
als auch der Bundesfinanzminister sehr eindeutig gesagt haben, vor welcher
Herausforderung wir stehen. Der Titel des Jahreswirtschaftsberichts ist mit
„Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig stärken“ ja nicht umsonst gewählt.
Selbstverständlich – das will ich offen sagen –: Bei den Vorschlägen aus der CDU
und CSU – das ist vorhin noch einmal deutlich geworden – fragt man sich, ob Sie
überhaupt jemals über Finanzierungsfähigkeit nachgedacht oder
Finanzierungsvorschläge eingebracht haben, Herr Dobrindt.</p>
<kommentar>(Alexander Dobrindt [CDU/CSU]: Natürlich!)</kommentar>
<p klasse="J">Ich will in aller Klarheit sagen: Was sicherlich
nicht sein kann – und ich frage mich, ob überhaupt Einigkeit zwischen Union und FDP
an dieser Stelle herrscht –, ist, dass sich der Staat Hals über Kopf weiter
verschuldet,</p>
<kommentar>(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Nein! Da haben Sie
recht!)</kommentar>
<p klasse="O">um das, was Sie vorschlagen, zu finanzieren. Ich bin
ausdrücklich dagegen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der
SPD)</kommentar>
<p klasse="J">Gleichzeitig: Das, was der Jahreswirtschaftsbericht
vorstellt und beinhaltet, meine Damen und Herren, das ist das Gebot der Stunde,
auch wenn unionsgeführte Bundesregierungen dafür nie die Kraft hatten. Jetzt ist
die Zeit einer umfassenden und gezielten Angebotspolitik.</p>
<kommentar>(Jens Spahn [CDU/CSU]: Immer zu!)</kommentar>
<p klasse="O">Wir müssen zurück zu mehr Angebot, um unsere
Wirtschaft wieder nach vorne zu bringen, liebe Kolleginnen und Kollegen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP – Thorsten Frei [CDU/CSU]: Warum
hat das der Wirtschaftsminister in seiner Regierungserklärung nicht
gesagt?)</kommentar>
<p klasse="J">Und ja, das meint insbesondere auch steuerliche
Entlastungen. Ich komme an der Stelle gleich noch auf den gestrigen Abend zu
sprechen. Ich will in aller Klarheit sagen – da nehme ich auch uns als
Regierungsfraktionen in die Verantwortung –: Wir müssen als Koalition die Kraft
haben, die Mammutaufgabe einer Wirtschaftswende zu leisten, für die andere in der
Vergangenheit nie die Kraft entwickelt haben, liebe Kolleginnen und Kollegen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der
SPD)</kommentar>
<p klasse="J">Jetzt will ich zum gestrigen Abend kommen; der
Kollege Alexander Dobrindt war bei der Sitzung des Vermittlungsausschusses ja
ebenfalls zugegen. Ich fand vor diesem Hintergrund, lieber Kollege Dobrindt, Ihre
Rede gerade hier vorne bemerkenswert. Sie haben gerade gesagt, diese Koalition –
und ich teile die Einschätzung – sollte auch die Kraft haben, bei der
Unternehmensteuer Entlastungen vorzuschlagen und abstimmen zu lassen, um sie durch
den Deutschen Bundestag zu bringen; ich teile das ausdrücklich. Wie kann man, wenn
man ein rational denkender Mensch ist, am Donnerstagmorgen
Unternehmensteuersenkungen fordern, wenn man sie im Vermittlungsausschuss am
gestrigen Tag abgelehnt hat? Wie kann man es rational überhaupt hinkriegen, das zu
sagen, Herr Dobrindt? Wie schaffen Sie das intellektuell?</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN – Thorsten Frei [CDU/CSU]: Hören Sie doch mal zu! Sie verstehen es halt
nicht! Das ist das Problem! Das ist doch keine ernsthafte Rede! – Alexander
Dobrindt [CDU/CSU]: Sie wollen die Landwirtschaft belasten und wir nicht! Wir
wollen die gesamte Wirtschaft entlasten! Auch die Landwirtschaft!)</kommentar>
<p klasse="O">Sie stimmen dagegen und fordern es am nächsten
Morgen!</p>
<p klasse="J">Ich kann das nicht mehr nachvollziehen; deswegen will
ich das in aller Klarheit und in aller Ernsthaftigkeit sagen. Ich meine ja nicht
nur, dass es keinerlei Vorschläge zum Bundeshaushalt 2024 aus der CDU/CSU-Fraktion
gab. Die Wahrheit ist: Auch am gestrigen Abend im Vermittlungsausschuss, meine
Damen und Herren, gab es keinen einzigen Antrag der CDU/CSU.</p>
<kommentar>(Alexander Dobrindt [CDU/CSU]: Das ist gar nicht wahr!
Das ist überhaupt nicht wahr!)</kommentar>
<p klasse="O">Sie beantragen nie etwas; Sie stimmen nie etwas zu.
Auf das, was Sie machen, beschränkt sich Ihre Wirtschaftspolitik: Sie schreiben
Briefe. Hören Sie auf mit Briefeschreiben!</p>
<kommentar>(Dorothee Bär [CDU/CSU]: Warum denn?)</kommentar>
<p klasse="O">Stimmen Sie in Parlamenten für Entlastungen, meine
Damen und Herren! Das wäre Ihr Beitrag zur Wirtschaftswende, den Sie leisten
könnten.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN – Thorsten Frei [CDU/CSU]: Und Sie haben keine Ahnung, dass der
Vermittlungsausschuss geheim tagt, oder? – Zurufe der Abg. Dorothee Bär [CDU/CSU]
und Alexander Dobrindt [CDU/CSU])</kommentar>
<p klasse="J">Frau Präsidentin, ich komme zum Schluss. Am gestrigen
Abend hat es im Vermittlungsausschuss eine Mehrheit für das Wachstumschancengesetz
gegeben. Aber machen wir uns nichts vor: Es war ein sogenanntes unechtes
Vermittlungsergebnis.</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Dr. Hendrik Hoppenstedt
[CDU/CSU])</kommentar>
<p klasse="O">Meine herzliche Bitte ist, die kommenden vier Wochen
zu nutzen.</p>
<kommentar>(Patrick Schnieder [CDU/CSU]: Bewegen Sie
sich!)</kommentar>
<p klasse="O">Das Wachstumschancengesetz ist am 17. November
letzten Jahres hier von der Mehrheit beschlossen worden. Sie von der Union haben
jetzt noch vier Wochen Zeit,</p>
<kommentar>(Alexander Dobrindt [CDU/CSU]: Sie haben Zeit! –
[Thorsten Frei [CDU/CSU]: Sie haben Zeit! Was ist das denn für eine Hochnäsigkeit!?
Meine Güte! Sie sind die Regierung! Bewegen Sie sich mal! Was glauben Sie
eigentlich! Man glaubt, den Leuten alles erzählen zu können! – Gegenruf der Abg.
Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wieso? Sie haben doch gestern
abgelehnt!)</kommentar>
<p klasse="O">Ihre Meinung zu ändern und den Weg freizumachen für
die Entlastung der deutschen Unternehmen.</p>
<p klasse="J">Ich danke Ihnen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</kommentar>
<name>Präsidentin Bärbel Bas:</name>
<p klasse="J_1">Als Nächster hat das Wort für die Fraktion
Bündnis 90/Die Grünen Andreas Audretsch.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD
sowie bei Abgeordneten der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015400600">
<p klasse="redner"><a id="r7"/><redner
id="11005011"><name><vorname>Andreas</vorname><nachname>Audretsch</
nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Andreas
Audretsch (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren!
Die deutsche Wirtschaft ist in einem schwierigen Fahrwasser – das ist unbenommen –,
und jetzt haben wir zwei Möglichkeiten: Entweder wir stellen uns hierhin, wie Sie,
Herr Dobrindt, das getan haben, verbreiten Depression im Land</p>
<kommentar>(Lachen bei Abgeordneten der CDU/CSU – Alexander
Dobrindt [CDU/CSU]: Ich schaue mir die Ampel an, dann kriege ich
Depressionen!)</kommentar>
<p klasse="O">und sagen: Alles ist nur schlecht. – Oder wir fangen
einmal an, auch darüber zu reden, was wir hier aufräumen, was Sie in 16 Jahren
falsch gemacht haben</p>
<kommentar>(Patrick Schnieder [CDU/CSU]: Bingo! – Dorothee Bär
[CDU/CSU]: Das ist so peinlich! – Weitere Zurufe von der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">und was eigentlich im Positiven gerade auf den Weg
gebracht wird.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Die Inflation lag im Februar vor einem Jahr bei
8,7 Prozent. Sie ist massiv gesunken, auf jetzt 2,8 Prozent, und der Pfad zeigt
abwärts. Die Energiepreise waren enorm nach oben gesprungen. Und wissen Sie, warum?
Weil Sie von der Union uns abhängig gemacht haben von russischem Gas.</p>
<kommentar>(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Nein!)</kommentar>
<p klasse="O">55 Prozent der Gasimporte in Deutschland mussten
ersetzt werden. Wir haben diese Katastrophe abgewendet; wir haben Gas besorgt.</p>
<kommentar>(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Sie haben sie vergrößert, die
Katastrophe!)</kommentar>
<p klasse="O">Und jetzt sinken auch die Energiepreise wieder: Die
Strompreise für die Industrie sind um 23 Prozent gefallen,</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD)</kommentar>
<p klasse="O">und mit dem Boom bei Solar- und bei Windenergie
werden sie weiter fallen. Die günstigsten Energien, die wir haben, sind die
erneuerbaren.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD – Patrick Schnieder [CDU/CSU]: Die Wirtschaft freut sich!
Alles wird günstiger!)</kommentar>
<p klasse="J">Sie haben das Land kaputtgespart, 16 Jahre lang. Und
das Gegenteil davon ist das, was wir jetzt tun: Wir investieren in Chipfabriken in
Sachsen und in Sachsen-Anhalt, in grünen Stahl, in Schleswig-Holstein in eine
Batteriezellenfabrik. Insgesamt 10 000 neue Arbeitsplätze werden dadurch
geschaffen. Das sind Arbeitsplätze für Menschen, die dann Jobs haben, die gute
Löhne kriegen und die im Wohlstand hier in Deutschland leben können. Auch das
passiert. Nicht alles ist gut; aber es wird besser. Wir sind auf dem Weg.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD –
Dr. Volker Ullrich [CDU/CSU]: Nee, es wird eben nicht besser!)</kommentar>
<p klasse="J">Jetzt komme ich zu gestern Abend und zu der Frage,
was man ganz konkret als Nächstes tun kann. Ehrlich gesagt: Wir erleben seit
einigen Wochen ein absolut absurdes Theater von Ihrer Seite – Friedrich Merz ist
ganz vorne mit dabei –: Steuersenkungen von rund 45 Milliarden Euro legen Sie auf
den Tisch – 45 Milliarden Euro! –, und bei der Frage der Finanzierung gibt es nicht
einen einzigen konkreten Vorschlag. Der Minister hat ausgeführt, wie absurd Ihre
Rechnungen sind; die haben weder Hand noch Fuß. Und es wird noch absurder und noch
klarer: Sie wissen das. Sie wissen doch genau, was Sie tun. Sie verbieten Ihren
Abgeordneten, hier im Deutschen Bundestag Anträge zu stellen,</p>
<kommentar>(Jörn König [AfD]: Das ist ja interessant, dieses
Demokratieverständnis! In der Union soll verboten werden, Anträge zu stellen!
Unglaublich!)</kommentar>
<p klasse="O">weil Sie nicht rechnen wollen, weil Sie ganz
dezidiert verunsichern wollen, weil Sie ja kein Interesse daran haben, ernsthaft zu
rechnen. Sonst würde ich vorschlagen: Schreiben Sie es mal auf, legen Sie es vor,
bringen Sie es hier ein! Dann könnte man darüber reden.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD
sowie bei Abgeordneten der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Der letzte Akt – Kollege Dürr hat es gesagt – ist das
Wachstumschancengesetz. Wir hatten lange verhandelt, und wir hatten auch Einigkeit.
Es gab übrigens auch gute Gespräche, gute Einigkeit mit den Unionsfinanzministern
aus den Ländern: Herr Optendrenk aus Nordrhein-Westfalen fand das Paket gut; Herr
Füracker aus Bayern, CSU, fand das Paket gut.</p>
<kommentar>(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], an die
CDU/CSU gewandt: Hören Sie mal zu!)</kommentar>
<p klasse="J">Dann ist eins passiert: Es kam eine Person, die keine
Lust hatte auf konstruktive Politik für die Wirtschaft in Deutschland, die vielmehr
Destruktion in die Debatte bringen wollte, und diese Person heißt Friedrich Merz.
Diese Person hat gestern Abend verhindert, dass es eine Zustimmung zum
Wachstumschancengesetz von Ihrer Seite geben kann.</p>
<kommentar>(Alexander Dobrindt [CDU/CSU]: Der war doch gar nicht
dabei! Sie haben es verhindert!)</kommentar>
<p klasse="J">Wir haben gestern Abend Ja gesagt: Wir haben gestern
Abend Ja gesagt zu mehr Forschungsförderung; wir haben Ja gesagt zu
Investitionsimpulsen für kleine und mittlere Unternehmen; wir haben Ja gesagt zu
neuem Schwung für die Bauwirtschaft.</p>
<p klasse="J">Friedrich Merz und Herr Dobrindt, die Union hat
gestern Abend Nein gesagt:</p>
<kommentar>(Alexander Dobrindt [CDU/CSU]: Sie haben Nein gesagt!
Sie haben Nein gesagt zu einem Kompromiss!)</kommentar>
<p klasse="O">Nein zu 18 Wirtschaftsverbänden, Nein zu den kleinen
und mittleren Unternehmen in Deutschland, Nein zu Wohlstand in Deutschland. Das ist
das, was Sie tun: große Gesten, große Blasen, und wenn es konkret wird, dann sind
Sie weg.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD
sowie bei Abgeordneten der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Wir sind nicht so, und im christlichen Sinne kriegt
bei uns jeder immer eine zweite Chance.</p>
<kommentar>(Gunther Krichbaum [CDU/CSU]: Gehen Sie doch erst mal in
die freie Wirtschaft! Sie waren doch kein einziges Mal in der freien
Wirtschaft!)</kommentar>
<p klasse="O">Und ich sage Ihnen, wann Sie die nächste Chance
kriegen: Die nächste Chance kriegen Sie am Freitag. Am Freitag wird über das
Wachstumschancengesetz hier im Deutschen Bundestag erneut abgestimmt. Dann stellt
sich für Sie – für Sie, Herr Dobrindt, für Sie, Herr Merz – erneut die Frage:
Werden Sie für die deutsche Wirtschaft stimmen? Werden Sie für die kleinen und
mittleren Unternehmen stimmen? Werden Sie für die Bauwirtschaft stimmen? Werden Sie
für Forschungsförderung stimmen? Oder bleiben Sie im Team derer, die immer nur
Destruktion für dieses Land wollen,</p>
<kommentar>(Lachen der Abg. Andrea Lindholz [CDU/CSU] – Dorothee
Bär [CDU/CSU]: Wie lang sind denn vier Minuten eigentlich?)</kommentar>
<p klasse="O">die sich gegen Unternehmen aussprechen? Sie haben die
Wahl. Sie müssen Farbe bekennen. Wir setzen darauf am Freitag.</p>
<p klasse="J">Herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD
sowie bei Abgeordneten der FDP)</kommentar>
<name>Präsidentin Bärbel Bas:</name>
<p klasse="J_1">Als Nächster hat das Wort für die CDU/CSU-Fraktion
Jens Spahn.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015400700">
<p klasse="redner"><a id="r8"/><redner
id="11003638"><name><vorname>Jens</vorname><nachname>Spahn</nachname><fraktion>CDU/
CSU</fraktion></name></redner>Jens Spahn (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Herr Kollege Audretsch, weil Sie mal ja wieder die 16 Jahre angesprochen haben:</p>
<kommentar>(Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">Als wir 2005 übernommen haben, hatte dieses Land
5 Millionen Arbeitslose. Wir waren in der Rezession; die Regierung war am Ende. In
diesen 16 Jahren hatten wir die längste Phase von Wirtschaftswachstum am Stück in
der Geschichte der Bundesrepublik.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Und Sie haben nur zwei Jahre gebraucht, uns in die
Rezession zu führen! Das ist doch das Problem, bei dem wir aktuell sind.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Zu gestern Abend:</p>
<kommentar>(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Da waren Sie
doch gar nicht!)</kommentar>
<p klasse="O">Sie müssten vielleicht gelegentlich Berlin mal
verlassen. Bei mir im Münsterland macht die Landwirtschaft mit ihrem vor- und
nachgelagerten Bereich 15 Prozent der Wirtschaftskraft aus. Wir haben gestern Abend
gesagt: Wenn nahezu alle Ministerpräsidenten in Deutschland – nicht nur die der
Union, sondern auch Frau Schwesig, Frau Rehlinger, Herr Woidke, Herr Weil – sagen:
„Diese Steuererhöhung beim Agrardiesel ist falsch, weil sie bäuerliche Familien und
Hunderttausende mittelständische Betriebe zusätzlich belastet“,</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Bernd Westphal [SPD])</kommentar>
<p klasse="O">dann muss aus diesen Ankündigungen in Sonntagsreden
auch konkrete Politik werden – darum geht es! –, um Vertrauen zurückzubringen in
die Politik in Deutschland insgesamt.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<name>Präsidentin Bärbel Bas:</name>
<p klasse="J_1">Herr Spahn, gestatten Sie eine Zwischenfrage oder
Zwischenbemerkung von Frau Haßelmann?</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11003638"><name><vorname>Jens</vorname><nachname>Spahn</nachname><fraktion>CDU/
CSU</fraktion></name></redner>Jens Spahn (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Gerne.</p>
<name>Präsidentin Bärbel Bas:</name>
<p klasse="J_1">Sie haben das Wort, Frau Haßelmann.</p>
<p klasse="redner"><a id="r9"/><redner
id="11003764"><name><vorname>Britta</vorname><nachname>Haßelmann</
nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Britta Haßelmann
(BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Spahn, zum einen stelle ich
fest: Sie waren gestern Abend nicht dabei. Macht aber nichts. Die CDU/CSU-Fraktion
des Deutschen Bundestages und die B-Länder haben ja gegen das
Wachstumschancengesetz gestimmt und gegen die Einigung, die im breiten Kreis – auch
mit allen CDU-Finanzministern – im Interesse der Vernunft getroffen wurde. Hatten
Sie sich dazu entschieden, das vorzulegen? Auch Sie selbst waren ja der Auffassung
in unseren internen Gesprächen, dass es ein guter Vorschlag war.</p>
<kommentar>(Alexander Dobrindt [CDU/CSU]: Ach! War er ja doch
dabei! – Zurufe der Abg. Dorothee Bär [CDU/CSU] und Julia Klöckner [CDU/CSU]:
Interne Gespräche!)</kommentar>
<p klasse="J">Der zweite Punkt: Sie hätten gestern den Agrardiesel
und das Haushaltsfinanzierungsgesetz zum Thema machen können, wenn Sie nicht im
Bundesrat</p>
<kommentar>(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Wer sitzt von uns im
Bundesrat?)</kommentar>
<p klasse="O">die Aufsetzung dieses Haushaltsfinanzierungsgesetzes
als B-Seite, also als CDU und CSU, verhindert hätten.</p>
<p klasse="J">Gestern Abend im Vermittlungsausschuss gab es unter
anderem zwei Themen, die Sachgrund der Anhörung und der Beratung waren. Das waren
das Wachstumschancengesetz und das Krankenhaustransparenzgesetz. Das Thema
Haushaltsfinanzierungsgesetz, die Frage des Agrardiesels, die Frage nach
Perspektiven der Landwirtschaft standen überhaupt nicht auf der Tagesordnung.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP – Enrico Komning [AfD]: Was ist denn jetzt die
Frage?)</kommentar>
<p klasse="O">Sie waren kein Sachgrund, damit hat sich der
Vermittlungsausschuss nicht befasst. – Nehmen Sie das zur Kenntnis?</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="redner"><redner
id="11003638"><name><vorname>Jens</vorname><nachname>Spahn</nachname><fraktion>CDU/
CSU</fraktion></name></redner>Jens Spahn (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Liebe Frau Kollegin Haßelmann, das waren jetzt
alles Verfahrensfragen,</p>
<kommentar>(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Die sind
wichtig!)</kommentar>
<p klasse="O">aber wenig Politik. Ich kann auch Sie einladen, mit
mir einfach mal in den ländlichen Raum zu fahren. Dann kann ich Ihnen zeigen, was
auf der Tagesordnung der Menschen steht.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Vielleicht sollten wir uns damit beschäftigen: Was
steht eigentlich auf der Tagesordnung der Bürgerinnen und Bürger?</p>
<kommentar>(Zurufe der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN] und Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="O">Auf der Tagesordnung der Bürgerinnen und Bürger
steht, dass Sie sich wegen Ihres verfassungswidrigen Haushaltes, den Sie mit Ansage
vorgelegt haben, am Ende nicht besser zu helfen wussten, als sich das Geld, das
Ihnen nun für Ihre ganzen rot-grünen Projekte fehlt, durch Steuererhöhungen zu
holen.</p>
<kommentar>(Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">Sie erhöhen die Plastiksteuer, Sie erhöhen die CO2-
Abgabe, die Maut wird um 8 Milliarden Euro erhöht, und sie erhöhen auch beim
Agrardiesel die Steuern.</p>
<kommentar>(Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Für die schlechte Laune im Land und dafür, dass bei
den Menschen dieses Thema überhaupt auf der Tagesordnung steht, sind Sie
verantwortlich. Es wäre gut, wenn Sie mithelfen würden, die Probleme zu lösen,
damit in unserem Land wieder Ruhe einkehren kann und die Menschen wieder Vertrauen
fassen können in die Politik in Deutschland.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Britta Haßelmann
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was war denn nun gestern im
Vermittlungsausschuss?</kommentar>
<p klasse="J">Herr Vizekanzler Habeck, ich stehe ja immer noch
staunend vor Ihrer Regierungserklärung. Sie haben hier gerade im Plauderton
zusammenhanglos verschiedene Themen aneinandergereiht, wie das auch im
Jahreswirtschaftsbericht selbst der Fall ist. Während die deutsche Wirtschaft als
einzige aller Industrieländer in der Rezession ist, während die Arbeitslosigkeit
steigt, während Investitionen aus Deutschland abwandern, während die Inflation die
Menschen arm macht, reihen Sie hier einfach irgendwelche Sachbeschreibungen
aneinander. Diese Rede, Herr Minister, war pure Politikverweigerung. Das ist Ihre
Rezession, und wir wollen von Ihnen wissen, wie Sie uns aus dieser Rezession
herausführen. Darum geht es doch heute Morgen in dieser Debatte.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Zurufe von der
SPD)</kommentar>
<p klasse="J">Sie leisten dann ja auch selbst einen Beitrag zur
Lage, indem Sie beständig für Verunsicherung sorgen: Dauerstreit und Verzögerungen
beim Heizungsgesetz; einen Industriestrompreis haben Sie vor zwölf Monaten
angekündigt, bis heute ist nichts da. Kein Mensch kann sich auf das verlassen, was
Sie ankündigen. Kraftwerksstrategie, Haushaltsstreit – all das verunsichert die
deutsche Wirtschaft und die Verbraucherinnen und Verbraucher. Es ist mittlerweile
so weit, dass im internationalen Index für das Investitionsklima das Niveau an
Unsicherheit in Bezug auf Investitionen in Deutschland so groß ist wie im
Vereinigten Königreich nach dem Brexit. Mit Ihrem Dauerstreit haben Sie Deutschland
zu einem unsicheren Investitionsland gemacht. Die eigentliche Gefahr für den
Standort Deutschland ist diese Regierung mit ihrem Dauerstreit, liebe Kolleginnen
und Kollegen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<name>Präsidentin Bärbel Bas:</name>
<p klasse="J_1">Herr Spahn, gestatten Sie noch eine Zwischenfrage
oder Zwischenbemerkung der Kollegin Lötzsch?</p>
<kommentar>(Julia Klöckner [CDU/CSU]: Unbedingt!)</kommentar>
<p klasse="redner"><redner
id="11003638"><name><vorname>Jens</vorname><nachname>Spahn</nachname><fraktion>CDU/
CSU</fraktion></name></redner>Jens Spahn (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Gerne.</p>
<name>Präsidentin Bärbel Bas:</name>
<p klasse="J_1">Frau Lötzsch, Sie haben das Wort.</p>
<p klasse="redner"><a id="r10"/><redner
id="11003584"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Gesine</vorname><nachname>Lötzsch</
nachname><fraktion>Die Linke</fraktion></name></redner>Dr. Gesine Lötzsch (Die
Linke):</p>
<p klasse="J_1">Herzlichen Dank, Frau Präsidentin. Herzlichen Dank,
Kollege Spahn, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. Ich mache aber erst mal eine
Bemerkung.</p>
<p klasse="J">Es ist ja hier aus dem Vermittlungsausschuss
berichtet worden; ich bin auch Mitglied im Vermittlungsausschuss. Das Bild war sehr
unterschiedlich, und ich möchte der guten Ordnung halber, weil hier über die
Ministerpräsidenten gesprochen wurde, darauf hinweisen, dass auch der grüne
Ministerpräsident aus Baden-Württemberg, Angehöriger der Partei Bündnis 90/Die
Grünen, dieses Wachstumschancenpaket abgelehnt hat, wenn auch sicher aus anderen
Gründen als ich.</p>
<kommentar>([Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Widerspruch
beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zurufe von der CDU/CSU: Hört! Hört!)</kommentar>
<p klasse="O">– Natürlich hat er das. Ja, Kolleginnen und Kollegen,
es ist eigentlich nicht üblich, über Abstimmungsverhalten im Vermittlungsausschuss
zu reden; aber Sie haben damit begonnen. Sie haben Namen genannt.</p>
<kommentar>(Andreas Audretsch [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Falsch!)</kommentar>
<p klasse="J">Ich habe auch eine Frage an den Kollegen Spahn. Ich
habe das Paket aus anderen Gründen als Ihre Partei abgelehnt. Wir haben es ja
morgen noch mal auf der Tagesordnung. Meine Frage lautet: Sind Sie mit mir der
Auffassung, dass es so etwas wie Solidarität innerhalb der Wirtschaft geben müsste?
Die Situation in der Wirtschaft ist ja sehr unterschiedlich. Es gibt Betriebe und
Unternehmen, die wirklich sehr gut dastehen, und andere, die schlecht dastehen. Ich
nenne mal ein Beispiel: Der Aktienkurs von Rheinmetall beträgt heute 403,50 Euro,
am 30. Dezember 2021 hatte die Aktie einen Wert von 87,28 Euro. – Wäre es nicht
besser, hier Übergewinne abzuschöpfen und die Solidarität innerhalb der Wirtschaft
zu organisieren? Würden Sie mir bei dieser Position zustimmen?</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="redner"><redner
id="11003638"><name><vorname>Jens</vorname><nachname>Spahn</nachname><fraktion>CDU/
CSU</fraktion></name></redner>Jens Spahn (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Frau Kollegin Lötzsch, ich kann Ihnen sagen, was
besser wäre in einer Zeit, in der keine Investitionen nach Deutschland kommen,</p>
<kommentar>(Frauke Heiligenstadt [SPD]: Das ist doch völlig
falsch!)</kommentar>
<p klasse="O">sondern zig Milliarden aus Deutschland herausfließen.
Was gut und richtig wäre, wäre, wenn wir alle Unternehmen wieder in die Lage
brächten, Gewinne zu machen.</p>
<kommentar>(Dr. Johannes Fechner [SPD]: Machen sie
doch!)</kommentar>
<p klasse="O">Das wäre doch mal eine gute Maßnahme. Und das
passiert dadurch, dass man den Investitionsstandort stärkt, Frau Kollegin. Ich bin
da einer Meinung mit dem Finanzminister, der ja eine Wirtschaftswende ausgerufen
hat. Der Finanzminister will die Unternehmensteuer senken, mehr Flexibilität am
Arbeitsmarkt, eine Reduzierung von Bürokratielasten,</p>
<kommentar>(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Gute Vorschläge!)</kommentar>
<p klasse="O">eine Novelle des Klimaschutzgesetzes und eine
Energiepolitik, die sich vor allem auf Versorgungssicherheit und wettbewerbsfähige
Preise konzentriert.</p>
<p klasse="J">Und wissen Sie was, Frau Lötzsch? Das Bemerkenswerte
ist: Wir sind eins zu eins einer Meinung mit ihm. Wenn der Bundesminister der
Finanzen dieses Paket hier vorlegt, Herr Dürr, können Sie sich sicher sein: Wir
stimmen zu; denn das ist genau das, was Deutschland braucht. Das ist absolut
okay.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Christian Dürr [FDP]: Nach
gestern Abend bin ich da unsicher! Gestern Abend habe ich schlechte Erfahrungen mit
Ihnen gemacht!)</kommentar>
<p klasse="J">Es gibt nur ein Problem, Herr Kollege Dürr – Sie
haben ja gerade die intellektuellen Fähigkeiten angesprochen –: Ich habe genau
zugeschaut, was passiert ist, während Sie geredet haben.</p>
<kommentar>(Dorothee Bär [CDU/CSU]: Ja, ich auch!)</kommentar>
<p klasse="O">Als Sie vorgetragen haben, was der
Bundesfinanzminister für richtig befindet, was wir in der Union für richtig
befinden, da hat sich bei SPD und Grünen nicht eine einzige Hand geregt.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Dr. Johannes Fechner [SPD]:
Blödsinn! Stimmt doch gar nicht! Videobeweis! – Gegenruf der Abg. Dorothee Bär
[CDU/CSU]: Doch! Doch! Ich habe es auch gesehen!)</kommentar>
<p klasse="O">Deswegen kann ich Ihnen, Herr Kollege Dürr, bevor Sie
sich auf die Beschimpfung der Opposition beschränken und damit aufhalten, nur eines
anempfehlen: Legen Sie im Sinne eines Lambsdorff-Papiers gerne ein Lindner-Papier
vor! Machen Sie es bald!</p>
<kommentar>(Christian Dürr [FDP]: Wir kriegen doch keine Mehrheit
mit Ihnen! Stimmen Sie dem Wachstumschancengesetz zu!)</kommentar>
<p klasse="O">Stellen Sie hier im Deutschen Bundestag die richtigen
Dinge zur Abstimmung! Fragen Sie sich, ob Sie es schaffen, mit der Ampel das zu
tun, was nötig ist, oder machen Sie diesem ganzen Schrecken endlich ein Ende, und
überlegen Sie sich, ob Sie in dieser Koalition richtig aufgehoben sind. Das ist die
Frage, die Sie sich angesichts der Reden, die Sie hier halten, stellen müssen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Man sieht ja, wie die Regierung erst nach und nach in
der Realität ankommt. Herr Minister, Sie sagen öffentlich, die Lage ist „dramatisch
schlecht“.</p>
<kommentar>(Dr. Robert Habeck, Bundesminister: Die
Zahlen!)</kommentar>
<p klasse="O">– Die Zahlen? Also nach dem Motto „Der Wirtschaft
geht es gut, aber die Zahlen sind schlecht“?</p>
<kommentar>(Heiterkeit bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Okay. Ich kann Ihnen nur sagen: Das sind nicht nur
Zahlen. Inflation bedeutet für die Menschen realen Kaufkraftverlust. Und wenn Sie
sagen: „Die Inflation hat abgenommen, alles wieder gut“, dann antworte ich: Nein,
Kaufkraft, die einmal verloren ist, ist weiterhin verloren. Deutschland ist in den
letzten zwei Jahren ärmer geworden, und es wird Jahre dauern, das wieder
aufzuholen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Das sind nicht nur Zahlen; das ist konkrete Realität
für Millionen Bürger.</p>
<p klasse="J">Die Wirtschaft wandert ab. Sie nennen die Lage
„dramatisch schlecht“, der Finanzminister sagt, das Ganze ist „peinlich“. Immerhin,
da sind Sie beide sich einmal einig. Und dann kommt der Bundeskanzler zur
Sicherheitskonferenz und sagt der erstaunten internationalen Öffentlichkeit: „Don’t
worry about our economy.“</p>
<kommentar>(Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Sie sagen, die Lage ist „dramatisch schlecht“, der
Finanzminister sagt, sie ist „peinlich“, und der Bundeskanzler sagt, macht euch
keine Sorgen, alles im Griff. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Sie leben
mittlerweile alle drei in unterschiedlichen Wirklichkeiten.</p>
<kommentar>(Dorothee Bär [CDU/CSU]: Genau!)</kommentar>
<p klasse="O">Sie sind nicht mal ansatzweise in der Lage, sich auch
nur bei der Analyse der Lage zu einigen. Im Zweifel reden Sie eher gemeinsam die
Dinge schön, wie Sie es heute hier gemacht haben, bevor Sie das Notwendige tun.
Setzen Sie sich endlich zusammen, wenn es sein muss Tag und Nacht, und sorgen Sie
dafür, dass diese Regierung die Lage einheitlich bewertet und vor allem zu
einheitlichen Maßnahmen kommt, die umzusetzen sind, damit dieses Land wieder zu
Wachstum kommt!</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Stattdessen wird angekündigt: Lindner und Habeck
legen jeweils ein eigenes Papier vor. – So wird das nichts.</p>
<p klasse="J">Das alles, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist
übrigens kein Selbstzweck. Wachstum ist die Voraussetzung für alles andere.
Wachstum ist die Voraussetzung für soziale Sicherheit. Wachstum ist die
Voraussetzung dafür, dass wir überhaupt in eine klimaneutrale Zukunft investieren
können. Wachstum ist die Voraussetzung für Zusammenhalt im Land. Deswegen geht es
hier nicht um irgendwelche Zahlen, sondern es geht um eine sehr konkrete
Realität.</p>
<p klasse="J">Herr Kollege Dürr?</p>
<name>Präsidentin Bärbel Bas:</name>
<p klasse="J_1">Wollen Sie eine Zwischenfrage oder
Zwischenbemerkung zulassen von Herrn Dürr?</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11003638"><name><vorname>Jens</vorname><nachname>Spahn</nachname><fraktion>CDU/
CSU</fraktion></name></redner>Jens Spahn (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Gerne.</p>
<name>Präsidentin Bärbel Bas:</name>
<p klasse="J_1">Herr Dürr, Sie haben das Wort.</p>
<p klasse="redner"><a id="r11"/><redner
id="11004705"><name><vorname>Christian</vorname><nachname>Dürr</nachname><fraktion>
FDP</fraktion></name></redner>Christian Dürr (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrter Herr
Kollege Spahn, ich habe während Ihrer Rede lange überlegt, ob ich Sie persönlich
anspreche oder jetzt hier im Plenum die Frage stelle.</p>
<p klasse="J">Mich hat gestern ein junger Mann angerufen, der mir
deutlich gesagt hat, dass er CDU-Wähler sei, und der mir eine Frage gestellt hat.
Er war sehr erbost über die Äußerung von Ihnen als stellvertretender
Fraktionsvorsitzender gestern gegenüber der Presse zum Thema Wachstumschancengesetz
und war erstaunt über das Abstimmungsverhalten der Union im Vermittlungsausschuss.
Ich habe ihm erläutert, dass die Union angemerkt hat, dass sie, wenn beim Thema
Agrardiesel nichts passiert, dem Wachstumschancengesetz nicht zustimmen könne. Ich
habe also Ihre Position sachlich dargestellt, Herr Spahn. Daraufhin bemerkte dieser
junge Mann, dass das Thema Agrardiesel am 17. November des vergangenen Jahres, als
über das Wachstumschancengesetz im Deutschen Bundestag abgestimmt worden ist, doch
gar kein Thema gewesen sei,</p>
<kommentar>(Friedrich Merz [CDU/CSU]: Da war es ja auch noch nicht
beschlossen!)</kommentar>
<p klasse="O">Ihre Fraktion aber dennoch komplett gegen das
Wachstumschancengesetz gestimmt habe.</p>
<p klasse="J">Dann hat er mir eine Frage gestellt, von deren
Antwort er, so führte er aus, sein künftiges Wahlverhalten, also ob er weiter die
Union wählt oder in Zukunft die FDP,</p>
<kommentar>(Lachen bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">abhängig machen wolle.</p>
<kommentar>(Julia Klöckner [CDU/CSU]: Jetzt wird es peinlich! Und
das für einen Fraktionsvorsitzenden!)</kommentar>
<p klasse="O">Er hat mich gefragt, wie Sie am Freitag, wenn das
Wachstumschancengesetz erneut zur Abstimmung steht, votieren werden, Herr Kollege
Spahn. Diese Antwort hätten wir ganz gerne.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Dorothee Bär [CDU/CSU]: Er kämpft echt um seine
eigenen Wähler!)</kommentar>
<p klasse="redner"><redner
id="11003638"><name><vorname>Jens</vorname><nachname>Spahn</nachname><fraktion>CDU/
CSU</fraktion></name></redner>Jens Spahn (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Lieber Herr Kollege Dürr, ich verstehe ja, dass Sie
in einer schwierigen Lage sind.</p>
<kommentar>(Lachen bei Abgeordneten der SPD – Dr. Johannes Fechner
[SPD]: Zustimmung oder nicht? – Christian Dürr [FDP]: Ich stelle nur die Frage von
einem CDU-Wähler!)</kommentar>
<p klasse="O">Man kann ja physisch fühlen und übrigens auch
nachvollziehen, wie es Ihnen, der FDP, in dieser Koalition geht.</p>
<kommentar>(Tino Chrupalla [AfD]: Man riecht es! – Christian Dürr
[FDP]: Nein, ich wollte nur eine Antwort haben für den jungen Mann! – Dr. Johannes
Fechner [SPD]: Jetzt die Antwort!)</kommentar>
<p klasse="O">Sie rechtfertigen diese Koalition vor sich selbst,
indem Sie regelmäßig sagen, Sie würden Schlimmeres verhindern. Ich finde, Sie
müssen sich mittlerweile die Frage stellen, ob Sie nicht Schlimmes ermöglichen. Die
Frage müssten Sie sich vielleicht mal stellen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der
AfD – Alexander Dobrindt [CDU/CSU]: So ist es! – Christian Dürr [FDP]: Was sagen
Sie dem jungen Mann? – Dr. Johannes Fechner [SPD]: Jetzt mal die Antwort auf die
Frage!)</kommentar>
<p klasse="J">Im November haben wir natürlich noch nicht über den
Agrardiesel gesprochen, weil Sie diese Frage wegen Ihrer eigenen verkorksten
Haushaltspolitik ja erst später zum Thema gemacht haben.</p>
<kommentar>(Friedrich Merz [CDU/CSU]: So ist es! – Christian Dürr
[FDP]: Aber wie werden Sie am Freitag abstimmen? – Gegenruf des Abg. Thorsten Frei
[CDU/CSU]: Das werden Sie sehen! Es ist doch klar, wie wir abstimmen!)</kommentar>
<p klasse="O">Deswegen gilt für uns weiterhin:</p>
<kommentar>(Christian Dürr [FDP]: Was sage ich dem CDU-Wähler? –
Gegenruf der Abg. Dorothee Bär [CDU/CSU]: Geben Sie uns die Nummer! Wir rufen ihn
selber an!)</kommentar>
<p klasse="O">Ohne Ihre Bereitschaft, auch für den wichtigen
Wirtschaftszweig der Landwirtschaft das Notwendige zu tun, kann es für dieses
Wachstumschancengesetz keine Zustimmung geben, ganz schlicht und einfach.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Torsten Herbst [FDP]: Gegen
Steuersenkungen!)</kommentar>
<p klasse="J">Abschließend, Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und
Kollegen, kann man einfach nur sagen: Die Reden, die wir in dieser Debatte von der
Ampel gehört haben, waren ja ein Offenbarungseid. Kommen Sie endlich vom Reden ins
Handeln! Und sagen Sie dem Bundeskanzler, falls Sie ihn mal sehen – ich finde es
bemerkenswert genug, dass er heute bei einer weiteren Regierungserklärung nicht da
ist – –</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Bettina Hagedorn
[SPD]: Er hat auch nichts zu tun!)</kommentar>
<p klasse="O">– „Er hat auch nichts zu tun“? Ich kann Ihnen mal was
sagen: Das hier ist der Deutsche Bundestag. Das ist der von den Menschen im Land
gewählte Souverän. Ich erwarte vom Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland,
dass er sich hier ab und zu mal sehen lässt, zumal wenn seine Wirtschaftspolitik
zur Debatte steht. Das ist eine ganz banale Erwartung.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der
AfD – Zuruf des Abg. Dr. Johannes Fechner [SPD])</kommentar>
<p klasse="O">Es mag ein altmodisches Konzept von Führung sein,
aber ich würde auch erwarten, dass er endlich dafür sorgt, dass Finanz- und
Wirtschaftsminister an einem Strang ziehen für Wachstum in Deutschland.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<name>Präsidentin Bärbel Bas:</name>
<p klasse="J_1">Als Nächster hat das Wort für die SPD-Fraktion
Bernd Westphal.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie
bei Abgeordneten der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015400800">
<p klasse="redner"><a id="r12"/><redner
id="11004442"><name><vorname>Bernd</vorname><nachname>Westphal</nachname><fraktion>
SPD</fraktion></name></redner>Bernd Westphal (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Helmut Schmidt hat mal gesagt:
In der Krise beweist sich Charakter.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN und der FDP – Bettina Hagedorn [SPD]: So ist es!)</kommentar>
<p klasse="O">Liebe Kolleginnen und Kollegen von der Union, weder
charakter- noch inhaltlich haben Sie hier was zu bieten gehabt.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Die Reden, die Sie hier gehalten haben, drücken eher
Ihren Frust aus. Herr Dobrindt, Depressionen haben Sie in Ihrer Fraktion, aber
nicht die Bevölkerung draußen und nicht die Wirtschaft. Sie sind noch nicht damit
fertiggeworden, dass Sie die harten Oppositionsbänke drücken</p>
<kommentar>(Lachen des Abg. Thorsten Frei [CDU/CSU])</kommentar>
<p klasse="O">und nicht hier auf der Regierungsbank sitzen. Das ist
das Problem, das Sie haben. Sie überzeugen nicht mit Ihrem Programm.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP – Thorsten Frei [CDU/CSU]: Sie haben Probleme
auf der Regierungsbank!)</kommentar>
<p klasse="O">Das neue Grundsatzprogramm, was Sie von der Union
vorgelegt haben mit der Forderung nach dem Bau neuer Kernkraftwerke, ist alte,
verstaubte, konservative Mottenkiste, nach hinten gerichtet, und nicht die
Perspektive, die diese Ampelkoalition bietet.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie
bei Abgeordneten der FDP – Thorsten Frei [CDU/CSU]: Ergebnis Ihrer Politik: Wir
haben die teuersten Strompreise der Welt!)</kommentar>
<p klasse="J">Das, was diese Regierung in zwei Jahren auf den Weg
gebracht hat, ist oft von der Union gebremst worden. Wir sorgen für den Ausbau der
erneuerbaren Energien. Hier sitzen viele junge Menschen auf den Besuchertribünen.
Die Energieversorgung, die wir für die zukünftigen Generationen aufbauen, ist eine
Energieversorgung, die sicher, sauber und bezahlbar ist, ohne Kernenergie und ohne
Atommüll und ohne CO2-Ausstoss. Das ist Zukunft, und das haben wir auf den Weg
gebracht.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Thorsten Frei [CDU/CSU]: Das sehen aber alle anderen
Europäer anders!)</kommentar>
<p klasse="J">Dazu gehört auch, dass unser Standort für
ausländische Investoren wohl sehr attraktiv sein muss, wenn Tech-Giganten hier
investieren, zum Beispiel Intel mit der Produktion von Halbleitern. Auch die schon
bestehenden Unternehmen seien genannt, zum Beispiel GlobalFoundries in Dresden, das
seine Produktion erweitert. Bosch investiert hier in Zukunftstechnologien. Und dass
auch Microsoft sich entschieden hat, in Deutschland 3 Milliarden Euro in eine neue
Technologie, in künstliche Intelligenz, zu investieren, zeigt, dass wir klassische,
modernisierte Industriestandorte mit Digitalisierung und Technologien der Zukunft
verbinden.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD)</kommentar>
<p klasse="J">Unser Wirtschaftsminister bringt zusammen mit dem
Arbeitsminister auch etwas auf den Weg beim Thema Fachkräfte. Wir haben ein großes
Problem, was Wachstum angeht, weil uns die Arbeitskräfte fehlen. Deshalb haben wir
ein modernes Fachkräfteeinwanderungsgesetz auf den Weg gebracht, was mit der Union
nie möglich war.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie
bei Abgeordneten der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Danke, Hubertus Heil, auch für den Jobturbo und das,
was wir als Spurwechsel bezeichnen. Das ist es, was Arbeitsplätze schafft und
Anreize setzt, nach Deutschland zu kommen.</p>
<p klasse="J">Ich will noch etwas zum Bürokratieabbau sagen.
Manchmal wird ja hier so getan, als habe die Ampelkoalition in zwei Jahren einen
Wust von Bürokratie aufgebaut. Ich muss Ihnen sagen, Herr Spahn – er hört gar nicht
zu; das ist auch egal –: Es ist unredlich, das Jahr 2005 mit den heutigen
Herausforderungen zu vergleichen. Es gab damals weder einen Krieg mitten in Europa
noch eine hohe Inflation noch eine Energiesituation, die wirklich Krisenmanagement
erfordert. Heute besteht eine besondere Situation, in der Deutschland als
drittstärkstes Wirtschaftsland der Welt dasteht und nicht so, wie Sie es
beschreiben.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie
bei Abgeordneten der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Als Letztes möchte ich noch einmal die
Innovationskraft ansprechen. Wir haben an vielen Stahlstandorten heute die
Situation, dass der Abbau der Hochöfen und der Aufbau einer Produktion von Stahl
mit Wasserstoff die klimaneutrale Stahlerzeugung ermöglicht.</p>
<kommentar>(Karsten Hilse [AfD]: Wo passiert das?)</kommentar>
<p klasse="O">Wir haben ein Wasserstoffkernnetz, das jetzt an den
Start geht.</p>
<kommentar>(Karsten Hilse [AfD]: Wir haben kein
Wasserstoffkernnetz!)</kommentar>
<p klasse="J">Herr Dobrindt, Sie haben vorhin davon gesprochen, was
Bayern alles zur Energiewende beiträgt. Durch meinen Wahlkreis Hildesheim geht zum
Beispiel SuedLink, die Gleichstromhochspannungsleitung, die Bayern zukünftig mit
erneuerbarer Energie versorgen wird. Ich habe bei meinen Bürgerinnen und Bürgern
immer für Akzeptanz für solche Infrastrukturveränderungen geworben, auch für
Windparks, auch für PV-Freiflächen und Dachanlagen und eben auch für solche
Infrastrukturen. Sie haben das in Bayern – an der Spitze Ihr Ministerpräsident –
immer verhindert. Und das ist die Wahrheit, wenn es darum geht, wie man sich dazu
verhält, diesen Standort zu modernisieren.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie
bei Abgeordneten der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist attraktiv für
Investoren, für wirtschaftliche Betätigung. Wir haben viele junge Start-up-
Unternehmen. Im letzten Jahr gab es 16 Prozent mehr Gründungen von Start-up-
Unternehmen. Das ist der innovative Geist, das ist das innovative Umfeld, das wir
organisieren.</p>
<p klasse="J">Ich will als Letztes noch einen Punkt nennen, der
mich schon etwas ärgert. Die Union hat sich nie dafür interessiert, was
Arbeitnehmerrechte, was Bezahlung, Tarifbindung und andere Dinge angeht.</p>
<kommentar>(Dr. Johannes Fechner [SPD]: Genau!)</kommentar>
<p klasse="O">Hier Reden zu halten gegen das Bürgergeld, gegen
höhere Tarifbindung, das ist schändlich. Und wenn Sie weiterhin die
Lebensarbeitszeit erhöhen, ist das noch verwerflicher. Das hat mit vernünftiger
Wirtschaftspolitik nichts zu tun.</p>
<p klasse="J">Herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie
bei Abgeordneten der FDP)</kommentar>
<name>Präsidentin Bärbel Bas:</name>
<p klasse="J_1">Als Nächster hat das Wort für die AfD-Fraktion
Karsten Hilse.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015400900">
<p klasse="redner"><a id="r13"/><redner
id="11004752"><name><vorname>Karsten</vorname><nachname>Hilse</nachname><fraktion>A
fD</fraktion></name></redner>Karsten Hilse (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe
Landsleute! Natürlich auch: Werte Leugner des natürlichen Klimawandels! Beginnen
wir mit einer Schlagzeile aus dem „Merkur“, die einerseits zeigt, wie es um das
einstmals reiche Deutschland bestellt ist, und andererseits, wie der Minister sich
selbst und dem Volk in die Taschen lügt. Ich zitiere:</p>
<p klasse="Z">„Bereits in der vergangenen Woche hatte Habeck
angekündigt, dass die Regierung ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr von
1,3 Prozent auf nur noch 0,2 Prozent absenkt. Der Wirtschaftsminister bezeichnete
die Konjunkturaussichten dabei als ‚dramatisch schlechtʼ, Finanzminister Christian
Lindner (FDP) nannte sie ‚peinlich und in sozialer Hinsicht gefährlichʼ.“</p>
<p klasse="O">Für peinlich und in sozialer Hinsicht gefährlich wird
übrigens in weiten Teilen des Volkes diese Regierung gehalten.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Dass die 0,2 Prozent Wachstum eine absurde
Wunschvorstellung darstellen, ist jedem normal denkenden Menschen klar. Große
Industriefirmen verlassen fluchtartig das Land, reihenweise gehen mittelständische
Unternehmen in die Insolvenz oder, wie es der Kinderbuchautor umschrieb, sie hören
einfach auf zu produzieren.</p>
<kommentar>(Bernd Westphal [SPD]: Das ist einfaches dummes Zeug,
was Sie da sagen!)</kommentar>
<p klasse="O">Woher bitte soll denn das Wachstum von 0,2 Prozent
kommen, wenn Sie die Industrie ins Ausland und den Mittelstand in den Ruin treiben?
Von den Zigtausenden gut bezahlten Spinnern, die Sie in Ihren vom Staat gepamperten
NGOs etabliert haben, von den Klima- und Energieberatern?</p>
<p klasse="J">Die Einzigen, die noch wertschöpfend tätig sind,
jeden Morgen aufstehen und sich den Rücken krumm arbeiten, um dann am Ende ihres
Lebens trotzdem auf Almosen des Staates angewiesen zu sein, lassen Sie mit
horrenden Energiepreisen am langen Arm verhungern. Diese Regierungserklärung ist
für jeden – außer natürlich für den Minister selbst – eine Erklärung des
Scheiterns, und nicht nur des Scheiterns dieser Trümmertruppe, sondern ein
Scheitern der sogenannten großen Transformation.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Das, was die Alternative für Deutschland seit Jahren
anmahnt, was Hunderte Ökonomen und Wissenschaftler Ihnen vorhergesagt haben, tritt
nun ein und wird sich weiter beschleunigen: Die sogenannte Dekarbonisierung ist in
Wirklichkeit eine Deindustrialisierung Deutschlands. Diese sukzessive Zerstörung
Deutschlands erfolgt auch nicht aus Dummheit, sondern in böswilliger Absicht. Jeder
normal denkende Bürger in Deutschland weiß: Die die meisten grünen Kommunisten
haben weder einen Berufs- noch ein Studienabschluss und laufen Ihnen und
Ihresgleichen wie geistig minderbemittelte Claqueure hinterher.</p>
<kommentar>(Widerspruch beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf des Abg.
Markus Kurth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="O">Sie sind von Hass auf Deutschland zerfressen und
haben zum Ziel, unser Deutschland bis zur Unkenntlichkeit zu transformieren –
gelenkt von Sozialisten aus Brüssel und Washington – seiner Seele, seiner Identität
und seiner Wirtschaftskraft beraubt.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Die einzige Partei, die Ihnen bei der Umsetzung
dieses perfiden Planes noch im Weg steht, ist die AfD. Deswegen hassen Sie sie,
überziehen sie mit Diffamierungen, Verleumdungen, bezeichnen ihre Wähler wahlweise
als „Ratten“ oder „Schmeißfliegen“.</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="O">Aber spätestens ab Herbst werden wir damit beginnen,
die Politik in Deutschland erst auf Landesebene und dann auf Bundesebene vom Kopf
auf die Füße zu stellen. Verlassen Sie sich drauf!</p>
<p klasse="J">Und im Übrigen bin ich der Meinung: Wer grün wählt,
wählt den Krieg.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD sowie des Abg. Robert Farle
[fraktionslos])</kommentar>
<name>Präsidentin Bärbel Bas:</name>
<p klasse="J_1">Als Nächster hat das Wort für die FDP-Fraktion
Reinhard Houben.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015401000">
<p klasse="redner"><a id="r14"/><redner
id="11004763"><name><vorname>Reinhard</vorname><nachname>Houben</nachname><fraktion
>FDP</fraktion></name></redner>Reinhard Houben (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Nach
einem solchen Beitrag von Herrn Hilse fällt es schwer – ich will es aber trotzdem
versuchen –, wieder in normale Sprache zurückzufinden und in normale, reelle
Politik.</p>
<p klasse="J">Herr Dobrindt, Sie müssen sich überlegen, ob Sie das
Plenum hier zum Bierzelt machen wollen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">Das ist eine Art von Kommunikation, die kommt
vielleicht im bayerischen Landtagswahlkampf an, aber nicht unbedingt hier. Und ob
das dazu beiträgt, Ihre Wirtschaftskompetenz zu steigern, wage ich zu
bezweifeln.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Wenn dann aus Ihrer Fraktion bei Wortbeiträgen aus
der Ampelkoalition permanent dazwischen gegrölt wird: „Maulhelden!“, „Maulhelden!“,
„Maulhelden!“, dann ist das Ihrer Fraktion eigentlich unwürdig. Das kennen wir
eigentlich nur von ganz rechts außen; so will ich das einmal sagen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie
bei Abgeordneten der SPD)</kommentar>
<p klasse="J">Dann empfehlen Sie uns, Herr Spahn, verschiedene
Dinge. Herr Spahn, ich würde Ihnen empfehlen, bevor Sie hier wirtschaftspolitische
Reden im Plenum halten, in der gleichen Woche auch in den Wirtschaftsausschuss zu
kommen. Das hilft manchmal bei der Darstellung der Lage.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Wenn Sie hier auftreten und sagen, Deutschland sei
ein unsicherer Investitionsstandort, dann sollten Sie – Kollege Westphal hat schon
darauf hingewiesen – zum Beispiel zur Kenntnis nehmen, dass Microsoft in Nordrhein-
Westfalen 3 Milliarden Euro investiert, und das ohne irgendeine Subvention,</p>
<kommentar>(Zuruf von der SPD: Richtig!)</kommentar>
<p klasse="O">dann sollten Sie zur Kenntnis nehmen, dass
verschiedene Pharmaunternehmen – es ist gesagt worden – in Rheinland-Pfalz
investieren.</p>
<kommentar>(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Kapitalabfluss in Deutschland
wie seit 20 Jahren nicht mehr! Das ist die Wahrheit!)</kommentar>
<p klasse="O">Das sollten Sie zur Kenntnis nehmen. Gleichzeitig
wird aber wieder kritisiert, dass Wintershall DEA von einem britischen Unternehmen
gekauft wird. Ja, was wollen Sie denn? Soll in Deutschland investiert werden? Dann
müssen ausländische Investoren auch begrüßt werden, und man darf nicht im Klein-
Klein herumreden und sagen, dass das so schrecklich sei.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Dann empfehlen Sie uns, Herr Spahn, wir als FDP
sollten ein sogenanntes Lambsdorff-Papier schreiben. Das, Herr Spahn, würde
Folgendes voraussetzen, nämlich dass Friedrich Merz das Format von Helmut Kohl
hätte. Das ist aber nicht der Fall, meine Damen und Herren.</p>
<kommentar>(Heiterkeit und Beifall bei der FDP, der SPD und dem
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Und ich sage das jetzt weniger als
wirtschaftspolitischer Sprecher, sondern als Unternehmer – das bin ich wirklich,
wie einige andere in der FDP, beispielsweise Manfred Todtenhausen, Gerald Ullrich,
Volker Redder –: Als Unternehmer habe ich null Verständnis für den Popanz, den Sie
hier aufbauen, und dafür, dass Sie Sachen, die nun wirklich nichts miteinander zu
tun haben, vermischen, um ein billiges politisches Spiel zu spielen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">Im Moment spielen Sie die Wirtschaft gegen die
Landwirte aus.</p>
<kommentar>(Dorothee Bär [CDU/CSU]: Wir doch nicht! Ihr macht das
doch!)</kommentar>
<p klasse="O">Demnächst spielen Sie die Sozialhilfeempfänger gegen
die Studenten aus und im nächsten Schritt vielleicht noch ganz andere Gruppen.
Meine Damen und Herren, Ihr Spiel ist unwürdig.</p>
<kommentar>(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Sie regieren doch! Sie machen
das!)</kommentar>
<p klasse="O">Stimmen Sie dem Wachstumschancengesetz zu! Helfen Sie
mit, eine vernünftige Lösung für die Probleme der Landwirte und andere in diesem
Land zu finden, anstatt hier solche Schauveranstaltungen zu machen.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN – Thorsten Frei [CDU/CSU]: Es ist vollkommen klar, warum Sie da stehen, wo
Sie stehen! Das ist nicht mal 3 Prozent wert!)</kommentar>
<name>Präsidentin Bärbel Bas:</name>
<p klasse="J_1">Als Nächste hat das Wort für die Gruppe Die Linke
Janine Wissler.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015401100">
<p klasse="redner"><a id="r15"/><redner
id="11005260"><name><vorname>Janine</vorname><nachname>Wissler</nachname><fraktion>
Die Linke</fraktion></name></redner>Janine Wissler (Die Linke):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren!
Wirtschaftsminister Habeck beklagt die „dramatisch schlechte“ wirtschaftliche Lage,
und Finanzminister Lindner findet 0,2 Prozent Wirtschaftswachstum „peinlich“.
Immerhin: Es gibt in der Ampel noch so etwas wie Schamgefühl. Denn es sind auch die
Folgen Ihrer eigenen Politik, die Sie hier beklagen. Es sind nicht nur externe
Faktoren. Das ist auch selbstgemacht, meine Damen und Herren.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="J">„Die Definition von Wahnsinn ist: immer wieder das
Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten“, sagte Einstein. Wenn der Staat
Ausgaben kürzt, um die Schuldenbremse einzuhalten, dann bremst man dringend
benötigte Investitionen aus, öffentliche Investitionen, um marode Brücken und
Schulen zu sanieren, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, um den Ausbau des
Bahnverkehrs zu finanzieren. Stattdessen wird das Land kaputtgespart. Und jeder
weiß: Sparen schafft kein Wachstum!</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="J">Sie beklagen, dass es nicht vorwärtsgeht, und stehen
dabei mit beiden Füßen auf der Schuldenbremse. Dass man durch Steuererleichterungen
für Unternehmen und Deregulierung Investitionen im großen Umfang entfesseln könnte,
meine Damen und Herren, ist doch neoliberaler Hokuspokus. Das hat die Realität doch
längst widerlegt.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken – Zuruf von der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Sie wollen die Erwerbsarbeit von Frauen erhöhen. Ja,
aber wie soll denn das gehen ohne Kitaplätze, ohne Ganztagsschulen, ohne
Pflegeeinrichtungen? Das kostet Geld, und das wollen Sie nicht bereitstellen.</p>
<p klasse="J">Bei der Verkehrswende geht nichts voran. Beim
Schienenausbau wird gekürzt. Zukunftsprojekte wie der klimaneutrale Umbau der
Industrie: Völlig unterfinanziert! Die IG Metall sieht einen Investitionsbedarf von
500 Milliarden Euro für den Umbau der Wirtschaft hin zur Klimaneutralität. Und was
machen Sie? Sie beschließen einen Kürzungshaushalt. Das ist unsozial, das schadet
der wirtschaftlichen Entwicklung und das gefährdet Arbeitsplätze, meine Damen und
Herren.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="J">Und statt die erneuerbaren Energien zu fördern,
schauen Sie tatenlos zu, wie die letzten Reste der deutschen Solarindustrie ihre
Produktion einstellen: in Freiberg, in Chemnitz, wo Beschäftigte um ihre Jobs
bangen.</p>
<p klasse="J">Sie erhöhen den CO2-Preis, aber weigern sich, die
massive Belastung durch ein Klimageld sozial auszugleichen. Hier geht es um etwa
250 Euro pro Person und Jahr zusätzlich zu steigenden Mieten, zusätzlich zu
steigenden Lebensmittelpreisen. Es wird immer von der Entlastung der Unternehmen
geredet. Aber was ist mit der Entlastung der Reinigungskräfte dieser Unternehmen,
meine Damen und Herren?</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="J">Rekordgewinne bei den DAX-Konzernen, aber die Löhne
befinden sich auf dem Stand von 2016. Der Mindestlohn ist viel zu niedrig. Die
Kaufkraft ist gesunken. Auch das ist ein Teil des Problems. So treibt man Menschen
in Existenzängste.</p>
<p klasse="J">Ihre Arroganz und Ihre Ignoranz gegenüber den
Alltagssorgen, das ist es doch, was die Menschen auf die Palme bringt. Ihre Politik
verstärkt den Rechtsruck, zumal sich der Finanzminister dann auch noch hinstellt
und so tut, als seien Bürgergeldbezieher und Geflüchtete das Problem. So spielen
Sie Menschen gegeneinander aus. Sie lenken von Ihrem eigenen Versagen ab. Das ist
wirklich erbärmlich.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="O">Die Schuldenbremse ist nicht nur eine
Investitionsbremse, sie ist demokratiegefährdend.</p>
<p klasse="J">Frau Präsidentin, ich komme zum Schluss. – Der
Kanzler verspricht beim SPD-Parteitag, es werde keinen Sozialabbau und keine
Kürzungen geben. Jetzt will er den Verteidigungshaushalt fast verdoppeln, auch wenn
das zulasten anderer Bereiche geht. Ich sage: Herr Bundeskanzler – heute mal wieder
nicht da –, Ihr Wort gilt nichts. Ihre Ampel ist eine Regierung der gebrochenen
Versprechen.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<name>Präsidentin Bärbel Bas:</name>
<p klasse="J_1">Als Nächste hat das Wort für die Fraktion
Bündnis 90/Die Grünen Dr. Sandra Detzer.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015401200">
<p klasse="redner"><a id="r16"/><redner
id="11005039"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Sandra</vorname><nachname>Detzer</
nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Dr. Sandra
Detzer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Sehr verehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Microsoft investiert 3 Milliarden Euro in KI in Deutschland, der
Laserspezialist Trumpf aus meinem Wahlkreis Ludwigsburg 400 Millionen Euro am
Standort Ditzingen in Baden-Württemberg, Northvolt 4,5 Milliarden Euro in
Schleswig-Holstein und der Pharmariese Lilly 2,3 Milliarden Euro in Rheinland-
Pfalz.</p>
<kommentar>(Zuruf der Abg. Beatrix von Storch [AfD])</kommentar>
<p klasse="O">Das sind nur einige Beispiele dafür: Der
Wirtschaftsstandort Deutschland ist attraktiv, und die Bundesregierung wird diese
Attraktivität weiter erhöhen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Ja, es ist richtig: Eine Wachstumsprognose von
0,2 Prozent kann niemanden zufriedenstellen und schon gar nicht diese
Bundesregierung; aber es ist eben auch kein Grund, hier schwarzzumalen. Wir haben
erst vorgestern von führenden Wirtschaftsinstituten gehört: Allein 2,5 Prozent
Wirtschaftswachstum kostet uns die große Abhängigkeit von russischem Gas, in die
uns frühere CDU-Bundesregierungen geführt haben. Das ist ein massiver Fehler
gewesen. Wir werden sicherstellen, dass das nie wieder passiert.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und des Abg. Christian Dürr [FDP])</kommentar>
<p klasse="J">Es gibt im ganzen Land Unternehmer/-innen, die sich
gerade auf die Hinterbeine stellen, die alles versuchen, um neue Energiequellen zu
erschließen, die innovative Produkte angehen: in Schwarzheide im Batterierecycling,
in Reutlingen in der Halbleiterproduktion. Diesen Unternehmer/-innen möchte ich an
dieser Stelle herzlichen Dank dafür sagen, dass sie sich in diesem schwierigen
Umfeld auf die Hinterbeine stellen, ihren Job machen und im Gegensatz zu anderen
Leuten hier in diesem Saal nicht nur jammern und alles schlechtreden.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und des Abg. Christian Dürr [FDP])</kommentar>
<p klasse="J">Die Bundesregierung hat geliefert, um diesen
Wirtschaftsstandort zu stärken. Sie hat die deutsche Energieversorgung unabhängig
von Russland gemacht. Die Energiepreise sind so niedrig wie vor der Krise. Wir sind
bei der produzierenden Industrie wieder bei 17 Cent pro Kilowattstunde. Erst
vorgestern hat der BDEW von 7 Cent pro Kilowattstunde für die Großverbraucher, für
energieintensive Betriebe gesprochen. Das sind die Zahlen, die wir anstreben. Sie
sollen gerade mit dem Ausbau der Erneuerbaren noch weiter sinken.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Im Jahreswirtschaftsbericht steht ganz klar: Das
Fachkräfteeinwanderungsgesetz ist eine ganz zentrale Stellschraube der
Bundesregierung für die Bemühungen um mehr Fachkräfte. Interessanterweise sind die
ausländischen Arbeitskräfte diejenigen, die die Zuwächse bei der Beschäftigung
tragen. Auch das steht in diesem Wirtschaftsbericht. Bei dem Thema ist
jahrzehntelang geschlafen worden. Jetzt haben wir dieses Gesetz. Es ist gut und
richtig, und es wird dieses Land stärken.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und des Abg. Christian Dürr [FDP])</kommentar>
<p klasse="J">Mit den Praxis-Checks – sie werden gerade im BMWK
stark genutzt, zum Beispiel bei Genehmigungsverfahren von Windenergieanlagen –
haben wir es geschafft, dass die Planungszeiten bei Windkraftanlagen wesentlich
reduziert worden sind. Wir alle sind uns einig: Sieben Jahre für den Bau einer
Windkraftanlage sind zu lang. Wir gehen in Richtung 3,5 Jahre. Das ist der richtige
Weg. Das ist Planungsbeschleunigung für Deutschland. Diesen Weg gehen wir
weiter.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Vielleicht noch ein Wort zu den Vorschlägen der
Opposition. Ich muss sagen, Herr Dobrindt: Wenn ich für das Bahndesaster und mit
meinen Kollegen CSU-Ministern dafür verantwortlich wäre, dass in Deutschland Züge
ausfallen und Weichen nicht funktionieren, würde ich an dieser Stelle leisere Töne
spucken. Aber das ist vielleicht Ihre persönliche Einstellung, die wir nicht
teilen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Herr Spahn, Sie reden ja sehr gerne auch vom
Belastungsmoratorium, das Sie der deutschen Wirtschaft verschreiben würden. Auch da
muss man sagen: Was für ein hanebüchener Unsinn! Stellen wir uns einfach vor: Wir
alle würden beschließen, ab jetzt keine Software-Updates mehr für unsere Rechner zu
machen. Ja, es kommt mir auch ab und zu so vor, als würde die Union noch auf
Windows 95 laufen.</p>
<kommentar>(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Schlechter Witz!)</kommentar>
<p klasse="O">Aber das ist doch nicht die Antwort für den
Wirtschaftsstandort Deutschland.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Wir werden in jedem Fall weiter daran arbeiten,
diesen Wirtschaftsstandort auch im europäischen Rahmen zu stärken. Darum braucht es
jetzt weitere Investitionsanreize. Ein wichtiger Punkt, der heute schon
angesprochen wurde, ist das Wachstumschancengesetz. Liebe Union, lösen Sie Ihre
Blockade! Deutschland ist und bleibt ein attraktiver Wirtschaftsstandort mit dieser
Bundesregierung.</p>
<p klasse="J">Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der
FDP)</kommentar>
<name>Präsidentin Bärbel Bas:</name>
<p klasse="J_1">Als Nächste hat das Wort für die CDU/CSU-Fraktion
Julia Klöckner.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015401300">
<p klasse="redner"><a id="r17"/><redner
id="11003566"><name><vorname>Julia</vorname><nachname>Klöckner</nachname><fraktion>
CDU/CSU</fraktion></name></redner>Julia Klöckner (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Sehr geehrter Herr Minister! Eine solche Plenardebatte zu einem
Jahreswirtschaftsbericht, zu einer Regierungserklärung ist das, was man erwartet:
Regierung und Opposition positionieren sich gegenseitig, hauen auch mal drauf –
geschenkt, alles klar.</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Dr. Johannes Fechner [SPD])</kommentar>
<p klasse="O">Aber wir sind jetzt in einer Zeit, die irgendwie
nicht so wie immer ist.</p>
<kommentar>(Dr. Sandra Detzer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ach
was!)</kommentar>
<p klasse="O">– Jetzt der Zwischenruf „Ach was!“ gerade von Ihnen,
Frau Detzer. Sie haben doch gesagt: Diesen Weg gehen wir weiter. – Aber genau das
ist das Problem,</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Thorsten Frei [CDU/CSU]:
Genau!)</kommentar>
<p klasse="O">und das in dieser Zeit, wo wir massiv – ich sage es
mal salopp – abschmieren. Deutschland kommt von einem hohen Niveau, ja. Aber wir
müssen sehen, in welche Richtung wir gehen.</p>
<p klasse="J">Sie haben sich neulich gefeiert dafür, dass
Deutschland jetzt Japan als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt überholt hat. Na
ja, man kann auch immer anspruchsloser werden. Die Abwertung des Yen ist so stark,
dass wir jetzt aufgestiegen sind. Aber ist das unser Anspruch an
Wirtschaftspolitik?</p>
<p klasse="J">Schauen wir uns doch an, wie es in Deutschland
aussieht. Hier gab es keinen einzigen Funken von Selbstkritik.</p>
<kommentar>(Verena Hubertz [SPD]: Doch!)</kommentar>
<p klasse="O">Stattdessen bekommen wir die moralische Ansage vom
Kollegen Westphal –</p>
<kommentar>(Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das stimmt doch
überhaupt nicht!)</kommentar>
<p klasse="O">ich zitiere –: „In der Krise beweist sich
Charakter.“</p>
<kommentar>(Bernd Westphal [SPD]: Genau! Das ist so!)</kommentar>
<p klasse="O">Das stimmt.</p>
<p klasse="J">Und jetzt sage ich Ihnen mal, wie gestern die Debatte
zu unserem Antrag, zu unseren Vorschlägen lief, die wir gemacht haben.</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Dr. Johannes Fechner [SPD])</kommentar>
<p klasse="O">Man muss ja Vorschläge nicht teilen, aber zu einer
Demokratie gehört: Rede, Gegenrede, zwei Meinungen, vielleicht findet man sich in
der Mitte. Bei der SPD haben wir den Eindruck, es gibt immer nur eine Meinung,
nämlich Ihre. – Dazu wird jetzt auch von Ihnen noch genickt. Super Sache!</p>
<p klasse="J">Und Sie haben uns gestern vorgeworfen, dass ein
Antrag der Union „Propaganda“ sei. Soll ich Ihnen was sagen? Sie wollen, dass nur
das gilt, was Sie hier machen, und nicht das, was in einer Demokratie möglich
ist.</p>
<kommentar>(Zuruf der Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] –
Zuruf von der AfD: Das sind Marxisten!)</kommentar>
<p klasse="O">Wissen Sie, in Russland würde man sich freuen, wenn
so eine Debatte möglich wäre.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Sie müssen echt achtgeben, wohin Sie hier gerade
steuern.</p>
<p klasse="J">Ich komme noch einmal darauf zurück: Sie wollen
genauso weitermachen wie bisher, Frau Detzer. Und genau das macht uns Angst. Herr
Habeck sagte in der „Bild“-Zeitung im April 2019:</p>
<p klasse="Z">„Wir können unsere Industriegesellschaft auf der
Basis von erneuerbaren Energien aufbauen. … Wir können sagen: Hey, wir bauen ein
reiches Industrieland um. Das kann gelingen. Es kommt auf jeden Einzelnen an. Wer
macht mit?“</p>
<kommentar>(Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja, es kommt
auch auf Sie an!)</kommentar>
<p klasse="J">Und ich sage Ihnen mal, wer mitmacht: die Leute, die
realistisch da draußen ihre Arbeit machen. Aber sie werden von Ihren Entscheidungen
gestört. Die einzige Erklärung, die heute kam, war, dass wir eine schlechte
Weltwirtschaft haben. Ja, die Weltwirtschaft war schon mal besser; aber die IWF-
Prognose für die Weltwirtschaft liegt bei 3,1 Prozent Wachstum. Das erreichen wir
in Deutschland nicht.</p>
<kommentar>(Zuruf der Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="J">Da sind auch hausgemachte Fehler dabei. Ich nenne
Ihnen mal als Beispiel Feinsteuerungen aus dem BMWK. Mit Technologieoffenheit hat
das nichts zu tun, sondern es wird versucht, eigene Fehler mit hohen
Milliardenbeträgen weg zu subventionieren. Und Sie sagen: Wir wollen genau damit
weitermachen.</p>
<kommentar>(Zuruf der Abg. Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="O">Das ist ein Problem für dieses Land. Deshalb machen
wir andere Vorschläge, weil wir uns sorgen um die Stabilität und den Sozialstaat
Deutschland. Darauf kommt es nämlich am Ende an.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Sie sprachen von einem Wirtschaftswunder, das kommen
würde.</p>
<kommentar>(Zuruf der Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="O">– Sie rufen jetzt wieder rein.</p>
<kommentar>(Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja, sagen
Sie mal!)</kommentar>
<p klasse="O">Sie können gerne eine Zwischenfrage stellen. Das ist
ja heute ein Erfolgsmodell von Ihnen.</p>
<kommentar>(Heiterkeit bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Ich bin gerne bereit, eine Zwischenfrage zu
beantworten.</p>
<p klasse="J">Sie sprechen davon, dass noch ein grünes
Wirtschaftswunder kommen wird. Wissen Sie: Hoffen ersetzt kein Handeln. In der
Zwischenzeit sind die Fakten ganz andere. Es wurde ja eben Rheinland-Pfalz als
Beispiel erwähnt, wo es so super laufen würde. Gehen wir mal in die Zahlen rein.
Ihr Problem ist ja, dass Sie Einzelbeispiele von Investitionen nennen und dann
sagen: Deutschland geht es gut. – In Rheinland-Pfalz zum Beispiel ist im
vergangenen Jahr in den ersten sechs Monaten die Wirtschaftsleistung stark
zurückgegangen. Das Bruttoinlandsprodukt ging laut Statistischem Landesamt
preisbereinigt um 5,4 Prozent zurück im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Rheinland-
Pfalz liegt damit auf dem letzten Platz der Bundesländer. Und Sie sagen, das sei
ein super Beispiel für Deutschland. Das ist Ihr Problem als Ampel.</p>
<p klasse="J">Wir wollen ein anderes Beispiel für Deutschland
haben. Wir wollen, dass wir Wachstum bekommen. Mit Wachstum können wir die
Transformation finanzieren. Wir wollen Anreize, um Arbeit aufzunehmen, und nicht
Überlegungen, ob man Arbeitszeit reduziert und dann aufstockt. Wir wollen, dass
Netzentgelte halbiert werden, dass die Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß
dauerhaft gesenkt wird.</p>
<kommentar>(Zuruf der Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="O">Wir wollen die Unternehmen entlasten. Wir wollen
Arbeit und Leistung belohnen, weil dadurch erst ein Land wieder in Schwung kommt.
Das ist der Unterschied zu Ihnen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Wenn Sie die wirtschaftlichen Kennzahlen ernst nehmen
würden, dann würden Sie auch unsere Vorschläge ernst nehmen. Und sagen Sie doch
nicht, dass die wirtschaftliche Lage am Ende daran hängt, dass diese 3 Milliarden
Euro im Vermittlungsausschuss noch nicht freigegeben worden sind! Wenn das Ihre
Vorstellung ist, dann würde ich mir wünschen, dass der Kanzler überlegt, ob er noch
am richtigen Platz ist und ob Sie als Koalition noch die gleiche Sprache
sprechen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Dr. Johannes Fechner [SPD]:
Wie stimmen Sie denn ab?)</kommentar>
<name>Präsidentin Bärbel Bas:</name>
<p klasse="J_1">Als Nächster hat das Wort für die SPD-Fraktion
Sebastian Roloff.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie der Abg. Dr. Sandra Detzer
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015401400">
<p klasse="redner"><a id="r18"/><redner
id="11005191"><name><vorname>Sebastian</vorname><nachname>Roloff</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Sebastian Roloff (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Liebe Frau Klöckner, ich wäre schon dankbar, wenn die Debatte
wenigstens mal den Ernst der Lage reflektieren würde.</p>
<kommentar>(Julia Klöckner [CDU/CSU]: Sie haben uns Propaganda
vorgeworfen! Sie waren das mit der Propaganda gestern!)</kommentar>
<p klasse="O">Und Sie – ich gehe darauf ein – könnten bitte
wenigstens bei der Wahrheit bleiben. Wenn Sie auf meinen Redebeitrag gestern
zurückkommen – Sie können es im Protokoll nachlesen –: Ich habe nicht Ihren Antrag
als Propaganda bezeichnet.</p>
<kommentar>(Julia Klöckner [CDU/CSU]: Sie haben uns als Ganzes als
Propaganda bezeichnet!)</kommentar>
<p klasse="O">– Nein, habe ich überhaupt nicht. Das ist gelogen,
und das können wir im Protokoll gerne überprüfen. Ich habe gesagt, dass wir uns aus
der Krise wachsen müssen, dass wir dafür Vorschläge brauchen, die in sich stimmig
sind und die gegenfinanziert sind. Dann können wir uns aus der Krise wachsen, und
wir brauchen keine Oppositionspropaganda. Das habe ich gesagt.</p>
<kommentar>(Julia Klöckner [CDU/CSU]: Das macht es nicht
besser!)</kommentar>
<p klasse="J">Dass Sie hier neuerdings die Sprachpolizei sind,
finde ich bemerkenswert. Sie waren ja noch nicht mal in der Lage, auf die Demos
gegen Rechtsextremismus zu gehen, weil Ihnen die Titel nicht gepasst haben.</p>
<kommentar>(Julia Klöckner [CDU/CSU]: Bitte? – Alexander Dobrindt
[CDU/CSU]: So ein Unsinn!)</kommentar>
<p klasse="O">Wenn das Ihre Schwerpunkte sind, dann wundere ich
mich tatsächlich nicht.</p>
<kommentar>(Abg. Julia Klöckner [CDU/CSU] meldet sich zu einer
Zwischenfrage)</kommentar>
<p klasse="O">– Bitte, die Zwischenfrage lasse ich gerne zu, Frau
Präsidentin, wenn Sie sie auch zulassen.</p>
<kommentar>(Heiterkeit bei der SPD)</kommentar>
<name>Präsidentin Bärbel Bas:</name>
<p klasse="J_1">Selbstverständlich. – Frau Klöckner, Sie haben das
Wort.</p>
<p klasse="redner"><a id="r19"/><redner
id="11003566"><name><vorname>Julia</vorname><nachname>Klöckner</nachname><fraktion>
CDU/CSU</fraktion></name></redner>Julia Klöckner (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Ganz herzlichen Dank. – Ihre Erklärung macht es
jetzt nicht besser; denn Sie sprachen von Oppositionspropaganda. – Aber Sie
sollten, wenn Sie mir was vorwerfen, bitte auch bei den Fakten bleiben. Vielleicht
haben Sie mitbekommen, dass ich bei einer Demo in Aachen gewesen bin. Würden Sie
Ihre Behauptung dann bitte zurücknehmen?</p>
<p klasse="J">Ich stelle hier auch gerne noch mal was klar: Wenn
links der Mitte im politischen Raum in Ordnung ist, dann ist auch rechts der Mitte
in Ordnung. Wenn Sie das so verschieben, dass alles, was links der Mitte ist, in
Ordnung ist, aber was rechts der Mitte ist, nicht in Ordnung ist und damit gleich
rechtsradikal oder rechtspopulistisch ist, dann dienen Sie nicht unserer
Demokratie, sondern dann haben Sie ein anderes Problem. Sie haben eben von der
Sprachpolizei gesprochen. Sie bedienen dann nämlich eine Denkpolizei.</p>
<p klasse="J">Ich sage sehr klar, dass wir in diesem Land ein
breites demokratisches Spektrum brauchen, in dem wir diskutieren können, Damit wir
einen klaren Blick behalten, was rechtsextrem, was linksextrem ist – etwas
Problematisches für unser Land; alles, was extrem und radikal ist, ist eine Gefahr
für uns – und was Fundamentalisten sind, die religiös begründet handeln. Wenn Sie
das nicht wahr- und ernst nehmen, dann ist, glaube ich, unser gemeinsames Problem
noch viel größer.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der
AfD)</kommentar>
<p klasse="redner"><redner
id="11005191"><name><vorname>Sebastian</vorname><nachname>Roloff</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Sebastian Roloff (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Ich danke Ihnen für den Hinweis. Ich habe darauf
Bezug genommen, dass Sie sich öffentlich darüber aufgeregt haben, dass die Demos
„Demos gegen rechts“ genannt wurden, und das kritisiert haben.</p>
<kommentar>(Julia Klöckner [CDU/CSU]: Und zu Recht! Genau so! Das
haben Sie richtig verstanden! Aber ich bin bei einer Demo gewesen! – Friedrich Merz
[CDU/CSU]: Genau so!)</kommentar>
<p klasse="O">– Darf ich jetzt auch mal was sagen, bitte?</p>
<kommentar>(Friedrich Merz [CDU/CSU]: Machen Sie es
doch!)</kommentar>
<p klasse="J">Außerdem habe ich mich geärgert, dass zum Beispiel
Herr Eisenreich aus Bayern gesagt hat, er gehe nicht zur Demo, weil Fridays for
Future Co-Veranstalter ist.</p>
<kommentar>(Julia Klöckner [CDU/CSU]: Na ja, gut! Greta Thunberg
ist auch nicht so der Renner, gell?)</kommentar>
<p klasse="O">Ich begrüße aber sehr, dass Sie in Aachen dabei
waren; das wusste ich nicht. Selbstverständlich müssen alle demokratischen Kräfte,
selbstverständlich inklusive der Union und der konservativen Kräfte, da für die
Demokratie zusammenhalten.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">Da haben wir überhaupt keinen Dissens. Ich begrüße
sehr, dass Sie dabei waren. Ich wäre aber froh, wenn wir uns vielleicht auf die
Debatten fokussieren könnten und nicht billige Punkte durch irgendwelche kleineren
rhetorischen Scharmützel machen würden.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD – Julia Klöckner [CDU/CSU]: Ob was
billig ist, entscheiden Sie, ja? Sie haben doch begonnen!)</kommentar>
<p klasse="O">– Es liegt in der Entscheidung des Betrachters. Aber
so viel dazu.</p>
<p klasse="J">Weil wir bei dem Thema Wahrhaftigkeit waren: Herr
Dobrindt, der Blick auf Bayern ist mir ja immer ganz besonders wichtig. Da stellen
Sie sich hierhin und sagen breitbeinig, Bayern sei bei den erneuerbaren Energien
vorne. Ja, nach absoluten Zahlen. Wenn wir uns angucken, wie viele Windräder 2023
in Deutschland gebaut wurden, sehen wir: Es waren 745. In Bayern waren es ganze 7.
Respekt! Da können Sie die Statistik so drehen, wie es Ihnen passt; aber die
Menschen durchschauen das, und die Lage ist dafür tatsächlich auch zu ernst.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Warum wir in der aktuellen Situation sind, wurde
schon oft skizziert. Wir müssen weiter auf die positiven Seiten blicken. Die
Inflation hat sich bald bei den magischen 2 Prozent eingependelt.</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Alexander Dobrindt
[CDU/CSU])</kommentar>
<p klasse="O">Wir haben sinkende Energiepreise. Wir haben einen
Anstieg der Reallöhne. Und wir haben eine ganze Reihe von ausländischen
Direktinvestitionen. 103 Milliarden Euro sind an Großinvestitionen in den Standort
Deutschland angekündigt. Das sind alles außerordentlich positive Zeichen. Diese
müssen wir als Politik natürlich flankieren, und das tut die Bundesregierung.</p>
<p klasse="J">Ich kann es Ihnen nicht ersparen:
Wachstumschancengesetz, Bürokratieentlastungsgesetz, Planungs- und
Genehmigungsverfahren werden beschleunigt, Fachkräfteeinwanderungsgesetz,
Zukunftsfinanzierungsgesetz, Novellierung des EEG, neue Handelsverträge, neue
Rohstoffabkommen. Das sind alles Dinge, die schon wirken, aber die ihre Früchte
teilweise erst ein bisschen zeitversetzt tragen. Das gilt übrigens insbesondere für
die Unterstützung von Forschung und Entwicklung in Schlüsseltechnologien, in der
Mikroelektronik, in der KI, in der Quantentechnologie und in der Raumfahrt. Da sind
die richtigen Zeichen gesetzt, und diesen Weg werden wir weitergehen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Klar ist auch, dass der Jahreswirtschaftsbericht eine
Mahnung ist. Wir müssen ein investitionsfreundlicheres Klima schaffen, ein noch
freundlicheres. Wir müssen Anreize setzen und die Infrastruktur auf den Stand der
Zeit bringen. Ich glaube, die Erkenntnis, dass die Schuldenbremse reformbedürftig
ist, setzt sich sukzessive durch. Wir können aber in der Zwischenzeit auch mit
Investitionsprämien oder der Verbesserung von Abschreibungsmöglichkeiten arbeiten.
Ich freue mich sehr auf die Vorschläge des Bundesfinanzministers zu dem Thema. Die
SPD hat auch noch einiges vor. Ich bin mir sicher, dass wir da zu guten
Kompromissen in der Ampel kommen.</p>
<p klasse="J">Zum Abschluss darf ich noch sagen, dass der
Jahreswirtschaftsbericht auch mit Blick auf einen anderen Aspekt ein Weckruf sein
muss. Die schwierige Lage und gerade die Belastungen aufgrund der Transformation
treffen Menschen mit niedrigen Einkommen meistens besonders hart. Die müssen wir im
Blick behalten. Das betrifft insbesondere Geringverdiener. Die müssen wir –
unabhängig von einer geringen Inflation – aber auch mit entsprechenden Maßnahmen,
zum Beispiel mit einem sozial gestaffelten Klimageld, besonders entlasten. Die
haben wir besonders im Auge. Dafür wird die Ampel auch in Zukunft die richtigen
Schritte einleiten.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<name>Präsidentin Bärbel Bas:</name>
<p klasse="J_1">Als Nächster hat das Wort für die Gruppe BSW Klaus
Ernst.</p>
<kommentar>(Beifall beim BSW)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015401500">
<p klasse="redner"><a id="r20"/><redner
id="11003753"><name><vorname>Klaus</vorname><nachname>Ernst</nachname><fraktion>BSW
</fraktion></name></redner>Klaus Ernst (BSW):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und
Herren! Was mich am Anfang Ihrer Rede, Herr Habeck, wirklich erschüttert hat, war
Ihre Aussage zum Sterben in der Ukraine. Sie haben dann gesagt: Daran hat sich
nichts geändert. – Das ist eigentlich das Problem. Nach zwei Jahren
Wirtschaftskrieg gegen Russland hat sich nichts geändert.</p>
<kommentar>(Julia Klöckner [CDU/CSU]: Wer ist denn daran schuld?
Das ist doch Russland! Wer tötet denn die Leute? – Weiterer Zuruf:
Unverschämtheit!)</kommentar>
<p klasse="O">– Nein, das ist keine Unverschämtheit. Das ist die
Realität, meine Damen und Herren.</p>
<kommentar>(Beifall beim BSW)</kommentar>
<p klasse="O">Wir haben offensichtlich das Ziel, das wir erreichen
wollten, nicht erreicht, übrigens auch militärisch nicht. Das Sterben geht weiter.
Und statt sich mal Gedanken zu machen, wie man das Sterben beendet, machen Sie
weiter wie bisher.</p>
<kommentar>(Julia Klöckner [CDU/CSU]: Sprechen wir Russland jetzt
frei, oder was?)</kommentar>
<p klasse="J">Und nicht nur bei dieser Frage, sondern auch in der
Wirtschaftspolitik machen Sie weiter wie bisher. Nach wie vor bezahlen wir für
Energie hier in der Bundesrepublik Deutschland bei Weitem mehr, als das in den
Vereinigten Staaten der Fall ist. Bei Weitem mehr! Mich wundert der Blick, den Sie
auf die Realität haben, da Sie den Eindruck vermitteln, das sei eigentlich alles
nicht so tragisch, es gebe ja den einen oder anderen Bereich, der wächst.</p>
<p klasse="J">Wir wissen genau, dass wir bei der energieintensiven
Produktion einen Einbruch von 22 Prozent haben. 22 Prozent! Der fällt nicht
irgendwie vom Himmel, sondern der kommt daher, weil inzwischen energieintensive
Unternehmen die Energiepreise nicht mehr zahlen können, nicht mehr zahlen wollen,
weshalb sie natürlich die Produktion versuchen zu verlagern in Länder, wo das
anders ist, zum Beispiel in die USA. Wenn man da nicht die eigene Verantwortung als
Wirtschaftsminister erkennt, wenn man so tut, als ginge es nicht anders, dann,
glaube ich, muss man wirklich darüber nachdenken, ob man am richtigen Platz ist,
meine Damen und Herren.</p>
<kommentar>(Beifall beim BSW sowie des Abg. Matthias W. Birkwald
[Die Linke])</kommentar>
<p klasse="J">Zum Schluss möchte ich noch darauf hinweisen, dass es
dringend notwendig wäre, auf die Inflation einen anderen Blick zu werfen. Wir haben
keinen Konsumverzicht. Der würde ja bedeuten, die Leute drückten sich die Nase an
der Schaufensterscheibe platt, aber gingen nicht rein und kauften nicht. Wir haben
keinen Konsumverzicht, sondern die Leute haben kein Geld mehr zum Konsum,
insbesondere die mit niedrigen Einkommen. Auch dazu hat Ihre Politik
beigetragen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BSW)</kommentar>
<name>Präsidentin Bärbel Bas:</name>
<p klasse="J_1">Als Nächste hat das Wort für die Fraktion
Bündnis 90/Die Grünen Katharina Beck.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015401600">
<p klasse="redner"><a id="r21"/><redner
id="11005019"><name><vorname>Katharina</vorname><nachname>Beck</nachname><fraktion>
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Katharina Beck (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger und Gäste auf den Tribünen! Eben, als
mein Kollege Andreas Audretsch sehr richtige Dinge über die hanebüchene Blockade
der CDU/CSU beim Wachstumschancengesetz gesagt hat, wurde hier hereingerufen: Wie
könne er das denn sagen; er hätte ja gar keinen Tag in der Wirtschaft gearbeitet. –
Die Sachen waren richtig, sie sind richtig, und es ist absolut unerträglich.</p>
<p klasse="J">Ich bin selber Unternehmerin. Ich habe 14 Jahre in
der Praxis gearbeitet. Dass gerade Sie, die Sie sich vermeintlich als
wirtschaftsfreundlich darstellen, seit Monaten – seit November ist das Gesetz
verabschiedet – irgendwelche Gründe vorschieben, um die wirklich notwendigen
Impulse in Forschung und Abschreibungsmöglichkeiten – für kleine und mittlere
Unternehmen erhöhen wir sie um das Doppelte – blockieren zu können, ist schlecht.
Die Debatte dazu tut mir als Unternehmerin teilweise physisch weh.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Zwar ist es wahr, dass wir die Inflation aufgrund des
sehr starken Energiepreisschocks verarbeiten mussten – hinzu kommt die
Zinspolitik –, aber unsere Energiepolitik hat mit dazu beigetragen, dass die
Inflation wieder gesunken ist.</p>
<p klasse="J">Gleichzeitig ist auch klar: Planbarkeit ist wichtig.
Der Kritik müssen wir uns stellen. Der Streit in der Koalition ist nicht immer
hilfreich. Nichtsdestoweniger muss man feststellen: Obwohl wir etwas auf den Weg
bringen, das zugegebenermaßen ungefähr 90 Prozent der Wunschliste der CDU/CSU der
letzten Jahre enthält, blockieren Sie das. Da muss man sich fragen, ob Ihnen das
Land und die Wirtschaft oder Ihre eigene Parteipolitik wichtiger sind.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Sie gönnen uns einfach nicht, auch mal gute
wirtschaftliche Impulse zu setzen. Sie haben mehr Interesse an Destruktion als
daran, diesem Land zu dienen.</p>
<p klasse="J">Wichtig ist auch das Thema „Investitionen in die
Zukunft“. Da haben Sie sich auf die Hinterbeine gestellt und vollkommen abgelehnt,
dass wir irgendetwas Ähnliches machen wie im Inflation Reduction Act.</p>
<kommentar>(Julia Klöckner [CDU/CSU]: Beim Inflation Reduction Act
gibt es keine Detailvorgaben!)</kommentar>
<p klasse="O">Die USA haben mittlerweile ein Wirtschaftswachstum
von über 3 Prozent. Wir haben einen entsprechenden Einstieg vorbereitet. Es ist an
Ihrem mangelnden Willen gescheitert, eine steuerliche Innovation anzugehen, nämlich
Tax Credits. Da müssen Sie sich auch mal fragen: Was ist eigentlich aus der
Innovationsfähigkeit der CDU/CSU geworden?</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Investitionen sind das eine. Ich bin, wie meine
Kollegin Frau Detzer, sehr dankbar, dass wir immer noch so viele tolle – über
3 Millionen – Betriebe in Deutschland haben. Gründungen wurden schon angesprochen,
ebenso Investitionen aus dem Ausland und von hier. Aber wir stehen vor einer
Herausforderung. Deswegen stimmen Sie bitte dem Wachstumschancengesetz zu! Wir als
Koalition müssen schauen, dass wir die Wettbewerbsbedingungen in Bezug auf die
Infrastruktur besser ausbauen; das ist aber eine andere Debatte.</p>
<p klasse="J">Ich möchte noch einen Punkt zur Nachhaltigkeit
erwähnen. Dieser Bericht enthält zum ersten Mal „The Next Big Thing“, das in der
Wirtschaft diskutiert wird: Biodiversität. Neben dem Klimawandel stellen die
Ökosystemdienstleistungen, die in Milliardenhöhe erbracht werden und nicht
einkalkuliert sind, eine große Herausforderung dar. Ich danke dem
Wirtschaftsminister an dieser Stelle sehr, dass wir uns als Deutschland trauen, das
zusammenzudenken; denn dieses Risikomanagement wird unsere Wirtschaft befähigen,
weiter zukunftsfähig zu sein.</p>
<p klasse="J">Vielen herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD
sowie bei Abgeordneten der FDP)</kommentar>
<name>Präsidentin Bärbel Bas:</name>
<p klasse="J_1">Als Nächster hat das Wort der fraktionslose
Abgeordnete Robert Farle.</p>
</rede>
<rede id="ID2015401700">
<p klasse="redner"><a id="r22"/><redner
id="11005053"><name><vorname>Robert</vorname><nachname>Farle</nachname><fraktion>fr
aktionslos</fraktion></name></redner>Robert Farle (fraktionslos):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr
Habeck! Sie haben mit Ihrem Selbstzeugnis vollkommen recht: Die wirtschaftliche
Lage ist dramatisch schlecht. Und zwar deswegen, weil Sie eine desaströse
Wirtschaftspolitik in diesem Land betreiben. Deutschland in der Rezession, die
Wachstumsprognosen im Sinkflug: 0,2 statt 1,3 Prozent. Gratulation, Sie haben ganze
Arbeit geleistet und den Wirtschaftsstandort Deutschland in einer
Rekordgeschwindigkeit ruiniert.</p>
<p klasse="J">Energie-, Mobilitäts-, Heizungswende – alles
gescheitert. Egal was Sie anfassen, es geht alles schief. Laut DIW-Gutachten hat
uns der Ukrainekrieg bisher 240 Milliarden Euro gekostet. Der DIW-Präsident Marcel
Fratzscher sagte: Vor allem die hohen Energiekosten haben das Wachstum in
Deutschland im Jahr 2022 um 2,5 Prozent und im Jahr 2023 um eine ähnliche
Größenordnung reduziert.</p>
<p klasse="J">Das ist doch alles kein Wunder. Die grüne Partei ist
angetreten, um Deutschland im vorauseilenden Gehorsam zu ruinieren und Deutschland
als Konkurrent zu den USA auszuschalten, die bei uns die Betriebe abwerben und
dafür Subventionen in Millionenhöhe ausgeben. Ich sage an die Adresse der CDU: Wenn
Ihr Herr Merz eine Zusammenarbeit mit den Grünen praktizieren will, dann wird er
den Merkel-Kurs der vergangenen Jahre – keine Atomenergie, Ausstieg aus der Kohle,
Deindustrialisierung – fortsetzen müssen. Denn wer mit den Grünen zusammenarbeitet,
der macht nicht nur Krieg zusammen, sondern der zerstört zusammen mit denen auch
unsere Wirtschaft.</p>
<name>Präsidentin Bärbel Bas:</name>
<p klasse="J_1">Kommen Sie bitte zum Schluss.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11005053"><name><vorname>Robert</vorname><nachname>Farle</nachname><fraktion>fr
aktionslos</fraktion></name></redner>Robert Farle (fraktionslos):</p>
<p klasse="J_1">Das sollten sich die Manager in Deutschland mal
hinter die Ohren schreiben.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<name>Präsidentin Bärbel Bas:</name>
<p klasse="J_1">Als Nächste hat das Wort für die SPD-Fraktion Lena
Werner.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015401800">
<p klasse="redner"><a id="r23"/><redner
id="11005256"><name><vorname>Lena</vorname><nachname>Werner</nachname><fraktion>SPD
</fraktion></name></redner>Lena Werner (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr
Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauer/-innen! Für was ist unser
Land aus wirtschaftlicher Perspektive bekannt? Das habe ich einfach mal ChatGPT
gefragt,</p>
<kommentar>(Andreas Mattfeldt [CDU/CSU]: Siehst du
mal!)</kommentar>
<p klasse="O">und die Antworten bestehen aus mehreren
Schlüsselaspekten: eine starke industrielle Basis, eine führende Rolle in Forschung
und Entwicklung, unser duales Ausbildungssystem, weltweiter Handel sowie Qualität
und Zuverlässigkeit à la „made in Germany“.</p>
<kommentar>(Alexander Dobrindt [CDU/CSU]: … keine schlechte
Regierung!)</kommentar>
<p klasse="J">Wofür wir aber auch bekannt sind, ist Folgendes:
Guckt man sich aktuelle Tiktok-Trends an, in denen ironisch deutsche Stereotypen
vorkommen, zieht man daraus den Schluss, dass wir wenig positiv sind, viel nörgeln,
übertrieben regelkonform sind und dementsprechend eher weniger risikoaffin sind.
Diese Mentalität ist gerade in der aktuellen Lage, glaube ich, eine treffende
Beschreibung für uns – ganz unironisch.</p>
<p klasse="J">Wir haben in den vielen Reden vor mir schon gehört,
dass wir wirtschaftlich in keiner günstigen Lage sind.</p>
<kommentar>(Jens Spahn [CDU/CSU]: Was denn jetzt?)</kommentar>
<p klasse="O">Da sind wir uns ja auch mehr oder weniger
fraktionsübergreifend einig.</p>
<kommentar>(Andreas Mattfeldt [CDU/CSU]: Ich dachte, ChatGPT sagt
was anderes!)</kommentar>
<p klasse="O">Schaut man sich genau an, was in den letzten zwei,
drei Jahren passiert ist, erkennt man, dass das wenig überraschend ist: Wir kämpfen
immer noch mit einer Energiekrise, auch weil wir jahrelang auf günstige Energie aus
Russland gesetzt haben. Geopolitische Konflikte belasten zunehmend unsere
Wirtschaft. Der Welthandel ist historisch niedrig. Und wie nicht nur ChatGPT
richtigerweise festgestellt hat, sind wir für unseren weltweiten Handel bekannt,
ergo trifft uns das sehr stark.</p>
<p klasse="J">Dazu kommt die Tatsache, dass das Urteil des
Bundesverfassungsgerichts die Haushaltsplanung über den Haufen geworfen hat und
damit viele wichtige und nötige Investitionen nicht oder nicht wie geplant getätigt
werden können. Man könnte also meinen, dass es uns richtig schlecht geht und die
Wirtschaft vor dem Abgrund steht. Dieses Bild vermittelt die Opposition gerne genau
so – ganz unironisch, im Gegensatz zu den Tiktoks.</p>
<p klasse="J">Aber warum steigern wir uns eigentlich in diese
düsteren Szenarien rein? Warum fokussieren wir uns nicht einmal auf unsere Stärken
und darauf, was trotz dieser vielen Krisen und Herausforderungen wirtschaftlich gut
läuft in unserem Land? Warum reden wir nicht mehr darüber, dass mit Investitionen
in Mikroelektronik in Deutschland eine Zukunftsindustrie gestärkt wird und damit
entscheidend zur europäischen technologischen Souveränität beigetragen wird? Diese
Investitionen im Rahmen des European Chips Act stärken unsere wirtschaftliche
Resilienz und verringern strategische Abhängigkeiten in einer der
Schlüsseltechnologien für die Digitalisierung und den Treiber von Innovation und
Fortschritt.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Wir sind – nicht nur laut ChatGPT – bekannt für
unsere führende Rolle in Forschung und Entwicklung. Auch in diesem Bereich gibt es
hohe Investitionen von Unternehmen, ganz konkret im Bereich der Biotechnologie und
der industriellen Gesundheitswirtschaft, die mich als Rheinland-Pfälzerin – wir
haben es heute schon öfter gehört – ganz besonders freuen. BioNTech investiert
40 Millionen Euro in Marburg, Boehringer Ingelheim investiert 350 Millionen Euro in
Biberach und 75 Millionen Euro in Ingelheim. Daiichi Sankyo investiert 1 Milliarde
Euro in Pfaffenhofen und Eli Lilly 2,3 Milliarden Euro in Alzey. Das sind noch
nicht einmal alle Investitionen, die gerade laufen.</p>
<p klasse="J">Uns bietet sich in der Forschung und Entwicklung auch
eine große Chance im Bereich der KI, künstliche Intelligenz, die Technologie der
Zukunft. Die kann uns nämlich nicht nur verraten, wofür Deutschland bekannt ist.
Nein, die kann noch viel mehr: KI kann uns neue Technologien, Investitionen und
einen enormen Produktivitätsschub geben und wird bereits jetzt in einigen großen
Unternehmen genau dafür eingesetzt. Aber auch der Mittelstand hat hier enormes
Potenzial. Mit der KI-Verordnung der Europäischen Union schaffen wir zudem
Rechtssicherheit und eine ausgewogene Regulierung von KI, also die Grundlage für
„KI made in Europe“.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich persönlich bin
definitiv mehr Optimistin als Pessimistin. Ich glaube daran, dass unsere Wirtschaft
auch weiterhin stark ist und wachsen kann. Dazu brauchen wir aber natürlich neben
den vielen Investitionen auch die richtigen politischen Akzente. Und die setzen
wir: mit dem Wachstumschancengesetz, das hoffentlich bald final auch im Bundesrat
mehrheitlich Zustimmung finden wird, dem Bürokratieentlastungsgesetz, das wir
zeitnah verabschieden werden, und dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz.</p>
<p klasse="J">Mit Blick auf die eben genannten Investitionen in
Zukunftstechnologien ist Deutschland definitiv auch weiterhin ein attraktiver
wirtschaftlicher Standort. Nur ein kleines weiteres Beispiel, das gestern im
„Handelsblatt“ stand: Das Start-up Neura Robotics, ein deutsches Robotik-Start-up,
kommt aus China zurück nach Deutschland – und das laut eigener Aussage trotz der
höheren Energiepreise und anderer Herausforderungen, um gerade das Vertrauen in den
Wirtschaftsstandort Deutschland zu stärken. „Made in Germany“ ist laut deren
Aussage ein weltweites Gütesiegel. Wir wissen es alle: Es ist unser USP, also unser
Unique Selling Point.</p>
<p klasse="J">Ich appelliere deswegen an uns alle, sich in der
Debatte nicht immer nur auf die Negativeinschätzungen zu fokussieren, sondern auch
das enorme Potenzial zu sehen, das sich hier entwickeln kann. Vielleicht steht dann
demnächst bei ChatGPT: Deutschland ist auch bekannt für eine gelungene
Transformation, seine Offenheit für Fachkräfte und Arbeitskräfte aus dem Ausland
und eine starke Zukunftsindustrie.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie
bei Abgeordneten der FDP)</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Damit schließe ich die Aussprache.</p>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich grüße Sie natürlich
auch ganz herzlich von dieser Stelle.</p>
<p klasse="J">Interfraktionell wird Überweisung der Vorlagen auf den
Drucksachen 20/10415 und 20/9300 an die in der Tagesordnung aufgeführten Ausschüsse
vorgeschlagen. Gibt es weitere Überweisungsvorschläge? – Das sehe ich nicht. Dann
verfahren wir so.</p>
</tagesordnungspunkt>
<tagesordnungspunkt top-id="Tagesordnungspunkt 7">
<p klasse="J">Wir gehen weiter in unserer Tagesordnung. Ich rufe den
Tagesordnungspunkt 7 auf:</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t4"/> Beratung des Antrags der
Fraktion der CDU/CSU </p>
<p klasse="T_fett"> Für eine echte Zeitenwende in der
deutschen Außen- und Sicherheitspolitik</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="J">Ich bitte Sie, schnell die Plätze zu wechseln und
Gespräche nach draußen zu verlagern.</p>
<p klasse="J">Über den Antrag werden wir später namentlich abstimmen.
Für die Aussprache wurde eine Dauer von 68 Minuten beschlossen.</p>
<p klasse="J">Ich eröffne die Aussprache, und es beginnt für die
CDU/CSU-Fraktion Friedrich Merz.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<rede id="ID2015401900">
<p klasse="redner"><a id="r24"/><redner
id="11002735"><name><vorname>Friedrich</vorname><nachname>Merz</nachname><fraktion>
CDU/CSU</fraktion></name></redner>Friedrich Merz (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und
Herren! In dieser Woche jährt sich zum zweiten Mal der Beginn des russischen
Angriffskriegs gegen die Ukraine. Fast jeden Tag begleiten uns die schrecklichen
Bilder von Tod und Zerstörung vor allem im Osten des Landes. Die Bilder, die wir
sehen, dokumentieren nicht allein die Schrecken eines Krieges. Die Bilder
dokumentieren die täglichen Kriegsverbrechen der russischen Armee gegen die
Zivilbevölkerung – schwerste Kriegsverbrechen im Auftrag eines skrupellosen und
menschenverachtenden Regimes, das heute vor allem mit dem Namen von Wladimir Putin
verbunden ist.</p>
<p klasse="J">Pünktlich zum Beginn der Münchner
Sicherheitskonferenz am letzten Freitag erreichte uns die Nachricht, dass der
bekannteste Regimekritiker in Russland, Alexej Nawalny, in einem sibirischen
Straflager sein Leben verloren hat. Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und
Kollegen, es kann kein Zweifel daran bestehen, dass er einem politisch motivierten
Mord zum Opfer gefallen ist.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Irina Scherbakowa, Friedensnobelpreisträgerin und
Mitbegründerin der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial, die in Russland
heute natürlich auch verboten ist, beschrieb vor wenigen Tagen hier bei uns in
einer Fernsehsendung die Haftbedingungen von Alexej Nawalny in einem Straflager
nördlich des Polarkreises wie folgt:</p>
<p klasse="Z">„Er war in diesen drei Jahren fast 300 Tage in der
Strafbarracke. ... Das muss man sich vorstellen: Das ist eine ganz enge Zelle mit
einem ganz kleinen Fenster. Entweder ist es dort unglaublich heiß, ... oder es ist
sehr kalt. Der Boden ist nass, die Wände sind nass. Du kannst nur auf einem Hocker
sitzen, weil um 6 Uhr oder noch früher, um 5 Uhr, wecken sie dich, machen sie das
Bett hoch. ... Und du hungerst noch. ... Aber das ist eine reine Folterung mit dem
Hungern.“</p>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, es ist geradezu schäbig – um
nicht zu sagen: ähnlich menschenverachtend –, wenn sich vor diesem Hintergrund der
Vorsitzende der AfD mit den Worten äußert – wörtlich –: Es sei</p>
<p klasse="Z">„unerträglich, wie die letzten Tage bereits
feststeht, wer für diesen Tod verantwortlich gemacht wird. Man redet von Mord, von
sonstigen Dingen, obwohl man nichts weiß, obwohl man noch nicht mal die
Ermittlungen abgewartet hat.“</p>
<kommentar>(Agnieszka Brugger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Welche
Ermittlungen? – Julia Klöckner [CDU/CSU]: Also lächerlich!)</kommentar>
<p klasse="O">Doch, Herr Chrupalla, man weiß über dieses System
Putin sehr viel.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Sie sollten nicht allen Ernstes behaupten, in diesem
System gebe es so etwas wie nachvollziehbare Ermittlungen. Erlauben Sie es mir, zu
sagen: Wer so redet, macht sich ganz im Sinne von Lenin zum nützlichen Idioten
dieses Regimes.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Nach zwei Jahren Krieg gegen die Ukraine müssen wir
uns heute auch selbst die Frage stellen: Haben wir in den letzten zwei Jahren
eigentlich genug getan, um der Ukraine wirklich zu helfen, oder werden wir
spätestens in einigen Jahren aus der Rückschau erneut feststellen müssen, dass wir
uns geirrt haben, dass wir Putins Skrupellosigkeit und seine Kriegsmaschine erneut
falsch eingeschätzt haben?</p>
<p klasse="J">Warum sage ich „erneut“? Nun, meine Damen und Herren,
lassen Sie mich an zwei Ereignisse erinnern.</p>
<p klasse="J">Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion war die
Ukraine nach Russland und den USA – die wenigsten in unserem Lande wissen das
noch – die drittgrößte Atommacht der Welt. In den Jahren 1994 bis 1996 übergab die
Ukraine ihr gesamtes Atomwaffenarsenal an Russland und erhielt im Gegenzug unter
anderem von Russland und den USA eine Garantie ihrer politischen und
wirtschaftlichen Unabhängigkeit. Im Jahr 2009 bestätigten die damaligen Präsidenten
von Amerika und Russland, Barack Obama und Dimitrij Medwedew, diese
Sicherheitsgarantie noch einmal. Das war damals derselbe Präsident Medwedew, der
heute zu den schärfsten Kriegstreibern in Russland gegen die Ukraine und die
westliche Welt gehört.</p>
<kommentar>(Julia Klöckner [CDU/CSU]: Stimmt!)</kommentar>
<p klasse="J">Wir wissen heute: Diese Sicherheitsgarantien
Russlands für die Ukraine waren von Anfang an nichts wert. Im Gegenteil: Heute
bezahlt die Ukraine ihr Vertrauen und ihre atomare Abrüstung mit dem hohen Preis
eines völkerrechtswidrigen Angriffskrieges durch ebendieses Russland.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Friedhelm Boginski [FDP])</kommentar>
<p klasse="J">Gleiches, meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen
und Kollegen, gilt für die beiden Abkommen von Minsk. Zur Erinnerung: Mit diesen
beiden Abkommen wurden ein Waffenstillstand, der Abzug schwerer Waffen, eine
400 Kilometer lange Sicherheitszone, die Durchführung von Wahlen und die
Reintegration der Gebiete Donezk und Luhansk in das ukrainische Staatsgebiet
vereinbart. Diese beiden Abkommen waren gerade einmal acht und sieben Jahre alt,
als die russische Armee am 24. Februar 2022 das Land überfiel und seitdem dort
diesen furchtbaren Krieg führt.</p>
<p klasse="J">Warum muss man zwei Jahre nach dem Beginn des Krieges
noch einmal an diese damaligen diplomatischen Bemühungen erinnern? Nun, meine Damen
und Herren, der ernüchternde Befund ist: Putin und sein Regime halten sich an
keinerlei völkerrechtliche oder sonstige Vereinbarungen. Im Gegenteil: Russland ist
unter Putin zur größten Gefahr für die Freiheit und den Frieden auf unserem ganzen
Kontinent nach dem Zweiten Weltkrieg geworden.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD,
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Der traurige zweite Jahrestag des russischen
Überfalls auf die Ukraine ist natürlich ein erneuter Anlass, dem ukrainischen Volk
großen Respekt und hohe Anerkennung auszudrücken. Wie diese Menschen kämpfen, wie
dieses Land kämpft, verdient unser aller Respekt und größte Anerkennung.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Allerdings muss der zweite Jahrestag des Krieges
gegen die Ukraine auch Anlass sein, Bilanz zu ziehen. Wo stehen wir in Deutschland
nach zwei Jahren Krieg? Der Bundeskanzler hat zu Recht in seiner
Regierungserklärung am 27. Februar 2022 die richtigen Worte gefunden. „Wir
erleben“, so hat er gesagt, „eine Zeitenwende“, und diese Zeitenwende erfordert –
so waren seine Worte –, dass wir einen grundlegenden Wandel in unserer Außen- und
Sicherheitspolitik vollziehen. Ich will die Bilanz nach zwei Jahren auf einen Satz
bringen: Die Zeitenwende ist ganz überwiegend ein richtiges Wort geblieben; aber
zur umfassenden Tat hat es bisher jedenfalls nicht gereicht.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Ich will das an wenigen Beispielen illustrieren. Sie
haben eine Nationale Sicherheitsstrategie vorgelegt, die mit der Beschreibung der
Lage auf halbem Weg stehen geblieben ist. Es fehlt eine an unseren Interessen und
auch an unseren Werten ausgerichtete Strategie, die unsere Handlungsinstrumente
benennt und im Abgleich der Interessen und der zur Verfügung stehenden Instrumente
konkrete Maßnahmen beschreibt. Diese Nationale Sicherheitsstrategie haben Sie
institutionell nicht abgesichert. Sie hätten im Bundeskanzleramt einen Nationalen
Sicherheitsrat einrichten müssen, der im Krisenfall die operative Führung in der
Außenpolitik übernimmt und alle Entscheidungsstränge – nicht nur der
Bundesregierung, sondern auch der Länder, der Kommunen, der sogenannten
Blaulichtorganisationen – an einem Ort zusammenführt.</p>
<kommentar>(Agnieszka Brugger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Fragen Sie
doch mal die Ministerpräsidenten der Länder, wie die das sehen!)</kommentar>
<p klasse="O">Diese Entscheidung ist, wie so viele andere auch, an
den Streitereien in der Koalition bisher gescheitert.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Und schließlich: Wir haben hier gemeinsam ein 100-
Milliarden-Euro-Sondervermögen für die Bundeswehr beschlossen. Die Zusage war: ab
sofort mindestens 2 Prozent des BIP für die Bundeswehr und 100 Milliarden Euro für
das Sondervermögen. Sie halten dieses 2-Prozent-Ziel heute formal ein, indem Sie
sich für den laufenden Betrieb der Bundeswehr aus diesem Sondervermögen der
100 Milliarden Euro bedienen, und bleiben uns jede Antwort darauf schuldig, wie Sie
denn das 2-Prozent-Ziel nach der Erschöpfung dieses Sondervermögens spätestens im
Jahr 2027 in Deutschland erreichen wollen. Am schwersten wiegt: Die Ukraine erhält
weiterhin nicht in vollem Umfang das Material, das sie dringend benötigt, um den
russischen Angriffskrieg wirksam abzuwehren. Liebe Kolleginnen und Kollegen der
Koalitionsfraktionen, ich bitte Sie alle und nicht nur einzelne – ich bitte Sie
alle, sich heute unserem Antrag anzuschließen und die Bundesregierung aufzufordern,
der Ukraine endlich den Marschflugkörper Taurus zu liefern.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Beatrix von Storch [AfD]:
Ganz sicher nicht!)</kommentar>
<p klasse="J">Erlauben Sie mir, mich von dieser Stelle aus auch an
diejenigen in unserem Land zu wenden, die Zweifel haben, ob denn Waffenlieferungen
an die Ukraine die richtige Antwort sind. Auch wir gehen in unserer Fraktion mit
dieser Frage alles andere als leichtfertig um.</p>
<kommentar>(Lachen bei Abgeordneten der AfD)</kommentar>
<p klasse="O">Wir wissen um die Bedeutung solcher Entscheidungen.
Aber gerade wir in Deutschland sollten aus unserer Geschichte wissen, dass
Beschwichtigungen und Besänftigungen gegenüber einem Regime, das sich an keinerlei
Regeln des internationalen Rechts mehr hält und das offenbar zu allem entschlossen
ist, das Gegenteil von dem bewirken, was wir uns alle wünschen, nämlich ein Leben
in Frieden und in Freiheit.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Und wenn wir schon bei den Lehren aus der Geschichte
sind: Erlauben Sie mir, dass ich noch einmal Irina Scherbakowa zitiere. Sie hat vor
einigen Wochen hier in Deutschland geschrieben:</p>
<p klasse="Z">„Die Geschichte ist keine Lehrerin, keine magistra
vitae – sie lehrt nicht, aber sie bestraft hart für nicht gemachte
Hausaufgaben.“</p>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn wir die
Notwendigkeit einer Zeitenwende gemeinsam wirklich ernst nehmen, wenn wir diesen
Auftrag, den der Bundeskanzler am 27. Februar 2022 von diesem Pult aus formuliert
hat, ernst nehmen, dann haben wir den größten Teil der Hausaufgaben für unser Land
noch vor uns.</p>
<p klasse="J">Herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Langanhaltender Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Der nächste Redner ist Dr. Ralf Stegner für die
SPD-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der
FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015402000">
<p klasse="redner"><a id="r25"/><redner
id="11005229"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Ralf</vorname><nachname>Stegner</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Dr. Ralf Stegner (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Es ist gut, dass wir heute, zum zweiten Jahrestag des Angriffskrieges
Putins gegen die Ukraine, noch einmal grundsätzlich über die deutsche Außen- und
Sicherheitspolitik sprechen. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass wir nicht
dulden dürfen, dass Grenzen in Europa mit Gewalt verschoben werden, und dass wir an
der Seite der Ukraine stehen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der
FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Der Antrag der Union fordert eine echte Zeitenwende.
Frei nach Goethe: „Was glänzt, ist für den Augenblick geboren; das Echte bleibt der
Nachwelt unverloren.“ Nur, liebe Union, an Ihrem Antrag glänzt relativ wenig, und
echt war die Rede des sozialdemokratischen Bundeskanzlers zur Zeitenwende. Olaf
Scholz hat nach Putins Angriff auf die Ukraine ein Sondervermögen für die
Bundeswehr in Höhe von 100 Milliarden Euro vorgeschlagen. Der Bundestag hat das mit
großer Mehrheit hier beschlossen.</p>
<p klasse="J">Die Verteidigungs- und Bündnisfähigkeit der
Bundeswehr muss wiederhergestellt werden. Wenn man bei Ihnen nachliest, hat man den
Eindruck, die Herren Jung, zu Guttenberg, de Maizière, Frau von der Leyen, Frau
Kramp- Karrenbauer hätten 16 Jahre lang unter der Kanzlerschaft von Angela Merkel
die Bundeswehr in den Zustand gebracht, und schuld daran ist die SPD. Ist es Ihnen
eigentlich nicht selber peinlich, zu so einem Urteil zu kommen?</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie des Abg. Frank Bsirske
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="O">Verstehen Sie mich nicht falsch: Wir haben eine
gemeinsame Verantwortung; aber es ist Boris Pistorius, der den
verteidigungspolitischen Karren aus dem Dreck ziehen muss, und er macht das mit
Bravour. Das will ich hier ausdrücklich festhalten.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Wenn man sich Ihren Antrag anschaut, sieht man: Er
umfasst 28 Punkte und ist inhaltlich doch sehr dünn. Er enthält Allgemeinplätze;
Dinge, die wir sowieso tun, und Ihre fetischhafte Aufzählung von Nationalem
Sicherheitsrat, Taurus und Schuldenbremse. Ja, Sie beziehen sich oft auf Willy
Brandt. Da lag der Verteidigungshaushalt bei 4 Prozent des BIP – aber damals gab es
keinen Krieg in Europa, auch keine Schuldenbremse. Und seine Ost- und
Friedenspolitik, auf die wir stolz sind, haben Sie bekämpft. Das ist der
Unterschied!</p>
<kommentar>(Zuruf von der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Wenn wir die Akzeptanz für die Landes- und
Bündnisverteidigung gewährleisten wollen, dürfen wir niemals die innere und äußere
Sicherheit gegen die soziale Sicherheit ausspielen, meine Damen und Herren.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Es ist für die Menschen nicht nachvollziehbar, warum
für Panzerhaubitzen, Marschflugkörper und Beraterverträge genug Geld da sein soll,
während Bahnstrecken und Schulen verfallen, das letzte Schwimmbad in der Stadt
schließen muss und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aufgrund der schwierigen Lage
zur Zurückhaltung bei Tarifverhandlungen ermahnt werden.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Sie rühren eine echt gefährliche Mischung an aus
immer stärkerer Aufrüstung, Entfesselung der Rüstungsindustrie, Sozialkürzungen und
womöglich Steuergeschenken für Großverdiener, und Sie behandeln die Schuldenbremse
wie der Vatikan den Zölibat. Das ist ein Giftcocktail für die Demokratie und ein
Energydrink für die Rechtsradikalen.</p>
<kommentar>(Zuruf von der CDU/CSU: Oh! – Zuruf von der AfD: Wo ist
denn der Applaus dafür?)</kommentar>
<p klasse="J">Der rhetorische Aufrüstungswettbewerb kennt keine
Grenzen mehr: 300 Milliarden Euro Sondervermögen, „den Krieg nach Russland
tragen“ – so tönt es aus Ihren Reihen. Andere reden über nukleare Aufrüstung in
Europa. Und die dritte Wunderwaffe soll endlich die Realität auf dem Schlachtfeld
umkehren.</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Jürgen Hardt [CDU/CSU])</kommentar>
<p klasse="O">Sie haben weder für die deutsche und die europäische
Sicherheit noch für die notwendige nachhaltige Unterstützung der Ukraine eine
angemessene Finanzierung. Alle wissen, dass wir niemals ersetzen können, was die
USA leisten, schon gar nicht aus dem regulären Haushalt, obwohl ich dagegen bin, so
zu tun, als hätte Trump schon gewonnen. Da ist bis jetzt noch nicht eine Stimme
abgegeben worden. So wird Ihre Schuldenbremse zu einem richtigen Sicherheitsrisiko.
Entweder wir installieren ein neues Sondervermögen für die umfassende
Modernisierung unseres Landes, wie das andere tun, oder wir müssen die
Schuldenbremse reformieren. Wenn man für gemeinsame Sicherheit wirbt, ist das zwar
ein Kompromiss, bei dem mir nicht jeder Satz gefällt, aber anders als Ihr Antrag
entspricht dies der Verantwortung. Wie man übrigens beiden Anträgen zustimmen kann,
muss das Geheimnis einzelner Abgeordneter bleiben, meine sehr verehrten Damen und
Herren.</p>
<kommentar>(Zuruf von der CDU/CSU: Die erste applausfreie
Rede!)</kommentar>
<p klasse="J">Einen Aspekt Ihrer echten Zeitenwende finde ich aber
verstörend. Viele reden ausschließlich darüber, wie Kriege am besten geführt werden
können; aber fast niemand redet darüber, wie sie beendet oder gar verhindert werden
können. Forderungen nach diplomatischen Initiativen oder nach Humanität, ob in Gaza
oder in der Ukraine, werden lächerlich gemacht, als realitätsfern und pazifistisch
oder als Appeasement oder Putin-Freundlichkeit diffamiert.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten des BSW)</kommentar>
<p klasse="O">Dabei wünscht sich ein Großteil der Bevölkerung in
Deutschland eine Friedenspolitik, die unsere Wehrhaftigkeit mitdenkt, aber nicht
ausschließlich der militärischen Logik folgt.</p>
<kommentar>(Stefan Müller [Erlangen] [CDU/CSU]: Applaus von Sahra
Wagenknecht! Aber sonst kriegen Sie keinen hier!)</kommentar>
<p klasse="J">Ich schließe mit dem Satz des ehemaligen
Generalinspekteurs der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, der gesagt hat: „Eine
Alternative zum Krieg gibt es immer, eine zum Frieden nicht.“</p>
<p klasse="J">Vielen herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Der nächste Redner ist Matthias Moosdorf für die
AfD-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015402100">
<p klasse="redner"><a id="r26"/><redner
id="11005157"><name><vorname>Matthias</vorname><nachname>Moosdorf</
nachname><fraktion>AfD</fraktion></name></redner>Matthias Moosdorf (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ohne die
USA bekommen die Europäer sicherheitspolitisch kein Bein auf den Boden. Spätestens
der übereilte Rückzug der NATO-Truppen aus Kabul konfrontierte uns mit einer gern
verdrängten Frage: Können wir eigentlich nichts allein?</p>
<p klasse="J">Der Krieg in der Ukraine hat die Frage nun mehr als
beantwortet. Die USA spielen eine Hauptrolle. Unvorstellbar erscheint derzeit die
Idee, an einem wirklichen Haus Europa zu arbeiten, obwohl es mittel- und
langfristig auf diese Frage kaum zwei Antworten geben kann. Weder kann Europa den
Lebensstandard seiner Bürger in einer dezidierten Kriegswirtschaft erhalten noch
wettbewerbsfähig bleiben. Würde es zu einer dauerhaften Konfliktregion, stünde wohl
auch die globale Investitionsbereitschaft auf unserem Kontinent vor großen
Verwerfungen. In Kabul konnten die Europäer noch nicht einmal über die Sicherung
des Flughafens durch eigene Truppen nachdenken. Wir waren von amerikanischen
Entscheidungen abhängig. Einfluss auf diese hatten wir nicht. Strategisch schwächer
geht es kaum.</p>
<p klasse="J">Dabei geht es spätestens seit der Migrationswelle
2015, die auch ein Kollateralschaden gescheiterter US-Politik in Nordafrika und im
Nahen Osten ist, um die Frage einer strategischen Autonomie, also der Fähigkeit
Europas, selbstbestimmt handeln zu können. Oft gebricht es diesem Handeln schon an
der Vorstufe: der Formulierung eigener Interessen. Das letzte Mal haben wir uns den
USA verweigert, als diese den Angriffskrieg gegen den Irak mit einer Koalition der
Willigen begannen.</p>
<p klasse="J">Die USA heute – auch ohne Trump europafreundlich –
tun militärisch, was sie für richtig halten. Rücksicht auf uns nehmen sie nicht.
Bis zum Kriegsausbruch in der Ukraine gab es deswegen Konsens: Europa braucht eine
eigene Strategie. Da die EU weniger ist als Europa und mit Großbritannien eine
Atommacht den Kreis der potenziellen Mitstreiter bereits verlassen hat, braucht es
vor allem einen Neuaufsatz auf der Grundlage souveräner europäischer Staaten. Sie
müssen in neuem Geist an einer Sicherheitsarchitektur arbeiten, die mittelfristig
parallel zur NATO agiert und langfristig gegebenenfalls auch deren Strukturen
ersetzen kann.</p>
<p klasse="J">Europa braucht das Selbstverständnis, ein eigener Pol
in einer multipolaren Welt zu sein. Mit anderem Blick auf die USA, anders
aufgestellt als Russland und China, muss Europa auch die Macht anstreben,
Interessen durchzusetzen, wenn diese berührt sind. Die alte Frage, ob man Hammer
oder Amboss sein will, stellt sich bei der internationalen Sicherheit im
Cyberbereich genauso wie beim Schutz von Handelsrouten und natürlich beim
wirtschaftlichen Erfolg. Europa muss selbst dann Einfluss ausüben, wenn es
klassische Machtpolitik ablehnt. Das ist eigentlich klar, aber nach 1989 dem
Kontinent schwer vermittelbar.</p>
<p klasse="J">Viele Ideen waren zudem fast immer mit der Frage nach
Atomwaffen erstickt worden. Kein Zweifel: Der amerikanische Nuklearschirm ist
derzeit für alle außer Frankreich und Großbritannien unersetzbar, erst recht nach
Macrons Absage, die Verantwortung für seine Atomwaffen mit anderen zu teilen.
Ähnlich stellt sich aber auch die Frage nach der Zukunft der NATO, derzeit unsere
einzige Lebensversicherung. Europa als eigener Akteur auf der Weltbühne ist heute
ein Wunschdenken. Die Realität sieht leider anders aus. Zerstritten und
tatenschwach steht Europa da, fast dankbar abhängig von Militärtechnik aus
Amerika.</p>
<p klasse="J">Dabei könnten wir zusammen den Kern der globalen
Gemeinschaft von Demokratien bilden. Schnelle Investitionen in eigene Soldaten und
Transportmittel sind der erste Schritt, vielleicht die Wiedereinführung der
Wehrpflicht. Im zweiten Schritt müssten offensive und defensive Kräfte europäisch
aufgestellt, das militärisch-industrielle Potenzial ertüchtigt werden. Und erst im
letzten Schritt würden die Anschaffung und der Zugriff auf einen eigenen nuklearen
Schutzschirm auf der Tagesordnung stehen. Viel Arbeit, aber für eine eigene Außen-
und Sicherheitspolitik, meine Damen und Herren, fast alternativlos.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Die nächste Rednerin ist Deborah Düring für
Bündnis 90/Die Grünen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015402200">
<p klasse="redner"><a id="r27"/><redner
id="11005045"><name><vorname>Deborah</vorname><nachname>Düring</nachname><fraktion>
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Deborah Düring (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Klar ist: Die Ukraine braucht unsere volle Unterstützung. Und klar
ist auch: Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands stellt eine Zeitenwende
dar. Dafür bedarf es auch einer selbstkritischen Reflexion über die Fehler, die in
der Vergangenheit gemacht wurden.</p>
<p klasse="J">Liebe Union, ich habe wohlwollend zur Kenntnis
genommen, dass sowohl heute als auch gestern ein wenig Selbstkritik von Ihnen zu
hören war. In Ihrem Antrag vermisse ich sie aber, ehrlich gesagt. Kein Wort
beispielsweise zu Ihrer verfehlten Russlandpolitik – Stichwort: Nord Stream 2.</p>
<kommentar>(Jürgen Hardt [CDU/CSU]: Das war doch SPD-
verschuldet!)</kommentar>
<p klasse="O">Eine Zeitenwende bedeutet nicht nur eine
selbstkritische Reflexion, sondern auch das Lernen aus den Fehlern. Wenn ich Ihren
Antrag als einen solchen Lernprozess verstehe, dann würde ich sagen: Man kann an
der einen oder anderen Stelle gute Ansätze entdecken; aber die eine Hälfte passiert
schon, und bei der anderen Hälfte fehlt, ehrlich gesagt, die Substanz.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und des Abg. Ulrich Lechte [FDP])</kommentar>
<p klasse="J">Sie fordern eine Überarbeitung der Nationalen
Sicherheitsstrategie. Ich frage mich: Wo ist denn Ihre Strategie, auch mit Blick
auf Ihre Kollegen in den Ländern? Wir haben eine. Sie fordern beispielsweise die
Einhaltung des 2-Prozent-Ziels der NATO.</p>
<kommentar>(Henning Otte [CDU/CSU]: Beschreiben Sie doch mal
Ihre!)</kommentar>
<p klasse="O">Das haben Sie nie getan, wir schon. Und ja, Sie haben
recht: Wir brauchen mehr Geld, unter anderem auch für die Verteidigung.</p>
<p klasse="J">Aber, ehrlich gesagt, vermisse ich immer Ihre
konkreten Finanzierungsvorschläge. Ich höre immer nur, was wir brauchen; aber ich
habe noch keinen einzigen umsetzbaren Vorschlag von Ihnen gehört, liebe Union,
woher dieses Geld kommen soll.</p>
<kommentar>(Florian Hahn [CDU/CSU]: Hören Sie mir zu!)</kommentar>
<p klasse="O">Und selbst wenn es mal einen Kollegen gibt, der nach
vorne prescht und einen Vorschlag macht, wird dieser gleich von der Ebene
obendrüber wieder einkassiert. Liebe Union, das ist kein wirklicher
Finanzierungsvorschlag.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und des Abg. Ulrich Lechte [FDP])</kommentar>
<p klasse="J">Auch haben Sie bei Ihrer Definition von Sicherheit,
ehrlich gesagt, wieder die Hälfte vergessen. Sicherheit bedeutet nicht nur
militärische Stärke. Sicherheit bedeutet auch, dafür zu sorgen, dass beispielsweise
Krankenhäuser bei einem Cyberangriff weiter funktionieren. Sicherheit bedeutet,
dass alle Menschen Zugang zu Nahrung und medizinischer Versorgung haben. Wer die
Sicherheit des Menschen in den Fokus stellt, muss eine Politik machen, die auf
Menschenrechten und Gerechtigkeit fußt und nicht auf Plattitüden wie – ich zitiere
Ihren Antrag – „Afrika zur Chefsache zu machen …”. Ja, es braucht eine Afrika-
Strategie; deswegen sind wir da auch dran. Aber das Ziel darf doch nicht nur
Rohstoffsicherung sein. Vielmehr müssen wir uns doch fragen: Wie schaffen wir es,
die vielen Krisen und Konflikte dieser Welt gemeinsam mit unseren Partnern im
sogenannten Globalen Süden zu lösen?</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Wenn wir möchten, dass demokratische und
humanistische Werte von allen geteilt werden, dann müssen wir glaubwürdig handeln.
Wir müssen uns beispielsweise an gegebene Zusagen halten und als verlässlicher
Partner auftreten. Gleichzeitig müssen wir überlegen, wie wir die tatsächliche
Einbindung des Globalen Südens schaffen können, nicht nur darüber reden, sondern
auch umsetzen. Wir haben zwar die Reform der Weltbank vorangebracht, aber wir
müssen auch darüber diskutieren, wie wir die Stimmrechte der Länder des Globalen
Südens in der Weltbank und auch im UN-Sicherheitsrat stärken können oder wie die
Umsetzung der UN-Steuerrechtskonvention endlich gelingen kann.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD)</kommentar>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen, Zeitenwende bedeutet,
dass wir Sicherheit eben nicht nur auf militärische Sicherheit reduzieren, sondern
die Komplexität und Verflechtungen auch anerkennen. Es bedeutet, dass wir uns damit
auseinandersetzen, wie wir die europäische Außen- und Sicherheitspolitik
effizienter gestalten können und gleichzeitig Konflikttreiber wie die Klimakrise
oder soziale Ungerechtigkeit eindämmen. Denn das schafft am Ende langfristigen
Frieden.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank!</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Als Nächster erhält das Wort Ulrich Lechte für die
FDP-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015402300">
<p klasse="redner"><a id="r28"/><redner
id="11004799"><name><vorname>Ulrich</vorname><nachname>Lechte</nachname><fraktion>F
DP</fraktion></name></redner>Ulrich Lechte (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Der von uns hier und heute diskutierte Antrag der CDU/CSU-Fraktion
ist ein schönes, breites Potpourri an teils nicht durchdachten Forderungen, auf die
ich aus Zeitgründen leider nur vereinzelt eingehen kann.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der FDP, der SPD und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Stefan Müller [Erlangen] [CDU/CSU]: Immer die gleichen
Textbausteine!)</kommentar>
<p klasse="J">Was ich aber definitiv so nicht stehen lassen kann,
liebe Union, ist die Aussage in Ihrem Antrag, dass die Zeitenwende – ich darf
zitieren – „über das Stadium der Ankündigung nicht hinausgekommen“ sei.</p>
<kommentar>(Bettina Hagedorn [SPD]: Ja!)</kommentar>
<p klasse="O">Solch eine Behauptung in den Raum zu stellen, finde
ich mindestens leicht beschämend, liebe CDU/CSU-Fraktion – ein klarer
populistischer Winkelzug,</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der FDP, der SPD und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">vor allem, nachdem unsere Sicherheits- und
Verteidigungspolitik durch Ihr Agieren in den vergangenen Jahrzehnten kaputtgespart
wurde.</p>
<p klasse="J">Herr Merz, ich kann es Ihnen nicht ersparen: Ihre
chronische Amnesie bezüglich der 16 Jahre Angela Merkel mag ja für Sie persönlich
mental wichtig sein, hat mit Realpolitik aber nichts zu tun. Wir räumen auf, was
Sie ignorieren. Wir räumen 16 Jahre CDU/CSU im Bundesverteidigungsministerium
auf.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und
der Abg. Deborah Düring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="J">Ich bin überzeugt, liebe Kolleginnen und Kollegen:
Das Sondervermögen und die damit verbundenen Investitionen in die Bundeswehr
markieren ohne Wenn und Aber eine Zeitenwende. Mit diesem Geld konnten wir erstmals
Strukturen und Grundlagen schaffen, die nötig sind, um die ungelösten Probleme
anzugehen, die wir von Ihnen geerbt haben.</p>
<p klasse="J">Dennoch möchte ich an dieser Stelle ganz besonders
auch der Union danken, dass wir für die Absicherung das „Sondervermögen Bundeswehr“
auch ins Grundgesetz geschrieben haben. Ohne Ihre Mithilfe wäre das nicht möglich
gewesen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Wir haben dank dieses Sondervermögens Investitionen
in kurzer Zeit tätigen können, die seit mindestens 20 Jahren überfällig waren. Hier
geht es nicht nur um Großprojekte wie die Abwehrraketen Arrow 3 oder die neuen F-
35-Kampfjets, sondern um ganz rudimentäre, längst überfällige, aber für die
Kriegstüchtigkeit unserer Bundeswehr unverzichtbare Anschaffungen wie
beispielsweise die Erneuerung der persönlichen Ausrüstung unserer Soldatinnen und
Soldaten, Munition oder banale Dinge wie Reifen und Batterien für
Taschenlampen.</p>
<p klasse="J">Statt für diese langjährige Misere wenigstens ein
wenig Verantwortung zu übernehmen, schreiben Sie lieber diese luftigen Anträge,
ohne zu erklären, wie Sie auch nur eine Ihrer Forderungen konkret angehen
würden.</p>
<p klasse="J">Ich gehe mal ins Detail. Bezüglich des 2-Prozent-
Ziels der NATO: Ja, wir haben zusätzlich zum regulären Wehretat von 52 Milliarden
Euro 19,8 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen für die Bundeswehr genutzt, um die
Zusagen, die wir in Wales 2014 gemacht haben, zu erreichen. Das war übrigens in der
Regierungszeit von Angela Merkel. Aber wir erzielen nachweislich echte Fortschritte
und halten gegenüber der NATO und unseren Bündnispartnerinnen und -partnern Wort –
was Ihnen von 2014 bis 2021 kein einziges Mal gelungen ist.</p>
<p klasse="J">Um Sie zu beruhigen, liebe Union: Wir werden auch
Wege finden, wie wir nach 2026 die nötigen 17 Milliarden Euro pro Jahr
bereitstellen; davon bin ich überzeugt. Das ist die Verantwortung dieses Hauses in
diesen Zeiten der Weltpolitik. Das ist eine Aufgabe für die Haushaltsberatungen, an
denen Sie sich dann gerne auch mal wieder beteiligen können; denn bekanntermaßen
waren Sie ja bei der Aufstellung des Haushalts 2024 ein Totalausfall.</p>
<p klasse="J">Hinsichtlich der Unterstützung der Ukraine möchte ich
hier an dieser Stelle nochmals betonen: Wir sind mit insgesamt knapp 28 Milliarden
Euro in absoluten Zahlen der zweitgrößte Unterstützer der Ukraine nach den USA.
Davon entfallen 18 Milliarden Euro auf reine Militärhilfen. Im Vergleich dazu
Frankreich – siehe „FAZ“ –: rund 660 Millionen Euro, jetzt gerade mal 3 Milliarden
Euro zusätzlich zugesagt. Auf der einen Seite haben Freunde und große
Volkswirtschaften wie Italien und Spanien Hilfen in gleicher Höhe oder nur der
Hälfte des Betrags von 660 Millionen Euro bereitgestellt, während wir, wie gesagt,
18 Milliarden Euro reine Militärhilfen leisten.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Jetzt haben wir dank dieser Koalition Unterstützung
in Höhe von weiteren 7,1 Milliarden Euro zugesagt. Ich finde, dass Deutschland
wirklich leistet, was wir können und was wir mit unserer Geschichte vereinbaren
können.</p>
<kommentar>(Beatrix von Storch [AfD]: Können wir
nicht!)</kommentar>
<p klasse="O">– Doch, können wir schon, Frau von Storch.</p>
<kommentar>(Beatrix von Storch [AfD]: Nein, können wir
nicht!)</kommentar>
<p klasse="O">– Davon haben Sie keine Ahnung.</p>
<kommentar>(Beatrix von Storch [AfD]: Sie machen einen
verfassungswidrigen Haushalt!)</kommentar>
<p klasse="O">Sie würden ja gerne in einer russisch-chinesisch
dominierten Welt leben. Ich möchte das nicht.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Wir haben also in den letzten zwei Jahren eine
deutlich bessere Verzahnung zwischen Rüstungsindustrie und Politik erreichen
können, Probleme hinsichtlich Munitionsproduktion und Bevorratung lösen können. Wir
als Ampelregierung haben das in den letzten 24 Monaten unter Hochdruck in Angriff
genommen.</p>
<p klasse="J">Ich darf ein Beispiel bringen, das nichts mit Rüstung
zu tun hat: Im letzten Winter sprachen wir in diesem Haus die ganze Zeit darüber,
ob wir genügend Energie haben. Das war dieses Jahr kein Thema. Ich würde sagen,
diese Bundesregierung leistet, was sie kann in diesen Zeiten, und dafür danke ich
ihr.</p>
<p klasse="J">Herzlichen Dank dem Herrn Bundesminister der
Verteidigung und allen Verantwortlichen!</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Als Nächster erhält das Wort Jürgen Hardt für die
CDU/CSU-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015402400">
<p klasse="redner"><a id="r29"/><redner
id="11004050"><name><vorname>Jürgen</vorname><nachname>Hardt</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Jürgen Hardt (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Liebe Kolleginnen und Kollegen!</p>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Herr Abgeordneter, wenn Sie das Präsidium noch
grüßen könnten.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004050"><name><vorname>Jürgen</vorname><nachname>Hardt</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Jürgen Hardt (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! – Das passiert einem auch bei der
hundertsten Rede noch mal; Entschuldigung dafür! – Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Der Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion hat seine Rede geschlossen mit den Worten:
Wenn wir die Zeitenwende ernst nehmen, dann haben wir den größten Teil der
Hausaufgaben noch vor uns. – Das war ein richtiger Satz. Als ich in die Gesichter
der Regierungskoalition blickte, hatte ich das Gefühl, dass viele Abgeordnete das
so oder so ähnlich auch sehen, sicherlich jeder mit seinem eigenen Schwerpunkt.</p>
<p klasse="J">Ich möchte auf einige Aspekte eingehen. Wenn wir das
Thema Zeitenwende wirklich ernst nehmen, dann müssen wir uns auch stärker den
Fragen zuwenden: Was steckt eigentlich hinter dieser wachsenden Unruhe in der Welt?
Wer sind eigentlich die großen Spoiler?</p>
<p klasse="J">Über Russland ist gesprochen worden. Aber Russland
führt einen Drohnenkrieg in der Ukraine gegen die Ukraine mit iranischen Drohnen.
Der Iran sponsort die Hamas, die Hisbollah, die Huthi im Jemen, am Roten Meer, wo
wir jetzt ein Schiff hinschicken müssen. Der Iran ist ein wesentlicher Spoiler der
Weltpolitik. Wenn wir aus der Zeitenwende nicht auch den Schluss ziehen, dass sich
unsere Iranpolitik ändern muss, dann, glaube ich, springen wir zu kurz.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Der Iran hat in den letzten zwölf Monaten wieder über
900 politische Gefangene hingerichtet. Die Witwen von zwei kürzlich hingerichteten
politischen Gefangenen waren da. Sie bekommen nicht mal die Leichname, um sie zu
beerdigen. Das Regime hat Angst, erstens dass man sieht, dass die Opfer gefoltert
worden sind, und zweitens hat es Angst, dass sich bei den Beerdigungen die Menschen
gegen den Staat erheben. Deswegen rücken sie die Leichname nicht raus. Ich fordere,
dass sie das auf jeden Fall tun; das ist das Mindeste, was man im Sinne der
Menschlichkeit tun muss.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD,
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Wir müssen an jedes Fehlverhalten des Iran ein
Etikett kleben. Wenn der Iran einen politischen Gefangenen hinrichtet, wenn der
Iran wiederum überführt wird, wie er Waffen an Terroristen liefert, dann muss die
Europäische Union, dann muss die Weltgemeinschaft mit Verschärfung der Sanktionen,
mit Listung von Personen aus dem Apparat des Regimes, mit Ausweisung von iranischen
Diplomaten aus EU-Ländern reagieren, damit klar ist: Teheran zahlt dafür einen
Preis.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Das Zweite, was für mich aus der Zeitenwende zu
folgern ist: Wir müssen gucken, dass wir die Zahl unserer Freunde erhöhen. Es gibt
eine ganze Reihe von Staaten, die sich in den Vereinten Nationen bei entsprechenden
Resolutionen enthalten oder sogar gegen unsere Vorstellungen stimmen. Wir haben
eine Chance, sie für uns zu gewinnen. Denn es geht ja um die Bewahrung des
gemeinsamen Völkerrechts. Es geht nicht um West und Ost oder, wie im Kalten Krieg,
um Kommunismus und Kapitalismus, sondern es geht darum, dass es eine Gruppe von
Ländern gibt, die auf der Seite des Völkerrechts steht, und eine, die es permanent
verletzt. Ein Land wie Indien gehört zu uns. Deswegen erwarte ich, dass die
Bundesregierung auf Indien und auf andere Staaten, in Afrika, in Südamerika, zugeht
und sie als Freunde unserer gemeinsamen Politik gewinnt.</p>
<p klasse="J">In diesem Sinne herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Die nächste Rednerin ist Sanae Abdi für die SPD-
Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015402500">
<p klasse="redner"><a id="r30"/><redner
id="11005000"><name><vorname>Sanae</vorname><nachname>Abdi</nachname><fraktion>SPD<
/fraktion></name></redner>Sanae Abdi (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich wollte eigentlich mit dem Antrag
der CDU/CSU beginnen. Aber lassen Sie mich mit etwas Positivem beginnen, nämlich
mit unserer Auffassung von Außen- und Sicherheitspolitik in der Zeitenwende,</p>
<kommentar>(Zuruf von der CDU/CSU: Nicht schon wieder!)</kommentar>
<p klasse="O">einer umfassenden Außen- und Sicherheitspolitik, in
der wir Entwicklungspolitik als integralen Bestandteil von Sicherheit betrachten.
Denn die Welt nach der Zeitenwende – das ist heute schon oft gesagt worden – ist
eine andere. In dieser veränderten, globalisierten Welt ist Sicherheit nicht nur
ein Bestandteil von Außen- und Verteidigungspolitik. Daher müssen wir verstehen,
wie eng verflochten unsere Sicherheit mit der Entwicklung in anderen Teilen der
Welt ist. Denn Armut, Ungleichheit, mangelnde Bildung und unzureichende
Gesundheitsversorgung sind potenzielle Quellen von Instabilität und Konflikten.</p>
<p klasse="J">Entwicklungspolitik ist auch ein wirksames Instrument
zur Förderung unserer eigenen Sicherheitsinteressen. Investitionen in Bildung,
Gesundheit und wirtschaftliche Entwicklung tragen dazu bei, den Nährboden für
Extremismus und Radikalisierung zu verringern. Sie schaffen neue Märkte und
Möglichkeiten für Handel und Zusammenarbeit, die letztendlich auch unserer eigenen
Wirtschaft zugutekommen.</p>
<p klasse="J">Die Sicherheit eines Landes hängt nicht nur von
seinen militärischen Kapazitäten ab, sondern auch von der Stabilität seiner
Nachbarn und Partner.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">Indem wir in Entwicklung investieren, stärken wir die
Widerstandsfähigkeit anderer Nationen und tragen dazu bei, die Ursachen von
Konflikten und Extremismus zu bekämpfen.</p>
<p klasse="J">All das scheinen Sie, liebe Union, in Ihrem Antrag
völlig auszublenden, obwohl Sie es doch eigentlich besser wissen müssten. Man muss
es mit Blick auf die aktuelle politische Lage erst einmal schaffen, in einem
Antrag, der eine „echte Zeitenwende“ in der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik
fordert, die Entwicklungszusammenarbeit als zentralen Teil des deutschen
internationalen Engagements mit keinem Wort zu erwähnen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE – Marianne Schieder [SPD]: Schwach, sehr schwach!)</kommentar>
<p klasse="J">Eigentlich müsste ich die Kritik an dem Antrag noch
erweitern; denn Außenpolitik steht zwar über Ihrem Antrag, aber in Ihrem Antrag
spielt sie keine wirkliche Rolle. Schauen wir uns Ihren Antrag zur Außen- und
Sicherheitspolitik noch mal genauer an. Was fordern Sie? Nach einem Bauchladen aus
Forderungen, zum Beispiel zu den Bereichen Forschung und Rüstung, findet man unter
„ferner liefen“ einige Allgemeinplätze wie „Afrika zur Chefsache zu machen“,
„intensiver mit den Werte- und Interessenspartnern im Indo-Pazifik
zusammenzuarbeiten“ oder „die transatlantische Partnerschaft zu vertiefen“. Das
verstehen Sie unter Zeitenwende in der deutschen Außenpolitik?</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Florian Hahn [CDU/CSU])</kommentar>
<p klasse="J">Unsere Erfahrungen zeigen, dass es abgestimmte außen-
und sicherheitspolitische Strategien braucht – aber doch nie ohne
entwicklungspolitische Komponente!</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">Für uns funktioniert Außen-, Sicherheits- und
Entwicklungspolitik nur gemeinsam in einem integrierten Ansatz aus Diplomatie,
nachhaltiger Entwicklung und verantwortungsvoller Verteidigungspolitik.</p>
<p klasse="J">Da Sie in Ihrem Antrag den Fokus auf die Ukraine
legen, dazu noch ein paar Worte: Die globalen Folgen des russischen Angriffskrieges
auf die Ukraine wie zum Beispiel die Verschärfung der Ernährungs- und Hungerkrise
erfordern nicht einseitig formulierte außen- und sicherheitspolitische Reaktionen,
sondern die Entwicklungspolitik muss einbezogen werden. Liebe Kolleginnen und
Kollegen der Union, ich lese Ihren Antrag dann doch eher als einen etwas
unterkomplexen Versuch einer Antwort auf die von Bundeskanzler Scholz konstatierte
Zeitenwende.</p>
<kommentar>(Zurufe von der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Die Zeiten sind herausfordernd. Aber gerade jetzt
dürfen wir nicht damit anfangen, Felder unserer internationalen Zusammenarbeit
komplett auszublenden. Im Gegenteil: Es gilt, sie zu stärken und ihre Vernetzung zu
fördern. Es ist auch in unserem Interesse, eine Welt zu schaffen, die sicherer,
stabiler und gerechter für alle ist.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Ich schließe mit dem Satz: Deswegen ist
Entwicklungspolitik eben auch Sicherheitspolitik.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Torsten Herbst [FDP])</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Der nächste Redner ist Rüdiger Lucassen für die
AfD-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015402600">
<p klasse="redner"><a id="r31"/><redner
id="11004807"><name><vorname>Rüdiger</vorname><nachname>Lucassen</
nachname><fraktion>AfD</fraktion></name></redner>Rüdiger Lucassen (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Frau Wehrbeauftragte! Meine Damen
und Herren! „Zeitenwende“ ist ein großes Wort. Die Bundeswehr braucht eine
Zeitenwende.</p>
<p klasse="J">Was die Bundesregierung und insbesondere
Verteidigungsminister Pistorius abliefern, ist keine Zeitenwende. Es ist das Drehen
an kleinen Schrauben. Es ist die altbekannte Augenwischerei aus dem Besteckkasten
der Ministerialbürokratie: Taskforces, Quartalsberichte, Non-Papers, Expertenräte –
tauglich allenfalls, um Laien zu beeindrucken. Aber eine Zeitenwende kriegt man
damit nicht hin.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Die Bundeswehr ist in einem Zustand, der eine
politische Kraft erfordert, die die Ampelkoalition nie hatte. Die Aufgabe ist zu
groß. Denn die Bundesregierung ist in Strukturen gefangen, die eine Zeitenwende
nicht zulassen. Sie ist in Denkmustern verhaftet, die eine Zeitenwende unmöglich
machen. Und sie hat ein Personal auf Ministerposten gebracht, das dem
Leistungsprofil eines Bezirksamtes in Neukölln genügen mag, aber doch nicht dem der
stärksten Nation Europas.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, die AfD legt seit sechs
Jahren Vorschlag um Vorschlag vor, wie die von Ihnen angerichteten Schäden an der
Bundeswehr zu reparieren sind. Die Generäle und Offiziere, die Unteroffiziere und
Mannschaften kennen alle diese Vorschläge, weil sie aus militärischem Sachverstand
heraus entwickelt wurden. Es gibt kein Erkenntnisproblem. Die Fähigkeiten der
Bundesregierung reichen nicht aus.</p>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, das Problem geht weit über
unsere Streitkräfte hinaus. Denn wer mit offenen Augen durch unser Land geht,
sieht: Nicht nur die Bundeswehr braucht eine Zeitenwende. Unser Land braucht eine
Zeitenwende. Denn Deutschland ist erschöpft – erschöpft durch Politiker, die jeden
Innovationsgeist ersticken, Politiker, denen jedes Gespür für Größe, Freiheit und
nationale Selbstbestimmung unbekannt ist.</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Jörg Nürnberger [SPD])</kommentar>
<p klasse="O">Und weil es ihnen unbekannt ist, bekämpfen sie es mit
der destruktiven Energie eines Saboteurs.</p>
<kommentar>(Dr. Ralf Stegner [SPD]: Davon verstehen Sie
was!)</kommentar>
<p klasse="J">Zeitenwende hat etwas mit Größe zu tun. Die Deutschen
können das.</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Jörg Nürnberger [SPD])</kommentar>
<p klasse="O">Sie haben es viele Male unter Beweis gestellt. Alles,
was sie dafür brauchen, ist eine Regierung, die nicht im Weg steht. Das ist mein
Ziel und das meiner Partei. Und die Zeit wird kommen, das verspreche ich Ihnen.</p>
<p klasse="J">Danke.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Der nächste Redner ist Ottmar Wilhelm von Holtz für
Bündnis 90/Die Grünen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015402700">
<p klasse="redner"><a id="r32"/><redner
id="11004762"><name><vorname>Ottmar Wilhelm</vorname><nachname>von
Holtz</nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Ottmar
Wilhelm von Holtz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Ja, der Angriffskrieg, den Russland gegen die Ukraine führt, ist eine Bedrohung,
die wir so seit Jahrzehnten nicht mehr hatten. Ja, diese Bedrohung erfordert eine
Zeitenwende im Hinblick auf die Stärkung unserer eigenen Wehrhaftigkeit, allen
voran der Bundeswehr. Und ja, wir müssen die Ukraine massiv dabei unterstützen,
sich effektiv gegen die unvorstellbaren Verbrechen der russischen Angreifer zu
wehren, damit sie ihre territoriale Souveränität verteidigen kann.</p>
<p klasse="J">Und nein, dies allein ist nicht die echte
Zeitenwende, für die Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen der Union, sie halten. Mit
mehr Munition und Panzern allein rüsten wir uns nicht gegen Cyberangriffe, nicht
gegen Fake News russischer Trollfabriken, nicht gegen Einschüchterungen und nicht
gegen die menschenverachtende Praxis, Geflüchtete gezielt an unsere Außengrenzen zu
verfrachten, um unsere Gesellschaften zu destabilisieren. Mit mehr
Rüstungsausgaben, der Streichung von Zivilklauseln oder dem Schutz unserer
kritischen Infrastruktur allein werden wir weder unserer Rolle gerecht,</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Henning Otte [CDU/CSU])</kommentar>
<p klasse="O">die wir als eine der größten Volkswirtschaften
tragen, noch den Erwartungen, die die Staaten weltweit an uns richten.</p>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, Ihr Begriff der Zeitenwende
ist genauso verengt wie Ihr Sicherheitsbegriff. Wir machen einen riesigen Fehler,
wenn wir Sicherheitsdebatten auf das Militärische reduzieren, und ich werde Ihnen
auch sagen, warum. Ihr Ansatz führt dazu, dass wir in die Debatte hineinkommen, die
wir nicht gebrauchen können, nämlich das Militärische sei notwendig und
Entwicklungszusammenarbeit sei ein Nice-to-have. Damit, liebe Union, tun Sie uns
allen keinen Gefallen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und des Abg. Ulrich Lechte [FDP] – Peter Beyer [CDU/CSU]:
Deswegen sagen wir es auch nicht!)</kommentar>
<p klasse="J">Unsere Sicherheit ist auch bedroht durch Armut, durch
Hunger, durch Krankheiten in der Welt. Wäre der Jemen ein funktionierender Staat,
müssten wir diese Woche nicht über einen Militäreinsatz im Roten Meer reden. Klar,
heute ist es zu spät, heftige Kriege, allen voran Angriffskriege, lösen wir nicht
mit den Instrumenten der zivilen Krisenprävention. Was wir aber tun müssen, ist,
uns dafür einzusetzen, dass es gar nicht erst so weit kommt. Überall dort, wo es
eine Auseinandersetzung um Ressourcen gibt, entstehen die Krisen, die im
schlimmsten Fall in einen Krieg münden.</p>
<p klasse="J">Entwicklungszusammenarbeit, die Stärkung der Frauen
weltweit, Pandemiebekämpfung, Mediation zur Lösung von Konflikten, Traumaarbeit,
die Überwindung der Klimakrise – die Liste ist lang. Unsere Sicherheit hängt auch
fundamental davon ab, dass wir eine funktionierende, multilaterale Weltgemeinschaft
haben.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und des Abg. Ulrich Lechte [FDP])</kommentar>
<p klasse="J">Herr Hardt, Sie haben die abweichenden Stimmen in den
Vereinten Nationen angesprochen. Wir müssen aber auch den nächsten Schritt tun und
uns überlegen, woran es gelegen hat. Wir brauchen nämlich weltweit Partner, die uns
vertrauen und denen wir vertrauen können. Das alles ist nicht nur eine Frage der
Gerechtigkeit, sondern auch eine strategische Notwendigkeit. Das alles, liebe
Union, fehlt in Ihrem Antrag.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Nächster Redner ist Dr. Marcus Faber für die FDP-
Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015402800">
<p klasse="redner"><a id="r33"/><redner
id="11004712"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Marcus</vorname><nachname>Faber</
nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></redner>Dr. Marcus Faber (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Meine Damen und Herren! Anlass der Debatte heute ist das zweijährige
„Jubiläum“ von Putins Frontalangriff auf die Ukraine. Einen Tankstopp von hier
entfernt sind Hunderttausende Europäer in Schützengräben, während wir hier
sprechen. Einen Tankstopp von hier entfernt mussten sich Millionen Menschen daran
gewöhnen, dass Luftangriffe auf ihre Städte geflogen werden, Tag und Nacht, und sie
in ihren Wohnungen bombardiert werden.</p>
<p klasse="J">Diese Ernsthaftigkeit der Situation sollte uns alle
erden und jedes parteipolitische Gezänk aus dieser Debatte heraushalten. Ich denke,
darauf sollten wir uns alle einigen, meine Damen und Herren.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD, der
CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Ich bin allen Kolleginnen und Kollegen sehr dankbar,
die sich selbst ein Bild von der Situation machen. Das kann man in der Ukraine tun.
Ich habe das beispielsweise in Cherson getan. Ich war mit einem ukrainischen
Polizisten in einem ehemaligen Foltergefängnis der Besatzungstruppen, nachdem die
Stadt befreit wurde. Er hat mir geschildert, wie er über Wochen in einer Zelle, die
für zwei Personen ausgelegt war, zu neunt untergebracht war. Ich erspare mir jetzt
Ausführungen über die sanitären Rahmenbedingungen. Er hat – nur einige Kilometer
von den nächsten russischen Stellungen entfernt und unter dem Eindruck der
russischen Artillerie, die wir hören konnten – den Mut aufgebracht, mir zu
schildern, dass er mit den Schlägen in den Verhören „arbeiten“ konnte, aber nicht
mit den Stromstößen durch Elektroden, die an seinen Ohrläppchen und an seinen Hoden
befestigt worden waren. Wir konnten seine Zelle verlassen, weil diese Stadt von den
ukrainischen Streitkräften befreit worden war, meine Damen und Herren.</p>
<p klasse="J">Man kann an vielen Stellen der Ukraine den Terror,
den systematischen Terror Putins sehen, beispielsweise in Lyman. Dort sind
30 Prozent aller Gebäude komplett zerstört. 90 Prozent der Gebäude sind beschädigt.
90 Prozent heißt vor allem auch, keine Fenster. Und keine Fenster ist sehr schlecht
bei minus 15 Grad Celsius. Das ist der systematische Terror.</p>
<p klasse="J">Der Bürgermeister von Lyman ist mit mir zu einem
Massengrab vor der Stadt gefahren, in dem 350 Ukrainer verscharrt waren. Nach der
Befreiung der Stadt wurden sie ordentlich beigesetzt. Bei der Gelegenheit wurden
auch DNA-Proben genommen, um identifizieren zu können, wer dort verscharrt war.
Dort waren auch 60 Kinder verscharrt. Über all das kann man sich informieren. Wegen
all dieser Punkte ist es wichtig, dass wir der Ukraine helfen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Ich bin sehr froh, dass wir diese Woche ein großes
Stück weiterkommen mit dem Antrag der Koalition, den wir nachher noch beraten und
dann hoffentlich auch beschließen werden; denn all das sollte so nicht
weitergehen.</p>
<p klasse="J">Ich habe in einem Kinderkrankenhaus mit der
Chefärztin gesprochen, die während der Besatzung von Cherson bei 100 Kindern eine
Behandlung vorgetäuscht hat, weil sie nicht wollte, dass diese Kinder deportiert
werden – wie es über 10 000 Kindern in den besetzten Gebieten ging, die jetzt mit
neuer Identität in Russland zur Adoption freigegeben wurden, teilweise verkauft
wurden. Sie hat das in einem Kinderkrankenhaus getan, das vor meinem Besuch
bombardiert worden war und das auch nach meinem Besuch bombardiert wurde – so, wie
inzwischen über zwei Drittel der Krankenhäuser in der Ukraine bombardiert worden
sind.</p>
<p klasse="J">Das ist der systematische Terror vor Ort. Mit dem
müssen wir uns deswegen hier auch mit der nötigen Ernsthaftigkeit beschäftigen,
gerade in diesem Saal und auf diesen Stühlen. Unsere ukrainischen Kolleginnen und
Kollegen verfolgen heute auch diese Debatte. Am Tag der Invasion kamen sie in ihrem
Parlament zusammen und haben den Kriegszustand beschlossen. Danach wurden ihnen im
Parlamentsgebäude Waffen ausgehändigt, um die Stadt zu verteidigen. So ernsthaft
ist die Situation dort.</p>
<p klasse="J">Ich möchte, dass das in keinem Land und nie wieder
nötig ist. Deswegen müssen wir die Ukraine unterstützen, meine Damen und
Herren.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP, der SPD, der CDU/CSU und dem
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Der nächste Redner ist Thomas Erndl für die
CDU/CSU-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015402900">
<p klasse="redner"><a id="r34"/><redner
id="11004709"><name><vorname>Thomas</vorname><nachname>Erndl</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Thomas Erndl (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Ja, wir müssen ernsthaft debattieren über unsere Sicherheit. Deswegen
sind minus 0,3 Prozent Wirtschaftswachstum bei dieser Bundesregierung, über die wir
in der vorigen Debatte gesprochen haben, nicht nur ein Debakel für den
Wirtschaftsstandort Deutschland, sondern vor allem ein Debakel für unsere
Sicherheit; denn ohne wirtschaftliche Stärke ist weder eine kräftige Unterstützung
der Ukraine noch die Anschaffung entsprechender Ausrüstung, wie wir sie in
Deutschland und in Europa brauchen, möglich.</p>
<p klasse="J">„Ohne Sicherheit ist alles … nichts“, hat der Kanzler
auf der Münchner Sicherheitskonferenz gesagt. Aber Sicherheit gibt es eben nur,
wenn wir sie umfassend denken, und das ist bei dieser Bundesregierung zwei Jahre
nach dem russischen Angriff auf die Ukraine nicht umfassend sichtbar.</p>
<p klasse="J">In der Rede vor zwei Jahren zur Zeitenwende hatte der
Kanzler es richtig beschrieben: Putin will ein russisches Imperium errichten. Er
will die Verhältnisse in Europa nach seinen Vorstellungen grundlegend neu ordnen.
Wir hingegen, meine Damen und Herren, haben andere Vorstellungen. Das Recht des
Stärkeren darf sich nicht durchsetzen; da sind wir uns einig. Wir müssen aber
verstehen: Unsere Feinde verstehen nur die Sprache der Stärke. Wenn wir Sicherheit
wollen, müssen wir Stärke ausstrahlen, und zwar auf allen Ebenen: militärisch,
gesellschaftlich, aber auch wirtschaftlich. Nur die Sprache der Stärke wird
respektiert. Das bedeutet, Sicherheit muss in allen Bereichen immer mitgedacht
werden. Es muss in allen Bereichen immer mitgedacht werden: Was macht uns stärker?
Was macht uns schwächer? Nach der Rede zur Zeitenwende wurde das in dieser
Bundesregierung leider viel zu schnell vergessen.</p>
<p klasse="J">Es fängt schon bei der Kommunikation an. Wenn
wir gesellschaftlichen Zusammenhalt, gesellschaftliche Stärke wollen, dann brauchen
wir eine Regierung, die auch erklärt. Ein wortkarger Kanzler wird dieser
Herausforderung schon mal nicht gerecht.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Wenn wir es umfassend betrachten, dann müssen wir uns
auch ehrlich machen. Wir können nicht gleichzeitig das maximal teuerste
Sozialsystem haben, den maximal teuersten Pfad beim Klimaschutz beschreiten, eine
schrumpfende Wirtschaft in Kauf nehmen, aber glauben, wir könnten zugleich
ausreichend in unsere Sicherheit investieren. Das wird nicht funktionieren, meine
Damen und Herren.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Dabei geht es nicht um das Ausspielen
unterschiedlicher Gruppen – wir wollen ja keinen Kahlschlag; selbstverständlich
wollen auch wir Entwicklungszusammenarbeit –, es geht um Abwägung, um
Prioritätensetzung.</p>
<kommentar>(Deborah Düring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Steht aber
nicht in Ihrem Antrag!)</kommentar>
<p klasse="O">Wir nennen das politische Führung. Hier versagen
diese Regierung und die Koalition in diesem Haus völlig.</p>
<p klasse="J">Aus der SPD hören wir: Rente gegen Rüstung. Das kann
doch nicht Ihr Ernst sein! Ihre Fraktion hat hier völlig den Kompass verloren.</p>
<kommentar>(Marianne Schieder [SPD]: Ihr habt ihn
verloren!)</kommentar>
<p klasse="J">Stärke ausstrahlen auf allen Ebenen heißt auch,
überlegene Technologien im Köcher zu haben. Wir brauchen Ideen und Innovationen.
Start-ups im Verteidigungsbereich haben aber immer noch Schwierigkeiten, an
Finanzierungen zu kommen. Wir brauchen endlich einen Schnitt bei den Taxonomie-
Regeln. Und auch die Zivilklauseln an den Universitäten müssen endlich weg.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Zuruf der Abg.
Sara Nanni [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="J">Wir haben keine Zeit mehr. Die Zeitenwende ist zur
Zeitlupenwende verkümmert.</p>
<kommentar>(Zuruf der Abg. Marianne Schieder [SPD])</kommentar>
<p klasse="J">Und ja, ich wünsche mir bei den großen Fragen mehr
Einigkeit in diesem Haus. Sicherheit ist eine umfassende Anforderung an die
Politik. Aber ich glaube, es ist wichtig, dass erst einmal Einigkeit in der
Regierung, in der Regierungskoalition sichtbar wird. Dann können wir uns auf die
wichtigen, auf die großen Fragen konzentrieren, wie wir sie hier in unserem Antrag
beschrieben haben.</p>
<kommentar>(Marianne Schieder [SPD]: Der ist nicht so groß, wie du
ihn hier darstellst! – Deborah Düring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was sind denn Ihre
Vorschläge?)</kommentar>
<p klasse="O">Unterstützen Sie unseren Antrag, damit wir umfassend
an unserer Sicherheit arbeiten können.</p>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Kommen Sie bitte zum Schluss, Herr Kollege.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004709"><name><vorname>Thomas</vorname><nachname>Erndl</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Thomas Erndl (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Diese Regierung, diese Koalition macht Deutschland
jeden Tag ein Stück unsicherer.</p>
<p klasse="J">Herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Der nächste Redner ist Jörg Nürnberger für die SPD-
Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP – Ulrich Lechte [FDP]: Jetzt kommt wieder
Balsam für die Ohren!)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015403000">
<p klasse="redner"><a id="r35"/><redner
id="11005169"><name><vorname>Jörg</vorname><nachname>Nürnberger</nachname><fraktion
>SPD</fraktion></name></redner>Jörg Nürnberger (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Sehr geehrte Frau Wehrbeauftragte! Bundeskanzler Olaf Scholz hat
bereits im Februar 2022, unverzüglich nach dem barbarischen Überfall Russlands auf
die Ukraine, noch im gleichen Monat, den Eintritt einer Zeitenwende festgestellt
und, Herr Merz, sofort die notwendigen Maßnahmen zur Unterstützung der Ukraine und
für eine wirksame Landes- und Bündnisverteidigung eingeleitet. Nun schreiben Sie
heute in Ihrem Antrag von der Union, die Bundesregierung sei seither „über das
Stadium der Ankündigung nicht hinausgekommen“. Das ist schlichtweg falsch</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">und kann an einer Vielzahl von Beispielen einfach
widerlegt werden. Nur einige Beispiele:</p>
<p klasse="J">Besonders deutlich wird das bei dem im Sommer 2022
beschlossenen Sondervermögen für die Bundeswehr in Höhe von 100 Milliarden Euro. Da
waren wir auch noch gemeinsam auf dem Weg.</p>
<p klasse="J">Wir beschleunigen die Beschaffung für die Bundeswehr.
Deutschland hat in diesem Jahr erstmals das im Jahr 2002 – das darf man auch nicht
vergessen – in Prag auf dem NATO-Gipfel vereinbarte 2-Prozent-Ziel erreicht, das
später, 2014, bestätigt wurde.</p>
<p klasse="J">Bereits seit 2014 engagiert sich Deutschland im
Rahmen der Enhanced Forward Presence im Baltikum zur Sicherung der NATO-Ostflanke.
Wir werden jetzt dort eine Brigade stationieren, wodurch wir 5 000 Soldaten und
Soldatinnen in den Einsatz bringen, um diese Ostflanke noch besser verteidigen zu
können. Auch das ist Ausdruck einer praktischen Umsetzung der Zeitenwende.</p>
<p klasse="J">Im Juni 2023 hat die Bundesregierung die erste
Nationale Sicherheitsstrategie in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
überhaupt verabschiedet. Innere und äußere Sicherheit werden hier miteinander
verknüpft, Bedrohungen analysiert und klare Handlungsnotwendigkeiten abgeleitet. –
Herr Merz, Sie haben hier nur eine kleinliche, oberflächliche Kritik an Details
geübt. Das bringt uns nicht weiter.</p>
<kommentar>(Peter Beyer [CDU/CSU]: Gucken Sie sich das Ding mal
an!)</kommentar>
<p klasse="J">Am vergangenen Freitag haben der ukrainische
Präsident Selenskyj und Bundeskanzler Scholz in Berlin eine Vereinbarung für
langfristige Sicherheitszusagen unterzeichnet. Darin ist unter anderem festgelegt,
dass Deutschland die Unabhängigkeit der Ukraine bei der Verteidigung gegen den
russischen Angriffskrieg weiterhin unterstützen wird, und zwar so lange wie nötig.
Außerdem geht es auch um geplante Unterstützungsleistungen beim Wiederaufbau des
zerstörten Landes.</p>
<p klasse="J">Erst gestern – das ist heute noch mit keinem Wort
erwähnt worden – hat die EU das 13. Sanktionspaket gegen Russland beschlossen. Die
Maßnahmen werden rund 200 weitere Personen, Unternehmen und Organisationen
treffen.</p>
<p klasse="J">Und auch das ist ein Teil unserer Sicherheitspolitik:
Wir engagieren uns im Rahmen der UNO, der NATO und der EU an verschiedenen Orten
der Welt, um Konflikte entweder zu befrieden oder Bedrohungen abzuwehren. Dazu
gehört unter anderem das morgen zur Abstimmung stehende Mandat EUNAVFOR Aspides im
Roten Meer, zu dem Sie als Union Ihre Zustimmung angekündigt haben. Das finden wir
wirklich gut. – Deutschland beteiligt sich eben aktiv an der Erreichung von Frieden
und Sicherheit auf der Welt.</p>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Kollege Erndl hat
es ja gerade angeführt: „Ohne Sicherheit ist alles … nichts“. So hat es
Bundeskanzler Scholz auf der Münchner Sicherheitskonferenz am vergangenen
Wochenende in Anlehnung – und das sollte man auch nicht vergessen, Herr Erndl – an
die wirklich weisen Worte von Willy Brandt gesagt, und das wird sich auch künftig
in unseren Verteidigungsausgaben widerspiegeln müssen.</p>
<p klasse="J">Wir brauchen nicht nur höhere Ausgaben, sondern wir
brauchen vor allen Dingen auch einen Aufbau und die Nachhaltigkeit von Kapazitäten
in der Industrie, um Rüstungsgüter und Waffen auch produzieren zu können.</p>
<kommentar>(Dr. Johann David Wadephul [CDU/CSU]: Dann erhöht doch
mal!)</kommentar>
<p klasse="O">Wir müssen uns nämlich auf einen langanhaltenden,
systemischen Konflikt mit dem autoritären Regime in Russland einstellen, das schon
jetzt versucht, mit hybriden Maßnahmen Spaltpilze in unserer Gesellschaft zu säen
und uns damit zu schwächen.</p>
<kommentar>(Ulrich Lechte [FDP]: Freiheit und Demokratie werden
täglich verteidigt!)</kommentar>
<p klasse="J">Was wir brauchen, ist eine breite gesellschaftliche
Debatte über die Zukunft unserer Sicherheits- und Verteidigungspolitik.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD)</kommentar>
<p klasse="O">Möglicherweise werden nicht einmal die 2 Prozent
ausreichen, um in Zukunft die Verteidigungsfähigkeit sicherzustellen. Wir müssen
die Debatte um die Verteilung der uns zur Verfügung stehenden Mittel führen, und
wir müssen auch darüber nachdenken, wie wir diese Mittel überhaupt aufstellen und
wo sie herkommen. Dazu habe ich von der Union überhaupt keinen Vorschlag
gehört.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP – Marianne Schieder [SPD]: Eben! – Zuruf von
der CDU/CSU: Das müsst ihr mal sagen! – Ulrich Lechte [FDP]: Welche Überraschung!
Ist ja auch keine Serviceopposition!)</kommentar>
<p klasse="J">Eine Erkenntnis ist in dieser ganzen Debatte zu
berücksichtigen: Eine aktuelle Studie des Zentrums für Militärgeschichte und
Sozialwissenschaften der Bundeswehr zeichnet ein durchaus positives Bild. Die große
Mehrheit, 86 Prozent der Bevölkerung, steht hinter unserer Bundeswehr. Es ist an
uns, sie sachgerecht auszustatten und ihr die richtigen Aufträge zu geben.</p>
<p klasse="J">Und, Herr Erndl: Sozialabbau ist keine Maßnahme zur
Erhöhung der inneren Sicherheit.</p>
<kommentar>(Dr. Ralf Stegner [SPD]: Ganz gewiss nicht!)</kommentar>
<p klasse="O">Ganz im Gegenteil: Wenn Sie Sozialabbau fordern, wird
das eher die Situation in Deutschland weiter schwierig gestalten.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Ulrich Lechte [FDP] – Ulrich Lange [CDU/CSU]:
Zuhören! Das hat er nicht gesagt!)</kommentar>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen, am Ende geht es
eigentlich nur um einen Angriff, und das ist der Angriff von Oppositionsführer
Friedrich Merz auf die Regierungskoalition. Diesen Angriff werden wir aber
abwehren, und daher lehnen wir Ihren Antrag ab.</p>
<kommentar>(Lachen des Abg. Peter Beyer [CDU/CSU] – Zuruf des Abg.
Dr. Johann David Wadephul [CDU/CSU])</kommentar>
<p klasse="J">Wir sollten unseren Weg als demokratische Mitte
weiterhin gemeinsam gehen. Parteitaktik darf tatsächlich keine Rolle spielen. Es
gilt der alte Grundsatz: Erst das Land, dann die Partei und dann vielleicht noch
die Einzelinteressen von Personen.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank, dass Sie mir zugehört haben.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Der nächste Redner ist Dr. Gregor Gysi für die
Gruppe Die Linke.</p>
<kommentar>(Anhaltender Beifall bei der Linken)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015403100">
<p klasse="redner"><a id="r36"/><redner
id="11000756"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Gregor</vorname><nachname>Gysi</
nachname><fraktion>Die Linke</fraktion></name></redner>Dr. Gregor Gysi (Die
Linke):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Die außen- und sicherheitspolitischen Herausforderungen für unser Land haben in der
Tat zugenommen,</p>
<kommentar>(Ulrich Lechte [FDP]: Ach!)</kommentar>
<p klasse="O">und wir könnten wirklich eine Zeitenwende
gebrauchen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="O">Aber was die Union mit dem Antrag und auch die
Koalitionsfraktionen wollen, ist eine Zeitenwende hin zu massiver Aufrüstung, zu
einem noch stärkeren Waffenexport, nicht zu einer Verteidigungsfähigkeit, sondern
zu einer Kriegstüchtigkeit der Bundeswehr, zu zunehmenden Konfrontationen.</p>
<kommentar>(Dr. Johann David Wadephul [CDU/CSU]: Das entspricht
doch nicht Ihrem Intellekt, was Sie da sagen!)</kommentar>
<p klasse="J">Jetzt ist schon nicht mehr von 2 Prozent des
Bruttoinlandsprodukts bei der Bundeswehr und der Aufrüstung die Rede; jetzt soll es
schon um 4 Prozent gehen, das heißt, nicht mehr um 80 Milliarden Euro, sondern um
160 Milliarden Euro.</p>
<kommentar>(Zuruf von der Linken: Unglaublich! – Ulrich Lechte
[FDP]: Wir werden uns nicht mit Wattebäuschchen verteidigen können!)</kommentar>
<p klasse="O">Wollen Sie einen Zustand erreichen, bei dem für den
sozialen Ausgleich und Investitionen nichts mehr zur Verfügung steht?</p>
<p klasse="J">Was wir wirklich benötigen, ist eine Zeitenwende in
Richtung von deutlich mehr Diplomatie,</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="O">Interessenausgleich, von friedlichen
Konfliktlösungen, der strikten Wahrung des Völkerrechts durch alle Seiten und einer
neuen Friedensordnung in Europa, in die Russland so mit einbezogen wird, dass wir
künftig in Europa Kriege, auch durch Russland, ausschließen können.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="O">Einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg wie den
Russlands gegen die Ukraine darf es nie wieder geben.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken sowie des Abg. Klaus Ernst
[BSW])</kommentar>
<p klasse="J">Der Westen konnte nach dem Ende des Kalten Krieges
und der Systemkonfrontation nicht aufhören, zu siegen, und die NATO brach mit dem
Krieg gegen Serbien und der Lostrennung des Kosovo als Erste das Völkerrecht.</p>
<kommentar>(Jörg Nürnberger [SPD]: Immer die gleiche Geschichte! –
Ulrich Lechte [FDP]: Nicht die alte Nummer wieder! Immer wieder die ollen
Kamellen!)</kommentar>
<p klasse="O">Auch der Krieg der USA gegen den Irak war
völkerrechtswidrig.</p>
<p klasse="J">Das hat Schule gemacht. Diese Entwicklung ist fatal,
hat Kriege wieder zu einer fürchterlichen Normalität werden lassen und droht nun
dazu zu führen, dass die Welt in einen Rüstungswettlauf gerät.</p>
<p klasse="J">Und es ist wieder ein sozialdemokratischer Kanzler,
der eine Debatte darüber eröffnet, dass das Geld für diese Art Zeitenwende beim
sozialen Zusammenhalt eingespart werden soll, und die SPD-Spitzenkandidatin für die
Europawahl träumt von einer EU-Atombombe.</p>
<p klasse="J">Wir bekommen für 2,8 Millionen von Armut bedrohte
Kinder in unserem Land keine vernünftige Grundsicherung hin, weil angeblich die
12 Milliarden Euro fehlen,</p>
<kommentar>(Zuruf von der Linken: Das ist eine
Schande!)</kommentar>
<p klasse="O">und nun will man das Zigfache davon per Zeitenwende
für Panzer, Raketen und Kampfflugzeuge ausgeben.</p>
<kommentar>(Zuruf von der Linken: Unglaublich!)</kommentar>
<p klasse="O">Sind Sie in der SPD denn von allen guten Geistern
verlassen?</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des
BSW)</kommentar>
<p klasse="O">Ist Ihnen das Erbe von August Bebel und Willy Brandt
gar nichts mehr wert?</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Ottmar Wilhelm von Holtz [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="J">Ja, wir brauchen eine Zeitenwende. Aber die muss doch
darin bestehen, die Ursachen von Kriegen zu beseitigen, und nicht darin, das Land
kriegstüchtig zu machen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des
BSW)</kommentar>
<p klasse="O">Für Willy Brandt war der Krieg die Ultima
Irratio.</p>
<kommentar>(Marianne Schieder [SPD]: Reden Sie mal mit Ihrem Freund
Putin! Vielleicht geht es auch ohne!)</kommentar>
<p klasse="O">Ich sage Ihnen: Wir müssen wieder mehr Brandt
wagen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken – Jörg Nürnberger [SPD]: Bei
Willy Brandt hatten wir 4 Prozent! – Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann [FDP]:
4 Prozent vom BIP bei Willy Brandt!)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Das Wort erhält Sara Nanni für Bündnis 90/Die
Grünen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015403200">
<p klasse="redner"><a id="r37"/><redner
id="11005164"><name><vorname>Sara</vorname><nachname>Nanni</nachname><fraktion>BÜND
NIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Sara Nanni (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Präsidentin! Liebe Wehrbeauftragte!
Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Die Union hat heute einen
Antrag vorgelegt. Es geht um die Frage, ob wir in Anbetracht der
sicherheitspolitischen Herausforderungen, vor denen wir stehen, das Richtige tun
und ob wir genug tun.</p>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen der Union, Sie kennen
mich ja. Sie kennen mich aus dem Verteidigungsausschuss, Sie kennen meine Reden
hier im Plenum. Und Sie wissen auch, dass mir vieles nicht schnell genug geht und
dass ich mir bei Teilen der Bundesregierung noch ein höheres Bewusstsein für den
Ernst der Lage wünschen würde. Ich bin keine, die die Dinge schönredet. Die Art und
Weise, wie Sie in Ihrem Antrag so tun, als wäre nichts passiert, ist aber wirklich
dreist.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Es gibt in Ihrem Antrag zwei Kategorien von
Forderungen: solche, die schon längst eingelöst sind oder gerade dabei sind,
eingelöst zu werden, wie die bessere Ausstattung der Bundeswehr, die
Weiterentwicklung der Sanktionen, aber auch die Anerkennung der existenziellen
Bedrohung durch Russland,</p>
<kommentar>(Ulrich Lechte [FDP]: Das 13. Paket ist
verhandelt!)</kommentar>
<p klasse="O">und solche, die mit sehr hohen zusätzlichen Ausgaben
einhergehen würden. Viele davon finde ich sogar richtig; viele davon versuchen wir
auch aus dem Parlament heraus voranzutreiben – Beispiele: Gesamtverteidigung,
Schutz der kritischen Infrastruktur.</p>
<p klasse="J">Ich erinnere Sie an dieser Stelle nur ungern daran,
dass es die Union war, die bei den Verhandlungen zum Sondervermögen genau diesen
Bereich ausgespart und es als Gedöns abgetan hat.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und des Abg. Ulrich Lechte [FDP])</kommentar>
<p klasse="O">Sie wollten dafür damals kein Geld zur Verfügung
stellen. Ich heiße Sie trotzdem herzlich willkommen im 21. Jahrhundert; immerhin
diese Position der Union hat sich geändert.</p>
<p klasse="J">Sie schreiben in Ihrem Antrag, „Verlässlichkeit und
Planbarkeit bei der Finanzierung aller sicherheits- und verteidigungsrelevanten
Bereiche“ sollten „unter Einhaltung der Schuldenbremse“ hergestellt werden. Wenn
ich am Wochenende in München bei der Sicherheitskonferenz eine Sache häufiger
gehört habe als alles andere, dann ist es das Unverständnis der internationalen
Partner über die deutsche Finanzdebatte, über die Schuldenbremse, über die Politik
des Sparen-Wollens in Zeiten multipler Krisen. Und das geht auch auf Ihre
Kappe.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD
sowie der Abg. Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann [FDP] – Florian Hahn [CDU/CSU]:
Das liegt daran, dass Sie nur mit Toni Hofreiter gesprochen haben!)</kommentar>
<p klasse="J">Die Union legt einen Antrag vor, den man eigentlich
überschreiben könnte mit: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass! – Das ist
das, was Sie hier fordern. Damit können Sie vielleicht in Ihren Reihen den einen
oder anderen überzeugen; vielleicht gibt es da nicht so viele, die gut rechnen
können. Aber ich sage Ihnen was: Wenn demnächst die neuen Minimum Capacity
Requirements der NATO kommen, dann werden wir allein für die Verteidigung schon
über Summen reden müssen, die sich schwerlich mit einem Sparhaushalt finanzieren
lassen.</p>
<kommentar>(Friedrich Merz [CDU/CSU]: Welchen Sparhaushalt denn? –
Dr. Johann David Wadephul [CDU/CSU]: Sprechen Sie mit der SPD, oder mit wem
sprechen Sie hier?)</kommentar>
<p klasse="O">– Den Sie wollen, Herr Merz, den Sparhaushalt.</p>
<p klasse="J">Von einem erweiterten Verständnis davon, was
Sicherheit bedeutet – die Kolleginnen und Kollegen haben das ja angesprochen, Sie
im Antrag auch ein bisschen; das will ich gar nicht unterminieren –, will ich gar
nicht reden. Sie machen sich hier einen ganz schlanken Fuß. Ehrlich geht ganz
anders.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Diese Bundesregierung hat so viele gute
Entscheidungen getroffen</p>
<kommentar>(Florian Hahn [CDU/CSU]: Ah!)</kommentar>
<p klasse="O">und auch in der Sicherheits- und in der Außenpolitik
so viele richtige Entscheidungen getroffen</p>
<kommentar>(Florian Hahn [CDU/CSU]: Ah!)</kommentar>
<p klasse="O">wie keine andere Bundesregierung vor ihr.</p>
<kommentar>(Lachen des Abg. Matthias Moosdorf [AfD] – Stefan Müller
[Erlangen] [CDU/CSU]: Geht es auch eine Nummer kleiner?)</kommentar>
<p klasse="J">Der Kollege Röttgen hat es gestern selber gesagt:
Nach der Annexion der Krim ist der Umbruch ausgeblieben. Alexej Nawalny wurde
damals vergiftet; aber Nord Stream 2 wurde nicht beerdigt. Die CDU-geführte
Bundesregierung hat nichts gemacht. Und auch sonst: einfach business as usual. –
Das war der Vorwurf Röttgens an die eigene Regierungszeit, und der ist genau
richtig.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg.
Ulrich Lechte [FDP])</kommentar>
<p klasse="J">Und ja, die Zeiten in der Ampel sind turbulent, und
wir sind uns nicht immer sofort einig.</p>
<kommentar>(Peter Beyer [CDU/CSU]: Das ist die Untertreibung des
Jahres!)</kommentar>
<p klasse="O">Aber wenn wir irgendwas nicht machen, dann business
as usual.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Ich glaube, die Union wäre gar nicht in der Lage und
hätte gar nicht die Kraft, Entscheidungen von dieser Tragweite selber zu treffen,
wenn sie hier an der Regierung wäre.</p>
<kommentar>(Lachen bei Abgeordneten der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Das sieht man an Ihrem Antrag. Sie machen sich an der
Stelle ganz klein. Wer den Antrag gründlich liest, versteht das auch. Deswegen
werden wir ihn selbstverständlich ablehnen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD
sowie bei Abgeordneten der FDP – Hannes Gnauck [AfD], an die CDU/CSU gewandt: Das
soll Ihr neuer Koalitionspartner werden? Dann viel Erfolg!)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Nächste Rednerin ist Sevim Dağdelen für die Gruppe
BSW.</p>
<kommentar>(Beifall beim BSW – Konstantin Kuhle [FDP]: Sie ist
wieder da! – Ulrich Lechte [FDP]: Jetzt kommt Sevims Märchenstunde!)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015403300">
<p klasse="redner"><a id="r38"/><redner
id="11003746"><name><vorname>Sevim</vorname><nachname>Dağdelen</nachname><fraktion>
BSW</fraktion></name></redner>Sevim Dağdelen (BSW):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Herr
Friedrich Merz, Ihr fataler Antrag müsste eigentlich den Titel „Deutschland muss
Russland den Krieg erklären“ tragen.</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Florian Hahn [CDU/CSU])</kommentar>
<p klasse="O">Im Überbietungswettbewerb mit der Bundesregierung
setzen Sie nämlich auf Eskalation und wollen die Schwelle zur direkten
Kriegsbeteiligung Deutschlands überschreiten. Was Sie hier wollen, ist der Einstieg
in eine Kriegswirtschaft mit fast 200 Milliarden Euro jährlich für Rüstung. Das
wäre dann auch das Ende des Sozialstaats in Deutschland. Ich fordere Sie auf, den
Bürgern ehrlich mitzuteilen, was Sie vorhaben.</p>
<kommentar>(Beifall beim BSW)</kommentar>
<p klasse="J">Sie geben vor, sich um die Sicherheit Europas zu
sorgen. Das Einzige aber, das Sie erreichen, ist die massive Gefährdung der
Sicherheit der Bevölkerung in Deutschland. Statt endlich für Diplomatie und
Verhandlungen einzutreten, will die Union den Krieg, so heißt es, tief nach
Russland tragen, in die russischen Großstädte. Sie schreien nach immer mehr und
immer schwereren Waffen, um Ministerien, Straßen und Brücken in Russland zu
treffen. Dabei wissen Sie: Das ist kein Verteidigungskrieg. Russland hat
Deutschland nicht angegriffen, meine Damen und Herren.</p>
<kommentar>(Dr. Marcus Faber [FDP]: Nein, aber die Ukraine! – Otto
Fricke [FDP]: So würden Sie bei Putin auch argumentieren?)</kommentar>
<p klasse="O">Deshalb fordern wir einen Waffenstillstand und
Verhandlungen. Wir sagen: Das Sterben muss beendet werden.</p>
<kommentar>(Beifall beim BSW sowie des Abg. Matthias W. Birkwald
[Die Linke])</kommentar>
<p klasse="J">Der ukrainischen Regierung laufen die Männer davon,
weil sie sich nicht in einem sinnlosen, nicht gewinnbaren Krieg verheizen lassen
wollen.</p>
<kommentar>(Ulrich Lechte [FDP]: Falscher Parteiname! Es sollte
eigentlich „BSD“ heißen!)</kommentar>
<p klasse="O">Und Sie setzen auf die deutsche Wunderwaffe Taurus,
um, wie Sie es sagen, den – Zitat – „Sieg über Russland“ erringen zu können. Ich
finde es weder verantwortungsvoll noch anständig, weiter Ukrainer für diesen
Stellvertreterkrieg zu verheizen.</p>
<kommentar>(Marianne Schieder [SPD]: Ja, was schlagen Sie vor?
Sagen Sie mal, was Sie dann wollen! – Zuruf der Abg. Rasha Nasr [SPD])</kommentar>
<p klasse="O">Wir müssen den Frieden gewinnen und nicht den Krieg,
meine Damen und Herren.</p>
<kommentar>(Beifall beim BSW – Marianne Schieder [SPD]: Und wie?
Haben Sie das Putin schon gesagt? – Ulrich Lechte [FDP]: Ah, Sie sind der
Friedensengel!)</kommentar>
<p klasse="J">Deshalb fordern wir Sie auf: Hören Sie auf, weiter in
einem Fieberrausch für schwerere, immer schwerere Waffen zu trommeln, statt
diplomatische Initiativen zu unternehmen, um das Sterben in der Ukraine zu beenden!
</p>
<kommentar>(Ulrich Lechte [FDP]: Das ist ein Fehler da oben! Das
heißt eigentlich „BSD“, nicht „BSW“!)</kommentar>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall beim BSW – Marianne Schieder [SPD]: Na, Sie
haben doch gute Beziehungen! – Ulrich Lechte [FDP]: Auf Wiedersehen!)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Der letzte Redner in dieser Aussprache ist
Dr. Karamba Diaby für die SPD-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015403400">
<p klasse="redner"><a id="r39"/><redner
id="11004259"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Karamba</vorname><nachname>Diaby</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Dr. Karamba Diaby (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Frau
Wehrbeauftragte! Meine sehr verehrten Damen und Herren! „Vision Togo 2030“,
„Nationaler Entwicklungsplan für Côte d’Ivoire“, „Senegal im Aufbruch“: Das sind
nur drei Beispiele für die zahlreichen Zukunftsstrategien der afrikanischen
Staaten. Sie definieren klar ihre eigenen Ziele und Erwartungen an die
internationale Zusammenarbeit.</p>
<p klasse="J">Was heißt das für unsere Außen- und
Sicherheitspolitik? Für starke Partnerschaften mit den Ländern des Globalen Südens
müssen wir zunächst einmal zuhören. Wir müssen ihre Strategien kennen und sie auch
ernst nehmen. Nur so können wir in der Umsetzung ein guter Partner sein. Dazu
gehört auch, unsere eigenen Interessen ehrlich zu benennen und Gemeinsamkeiten
festzulegen, damit wir gemeinsame Ziele erreichen können.</p>
<p klasse="J">Liebe Union, ich muss Sie enttäuschen: Ihr Antrag
wird einer Zeitenwende in der Außen- und Sicherheitspolitik nicht gerecht. Ein
Antrag, in dem die afrikanischen Partnerländer nur in einem Satz vorkommen, erfüllt
nicht den Anspruch an unsere internationale Zusammenarbeit.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Sie sagen, wir müssen „Afrika zur Chefsache“ machen.
Ich sage: Lassen Sie uns die afrikanischen Staaten selbst nach ihren Erwartungen
fragen!</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Für eine echte Zeitenwende brauchen wir
Multilateralismus. Unsere Partnerländer suchen sich selbstbewusst aus, mit wem sie
zusammenarbeiten, und die Länder fordern zu Recht endlich gleichberechtigte
Mitbestimmung in internationalen Organisationen. Die Mitgliedschaft der
Afrikanischen Union in der G 20 ist ein starkes Signal und ein Schritt in die
richtige Richtung; aber für eine echte dekoloniale Zeitenwende reicht das nicht. Es
braucht mehr Mitsprache in den Gremien der globalen Gesundheit, der internationalen
Finanzarchitektur und nicht zuletzt im UN-Sicherheitsrat.</p>
<p klasse="J">Liebe Union, Sie sprechen von einer „echten
Zeitenwende“ in der Außen- und Sicherheitspolitik. Ich sage: Sie vergessen dabei
die Entwicklungszusammenarbeit. Und noch schlimmer: Sie vergessen die Hälfte der
Weltbevölkerung. Eine feministische Außenpolitik kommt in Ihrem Antrag überhaupt
nicht vor. Sie wissen, dass die Mitbestimmung von Frauen entscheidend ist für
nachhaltigen Frieden. Sie sollten sich das vielleicht merken: Es gibt keine
Zeitenwende ohne Beteiligung von Frauen.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Meine sehr verehrten Damen und Herren, die
Zeitenwende in unserer Außenpolitik findet längst statt. Sie beginnt in unseren
Köpfen und schlägt sich nieder in den neuen Leitlinien der Häuser. Diese werden
schon jetzt umgesetzt. Fest steht: Zeitenwende bedeutet Gleichberechtigung in
jeglicher Hinsicht. Wir setzen diese echte Zeitenwende längst um.</p>
<p klasse="J">Danke schön.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Damit schließe ich die Aussprache.</p>
<p klasse="J">Wir kommen zu dem Antrag der Fraktion der CDU/CSU auf
Drucksache 20/10379.</p>
<p klasse="J">Es liegen dafür mehrere Erklärungen zur Abstimmung nach
§ 31 unserer Geschäftsordnung vor.<sup>1</sup><fussnote><p><a href="ANL2">Anlagen 2
bis 4</a></p></fussnote></p>
<p klasse="J">Die Fraktion der CDU/CSU hat namentliche Abstimmung
verlangt. Sie haben zur Abgabe Ihrer Stimme nach Eröffnung der Abstimmung wie
gewohnt 20 Minuten Zeit. – Ich höre, dass die Schriftführerinnen und Schriftführer
die Plätze eingenommen haben.</p>
<p klasse="J"><a id="w1"/>Dann eröffne ich die namentliche Abstimmung
über den Antrag auf Drucksache 20/10379. Die Abstimmungsurnen werden um 12.40 Uhr
geschlossen. Das bevorstehende Ende der namentlichen Abstimmung werden wir wie
gewohnt rechtzeitig bekannt geben.<sup>2</sup><fussnote><p>Ergebnis Seite 19626
D</p></fussnote> </p>
<p klasse="J">Wir fahren fort. – Vielleicht gehen Sie nicht alle sofort
raus, damit wir etwas mehr Ruhe im Raum haben.</p>
</tagesordnungspunkt>
<tagesordnungspunkt top-id="Tagesordnungspunkt 8">
<p klasse="J">Ich rufe auf die Tagesordnungspunkte 8 a und 8 c:</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t5"/> a) Beratung des Antrags der
Fraktionen SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP </p>
<p klasse="T_fett"> Zehn Jahre russischer Krieg gegen
die Ukraine – Die Ukraine und Europa entschlossen verteidigen</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_NaS"><a id="t6"/> c) Beratung des Antrags der
Abgeordneten Matthias Moosdorf, Petr Bystron, Tino Chrupalla, weiterer Abgeordneter
und der Fraktion der AfD </p>
<p klasse="T_fett"> Den rechtsstaatlichen Finanz- und
Wirtschaftsstandort Europa nicht durch rechtswidrige Verwendung russischen
Staatsvermögens zerstören</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="J">Über den Antrag der Fraktionen SPD, Bündnis 90/Die Grünen
und FDP werden wir später namentlich abstimmen.</p>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen, zu diesem
Tagesordnungspunkt heiße ich auf der Ehrentribüne den Botschafter der Ukraine,
Seine Exzellenz Herrn Oleksij Makejew, herzlich willkommen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Sehr geehrter Herr Botschafter, mit Ihnen grüßen wir in
freundschaftlicher Verbundenheit das Volk der Ukraine, seinen Präsidenten Wolodymyr
Selenskyj und den Präsidenten der Werchowna Rada, unseren parlamentarischen
Kollegen Ruslan Stefantschuk.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Bitte übermitteln Sie allen unsere Solidarität und unser
ungebrochenes Bestreben für eine Perspektive der Ukraine in Frieden, Freiheit und
territorialer Unversehrtheit, frei von äußerer Bedrohung.</p>
<p klasse="J">Der Deutsche Bundestag wird am kommenden Samstag, dem
zweiten Jahrestag des völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieges gegen die
Ukraine, auch die ukrainische Nationalflagge hissen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Ich freue mich, dass auch die Wehrbeauftragte weiterhin
an unserer Sitzung teilnimmt, und grüße sie auch von dieser Stelle.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Für die Aussprache wurde eine Dauer von 68 Minuten
vereinbart.</p>
<p klasse="J">Wenn Sie alle so weit sind, dann eröffne ich die
Aussprache, und das Wort erhält für die Bundesregierung der Bundesminister der
Verteidigung, Boris Pistorius.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der
FDP)</kommentar>
<rede id="ID2015403500">
<p klasse="redner"><a id="r40"/><redner
id="999990093"><name><vorname>Boris</vorname><nachname>Pistorius</
nachname><rolle><rolle_lang>Bundesminister der
Verteidigung</rolle_lang><rolle_kurz>Bundesminister
BMVg</rolle_kurz></rolle></name></redner>Boris Pistorius, Bundesminister der
Verteidigung:</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten
Damen und Herren Abgeordneten! Sehr geehrter Herr Botschafter! Sehr geehrte Frau
Wehrbeauftragte, liebe Eva Högl! Nach der Debatte zum letzten Tagesordnungspunkt –
das gebe ich unumwunden zu – ist die Versuchung groß, auf die beiden fünften
Kolonnen Moskaus links und rechts des Parlaments einzugehen.</p>
<kommentar>(Marianne Schieder [SPD]: Ja, genau!)</kommentar>
<p klasse="O">Die Versuchung ist auch groß, einzugehen auf die
Forderungen und Äußerungen der Unionsfraktion; aber gerade an Ihre Adresse sage
ich: Es wäre gut, wenn wir uns darauf besinnen würden, worum es jetzt geht, und uns
nicht in Schuldzuweisungen ergehen würden, was angeblich in zwei Jahren nicht
gemacht worden ist, was in 15 Jahren vorher nicht geschehen ist.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der
FDP – Florian Hahn [CDU/CSU]: Das können wir Ihnen leider nicht
ersparen!)</kommentar>
<p klasse="J">Ich würde mir sehr wünschen, dass wir endlich einmal
zur Kenntnis nehmen, dass von allen Beteiligten viele Fehler gemacht worden sind.
Aber jetzt von dieser Bundesregierung unter den aktuellen Rahmenbedingungen, mit
der Schuldenbremse, mit den Restriktionen, die wir haben, zu erwarten, die Fehler
der Vergangenheit in zwei Jahren auszubügeln: Etwas mehr Demut und Konstruktivität
würde ich mir schon wünschen, meine Damen und Herren.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der
FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Ein Satz ist mir nach meinen Besuchen in der Ukraine
besonders in Erinnerung geblieben. Immer wieder sagten mir ukrainische Soldatinnen
und Soldaten während unserer Gespräche: Wir kämpfen dafür, dass unsere Kinder
diesen Kampf nicht noch einmal führen müssen.</p>
<p klasse="J">Für die Ukrainerinnen und Ukrainer geht es um alles.
Deswegen widerstehe ich der Versuchung, auf das andere näher einzugehen; denn es
geht hier um viel, viel mehr, um viel, viel Größeres. Es geht um die Freiheit und
die Sicherheit von über 40 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainern. Es geht um die
Integrität ihres Landes, ihre demokratischen Werte, ihre freiheitliche und
selbstbestimmte Zukunft. Schon vor zehn Jahren haben russische Soldaten diese
gewaltsam angegriffen, indem sie auf der Krim einmarschierten und sie schließlich
völkerrechtswidrig annektierten.</p>
<p klasse="J">Als im Winter vor etwa zehn Jahren Hunderttausende
Menschen auf dem Maidan in Kiew für eine freie und selbstbestimmte Ukraine
demonstrierten und viele starben, hätten die wenigsten es für möglich gehalten,
dass zehn Jahre später immer noch und ein noch schlimmerer brutaler Krieg gegen ihr
Land geführt wird.</p>
<p klasse="J">Lieber Herr Gysi, wenn Sie sich allen Ernstes
hierhinstellen und die Intervention der NATO und Europas in Serbien als Blaupause,
als Rechtfertigung für Putin in diesem Zusammenhang darstellen, kann ich nur sagen:
Sie sollten sich schämen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN und der FDP – Matthias Moosdorf [AfD]: Das ist ein Bruch mit dem Völkerrecht
gewesen!)</kommentar>
<p klasse="J">Das ist ein Krieg, meine Damen und Herren, über
dessen Beginn alleine ein imperialer Herrscher in Moskau entschieden hat, ein
Krieg, der inzwischen seit über 700 Tagen andauert, der Zehntausende unschuldige
Menschenleben gekostet hat und der die Schicksale von ganzen Generationen prägen
wird, ein Krieg, den Putin eben mal so von einem Tag auf den anderen beenden
könnte, indem er seine Truppen aus den besetzten Gebieten bedingungslos
zurückzieht.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren Abgeordneten, Putins Russland
ist und wird auf absehbare Zeit die größte Sicherheitsbedrohung für Europa bleiben.
Das macht auch dieser Antrag deutlich. Ich betone „Putins Russland“; ich sage
ausdrücklich nicht „das russische Volk“.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der
FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Moskau wird nicht nur weiter mit allen Mitteln
versuchen, die Ukraine von der Karte Europas zu tilgen, Putin und das russische
Regime werden auch weiter versuchen, unsere freie Gesellschaft mit Cyberangriffen,
mit gezielten Desinformationskampagnen, mit Propaganda in den sozialen Medien zu
spalten und zu destabilisieren. Unsere Art, frei, selbstbestimmt und in Demokratie
zu leben, ist das eigentliche Feindbild von Putin. Es geht ihm um mehr als die
Ukraine. Er hat Angst vor der Bedrohung – nicht durch die NATO oder eine
widerstandsfähige Ukraine, sondern davor, dass die freie, demokratische Welt ihm
auf die Pelle rückt und sein Regime, seine Macht gefährdet, meine Damen und
Herren.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der
FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Wie wir auf diese russische Bedrohung und den
russischen Krieg in der Ukraine antworten, wird das Leben zukünftiger Generationen
prägen, auch in diesem Land. Deswegen, meine Damen und Herren, müssen wir heute und
auch in Zukunft alles daransetzen, uns dieser Bedrohung mit aller Kraft
entgegenzustellen.</p>
<p klasse="J">Das tun wir, indem wir die tapferen Ukrainerinnen und
Ukrainer in ihrem Freiheitskampf, in ihrem Überlebenskampf unterstützen – mit
Panzern, mit Waffensystemen und Munition, mit Ausbildung und vielem mehr. Allein
für das laufende Jahr sind Ausgaben in Höhe von 7 Milliarden Euro geplant, und wir
werden nicht nachlassen, meine Damen und Herren.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Herr Minister, erlauben Sie eine Zwischenfrage von
Jürgen Hardt aus der CDU/CSU-Fraktion?</p>
<p klasse="redner"><redner
id="999990093"><name><vorname>Boris</vorname><nachname>Pistorius</
nachname><rolle><rolle_lang>Bundesminister der
Verteidigung</rolle_lang><rolle_kurz>Bundesminister
BMVg</rolle_kurz></rolle></name></redner>Boris Pistorius, Bundesminister der
Verteidigung:</p>
<p klasse="J_1">Gerne.</p>
<p klasse="redner"><a id="r41"/><redner
id="11004050"><name><vorname>Jürgen</vorname><nachname>Hardt</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Jürgen Hardt (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Danke schön, Herr Minister, dass Sie die
Zwischenfrage zulassen. – Ich habe eine konkrete Frage an Sie. In dem Antrag findet
sich die Formulierung „Lieferung von zusätzlich erforderlichen weitreichenden
Waffensystemen und Munition.“ Umfasst das für Sie Taurus oder nicht?</p>
<p klasse="redner"><redner
id="999990093"><name><vorname>Boris</vorname><nachname>Pistorius</
nachname><rolle><rolle_lang>Bundesminister der
Verteidigung</rolle_lang><rolle_kurz>Bundesminister
BMVg</rolle_kurz></rolle></name></redner>Boris Pistorius, Bundesminister der
Verteidigung:</p>
<p klasse="J_1">Das kann ich nicht beantworten. Ich habe den Antrag
gelesen; die Antragsteller werden sich ihren Teil dabei gedacht haben.</p>
<kommentar>(Heiterkeit und Beifall bei Abgeordneten der SPD, des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP – Konstantin Kuhle [FDP]: Das kann man wohl
sagen!)</kommentar>
<p klasse="O">Ich bin nicht Mitglied der Fraktion.</p>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, ich will Ihnen mal eins
sagen: Wenn Sie auf der Münchner Sicherheitskonferenz unterwegs sind, auf den
Verteidigungsministertreffen in Brüssel, bei der NATO, bei Shangri-La oder bei
anderen internationalen Begegnungen, dann hören Sie immer wieder: dass Deutschland
Bewunderung erfährt für das, was es für den Kampf der Ukraine leistet; dass
Deutschland bewundert wird für die Konsequenz,</p>
<kommentar>(Peter Beyer [CDU/CSU]: Aber nicht diese
Bundesregierung! – Florian Hahn [CDU/CSU]: Des Kaisers neue Kleider!)</kommentar>
<p klasse="O">mit der es nach anfänglicher Zögerlichkeit Fahrt
aufgenommen hat. Und es ist so typisch für uns: In aller Welt werden wir bewundert
für unsere Leistungsfähigkeit, und hier redet uns die Opposition in Grund und
Boden. Vielen Dank dafür, meine Damen und Herren!</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der
FDP – Florian Hahn [CDU/CSU]: Das glauben nur Ihre eigenen Leute!)</kommentar>
<p klasse="J">Vergangene Woche haben wir mit der Ukraine eine
Sicherheitsvereinbarung beschlossen, die noch einmal unsere dauerhafte militärische
Unterstützung für die nächsten Jahre unterstreicht. Aber, meine Damen und Herren,
die Unterstützung der Ukraine ist das eine. Das andere ist unsere eigene
Verteidigungsfähigkeit und Sicherheit. Unsere gemeinsame Sicherheit kostet. Und,
ja, wer von uns würde nicht lieber in Zeiten leben, in denen es nicht nötig wäre,
viel Geld für Waffen auszugeben? Aber der Kanzler hat es am Wochenende bei der MSC
auf den Punkt gebracht: „Ohne Sicherheit ist alles andere nichts“.</p>
<p klasse="J">Ich erinnere an die Worte von Präsident Selenskyj auf
der Münchner Sicherheitskonferenz. Er sagte: Wir in der Ukraine hatten 2014 die
Zeichen der Zeit erkannt und haben uns vorbereitet auf das, was dann acht Jahre
später tatsächlich passierte. Nur deswegen und dank der Unterstützung aus dem
Westen konnten wir bis heute so erfolgreich standhalten. Und er hat gesagt: Diese
Zeit hat Europa jetzt nicht.</p>
<p klasse="J">Wir reden über eine Zeitspanne von ich weiß nicht wie
vielen Jahren. Aber das spielt keine Rolle, weil wir jetzt alles tun müssen, um
Abschreckung und Verteidigungsfähigkeit, um Kriegstüchtigkeit – ja, meine Damen und
Herren! – zu gewährleisten.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Denn genau darum geht es. In einem Krieg, der gegen
uns geführt werden könnte, bestehen zu können, das ist die Herausforderung. Es
nützt uns nichts, wenn wir das „sugarcoaten“, wie man so schön sagt.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Deswegen ist jetzt die Zeit, dafür zu sorgen, dass
unsere zukünftigen Generationen in Freiheit und in Sicherheit leben können, indem
wir in unsere Sicherheit und in die unserer Partner investieren: mit unserem
Engagement in der NATO, in der Europäischen Union, mit unserer dauerhaften
Stationierung einer Brigade in Litauen und mit unseren nationalen
Verteidigungsausgaben. Und es wird kein Weg daran vorbeiführen, dass wir diese auch
langfristig erhöhen müssen.</p>
<p klasse="J">Gleichzeitig müssen wir mehr oder wieder darüber
sprechen, was es für jede und jeden Einzelnen bedeutet, mehr für unsere eigene
Sicherheit zu tun. Es bedeutet, dass wir mit den Menschen in unserem Land über
diese Themen sprechen, ohne Alarmismus, aber mit klaren Worten, mit Ehrlichkeit.
Ich bin überzeugt: Nur wenn unsere Gesellschaft versteht, was es bedeutet, unsere
eigene Sicherheit zu stärken als Garant dafür, in Freiheit zu leben, wie wir es
wollen, nur dann kann sie auch aktiv dazu beitragen.</p>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, für ein Leben in Frieden,
Freiheit und Demokratie kämpft die Ukraine einen tapferen Kampf. Aber dafür müssen
auch wir als Bundesrepublik Deutschland stehen, als größter NATO-Partner in Europa.
Wir tragen gemeinsam die Verantwortung dafür, dafür zu sorgen, dass auch zukünftige
Generationen ein friedliches und freies Leben hier bei uns führen können.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der
FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Der nächste Redner ist Dr. Johann Wadephul für die
CDU/CSU-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015403600">
<p klasse="redner"><a id="r42"/><redner
id="11004182"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Johann
David</vorname><nachname>Wadephul</nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></
redner>Dr. Johann David Wadephul (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Sehr geehrter Herr Botschafter! Ich denke, im Zentrum dieser und auch der
vorangegangenen Debatte sollte doch insgesamt stehen, dass das Volk der Ukraine und
Ihre Regierung, Herr Botschafter, sich vollständig darauf verlassen kann, dass die
breite Mitte dieses Hauses und damit die breite Mitte der Bundesrepublik
Deutschland hinter Ihnen steht in diesem Kampf um die Freiheit Ihres Volkes, in
diesem Kampf gegen den russischen Aggressor.</p>
<p klasse="J">Ich denke, wir sollten Ihnen hier heute versichern,
dass wir uns alle – zwei Jahre nach dem Überfall, zwei Jahre nach der wichtigen
Rede des Bundeskanzlers zur Zeitenwende – bewusst sind: Wir haben noch eine ganze
Menge Aufgaben vor uns. Sie können sich auf Deutschland verlassen! Wir stehen an
Ihrer Seite!</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD,
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Ich glaube, wir sollten uns diese Dimension, vor der
wir insgesamt stehen – auch Bundesminister Pistorius hat das gerade eben
unterstrichen –, noch einmal bewusst machen. Kollege Faber hat darauf hingewiesen:
Eine Tankfüllung von hier entfernt findet ein schrecklicher Krieg statt, in dem
jeden Tag Hunderte, oftmals über Tausend junge Männer fallen. Das findet nach wie
vor statt.</p>
<p klasse="J">Diesen Krieg führt Russland mit der Unterstützung der
schrecklichsten und barbarischsten Regime, die diese Welt kennt: Das Mullah-Regime
des Iran und Nordkorea stehen an seiner Seite und liefern die jetzt notwendigen
Waffensysteme, insbesondere Drohnensysteme. Mittlerweile gibt es auch Berichte –
das muss überprüft werden; das müssen wir in Peking nachfragen –, wonach sich auch
chinesische Technologie in Drohnensystemen wiederfindet.</p>
<p klasse="J">Deswegen, meine lieben Kolleginnen und Kollegen: Das
ist ein Kampf, den die Ukraine für uns alle führt – gegen Revanchismus, gegen
Regime, die Menschenrechte verachten, die jede regelbasierte Ordnung ablehnen. Und,
meine lieben Kolleginnen und Kollegen, an der Stelle sollten wir zusammenstehen und
das Gemeinsame sehen. Wir sollten gemeinsam sehen, an wessen Seite wir stehen
müssen, nämlich an der Seite der Ukraine. Das ist wichtig. Das ist zentral.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD,
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Deswegen würde ich jetzt ungerne auf unterschiedliche
kleinere und größere Abweichungen eingehen. Keiner der beiden Anträge ist perfekt,
unserer wahrscheinlich auch nicht – es hat ein paar Anmerkungen zur Afrika-Politik
usw. gegeben –; das hat ja nie jemand behauptet. Die Ansicht, dass wir Konflikte
auf dieser Welt nur durch Waffen lösen, vertritt ja in der politischen Debatte
niemand ernsthaft. Und wenn Ihnen dies eine hinreichende Rechtfertigung dafür ist,
dass Sie unserem Antrag nicht zustimmen wollen: Geschenkt! Das ist nicht der
Punkt.</p>
<p klasse="J">Die Frage ist, ob wir insgesamt, ob diese
Bundesregierung die Zeitenwende verstanden hat, sie lebt und wirklich mit aller
Energie versucht durchzusetzen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Daran haben wir erhebliche Zweifel; denn dieser Krieg
wird durch Willen und durch Logistik entschieden. Da kann Deutschland mehr tun, als
es jetzt tut.</p>
<p klasse="J">Und das relative Desinteresse der Bundesregierung
zeigt sich schon daran, dass der einzige Minister, der an der ganzen letzten
Debatte und an dieser Debatte teilgenommen hat, Herr Bundesminister Pistorius ist,
wofür ich ihm ausdrücklich danke. Aber, meine sehr verehrten Damen und Herren, was
muss hier eigentlich im Deutschen Bundestag in der Kernzeit auf die Tagesordnung,
dass Bundeskanzler Scholz hinreichend Zeit und Gelegenheit findet, an den Debatten
des Deutschen Bundestages teilzunehmen?</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Was muss eigentlich geschehen, damit er das versteht?
</p>
<kommentar>(Marianne Schieder [SPD]: Jetzt hören Sie auf! Das ist
doch billiger Populismus!)</kommentar>
<p klasse="O">– Also, wenn Sie jetzt die Aufforderung, dass der
Regierungschef an einer Parlamentsdebatte teilnimmt, als Populismus zeihen, liebe
Frau Kollegin, dann muss ich einmal fragen: Wie weit ist es mit Ihrem
Parlamentsverständnis eigentlich gekommen?</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Peter Beyer [CDU/CSU]: Was
ist das für ein Demokratieverständnis?)</kommentar>
<p klasse="J">Ich will Ihnen auch einen Sachgrund sagen – er soll
ja nicht nur hier sitzen und den Stuhl besetzen –: Ich würde von Bundeskanzler
Scholz in dieser Situation gern wissen, was denn nun das ganz große Problem mit der
Lieferung der Taurus-Raketen ist. Niemand weiß es.</p>
<kommentar>(Thomas Ehrhorn [AfD]: Wenn Sie das nicht verstanden
haben, dann kann ich Ihnen auch nicht helfen!)</kommentar>
<p klasse="O">Nein, wir haben dazu keine rationale Erklärung
bekommen.</p>
<kommentar>(Matthias Moosdorf [AfD]: Einfach mal nachdenken! –
Weitere Zurufe von der AfD)</kommentar>
<p klasse="O">Es gibt auch Möglichkeiten, geheim zu tagen. Es gibt
Möglichkeiten, das hier zu erläutern. Aber wenn es so wichtig ist, die Lieferung
von Taurus aus dem Antrag herauszunehmen, dann zeigt doch gerade diese Herausnahme,
dass dem Bundeskanzler die Nichtlieferung wichtig ist.</p>
<p klasse="J">Meine sehr verehrten Damen und Herren, die
Öffentlichkeit, die Ukraine und der Deutsche Bundestag haben doch einen Anspruch
darauf, zu erfahren, warum das nicht geschieht, wo doch die ganz große Mehrheit des
Hauses im Grunde der Meinung ist, es müsste geschehen. Diese Antwort vom
Bundeskanzler erwarten wir.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Und, meine sehr verehrten Damen und Herren, besonders
dramatisch ist natürlich, dass sogar der Bundesverteidigungsminister, der die
Waffensysteme dann ja zur Verfügung stellt, hier gerade eingeräumt hat: Er weiß
eigentlich auch nicht, warum der Bundeskanzler diese nicht genehmigt.</p>
<kommentar>(Beifall des Abg. Thomas Rachel [CDU/CSU] – Marianne
Schieder [SPD]: Das hat er nie gesagt!)</kommentar>
<p klasse="O">– Das hat er gerade eben in der Debatte gesagt; Sie
sollten vielleicht zuhören.</p>
<kommentar>(Marianne Schieder [SPD]: Nein! Das hat er
nicht!)</kommentar>
<p klasse="O">Im Übrigen kommen jetzt Redner der SPD und können uns
ihr Wissen kundtun. Wir wissen bis jetzt nicht, warum die Lieferung dieses
Waffensystem verweigert wird. Deutschland weiß es nicht.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Zurufe von der
SPD – Matthias Moosdorf [AfD]: Ich erkläre es gleich!)</kommentar>
<p klasse="O">– Es ist so. Bitte, es steht Ihnen gleich frei, das
zu beantworten.</p>
<p klasse="J">In diesem Zusammenhang muss ich sagen: Herr Minister
Pistorius, natürlich können nicht alle Fehler der Vergangenheit geheilt werden. Und
diejenigen der Vergangenheit sind ja unser beider Fehler, weil wir gemeinsam mit
den Sozialdemokraten regiert haben. Aber man muss in dieser historischen Situation
schon das Richtige tun. Und da gibt es mindestens zwei Punkte, die nicht geklärt
sind. Der erste Punkt betrifft die Taurus-Lieferung und der zweite die mangelhafte
Ausstattung der Bundeswehr mit hinreichenden finanziellen Möglichkeiten.</p>
<p klasse="J">Wir haben Sie zu hundert Prozent bei der Forderung
unterstützt, 10 Milliarden mehr für die Bundeswehr bereitzustellen. Die hat Ihnen
nicht nur der Bundeskanzler verweigert, sondern, liebe FDP, auch Finanzminister
Lindner, der gerne Wehrübungen macht, der sich gerne zur Bundeswehr bekennt. Aber
wenn es darauf ankommt, dann steht die Bundeswehr bei Ihnen im Regen, meine sehr
verehrten Damen und Herren. Und das gehört auch zur Zeitenwende; das muss sich in
Zukunft ändern.</p>
<p klasse="J">Herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Auseinandersetzung
in der Sache darf in aller Schärfe geführt werden. Aber die Beleidigungen zwischen
den Reihen – ich spreche jetzt einfach mal niemanden an – habe ich jetzt zufällig
mitbekommen; das Protokoll kann sie wirklich nicht aufnehmen.</p>
<kommentar>(Beatrix von Storch [AfD]: Wurde entschuldigt, wurde
angenommen!)</kommentar>
<p klasse="O">– Ja, wunderbar. Wenn es auch Entschuldigungen gegeben
hat, ist das noch besser. Am besten wäre, Sie machen es gar nicht erst.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Ich hoffe, dass ich davon ausgehen kann, dass alle
Mitglieder des Hauses ihre Stimme bereits abgegeben haben; denn wir liegen schon
über der Zeit. – Jetzt rennen doch einige raus. Können Sie sich bitte sehr beeilen?
Wir müssen nämlich schließen. Ich gebe Ihnen jetzt noch eine Minute. – So, kann
jemand den Daumen hochhalten, ob auch der Letzte seine Stimme abgegeben hat? – Ja,
wunderbar.</p>
<p klasse="J">Dann schließe ich jetzt die Abstimmung und bitte die
Schriftführerinnen und Schriftführer, mit der Auszählung zu beginnen. Das Ergebnis
geben wir Ihnen später bekannt.<sup>1</sup><fussnote><p>Ergebnis Seite 19626
D</p></fussnote></p>
<p klasse="J">Wir können fortfahren in unserer Debatte, und das Wort
erhält Agnieszka Brugger für Bündnis 90/Die Grünen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der
FDP)</kommentar>
<rede id="ID2015403700">
<p klasse="redner"><a id="r43"/><redner
id="11004106"><name><vorname>Agnieszka</vorname><nachname>Brugger</
nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Agnieszka
Brugger (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen
und Herren! Sehr geehrter Herr Botschafter! Sehr geehrte Frau Wehrbeauftragte! Vor
zwei Jahren hat Russland die Ukraine brutal mit einer großangelegten Invasion
überfallen. Seit zehn Jahren führt Wladimir Putin völlig unprovoziert einen
völkerrechtswidrigen Krieg gegen die Menschen dort, der auch das Ziel hat, die
europäische Friedensordnung zu zerstören.</p>
<p klasse="J">Die Menschen in der Ukraine leider unter Terror,
Angst, Tod, furchtbarsten Kriegsverbrechen: Kinder werden entführt, zivile Ziele
skrupellos beschossen, russische Truppen morden, foltern und vergewaltigen. Und
wenn Putin und sein Regime darauf spekulieren, dass wir uns jemals an diese
Verbrechen oder an diesen Krieg gewöhnen, dann ist die ganz klare Botschaft dieser
Debatte: Sie täuschen sich zutiefst! Nicht nur der Mut und der Wille der Ukraine
sind ungebrochen. Auch unser Atem ist lang, und unsere Solidarität ist mehr als
entschieden.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD
sowie bei Abgeordneten der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Das Sicherheitsabkommen, das jüngst unterzeichnet
wurde, untermauert diese Entschiedenheit zur langfristigen Unterstützung und zur
Partnerschaft. Es ist ein wichtiger Schritt und zugleich nicht das Ende des Weges;
denn die Zukunft der Ukraine liegt bei uns in der EU und in der NATO.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD
sowie bei Abgeordneten der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Und unser Antrag bringt glasklar zum Ausdruck: Wir
wollen alles dafür tun, dass mit unserer Unterstützung die Voraussetzungen dafür so
schnell wie möglich erfüllt werden.</p>
<p klasse="J">Lieber Kollege Wadephul, der Ton Ihrer Rede war
anfangs wohltuend anders als der Ton der Redner in der letzten Debatte. Aber am
Ende des Tages machen Sie eines, was ich wirklich verheerend finde: Sie reden
klein, was diese Bundesregierung, dieser Bundestag und die Menschen in unserem Land
in den vergangenen zwei Jahren für die Ukraine getan haben.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der
FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Es gab so viel Unterstützung: mit der Aufnahme von
Geflüchteten, mit einer radikalen Abkehr von Öl und Gas – Putin füllt seine
Kriegskassen aus den Einnahmen aus deren Verkauf –, mit mehr Mitteln für humanitäre
Hilfe und sehr, sehr viel diplomatischem Einsatz auf der ganzen Welt.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">Im Umfang von 18 Milliarden Euro gab es auch breite
militärische Unterstützung, ob bei dem so wichtigen Thema wie der Luftverteidigung
oder eben auch beim Thema Panzer.</p>
<p klasse="J">Ich möchte an dieser Stelle General Freuding und
seinem Team ausdrücklich für ihre exzellente Arbeit danken!</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der
FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Frau Kollegin, erlauben Sie eine Zwischenfrage des
Kollegen Erndl?</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004106"><name><vorname>Agnieszka</vorname><nachname>Brugger</
nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Agnieszka
Brugger (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Nein. – Nur wenn sich die Ukraine erfolgreich
militärisch wehrt, wird Russland dazu gebracht, seinen verbrecherischen, brutalen
Krieg gegen die Freiheit zu beenden. Deshalb müssen wir uns in dieser ernsten Lage
jeden Tag fragen, ob wir genug tun. Dafür braucht es Ernsthaftigkeit und einen
selbstkritischen Blick, und ich würde sagen: von uns allen.</p>
<p klasse="J">So richtig und notwendig der Appell des Kanzlers an
einige, nicht alle, unserer europäischen Partner ist: Es ist gerade für Deutschland
nicht die Zeit für Eigenlob, sondern angesichts der Fehler der Vergangenheit Zeit
für Selbstkritik und noch mehr Einsatz; auch hier spricht unser Antrag eine
deutliche Sprache.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
und der SPD)</kommentar>
<p klasse="O">Denn wenn es insgesamt nicht reicht, wird die Ukraine
sich nicht erfolgreich wehren können, und dann enden auch Gewalt und Terror
nicht.</p>
<p klasse="J">Es wird die Geschichtsbücher nicht interessieren, wer
auf welchem Platz im Ranking bei der Unterstützung der Ukraine stand. Wir müssen
ehrlich in den Spiegel schauen und uns jeden Tag fragen: Tun wir alles, was wir tun
können? Und wir alle wissen doch, was zu tun ist.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und des Abg. Michael Georg Link [Heilbronn] [FDP])</kommentar>
<p klasse="O">So hat die Bundesregierung beispielsweise bei der
lebensnotwendigen Frage der Unterstützung der Ukraine mit Munition bereits einiges
auf den Weg gebracht. Und wir haben keine Sekunde mehr zu verlieren. Auch hier
macht unser Antrag Druck und unterstützt die Bundesregierung bei ihren
Initiativen.</p>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, Wladimir Putin will nicht
verhandeln. Es geht ihm eben nicht um irgendwelche Sicherheitsinteressen, sondern
um seine imperialistische und faschistische Ideologie, die der Ukraine die Existenz
abspricht und die die europäische Friedensordnung zerstören will.</p>
<kommentar>(Thomas Ehrhorn [AfD]: Wer hat denn jemals Verhandlungen
angeboten?)</kommentar>
<p klasse="O">Und die Behauptung, die auch von den Rechtsextremen
hier immer wieder direkt aus den Telegram-Kanälen von Moskau verbreitet wird, dass
Verhandlungen angeblich am Westen oder sogar an der Ukraine gescheitert seien, ist
mittlerweile durch Fakten widerlegt; das ist erstunken und erlogen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der
FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Wie absurd diese Behauptung ist, sieht man daran,
dass auch die Bemühungen anderer Akteure – Brasilien, China, Südafrika oder des VN-
Generalsekretärs António Guterres – gnadenlos gescheitert sind. Putin hat sie nur
mit einem beantwortet, nämlich mit der Teilmobilmachung, mit weiterer Eskalation,
mit mehr Raketen und noch mehr Kriegsverbrechen.</p>
<p klasse="J">Deshalb, meine Damen und Herren, unterstützen wir den
Widerstand der Ukraine mit dem auch im Antrag bekräftigten Ziel, dass der
Kriegsverbrecher Wladimir Putin diesen Krieg verliert und scheitert, und mit dem
Ziel, dass die Ukraine gewinnt und sich behaupten kann. Anders wird es weder ein
Ende der Gewalt geben noch jemals Chancen auf echte Verhandlungen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Wenn wir aufhören, die Ukraine zu unterstützen, dann
gefährden wir auch unsere eigene Sicherheit und Freiheit und geben die
regelbasierte Sicherheitsordnung der Gewalt des Brutaleren preis.</p>
<kommentar>(Zuruf der Abg. Beatrix von Storch [AfD])</kommentar>
<p klasse="O">Und daher ist heute wie morgen und übermorgen klar:
Wir lassen unsere ukrainischen Freundinnen und Freunde nicht im Stich!</p>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Kommen Sie bitte zum Schluss.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004106"><name><vorname>Agnieszka</vorname><nachname>Brugger</
nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Agnieszka
Brugger (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Und wir stehen fest an ihrer Seite.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der
FDP – Beatrix von Storch [AfD]: 20 Jahre ohne Abschluss! Sie sollten sich was
schämen! – Gegenruf der Abg. Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Mein Gott, Sie
sind so hasserfüllt!)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Für eine Kurzintervention erteile ich das Wort dem
Kollegen Erndl.</p>
</rede>
<rede id="ID2015403800">
<p klasse="redner"><a id="r44"/><redner
id="11004709"><name><vorname>Thomas</vorname><nachname>Erndl</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Thomas Erndl (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Frau Kollegin
Brugger, ich nehme an, Sie haben an dem Antragstext mitgewirkt; der Minister hat
uns ja an Sie verwiesen.</p>
<p klasse="J">Ich frage Sie: Umfasst die Formulierung im Antrag
„Lieferung von zusätzlich erforderlichen weitreichenden Waffensystemen und
Munition“ nach Ihrer Ansicht auch die Lieferung von Taurus, ja oder nein?</p>
<kommentar>(Friedrich Merz [CDU/CSU]: Sagen Sie einfach
Ja!)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015403900">
<p klasse="redner"><a id="r45"/><redner
id="11004106"><name><vorname>Agnieszka</vorname><nachname>Brugger</
nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Agnieszka
Brugger (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Kollege Erndl, dieser Antrag
bildet den Konsens in den Koalitionsfraktionen ab, und er ist, ehrlich gesagt, in
vielen Teilen ein großer Fortschritt.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
und der SPD und des Abg. Dr. Marcus Faber [FDP])</kommentar>
<p klasse="O">Sie kennen meine Position.</p>
<kommentar>(Zurufe von der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Sie kennen die Position der grünen
Bundestagsfraktion, nämlich dass wir eine Lieferung von Taurus befürworten
würden.</p>
<kommentar>(Thomas Ehrhorn [AfD]: Die Frage war: Ja oder nein? –
Andreas Mattfeldt [CDU/CSU]: Haben Sie zugestimmt?)</kommentar>
<p klasse="J">Sie wissen aber auch, dass am Ende des Tages diese
Entscheidungen im Bundessicherheitsrat getroffen werden. Und Sie wissen auch, dass
Ihr Antrag, den Sie vorhin zur namentlichen Abstimmung gestellt haben – das haben
hier viele Rednerinnen und Redner ausgeführt –, in der Sache extrem schlecht war
und deshalb die Ablehnung verdient hat.</p>
<kommentar>(Thomas Ehrhorn [AfD]: Die Frage war: Ja oder
nein?)</kommentar>
<p klasse="O">Dass Sie hier immer wieder erzählen, Sie seien ja
immer für die Vollausstattung der Bundeswehr gewesen, Sie seien immer für das 2-
Prozent-Ziel oder für das Ende von Nord Stream 2 gewesen! Warum haben eigentlich
all Ihre Abgeordneten</p>
<kommentar>(Peter Beyer [CDU/CSU]: „Taurus: ja oder nein?“ war die
Frage!)</kommentar>
<p klasse="O">in der Zeit der Regierungsverantwortung nicht den
Anträgen der Opposition zugestimmt?</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">Sie wissen genau wie ich, warum das der Fall war.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP – Beatrix von Storch [AfD]: 20 Jahre
Politikwissenschaft!)</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J"><a id="e1"/>Ich nutze den Moment, um Ihnen das von den
Schriftführerinnen und Schriftführern ermittelte Ergebnis der namentlichen
Abstimmung über den Antrag der Fraktion der CDU/CSU mit dem Titel „Für eine echte
Zeitenwende in der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik“, Drucksache 20/10379,
zu verlesen: </p>
<p klasse="J">Abgegebene Stimmkarten 667. Mit Ja haben gestimmt 182,
mit Nein haben gestimmt 480, es gab 5 Enthaltungen. Damit ist der Antrag
abgelehnt.</p>
<p klasse="AL_Vorspann_1">Endgültiges Ergebnis</p>
<p klasse="AL_Vorspann_2">Abgegebene Stimmen: 666;</p>
<p klasse="AL_Vorspann_2">davon</p>
<p klasse="AL_Vorspann_3">ja: 181</p>
<p klasse="AL_Vorspann_3">nein: 480</p>
<p klasse="AL_Vorspann_3">enthalten: 5</p>
<p klasse="AL_Ja-Nein-Enth">Ja</p>
<p klasse="AL_Partei">CDU/CSU</p>
<p klasse="AL_Namen">Knut Abraham</p>
<p klasse="AL_Namen">Stephan Albani</p>
<p klasse="AL_Namen">Norbert Maria Altenkamp</p>
<p klasse="AL_Namen">Philipp Amthor</p>
<p klasse="AL_Namen">Artur Auernhammer</p>
<p klasse="AL_Namen">Peter Aumer</p>
<p klasse="AL_Namen">Dorothee Bär</p>
<p klasse="AL_Namen">Melanie Bernstein</p>
<p klasse="AL_Namen">Peter Beyer</p>
<p klasse="AL_Namen">Marc Biadacz</p>
<p klasse="AL_Namen">Steffen Bilger</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Brand (Fulda)</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Reinhard Brandl</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Helge Braun</p>
<p klasse="AL_Namen">Silvia Breher</p>
<p klasse="AL_Namen">Sebastian Brehm</p>
<p klasse="AL_Namen">Heike Brehmer</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Breilmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Ralph Brinkhaus</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Carsten Brodesser</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Marlon Bröhr</p>
<p klasse="AL_Namen">Yannick Bury</p>
<p klasse="AL_Namen">Gitta Connemann</p>
<p klasse="AL_Namen">Astrid Damerow</p>
<p klasse="AL_Namen">Alexander Dobrindt</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Donth</p>
<p klasse="AL_Namen">Hansjörg Durz</p>
<p klasse="AL_Namen">Ralph Edelhäußer</p>
<p klasse="AL_Namen">Alexander Engelhard</p>
<p klasse="AL_Namen">Martina Englhardt-Kopf</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Erndl</p>
<p klasse="AL_Namen">Hermann Färber</p>
<p klasse="AL_Namen">Uwe Feiler</p>
<p klasse="AL_Namen">Enak Ferlemann</p>
<p klasse="AL_Namen">Alexander Föhr</p>
<p klasse="AL_Namen">Thorsten Frei</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Frieser</p>
<p klasse="AL_Namen">Ingo Gädechens</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Thomas Gebhart</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Jonas Geissler</p>
<p klasse="AL_Namen">Fabian Gramling</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Ingeborg Gräßle</p>
<p klasse="AL_Namen">Hermann Gröhe</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Grosse-Brömer</p>
<p klasse="AL_Namen">Markus Grübel</p>
<p klasse="AL_Namen">Oliver Grundmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Monika Grütters</p>
<p klasse="AL_Namen">Serap Güler</p>
<p klasse="AL_Namen">Fritz Güntzler</p>
<p klasse="AL_Namen">Olav Gutting</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Haase</p>
<p klasse="AL_Namen">Florian Hahn</p>
<p klasse="AL_Namen">Jürgen Hardt</p>
<p klasse="AL_Namen">Matthias Hauer</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Stefan Heck</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Heilmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Mark Helfrich</p>
<p klasse="AL_Namen">Marc Henrichmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Ansgar Heveling</p>
<p klasse="AL_Namen">Susanne Hierl</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Hirte</p>
<p klasse="AL_Namen">Alexander Hoffmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Hendrik Hoppenstedt</p>
<p klasse="AL_Namen">Franziska Hoppermann</p>
<p klasse="AL_Namen">Hubert Hüppe</p>
<p klasse="AL_Namen">Anne Janssen</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Jarzombek</p>
<p klasse="AL_Namen">Andreas Jung</p>
<p klasse="AL_Namen">Anja Karliczek</p>
<p klasse="AL_Namen">Ronja Kemmer</p>
<p klasse="AL_Namen">Roderich Kiesewetter</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Kießling</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Georg Kippels</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Ottilie Klein</p>
<p klasse="AL_Namen">Volkmar Klein</p>
<p klasse="AL_Namen">Julia Klöckner</p>
<p klasse="AL_Namen">Axel Knoerig</p>
<p klasse="AL_Namen">Anne König</p>
<p klasse="AL_Namen">Markus Koob</p>
<p klasse="AL_Namen">Carsten Körber</p>
<p klasse="AL_Namen">Gunther Krichbaum</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Günter Krings</p>
<p klasse="AL_Namen">Ulrich Lange</p>
<p klasse="AL_Namen">Armin Laschet</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Silke Launert</p>
<p klasse="AL_Namen">Jens Lehmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Paul Lehrieder</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Katja Leikert</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Andreas Lenz</p>
<p klasse="AL_Namen">Andrea Lindholz</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Carsten Linnemann</p>
<p klasse="AL_Namen">Patricia Lips</p>
<p klasse="AL_Namen">Bernhard Loos</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Jan-Marco Luczak</p>
<p klasse="AL_Namen">Daniela Ludwig</p>
<p klasse="AL_Namen">Klaus Mack</p>
<p klasse="AL_Namen">Yvonne Magwas</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Astrid Mannes</p>
<p klasse="AL_Namen">Andreas Mattfeldt</p>
<p klasse="AL_Namen">Stephan Mayer (Altötting)</p>
<p klasse="AL_Namen">Volker Mayer-Lay</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Michael Meister</p>
<p klasse="AL_Namen">Friedrich Merz</p>
<p klasse="AL_Namen">Jan Metzler</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Mathias Middelberg</p>
<p klasse="AL_Namen">Dietrich Monstadt</p>
<p klasse="AL_Namen">Maximilian Mörseburg</p>
<p klasse="AL_Namen">Axel Müller</p>
<p klasse="AL_Namen">Florian Müller</p>
<p klasse="AL_Namen">Sepp Müller</p>
<p klasse="AL_Namen">Carsten Müller (Braunschweig)</p>
<p klasse="AL_Namen">Stefan Müller (Erlangen)</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Stefan Nacke</p>
<p klasse="AL_Namen">Petra Nicolaisen</p>
<p klasse="AL_Namen">Wilfried Oellers</p>
<p klasse="AL_Namen">Florian Oßner</p>
<p klasse="AL_Namen">Josef Oster</p>
<p klasse="AL_Namen">Henning Otte</p>
<p klasse="AL_Namen">Ingrid Pahlmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Christoph Ploß</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Martin Plum</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Rachel</p>
<p klasse="AL_Namen">Kerstin Radomski</p>
<p klasse="AL_Namen">Alexander Radwan</p>
<p klasse="AL_Namen">Alois Rainer</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Peter Ramsauer</p>
<p klasse="AL_Namen">Henning Rehbaum</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Markus Reichel</p>
<p klasse="AL_Namen">Josef Rief</p>
<p klasse="AL_Namen">Lars Rohwer</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Norbert Röttgen</p>
<p klasse="AL_Namen">Stefan Rouenhoff</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Röwekamp</p>
<p klasse="AL_Namen">Erwin Rüddel</p>
<p klasse="AL_Namen">Albert Rupprecht</p>
<p klasse="AL_Namen">Catarina dos Santos-Wintz</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Christiane Schenderlein</p>
<p klasse="AL_Namen">Jana Schimke</p>
<p klasse="AL_Namen">Patrick Schnieder</p>
<p klasse="AL_Namen">Nadine Schön</p>
<p klasse="AL_Namen">Felix Schreiner</p>
<p klasse="AL_Namen">Detlef Seif</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Silberhorn</p>
<p klasse="AL_Namen">Tino Sorge</p>
<p klasse="AL_Namen">Jens Spahn</p>
<p klasse="AL_Namen">Katrin Staffler</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Wolfgang Stefinger</p>
<p klasse="AL_Namen">Albert Stegemann</p>
<p klasse="AL_Namen">Johannes Steiniger</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Freiherr von Stetten</p>
<p klasse="AL_Namen">Dieter Stier</p>
<p klasse="AL_Namen">Stephan Stracke</p>
<p klasse="AL_Namen">Max Straubinger</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Hermann-Josef Tebroke</p>
<p klasse="AL_Namen">Hans-Jürgen Thies</p>
<p klasse="AL_Namen">Alexander Throm</p>
<p klasse="AL_Namen">Antje Tillmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Astrid Timmermann-Fechter</p>
<p klasse="AL_Namen">Markus Uhl</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Volker Ullrich</p>
<p klasse="AL_Namen">Kerstin Vieregge</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Oliver Vogt</p>
<p klasse="AL_Namen">Christoph de Vries</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Johann David Wadephul</p>
<p klasse="AL_Namen">Marco Wanderwitz</p>
<p klasse="AL_Namen">Nina Warken</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Anja Weisgerber</p>
<p klasse="AL_Namen">Maria-Lena Weiss</p>
<p klasse="AL_Namen">Sabine Weiss (Wesel I)</p>
<p klasse="AL_Namen">Kai Whittaker</p>
<p klasse="AL_Namen">Annette Widmann-Mauz</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Klaus Wiener</p>
<p klasse="AL_Namen">Bettina Margarethe Wiesmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Klaus-Peter Willsch</p>
<p klasse="AL_Namen">Elisabeth Winkelmeier-Becker</p>
<p klasse="AL_Namen">Mechthilde Wittmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Mareike Wulf</p>
<p klasse="AL_Namen">Paul Ziemiak</p>
<p klasse="AL_Namen">Nicolas Zippelius</p>
<p klasse="AL_Partei">FDP</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann</p>
<p klasse="AL_Partei">AfD</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Rainer Kraft</p>
<p klasse="AL_Partei">Fraktionslos</p>
<p klasse="AL_Namen">Joana Cotar</p>
<p klasse="AL_Ja-Nein-Enth">Nein</p>
<p klasse="AL_Partei">SPD</p>
<p klasse="AL_Namen">Sanae Abdi</p>
<p klasse="AL_Namen">Reem Alabali-Radovan</p>
<p klasse="AL_Namen">Niels Annen</p>
<p klasse="AL_Namen">Johannes Arlt</p>
<p klasse="AL_Namen">Heike Baehrens</p>
<p klasse="AL_Namen">Ulrike Bahr</p>
<p klasse="AL_Namen">Daniel Baldy</p>
<p klasse="AL_Namen">Nezahat Baradari</p>
<p klasse="AL_Namen">Sören Bartol</p>
<p klasse="AL_Namen">Alexander Bartz</p>
<p klasse="AL_Namen">Bärbel Bas</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Holger Becker</p>
<p klasse="AL_Namen">Jürgen Berghahn</p>
<p klasse="AL_Namen">Bengt Bergt</p>
<p klasse="AL_Namen">Jakob Blankenburg</p>
<p klasse="AL_Namen">Leni Breymaier</p>
<p klasse="AL_Namen">Katrin Budde</p>
<p klasse="AL_Namen">Isabel Cademartori Dujisin</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Lars Castellucci</p>
<p klasse="AL_Namen">Jürgen Coße</p>
<p klasse="AL_Namen">Bernhard Daldrup</p>
<p klasse="AL_Namen">Hakan Demir</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Karamba Diaby</p>
<p klasse="AL_Namen">Martin Diedenhofen</p>
<p klasse="AL_Namen">Jan Dieren</p>
<p klasse="AL_Namen">Esther Dilcher</p>
<p klasse="AL_Namen">Sabine Dittmar</p>
<p klasse="AL_Namen">Felix Döring</p>
<p klasse="AL_Namen">Falko Droßmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Axel Echeverria</p>
<p klasse="AL_Namen">Sonja Eichwede</p>
<p klasse="AL_Namen">Heike Engelhardt</p>
<p klasse="AL_Namen">Ariane Fäscher</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Johannes Fechner</p>
<p klasse="AL_Namen">Sebastian Fiedler</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Edgar Franke</p>
<p klasse="AL_Namen">Fabian Funke</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Gerdes</p>
<p klasse="AL_Namen">Martin Gerster</p>
<p klasse="AL_Namen">Angelika Glöckner</p>
<p klasse="AL_Namen">Kerstin Griese</p>
<p klasse="AL_Namen">Uli Grötsch</p>
<p klasse="AL_Namen">Bettina Hagedorn</p>
<p klasse="AL_Namen">Rita Hagl-Kehl</p>
<p klasse="AL_Namen">Metin Hakverdi</p>
<p klasse="AL_Namen">Sebastian Hartmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Dirk Heidenblut</p>
<p klasse="AL_Namen">Hubertus Heil (Peine)</p>
<p klasse="AL_Namen">Frauke Heiligenstadt</p>
<p klasse="AL_Namen">Gabriela Heinrich</p>
<p klasse="AL_Namen">Wolfgang Hellmich</p>
<p klasse="AL_Namen">Anke Hennig</p>
<p klasse="AL_Namen">Nadine Heselhaus</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Hitschler</p>
<p klasse="AL_Namen">Jasmina Hostert</p>
<p klasse="AL_Namen">Verena Hubertz</p>
<p klasse="AL_Namen">Markus Hümpfer</p>
<p klasse="AL_Namen">Frank Junge</p>
<p klasse="AL_Namen">Josip Juratovic</p>
<p klasse="AL_Namen">Oliver Kaczmarek</p>
<p klasse="AL_Namen">Elisabeth Kaiser</p>
<p klasse="AL_Namen">Macit Karaahmetoğlu</p>
<p klasse="AL_Namen">Carlos Kasper</p>
<p klasse="AL_Namen">Anna Kassautzki</p>
<p klasse="AL_Namen">Gabriele Katzmarek</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Franziska Kersten</p>
<p klasse="AL_Namen">Helmut Kleebank</p>
<p klasse="AL_Namen">Lars Klingbeil</p>
<p klasse="AL_Namen">Annika Klose</p>
<p klasse="AL_Namen">Tim Klüssendorf</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Bärbel Kofler</p>
<p klasse="AL_Namen">Simona Koß</p>
<p klasse="AL_Namen">Martin Kröber</p>
<p klasse="AL_Namen">Kevin Kühnert</p>
<p klasse="AL_Namen">Sarah Lahrkamp</p>
<p klasse="AL_Namen">Andreas Larem</p>
<p klasse="AL_Namen">Sylvia Lehmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Kevin Leiser</p>
<p klasse="AL_Namen">Luiza Licina-Bode</p>
<p klasse="AL_Namen">Helge Lindh</p>
<p klasse="AL_Namen">Bettina Lugk</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Lutze</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Tanja Machalet</p>
<p klasse="AL_Namen">Isabel Mackensen-Geis</p>
<p klasse="AL_Namen">Erik von Malottki</p>
<p klasse="AL_Namen">Holger Mann</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Zanda Martens</p>
<p klasse="AL_Namen">Dorothee Martin</p>
<p klasse="AL_Namen">Parsa Marvi</p>
<p klasse="AL_Namen">Franziska Mascheck</p>
<p klasse="AL_Namen">Andreas Mehltretter</p>
<p klasse="AL_Namen">Takis Mehmet Ali</p>
<p klasse="AL_Namen">Dirk-Ulrich Mende</p>
<p klasse="AL_Namen">Robin Mesarosch</p>
<p klasse="AL_Namen">Kathrin Michel</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Matthias Miersch</p>
<p klasse="AL_Namen">Matthias David Mieves</p>
<p klasse="AL_Namen">Susanne Mittag</p>
<p klasse="AL_Namen">Claudia Moll</p>
<p klasse="AL_Namen">Siemtje Möller</p>
<p klasse="AL_Namen">Bettina Müller</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Müller</p>
<p klasse="AL_Namen">Detlef Müller (Chemnitz)</p>
<p klasse="AL_Namen">Michelle Müntefering</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Rolf Mützenich</p>
<p klasse="AL_Namen">Rasha Nasr</p>
<p klasse="AL_Namen">Brian Nickholz</p>
<p klasse="AL_Namen">Dietmar Nietan</p>
<p klasse="AL_Namen">Jörg Nürnberger</p>
<p klasse="AL_Namen">Lennard Oehl</p>
<p klasse="AL_Namen">Josephine Ortleb</p>
<p klasse="AL_Namen">Mahmut Özdemir (Duisburg)</p>
<p klasse="AL_Namen">Aydan Özoğuz</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Christos Pantazis</p>
<p klasse="AL_Namen">Wiebke Papenbrock</p>
<p klasse="AL_Namen">Mathias Papendieck</p>
<p klasse="AL_Namen">Natalie Pawlik</p>
<p klasse="AL_Namen">Jens Peick</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Petry</p>
<p klasse="AL_Namen">Jan Plobner</p>
<p klasse="AL_Namen">Sabine Poschmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Martin Rabanus</p>
<p klasse="AL_Namen">Ye-One Rhie</p>
<p klasse="AL_Namen">Andreas Rimkus</p>
<p klasse="AL_Namen">Daniel Rinkert</p>
<p klasse="AL_Namen">Sönke Rix</p>
<p klasse="AL_Namen">Sebastian Roloff</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Martin Rosemann</p>
<p klasse="AL_Namen">Jessica Rosenthal</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Thorsten Rudolph</p>
<p klasse="AL_Namen">Tina Rudolph</p>
<p klasse="AL_Namen">Nadine Ruf</p>
<p klasse="AL_Namen">Bernd Rützel</p>
<p klasse="AL_Namen">Sarah Ryglewski</p>
<p klasse="AL_Namen">Johann Saathoff</p>
<p klasse="AL_Namen">Ingo Schäfer</p>
<p klasse="AL_Namen">Axel Schäfer (Bochum)</p>
<p klasse="AL_Namen">Rebecca Schamber</p>
<p klasse="AL_Namen">Johannes Schätzl</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Nina Scheer</p>
<p klasse="AL_Namen">Marianne Schieder</p>
<p klasse="AL_Namen">Udo Schiefner</p>
<p klasse="AL_Namen">Timo Schisanowski</p>
<p klasse="AL_Namen">Christoph Schmid</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Nils Schmid</p>
<p klasse="AL_Namen">Uwe Schmidt</p>
<p klasse="AL_Namen">Dagmar Schmidt (Wetzlar)</p>
<p klasse="AL_Namen">Daniel Schneider</p>
<p klasse="AL_Namen">Carsten Schneider (Erfurt)</p>
<p klasse="AL_Namen">Olaf Scholz</p>
<p klasse="AL_Namen">Johannes Schraps</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Schreider</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Schrodi</p>
<p klasse="AL_Namen">Svenja Schulze</p>
<p klasse="AL_Namen">Frank Schwabe</p>
<p klasse="AL_Namen">Stefan Schwartze</p>
<p klasse="AL_Namen">Andreas Schwarz</p>
<p klasse="AL_Namen">Rita Schwarzelühr-Sutter</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Lina Seitzl</p>
<p klasse="AL_Namen">Svenja Stadler</p>
<p klasse="AL_Namen">Martina Stamm-Fibich</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Ralf Stegner</p>
<p klasse="AL_Namen">Mathias Stein</p>
<p klasse="AL_Namen">Nadja Sthamer</p>
<p klasse="AL_Namen">Ruppert Stüwe</p>
<p klasse="AL_Namen">Claudia Tausend</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Thews</p>
<p klasse="AL_Namen">Markus Töns</p>
<p klasse="AL_Namen">Carsten Träger</p>
<p klasse="AL_Namen">Anja Troff-Schaffarzyk</p>
<p klasse="AL_Namen">Derya Türk-Nachbaur</p>
<p klasse="AL_Namen">Frank Ullrich</p>
<p klasse="AL_Namen">Marja-Liisa Völlers</p>
<p klasse="AL_Namen">Emily Vontz</p>
<p klasse="AL_Namen">Dirk Vöpel</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Carolin Wagner</p>
<p klasse="AL_Namen">Maja Wallstein</p>
<p klasse="AL_Namen">Hannes Walter</p>
<p klasse="AL_Namen">Carmen Wegge</p>
<p klasse="AL_Namen">Melanie Wegling</p>
<p klasse="AL_Namen">Lena Werner</p>
<p klasse="AL_Namen">Bernd Westphal</p>
<p klasse="AL_Namen">Dirk Wiese</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Herbert Wollmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Gülistan Yüksel</p>
<p klasse="AL_Namen">Stefan Zierke</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Jens Zimmermann</p>
<p klasse="AL_Namen">Armand Zorn</p>
<p klasse="AL_Namen">Katrin Zschau</p>
<p klasse="AL_Partei">CDU/CSU</p>
<p klasse="AL_Namen">Jens Koeppen</p>
<p klasse="AL_Partei">BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN</p>
<p klasse="AL_Namen">Luise Amtsberg</p>
<p klasse="AL_Namen">Andreas Audretsch</p>
<p klasse="AL_Namen">Maik Außendorf</p>
<p klasse="AL_Namen">Tobias B. Bacherle</p>
<p klasse="AL_Namen">Lisa Badum</p>
<p klasse="AL_Namen">Felix Banaszak</p>
<p klasse="AL_Namen">Karl Bär</p>
<p klasse="AL_Namen">Katharina Beck</p>
<p klasse="AL_Namen">Lukas Benner</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Franziska Brantner</p>
<p klasse="AL_Namen">Agnieszka Brugger</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Anna Christmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Janosch Dahmen</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Sandra Detzer</p>
<p klasse="AL_Namen">Katharina Dröge</p>
<p klasse="AL_Namen">Deborah Düring</p>
<p klasse="AL_Namen">Harald Ebner</p>
<p klasse="AL_Namen">Leon Eckert</p>
<p klasse="AL_Namen">Marcel Emmerich</p>
<p klasse="AL_Namen">Emilia Fester</p>
<p klasse="AL_Namen">Schahina Gambir</p>
<p klasse="AL_Namen">Tessa Ganserer</p>
<p klasse="AL_Namen">Matthias Gastel</p>
<p klasse="AL_Namen">Kai Gehring</p>
<p klasse="AL_Namen">Stefan Gelbhaar</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Jan-Niclas Gesenhues</p>
<p klasse="AL_Namen">Katrin Göring-Eckardt</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Armin Grau</p>
<p klasse="AL_Namen">Erhard Grundl</p>
<p klasse="AL_Namen">Sabine Grützmacher</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Robert Habeck</p>
<p klasse="AL_Namen">Britta Haßelmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Linda Heitmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Bernhard Herrmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Bettina Hoffmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Anton Hofreiter</p>
<p klasse="AL_Namen">Ottmar von Holtz</p>
<p klasse="AL_Namen">Bruno Hönel</p>
<p klasse="AL_Namen">Dieter Janecek</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Kirsten Kappert-Gonther</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Kellner</p>
<p klasse="AL_Namen">Katja Keul</p>
<p klasse="AL_Namen">Misbah Khan</p>
<p klasse="AL_Namen">Sven-Christian Kindler</p>
<p klasse="AL_Namen">Maria Klein-Schmeink</p>
<p klasse="AL_Namen">Chantal Kopf</p>
<p klasse="AL_Namen">Laura Kraft</p>
<p klasse="AL_Namen">Philip Krämer</p>
<p klasse="AL_Namen">Jürgen Kretz</p>
<p klasse="AL_Namen">Renate Künast</p>
<p klasse="AL_Namen">Markus Kurth</p>
<p klasse="AL_Namen">Sven Lehmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Steffi Lemke</p>
<p klasse="AL_Namen">Anja Liebert</p>
<p klasse="AL_Namen">Helge Limburg</p>
<p klasse="AL_Namen">Max Lucks</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Anna Lührmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr.-Ing. Zoe Mayer</p>
<p klasse="AL_Namen">Susanne Menge</p>
<p klasse="AL_Namen">Swantje Henrike Michaelsen</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Irene Mihalic</p>
<p klasse="AL_Namen">Boris Mijatovic</p>
<p klasse="AL_Namen">Claudia Müller</p>
<p klasse="AL_Namen">Sascha Müller</p>
<p klasse="AL_Namen">Beate Müller-Gemmeke</p>
<p klasse="AL_Namen">Sara Nanni</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Ingrid Nestle</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Ophelia Nick</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Konstantin von Notz</p>
<p klasse="AL_Namen">Omid Nouripour</p>
<p klasse="AL_Namen">Karoline Otte</p>
<p klasse="AL_Namen">Cem Özdemir</p>
<p klasse="AL_Namen">Julian Pahlke</p>
<p klasse="AL_Namen">Lisa Paus</p>
<p klasse="AL_Namen">Filiz Polat</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Anja Reinalter</p>
<p klasse="AL_Namen">Tabea Rößner</p>
<p klasse="AL_Namen">Claudia Roth (Augsburg)</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Manuela Rottmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Corinna Rüffer</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Sacher</p>
<p klasse="AL_Namen">Jamila Schäfer</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Sebastian Schäfer</p>
<p klasse="AL_Namen">Stefan Schmidt</p>
<p klasse="AL_Namen">Marlene Schönberger</p>
<p klasse="AL_Namen">Christina-Johanne Schröder</p>
<p klasse="AL_Namen">Kordula Schulz-Asche</p>
<p klasse="AL_Namen">Nyke Slawik</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Anne Monika Spallek</p>
<p klasse="AL_Namen">Merle Spellerberg</p>
<p klasse="AL_Namen">Nina Stahr</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Till Steffen</p>
<p klasse="AL_Namen">Hanna Steinmüller</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn</p>
<p klasse="AL_Namen">Kassem Taher Saleh</p>
<p klasse="AL_Namen">Awet Tesfaiesus</p>
<p klasse="AL_Namen">Katrin Uhlig</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Julia Verlinden</p>
<p klasse="AL_Namen">Niklas Wagener</p>
<p klasse="AL_Namen">Robin Wagener</p>
<p klasse="AL_Namen">Johannes Wagner</p>
<p klasse="AL_Namen">Beate Walter-Rosenheimer</p>
<p klasse="AL_Namen">Saskia Weishaupt</p>
<p klasse="AL_Namen">Stefan Wenzel</p>
<p klasse="AL_Namen">Tina Winklmann</p>
<p klasse="AL_Partei">FDP</p>
<p klasse="AL_Namen">Valentin Abel</p>
<p klasse="AL_Namen">Katja Adler</p>
<p klasse="AL_Namen">Muhanad Al-Halak</p>
<p klasse="AL_Namen">Christine Aschenberg-Dugnus</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Bartelt</p>
<p klasse="AL_Namen">Nicole Bauer</p>
<p klasse="AL_Namen">Jens Beeck</p>
<p klasse="AL_Namen">Ingo Bodtke</p>
<p klasse="AL_Namen">Friedhelm Boginski</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar)</p>
<p klasse="AL_Namen">Mario Brandenburg (Südpfalz)</p>
<p klasse="AL_Namen">Sandra Bubendorfer-Licht</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Marco Buschmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Karlheinz Busen</p>
<p klasse="AL_Namen">Carl-Julius Cronenberg</p>
<p klasse="AL_Namen">Bijan Djir-Sarai</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Dürr</p>
<p klasse="AL_Namen">Daniel Föst</p>
<p klasse="AL_Namen">Otto Fricke</p>
<p klasse="AL_Namen">Maximilian Funke-Kaiser</p>
<p klasse="AL_Namen">Martin Gassner-Herz</p>
<p klasse="AL_Namen">Knut Gerschau</p>
<p klasse="AL_Namen">Anikó Glogowski-Merten</p>
<p klasse="AL_Namen">Nils Gründer</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Hacker</p>
<p klasse="AL_Namen">Philipp Hartewig</p>
<p klasse="AL_Namen">Ulrike Harzer</p>
<p klasse="AL_Namen">Peter Heidt</p>
<p klasse="AL_Namen">Katrin Helling-Plahr</p>
<p klasse="AL_Namen">Markus Herbrand</p>
<p klasse="AL_Namen">Torsten Herbst</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Gero Clemens Hocker</p>
<p klasse="AL_Namen">Manuel Höferlin</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Christoph Hoffmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Reinhard Houben</p>
<p klasse="AL_Namen">Olaf In der Beek</p>
<p klasse="AL_Namen">Gyde Jensen</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Ann-Veruschka Jurisch</p>
<p klasse="AL_Namen">Karsten Klein</p>
<p klasse="AL_Namen">Daniela Kluckert</p>
<p klasse="AL_Namen">Pascal Kober</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Lukas Köhler</p>
<p klasse="AL_Namen">Carina Konrad</p>
<p klasse="AL_Namen">Wolfgang Kubicki</p>
<p klasse="AL_Namen">Konstantin Kuhle</p>
<p klasse="AL_Namen">Ulrich Lechte</p>
<p klasse="AL_Namen">Jürgen Lenders</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Thorsten Lieb</p>
<p klasse="AL_Namen">Lars Lindemann</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Lindner</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Georg Link (Heilbronn)</p>
<p klasse="AL_Namen">Oliver Luksic</p>
<p klasse="AL_Namen">Kristine Lütke</p>
<p klasse="AL_Namen">Till Mansmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Christoph Meyer</p>
<p klasse="AL_Namen">Maximilian Mordhorst</p>
<p klasse="AL_Namen">Alexander Müller</p>
<p klasse="AL_Namen">Frank Müller-Rosentritt</p>
<p klasse="AL_Namen">Claudia Raffelhüschen</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Volker Redder</p>
<p klasse="AL_Namen">Bernd Reuther</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Sauter</p>
<p klasse="AL_Namen">Frank Schäffler</p>
<p klasse="AL_Namen">Ria Schröder</p>
<p klasse="AL_Namen">Anja Schulz</p>
<p klasse="AL_Namen">Matthias Seestern-Pauly</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Stephan Seiter</p>
<p klasse="AL_Namen">Rainer Semet</p>
<p klasse="AL_Namen">Judith Skudelny</p>
<p klasse="AL_Namen">Konrad Stockmeier</p>
<p klasse="AL_Namen">Benjamin Strasser</p>
<p klasse="AL_Namen">Linda Teuteberg</p>
<p klasse="AL_Namen">Jens Teutrine</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Theurer</p>
<p klasse="AL_Namen">Stephan Thomae</p>
<p klasse="AL_Namen">Nico Tippelt</p>
<p klasse="AL_Namen">Manfred Todtenhausen</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Florian Toncar</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Andrew Ullmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Gerald Ullrich</p>
<p klasse="AL_Namen">Tim Wagner</p>
<p klasse="AL_Namen">Sandra Weeser</p>
<p klasse="AL_Namen">Nicole Westig</p>
<p klasse="AL_Namen">Katharina Willkomm</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Volker Wissing</p>
<p klasse="AL_Partei">AfD</p>
<p klasse="AL_Namen">Carolin Bachmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Christina Baum</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Bernd Baumann</p>
<p klasse="AL_Namen">Roger Beckamp</p>
<p klasse="AL_Namen">Barbara Benkstein</p>
<p klasse="AL_Namen">Marc Bernhard</p>
<p klasse="AL_Namen">Andreas Bleck</p>
<p klasse="AL_Namen">René Bochmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Peter Boehringer</p>
<p klasse="AL_Namen">Dirk Brandes</p>
<p klasse="AL_Namen">Stephan Brandner</p>
<p klasse="AL_Namen">Jürgen Braun</p>
<p klasse="AL_Namen">Marcus Bühl</p>
<p klasse="AL_Namen">Tino Chrupalla</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Ehrhorn</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Michael Espendiller</p>
<p klasse="AL_Namen">Peter Felser</p>
<p klasse="AL_Namen">Dietmar Friedhoff</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Götz Frömming</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Alexander Gauland</p>
<p klasse="AL_Namen">Hannes Gnauck</p>
<p klasse="AL_Namen">Kay Gottschalk</p>
<p klasse="AL_Namen">Mariana Iris Harder-Kühnel</p>
<p klasse="AL_Namen">Jochen Haug</p>
<p klasse="AL_Namen">Martin Hess</p>
<p klasse="AL_Namen">Karsten Hilse</p>
<p klasse="AL_Namen">Nicole Höchst</p>
<p klasse="AL_Namen">Leif-Erik Holm</p>
<p klasse="AL_Namen">Fabian Jacobi</p>
<p klasse="AL_Namen">Steffen Janich</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Marc Jongen</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Malte Kaufmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Michael Kaufmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Norbert Kleinwächter</p>
<p klasse="AL_Namen">Enrico Komning</p>
<p klasse="AL_Namen">Jörn König</p>
<p klasse="AL_Namen">Steffen Kotré</p>
<p klasse="AL_Namen">Rüdiger Lucassen</p>
<p klasse="AL_Namen">Mike Moncsek</p>
<p klasse="AL_Namen">Matthias Moosdorf</p>
<p klasse="AL_Namen">Sebastian Münzenmaier</p>
<p klasse="AL_Namen">Jan Ralf Nolte</p>
<p klasse="AL_Namen">Gerold Otten</p>
<p klasse="AL_Namen">Tobias Matthias Peterka</p>
<p klasse="AL_Namen">Stephan Protschka</p>
<p klasse="AL_Namen">Martin Reichardt</p>
<p klasse="AL_Namen">Frank Rinck</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Rainer Rothfuß</p>
<p klasse="AL_Namen">Bernd Schattner</p>
<p klasse="AL_Namen">Ulrike Schielke-Ziesing</p>
<p klasse="AL_Namen">Eugen Schmidt</p>
<p klasse="AL_Namen">Jan Wenzel Schmidt</p>
<p klasse="AL_Namen">Uwe Schulz</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Seitz</p>
<p klasse="AL_Namen">Martin Sichert</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Dirk Spaniel</p>
<p klasse="AL_Namen">René Springer</p>
<p klasse="AL_Namen">Klaus Stöber</p>
<p klasse="AL_Namen">Beatrix von Storch</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Alice Weidel</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Harald Weyel</p>
<p klasse="AL_Namen">Wolfgang Wiehle</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Christian Wirth</p>
<p klasse="AL_Namen">Joachim Wundrak</p>
<p klasse="AL_Namen">Kay-Uwe Ziegler</p>
<p klasse="AL_Partei">Die Linke</p>
<p klasse="AL_Namen">Gökay Akbulut</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Dietmar Bartsch</p>
<p klasse="AL_Namen">Matthias W. Birkwald</p>
<p klasse="AL_Namen">Clara Bünger</p>
<p klasse="AL_Namen">Susanne Ferschl</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Görke</p>
<p klasse="AL_Namen">Ates Gürpinar</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Gregor Gysi</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. André Hahn</p>
<p klasse="AL_Namen">Susanne Hennig-Wellsow</p>
<p klasse="AL_Namen">Jan Korte</p>
<p klasse="AL_Namen">Ina Latendorf</p>
<p klasse="AL_Namen">Caren Lay</p>
<p klasse="AL_Namen">Ralph Lenkert</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Gesine Lötzsch</p>
<p klasse="AL_Namen">Pascal Meiser</p>
<p klasse="AL_Namen">Sören Pellmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Heidi Reichinnek</p>
<p klasse="AL_Namen">Martina Renner</p>
<p klasse="AL_Namen">Bernd Riexinger</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Petra Sitte</p>
<p klasse="AL_Namen">Kathrin Vogler</p>
<p klasse="AL_Namen">Janine Wissler</p>
<p klasse="AL_Partei">BSW</p>
<p klasse="AL_Namen">Sevim Dağdelen</p>
<p klasse="AL_Namen">Klaus Ernst</p>
<p klasse="AL_Namen">Andrej Hunko</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Leye</p>
<p klasse="AL_Namen">Amira Mohamed Ali</p>
<p klasse="AL_Namen">Zaklin Nastic</p>
<p klasse="AL_Namen">Jessica Tatti</p>
<p klasse="AL_Namen">Alexander Ulrich</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Sahra Wagenknecht</p>
<p klasse="AL_Partei">Fraktionslos</p>
<p klasse="AL_Namen">Robert Farle</p>
<p klasse="AL_Namen">Matthias Helferich</p>
<p klasse="AL_Ja-Nein-Enth">Enthalten</p>
<p klasse="AL_Partei">CDU/CSU</p>
<p klasse="AL_Namen">Mario Czaja</p>
<p klasse="AL_Partei">AfD</p>
<p klasse="AL_Namen">Albrecht Glaser</p>
<p klasse="AL_Namen">Jörg Schneider</p>
<p klasse="AL_Partei">Fraktionslos</p>
<p klasse="AL_Namen">Johannes Huber</p>
<p klasse="AL_Namen">Stefan Seidler</p>
<p klasse="p">Abgeordnete, die sich wegen gesetzlichen Mutterschutzes
für ihre Abwesenheit entschuldigt haben, sind in der Liste der entschuldigten
Abgeordneten (Anlage 1) aufgeführt.</p>
<p klasse="J">Wir fahren fort in unserer Debatte.</p>
<p klasse="J">Das Wort erhält Dr. Alexander Gauland für die AfD-
Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<rede id="ID2015404000">
<p klasse="redner"><a id="r46"/><redner
id="11004724"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Alexander</vorname><nachname>Gauland
</nachname><fraktion>AfD</fraktion></name></redner>Dr. Alexander Gauland (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! „Der
Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“ Jeder kennt
diesen Clausewitz-Satz. Im traditionellen Völkerrecht endet ein Krieg deshalb mit
einem politischen Ergebnis, dem Friedensschluss. Wenn aber eine Kriegspartei die
andere mit einem Unwerturteil aus der zivilisierten Welt ausschließt, wird ein
Friedensschluss unmöglich.</p>
<p klasse="J">Seit 1648, als der Friedensvertrag von Münster und
Osnabrück den ideologischen Krieg zwischen Katholiken und Protestanten beendete,
galt die Regel, dass alle Völkerrechtssubjekte gleich im Sinne von gleicher
Sprechfähigkeit sind. Sogar zu Zeiten des Kalten Krieges gab es Gespräche zwischen
beiden Seiten. Die Wendung, man dürfe den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen,
gehörte bis vor Kurzem zum Standardvokabular der deutschen Außenpolitik.</p>
<kommentar>(Knut Abraham [CDU/CSU]: Wer hat denn den Faden
zerrissen?)</kommentar>
<p klasse="O">Warum, meine Damen und Herren, gilt das im Falle
Russlands nicht mehr?</p>
<kommentar>(Knut Abraham [CDU/CSU]: Weil die Russen den Faden
zerrissen haben!)</kommentar>
<p klasse="O">Es war ein politischer Fehler, dass russische
Vertreter zur Münchner Sicherheitskonferenz ausgeladen wurden,</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="O">einer Konferenz, deren Motto „Frieden durch Dialog“ –
nicht durch Waffenlieferungen! – lautet.</p>
<kommentar>(Zuruf der Abg. Marianne Schieder [SPD])</kommentar>
<p klasse="J">Realpolitik, meine Damen und Herren, ist die Kunst
des Möglichen. Das Mögliche ist ohne schmerzliche Kompromisse oft nicht zu haben.
Wertegeleitete Außenpolitik dagegen, wie wir sie neuerdings betreiben, kennt das
kleinere Übel nicht. Wenn die wertegeleitete Außenpolitik dazu führt, dass
Gespräche und Verhandlungen enden oder gar nicht erst aufgenommen werden, muss sie
durch Realpolitik ersetzt werden.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="O">Und wenn die wertegeleitete Außenpolitik dazu führt,
dass der Krieg auch dann fortgesetzt wird, wenn die Kriegsziele nicht zu erreichen
sind, muss sie durch Realpolitik ersetzt werden.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Zuruf des Abg. Knut Abraham
[CDU/CSU])</kommentar>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, das ist der zentrale
Unterschied zwischen Realpolitik und dem, was wir inzwischen als „wertegeleitete
Außenpolitik“ kennengelernt haben.</p>
<kommentar>(Marianne Schieder [SPD]: Es ist eine Lüge, wenn Sie
behaupten, dass es keine Gespräche gab! Sie wissen das!)</kommentar>
<p klasse="O">Wertegemeinschaften fühlen sich verpflichtet, gegen
Unwerte zu kämpfen. Mit einem Vertreter von Unwertem führen Wertegemeinschaften
keine Verhandlungen. Der Kriegsgegner wird zum absoluten Feind. Seine Interessen
werden kriminell.</p>
<kommentar>(Zuruf von der SPD: Sind sie ja auch! – Dr. Marcus Faber
[FDP]: Das nennt sich Kriegsverbrechen!)</kommentar>
<p klasse="O">Der Feind muss vernichtet werden. Das führt mit einer
gewissen Folgerichtigkeit leider dazu, dass der Krieg eskaliert.</p>
<kommentar>(Marianne Schieder [SPD]: Das ist Ihr Wortschatz, nicht
unserer!)</kommentar>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, Putin führt einen Krieg, den
man für ungerecht und falsch halten kann</p>
<kommentar>(Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann [FDP]: „Halten
kann“!)</kommentar>
<p klasse="O">oder auch muss. Um ihn zu beenden, taugt es aber
nichts, seine Kriterien zu übernehmen,</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="O">sondern: sich im Gegenteil wieder an Münster und
Osnabrück zu erinnern und die westliche Sprachlosigkeit zu überwinden. Doch meine
Damen und Herren, dazu bedürfte es eines Metternichs auf dem Wiener Kongress oder
eines Kissingers in Peking statt eines Kriegsdarstellers.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="O">Schade, dass in München niemand diese Rolle
übernehmen wollte. Deshalb werden wir auch keinen Frieden kriegen, wenn wir so
weitermachen.</p>
<p klasse="J">Ich bedanke mich.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Beatrix von Storch [AfD]: Frau
Brugger, das war mehr als 20 Jahre Politikwissenschaft für Sie! Wenn Sie zugehört
haben, haben Sie mehr gelernt als in den letzten 20 Jahren in der Uni!)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Als Nächste erhält das Wort Dr. Marie-Agnes Strack-
Zimmermann für die FDP-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Johannes Arlt [SPD] – Henning Otte [CDU/CSU]:
Jetzt mal genau hinhören! – Beatrix von Storch [AfD]: Jetzt ohne Scheißhaufen und
Fäkalien bitte! – Zurufe von der AfD: Heute kein T-Shirt? – Kriegshetze kommt
jetzt!)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015404100">
<p klasse="redner"><a id="r47"/><redner
id="11004906"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Marie-Agnes</vorname><nachname>Strac
k-Zimmermann</nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></redner>Dr. Marie-Agnes
Strack-Zimmermann (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen
und Herren!</p>
<p klasse="Z">„Das Böse obsiegt, wenn gute Menschen nichts tun.
Deswegen darf man nicht untätig bleiben.“</p>
<p klasse="O">Das sind Worte von Alexej Nawalny am Ende einer
Dokumentation, die vor zwei Jahren von einem US-Sender über ihn gedreht wurde.</p>
<p klasse="J">Vor wenigen Tagen ist dieser mutige russische
Regimekritiker in einem Straflager im Norden Sibiriens ums Leben gekommen. Die
Nachricht von seiner Ermordung erreichte die Welt, als sie bei der Münchner
Sicherheitskonferenz zu Gast war. Das ist, meine Damen und Herren, kein Zufall
gewesen, sondern die obszöne Methode des russischen Diktators Wladimir Putin, der
freien Welt den Mittelfinger in dem Augenblick zu zeigen, in dem sie über
Sicherheit gesprochen hat.</p>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, Putin ist ein Verbrecher, ein
brutaler Mensch, der sich nicht von der Stärke des Gegenübers provozieren lässt,
sondern sich herausgefordert fühlt von der Schwäche des Gegenübers. Diese
Mentalität, diese Denke zu ignorieren oder gar zu leugnen, ist verstörend naiv und
gefährlich fahrlässig. Heute liegt Ihnen der Antrag der Regierungsparteien vor. Es
war der Wunsch meiner Fraktion, zum zweiten Jahrestag einen solchen Antrag zu
formulieren. Ich danke allen Beteiligten, die daran konstruktiv mitgewirkt
haben.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Zuruf der Abg. Agnieszka Brugger [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="J">Wir bekennen uns in diesem Antrag zur
uneingeschränkten territorialen Integrität der Ukraine in den Grenzen von 1991.
Dazu gehört, dass wir die Annexion der Krim nicht akzeptieren werden. Wir
akzeptieren auch nicht, dass wir in ein imperialistisches Zeitalter zurückfallen,
wo ein Land ein anderes überfällt und dessen Gebiet unter dem Deckmantel eines
kruden Geschichtsverständnisses annektiert. Deswegen sind wir nicht nur der
Meinung, dass die Ukraine diesen Krieg gewinnen muss. Wir sind der Auffassung, dass
die Ukraine nach dem Krieg neben dem Wiederaufbau nicht nur Mitglied der
Europäischen Union werden soll, sondern auch perspektivisch Mitglied der NATO.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Zuruf des Abg. Dr. Harald Weyel
[AfD])</kommentar>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, die Ukraine braucht unsere
Unterstützung, und sie bekommt sie. Wir unterstützen humanitär und wirtschaftlich.
Wir unterstützen sie mit militärischem Gerät und, ja, auch mit Waffen. Unsere
Bundeswehr hat allein bis heute 10 000 ukrainische Soldaten ausgebildet. Wir
brauchen uns im internationalen Vergleich nicht zu verstecken, im Gegenteil. Umso
tragischer ist es, dass wir seit Monaten darüber streiten, ob wir der Bitte der
Ukraine nachkommen, den Marschflugkörper Taurus in Ergänzung zu allen anderen
gelieferten Waffensystemen zu liefern.</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Thomas Ehrhorn [AfD])</kommentar>
<p klasse="J">Ich muss das hier nicht wiederholen. Doch für einige,
die es noch nicht verstanden haben: Der Taurus ist ein System, das es der Ukraine
ermöglicht, auch hinter der Front zu wirken und den Nachschub Russlands zu
unterbinden.</p>
<p klasse="J">Die Tragödie dieser unendlichen Diskussion und
Geschichte ist wie seinerzeit schon bei der Diskussion um die Panzer, dass Russland
nicht nur einfach zuschaut. Das monatelange Gezerre haben seinerzeit die Russen
genutzt, um über hundert Kilometer Gräben auszuheben und diese mit Minen zu füllen.
Das ist mit ein Grund, warum die Gegenoffensive der Ukrainer nicht so erfolgreich
war, wie sich alle erhofft haben. Es geht hier nämlich um Zeit. Und die Ukraine hat
keine Zeit mehr.</p>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, ich bedaure sehr, dass manche
Kolleginnen und Kollegen nicht davon zu überzeugen waren, den Taurus dezidiert in
diesem Antrag aufzuführen, also das Kind einfach mal beim Namen zu nennen. Für
einige ist unsere Ausführung – und der Antrag ist wirklich gut –, dass die Ukraine
in die Lage versetzt werden soll, auch „hinter den Frontlinien“ zu wirken,
unmissverständlich eine Umschreibung des Taurus, für andere, wie der
Regierungssprecher gestern betont hat – ich zitiere –, ist es „zwangslogisch“, dass
dieses im Antrag aufgeführte Waffensystem eben nicht der Taurus sei. Mal abgesehen
davon, dass das Wort „zwangslogisch“ eine interessante Kreation ist – der Duden
kennt das Wort übrigens nicht –, sollten wir solche sprachlichen
Nebenkriegsschauplätze bitte einstellen. Es geht nämlich nicht um uns als
Parlamentarierinnen und Parlamentarier. Es geht auch nicht darum, wer hier den
größten Bizeps hat. Es geht auch nicht darum, wer hier stur oder beleidigt ist. Es
geht auch nicht darum, ob sich hier irgendjemand genervt fühlt. Meine Damen und
Herren, es geht ausschließlich um die Ukraine, die seit zwei Jahren ums Überleben
kämpft. Es geht schlichtweg um Deutschland, eingebettet in unser Europa, und darum,
wie wir die Zukunft gestalten wollen. Es treibt mich um, dass das Wort „Taurus“ als
solches zur Auseinandersetzung führt, weil es am eigentlichen Thema vorbeigeht. Der
Angriff Russlands auf die Ukraine gilt auch uns. Es wird Zeit, dass wir diese
Gefahr mehr als ernst nehmen und wirklich bereit sind, Verantwortung zu übernehmen
für die Menschen in diesem Land und ganz persönlich auch für unsere Kinder und
Enkelkinder. Ich möchte mir nicht eines Tages vorwerfen lassen, im richtigen
Augenblick nicht das Richtige getan zu haben.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Wie wollen wir in Zukunft die transatlantische
Freundschaft, die Partnerschaft zwischen den USA und uns, gestalten? Dazu brauchen
wir auch eine stabile Wirtschaft; denn unsere Sicherheit hängt auch davon ab. Meine
Damen und Herren, nur darum geht es, und das ist sehr viel.</p>
<p klasse="J">Ja, ich habe mich entschlossen, dem CDU/CSU-Antrag
zuzustimmen,</p>
<kommentar>(Zuruf von der Linken: Welch Überraschung!)</kommentar>
<p klasse="O">ausschließlich weil das System des Taurus
unmissverständlich genannt worden ist. Und ich bin der Meinung, dass wir uns in
Zukunft bei solchen Abstimmungen, wo es in der Tat um so etwas Eklatantes geht,
befreien sollten vom Fraktionszwang.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Ich schließe mit den Worten von Wolodymyr Selenskyj,
der bei der Münchner Sicherheitskonferenz gesagt hat: „Bitte fragt nicht die
Ukraine, wann der Krieg endet! Fragt euch, warum Putin den Krieg immer noch führen
kann!“</p>
<p klasse="J">Ich danke Ihnen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Die nächste Rednerin ist Gabriela Heinrich für die
SPD-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015404200">
<p klasse="redner"><a id="r48"/><redner
id="11004296"><name><vorname>Gabriela</vorname><nachname>Heinrich</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Gabriela Heinrich (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und
Herren! Seit zehn Jahren versucht Wladimir Putin, imperialistische
Großmachtfantasien auf Kosten der Ukraine durchzusetzen. Viele Menschen sind
gestorben, unzählige traumatisiert. Kinder wurden entführt, Familien
auseinandergerissen, Frauen vergewaltigt. Umso mehr gelten unsere Bewunderung und
unser Dank den Ukrainerinnen und Ukrainern, die ihr Land tapfer und erfolgreich
verteidigen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Die europäische Friedensordnung hatte seit
Jahrzehnten Geltung. Jetzt hat Russland sie über den Haufen geworfen. Unsere
Freiheit wird derzeit in der Ukraine verteidigt; wir wissen das. Dort geht es auch
darum, ob Europa eine friedliche Zukunft hat. Die Ukraine zu unterstützen, ist
deshalb in unserem ureigenen Interesse.</p>
<p klasse="J">Deutschland ist nach den USA wichtigster Geber für
die Ukraine. Der Bundestag hat die militärische Unterstützung für das Jahr 2024 –
der Minister hat es bereits gesagt – von 4 Milliarden auf mehr als 7 Milliarden
Euro erhöht. Es gibt keinen Grund, dieses immense Engagement, das wir mit unserem
heutigen Antrag bekräftigen, kleinzureden. Dabei ist auch klar: Deutschland kann
nicht alleine unterstützen. Deswegen ist es richtig, dass Bundeskanzler Olaf Scholz
weltweit um Partner wirbt, um gemeinsam eine friedliche Weltordnung zu
verteidigen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP und
der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="O">Der Kanzler vermittelt den Bürgerinnen und Bürgern in
Deutschland Sicherheit – die Sicherheit, dass Deutschland nicht zur Kriegspartei
wird.</p>
<p klasse="J">Die verkürzte Debatte – wieder einmal – über einzelne
Waffensysteme verstellt den Blick auf das Wesentliche. Niemand kann doch mit
Sicherheit behaupten, dass ein einzelnes System der Gamechanger ist. Wir stehen für
eine umfassende Hilfe, und das wird in diesem Antrag, den wir in der Koalition
übrigens alle wollten, deutlich.</p>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Liebe Frau Kollegin, erlauben Sie eine
Zwischenfrage aus der Unionsfraktion?</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004296"><name><vorname>Gabriela</vorname><nachname>Heinrich</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Gabriela Heinrich (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Bitte schön.</p>
<kommentar>(Wolfgang Hellmich [SPD]: Jetzt kommt noch mal
dasselbe!)</kommentar>
<p klasse="redner"><a id="r49"/><redner
id="11005193"><name><vorname>Thomas</vorname><nachname>Röwekamp</nachname><fraktion
>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Thomas Röwekamp (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Kollegin Heinrich, der Minister
hat uns ja an die Antragsteller verwiesen. Und die Kollegin Strack-Zimmermann hat
ausgeführt, dass die Passage – ich zitiere – „Lieferung von zusätzlich
erforderlichen weitreichenden Waffensystemen und Munition“ in Ihrem Antrag
unterschiedlich ausgelegt werden kann. Deswegen ist meine Frage an Sie: Umfasst
diese Formulierung Ihrer Ansicht nach auch die Lieferung von Taurus-Systemen? Ja
oder nein?</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004296"><name><vorname>Gabriela</vorname><nachname>Heinrich</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Gabriela Heinrich (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Nicht zwingend.</p>
<kommentar>(Lachen bei Abgeordneten der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Diese Frage lässt sich nicht verkürzt mit Ja oder
Nein beantworten. Sie haben es ja selber schon erwähnt: Das ist eine
Interpretationsfrage.</p>
<kommentar>(Zuruf von der CDU/CSU: Sie sind so feige!)</kommentar>
<p klasse="O">Es ist ein Kompromiss, auf den wir uns geeinigt haben
und dem die SPD-Fraktion so zustimmen konnte, wie er formuliert ist.</p>
<kommentar>(Michael Brand [Fulda] [CDU/CSU]: Es geht nicht um die
Ampel! Es geht um die Ukraine! – Roderich Kiesewetter [CDU/CSU]: Das ukrainische
Volk kann nicht interpretieren! Es muss leiden!)</kommentar>
<p klasse="O">– Sie sind gleich dran. Sie können dann gerne sagen,
was Sie möchten. Jetzt wurde ich gefragt.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie des Abg. Michael Georg Link
[Heilbronn] [FDP])</kommentar>
<p klasse="J">Fakt ist: Wir haben an der Stelle keine rote Linie
gezogen, und das hat übrigens auch der Kanzler nicht getan. Sie wissen ganz genau,
dass es bisher kein Nein gibt.</p>
<kommentar>(Michael Brand [Fulda] [CDU/CSU]: Der Regierungssprecher
ist doch gerade zitiert worden!)</kommentar>
<p klasse="O">Im Moment ist es so, dass weiterhin geprüft wird. Wir
halten das für richtig, weil wir wissen, wie der Ernst der Lage ist. Was eine
Kollegin von der FDP sagt, mag für sie richtig sein. Für mich ist es das nicht.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD – Peter Beyer [CDU/CSU]: Sie haben
total abgewirtschaftet! – Michael Brand [Fulda] [CDU/CSU]: Es geht nicht um die
Ampel! Es geht um die Ukraine!)</kommentar>
<p klasse="J">Ich sage es noch mal: Wir stehen für eine umfassende
Hilfe, humanitär, diplomatisch und natürlich auch mit Waffen und Ausbildung, alles
in Absprache mit unseren Partnern. Eben das wird – auch wenn es Ihnen nicht
gefällt – von der Ukraine deutlich gewürdigt. Was der Ukraine am meisten hilft, ist
die Sicherheit, dass Deutschland und Europa fest an ihrer Seite stehen, jetzt und
in Zukunft. Im Antrag haben wir das auch noch mal deutlich benannt.</p>
<p klasse="J">Aber die von Kanzler Scholz ausgerufene Zeitenwende
hatte von Anfang an nicht nur eine militärische Komponente. Seit Februar 2022 hat
das Entwicklungsministerium über 1,2 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Im
Juni werden wir gemeinsam mit der Ukraine die internationale Ukraine Recovery
Conference in Berlin ausrichten. Das, sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen, ist
doch ein sehr deutliches Signal.</p>
<p klasse="J">Erst vergangene Woche schlossen der Bundeskanzler und
der ukrainische Präsident eine historische Sicherheitsvereinbarung ab, und auch
hier ist der Begriff „Sicherheit“ umfassend zu sehen. Es geht nicht nur um die
langfristige militärische Zusammenarbeit und auch nicht nur um Cyberabwehr. Es geht
um Wiederaufbau, Nachhaltigkeit, Resilienz, und Reformen sind ebenfalls Teil der
Abmachung.</p>
<kommentar>(Zuruf von der CDU/CSU: Schlagworte!)</kommentar>
<p klasse="O">Wir begrüßen ausdrücklich diese und andere bilaterale
Sicherheitsvereinbarungen.</p>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen, wichtig ist mir
besonders, dass die Verantwortlichen für die grausamen Verbrechen in der Ukraine
zur Rechenschaft gezogen werden. Deshalb befürworten wir die Einrichtung einer
Gerichtsbarkeit für das Verbrechen der Aggression. Der Kreis der Vertragsstaaten
des Internationalen Strafgerichtshofs ist zu erweitern, das Römische Statut zu
reformieren. Täter dürfen nicht straflos bleiben. Und es darf keine Immunität für
diejenigen geben, die das Begehen solcher Verbrechen befehlen.</p>
<p klasse="J">Danke schön.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Für die Unionsfraktion hat das Wort Florian
Hahn.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015404300">
<p klasse="redner"><a id="r50"/><redner
id="11004048"><name><vorname>Florian</vorname><nachname>Hahn</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Florian Hahn (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und
Herren! Guten Morgen! Guten Morgen, liebe Bundesregierung! Guten Morgen, liebe
Ampelkoalition! Ich kann nur sagen: Zwei Jahre verschlafen! Und nach der Rede von
Frau Heinrich droht ein Wiedereinschlafen. Es hat zwei Jahre gedauert, bis Sie
endlich die Dinge in einem Antrag aufgeschrieben haben, die seit Jahren offenkundig
sind.</p>
<kommentar>(Dr. Marcus Faber [FDP]: Stimmen Sie dem Antrag also
zu?)</kommentar>
<p klasse="O">Sie haben ganz offensichtlich zwei Jahre Zeitenwende
verpennt. Und wie das so ist, wenn man in dieser Ampel schläft: Man wird von der
Wirklichkeit umzingelt. Davon kann gerade diese Woche Wirtschaftsminister Habeck
ein Schlaflied singen. Während Sie von der Wirklichkeit umzingelt werden, ist die
Ukraine militärisch umzingelt und zahlt für die Zögerlichkeit Europas und
Deutschlands einen hohen Preis. Bundeskanzler Scholz ist Sinnbild für diese
Zögerlichkeit geworden; deshalb müssen wir Ihnen auch heute wieder auf den Wecker
gehen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Wir fordern Sie auf: Schluss mit der Träumerei!
Schluss mit den reinen Ankündigungsorgien! Das stellen Sie mit diesem Antrag wieder
unter Beweis. Träumen Sie nicht nur laut, sondern wachen Sie endlich auf und
liefern Sie! Die Zeit der Ankündigungen ohne darauffolgende überzeugende
Umsetzungen muss vorbei sein.</p>
<p klasse="J">Nach zwei Jahren schließen Sie eine wolkige
Sicherheitsvereinbarung mit der Ukraine ohne substanziellen Gehalt, damit Sie auf
der Münchner Sicherheitskonferenz nicht vor der ganzen Welt die Schlafanzughosen
herunterlassen müssen. Zwei Jahre nach Kriegsausbruch und nachdem die
Bundeswehrvorräte erschöpft sind, stiehlt der Kanzler dem Verteidigungsminister ad
hoc den Spaten und die Show, als er für eine Munitionsfabrik in Niedersachsen
eigene Initiative vorspielte. Das soll Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, täuschen;
denn die Produktion startet frühestens 2025. Auch hier wurden zwei Jahre
verschlafen.</p>
<p klasse="J">Versprochen hat der Bundesverteidigungsminister
Pistorius letztes Jahr großspurig, für die Bundesregierung und auch in einem
europäischen Rahmenansatz, bis März 2024 der Ukraine 1 Million Artilleriegeschosse
zu liefern.</p>
<kommentar>(Dr. Marcus Faber [FDP]: Das war die EU! – Zuruf von der
SPD: Nein, das ist falsch!)</kommentar>
<p klasse="O">Es sind nicht viel mehr als 300 000 Schuss daraus
geworden.</p>
<kommentar>(Boris Pistorius, Bundesminister: Sie sollten bei der
Wahrheit bleiben!)</kommentar>
<p klasse="O">Aber das sind nicht die einzigen Blendgranaten in
Ihrem Antrag. Sie fordern in Ihrem Antrag eine sofortige Nachbeschaffung
abgegebener Rüstungsgüter der Bundeswehr. Der Bürger wird sich an dieser Stelle
fragen: Was, das findet noch gar nicht statt? – Das hat nichts mit dem Regieren von
früher zu tun, Herr Minister. Das ist allein dieser Ampelkoalition und dieser
Regierung geschuldet, die seit zwei Jahren im Amt ist.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Herr Verteidigungsminister, das alles zeigt im
Übrigen auch, dass Sie bis heute die Beschaffung nicht in den Griff bekommen haben.
Um davon abzulenken, haben Sie überraschend die Stationierung einer deutschen
Brigade in Litauen angekündigt – eine Überraschung für Ihr Haus, eine Überraschung
für die NATO, eine Überraschung für Litauen selbst. Das ist zugegebenermaßen kein
schlechtes Signal, aber nur, wenn es ein überzeugendes Signal ist, und das ist es
eben nicht. Die volle Einsatzbereitschaft der Brigade Litauen besteht erst ab
Ende 2027, unter anderem wegen fehlender Waffensysteme. Bis heute ist keine
Finanzierung der Brigade im Haushalt hinterlegt, und die Löcher, die personell und
materiell in das Heer gerissen werden, schwächen in Wahrheit weiterhin die
Fähigkeit zur Landes- und Bündnisverteidigung der Bundeswehr und Deutschlands.</p>
<p klasse="J">Die Wahrheit nach zwei Jahren Ampel ist: Wir können
NATO-Ziele nicht mehr vollständig erreichen; das ist angesichts der aktuellen
Bedrohung unverantwortlich. Ihr Arbeitsmotto lautet „Groß ankündigen, dann aber
keine PS auf den Boden bringen“, genauso wie in diesem Antrag. Und die Wahrheit
ist: Nach zwei Jahren Tiefschlaf ist nicht mehr viel da, was die Bundeswehr noch
abgeben kann, und darunter leidet die Fähigkeit zur Unterstützung der Ukraine.
Dafür tragen Sie die Verantwortung.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Dr. Marcus Faber [FDP]: Das
wissen Sie doch besser!)</kommentar>
<p klasse="J">Es passt ins Bild, dass Sie es nicht schaffen, den
Marschflugkörper Taurus namentlich im Antrag zu benennen. Da reißt Sie offenbar
auch nicht der Lautsprecher aus den eigenen Ampelreihen aus dem Tiefschlaf; aber
der geht ja nach Europa. Sie selbst denken sich dankbar dabei: Fire and forget. –
Übrigens ist es fast unnötig zu erwähnen, dass Sie bis heute ebenfalls verschlafen
haben, die Bestände von Taurus in der Bundeswehr umfänglich einsatzbereit zu machen
oder gar aufzustocken.</p>
<p klasse="J">Abschließend will ich Sie noch einmal auffordern:
Wachen Sie endlich auf! Setzen Sie endlich die Zeitenwende um, und geben Sie der
Ukraine endlich den Marschflugkörper Taurus!</p>
<p klasse="J">Herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Für Bündnis 90/Die Grünen hat das Wort Robin
Wagener.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der
FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015404400">
<p klasse="redner"><a id="r51"/><redner
id="11005246"><name><vorname>Robin</vorname><nachname>Wagener</nachname><fraktion>B
ÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Robin Wagener (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Während das russische Regime im eigenen Land Oppositionelle ermordet, während hier
bei uns Putins Handlanger und der ganze alte modrige KGB-Apparat versucht,
Demokratien zu destabilisieren, kämpfen die Ukrainerinnen und Ukrainer unter
Einsatz ihres Lebens an vorderster Front für ihre Freiheit und für unsere Freiheit.
Vielen Dank!</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP
sowie bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Wie schon mit den beiden vorherigen sehr starken
Beschlüssen des Deutschen Bundestags werden wir auch mit diesem Beschluss weiter
substanzielle Schritte zur Unterstützung dieser Menschen gehen. Wir fordern, die
eingefrorenen russischen Vermögenswerte endlich nutzbar zu machen. We make Russia
pay! Wir wollen, dass die Verbrecher vor Gericht gestellt werden. Wir sagen klar
und deutlich: Wir wollen die Ukraine an unserer Seite in der Europäischen Union und
in der NATO haben. Und für die Menschen in der Ukraine, die die ganze Zeit mit
diesem Krieg leben müssen, fordern wir die Unterstützung durch psychosoziale
Hilfe.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich war vor Kurzem
selbst in der Ukraine. Ich habe erschöpfte Menschen getroffen. Ich habe den
Schrecken der Luftalarme erlebt. Ich habe gesehen, wie es aussieht, wenn eine
Splitterbombe über einem Theater explodiert. Ich habe die Trümmer eines
Jugendzentrums gesehen, in das eine russische Rakete eingeschlagen ist. Und ich
habe den Widerstandsgeist der Ukrainer gespürt. Sie wollen sich ganz klar
verteidigen; denn sie wollen nicht in einer Putin’schen Diktatur leben. Sie wollen
mit allen Kräften verhindern, dass der Schrecken von Butscha in der ganzen Ukraine
droht.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Lieber Kollege Wagener, erlauben Sie eine
Zwischenfrage des Kollegen Beyer?</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11005246"><name><vorname>Robin</vorname><nachname>Wagener</nachname><fraktion>B
ÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Robin Wagener (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Ja, klar.</p>
<p klasse="redner"><a id="r52"/><redner
id="11004010"><name><vorname>Peter</vorname><nachname>Beyer</nachname><fraktion>CDU
/CSU</fraktion></name></redner>Peter Beyer (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Herr Kollege Wagener, herzlichen Dank, dass Sie die
Frage zulassen. – Ich darf aus Ihrem Antrag zitieren: „Lieferung von zusätzlich
erforderlichen weitreichenden Waffensystemen und Munition“. Ich frage Sie: Umfasst
das Ihrem Verständnis nach explizit auch die Lieferung von Flugkörpern vom Typ
Taurus? Ja oder nein?</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11005246"><name><vorname>Robin</vorname><nachname>Wagener</nachname><fraktion>B
ÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Robin Wagener (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Herr Kollege Beyer, vielen Dank, dass Sie aus dem
Antrag zitieren. Ich kenne den Antrag sehr gut. Ich habe weite Teile davon
mitgeschrieben und intensiv mitverhandelt.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP – Florian Hahn [CDU/CSU]: Warum haben Sie das dann
nicht reingeschrieben?)</kommentar>
<p klasse="O">Ich freue mich, was wir mit diesem Antrag erreicht
haben. Sie wissen sehr gut, dass ich hier im Haus schon sehr oft die Lieferung von
Taurus gefordert habe und dass viele Grüne genau diese Position vertreten. Sie
selber sind in der Außen- und Sicherheitspolitik durchaus bewandert, und Sie wissen
genau, was der Bundeswehr und Deutschland zur Verfügung steht, um das zu erfüllen,
was im Antrag steht. Ich frage mich ernsthaft, ob Sie diese Debatte ernst nehmen,
wenn ich sehe, mit welch süffisantem Grinsen Sie diese Frage immer wieder stellen –
als ob Sie hier ein innenpolitisches Spiel spielten.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der
FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Ich finde, man muss in diesem Zusammenhang noch auf
etwas ganz anderes hinweisen:</p>
<kommentar>(Alexander Dobrindt [CDU/CSU]: Sorgen Sie halt für
Klarheit!)</kommentar>
<p klasse="O">Sie sind gut darin, auf den sozialen Medien und in
Ihrem Antrag ein Waffensystem oder mehrere Waffensysteme zu fordern. Sie tun so,
als ob Sie damit die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine stärken wollen. In Wahrheit
gilt die Hauptkonzentration Ihrer Fraktion eigentlich dem Verteidigungskampf für
die Schuldenbremse. Nichts von dem, was Sie fordern, ist vernünftig finanziell
hinterlegt.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD
sowie bei Abgeordneten der FDP – Peter Beyer [CDU/CSU]: Wie lautet die Antwort? –
Florian Hahn [CDU/CSU]: Das müssen Sie mal dem Botschafter oben auf der Tribüne
erklären, was Sie da erzählen!)</kommentar>
<p klasse="J">Ich halte viel vom Kollegen Joe Wadephul.</p>
<kommentar>(Peter Beyer [CDU/CSU]: War das jetzt die
Antwort?)</kommentar>
<p klasse="O">Darum möchte ich ein Zitat von ihm aufgreifen: Wer
die Lippen spitzt, muss auch pfeifen. – Aber das, was Sie hier machen, liebe
Kolleginnen und Kollegen von der Union,</p>
<kommentar>(Florian Hahn [CDU/CSU]: Das tut Ihnen weh! Das ist
schon klar!)</kommentar>
<p klasse="O">ist, dicke Backen zu machen und vielleicht ein
bisschen heiße Luft rauszulassen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der
FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Wir liefern ein umfassendes Konzept, das wir
tatsächlich umsetzen wollen. Wenn wir das umsetzen, was in diesem Antrag steht,
dann ist der Ukraine sehr gedient.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
und der SPD – Alexander Dobrindt [CDU/CSU]: Das ist doch die Frage, worum es
geht! – Florian Hahn [CDU/CSU]: Nach zwei Jahren!)</kommentar>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Ukraine musste
vor Kurzem Frontabschnitte aufgeben, weil sie keine Munition mehr hat. Das dürfen
wir nie wieder hinnehmen. Darum wollen wir mit diesem Antrag die notwendigen
Schritte tun</p>
<kommentar>(Florian Hahn [CDU/CSU]: Da müssen sie viel Munition
haben!)</kommentar>
<p klasse="O">mit folgendem Dreiklang: Wir müssen Munition
einkaufen, wo es sie gibt. Wir müssen die Munitionsproduktion steigern und
Abnahmegarantien geben. Und wir müssen die Munitionsproduktion in der Ukraine mit
Investitionsschutzgarantien absichern.</p>
<kommentar>(Florian Hahn [CDU/CSU]: Zwei Jahre Zeit
gehabt!)</kommentar>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich habe es eben
schon ausgeführt: Meine Position ist seit Langem klar. Ich möchte gerne, dass die
Ukraine Taurus bekommt. Ich glaube auch, dass mit den angekündigten F-16 ein gutes
Trägersystem dafür zur Verfügung stünde. Aber über die Lieferung einzelner
Waffensysteme entscheidet nicht der Deutsche Bundestag, sondern darüber entscheidet
die Bundesregierung. Was wir hier tun, ist, die Bundesregierung aufzufordern und
unsere strategischen Vorstellungen mitzuteilen, in welche Richtung es gehen soll.
Das tut dieser Antrag sehr deutlich. Er sagt: Zusätzlich zum bisher Gelieferten
wollen wir die erforderlichen weitreichenden Waffen für präzise Angriffe weit
hinter den russischen Stellungen in den besetzten Gebieten zur Verfügung stellen,
um nicht nur Munitionslager, sondern die ganze Mordlogistik anzugreifen.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD
sowie bei Abgeordneten der FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Der nächste Redner ist für die AfD-Fraktion
Matthias Moosdorf.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015404500">
<p klasse="redner"><a id="r53"/><redner
id="11005157"><name><vorname>Matthias</vorname><nachname>Moosdorf</
nachname><fraktion>AfD</fraktion></name></redner>Matthias Moosdorf (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Glaubt
man den Medien und den Herolden hier im Haus, verliert Russland seit zwei Jahren
jeden Tag den Krieg und ist doch so gefährlich, dass es morgen Polen überrollt und
bis zum Atlantik vorstößt. Seine Wirtschaft wurde mit der von Obervolta verglichen,
seine Vorräte seien am Ende, Chips aus Waschmaschinen waren nötig für einfachste
Waffen. Marschflugkörper sollte es etwa 500 haben, nun hat es bereits 12 000 davon
verschossen. In München wurde gesagt: Nur ein Drittel des Materials landet derzeit
an der Front. Der Rest kommt in Lager und bedroht nun angeblich uns.</p>
<p klasse="J">Wenn Sie wissen wollen, wie irre und desaströs Ihre
Realitätsverweigerung war und ist, dann schauen Sie in den Bericht der Afghanistan-
Enquete-Kommission.</p>
<kommentar>(Zuruf der Abg. Dr. Anja Reinalter [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="O">Sie findet ihre Fortsetzung heute in der Bewertung
dieses Krieges. Sogar der Slogan ist der gleiche, nur dass unsere Freiheit nicht
mehr am Hindukusch, sondern jetzt angeblich im Donbass verteidigt wird.</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Ulrich Lechte [FDP])</kommentar>
<p klasse="J">Die Befragung im Vorfeld der Münchner
Sicherheitskonferenz ergab eindeutig: Die Bedrohung durch Russland rangiert bei den
Bürgern auf Platz sieben, in Italien sogar auf Platz zwölf – weit nach Migration,
Kriminalität und dem Islam.</p>
<kommentar>(Ulrich Lechte [FDP]: Ah!)</kommentar>
<p klasse="O">Und doch fordern Hysteriker die Herstellung von
Kriegsbereitschaft hierzulande – fast wie 1914, nur dass die Bundeswehr gerade für
zwei Tage Munition hat.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="O">Vielleicht muss man es mal ganz deutlich sagen: Zehn
Jahre Krieg in der Ukraine lehren uns: Wer sich mit Russland anlegt, endet entweder
wie Napoleon 1812 oder – noch schlimmer – wie 1945.</p>
<kommentar>(Jörg Nürnberger [SPD]: Deswegen unterwirft man sich
einfach! – Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann [FDP]: Dann unterwirft man sich?
Unterwerfen ist kein Frieden!)</kommentar>
<p klasse="J">Ich möchte besonders im Hinblick auf Ihr Ansinnen der
Lieferung von Taurus-Raketen an den Artikel 2 des Zwei-plus-vier-Vertrages
erinnern. Danach hat Deutschland sich dazu verpflichtet, dass von seinem
Territorium nur noch Frieden ausgeht. Das wird gerade in der Duma diskutiert. Ein
schlimmes Schicksal ist eben denen beschieden, die sich zum Vollstrecker einer
Globalpolitik machen, deren Anführer Zeiten, Länder und Namen verwechselt.</p>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, erinnern Sie noch, was die
AfD am Anfang gefordert hat und heute genauso fordert – ich zitiere –: eine
„diplomatische Initiative“ zur Beendigung des Krieges in der Ukraine. In den
vergangenen zwei Jahren haben jedwede politische und diplomatische Bemühungen
„praktisch gefehlt“. „Niemand in der Ukraine will diesen Krieg bis zum letzten
Soldaten führen. Uns geht es darum, unsere Staatlichkeit zu bewahren.“ Wissen Sie,
wer das gesagt hat? Das sagt der frühere Botschafter Melnyk. Er übernimmt unsere
Forderung nach einem Frieden.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="O">„Aber auch im Kalten Krieg“, sagt er weiter, „gab es
Treffen, ... wo man dann hinter verschlossenen Türen Tacheles gesprochen hat.“
Scholz sollte Putin treffen und reden.</p>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, recht hat er: Frieden können
Sie nur mit Ihren Feinden schließen, nicht mit Ihren Freunden. In München war
Russland aber nicht eingeladen. Mir scheint, die Leugnung des Rationalen, Ihre
Weigerung, den eigenen Verstand zu gebrauchen, ist besonders im Jahr des
300. Geburtstages von Immanuel Kant, dem großen Vater Europas, tragisch.</p>
<kommentar>(Ulrich Lechte [FDP]: Himmel hilf!)</kommentar>
<p klasse="O">Was weit schlimmer wiegt: Sie steht einem Ende des
Krieges und damit dem Frieden auf unserem Kontinent entgegen, und das ist fast ein
Verbrechen.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD sowie des Abg. Robert Farle
[fraktionslos] – Ulrich Lechte [FDP]: Hat Papa Gauland Ihnen die Rede
geschrieben?)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Michael Georg Link für die FDP-Fraktion ist unser
nächster Redner.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015404600">
<p klasse="redner"><a id="r54"/><redner
id="11003802"><name><vorname>Michael
Georg</vorname><nachname>Link</nachname><ortszusatz>(Heilbronn)</ortszusatz><frakti
on>FDP</fraktion></name></redner>Michael Georg Link (Heilbronn) (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Frau Wehrbeauftragte! Herr
Botschafter! Liebe Kollegen aus dem ukrainischen Parlament! Ich komme zurück zum
Ernst der Lage; denn die Lage ist extrem ernst. Das drücken wir mit unserem Antrag
aus. Ich möchte mich sehr herzlich bei den Kolleginnen und Kollegen von SPD und
Grünen dafür bedanken.</p>
<p klasse="J">Im Antrag zeigen wir den Ernst der Lage auf. Wir
werden ihm dadurch gerecht, dass wir nichts beschönigen, dass wir deutlich sagen,
dass die Uhr tickt und dass die Lage höchst dramatisch ist. Vor allem wollen wir
der Öffentlichkeit erklären, wieso es so wahnsinnig wichtig ist, die Ukraine noch
stärker zu unterstützen. Das ist der Schauplatz – man hat es auch bei der Münchner
Sicherheitskonferenz gesehen –, auf dem sich der Erfolg unserer gesamten
Anstrengungen zur Verteidigung der Freiheit entscheiden wird. Es ist unsere
Aufgabe, der Öffentlichkeit immer wieder glaubhaft zu erklären, wieso diese
Unterstützung notwendig ist. Deshalb beschönigen wir in diesem Antrag nichts, und
wir sprechen die Dinge deutlich aus. Wir sagen: Deutschland muss noch mehr machen,
damit die Ukraine diesen Verteidigungskampf, diesen Überlebenskampf tatsächlich
gewinnt.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Es ist wichtig, dass wir aussprechen und anerkennen,
dass wir viel tun und gleichzeitig aber deutlich machen, dass es noch nicht reicht,
damit die Ukraine diesen Kampf gewinnt. Damit sie gewinnt – das sagen wir in diesem
Antrag sehr deutlich –, braucht es die Lieferung zusätzlicher weitreichender
Waffensysteme, die auch präzise Schläge gegen russische Nachschublinien weit hinter
der Frontlinie führen können.</p>
<p klasse="J">Und wir sagen – das ist noch nicht erwähnt worden –,
dass auch die ukrainischen Landstreitkräfte von uns mehr gepanzerte Kampfsysteme
brauchen, mehr geschützte Transportsysteme, deutlich mehr Munition. Danke der
Kollegin Brugger; sie ist bereits auf das so wichtige Thema Munition eingegangen.
Von all dem brauchen wir noch mehr. Was wir tun, ist viel. Es reicht aber noch
nicht; wir müssen mehr tun.</p>
<p klasse="J">Zum Gewinnen dieses Überlebenskampfes, Kolleginnen
und Kollegen, gehört auch – das sprechen wir in diesem Antrag deutlich aus –, dass
die Ukraine jedes Recht hat, ihr komplettes Territorium zu befreien, inklusive der
Krim.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dietmar Nietan [SPD])</kommentar>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Lage ist ernst.
Ich möchte zum Schluss den großen Respekt meiner Fraktion vor den Leistungen zum
Ausdruck bringen, die die Ukrainerinnen und Ukrainer seit Kriegsbeginn erbringen.
Wir wissen: Sie leisten Enormes, fast Unvorstellbares. Wir haben in unserem Leben
persönlich nie erlebt, was sie zurzeit erleben müssen. Deshalb verneigen wir uns in
vollem Respekt vor dem tapferen Kampf, den sie führen. Ich sage auch für meine
Fraktion in voller Überzeugung kurz vor dem zweiten Jahrestag des Beginns dieses
schrecklichen Angriffes: Slawa Ukrajini!</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Für die Gruppe Die Linke hat das Wort Sören
Pellmann.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015404700">
<p klasse="redner"><a id="r55"/><redner
id="11004848"><name><vorname>Sören</vorname><nachname>Pellmann</nachname><fraktion>
Die Linke</fraktion></name></redner>Sören Pellmann (Die Linke):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Meine Damen und Herren! Die Welt blickt auf zehn Jahre Krieg in der Ukraine, auf
zwei Jahre Generalangriff des russischen Militärs auf das gesamte Land. Die
ukrainische Bevölkerung leidet. Tod, tägliche Angst, Folter, Verletzung,
Vertreibung, Vergewaltigung und der tragische Verlust von Angehörigen sind bittere
Realitäten, die uns alle betroffen machen. Unsere Solidarität gilt den Opfern
dieses Krieges.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="J">Man redet von Kriegsverbrechen. Der Krieg an sich ist
ein Verbrechen. Sie machen es sich mit Ihrem Antrag bezüglich der
Entstehungsgeschichte des Krieges zu einfach. Die Gemengelage, die zu diesem Krieg
führte, war nicht ganz so eindimensional, wie sie von der Ampel dargestellt wird.
Das ändert aber nichts an der Einschätzung der Linken dieses Krieges. Nichts, aber
auch gar nichts rechtfertigt den von Putin befohlenen und fortgesetzten
völkerrechtswidrigen Angriffskrieg.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken – Florian Hahn [CDU/CSU]: Tun
Sie es auch nicht!)</kommentar>
<p klasse="J">Die Frage, wie er beendet werden kann, spaltet
zunehmend unsere Gesellschaft. Sie von der Ampel glauben aber noch immer, der
Ukraine mittels weiterer Waffenlieferungen eine bessere Verhandlungsposition zu
verschaffen. Ihre Selbsttäuschungen über die militärischen Möglichkeiten helfen
niemandem. Ukrainische und US-amerikanische Generäle sagen sehr deutlich, dass
militärische Siege auch mit neuen Waffen in weite Ferne gerückt sind. Ukrainische
Gewinne blieben zuletzt aus, die Opferzahlen dagegen sind weiter hoch. Das gebietet
doch, alle nur erdenklichen Versuche zu unternehmen, um die Spirale der Eskalation
anzuhalten, zur Vermeidung weiterer Opfer.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des
BSW)</kommentar>
<p klasse="J">Uns eint sicher der Wunsch nach der Beendigung dieses
Krieges. Aber Ihr Rezept für Frieden besteht offenbar aus noch mehr Waffen. Auch
die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern – das war heute schon Thema – würde den
Krieg nicht beenden, sondern die Gefahr eines Atomkrieges ungemein erhöhen.</p>
<kommentar>(Sara Nanni [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist
Unterwerfung, Herr Pellmann!)</kommentar>
<p klasse="J">Wir wollen einen anderen Weg.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="O">Das Gebot der Stunde müssen Verhandlungen sein.
Zahlreiche Staaten dieser Welt sehen das ähnlich. Es gilt, all diese Kräfte zu
bündeln, um endlich zu Verhandlungen zu kommen und damit dem Frieden ein Stück
näher.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken und dem BSW)</kommentar>
<p klasse="O">Waffenstillstand heißt nicht Akzeptanz des Unrechts,
sondern es heißt Beenden des Sterbens.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="J">Wir müssen auch über die indirekten Kriegsfolgen
hierzulande sprechen. Der Krieg belastet uns schon mit 200 Milliarden Euro in zwei
Jahren. Allein in diesem Jahr wollen Sie unglaubliche Summen in die Rüstung
stecken: 85,5 Milliarden Euro für die Bundeswehr, 8 Milliarden Euro für die
militärische Unterstützung der Kämpfe in der Ukraine, zudem ein
Rüstungsblankoscheck für die nächsten Jahre. Das alles ist falsch.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken und dem BSW)</kommentar>
<p klasse="O">Ihre Aufrüstung belastet die Menschen in diesem Land
schwer. Zwar sprudeln die Gewinne in den Rüstungskonzernen, aber die Wirtschaft
insgesamt schwächelt. Insbesondere Menschen mit geringen Löhnen spüren die Folgen
der Inflation heftig. Herr Bundeskanzler, ruinieren Sie nicht für eine gefährliche
und dabei erfolglose Rüstungsspirale unsere Wirtschaft und unseren Sozialstaat!</p>
<p klasse="J">Frau Präsidentin, ich komme zum Ende. – Ihre
Außenpolitik, Herr Bundeskanzler, braucht mehr Diplomatie statt noch mehr Waffen.
Der Frieden ist nicht alles, aber ohne den Frieden ist alles nichts.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Für die SPD-Fraktion ist die nächste Rednerin Derya
Türk-Nachbaur.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015404800">
<p klasse="redner"><a id="r56"/><redner
id="11005241"><name><vorname>Derya</vorname><nachname>Türk-Nachbaur</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Derya Türk-Nachbaur (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Sehr geehrter Herr Botschafter! Liebe Frau Wehrbeauftragte! Der
Überfall Russlands auf die Ukraine jährt sich am 24. Februar zum zweiten Mal. Doch
die Ukraine befindet sich nicht erst seit den letzten 728 Tagen im Krieg. Die
Grundfeste unserer internationalen Ordnung wurden schon vor zehn Jahren durch die
Annexion der Krim massiv erschüttert. Die Dimension, die dieser Rechtsbruch mit
sich bringen würde, wurde damals verkannt. Ja, das war ein Fehler.</p>
<p klasse="J">Und heute? Putins Missachtung des Völkerrechts 2.0 in
der Ukraine bleibt von der internationalen Gemeinschaft nicht unwidersprochen.
Deutschland und seine Partner stehen unerschütterlich an der Seite der Ukraine, und
das wird so bleiben.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Dieses Versprechen erneuern wir hier mit diesem sehr
umfassenden Antrag der Koalition. Im Herzen Europas und in den Straßen der Ukraine
brennt trotz der Dunkelheit des russischen Angriffskriegs das Licht der Freiheit
und des Mutes. Dieser Konflikt, der nun schon seit über einem Jahrzehnt währt, ist
mehr als nur eine Auseinandersetzung um Territorien; es ist ein Kampf für die Seele
Europas, für Demokratie und für Menschenrechte.</p>
<kommentar>(Beifall der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="O">Wir vergessen die Lehren des Euromaidan nicht. Die
Stimmen der mutigen Menschen sind für uns heute, zehn Jahre später, noch
eindringlicher – das ist ziemlich bitter –, als sie es vor zehn Jahren waren. Diese
Stimmen mahnen uns, weiterhin solidarisch zu sein.</p>
<p klasse="J">Bei den sich verengenden Diskursen in den
allabendlichen Talkshows ist das zwar selten ein Thema; aber ich möchte es als
Menschenrechts- und Entwicklungspolitikerin gerne einfach mal aussprechen in der
Hoffnung, dass sich der Diskurs bei Lanz, Illner und wie sie alle heißen,
vielleicht weitet. Glauben Sie mir: Der Diskurs in der Ukraine, im angegriffenen,
im überfallenen Land ist weitaus differenzierter als der Diskurs hierzulande in den
Fernsehdebatten.</p>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Liebe Frau Türk-Nachbaur, lassen Sie eine
Zwischenfrage von Annette Widmann-Mauz zu?</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11005241"><name><vorname>Derya</vorname><nachname>Türk-Nachbaur</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Derya Türk-Nachbaur (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Wenn der Zettel mit der Frage des Kollegen
weitergereicht wird und es sich um die gleiche Frage handelt – –</p>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Das werden Sie merken, wenn Frau Widmann-Mauz die
Frage gestellt hat.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11005241"><name><vorname>Derya</vorname><nachname>Türk-Nachbaur</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Derya Türk-Nachbaur (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Okay, Sie haben den Zettel weitergereicht
bekommen? – Danke. Gut, dann stellen Sie mir die Frage.</p>
<p klasse="redner"><a id="r57"/><redner
id="11003259"><name><vorname>Annette</vorname><nachname>Widmann-Mauz</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Annette Widmann-Mauz
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Frau Türk-Nachbaur, Sie haben in Ihrem Antrag eine
bestimmte Formulierung für die Unterstützung gewählt, nämlich: „die Lieferung von
zusätzlich erforderlichen weitreichenden Waffensystemen und Munition“. Jetzt haben
wir auf die Nachfrage meines Kollegen Röwekamp an Ihre Kollegin Heinrich gehört,
dass diese Interpretation Taurus-Waffensysteme nicht zwangsläufig ausschließt. Das
war Ihre Antwort, Frau Kollegin Heinrich. Von Kollegin Strack-Zimmermann haben wir
gehört, dass für den Regierungssprecher der Ampelkoalition das Waffensystem
zwangslogisch nicht beinhaltet ist. Jetzt frage ich Sie: Welche Interpretation ist
denn jetzt richtig, die Ihrer Kollegin Heinrich, dass es inkludiert ist, oder die
des Regierungssprechers, dass es zwangslogisch ausgeschlossen ist? Ist Taurus nach
Ihrem Verständnis in diesem Antrag mitgemeint?</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11005241"><name><vorname>Derya</vorname><nachname>Türk-Nachbaur</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Derya Türk-Nachbaur (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Liebe Frau Widmann-Mauz, vielen Dank für die Frage,
die mich wirklich sehr überrascht. Mit der hatte ich jetzt gar nicht gerechnet.</p>
<kommentar>(Heiterkeit und Beifall bei der SPD sowie bei
Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP – Michael Brand [Fulda]
[CDU/CSU]: Warum gehen eigentlich alle dieser Frage aus dem Weg? – Weiterer Zuruf
von der CDU/CSU: Dann können Sie ja eine Antwort geben! Jetzt sind wir
gespannt!)</kommentar>
<p klasse="O">Sie beweisen mit Ihrer Frage, dass Sie das Thema
„integrierte Sicherheit“ leider überhaupt nicht verstanden haben.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD – Jürgen Hardt [CDU/CSU]:
Beantworten Sie doch die Frage!)</kommentar>
<p klasse="O">Integrierte Sicherheit heißt nicht, Lösungen auf ein
Waffensystem zu reduzieren.</p>
<kommentar>(Dr. Johann David Wadephul [CDU/CSU]: Kann es sein, dass
Sie ausweichen? – Michael Brand [Fulda] [CDU/CSU]: Warum wird die Frage nicht
einfach mal beantwortet?)</kommentar>
<p klasse="O">Über Waffenlieferungen – mein Kollege Herr Wagener
hat es gesagt – entscheiden nicht wir, sondern die Bundesregierung. Sie dürfen
gerne der Bundesregierung diese Frage stellen. Vielen Dank. – Wenn Sie mir
gestatten, würde ich jetzt gerne weitermachen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD – Zurufe von der
CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Die Bundesregierung unterstützt die Ukraine seit 2014
in einem sehr großen Umfang, und das geschieht partnerschaftlich auf Augenhöhe; das
funktioniert sehr gut.</p>
<kommentar>(Peter Beyer [CDU/CSU]:
Drückebergerregierung!)</kommentar>
<p klasse="O">Dabei geht es um die Unterstützung einer starken,
klimaverträglichen Wirtschaft, um eine selbstbewusste Zivilgesellschaft, um
Schulen, um Gesundheitsversorgung, aber auch um neue Infrastruktur und neue Bleiben
für die Menschen, die aus den Kriegsgebieten vertrieben wurden. – Schade, dass die
Aufmerksamkeit nachlässt, wenn es nicht um Taurus geht.</p>
<kommentar>(Florian Hahn [CDU/CSU]: Das muss an Ihnen liegen, Frau
Kollegin!)</kommentar>
<p klasse="O">Das ist wirklich sehr bedauerlich.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD)</kommentar>
<p klasse="O">Deutschland bleibt, wie es der Kanzler schon im
Jahr 2022 formuliert hat, unverändert der größte finanzielle Stabilisator der
Ukraine, und das ist gut so. Wir stehen unmissverständlich an der Seite der
Ukraine, und die Ukraine weiß, dass sie in Deutschland einen verlässlichen
Verbündeten hat. Schade, dass unsere international geschätzte Verlässlichkeit von
dieser Opposition kleingeredet wird. Schade, dass Sie Deutschland international
kleinmachen! Das ist wirklich bedauerlich.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie der Abg. Dr. Marie-Agnes
Strack-Zimmermann [FDP] – Peter Beyer [CDU/CSU]: Das schaffen Sie schon ganz
alleine!)</kommentar>
<p klasse="J">Morgen werden wir die Ergebnisse des Zwischenberichts
der Enquete-Kommission zum Einsatz in Afghanistan hier im Plenum debattieren und
darüber reden, dass die Zusammenarbeit der Ressorts damals nicht gut genug
funktioniert hat. Heute stellen wir fest, dass diese Bundesregierung aus den
Fehlern der Vergangenheit gelernt hat. Die Ressorts arbeiten sehr gut zusammen: AA,
BMVg, BMZ. Neben der Entwicklungsministerin Svenja Schulze, der ich für ihr
schnelles und stetes Handeln danke, gilt mein Dank auch dem Minister für
Landwirtschaft und Ernährung, Cem Özdemir; denn gemeinsam, Hand in Hand, haben es
beide Ministerien geschafft, das Vorkriegsniveau bei den Exporten aus der Ukraine
in den Globalen Süden wiederherzustellen.</p>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Kommen Sie bitte zum Schluss.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11005241"><name><vorname>Derya</vorname><nachname>Türk-Nachbaur</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Derya Türk-Nachbaur (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Ich komme zum Schluss. – Sie sehen in diesem
Antrag: Unsere Unterstützung ist vielfältig. Und an Herrn Putin: You can kill the
people, but you cannot kill the truth.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank. Ihre Solidarität ist gefragt!</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Für die Gruppe BSW hat das Wort Klaus Ernst.</p>
<kommentar>(Beifall beim BSW)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015404900">
<p klasse="redner"><a id="r58"/><redner
id="11003753"><name><vorname>Klaus</vorname><nachname>Ernst</nachname><fraktion>BSW
</fraktion></name></redner>Klaus Ernst (BSW):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und
Herren! Zu diesen Taurus-Systemen, die hier wohl die bedeutendste Rolle spielen,
hätte ich gerne mal eine Antwort in einer anderen Sache: Teilen Sie von der CSU
eigentlich alle die Auffassung der CDU, die Auffassung von Herrn Kiesewetter, dass
man jetzt hinter den Linien russische Ministerien mit deutschen Waffen angreifen
soll?</p>
<kommentar>(Enrico Komning [AfD]: Das ist irre!)</kommentar>
<p klasse="O">Das habe ich der Zeitung entnommen.</p>
<kommentar>(Abg. Roderich Kiesewetter [CDU/CSU] meldet sich zu
einer Zwischenfrage)</kommentar>
<p klasse="O">– Nein, jetzt nicht. Sie haben hinterher
Redezeit.</p>
<kommentar>(Zurufe von der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">– Also, meine Herren, er kann doch gleich reden. Er
steht doch nach mir auf der Redeliste.</p>
<kommentar>(Weitere Zurufe von der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Ich habe auch nicht ihn gefragt; ich habe Sie
gefragt: Teilen Sie das, oder teilen Sie das nicht?</p>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Herr Ernst, erlauben Sie eine Zwischenfrage des
Kollegen Kiesewetter?</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11003753"><name><vorname>Klaus</vorname><nachname>Ernst</nachname><fraktion>BSW
</fraktion></name></redner>Klaus Ernst (BSW):</p>
<p klasse="J_1">– Nein. – Sind Sie der Auffassung, dass uns dieses
Waffensystem, wenn wir es liefern, einem Atomkrieg näherbringt, oder glauben Sie,
dass es uns in Zukunft mehr Frieden bringt? Sind Sie der Auffassung, dass der Krieg
dadurch eskaliert oder dadurch deeskaliert wird? Diese Fragen hätte ich gerne mal
von Ihnen beantwortet. Ich sage Ihnen die Antwort: Dadurch eskaliert der Krieg, das
macht die Lage in Europa unsicherer und führt dazu, dass wir weiter in diesen Krieg
hineingezogen werden. Und das möchte ich nicht, meine Damen und Herren. Das sage
ich mit aller Klarheit.</p>
<kommentar>(Beifall beim BSW sowie bei Abgeordneten der AfD und der
Linken und des Abg. Robert Farle [fraktionslos])</kommentar>
<p klasse="J">Da die Redezeit leider begrenzt ist, möchte ich Ihnen
nur noch ein Zitat von Erich Maria Remarque mitgeben. Er hat nämlich gesagt:</p>
<p klasse="Z">„Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg,
bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind, besonders die, die nicht
hingehen müssen.“</p>
<kommentar>(Beifall beim BSW sowie bei Abgeordneten der Linken –
Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann [FDP]: Wladimir Putin zum Beispiel! Der steht
nicht an der Front!)</kommentar>
<p klasse="O">Das sollten sich alle, die sich so über das
Weiterkämpfen der Ukraine freuen, vergegenwärtigen. Übrigens ist ein großer Teil
der Männer aus der Ukraine, die in der Bundesrepublik sind, hier, weil sie nicht
mehr kämpfen wollen. Die Ukraine hätte es gerne, dass wir sie wieder
zurückschicken.</p>
<kommentar>(Dr. Johann David Wadephul [CDU/CSU]: Herr Ernst, das
ist falsch!)</kommentar>
<p klasse="O">All diejenigen, die das fordern, bitte ich, mal über
diesen Satz nachzudenken. Sie müssen nämlich selbst nicht hingehen.</p>
<kommentar>(Dr. Johann David Wadephul [CDU/CSU]: Wissen Sie, was in
Butscha passiert ist, Herr Ernst?)</kommentar>
<p klasse="O">Das ist der Unterschied zwischen denen, die im Krieg
sind, und denen, die wie wir darüber reden. Wir brauchen Friedensverhandlungen,</p>
<kommentar>(Michael Brand [Fulda] [CDU/CSU]: Wer ist der
Aggressor? – Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann [FDP]: Die zwei Minuten sind
um!)</kommentar>
<p klasse="O">wir brauchen einen Waffenstillstand, und wir brauchen
eine Sicherheitsarchitektur, die den Frieden sichert, und nicht mehr Rüstung.</p>
<kommentar>(Beifall beim BSW sowie bei Abgeordneten der Linken –
Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann [FDP]: So, jetzt ist die Zeit um!)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Der nächste Redner ist für die Unionsfraktion
Roderich Kiesewetter.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015405000">
<p klasse="redner"><a id="r59"/><redner
id="11004068"><name><vorname>Roderich</vorname><nachname>Kiesewetter</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Roderich Kiesewetter
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und
Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir als Union haben nur die Empfehlung des
Bundesverteidigungsministers aufgegriffen, doch einfach die Antragsteller zu
fragen. Das haben wir schlichtweg gemacht. Im Grunde genommen hat uns der
Regierungssprecher ja zwischenzeitlich über die Medien die Antwort gegeben: Der
Bundeskanzler versteht darunter ausdrücklich nicht die Lieferung von Taurus. Das
ist die klare Antwort.</p>
<kommentar>(Wolfgang Hellmich [SPD]: Na, na, na!
Lesen!)</kommentar>
<p klasse="J">Aber die Lage ist viel ernster, als Sie denken, und
darauf möchte ich auch eingehen. Vor zehn Jahren hat Bundespräsident Gauck vor der
Münchner Sicherheitskonferenz sehr klar gesagt, Deutschland müsse sich „früher,
entschiedener und substantieller“ einbringen. Darüber hinaus hat er ausgeführt,
Deutschland habe über Jahrzehnte Sicherheit empfangen und dürfe sich deshalb nicht
verweigern, wenn Menschenrechtsverletzungen in Kriegsverbrechen münden.</p>
<p klasse="J">Wenige Tage später wurde diese Forderung – „früher,
entschiedener, substanzieller“ – durch den Einmarsch Russlands auf die Krim und in
die Ostukraine getestet: 2 Millionen Vertriebene, 14 000 Tote, der Beginn des
Krieges. Putin hat, eben weil wir versucht haben, zu deeskalieren, immer weiter
eskaliert. Putin hat nach unserer Antwort – Minsk I, Minsk II und Nord Stream 2 –
nicht eingesehen, sich aus der Ukraine zurückzuziehen. Vielmehr hat er gesehen: Er
muss unsere Schwäche ausnutzen. Und das hat er gnadenlos gemacht. Deswegen ist der
Krieg am 24. Februar in diese furchtbare Eskalation gemündet.</p>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Kollegen der
Werchowna Rada, sehr geehrter Herr Botschafter, das Bittere daran ist, dass der
Leidtragende das ukrainische Volk ist. Für das ukrainische Volk ist die Lieferung
von Taurus eineindeutig nur ein Symbol. Die guten Forderungen in Ihrem Antrag – EU-
Mitgliedschaft, NATO-Mitgliedschaft, Grenzen von 1991 – werden nicht mit
ausreichenden Lieferungen unterfüttert. Warum das so ist, will ich Ihnen
begründen.</p>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Lieber Kollege Kiesewetter, wir haben jetzt drei
Zwischenfragen an Sie, vom Kollegen Michael Brand aus der CDU/CSU-Fraktion, vom
Kollegen Ulrich Lechte aus der FDP-Fraktion sowie vom Abgeordneten Weyel aus der
AfD-Fraktion.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004068"><name><vorname>Roderich</vorname><nachname>Kiesewetter</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Roderich Kiesewetter
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Ich nehme die gerne an, ja.</p>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Dann beginnen wir mit Michael Brand.</p>
<p klasse="redner"><a id="r60"/><redner
id="11003742"><name><vorname>Michael</vorname><nachname>Brand</nachname><ortszusatz
>(Fulda)</ortszusatz><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Michael Brand
(Fulda) (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Lieber Kollege Kiesewetter, Herr Ernst hat Ihnen
gerade eine Frage gestellt und in diesem Zusammenhang eine Aussage von Ihnen, die
Sie in den letzten Tagen gemacht haben, zitiert, nach der der Krieg nach Russland
getragen werden müsse. Er hat eine Frage gestellt, wollte die Antwort darauf aber
nicht hören. Ich möchte Ihnen die Gelegenheit geben, zu antworten, und frage, was
Sie mit dieser Aussage gemeint haben.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004068"><name><vorname>Roderich</vorname><nachname>Kiesewetter</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Roderich Kiesewetter
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Danke. – Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr
Kollege Brand, ich möchte deutlich machen, was ich gesagt habe, und ich danke auch
für die Gelegenheit, die mir Herr Ernst nicht eingeräumt hat. Ich habe gesagt: Die
Ukraine muss befähigt werden, den Krieg auch in die Tiefe Russlands zu tragen,
damit die russische Bevölkerung merkt, dass ihr Land einen furchtbaren
Angriffskrieg führt. Und die Ukraine muss befähigt werden, mit ihren eigenen Waffen
russische Kriegseinrichtungen, Militärlager, Waffen, Munition zu zerstören</p>
<kommentar>(Klaus Ernst [BSW]: Ministerien!)</kommentar>
<p klasse="O">und Ministerien, die in diesen Krieg verwickelt sind,
zu bekämpfen. Die Ukraine kann das inzwischen leisten; sie hat zum Beispiel den
FSB, ein Ministerium, angegriffen.</p>
<p klasse="J">Dazu gehört aber auch eine ganz perfide Logik Putins:
Putin erklärt die vier besetzten Gebiete zu einem genuinen Bestandteil Russlands.
Angriffe darauf sind erst recht völkerrechtlich legitim. Es ist keine Eskalation
vonseiten der Ukraine und völkerrechtlich einwandfrei, ukrainisches Gebiet
anzugreifen. Aber die Ukraine muss befähigt werden, dort anzugreifen. Das ist ihr
eigenes Gebiet!</p>
<p klasse="J">Und es geht auch darum, der russischen Bevölkerung
klarzumachen, dass Hunderttausende Menschen aus den ethnischen Minderheiten
geopfert werden, dass Zehntausende Kriegsgefangene geopfert werden.</p>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Wir haben noch zwei weitere Nachfragen.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004068"><name><vorname>Roderich</vorname><nachname>Kiesewetter</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Roderich Kiesewetter
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Insofern verstehe ich unter meinem Satz, den Krieg
nach Russland zu tragen, dass die Ukraine befähigt wird, dies zu tun.</p>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Lieber Herr Kiesewetter, ich wäre Ihnen dankbar,
wenn Sie zum Ende der Beantwortung kämen, da es noch zwei weitere Fragen gibt.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004068"><name><vorname>Roderich</vorname><nachname>Kiesewetter</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Roderich Kiesewetter
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Danke, Herr Kollege.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Christine
Aschenberg-Dugnus [FDP]: Wenn aus der eigenen Fraktion Fragen gestellt werden, kann
man die Redezeit verlängern!)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Die nächste Frage kommt aus der FDP-Fraktion.</p>
<p klasse="redner"><a id="r61"/><redner
id="11004799"><name><vorname>Ulrich</vorname><nachname>Lechte</nachname><fraktion>F
DP</fraktion></name></redner>Ulrich Lechte (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Lieber Roderich
Kiesewetter, danke, dass du die Zwischenfrage zugelassen hast. Da du ja eine der
Stimmen der Vernunft in der Fraktion der CDU/CSU-Fraktion bist, wollte ich von dir
erfahren – ich habe ja hier vom Kollegen Hahn vorhin viel Nachhilfeunterricht
bekommen –, auf welcher Ebene das Versprechen der 1 Million Granatgeschütze Kaliber
155 Millimeter gemacht wurde; meines Wissens auf Ebene der Europäischen Union.</p>
<p klasse="J">Deutschland ist auf europäischer Ebene definitiv der
größte Unterstützer der Ukraine in allen Bereichen. Wir haben insgesamt Zusagen mit
einem Volumen von 25 Milliarden Euro gemacht, bereits 17,7 Milliarden Euro an
Militärhilfen geleistet. Mein lieber Kollege, du wirst auch wissen, dass die
Franzosen erst mit 640 Millionen Euro dabei sind, jetzt weitere 3 Milliarden Euro
zugesagt haben, dass die Italiener auch in diesem Bereich unterwegs sind und die
Spanier gerade mal unter einer halben Milliarde Euro geleistet haben.</p>
<p klasse="J">Also, wo liegt das Problem? Liegt es bei der
Ampelkoalition in Deutschland und der Bundesregierung?</p>
<kommentar>(Dr. Johann David Wadephul [CDU/CSU]: Ja!)</kommentar>
<p klasse="O">Ist diese Taurus-Debatte nicht aufgesetzt? Ist das,
was deine Fraktion hier gerade abzieht, nicht ein bisschen lächerlich? Könnte man
hier nicht vielmehr konstatieren, dass Deutschland alles dafür tut, die Ukraine zu
unterstützen, und dass die europäischen Partner noch sehr, sehr viel Nachholbedarf
haben und dass es eigentlich Aufgabe der EU-Kommissionspräsidentin, Ursula von der
Leyen, die aus deiner Partei kommt, wäre, die europäischen Partner dazu
anzutreiben, das, was sie letztes Jahr versprochen haben, auch tatsächlich
umzusetzen und die europäische Verteidigungsindustrie auszuweiten und entsprechend
auszustatten? Da liegt der Hund begraben und nicht in der Frage, ob wir Taurus
liefern oder nicht.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der FDP, der SPD und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">So, jetzt lassen wir Herrn Kiesewetter bitte mal
antworten auf diese Zwischenfrage.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004068"><name><vorname>Roderich</vorname><nachname>Kiesewetter</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Roderich Kiesewetter
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Kollege Lechte, Sie haben drei
Punkte angesprochen: erstens die 1 Million, zweitens die deutsche Unterstützung,
drittens: Was machen die anderen?</p>
<p klasse="J">Zur 1 Million: Das war das Ergebnis einer Abstimmung,
die die EU-Kommissionspräsidentin bekannt gegeben hat, nachdem sie sich mit den
nationalen Verteidigungsministern beraten hat. Verteidigungsminister Pistorius –
das hat Florian Hahn sehr gut angesprochen – war einer der Ratgeber. Die
Europäische Union hätte kein Versprechen gemacht, wenn nicht die Mitgliedstaaten
dahintergestanden wären.</p>
<p klasse="J">Zweitens, zu unserer eigenen Unterstützungsleistung:
Ich rate, auf die Homepage des Bundesverteidigungsministeriums zu gehen. Dort
werden 5,6 Milliarden Euro Militärhilfe genannt. Weitere 8 Milliarden Euro sind
anerkannt. Ich warne davor, in einen Wettbewerb mit anderen zu gehen. Frankreich
liefert Waffen, die russische Versorgungswege auf die Krim zerstören. Ein weiterer
Punkt – das ist auch ganz wichtig –: Andere Staaten machen, gemessen am
Bruttoinlandsprodukt, deutlich mehr: Norwegen 1,7 Prozent, Estland und Lettland 1,7
bzw. 1,5 Prozent. Ich spreche das deshalb an, weil die wirtschaftsstärkste Macht
Europas nicht ständig mit einer Hybris und Überheblichkeit sagen sollte, wie toll
sie ist.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Wir sollten mehr tun für die Ukraine, und das in
Demut und mit mehr Anstrengung, und nicht bestimmte Waffensysteme als rote Linie
ausklammern.</p>
<p klasse="J">Zum letzten Punkt, zur Frage, was die anderen machen:
Ja, aber wir sollten einer Scharnierfunktion nachkommen und den Mittel- und
Osteuropäern klarmachen: Wir stehen an eurer Seite, wir helfen. Und wir sollten den
Südeuropäern mit etwas mehr Schmackes klarmachen, dass ein Spanien, ein Italien und
auch ein Frankreich mehr tun kann.</p>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Lieber Herr Kiesewetter, es gibt noch eine
Zwischenfrage.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004068"><name><vorname>Roderich</vorname><nachname>Kiesewetter</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Roderich Kiesewetter
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Aber ich wünschte mir, andere Länder würden auch so
stark sein wie Frankreich und Marschflugkörper liefern. Frankreich tut es,
Deutschland nicht.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Die letzte Zwischenfrage, die ich zulasse, kommt
von Dr. Harald Weyel von der AfD-Fraktion.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004068"><name><vorname>Roderich</vorname><nachname>Kiesewetter</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Roderich Kiesewetter
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Herr Kollege.</p>
<p klasse="redner"><a id="r62"/><redner
id="11004932"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Harald</vorname><nachname>Weyel</
nachname><fraktion>AfD</fraktion></name></redner>Dr. Harald Weyel (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Danke, Herr Kollege Kiesewetter, dass Sie die
Zwischenfrage zulassen. Danke auch, Frau Präsidentin, dass Sie sie zugelassen
haben. – Herr Kiesewetter, ich beobachte Sie seit 2006.</p>
<kommentar>(Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann [FDP]: Der arme Herr
Kiesewetter! Stalker!)</kommentar>
<p klasse="O">Ich weiß nicht, ob Sie sich noch daran erinnern. 2006
waren wir gemeinsam bei der Evangelischen Akademie Loccum. – Ein bisschen
Aufmerksamkeit für die Mitmenschen, ja? – Dort wurde damals, nach langer Pause, das
Weißbuch der Bundeswehr von Flottillenadmiral Kähler vorgestellt. Das war eine sehr
launige Veranstaltung,</p>
<kommentar>(Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann [FDP]: Erzähl mal
mehr! Die launige Veranstaltung war doch in Potsdam!)</kommentar>
<p klasse="O">bei der darüber gejubelt wurde, dass Kanzlerin Merkel
in ihrem halbseitigen oder drittelseitigen Vorwort von deutschen Interessen sprach,
erstmals in einem Weißbuch der Bundeswehr. Das wurde später aufgrund irgendwelcher
Geschichten im Zusammenhang mit Afghanistan runtergemacht. Aber das ist ein anderes
Thema.</p>
<p klasse="J">Als wir nach der Pause auf dem Rückweg zum Tagungsort
waren, hatte sowohl die Marine als auch die Luftwaffe gewisse Schwierigkeiten, den
Weg zu finden. Also, es herrschte eine gewisse Orientierungslosigkeit, die sich
leider auch hier im politischen Geschehen niederschlägt.</p>
<kommentar>(Zuruf der Abg. Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann
[FDP])</kommentar>
<p klasse="J">Die Forderung nach Taurus ist ja ein Running Gag der
CDU/CSU-Fraktion. Ich erwarte eigentlich, dass sich mal einer von Ihnen, vielleicht
Sie als Oberst der Luftwaffe, wie Dr. Seltsam auf den Taurus setzt und damit nach
Moskau reitet. Und wenn der Taurus nicht ausreicht, nehmen wir noch einen „Ochsus“
dazu.</p>
<p klasse="J">Der Kern meiner Frage, Herr Kiesewetter, zielt auf
das Minsker Abkommen. Sie haben gesagt, dass man mit Engelszungen auf die Russen
eingeredet hat</p>
<kommentar>(Dr. Johann David Wadephul [CDU/CSU]: Kommen Sie mal zur
Frage! – Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann [FDP]: Kann mir einmal jemand Kaffee
einschenken?)</kommentar>
<p klasse="O">und Minsk I und Minsk II besonders hervorzuheben
sind. Wie erklären Sie sich, dass die Bundeskanzlerin im Dezember letzten Jahres
sagte, es sei gar nicht ernst gemeint gewesen?</p>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Ich bitte Sie, zum Ende der Frage zu kommen.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004932"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Harald</vorname><nachname>Weyel</
nachname><fraktion>AfD</fraktion></name></redner>Dr. Harald Weyel (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Wie deuten Sie das? Wie wahrscheinlich ist es, dass
die Russen oder wer auch immer uns als seriösen Verhandlungspartner
akzeptieren?</p>
<p klasse="J">Danke schön.</p>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Ich bitte grundsätzlich um etwas mehr Ruhe im
Plenarsaal, sodass der Abgeordnete Kiesewetter darauf kurz und bündig antworten
kann, um dann seine Rede fortzusetzen.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004068"><name><vorname>Roderich</vorname><nachname>Kiesewetter</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Roderich Kiesewetter
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Herr Kollege Weyel, im Jahr 2006, auf das Sie
rekurrieren, hatte Putin noch nicht bei der Münchner Sicherheitskonferenz einen
neuen Kalten Krieg beschworen. Im Jahr 2006 war die Entwicklung, die sich im
Weißbuch widerspiegelt, eine ganz andere. Ihre Frage erschließt sich mir
schlichtweg nicht.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Ob man mit Russland verhandeln will? Wir haben viele
Jahre mit Russland verhandelt. Wir haben mit Russland beispielsweise über
Abrüstungsabkommen gesprochen und verhandelt. Im Jahr 2006 brach Russland das
Mittelstreckenraketen-Abkommen und begann damit, Nuklearwaffen in Kaliningrad zu
stationieren. Weder Ihre Partei noch Ihre Gruppen sind willens und in der Lage, zu
thematisieren, dass die Nuklearwaffen in Kaliningrad einen Bruch des Völkerrechts
darstellen. Auf dieser Grundlage können wir uns nicht unterhalten. Das ist Täter-
Opfer-Umkehr, Herr Kollege Weyel!</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie des Abg.
Dietmar Nietan [SPD])</kommentar>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist gut, dass wir
eine lebendige Debatte haben. Ich habe nicht umsonst Bundespräsident Gauck zitiert;
denn dieses Russland hat auf der Grundlage von Minsk I und Minsk II eben nicht
deeskaliert, und dieses Russland hat auf der Grundlage von Nord Stream 2 nicht
deeskaliert, sondern uns in Abhängigkeit gebracht. Es sind etliche hier im Haus,
die im Jahr 2015 und 2016 schon Abgeordnete waren. Wir wissen alle, wie wir
seinerzeit in der Wirtschafts- und Sicherheitspolitik gerungen haben, diese
Abhängigkeit von Russland nicht einzugehen. Die Lehre daraus muss doch sein – das
war unsere Hoffnung bei der Zeitenwende-Rede des Bundeskanzlers –, dass mit diesem
Russland so nicht zu verhandeln ist, sondern nur aus einer Position der Stärke
heraus.</p>
<p klasse="J">Und wie sieht diese Position der Stärke aus? Sie
verweigern der Ukraine das Mittel, das nötig wäre, um gemeinsam mit den
amerikanischen ATACMS und den britischen und französischen Storm Shadow bzw.
SCALP – das sind vergleichbare, aber nicht so weit reichende Waffen – das
zurückzuholen, was für Putin ein Symbol ist: die Krim. Sie verweigern der Ukraine
die Möglichkeit, die Versorgungslinien zu zerstören, die auf die Krim führen, von
der Zehntausende russische Soldaten jeden Tag 80 Prozent der Angriffe auf die
ukrainische Bevölkerung ausführen – jeden Tag! –, und dabei geht es um die
Vernichtung der ukrainischen Zivilgesellschaft. Taurus und andere sind Symbole
dafür, wie man das ändern kann.</p>
<p klasse="J">Aber der Bundeskanzler selbst sagte: Die Krim hat
eine symbolische Bedeutung für Putin, und das müssen wir berücksichtigen. Ich
wünsche mir, dass der Bundeskanzler es umdreht und sagt: Gerade weil die Krim eine
symbolische Bedeutung für Putin hat, gerade weil der Iran jetzt
Mittelstreckenraketen mit 700 Kilometern Reichweite liefert, gerade weil die Russen
jetzt eine Nuklearwaffe im Weltraum zu stationieren beabsichtigen, gerade weil
Transnistrien die Absicht hat, sich in den nächsten Wochen der Russischen
Föderation anzuschließen, und gerade weil – die größte verpasste Chance – Nawalny
von Russland symbolisch auf die Schwelle des Bayerischen Hofes gelegt wurde, hat
der Bundeskanzler am vergangenen Sonntag die historische Chance verpasst, gemeinsam
mit Selenskyj im Saal zu stehen und zu sagen: Europa, USA, Ukraine, wir Europäer
stehen zusammen gegen den Völkerrechtsbruch, den Russland begeht, gegen die
Gräueltaten, gegen die Menschenrechtsverletzungen, gegen Kindesentführungen. Kinder
warten sehnsuchtsvoll auf ihre Väter, und ihnen wird nicht gesagt, dass sie
gefallen sind. Väter sitzen in den Schützengräben, schauen die Bilder ihrer Kinder
an, die nicht mehr leben.</p>
<p klasse="J">Ich will Folgendes sagen, liebe Kolleginnen und
Kollegen: Wenn wir als Bundestag glaubwürdig sein wollen, dann sollten wir nicht
symbolisch über tolle Dinge reden und darüber, wie gut wir unterstützen, sondern
alles tun, dass das Symbol Putins, die Krim, befreit werden kann. Aber es geht auch
um die Ukraine und deren Weg in die Europäische Union und in die NATO. Wir müssen
alles dafür tun, dass die ukrainische Bevölkerung eine Perspektive hat und nicht
weiter Opfer von Kriegsverbrechen wird. Deshalb: Mehr „As long as it takes“ ist
falsch, „whatever it takes“ ist richtig – früher, entschiedener und
substanzieller.</p>
<p klasse="J">Danke schön.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Ich möchte darauf hinweisen, dass wir noch vier Redner
haben. Und darum bitte ich auch die Abgeordneten, die hinten stehen, noch einmal
Platz zu nehmen, sodass wir eine gewisse Ruhe im Saal haben und den Rednerinnen und
Rednern folgen können. Ich bitte die hinten Stehenden Platz zu nehmen, sodass nicht
so viel Unruhe im Saal ist. – Vielen Dank.</p>
<p klasse="J">Der nächste Redner ist der fraktionslose Abgeordnete
Johannes Huber.</p>
<rede id="ID2015405100">
<p klasse="redner"><a id="r63"/><redner
id="11004764"><name><vorname>Johannes</vorname><nachname>Huber</nachname><fraktion>
fraktionslos</fraktion></name></redner>Johannes Huber (fraktionslos):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Mitbürger!
Georgien 2008, Krim 2014 und Ukraine 2022 folgten jeweils den rapide schlechter
werdenden Zustimmungswerten des russischen Präsidenten. Auch das Dekret des
ukrainischen Präsidenten von März 2021 zur militärischen Rückeroberung der Krim und
des Donbass war weder für den Frieden in Europa noch für sein eigenes Schicksal
hilfreich. Es war aber Putin, der im Dezember 2021 mit seinem Ultimatum an die
NATO, aus allen 14 Ländern in Osteuropa zu verschwinden, das strategische Ziel
offenbarte, sein verlorenes Imperium mindestens bis zur deutschen Ostgrenze
wiederherzustellen. Das war für mich persönlich neben der Medienkampagne der
entscheidende Grund, in den folgenden Tagen parteilos zu werden.</p>
<p klasse="J">Seit Putins geplantem Angriff über Gazprom Germania
im März 2022 als Reaktion auf die Waffenlieferungen ist auch Deutschland
strategisches Kriegsziel. Die Sprengung von Nord Stream hat aber gezeigt, dass
Deutschland aufgrund der eigenen Schwäche und auch aufgrund der eigenen Dummheit –
Stichwort: „bedingungsloser Garantiestaat“ – als Spielball auch anderen Mächten
ausgeliefert ist. Daher muss auch die Taurus-Lieferung weiterhin gut abgewogen
werden, weil klar ist, dass deutsche Waffen dahinterstecken, wenn damit die Krim-
Brücke zerstört wird. Das würde zwar den so essenziellen russischen Nachschub
verlangsamen; aber solange die Ukraine militärisch nicht im Ansatz in der Lage ist,
auch die Landbrücke über Melitopol einzunehmen, müssen die Waffenzulieferer für
diese Operation entweder all-in gehen oder selbst eingreifen. Ein dritter Weltkrieg
ist aber sicher nicht im Interesse der deutschen Bürger.</p>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Kommen Sie bitte zum Schluss.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004764"><name><vorname>Johannes</vorname><nachname>Huber</nachname><fraktion>
fraktionslos</fraktion></name></redner>Johannes Huber (fraktionslos):</p>
<p klasse="J_1">Auf diesen Ernstfall müssen wir uns aber noch
schneller vorbereiten.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Für Bündnis 90/Die Grünen hat das Wort Deborah
Düring.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015405200">
<p klasse="redner"><a id="r64"/><redner
id="11005045"><name><vorname>Deborah</vorname><nachname>Düring</nachname><fraktion>
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Deborah Düring (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Sehr geehrter Herr Botschafter! Vor zehn Jahren demonstrierten
Hunderttausende Ukrainerinnen und Ukrainer auf dem Maidan für eine Anbindung an die
Europäische Union – mit bitteren Konsequenzen. Die Proteste wurden blutig
niedergeschlagen. Mehr als 100 Demonstrantinnen und Demonstranten verloren ihr
Leben. Um diesen Annäherungsprozess zu unterbinden, annektierte Russland kurz
darauf die Krim und begann den Krieg in der Ostukraine. Kein anderes Land hat einen
so hohen Preis für die Hinwendung zur EU gezahlt wie die Ukraine. Wir schulden es
genau diesen Ukrainerinnen und Ukrainern, sie bei der Selbstverteidigung ihres
Landes umfassend zu unterstützen und den Weg in die EU zu ebnen.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN,
der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Für uns ist klar: Die Zukunft der Ukraine liegt
innerhalb der EU. Und genau deshalb muss die EU eine langfristige Unterstützung der
Ukraine aus eigener Kraft sicherstellen können.</p>
<p klasse="J">Die Bundesregierung bekennt sich auch mit der
gemeinsamen Sicherheitsvereinbarung dazu, die Ukraine konsequent zu unterstützen.
Diese umfangreiche militärische wie zivile Unterstützung bekräftigen wir auch mit
dem vorliegenden Antrag. Die Ukraine braucht umfassende Militärhilfen, um sich
selbst zu verteidigen und die eigene territoriale Integrität und Souveränität
vollständig wiederherstellen zu können. Dafür müssen wir zusätzlich weitreichende
Waffensysteme und ausreichende Munition liefern.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der
FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, auch der
Wiederaufbau der Ukraine ist ein Akt des Widerstandes. Wenn Schulen wieder
aufgebaut werden, die Energieinfrastruktur wieder instand gesetzt wird und
landwirtschaftliche Flächen von Minen befreit werden, zeigen wir der gesamten
ukrainischen Bevölkerung, dass wir fest an ihrer Seite stehen. Wir müssen gemeinsam
mit der ukrainischen Zivilgesellschaft, den Kommunen und der Privatwirtschaft
diesen Wiederaufbau langfristig unterstützen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP
sowie bei Abgeordneten der SPD)</kommentar>
<p klasse="J">Bereits jetzt werden Kriegsverbrechen und Verbrechen
gegen die Menschlichkeit, die Russland in der Ukraine begeht, umfassend
dokumentiert. Die Täter müssen zur Verantwortung gezogen werden. Darüber hinaus
darf es im 21. Jahrhundert niemanden geben, der straflos einen Angriffskrieg führen
kann.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD
sowie bei Abgeordneten der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Genau deshalb befürworten wir das Anliegen der
Ukraine, ein Sondergericht für das Verbrechen der Aggression gegen die Ukraine
einzurichten.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen, abschließend möchte
ich auch die Situation in der Republik Moldau nicht unerwähnt lassen.</p>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Kommen Sie bitte zum Schluss.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11005045"><name><vorname>Deborah</vorname><nachname>Düring</nachname><fraktion>
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Deborah Düring (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Wir stehen auch weiterhin solidarisch an ihrer
Seite und werden sie unterstützen.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP
sowie bei Abgeordneten der SPD)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Ich möchte diejenigen, die in den hinteren Reihen
stehen, noch mal recht herzlich bitten, sich hinzusetzen, damit wir ein Stück weit
mehr Ruhe im Saal haben. Es gibt noch zwei Redner. Von daher bitte ich Sie – ich
schaue vor allen Dingen auf die linke Seite –, sich hinzusetzen. – Danke schön.</p>
<p klasse="J">Robert Farle ist der nächste Redner.</p>
</rede>
<rede id="ID2015405300">
<p klasse="redner"><a id="r65"/><redner
id="11005053"><name><vorname>Robert</vorname><nachname>Farle</nachname><fraktion>fr
aktionslos</fraktion></name></redner>Robert Farle (fraktionslos):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen
und Herren! Putin erklärte im Interview mit Tucker Carlson, das über 1 Milliarde
Menschen gesehen haben, dass er zu Waffenstillstandsverhandlungen auf der Grundlage
des Istanbuler Friedenskompromisses bereit ist. Dieser Friedenskompromiss hätte den
Krieg in der Ukraine schon vor zwei Jahren sofort beenden können. Selenskyj wurde
von Joe Biden und Boris Johnson daran gehindert, diesen Kompromiss zu
unterzeichnen.</p>
<p klasse="J">Die ukrainische Delegation hatte das Positionspapier
vorgelegt – ich zitiere –: „Die Ukraine erklärt sich selbst zu einem neutralen
Staat und verspricht, blockfrei zu bleiben …“</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Ulrich Lechte [FDP])</kommentar>
<p klasse="O">Im Gegenzug haben schon damals die Russen zugesagt,
sich hinter die Grenzen vom 24. Februar 2022 zurückzuziehen. Dies wurde vom
türkischen Außenminister sowie dem israelischen Ministerpräsidenten Bennett
bestätigt.</p>
<kommentar>(Ulrich Lechte [FDP]: Das stimmt einfach nicht! Das ist
eine Lüge!)</kommentar>
<p klasse="O">Der Krieg wäre damals schon beendet gewesen, und
Hunderttausende junge Männer auf beiden Seiten der Front würden heute noch leben.
Wenn es Ihnen um das Leben der Menschen gehen würde, würden Sie sich für einen
Waffenstillstand einsetzen.</p>
<kommentar>(Ulrich Lechte [FDP]: Ich hoffe, Sie sind katholisch und
können beichten gehen!)</kommentar>
<p klasse="J">Sie, Herr Roderich Kiesewetter, und Sie, Frau Strack-
Zimmermann, Sie wollen Deutschland in einen Krieg hineinziehen.</p>
<kommentar>(Michael Brand [Fulda] [CDU/CSU]: Der Krieg ist
da!)</kommentar>
<p klasse="O">Sie fordern nämlich immer noch den Sieg der Ukraine,
wo jeder weiß, dass das völlig chancenlos und unsinnig ist</p>
<kommentar>(Zuruf der Abg. Deborah Düring [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="O">und man eine Atommacht auf diese Weise nicht besiegen
kann.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der AfD)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Der letzte Redner in der Debatte ist für die SPD-
Fraktion Wolfgang Hellmich.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015405400">
<p klasse="redner"><a id="r66"/><redner
id="11004226"><name><vorname>Wolfgang</vorname><nachname>Hellmich</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Wolfgang Hellmich (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Herr Botschafter! Frau
Wehrbeauftragte! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Im Krieg sollte die Perspektive
auf Frieden erhalten bleiben. – Diese Worte unseres Bundespräsidenten von gestern
Abend sind mir deutlich in Erinnerung geblieben und haben sich eingeprägt, weil sie
die Linie sind, mit der wir Politik machen, gerade bei der Unterstützung der
Ukraine.</p>
<p klasse="J">Russland hoffte, glaubte, eine demokratische,
unabhängige und souveräne Ukraine zerschlagen, zerstören zu können und damit die
Demokratie weltweit, den europäischen Zusammenhalt und die europäische
Friedensordnung zerstören zu können. Zerstörung, Tod, unsägliches Leid, Terror
gegen die Menschen in der Ukraine – Putin opfert jede Menschlichkeit, jede
Zivilisation seinem imperialistischen Größenwahn. Das werden wir, das dürfen wir
nicht zulassen. Ich verneige mich vor einem tapferen ukrainischen Volk, das mit
unserer Unterstützung dieses und den Sieg Putins verhindert hat.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU,
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Lassen Sie mich eine persönliche Note hinzufügen. Ich
danke an dieser Stelle dem ukrainischen Zwangsarbeiter, der 1945 verhindert hat,
dass meine Familie erschossen worden ist.</p>
<p klasse="J">Mit der militärischen, wirtschaftlichen, politischen
und humanitären Unterstützung der Ukraine schützen wir unsere eigene Sicherheit,
unsere demokratischen Werte und unsere Freiheit. Wir wollen die Hand zum Frieden
reichen, ja. Aber wenn diese Hand ständig ausgeschlagen wird, wenn unsere
Bündnispartner und wir selbst bedroht werden, dann müssen wir gewappnet sein.</p>
<kommentar>(Dr. Johann David Wadephul [CDU/CSU]: Ja!)</kommentar>
<p klasse="O">Dann dürfen wir nicht warten; dann dürfen wir nicht
zusehen. Wir müssen gewappnet sein. Deshalb werden wir die Ukraine weiter
unterstützen, so wie es auch der Koalitionsantrag beschreibt. Die Ukraine muss
gewinnen.</p>
<p klasse="J">Die Ukraine will in die NATO. Wir unterstützen sie
auf diesem Weg und auf dem Weg in die EU und damit in eine demokratische und
sichere Zukunft.</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Dr. Harald Weyel [AfD])</kommentar>
<p klasse="O">Das ist die Perspektive, die wir den Menschen in der
Ukraine geben müssen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU,
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Damit das gelingt, müssen wir mehr tun, vielleicht
auch mehr Munition und mehr Material aus eigenen Abständen abgeben als bisher
vorstellbar. Andere europäische Staaten machen uns das vor. Wenn die Ukraine dieses
Material braucht, dann dürfen wir nicht zögern, es aus den eigenen Beständen zu
liefern, so wie die Dänen es uns vormachen, und dann für schnellen Ersatz
sorgen.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Wir werden die Bundeswehr weiter stärken.</p>
<p klasse="J">Wenn dies alles richtig und nötig ist, dann müssen
wir die Prioritäten setzen und die Notwendigkeiten auch entsprechend absichern.
Unser ehemaliger Kanzler Brandt hat nämlich recht: „… ohne Frieden ist alles
nichts.“ Darum geht es. Deshalb bitte ich um die Unterstützung des Antrags der
Koalitionsfraktionen.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie
bei Abgeordneten der FDP)</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Damit schließe ich die Aussprache.</p>
<p klasse="J">Wir kommen zur Abstimmung über den Antrag der
Koalitionsfraktionen auf der Drucksache 20/10375 mit dem Titel „Zehn Jahre
russischer Krieg gegen die Ukraine – Die Ukraine und Europa entschlossen
verteidigen“. Die Koalitionsfraktionen haben dazu namentliche Abstimmung
verlangt.</p>
<p klasse="J">Zu dem Antrag liegen auch mehrere Erklärungen nach § 31
der Geschäftsordnung vor.<sup>1</sup><fussnote><p><a href="ANL4">Anlage 4 bis
6</a></p></fussnote></p>
<p klasse="J">Sie haben nach Eröffnung der Abstimmung zur Abgabe Ihrer
Stimme 20 Minuten Zeit. – Die Schriftführerinnen und Schriftführer haben ihre
Plätze bereits eingenommen.</p>
<p klasse="J"><a id="w2"/>Ich eröffne hiermit die namentliche
Abstimmung über den Antrag auf der Drucksache 20/10375. Die Abstimmungsurnen werden
um 14.30 Uhr geschlossen. Das bevorstehende Ende werde ich Ihnen rechtzeitig
bekannt geben.<sup>2</sup><fussnote><p>Ergebnis Seite 19654 C</p></fussnote> </p>
<p klasse="J">Tagesordnungspunkt 8 c. Abstimmung über den Antrag der
Fraktion der AfD auf der Drucksache 20/10388 mit dem Titel „Den rechtsstaatlichen
Finanz- und Wirtschaftsstandort Europa nicht durch rechtswidrige Verwendung
russischen Staatsvermögens zerstören“. Wer stimmt für diesen Antrag? – Das ist die
AfD-Fraktion. Wer stimmt dagegen? – Das ist der Rest des Hauses. Enthaltungen? –
Sehe ich keine. Dann ist der Antrag hiermit abgelehnt.</p>
</tagesordnungspunkt>
<tagesordnungspunkt top-id="Tagesordnungspunkt 5 und 6">
<p klasse="J">Ich rufe auf die Zusatzpunkte 5 und 6:</p>
<p klasse="T_ZP_NaS"><a id="t7"/> ZP 5 Beratung des Antrags der
Abgeordneten Frank Rinck, Stephan Protschka, Peter Felser, weiterer Abgeordneter
und der Fraktion der AfD </p>
<p klasse="T_fett"> Deutsche Landwirtschaft wirklich
entlasten – Höfesterben sofort beenden</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_Ueberweisung"> Überweisungsvorschlag: Ausschuss
für Ernährung und Landwirtschaft (f) Auswärtiger Ausschuss Finanzausschuss
Wirtschaftsausschuss Verteidigungsausschuss Ausschuss für Umwelt, Naturschutz,
nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz Ausschuss für die Angelegenheiten der
Europäischen Union</p>
<p klasse="T_ZP_NaS"><a id="t8"/> ZP 6 Beratung des Antrags der
Abgeordneten Bernd Schattner, Stephan Protschka, Peter Felser, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der AfD </p>
<p klasse="T_fett"> Stilllegungsflächen für die Nahrungs- und
Futtermittelproduktion fristlos freigeben</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_Ueberweisung"> Überweisungsvorschlag: Ausschuss
für Ernährung und Landwirtschaft (f) Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, nukleare
Sicherheit und Verbraucherschutz Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen
Union</p>
<p klasse="J">Für die Aussprache wurde eine Dauer von 68 Minuten
beschlossen.</p>
<p klasse="J">Ich bitte Sie, entsprechend Platz zu nehmen, sodass wir
zügig fortfahren können. Die Abgeordneten, die der Debatte nicht mehr folgen
wollen, können den Plenarsaal jetzt verlassen oder sich auf den hinteren Plätzen
einfinden.</p>
<p klasse="J">Ich eröffne die Aussprache und erteile das Wort für die
AfD-Fraktion Bernd Schattner.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<rede id="ID2015405500">
<p klasse="redner"><a id="r67"/><redner
id="11005203"><name><vorname>Bernd</vorname><nachname>Schattner</nachname><fraktion
>AfD</fraktion></name></redner>Bernd Schattner (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und
Herren! In Frankreich brennen Berge von Reifen auf Autobahnen. In Polen und
Bulgarien protestieren die Bauern gegen die Billigimporte aus der Ukraine. In
Griechenland kippen die Landwirte ihr Obst und Gemüse vor die Parlamente, und im
Herzen der Finsternis, in Brüssel, demonstrieren die Bauern aus ganz Europa gegen
diese desaströse Agrarpolitik. Meine Damen und Herren, so intensiv wie in den
letzten acht Wochen wurde Demokratie in Europa schon lange nicht mehr gelebt.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Die Bauern haben erste Erfolge vorzuweisen. Zum
wiederholten Male nach 2023 hat das Europäische Parlament die 4-Prozent-Regelung
auch für 2024 ausgesetzt – zum Leidwesen der deutschen Regierung und vor allem der
Grünen. Bis zuletzt hat Berlin versucht, den erneuten Verzicht zu verhindern – Gott
sei Dank ohne Erfolg. An dieser Stelle auch noch einmal von mir herzlichen Dank an
die Bauern da draußen, die immer noch regional trotz etwaigen Arbeitsspitzen
zusammen mit dem Mittelstand und dem Handwerk und auch ganz normalen Bürgern auf
die Straße gehen, um gegen diese von der Ampel geführte deutsche Regierung
aufzustehen und für eine bessere Zukunft zu kämpfen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Nun gilt es, diesen Protest fortzuführen und auf dem
Erreichten aufzubauen. Auch wenn Minister Özdemir die deutschen Bauern gerne mit
einer Tierwohlabgabe ködern möchte, so haben unsere Landwirte dieses Trojanische
Pferd längst erkannt und lassen sich auf solche Spiele mittlerweile schon gar nicht
erst ein.</p>
<p klasse="J">Wie sieht momentan unser einst geliebtes Deutschland
aus? In Miesbach in Bayern soll ein Unternehmer 6 000 Euro Strafe zahlen, weil er
ein Plakat gegen die grüne Bundesregierung an seinem Gartenzaun aufgehängt hat,
frei nach dem Motto: „Wird der Bauer unbequem, ist er plötzlich rechtsextrem.“</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Auch bei den Bauernprotesten hat es nicht lange
gedauert, bis man versucht hat, auch diese in die rechte Schmuddelecke zu stellen.
Aber auch hier hat man zum Glück versagt. Die Bauern lassen sich ihre Meinung
jedoch nicht verbieten. Unter den aktuellen bürokratischen Bedingungen wird aus dem
Landwirt ein Antragswirt. Durch die bereits überschäumende Bürokratie –
Düngeverordnung, Rote Gebiete etc. – verbringt der deutsche Landwirt inzwischen
mehr Zeit im Büro als im Stall oder auf dem Feld.</p>
<p klasse="J">Die GLÖZ-1- bis GLÖZ-8-Regeln haben diese Bürokratie
und Überwachung der Behörden nochmals exponentiell ansteigen lassen. Denn
mittlerweile werden die Landwirte nicht nur durch amtliche Kontrolleure mit Vor-
Ort-Kontrollen überwacht, sondern sie werden fast jede Woche durch
Satellitenüberwachung durch den Staat kontrolliert, indem ein Satellit alle drei
Tage Fotos von den Feldern der Landwirte an die Kontrollbehörde sendet und bei
Auffälligkeiten die zuständigen Behörden informiert. Die Grünen verbieten mit ihren
verqueren ideologiegetriebenen Ökoregeln die Produktion von hochwertigen Nahrungs-
und Futtermitteln auf Gunststandorten in Deutschland, und das muss und soll sich
gefälligst ändern.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Denn während bis zu 700 Euro je Hektar an Landwirte
vom Staat gezahlt werden, um seine Flächen stillzulegen, verhungern in anderen
Gebieten der Erde Menschen. Allein in Europa könnte man, wenn diese Regelung der
Stilllegungspflicht ausgesetzt würde, 25,7 Millionen Tonnen Getreide mehr
exportieren als bisher. Und diese 25,7 Millionen Tonnen entsprechen dem
Jahresimportbedarf von Ägypten, Marokko, Tunesien, Algerien und Äthiopien zusammen.
Als AfD ist es daher unser erklärtes Ziel, diese 4-Prozent-Regelung nicht nur
weiter zu befristen, sondern generell zu beenden.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="O">Denn nur so kann sowohl für unsere Bauern vor Ort als
auch für die zahlreichen Abnehmer von deutschen Agrarprodukten im Ausland dauerhaft
eine Planungssicherheit garantiert werden.</p>
<p klasse="J">Wir als AfD stehen für die deutsche Landwirtschaft,
den Mittelstand und die arbeitende Bevölkerung in diesem Land. Deswegen möchte ich
mit einem Satz schließen: Wird die Ampel endlich abgestellt, der Bauer seinen Acker
wieder selbst bestellt.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank. Einen schönen Tag!</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Susanne Mittag für die SPD-Fraktion ist die nächste
Rednerin.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015405600">
<p klasse="redner"><a id="r68"/><redner
id="11004355"><name><vorname>Susanne</vorname><nachname>Mittag</nachname><fraktion>
SPD</fraktion></name></redner>Susanne Mittag (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Es ist wirklich schön, dass wir das wichtige Thema „Ernährung und
Landwirtschaft“ auch mal zur Bestzeit im Plenum debattieren können. Es geht darum,
welche Zukunftsmöglichkeiten, welche Aussichten bestehen, was wir zusammen – also
alle Betroffenen, und das sind nicht nur Landwirtinnen und Landwirte, sondern auch
Kommunen, Länder, natürlich wir hier auf Bundesebene, Bundestag, Bundesrat –
erreichen können, wenngleich die beiden vorliegenden Anträge – reichlich
rückwärtsgewandte Anträge – eher jede optimistische Zukunftsaussicht verfliegen
lassen.</p>
<p klasse="J">Der erste Antrag befasst sich mit dem Sterben von
Höfen – gewohnt populistisch. Die 14 Punkte sind hinreichend allgemein, wie: alle
Regelungen überprüfen, deutsche Standards schützen, Produktionsstätten fördern. Es
geht um eine Agrarflut aus der Ukraine, ein bisschen Wolf, ein bisschen Rote
Gebiete, ein bisschen Ideologie. Ich würde mal sagen: Der ganze Antrag ist hoch
ideologisch. Das können Sie sich selber vor die Nase halten.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie
bei Abgeordneten der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">In den zahlreichen Gesprächen mit Landwirtinnen und
Landwirten, mit Verbänden dürften inzwischen alle, die am Thema wirklich
interessiert sind, feststellen, dass sich erhebliche Problemlagen in den letzten 10
bis 15 Jahren durch Krisen, veränderte gesellschaftliche Bedingungen und die
Klimaveränderung noch verstärkt und beschleunigt haben. Die waren auch schon vorher
da. Das muss nicht nur zusammen bewältigt, sondern gleichzeitig auch mit einer
breitgefächerten und sicheren Zukunftsperspektive ermöglicht werden.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD)</kommentar>
<p klasse="J">Da ist sie wieder: unsere Zukunftskommission
Landwirtschaft, ZKL, die so zukunftsorientiert ist, dass sie sogar jetzt auf
europäischer Ebene umgesetzt werden soll. Bei unserer ZKL gibt es noch einiges zu
aktualisieren. Ich kann sagen: Der Rücklauf an Vorschlägen hat schon enorm
zugenommen und wird noch weiter zunehmen.</p>
<p klasse="J">Wir haben zum Auftakt der Grünen Woche im Rahmen
einer landwirtschaftlichen Debatte hier einen Antrag mit sieben Themenfeldern
verabschiedet, die die aktuellen, aber nicht die einzigen Problemlagen umfassen,
mit dem Ziel, bis zum Sommer dieses Jahres Lösungen vorzustellen. Das ist ernst
gemeint. Und an die Opposition gerichtet: Wir sind realistischen Vorschlägen
gegenüber immer offen. Also, wir warten darauf.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Verwiesen sei auf die Debatte um regenerative
Antriebe. Ich erinnere an die vor Kurzem im Rahmen der Sitzung des
Petitionsausschusses im Bundestag präsentierten super Vorschläge von zwei
Petentinnen aus der Landwirtschaft. An der Debatte kann sich der eine oder andere
mal ein Beispiel nehmen.</p>
<p klasse="J">Es geht um den Umbau der Tierhaltung,
landwirtschaftliche Produktionsmittel, Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit. Da
gibt es jede Menge zu tun. Auch hier gibt es Vorschläge – wenngleich die Verbindung
zur Landwirtschaft vielleicht nicht sofort gezogen wird – vom Bürgerrat „Ernährung
im Wandel“. Diese Woche wurde das Bürgergutachten mit sehr guten Ergebnissen
vorgestellt, dem Bundestag übergeben. Wenn bei einigen hier große Sorge besteht,
dass Bürgerräte eine Konkurrenzveranstaltung zum Plenum oder zum Bundestag
insgesamt sein könnten: Nein, man muss wirklich keine Angst vor wissenschaftlich
begleiteten Vorschlägen der Bürgerinnen und Bürger haben. Das kann man ganz
entspannt sehen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Zu Punkt 1 des Antrages: Bürokratieabbau. Diese
Forderung wird ja überall „rausgehauen“. Das heißt nicht zwingend Gesetze
streichen, sondern Meldeverfahren vereinfachen, Fristen anpassen, digitalisieren,
keine Zettelwirtschaft, nicht hinterhertelefonieren, Schnittstellen zwischen Bund
und Ländern und landwirtschaftlichen Datenbanken schaffen, Antragssystematik –
nicht in jedem Bundesland unterschiedliche Anträge –, automatische Erfassung. Man
muss nicht immer alles neu eingeben seitens der Landwirtschaft. Es ist dann einfach
eine Reduzierung verlorener Lebenszeit. Es gibt sogar finanzielle Mittel im
Bundeshaushalt für die Umsetzung dieser Maßnahmen. Das muss doch hinzukriegen sein.
Das nenne ich eine langfristige Perspektive sowie eine echte Hilfe für die
Landwirtschaft und den ländlichen Raum; denn Landwirtschaft darf man nicht immer
nur allein sehen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Dann gibt es noch einen zweiten Antrag – wir haben
hier ja nicht nur einen –, und zwar zu Stilllegungsflächen; er enthält fünf
Forderungen. Es ist überraschenderweise ein bisschen Sozialismus drin: mit dem
Vorschreiben, was angebaut werden soll, oder mit dem Festschreiben von Preisen. Das
ist ein bisschen überraschend.</p>
<p klasse="J">Da sind noch ein paar andere fachliche Schoten drin,
etwa, die Ökoregelungen mit den GLÖZ-Standards mal so ein bisschen mischen. Aber
dazu wird meine Kollegin gleich noch etwas sagen.</p>
<p klasse="J">Letztendlich lehnen wir beide Anträge ab, weil sie
einfach unbrauchbar sind.</p>
<p klasse="J">Danke schön.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Artur Auernhammer für die Unionsfraktion ist der
nächste Redner.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015405700">
<p klasse="redner"><a id="r69"/><redner
id="11003706"><name><vorname>Artur</vorname><nachname>Auernhammer</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Artur Auernhammer
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und
Herren! In den letzten Tagen wurde die CDU/CSU immer sehr kritisch kommentiert. Es
wurde gefragt, warum wir das Thema Agrardieselrückvergütung mit dem Thema
Wachstumschancengesetz kombinieren.</p>
<kommentar>(Zuruf der Abg. Susanne Mittag [SPD])</kommentar>
<p klasse="O">Ich muss diese Bundesregierung ernsthaft fragen: Ist
die deutsche Landwirtschaft nicht Teil der deutschen Volkswirtschaft?</p>
<kommentar>(Albert Stegemann [CDU/CSU]: Richtig, sag das mal!
Endlich sagt das mal einer!)</kommentar>
<p klasse="O">Denn das gehört für uns zusammen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich habe auch
langsam den Eindruck, unser Bundeslandwirtschaftsministerium ist ein Ministerium
für ideologische Spielwiesen.</p>
<kommentar>(Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">Das Bundeslandwirtschaftsministerium muss ein
Ministerium für die Wirtschaft im ländlichen Raum sein</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Karl Bär [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="O">und entsprechende Vorschläge machen und auch
entsprechend handeln.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Susanne Mittag [SPD]:
Verantwortlich handeln!)</kommentar>
<p klasse="J">Wir haben in den letzten Wochen und auch aktuell sehr
viele Demonstrationen unserer Bauernfamilien erlebt – zu Recht. Zu Recht gehen sie
auf die Straße, demonstrieren gegen die Kürzungen, haben sehr viel Zuspruch in der
Bevölkerung und auch sehr viel Unterstützung aus dem gesamten Mittelstand; denn
irgendwann ist es zu viel.</p>
<p klasse="J">Ich danke allen, die hier auf demokratische Weise das
Recht zur Demonstration für sich in Anspruch nehmen, will aber auch klar und
deutlich sagen: Die Übergriffe, wie sie am politischen Aschermittwoch in Baden-
Württemberg stattgefunden haben – ich bin auch dankbar, dass sich die
Bauernverbände davon distanziert haben –, sind nicht Teil dieser
Demonstrationskultur. Das ist nicht Teil unserer demokratischen Auffassung.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Ich habe jetzt den Eindruck, die AfD will diese Welle
mitnehmen und darauf reiten, um mit den beiden Anträgen hier heute auch Stimmung
innerhalb der Landwirtschaft zu machen.</p>
<p klasse="J">Dann schauen wir uns doch mal die Wahlprogramme der
AfD an: „Abschaffung aller Agrarsubventionen“ steht da drin.</p>
<kommentar>(Zuruf von der SPD: Ja!)</kommentar>
<p klasse="O">– Das ist Realität.</p>
<p klasse="J">Austritt aus der Europäischen Union. Meine sehr
verehrten Damen und Herren, die deutsche Landwirtschaft, gerade die bayerische
Milchwirtschaft, hat sehr viele Wirtschaftsbeziehungen mit Italien. Soll das alles
gecancelt werden? Soll das alles eingestellt werden? Wer den Austritt aus der
Europäischen Union fordert, fordert gleichzeitig einen Abbruch sämtlicher
Wirtschaftsbeziehungen zu unseren europäischen Nachbarländern.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und
der FDP – Enrico Komning [AfD]: Das ist gar nicht wahr! Erzählen Sie nicht so einen
Unsinn!)</kommentar>
<p klasse="J">Dann wird noch behauptet, man wolle weiterhin
wirtschaftliche Beziehungen haben.</p>
<kommentar>(Enrico Komning [AfD]: Doch, wollen wir!)</kommentar>
<p klasse="O">– Nein. – Um zu erkennen, was passiert, wenn man aus
der Europäischen Union austritt, braucht man nur einen Blick nach Großbritannien zu
werfen. Man sieht, was dort für Probleme entstehen, was die heimische
Landwirtschaft dort für Probleme hat.</p>
<kommentar>(Albert Stegemann [CDU/CSU]: So ist es!)</kommentar>
<p klasse="O">Ich denke, diese Anträge sind nichts anderes als
billiger Wahlkampf, womit man den Bauernfamilien vielleicht etwas Honig ums Maul
schmieren will.</p>
<kommentar>(Enrico Komning [AfD]: Die sind doch so zufrieden mit
Ihnen!)</kommentar>
<p klasse="O">Aber ich kann Ihnen versprechen: Unsere
Bauernfamilien gehen Ihnen nicht auf den Leim.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Bernd Schattner [AfD]: Wer
hat 16 Jahre lang die Landwirtschaft verraten?)</kommentar>
<p klasse="J">Wir erheben jetzt auch die Forderung, die Regelung
„4 Prozent Flächenstilllegung“ zu lockern. Die EU-Kommission hat bereits gehandelt.
Wir von der Unionsfraktion haben bereits voriges Jahr wieder beantragt, für dieses
Jahr diese Stilllegungen auszusetzen.</p>
<kommentar>(Dr. Gero Clemens Hocker [FDP]: Unwahr!)</kommentar>
<p klasse="O">Ich muss wirklich sagen: Es wird jetzt Zeit, das auch
umzusetzen.</p>
<p klasse="J">Diese Stilllegung ist ein Instrument aus der
Vergangenheit, als wir Überschussproduktion hatten. Diese Stilllegung ist jetzt
eigentlich dazu gedacht, um mehr Biodiversität und mehr Artenschutz zu
ermöglichen.</p>
<kommentar>(Albert Stegemann [CDU/CSU]: So ist es! Gute
Analyse!)</kommentar>
<p klasse="O">Dann muss man das auch konkret einsetzen, und dann
muss man auch entsprechende Maßnahmen durchführen, um die Landwirtschaft zu
unterstützen. Mit einer pauschalen Stilllegung ist das nicht möglich.</p>
<p klasse="J">Ich darf den Bundeslandwirtschaftsminister nur dazu
ermuntern, in den nächsten Tagen das Angebot von der EU-Kommission anzunehmen, wie
es auch andere Staaten in der Europäischen Union bereits gemacht haben. Es ist
jetzt Zeit zum Handeln.</p>
<p klasse="J">Meine sehr verehrten Damen und Herren, in jeder
Sonntagsrede sprechen wir von Entbürokratisierung, sprechen wir darüber, dass wir
weniger Bürokratie wollen. Wir merken eines: Wir brauchen auch Stabilität von
politischen Entscheidungen, sodass wir sagen können: Was voriges Jahr gegolten hat,
muss auch in den nächsten Jahren gelten und darf nicht wieder ständig neu
ausverhandelt werden, darf nicht ständig wieder mit neuen Auflagen vollzogen
werden.</p>
<p klasse="J">Denn was wir brauchen, ist Planungssicherheit für
unsere Bauernfamilien, nicht nur in Legislaturperioden, sondern über Jahre, ja
sogar Jahrzehnte hinweg. Dazu muss sich diese Bundesregierung endlich bekennen. Ich
kann die Ampel nur dazu auffordern: Handeln Sie endlich, und halten Sie nicht nur
schöne Sonntagsreden!</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Albert Stegemann [CDU/CSU]:
Sehr gut! – Weiterer Zuruf von der CDU/CSU: Unser bester Mann!)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Für Bündnis 90/Die Grünen hat das Wort Dr. Zoe
Mayer.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015405800">
<p klasse="redner"><a id="r70"/><redner
id="11005145"><name><titel>Dr.-Ing.</titel><vorname>Zoe</vorname><nachname>Mayer</
nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Dr.-Ing. Zoe
Mayer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Wir beraten heute mal wieder einen Antrag der AfD aus der Kategorie „total
unehrlich“.</p>
<p klasse="J">Die AfD fordert heute, die Bevölkerung mit
hochqualitativen landwirtschaftlichen Produkten zu versorgen, ja sogar mit zu
höchstem Standard erzeugten Lebensmitteln. Was ist der konkrete Vorschlag? Ganz
genau: der Abbau deutscher Standards. Ganz im Konkreten geht es hier um ökologische
Standards. Man möchte die Wiedervernässung von Mooren für den Klimaschutz
verhindern, und man möchte natürlich auch die Stilllegung ökologischer Flächen
aussetzen. Das passt ja wohl wirklich nicht zusammen und führt auch nicht dazu,
dass das Vertrauen in die deutsche Landwirtschaft weiter wächst.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD)</kommentar>
<p klasse="J">Was haben wir im Bereich hoher Tierschutzstandards zu
bieten? Möchte das die AfD? Nein, zumindest nicht dann, wenn es mehr Geld kostet.
Wir müssen uns doch darüber im Klaren sein: Es passt nicht zusammen, 1 Kilo Steak
für 1,99 Euro im Supermarkt zu verlangen und gleichzeitig mehr Tierschutz zu
fordern.</p>
<kommentar>(Lachen bei Abgeordneten der AfD – Zuruf von der AfD:
Wann waren Sie das letzte Mal im Supermarkt?)</kommentar>
<p klasse="O">Das funktioniert nur dann, wenn wir massiv Geld aus
dem Kernhaushalt zur Verfügung stellen, und das ist doch nicht fair gegenüber
denen, die vielleicht gar keine tierischen Produkte konsumieren wollen, und führt
natürlich auch zu Fehlanreizen und nicht dazu, dass Menschen häufiger mal zu
gesundem Gemüse oder auch zu Hülsenfrüchten greifen. Das wollen wir also ganz
sicher nicht haben.</p>
<kommentar>(Beifall der Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="J">Was ist nun also die Lösung? Der Tierschutzcent. Der
Tierschutzcent ist ein Konzept, das von einem breiten gesellschaftlichen Konsens
getragen wird, nämlich von unserem Bürgerrat „Ernährung im Wandel“ und auch</p>
<kommentar>(Albert Stegemann [CDU/CSU]. … von der Borchert-
Kommission!)</kommentar>
<p klasse="O">– ja – von der Borchert-Kommission.</p>
<kommentar>(Lachen bei Abgeordneten der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Die Borchert-Kommission – zur Erinnerung – ist eine
Kommission, die unter der Unionsregierung einberufen wurde. Man kann natürlich
sagen: Wen kümmert es denn, was die Borchert-Kommission empfiehlt? Die AfD kümmerte
es in der Vergangenheit sehr. Da wurde man nicht müde, immer wieder zu sagen:
Borchert, Borchert, Borchert – umsetzen!</p>
<p klasse="J">Übrigens: Auch die Union leidet ja gelegentlich an
politischer Amnesie, wenn es um den Tierschutzcent geht.</p>
<kommentar>(Albert Stegemann [CDU/CSU]: Machen Sie es
doch!)</kommentar>
<p klasse="O">Unser Minister Cem Özdemir hat ein Konzept vorgelegt.
Natürlich ist das Erste, was passiert, eine breite Ablehnung. Auch das gehört an
dieser Stelle in die Kategorie „total unehrlich“.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zurufe von der
CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Weil die Anträge heute nicht besonders viel Neues
bieten und auch nicht besonders ergiebig sind, möchte ich doch mal zu einem Thema
kommen, das die deutschen Gemüter gerade wirklich umtreibt – man könnte sagen, es
ist ein Stimmungsbarometer für Deutschland –, nämlich die Dönerpreise. Der Döner
kostet mittlerweile 8 Euro – in ganz vielen Städten, in ganz vielen Gemeinden –,
und das ist natürlich viel zu hoch für alle, die noch den klassischen 4-Euro-Döner
kennen.</p>
<p klasse="J">Jetzt muss man sich natürlich fragen: Was würde denn
so ein Tierschutzcent für die Dönerpreise bedeuten? Für nur 4 Cent können wir dafür
sorgen, dass wir mehr Tierschutz in Deutschland umsetzen können. Das ist doch ein
guter Deal für alle, die sich beim Genuss von Döner mehr Tierschutz wünschen.</p>
<p klasse="J">Natürlich ist die noch bessere Alternative, mal zum
veganen Seitan-Döner oder auch zum Erbsenprotein-Döner zu greifen. Und auch da
bietet unsere Regierung neue Wege, nämlich mit einem Chancenprogramm für die
Landwirtschaft für den Umstieg von tierischen auf pflanzliche Produkte. Hier kann
man sich neue Märkte erschließen. Auch das ist eine sinnvolle Maßnahme gegen das
Höfesterben.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD)</kommentar>
<p klasse="J">Sie sehen also, meine Damen und Herren: Uns Grünen
ist der Dönerpreis wichtig. Wir denken ihn immer direkt mit. Das kann man in Bezug
auf die AfD ja wirklich überhaupt nicht sagen: Wenn ihre Fantasien von massenhaften
Abschiebungen in Deutschland wahr werden würden, gäbe es wahrscheinlich bald gar
keinen Döner mehr,</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Karsten Hilse [AfD])</kommentar>
<p klasse="O">und das wollen wir natürlich auf gar keinen Fall.</p>
<kommentar>(Heiterkeit und Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie
bei Abgeordneten der SPD – Albert Stegemann [CDU/CSU]: Das ist ja sogar
witzig!)</kommentar>
<p klasse="O">Deswegen: Nur echte Demokratinnen und Demokraten
können künftig noch Döner essen.</p>
<p klasse="J">Einen ganz herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Jetzt hat für die FDP-Fraktion das Wort Dr. Gero
Clemens Hocker.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015405900">
<p klasse="redner"><a id="r71"/><redner
id="11004754"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Gero
Clemens</vorname><nachname>Hocker</nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></
redner>Dr. Gero Clemens Hocker (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Verehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Die Landwirte, die in den vergangenen Wochen diskutiert haben,
demonstriert haben, haben sehr großen Wert darauf gelegt, dass sie eben nicht
politisch vereinnahmt werden</p>
<kommentar>(Frank Rinck [AfD]: Von Ihnen, ja! – Artur Auernhammer
[CDU/CSU]: Von der FDP!)</kommentar>
<p klasse="O">von radikalen Kräften.</p>
<kommentar>(Lachen des Abg. Karsten Hilse [AfD])</kommentar>
<p klasse="O">Und das ist den Landwirten gelungen. Dass Sie das
jetzt hier versuchen, ist nur folgerichtig, weil es auf der Straße nicht gelungen
ist. Ich sage Ihnen: Landwirte haben einen viel zu guten Kompass</p>
<kommentar>(Zuruf von der AfD: … um nicht die FDP zu wählen! Das
ist richtig!)</kommentar>
<p klasse="O">und viel zu sehr ein Gespür dafür, wer es ernst mit
ihnen meint und wer nur auf einer Welle des Populismus reiten möchte. Das ist Ihnen
auf der Straße nicht gelungen,</p>
<kommentar>(Bernd Schattner [AfD]: Doch!)</kommentar>
<p klasse="O">und das wird Ihnen auch hier im Parlament nicht
gelingen, verehrte Kolleginnen und Kollegen von der AfD.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Zuruf des Abg. Bernd Schattner [AfD])</kommentar>
<p klasse="J">Ich habe mir die Mühe gemacht, das Grundsatzprogramm
der AfD zum Thema Landwirtschaft zu lesen.</p>
<kommentar>(Beifall des Abg. Dr. Malte Kaufmann [AfD])</kommentar>
<p klasse="O">Und weil ich immer gerne mit offenem Visier kämpfe
und Argumente austausche, mache ich das jetzt auch hier von diesem Pult aus.
Richtig ist erst einmal per se, dass die Landwirtschaft enttäuscht ist von der
Agrarpolitik der vergangenen Jahre: zu wenig unternehmerische Freiheit, zu viel
Bürokratie, zu wenig fairer Wettbewerb innerhalb Europas und international, zu viel
Ideologie, zu wenig wissenschaftliche Grundlage bei politischen Entscheidungen.</p>
<p klasse="J">Und jetzt kommt die AfD, Stichwort „wissenschaftliche
Grundlagen“. Ihr Grundsatzprogramm sagt wörtlich – ich darf das zitieren –:</p>
<p klasse="Z">„Die AfD spricht sich … ausdrücklich gegen den
Einsatz des … als wahrscheinlich krebserzeugend eingestuften Glyphosat beim
Pflanzenschutz aus.“</p>
<kommentar>(Stephan Protschka [AfD]: Ganz vorlesen! Ganz
vorlesen! – Carina Konrad [FDP]: Unglaublich! – Sylvia Lehmann [SPD]: Ach, guck
an!)</kommentar>
<p klasse="O">Was war das für ein Befreiungsschlag für Landwirte,
als wir es hinbekommen haben, dass auch über den 31. Dezember 2023 hinaus dieses
Pflanzenschutzmittel angewendet werden kann, und auch über den 30. Juni 2024
hinaus! Sie wollen das ganz offenbar anders machen. – Wie gut, dass wir das anders
machen, als Sie sich das wünschen!</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie der Abg. Sylvia Lehmann [SPD]
und Dr.-Ing. Zoe Mayer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] – Stephan Protschka [AfD]: Aber der
Wähler weiß, dass Sie lügen!)</kommentar>
<p klasse="J">Zu viel Ideologie bei Flächenstilllegungen?
Grundsatzprogramm der AfD – ich darf das zitieren –:</p>
<p klasse="Z">„Es muss … im Meer genau wie zu Lande … Gebiete
geben, in denen die Natur völlig sich selbst überlassen bleibt.“</p>
<p klasse="O">Sogenannte Nullnutzungszonen „sichern das Überleben
von vielen seltenen Pflanzen- und Tierarten.“ Ihre Käseglockenvorstellung, ein
dynamisches System wie die Natur könnte man im Status quo behalten und bewahren,
ist ungefähr 50, 60 Jahre alt, wenn nicht noch älter. Moderne Landwirtschaft in
Deutschland kann beides: Sie kann effizient sein, sie kann wirtschaftlich sinnvoll
sein, und sie kann gleichzeitig für Biodiversität und Artenschutz einen Beitrag
leisten – auf derselben Fläche. – Wie gut, dass wir das anders machen, meine Damen
und Herren!</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Dr. Götz Frömming [AfD]: Warum demonstrieren die
dann?)</kommentar>
<p klasse="J">Ach so, und dann wieder Grundsatzprogramm der AfD:
Wir setzen uns dafür ein, „die Vorrangeinspeisung des Stroms aus Biogasanlagen … zu
beenden“.</p>
<kommentar>(Sylvia Lehmann [SPD]: Ach!)</kommentar>
<p klasse="O">Strom aus Biogasanlagen ist grundlastfähig, ist
transportfähig, ist nachhaltig, und er ist eine Existenzgrundlage für Tausende
Betriebe in ganz Deutschland. Und genau deswegen haben wir dafür gestritten, dass
es eben keinen Deckel für die Einspeisung von Strom aus Biogasanlagen gibt. Sie
wollen das anders? – Wie gut, dass wir das anders machen, meine sehr verehrten
Damen und Herren!</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Herr Hocker, erlauben Sie eine Zwischenfrage von
Herrn Hilse?</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004754"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Gero
Clemens</vorname><nachname>Hocker</nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></
redner>Dr. Gero Clemens Hocker (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Selbstverständlich.</p>
<kommentar>(Dr. Götz Frömming [AfD]: Sehr gut! – Zurufe von der
SPD: Oh nein!)</kommentar>
<p klasse="O">– Lassen Sie uns diskutieren! Alles gut. Ich habe die
besseren Argumente.</p>
<p klasse="redner"><a id="r72"/><redner
id="11004752"><name><vorname>Karsten</vorname><nachname>Hilse</nachname><fraktion>A
fD</fraktion></name></redner>Karsten Hilse (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. –
Sie haben ja wortwörtlich die Vorrangeinspeisung zitiert. Nun möchte ich Sie
fragen, ob Sie wissen, worum es bei der Vorrangeinspeisung von sogenannten
Erneuerbaren geht, also Windstrom, Solarstrom und eben auch Strom aus
Biogasanlagen. Da geht es darum: Sobald es anliegt, müssen alle anderen
Marktteilnehmer – Erzeuger von Strom – quasi runtergefahren werden, und es muss
laut EEG quasi zwingend dieser Strom ins Netz eingespeist werden. Es geht nicht
darum, Biogasanlagen oder die Verstromung zu verbieten usw. usf.</p>
<kommentar>(Isabel Mackensen-Geis [SPD]: Um was geht es denn
dann?)</kommentar>
<p klasse="O">Es geht nur darum, dass alle Marktteilnehmer – und da
müsste ich eigentlich bei Ihnen als Freiem Demokraten auf offene Ohren stoßen – die
gleichen Chancen auf dem Markt haben. Nur darum geht es, um nicht mehr. Das wollte
ich Ihnen nur zur Kenntnis geben. Aber ich gehe mal davon aus, dass Sie es selber
wissen.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der AfD – Anke Hennig [SPD]:
Das war keine Frage!)</kommentar>
<p klasse="redner"><redner
id="11004754"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Gero
Clemens</vorname><nachname>Hocker</nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></
redner>Dr. Gero Clemens Hocker (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Nein, das war keine Frage; aber darüber sehen wir
einfach mal hinweg. – Ich will Ihnen mal eins sagen: Sie scheinen das
Grundsatzprogramm Ihrer eigenen Partei nicht zu kennen. Denn da steht wörtlich
drin: Sie wollen die Einspeisung des Stroms aus Biogasanlagen beenden. Ad eins.</p>
<p klasse="J">Ad zwei. Sie sind es höchstpersönlich, der von diesem
Pult aus immer wieder kritisiert, dass es Flatterstrom in den Netzen gibt, weil
Wind- und Sonnenenergie eben weniger kalkulierbar und nicht grundlastfähig sind,
nicht so leicht transportiert werden können und erst Umwandlungsprozesse
stattfinden müssen.</p>
<kommentar>(Karsten Hilse [AfD]: Sie haben einfach
gelogen!)</kommentar>
<p klasse="O">Das ist beim Biogas eben anders.</p>
<kommentar>(Dr. Götz Frömming [AfD]: Bei der Kernenergie
auch!)</kommentar>
<p klasse="J">Mit Verlaub: Es ist schön, wenn Sie eine
Zwischenfrage stellen; aber es wäre gut, wenn wir zumindest halbwegs auf derselben
fachlichen, wissenschaftlichen Ebene diskutieren würden.</p>
<kommentar>(Karsten Hilse [AfD]: Sie haben gerade
gelogen!)</kommentar>
<p klasse="O">Sie haben sich damit vollkommen diskreditiert und
haben keine Ahnung von landwirtschaftlicher Praxis.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Dr. Götz Frömming [AfD]: Sie sitzen mit den Grünen
in einem Boot! Nicht wir!)</kommentar>
<p klasse="J">Meine sehr verehrten Damen und Herren, verehrte
Kolleginnen und Kollegen von der AfD, Sie lehnen neue Technologien wie innovative
Züchtungsmethoden ab. Lesen Sie das Programm! Das steht drin.</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Dr. Harald Weyel [AfD])</kommentar>
<p klasse="O">Sie stemmen sich gegen die Digitalisierung. Sie
wollen verschieden hohe Steuern innerhalb der Europäischen Union und sprechen an
anderer Stelle von gleichen Produktionsstandards innerhalb Europas. Wie soll das
eigentlich funktionieren?</p>
<p klasse="J">Sie wollen die EU-Außengrenzen schließen, sind gegen
die Freizügigkeit innerhalb der Europäischen Union und verkennen oder vergessen
oder wollen nicht wahrhaben, dass dann natürlich Saisonarbeitskräfte, die wir im
Obstanbau und Gemüseanbau massiv brauchen, eben nicht mehr für Betriebe in
Deutschland verfügbar wären. All das, was Sie fordern, hilft der Landwirtschaft in
Deutschland überhaupt nicht weiter. – Wie gut, dass wir das anders machen, verehrte
Kolleginnen und Kollegen!</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und
der Abg. Dr.-Ing. Zoe Mayer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] – Dr. Harald Weyel [AfD]: Nur
dass die Bauern das anders sehen als Sie! – Dr. Götz Frömming [AfD]: Warum
demonstrieren denn die Bauern, wenn Sie so gut regieren?)</kommentar>
<p klasse="J">Ich bin ja dankbar, dass Sie sich an der Diskussion
beteiligt haben. Das vermisse ich viel zu häufig. Ich sage es hier noch mal
ausdrücklich: Ich kämpfe gerne mit offenem Visier. Ich tausche auch gerne Argumente
aus, weil ich der festen Überzeugung bin, bessere fachliche, landwirtschaftliche
und in diesem Fall auch energiepolitische Argumente zu haben als Sie. Und deswegen
sage ich Ihnen – – Hier ist eine Wortmeldung, Frau Präsidentin.</p>
<kommentar>(Heiterkeit bei Abgeordneten der SPD)</kommentar>
<p klasse="O">Herr Schattner, bitte schön.</p>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank für den Hinweis. Lassen Sie die
Zwischenfrage zu?</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004754"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Gero
Clemens</vorname><nachname>Hocker</nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></
redner>Dr. Gero Clemens Hocker (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Sehr gerne.</p>
<kommentar>(Dr. Anne Monika Spallek [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Gero!)</kommentar>
<p klasse="O">– Ja, lass sie kommen.</p>
<p klasse="redner"><a id="r73"/><redner
id="11005203"><name><vorname>Bernd</vorname><nachname>Schattner</nachname><fraktion
>AfD</fraktion></name></redner>Bernd Schattner (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Herr Hocker. – Sie hatten ja das Thema
Glysophat angesprochen.</p>
<kommentar>(Dr.-Ing. Zoe Mayer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Glyphosat!
Wenigstens den Namen kennen!)</kommentar>
<p klasse="O">Ich wollte noch mal darauf eingehen. Wenn man das
Programm von uns komplett liest, sieht man, dass da drinsteht: Die AfD spricht sich
dafür aus, so lange darauf zu verzichten, bis wissenschaftlich fundiert
nachgewiesen ist, dass es eine Unschädlichkeit gibt. – Sie wissen ja sicherlich als
Mitglied des Arbeitskreises Landwirtschaft, dass wir mittlerweile Anträge gestellt
haben, das unbefristet in Europa wieder zuzulassen. Von daher haben Sie hier
schlicht und ergreifend falsch zitiert. Und die Unschädlichkeit ist ja mittlerweile
belegt.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004754"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Gero
Clemens</vorname><nachname>Hocker</nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></
redner>Dr. Gero Clemens Hocker (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Verehrter Herr Kollege Schattner! Erstens. Wenn ich
falsch zitiert habe, als ich aus Ihrem Grundsatzprogramm zitiert habe, müssen Sie
sich die Frage stellen, ob da die richtigen Dinge drinstehen.</p>
<kommentar>(Heiterkeit bei Abgeordneten der SPD und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Zweitens. Wenn Sie Fachlichkeit in der politischen
Diskussion einfordern, darf ich Ihnen sagen, dass das Bundesinstitut für
Risikobewertung seit Jahren feststellt, dass das, was Sie formulieren, falsch ist,
dass es vielmehr unbedenklich ist, wenn dieser Wirkstoff auch in Zukunft zur
Anwendung kommt. Da kann ich Ihnen nur freundlich empfehlen, sich ein bisschen mehr
mit wissenschaftlichen Fakten auseinanderzusetzen, bevor Sie Dinge in Ihr Programm
reinschreiben, von denen Sie ganz offenbar selber keine fachliche Ahnung haben.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der FDP und der SPD und der
Abg. Dr.-Ing. Zoe Mayer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, ich freue mich über diese
beiden Zwischenfragen und sage ausdrücklich, dass ich mich freuen würde, wenn wir
noch viel häufiger in diesen Diskurs eintreten würden,</p>
<kommentar>(Dr. Anne Monika Spallek [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ach!
Hör auf!)</kommentar>
<p klasse="O">weil ich zutiefst davon überzeugt bin, dass
Demokraten bessere Argumente haben, und auch zutiefst davon überzeugt bin, dass die
fachliche Versiertheit bei den allermeisten aus dem Agrarausschuss dieses Hauses
weiter verbreitet ist als bei Ihnen von der AfD. Sie halten hier abgelesene Reden,
Herr Schattner, die Sie bei Youtube gerne verbreiten möchten. Der innere Kompass
von Landwirten ist einer, der ihnen sehr wohl das Gefühl gibt, dass Sie da draußen
mit Floskeln agieren,</p>
<kommentar>(Dr. Götz Frömming [AfD]: Wunschdenken!)</kommentar>
<p klasse="O">aber für die landwirtschaftliche unternehmerische
Realität in Deutschland keinen Beitrag leisten. Deswegen gehen Ihnen die Landwirte
nicht auf den Leim.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank fürs Zuhören.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Zuruf von der AfD: Und deswegen wählen sie
AfD!)</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Ich möchte kurz zur namentlichen Abstimmung
zurückkommen. Gibt es noch jemanden im Haus, der noch nicht seine Stimme abgegeben
hat? – Das ist nicht der Fall. Dann schließe ich hiermit die namentliche Abstimmung
und gebe Ihnen später das Ergebnis bekannt.<sup>1</sup><fussnote><p>Ergebnis Seite
19654 C</p></fussnote></p>
<p klasse="J">Wir kommen zum nächsten Redner. Das ist für die AfD-
Fraktion Frank Rinck.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<rede id="ID2015406000">
<p klasse="redner"><a id="r74"/><redner
id="11005189"><name><vorname>Frank</vorname><nachname>Rinck</nachname><fraktion>AfD
</fraktion></name></redner>Frank Rinck (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Herr Minister! Werte Kollegen!
Seit Monaten demonstrieren hier in Deutschland unsere Landwirte, und die Antwort
der Ampelregierung darauf ist einfach nur eiskalte Ignoranz.</p>
<kommentar>(Carina Konrad [FDP]: Das ist auch falsch! – Anke Hennig
[SPD]: Das stimmt ja nun nicht!)</kommentar>
<p klasse="O">Mittlerweile gehe ich davon aus, meine Damen und
Herren, dass Sie diesen vielen Familienbetrieben überhaupt nichts Gutes tun wollen
und dass es Ihnen, vor allem natürlich den Grünen, mittlerweile darum geht, die
deutsche Landwirtschaft endgültig und völlig zu zerstören.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Wir präsentieren Ihnen heute hier einen 14-Punkte-
Antrag, und, meine Damen und Herren, diese 14 Punkte kommen nicht irgendwoher: Das
sind Punkte, die den Menschen, die da vor dem Brandenburger Tor demonstriert haben,
auf der Seele liegen. Anscheinend sind Sie ja nicht in der Lage, das einzubringen,
oder wollen es schlicht und ergreifend nicht.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Fangen wir an einmal mit dem ersten Punkt an, meine
Damen und Herren, EU-Richtlinien nur eins zu eins umsetzen. Das sollte eigentlich
ganz normal sein. Das sollte auch in Ihrem Interesse sein. Nein, Sie machen es
anders, Sie überspitzen es, Sie überreißen es, Sie gängeln unsere Landwirte immer
noch ein bisschen mehr, als die anderen Länder es tun.</p>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, die Entbürokratisierung haben
Sie gerade angesprochen. Natürlich brauchen wir sie. Gerade die GOT, die Sie
verabschiedet haben, hat doch gezeigt, dass Sie in diesem Bereich bisher völlig
versagt haben. Sie ist ein Bürokratiemonster.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, das nächste Thema sind die
Freihandelsabkommen wie zum Beispiel Mercosur. Mercosur ist nachteilig für unsere
Landwirte, und natürlich ist es zu stoppen bzw. so nachzuverhandeln, dass es nicht
mehr zum Nachteil für unsere Landwirte ist.</p>
<p klasse="J">Ein weiterer Punkt – das haben wir auch gerade von
Frau Mittag gehört – sind ukrainische Agrarimporte. Frau Mittag, ich kann Ihnen
eins sagen: Bei mir in Niedersachsen, in Ostfriesland, gibt es zwei
Milchviehbetriebe, die in ihrem Futtermittel ukrainisches Getreide hatten, das
belastet war. Diese durften ihre Milch daraufhin nicht mehr abliefern.</p>
<p klasse="J">Kommen wir dann zur Stärkung der innerdeutschen
Produktionsstätten. Das einfachste Beispiel dafür sind Schlachtbetriebe. Meine
Damen und Herren, wir fahren Rinder aus Deutschland nach Marokko. Die werden dort
geschlachtet, dann kommt das Fleisch zurück. Sie sind doch immer für
Nachhaltigkeit. Wo ist denn da die Nachhaltigkeit? Also machen wir es regional!</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Kommen wir zur Fischerei, meine Damen und Herren. Sie
haben den Fischern mit einem schmutzigen Angebot Fischfanggründe genommen, an deren
Stelle jetzt Windräder kommen. Sie haben gesagt: Dafür bekommen sie eine neue
Flotte. – Das haben Sie jetzt im Haushalt gestrichen. Schütten Sie den deutschen
Fischern die Finanzmittel aus, die Sie ihnen versprochen haben!</p>
<p klasse="J">Kommen wir zum nächsten Punkt:
Herkunftskennzeichnungen. Dazu haben wir hier schon einige Anträge gestellt; das
ist auch nichts Neues für Sie. Das, meine Damen und Herren, schafft tatsächlich mal
Transparenz. Dann könnte der Verbraucher auch entscheiden, ob er ein deutsches
Produkt möchte oder nicht.</p>
<p klasse="J">Auch zum Nitratmessstellennetz gibt es natürlich
einiges zu sagen. Es ist nicht verursachergerecht. Auch ist es für unsere deutschen
Landwirte zum Nachteil. Die roten Gebiete sind in der Art und Weise, wie sie jetzt
vorhanden sind, abzuschaffen und neu zu bewerten. Danach kann man weitersehen, wie
man da verbleibt.</p>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, lassen Sie uns die
Wolfspopulation begrenzen. Dazu hatten wir ja auch schon einige Anträge. Bislang
waren es Weidetiere, die von Wölfen gerissen wurden. Ich möchte nicht hier stehen
und eine Rede halten, wenn Kinder oder erwachsene Menschen von Wölfen gefressen
wurden.</p>
<kommentar>(Zuruf von der SPD: So wie im Märchen!)</kommentar>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, ich bedanke mich und hoffe,
Sie stimmen für unseren Antrag.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Anke Hennig für die SPD-Fraktion hat nun das
Wort.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015406100">
<p klasse="redner"><a id="r75"/><redner
id="11005081"><name><vorname>Anke</vorname><nachname>Hennig</nachname><fraktion>SPD
</fraktion></name></redner>Anke Hennig (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte
Kolleginnen und Kollegen! Liebe Anwesende! Lieber Herr Özdemir! „Höfesterben sofort
beenden“: Wenn man diesen Titel liest, dann kommen einem zuallererst Gedanken in
den Kopf wie: Oh nein, in Deutschland geht alles den Bach runter.</p>
<kommentar>(Frank Rinck [AfD]: Ja, so ist es ja auch! Genau so ist
es doch auch!)</kommentar>
<p klasse="O">Ein kurzer geschichtlicher Abriss hilft, Fakten zu
schaffen; denn ich wehre mich gegen Katastropheninszenierungen.</p>
<p klasse="J">Es geht hier um Strukturwandel, der sich nicht erst
seit gestern, sondern seit Jahrzehnten vollzieht. Schon seit den 50er- und 60er-
Jahren des letzten Jahrhunderts ändert sich die Agrarstruktur. Das ist ein
fortwährender Prozess</p>
<kommentar>(Wortmeldung aus der AfD)</kommentar>
<p klasse="O">– ich werde keine Zwischenfrage zulassen –,</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Bernd Schattner [AfD])</kommentar>
<p klasse="O">genauso wie sich die Dorfstrukturen und das
Einkaufsverhalten verändert haben. Denken wir nur mal an die kleinen Einkaufsläden,
die Bäcker, die Fleischer und eben an die kleinen landwirtschaftlichen Betriebe:
All das war in jedem noch so winzigen Dorf zu finden. Dann kamen die Supermärkte.
Und hier betone ich einmal das Wort „super“ im Sinne von allumfassend.</p>
<p klasse="J">Es kamen also neue Möglichkeiten und Verhältnisse
hinzu. Auch die Landwirtschaft blieb davon nicht verschont. Die Zahl der Höfe ist
im Laufe der Zeit stark gesunken. Großbetriebe dominieren zunehmend das Bild –
übrigens auch bedingt durch den technischen Fortschritt, aber auch durch
wirtschaftlichen Druck. Kleine Betriebe haben Probleme mit der Hofnachfolge. Die
landwirtschaftliche Fläche ist nicht einfach verschwunden, sondern wurde unter
immer weniger Betrieben aufgeteilt.</p>
<kommentar>(Karl Bär [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Oder
zugeteilt!)</kommentar>
<p klasse="O">Die Zeit der kleinteiligen Landwirtschaft ist vorbei.
Dieser Strukturwandel ist kein deutsches Phänomen, sondern findet auch in unseren
europäischen Nachbarländern statt.</p>
<p klasse="J">Wir sehen: Strukturen ändern sich. Dagegen kann sich
auch die AfD nicht verwehren. Was haben Sie für Lösungen zu bieten? Ich erkenne in
Ihrem Antrag vor allem Widersprüche. Erst kürzlich haben Sie ein Sofortprogramm für
die Landwirtschaft veröffentlicht. Darin fordern Sie mehr öffentliche Gelder für
Landwirtinnen und Landwirte. Höchst interessant! In Ihrem Grundsatzprogramm
sprechen Sie sich allerdings deutlich gegen staatliche Unterstützung aus. – Finde
den Fehler!</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP – Karsten Hilse [AfD]: Aber nicht in der
Landwirtschaft! – Weiterer Zuruf von der AfD: Wäre auch besser, wenn es ohne
ginge!)</kommentar>
<p klasse="J">Übrigens hilft eine rückwärtsgewandte Agrarpolitik
nicht dabei, Zukunftsfragen zu begegnen und die Transformation zu begleiten. Das
ist eher realitätsfern und gefährlich. Vielmehr sollten wir die Änderungsprozesse
begleiten. Der vorliegende Antrag soll uns ja zeigen: Die da oben tun nichts. – Das
ist eine Lüge.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Wir haben einen 7-Punkte-Plan für eine zukunftsfähige
Landwirtschaftspolitik beschlossen.</p>
<kommentar>(Frank Rinck [AfD]: Sie haben sieben Fragen
aufgeschrieben und keine Punkte!)</kommentar>
<p klasse="O">Das dürfte auch Ihnen nicht entgangen sein. Klar ist:
Hier müssen wir im Dialog tätig werden. Deshalb gab es gestern eine große
Verbändeanhörung mit Mitgliedern der Zukunftskommission Landwirtschaft. Praktische,
gut umsetzbare Lösungsvorschläge nehmen wir gerne entgegen und entwickeln sie
gemeinsam. Wir ziehen hier an einem Strang!</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">Dabei geht es vor allem um Maßnahmen zur
Bürokratieentlastung, Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, Maßnahmen im Bereich
Tierhaltung sowie steuer- und förderrechtliche Fragen. Genau das bewegt die
Branche, und das nehmen wir ernst.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Carina Konrad [FDP])</kommentar>
<p klasse="J">Wir bekennen uns zur Landwirtschaft in Deutschland.
Das heißt für uns auch: Bei dem fortwährenden Strukturwandel lassen wir unsere
Landwirtinnen und Landwirte nicht allein – im Gegenteil.</p>
<p klasse="J">Mit dem „Chancenprogramm Höfe“ unterstützen wir
Betriebe, die von der Nutztierhaltung auf die Erzeugung und Verarbeitung
innovativer Proteine für die Humanernährung umstellen möchten. Hierfür stehen für
2024 erstmalig 30 Millionen Euro zur Verfügung.</p>
<p klasse="J">Mit dem Kompetenzzentrum „Proteine der Zukunft“
profitiert die Landwirtschaft vom proteinreichen Ernährungstrend.</p>
<p klasse="J">Mit dem Modellregionenwettbewerb „Ernährungswende in
der Region“ unterstützen wir die Transformation des Ernährungssystems. Gleichzeitig
stärken wir regionale Wertschöpfungsketten. Und das ist eine große Stütze beim
Strukturwandel.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie der Abg. Dr.-Ing. Zoe Mayer
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="J">Die Gemeinschaftsaufgabe zu Agrarstruktur und
Küstenschutz ist das wichtigste Förderinstrument für die ländlichen Räume. Trotz
der Sparvorgaben und entgegen allen Befürchtungen bleiben die Mittel auf annähernd
gleichem Niveau. Ein großer Erfolg!</p>
<p klasse="J">Statt Ängste zu schüren und Panik zu verbreiten, wie
Sie es tun, setzen wir auf einen konstruktiven und zukunftsorientierten Blick auf
den Strukturwandel. Das bringt unser Land weiter.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD – Zuruf von der
AfD)</kommentar>
<p klasse="O">Unsere Landwirtschaft kann und wird sich
weiterentwickeln. Dabei können die Landwirtinnen und Landwirte auf uns zählen.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Zuruf des Abg. Bernd Schattner [AfD])</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J"><a id="e2"/>Bevor der nächste Redner kommt, möchte ich
Ihnen das von den Schriftführerinnen und Schriftführern ermittelte Ergebnis der
namentlichen Abstimmung zum Antrag der Koalitionsfraktionen „Zehn Jahre russischer
Krieg gegen die Ukraine – Die Ukraine und Europa entschlossen verteidigen“ bekannt
geben: </p>
<p klasse="J">Abgegebene Stimmkarten 668. Mit Ja haben gestimmt 382,
mit Nein haben gestimmt 284, es gab 2 Enthaltungen. Der Antrag ist damit
angenommen.</p>
<p klasse="AL_Vorspann_1">Endgültiges Ergebnis</p>
<p klasse="AL_Vorspann_2">Abgegebene Stimmen: 667;</p>
<p klasse="AL_Vorspann_2">davon</p>
<p klasse="AL_Vorspann_3">ja: 381</p>
<p klasse="AL_Vorspann_3">nein: 284</p>
<p klasse="AL_Vorspann_3">enthalten: 2</p>
<p klasse="AL_Ja-Nein-Enth">Ja</p>
<p klasse="AL_Partei">SPD</p>
<p klasse="AL_Namen">Sanae Abdi</p>
<p klasse="AL_Namen">Reem Alabali-Radovan</p>
<p klasse="AL_Namen">Niels Annen</p>
<p klasse="AL_Namen">Heike Baehrens</p>
<p klasse="AL_Namen">Ulrike Bahr</p>
<p klasse="AL_Namen">Daniel Baldy</p>
<p klasse="AL_Namen">Nezahat Baradari</p>
<p klasse="AL_Namen">Sören Bartol</p>
<p klasse="AL_Namen">Alexander Bartz</p>
<p klasse="AL_Namen">Bärbel Bas</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Holger Becker</p>
<p klasse="AL_Namen">Jürgen Berghahn</p>
<p klasse="AL_Namen">Bengt Bergt</p>
<p klasse="AL_Namen">Jakob Blankenburg</p>
<p klasse="AL_Namen">Leni Breymaier</p>
<p klasse="AL_Namen">Katrin Budde</p>
<p klasse="AL_Namen">Isabel Cademartori Dujisin</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Lars Castellucci</p>
<p klasse="AL_Namen">Jürgen Coße</p>
<p klasse="AL_Namen">Bernhard Daldrup</p>
<p klasse="AL_Namen">Hakan Demir</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Karamba Diaby</p>
<p klasse="AL_Namen">Martin Diedenhofen</p>
<p klasse="AL_Namen">Esther Dilcher</p>
<p klasse="AL_Namen">Sabine Dittmar</p>
<p klasse="AL_Namen">Felix Döring</p>
<p klasse="AL_Namen">Falko Droßmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Axel Echeverria</p>
<p klasse="AL_Namen">Sonja Eichwede</p>
<p klasse="AL_Namen">Heike Engelhardt</p>
<p klasse="AL_Namen">Ariane Fäscher</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Johannes Fechner</p>
<p klasse="AL_Namen">Sebastian Fiedler</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Edgar Franke</p>
<p klasse="AL_Namen">Fabian Funke</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Gerdes</p>
<p klasse="AL_Namen">Martin Gerster</p>
<p klasse="AL_Namen">Angelika Glöckner</p>
<p klasse="AL_Namen">Kerstin Griese</p>
<p klasse="AL_Namen">Uli Grötsch</p>
<p klasse="AL_Namen">Bettina Hagedorn</p>
<p klasse="AL_Namen">Rita Hagl-Kehl</p>
<p klasse="AL_Namen">Metin Hakverdi</p>
<p klasse="AL_Namen">Sebastian Hartmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Dirk Heidenblut</p>
<p klasse="AL_Namen">Hubertus Heil (Peine)</p>
<p klasse="AL_Namen">Frauke Heiligenstadt</p>
<p klasse="AL_Namen">Gabriela Heinrich</p>
<p klasse="AL_Namen">Wolfgang Hellmich</p>
<p klasse="AL_Namen">Anke Hennig</p>
<p klasse="AL_Namen">Nadine Heselhaus</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Hitschler</p>
<p klasse="AL_Namen">Jasmina Hostert</p>
<p klasse="AL_Namen">Verena Hubertz</p>
<p klasse="AL_Namen">Markus Hümpfer</p>
<p klasse="AL_Namen">Frank Junge</p>
<p klasse="AL_Namen">Josip Juratovic</p>
<p klasse="AL_Namen">Oliver Kaczmarek</p>
<p klasse="AL_Namen">Elisabeth Kaiser</p>
<p klasse="AL_Namen">Macit Karaahmetoğlu</p>
<p klasse="AL_Namen">Carlos Kasper</p>
<p klasse="AL_Namen">Anna Kassautzki</p>
<p klasse="AL_Namen">Gabriele Katzmarek</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Franziska Kersten</p>
<p klasse="AL_Namen">Helmut Kleebank</p>
<p klasse="AL_Namen">Lars Klingbeil</p>
<p klasse="AL_Namen">Tim Klüssendorf</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Bärbel Kofler</p>
<p klasse="AL_Namen">Simona Koß</p>
<p klasse="AL_Namen">Anette Kramme</p>
<p klasse="AL_Namen">Martin Kröber</p>
<p klasse="AL_Namen">Kevin Kühnert</p>
<p klasse="AL_Namen">Sarah Lahrkamp</p>
<p klasse="AL_Namen">Andreas Larem</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Karl Lauterbach</p>
<p klasse="AL_Namen">Sylvia Lehmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Kevin Leiser</p>
<p klasse="AL_Namen">Luiza Licina-Bode</p>
<p klasse="AL_Namen">Helge Lindh</p>
<p klasse="AL_Namen">Bettina Lugk</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Tanja Machalet</p>
<p klasse="AL_Namen">Isabel Mackensen-Geis</p>
<p klasse="AL_Namen">Erik von Malottki</p>
<p klasse="AL_Namen">Holger Mann</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Zanda Martens</p>
<p klasse="AL_Namen">Dorothee Martin</p>
<p klasse="AL_Namen">Parsa Marvi</p>
<p klasse="AL_Namen">Franziska Mascheck</p>
<p klasse="AL_Namen">Andreas Mehltretter</p>
<p klasse="AL_Namen">Takis Mehmet Ali</p>
<p klasse="AL_Namen">Dirk-Ulrich Mende</p>
<p klasse="AL_Namen">Robin Mesarosch</p>
<p klasse="AL_Namen">Kathrin Michel</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Matthias Miersch</p>
<p klasse="AL_Namen">Matthias David Mieves</p>
<p klasse="AL_Namen">Susanne Mittag</p>
<p klasse="AL_Namen">Claudia Moll</p>
<p klasse="AL_Namen">Siemtje Möller</p>
<p klasse="AL_Namen">Bettina Müller</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Müller</p>
<p klasse="AL_Namen">Detlef Müller (Chemnitz)</p>
<p klasse="AL_Namen">Michelle Müntefering</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Rolf Mützenich</p>
<p klasse="AL_Namen">Rasha Nasr</p>
<p klasse="AL_Namen">Brian Nickholz</p>
<p klasse="AL_Namen">Dietmar Nietan</p>
<p klasse="AL_Namen">Jörg Nürnberger</p>
<p klasse="AL_Namen">Lennard Oehl</p>
<p klasse="AL_Namen">Josephine Ortleb</p>
<p klasse="AL_Namen">Mahmut Özdemir (Duisburg)</p>
<p klasse="AL_Namen">Aydan Özoğuz</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Christos Pantazis</p>
<p klasse="AL_Namen">Wiebke Papenbrock</p>
<p klasse="AL_Namen">Mathias Papendieck</p>
<p klasse="AL_Namen">Natalie Pawlik</p>
<p klasse="AL_Namen">Jens Peick</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Petry</p>
<p klasse="AL_Namen">Jan Plobner</p>
<p klasse="AL_Namen">Sabine Poschmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Martin Rabanus</p>
<p klasse="AL_Namen">Ye-One Rhie</p>
<p klasse="AL_Namen">Andreas Rimkus</p>
<p klasse="AL_Namen">Daniel Rinkert</p>
<p klasse="AL_Namen">Sönke Rix</p>
<p klasse="AL_Namen">Sebastian Roloff</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Martin Rosemann</p>
<p klasse="AL_Namen">Jessica Rosenthal</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Thorsten Rudolph</p>
<p klasse="AL_Namen">Tina Rudolph</p>
<p klasse="AL_Namen">Nadine Ruf</p>
<p klasse="AL_Namen">Bernd Rützel</p>
<p klasse="AL_Namen">Sarah Ryglewski</p>
<p klasse="AL_Namen">Johann Saathoff</p>
<p klasse="AL_Namen">Ingo Schäfer</p>
<p klasse="AL_Namen">Axel Schäfer (Bochum)</p>
<p klasse="AL_Namen">Rebecca Schamber</p>
<p klasse="AL_Namen">Johannes Schätzl</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Nina Scheer</p>
<p klasse="AL_Namen">Marianne Schieder</p>
<p klasse="AL_Namen">Udo Schiefner</p>
<p klasse="AL_Namen">Timo Schisanowski</p>
<p klasse="AL_Namen">Christoph Schmid</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Nils Schmid</p>
<p klasse="AL_Namen">Uwe Schmidt</p>
<p klasse="AL_Namen">Dagmar Schmidt (Wetzlar)</p>
<p klasse="AL_Namen">Daniel Schneider</p>
<p klasse="AL_Namen">Carsten Schneider (Erfurt)</p>
<p klasse="AL_Namen">Olaf Scholz</p>
<p klasse="AL_Namen">Johannes Schraps</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Schreider</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Schrodi</p>
<p klasse="AL_Namen">Svenja Schulze</p>
<p klasse="AL_Namen">Frank Schwabe</p>
<p klasse="AL_Namen">Andreas Schwarz</p>
<p klasse="AL_Namen">Rita Schwarzelühr-Sutter</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Lina Seitzl</p>
<p klasse="AL_Namen">Svenja Stadler</p>
<p klasse="AL_Namen">Martina Stamm-Fibich</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Ralf Stegner</p>
<p klasse="AL_Namen">Mathias Stein</p>
<p klasse="AL_Namen">Nadja Sthamer</p>
<p klasse="AL_Namen">Ruppert Stüwe</p>
<p klasse="AL_Namen">Claudia Tausend</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Thews</p>
<p klasse="AL_Namen">Markus Töns</p>
<p klasse="AL_Namen">Carsten Träger</p>
<p klasse="AL_Namen">Anja Troff-Schaffarzyk</p>
<p klasse="AL_Namen">Derya Türk-Nachbaur</p>
<p klasse="AL_Namen">Frank Ullrich</p>
<p klasse="AL_Namen">Marja-Liisa Völlers</p>
<p klasse="AL_Namen">Emily Vontz</p>
<p klasse="AL_Namen">Dirk Vöpel</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Carolin Wagner</p>
<p klasse="AL_Namen">Maja Wallstein</p>
<p klasse="AL_Namen">Hannes Walter</p>
<p klasse="AL_Namen">Carmen Wegge</p>
<p klasse="AL_Namen">Melanie Wegling</p>
<p klasse="AL_Namen">Lena Werner</p>
<p klasse="AL_Namen">Bernd Westphal</p>
<p klasse="AL_Namen">Dirk Wiese</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Herbert Wollmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Gülistan Yüksel</p>
<p klasse="AL_Namen">Stefan Zierke</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Jens Zimmermann</p>
<p klasse="AL_Namen">Armand Zorn</p>
<p klasse="AL_Namen">Katrin Zschau</p>
<p klasse="AL_Partei">BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN</p>
<p klasse="AL_Namen">Luise Amtsberg</p>
<p klasse="AL_Namen">Andreas Audretsch</p>
<p klasse="AL_Namen">Maik Außendorf</p>
<p klasse="AL_Namen">Tobias B. Bacherle</p>
<p klasse="AL_Namen">Lisa Badum</p>
<p klasse="AL_Namen">Felix Banaszak</p>
<p klasse="AL_Namen">Karl Bär</p>
<p klasse="AL_Namen">Katharina Beck</p>
<p klasse="AL_Namen">Lukas Benner</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Franziska Brantner</p>
<p klasse="AL_Namen">Agnieszka Brugger</p>
<p klasse="AL_Namen">Frank Bsirske</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Anna Christmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Janosch Dahmen</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Sandra Detzer</p>
<p klasse="AL_Namen">Katharina Dröge</p>
<p klasse="AL_Namen">Deborah Düring</p>
<p klasse="AL_Namen">Harald Ebner</p>
<p klasse="AL_Namen">Leon Eckert</p>
<p klasse="AL_Namen">Marcel Emmerich</p>
<p klasse="AL_Namen">Emilia Fester</p>
<p klasse="AL_Namen">Schahina Gambir</p>
<p klasse="AL_Namen">Tessa Ganserer</p>
<p klasse="AL_Namen">Matthias Gastel</p>
<p klasse="AL_Namen">Kai Gehring</p>
<p klasse="AL_Namen">Stefan Gelbhaar</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Jan-Niclas Gesenhues</p>
<p klasse="AL_Namen">Katrin Göring-Eckardt</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Armin Grau</p>
<p klasse="AL_Namen">Erhard Grundl</p>
<p klasse="AL_Namen">Sabine Grützmacher</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Robert Habeck</p>
<p klasse="AL_Namen">Britta Haßelmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Linda Heitmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Bernhard Herrmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Bettina Hoffmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Anton Hofreiter</p>
<p klasse="AL_Namen">Ottmar von Holtz</p>
<p klasse="AL_Namen">Bruno Hönel</p>
<p klasse="AL_Namen">Dieter Janecek</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Kirsten Kappert-Gonther</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Kellner</p>
<p klasse="AL_Namen">Katja Keul</p>
<p klasse="AL_Namen">Misbah Khan</p>
<p klasse="AL_Namen">Sven-Christian Kindler</p>
<p klasse="AL_Namen">Maria Klein-Schmeink</p>
<p klasse="AL_Namen">Chantal Kopf</p>
<p klasse="AL_Namen">Laura Kraft</p>
<p klasse="AL_Namen">Philip Krämer</p>
<p klasse="AL_Namen">Jürgen Kretz</p>
<p klasse="AL_Namen">Renate Künast</p>
<p klasse="AL_Namen">Markus Kurth</p>
<p klasse="AL_Namen">Ricarda Lang</p>
<p klasse="AL_Namen">Sven Lehmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Steffi Lemke</p>
<p klasse="AL_Namen">Anja Liebert</p>
<p klasse="AL_Namen">Helge Limburg</p>
<p klasse="AL_Namen">Max Lucks</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Anna Lührmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr.-Ing. Zoe Mayer</p>
<p klasse="AL_Namen">Susanne Menge</p>
<p klasse="AL_Namen">Swantje Henrike Michaelsen</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Irene Mihalic</p>
<p klasse="AL_Namen">Boris Mijatovic</p>
<p klasse="AL_Namen">Claudia Müller</p>
<p klasse="AL_Namen">Sascha Müller</p>
<p klasse="AL_Namen">Beate Müller-Gemmeke</p>
<p klasse="AL_Namen">Sara Nanni</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Ingrid Nestle</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Ophelia Nick</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Konstantin von Notz</p>
<p klasse="AL_Namen">Omid Nouripour</p>
<p klasse="AL_Namen">Karoline Otte</p>
<p klasse="AL_Namen">Cem Özdemir</p>
<p klasse="AL_Namen">Julian Pahlke</p>
<p klasse="AL_Namen">Lisa Paus</p>
<p klasse="AL_Namen">Filiz Polat</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Anja Reinalter</p>
<p klasse="AL_Namen">Tabea Rößner</p>
<p klasse="AL_Namen">Claudia Roth (Augsburg)</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Manuela Rottmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Sacher</p>
<p klasse="AL_Namen">Jamila Schäfer</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Sebastian Schäfer</p>
<p klasse="AL_Namen">Stefan Schmidt</p>
<p klasse="AL_Namen">Marlene Schönberger</p>
<p klasse="AL_Namen">Christina-Johanne Schröder</p>
<p klasse="AL_Namen">Kordula Schulz-Asche</p>
<p klasse="AL_Namen">Nyke Slawik</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Anne Monika Spallek</p>
<p klasse="AL_Namen">Merle Spellerberg</p>
<p klasse="AL_Namen">Nina Stahr</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Till Steffen</p>
<p klasse="AL_Namen">Hanna Steinmüller</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn</p>
<p klasse="AL_Namen">Kassem Taher Saleh</p>
<p klasse="AL_Namen">Awet Tesfaiesus</p>
<p klasse="AL_Namen">Katrin Uhlig</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Julia Verlinden</p>
<p klasse="AL_Namen">Niklas Wagener</p>
<p klasse="AL_Namen">Robin Wagener</p>
<p klasse="AL_Namen">Johannes Wagner</p>
<p klasse="AL_Namen">Beate Walter-Rosenheimer</p>
<p klasse="AL_Namen">Saskia Weishaupt</p>
<p klasse="AL_Namen">Stefan Wenzel</p>
<p klasse="AL_Namen">Tina Winklmann</p>
<p klasse="AL_Partei">FDP</p>
<p klasse="AL_Namen">Valentin Abel</p>
<p klasse="AL_Namen">Katja Adler</p>
<p klasse="AL_Namen">Muhanad Al-Halak</p>
<p klasse="AL_Namen">Christine Aschenberg-Dugnus</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Bartelt</p>
<p klasse="AL_Namen">Nicole Bauer</p>
<p klasse="AL_Namen">Jens Beeck</p>
<p klasse="AL_Namen">Ingo Bodtke</p>
<p klasse="AL_Namen">Friedhelm Boginski</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar)</p>
<p klasse="AL_Namen">Mario Brandenburg (Südpfalz)</p>
<p klasse="AL_Namen">Sandra Bubendorfer-Licht</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Marco Buschmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Karlheinz Busen</p>
<p klasse="AL_Namen">Carl-Julius Cronenberg</p>
<p klasse="AL_Namen">Bijan Djir-Sarai</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Dürr</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Marcus Faber</p>
<p klasse="AL_Namen">Daniel Föst</p>
<p klasse="AL_Namen">Otto Fricke</p>
<p klasse="AL_Namen">Maximilian Funke-Kaiser</p>
<p klasse="AL_Namen">Martin Gassner-Herz</p>
<p klasse="AL_Namen">Knut Gerschau</p>
<p klasse="AL_Namen">Anikó Glogowski-Merten</p>
<p klasse="AL_Namen">Nils Gründer</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Hacker</p>
<p klasse="AL_Namen">Philipp Hartewig</p>
<p klasse="AL_Namen">Ulrike Harzer</p>
<p klasse="AL_Namen">Peter Heidt</p>
<p klasse="AL_Namen">Katrin Helling-Plahr</p>
<p klasse="AL_Namen">Markus Herbrand</p>
<p klasse="AL_Namen">Torsten Herbst</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Gero Clemens Hocker</p>
<p klasse="AL_Namen">Manuel Höferlin</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Christoph Hoffmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Reinhard Houben</p>
<p klasse="AL_Namen">Olaf In der Beek</p>
<p klasse="AL_Namen">Gyde Jensen</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Ann-Veruschka Jurisch</p>
<p klasse="AL_Namen">Karsten Klein</p>
<p klasse="AL_Namen">Daniela Kluckert</p>
<p klasse="AL_Namen">Pascal Kober</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Lukas Köhler</p>
<p klasse="AL_Namen">Carina Konrad</p>
<p klasse="AL_Namen">Wolfgang Kubicki</p>
<p klasse="AL_Namen">Konstantin Kuhle</p>
<p klasse="AL_Namen">Ulrich Lechte</p>
<p klasse="AL_Namen">Jürgen Lenders</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Thorsten Lieb</p>
<p klasse="AL_Namen">Lars Lindemann</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Lindner</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Georg Link (Heilbronn)</p>
<p klasse="AL_Namen">Oliver Luksic</p>
<p klasse="AL_Namen">Kristine Lütke</p>
<p klasse="AL_Namen">Till Mansmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Christoph Meyer</p>
<p klasse="AL_Namen">Maximilian Mordhorst</p>
<p klasse="AL_Namen">Alexander Müller</p>
<p klasse="AL_Namen">Frank Müller-Rosentritt</p>
<p klasse="AL_Namen">Claudia Raffelhüschen</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Volker Redder</p>
<p klasse="AL_Namen">Bernd Reuther</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Sauter</p>
<p klasse="AL_Namen">Frank Schäffler</p>
<p klasse="AL_Namen">Ria Schröder</p>
<p klasse="AL_Namen">Anja Schulz</p>
<p klasse="AL_Namen">Matthias Seestern-Pauly</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Stephan Seiter</p>
<p klasse="AL_Namen">Rainer Semet</p>
<p klasse="AL_Namen">Judith Skudelny</p>
<p klasse="AL_Namen">Konrad Stockmeier</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann</p>
<p klasse="AL_Namen">Benjamin Strasser</p>
<p klasse="AL_Namen">Linda Teuteberg</p>
<p klasse="AL_Namen">Jens Teutrine</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Theurer</p>
<p klasse="AL_Namen">Stephan Thomae</p>
<p klasse="AL_Namen">Nico Tippelt</p>
<p klasse="AL_Namen">Manfred Todtenhausen</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Florian Toncar</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Andrew Ullmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Gerald Ullrich</p>
<p klasse="AL_Namen">Tim Wagner</p>
<p klasse="AL_Namen">Sandra Weeser</p>
<p klasse="AL_Namen">Nicole Westig</p>
<p klasse="AL_Namen">Katharina Willkomm</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Volker Wissing</p>
<p klasse="AL_Partei">Fraktionslos</p>
<p klasse="AL_Namen">Joana Cotar</p>
<p klasse="AL_Namen">Stefan Seidler</p>
<p klasse="AL_Ja-Nein-Enth">Nein</p>
<p klasse="AL_Partei">CDU/CSU</p>
<p klasse="AL_Namen">Knut Abraham</p>
<p klasse="AL_Namen">Stephan Albani</p>
<p klasse="AL_Namen">Norbert Maria Altenkamp</p>
<p klasse="AL_Namen">Philipp Amthor</p>
<p klasse="AL_Namen">Artur Auernhammer</p>
<p klasse="AL_Namen">Peter Aumer</p>
<p klasse="AL_Namen">Dorothee Bär</p>
<p klasse="AL_Namen">Melanie Bernstein</p>
<p klasse="AL_Namen">Peter Beyer</p>
<p klasse="AL_Namen">Marc Biadacz</p>
<p klasse="AL_Namen">Steffen Bilger</p>
<p klasse="AL_Namen">Simone Borchardt</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Brand (Fulda)</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Reinhard Brandl</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Helge Braun</p>
<p klasse="AL_Namen">Silvia Breher</p>
<p klasse="AL_Namen">Sebastian Brehm</p>
<p klasse="AL_Namen">Heike Brehmer</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Breilmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Ralph Brinkhaus</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Carsten Brodesser</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Marlon Bröhr</p>
<p klasse="AL_Namen">Yannick Bury</p>
<p klasse="AL_Namen">Gitta Connemann</p>
<p klasse="AL_Namen">Mario Czaja</p>
<p klasse="AL_Namen">Astrid Damerow</p>
<p klasse="AL_Namen">Alexander Dobrindt</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Donth</p>
<p klasse="AL_Namen">Hansjörg Durz</p>
<p klasse="AL_Namen">Ralph Edelhäußer</p>
<p klasse="AL_Namen">Alexander Engelhard</p>
<p klasse="AL_Namen">Martina Englhardt-Kopf</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Erndl</p>
<p klasse="AL_Namen">Hermann Färber</p>
<p klasse="AL_Namen">Uwe Feiler</p>
<p klasse="AL_Namen">Enak Ferlemann</p>
<p klasse="AL_Namen">Alexander Föhr</p>
<p klasse="AL_Namen">Thorsten Frei</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Frieser</p>
<p klasse="AL_Namen">Ingo Gädechens</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Thomas Gebhart</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Jonas Geissler</p>
<p klasse="AL_Namen">Fabian Gramling</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Ingeborg Gräßle</p>
<p klasse="AL_Namen">Hermann Gröhe</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Grosse-Brömer</p>
<p klasse="AL_Namen">Markus Grübel</p>
<p klasse="AL_Namen">Oliver Grundmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Monika Grütters</p>
<p klasse="AL_Namen">Fritz Güntzler</p>
<p klasse="AL_Namen">Olav Gutting</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Haase</p>
<p klasse="AL_Namen">Florian Hahn</p>
<p klasse="AL_Namen">Jürgen Hardt</p>
<p klasse="AL_Namen">Matthias Hauer</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Stefan Heck</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Heilmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Mark Helfrich</p>
<p klasse="AL_Namen">Marc Henrichmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Ansgar Heveling</p>
<p klasse="AL_Namen">Susanne Hierl</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Hirte</p>
<p klasse="AL_Namen">Alexander Hoffmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Hendrik Hoppenstedt</p>
<p klasse="AL_Namen">Franziska Hoppermann</p>
<p klasse="AL_Namen">Hubert Hüppe</p>
<p klasse="AL_Namen">Erich Irlstorfer</p>
<p klasse="AL_Namen">Anne Janssen</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Jarzombek</p>
<p klasse="AL_Namen">Andreas Jung</p>
<p klasse="AL_Namen">Anja Karliczek</p>
<p klasse="AL_Namen">Ronja Kemmer</p>
<p klasse="AL_Namen">Roderich Kiesewetter</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Kießling</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Georg Kippels</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Ottilie Klein</p>
<p klasse="AL_Namen">Volkmar Klein</p>
<p klasse="AL_Namen">Julia Klöckner</p>
<p klasse="AL_Namen">Axel Knoerig</p>
<p klasse="AL_Namen">Jens Koeppen</p>
<p klasse="AL_Namen">Anne König</p>
<p klasse="AL_Namen">Markus Koob</p>
<p klasse="AL_Namen">Carsten Körber</p>
<p klasse="AL_Namen">Gunther Krichbaum</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Günter Krings</p>
<p klasse="AL_Namen">Ulrich Lange</p>
<p klasse="AL_Namen">Armin Laschet</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Silke Launert</p>
<p klasse="AL_Namen">Jens Lehmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Paul Lehrieder</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Katja Leikert</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Andreas Lenz</p>
<p klasse="AL_Namen">Andrea Lindholz</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Carsten Linnemann</p>
<p klasse="AL_Namen">Patricia Lips</p>
<p klasse="AL_Namen">Bernhard Loos</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Jan-Marco Luczak</p>
<p klasse="AL_Namen">Daniela Ludwig</p>
<p klasse="AL_Namen">Klaus Mack</p>
<p klasse="AL_Namen">Yvonne Magwas</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Astrid Mannes</p>
<p klasse="AL_Namen">Andreas Mattfeldt</p>
<p klasse="AL_Namen">Stephan Mayer (Altötting)</p>
<p klasse="AL_Namen">Volker Mayer-Lay</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Michael Meister</p>
<p klasse="AL_Namen">Friedrich Merz</p>
<p klasse="AL_Namen">Jan Metzler</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Mathias Middelberg</p>
<p klasse="AL_Namen">Dietrich Monstadt</p>
<p klasse="AL_Namen">Maximilian Mörseburg</p>
<p klasse="AL_Namen">Axel Müller</p>
<p klasse="AL_Namen">Florian Müller</p>
<p klasse="AL_Namen">Sepp Müller</p>
<p klasse="AL_Namen">Carsten Müller (Braunschweig)</p>
<p klasse="AL_Namen">Stefan Müller (Erlangen)</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Stefan Nacke</p>
<p klasse="AL_Namen">Petra Nicolaisen</p>
<p klasse="AL_Namen">Wilfried Oellers</p>
<p klasse="AL_Namen">Florian Oßner</p>
<p klasse="AL_Namen">Josef Oster</p>
<p klasse="AL_Namen">Henning Otte</p>
<p klasse="AL_Namen">Ingrid Pahlmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Christoph Ploß</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Martin Plum</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Rachel</p>
<p klasse="AL_Namen">Kerstin Radomski</p>
<p klasse="AL_Namen">Alexander Radwan</p>
<p klasse="AL_Namen">Alois Rainer</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Peter Ramsauer</p>
<p klasse="AL_Namen">Henning Rehbaum</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Markus Reichel</p>
<p klasse="AL_Namen">Josef Rief</p>
<p klasse="AL_Namen">Lars Rohwer</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Norbert Röttgen</p>
<p klasse="AL_Namen">Stefan Rouenhoff</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Röwekamp</p>
<p klasse="AL_Namen">Erwin Rüddel</p>
<p klasse="AL_Namen">Albert Rupprecht</p>
<p klasse="AL_Namen">Catarina dos Santos-Wintz</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Christiane Schenderlein</p>
<p klasse="AL_Namen">Jana Schimke</p>
<p klasse="AL_Namen">Patrick Schnieder</p>
<p klasse="AL_Namen">Nadine Schön</p>
<p klasse="AL_Namen">Felix Schreiner</p>
<p klasse="AL_Namen">Detlef Seif</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Silberhorn</p>
<p klasse="AL_Namen">Tino Sorge</p>
<p klasse="AL_Namen">Jens Spahn</p>
<p klasse="AL_Namen">Katrin Staffler</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Wolfgang Stefinger</p>
<p klasse="AL_Namen">Albert Stegemann</p>
<p klasse="AL_Namen">Johannes Steiniger</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Freiherr von Stetten</p>
<p klasse="AL_Namen">Dieter Stier</p>
<p klasse="AL_Namen">Stephan Stracke</p>
<p klasse="AL_Namen">Max Straubinger</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Hermann-Josef Tebroke</p>
<p klasse="AL_Namen">Hans-Jürgen Thies</p>
<p klasse="AL_Namen">Alexander Throm</p>
<p klasse="AL_Namen">Antje Tillmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Astrid Timmermann-Fechter</p>
<p klasse="AL_Namen">Markus Uhl</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Volker Ullrich</p>
<p klasse="AL_Namen">Kerstin Vieregge</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Oliver Vogt</p>
<p klasse="AL_Namen">Christoph de Vries</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Johann David Wadephul</p>
<p klasse="AL_Namen">Marco Wanderwitz</p>
<p klasse="AL_Namen">Nina Warken</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Anja Weisgerber</p>
<p klasse="AL_Namen">Maria-Lena Weiss</p>
<p klasse="AL_Namen">Sabine Weiss (Wesel I)</p>
<p klasse="AL_Namen">Kai Whittaker</p>
<p klasse="AL_Namen">Annette Widmann-Mauz</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Klaus Wiener</p>
<p klasse="AL_Namen">Bettina Margarethe Wiesmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Klaus-Peter Willsch</p>
<p klasse="AL_Namen">Elisabeth Winkelmeier-Becker</p>
<p klasse="AL_Namen">Mechthilde Wittmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Mareike Wulf</p>
<p klasse="AL_Namen">Paul Ziemiak</p>
<p klasse="AL_Namen">Nicolas Zippelius</p>
<p klasse="AL_Partei">AfD</p>
<p klasse="AL_Namen">Carolin Bachmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Christina Baum</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Bernd Baumann</p>
<p klasse="AL_Namen">Roger Beckamp</p>
<p klasse="AL_Namen">Barbara Benkstein</p>
<p klasse="AL_Namen">Marc Bernhard</p>
<p klasse="AL_Namen">Andreas Bleck</p>
<p klasse="AL_Namen">René Bochmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Peter Boehringer</p>
<p klasse="AL_Namen">Dirk Brandes</p>
<p klasse="AL_Namen">Stephan Brandner</p>
<p klasse="AL_Namen">Jürgen Braun</p>
<p klasse="AL_Namen">Marcus Bühl</p>
<p klasse="AL_Namen">Petr Bystron</p>
<p klasse="AL_Namen">Tino Chrupalla</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Ehrhorn</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Michael Espendiller</p>
<p klasse="AL_Namen">Peter Felser</p>
<p klasse="AL_Namen">Dietmar Friedhoff</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Götz Frömming</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Alexander Gauland</p>
<p klasse="AL_Namen">Hannes Gnauck</p>
<p klasse="AL_Namen">Kay Gottschalk</p>
<p klasse="AL_Namen">Mariana Iris Harder-Kühnel</p>
<p klasse="AL_Namen">Jochen Haug</p>
<p klasse="AL_Namen">Martin Hess</p>
<p klasse="AL_Namen">Karsten Hilse</p>
<p klasse="AL_Namen">Nicole Höchst</p>
<p klasse="AL_Namen">Leif-Erik Holm</p>
<p klasse="AL_Namen">Fabian Jacobi</p>
<p klasse="AL_Namen">Steffen Janich</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Marc Jongen</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Malte Kaufmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Michael Kaufmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Norbert Kleinwächter</p>
<p klasse="AL_Namen">Enrico Komning</p>
<p klasse="AL_Namen">Jörn König</p>
<p klasse="AL_Namen">Steffen Kotré</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Rainer Kraft</p>
<p klasse="AL_Namen">Rüdiger Lucassen</p>
<p klasse="AL_Namen">Mike Moncsek</p>
<p klasse="AL_Namen">Matthias Moosdorf</p>
<p klasse="AL_Namen">Sebastian Münzenmaier</p>
<p klasse="AL_Namen">Jan Ralf Nolte</p>
<p klasse="AL_Namen">Gerold Otten</p>
<p klasse="AL_Namen">Tobias Matthias Peterka</p>
<p klasse="AL_Namen">Stephan Protschka</p>
<p klasse="AL_Namen">Martin Reichardt</p>
<p klasse="AL_Namen">Frank Rinck</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Rainer Rothfuß</p>
<p klasse="AL_Namen">Bernd Schattner</p>
<p klasse="AL_Namen">Ulrike Schielke-Ziesing</p>
<p klasse="AL_Namen">Eugen Schmidt</p>
<p klasse="AL_Namen">Jan Wenzel Schmidt</p>
<p klasse="AL_Namen">Jörg Schneider</p>
<p klasse="AL_Namen">Uwe Schulz</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Seitz</p>
<p klasse="AL_Namen">Martin Sichert</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Dirk Spaniel</p>
<p klasse="AL_Namen">René Springer</p>
<p klasse="AL_Namen">Beatrix von Storch</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Alice Weidel</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Harald Weyel</p>
<p klasse="AL_Namen">Wolfgang Wiehle</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Christian Wirth</p>
<p klasse="AL_Namen">Joachim Wundrak</p>
<p klasse="AL_Namen">Kay-Uwe Ziegler</p>
<p klasse="AL_Partei">Die Linke</p>
<p klasse="AL_Namen">Gökay Akbulut</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Dietmar Bartsch</p>
<p klasse="AL_Namen">Matthias W. Birkwald</p>
<p klasse="AL_Namen">Clara Bünger</p>
<p klasse="AL_Namen">Susanne Ferschl</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Görke</p>
<p klasse="AL_Namen">Ates Gürpinar</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Gregor Gysi</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. André Hahn</p>
<p klasse="AL_Namen">Susanne Hennig-Wellsow</p>
<p klasse="AL_Namen">Jan Korte</p>
<p klasse="AL_Namen">Ina Latendorf</p>
<p klasse="AL_Namen">Caren Lay</p>
<p klasse="AL_Namen">Ralph Lenkert</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Gesine Lötzsch</p>
<p klasse="AL_Namen">Pascal Meiser</p>
<p klasse="AL_Namen">Sören Pellmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Victor Perli</p>
<p klasse="AL_Namen">Heidi Reichinnek</p>
<p klasse="AL_Namen">Martina Renner</p>
<p klasse="AL_Namen">Bernd Riexinger</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Petra Sitte</p>
<p klasse="AL_Namen">Kathrin Vogler</p>
<p klasse="AL_Namen">Janine Wissler</p>
<p klasse="AL_Partei">BSW</p>
<p klasse="AL_Namen">Sevim Dağdelen</p>
<p klasse="AL_Namen">Klaus Ernst</p>
<p klasse="AL_Namen">Andrej Hunko</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Leye</p>
<p klasse="AL_Namen">Amira Mohamed Ali</p>
<p klasse="AL_Namen">Zaklin Nastic</p>
<p klasse="AL_Namen">Jessica Tatti</p>
<p klasse="AL_Namen">Alexander Ulrich</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Sahra Wagenknecht</p>
<p klasse="AL_Partei">Fraktionslos</p>
<p klasse="AL_Namen">Robert Farle</p>
<p klasse="AL_Namen">Matthias Helferich</p>
<p klasse="AL_Ja-Nein-Enth">Enthalten</p>
<p klasse="AL_Partei">AfD</p>
<p klasse="AL_Namen">Albrecht Glaser</p>
<p klasse="AL_Partei">Fraktionslos</p>
<p klasse="AL_Namen">Johannes Huber</p>
<p klasse="p">Abgeordnete, die sich wegen gesetzlichen Mutterschutzes
für ihre Abwesenheit entschuldigt haben, sind in der Liste der entschuldigten
Abgeordneten (Anlage 1) aufgeführt.</p>
<p klasse="J">Wir führen die Debatte fort.</p>
<p klasse="J">Für die Unionsfraktion hat das Wort Hans-Jürgen
Thies.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<rede id="ID2015406200">
<p klasse="redner"><a id="r76"/><redner
id="11004915"><name><vorname>Hans-Jürgen</vorname><nachname>Thies</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Hans-Jürgen Thies
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Ich stehe noch immer ganz unter dem Eindruck der gestrigen Eklats bei der Debatte
im Agrarausschuss. Dort hatte die Beschlussfassung über das Cannabisgesetz auf der
Tagesordnung gestanden.</p>
<kommentar>(Zuruf von der SPD: Ach du liebe Güte!)</kommentar>
<p klasse="O">Wir als Union hatten dazu eine inhaltliche Debatte
beantragt. Dieser Antrag wurde ohne nähere Begründung von den Kollegen der
Ampelkoalition, übrigens mit Zustimmung der AfD, abgelehnt.</p>
<kommentar>(Zuruf der Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="J">Der Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft ist
zuständig für alle Fragen des gesundheitlichen Verbraucherschutzes,</p>
<kommentar>(Dr. Anne Monika Spallek [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Es
geht hier um einen AfD-Antrag!)</kommentar>
<p klasse="O">der Tabakerzeugnisse, aber auch des Hanfanbaus in der
Landwirtschaft.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Zuruf von der SPD: Wir sind
aber nicht federführend!)</kommentar>
<p klasse="O">Liebe Kolleginnen und Kollegen, das Cannabisgesetz
hätte deshalb zwingend auch eine inhaltliche Debatte im Agrarausschuss
erfordert.</p>
<kommentar>(Zuruf von der CDU/CSU: Unbedingt!)</kommentar>
<p klasse="O">Entweder Sie stehen zu diesem Gesetz,</p>
<kommentar>(Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">dann hätten Sie darüber aber auch eine inhaltliche
Debatte in den Fachausschüssen zulassen müssen, oder aber Sie haben Bauchschmerzen
bei diesem Gesetz – was ich im Übrigen gut verstehen könnte –, dann dürfen Sie es
nicht verabschieden.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Ihre Haltung gestern im Agrarausschuss war schwach
und undemokratisch.</p>
<kommentar>(Susanne Mittag [SPD]: Jetzt weinen wir!)</kommentar>
<p klasse="J">Nun aber zu den beiden Anträgen der AfD. Einige der
Forderungen aus diesen Anträgen wären tatsächlich sinnvoll. Hierzu zählen die Eins-
zu-eins-Umsetzung von EU-Richtlinien in nationales Recht, die Einführung eines
aktiven Wolfsbestandsmanagements, der sofortige Bürokratieabbau für
landwirtschaftliche Betriebe und die Abschaffung der verpflichtenden
Flächenstilllegungen.</p>
<p klasse="J">Die übrigen Punkte, die die AfD-Fraktion allerdings
in ihren Anträgen aufgeführt hat, sind allerdings grober Unfug. Deswegen werden wir
beide Anträge auch geschlossen ablehnen. Ein Stoppen des Mercosur-Abkommens zum
Beispiel widerspricht jeglichen ökonomischen und geopolitischen Realitäten.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP
und der Abg. Sylvia Lehmann [SPD])</kommentar>
<p klasse="O">Ebenso entzieht sich die Forderung nach einem Verbot
oder einer Beendigung der Wiedervernässung von Mooren jeglicher ökologischen
Vernunft. Es handelt sich um ein hingeschludertes Sammelsurium an
Einzelforderungen, welche größtenteils in Ihren Anträgen noch nicht einmal
begründet werden. Die Anträge lassen sich vielleicht für Ihre Arbeit auf Tiktok
verwenden und dort ausschlachten, erfüllen aber nicht die Anforderungen an eine
seriöse Arbeit hier im Deutschen Bundestag.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">An Scheinheiligkeit sind diese Anträge auch nicht zu
überbieten. Eine Partei, die den Dexit fordert und Subventionen generell ablehnt,
verkennt dabei, dass genau diese Subventionen einen wesentlichen und zurzeit
jedenfalls noch unverzichtbaren Anteil am Einkommen der deutschen Landwirtschaft
darstellen.</p>
<kommentar>(Zuruf von der AfD: Subventionen fürs
Ausland!)</kommentar>
<p klasse="O">Die Folgen der AfD-Anträge wären Arbeitslosigkeit,
Produktionskostensteigerungen, Rückgang der Exporte. Das alles würde nicht nur
einen Strukturwandel, sondern einen Strukturbruch in der Landwirtschaft bedeuten.
Und das wäre das Ende der mittelständischen bäuerlichen Familienbetriebe.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP
und der Abg. Dr.-Ing. Zoe Mayer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="J">Doch was hilft der deutschen Landwirtschaft wirklich?
</p>
<kommentar>(Frank Rinck [AfD]: Der Antrag der CDU/CSU offenbar
nicht!)</kommentar>
<p klasse="O">Wer die Landwirte wirklich entlasten möchte, der
treibt folgende Maßnahmen voran: erstens steuerliche Entlastungen und Maßnahmen zur
Stärkung der einzelbetrieblichen Risikovorsorge – Stichwort
„Risikoausgleichsrücklage“ –, zweitens die Rückkehr zur Gewinnglättung – von uns
schon seit Langem gefordert –, drittens den ungehinderten Zugang der Landwirte zu
den Kapitalmärkten und die Verhinderung einer Schattengesetzgebung durch EU-
Taxonomie –</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Albert Stegemann [CDU/CSU]:
Richtig!)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Herr Thies, erlauben Sie eine Zwischenfrage von
Herrn Protschka, AfD-Fraktion?</p>
<p klasse="redner"><redner id="11004915"><name><vorname>Hans-
Jürgen</vorname><nachname>Thies</nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></
redner>Hans-Jürgen Thies (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">– nein –, viertens eine Junglandwirteförderung, um
Berufseinsteigern eine stabile Existenzgrundlage zu bieten,</p>
<kommentar>(Dr. Anne Monika Spallek [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das
können die Länder alle machen! NRW kann das machen! CDU-
Landwirtschaftsministerin!)</kommentar>
<p klasse="O">fünftens die dauerhafte Fortführung der
Agrardieselsteuerentlastung, sechstens die Anpassung des Zulassungsverfahrens für
Pflanzenschutzmittel innerhalb des bestehenden Rechtsrahmens, um
landwirtschaftlichen Betrieben den schnelleren Zugang zu innovativen Produkten zu
geben, siebtens die Gewährleistung eines Vertrauensschutzes für neue und umgebaute
Stallanlagen durch eine 20-jährige Genehmigungsgültigkeit, um Planungssicherheit
herzustellen, achtens die Beibehaltung der Pauschalierungssätze für die
Umsatzsteuer</p>
<kommentar>(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Warum haben Sie
es denn nicht gemacht?)</kommentar>
<p klasse="O">und neuntens natürlich diverse Maßnahmen im Bereich
des Bürokratieabbaus: Vereinheitlichung und Verkürzung der Aufbewahrungsfristen im
Steuer- und Handelsrecht, Anhebung der Umsatzgrenze bei der Anwendung der
Umsatzsteuerpauschalierung nach § 24 Umsatzsteuergesetz auf 800 000 Euro,</p>
<kommentar>(Marianne Schieder [SPD]: Und das fällt Ihnen jetzt ein?
Zwei Jahre, nachdem Sie 16 Jahre Zeit hatten!)</kommentar>
<p klasse="O">weiterhin die Vermeidung von Datenmehrfacherhebungen
in der Nutztierhaltung und zuletzt auch die Streichung der Verpflichtung zur
Erstellung einer Stoffstrombilanz der Betriebe.</p>
<p klasse="J">Wer das Höfesterben in Deutschland verlangsamen will,
der muss günstige Rahmenbedingungen für die deutsche Landwirtschaft schaffen. Genau
dies vermisse ich bei den Schaufensteranträgen der AfD, aber auch bei der
Agrarpolitik der Bundesregierung.</p>
<p klasse="J">Vielen herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Anke Hennig [SPD]: Jau, Herr
Thies! Sie übertreffen sich selber! – Dieter Stier [CDU/CSU]: Sehr gut! Bester
Mann! – Weitere Zurufe von der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Zu einer kurzen Kurzintervention erteile ich Herrn
Protschka das Wort.</p>
<kommentar>(Dr. Gero Clemens Hocker [FDP]: Ich bin
gespannt!)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015406300">
<p klasse="redner"><a id="r77"/><redner
id="11004858"><name><vorname>Stephan</vorname><nachname>Protschka</
nachname><fraktion>AfD</fraktion></name></redner>Stephan Protschka (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Danke, Frau Präsidentin, dass Sie diese zugelassen
haben; ich werde mich sehr kurz halten. – Sehr geehrter Herr Kollege Thies, schade,
dass Sie die Zwischenfrage nicht zugelassen haben. Aber dann habe ich jetzt die
Möglichkeit, kurz eine Frage zu stellen. Sie haben ja erwähnt, dass wir Ihren
Anträgen zustimmen, wenn sie aus unserer Sicht Sinn machen. Nur leider lehnen Sie
unsere Anträge immer ab, auch wenn Sie sagen, sie machen Sinn.</p>
<kommentar>(Marianne Schieder [SPD]: Weil sie keinen Sinn
machen!)</kommentar>
<p klasse="J">Jetzt dürfte ich Sie fragen: Sie haben den
Agrardiesel am Schluss noch mal angesprochen, und wir hatten ja Ende letzten Jahres
gefordert, die Agrardieselrückerstattung zu verdoppeln, weil sie ja keine
Subvention ist, sondern eine Steuerbefreiung.</p>
<kommentar>(Dr.-Ing. Zoe Mayer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Quatsch! –
Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Quatsch!)</kommentar>
<p klasse="O">Genau das hat die bayerische
Landwirtschaftsministerin übrigens auch gefordert.</p>
<kommentar>(Dr.-Ing. Zoe Mayer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber alle
anderen Subventionen streichen, oder?)</kommentar>
<p klasse="O">Sie haben den entsprechenden Antrag, in dem wir genau
die Forderungen gestellt haben, die die bayerische Landwirtschaftsministerin
erhoben hat, damals mit der Begründung abgelehnt, es handele sich um
klimaschädliche Subventionen.</p>
<kommentar>(Dr. Götz Frömming [AfD]: Hört! Hört!)</kommentar>
<p klasse="J">Jetzt würde ich gerne wissen, warum Sie in Ihrer Rede
gesagt haben, dass die Agrardieselrückerstattung gut wäre, Sie unseren Antrag aber
ablehnen, obwohl wir nur das fordern, was auch die CSU gefordert hat.</p>
<p klasse="J">Danke schön.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015406400">
<p klasse="redner"><a id="r78"/><redner
id="11004915"><name><vorname>Hans-Jürgen</vorname><nachname>Thies</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Hans-Jürgen Thies
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Herr Protschka, das Problem mit den Anträgen der
AfD ist, dass sie in kleinen einzelnen Punkten gelegentlich auch gute Ideen
beinhalten, aber leider fast immer mit völlig überzogenen, weitergehenden
Forderungen überfrachtet werden.</p>
<kommentar>(Stephan Protschka [AfD]: Nur ein Punkt!)</kommentar>
<p klasse="O">Deswegen werden wir da auch nie auf einen Konsens
kommen. Wenn Sie zum Beispiel bei der Agrardieselrückerstattung sogar die
Verdoppelung der Erstattungsbeträge fordern, dann schießen Sie damit einfach
deutlich übers Ziel hinaus.</p>
<kommentar>(Zurufe von der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Zu der Frage, ob die Agrardieselrückerstattung eine
umweltschädliche Subvention darstellt. Ich habe noch einmal meinen Beitrag in der
Agrarausschusssitzung, in der wir das diskutiert haben, nachgelesen. Ich habe
gesagt: Es gibt Stimmen, die behaupten, das sei eine umweltschädliche Subvention.
Ich habe nicht gesagt, dass es eine ist. Selbst wenn es eine solche sein sollte: Im
Moment sind wir in einer Situation, in der es für die Landwirtschaft überhaupt
keine technischen Alternativen zu Dieselfahrzeugen gibt.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der
FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Deswegen sind wir weiterhin der Meinung:
Agrardieselsubventionen müssen beibehalten werden.</p>
<kommentar>(Zurufe von der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der
FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank. – Wir fahren in der Debatte fort. Für
Bündnis 90/Die Grünen hat das Wort Dr. Anne Monika Spallek.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015406500">
<p klasse="redner"><a id="r79"/><redner
id="11005225"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Anne
Monika</vorname><nachname>Spallek</nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN</fraktion></name></redner>Dr. Anne Monika Spallek (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Um das vielzitierte dramatische Höfesterben zu stoppen, hat die AfD
hier ein Sammelsurium von vor allen Dingen völlig undifferenzierten Einzelmaßnahmen
aufgelistet. Leider ist nichts dabei, was irgendeinen kleinen Betrieb besserstellen
und besser unterstützen würde.</p>
<kommentar>(Frank Rinck [AfD]: Dann müssen Sie mal Ihre
Ideologiebrille abnehmen! Dann finden Sie auch was!)</kommentar>
<p klasse="O">Auch dazu, dass die Landwirtschaft faire Preise
braucht, haben Sie leider nichts geschrieben.</p>
<p klasse="J">Interessanterweise nennt die AfD auch gar keine
Detailzahlen zu dem Höfesterben, sondern sagt nur pauschal: „In den vergangenen
20 Jahren hat sich die Zahl der Höfe in Deutschland fast halbiert.“ Fakt ist aber
doch: Gerade in den letzten drei Jahren, in denen die Ampel regierte, gab es den
geringsten Rückgang an Höfen seit Jahrzehnten.</p>
<kommentar>(Zuruf von der SPD: Hört! Hört! – Bernd Schattner [AfD]:
Es sind ja keine mehr da!)</kommentar>
<p klasse="O">Seit es einen grünen Landwirtschaftsminister gibt,
hat sich das Höfesterben nämlich massiv verlangsamt. Das sind die Fakten.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD – Dr. Götz Frömming [AfD]: Sie sterben etwas weniger
schnell! – Weitere Zurufe von der AfD)</kommentar>
<p klasse="O">– Das ist Fakt, da können Sie die Zahlen einfach
lesen.</p>
<p klasse="J">Und seit es einen grünen Landwirtschaftsminister
gibt, erzielen die landwirtschaftlichen Betriebe so hohe Gewinne wie noch nie. Im
Situationsbericht des Deutschen Bauernverbandes werden folgende Zahlen zum
durchschnittlichen Ergebnis eines Haupterwerbsbetriebs genannt:
2020/21 64 000 Euro, 2021/22 80 000 Euro, 2022/23 115 000 Euro. Natürlich gibt es da
kein Höfesterben. Warum soll einer dichtmachen, wenn er so gut verdient?</p>
<kommentar>(Bernd Schattner [AfD]: Die Leute investieren das Geld
nicht mehr, weil sie überhaupt nicht mehr die Sicherheit haben!)</kommentar>
<p klasse="J">Das Interessante ist ja: Das war in schweren Zeiten,
in der Coronakrise, der Ukrainekrise, der Energiekrise. War das alles Zufall? Nein.
Es waren auch gesteuerte Maßnahmen. Und zwar haben wir gezielt die kleineren, die
schwächeren Betriebe unterstützt, und zwar mit vielen Maßnahmen. Dafür danke ich
unserem Minister Cem Özdemir. 180 Millionen Euro wurden im Herbst 2022 im Rahmen
der Ukraine-Anpassungsbeihilfe besonders auch für viele Betriebe mit einer Kappung
bei 15 000 Euro verteilt, damit alle Betriebe etwas davon haben, damit kein Betrieb
zumachen muss. 36 Millionen Euro gibt es jetzt noch einmal für die Obstbetriebe,
57 Millionen Euro gehen an das „Chancenprogramm Höfe“, und auch die 1 Milliarde
Euro für das Umbauprogramm der Tierhaltung haben wir so konzipiert, dass gerade die
kleineren Betriebe davon profitieren; denn die großen haben sehr viele
Skalierungsvorteile.</p>
<kommentar>(Dr. Oliver Vogt [CDU/CSU]: Mal gucken, wie viel davon
abgerufen wird!)</kommentar>
<p klasse="O">Die brauchen nicht diese große Unterstützung.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD)</kommentar>
<p klasse="O">Jahrzehntelang hat die CDU/CSU mit ihrer
Gießkannenpolitik das Wachstum gefördert. Wir fördern den Hof. Jeder Hof zählt.</p>
<p klasse="J">Herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD – Frank Rinck [AfD]: Das glauben Sie doch selbst nicht mal,
was Sie da gerade vorgelesen haben!)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Yvonne Magwas:</name>
<p klasse="J_1">Ingo Bodtke für die FDP-Fraktion hat jetzt das
Wort.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015406600">
<p klasse="redner"><a id="r80"/><redner
id="11005027"><name><vorname>Ingo</vorname><nachname>Bodtke</nachname><fraktion>FDP
</fraktion></name></redner>Ingo Bodtke (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr
Minister! Sehr geehrte Damen und Herren! Aus Brüssel kommen derzeit erfreuliche,
vernünftige Entscheidungen und Vorschläge. Ich begrüße sehr, dass die EU-Kommission
die Sorgen und Proteste der Bauern offensichtlich sehr ernst nimmt und entsprechend
handelt. Hoffentlich sind diese Erkenntnisse nachhaltig und nicht nur
Wahlkampf.</p>
<kommentar>(Beifall der Abg. Carina Konrad [FDP])</kommentar>
<p klasse="J">Auch die Reaktionen aus Brüssel zum Ukrainekrieg im
Hinblick auf Ernährungssicherung zeugen von Pragmatismus. Jüngste Beispiele sind
die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat – hierfür hat die FDP gekämpft –,</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">die vorgeschlagene Lockerung bei der Zulassung neuer
Züchtungsmethoden – auch hierfür hat die FDP gekämpft –</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">und der Vorschlag der EU-Kommission zur Verlängerung
der Ausnahmegenehmigung zur Flächenstilllegung für das Jahr 2024.</p>
<kommentar>(Dr. Oliver Vogt [CDU/CSU]: Wer hat es auf den Weg
gebracht?)</kommentar>
<p klasse="O">Diese Entscheidung steht an. Wir als FDP kämpfen auch
hierfür. Wenn Sie, Herr Minister, dem Vorschlag zustimmen, haben Sie unsere
Unterstützung.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP – Artur Auernhammer [CDU/CSU]:
Erklär das mal in der Ampel!)</kommentar>
<p klasse="J">Nachdem auf EU-Ebene jahrelang gefühlt alle Maßnahmen
der Zielsetzung des Green Deals untergeordnet wurden, liegt nun endlich der Blick
wieder auf der ursprünglichen Funktion der Landwirtschaft: Ernährungssicherung und
Ernährungssouveränität in Deutschland.</p>
<p klasse="J">Betonen möchte ich: Der Fokus auf die Landwirtschaft
und die Verfolgung der Ziele des Green Deals stehen in keinem Widerspruch. Richtig
ist: Die Herausforderungen im Klima- und Umweltschutz und bei der
Ernährungssicherung können nur gemeinsam mit der Landwirtschaft gelöst werden.
Unsere Landwirte wissen längst um ihre große Verantwortung zur Bewältigung dieser
Herausforderungen. Die Botschaft ist zum Glück auch in Brüssel angekommen.
Landwirtschaft geht nur mit den Landwirten.</p>
<p klasse="J">Dass wir die deutsche Landwirtschaft von
Bürokratiehemmnissen entschlacken werden und die internationale
Wettbewerbsfähigkeit sicherstellen müssen, versteht sich von selbst. Für diese
banale Erkenntnis brauchen wir die beiden Anträge der AfD nun wirklich nicht. Aber
sie geben mir die Möglichkeit, nochmals für eine zeitnahe Umsetzung des
Kommissionsvorschlages zur Aussetzung der 4-Prozent-Regelung zur Stilllegung von
Agrarflächen im Jahr 2024 zu plädieren. Es ist jetzt höchste Zeit, endlich national
eine Entscheidung für 2024 zu treffen. Unsere Landwirte brauchen endlich
Planungssicherheit für dieses Jahr; denn die Aussaat steht vor der Tür.</p>
<kommentar>(Artur Auernhammer [CDU/CSU]: Es wurde bereits
gesät!)</kommentar>
<p klasse="J">Grundsätzlich müssen wir uns auch die Frage stellen,
ob wir diese Spielchen für den restlichen Zeitraum des GAP-Strategieplans bis 2027
wirklich jedes Jahr aufs Neue spielen sollten. Wollen wir unseren Landwirten diese
ständige Hängepartie wirklich zumuten? Nein, definitiv nicht. Wir als FDP streben
eine dauerhafte Aussetzung der Pflicht zur Stilllegung von Flächen an, mindestens
bis 2027 und bestenfalls darüber hinaus.</p>
<p klasse="J">Für das Jahr 2024 muss der Vorschlag der EU-
Kommission zügig umgesetzt werden, um Wettbewerbsnachteile zu vermeiden. Wir werden
innerhalb der Bundesregierung darauf drängen, von dieser Regelung Gebrauch zu
machen, ohne irgendwelche Bedingungen.</p>
<p klasse="J">An dieser Stelle sage ich ganz deutlich: Wir werden
keine zusätzlichen Kröten schlucken. Angesichts der aktuell angespannten Lage ist
es den Landwirten nicht zuzumuten, weitere Einschnitte hinzunehmen. Schützenhilfe
bekommen wir von den Bundesländern. Die Mehrzahl der Agrarressorts der Bundesländer
haben sich für eine rasche und bedingungslose Umsetzung der Ausnahme der
Flächenstilllegung ausgesprochen. Gerade die kleinen und mittelständisch geprägten
landwirtschaftlichen Betriebe brauchen jetzt unsere Unterstützung mehr denn je.
Weniger Bürokratie, mehr Freiräume, weniger Auflagen, größere Handlungsspielräume,
langfristige Planungssicherheit –</p>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Kommen Sie bitte zum Schluss.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11005027"><name><vorname>Ingo</vorname><nachname>Bodtke</nachname><fraktion>FDP
</fraktion></name></redner>Ingo Bodtke (FDP):</p>
<p klasse="J_1">– das sind die berechtigen Forderungen unserer
Bauern.</p>
<p klasse="J">Herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP – Artur Auernhammer [CDU/CSU]: Na,
da habt ihr noch viel zu tun in der Ampel! – Dr. Oliver Vogt [CDU/CSU]: Da müsst
ihr noch ein paar Konsolidierungsgespräche führen!)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich grüße Sie
erneut und möchte kurz darauf hinweisen, dass unsere Tagesordnung heute bis 3 Uhr
geht. Ich möchte Sie deshalb sehr bitten, sich an die Redezeiten zu halten; kürzer
geht immer, aber länger bitte nicht.</p>
<p klasse="J">Jetzt bekommt das Wort Ina Latendorf für die Gruppe
Die Linke.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015406700">
<p klasse="redner"><a id="r81"/><redner
id="11005123"><name><vorname>Ina</vorname><nachname>Latendorf</nachname><fraktion>D
ie Linke</fraktion></name></redner>Ina Latendorf (Die Linke):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Es ist kein Wunder, dass den Landwirtinnen und Landwirten der Kragen
platzt, wenn es um ihre Existenz geht, wenn sie erleben müssen, wie Kollegen
nebenan resignieren und hinschmeißen. In meinem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern
sind die 4 700 landwirtschaftlichen Unternehmen, große wie kleine, sehr präsent.
Für Die Linke im Bundestag habe ich schon zu Beginn der Haushaltsberatungen gegen
die Kürzung im Agrarbereich gesprochen, und erst recht am 14. Dezember 2023.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="J">Die Agrarpolitik hat die Landwirtschaft in den
letzten Jahrzehnten zunehmend unter wirtschaftlichen Druck gesetzt. Proteste haben
wir 2019, 2023 und 2024 gehabt. Aber was sind die größten Herausforderungen der
Branche? Ohne Zweifel gehört die Bürokratie dazu: Wenn ein Landwirt um eine
Baugenehmigung für einen mobilen Hühnerstall viele Monate kämpfen muss, die dann am
Ende mehr kostet als der Hühnerstall selbst,</p>
<kommentar>(Marianne Schieder [SPD]: Das kann nicht sein! Das sind
doch Fake News!)</kommentar>
<p klasse="O">wenn der Bauer nicht aufs Feld und der Winzer nicht
mehr in den Weinberg kommt, sondern im Büro sitzt, dreimal die gleichen Zahlen an
drei verschiedene Stellen in drei verschiedenen Formaten senden muss, wenn die
Satellitenflächenprüfung der Verwaltung den Überhang von Hecken nicht erkennt und
man sich dann in aufwändigen Verwaltungsverfahren rechtfertigen muss – das ist
Bürokratie, und es gibt viele solcher Beispiele. Ich bin echt gespannt, wie der
versprochene Bürokratieabbau am Ende aussehen wird.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, es gibt leider noch viel mehr
Punkte, die das Leben mit, in und von der Landwirtschaft schwer machen. Der
schwerer werdende Zugang zu Grund und Boden gehört dazu: wegen Spekulation, wegen
Landgrabbing, wegen der Höchstpreispolitik der BVVG im Osten in den letzten Jahren
und auch wegen des starken Flächenverbrauchs. Circa 55 Hektar werden in Deutschland
täglich zu Siedlungs- und Verkehrsflächen umgewandelt und damit der Landwirtschaft
entzogen; trotz aller anderslautenden Vorsätze.</p>
<p klasse="J">Die Landwirtschaft unterliegt einem massiven
Preisdruck des Lebensmitteleinzelhandels und dessen ungebremster Marktmacht. Auch
hier sind Regulierungen lange versprochen; aber Fehlanzeige!</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="O">Die Landwirtschaft konkurriert dabei oft mit billigen
Importen aus dem Ausland, die unter nicht vergleichbaren Bedingungen produziert
werden. Und das ist ein klassischer Abwärtswettbewerb zulasten von Landwirten, der
Natur und der Verbraucher.</p>
<p klasse="J">Ein weiterer Klotz am Bein, gerade für die
Tierhalter, ist die fehlende Planungs- und Investitionssicherheit. Wenn ich nicht
weiß, ob ich meine Tiere in den geplanten und oft sogar schon genehmigten Neubauten
in den nächsten Jahren noch halten darf, dann kann ich einfach nicht investieren,
dann kann ich nicht bauen. Auch dazu gibt es viele Ankündigungen. Aber verlässliche
Politik? Ebenfalls Fehlanzeige!</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="J">Die Streichung der Agrardieselsubvention ist einfach
mal noch obendrauf gekommen. Ich bin froh über die entsprechende Initiative im
Bundesrat, die auch von meiner rot-roten Landesregierung aus Mecklenburg-Vorpommern
angestrengt wird.</p>
<p klasse="J">Die Landwirtschaft muss eine Perspektive bekommen.
Sie ist das Unterpfand für die Zukunft unseres Landes. Lassen Sie uns daran
gemeinsam arbeiten.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Die nächste Rednerin ist Dr. Franziska Kersten für
die SPD-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der
FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015406800">
<p klasse="redner"><a id="r82"/><redner
id="11005103"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Franziska</vorname><nachname>Kersten
</nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Dr. Franziska Kersten (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und
Herren! Liebe Zuhörende! Landwirtschaft ist das Fundament jeder Gesellschaft. Ohne
gesunde Nahrung, sauberes Wasser, klare Luft und intakte Natur gibt es kein Leben.
Ich bin gelernte Rinderzüchterin, war aber auch später als Tierärztin immer sehr im
Austausch mit der Landwirtschaft. Daher weiß ich aus eigenem Erleben: In der
Landwirtschaft hängt alles mit allem zusammen; und es ist schon etwas schwieriger,
als man zuerst annimmt.</p>
<p klasse="J">Wir brauchen eine solide Versorgung mit qualitativ
hochwertigen und bezahlbaren Lebensmitteln, wir brauchen stabile Einkommen für die
in der Landwirtschaft tätigen Menschen, und wir brauchen Biodiversität und
nachhaltige Wirtschaftsweisen, sonst sind keine nachhaltigen Erträge möglich.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Schon hier wird klar, dass es eine komplexe Sache
ist: Auf der einen Seite gibt es wirtschaftliche Notwendigkeiten. Wir haben offene
Weltmärkte, eine starke Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel. Wir haben in
Deutschland durchaus höhere Standards in der landwirtschaftlichen Produktion und
auch bei den Arbeitsbedingungen. Hinzu kommt ein immer größerer Druck auf den
landwirtschaftlichen Bodenmarkt. Wer Geld hat, will dies sicher und gewinnbringend
anlegen, und Finanzinvestoren greifen hier verstärkt zu. Wir müssen da wirklich
ran!</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie des Abg. Karl Bär
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="J">Außerdem erwartet die Gesellschaft von der
Landwirtschaft Anstrengungen beim Schutz von Umwelt, Klima und Tierwohl sowie den
Erhalt unserer vielseitigen Landschaften. Dabei ist der Agrarsektor der einzige
Politikbereich, der vergemeinschaftet ist, das heißt, alle grundlegenden
Entscheidungen werden hier auf der Ebene der Europäischen Union getroffen. Das
wichtigste Element ist die Gemeinsame Agrarpolitik, die GAP. Sie stützt das
Einkommen der Landwirte als Ausgleich für die hohen Standards bei niedrigen
Weltmarktpreisen, und sie dient dazu, die Bauern für die Erfüllung der
gesellschaftlichen Erwartungen an die Landwirtschaft angemessen zu honorieren.
Außerdem fördert sie auch die Entwicklung des ländlichen Raumes.</p>
<p klasse="J">Die Regeln der GAP sind in den letzten Jahrzehnten
immer komplexer geworden. Das hat zu einem enormen Anwachsen der Bürokratie
geführt, die von den Landwirten und der Agrarverwaltung nicht mehr zu beherrschen
ist. Hier wollen wir Verbesserungen. Es gibt zum Beispiel ein Merkblatt, wie man
einen Gewässerabstand ermittelt. Das sind zwei eng bedruckte Seiten. Das ist
einfach für keinen mehr zu lesen; das schafft man nicht. Was in dieser Situation
nicht funktioniert, sind Ihre einfachen Lösungen. Das wird dieser eben
beschriebenen Komplexität nicht ansatzweise gerecht.</p>
<p klasse="J">Es ist auch bezeichnend, dass Sie in Ihrem Antrag zu
Stilllegungsflächen grundlegende Begriffe völlig verwechseln. Ich erkläre es Ihnen
gerne. Die verpflichtende Stilllegung von 4 Prozent der Ackerflächen zur Förderung
der Biodiversität ist der GLÖZ-Standard 8. GLÖZ heißt guter landwirtschaftlicher
und ökologischer Zustand. Die von Ihnen beanstandete Öko-Regelung 1a regelt eine
weiter gehende Stilllegung über die 4 Prozent hinaus.</p>
<kommentar>(Dr. Gero Clemens Hocker [FDP]: So ist es!)</kommentar>
<p klasse="O">Und die wird natürlich auch extra honoriert.</p>
<p klasse="J">Sie sollten mit Ihrem Antrag also nicht auf
Bauernfang gehen. Sie haben die Zusammenhänge offensichtlich nicht verstanden. Ihr
Gerede wird Ihnen kein Landwirt so abnehmen. Die sind nämlich gut ausgebildet und
offensichtlich schlauer als Sie.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP und der Abg. Ingrid Pahlmann
[CDU/CSU])</kommentar>
<p klasse="J">Aktuell geht es um Folgendes: Die EU ermöglicht im
Jahr 2024 ebenso wie im letzten Jahr eine Aussetzung der Pflichtstilllegung, wenn
auf den Flächen Leguminosen oder Zwischenfrüchte angebaut werden. Noch einmal für
Sie, meine Damen und Herren von der AfD: Leguminosen sind stickstoffbindende
Pflanzen, Stichwort: Symbiose mit Knöllchenbakterien.</p>
<p klasse="J">Wenn wir das in Deutschland so umsetzen, bleibt die
Frage nach den Auswirkungen auf die Biodiversität. Forscher melden hier wirklich
Bedenken an. Außerdem ist die vorhin angesprochene Öko-Regelung zur zusätzlichen
Stilllegung, also das fünfte Prozent, damit für die meisten Landwirte unattraktiv.
Wir müssen also Veränderungen vornehmen, da sonst Gelder zurück nach Brüssel
fließen, die eigentlich für die einkommenswirksame Honorierung der Leistungen der
Landwirte gedacht waren.</p>
<p klasse="J">Wenn die anderen EU-Mitglieder die Aussetzung der
Pflichtstilllegung umsetzen, wir aber nicht mitmachen, ist das ein
Wettbewerbsnachteil für unsere Landwirtschaft. Daher werbe ich für ein Gesamtpaket,
bei dem die Aussetzung der Stilllegung mit sinnvollen Öko-Regelungen kombiniert
wird. So gelingt es, Einkommen für die Landwirte zu sichern und gleichzeitig
ambitioniert Natur und Biodiversität zu schützen.</p>
<p klasse="J">Die neuerlichen Bauernproteste haben viele
wachgerüttelt. Bereits nach der ersten großen Protestwelle 2019 wurde mit der
Zukunftskommission Landwirtschaft ein Gremium einberufen, in dem sich
Landwirtschaft, vor- und nachgelagerte Wirtschaftsbereiche, Wissenschaft und
Umweltverbände auf eine Strategie für den Agrarsektor geeinigt haben.</p>
<p klasse="J">Gestern hat sich die Koalition wieder mit diesen
Vertretern getroffen. Was wir jetzt schnellstens voranbringen wollen, ist die
Umsetzung der zusammengetragenen Erkenntnisse. Wir haben lange genug geredet; jetzt
wird gehandelt.</p>
<kommentar>(Dr. Götz Frömming [AfD]: Na, dann handeln Sie
mal!)</kommentar>
<p klasse="O">Dazu brauchen wir Ihre Schaufensteranträge nicht!</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Nächste Rednerin ist Ingrid Pahlmann für die
CDU/CSU-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015406900">
<p klasse="redner"><a id="r83"/><redner
id="11004369"><name><vorname>Ingrid</vorname><nachname>Pahlmann</nachname><fraktion
>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Ingrid Pahlmann (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen!
Liebe Kollegen! Liebe Landwirte! Liebe Landwirtinnen! Am heutigen Tag hat mein Mann
Geburtstag, und statt bei ihm zu sein und mit ihm zu feiern, nutze ich die
Gelegenheit und spreche zu Ihnen über ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt,
nämlich die Lage der Landwirte und Landwirtinnen in unserem Land.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der
FDP – Christine Aschenberg-Dugnus [FDP]: Wir gratulieren! – Zuruf der Abg. Renate
Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] – Gegenruf des Abg. Dr. Götz Frömming [AfD]: Sie hat
wenigstens einen Mann! Was regen Sie sich so auf?)</kommentar>
<p klasse="J">Die deutsche Landwirtschaft steht unter enormem
Druck. Wirtschaftliche Herausforderungen, strenge Umweltnormen, hohe
Produktionskosten und niedrige Erzeugerpreise zwingen viele Betriebe in die Knie.
Die Digitalisierung bietet zwar Chancen für Effizienzsteigerung und auch
Nachhaltigkeit, erfordert jedoch Investitionen, die sich nicht jeder Betrieb
leisten kann. Die Bauernproteste haben in den letzten Wochen einer großen Mehrheit
der Bevölkerung klargemacht, dass die Belastungsgrenze des Berufsstandes deutlich
überschritten ist. Sie haben eben nicht deswegen protestiert, weil es ihnen gut
geht.</p>
<p klasse="J">Wir befinden uns zugegebenermaßen in schwierigen
Zeiten, verbunden mit vielerlei Ängsten in der gesamten Bevölkerung, die zurzeit
hochgradig sensibilisiert ist und vielleicht auch gerade deshalb an der Seite der
Bauern steht; denn Nahrungssicherheit ist ein ganz hohes Gut und betrifft uns
alle.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Wenn wir nun sehen, dass die Ampelregierung geplant
hat, eine Konsolidierung des Haushalts auf dem Rücken der Landwirtschaft
auszutragen, können wir das einfach nicht durchgehen lassen. Ehrlich gesagt, die
Rücknahme der Kfz-Steuer erfolgte nicht, um den Landwirten zu helfen, sondern
einfach nur, weil man erkannt hat, dass diese Maßnahme extrem hohe bürokratische
Anstrengungen und auch Kosten verursacht hätte.</p>
<kommentar>(Artur Auernhammer [CDU/CSU]: So ist es!)</kommentar>
<p klasse="J">Die Erfüllung der Forderung, auch die
Agrardieselbeihilfe einzustampfen, hätte zur Folge, dass eine Branche
überproportional für das Haushaltsdebakel der Ampel belastet worden wäre.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Etliche Länderchefs haben signalisiert, dass sie
dieses Vorgehen nicht mitmachen und missbilligen. Schauen wir mal, wie sich die
Ministerpräsidenten weiterhin verhalten.</p>
<p klasse="J">Ernährungssicherheit ist ein hohes Gut. Landwirte
zeigen seit Generationen, dass sie in der Lage sind, qualitativ hochwertige
Lebensmittel zu produzieren und sich dabei auch immer wieder auf neue
Rahmenbedingungen und Forderungen der Gesellschaft einzustellen. Die im Rahmen des
Green Deals beschlossene Stilllegung von 4 Prozent der landwirtschaftlich genutzten
Fläche bedeutet faktisch eine Reduzierung bewirtschafteter Fläche, weniger
Lebensmittelproduktion und damit verbunden eben auch Einkommensverluste. Dass
aktuell diese 4 Prozent unter anderem zum Anbau von Leguminosen freigegeben werden
sollen, ist ein vermeintlich guter Schritt in die richtige Richtung; aber die
zeitliche Umsetzung ist eigentlich schon fast nicht realisierbar.</p>
<kommentar>(Artur Auernhammer [CDU/CSU]: Viel zu spät!)</kommentar>
<p klasse="J">Vor diesem Hintergrund klingt die Fülle der
Forderungen in den Anträgen der AfD-Fraktion vielleicht ganz nett, aber sie sind
unrealistisch und auch nicht stimmig.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Was die Landwirte momentan vorrangig brauchen, ist
endlich mal wieder mehr Vertrauen in ihre Arbeit und Wertschätzung ihrer Arbeit,
die Rücknahme der Ankündigung der Abschaffung der Dieselrückvergütung,
Planungssicherheit bei der Ausgestaltung der Bauvorschriften für Stallumbauten
bezüglich Tierwohl und eine planbare Aussetzung der 4-prozentigen
Flächenstilllegung für einen Zeitraum von mehreren Jahren.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Und was sie noch brauchen, ist insgesamt eigentlich
mal die Möglichkeit, ohne weitere Eingriffe der Politik auch arbeiten zu
dürfen.</p>
<p klasse="J">Für die Zukunft sind praktikable Lösungen zu finden,
die sowohl dem Umweltschutz als auch der Lebensfähigkeit der landwirtschaftlichen
Betriebe dienen. Innovative Agrartechnologien und nachhaltige Anbaumethoden müssen
gefördert werden, um die Produktivität zu steigern, dabei aber auch Ressourcen zu
schonen und Biodiversität zu erhöhen. Und hier sehe ich insbesondere auch unseren
Bundeslandwirtschaftsminister in der Pflicht, da Impulse zu setzen.</p>
<p klasse="J">Was die Landwirte nicht brauchen, sind populistische
Forderungen einer Partei, die nur ein neues Feld sucht, um aufzuwiegeln, Unruhe zu
stiften und sich selbst als Heilsbringer anzubiedern. Überzogene Anträge hier im
Plenum werden der Sache der Bauern nicht gerecht und helfen dem Berufsstand kein
Stück.</p>
<p klasse="J">Wir demokratischen Parteien</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Dr. Götz Frömming [AfD])</kommentar>
<p klasse="O">werden nicht über das hingehaltene Stöckchen springen
und diese Anträge in Summe ablehnen.</p>
<p klasse="J">Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Herzliche Grüße dann auch an Ihren Mann und vielen
Dank. Ich war schon froh, dass Sie nicht mit Grüßen begonnen haben.</p>
<p klasse="J">Als Nächstes erhält das Wort Karl Bär für
Bündnis 90/Die Grünen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015407000">
<p klasse="redner"><a id="r84"/><redner
id="11005017"><name><vorname>Karl</vorname><nachname>Bär</nachname><fraktion>BÜNDNI
S 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Karl Bär (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte
Kolleginnen und Kollegen! Ich muss jetzt mal eine Sache klarstellen: Das
ökologische Ambitionsniveau der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU ist nicht zu hoch,
es ist zu niedrig.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Wir stehen mit dem Artensterben und der Klimakrise
vor den größten Problemen, die wir Menschen in der Zeit unserer Zivilisation jemals
hatten. Es klingt vielleicht pathetisch, aber das ist einfach Teil der Realität:
Wir müssen eine ökologische Agrarwende schaffen, sonst können wir uns auf diesem
Planeten nicht dauerhaft ernähren. Wir haben bekanntlich keinen zweiten
Planeten.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
und der Abg. Dr. Franziska Kersten [SPD] – Zuruf des Abg. Uwe Schulz
[AfD])</kommentar>
<p klasse="J">Dass die Agrarpolitik der EU zu kompliziert und zu
bürokratisch ist, liegt nicht daran, dass sie zu ökologisch ist. Das liegt daran,
dass die vorherige Regierung und die rechte Mehrheit im Europäischen Parlament mit
Zähnen und Klauen ein System verteidigt haben, das letztendlich Steuergelder an
Grundbesitzer verteilt. 1 Prozent der größten Betriebe in Deutschland haben
zwischen 2014 und 2021 25 Prozent der Subventionen bekommen, die 50 Prozent der
kleineren Betriebe nur 8 Prozent der Subventionen.</p>
<p klasse="J">Das neue System der EU-Agrarsubventionen ist deshalb
so bürokratisch und kompliziert – das ist richtig irre –, weil es ein schlecht
gemachter Kompromiss zwischen den Profiteuren des alten Systems und der
Notwendigkeit, irgendwas zu ändern, ist. Wir brauchen jetzt einen großen Schnitt in
der europäischen Agrarpolitik, spätestens aber mit der nächsten Reform. Was wir
nicht machen können, ist, jetzt die letzten Reste der ökologischen Vorgaben aus dem
jetzigen System herauszustreichen. Wer ein bisschen Sinn für die Zukunft hat, kann
das nicht mitmachen. Ich bin froh, dass Steffi Lemke und Cem Özdemir hier für die
Biodiversität kämpfen. Das werden uns kommende Generationen danken.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD)</kommentar>
<p klasse="J">Jetzt kurz zur AfD. Das ist völlig inkonsequent und
inkonsistent, was Sie hier machen – Gero hat es schon vorgetragen –: mal für
Subventionen, mal alle streichen, mal einige davon verdoppeln; mal für Glyphosat,
mal dagegen.</p>
<kommentar>(Dr. Götz Frömming [AfD]: Was ist denn Ihre
Meinung?)</kommentar>
<p klasse="O">Aussprechen können Sie das Wort auch nicht.</p>
<kommentar>(Heiterkeit bei Abgeordneten der SPD)</kommentar>
<p klasse="O">In Berlin gegen Gentechnik reden, im Europaparlament
aber dafürstimmen.</p>
<p klasse="J">Ich würde es Ihnen ja verzeihen. Ich erwarte gar
nicht, dass Sie wissen, was GLÖZ und Ökoregeln sind,</p>
<kommentar>(Dr. Gero Clemens Hocker [FDP]: Doch! Doch!)</kommentar>
<p klasse="O">wie man Glyphosat richtig ausspricht. Ich erwarte
auch nicht, dass Sie lesen, was in den Empfehlungen der Borchert-Kommission steht;
das sind immerhin 20 Seiten. Sie kassieren hier Diäten, ohne irgendetwas
beizutragen. Ihr Ziel ist, zu zerstören und zu spalten. Und das verzeihe ich Ihnen
nicht.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP – Dr. Götz Frömming [AfD]: Kommt da noch etwas
Inhaltliches?)</kommentar>
<p klasse="J">Von der Union würde ich allerdings erwarten, dass Sie
Texte lesen. Mit Erlaubnis der Präsidentin würde ich gerne aus einem
Bundestagsprotokoll vorlesen. Ich zitiere jetzt einmal Oliver Vogt; der sitzt
gerade ganz vorn bei der CDU/CSU.</p>
<kommentar>(Artur Auernhammer [CDU/CSU]: Das ist der Beste! –
Gegenruf des Abg. Dr. Oliver Vogt [CDU/CSU]: Einer der Besten!)</kommentar>
<p klasse="O">Am 25. Januar 2023, also vor wenigen Monaten,
forderte er: „Setzen Sie die Ergebnisse der Borchert-Kommission und der ZKL endlich
konsequent um!“</p>
<kommentar>(Dr. Oliver Vogt [CDU/CSU]: Ja! Ist was falsch daran? –
Gegenruf der Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Warten Sie mal
ab!)</kommentar>
<p klasse="O">Ähnliches sagten Albert Stegemann am 16. Juni,
Steffen Bilger am 7. September, Julia Klöckner am 12. Oktober letzten Jahres,
dieses Jahr Artur Auernhammer am 19. Januar.</p>
<kommentar>(Dieter Stier [CDU/CSU]: Warum machen Sie es nicht? –
Dr. Oliver Vogt [CDU/CSU]: Kommen Sie mal in die Hufe!)</kommentar>
<p klasse="J">Ich finde das auch sehr richtig. Man muss dann aber
auch lesen, was drinsteht. Ich zitiere aus dem Abschlussbericht der Borchert-
Kommission, übrigens aus dem Februar 2020, also von vor vier Jahren:</p>
<p klasse="Z">„Nach Abwägung der diskutierten Vor- und Nachteile
erscheint eine mengenbezogene Abgabe auf tierische Produkte (die z. B. als
Tierwohlabgabe bezeichnet werden könnte und technisch als Verbrauchssteuer
umgesetzt wird) die bestgeeignete Lösung. Sie sollte sozialpolitisch flankiert
werden.“</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD – Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], an die CDU/CSU
gewandt: Jetzt müssen Sie klatschen!)</kommentar>
<p klasse="J">Jetzt haben Cem Özdemir und sein Haus ein
Eckpunktepapier vorgelegt, um genau das zu machen. Und was höre ich von der Union?
Sie schimpfen darüber. Markus Söder postet seine Protestbratwurst. Ich glaube, Sie
haben es sich in der Opposition ganz schön bequem gemacht und sagen jetzt zu allem
Nein.</p>
<kommentar>(Beifall des Abg. Niklas Wagener [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="J">Wir aber regieren. Seit dem 1. Februar muss an der
Fleischtheke bei Geflügel, Schaf- und Schweinefleisch gekennzeichnet werden, wo es
herkommt. Seit Oktober ist es einfacher für Kantinen und Restaurants,
Biolebensmittel auf die Speisekarte zu nehmen. Ab August gilt die
Tierhaltungskennzeichnung, seit Juni 2023 die Novelle im Baurecht, die es einfacher
macht, Ställe umzubauen. Wir kriegen was hin. Das ändert das Land zum Guten.
Regieren ist halt auch arbeiten.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD
sowie bei Abgeordneten der FDP – Artur Auernhammer [CDU/CSU]: Wer’s glaubt, wird
selig! – Dr. Oliver Vogt [CDU/CSU]: Das war ja wieder Märchenstunde!)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Nächster Redner ist Dieter Stier für die CDU/CSU-
Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015407100">
<p klasse="redner"><a id="r85"/><redner
id="11004168"><name><vorname>Dieter</vorname><nachname>Stier</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Dieter Stier (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine lieben
Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Tatsache ist, dass die
gegenwärtige Situation der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland unter der
Ampelregierung einen absoluten Tiefpunkt erreicht hat. Die landesweiten
Bauernproteste von Nord bis Süd, von Ost bis West sind in Umfang und Ausmaß in der
Geschichte der Bundesrepublik bisher einmalig. Meine Damen und Herren, Sie werden
mit dieser Bundesregierung in die Geschichte eingehen. Der Umgang der Ampel,
insbesondere der Grünen, mit unserer Landwirtschaft hat das Ganze noch befeuert,
und er hat nach meiner Meinung das Ausmaß der Eskalation auch erst möglich
gemacht.</p>
<p klasse="J">Die heute vorliegenden Anträge enthalten aus meiner
Sicht auch einiges Richtige. Kein Wunder! Denn zahlreiche berechtigte Kritikpunkte
haben wir als Union hier und im zuständigen Ausschuss wiederholt beraten und auch
mehrfach vorgetragen. Diversen Ampelvorhaben – von der Flächenstilllegung über den
Bürokratieaufwuchs bis zum grünen Projekt einer Fleischsteuer –, all dem haben wir
bisher eine klare Absage erteilt.</p>
<p klasse="J">Doch unbeirrt davon und auch unbeirrt von dem
Proteststurm im Land setzt die Ampel ihren gescheiterten Kurs fort, und seriöse
Lösungsvorschläge sind weiterhin Fehlanzeige. Beispielhaft, meine Damen und Herren,
und besonders gefällig war das Täuschungsmanöver mit dem Tierwohlcent. Ich sage
dazu: eine neue Fleischsteuer.</p>
<kommentar>(Abg. Karl Bär [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] meldet sich zu
einer Zwischenfrage)</kommentar>
<p klasse="O">Das selbstherrliche Vorpreschen – Herr Minister, das
kann ich Ihnen nicht ersparen – diente nur einem populistischen Zweck: dem
Ausspielen der Bürger gegen die Bauern, der Konsumenten gegen die Produzenten.
Immer die gleiche Taktik, die hier an den Tag gelegt wird!</p>
<kommentar>(Dr. Gero Clemens Hocker [FDP]: Hol doch mal Luft! Du
sollst jetzt was gefragt werden!)</kommentar>
<p klasse="J">Die Betroffenen und die Verbände berichten, dass sie
zwar wegweisende Reden hören, sich in Gesprächen, sofern sie denn überhaupt
stattfinden, auch teilweise durchaus verstanden fühlen.</p>
<kommentar>(Dr. Gero Clemens Hocker [FDP]: So, jetzt ist aber mal
Pause!)</kommentar>
<p klasse="O">Dann aber kommt aus dem Haus in der Wilhelmstraße das
komplette Gegenteil der Maßnahmen an.</p>
<kommentar>(Dr. Gero Clemens Hocker [FDP]: Punkt!)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege, erlauben Sie eine Zwischenfrage von
dem Kollegen Bär?</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004168"><name><vorname>Dieter</vorname><nachname>Stier</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Dieter Stier (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Von Herrn Bär immer.</p>
<p klasse="redner"><a id="r86"/><redner
id="11005017"><name><vorname>Karl</vorname><nachname>Bär</nachname><fraktion>BÜNDNI
S 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Karl Bär (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Danke, Herr Stier. – Ich glaube, Sie können sich
denken, was ich fragen möchte.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004168"><name><vorname>Dieter</vorname><nachname>Stier</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Dieter Stier (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Nein, ich bin ja kein Hellseher.</p>
<kommentar>(Dr. Gero Clemens Hocker [FDP]: Ein Dunkelseher! Ein
Schwarzseher!)</kommentar>
<p klasse="redner"><redner
id="11005017"><name><vorname>Karl</vorname><nachname>Bär</nachname><fraktion>BÜNDNI
S 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Karl Bär (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Ich habe gerade aus dem Abschlussbericht der
Borchert-Kommission zitiert. Das sind insgesamt ungefähr 20 Seiten. Auf drei Seiten
davon beschäftigen sie sich mit der Frage, wie der Umbau der Tierhaltung finanziert
werden kann. Damals war von 4 Milliarden Euro die Rede. Albert Stegemann hat uns
neulich vorgerechnet, dass es ja auch Inflation gibt und wir wahrscheinlich
momentan eher 4 bis 5 Milliarden Euro brauchen.</p>
<p klasse="J">Ich frage Sie jetzt: Haben Sie das mal gelesen? Sie
alle haben ja gerade gefordert und zugestimmt: Ja, wir müssen das umsetzen, was in
dem Bericht der Borchert-Kommission steht. – Am Ende ihrer dreiseitigen Diskussion
von verschiedenen Vorschlägen, wie man diese 4 Milliarden Euro einsammeln könnte,
sagt die Borchert-Kommission – ich habe es gerade eben zitiert –, dass sie eine
Tierwohlabgabe, also eine mengenbezogene Abgabe auf tierische Produkte, für die
bestgeeignete Lösung hält. Wollen Sie jetzt, dass wir das, was die Borchert-
Kommission will, umsetzen und den Umbau der Tierhaltung finanzieren, oder
nicht?</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD)</kommentar>
<p klasse="redner"><redner
id="11004168"><name><vorname>Dieter</vorname><nachname>Stier</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Dieter Stier (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Lieber Herr Kollege Bär, man muss ja nicht zwingend
Ihre Meinung teilen.</p>
<kommentar>(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Er hat doch gar
nicht seine Meinung gesagt! – Dr. Gero Clemens Hocker [FDP]: Er hat zitiert aus dem
Abschlussbericht der Borchert-Kommission!)</kommentar>
<p klasse="O">Ich nehme die zwar zur Kenntnis, und ich glaube auch,
dass der Staat dies finanziell unterstützen muss; aber ich bin grundsätzlich der
Meinung, dass Sie die falschen Prioritäten im Haushalt setzen. Wenn Sie nämlich
andere Prioritäten im gesamten Bundeshaushalt – und da bin ich von der
Landwirtschaft schon ein Stück weg – setzen würden, dann würde es Ihnen auch
gelingen, diesen Umbau der Tierhaltung zu finanzieren. Das ist zumindest meine
Meinung.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Zurufe von der SPD und dem
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Deshalb ist es richtig, meine Damen und Herren, dass
die Union im Vermittlungsausschuss – da können Sie auch noch ein bisschen
schreien – weiterhin für den Erhalt der Steuervergünstigung beim Agrardiesel kämpft
und dass auch einige Bundesländer hier große Bedenken haben. Und es ist falsch,
dass man die berechtigten Interessen verschiedener Wirtschaftsbereiche beim
Wachstumschancengesetz gegeneinander ausspielen will.</p>
<p klasse="J">Seit Monaten verschleppen Sie eine Lösung bei den
Flächenmanagementgrundsätzen der BVVG. Konventionelle Landwirte, meine Damen und
Herren, werden bei der Flächenvergabe in den neuen Ländern weiterhin gezielt
benachteiligt. Bis heute existiert kein Konsens mit den Ländern Sachsen-Anhalt und
Mecklenburg-Vorpommern über die Flächenvergabe. Diese Koalition verhält sich
unbeirrt weiterhin nicht gesetzeskonform. Sie etikettiert dieses ideologisch
geprägte Vorhaben dann einfach mal als Pilotprojekt. Das widerspricht
rechtsstaatlichen Grundsätzen. Mit dieser Haltung vertiefen Sie aufs Neue den Frust
bei den Landwirten, und Sie verstärken auch den Eindruck, politische Entscheidungen
würden nur einseitig über ihre Köpfe hinweg getroffen.</p>
<p klasse="J">Wenn ich höre, was die Ampel mit dem Entwurf des
neuen Tierschutzgesetzes plant, dann droht eine weitere staatlich begründete
Frustration unserer Tierhalter und der Ehrenamtler, wenn ich mal an die Falknerei
denke.</p>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, mein Appell an die Ampel:
Bekennen Sie sich endlich zur Leistung unserer Landwirte! Wir als Union haben das
immer getan</p>
<kommentar>(Dr. Gero Clemens Hocker [FDP]: Genau! Mit dem
Insektenschutzpaket! Und der Düngeverordnung!)</kommentar>
<p klasse="O">und sind unseren Landwirten für ihre tägliche und für
ihre engagierte Arbeit dankbar. Den Eindruck, dass der jetzigen Bundesregierung das
gleiche Vertrauen widerfährt, habe ich zumindest auf dem Lande nicht.</p>
<p klasse="J">Vielen herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Der letzte Redner in dieser Debatte ist Johannes
Schätzl für die SPD-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015407200">
<p klasse="redner"><a id="r87"/><redner
id="11005204"><name><vorname>Johannes</vorname><nachname>Schätzl</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Johannes Schätzl (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzter
Minister! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Am Ende einer durchaus langen Debatte
hat man ja noch mal die Chance, alles Gesagte ein wenig zusammenzufassen. Man hat
aber auch die Chance, Gesagtes bildlich darzustellen.</p>
<p klasse="J">Kurzer Blick in meinen Wahlkreis – natürlich wie bei
euch allen der schönste Wahlkreis in diesem Land –, den Landkreis Passau, gelegen
zwischen dem Bayerischen Wald und Österreich, sehr ländlich geprägte Region,
geprägt von vielen kleinen und mittleren Höfen. Genau diese kleinen und mittleren
Höfe stellen seit geraumer Zeit die Haupteinnahmequelle für viele Menschen vor Ort
dar. Das sind keine riesigen Unternehmen; es sind kleine Unternehmen mit nicht
vielen Hektar, die zu bewirtschaften sind, familiengeführt. Aber hinter dieser
scheinbar idyllischen Kulisse hat ein unaufhaltsamer Strukturwandel auch im Bereich
der Landwirtschaft eingesetzt. Und ja, das ist eine Realität, die nicht nur unsere
Landwirtschaft verändert, sondern die auch in vielen Teilen unsere Gemeinschaften
verändert.</p>
<p klasse="J">Viele Höfe stehen vor enormen Herausforderungen. Die
modernen Anforderungen an Effizienz, Produktivität und Wirtschaftlichkeit stellen
viele Höfe natürlich vor große Herausforderungen. Deswegen ist es vollkommen
richtig, dass wir hier heute über diese Themen gesprochen haben. Aber, liebe
Kolleginnen, liebe Kollegen, die meisten in diesem Haus sind sich sehr einig
darüber, dass die vorgelegten Anträge nicht gut genug sind.</p>
<p klasse="J">Den Strukturwandel – das ist meine Zusammenfassung zu
den beiden vorgelegten Anträgen – können wir eben nicht aufhalten. Wir können und
wir wollen mit Sicherheit auch in keine Strukturen der 50er- und 60er-Jahre zurück.
Also können wir, wie gesagt, den Strukturwandel nicht aufhalten. Aber, liebe
Kolleginnen, liebe Kollegen, wir können den Strukturwandel gestalten. Genau dafür
gilt es, gemeinsame Wege zu finden, um auch unseren ländlichen Raum attraktiv und
zukunftssicher zu gestalten. Ich erinnere dabei an die Haushaltsverhandlungen und
an die Erhöhung der GAK-Mittel um 66 Millionen Euro im Vergleich zum Ansatz.</p>
<kommentar>(Dr. Oliver Vogt [CDU/CSU]: Aber die Kürzung vorher
bitte auch miteinrechnen!)</kommentar>
<p klasse="O">Ich erinnere an die Investitionszuschüsse und daran,
dass man das Regionalbudget entfristet hat, um Mittel flexibler einsetzen zu
können; denn natürlich ist es unser Ziel, die Zukunft von so vielen Höfen wie
möglich zu sichern.</p>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, wir müssen aber
Mittel und Wege finden, die nicht einzig und allein den wirtschaftlichen Erfolg der
Branche im Blick haben. Wir müssen den wirtschaftlichen Erfolg der Landwirtschaft
mit Anforderungen an unsere Umwelt kombinieren. Wir müssen ihn mit modernen
Praktiken kombinieren, und wir müssen den wirtschaftlichen Erfolg der kompletten
Branche mit einem stabilen Einkommen unserer Landwirtinnen und Landwirte
kombinieren.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Genau aus diesem Grund brauchen wir diesen Antrag
eben nicht. Wir brauchen Gespräche mit den Verbänden. Wir führen diese Gespräche,
und wir werden sie bis zum Sommer finalisieren.</p>
<kommentar>(Dr. Oliver Vogt [CDU/CSU]: Welchen Sommer?)</kommentar>
<p klasse="O">Denn, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, der
ländliche Raum ist ein wichtiger Ort für Innovation in unserem Land. Hier gehen
alte Traditionen Hand in Hand mit der Modernisierung unseres Landes. Wenn es dem
ländlichen Raum gut geht, geht es uns allen gut. Das wissen wir, und das
unterstützen wir. Ihren Antrag brauchen wir dafür nicht.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank für die Debatte.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Christine Aschenberg-Dugnus
[FDP])</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Damit schließe ich die Aussprache.</p>
<p klasse="J">Interfraktionell wird Überweisung der Vorlagen auf den
Drucksachen 20/10389 und 20/10390 an die in der Tagesordnung aufgeführten
Ausschüsse vorgeschlagen. Gibt es weitere Überweisungsvorschläge? – Das ist nicht
der Fall. Dann verfahren wir so.</p>
</tagesordnungspunkt>
<tagesordnungspunkt top-id="Tagesordnungspunkt 33">
<p klasse="J">Ich rufe auf die Tagesordnungspunkte 33 a bis 33 i sowie
Zusatzpunkt 7:</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t9"/> 33 a) Erste Beratung des von
der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des
Umweltstatistikgesetzes </p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_Ueberweisung"> Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (f)
Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t10"/> b) Beratung der
Unterrichtung durch die Bundesregierung </p>
<p klasse="T_fett"> Gutachten zu Forschung, Innovation
und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands 2023</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_Ueberweisung"> Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung (f) Finanzausschuss
Wirtschaftsausschuss Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft
Verteidigungsausschuss Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und
Verbraucherschutz Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe Ausschuss für
Digitales</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t11"/> c) Beratung der
Unterrichtung durch die Bundesregierung </p>
<p klasse="T_fett"> Rahmenprogramm der Bundesregierung
2024 bis 2029</p>
<p klasse="T_fett"> Forschung für die zivile
Sicherheit – gemeinsam für ein sicheres Leben in einer resilienten Gesellschaft</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_Ueberweisung"> Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung (f) Ausschuss für
Inneres und Heimat Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft
Verteidigungsausschuss Ausschuss für Digitales Ausschuss für Klimaschutz und
Energie</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t12"/> d) Beratung des Antrags der
Fraktion der CDU/CSU </p>
<p klasse="T_fett"> Nationale Hafenstrategie
fertigstellen – Finanzierung verbindlich zusagen</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_Ueberweisung"> Überweisungsvorschlag:
Verkehrsausschuss (f) Wirtschaftsausschuss Ausschuss für Umwelt, Naturschutz,
nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz Ausschuss für Klimaschutz und Energie</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t13"/> e) Erste Beratung des von
den Abgeordneten Martin Sichert, Dr. Christina Baum, Jörg Schneider, weiteren
Abgeordneten und der Fraktion der AfD eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur
Steigerung der Blutspendenbereitschaft in der Bevölkerung </p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_Ueberweisung"> Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Gesundheit (f) Rechtsausschuss</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t14"/> f) Beratung des Antrags der
Abgeordneten Martin Reichardt, Mariana Iris Harder-Kühnel, Gereon Bollmann,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD </p>
<p klasse="T_fett"> Gegen jede Form des Rassismus, auch
der anti-weißen Diskriminierung in Deutschland</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_Ueberweisung"> Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (f) Ausschuss für Inneres und
Heimat Rechtsausschuss Ausschuss für Bildung, Forschung und
Technikfolgenabschätzung Ausschuss für Kultur und Medien</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t15"/> g) Beratung des Antrags der
Abgeordneten Jörn König, Klaus Stöber, Andreas Bleck, weiterer Abgeordneter und der
Fraktion der AfD </p>
<p klasse="T_fett"> Förderung und Unterstützung
ehrenamtlicher Funktionsträger im Sportverein</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_Ueberweisung"> Überweisungsvorschlag:
Sportausschuss (f) Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Ausschuss für
Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung Haushaltsausschuss</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t16"/> h) Beratung des Antrags der
Abgeordneten Barbara Benkstein, Eugen Schmidt, Edgar Naujok, weiterer Abgeordneter
und der Fraktion der AfD </p>
<p klasse="T_fett"> Förderung quelloffener KI-
Lösungen</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_Ueberweisung"> Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Digitales (f) Ausschuss für Inneres und Heimat Rechtsausschuss
Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung Ausschuss für Kultur
und Medien Haushaltsausschuss</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t17"/> i) Beratung des Antrags der
Abgeordneten Dr. Michael Kaufmann, Nicole Höchst, Dr. Götz Frömming, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der AfD </p>
<p klasse="T_fett"> Fachkräfteinitiative für die
Fusionsforschung</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_Ueberweisung"> Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung</p>
<p klasse="T_ZP_NaS"><a id="t18"/> ZP 7 Erste Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Dritten Gesetzes zur Änderung des
Bundesschuldenwesengesetzes </p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_Ueberweisung"> Überweisungsvorschlag:
Haushaltsausschuss (f) Ausschuss für Inneres und Heimat Rechtsausschuss</p>
<p klasse="J">Es handelt sich um Überweisungen im vereinfachten
Verfahren ohne Debatte.</p>
<p klasse="J">Interfraktionell wird vorgeschlagen, die Vorlagen an die
in der Tagesordnung aufgeführten Ausschüsse zu überweisen. Gibt es hier weitere
Überweisungsvorschläge? – Das sehe ich nicht. Dann verfahren wir so.</p>
</tagesordnungspunkt>
<tagesordnungspunkt top-id="Tagesordnungspunkt 34">
<p klasse="J">Ich rufe auf die Tagesordnungspunkte 34 a bis 34 i sowie
Zusatzpunkt 8. Es handelt sich um die Beschlussfassung zu Vorlagen, zu denen keine
Aussprache vorgesehen ist.</p>
<p klasse="J">Tagesordnungspunkt 34 a:</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t19"/> Beratung der
Beschlussempfehlung und des Berichts des Rechtsausschusses (6. Ausschuss) </p>
<p klasse="T_fett"> zu dem Streitverfahren vor dem
Bundesverfassungsgericht 2 BvF 3/23</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="J">Der Ausschuss empfiehlt, in dem Streitverfahren vor dem
Bundesverfassungsgericht Stellung zu nehmen und die Präsidentin zu bitten,
Prozessbevollmächtigte zu bestellen. Wer stimmt für diese Beschlussempfehlung? –
Das ist die Ampelkoalition. Wer stimmt dagegen? – Niemand. Wer enthält sich? – Das
sind alle Übrigen. Damit ist die Beschlussempfehlung angenommen.</p>
<p klasse="J">Tagesordnungspunkt 34 b:</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t20"/> Beratung der
Beschlussempfehlung und des Berichts des Rechtsausschusses (6. Ausschuss) </p>
<p klasse="T_fett"> Übersicht 5</p>
<p klasse="T_fett"> über die dem Deutschen Bundestag
zugeleiteten Streitsachen vor dem Bundesverfassungsgericht</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="J">Wer stimmt für die Beschlussempfehlung? – Das sind alle
Fraktionen. Wer stimmt dagegen? – Niemand. Wer enthält sich? – Das ist die Gruppe
Die Linke. Die Beschlussempfehlung ist angenommen.</p>
<p klasse="J">Tagesordnungspunkt 34 c:</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t21"/> Beratung der
Beschlussempfehlung und des Berichts des Ausschusses für Gesundheit (14. Ausschuss)
zu dem Antrag der Abgeordneten Peter Felser, Stephan Protschka, Bernd Schattner,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD </p>
<p klasse="T_fett"> Maßnahmen zur Bekämpfung von
Mangelernährung in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksachen <a
href="[Link] <a
href="[Link]
<p klasse="J">Der Ausschuss empfiehlt unter Buchstabe b seiner
Beschlussempfehlung auf Drucksache 20/7428, den Antrag der Fraktion der AfD auf
Drucksache 20/4671 abzulehnen. Wer stimmt für diese Beschlussempfehlung? – Das sind
alle Fraktionen außer der AfD sowie die Gruppe Die Linke. Wer stimmt dagegen? – Das
ist die AfD-Fraktion. Wer enthält sich? – Das ist niemand. Damit ist die
Beschlussempfehlung angenommen.</p>
<p klasse="J">Tagesordnungspunkte 34 d bis 34 i. Wir kommen zu den
Beschlussempfehlungen des Petitionsausschusses.</p>
<p klasse="J">Tagesordnungspunkt 34 d:</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t22"/> Beratung der
Beschlussempfehlung des Petitionsausschusses (2. Ausschuss) </p>
<p klasse="T_fett"> Sammelübersicht 511 zu Petitionen</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="J">Es handelt sich um 130 Petitionen. Wer stimmt dafür? –
Das sind alle Fraktionen. Wer stimmt dagegen? – Niemand. Wer enthält sich? – Das
ist die Gruppe Die Linke. Damit ist Sammelübersicht 511 angenommen.</p>
<p klasse="J">Tagesordnungspunkt 34 e:</p>
<p klasse="T_NaS"> Beratung der Beschlussempfehlung des
Petitionsausschusses (2. Ausschuss)</p>
<p klasse="T_fett"> Sammelübersicht 512 zu Petitionen</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="J">Das sind drei Petitionen. Wer stimmt dafür? – Das sind
alle Fraktionen bis auf die AfD. Wer stimmt dagegen? – Das ist die AfD-Fraktion.
Wer enthält sich? – Die Gruppe Die Linke. Damit ist Sammelübersicht 512
angenommen.</p>
<p klasse="J">Tagesordnungspunkt 34 f:</p>
<p klasse="T_NaS"> Beratung der Beschlussempfehlung des
Petitionsausschusses (2. Ausschuss)</p>
<p klasse="T_fett"> Sammelübersicht 513 zu Petitionen</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="J">Da geht es um drei Petitionen. Wer stimmt dafür? – Das
sind wiederum alle Fraktionen. Wer stimmt dagegen? – Niemand. Wer enthält sich? –
Das ist die Gruppe Die Linke. Damit ist Sammelübersicht 513 angenommen.</p>
<p klasse="J">Tagesordnungspunkt 34 g:</p>
<p klasse="T_NaS"> Beratung der Beschlussempfehlung des
Petitionsausschusses (2. Ausschuss)</p>
<p klasse="T_fett"> Sammelübersicht 514 zu Petitionen</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="J">Auch hier sind es drei Petitionen. Wer stimmt dafür? –
Alle Fraktionen bis auf die AfD. Wer stimmt dagegen? – Die AfD-Fraktion. Wer
enthält sich? – Die Gruppe Die Linke. Sammelübersicht 514 ist angenommen.</p>
<p klasse="J">Tagesordnungspunkt 34 h:</p>
<p klasse="T_NaS"> Beratung der Beschlussempfehlung des
Petitionsausschusses (2. Ausschuss)</p>
<p klasse="T_fett"> Sammelübersicht 515 zu Petitionen</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="J">Es sind wieder drei Petitionen. Wer stimmt dafür? – Das
sind diesmal alle Fraktionen bis auf die CDU/CSU-Fraktion. Wer stimmt dagegen? –
Das ist die CDU/CSU-Fraktion. Wer enthält sich? – Die Gruppe Die Linke.
Sammelübersicht 515 ist ebenfalls angenommen.</p>
<p klasse="J">Tagesordnungspunkt 34 i:</p>
<p klasse="T_NaS"> Beratung der Beschlussempfehlung des
Petitionsausschusses (2. Ausschuss)</p>
<p klasse="T_fett"> Sammelübersicht 516 zu Petitionen</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="J">Hier geht es um 15 Petitionen. Wer stimmt dafür? – Das
ist die Koalition. Wer stimmt dagegen? – Das ist die Opposition. Wer enthält
sich? – Die Gruppe Die Linke. Sammelübersicht 516 ist angenommen.</p>
<p klasse="J">Zusatzpunkt 8:</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t23"/> Beratung des Antrags der
Abgeordneten Peter Boehringer, Dr. Harald Weyel, Jochen Haug, weiterer Abgeordneter
und der Fraktion der AfD </p>
<p klasse="T_fett"> zu dem Vorschlag für die Änderung der
Verordnung (EU, Euratom) 2020/2093 zur Festlegung des mehrjährigen Finanzrahmens
für die Jahre 2021 bis 2027</p>
<p klasse="T_fett"> hier: Stellungnahme des Deutschen
Bundestages nach Artikel 23 Absatz 3 des Grundgesetzes</p>
<p klasse="T_fett"> Friedenslösung statt
Kriegsunterstützung – keine weiteren Gelder für die EU</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="J">Wer stimmt für diesen Antrag? – Das ist die AfD-Fraktion.
Wer stimmt dagegen? – Das sind alle übrigen Fraktionen und die Gruppe Die Linke.
Wer enthält sich? – Das ist niemand. Dann ist der Antrag abgelehnt.</p>
<p klasse="J">Wir kommen zu Zusatzpunkt 10:</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t24"/> Wahlvorschlag der Fraktion
der CDU/CSU </p>
<p klasse="T_fett"> Wahl eines Mitglieds des Kuratoriums der
„Bundesstiftung Magnus Hirschfeld“</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="J">Diese Wahl findet mittels Handzeichen statt. Der
Wahlvorschlag der Fraktion der CDU/CSU liegt auf Drucksache 20/10402 vor. Wer
stimmt für diesen Wahlvorschlag? – Das sind alle Fraktionen einschließlich der
Gruppe Die Linke. Wer stimmt dagegen? – Niemand. Wer enthält sich? – Das ist auch
keiner. Damit ist der Wahlvorschlag angenommen.</p>
</tagesordnungspunkt>
<tagesordnungspunkt top-id="Tagesordnungspunkt 10, 11, Zusatzpunkt 9">
<p klasse="J">Ich rufe auf die Tagesordnungspunkte 10 und 11 sowie
Zusatzpunkt 9:</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t25"/> 10 Wahlvorschlag der Fraktion
der AfD </p>
<p klasse="T_fett"> Wahl eines Stellvertreters der
Präsidentin</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_NaS"><a id="t26"/> 11 Wahlvorschlag der Fraktion
der AfD </p>
<p klasse="T_fett"> Wahl eines Mitglieds des
Parlamentarischen Kontrollgremiums gemäß Artikel 45d des Grundgesetzes</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_ZP_NaS"><a id="t27"/> ZP 9 Wahlvorschlag der Fraktion
der CDU/CSU </p>
<p klasse="T_fett"> Wahl eines Mitglieds des
Parlamentarischen Kontrollgremiums gemäß Artikel 45d des Grundgesetzes</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="J">Wir kommen nun zur geheimen Wahl eines Stellvertreters
der Präsidentin im ersten Wahlgang mit einer Stimmkarte in der Farbe Orange sowie
zur offenen Wahl von zwei Mitgliedern des Parlamentarischen Kontrollgremiums mit
einer Stimmkarte in der Farbe Blau. Hierzu benötigen Sie Ihren grauen Wahlausweis
aus Ihrem Stimmkartenfach. Ich bitte schon jetzt die Schriftführerinnen und
Schriftführer, ihre Plätze an den Ausgabetischen einzunehmen. – Das ist schon der
Fall.</p>
<p klasse="J">Die Wahlvorschläge der Fraktion der AfD liegen auf den
Drucksachen 20/10137 und 20/10138 vor. Der Wahlvorschlag der Fraktion der CDU/CSU
liegt auf Drucksache 20/10401 vor.</p>
<p klasse="J">In der Abgeordnetenlobby erhalten Sie nach Vorzeigen
Ihres Wahlausweises die beiden Stimmkarten. Da die Wahl des Stellvertreters der
Präsidentin geheim durchzuführen ist, erhalten Sie für diese Wahl zusätzlich einen
passenden Wahlumschlag. Sie können bei diesen Wahlen zu jedem Kandidatenvorschlag
ein Kreuz bei „ja“, „nein“ oder „enthalte mich“ machen. Sie haben also drei
Stimmen, aber damit es keine Missverständnisse gibt: Man darf pro Kandidat jeweils
nur ein Kreuz setzen. Der Stimmzettel in der Farbe Orange ist in den orangefarbenen
Wahlumschlag zu legen. Dies muss in der Wahlkabine erfolgen. Für den blauen
Stimmzettel erhalten Sie keinen Wahlumschlag, da es sich um eine offene Wahl
handelt.</p>
<p klasse="J">Ich weise explizit darauf hin, dass das Fotografieren
oder Filmen der ausgefüllten Stimmkarte bei der geheimen Wahl ein Verstoß gegen das
Wahlgeheimnis darstellt und die Ordnung und Würde des Hauses verletzt. Für den
Fall, dass ich von solchen Verstößen gegen das Wahlgeheimnis in dieser Sitzung oder
später Kenntnis erlange, behalte ich mir schon jetzt vor, Ordnungsmaßnahmen zu
ergreifen.</p>
<p klasse="J">Nach Verlassen der Wahlkabine übergeben Sie bitte zuerst
der Schriftführerin oder dem Schriftführer an der Wahlurne Ihren Wahlausweis. Erst
danach werfen Sie den orangefarbenen Wahlumschlag sowie den blauen Stimmzettel in
die entsprechend farblich gekennzeichneten Wahlurnen. Der Nachweis der Teilnahme an
der Wahl kann nur durch Abgabe des Wahlausweises erbracht werden.</p>
<p klasse="J">Gewählt ist jeweils, wer die Stimmen der Mehrheit der
Mitglieder des Bundestages auf sich vereint, das heißt, wer mindestens 369 Stimmen
erhält.</p>
<p klasse="J">Sie haben nun zur Abgabe Ihrer Stimmen 60 Minuten Zeit.
Die Schriftführerinnen und Schriftführer sind vor Ort; ich bekomme schon das
Zeichen.</p>
<p klasse="J"><a id="w3"/>Dann eröffne ich die Wahlen und werde Sie
dann um 16.40 Uhr wieder schließen.<sup>1</sup><fussnote><p>Ergebnis Seite 19694
A</p></fussnote> </p>
</tagesordnungspunkt>
<tagesordnungspunkt top-id="Zusatzpunkt 11">
<p klasse="J">Ich rufe auf den Zusatzpunkt 11:</p>
<p klasse="T_fett"><a id="t28"/> Aktuelle Stunde </p>
<p klasse="T_NaS"> auf Verlangen der Fraktion der
CDU/CSU</p>
<p klasse="T_fett"> Bezahlkarte jetzt rechtssicher
einführen – Blockade innerhalb der Bundesregierung beenden</p>
<p klasse="J">Wenn Sie alle so weit sind, dann eröffne ich die
Aussprache. Das Wort erhält für die CDU/CSU-Fraktion Stephan Stracke.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Konstantin Kuhle
[FDP]: Es ist aber nicht viel los bei der Union!)</kommentar>
<rede id="ID2015407300">
<p klasse="redner"><a id="r88"/><redner
id="11004169"><name><vorname>Stephan</vorname><nachname>Stracke</nachname><fraktion
>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Stephan Stracke (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten
Damen und Herren! Es ist ja ein Stück aus dem Tollhaus Ampel, das wir hier wieder
erleben müssen: Die Grünen blockieren die rechtssichere Einführung der Bezahlkarte
für Asylbewerber.</p>
<kommentar>(Konstantin Kuhle [FDP]: Was?)</kommentar>
<p klasse="O">Dabei bleiben sie ihrem Handlungsmuster treu. Die
Grünen torpedieren jegliche Maßnahme, die einen maßgeblichen Beitrag zur Bekämpfung
der illegalen Migration leistet – und das, obwohl alle 16 Länder für die Einführung
der Bezahlkarte sind und auch Bundeskanzler Scholz persönlich zugesagt hat, dass
die Ampel notwendige gesetzliche Änderungen für einen guten Rechtsrahmen umsetzen
wird.</p>
<p klasse="J">Das zeigt: Diese Koalition ist in der
Migrationspolitik handlungsunfähig. Sie ist keine Handlungskoalition, sie ist eine
Selbstblockadekoalition.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Die Dummen, die ihr Nichthandeln ausbaden müssen,
sind die Kommunen, die bei der Unterbringung und Integration über der
Belastungsgrenze sind, und die Bürgerinnen und Bürger, die mit ihren Steuern die
Asylleistungen bezahlen.</p>
<p klasse="J">Die Bezahlkarte ist ein wichtiger Beitrag zur
Reduzierung der illegalen Migration; denn Barauszahlungen werden durch die
Bezahlkarte ersetzt. Damit stärken wir das Sachleistungsprinzip, und der
Sozialstaat wird insgesamt weniger attraktiv für irreguläre Migration. Asylbewerber
erhalten damit nicht weniger Leistungen. Sie können, wie bisher auch, ganz normal
einkaufen gehen, ohne jegliche Diskriminierung. Zentral ist jedoch, dass mit der
Bezahlkarte kein Geld mehr zur Finanzierung von Familienangehörigen in den
Herkunftsländern und zur Bezahlung der Schlepperbanden und Schleuser ins Ausland
überwiesen werden kann.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Denn unsere Asylleistungen sind dafür nicht gedacht.
Sie dienen dazu, ein menschenwürdiges Leben in Deutschland zu ermöglichen, nicht
jedoch dazu, Geld ins Ausland zu überweisen. Es hat im Übrigen auch viel mit der
Akzeptanz von Asylleistungen in der Bevölkerung zu tun, wenn effektiv verhindert
wird, dass diese zweckwidrig verwendet werden. Von all dem wollen die Grünen nichts
wissen und nichts hören. Ich fordere Sie auf: Beenden Sie Ihre Blockadehaltung, und
machen Sie endlich den Weg frei für eine rechtssichere Einführung der Bezahlkarte!
</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Meine sehr verehrten Damen und Herren, zur
Erinnerung: Bereits im Oktober haben wir auf Antrag der Union hier in diesem
Parlament über die Einführung der bundeseinheitlichen Bezahlkarte diskutiert und
debattiert. Damals wollten Sie von der Koalition alle nichts davon wissen. Anders
alle Ministerpräsidenten:</p>
<kommentar>(Rasha Nasr [SPD]: Das stimmt nicht! – Zuruf des Abg.
Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="O">Am 6. November erfolgte eine grundsätzliche Einigung
mit dem Bundeskanzler zur Einführung einer Bezahlkarte. Bereits damals hat der
Bundeskanzler versprochen, dass die Bundesregierung zeitnah gesetzliche Anpassungen
auf den Weg bringen werde, wenn diese notwendig sind.</p>
<p klasse="J">Und die Länder haben am 31. Januar klargemacht, dass
solche Änderungen notwendig sind, und insgesamt sieben Themenbereiche
identifiziert, bei denen sie Änderungen erwarten. Der Bund hat damals auch
versprochen, diesen Änderungsbedarf schnellstmöglich umzusetzen. Das
Bundesarbeitsministerium hat eine entsprechende Formulierungshilfe vorgelegt, die
im Übrigen mit allen Ländern geeint ist. Damals waren auch die Grünen maßgeblich
beteiligt. Klar, sie sind in zehn Landesregierungen mit dabei und stellen auch den
Ministerpräsidenten in Baden-Württemberg. Jetzt blockieren die Grünen auf der
Bundesebene. Was soll man denn von den Versprechungen der Bundesregierung, von
Bundeskanzler Scholz persönlich halten, wenn das jetzt nicht umgesetzt wird?
Offenbar nichts. Das schadet unserem Land, weil die Regierung zeigt, dass sie nicht
handlungsfähig ist.</p>
<p klasse="J">Anders als die Bundesvorsitzende der Grünen, Ricarda
Lang, meint, geht es hier nicht nur um eine sehr theoretische Debatte, sondern es
geht um einen ganz konkreten Änderungsbedarf, beispielsweise darum, dass, wenn es
um den Vorrang von Geldleistungen bei der Unterbringung außerhalb von
Aufnahmeeinrichtungen geht, dieser Vorrang gestrichen wird, dass Direktzahlungen an
den Vermieter ermöglicht werden oder auch die Bezahlkarte für Asylbewerber
eingesetzt werden kann, die im Bürgergeldbezug sind.</p>
<p klasse="J">Das sind notwendige Änderungen, die die Bezahlkarte
effektiv und rechtssicher machen. Diese Rechtssicherheit wollen die Grünen offenbar
nicht. Sie wollen offenbar Rechtsstreitigkeiten vor Ort billigend in Kauf nehmen.
Das ist verantwortungslos, und deswegen müssen Sie das auch ändern.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Bei all diesem Streit: Wo ist der zuständige
Bundesarbeitsminister? Wo ist der Bundeskanzler? Er hat sich doch am 31. Januar in
der Haushaltsdebatte noch dafür gerühmt, dass alles auf gutem Wege sei. Nichts
davon ist auf gutem Wege, Herr Bundeskanzler.</p>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Aber Sie müssten jetzt zum Schluss kommen.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004169"><name><vorname>Stephan</vorname><nachname>Stracke</nachname><fraktion
>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Stephan Stracke (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Schreiten Sie endlich ein, werden Sie präsent,
führen Sie, und handeln Sie verantwortlich! Es ist Zeit zum Handeln. Beenden Sie
dieses Schauspiel!</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Marianne Schieder [SPD]: Das
macht er immer! Er handelt immer verantwortlich!)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Die nächste Rednerin ist Rasha Nasr für die SPD-
Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015407400">
<p klasse="redner"><a id="r89"/><redner
id="11005165"><name><vorname>Rasha</vorname><nachname>Nasr</nachname><fraktion>SPD<
/fraktion></name></redner>Rasha Nasr (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten
Damen und Herren! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ich glaube, mittlerweile können
wir alle wohl ganz gut nachvollziehen, wie Phil Connors, gespielt von Bill Murray,
sich in „Und täglich grüßt das Murmeltier“ wohl gefühlt haben muss, als er immer
und immer wieder den gleichen eisigen Tag durchleben musste. Das Gleiche macht die
Union seit Monaten mit uns allen. Immer und immer wieder wachen wir morgens auf und
müssen der Union dabei zuhören, wie sie öffentlich eine eisige Debatte über
Menschen führt, die vor Krieg und Zerstörung fliehen.</p>
<p klasse="J">Weil es in den Augen der Union nur eine mögliche
Lösung gibt, möchte sie heute – und täglich grüßt das Murmeltier! – mal wieder über
die Bezahlkarte für Asylsuchende diskutieren.</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Hermann Gröhe [CDU/CSU])</kommentar>
<p klasse="O">Angesichts von steigenden Asylzahlen sucht die Union
nicht etwa die Lösung in der nachhaltigen Bekämpfung von Fluchtursachen, der
solidarischen Aufnahme von Geflüchteten in ganz Europa oder der besseren
Integration hier bei uns in Deutschland. Nein, die Antwort der Union lautet: Lasst
uns die Bezahlkarte einführen, weil Menschen nur deshalb hierherkommen, weil sie
ein bisschen was über 180 Euro im Monat abgreifen wollen!</p>
<kommentar>(Stephan Stracke [CDU/CSU]: Alle 16 Ministerpräsidenten
fordern die Einführung! Machen Sie den Weg dafür frei! – Zuruf des Abg. Norbert
Kleinwächter [AfD])</kommentar>
<p klasse="O">Dass Sie sich mit dem ewigen Märchen der sogenannten
Pull-Faktoren nicht langsam selbst langweilen, wundert mich wirklich.</p>
<p klasse="J">Die Bezahlkarte, über die wir heute aufgrund Ihres
Antrags debattieren, kann bereits eingeführt werden. Das ist und bleibt Fakt.
Pilotregionen, wie zum Beispiel der Landkreis Bautzen bei mir in Sachsen, gibt es
bereits.</p>
<kommentar>(Marianne Schieder [SPD]: Bei mir gibt es auch schon
welche! – Stephan Stracke [CDU/CSU]: Teilen Sie jetzt die Auffassung der Grünen?
Das ist ja interessant!)</kommentar>
<p klasse="O">Fakt ist auch – das hat Kollege Stracke gerade
gesagt –, dass die Ministerpräsidentenkonferenz gemeinsam mit dem Kanzler im
November 2023 die flächendeckende Einführung der Bezahlkarte beschlossen hat.</p>
<kommentar>(Beifall des Abg. Jens Teutrine [FDP] – Hermann Gröhe
[CDU/CSU]: Aha! Aha!)</kommentar>
<p klasse="O">Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe hat uns Ende Januar
dann den Auftrag mitgegeben, Rechtssicherheit für die deutschlandweite Einführung
zu schaffen. Genau deshalb arbeiten wir jetzt an der nötigen Änderung des Gesetzes.
Ob wir nun Fans davon sind oder nicht: Die SPD steht zu ihrem Wort.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der
FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Die Union hingegen hat sich im Nachgang der
Ministerpräsidentenkonferenz vor die Kameras gestellt und kritisiert, was ihre
eigenen Leute verhandelt haben. Jetzt steht sie hier und beantragt eine Aktuelle
Stunde zu genau diesem Verhandlungsergebnis mit der Aufforderung, es sofort
umzusetzen. Da verraten Sie sich doch selbst: Ihnen geht es nicht um die Lösung des
Problems. Ihnen geht es darum, das Thema am Köcheln zu halten, weil das einfach
ist, weil man damit Stimmung bedient und ganz leicht Schlagzeilen produzieren
kann.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD – Stephan Stracke [CDU/CSU]: Das
ist so schlecht!)</kommentar>
<p klasse="J">Was mich wirklich nervt, Kolleginnen und Kollegen der
Union, ist, wie Sie mittlerweile seit Jahren die Migrationsdebatte führen.</p>
<kommentar>(Wilfried Oellers [CDU/CSU]: Sie wollen von der eigenen
Unfähigkeit ablenken!)</kommentar>
<p klasse="O">Herr Merz fährt in die ukrainischen Kriegsgebiete, um
dann Wochen später genau diese Menschen aus den Kriegsgebieten als
„Sozialtouristen“ zu beleidigen.</p>
<kommentar>(Axel Müller [CDU/CSU]: Das hat damit nichts zu
tun!)</kommentar>
<p klasse="O">Herr Merz bezeichnet Kinder aus migrantischen
Familien als „kleine Paschas“ oder erzählt, dass Asylsuchende sich auf Kosten des
Staates die Zähne neu machen lassen – alles nachgeplappert von der AfD. Ich sage
Ihnen ganz ehrlich: Das ist unanständig.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Stephan Stracke [CDU/CSU]: Seit einem Monat liegt alles
auf dem Tisch! Stellen Sie sich doch jetzt nicht dumm! Handeln Sie einfach mal! –
Zuruf des Abg. Norbert Kleinwächter [AfD])</kommentar>
<p klasse="J">Weil Sie kein Interesse an Lösungen haben, sondern
lieber den einfachen Weg gehen, kümmern wir uns um die Lösung der Probleme. Wir
ermöglichen Geflüchteten den schnelleren Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt. Wir
investieren in berufsbegleitende Sprachkurse und haben mit dem Jobturbo ein
wichtiges Instrument auf den Weg gebracht, das bereits nach kurzer Zeit erste
Erfolge zeigt. Wir haben mit dem Chancen-Aufenthaltsrecht das Ende der
Kettenduldung für 136 000 Menschen umgesetzt. Das ist richtig; denn es ermöglicht
Rechtssicherheit für jene Menschen, die jetzt endlich eine ordentliche Perspektive
bei uns haben, aber auch für die Unternehmen, die händeringend nach Personal
suchen. Wir haben außerdem das Fachkräfteeinwanderungsgesetz besser gemacht und
damit das modernste Einwanderungsrecht auf den Weg gebracht, das dieses Land jemals
gesehen hat. Wir ermöglichen so deutlich mehr qualifizierte Einwanderung in den
deutschen Arbeitsmarkt, die wir dringend brauchen. Und wir haben ein zeitgemäßes
Staatsangehörigkeitsrecht auf den Weg gebracht, das denjenigen endlich den
gebührenden Respekt erweist, die bereits seit Jahrzehnten bei uns sind, Familien
gegründet und hart gearbeitet haben.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Das alles, werte Union, war möglich, weil uns, im
Gegensatz zu Ihnen, der einfache Weg eben nicht reicht. Am Ende von „Harry Potter
und der Feuerkelch“ sagt Professor Dumbledore einen Satz, der ziemlich gut in die
aktuelle Zeit passt – ich zitiere –:</p>
<p klasse="Z">„Vor uns liegen dunkle … Zeiten ... Schon bald müssen
wir uns entscheiden zwischen dem richtigen Weg und dem leichten.“</p>
<p klasse="O">Und ich will keine dunklen Zeiten für dieses Land;
ich will dieses wunderbare Land strahlen sehen. Deshalb appelliere ich an Sie,
werte Union: Gehen Sie nicht den leichten, sondern gemeinsam mit uns den richtigen
Weg!</p>
<kommentar>(Stephan Stracke [CDU/CSU]: Ich will keinen Hokuspokus
von der SPD!)</kommentar>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Der nächste Redner ist René Springer für die AfD-
Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015407500">
<p klasse="redner"><a id="r90"/><redner
id="11004900"><name><vorname>René</vorname><nachname>Springer</nachname><fraktion>A
fD</fraktion></name></redner>René Springer (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren!
Unser ungeschützter Sozialstaat gehört zu den Hauptgründen für die Migration nach
Deutschland. Oder, wie der griechische Ministerpräsident Mitsotakis vor einiger
Zeit sagte: Flüchtlinge laufen den „großzügigen Leistungen“ hinterher. Er richtete
sich da an Deutschland. Wovor flieht eigentlich jemand, der vorher in Griechenland,
Italien, Österreich, Spanien oder Polen in Sicherheit war,</p>
<kommentar>(Zuruf der Abg. Rasha Nasr [SPD])</kommentar>
<p klasse="O">also da, wo viele Menschen aus Deutschland Urlaub
machen? Ich glaube, hier ist es wichtig, dass wir uns mal ehrlich machen. Wer über
diese Länder zu uns nach Deutschland kommt und hier an der deutschen Landesgrenze
„Asyl“ ruft, der ist kein Schutzsuchender, sondern ein
Sozialleistungssuchender.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="O">Genau dieser Entwicklung müssen wir einen Riegel
vorschieben, und das erfordert die Umstellung von Geld- auf Sachleistungen. Sie ist
längst überfällig!</p>
<kommentar>(Rasha Nasr [SPD]: Und schon möglich!)</kommentar>
<p klasse="O">Die Bezahlkarte für Asylbewerber ist jetzt ein winzig
kleiner Schritt in die richtige Richtung.</p>
<p klasse="J">Insgesamt jedoch ist – so ernst die Debatte auch
ist – der Antrag der CDU/CSU-Fraktion lächerlich. 80 Prozent der Deutschen haben
die Nase gestrichen voll von dieser Migrationspolitik.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="O">Und Sie zanken sich hier im Deutschen Bundestag
darüber, ob es nun ein Bundesgesetz braucht oder ob es nicht doch über die
Landesgesetze geht. Sie beschweren sich über die Blockade der Grünen. Allen
Ernstes? Sie von der Union müssten doch inzwischen wissen, dass die Grünen die
Zuwanderung nicht beschränken wollen, dass sie die Zuwanderung in die Sozialsysteme
nicht stoppen wollen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="O">Sie müssten doch schon längst wissen, dass die Grünen
dieses Land hassen! Die Grünen hassen Land und Volk!</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Zurufe von der SPD und dem
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Deshalb ist die beantragte Debatte Heuchelei. Sie ist
auch Heuchelei, weil Sie 16 Jahre lang Zeit hatten, diese Probleme zu lösen. Sie
haben aber exakt das Gegenteil getan: Sie haben die Schleusen aufgemacht. Wie oft
haben wir als Alternative für Deutschland in den letzten zehn Jahren in den
Kreistagen, in den Landtagen und dann hier im Deutschen Bundestag gefordert, dass
es endlich Sachleistungen statt Geldleistungen für Asylbewerber geben muss! Was
haben Sie getan? Sie haben es in jedem einzelnen Fall abgelehnt. Das ist Heuchelei,
was Sie hier tun!</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Sie gaukeln den Bürgern vor, Sie seien an einer
Lösung interessiert. Aber Ihre einzige Motivation – und Sie sagen das auch noch! –
ist, das Erstarken der AfD zu verhindern. Ihre einzige Motivation ist, den eigenen
Machtverlust zu stoppen. Ich sage Ihnen: Sie wollen die Einwanderung in die
Sozialsysteme nicht ernsthaft aufhalten. Sie wollen doch nicht ernsthaft die
Überfremdung dieses Landes stoppen!</p>
<kommentar>(Stephan Stracke [CDU/CSU]: Wer sagt denn so
was?)</kommentar>
<p klasse="O">Sie wollen auch die Bürger dieses Landes nicht
schützen. Sie lieben dieses Land nicht! Was Sie lieben, ist Ihre Macht und Ihre
Mandate, und das ist schäbig.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Zuruf der Abg. Marianne Schieder
[SPD])</kommentar>
<p klasse="O">Wir werden es sehen: Sobald sich für Schwarz-Grün
hier eine Mehrheit und eine Chance bietet, dann werden Sie sich den Grünen wie
billige Konkubinen an den Hals werfen. So wird es kommen!</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Dr. Götz Frömming [AfD]: Keine
Sekunde werden die zögern!)</kommentar>
<p klasse="J">Ein Wort zu den Grünen. Sie sagen, Sachleistungen für
Asylbewerber seien diskriminierend und stigmatisierend. Aber ich frage mich: Was
ist eigentlich mit der Diskriminierung der Einheimischen? Was ist eigentlich mit
denen, die hart arbeiten, die früh aufstehen, die Steuern zahlen, die am Ende des
Monats gerade noch so die Heizkosten tragen können</p>
<kommentar>(Beate Müller-Gemmeke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist
so ekelhaft!)</kommentar>
<p klasse="O">und dann sehen, dass jeder dahergewanderte Migrant im
Bürgergeld landet und alles übernommen wird? Was ist mit dieser
Diskriminierung?</p>
<kommentar>(Rasha Nasr [SPD]: Das ist gelogen! – Zuruf vom
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Eine Lüge! – Weitere Zurufe von der SPD und dem
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">Schämen Sie sich für diese Politik!</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Ein Wort zum Schluss. Die Geldkarte – ich sagte es –
ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, löst aber insgesamt das Problem
nicht. Was wir brauchen, sind Grenzkontrollen und den Stopp der illegalen Einreise.
Was wir brauchen, ist entschlossene Remigration.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Widerspruch bei der SPD und dem
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">Deutschland darf kein sicherer Hafen sein, nicht für
kriminelle Ausländer, nicht für Integrationsverweigerer und nicht für diejenigen,
die sich hier in unserem Sozialstaat einrichten wollen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Marianne Schieder [SPD]: Wer Sie
hört, weiß, warum Sie vom Verfassungsschutz beobachtet werden!)</kommentar>
<p klasse="O">Die Anreize zur Einwanderung in unsere Sozialsysteme
bekämpft man nicht mit einer Geldkarte, sondern mit einem strikten
Sachleistungsprinzip, und das heißt: Brot, Bett und Seife für Asylbewerber. Und wer
dann noch kommt, der ist wirklich schutzbedürftig.</p>
<kommentar>(Beate Müller-Gemmeke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Dass so
etwas hier gesagt werden darf! – Zuruf von der SPD: Das ist menschenverachtend!
Ekelhaft!)</kommentar>
<p klasse="J">Danke schön.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Das Wort erhält Andreas Audretsch für
Bündnis 90/Die Grünen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der
SPD)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015407600">
<p klasse="redner"><a id="r91"/><redner
id="11005011"><name><vorname>Andreas</vorname><nachname>Audretsch</
nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Andreas
Audretsch (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Es
ist viel Aufregung in der Debatte. Ich würde mir wünschen, dass wir, gerade wenn
wir über Asylpolitik reden, sachlich beraten und uns den ganz konkreten
Zusammenhängen widmen. Deswegen einmal zur Sortierung: Die Frage, ob Bezahlkarten
eingeführt werden, steht überhaupt gar nicht zur Debatte – im Gegenteil: Alle
Bundesländer haben angekündigt, Bezahlkarten einzuführen. 14 Bundesländer
beteiligen sich an einer gemeinsamen Ausschreibung; die zwei anderen haben eigene
Ausschreibungen bereits auf den Weg gebracht.</p>
<p klasse="J">Mehr noch: Ein grüner Oberbürgermeister, Belit Onay
in Hannover, ist einer der absoluten Vorreiter darin, eine Bezahlkarte einzuführen.
Das tut er äußerst erfolgreich.</p>
<kommentar>(Stephan Stracke [CDU/CSU]: Und warum haben Sie das
nicht auch schon gemacht?)</kommentar>
<p klasse="O">Im November 2023 ist es in Hannover losgegangen. In
den letzten Wochen sind über 150 Karten ausgegeben worden. Eine deutliche
Ausweitung ist geplant. Das Ganze funktioniert ganz hervorragend. Es braucht keine
Auszahlungsstellen in Hannover mehr.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">Die Verwaltung ist massiv entlastet worden. Das ist
ein Erfolgsprojekt, das Belit Onay dort in Hannover umgesetzt hat.</p>
<kommentar>(Stephan Stracke [CDU/CSU]: Warum machen Sie das dann
nicht? – Gegenruf der Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das brauchen wir
nicht!)</kommentar>
<p klasse="J">In Hamburg werden seit einer Woche Bezahlkarten
ausgegeben. In Bayern steht das kurz bevor. Natürlich spricht Herr Söder nur in
Superlativen: Es werde das schnellste und das härteste Projekt. Sie kennen diese
Rhetorik. Ich muss nicht teilen, was Markus Söder in Bayern macht, was Markus Söder
sagt. Aber Markus Söder beweist eines: Es geht, es ist möglich, und es ist
rechtssicher möglich.</p>
<kommentar>(Stephan Stracke [CDU/CSU]: Und er fordert auch die
Änderungen, Herr Audretsch!)</kommentar>
<p klasse="O">Ich muss auch dem Chef der bayerischen Staatskanzlei
Florian Herrmann ausdrücklich zustimmen. Er hat gestern erklärt – ich
zitiere –:</p>
<p klasse="Z">„Wir sind der Auffassung, so wie wir sie einführen,
ist sie durch die Rechtslage abgedeckt.“</p>
<kommentar>(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: So!)</kommentar>
<p klasse="O">Man brauche zur Einführung keine Gesetzesänderung,
sagt der Chef der bayerischen Staatskanzlei.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD –
Beate Müller-Gemmeke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Hört! Hört!)</kommentar>
<p klasse="J">Eine zweite Frage steht immer wieder im Raum: die
nach der Einheitlichkeit in ganz Deutschland. Das ist eine Frage, die in den
Ländern gelöst wird. Die Länder sind für die Auszahlung zuständig und dürfen eigene
Verfahren festlegen. Wenn Ihnen von der Union an Einheitlichkeit gelegen ist, dann
hätte ich einen Rat: Sprechen Sie mit Markus Söder. Das ist derjenige, der sich der
Einheitlichkeit gerade am allerdeutlichsten verweigert.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Stephan Stracke
[CDU/CSU]: Der Bundeskanzler hat versprochen, die Änderungen durchzuführen, Herr
Audretsch! Ihr Bundeskanzler! Was ist davon zu halten? Fallen Sie nicht Ihrem
Bundeskanzler in den Rücken!)</kommentar>
<p klasse="O">Es geht also nicht um das Ob bei Bezahlkarten, darum
geht es überhaupt nicht. Es geht auch nicht um die Frage der Einheitlichkeit. Beide
Fragen sind abgeräumt, darum geht es dezidiert nicht. Was für uns aber tatsächlich
wichtig ist – und das gehört zur Seriosität –,</p>
<kommentar>(Stephan Stracke [CDU/CSU]: Ha, Seriosität!)</kommentar>
<p klasse="O">ist die Frage, was wir mit einer solchen Bezahlkarte
tatsächlich erreichen wollen. Ich will Ihnen gerne zwei Beispiele nennen. Wir alle
kennen die Geschichten von Menschen, die viele Jahre hier bei uns leben, weil sie
nicht zurückkönnen, von Kindern, die hier geboren werden, die hier in die Schule
gehen, sechs Jahre hier sind, acht Jahre hier sind, zehn Jahre hier sind und Teil
unserer Gesellschaft werden. Für uns Grüne zählt jedes einzelne dieser Kinder.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Erstes Beispiel. Welche Folgen hat es – vielleicht
auch unbeabsichtigt –, wenn wir für diese Kinder den Zugang zu Bargeld deutlich
einschränken? Sie können am Schulkiosk kein Brötchen mehr kaufen. Sie können im
Secondhandladen keine gebrauchten Schuhe kaufen. Sie können auf Klassenfahrten als
Einzige kein Taschengeld mitnehmen. Womöglich können sie auch den Beitrag im
Sportverein nicht zahlen, wenn es auf dem Fußballplatz kein Kartenlesegerät
gibt.</p>
<kommentar>(Stephan Stracke [CDU/CSU]: Das stimmt doch alles gar
nicht! Herr Audretsch, was erzählen Sie denn da?)</kommentar>
<p klasse="O">Es geht um Kinder, die dauerhaft hier leben, es geht
um die Frage: Welche Folgen hat es für sie?</p>
<kommentar>(Stephan Stracke [CDU/CSU]: Herr Audretsch, Sie haben es
nicht einmal verstanden! Das ist ja wirklich skandalös! – Gegenruf der Abg. Renate
Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ruhe! Jetzt hören Sie mal zu!)</kommentar>
<p klasse="J">Ein zweites Beispiel betrifft Menschen, die hier in
die Schule gegangen sind, die Schule abschließen, ein Studium aufnehmen. Soll
diesen jungen Menschen zugemutet werden, dass die Karte nur in einem
Postleitzahlenbereich gilt? Wenn man Berlin als Beispiel nimmt: Heißt das, in
Charlottenburg ja, in Pankow nein, in Neukölln auch nein? Im ländlichen Raum: Heißt
das, die Karte gilt nur in einem Dorf, nur an dem kleinen Kiosk, nur an der
Tankstelle, sonst nicht? Darum geht es. Das ist die Frage, die wir hier konkret und
im Einzelnen prüfen müssen.</p>
<kommentar>(Stephan Stracke [CDU/CSU]: Das ist absurd! Was sind das
für Beispiele?)</kommentar>
<p klasse="J">Ich bin dankbar, dass einer Ihrer Innenminister, der
Innenminister der CDU in Nordrhein-Westfalen, Herbert Reul, heute eine weitere
wichtige Frage angesprochen hat. Es geht um das Risiko, dass Menschen durch ein
Bargeldverbot im Zusammenhang mit solchen Bezahlkarten in die Fänge der
Organisierten Kriminalität getrieben werden.</p>
<kommentar>(Markus Kurth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja, das will die
CSU!)</kommentar>
<p klasse="O">Gut, dass Herr Reul heute versprochen hat – das sind
Zitate von heute –, die Entwicklung genau im Auge zu behalten, und gut, dass das
Bundesinnenministerium heute erklärt hat, dass die Polizeibehörden des Bundes und
der Länder die Entwicklung im Bereich der Organisierten Kriminalität aufmerksam
beobachten, um zu verhindern, dass Menschen im Zusammenhang mit Bezahlkarten und
einem Verbot von Bargeld in Schwierigkeiten geraten.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN –
Stephan Stracke [CDU/CSU]: Aber bei den Schleppern und Schleusern geht es, Herr
Audretsch, oder? Ist das Ihre Auffassung? Na, super!)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Kommen Sie jetzt bitte zum Schluss.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11005011"><name><vorname>Andreas</vorname><nachname>Audretsch</
nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Andreas
Audretsch (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Ich bin dankbar für diesen ernsthaften Umgang mit
dem Thema.</p>
<p klasse="J">Abschließend: Bezahlkarten sind rechtssicher
möglich.</p>
<kommentar>(Stephan Stracke [CDU/CSU]: Nein! Genau falsch, Herr
Audretsch! Rechtspolitische Ignoranz!)</kommentar>
<p klasse="O">Belit Onay zeigt das. Bayern zeigt das.</p>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege, kommen Sie jetzt bitte zum
Schluss.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11005011"><name><vorname>Andreas</vorname><nachname>Audretsch</
nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Andreas
Audretsch (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Wir werden gründlich beraten müssen, wie wir mit
den ernsten Fragen, die sich in diesem Zusammenhang stellen, umgehen.</p>
<p klasse="J">Herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der FDP – Markus Kurth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], an die CDU/CSU
gewandt: Die heimlichen Verbündeten der OK!)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Ich möchte Sie alle bitten, auf Ihre Redezeiten zu
achten. Wir sind bei Sitzungsschluss 3 Uhr morgens.</p>
<p klasse="J">Als Nächster erhält das Wort Jens Teutrine für die
FDP-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015407700">
<p klasse="redner"><a id="r92"/><redner
id="11005238"><name><vorname>Jens</vorname><nachname>Teutrine</nachname><fraktion>F
DP</fraktion></name></redner>Jens Teutrine (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Der Abgeordnete Stracke von der Union hat hier lautstark und vehement
die Einführung der Bezahlkarte gefordert.</p>
<kommentar>(Stephan Stracke [CDU/CSU]: Genau!)</kommentar>
<p klasse="O">Das ist auch gut so. Es ist gut, dass wir uns – FDP,
SPD, CDU/CSU und, so habe ich Herrn Audretsch verstanden, auch die Grünen –</p>
<kommentar>(Heiterkeit des Abg. Stephan Stracke
[CDU/CSU])</kommentar>
<p klasse="O">darin einig sind, Bezahlkarten einzuführen.</p>
<kommentar>(Zuruf von der CDU/CSU: Also haben Sie
zugestimmt!)</kommentar>
<p klasse="O">So weit, so gut.</p>
<p klasse="J">Guckt man allerdings mal ganz genau hin, sieht man,
dass Sie uns ein ganz besonderes Kunststück präsentiert haben. Wenn jemand
rhetorisch besonders breitbeinig auftritt wie Sie, dann nennt man das in Wahrheit
einen Spagat.</p>
<kommentar>(Stephan Stracke [CDU/CSU]: Nein!)</kommentar>
<p klasse="O">Denn während die Unionsfraktion im Deutschen
Bundestag als Opposition vehement die Bezahlkarte fordert, torpediert der
Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst, die Bezahlkarte vor
Ort.</p>
<kommentar>(Konstantin Kuhle [FDP]: Was?)</kommentar>
<p klasse="O">Er möchte, dass jede Kommune selbst entscheidet, ob
sie die Bezahlkarte einführt oder nicht. In Bielefeld gibt es eine Bezahlkarte, in
Paderborn nicht, in Bochum vielleicht, in Recklinghausen keine.</p>
<kommentar>(Konstantin Kuhle [FDP]: Chaos! – Dr. Martin Rosemann
[SPD]: Unglaublich!)</kommentar>
<p klasse="O">Als Grund hat Ministerpräsident Wüst angegeben: Er
möchte sich nicht an den Kosten beteiligen; das sollen doch lieber die Kommunen
bezahlen.</p>
<kommentar>(Konstantin Kuhle [FDP]: Chaos! – Beate Müller-Gemmeke
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Hört! Hört!)</kommentar>
<p klasse="O">Dieses Chaos, dieser Flickenteppich, den Sie
erzeugen, macht Sie unglaubwürdig.</p>
<p klasse="J">Hendrik Wüst ist nicht der einzige regierende
Ministerpräsident mit eigenen Vorstellungen, es gibt auch noch den Bürgermeister
von Berlin, Kai Wegner. Der möchte eigentlich – so philosophiert der Senat von
Berlin darüber – möglichst viel Bargeldauszahlung ermöglichen.</p>
<kommentar>(Konstantin Kuhle [FDP]: Was? – Stephan Stracke
[CDU/CSU]: Wollen Sie jetzt die Änderungen, die die Ministerpräsidenten
vorgeschlagen haben, oder nicht, Herr Teutrine? Reden Sie doch mal zur
Sache!)</kommentar>
<p klasse="O">Das zeigt doch eins: Markante Reden in der Opposition
reichen nicht, wenn man in Regierungsverantwortung so viel Hasenfüßigkeit vor der
eigenen Courage hat.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Widerspruch bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Vorsicht ist angemahnt! Auf einen solchen Spagat
folgt das nächstes Kunststück, nämlich der Bruch des Rückgrats.</p>
<kommentar>(Stephan Stracke [CDU/CSU]: Die FDP macht auf immer
billiger!)</kommentar>
<p klasse="O">– Ich finde, wer austeilen kann, der muss auch
einstecken.</p>
<p klasse="J">Aber jetzt lassen wir das parteitaktische Bodenturnen
mal beiseite: Die staatstragenden Parteien der Mitte – ob Opposition oder
Regierung, ob Bund, Land oder Kommune, ob Schwarz, Gelb, Rot oder Grün – sollten
sich nicht in Kleingeistigkeiten verlieren,</p>
<kommentar>(Stephan Stracke [CDU/CSU]: Beschluss vom 31. Januar,
alle Ministerpräsidenten, Zusage des Bundeskanzlers, Herr Teutrine!)</kommentar>
<p klasse="O">sollten sich nicht mit dem kleinen Karo aufhalten,
sollten sich nicht hinter ideologischen Verschanzungen in der Komfortzone
verbarrikadieren.</p>
<kommentar>(Konstantin Kuhle [FDP]: So ist es!)</kommentar>
<p klasse="O">Ich glaube, es ist wichtig, beim Thema Migration den
wirklichen Feinden – die die demokratischen, staatstragenden Parteien zerstören
wollen – den Nährboden zu entziehen,</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der FDP, der SPD und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">und zwar, indem wir einen parteiübergreifenden
Konsens finden. Der Versuch war doch schon mal da. Und für diesen Konsens der
Vernünftigen – und das ist doch die Mehrzahl in unserem Land – braucht es eine
andere Logik als entweder „alle rein“ oder „alle raus“. Das kann doch nicht
Anspruch der Debatte sein! Genau das haben wir allerdings gerade wieder zum Teil
erlebt, leider. Wir brauchen einen Konsens. Die Politik muss erstens zeigen, dass
sie handlungsfähig ist und Migration managen kann. – Ja, man kann als Politik auch,
über alle staatlichen Ebenen, einen Einfluss auf Migration nehmen. Das bedeutet für
mich: Wer nicht bereit ist, etwas gegen illegale Migration zu unternehmen, dem
etwas Wirksames entgegenzusetzen – wie die Beschleunigung von Abschiebungen; wie
beispielsweise die Bezahlkarte, die einen Beitrag leistet –, der gefährdet auch die
Akzeptanz für Schutzbedürftige und diejenigen, die legal nach Deutschland kommen
wollen.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">So entsteht ebenfalls ein Nährboden. Die Bezahlkarte
ist nicht die Lösung aller Probleme – dieser Eindruck entsteht manchmal in der
Debatte –,</p>
<kommentar>(Stephan Stracke [CDU/CSU]: Hat keiner
behauptet!)</kommentar>
<p klasse="O">aber sie ist ein Puzzlestück der Lösung.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der FDP – Stephan Stracke
[CDU/CSU]: Dann machen Sie es halt! Alle 16!)</kommentar>
<p klasse="O">Deswegen unterstützt meine Fraktion den Bundeskanzler
und die Mehrzahl der Bundesländer dabei, eine bundeseinheitliche Lösung zu schaffen
und einen rechtssicheren Rahmen, falls dieser nötig ist.</p>
<p klasse="J">Zweitens – diese Erkenntnis ist das Zweite, was es
für einen Konsens braucht –: Die Migrationspolitik steht doch schon länger Kopf in
Deutschland. Denjenigen, die versuchen, nach Deutschland zu kommen, um zu arbeiten,
die fleißig sind, die risikobereit sind, die hier etwas investieren wollen, machen
wir es viel zu schwer. Diese Menschen möchten nicht durch Bürokratie und lange
Verfahren daran gehindert werden. Denen machen wir es zu schwer. Und denjenigen,
die versuchen, illegal einzuwandern, den Sozialstaat auszunutzen, denen machen wir
es doch seit Jahrzehnten viel zu einfach. Deswegen müssen wir die Migrationspolitik
neu ordnen. Es braucht dafür auch eine andere Kultur, nämlich eine Kultur für die
Fleißigen in unserem Land, und zwar nicht nur für diejenigen, die hierherkommen und
hier arbeiten wollen, sondern auch für diejenigen, die bereits da sind.</p>
<kommentar>(Zuruf von der CDU/CSU: Wann fangt ihr damit
an?)</kommentar>
<p klasse="O">Das würde ein deutliches Signal in der
Migrationspolitik senden. Wer Akzeptanz für reguläre Migration und Schutzbedürftige
möchte, der muss etwas gegen illegale Migration unternehmen.</p>
<kommentar>(Stephan Stracke [CDU/CSU]: Jetzt weiß ich auch, warum
ihr bei 4 Prozent steht!)</kommentar>
<p klasse="O">Meine Fraktion macht das. Einen Beitrag kann auch die
Bezahlkarte leisten. Deswegen werden wir das auch bundesrechtlich absichern, wenn
dies nötig ist.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Die nächste Rednerin ist Andrea Lindholz für die
Fraktion CDU/CSU.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015407800">
<p klasse="redner"><a id="r93"/><redner
id="11004342"><name><vorname>Andrea</vorname><nachname>Lindholz</nachname><fraktion
>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Andrea Lindholz (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten
Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Friedrich Merz hat vor drei
Wochen hier im Plenum an die Bundesregierung und an die Ampelfraktionen gerichtet
gesagt – ich zitiere –:</p>
<p klasse="Z">„Sie bekommen die Flüchtlingskrise nicht in den
Griff. Die Umsetzung der Beschlüsse mit den Ministerpräsidenten verläuft zäh und
träge. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: die Einführung der Bezahlkarte … die vor allem
an dem systematischen Widerstand von SPD und Grünen in Deutschland scheitert.“</p>
<p klasse="O">Friedrich Merz ist dafür vom Kanzler verlacht worden.
Der Oppositionsführer lese offenbar keine Zeitung, es sei doch längst alles auf dem
Weg. Liebe Kolleginnen und Kollegen, welch eine arrogante Aussage!</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Spätestens in dieser Woche und spätestens nach diesen
ersten Wortbeiträgen ist eins völlig klar: Friedrich Merz hatte recht. Die
Bezahlkarte ist mitnichten längst auf dem Weg. Teile der Kollegen scheinen noch
nicht verstanden zu haben, warum eine gesetzliche Änderung erforderlich ist. Die
Länder haben ihre Hausaufgaben längst gemacht und das Vergabeverfahren angestoßen.
Aber Sie hier von den Fraktionen insbesondere der Grünen und offensichtlich auch
der SPD – wenn man heute zugehört hat –</p>
<kommentar>(Rasha Nasr [SPD]: Was habe ich denn gesagt? Dass wir es
umsetzen! Sie haben nicht zugehört! – Dr. Martin Rosemann [SPD]: Überhaupt nicht
zugehört!)</kommentar>
<p klasse="O">versuchen mit Ihrer Blockade, eine rechtssichere
Einführung der Bezahlkarte zu verhindern.</p>
<p klasse="J">Man muss sich das mal vorstellen: Am 6. November
haben der Bundeskanzler und alle Ministerpräsidenten – von Union, SPD, Linken und
übrigens auch von den Grünen – Einigkeit gezeigt und Folgendes gesagt: A. Die
Bezahlkarte soll kommen. B. Sie soll Barauszahlungen – und da bitte ich, gut
zuzuhören – an Leistungsempfänger nach dem Asylbewerberleistungsgesetz einschränken
und den Verwaltungsaufwand minimieren.</p>
<p klasse="J">Die Karte wurde dort als ein wesentlicher Baustein,
Herr Kollege von der FDP, zur Reduzierung der irregulären Migration verkauft.</p>
<kommentar>(Jens Teutrine [FDP]: Wieso macht Kai Wegner das dann
nicht in Berlin?)</kommentar>
<p klasse="O">Das war ein ganz klares Statement. Haben Sie da
irgendwie alle nicht zugehört?</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Rasha Nasr [SPD]: Haben Sie
zugehört?! Haben Sie gerade zugehört?)</kommentar>
<p klasse="O">In dem MPK-Beschluss heißt es ganz klar:</p>
<p klasse="Z">„Sollten … angesichts der konkreten Ausgestaltung der
Bezahlkarte gesetzliche Anpassungen notwendig sein, wird die Bundesregierung diese
zeitnah auf den Weg bringen.“</p>
<kommentar>(Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: „Sollten“! Sie
sind aber nicht notwendig!</kommentar>
<p klasse="O">Zeitnah! Dreieinhalb Monate ist nichts passiert.</p>
<kommentar>(Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie sind aber
nicht notwendig!</kommentar>
<p klasse="J">Ich will Ihnen jetzt mal das System erklären und,
warum es eine gesetzliche Änderung braucht.</p>
<kommentar>(Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie ist doch nicht
notwendig! – Zuruf des Abg. Dr. Martin Rosemann [SPD])</kommentar>
<p klasse="O">– Vielleicht hören Sie mal zu; denn Sie haben es
nicht verstanden; man hat es vorhin deutlich gehört. – Es geht erstens nicht um
Bezahlkarten, die die Bargeldauszahlung ersetzen, wie in Hannover. So eine
Bargeldauszahlung wollten die Ministerpräsidenten nicht mehr und wollen auch wir
nicht mehr.</p>
<kommentar>(Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Hört! Hört! Aha!
Wo haben Sie die Information denn her?)</kommentar>
<p klasse="O">Es geht darum, Bezahlkarten einführen zu können, mit
denen man das Geldabheben stark beschränkt</p>
<kommentar>(Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wer sagt das? Wer
sagt das?)</kommentar>
<p klasse="O">und so, wie in Bayern, nur noch ein Taschengeld
auszahlt.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Filiz Polat
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wer sagt das?)</kommentar>
<p klasse="O">Das wiederum soll dazu dienen, Schleppern und
Schleusern das Handwerk zu legen und Geldleistungen ins Ausland zu unterbinden.</p>
<kommentar>(Josef Oster [CDU/CSU]: Ganz genau! – Zuruf der Abg.
Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="J">Die Grenzkontrollen – die auf unseren Druck hin
erweitert worden sind, endlich – haben es gezeigt: Seit Oktober haben wir weitere
23 000 illegale Aufgriffe</p>
<kommentar>(Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: „Illegale
Aufgriffe“?)</kommentar>
<p klasse="O">und 566 Aufgriffe von Schleusern. Es müsste auch in
Ihrer aller Interesse sein, den Schleusern das Handwerk zu legen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Nina Warken [CDU/CSU]:
Genau!)</kommentar>
<p klasse="J">Selbstverständlich ist, weil das
Asylbewerberleistungsgesetz Bezahlkarten mit erheblicher Einschränkung von
Bargeldauszahlung rechtssicher nicht vorsieht,</p>
<kommentar>(Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Aber Bayern macht es vor!)</kommentar>
<p klasse="O">eine Änderung des Asylbewerberleistungsgesetzes
nötig. Falls Sie es jetzt verstanden haben: Wenn Sie nicht in der Lage sind, das in
dreieinhalb Monaten hinzubekommen,</p>
<kommentar>(Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Schreien Sie doch
nicht so!)</kommentar>
<p klasse="O">dann muss ich mir ehrlich die Frage stellen, was
eigentlich mit Kanzler Scholz im November los war. Er hat hier im Bundestag gesagt,
die Einführung der Bezahlkarte werde nicht so schwer sein und es werde wohl schnell
gehen.</p>
<kommentar>(Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Aber Bayern macht es doch!)</kommentar>
<p klasse="O">Da frage ich mich: Was ist das Wort Ihres Kanzlers
eigentlich überhaupt noch wert? Nichts, gar nichts.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber Bayern macht es doch!)</kommentar>
<p klasse="J">Die Ministerpräsidenten und die Innenminister fordern
deshalb zu Recht, dass Sie endlich die gesetzliche Änderung auf den Weg
bringen,</p>
<kommentar>(Corinna Rüffer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber warum
denn?)</kommentar>
<p klasse="O">damit flächendeckend in ganz Deutschland Bezahlkarten
rechtssicher eingeführt werden können,</p>
<kommentar>(Jens Teutrine [FDP]: Dann reden Sie mal mit Hendrik
Wüst!)</kommentar>
<p klasse="O">damit wir möglichen Klagewellen, von deren
Wahrscheinlichkeit wir ausgehen müssen, rechtssicher vorbeugen.</p>
<p klasse="J">Zu den Grünen. Wir haben verstanden: Sie wollen eine
Karte wie in Hannover, das heißt, Bargeldauszahlung weiter ist möglich.</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="O">Sie wollen keine rechtssichere Regelung, weil sie
natürlich hoffen, –</p>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Kommen Sie bitte zum Schluss.</p>
<kommentar>(Zuruf der Abg. Corinna Rüffer [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="redner"><redner
id="11004342"><name><vorname>Andrea</vorname><nachname>Lindholz</nachname><fraktion
>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Andrea Lindholz (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">– dass Klagewellen das Ding plattmachen.</p>
<p klasse="J">Aber das, liebe Kolleginnen und Kollegen von der FDP,
darf nicht passieren! Ich darf zum Abschluss Herrn Kubicki zitieren, –</p>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Frau Kollegin Lindholz!</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004342"><name><vorname>Andrea</vorname><nachname>Lindholz</nachname><fraktion
>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Andrea Lindholz (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">– Ihren stellvertretenden FDP-Chef. Er stellt bei
einer Blockade der Grünen die Koalition infrage. Ich fordere Sie, die Grünen, im
Sinne unserer Kommunen auf: Beenden Sie Ihre Blockade und sorgen Sie bei der
Einführung der Bezahlkarte für Rechtssicherheit!</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Bayern macht es!)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Die nächste Rednerin ist Annika Klose für die SPD-
Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015407900">
<p klasse="redner"><a id="r94"/><redner
id="11005108"><name><vorname>Annika</vorname><nachname>Klose</nachname><fraktion>SP
D</fraktion></name></redner>Annika Klose (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Zuschauer/-
innen! Die größte Oppositionspartei im Deutschen Bundestag beantragt eine Aktuelle
Stunde. In Aktuellen Stunden werden Themen von allgemeinem, aktuellem Interesse
diskutiert.</p>
<kommentar>(Zuruf von der CDU/CSU: Richtig!)</kommentar>
<p klasse="O">Wir leben ja in herausfordernden Zeiten, da fragt man
sich: Welches der aktuell wichtigsten Themen wird die größte Oppositionspartei im
Deutschen Bundestag wohl besprechen wollen? Es gäbe schließlich so viele Themen,
über die zu diskutieren wirklich wichtig wäre,</p>
<kommentar>(Stephan Stracke [CDU/CSU]: Illegale Migration ist für
Sie also kein Thema, Frau Klose! Ist ja hochinteressant!)</kommentar>
<p klasse="O">bei denen mich und sicherlich auch Sie, werte
Zuschauer/-innen, die Meinung und der konstruktive Input der Opposition sehr
interessieren würde und bei denen ein Austausch uns möglicherweise wirklich
voranbringen würde. Was könnten das für Themen sein, die einem aktuell einfallen?
Zum Beispiel der Fach- und Arbeitskräftemangel in diesem Land oder der
Pflegenotstand, die langfristige Sicherung des Rentenniveaus,</p>
<kommentar>(Alexander Throm [CDU/CSU]: Reden Sie einmal zur
Sache!)</kommentar>
<p klasse="O">Kinderarmut, gerade bei Alleinerziehenden.</p>
<kommentar>(Zuruf von der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Wir könnten auch darüber sprechen, wie die fehlenden
Kitaplätze geschaffen werden sollen</p>
<kommentar>(Zuruf von der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">oder warum die Tarifbindung nur für 52 Prozent der
Arbeitnehmer/-innen gilt. Wir könnten über Reallohnverluste sprechen,</p>
<kommentar>(Nina Warken [CDU/CSU]: Das haben wir diese Woche auch
schon gemacht!)</kommentar>
<p klasse="O">über steigende Mieten in Städten oder über den
Rechtsextremismus in diesem Land.</p>
<kommentar>(Zuruf von der CDU/CSU: Sie haben also offensichtlich
nichts zu sagen!)</kommentar>
<p klasse="O">Wir könnten darüber sprechen, dass sich in dieser
Woche der rassistische Anschlag von Hanau zum vierten Mal jährt und welche
Konsequenzen daraus gezogen werden sollten.</p>
<kommentar>(Alexander Throm [CDU/CSU]: Sie sollen zur Sache
sprechen! Frau Präsidentin, zur Sache!)</kommentar>
<p klasse="O">Oder wir könnten darüber sprechen, dass die Angriffe
auf Demokrat/-innen immer weiter zunehmen. Erst vor drei Tagen wurden einem
ehrenamtlichen Politiker in Thüringen Auto und Haus angezündet, und nur durch ein
Wunder ist niemand zu Schaden kommen.</p>
<kommentar>(Zuruf von der CDU/CSU: Was sagt denn der
Regierungssprecher dazu? – Zuruf des Abg. Enrico Komning [AfD])</kommentar>
<p klasse="O">Worüber könnten wir noch reden? Wir könnten über den
Klimawandel und die damit verbundene notwendige Transformation der Wirtschaft
reden, über Putin, der weiterhin die größte Bedrohung unserer Sicherheit
darstellt,</p>
<kommentar>(Stephan Stracke [CDU/CSU]: Frau Klose, Sie lesen leider
den falschen Text vor!)</kommentar>
<p klasse="O">über die Lage an der Front in der Ukraine oder über
den Krieg zwischen Israel und der Hamas,</p>
<kommentar>(Zurufe von der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">über die schreckliche humanitäre Situation in Gaza
und über das Schicksal der von der Hamas verschleppten israelischen Geiseln, über
die mögliche Wahl von Donald Trump, der den Artikel 5 des NATO-Vertrags und damit
die gesamte europäische Sicherheitsinfrastruktur infrage stellt. Sehr geehrte Damen
und Herren, die Welt ist voller Krisen, und selten waren wir als Politik so
gefordert wie in diesen Zeiten.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD – Enrico Komning
[AfD]: Warum schreien Sie eigentlich so?)</kommentar>
<p klasse="J">Doch anstatt dass wir uns mit diesen Themen
beschäftigen, muss ich mit Entsetzen feststellen, dass die größte Oppositionspartei
im Deutschen Bundestag über was genau sprechen möchte?</p>
<kommentar>(Detlef Seif [CDU/CSU]: Migration!)</kommentar>
<p klasse="O">Das Thema ist, mit Verlaub, so kleinkariert, dass es
schwerfällt, den Menschen da draußen überhaupt zu erklären, worum es geht.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN –
Zuruf von der CDU/CSU: Reden Sie mal zum Antrag!)</kommentar>
<p klasse="O">Petitessen und Parteiprofilierung, das ist es, worum
es der CDU/CSU im Deutschen Bundestag offenbar geht.</p>
<kommentar>(Zuruf von der SPD: So ist es!)</kommentar>
<p klasse="O">Das Thema, für das Sie sich entschieden haben, ist
also die Einführung der Bezahlkarte für Asylbewerber/-innen, also quasi eine EC-
bzw. Debitkarte, damit kein Bargeld von Behörden mehr ausgezahlt wird, sondern
künftig an der Kasse mit Karte bezahlt wird.</p>
<p klasse="J">Dieses weltbewegende Thema wird jetzt noch brisanter,
wenn ich Ihnen ein Geheimnis dazu verrate: Das ist alles schon möglich. Hannover
und Hamburg machen das nämlich schon. Ein Gesetz zur von den Ländern gewünschten
zusätzlichen rechtlichen Absicherung ist in Erarbeitung, liegt aber noch nicht
vor – so weit, so unspektakulär, so langweilig, ehrlich gesagt.</p>
<kommentar>(Stephan Stracke [CDU/CSU]: Doch! Alles liegt vor! Sie
können es einfach beschließen, Frau Klose!)</kommentar>
<p klasse="J">Nachdem ich das von Ihnen aufgesetzte Thema in gerade
mal vier Sätzen abhandeln konnte, wende ich mich Ihnen noch einmal zu, werte Union.
Natürlich weiß ich, warum Sie sich für dieses Thema entschieden haben:</p>
<kommentar>(Zuruf von der CDU/CSU: Weil Sie es nicht
lösen!)</kommentar>
<p klasse="O">Nicht, weil Sie glauben, dass dieses Thema wirklich
so relevant wäre, sondern weil Sie Ihre alte Leier weiter erzählen wollen: diese
Regierung würde, angeblich, nur streiten und nichts auf die Reihe kriegen. Diese
Behauptung wird aber keinen Deut richtiger, egal wie häufig Sie das erzählen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Stephan Stracke [CDU/CSU]: O Gott! Also, die Ampel hat
echt fertig, wenn ich Ihre Worte höre! Wahnsinn! Wahnsinn!)</kommentar>
<p klasse="O">Während Sie sich offenbar vor allem um Ihre
Parteipolemik scheren und hier Ihre Mitarbeit verweigern, arbeitet diese
Bundesregierung an der Bewältigung der aktuellen Krisen.</p>
<p klasse="J">Darüber hinaus hat sie übrigens auch schon zwei
Drittel des Koalitionsvertrags abgearbeitet. „Die streiten nur und schaffen
nichts“, diese Leier ist einfach nur Quatsch. Weil Sie es mir vermutlich nicht
glauben, fülle ich meine letzte Minute Redezeit mit 25 Ampelvorhaben, die genau das
beweisen. Erstens: die Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro. Zweitens: das
Bürgergeld eingeführt. Drittens: das Wohngeld erhöht. Viertens: Die
Kindergrundsicherung kommt bald. Fünftens: Wir haben die Ausbildungsplatzgarantie
eingeführt. Sechstens: Rentenangleichung zwischen Ost und West. Siebtens:
Einführung des Deutschlandtickets. Achtens: Das Selbstbestimmungsgesetz kommt bald.
Neuntens: Die Cannabislegalisierung kommt. Zehntens: Wohnungsprogramm für junge
Menschen wird finanziert. Elftens: Reform des Staatsangehörigkeitsrechts
beschlossen. Dreizehntens: Abschaffung des Blutspendeverbots für Homosexuelle.
Vierzehntens: Einmalzahlung von 200 Euro für Studis in Krisenzeiten. Fünfzehntens:
Ausstieg aus der Atomkraft umgesetzt. Sechzehntens: das Gebäudeenergiegesetz
reformiert. Siebzehntens: das Fachkräfteeinwanderungsgesetz beschlossen.
Achtzehntens: Pflegereform durchgesetzt. Neunzehntens: 200 Euro KulturPass für
junge Menschen beschlossen. Zwanzigstens: Kindergeld erhöht auf 250 Euro pro Kind
pro Monat. Einundzwanzigstens: günstiges Deutschlandticket für Studis eingeführt.
Zweiundzwanzigstens: elektronische Patientenakte und E-Rezept beschlossen.</p>
<kommentar>(Zuruf von der CDU/CSU: Zum Thema!)</kommentar>
<p klasse="O">Dreiundzwanzigstens: § 219a abgeschafft.
Vierundzwanzigstens: das BAföG reformiert. Fünfundzwanzigstens: KiTa-
Qualitätsgesetz verabschiedet.</p>
<kommentar>(Lebhafter Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">„Die streiten nur und schaffen nichts“ ist einfach
wirklich Quatsch. Wenn das für jemanden gilt, dann für Sie.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Die nächste Rednerin ist Filiz Polat für
Bündnis 90/Die Grünen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015408000">
<p klasse="redner"><a id="r95"/><redner
id="11004857"><name><vorname>Filiz</vorname><nachname>Polat</nachname><fraktion>BÜN
DNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Filiz Polat (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und
Herren! Ich möchte noch mal betonen – auch für die Zuschauer/-innen und Bürger/-
innen hier im Raum –: Es wird hier diskutiert über eine Geldkarte für
Geflüchtete,</p>
<kommentar>(Yannick Bury [CDU/CSU]: Gut, dass das jetzt noch mal
klargestellt wird!)</kommentar>
<p klasse="O">im Besonderen für Asylbewerberleistungsempfänger/-
innen. Niemand ist dagegen. Alle Bundesländer werden und wollen eine entsprechende
Geldkarte einführen.</p>
<kommentar>(Karsten Hilse [AfD]: Bezahlkarte!)</kommentar>
<p klasse="J">Aber, meine Damen und Herren – und das wurde ja auch
schon von meinem Vorredner betont –: Eine Einheitlichkeit ist von den Ländern gar
nicht geplant. Die Hessische Staatskanzlei – ich glaube, dort wird mittlerweile von
der CDU regiert – hat selbst betont, dass über die jeweilige Ausgestaltung jedes
Bundesland selbst entscheiden wird.</p>
<kommentar>(Axel Müller [CDU/CSU]: Gilt jetzt, was der Kanzler will
oder was die Ministerpräsidenten wollen?)</kommentar>
<p klasse="O">Wir sehen schon jetzt – das wurde erwähnt –: Zwischen
der SocialCard der Landeshauptstadt Hannover und der angedachten Bezahlkarte in
Bayern liegen Welten.</p>
<p klasse="J">Im Übrigen, Frau Lindholz – ich muss es noch mal
betonen –, hat die Bayerische Staatskanzlei gesagt, auch ihre, ich sage mal, etwas
unmenschlichere Bezahlkarte ist durch die Rechtslage abgedeckt.</p>
<p klasse="J">Für unsere Fraktion ist entscheidend: Welchen Effekt
soll diese Geldkarte eigentlich haben? Sie soll die Kommunen von unnötiger
Bürokratie entlasten – das war im Übrigen der Ausgangspunkt aller Debatten beim
ersten Flüchtlingsgipfel letztes Jahr in Deutschland –; denn das hilft nicht nur
den Geflüchteten und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung, sondern
kommt letztendlich allen Bürgerinnen und Bürgern der Städte und Kommunen zugute.
Ich denke, zumindest da sind wir uns einig.</p>
<p klasse="J">Das Beispiel Hannover ist genannt worden. Die dort
eingeführte Geldkarte hat dazu geführt, dass sechs Mitarbeiter/-innen in der
Verwaltung eingespart werden konnten bzw. jetzt für andere Tätigkeiten eingesetzt
werden können. Es gibt keine langen Schlangen mehr bei der Behörde, in der sich die
Geflüchteten anstellen mussten, um einen Schein zu bekommen. Mit diesem mussten sie
zur Sparkasse. Wer mal in Hannover vom Bahnhof in die Innenstadt gegangen ist, hat
sich sicherlich gewundert, warum so lange Schlangen vor der Sparkasse standen. Die
Geflüchteten mussten dort nämlich ihr Geld abholen.</p>
<kommentar>(Karsten Hilse [AfD]: Es wäre besser, wenn die Schlangen
kürzer wären; das ist richtig! Im Allgemeinen!)</kommentar>
<p klasse="O">Diese Bürokratie wurde jetzt eingespart. Alle sind
glücklich.</p>
<kommentar>(Zuruf von der CDU/CSU: „Alle sind
glücklich“!)</kommentar>
<p klasse="O">Es wurde Geld gespart. Was will man mehr, meine Damen
und Herren?</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Was die Bezahlkarte aber nicht soll – und da sind wir
uns, denke ich, mit der SPD und der FDP auch einig –,</p>
<kommentar>(Konstantin Kuhle [FDP]: Mal sehen!)</kommentar>
<p klasse="O">ist: Sie soll die Menschen nicht stigmatisieren und
ausgrenzen. Der bayerische Sonderweg, der jetzt gegangen wird, sollte nicht Maßstab
der Debatte hier im Bundestag sein.</p>
<kommentar>(Axel Müller [CDU/CSU]: Aha! Sie wollen gar keine
Bezahlkarte!)</kommentar>
<p klasse="O">Warum? Denn da geht es allein darum, Möglichkeiten
einzuschränken. Frau Lindholz hat sie ja zum ersten Mal auch angesprochen, die
Angst vor dem Bargeld. Das Bargeld ist aber in Deutschland nun mal immer noch ein
reguläres Zahlungsmittel, jenseits der Karte,</p>
<kommentar>(Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Was hat denn gestern der
BAMF-Präsident gesagt?)</kommentar>
<p klasse="O">anders als in Kanada oder in Neuseeland, wo auch
Wohnungslose per Geldkarte eine Spende bekommen können. Nein, in Deutschland kauft
man mit Bargeld gebrauchte Kindersachen auf dem Flohmarkt. Im Internet einzukaufen,
ist bei der Bezahlkarte in Bayern verboten. Und man muss sich vorstellen, was für
Konflikte innerhalb der Familie es erzeugen wird, wenn eine vierköpfige Familie
eine Geldkarte ausgehändigt und nur 50 Euro in bar bekommt: Wer darf die Karte
haben? Wie viel wird pro Kind ausgezahlt? Sie wissen alle, in der Schule wird hin
und wieder etwas Geld eingesammelt, etwa für Klassenfahrten. Auch am Arbeitsplatz
wird mal für Geschenke gesammelt. Das alles wäre nicht mehr möglich. Das ist total
lebensfremd, diskriminierend und ausgrenzend. Das wollen wir nicht, meine Damen und
Herren.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD)</kommentar>
<p klasse="J">Das sind letztendlich Asylrechtsverschärfungen durch
die Hintertür. Dazu gibt es in den Ländern zu Recht unterschiedliche Auffassungen.
Wer die Debatte genau verfolgt hat, kann die Unterschiede feststellen. Deswegen
wird es unterschiedliche Bezahlkarten geben.</p>
<p klasse="J">Ganz ehrlich, wer die 90er-Jahre miterlebt hat, weiß:
Es gab schon einmal Gutscheine für Geflüchtete. Gutscheine statt Bargeld, das war
damals Alltag. Für die Sozialbehörden war das Bürokratie pur. Alle sind glücklich,
dass das nicht mehr so ist. Für die Betroffenen war es schrecklich diskriminierend:
Sie mussten nach Geschäften suchen, die diese Gutscheine überhaupt akzeptieren; sie
mussten die genervten Blicke von anderen Kundinnen und Kunden ertragen, manchmal
mitleidend, manchmal herabwürdigend. Hier in diesem Parlament sitzen Kolleginnen
und Kollegen, die das erlebt haben; sie stehen stellvertretend für diejenigen in
unserer Gesellschaft, die zu Recht sagen: Diese unwürdige Praxis hat – nach viel
Druck aus der Zivilgesellschaft, einiger Parteien hier im Bundestag und vor allem
auf Wunsch der Kommunen – ein Ende gefunden, und das ist gut so, meine Damen und
Herren.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Uns Demokratinnen und Demokraten muss einen, dass wir
faktenbasiert über Flucht und Migration diskutieren – gerade weil rechtsextreme
Kräfte gezielt Falschinformationen über Geflüchtete verbreiten. In der
Regierungsbefragung gestern hat Finanzminister Christian Lindner selbst gesagt: Es
gibt überhaupt keine validen Daten zu Rücküberweisungen in Herkunftsländer.</p>
<kommentar>(Karsten Hilse [AfD]: Das ist aber ziemlich
schwach!)</kommentar>
<p klasse="J">Auch die Pull-Effekte, –</p>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Kommen Sie bitte zum Schluss.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004857"><name><vorname>Filiz</vorname><nachname>Polat</nachname><fraktion>BÜN
DNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Filiz Polat (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">– die jetzt zum wiederholten Male für die
Einführung der Bezahlkarte bemüht werden, sind wissenschaftlich nicht belegt,
sondern längst widerlegt, meine Damen und Herren.</p>
<p klasse="J">Also: Bleiben wir bei den Fakten, und lassen Sie uns
eine Bezahlkarte einführen, die nicht ausgrenzt und stigmatisiert!</p>
<p klasse="J">Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Die nächste Rednerin ist Martina Renner für die
Gruppe Die Linke.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015408100">
<p klasse="redner"><a id="r96"/><redner
id="11004385"><name><vorname>Martina</vorname><nachname>Renner</nachname><fraktion>
Die Linke</fraktion></name></redner>Martina Renner (Die Linke):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen
und Herren! Die Bezahlkarte für Flüchtlinge ist ein Rassismus-Tool,</p>
<kommentar>(Konstantin Kuhle [FDP]: Das ist Unsinn!)</kommentar>
<p klasse="O">sie dient der Stigmatisierung und Ungleichbehandlung,
sie ist das Signal, dass es okay ist, Menschen qua Herkunft Vorschriften zu
machen,</p>
<kommentar>(Zuruf von der FDP: Was für ein Quatsch!)</kommentar>
<p klasse="O">Vorschriften, die in ihr privates Leben eingreifen.
Diesen Menschen werden Mündigkeit und das Recht auf Selbstbestimmung
abgesprochen.</p>
<p klasse="J">Wir als Linke sagen: Die Debatte um die Bezahlkarte
ist ein Angriff auf alle marginalisierten Menschen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="O">Ich will es erläutern. Unterstellungen gegenüber
Empfängern und Empfängerinnen von Sozialleistungen kennen wir. Ich erinnere an
Sarrazins Einkaufsliste für Hartz-IV-Empfänger. Auch die Unterstellung,
Alleinerziehende würden von der Kindergrundsicherung angeblich nur Alkohol und
Zigaretten kaufen, ist bekannt. Nun also die Unterstellung, dass die Geflohenen
angeblich alles Geld in die Herkunftsländer schicken. Die Fakten kennt die
Bundesregierung nicht. Es ist allein ein Gerücht. Die Wahrheit ist: Diese Debatten
werden von oben gegen die unten geführt.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="O">Wir als Linke sagen: Soziale Rechte sind
Menschenrechte und unteilbar.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, natürlich
sehen wir die Uneinigkeit bei Ihnen, wie die Bezahlkarte jetzt genau ausgestaltet
werden soll. Es gibt Streit innerhalb der Grünen. Es gibt Streit mit dem
Koalitionspartner. Der Abgeordnete Kubicki hat sogar gefordert, man müsse das
Asylbewerberleistungsgesetz ändern, und hat mit dem Platzen der Ampel gedroht. Ich
finde, dies ist ein weiterer Versuch der FDP, nach rechts zu blinken. Vielleicht
kann die Ampel an dieser Stelle mal ein Zeichen setzen, dass man soziale Rechte
nicht der rassistischen Debatte opfert.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="J">Es gibt sogar einige Modelle, die vorsehen, dass nur
kleine Beträge abgehoben werden können. Der Einkauf von günstigen gebrauchten
Gegenständen wird dadurch fast unmöglich.</p>
<p klasse="J">Welche anderen Vorschläge gibt es? Ministerpräsident
Bodo Ramelow hat einen unkomplizierten Zugang für Geflüchtete zu einem normalen
Basiskonto gefordert. Das ist der Weg.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="O">Der Vorschlag der Linken für eine soziale Politik für
alle liegt auf dem Tisch.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Der nächste Redner ist Konstantin Kuhle für die
FDP-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Johannes Schraps [SPD])</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015408200">
<p klasse="redner"><a id="r97"/><redner
id="11004796"><name><vorname>Konstantin</vorname><nachname>Kuhle</
nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></redner>Konstantin Kuhle (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wir
müssen im Zusammenhang mit der Diskussion über Ordnung und Kontrolle in der
Migrationspolitik aufpassen, dass die Menschen in unserem Land nicht den Glauben an
die Handlungsfähigkeit des Staates verlieren.</p>
<kommentar>(Hermann Gröhe [CDU/CSU]: Hört! Hört!)</kommentar>
<p klasse="J">Die Lage in der Migrationspolitik ist kompliziert,
vor allen Dingen mit Blick auf die Zuständigkeiten. Für das Ausländer- und
Asylrecht an sich ist der Bund zuständig, für die Durchsetzung des Ausländerrechts
sind die Länder zuständig, und für Versorgung und Unterbringung – das ist die
Hauptlast – sind die Kommunen zuständig. Viele Menschen blicken durch dieses
Zuständigkeitswirrwarr nicht durch.</p>
<p klasse="J">Die verschiedenen Zuständigkeiten dürfen aber keine
Entschuldigung dafür sein, wenn sich in der Migrationspolitik nicht genug in
Richtung Ordnung und Kontrolle tut. Deswegen müssen wir weiter auf diesem Weg
schreiten, liebe Kolleginnen und Kollegen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie des Abg. Dr. Martin Rosemann
[SPD])</kommentar>
<p klasse="J">Weil das so ist, haben die unterschiedlichen
staatlichen Ebenen bereits Dinge auf den Weg gebracht. Ich will nur daran erinnern,
was wir auf Bundesebene schon auf den Weg gebracht haben: Erst vor wenigen Wochen
haben wir hier im Deutschen Bundestag das Gesetz zur Verbesserung der Rückführung
auf den Weg gebracht, um mehr Abschiebungen möglich zu machen. Wir haben mit dem
Chancen-Aufenthalt schon vor einigen Monaten den Weg dahin gewiesen, dass mehr
Menschen in den Arbeitsmarkt wechseln können. Und wir haben mit dem
Fachkräfteeinwanderungsgesetz unseren Beitrag dazu geleistet, dass irreguläre
Migration nach Deutschland weniger attraktiv und reguläre Einwanderung in den
deutschen Arbeitsmarkt attraktiver wird. Das ist der richtige Weg.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Zuruf des Abg. Stephan Stracke
[CDU/CSU])</kommentar>
<p klasse="J">Wir müssen aber – die Diskussion darf an dieser
Stelle nicht haltmachen – auch über das Asylbewerberleistungsgesetz sprechen. Auch
das Asylbewerberleistungsgesetz ist Teil des deutschen Migrationsrechts, und auch
hier müssen Veränderungen stattfinden. Deswegen bin ich froh, dass die Koalition im
Januar beschlossen hat, dass der Übergang aus dem Asylbewerberleistungsgesetz in
die Grundsicherung nicht mehr nach 18, sondern erst nach 36 Monaten stattfindet.
Das verringert Fehlanreize. Das trägt dazu bei, dass man sich auf eine
Beschleunigung der Verfahren einstellen kann. Das ist der richtige Weg.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen, gleichzeitig hat die
Ministerpräsidentenkonferenz gesagt, dass die Länder und Kommunen selber
Bezahlkarten einführen wollen. Es war der Wunsch der Ministerpräsidenten und es war
auch der Wunsch der Kommunen, Bezahlkarten einzuführen.</p>
<p klasse="J">Wenn man sich über Bezahlkarten unterhält, dann ist
es schon wichtig, sich einmal klarzumachen, warum es so was gibt wie das
Asylbewerberleistungsgesetz. Das Asylbewerberleistungsgesetz ist kein Instrument
der Dauerversorgung, sondern das Asylbewerberleistungsgesetz ist ein Instrument, um
während des laufenden Asylverfahrens eine menschenwürdige Versorgung
sicherzustellen. Je schneller das Asylverfahren beendet ist, desto besser.</p>
<kommentar>(Beifall des Abg. Dr. Martin Rosemann [SPD])</kommentar>
<p klasse="O">Je schneller wir wissen, ob jemand rechtmäßig in
Deutschland ist, desto besser. Je schneller wir wissen, ob jemand nicht rechtmäßig
in Deutschland ist, desto besser; denn dann kann man sich um die Rückführung
kümmern, so wie man sich um die Integration in den Arbeitsmarkt kümmert, wenn
jemand rechtmäßig in Deutschland ist.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der
SPD)</kommentar>
<p klasse="J">Deswegen müssen wir doch daran arbeiten, dass die
Verfahren schneller werden. Ich wundere mich schon, dass hier so getan wird, als
seien das Asylbewerberleistungsgesetz und die Bezahlkarte gewissermaßen
Lebensschicksale. Wir brauchen weniger Geduldete, wir brauchen schnellere
Verfahren, und wir brauchen mehr Klarheit darüber, wer rechtmäßig in Deutschland
ist und wer nicht rechtmäßig in Deutschland ist.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der
SPD)</kommentar>
<p klasse="O">Wenn wir das hinkriegen, dann ist die ganze
praktische Geschichte mit der Bezahlkarte im Grunde sehr schnell erledigt.</p>
<p klasse="J">Wenn wir den Kommunen und den Ländern zuhören und die
Kommunen und die Länder sagen: „Wir haben einen praktischen Hinweis an euch als
Bundesebene, und wir wünschen uns eine Erweiterung der rechtlichen Grundlage“, dann
sollten wir als Koalition sehr gut überlegen, ob wir nicht einfach für die Kommunen
und die Länder diese Rechtsänderung beschließen, damit die Bezahlkarte
flächendeckend und rechtssicher in Deutschland genutzt werden kann, liebe
Kolleginnen und Kollegen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD –
Stephan Stracke [CDU/CSU]: Der Bundeskanzler hat’s sogar versprochen! – Zuruf von
der CDU/CSU, an den Abg. Stephan Stracke [CDU/CSU] gewandt: Ja, genau!)</kommentar>
<p klasse="J">Wenn wir über den Bund sprechen, über die Länder
sprechen, über die Kommunen sprechen, dann müssen wir schon auch darüber sprechen,
wie unterschiedlich die Verfahren in Deutschland aktuell eigentlich aussehen. Ich
habe es gesagt: Je schneller ein Verfahren beendet ist, umso besser für die
Rechtsklarheit im Einzelfall, umso besser für die Lösung der praktischen Probleme
bei der Bezahlkarte.</p>
<p klasse="J">Es ist aber doch interessant, zu sehen, wie lang
beispielsweise die Asylgerichtsverfahren in Deutschland sind. In Nordrhein-
Westfalen dauert ein Asylgerichtsverfahren im Schnitt 21,5 Monate. In Brandenburg,
beim Spitzenreiter, sind es 35,3 Monate. Man muss sich ja nicht wundern, dass es zu
Schwierigkeiten bei der Klarheit über den Aufenthaltsstatus kommt, wenn es über
drei Jahre dauert, um herauszufinden, ob die Leute rechtmäßig hier sind oder nicht.
Dass das Ganze kein Naturgesetz ist, zeigt übrigens Rheinland-Pfalz mit einer Dauer
von 3,5 Monaten.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD –
Manuel Höferlin [FDP]: Aha! Wer regiert denn da? Wer ist denn da
Justizminister?)</kommentar>
<p klasse="J">Deswegen ist mein Appell an alle Verantwortlichen in
den Ländern, jetzt dazu beizutragen, dass die Asylverfahren schneller werden, dass
die Asylgerichtsverfahren schneller werden. Das können wir auf Bundesebene
begleiten, indem wir eine rechtssichere Grundlage für die Bezahlkarte schaffen. Wir
alle sollten an dieser Stelle als staatliche Ebenen unsere Hausaufgaben machen und
damit dazu beitragen, dass die Menschen sehen: Wir tun etwas für Ordnung und
Kontrolle in der Migrationspolitik, und unser Staat, unser Gemeinwesen ist
handlungsfähig.</p>
<p klasse="J">Herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP und der SPD)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Liebe Kolleginnen und Kollegen, bevor ich die
nächste Rednerin aufrufe, möchte ich noch mal daran erinnern, dass um 16.40 Uhr die
Urnen schließen sollen. Falls also ein Mitglied des Hauses noch nicht abgestimmt
hat: Bitte jetzt die Gelegenheit nutzen!</p>
<p klasse="J">Damit rufe ich für den Bundesrat die Ministerin aus
Baden-Württemberg, Marion Gentges, auf. Bitte schön.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015408300">
<p klasse="redner"><a id="r98"/><redner
id="999990143"><name><vorname>Marion</vorname><nachname>Gentges</nachname><rolle><r
olle_lang>Ministerin (Baden-Württemberg)</rolle_lang><rolle_kurz>Ministerin (Baden-
Württemberg)</rolle_kurz></rolle></name></redner>Marion Gentges, Ministerin (Baden-
Württemberg):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen
und Herren Abgeordnete! Meine sehr geehrten Damen und Herren!</p>
<p klasse="Z">„Sollten … angesichts der konkreten Ausgestaltung der
Bezahlkarte gesetzliche Anpassungen notwendig sein, wird die Bundesregierung diese
zeitnah auf den Weg bringen.“</p>
<p klasse="O">Das hat der Bundeskanzler am 6. November 2023 den
Regierungschefs der Länder zugesagt.</p>
<kommentar>(Nina Warken [CDU/CSU]: Hört! Hört!)</kommentar>
<p klasse="O">Darauf haben sich die Länder – darauf haben wir uns –
verlassen; wir haben unsere Hausaufgaben erledigt und sind startbereit. Ich
erwarte, dass die Regierungskoalition die Zusage des Bundeskanzlers nicht ins Leere
laufen lässt.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Ich möchte mich darauf verlassen können, dass Zusagen
der Bundesregierung auch umgesetzt werden. Ich möchte darauf vertrauen, dass das
Wort des Bundeskanzlers gilt, nicht allein dem Wortlaut, sondern auch dem Inhalt
nach.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Wolfgang Kubicki [FDP]: Wir
auch!)</kommentar>
<p klasse="J">Im Jahr 2023 verzeichnete das Bundesamt für Migration
und Flüchtlinge etwa 330 000 Asylerstanträge, eine Steigerung von über 50 Prozent
gegenüber dem Vorjahr, mehr als eine Verdoppelung gegenüber dem Jahr 2021 und mehr
als eine Verdreifachung gegenüber dem Jahr 2020. Die Asylsuchenden sind zusätzlich
zu den mehr als 1 Million Schutzsuchenden aus der Ukraine von den Ländern und
Kommunen unterzubringen. Dort kümmern sich Haupt- und Ehrenamtliche, für deren
Einsatz ich mehr als dankbar bin, um Versorgung und Integration, und sie stoßen
immer mehr an die Grenzen des objektiv Leistbaren – oder haben sie bereits
erreicht. Wir stoßen an Grenzen, was den zur Verfügung stehenden Wohnraum angeht,
was die personellen Ressourcen betrifft und auch mit Blick auf das, was
gesellschaftlich tragbar ist. Wir drohen die Menschen in diesem Land zu verlieren
und riskieren nicht weniger als unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Dieses Risiko dürfen wir nicht eingehen, und deshalb
brauchen wir eine Migrationspolitik, die die Zugangszahlen begrenzt. Den Stein der
Weisen gibt es auch insoweit nicht; aber es gibt eine Reihe von Maßnahmen, die
Wirkung zeigen können. Dazu gehört die Einführung einer Bezahlkarte. Neben der
Zielsetzung, Barauszahlungen einzuschränken und den Verwaltungsaufwand bei den
Kommunen zu minimieren, kommt es darauf an, Überweisungen in die Herkunftsstaaten
so weit wie möglich zu verhindern.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Tatsächlich werden teilweise erhebliche Teile
bezogener Leistungen an Familien in den Herkunftsstaaten transferiert.</p>
<kommentar>(Rasha Nasr [SPD]: Ganz schlimm!)</kommentar>
<p klasse="O">Nach Schätzungen der Bundesbank wurden 2022 von
Migrantinnen und Migranten allein nach Afghanistan mehr als 400 Millionen Euro
geschickt.</p>
<kommentar>(Rasha Nasr [SPD]: Ja, weil da kein ordentliches Leben
möglich ist! Schauen Sie doch mal dahin! 180 Euro, und deswegen machen Sie so ein
Fass auf!)</kommentar>
<p klasse="J">Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang beispielhaft
aus der E-Mail eines Nachhilfelehrers, der sich intensiv um Flüchtlinge kümmert, an
mein Haus zitieren. Er schreibt:</p>
<p klasse="Z">„All diese jungen Männer schickten von Anfang ihres
Aufenthalts in Deutschland Geld nach Hause, um ganze Großfamilien zu
finanzieren.“</p>
<kommentar>(Beate Müller-Gemmeke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Leute,
die arbeiten!)</kommentar>
<p klasse="Z">„Mir wurde von Fällen berichtet, wo die Hälfte der
Sozialleistungen nach Afghanistan transferiert wurde und die jungen Leute sich dann
ausschließlich von Nudeln und Tomatensoße ernährt und unter erbärmlichen
Bedingungen gelebt haben.“</p>
<kommentar>(Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wer hat Ihnen das
erzählt? – Markus Kurth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das wäre das erste Mal, dass Sie
sich für gesunde Ernährung von Geflüchteten interessieren! – Gegenruf von der
CDU/CSU: So ein Quatsch! – Weiterer Gegenruf des Abg. Alexander Hoffmann [CDU/CSU]:
Schämen Sie sich! Schämen Sie sich!)</kommentar>
<p klasse="Z">„Mehrere meiner Schützlinge sagen selbst: Wir sind
die Rente unserer Familien; deshalb haben sie uns hierhergeschickt.“</p>
<p klasse="O">Und er berichtet von einem Fall, in dem der Druck so
hoch gewesen sei, dass der betroffene junge Mann sich das Leben genommen habe.</p>
<kommentar>(Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das waren aber
keine Asylbewerber!)</kommentar>
<p klasse="J">Wenn es gelingt, Überweisungen in die
Herkunftsstaaten so weit wie möglich zu verhindern, nimmt der Druck auf die
Betroffenen ab, und wir reduzieren wirtschaftlich nachvollziehbare Anreize dafür,
einen Familienangehörigen auf einen lebensgefährlichen Weg nach Deutschland zu
schicken und dafür hohe Summen an kriminelle Schlepper zu zahlen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Rasha Nasr [SPD]: Heuchelei!
Hätten Sie wirklich Interesse, dann würden Sie nach anderen Lösungen suchen! Das
ist so eine Heuchelei hier! – Gegenruf des Abg. Stephan Stracke [CDU/CSU]: Hören
Sie mal lieber zu, dann lernen Sie noch was!)</kommentar>
<p klasse="O">Wenn es gelingt, Überweisungen in die
Herkunftsstaaten so weit wie möglich zu verhindern, haben diese Staaten im Übrigen
weniger Grund, die Zusammenarbeit, auf die wir bei Rückführungen angewiesen sind,
zu verweigern, weil es sich dann weniger rechnet, dass ein zur Rückkehr
verpflichteter Staatsangehöriger in Deutschland bleibt.</p>
<p klasse="J">Die Einführung der Bezahlkarte ist deshalb ein
richtiger und wichtiger Schritt. Wenn wir diesen Schritt jetzt gehen, müssen wir
aber sicherstellen, dass wir uns auf festem Grund bewegen. Wir brauchen und wir
fordern Rechtssicherheit.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Der bisher bestehende Rechtsrahmen ermöglicht es, in
Aufnahmeeinrichtungen den sogenannten notwendigen persönlichen Bedarf – vereinfacht
ausgedrückt: das Taschengeld – über eine Bezahlkarte zu decken. Selbst bei diesem
kleinen Anwendungsbereich, der bei Weitem nicht dem bei der vorgesehenen
Ausgestaltung der Bezahlkarte entspricht, bestehen allerdings bereits
datenschutzrechtliche Risiken aufgrund einer unzureichenden Ermächtigung zur
Datenweitergabe an den Dienstleister.</p>
<kommentar>(Zuruf von der CDU/CSU: Aha!)</kommentar>
<p klasse="O">Und mit jeder Erweiterung des Anwendungsbereichs der
Bezahlkarte steigt das Risiko ohne Rechtsänderung deutlich. Das gilt insbesondere
für Personen im Analogleistungsbezug.</p>
<kommentar>(Rasha Nasr [SPD]: Hat überhaupt jemand von der Union
zugehört? – Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was meinen Sie denn mit
„Anwendungsbereich“? Reden Sie doch mal Tacheles!)</kommentar>
<p klasse="O">Bereits das Risiko einer möglichen Rechtsunsicherheit
können wir uns aber nicht leisten,</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Wolfgang Kubicki
[FDP] – Stephan Stracke [CDU/CSU]: So ist es!)</kommentar>
<p klasse="O">zumal davon auszugehen ist, dass die Bezahlkarte
rechtlich auf den Prüfstand gestellt werden wird.</p>
<kommentar>(Andrea Lindholz [CDU/CSU]: Genau so ist
es!)</kommentar>
<p klasse="J">Flüchtlingsräte, zum Beispiel der aus Brandenburg,
halten bundesgesetzliche Änderungen zu Recht für notwendig und zeigen sich
klagewillig. Anzunehmen, dass keiner der nicht zum Zug kommenden Bewerber den
Klageweg beschreitet, scheint mir angesichts des Geschäftsvolumens, das mit einer
Bezahlkarte verbunden ist, naiv. Sollte sich aber dann erweisen, dass die
Rechtsgrundlage für die Bezahlkarte nicht ausreicht, hätten wir Steuergelder in
beträchtlicher Höhe verausgabt, ohne etwas dafür zu erhalten, und wir wären – aus
meiner Sicht wäre das noch schwerwiegender – bei der Umsetzung einer Maßnahme zur
Bewältigung der Probleme, vor die uns die viel zu hohen Zugänge stellen,
gescheitert – mit Ansage gescheitert. Dieses Versagen können wir uns nicht
leisten.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Johannes Huber
[fraktionslos] – Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie wollen das rechtswidrig
in Baden-Württemberg einführen, oder wie ist das zu verstehen?)</kommentar>
<p klasse="O">Von diesem Scheitern würden nur die profitieren, die
ihre Zustimmungswerte daraus ableiten, dass Probleme, vor denen wir stehen, nicht
gelöst werden.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Wolfgang Kubicki
[FDP] – Andrea Lindholz [CDU/CSU]: Ganz genau so ist es!)</kommentar>
<p klasse="J">Wir stehen in der Verantwortung, Probleme zu erkennen
und zu lösen – gemeinsam, in den Ländern und im Bund.</p>
<kommentar>(Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber
faktenbasiert, Frau Ministerin! Faktenbasiert!)</kommentar>
<p klasse="O">Wir Länder haben uns auf die Einführung einer
Bezahlkarte verständigt und die notwendigen Vorarbeiten geleistet.</p>
<kommentar>(Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Vom Hörensagen
eine diskriminierende Bezahlkarte einführen und hinterher das Gesetz ändern wollen:
Das geht nicht!)</kommentar>
<p klasse="O">Die Bundesregierung hat zugesagt, die Länder dabei zu
unterstützen. Jetzt kommt es darauf an, dass auch Sie, dieses Hohe Haus, Ihren
Beitrag leisten.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Rasha Nasr [SPD]: Ja, was
erzählen wir denn hier die ganze Zeit?)</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Liebe Kolleginnen und Kollegen, ist ein Mitglied des
Hauses anwesend, das seine Stimme noch nicht abgegeben hat?</p>
<kommentar>(Abg. Jens Teutrine [FDP] meldet sich und verlässt den
Plenarsaal)</kommentar>
<p klasse="O">– Aber dann jetzt sehr schnell; denn wir warten
jetzt.</p>
<kommentar>(Konstantin Kuhle [FDP]: Er hat ja geredet! Er wollte
höflich sein! – Manuel Höferlin [FDP]: Er hat ja geredet! – Gegenruf der Abg. Rasha
Nasr [SPD]: Ich habe auch geredet!)</kommentar>
<p klasse="O">– Ja, aber es gab vorher auch ein bisschen Zeit. Ich
meine: Eine Stunde! Ehrlich!</p>
<kommentar>(Konstantin Kuhle [FDP]: Ich habe es ihm
gesagt!)</kommentar>
<p klasse="O">– Das war jetzt eine ganz schlechte Ausrede. – Wenn der
Kollege sich vielleicht noch ein bisschen beeilen könnte; denn wir warten jetzt
wirklich!</p>
<kommentar>(Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Er rennt! – Andreas
Audretsch [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Lauf, Jens, lauf!)</kommentar>
<p klasse="O">– Ja, jetzt läuft er.</p>
<kommentar>(Heiterkeit bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Sie sehen das ja nicht, aber da sind ganz schön viele
gelaufen vor einer Minute. Die müssen jetzt noch schnell ihre Stimme abgeben. –
Jetzt haben wir es geschafft.</p>
<p klasse="J">Damit schließe ich die Abstimmung und bitte die
Schriftführerinnen und Schriftführer, mit der Auszählung zu beginnen. Die
Ergebnisse dieser Wahlen werden wir dann später bekannt
geben.<sup>1</sup><fussnote><p>Ergebnis Seite 19694 A</p></fussnote></p>
<p klasse="J">Wir fahren fort in der Debatte, und als Nächstes erhält
das Wort Helge Lindh für die SPD-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<rede id="ID2015408400">
<p klasse="redner"><a id="r99"/><redner
id="11004802"><name><vorname>Helge</vorname><nachname>Lindh</nachname><fraktion>SPD
</fraktion></name></redner>Helge Lindh (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Frau Landesministerin Gentges, Sie haben versucht, betont sachlich und
faktenbasiert zu sprechen. Nur entlässt Sie das nicht aus der Verantwortung des
Faktenchecks. Wenn man als Vergleichsgröße Zahlen von 2020, aus der Coronazeit,
verwendet und sie zum Vergleich mit der jetzigen Situation heranzieht, ist das
wissenschaftlich nicht redlich. Wir hatten eine Coronaphase, und selbstverständlich
hatten wir da andere Flüchtlingszahlen. Wenn wir faktenbasiert reden wollen, dann
wäre es bei der ohnehin so aufgeladenen Debatte um Migration einfach sinnvoll, wenn
wir das dann tatsächlich auch tun würden.</p>
<p klasse="J">Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und
Kollegen, es gibt Vereinbarungen der MPK. Es wurde ein MPK-Beschluss auf der Basis
von Absprachen zwischen den Ländern und dem Bund gefasst, rückgekoppelt mit den
kommunalen Spitzenverbänden. Es gibt auch eine Protokollerklärung von Bremen und
Thüringen, die sich ebenfalls explizit für eine diskriminierungsfreie Bezahlkarte
aussprechen. Alles beinhaltet die Vereinbarung, bundeseinheitliche Standards zu
setzen und bei Bedarf auch auf Bundesebene gesetzgeberisch tätig zu werden.
Entsprechende Formulierungsvorschläge sind im BMAS in Arbeit bzw. schon
ausgearbeitet. Das ist der Tatbestand – sehr unspektakulär. So sieht es gegenwärtig
aus.</p>
<kommentar>(Yannick Bury [CDU/CSU]: Wir haben ja noch Zeit! –
Weiterer Zuruf von der CDU/CSU]: Dann macht es doch!)</kommentar>
<p klasse="J">Hinzu kommt – ich erwähne das, weil ich der Meinung
bin, dass man faktenbasiert argumentieren sollte –, liebe Union, dass auch
hochgeschätzte Sachverständige, die Sie wiederholt in den Ausschuss berufen haben,
wie Herr Thym, sagen, dass es aus ihrer Sicht nicht zwingend notwendig sei, das
bundesgesetzlich zu regeln, zugleich aber durchaus hilfreich, um Rechtssicherheit
zu schaffen und bei Klageverfahren entsprechend Verlässlichkeit zu erzeugen. Diese
Nuancen sterben immer in Ihren Argumentationen und bleiben unerwähnt; aber Sie
sollten auch auf Ihre eigenen Sachverständigen hören, damit wir ein umfassendes
Bild von der ganzen Situation haben.</p>
<p klasse="J">Ich war letztens auf einer Demonstration für
Demokratie in meiner Heimatstadt. Sie können es sich vorstellen: Auch viele sehr
links orientierte Diskutanten hat das Thema Bezahlkarte emotionalisiert. Auch unser
örtlicher Caritasdirektor sah sie als Ausdruck eines Rechtsrucks, als Dammbruch.
Ich war – Sie können es sich vorstellen – mit ihm nicht einer Meinung und habe das
auch entsprechend mit ihm ausdiskutiert.</p>
<p klasse="J">Dann aber lese ich die Äußerungen und die Fragen des
Abgeordneten Pilsinger, und da vergehen mir langsam alle Möglichkeiten der
Nachsichtigkeit mit der Union. Da sagt er doch ernsthaft, dass es nicht angehe,
wenn auf Kosten des deutschen Steuerzahlers Geflüchtete mit Bezahlkarten Alkohol
und Zigaretten erwerben würden. Er sagt darüber hinaus, wer für mehr als 200 Euro
Taschengeld rauchen und saufen wolle, der solle dafür gefälligst arbeiten.</p>
<kommentar>(Zurufe von der CDU/CSU: Ja! – Genau! – Petr Bystron
[AfD]: Recht hat er! Stimmt doch!)</kommentar>
<p klasse="O">Wenn er so argumentiert, dann fällt es mir
tatsächlich schwer, auf Basis von Fakten und Sachlichkeit mit meinem
Caritasdirektor zu sprechen; denn eine solche Bezahlkarte, wie Herr Pilsinger und
andere sie sich vorstellen, will die Ampelkoalition gewiss nicht, und vernünftige
Bundesländer wollen sie auch nicht in dieser Form.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Kordula
Schulz-Asche [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] – Stephan Stracke [CDU/CSU]: Aha! Also nach
Cannabis jetzt auch alles andere! Alles klar!)</kommentar>
<p klasse="J">Im Übrigen rate ich Herrn Pilsinger, auch einmal zu
überlegen, ob es nicht sein könnte, dass der Durchschnittsdeutsche wahrscheinlich
mehr säuft als jeder Geflüchtete aus Syrien, Afghanistan oder der Türkei.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD)</kommentar>
<p klasse="J">Und da sind wir beim entscheidenden Punkt: Wir können
doch jede Form einer vernünftigen Debatte und eines Bündnisses bei Demonstrationen,
bei denen auch Leute zugegen sind, die restriktive Vorstellungen von Migration
haben, und solche, die sehr offenheitsorientierte Vorstellungen haben, vergessen,
wenn eine solche Tonalität von Ihnen angeschlagen wird, eine solche Tonalität, bei
der man nur sagen kann, dass sie schier rassistisch ist. Meinen Sie ernsthaft, dass
die Menschen dämlich sind? Was sagen Fachkräfte aus Ägypten, wenn sie hören, welche
Bilder im Zusammenhang mit der Bezahlkarte verbreitet werden?</p>
<kommentar>(Stephan Stracke [CDU/CSU]: Vor allem, wenn die Leute
Ihre Rede hören! Dann verzweifeln alle!)</kommentar>
<p klasse="J">Darum geht es. Niemand stellt in Abrede, dass wir
ernsthaft über sinnvolle Instrumente sprechen wollen. Aber Sie müssen sich in
diesem Moment auch vor dem verantworten, was mir Armin Kurtović am letzten Sonntag
in Hanau gesagt hat. Da geht es nicht um einzelne Details von Migrations- und
Asylpolitik; dazu haben auch die Hinterbliebenen von Hanau unterschiedliche
Auffassungen. Aber er sagte mir: Für mich ist Remigration Realität geworden. Ich
fühle mich nicht mehr wohl in diesem Land, wenn ich höre, dass meine Kinder
offensichtlich kleine Paschas sind. Für mich ist kein Platz hier. – Das müssen Sie
sich mal klarmachen! So nimmt er das wahr. Das sind die Bilder, die verbreitet
werden, wenn wir über rauchende und saufende Geflüchtete sprechen. Der Ton macht
die Musik.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Alexander Throm [CDU/CSU]: Das gilt aber auch für
Sie!)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Kommen Sie bitte zum Schluss.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004802"><name><vorname>Helge</vorname><nachname>Lindh</nachname><fraktion>SPD
</fraktion></name></redner>Helge Lindh (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Das sind die Bilder, die Sie verbreiten. Wollen Sie
ernsthaft ein Land, in dem wir sagen, –</p>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege Lindh, kommen Sie bitte zum
Schluss.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004802"><name><vorname>Helge</vorname><nachname>Lindh</nachname><fraktion>SPD
</fraktion></name></redner>Helge Lindh (SPD):</p>
<p klasse="J_1">– dass Fachmigration gewünscht ist, Sie aber jedes
Mal, wenn wir über Instrumente sprechen, Recht und Ordnung mit rassistischem Muff
verbinden?</p>
<kommentar>(Stephan Stracke [CDU/CSU]: Das ist eine
Unverschämtheit, Herr Lindh! Mäßigen Sie sich! – Enrico Komning [AfD]: Sie haben
doch die Bomberjacke an und die Springerstiefel!)</kommentar>
<p klasse="O">Wenn das so ist, dann können wir dieses Land
vergessen. Diesen Weg der Unsachlichkeit und der faulen Kompromisse</p>
<kommentar>(Das Mikrofon wird abgeschaltet)</kommentar>
<p klasse="O">mit dem – –</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Wir fahren in der Debatte fort. Achten Sie doch
bitte ein wenig auf Ihre Redezeit!</p>
<p klasse="J">Der nächste Redner ist Klaus Ernst für die Gruppe
BSW.</p>
<kommentar>(Beifall beim BSW)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015408500">
<p klasse="redner"><a id="r100"/><redner
id="11003753"><name><vorname>Klaus</vorname><nachname>Ernst</nachname><fraktion>BSW
</fraktion></name></redner>Klaus Ernst (BSW):</p>
<p klasse="J_1">Meine sehr verehrten Damen und Herren! Frau
Ministerin Gentges, ich sage es gleich am Anfang: Ich halte Ihre Argumentation in
vielen Bereichen für sehr schlüssig. Auch wir sind der Auffassung, dass so eine
Bezahlkarte prinzipiell ein vernünftiger Weg ist, den man gehen sollte. Warum? Weil
wir damit weniger Bürokratie in den Gemeinden haben. Es führt zu einer Entlastung,
wenn dort sozusagen kein Bargeld mehr im Umlauf ist, und positiv ist auch, dass
neben der Ausgabe von Sachleistungen auch eine freie Kaufentscheidung mit der Karte
möglich sein wird. Im Prinzip stehen wir der Sache also positiv gegenüber.</p>
<p klasse="J">Allerdings sind einige Punkte unseres Erachtens zu
beachten:</p>
<p klasse="J">Erstens. Es dürfen keine Waren ausgeschlossen sein;
auch mein Vorredner hat schon darauf hingewiesen. Es ist dann wirklich Sache
desjenigen, der die Bezahlkarte benutzt, zu entscheiden, was er kauft und was er
nicht kauft.</p>
<p klasse="J">Zweitens. Wir sind auch dagegen, dass in irgendeiner
Form eine Überwachung mit dieser Karte stattfindet,</p>
<kommentar>(Beifall beim BSW)</kommentar>
<p klasse="O">dass also Profile erstellt werden: Wo kauft der
eigentlich ein? Wo kauft er nicht ein? Und was kauft er? Das alles muss meines
Erachtens ausgeschlossen sein.</p>
<p klasse="J">Wir wollen auch darauf achten, welche Unternehmen
sich eigentlich beteiligen dürfen. Sind das nur die großen Ketten, oder sind es
auch kleinere Unternehmen, kleinere Geschäfte, die daran beteiligt sind?</p>
<kommentar>(Stephan Stracke [CDU/CSU]: Ja, klar!)</kommentar>
<p klasse="O">– Sie sagen das so einfach: „Ja, klar“. – Ich gebe
mal ein Beispiel: Wenn ein Flüchtender mit seinem Kind zu einem Eisstand geht, dann
glaube ich nicht, dass automatisch klar ist, dass dessen Betreiber die Karte
annehmen kann. Wir müssen schon betrachten: Ist es so, dass tatsächlich eine breite
Streuung möglich ist, wo eingekauft wird oder nicht? Und deshalb sage ich auch: Es
ist notwendig, dass ein Restbetrag auf alle Fälle bar ausbezahlt wird, und zwar für
Dinge, die über die Karte nicht bezahlt werden können.</p>
<p klasse="J">Das, glaube ich, sind die Grundlagen, die wir
beachten müssen. Wenn sie beachtet werden, dann wären wir dafür, dass die
Regelungen gesetzgeberisch so gestaltet werden, wie es tatsächlich für möglichst
alle sinnvoll ist.</p>
<p klasse="J">Ich danke Ihnen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BSW)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank. – Der nächste und letzte Redner in
dieser Aktuellen Stunde ist Maximilian Mörseburg für die CDU/CSU-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015408600">
<p klasse="redner"><a id="r101"/><redner
id="11005159"><name><vorname>Maximilian</vorname><nachname>Mörseburg</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Maximilian Mörseburg
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen
und Herren! Frau Klose – Sie sind noch da –, Sie haben vorhin sinngemäß gesagt, wir
könnten hier heute lieber über die Ukraine und die anderen großen Krisen der Welt
als über die Bezahlkarte diskutieren.</p>
<kommentar>(Annika Klose [SPD]: Richtig! – Rasha Nasr [SPD]: Recht
hat sie!)</kommentar>
<p klasse="O">Ich verrate Ihnen mal ein Geheimnis: Wir haben diese
Woche einen Antrag zur Ukraine gestellt, nämlich zur Lieferung der Taurus-
Waffensysteme, und Sie haben ihn in namentlicher Abstimmung abgelehnt, Frau
Klose.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Annika Klose [SPD]: Wir
müssen ja nicht alles machen, was Sie beantragen!)</kommentar>
<p klasse="O">Und ich verrate Ihnen noch ein Geheimnis: Wenn Sie
als Bundesregierung einfach Ihren Job machen würden, dann müssten wir heute
überhaupt nicht über diese Bezahlkarte diskutieren.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Stephan Stracke [CDU/CSU]: So
schaut’s aus!)</kommentar>
<p klasse="J">Olaf Scholz sprach bei der Einigung mit den
Ministerpräsidenten von einem historischen Moment. Wenn man den SPD-Rednern hier
zuhört, hat man das Gefühl, Sie sind plötzlich gegen die Bezahlkarte.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Rasha Nasr [SPD]: Das ist
doch Schwachsinn! Haben Sie zugehört, oder nicht? Was erzählen Sie für einen Mist?
Das ist so langweilig, wirklich! Es ist langweilig! Meine Güte, echt!)</kommentar>
<p klasse="J">Vor allem die Grünen blockieren die notwendigen
Gesetzesänderungen, um Rechtssicherheit für die Bezahlkarte herzustellen. Sie
behaupten, die Bezahlkarte sei Schikane für Flüchtlinge.</p>
<kommentar>(Rasha Nasr [SPD]: Alle erzählen, wir führen die Karte
ein, und Sie stehen da und behaupten das Gegenteil! Das ist doch Quatsch! – Beate
Müller-Gemmeke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wir behaupten, dass sie unnötig
ist!)</kommentar>
<p klasse="O">Dabei ist es absolut zumutbar, vom Staat erhaltene
Leistungen mit einer EC-Karte zu bezahlen, und das werden auch Sie so sehen.
Deswegen liegt die Vermutung nahe, dass es Ihnen überhaupt nicht um die Bezahlkarte
geht,</p>
<kommentar>(Rasha Nasr [SPD]: Ihnen geht es nicht darum! – Beate
Müller-Gemmeke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ihnen geht es nicht um die
Bezahlkarte!)</kommentar>
<p klasse="O">sondern um die eigentliche Motivation von Ländern und
Bundesregierung an dieser Stelle, Migration zu steuern und zu verringern, indem
Pull-Faktoren reduziert werden und Sozialmissbrauch verhindert wird. Das wollen
insbesondere Sie von den Grünen überhaupt nicht. Wenn man Ihnen bei Ihren Reden
genau zuhört, dann weiß man: Sie leugnen, dass es Pull-Faktoren überhaupt gibt,</p>
<kommentar>(Rasha Nasr [SPD]: Das ist wissenschaftlich widerlegt!
Meine Güte! Echt!)</kommentar>
<p klasse="O">und Sie wollen Migration in dieses Land gar nicht
verringern.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Stephan Stracke [CDU/CSU]:
Jawoll! Das ist der wahre Grund!)</kommentar>
<p klasse="J">Das zeigt auch die unehrliche Argumentation von Herrn
Audretsch, der hier Markus Söder als Kronzeugen gegen diese Gesetzesänderung
anführt, obwohl Markus Söder in Person genau diese Gesetzesänderung gefordert
hat.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Rasha Nasr [SPD]: Und wer hat
es kritisiert? Ihr Parteivorsitzender! Ihr Parteivorsitzender hat die
Verhandlungsergebnisse der MPK kritisiert, und jetzt stehen Sie hier! Alles
Heuchler!)</kommentar>
<p klasse="J">Und jetzt werden weitere Argumente vorgeschoben,
weshalb man das Asylbewerberleistungsgesetz nicht ändern solle. Vor allem sagen
Sie, dass man eine Rechtsänderung gar nicht bräuchte, um die Bezahlkarte
einzuführen. Ja, richtig, es gibt auch den Weg drumherum. Aber es würde endlich
Rechtssicherheit herstellen für unsere Länder und für unsere Kommunen, die dadurch
den Prozess der Ausschreibung beschleunigen könnten. Die haben jetzt keine Zeit
mehr. Die brauchen diese Bezahlkarte und haben keine Zeit mehr für Ihre
Verzögerungstaktik.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Wir brauchen jetzt schnelle Lösungen, um die
Zugangszahlen zu reduzieren.</p>
<p klasse="J">Die Bezahlkarte ist dabei ein Weg von vielen. Aber es
ist eben der goldene Mittelweg zwischen Sach- und Geldleistungen, den sich die
Praktiker schon seit Jahren wünschen.</p>
<kommentar>(Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das stimmt doch
gar nicht! Die Praktiker sagen das Gegenteil!)</kommentar>
<p klasse="J">Sachleistungen würden die Zugänge an Menschen
reduzieren, weil zum Beispiel keine Gelder in die Heimat geschickt werden könnten.
Organisatorisch ist es aber bei den aktuellen Zugangszahlen kaum zu leisten,
Sachleistungen auszugeben. Die Bezahlkarte soll es ebenfalls nicht möglich machen,
Gelder ins Ausland zu überweisen, beispielsweise um Auslagen für Schlepper
zurückzubezahlen.</p>
<kommentar>(Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Oh
Mann!)</kommentar>
<p klasse="O">Dennoch werden die Menschen, die hier im Land leben,
mit der Bezahlkarte einkaufen können. Der Oberbürgermeister in Stuttgart wird sich
nicht bei mir melden müssen, dass er schon wieder mit mehr Bürokratie überschüttet
wird. Die Flüchtlinge erhalten ihre Leistungen nur in Deutschland und nicht im
Ausland. Pull-Faktoren werden reduziert, und trotzdem bleibt das Leistungsniveau am
Ende gleich.</p>
<p klasse="J">Ich bin sehr optimistisch, dass die Bezahlkarte ein
großer Erfolg sein wird. Vielleicht wird sie sogar so erfolgreich sein, dass wir
bald diskutieren, das Konzept Sachleistungen durch Bezahlkarte auf weitere Bereiche
im Sozialsystem auszuweiten.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Diese bisherige Debatte zeigt eindrucksvoll,</p>
<kommentar>(Rasha Nasr [SPD]: … dass Sie keine Ahnung vom Thema
haben!)</kommentar>
<p klasse="O">dass die Ampelkoalition im Grundsatz und auch
innerhalb ihrer Fraktionen völlig zerstritten ist, weil Sie eine ganz andere
Realitätswahrnehmung haben. Die Mehrheit von Ihnen hat ihre Meinung seit unserem
Antrag vom letzten Oktober Gott sei Dank um 180 Grad gewendet. Viele von Ihnen
erinnern sich ungern an diese Debatte. Man hat es ja heute auch wieder gesehen,
dass viele von Ihnen dieses System Bezahlkarte kategorisch ablehnen.</p>
<kommentar>(Rasha Nasr [SPD]: Sie haben nicht
zugehört!)</kommentar>
<p klasse="O">Gut so, dass ein Großteil von Ihnen es jetzt
eingesehen hat! Sie raufen sich jetzt hoffentlich endlich zusammen und machen
Tempo.</p>
<p klasse="J">Liebe Grüne, hören Sie bitte auf Ihren
Ministerpräsidenten, der von Stuttgart aus mal wieder deutlich macht, dass Sie hier
in Berlin auf dem völlig falschen Weg sind!</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Sorgen Sie dafür, dass die Länder die Bezahlkarte
jetzt schnellstmöglich einführen können!</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsidentin Aydan Özoğuz:</name>
<p klasse="J_1">Die Aktuelle Stunde ist beendet.</p>
<p klasse="J">Wir gehen weiter in der Tagesordnung; ich glaube, es wird
ein bisschen ruhiger.</p>
</tagesordnungspunkt>
<tagesordnungspunkt top-id="Zusatzpunkt 12 und 13">
<p klasse="J">Ich rufe die Zusatzpunkte 12 und 13 auf:</p>
<p klasse="T_ZP_NaS"><a id="t29"/> ZP 12 – Zweite und dritte
Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Vierten Gesetzes
zur Änderung des Bundesschienenwegeausbaugesetzes</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksachen <a
href="[Link] <a
href="[Link]
<p klasse="T_ZP_NaS"> Beschlussempfehlung und Bericht des
Verkehrsausschusses (15. Ausschuss)</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_ZP_NaS"><a id="t30"/> – Bericht des
Haushaltsausschusses (8. Ausschuss) gemäß § 96 der Geschäftsordnung </p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_ZP_NaS"><a id="t31"/> ZP 13 Beratung der
Beschlussempfehlung und des Berichts des Verkehrsausschusses (15. Ausschuss) zu dem
Antrag der Abgeordneten Wolfgang Wiehle, Dr. Dirk Spaniel, Dirk Brandes, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der AfD </p>
<p klasse="T_fett"> Die Deutsche Bahn AG zielgerichtet und
wirkungsvoll reformieren</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksachen <a
href="[Link] <a
href="[Link]
Buchstabe b</a></p>
<p klasse="J">Zu dem Gesetzentwurf der Bundesregierung liegt ein
Entschließungsantrag der Fraktion der CDU/CSU vor.</p>
<p klasse="J">Für die Aussprache ist eine Dauer von 39 Minuten
vereinbart. – Ich hoffe ja, dass ich irgendwann mal hochgucke und Sie einfach alle
schon sitzen. Das werden wir irgendwann noch mal hinkriegen.</p>
<kommentar>(Stefan Gelbhaar [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: In der Ruhe liegt
die Kraft!)</kommentar>
<p klasse="O">Wer sich unterhalten möchte, geht bitte raus, und die
anderen sind hoffentlich so weit.</p>
<p klasse="J">Dann eröffne ich die Aussprache, und das Wort erhält für
die Bundesregierung der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für
Digitales und Verkehr, Michael Theurer.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der FDP, der SPD und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<rede id="ID2015408700">
<p klasse="redner"><a id="r102"/><redner
id="11004914"><name><vorname>Michael</vorname><nachname>Theurer</nachname><rolle><r
olle_lang>Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Digitales und
Verkehr</rolle_lang><rolle_kurz>Parl. Staatssekretär
BMDV</rolle_kurz></rolle></name></redner>Michael Theurer, Parl. Staatssekretär beim
Bundesminister für Digitales und Verkehr:</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Direkt nach dem Finale der Europameisterschaft am 14. Juli in Berlin
wird der Startschuss gegeben: Nach dem Abpfiff ist der Anpfiff für die
Generalsanierung des deutschen Schienennetzes mit dem Korridor der Riedbahn
zwischen Frankfurt und Mannheim. Jeder siebte Fernzug in Deutschland geht über
diese Strecke. Und wenn sie ertüchtigt ist, hat das folglich positive Auswirkungen
auf das gesamte Schienennetz – ein kraftvolles Zeichen, dass wir die Infrastruktur
konsequent erneuern und das Fahren auf Verschleiß beenden, Sanierungsrückstand und
Investitionsstau abbauen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, die heute in zweiter und
dritter Lesung anstehende Novelle des Bundesschienenwegeausbaugesetzes, kurz:
BSWAG, ist nichts weniger als das Fundament für eine neue Finanzierungsarchitektur
der Schiene in Deutschland. Damit setzen wir eine zentrale Empfehlung der
Beschleunigungskommission Schiene in die Realität um. Das BSWAG ist ein Gesetz, das
im Interesse eines modernen Schienennetzes die einheitliche Finanzierung
ermöglicht, Bürokratie abbaut und die Realisierung beschleunigt.</p>
<p klasse="J">Wir ermöglichen die Instandhaltung und
Ersatzinvestitionen, IT-Leistungen für die Digitalisierung des Bahnbetriebs,
Verkehrsstationen als Tor zur Schiene – Stichwort „Zukunftsbahnhöfe“. Und wir
erwarten von der gemeinwohlorientierten Infrastruktursparte InfraGO, dass sie das
jetzt umsetzt, damit in Zukunft nicht mehr auf Verschleiß gefahren wird, sondern
damit wir eine moderne, leistungsfähige Schieneninfrastruktur in Deutschland
haben – für Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der FDP, der SPD und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Freiheit durch Mobilität ist die Grundhaltung der
Bundesregierung. Der Aufwand, meine Damen und Herren, für das parlamentarische
Verfahren, hat sich in besonderer Weise gelohnt.</p>
<p klasse="J">Danke an alle Mitglieder des Verkehrsausschusses und
des Haushaltsausschusses und auch an den Kollegen Dr. Florian Toncar für die
Verbesserungen, die im Sinne der Entbürokratisierung und der Flexibilisierung am
Gesetz vorgenommen werden konnten, etwa bei der Umsetzung mikroskopischer
Maßnahmen. Mit wenig Aufwand soll in Zukunft mehr Kapazität geschaffen werden.</p>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, wir stehen vor dem größten
Investitionsprogramm in die Schiene in der jüngeren Geschichte der Bundesrepublik
Deutschland. Zu den 42 Milliarden Euro, die in der mittelfristigen Finanzplanung
vorgesehen waren, kommen jetzt noch mal 27 Milliarden Euro dazu; ein ganz klares
Signal des Haushaltsgesetzgebers – des Bundestages, der Bundesregierung – für die
Schiene, für den zukunftsträchtigen Verkehrsträger Eisenbahn. Allein in diesem Jahr
sind es 12 Milliarden Euro, die in das Bestandsnetz gegeben werden. Mit diesem
Gesetz wird damit der Weg freigemacht für eine klimaneutrale Mobilität der
Zukunft.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Herr Staatssekretär. – Liebe Kolleginnen
und Kollegin, Sie haben gesehen: Die Sitzungsleitung hat gewechselt.</p>
<p klasse="J">Nach den mir vorliegenden Informationen schließen wir
morgen früh um 2.56 Uhr den Plenarsaal ab, was ich für einen äußerst glücklichen
Umstand halte, weil ich momentan allein in Berlin bin. Aber in allem Ernst: Ich
werde sehr sorgfältig darauf achten, dass die Redezeiten eingehalten werden. Ich
bitte vielleicht jetzt schon mal – Frau Katzmarek weiß meinen Herzenswunsch zu
befolgen – die Geschäftsführer, darüber nachzudenken, was wir in den nächsten
Stunden so machen werden.</p>
<p klasse="J">Nächster Redner ist für die CDU/CSU-Fraktion der Kollege
Michael Donth.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<rede id="ID2015408800">
<p klasse="redner"><a id="r103"/><redner
id="11004262"><name><vorname>Michael</vorname><nachname>Donth</nachname><fraktion>C
DU/CSU</fraktion></name></redner>Michael Donth (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Juni 2023: Die stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Carina Konrad
erklärt angesichts des Kabinettsbeschlusses zum Bundesschienenwegeausbaugesetzes,
liebevoll auch „BSWAG“ genannt, dass mit diesem Gesetz – ich zitiere sie – „der
Grundstein für eine Reform der Bahn gelegt“ wird.</p>
<kommentar>(Detlef Müller [Chemnitz] [SPD]: Da hat sie
recht!)</kommentar>
<p klasse="O">Weiter erklärt sie, dass die Infrastruktursparte
ausgegliedert und ein „Investitionsturbo im Ausbau und in der Instandhaltung des
Netzes“ gezündet werde; die „Digitalisierung der Schiene“ werde gefördert. Jetzt
haben wir Februar 2024. Und was ist von diesen großen Ankündigungen übrig?</p>
<p klasse="J">Erstens: Keine Reform der Bahn, keine Ausgliederung
der Infrastruktursparte!</p>
<kommentar>(Carina Konrad [FDP]: Was? – Matthias Gastel
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was? Wir haben die erste Reform seit 30 Jahren gemacht!
Ihr habt alles liegen, ihr habt alles laufen lassen!)</kommentar>
<p klasse="O">Es wurden lediglich zwei AGs zu einer AG
zusammengelegt. Aber sie arbeiten wie zuvor und noch etliche Jahre eigenständig
weiter. Da hilft auch keine große PR-Show von Bahn und Minister.</p>
<kommentar>(Detlef Müller [Chemnitz] [SPD]: Quatsch! – Carina
Konrad [FDP]: Das ist der Unterschied zwischen CSU-Verkehrsminister und FDP-
Verkehrsminister: Früher gab es nur Show, heute wird gemacht!)</kommentar>
<p klasse="J">Zweitens: Kein Investitionsturbo im Ausbau und in der
Instandhaltung! Das ist echt traurig; denn die Mittel für Neu- und Ausbau werden
gekürzt. Was ist mit den notwendigen zusätzlichen Mitteln für die Schiene, die die
Bahn bis 2027 – das ist übermorgen – auf 45 Milliarden Euro beziffert?</p>
<kommentar>(Detlef Müller [Chemnitz] [SPD]: Wer hat geklagt? Habt
ihr nicht geklagt?)</kommentar>
<p klasse="O">Die Bundesregierung weiß nicht, wie sich diese Summe
zusammensetzt, und will das dem Verkehrsausschuss allenfalls 2025 darlegen.</p>
<kommentar>(Carina Konrad [FDP]: Sie sollten mal im Gesetz und
nicht im „Spiegel“ lesen!)</kommentar>
<p klasse="O">Aber statt der von der Regierung zugesagten
45 Milliarden Euro werden es ja sowieso wohl nur 27 Milliarden Euro.</p>
<kommentar>(Christian Schreider [SPD]: Immer noch mehr als bei
euch! – Matthias Gastel [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Bei euch gab es
Nullen!)</kommentar>
<p klasse="J">Drittens. Die Digitalisierung der Schiene kommt
vorerst nicht. Es gibt keine Fahrzeugförderung, und die Fertigstellung der
digitalen Knoten in Stuttgart und Hamburg ist akut in Gefahr.</p>
<kommentar>(Detlef Müller [Chemnitz] [SPD]: Nein!)</kommentar>
<p klasse="J">Viertens. Eine Streichliste schreckt die
Öffentlichkeit auf.</p>
<kommentar>(Detlef Müller [Chemnitz] [SPD]: Die gibt es nicht! –
Matthias Gastel [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Es gibt keine Streichliste!)</kommentar>
<p klasse="O">Die Bahn weist darauf hin, dass es keine sei. Es
werde nur neu priorisiert, nicht gestrichen. Das heißt mit anderen Worten: Die
Projekte werden auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben. Das hat schon Habeck’sche
Qualität.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Detlef Müller [Chemnitz]
[SPD]: Wer hat geklagt? – Stefan Gelbhaar [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was ist euer
Vorschlag?)</kommentar>
<p klasse="J">Hinzu kommt: Siebenmal stand das BSWAG auf der
Tagesordnung der Ausschüsse, um dann jedes Mal ohne Begründung vertagt zu werden.
Das Gesetz wurde dadurch zwar älter, aber nicht besser.</p>
<kommentar>(Detlef Müller [Chemnitz] [SPD]: Doch!)</kommentar>
<p klasse="O">Und jetzt das Ergebnis: Kaum Änderungen an einem
Gesetz, das eigentlich doch Potenzial gehabt hätte. Denn das BSWAG ist die
rechtliche Grundlage für Investitionen in die Schienenwege. Mit der Novelle soll es
zusätzliche, wie es so schön heißt, optionale Finanzierungsmöglichkeiten durch den
Bund geben, wenn das Ministerium will, und damit erhöhte Investitionen in manche
Maßnahmen für die Schiene.</p>
<p klasse="J">Wenn man sich den Gesetzentwurf aber genauer
anschaut, stellt man fest: Es fehlt die Finanzierung der enormen Mehrkosten für die
Schienenersatzverkehre, für ihre Generalsanierungen. Es fehlt die Förderung von
Digitale-Schiene-Deutschland-Elementen auf Fahrzeug- und Infrastrukturseite.</p>
<kommentar>(Matthias Gastel [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Stimmt nicht!
Das ist falsch!)</kommentar>
<p klasse="O">Und es fällt kein Wort zur Mehrbelastung des
Schienengüterverkehrs während der Generalsanierung; aber der Schienengüterverkehr
ist bei Ihnen ja sowieso auf der Streichliste.</p>
<kommentar>(Detlef Müller [Chemnitz] [SPD]: So ein Quatsch! –
Matthias Gastel [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wer hat ihn denn auf 18 Prozent
Verkehrsanteil geschröpft? Drei CSU-Bundesverkehrsminister!)</kommentar>
<p klasse="J">Eigentlich ist das System so, dass über die LuFV das
Geld für die Sanierungen kommt und über das BSWAG das für Neu- und Ausbau. Das Geld
aus dem BSWAG aber geht jetzt auch noch in die Sanierungen. Für Neu- und Ausbau und
Digitalisierung bleibt dann eben deutlich weniger.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN]: Und jetzt mal ein Wort zu Scheuer!)</kommentar>
<p klasse="J">Im Gesetzentwurf ist noch davon die Rede, dass „nach
groben Schätzungen rund 7,5 Milliarden Euro“ auf die neuen Finanzierungsoptionen
entfallen. Sie wissen also auch da nicht, wo das Geld im Bahnkonzern hinfließt. Es
braucht endlich richtige strukturelle Änderungen und nicht einfach nur mehr Geld
für die DB, ohne dass sichergestellt ist, was damit passiert. Das schreibt Ihnen
auch der Bundesrechnungshof ins Stammbuch.</p>
<kommentar>(Detlef Müller [Chemnitz] [SPD]: Großer Bahnhof! –
Stefan Gelbhaar [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Dann sollten die mal Herrn Pofalla
einladen!)</kommentar>
<p klasse="J">Der Kampf aus der Koalition gegen Neu- und Ausbau der
Schiene erklärt diese Neuregelung womöglich. Die neue verkehrspolitische Sprecherin
der SPD, Isabel Cademartori, diffamiert den Schienenneubau als
„Hochgeschwindigkeitsluftschlösser“. Und der FDP-Haushälter Frank Schäffler, der
wohl bald im Aufsichtsrat der InfraGO sein wird, freut sich darüber, dass die
Mittel für Aus- und Neubau gekürzt werden.</p>
<p klasse="J">Ihre völlig konzeptlose und wirre Schienenpolitik
führt auf Dauer zu einem massiven Vertrauensverlust in diesen Verkehrsträger. Ich
bin gespannt, ob dieser Gesetzentwurf im Bundesrat nicht durchfällt, weil auch die
Länder sehen, dass er nichts taugt.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Matthias Gastel
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Schwache Rede! – Stefan Gelbhaar [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Die Rede war fast noch schwächer als die Performance der CDU/CSU-
Verkehrsminister!)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Herr Kollege Donth. – Nächster Redner
ist der Kollege Detlef Müller, SPD-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015408900">
<p klasse="redner"><a id="r104"/><redner
id="11003816"><name><vorname>Detlef</vorname><nachname>Müller</nachname><ortszusatz
>(Chemnitz)</ortszusatz><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Detlef Müller
(Chemnitz) (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten
und lieben Kolleginnen und Kollegen! Michael Donth, deine Rede hat mich jetzt ein
bisschen enttäuscht, weil du das gar nicht nötig hast, hier Fake News zu
verbreiten.</p>
<kommentar>(Stefan Gelbhaar [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: So wie Pofalla
ehedem!)</kommentar>
<p klasse="O">Du warst gestern im Ausschuss dabei. Du weißt das
besser, und du kannst das auch besser.</p>
<kommentar>(Michael Donth [CDU/CSU]: Nämlich?)</kommentar>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, manchmal fühlt man sich bei
verkehrspolitischen Diskussionen an ein Musikstück der Fantastischen Vier aus den
späten 1990er-Jahren erinnert: GVFG, BKS, StVO, PBefG, StVG und InfraGO.</p>
<kommentar>(Heiterkeit bei Abgeordneten der SPD)</kommentar>
<p klasse="O">Abkürzungen gäbe es also tatsächlich zur Genüge. Und
falls sich jemand hier im Raum um Aufklärung bemühen möchte, nur zu.</p>
<p klasse="J">Aber worum geht es denn in der vorliegenden Novelle
des Bundesschienenwegeausbaugesetz, dem – Achtung! – BSWAG? Wir brechen mit diesem
Gesetz erstmals die bisherige Unterscheidung zwischen der Finanzierung der
Instandhaltung und dem neuen Ausbau der Schieneninfrastruktur auf. Der
Gesetzentwurf ist damit ein Paradigmenwechsel, ein Gamechanger oder – ganz
oldschool – ein wirklicher Meilenstein in der Frage, wie wir die Modernisierung der
Schieneninfrastruktur in Deutschland angehen.</p>
<p klasse="J">Diese wird dringend benötigt, um den Bahnverkehr in
diesem Land langfristig verlässlicher, weniger störanfällig und damit für die
Kundinnen und Kunden besser zu machen. Denn gerade die am stärksten belasteten
Korridore des Schienennetzes sind in einem schlechten Zustand; das zeigt nicht
zuletzt der Netzzustandsbericht 2022. Deswegen ist es absolut richtig, dass die
Bundesregierung und der Deutsche Bundestag trotz schwieriger Haushaltslage in einem
ersten Schritt für die anstehenden Korridorsanierungen Mittel in Höhe von über
30 Milliarden Euro bereitstellen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, damit diese Mittel aber auch
tatsächlich abfließen, ist es wichtig, dass wir mit dieser Novelle auch die
erforderlichen rechtlichen Grundlagen für die Korridorsanierung endlich auf den Weg
bringen. Im Kern schaffen wir neue Finanzierungsoptionen für den Bund bei
Instandhaltungsmaßnahmen auf Schienenwegen. Damit ermöglichen wir umfangreiche
Investitionen in den Erhalt und die Ertüchtigung von Schienenwegen zusätzlich zur
bisherigen Nutzerfinanzierung.</p>
<p klasse="J">Für die 40 im Gesetz genannten Generalsanierungen
heißt das, dass bei einer Streckeninstandsetzung mehrere Baumaßnahmen gebündelt
werden können. Es muss eben nicht für jede bahntechnische Einrichtung – von der
Fahrleitung über den Gleiskörper bis hin zur Leit- und Sicherungstechnik – darauf
gewartet werden, dass der Abschreibungszeitraum erreicht wird oder der technische
Zustand eine Instandhaltung unabdingbar macht. Das spart Bau- und Sperrzeiten und
schafft die Grundlage für weniger Störanfälligkeit, mehr Verlässlichkeit, mehr
Kapazität, höhere Pünktlichkeit im Netz.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Im parlamentarischen Verfahren haben wir darüber
hinaus wichtige Punkte ins Gesetz aufgenommen. Wir haben mehr Flexibilität im
Bereich des freiwilligen Lärmschutzes und der Barrierefreiheit von Bahnsteigen
festgeschrieben. Zudem werden – Michael Theurer hat darauf hingewiesen – zukünftig
auch kleine und mittlere Maßnahmen für die Schaffung von Netzresilienz oder
Störfestigkeit im Schienennetz einfacher umsetzbar und können ohne langwierige
Prüfung von Kosten und Nutzen durch den Bund finanziert werden.</p>
<p klasse="J">Zu diesen Maßnahmen gehören beispielsweise
Abstellanlagen, Überleitstellen für den Gleiswechselbetrieb, Wende- und
Überholgleise oder Kreuzungsbahnhöfe. Das mag für Nichteisenbahner nach böhmischen
Dörfern klingen, aber diese Einrichtungen, die beispielsweise zum Überholen von
langsameren Zügen dienen, senken die Stör- und Verspätungsanfälligkeit im Netz
massiv. Leider wurden genau diese Anlagen viel zu lange vernachlässigt und fanden
keinen Finanzierungsrahmen.</p>
<p klasse="J">In den Verhandlungen konnten haushaltsrechtliche
Bedenken ausgeräumt werden. Damit ist der Weg zur Aufnahme dieser Maßnahmen
tatsächlich eröffnet worden. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle ausdrücklich
bei den Haushaltspolitikern der Koalitionsfraktionen, aber insbesondere beim
Finanzministerium und dem zuständigen Parlamentarischen Staatssekretär Florian
Toncar bedanken.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, jetzt geht es aber an die
Umsetzung dieser Maßnahmen durch die neu geschaffene DB InfraGO AG. Die
Korridorsanierungen müssen – und ich betone: müssen – ein Erfolg werden; denn wir
erwarten hier die klare Steuerung durch das BMDV. Das verdeutlichen wir nochmals
durch den vom Verkehrsausschuss beschlossenen Entschließungsantrag.</p>
<p klasse="J">Und wir haben klare Erwartungen an das noch im ersten
Halbjahr 2024 vorzulegende Moderne-Schiene-Gesetz. Hier müssen weitere
Handlungsempfehlungen der Beschleunigungskommission Schiene umgesetzt werden,
insbesondere die Beschleunigung und Vereinfachung von Elektrifizierungsmaßnahmen im
Netz und die Vereinfachung der Struktur und mehr Transparenz bei der
Eisenbahnfinanzierung. Wir müssen weg von den 189 verschiedenen
Finanzierungstöpfen.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, die Koalition steht zu ihrem
Wort. Wir stärken den Schienenverkehr in diesem Land und schaffen die Grundlage
dafür, dass die aktuellen Problemlagen schnellstmöglich abgestellt werden. Das
beweisen die Haushaltsbeschlüsse aus dem Januar. Das beweist auch der vorliegende
Gesetzentwurf.</p>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Herr Kollege Müller. – Nächster Redner
ist der Kollege Wolfgang Wiehle, AfD-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015409000">
<p klasse="redner"><a id="r105"/><redner
id="11004933"><name><vorname>Wolfgang</vorname><nachname>Wiehle</nachname><fraktion
>AfD</fraktion></name></redner>Wolfgang Wiehle (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte
Kolleginnen und Kollegen! Gestern war Bahnchef Lutz im Verkehrsausschuss. Er
berichtete über eine Streichliste, die es gar nicht geben soll. Er fuhr aber nicht
die zwei Haltestellen mit der Bahn, sondern kam mit dem Dienstwagen. Wenn es darauf
ankommt, wird das Auto genommen. Das ist nachvollziehbar. Dann darf Herr Lutz aber
nicht bei jeder Gelegenheit moralisieren und das Hohelied vom Klimaschutz
singen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Wer mit der Bahn fährt, kennt es: täglich
Verspätungen, täglich Zugausfälle. Die Deutsche Bahn ist in einem erbärmlichen
Zustand. Es reicht aber nicht, dort Milliarden Euro an Steuergeldern
hineinzustecken. Der Bund muss die Bahn endlich an die kurze Leine nehmen und
besser unter Kontrolle bekommen. Eine Bahnreform kriegt diese Regierung aber
einfach nicht hin!</p>
<p klasse="J">Heute reden wir über das
Bundesschienenwegeausbaugesetz.</p>
<kommentar>(Dr. Anja Reinalter [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Richtig!)</kommentar>
<p klasse="O">Fünf Monate hing dieses Gesetz im Verkehrsausschuss
fest. Selbst auf eine solche Miniänderung kann sich die Ampel nicht einigen.</p>
<kommentar>(Detlef Müller [Chemnitz] [SPD]: Miniänderung? So ein
Quatsch! – Stefan Gelbhaar [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wir haben uns geeinigt! Sie
sind wie immer in der Vergangenheit unterwegs! – Carina Konrad [FDP]: Wir beraten
hier gerade einen Gesetzentwurf in zweiter und dritter Lesung!)</kommentar>
<p klasse="O">Dieses Jahr gehen fast 12 Milliarden Euro Steuergeld
in die Instandhaltung der Schienenwege. Die Bahn will aber bis 2027 45 Milliarden
mehr. Die Regierung hat das Geld nicht und will nur 27 Milliarden geben. Dann winkt
der Bahnvorstand mit einer Streichliste. Da wedelt doch der Schwanz mit dem
Hund.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Der Bahnkonzern hat ein Eigenleben entwickelt: Er ist
wie ein Staat im Staate. Auch der Bundesrechnungshof kritisiert lautstark, dass der
Bund die Bahn zu schlecht steuert. Woran liegt das? Die Deutsche Bahn ist eine
Aktiengesellschaft. Vor 30 Jahren wollte man sie an die Börse bringen und nannte
das „Bahnreform“. Das ist aber längst vorbei. Nur die Strukturen sind noch da und
verhindern eine ordentliche Kontrolle der Bahn durch den Eigentümer, durch den
Bund. Diese Strukturen verleihen aber auch der großen roten Gewerkschaft EVG viel
Macht, und die SPD hält ihre schützende Hand darüber.</p>
<kommentar>(Dr. Dirk Spaniel [AfD]: Klüngelwirtschaft!)</kommentar>
<p klasse="O">Wenn man bei der Bahn wirklich etwas ändern will,
dann muss man aber die alten Zöpfe abschneiden.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Dr. Götz Frömming [AfD]: Jawohl!
Weg mit dem Filz!)</kommentar>
<p klasse="O">Wir brauchen eine neue Bahnreform. Aber das kriegt
diese Regierung einfach nicht hin!</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Es ginge auch anders. Vor fast einem Jahr hat die
AfD-Fraktion beantragt, andere Rechtsformen für den Bahnkonzern zu prüfen, damit
der Bund den Konzern besser unter Kontrolle bekommt.</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Stefan Gelbhaar [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="O">Diese Kontrolle sind wir den Steuerzahlern schuldig.
Wenn jedes Jahr 10 oder bald 20 Milliarden Euro an die Bahn gehen, ist das
notwendig.</p>
<kommentar>(Mike Moncsek [AfD]: Steuergeld!)</kommentar>
<p klasse="O">Die Kollegen von der Union wollen mit ihrem neuen
Entschließungsantrag auch mehr Kontrolle der Bahn durch den Bund. Nach ihrem
Lösungsvorschlag wird die Bahn aber in zwei Teile zerlegt. Ob das dann zum Ziel
führt, ist zweifelhaft. Deshalb werden wir von der AfD-Fraktion uns an der Stelle
enthalten.</p>
<kommentar>(Detlef Müller [Chemnitz] [SPD]: Das ist eh
egal!)</kommentar>
<p klasse="J">Die Ampel kündigt nun ein weiteres Bahngesetz an. Ich
frage Sie: Wie viele Jahre werden Sie dafür denn brauchen? Zugleich sagen Sie, dass
Sie mehr Geld in die Schiene als in die Straße investieren wollen.</p>
<kommentar>(Detlef Müller [Chemnitz] [SPD]: Richtig!)</kommentar>
<p klasse="O">Wie die Realität aussieht, hat der Bahnchef gestern
unfreiwillig vorgemacht: Die Straße wird die Hauptlast des Verkehrs tragen. Auch
die Prognosen Ihrer Regierung sagen das ja deutlich: Wer den Straßenbau
vernachlässigt, der bekommt noch mehr Staus und noch mehr kaputte Brücken. Das kann
man doch bei klarem Verstand einfach nicht wollen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Eine Bahnreform kriegt diese Regierung einfach nicht
hin! Die AfD fordert eine neue Struktur für den Bahnkonzern. Dann funktioniert die
Kontrolle des Bundes, und nur dann hat mehr Steuergeld auch eine gute Wirkung. Ihr
verkorkstes Gesetz lehnen wir aber ab.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank. – Nächster Redner ist der Kollege
Matthias Gastel, Bündnis 90/Die Grünen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015409100">
<p klasse="redner"><a id="r106"/><redner
id="11004278"><name><vorname>Matthias</vorname><nachname>Gastel</nachname><fraktion
>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Matthias Gastel (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen!
Liebe Kollegen! Wir haben in Deutschland leider ein Schienennetz, das dadurch
auffällt, dass es in weiten Teilen marode und völlig überlastet ist. Deswegen
müssen wir bei der Sanierung, bei Aus- und Neubau schneller werden.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Den ersten Schritt dazu haben wir mit dem
Genehmigungsbeschleunigungsgesetz bereits getan; ich komme gleich noch mal darauf
zu sprechen.</p>
<p klasse="J">Jetzt gehen wir mit dem
Bundesschienenwegeausbaugesetz den zweiten Schritt. Dazu hatte die Bundesregierung
einen Gesetzentwurf vorgelegt. Hier war schon klar, dass wir die
Korridorsanierungen finanzieren, um die bestehenden Strecken schneller und
umfassender zu sanieren, sodass hinterher so etwas wie eine Neubaustrecke mit
höherer Leistungsfähigkeit und vor allem mit geringerer Störanfälligkeit da ist.
Mit dem Gesetzentwurf lassen wir mehr als eine Eins-zu-eins-Ersatzmaßnahme zu.
Beispielsweise dürfen Bahnsteige auch länger und barrierefrei gebaut werden.</p>
<p klasse="J">Wir werden mehr investieren und ermöglichen die
Finanzierung für präventive Instandhaltung. Das ist wichtig, damit es zu weniger
Störungen kommt und auftretende Störungen schneller bekannt werden und schneller
behoben werden können, damit der Verkehr wieder fließen kann.</p>
<p klasse="J">Ganz zentral ist, dass wir mit der Leistungs- und
Finanzierungsvereinbarung verbundene Fehlregulierungen oder Fehlanreize abschaffen:
dass nämlich bei der Sanierung gespart wird, um später teure Ersatzinvestitionen zu
tätigen, die der Bund übernimmt. Bisher ist es so: Die DB kann bei der Sanierung
sparen, und der Bund springt dann, wenn der Schaden groß genug ist, ein.</p>
<kommentar>(Michael Donth [CDU/CSU]: Das macht er doch jetzt
auch!)</kommentar>
<p klasse="O">Diesen Fehlanreiz beseitigen wir jetzt mit diesem
Gesetz.</p>
<kommentar>(Michael Donth [CDU/CSU]: Dann springt er nicht
ein?)</kommentar>
<p klasse="J">Wir haben im parlamentarischen Verfahren noch weitere
Verbesserungen an dem Gesetzentwurf durchgebracht, indem wir die Finanzierung durch
den Bund beispielsweise bei kleinen und mittleren Maßnahmen ermöglichen bzw.
erleichtern. Da geht es um zusätzliche Weichen für mehr Resilienz, es geht um
Überholgleise und andere Maßnahmen, mit denen die Kapazität und die betriebliche
Flexibilität im Bestand verbessert wird.</p>
<p klasse="J">Wir schaffen mit einem Änderungsantrag die
Förderfähigkeit bei den Abstellanlagen. Wenn wir mehr Züge wollen, die fahren,
brauchen wir auch mehr Platz, um die Züge abzustellen. Das wird jetzt förderfähig.
Förderfähig wird auch die umfassende Digitalisierung der Schiene, aber, lieber
Kollege Donth, durchaus auch der Fahrzeuge.</p>
<kommentar>(Michael Donth [CDU/CSU]: Hat mich da der Staatssekretär
angelogen, als ich gefragt habe? – Heiterkeit des Abg. Mike Moncsek
[AfD])</kommentar>
<p klasse="O">Denn nur, wenn die Fahrzeuge entsprechend umgerüstet
werden – und das funktioniert nur mit einer Förderung –, können wir die
Digitalisierung wirksam in die Schiene bringen. Das machen wir jetzt möglich. Das
heißt: Die Wochen, die wir noch in Verhandlungen investiert haben, waren gut
investiert, weil wir jetzt einen guten Gesetzentwurf mit einem noch besseren
Änderungsantrag vorliegen haben.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Es geht also darum, dass wir schneller sanieren, dass
wir schnell in den Aus- und in den Neubau kommen, damit wir die Kapazitäten im
Schienennetz erhöhen. Das ist die Grundlage dafür, dass wir mehr Güter- und
Personenverkehre von der Straße und vom Flugverkehr auf die umwelt- und
klimafreundlichere Schiene verlagern können. Das ist auch die Voraussetzung dafür,
dass die Züge endlich pünktlicher fahren können. Das ist doch das, wonach sich die
Fahrgäste sehnen. Sie wollen ja mit der Bahn fahren, aber sie wollen eben auch ein
verlässliches Verkehrsmittel, und mit diesem Gesetz schaffen wir dafür die
Grundlagen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen, es bleibt natürlich
immer noch einiges zu tun, beispielsweise wenn es um eine verlässlichere
Finanzierung geht. Die Deutsche Bahn findet bis zu 180 Finanzierungstöpfe vor. Das
ist viel zu komplex. Das muss alles übersichtlicher und einfacher werden bei
Projekten, die über Jahre geplant und umgesetzt werden, beispielsweise mit einem
Fonds; gucken wir in benachbarte Länder wie nach Österreich oder in die Schweiz.
Projekte müssen einfacher und überjährig, mehrjährig finanziert werden; das ist
ganz wichtig, um zügiger voranzukommen. Wir brauchen also eine größere
Unabhängigkeit von den jährlichen Haushaltsplänen des Bundes.</p>
<p klasse="J">Wir müssen auch an die Trassenpreisentwicklung
denken. Wenn wir hier nämlich nicht eingreifen, dann wird es für den Fernverkehr
und für den Güterverkehr immer teurer. Deswegen werden wir an die Struktur der
Trassenpreise herangehen müssen, damit über die Trassenpreise Impulse dafür gesetzt
werden, mehr Transport auf die Schiene zu bringen und nicht immer teurer zu werden.
Diese Struktur, die wir anpacken müssen, wurde übrigens von Vorgängerregierungen
geschaffen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der
FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, wir haben als Ampelkoalition
in den letzten etwas mehr als zwei Jahren wirklich viel erreicht.</p>
<kommentar>(Lachen bei Abgeordneten der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Wir haben einen massiven Aufwuchs der Mittel für
Investitionen in die Schiene. 2023, im letzten Jahr, waren es etwa 9,7 Milliarden
Euro, die der Bund für die Schiene gegeben hat, im laufenden Jahr werden es rund
16 Milliarden Euro sein. Es gab noch nie einen so großen Sprung bei Investitionen
in eine leistungsfähigere und zuverlässigere Schiene, wie wir ihn geschafft
haben.</p>
<kommentar>(Beifall der Abg. Kordula Schulz-Asche [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN] und Uwe Schmidt [SPD])</kommentar>
<p klasse="O">Es bleibt aber noch die Aufgabe, mehr Verlässlichkeit
in der mittel- und langfristigen Finanzierung zu gewährleisten. Das müssen wir als
Koalition dieses Jahr noch hinkriegen.</p>
<p klasse="J">Die Trassenpreissysteme habe ich angesprochen. Wir
haben auch das Genehmigungsbeschleunigungsgesetz auf den Weg gebracht, in dem wir
alle Schienenprojekte in Deutschland zum überragenden öffentlichen Interesse
erklärt haben, womit es in der Planung und in der Umsetzung schneller gehen
soll.</p>
<kommentar>(Lachen des Abg. Michael Donth [CDU/CSU] – Michael Donth
[CDU/CSU]: Das ist doch höchstens ein Reförmle!)</kommentar>
<p klasse="O">Wir haben mit InfraGO die erste Strukturreform bei
der Deutschen Bahn seit 30 Jahren gemacht. Heute sorgen wir für die Vereinfachung
und die Ausweitung der Finanzierung.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, unsere Ziele als Koalition
sind klar.</p>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege, kommen Sie bitte zum Schluss.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004278"><name><vorname>Matthias</vorname><nachname>Gastel</nachname><fraktion
>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Matthias Gastel (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Es geht darum, die Verkehrsanteile der Schiene im
Güter- und im Personenverkehr zu erhöhen, mehr Zuverlässigkeit hinzukriegen.</p>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege, bitte, ich entziehe Ihnen gleich das
Wort.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004278"><name><vorname>Matthias</vorname><nachname>Gastel</nachname><fraktion
>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Matthias Gastel (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Dafür sind die Investitionen in die Schiene. Und
wir müssen die Klimaziele im Verkehrsbereich erreichen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der
FDP)</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Ich meine, Sie hatten schon sechs Minuten Redezeit.</p>
<p klasse="J"><a id="e3"/>Bevor ich der von mir geschätzten Kollegin
Carina Konrad von der FDP das Wort erteile, unterbreche ich die Aussprache kurz und
komme zurück zu den Tagesordnungspunkten 10 und 11 sowie
Zusatzpunkt 9.<sup>1</sup><fussnote><p><a href="ANL7">Namensverzeichnis der
Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Wahlen siehe Anlage 7</a></p></fussnote> </p>
<p klasse="J">Tagesordnungspunkt 10. Zunächst gebe ich Ihnen das von
den Schriftführerinnen und Schriftführern ermittelte Ergebnis der Wahl eines
Stellvertreters der Präsidentin des Deutschen Bundestages im ersten Wahlgang
bekannt:</p>
<p klasse="J">Abgegebene Stimmen 660, ungültige Stimmen 0. Mit Ja haben
gestimmt 86 Abgeordnete, mit Nein haben gestimmt 560 Abgeordnete, 14 Kolleginnen
und Kollegen haben sich enthalten. Der Abgeordnete Jan Nolte hat die erforderliche
Mehrheit von mindestens 369 Stimmen damit nicht erreicht. Er ist nicht zum
Stellvertreter der Präsidentin gewählt worden.</p>
<p klasse="J">Tagesordnungspunkt 11 sowie Zusatzpunkt 9. Ich gebe das
von den Schriftführerinnen und Schriftführern ermittelte Ergebnis der Wahl von zwei
Mitgliedern des Parlamentarischen Kontrollgremiums gemäß Artikel 45d des
Grundgesetzes bekannt:</p>
<p klasse="J">Abgegebene Stimmen wiederum 660. Von den abgegebenen
Stimmen entfielen auf Marc Henrichmann, CDU/CSU-Fraktion, 521 Jastimmen,
92 Neinstimmen und 47 Enthaltungen – keine ungültigen Stimmen –, auf den Kollegen
Gereon Bollmann entfielen 68 Jastimmen, 578 Neinstimmen, bei 12 Enthaltungen und 2
ungültigen Stimmen.</p>
<p klasse="J">Der Abgeordnete Marc Henrichmann hat die nach § 2
Absatz 3 des Gesetzes über die parlamentarische Kontrolle nachrichtendienstlicher
Tätigkeit des Bundes erforderliche Mehrheit von 369 Stimmen erreicht. Er ist damit
als Mitglied des Parlamentarischen Kontrollgremiums gewählt. Der Abgeordnete Gereon
Bollmann hat die erforderliche Mehrheit nicht erreicht. Er ist damit
selbstverständlich auch nicht gewählt.</p>
<p klasse="J">Wir kommen zurück zur Aussprache zur Änderung des
Bundesschienenwegeausbaugesetzes.</p>
<p klasse="J">Ich erteile das Wort der Kollegin Carina Konrad, FDP-
Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</kommentar>
<rede id="ID2015409200">
<p klasse="redner"><a id="r107"/><redner
id="11004789"><name><vorname>Carina</vorname><nachname>Konrad</nachname><fraktion>F
DP</fraktion></name></redner>Carina Konrad (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Deutschland ist ein modernes Land; und ein modernes Land braucht eine
moderne Infrastruktur. Das Gesetz, das wir hier heute verabschieden, ist ein ganz
zentraler Baustein auf dem Weg dorthin. Deshalb danke ich allen, die daran
beteiligt waren, auch dem Bundesfinanzministerium, auch den Beteiligten im
Bundesverkehrsministerium. Vielen Dank, dass das gelungen ist!</p>
<p klasse="J">Bis 2050 erwarten wir ungefähr eine Verdoppelung im
Güterverkehr. Auf der Schiene werden sich die Verkehre um fast ein Drittel erhöhen.
Da muss man sich doch die Frage stellen, wie das erfolgen soll; denn die
Infrastruktur, die wir nach 16 Jahren Union übernommen haben, ist in einem
erbärmlichen Zustand.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN – Michael Donth [CDU/CSU]: Ah!)</kommentar>
<p klasse="J">Die Verkehre müssen fließen können; denn sonst hätte
unser Land erhebliche Wachstumseinbußen. Aber ein modernes Land braucht Wachstum.
Unsere Wirtschaft muss wachsen, deshalb gehört zur Wirtschaftswende auch eine
moderne Infrastruktur, und dafür legen wir die Grundlagen.</p>
<kommentar>(Lachen des Abg. Ulrich Lange [CDU/CSU])</kommentar>
<p klasse="O">– Es ist schon schlimm, wenn Sie so lachen.</p>
<p klasse="J">Volker Wissing ist der erste Verkehrsminister dieser
Bundesrepublik, der sich seit Langem die Frage stellt, wie die Verkehre überhaupt
bewältigt werden sollen.</p>
<kommentar>(Michael Donth [CDU/CSU]: Wo ist er denn heute, wenn ihm
das wichtig ist?)</kommentar>
<p klasse="O">Denn die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit unseres
Landes hängt an der Infrastruktur.</p>
<kommentar>(Dr. Christoph Ploß [CDU/CSU]: Warum ist er nicht da? –
Ulrich Lange [CDU/CSU]: Er könnte doch noch kommen, oder? Gestern wolltet ihr ihn
auch nicht haben!)</kommentar>
<p klasse="O">Und was haben wir vorgefunden? Wir haben 4 000
bröckelnde Brücken vorgefunden. Wir haben die Planfeststellungen jetzt rausgenommen
und bauen ohne Umweltverträglichkeitsprüfungen die Brücken schneller neu. Wir haben
Staus auf den Straßen und beseitigen jetzt diese vorgefundenen Engpässe; der
Kollege Gastel hat das Planungsbeschleunigungsgesetz erwähnt. Überall haben wir es
mit verspäteten Zügen zu tun.</p>
<p klasse="J">Sie reden von einem Kahlschlag bei der Bahn. Dazu
will ich Ihnen kurz drei Sachen sagen und belegen, warum das falsch ist. Erstens
stellen wir die Finanzierung sicher. 31,5 Milliarden Euro mehr für Investitionen in
die Schiene sind die finanziellen Voraussetzungen, die notwendig sind. Mein zweiter
Punkt: Wir haben ein neues Konzept, indem wir die Korridore sanieren; das wurde
schon erwähnt.</p>
<kommentar>(Florian Müller [CDU/CSU]: Das ist überhaupt nicht
neu!)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Frau Kollegin, kommen Sie zum Schluss bitte.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004789"><name><vorname>Carina</vorname><nachname>Konrad</nachname><fraktion>F
DP</fraktion></name></redner>Carina Konrad (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Und drittens sorgen wir mit Gesetzen wie dem heute
hier vorliegenden für die regulatorischen Voraussetzungen, dass die notwendige
Entbürokratisierung von Verfahren auf den Weg gebracht wird, damit wir die
Verfahren beschleunigen können.</p>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Frau Kollegin, kommen Sie zum Schluss. Ich entziehe
Ihnen sonst das Wort.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004789"><name><vorname>Carina</vorname><nachname>Konrad</nachname><fraktion>F
DP</fraktion></name></redner>Carina Konrad (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Das ist ganz zentral, um unser Land nach vorne zu
bringen und um eine moderne Infrastruktur auch in der Zukunft zu gewährleisten.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Nächster Redner ist der Kollege Ulrich Lange,
CDU/CSU-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015409300">
<p klasse="redner"><a id="r108"/><redner
id="11004087"><name><vorname>Ulrich</vorname><nachname>Lange</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Ulrich Lange (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Nachdem es sich hier angeblich um einen Meilenstein in der Gesetzgebung handelt, um
das wichtigste Projekt, das wichtigste Gesetzgebungsverfahren im Schienenbereich,
bleibt schon die Frage – so sehr ich Sie schätze, Herr Kollege Theurer –: Wo ist
Volker Wissing?</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Matthias Gastel
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Die Frage ist: Warum haben Sie so ein Gesetz in den Jahren
zuvor nicht gemacht? Das ist die Frage!)</kommentar>
<p klasse="O">Ich begrüße sehr herzlich die
Bundesfamilienministerin; damit ist das Kabinett zumindest mit einem Ministerposten
in einer angeblich doch so wichtigen Debatte vertreten.</p>
<p klasse="J">Kollege Theurer hat von einer Generalsanierung
gesprochen, und die Kollegin Konrad hat soeben behauptet, die Brücken würden
erneuert. Und der Kollege Gastel hat gesagt, nach der Generalsanierung sei es eine
Neubaustrecke. Liebe Kolleginnen und Kollegen, was Sie hier betreiben, ist
Augenwischerei, nichts anderes.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Mike Moncsek [AfD]: Fake
News!)</kommentar>
<p klasse="J">Bei der Riedbahn wird keine einzige Brücke saniert.
Kein einziges Gewerk, das planfestgestellt werden muss, ist bei den
Hochleistungskorridoren inkludiert. Das heißt, das Wort „Generalsanierung“ dient zu
nichts anderem als zur Täuschung der Bahnkunden, liebe Kolleginnen und
Kollegen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Ich kann die Abkürzung „BSWAG“ auch ganz einfach
übersetzen: Bahn setzt wieder nur aufs Geld. Und der Minister ist dem DB-Konzern
auf den Leim gegangen.</p>
<kommentar>(Carina Konrad [FDP]: Ach, so war das in der
Vergangenheit!)</kommentar>
<p klasse="O">Denn am Ende gibt es nichts anderes als eine
Überweisung zur Erhöhung des Eigenkapitals.</p>
<p klasse="J">Lieber Kollege Gastel, ich habe mir ja von der DB mal
wieder schöne Folien besorgt. Sehen Sie hier irgendwo Fahrzeuge? – Nein. Fahrzeuge
und das, wovon Sie hier gerade erzählt haben, werden nicht finanziert.</p>
<kommentar>(Matthias Gastel [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Doch! – Zuruf
der Abg. Carina Konrad [FDP])</kommentar>
<p klasse="O">Ich habe von Ihnen in der Bahnpolitik mal was
gehalten. Seit Sie in der Regierung sind, muss ich Ihnen sagen: Es ist nichts
anderes als leeres Geschwätz, liebe Kolleginnen und Kollegen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Von einer Reform kann keine Rede sein, wenn nur das
Klingelschild gewechselt wird.</p>
<kommentar>(Zuruf der Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="O">Denn die InfraGO stellt keine Reform dar. Wir haben
Ihnen ein echtes Reformpaket vorgelegt. Grüne und FDP waren mal ähnlicher
Auffassung, die SPD hat das immer anders gesehen; das wissen wir. Reden Sie
jedenfalls nicht von einer Reform, wenn am Ende innerhalb des DB-Konzerns nur zwei
Türschilder zusammengelegt werden, liebe Kolleginnen und Kollegen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Eine Steuerung ist auch nicht möglich. Das sieht man
auch daran, dass Sie das Ganze, was Sie „Reform“ nennen, ohne Parlamentsbeteiligung
und intransparent gemacht und lediglich im Aufsichtsrat beschlossen haben. Dort ist
man nicht wirklich kompetent in der ganzen Breite vertreten. Was Sie machen wollen,
ist nichts anderes, als sich von der DB neues Geld geben zu lassen.</p>
<kommentar>(Valentin Abel [FDP]: Was? – Stefan Gelbhaar
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Es wird immer wirrer, wenn uns die DB Geld
gibt!)</kommentar>
<p klasse="O">Lieber Kollege Wissing, wenn Sie da wären, würde ich
wieder sagen: Schoßhündchen von Lutz und Huber!</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Zuruf der Abg. Carina Konrad
[FDP])</kommentar>
<p klasse="J">Die toxischen Strukturen werden nicht aufgelöst.
40 Hochleistungskorridore sollen bis 2030 saniert werden. Angeblich gibt es keine
Streichlisten, vielleicht eine andere Priorisierung. Ehrlich gesagt, wer gestern
den Vortrag der DB gehört hat, wusste: Hier wird man nicht ehrlich informiert. Das
ist völlig faktenfrei. Das kann nicht sein, was gestern im Ausschuss erzählt wurde,
liebe Kolleginnen und Kollegen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Bei den Sanierungen bleibt offen: Wie wird der
Schienenersatzverkehr finanziert? Durch Länder und Kommunen? Die Länder werden
einen Teufel tun, diesem Gesetz im Bundesrat zuzustimmen. 1 Milliarde Euro Kosten
allein für Busfahrer! Wer soll denn dafür aufkommen?</p>
<kommentar>(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Scheuer! Mit dem
Geld von Scheuer!)</kommentar>
<p klasse="O">Wie werden Umleitungsverkehre organisiert? Der
Wettbewerb wird damit kaputtgemacht. Auf die Frage, wie Nebenstrecken in der Fläche
funktionieren sollen,</p>
<kommentar>(Valentin Abel [FDP]: Komischerweise kriegen es manche
Bundesländer hin, nur Bayern nicht!)</kommentar>
<p klasse="O">wird lapidar geantwortet: Auch das wird erledigt. –
Seit 2015 – Stichwort „Zukunftsinvestitionsprogramm“ – warten Kommunen auf
barrierefreie Bahnhöfe. Das Geld haben sie; die Planung und Umsetzung hätte die DB
machen müssen. Nichts ist passiert! Auch beim ESTW ist seit 2018 nichts
passiert.</p>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege, kommen Sie zum Schluss bitte.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004087"><name><vorname>Ulrich</vorname><nachname>Lange</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Ulrich Lange (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Das Geld ist da. Aber die DB hat es nicht
geleistet. Wir glauben der DB nicht.</p>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege, Sie haben einen letzten Satz. Dann
entziehe ich Ihnen das Wort.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004087"><name><vorname>Ulrich</vorname><nachname>Lange</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Ulrich Lange (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Wir halten das nur für eine neue Blaupause. Ich
sage ganz offen: Das ist wie eine Reise durch das fiktive Bahn-Lummerland, was Sie
uns heute hier angeboten haben.</p>
<p klasse="J">Herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Stefan Gelbhaar
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist die Pofalla-Amnesie, die Sie da gerade
durchgespielt haben!)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Herr Kollege Lange. – Nächster Redner
ist der Kollege Christian Schreider, SPD-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der
FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015409400">
<p klasse="redner"><a id="r109"/><redner
id="11005213"><name><vorname>Christian</vorname><nachname>Schreider</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Christian Schreider (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Liebes Publikum! Wir alle können viele Geschichten erzählen über unsere
Fahrten mit der Deutschen Bahn. Und sie klingen meistens nicht gut, gar nicht gut:
Verspätungen, Umleitungen, Ausfälle – das volle Programm. Das alles hat vor allem
einen Grund: Nur weniges wurde in den vergangenen Jahren so vernachlässigt wie
deutsche Gleise, deutsche Weichen und deutsche Signale. Fahren auf Verschleiß,
Leben von der Substanz: wie bei so vielem in der Amtszeit Merkel. Verkehrsminister
waren bei ihr vor allem Asphaltminister.</p>
<kommentar>(Henning Rehbaum [CDU/CSU]: Und Finanzminister war
Scholz!)</kommentar>
<p klasse="O">Ramsauer, Dobrindt und Scheuer: Für das deutsche
Schienennetz hieß das übersetzt so viel wie: verlottert, verrottet, verrostet.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD)</kommentar>
<p klasse="J">Damit ist jetzt Schluss. Wir reißen die Bremsklötze
heraus. Wir ziehen die Konsequenzen. Eine der wichtigsten liegt vor Ihnen: das
Bundesschienenwegeausbaugesetz. Das klingt kompliziert, war es die ganze Zeit auch.
Aber wir machen es einfacher. Wir machen es vor allem einfacher, das Schienennetz
instand zu halten. Denn in diesem Gesetz steckt ein echter Richtungswechsel.</p>
<kommentar>(Ulrich Lange [CDU/CSU]: So geht es nicht!)</kommentar>
<p klasse="O">Erstmals darf der Bund die Instandhaltung der Gleise
fördern, plus die Barrierefreiheit, plus mehr Lärmschutz. Das sind alles neue
Möglichkeiten, alles echte Chancen auf Besserung.</p>
<p klasse="J">Wie war es denn vorher? Erst wenn etwas komplett
kaputt und nicht mehr zu retten war, hat der Bund bezahlt: das neue Gleis, die neue
Weiche, das neue Signal. Viel zu lange und viel zu viel wurde deshalb
deutschlandweit auf Verschleiß gefahren. Doch die Methode sieht jetzt Rot. Wir
setzen auf Werterhaltung, wir setzen auf umfassende Pflege und nachhaltige
Sanierung; denn ein Neubau ist oft problematisch und dauert. Darauf allein können
wir nicht mehr warten; denn die Bahn muss schneller zuverlässiger werden.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Matthias
Gastel [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="O">Deshalb gilt bei der Sanierung nun auch: die
zentralen Adern zuerst. Wir beginnen mit der Riedbahn, über die 20 Prozent des
deutschen Fernverkehrs laufen und die dank des Dominoeffekts für rund 80 Prozent
der Verspätungen sorgt. In gut fünf Monaten ist Baubeginn, und zwar rundum. Denn
dank dieses neuen Gesetzes können wir jetzt alles bündeln – und das nicht nur bei
der Riedbahn –: die Instandhaltung und mehr Barrierefreiheit und mehr Lärmschutz
und auch die Digitalisierung. Damit heißt es nun: Runderneuerung in einem Rutsch.
Einmal richtig statt des ständigen Flickens.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD)</kommentar>
<p klasse="J">Wir reden nicht nur über Entbürokratisierung wie Sie.
Wir setzen sie auch um. Jedes Mal eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung für eine
neue Weiche oder ähnlich Überschaubares war Wahnsinn, vor allem viel zu teuer, viel
zu langatmig. Auch damit ist jetzt Schluss. Wir stellen die Weichen richtig, und
das schneller.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Herr Kollege Schreider.</p>
<p klasse="J">Bevor ich hier Herrn Riexinger das Wort erteile, möchte
ich dem Haus bekannt geben, dass die Bundestagspräsidentin die Bundesregierung
schriftlich gebeten hat, dass in der Kernzeit das Kabinett doch etwas intensiver
vertreten sein sollte und dass – jedenfalls wenn wir Gesetzesvorhaben beraten – der
zuständige Fachminister anwesend sein sollte,</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der AfD – Dr. Dirk Spaniel [AfD]: Sehr
gut!)</kommentar>
<p klasse="O">es sei denn, er ist ausreichend entschuldigt. Das können
wir beim Bundesverkehrsminister nicht feststellen. Deshalb wiederhole ich von
dieser Stelle aus meine Bitte an die Bundesregierung: Wenn wir schon beraten,
gebietet es die Achtung vor dem Parlament, dass das Kabinett entsprechend vertreten
ist.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP
und der AfD sowie bei Abgeordneten der SPD)</kommentar>
<p klasse="J">Als nächster Redner hat das Wort der Kollege Bernd
Riexinger, Gruppe Die Linke.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<rede id="ID2015409500">
<p klasse="redner"><a id="r110"/><redner
id="11004865"><name><vorname>Bernd</vorname><nachname>Riexinger</nachname><fraktion
>Die Linke</fraktion></name></redner>Bernd Riexinger (Die Linke):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen
und Herren! Was sich Bahnfahrende wünschen, ist ziemlich einfach: Haltestellen sind
gut mit dem Fahrrad, zu Fuß oder Bus zu erreichen. Fahrräder können problemlos an
den Bahnhöfen abgestellt werden. Bahnhöfe sind für Bahnfahrende Servicestationen,
die zur Fahrt mit der Bahn einladen. Man kommt ohne Verspätungen zuverlässig und
günstig von A nach B. Anschlusszüge werden ohne lange Wartezeiten erreicht. Züge
sind im Regelfall nicht überfüllt.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="O">Unternehmen können problemlos Güter mit der Bahn auf
den Weg bringen. Dazu kommen Beschäftigte, die ihren Job gerne machen, die stolz
auf die Bahn sind, auch weil Gehalt und Arbeitsbedingungen stimmen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken – Otto Fricke [FDP]: So war es
im Sozialismus!)</kommentar>
<p klasse="J">Die Realität ist hingegen eine andere: bitter und
deprimierend. Die Bahnpolitik der letzten Jahrzehnte ist eine Aneinanderreihung von
Komplettversagen und desaströsen Fehlentscheidungen:</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="O">Orientierung auf die Börse hin, Fahren auf
Verschleiß, Kaputtsparen der Bahn, Strecken stilllegen, Bahnhöfe verrotten lassen,
Nahverkehr vernachlässigen. Wer dreimal weniger pro Einwohner in die Bahn
investiert als Österreich und viermal weniger als die Schweiz, braucht sich über
den miserablen Zustand der Bahn nicht zu wundern.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="J">Dabei ist doch klar, was nötig ist: klare
Finanzierungszusagen über einen längeren Zeitraum, rasche und schnell umsetzbare
Maßnahmen zur Sanierung von Netz und Betrieb, schneller Ausbau des Netzes statt
teure Milliardengräber wie Stuttgart 21, Verbesserung des Nahverkehrs, des Services
und der Verlässlichkeit. Von einer solchen Bahnpolitik sind Minister Volker Wissing
und die Ampel meilenweit entfernt. Statt klare politische Vorgaben zu machen,
stolpert man von einer Krise in die nächste.</p>
<p klasse="J">Die Novellierung des Bundesschienenwegeausbaugesetzes
geht zwar in die richtige Richtung, ist aber kein großer Wurf.</p>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege, kommen Sie zum Schluss, bitte.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004865"><name><vorname>Bernd</vorname><nachname>Riexinger</nachname><fraktion
>Die Linke</fraktion></name></redner>Bernd Riexinger (Die Linke):</p>
<p klasse="J_1">Den brauchen wir jedoch dringend, –</p>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004865"><name><vorname>Bernd</vorname><nachname>Riexinger</nachname><fraktion
>Die Linke</fraktion></name></redner>Bernd Riexinger (Die Linke):</p>
<p klasse="J_1">– damit der Zug endlich auf die Schiene kommt.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Herr Kollege Riexinger. – Nächster
Redner ist der fraktionslose Kollege Stefan Seidler, SSW.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN und der FDP und der Abg. Ina Latendorf [Die Linke])</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015409600">
<p klasse="redner"><a id="r111"/><redner
id="11005219"><name><vorname>Stefan</vorname><nachname>Seidler</nachname><fraktion>
fraktionslos</fraktion></name></redner>Stefan Seidler (fraktionslos):</p>
<p klasse="J_1">Vielen Dank. – Herr Präsident! Moin, liebe
Kolleginnen und Kollegen! Bei uns im Norden nennt man die Dinge beim Namen: Ich
hätte mir vom Entwurf des BSWAG mehr gewünscht, etwa bei den
Hochleistungskorridoren. Dort fehlt zum Beispiel die wichtige Strecke Hamburg–
Flensburg, obwohl sie Teil des Hochleistungsnetzes ist. Und das verwundert mich;
denn die Bahn hat jüngst verkündet, dass die Generalsanierung dort für 2031 geplant
ist. Aber wenn die Pläne schon so konkret sind: Warum wird hier „künstlich“ 2030
ein Schnitt gemacht?</p>
<p klasse="J">Gut ist, dass es möglich wird, Bahnhöfe im Zuge von
Ersatzinvestitionen an veränderte Verkehrsströme anzupassen und nicht nur stupide
zu ersetzen. Zugleich finde ich: Wir brauchen viel mehr Pragmatismus bei der Lösung
unserer Verkehrsprobleme. Bei uns in Flensburg etwa rauschen bald zehn Fernzüge pro
Tag und Richtung durch das Stadtgebiet. Das klingt erst mal gut. Aber nicht ein Zug
hält. Wir haben hier eine große Grenzstadt ohne Fernverkehr, weil eine alte
Bahninfrastruktur und bahnbetriebliche Gründe es verhindern. Aber wir wollen doch,
dass alle großen Städte an den Fernverkehr angeschlossen sind. Die Realität bei uns
ist: Die Bahn zeigt auf das Land, das Land zeigt auf den Bund, und der Bund zeigt
auf die Bahn. Keiner hat Geld und fühlt sich zuständig.</p>
<p klasse="J">Mir erschließt sich nicht, warum die Lösung von
solchen Problemen immer gleich komplizierte Bedarfsplanprojekte mit 30 Jahren
Laufzeit sein müssen. In Flensburg könnten die Leute etwa über einen provisorischen
Bahnsteig wahrscheinlich schon kommendes Jahr wieder den Fernverkehr nutzen.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der Linken)</kommentar>
<p klasse="O">Solche pragmatischen Lösungen gehören gefördert und
müssen ins BSWAG, wenn wir es mit der Verkehrswende ernst meinen.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der
Linken)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Kollege Seidler. – Letzte Rednerin in
dieser Debatte ist die Kollegin Anja Troff-Schaffarzyk, SPD-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015409700">
<p klasse="redner"><a id="r112"/><redner
id="11005240"><name><vorname>Anja</vorname><nachname>Troff-Schaffarzyk</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Anja Troff-Schaffarzyk (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Das Bundesschienenwegeausbaugesetz wird heute endlich beschlossen. Das
wurde auch Zeit. Ich freue mich, dass wir nun eine belastbare Grundlage für die
anstehenden Sanierungen im Netz der Bahn haben. Und da wundere ich mich schon,
liebe Kolleginnen und Kollegen von der Union, dass Sie sich heute in Ihrem
Entschließungsantrag für weitere Verzögerungen aussprechen. Wollen Sie wirklich,
dass die dringend notwendigen Sanierungen noch länger auf sich warten lassen?</p>
<p klasse="J">Der Weg zu einer Bahn, von der wir träumen, ist
sowieso noch lang genug. Und ein komplexes Unternehmen wie die Deutsche Bahn aus
dem Parlament heraus zu steuern mit demselben hohen Anspruch an Transparenz, den
wir an alles legen, was hier im Haus passiert, das ist keine leichte Aufgabe.</p>
<p klasse="J">Die Frage ist erlaubt: Was genau passiert mit den
hohen Summen, die hier investiert werden? Es darf in der Öffentlichkeit nicht der
Eindruck entstehen, dass bei jeder verlegten Schiene einfach die nächste Milliarde
aufgerundet wird. Die Bahn hat für die Ertüchtigung des Netzes ihren Bedarf
erklärt, und unter schwierigen Bedingungen geben wir das Geld dafür. Im Gegenzug
erwarten wir eine enge und abgestimmte Zusammenarbeit.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP – Michael Donth [CDU/CSU]: Und wie soll das
funktionieren bei einer Aktiengesellschaft?)</kommentar>
<p klasse="J">Wir müssen mit dem kommenden Infraplan außerdem mehr
Klarheit darüber bekommen, welche Projekte in welchem zeitlichen Rahmen umsetzbar
sind. Machen wir uns nichts vor: Größere Bahnprojekte dauern mitunter Jahre,
manchmal Jahrzehnte in der Umsetzung. Deshalb kommt das, was wir in den kommenden
Jahren vorhaben, einer Revolution gleich: sechs Jahre für 40 ambitionierte
Sanierungsprojekte. Und am Ende soll ein Kernnetz stehen, das modern,
widerstandsfähig und belastbar ist. Damit das kein unerfüllbarer Traum bleibt, ist
in den kommenden Monaten noch einiges zu tun. Die Bauarbeiten an der Strecke
Frankfurt–Mannheim werden der erste Test, und wir werden entsprechend genau
hinsehen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Bei allem, was noch zu tun bleibt, sollten wir auch
sehen, was hier geschafft wurde. Der Bund beteiligt sich künftig auch an
Instandhaltungen. Damit sichern wir die Qualität des Netzes dauerhaft ab und beugen
einem weiteren Verfall der Infrastruktur vor. Und wir investieren mehr in die
Schiene als in jeden anderen Verkehrsträger. Das sind Erfolge, die auch so benannt
werden sollten.</p>
<p klasse="J">Eine erfolgreiche Deutsche Bahn braucht vor allem
zufriedene Kundinnen und Kunden. Sie braucht saubere und belebte Bahnhöfe als
zentrale Punkte in kleineren und auch in größeren Kommunen. Sie braucht
zuverlässige und pünktliche Verbindungen, moderne Technik in den Zügen und an den
Gleisen, und dahinter muss ein Unternehmen stehen, in dem motivierte Mitarbeitende
an klaren und erreichbaren Zielen arbeiten.</p>
<p klasse="J">Die Anpassungen im BSWAG sind ein dringend
notwendiger Anfang. Mit weiteren Maßnahmen zur Entbürokratisierung wollen wir
künftig die Bahn flexibler machen, damit sie ihr Netz in einem guten Zustand
erhalten kann, statt wie in den letzten Jahren immer auf Verschleiß zu fahren.</p>
<p klasse="J">Mit dem Moderne-Schiene-Gesetz werden wir noch in
diesem Jahr einen weiteren Schritt machen. Da freue ich mich auf die
Verhandlungen.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Frau Kollegin. – Damit schließe ich die
Aussprache.</p>
<p klasse="J">Wir kommen zur Abstimmung.</p>
<p klasse="J">Zusatzpunkt 12. Abstimmung über den von der
Bundesregierung eingebrachten Gesetzentwurf zur Änderung des
Bundesschienenwegeausbaugesetzes. Der Verkehrsausschuss empfiehlt unter Buchstabe a
seiner Beschlussempfehlung auf Drucksache 20/10414, den Gesetzentwurf der
Bundesregierung auf Drucksachen 20/8288 und 20/8651 in der Ausschussfassung
anzunehmen. Ich bitte diejenigen, die dem Gesetzentwurf in der Ausschussfassung
zustimmen wollen, um das Handzeichen. – Das sind die regierungstragenden Fraktionen
einschließlich der Abgeordneten aus der Gruppe der Linken. Ich bitte diejenigen,
die dagegenstimmen, um das Handzeichen. – Das sind die CDU/CSU-Fraktion und die
AfD-Fraktion. Enthaltungen? – Keine. Dann ist der Gesetzentwurf in zweiter Beratung
angenommen.</p>
<p klasse="K">Dritte Beratung</p>
<p klasse="O">und Schlussabstimmung. Ich bitte diejenigen, die dem
Gesetzentwurf zustimmen wollen, sich zu erheben. – Das sind die regierungstragenden
Fraktionen und die Gruppenangehörigen der Linken. Wer stimmt dagegen? – Das sind
CDU/CSU-Fraktion und AfD-Fraktion. Enthaltungen? – Sehe ich keine. Dann ist der
Gesetzentwurf in dritter Beratung und Schlussabstimmung ebenfalls angenommen.</p>
<p klasse="J">Unter Buchstabe b seiner Beschlussempfehlung auf
Drucksache 20/10414 empfiehlt der Ausschuss, eine Entschließung anzunehmen. Wer
stimmt für diese Beschlussempfehlung? – Wiederum die regierungstragenden
Fraktionen. Wer stimmt dagegen? – CDU/CSU-Fraktion und AfD-Fraktion. Wer enthält
sich? – Niemand. Die Linken nehmen nicht mehr teil. Dann ist die
Beschlussempfehlung angenommen.<sup>1</sup><fussnote><p><a href="ANL8">Anlage
8</a></p></fussnote></p>
<p klasse="J">Wir kommen zur Abstimmung über den Entschließungsantrag
der Fraktion der CDU/CSU auf Drucksache 20/10422. Wer stimmt für diesen
Entschließungsantrag? – CDU/CSU-Fraktion. Wer stimmt dagegen? – Die
regierungstragenden Fraktionen und nun die Gruppenmitglieder der Linken. Wer
enthält sich? – Das ist die Fraktion der AfD. Damit ist der Entschließungsantrag
abgelehnt.</p>
<p klasse="J">Zusatzpunkt 13. Beschlussempfehlung des
Verkehrsausschusses auf Drucksache 20/10413 zu dem Antrag der Fraktion der AfD mit
dem Titel „Die Deutsche Bahn AG zielgerichtet und wirkungsvoll reformieren“. Der
Ausschuss empfiehlt unter Buchstabe b seiner Beschlussempfehlung die Ablehnung des
Antrags der Faktion der AfD auf Drucksache 20/7197. Wer stimmt für diese
Beschlussempfehlung? – Die regierungstragenden Fraktionen, CDU/CSU und die
Gruppenangehörigen der Linken. Wer stimmt dagegen? – Das ist die AfD-Fraktion.
Enthaltungen? – Keine. Damit ist die Beschlussempfehlung angenommen.</p>
</tagesordnungspunkt>
<tagesordnungspunkt top-id="Tagesordnungspunkt 13">
<p klasse="J">Ich rufe auf die Tagesordnungspunkte 13 a und 13 b:</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t32"/> a) Beratung des Antrags der
Fraktion der CDU/CSU </p>
<p klasse="T_fett"> Mit Entschlossenheit für neues
Vertrauen und eine gemeinsame Sicherheits- und Europapolitik in den deutsch-
polnischen Beziehungen sowie eine Neuaufstellung des Weimarer Dreiecks
eintreten</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_Ueberweisung"> Überweisungsvorschlag:
Auswärtiger Ausschuss (f) Ausschuss für Inneres und Heimat Wirtschaftsausschuss
Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft Verteidigungsausschuss Ausschuss für die
Angelegenheiten der Europäischen Union Ausschuss für Kultur und Medien</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t33"/> b) Beratung des Antrags der
Abgeordneten Petr Bystron, Tino Chrupalla, Markus Frohnmaier, weiterer Abgeordneter
und der Fraktion der AfD </p>
<p klasse="T_fett"> Partnerschaft mit den Visegrád-
Staaten ausbauen – Abendländische Werte verteidigen, Europa neu denken,
Wirtschaftskooperation vertiefen</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_Ueberweisung"> Überweisungsvorschlag:
Auswärtiger Ausschuss (f) Wirtschaftsausschuss Ausschuss für Familie, Senioren,
Frauen und Jugend Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe Ausschuss für
die Angelegenheiten der Europäischen Union Ausschuss für Klimaschutz und Energie
Haushaltsausschuss</p>
<p klasse="J">Für die Aussprache ist eine Dauer von 39 Minuten
beschlossen. – Ich bitte die Kolleginnen und Kollegen, jetzt relativ zügig Platz zu
nehmen, damit wir fortfahren können.</p>
<p klasse="J">Ich eröffne die Aussprache und erteile als erstem Redner
dem Kollegen Knut Abraham, CDU/CSU-Fraktion, das Wort.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<rede id="ID2015409800">
<p klasse="redner"><a id="r113"/><redner
id="11005002"><name><vorname>Knut</vorname><nachname>Abraham</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Knut Abraham (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Vielen Dank. – Herr Präsident! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Einige Jahre war ich beruflich in Polen tätig. Niemals brauchte ich
eine Landkarte oder einen Navigator, um festzustellen, ob ich in Deutschland oder
in Polen war. Da, wo es keine Netzabdeckung gibt, ist das Digitalland Deutschland.
Da, wo die Netzabdeckung auch in den entlegensten Winkeln funktioniert, ist
Polen.</p>
<p klasse="J">Ich habe Polen als ein unglaublich modernes und gut
organisiertes Land kennengelernt, mit lebendigen deutsch-polnischen Beziehungen,
auch wenn die damalige Regierung in Warschau sie nach Kräften torpediert hat. Wir
können uns gegenseitig so viel geben. Polen kann in vielem Vorbild für uns sein:
eine boomende Wirtschaft, eine entschlossene Infrastrukturpolitik,
Technologieoffenheit im Energiebereich, Wertschätzung der Geschichte und vor allem
die Entschlossenheit, die Freiheit zu verteidigen. Mit unserem Antrag wollen wir
Akzente für einen Neustart in den deutsch-polnischen Beziehungen setzen und der
Bundesregierung dabei Orientierung geben.</p>
<p klasse="J">Die Leitschnur besteht dabei aus den historischen
Wegmarken, die das Jahr 2024 beinhaltet: 20 Jahre polnische EU-Mitgliedschaft,
25 Jahre NATO-Mitgliedschaft, 35 Jahre Versöhnungsmesse in Kreisau, aber natürlich
auch das Gedenken an 85 Jahre Kriegsbeginn und 80 Jahre Warschauer Aufstand.</p>
<p klasse="J">Wir haben für einen Neustart beste Voraussetzungen.
In Warschau regiert eine neue Koalition, die zu einer guten Partnerschaft mit
Deutschland bereit ist. Das Entscheidende ist aber, dass in die deutsch-polnischen
Beziehungen Vertrauen zurückgekehrt ist. Ausgedrückt hat sich das in den
Antrittsbesuchen von Donald Tusk in Paris und Berlin sowie, Frau Staatsministerin,
dem sehr begrüßenswerten und vielversprechenden Treffen der Außenminister im Rahmen
des Weimarer Dreiecks. Es zeigt sich aber auch in einem wichtigen Detail: Die neue
polnische Regierung – Ministerin Nowacka und Vizeministerin Lubnauer – hat Wort
gehalten. Die Diskriminierung der deutschen Minderheit beim muttersprachlichen
Unterricht der Kinder in den Schulen wird beendet. Dafür sind wir von Herzen
dankbar. So entsteht Vertrauen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei
Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Zukünftig werden die deutsche Minderheit in Polen und
die Polonia hier in Deutschland für die Beziehungen eine wichtige Rolle spielen.
Vor diesem Hintergrund begrüße ich sehr die Überlegungen, die Schlossruine in
Lubowitz an der Oder in Oberschlesien,</p>
<kommentar>(Dr. Götz Frömming [AfD]: Sehr löblich! Lange
versprochen! Hat Helmut Kohl versprochen!)</kommentar>
<p klasse="O">die Heimat von Joseph von Eichendorff, zu einem
Zentrum für die junge Generation der Minderheit zu machen, natürlich unter
Einbeziehung der polnischen Mehrheitsgesellschaft und der benachbarten
Tschechen.</p>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen, das Weimarer Dreieck
ist das Rückgrat Europas in Zeiten einer existenziellen Bedrohung. Von der
Ostgrenze Polens ist es nur ein Schritt bis in die Kriegszone der von Russland so
brutal überfallenen Ukraine. Nie kam es in EU und NATO mehr auf das effiziente
Zusammenwirken von Deutschland, Polen und Frankreich an,</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">gerade angesichts der Unabwägbarkeiten in den USA und
der wichtigen Erweiterungs- und Reformvorhaben der EU.</p>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen, öffnen wir ein neues,
ein gutes Kapitel der deutsch-polnischen Beziehungen. Die Rahmenbedingungen
stimmen. Nun liegt es an uns, dies anzugehen. Dazu dient unser Antrag. Ob Sie ihn
annehmen oder nicht, er liegt auf dem Tisch als Richtschnur für eine gute Zukunft
im deutsch-polnischen Verhältnis.</p>
<kommentar>(Paul Ziemiak [CDU/CSU]: Der ist gut!)</kommentar>
<p klasse="J">Vielen Dank. Dziękuję bardzo.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei
Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Herr Kollege. – Nächster Redner ist
der Kollege Dietmar Nietan, SPD-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015409900">
<p klasse="redner"><a id="r114"/><redner
id="11003199"><name><vorname>Dietmar</vorname><nachname>Nietan</nachname><fraktion>
SPD</fraktion></name></redner>Dietmar Nietan (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Erlauben Sie mir zu Beginn meiner Ausführungen einen Hinweis in eigener
Sache als Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-polnischen Beziehungen.
Ich bitte darum, Ihre Aufmerksamkeit auf den Punkt 6 des Antrages der Union zu
lenken. Dort fordert die Union eine bessere Amtsausstattung und mehr Einfluss des
Koordinators für die deutsch-polnischen Beziehungen.</p>
<kommentar>(Zuruf von der CDU/CSU: Das ist doch gut!)</kommentar>
<p klasse="O">Ich will Ihnen sagen, liebe Kolleginnen und Kollegen:
Wo die Union recht hat, hat Sie recht.</p>
<kommentar>(Heiterkeit und Beifall bei der CDU/CSU – Beifall bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen, es sind auch viele
weitere gute Punkte in diesem Antrag der Union vorhanden, die zeigen, wie wichtig
es ist, die große Chance, die sich mit der neuen polnischen Regierung ergibt, jetzt
zu nutzen. Ich finde, dass es wichtig ist, dass wir diesen Antrag der Union als
starkes Zeichen verstehen. Die Regierungsfraktionen und die Union betonen im
Hinblick auf die deutsch-polnischen Beziehungen, wo sie Übereinstimmungen haben und
dass sie das gemeinsam voranbringen wollen. Das, liebe Kolleginnen und Kollegen,
ist ein wichtiges und gutes Zeichen in Richtung unserer Freunde in Polen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Dies steht in einer guten Tradition. Ich will noch
einmal daran erinnern, dass die Initiative aus dem Parlament heraus für ein Polen-
Denkmal in Zeiten der Großen Koalition nicht nur von Kolleginnen und Kollegen aus
der Union – wie zum Beispiel von Paul Ziemiak – und mit großer Unterstützung des
leider zu früh verstorbenen Kollegen Schäuble vorangebracht wurde. Vielmehr haben
auch Kolleginnen und Kollegen der FDP-Fraktion und der Fraktion Bündnis 90/Die
Grünen – wie zum Beispiel der damalige Kollege Manuel Sarrazin – das
vorangetrieben. Ich finde, diese gute Tradition der Zusammenarbeit über
Parteigrenzen hinweg sollte weiterhin Leitlinie unserer gemeinsamen Politik
hinsichtlich der wichtigen Frage sein, wie wir mit unserem polnischen Nachbarn
umgehen, liebe Kolleginnen und Kollegen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Ich bin heute Morgen – das war Zufall; das war nicht
geplant – mit dem Berlin-Warszawa-Express aus Warschau zurückgekehrt, weil ich
gestern die Gelegenheit hatte, in Warschau viele Gespräche zu führen. Ich musste
mir dort allerdings anhören, dass der Kollege Ziemiak schon eine Woche vor mir da
war. Da habe ich also nicht aufgepasst.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich hatte die
Gelegenheit, mit Vizepremier Krzysztof Gawkowski, mit den beiden Vizeaußenministern
Andrzej Szejna und Marek Prawda, mit dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses,
Paweł Kowal, und mit der Vizebildungsministerin Joanna Mucha zu sprechen, der ich
im Sinne der Ausführungen von Knut Abraham auch für ihre Initiative, die
Diskriminierung der deutschen Minderheit zu beenden, gedankt habe.</p>
<p klasse="J">Fazit ist: Man kann sagen, dass die polnische
Regierung ein großes Interesse daran hat und sich mit viel Engagement einbringt,
gemeinsam mit Deutschland und Frankreich Europa voranzubringen. Liebe Kolleginnen
und Kollegen, es ist unsere Verpflichtung, diese große, historische Chance zusammen
mit der neuen polnischen Regierung zu ergreifen und das dafür Notwendige auf
deutscher Seite zu tun.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Ich möchte mich auch sehr dafür bedanken, dass beide
Regierungen daran arbeiten, dass es noch vor der Sommerpause zu
Regierungskonsultationen kommt. Das ist ein wichtiges Zeichen, auch für die
Bevölkerung in Deutschland und Polen. Ich kann Ihnen sagen, dass mir die polnischen
Kolleginnen und Kollegen gestern erzählt haben, dass es große Ambitionen gibt,
gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen des Auswärtigen Amtes dafür zu sorgen,
dass es bei diesen Regierungskonsultationen zu konkreten Vorschlägen kommt, wie die
deutsch-polnische Zusammenarbeit in Zukunft verbessert werden soll.</p>
<p klasse="J">In diesem Sinne, liebe Kolleginnen und Kollegen, will
ich auch das noch mal unterstreichen. Ich danke Premierminister Donald Tusk und
Außenminister Radek Sikorski sehr dafür, dass Polen jetzt Mut beweist und die neue
Regierung beherzt für Demokratie und Freiheit eintritt – nicht nur in Polen,
sondern auch in Europa.</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Dr. Götz Frömming [AfD])</kommentar>
<p klasse="O">Ich möchte mich ausdrücklich dafür bedanken, dass die
polnische Regierung neue Initiativen zur Belebung des Weimarer Dreiecks gestartet
hat. Das ist dringend nötig; denn wir sehen ja, dass die europäische
Verteidigungspolitik und die Ukrainepolitik hinterherhinken. Der neue Elan aus
Warschau ist richtig, und den sollte Deutschland auch unterstützen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU,
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen, das bedeutet auch,
dass Deutschland Hausaufgaben zu machen hat. Das sogenannte Deutsch-Polnische Haus,
das aus dem Antrag für den Gedenkort und das Polen-Denkmal hervorgegangen ist, muss
jetzt schnell realisiert werden, und es muss eine der polnischen Erinnerungskultur
angemessene und zeitgemäße Denkmalkomponente haben, liebe Kolleginnen und
Kollegen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Und auch wenn das Kapitel Reparationen
formaljuristisch abgeschlossen ist, bleibt die Frage, was Deutschland noch tun
kann, um Wiedergutmachung zu leisten und zu zeigen, dass wir die Lehren aus der
Geschichte verstanden haben. Dieses Kapitel ist noch nicht abgeschlossen. Der
polnische Außenminister hat zu Recht die deutsche Seite aufgefordert, Kreativität
zu zeigen und diesbezüglich noch etwas zu liefern.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir müssen auch die
Förderung der Polonia hier in Deutschland und die Förderung der polnischen
Muttersprache weiter voranbringen. Auch das ist ein wichtiges Signal an unsere
Freundinnen und Freunde.</p>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie mich zum
Schluss sagen: Wir leben in Zeiten, in denen Frieden und Freiheit in Europa bedroht
sind. Wir sollten jetzt die Chance nutzen, die ausgestreckte Hand der polnischen
Freunde anzunehmen, um gemeinsam Europa starkzumachen im Kampf für Frieden und
Freiheit. Dabei gilt immer noch der Satz: Einigkeit macht stark.</p>
<p klasse="J">Herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Herr Kollege. – Als nächster Redner
hat das Wort der Kollege Petr Bystron, AfD-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015410000">
<p klasse="redner"><a id="r115"/><redner
id="11004692"><name><vorname>Petr</vorname><nachname>Bystron</nachname><fraktion>Af
D</fraktion></name></redner>Petr Bystron (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Verehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen! Liebe
Kollegen! In der Tat enthält der Antrag einige gute Punkte; zu denen gleich. Aber
dass Sie uns, liebe Kollegen von der Union, in einem Antrag zur stärkeren
Zusammenarbeit mit Polen auch den EU-Beitritt der Ukraine unterjubeln wollen, das
gehört sicher nicht dazu.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Die Ukraine erfüllt keines, wirklich keines der
Maastricht-Kriterien. Die Inflationsrate liegt bei 20 Prozent; erlaubt sind
3 Prozent. Die Staatsverschuldung liegt bei 90 Prozent, erlaubt sind 60 Prozent. Es
ist das Armenhaus Europas. Ein EU-Beitritt, liebe Freunde, hätte Folgen. Das
Institut der deutschen Wirtschaft schätzt, dass uns die Aufnahme in den nächsten
Jahren 190 Milliarden Euro kosten würde. Freunde, es ist den Menschen hier in
Deutschland jetzt schon nicht zu vermitteln, dass die Regierung 100 Milliarden Euro
für Waffenkäufe hat, 60 Milliarden Euro für komische Fahrradwege in Peru oder
LGBTQ-Projekte in Afrika ausgeben kann,</p>
<kommentar>(Knut Abraham [CDU/CSU]: Ach, Mann! – Paul Ziemiak
[CDU/CSU]: Ach, Leute!)</kommentar>
<p klasse="O">aber kein Geld für unsere Rentner und jetzt gerade
für unsere Landwirte hat.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Widerspruch bei Abgeordneten der
SPD, der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Wenn Sie 180 Milliarden Euro für ein Fass ohne Boden
rauswerfen wollen – nicht mit uns!</p>
<kommentar>(Martin Gassner-Herz [FDP]: Was sind denn das für
Fahrradwege für 60 Milliarden Euro?)</kommentar>
<p klasse="J">Aber zum Thema Polen. Selbstverständlich gehört Polen
gemeinsam mit den drei anderen Visegrádländern zu unseren natürlichen Partnern.
Deutschland ist ein mitteleuropäisches Land. Mit diesen Ländern verbinden uns
jahrhundertelange kulturelle Beziehungen. Wir haben diesen Menschen auch viel zu
verdanken. Lech Wałęsa hat die Fackel der Freiheit entfacht. Es ist dem mutigen
Freiheitskampf der Menschen in diesen Ländern zu verdanken, dass wir die Einheit in
Deutschland haben und auch Einheit und Frieden in Europa. Auf diesen Werten stehen
die Gesellschaften in Polen und in Mitteleuropa. Die Visegrádländer stehen für ein
Europa der Freiheit, der Verteidigung der abendländischen Werte, der
wirtschaftlichen Prosperität und der nationalen Souveränität. Und ja, mit solchen
Partnern und auf Basis dieser Werte wollen wir zusammenarbeiten.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Allerdings, lieber Kollege Nietan, erfüllt mich die
jetzige polnische Regierung mit Sorge;</p>
<kommentar>(Merle Spellerberg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Komisch! –
Paul Ziemiak [CDU/CSU]: Das glaube ich!)</kommentar>
<p klasse="O">denn die aktuellen Vorgänge seit der Machtübernahme
haben nichts mit Demokratie zu tun.</p>
<kommentar>(Dr. Götz Frömming [AfD]: Den ganzen Genderdreck jetzt
in die Schulen!)</kommentar>
<p klasse="O">Die drei Wahlverlierer haben sich zusammengetan, um
den Wahlsieger, die PiS, zu verhindern,</p>
<kommentar>(Dietmar Nietan [SPD]: Sie verstehen Demokratie nicht!
Was mich nicht wundert!)</kommentar>
<p klasse="O">und gestalten seitdem das Land mit Gewalt um, brechen
das Recht und treten jahrhundertelange Traditionen mit Füßen:</p>
<kommentar>(Merle Spellerberg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist ein
interessantes Verständnis von Demokratie und Rechtsstaat! – Jürgen Hardt [CDU/CSU]:
Das könnte Putin nicht besser machen! – Dietmar Nietan [SPD]: „Jahrhundertelange
Traditionen“? Was hat der Mann geraucht?)</kommentar>
<p klasse="J">Erstens. Diese globalistische Regierung trampelt auf
dem Vermächtnis des polnischen Papstes Johannes Paul II. herum. Sie beschneidet den
Religionsunterricht, sie wirft seine Schriften aus dem Lehrplan zugunsten von
links-woker LGBTQ-Propaganda.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Dr. Götz Frömming [AfD]: Sie
spaltet das Land!)</kommentar>
<p klasse="J">Zweitens. Diese Regierung bricht schamlos das Recht.
Sie hat den ehemaligen Innenminister und Korruptionsbekämpfer Mariusz Kamiński
ebenso wie seinen Vize Maciej Wąsik verhaftet, und sie hat sie erst nach einem
Hungerstreik und nach einer erneuten Amnestie durch den Präsidenten
rausgelassen.</p>
<kommentar>(Johannes Schraps [SPD]: Jetzt haben Sie Ihre Tiktok-
Punkte aber gemacht!)</kommentar>
<p klasse="J">Drittens. Sie verschafft sich jetzt, weil sie weiß,
dass es Unrecht ist, die Deutungshoheit über die Ereignisse dadurch, dass sie sich
die Medien krallt.</p>
<kommentar>(Lachen des Abg. Dietmar Nietan [SPD] – Knut Abraham
[CDU/CSU]: Sie wurden rechtskräftig verurteilt!)</kommentar>
<p klasse="O">Sie hat doch die gesamte Riege des öffentlich-
rechtlichen Fernsehens rausgeschmissen, den TVP-Kanal einfach abgeschaltet,
politisch missliebige Dokus sogar aus den Archiven gelöscht. – Ich weiß, das
gefällt Ihnen; das ist fast wie in Deutschland.</p>
<p klasse="J">Solche Methoden lehnen wir ab. Das sind erst mal
keine Partner. Da sind ein paar deutliche Worte zu sprechen.</p>
<p klasse="J">Danke.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Johannes Schraps [SPD]: Die
Stimmung steigt! Das Niveau sinkt!)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Nächste Rednerin ist die Kollegin Merle
Spellerberg, Bündnis 90/Die Grünen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015410100">
<p klasse="redner"><a id="r116"/><redner
id="11005226"><name><vorname>Merle</vorname><nachname>Spellerberg</
nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Merle
Spellerberg (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Ich muss sagen: Nach der Rede weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll.
Deswegen zurück zum demokratischen Miteinander.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD
sowie bei Abgeordneten der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Dass Polen im vergangenen Jahr eine neue Regierung
gewählt hat, ist nämlich eine demokratische Erfolgsgeschichte. Acht Jahre PiS-
Regierung sind vorbei.</p>
<kommentar>(Dr. Götz Frömming [AfD]: Die war auch demokratisch
gewählt!)</kommentar>
<p klasse="O">Die Menschen in Polen haben uns gezeigt, dass wir den
autoritären Bewegungen auch in Europa nicht machtlos ausgesetzt sind,</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Petr Bystron [AfD])</kommentar>
<p klasse="O">und besonders junge Menschen und Frauen haben hierzu
beigetragen. Viele von ihnen wurden auch durch das De-facto-Verbot von
Schwangerschaftsabbrüchen zur Wahl motiviert.</p>
<p klasse="J">Es ist schlussendlich ein großer Erfolg, dass sich
das Bündnis um Tusk durchsetzen konnte. Ein demokratisches und ein
rechtsstaatliches Polen im Zentrum Europas ist der Partner, den wir für unsere
aktuellen Herausforderungen so dringend brauchen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Das Treffen zwischen Annalena Baerbock und ihren
polnischen und französischen Kollegen ist ein wichtiger Schritt, um das Weimarer
Dreieck wieder mit Leben zu füllen. Geeintes Handeln zwischen werteverbundenen
Partnerinnen und Partnern bringt eine Stärke in europäisches Handeln, die für die
unterschiedlichen Krisen so dringend gebraucht wird. Daran müssen wir anknüpfen:
auf nationaler, Landes-, aber auch kommunaler Ebene.</p>
<p klasse="J">Russland steht ganz Europa und allen liberalen
Demokratien als Aggressor gegenüber. Seit nun zwei Jahren wehrt sich die Ukraine
gegen den russischen Angriffskrieg. Aber auch wir sind heute schon Ziel von
Russlands Destabilisierungsaktionen und hybriden Angriffen. Unsere Antwort darauf
ist klar: Wir stärken unsere Wehrhaftigkeit, wir stärken die Wehrhaftigkeit von
liberalen Demokratien, wir stärken unsere freundschaftliche Zusammenarbeit im
Weimarer Dreieck, wir stärken die deutsch-polnischen Beziehungen, und das, wie
schon angesprochen, auf allen Ebenen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP – Dr. Götz Frömming [AfD]: Nur wenn die Polen
richtig wählen, ja?)</kommentar>
<p klasse="J">Gerade als sächsische Abgeordnete weiß ich, dass das
grenzüberschreitende Miteinander für viele Menschen vor Ort ein Teil des Alltags
ist. Sie gehen zusammen zur Schule, sie arbeiten auf der anderen Seite der Grenze,
sie bauen Austauschprogramme für Jugendliche auf oder kämpfen für
grenzüberschreitenden Umwelt- und Klimaschutz. Ich bin froh, dass dieser Einsatz
breit getragen wird und die deutsch-polnischen Beziehungen nicht nur von Annalena
Baerbock, sondern etwa auch durch die sächsische Europaministerin Katja Meier
unterstützt werden. Denn das eine sind Gelder des Auswärtigen Amtes, etwa für das
Deutsch-Polnische Jugendwerk, und das andere – genauso wichtig – ist die regionale
Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft.</p>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen, es herrscht nicht von
jetzt auf gleich heile Welt in den deutsch-polnischen Beziehungen. Aber es sieht
gut aus für die Zukunft. Die Menschen in Polen haben sich gegen die rechten Kräfte
in ihrem Land erfolgreich zur Wehr gesetzt. Für uns beginnt Annalena Baerbock nun
für unsere Regierung, die Fäden der engsten Zusammenarbeit wieder aufzunehmen, und
das unterstützen wir hier selbstverständlich.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Frau Kollegin. – Als nächster Rednerin
erteile ich das Wort der Kollegin Anikó Glogowski-Merten für die FDP-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015410200">
<p klasse="redner"><a id="r117"/><redner
id="11005150"><name><vorname>Anikó</vorname><nachname>Glogowski-Merten</
nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></redner>Anikó Glogowski-Merten (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Auch ich muss sagen: Bei all den schlechten Nachrichten der letzten
Wochen und Monate auf der internationalen Weltbühne hat uns Polen mit seinem
Wahlergebnis im vergangenen Herbst einen wunderbaren Silberstreif am Horizont
beschert. Mit der Abwahl der PiS-Partei und der Bildung einer neuen, deutlich
progressiveren Regierungskoalition haben viele Menschen in Polen von einem Ende der
dunklen Jahre der Hetze und des Nationalismus gesprochen.</p>
<p klasse="J">Umso mehr freuen wir uns, dass wir mit der neuen
Regierung unter Donald Tusk wieder verlässliche Partnerinnen und Partner in Polen
haben, mit denen wir konstruktiv und verlässlich zusammenarbeiten können. Dies
bestätigte auch der neue polnische Außenminister, als er Ende Januar zu Besuch in
Berlin war. Statt Konfrontation und Anspannung ist nun im Hinblick auf die deutsch-
polnischen Beziehungen endlich von beiden Seiten von einer konstruktiven
Zusammenarbeit die Rede.</p>
<p klasse="J">Es ist gerade diese Art der produktiven und
gewissenhaften Zusammenarbeit mit Blick auf eine gemeinsame und gut abgestimmte
Außen- und Sicherheitspolitik, die unglaublich wichtig für Stabilität und eine
gemeinsame Stärke ist; denn wir müssen uns mit Blick auf den weiteren Verlauf des
Jahres wohl oder übel darauf einstellen, dass die transatlantischen Beziehungen
instabiler werden, wenn Donald Trump wieder in das Weiße Haus einziehen sollte.
Gleichwohl bleiben auch diese Beziehungen im geopolitischen Gefüge
unerlässlich.</p>
<p klasse="J">Die Entwicklungen zeigen aber auch immer mehr, dass
es umso unerlässlicher ist, dass das europäische Bündnis erwachsen werden muss,
auch und gerade im Hinblick auf die Fähigkeit, sich selbst zu verteidigen.</p>
<kommentar>(Dr. Götz Frömming [AfD]: Aha!)</kommentar>
<p klasse="O">Genau hier kommt das Weimarer Dreieck ins Spiel. Es
wurde 1991 von Roland Dumas, Krzysztof Skubiszewski und dem von uns allen so
geschätzten Hans-Dietrich Genscher gegründet, um die Gemeinschaft und den Austausch
zwischen den drei Partnerländern auf Augenhöhe zu stärken. Deutschland, Frankreich,
Polen wurden damals durch ein starkes Band miteinander verbunden.</p>
<p klasse="J">Ich freue mich sehr, dass unsere Außenministerin
Annalena Baerbock nun gemeinsam mit dem polnischen Außenminister Radosław Sikorski
und dem französischen Amtskollegen Stéphane Séjourné das Weimarer Dreieck für ein
starkes und widerstandsfähiges Europa wieder aufleben lässt.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">„Gemeinsam für ein starkes Europa – von Lissabon bis
Luhansk“, hat Annalena Baerbock geschrieben, und ich stimme ihr ausdrücklich
zu.</p>
<p klasse="J">Für diese Stärke und Sicherheit brauchen wir aber
auch rüstungsindustrielle Kapazitäten, die wir jetzt gemeinsam mit unseren Partnern
in Europa, aber vor allem im Weimarer Dreieck erschließen wollen, zum Beispiel mit
der neuen Rheinmetall-Fabrik am Standort Unterlüß in der Lüneburger Heide.
Finnland, Lettland, Estland, Dänemark und so viele weitere europäische
Vertreterinnen und Vertreter haben auf der Münchner Sicherheitskonferenz
eingefordert, hierfür das immense Potenzial des Weimarer Dreiecks zu nutzen.</p>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, wir brauchen dieses
gemeinsame agile Bündnis. Machen wir das Weimarer Dreieck zum Triumphwagen der
Europäischen Union, mit dem wir gemeinsam den Imperialisten dieser Welt die Stirn
bieten und klar an der Seite unserer Verbündeten stehen. Ja, wir stehen an der
Seite der Ukraine, Hand in Hand mit unseren Partnern, von Lissabon bis Luhansk. Es
ist keine Floskel, sondern ein Versprechen.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Frau Kollegin Glogowski-Merten. – Als
Nächstes hat das Wort der Kollege Paul Ziemiak, CDU/CSU-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015410300">
<p klasse="redner"><a id="r118"/><redner
id="11004938"><name><vorname>Paul</vorname><nachname>Ziemiak</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Paul Ziemiak (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Herr Präsident! Meine sehr verehrten Kolleginnen
und Kollegen! Wir schlagen jetzt ein neues Kapitel in den deutsch-polnischen
Beziehungen auf. Ein wesentlicher Teil dieses neuen Kapitels ist in der jetzigen
Lage mit Blick auf die Ukraine die Frage der Sicherheit in Europa und auch das
Sicherheitsbedürfnis Polens hinsichtlich der Verteidigung der Ostflanke der
Europäischen Union und der NATO. Die Sicherheit Polens – das war immer so, und das
wird auch immer so bleiben – ist immer auch die Sicherheit Deutschlands.</p>
<p klasse="J">Ich freue mich, dass der Bundesminister der
Verteidigung jetzt auch zu dieser Debatte gekommen ist. Das zeigt die Bedeutung,
die dieses Thema auch für die Bundesregierung hat. Der polnische Außenminister
Sikorski hat es 2011 gesagt: „Deutsche Macht fürchte ich heute weniger als deutsche
Untätigkeit.“ Deshalb dürfen wir nicht untätig bleiben. Er hat in diesem Monat in
einem Interview in der „NZZ“ gesagt – mit Erlaubnis des Präsidenten darf ich
zitieren –:</p>
<p klasse="Z">„… wir begrüßen alliierte Kooperation zur Sicherung
des NATO-Gebiets, von daher: Deutsche Soldaten wären bei uns willkommen.“</p>
<p klasse="O">Das zeigt, Herr Bundesminister, meine sehr verehrten
Damen und Herren, welchen Wandel wir in den Jahrzehnten gehabt haben und wie sehr
Polen auch auf Deutschland schaut. Wir dürfen nicht untätig bleiben. Wenn wir jetzt
ein neues Kapitel öffnen, auch mit dieser neuen Regierung, dann sollten wir als
Deutsche, als Deutscher Bundestag und als deutsche Bundesregierung diese
Möglichkeit ergreifen und die Beziehung zwischen Deutschland und Polen mit neuem
Leben füllen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD,
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Dietmar Nietan, ich unterstreiche jeden Satz Ihrer
Rede; das war absolut zutreffend.</p>
<kommentar>(Patrick Schnieder [CDU/CSU]: Ein guter
Mann!)</kommentar>
<p klasse="O">– Ja, das ist ein sehr guter Mann; ich will das an
dieser Stelle sagen. Er macht eine sehr, sehr gute Arbeit.</p>
<kommentar>(Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU/CSU und der
SPD)</kommentar>
<p klasse="O">Wir kritisieren als Opposition die Ampel nur dort, wo
es berechtigt ist,</p>
<kommentar>(Lachen bei Abgeordneten der SPD und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">in diesem Falle ausdrücklich nicht. Daran kann man
die Objektivität der Opposition bei der Bewertung der Arbeit der Bundesregierung
ablesen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Wir sollten nicht in die Vergangenheit schauen,
sondern in die Zukunft. Es wurden Fehler gemacht – ich denke an Nord Stream und
andere Projekte, die an Polen vorbeiliefen –, auch von Regierungen, an denen meine
Partei beteiligt war oder die sie geführt hat. Ich will hier jetzt gar nicht den
Namen Manuela Schwesig nennen, die sich selbst zur Marionette von Gazprom und des
Kremls gemacht hat.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Wir müssen jetzt nach vorne schauen.</p>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, gerade wurde im Plenum die
neue Regierung in Polen von der AfD als globalistische Regierung bezeichnet; was
auch immer Sie damit meinen. Im Übrigen wurde der vorherigen Regierung in der
Vergangenheit immer wieder abgesprochen, demokratisch gewählt worden zu sein. Meine
Damen und Herren, beide Regierungen in Polen sind in freien und geheimen Wahlen
gewählt worden. Wir müssen lernen, nicht immer darüber zu urteilen, wie der Nachbar
wählt, sondern unsere Aufgabe ist es, mit denjenigen, die gewählt sind, gut
zusammenzuarbeiten.</p>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege, kommen Sie bitte zum Schluss.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004938"><name><vorname>Paul</vorname><nachname>Ziemiak</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Paul Ziemiak (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Das ist kein parteipolitisches Spiel, sondern es
ist eine große historische Aufgabe, die Beziehungen zwischen Deutschland und Polen
aufrechtzuerhalten.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege, kommen Sie zum Schluss jetzt,
bitte.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004938"><name><vorname>Paul</vorname><nachname>Ziemiak</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Paul Ziemiak (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Ja. Mein nachfolgender Redner von der CSU hat mir
jetzt eine Minute gegeben; ziehen Sie sie ihm ab.</p>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Das mache ich jetzt auch.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004938"><name><vorname>Paul</vorname><nachname>Ziemiak</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Paul Ziemiak (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Die CSU kann das verkraften.</p>
<kommentar>(Heiterkeit bei der CDU/CSU und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Meine sehr verehrten Damen und Herren, noch mal
zurück zu diesem Gedanken. Es geht nicht nur um die Beziehungen zwischen den
Regierungen. Wir sehen es in der Deutsch-Französischen Parlamentarischen
Versammlung: Auch dort schlägt das Herz der Beziehung. Meine Damen und Herren,
lassen Sie uns daran arbeiten, dass es auch eine Parlamentarische Versammlung
zwischen dem polnischen Sejm und dem Deutschen Bundestag gibt, damit es nicht nur
auf der Ebene der Regierungen, sondern vor allem auch auf der der frei gewählten
Abgeordneten – egal wer regiert – ein Gremium gibt, wo das Herz der Beziehungen
zwischen Deutschland und Polen schlägt.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Jetzt sind Sie aber auch schon zehn Sekunden über
die Minute.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004938"><name><vorname>Paul</vorname><nachname>Ziemiak</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Paul Ziemiak (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Herr Präsident, ich danke Ihnen für die erteilte
Redezeit.</p>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Genau. Und jetzt gehen Sie zum Platz, bitte.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004938"><name><vorname>Paul</vorname><nachname>Ziemiak</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Paul Ziemiak (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Auf die deutsch-polnischen Beziehungen!</p>
<p klasse="J">Danke schön.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Herr Kollege Ziemiak. – Nächster
Redner ist der Kollege Johannes Schraps, SPD-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der
FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015410400">
<p klasse="redner"><a id="r119"/><redner
id="11004881"><name><vorname>Johannes</vorname><nachname>Schraps</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Johannes Schraps (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Verehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen
und Kollegen! Es gibt da diesen alten Witz, der kurz nach dem Fall des Eisernen
Vorhangs Anfang der 1990er-Jahre überall erzählt wurde: Zwei Züge fahren aus
unterschiedlichen Richtungen in den Warschauer Hauptbahnhof ein. Der eine ist voll
mit Russen, die endlich einmal Paris sehen wollen, und der andere ist voll mit
Franzosen, die endlich mal nach Moskau fahren wollen. Ein Franzose steigt aus dem
nach Osten fahrenden Zug aus und glaubt, dass er schon an der Endstation angekommen
ist. Er geht hinaus in die Warschauer Innenstadt, und was er sieht, das macht ihn
fassungslos. Moskau sei genauso trostlos, wie er es erwartet hat, meint er.
Währenddessen steigt ein Russe aus dem anderen Zug, sieht sich kurz um und
schwärmt, wie schön dieses Paris doch ist.</p>
<p klasse="J">Zugegeben, so richtig witzig ist dieser Witz nicht,
aber er ist eben aus einer anderen Zeit.</p>
<kommentar>(Dr. Götz Frömming [AfD]: Das stimmt auch schon nicht
mehr! Waren Sie schon mal in Warschau?)</kommentar>
<p klasse="O">Und doch zeigt die anekdotische Rückschau eine
gewisse gegenseitige Ignoranz in Ost und West auf. Man glaubt, ohnehin sehr genau
zu wissen, wie es auf der anderen Seite so aussieht. Gleichzeitig legt dieser Witz
offen, wie vorgefertigt manch gegenseitige Vorstellungen waren und dass sie an der
Wirklichkeit ganz schön vorbeigingen. Ignoranz ist es auf den ersten Blick,
eigentlich ist es aber auch das Ergebnis von Jahrzehnten des Kalten Krieges, der
Teilung Europas und des gegenseitigen Misstrauens.</p>
<p klasse="J">Heute gibt es solche Züge aufgrund des brutalen
Angriffskrieges des russischen Regimes gegen die Ukraine leider nicht mehr. Die
Teilung Europas ist dennoch überwiegend überwunden. Und was die Ignoranz bei den
Vorstellungen im vereinten Europa angeht, so ist sie sicher weniger geworden, aber
so ganz weg ist sie doch noch nicht überall. In jedem Fall können wir sie uns nicht
leisten.</p>
<p klasse="J">Das Weimarer Dreieck ist ein ganz ausgezeichnetes
Format, um den Kontinent zu überbrücken und miteinander eine gemeinsame Sprache zu
finden. Das ist angesichts des militaristischen russischen Imperialismus
wahrscheinlich sogar eine Notwendigkeit, weil der sich derzeit zwar gegen die
Ukraine richtet, sich aber immer weiter ausbreiten kann, wenn er nicht gestoppt
wird. Bei der Münchner Sicherheitskonferenz hat Olaf Scholz deutlich und völlig
richtig gesagt: „Ohne Sicherheit ist alles andere nichts.“ Die Sicherheit ist eine
gemeinsame europäische Aufgabe. Wir brauchen noch viel mehr Synergien mit unseren
europäischen Partnern, eine noch bessere Zusammenarbeit. Deutschland, Frankreich
und Polen haben zusammen etwa 190 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner und damit
gemeinsam knapp ein Viertel mehr als Russland. Hinzu kommt die im Vergleich
deutlich stärkere Wirtschaftskraft. Deshalb spielt das Weimarer Dreieck eine
wichtige Rolle; denn wenn Paris, Warschau und Berlin sich einig sind, wird das im
Weißen Haus genauso wie im Kreml registriert. Deshalb ist es ein starkes Signal,
dass direkt nach der Konstituierung des neuen Parlaments und der neuen polnischen
Regierung auch das Weimarer Dreieck wiederbelebt wird, verbunden natürlich mit der
Hoffnung auf eine neue Ära der deutsch-polnischen Beziehungen.</p>
<p klasse="J">Vier Monate nach den Wahlen sehen wir schon erste
konkrete Ergebnisse. Von Funkstille, wie Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen aus
der CDU/CSU-Fraktion, es in Ihrem Antrag schreiben, kann nun wirklich nicht die
Rede sein. Zu nennen sind das Außenministertreffen, das genannt wurde, oder das
Treffen von Bundeskanzler Scholz mit Donald Tusk und Emmanuel Macron. Anfang März
reisen wir mit einer Delegation des Europaausschusses nach Warschau, zusammen mit
den französischen Kollegen. Vertreter der Auswärtigen Ausschüsse Polens und
Frankreichs werden in Kürze hierher nach Berlin kommen. Als eines der Gesichter der
engen deutsch-polnischen Zusammenarbeit hat Dietmar Nietan ja gerade sehr intensiv
ausgeführt, wie vielfältig die Kontakte sind.</p>
<p klasse="J">Vor einigen Jahren beschrieben Analysten das Weimarer
Dreieck als „drei Länder, drei Meinungen“. Damals war das eher negativ gemeint, als
trennendes Attribut. Auch heute haben alle Partner im Weimarer Dreieck natürlich
ihre spezifischen Sichtweisen auf unsere aktuellen Herausforderungen; aber mit
einer positiven Konnotation, dass die Kooperation der drei viel dazu beitragen
kann, gemeinsame Antworten auf die bestehenden Herausforderungen zu finden, zum
Beispiel in der Frage der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik, und das mit
Bevölkerungen und zum Glück nun auch Regierungen, die dezidiert proeuropäisch
sind.</p>
<p klasse="J">Gerade Polen spielt eine wichtige Rolle, auch mit
Blick auf die anderen Länder in Mittel- und Osteuropa; denn es kann Bindeglied sein
für eine ebenso enge Zusammenarbeit mit den baltischen Staaten, der Tschechischen
Republik oder der Slowakei und ist zudem auch wichtiger Partner für die Vereinigten
Staaten.</p>
<p klasse="J">Ich habe mit einem alten Witz begonnen, der aus einer
Zeit stammt, in der das Weimarer Dreieck gegründet wurde. Es dauerte weitere
anderthalb Jahrzehnte, bis Polen und andere mittel- und osteuropäische Länder der
EU beitreten konnten. Auch das ist bereits 20 Jahre her. Aber viele dieser Länder
haben manchmal immer noch das Gefühl, dass sie die etwas weniger wichtigen Partner
sind. Und das sind sie ausdrücklich nicht. Sie sind integraler und maßgeblicher
Bestandteil der Europäischen Union. Die große Chance des Weimarer Dreiecks besteht
darin, sicherzustellen, dass wir unsere Zusammenarbeit mit Polen und Frankreich auf
Augenhöhe gestalten und bereit sind, manch unterschiedliche Sichtweisen zu
gemeinsamen Lösungen zusammenzubringen.</p>
<p klasse="J">In diesem Sinne freue ich mich auf die künftigen
Gespräche mit den Kollegen aus dem Sejm und der Assemblée nationale und danke Ihnen
herzlich für die Aufmerksamkeit.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Herr Kollege Schraps. – Nächste
Rednerin ist die Kollegin Chantal Kopf, Bündnis 90/Die Grünen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015410500">
<p klasse="redner"><a id="r120"/><redner
id="11005111"><name><vorname>Chantal</vorname><nachname>Kopf</nachname><fraktion>BÜ
NDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Chantal Kopf (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Die Menschen in Polen haben sich im Oktober letzten Jahres für einen
politischen Neuanfang entschieden. Als Demokratin habe ich mich gefreut, und als
Europäerin habe ich aufgeatmet. Auch in unseren bilateralen Beziehungen hat der
Regierungswechsel die Möglichkeit für eine Neugestaltung und Vertiefung eröffnet.
Und diese Chance wollen wir wahrnehmen. Wir tun dies im Bewusstsein für die
Vergangenheit und in Anerkennung der schweren Schuld und des Leids, das Deutschland
im Zweiten Weltkrieg über sein Nachbarland Polen gebracht hat.</p>
<p klasse="J">2020 haben wir gemeinsam mit Union, SPD und FDP die
Errichtung eines Gedenkorts in Berlin für die Opfer der deutschen Besatzung in
Polen beschlossen. Es ist wichtig, dass dieses Deutsch-Polnische Haus des Erinnerns
und der Begegnung im Zentrum Berlins und in Sichtweite des Deutschen Bundestages
errichtet wird.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD, der
CDU/CSU und der FDP – Paul Ziemiak [CDU/CSU]: Bravo!)</kommentar>
<p klasse="J">Für unsere beiden Länder ist eine enge
wirtschaftliche und sicherheitspolitische Zusammenarbeit eine Chance zur richtigen
Zeit. Die Aggression Russlands konfrontiert uns mit Herausforderungen, die wir
nicht alleine meistern können, sondern wir müssen unsere militärischen,
finanziellen und politischen Kräfte innerhalb der EU und der NATO bündeln. Ich bin
froh, dass wir mit Polen einen starken, verlässlichen und engagierten Verbündeten
haben. Wir werden unsere Abstimmung in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik
noch enger gestalten und als Deutsche unsere Anstrengungen zur Unterstützung der
Ukraine intensivieren. Denn auch Deutschland muss sich als verlässlicher Akteur in
Europa zeigen und sich um ein belastbares und verlässliches Verhältnis mit Polen
bemühen.</p>
<p klasse="J">Im Bundestag haben wir mit unserer Unterstützung der
EU-Beitrittsgespräche mit der Ukraine und der Republik Moldau ein klares Zeichen
gesetzt. Das so wichtige Treffen der Außenminister/-innen Deutschlands, Frankreichs
und Polens wurde ja schon erwähnt, und auch, dass wir auch parlamentarisch das
Weimarer Dreieck stärken mit einer Delegationsreise des deutschen und des
französischen EU-Ausschusses Mitte März nach Warschau.</p>
<kommentar>(Johannes Schraps [SPD]: Ganz wichtig!)</kommentar>
<p klasse="J">Die neue polnische Regierung setzt in Brüssel auf
proaktives Engagement und auf Kooperationen. Am Dienstag hat die Regierung einen
Aktionsplan zur Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit vorgestellt und zeigt
damit, dass Polen ernst macht mit der Öffnung innerhalb der EU und die unheilige
Allianz mit dem nun isolierten Blockierer Viktor Orbán beendet.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN,
der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Es zeigt sich aber auch, wie schwierig es ist, den
Schaden zu reparieren, den antiliberale Kräfte anrichten können, aber auch, dass
ein neuer, demokratischer Aufbruch möglich ist.</p>
<p klasse="J">Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, Polen und
Deutschland brauchen einander als starke Partner und Verbündete und als Freunde.
Das bedeutet für uns konkrete Arbeit an unseren Beziehungen – jeden Tag. Sie wird
sich auszahlen.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der
FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Frau Kollegin. – Nächster Redner ist
der Kollege Dr. Volker Ullrich, CDU/CSU-Fraktion, mit einem Zwei-Minuten-
Beitrag.</p>
<kommentar>(Heiterkeit und Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015410600">
<p klasse="redner"><a id="r121"/><redner
id="11004427"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Volker</vorname><nachname>Ullrich</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Dr. Volker Ullrich
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und
Herren! Lebendige, gute und freundschaftliche deutsch-polnische Beziehungen sind
nicht nur aufgrund unserer geschichtlichen Verantwortung wichtig, sondern auch ein
europäischer Auftrag für die Zukunft. Wir müssen die Sprachlosigkeit, die sich in
den letzten Jahren in vielen Politikbereichen eingeschlichen hat, überwinden und
das deutsch-polnische Verhältnis wieder mit Leben füllen. Vor allen Dingen sollten
wir nicht nur darüber sprechen, was in der Vergangenheit schlecht gelaufen ist und
worüber wir uns geärgert haben – Reparationsforderungen oder auch polnische
Medienberichterstattungen –, sondern eine Kultur der Anerkennung dessen entwickeln,
was Polen geschaffen hat.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD, des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Dass Polen beinahe 4 Prozent des
Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgibt und der wesentliche Akteur an der
NATO-Ostflanke ist, braucht wesentlich mehr Anerkennung. Dass die polnische
Wirtschaft in den letzten 30 Jahren so stark gewachsen und zum wesentlichen Faktor
dafür ist, dass wir in Mittel- und Osteuropa wirtschaftliches Wachstum verzeichnen,
müssen wir, meine Damen und Herren, wirklich anerkennen.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD und der
FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Wichtig ist auch, dass das Weimarer Dreieck wieder
stärker belebt wird. Ich will daran erinnern, dass das eine sehr kluge und
weitsichtige Einrichtung war von Hans-Dietrich Genscher, Krzysztof Skubiszewski und
Roland Dumas. Und ich freue mich, dass Roland Dumas mit 101 Jahren jetzt erleben
kann, dass aus europäischer Verantwortung heraus dieses Weimarer Dreieck wieder
stärker mit Leben erfüllt wird – nicht allein für uns, sondern aus gemeinsamer
Verantwortung für die europäische Sicherheit.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD,
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Neben der großen Welt – das ist mein letzter
Gedanke – ist auch die kleine Welt wichtig, auch die Nachbarschaftspolitik. Ich
freue mich, dass der Kollege Markus Reichel mit vielen Initiativen dabei ist. Wir
müssen beides voranbringen.</p>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege, kommen Sie bitte zum Schluss.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004427"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Volker</vorname><nachname>Ullrich</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Dr. Volker Ullrich
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Wir müssen die gemeinsame europäische Verantwortung
beleben und stärken, was wir im Bereich der Grenzregionen gemeinsam erreichen
können.</p>
<p klasse="J">Herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD,
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Herr Kollege Dr. Ullrich. – Letzter
Redner in der Debatte ist der Kollege Konrad Stockmeier, FDP-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der
SPD)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015410700">
<p klasse="redner"><a id="r122"/><redner
id="11005234"><name><vorname>Konrad</vorname><nachname>Stockmeier</
nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></redner>Konrad Stockmeier (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Präsident! Geehrte Kolleginnen
und Kollegen! Wir leben in Zeiten wahrlich großer Herausforderungen. Ich möchte
beispielhaft Putins mörderischen Angriffskrieg auf die Ukraine und auch die
Herausforderungen in der Weiterentwicklung des Verhältnisses zwischen der
Europäischen Union und den Vereinigten Staaten von Amerika nennen. Gerade weil uns
zurzeit vieles Sorgen macht, dürfen und sollen wir den Blick auch auf das richten,
was uns stärkt und was uns die Zuversicht gibt, die Ärmel hochzukrempeln und diese
Herausforderungen anzupacken.</p>
<p klasse="J">Dazu zählt für uns Freie Demokraten die Wahl und die
Bildung der neuen Regierung in unserem Nachbarland Polen, einer Regierung, die
freundschaftlich mit Deutschland zusammenarbeiten will, einer Regierung, die
Deutschland als Partner betrachtet und in Zeiten der Bedrohung von innen und außen
die Europäische Union proaktiv stärkt, einer Regierung, mit der wir jetzt das
Weimarer Dreieck wiederbeleben können und sollen, und einer Regierung mit ganz
starken liberalen Kräften. Jedes Land bringt seine Geschichte und seine Perspektive
in die Europäische Union mit ein. Wechselseitig offen zu sein für diese
Perspektiven, das stärkt die Europäische Union. Das ist das Erbe Hans-Dietrich
Genschers, dem wir Freie Demokraten uns verpflichtet fühlen.</p>
<p klasse="J">In diesem Zusammenhang zitiere ich mit Erlaubnis des
Herrn Präsidenten den polnischen Außenminister Sikorski aus der „FAZ“ vom
30. Januar:</p>
<p klasse="Z">„Putin hat Polen, Lettland, Finnland gedroht. Wenn er
einem Land droht, meint er es ernst.“</p>
<p klasse="O">Seien Sie versichert, Herr Außenminister, wir nehmen
sehr ernst, was Sie uns damit mit auf den Weg geben. Wir Freie Demokraten machen
uns dafür stark, dass sich Deutschland gemeinsam mit Frankreich und Polen diesem
Feind der Freiheit entgegenstellt.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Herr Kollege Stockmeier. – Damit schließe
ich die Aussprache.</p>
<p klasse="J">Interfraktionell wird Überweisung der Vorlagen auf den
Drucksachen 20/10380 und 20/8355 an die in der Tagesordnung aufgeführten Ausschüsse
vorgeschlagen. Gibt es weitere Vorschläge? – Das höre und sehe ich nicht. Dann
verfahren wir so.</p>
</tagesordnungspunkt>
<tagesordnungspunkt top-id="Tagesordnungspunkt 12">
<p klasse="J">Ich rufe den Tagesordnungspunkt 12 auf:</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t34"/> Beratung des Antrags der
Bundesregierung </p>
<p klasse="T_fett"> Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter
deutscher Streitkräfte an der Mission der Vereinten Nationen in der Republik
Südsudan (UNMISS)</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_Ueberweisung"> Überweisungsvorschlag: Auswärtiger
Ausschuss (f) Rechtsausschuss Verteidigungsausschuss Ausschuss für Menschenrechte
und humanitäre Hilfe Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Haushaltsausschuss gemäß § 96 der GO</p>
<p klasse="J">Für die Aussprache ist eine Dauer von 39 Minuten
beschlossen. – Es gibt kaum Platzwechsel; das ist sehr schön.</p>
<p klasse="J">Dann eröffne ich die Aussprache und erteile als erstem
Redner für die Bundesregierung Herrn Bundesminister der Verteidigung, Boris
Pistorius, das Wort.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der
FDP)</kommentar>
<rede id="ID2015410800">
<p klasse="redner"><a id="r123"/><redner
id="999990093"><name><vorname>Boris</vorname><nachname>Pistorius</
nachname><rolle><rolle_lang>Bundesminister der
Verteidigung</rolle_lang><rolle_kurz>Bundesminister
BMVg</rolle_kurz></rolle></name></redner>Boris Pistorius, Bundesminister der
Verteidigung:</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten
Damen und Herren Abgeordneten! Da wir uns heute Abend hier im Bundestag gleich mit
zwei laufenden Auslandseinsätzen unserer Bundeswehr beschäftigen, lassen Sie mich
zu Beginn dieser Debatte etwas sagen, das mir am Herzen liegt und Ihnen ganz sicher
auch. Die Männer und Frauen unserer Bundeswehr tragen weltweit dazu bei, Terror zu
bekämpfen, Frieden und Stabilität zu sichern. Sie bilden aus, sie beraten, sie
unterstützen bei der Einhaltung von Friedensabkommen. Sie sorgen für Stabilität und
für mehr Sicherheit, und das alles sehr oft in schwierigem und gefährlichem Umfeld,
für viele Monate weit weg von Familie und Freunden. Das ist eine herausragende
Leistung, und das ist ein einzigartiger Einsatz für unser Land und für die
Aufträge. Und beides ist alles andere als selbstverständlich. Vielen Dank!</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der
FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Als ich am Dienstag die Fregatte „Hessen“ auf dem Weg
in den Einsatz ins Rote Meer besucht habe, habe ich wieder einmal eine wirklich
hochprofessionelle und hochmotivierte Truppe erlebt, die trotz aller Widrigkeiten
und Herausforderungen top vorbereitet und motiviert in den Einsatz geht. Ich möchte
daher heute allen Soldatinnen und Soldaten unserer Parlamentsarmee von Herzen für
ihren Einsatz danken.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der
FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Wir können stolz sein auf unsere Männer und Frauen,
die in diesen konfliktreichen Zeiten Großartiges hochprofessionell leisten.</p>
<p klasse="J">Seit April letzten Jahres, meine Damen und Herren,
herrscht Bürgerkrieg im Sudan. Er hat bis heute mehrere Hundert Tote, Tausende
Verletzte und eine große Anzahl an Vertriebenen gefordert. Als sich die
Sicherheitslage im Sudan so eklatant verschlechterte, mussten wir als
Bundesregierung schnell und entschlossen handeln. In einer, wie ich nach wie vor
finde, beeindruckenden Evakuierungsmission brachte unsere Bundeswehr mehr als
700 Menschen innerhalb kürzester Zeit in Sicherheit.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der
FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Das gelang auch dank Ihrer Unterstützung. Der
Deutsche Bundestag stimmte dieser Operation sehr schnell und unkompliziert zu. Das
war insbesondere für die Truppe wichtig. Ihr politischer Rückhalt, meine sehr
geehrten Damen und Herren Abgeordneten, zeigt unseren Frauen und Männern, dass der
Bundestag hinter seiner Parlamentsarmee steht, hinter den rund 1 000 Soldatinnen
und Soldaten, die für die Operation im vergangenen April im Einsatz waren.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der
FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Die Evakuierung, das will ich deutlich hervorheben,
gelang dabei auch aufgrund der exzellenten Kontakte der Bundeswehr in den Sudan.
Wir haben diese auch in schwierigen Zeiten für unsere Beziehungen mit der
sudanesischen Regierung nie abreißen lassen. Auch dank dieser Kontakte und
Beziehungen konnten wir die Evakuierungsmission schnell koordinieren, hatten
Anknüpfungspunkte und Kontakte, um am Ende Menschenleben zu retten. Unsere
Bundeswehr hat damit einmal mehr gezeigt, dass sie kaltstartfähig und einsatzbereit
ist und dass sie sofort zur Stelle ist, wenn sie gebraucht wird. Dafür danke ich
unseren großartigen Soldatinnen und Soldaten.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der
FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, seit dem Ausbruch des
Bürgerkrieges im Sudan hat das Nachbarland Südsudan mehr als eine halbe Million
Flüchtlinge aufgenommen. Viele von ihnen sind Rückkehrerinnen und Rückkehrer, die
während des damaligen südsudanesischen Bürgerkrieges im benachbarten Sudan Schutz
gesucht hatten. Dadurch verschärft sich die ohnehin schon angespannte humanitäre
Lage in dem jüngsten Land der Welt noch einmal zusätzlich. Etwa drei Viertel der
südsudanesischen Bevölkerung sind heute auf humanitäre Hilfe angewiesen.</p>
<p klasse="J">Der 2018 vereinbarte Friedensprozess bringt kleine,
aber leider nur sehr langsame Fortschritte. Er sieht auch vor, dass im Dezember
dieses Jahres Wahlen stattfinden. Die Mission der Vereinten Nationen in der
Republik Südsudan, kurz: UNMISS, spielt eine wichtige Rolle für die Stabilität des
Landes. Unsere Bundeswehr beteiligt sich seit 2011 an diesem Blauhelmeinsatz der
Vereinten Nationen. Mit aktuell 14 eingesetzten Soldatinnen und Soldaten auf
fordernden und wichtigen Dienstposten trägt Deutschland zur Auftragserfüllung der
Mission bei. Wir unterstützen damit die Umsetzung des Friedensabkommens von 2018.
Unser Beitrag umfasst den Einsatz von militärischem Einzelpersonal in den
Führungsstäben der Missionen, aber auch Militärbeobachterinnen und
Militärbeobachter.</p>
<p klasse="J">Unser Engagement, das kann man deutlich
unterstreichen, wird im Land und in den Nachbarstaaten trotz der geringen Zahl von
Soldatinnen und Soldaten hoch geschätzt.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der
FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Mein Dank und mein tiefer Respekt gilt unseren
Soldatinnen und Soldaten. Mit ihrem herausragenden Einsatz abseits der
Weltöffentlichkeit tragen sie zu mehr Stabilität in dieser von Konflikten,
Vertreibung und Instabilität geprägten Region bei.</p>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, Deutschland engagiert sich im
Südsudan aber nicht nur militärisch; die Bundesregierung unterstützt das Land auch
mit humanitärer Hilfe und zum Beispiel beim Minenräumen. Über die Beteiligung von
Polizistinnen und Polizisten in der Mission hat der Bundestag gerade im Dezember
erneut entschieden. Wir sind weiterhin überzeugt: Nur im Zusammenspiel von
Diplomatie, Entwicklungszusammenarbeit und militärischem Engagement können wir
Stabilität und Frieden schaffen.</p>
<p klasse="J">Und Frieden ist so wichtig und bitter nötig, nicht
nur für die südsudanesischen Frauen und Männer und die gesamte Region, sondern auch
für uns in Europa; „Migration“ ist hier nur ein Stichwort. Wir leisten damit
außerdem einen wichtigen Beitrag zum VN-Peacekeeping, und das, während an vielen
Orten der Welt die Arbeit multilateraler Institutionen und besonders der Vereinten
Nationen immer mehr infrage gestellt und schwieriger wird.</p>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, die Bundesregierung plant,
den UNMISS-Einsatz um ein weiteres Jahr, bis zum 31. März 2025, zu verlängern. Die
personelle Obergrenze soll unverändert bis zu 50 Soldatinnen und Soldaten betragen.
Ich bitte Sie, liebe Abgeordnete des Deutschen Bundestages, heute um die Erneuerung
des Mandats für die deutsche Beteiligung an dieser Mission. Deutschland übernimmt
damit Verantwortung in einer schwierigen Zeit. Wir übernehmen Verantwortung in
einer Region der Welt, die instabil ist und in der Konflikte immer wieder
aufflammen können, wie wir im letzten Jahr gesehen haben. Gerade deswegen bleibt
unser Einsatz im Rahmen von UNMISS weiter wichtig und notwendig. Ich bitte Sie
daher um Ihre Unterstützung.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der
FDP sowie des Abg. Roderich Kiesewetter [CDU/CSU])</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Herr Minister. – Bevor ich der Kollegin
Dr. Katja Leikert für die CDU/CSU-Fraktion das Wort erteile, begrüße ich besonders
herzlich die Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Frau Dr. Högl, bei uns.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
und der FDP sowie des Abg. Jan Ralf Nolte [AfD])</kommentar>
<p klasse="O">Ich habe Sie wahrgenommen, Frau Wehrbeauftragte.</p>
<p klasse="J">Nächste Rednerin ist die Kollegin Dr. Katja Leikert,
CDU/CSU-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<rede id="ID2015410900">
<p klasse="redner"><a id="r124"/><redner
id="11004337"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Katja</vorname><nachname>Leikert</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Dr. Katja Leikert
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Wir hatten heute eine ganze Reihe an außen- und sicherheitspolitischen
Debatten. Unter diesem Eindruck stehe ich auch gerade noch. Wir hatten Debatten zur
Unterstützung der Ukraine, wir hatten Debatten zur Zeitenwende. Ich bin mir nicht
ganz sicher – es macht mich wirklich nachdenklich, wenn ich den Tag so
reflektiere –, inwiefern das Thema Zeitenwende wirklich in aller Breite hier auch
angekommen ist und ob vor allem auch denjenigen, die die Regierungsverantwortung
tragen, klar ist, was das neue geopolitische Zeitalter uns allen abverlangt.</p>
<p klasse="J">Das zeigt sich, wenn ich mir Ihre Afrika-Politik
anschaue. Es ist schön, dass Sie so viel nach Afrika reisen wie zuletzt Kanzler
Scholz in den Senegal, Verteidigungsminister Pistorius nach Niger und die
Außenministerin in den Südsudan. Aber dann stellt man sich die Frage: Was kommt
denn dabei raus? Ich bin da auch immer ein bisschen ratlos, wenn ich mir dann die
Berichte bei uns im Auswärtigen Ausschuss anhöre. Mir kommt es so vor, als wären
wir hier vielmehr in einer Zuschauerrolle, würden beschreiben und vor allem
Russland und auch den Emiraten zugucken, wie sie immer mehr Pflöcke vor Ort
einschlagen. Das, werte Kolleginnen und Kollegen, wird unserem eigenen Anspruch
wirklich nicht gerecht.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Heute geht es natürlich um die Verlängerung dieser
Mission, UNMISS, an der wir uns schon seit 2011 beteiligen. Da ist die Lage leider
symptomatisch: Wir konzentrieren uns hier auf einen sehr kleinen Beitrag, den wir
leisten und der natürlich wichtig ist. Aber rund um den Südsudan entgleiten uns die
Dinge massiv. Schauen wir es uns an: Im Sudan herrscht seit April 2023 ein brutaler
Krieg. In Äthiopien gibt es eine nachhaltige Schwächung der Regierung. Nach dem
Krieg in Tigray und in Somalia hat die Regierung noch immer unter den Angriffen der
Terrormiliz Al-Shabaab zu leiden; und auch im Ostkongo sind 200 Rebellengruppen
nach wie vor aktiv, und kein Ende der Krise ist in Sicht. Der Südsudan ist
umzingelt von Konflikten und Instabilität. Wenn wir den Südsudan langfristig
stabilisieren wollen, dann müssen wir eben regional stärker ansetzen. Davon sehen
wir eben viel zu wenig. Bitte liefern Sie an dieser Stelle nach.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Wir sehen den wachsenden russischen Einfluss, und ich
habe dazu einige Fragen – vielleicht kann das im Anschluss an die Debatte noch
geklärt werden –: Wie verfahren wir mit dem russischen Afrikakorps, dem Nachfolger
der Wagner-Gruppe? Was machen wir mit Äthiopien, das zusehends Instabilität in der
Region verbreitet? Und zuletzt: Wie gelingt uns ein ehrlicher Dialog mit den
Golfstaaten, die am erweiterten Horn von Afrika mittlerweile so viel Macht ausüben?
Das sind viele Fragen, die es einmal zu beantworten gilt.</p>
<p klasse="J">Deshalb mein Aufruf hier an Sie: Wir unterstützen
natürlich gemeinsam UNMISS, und wir danken unseren Soldatinnen und Soldaten. Aber
lassen Sie uns wirklich mehr tun,</p>
<kommentar>(Ulrich Lechte [FDP]: Wir freuen uns auf Ihre
Unterstützung!)</kommentar>
<p klasse="O">um angesichts unserer großen geopolitischen Rolle
mehr Taten folgen zu lassen!</p>
<p klasse="J">In diesem Sinne: Herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Frau Kollegin Leikert. – Als nächste
Rednerin erhält das Wort die Frau Staatsministerin im Auswärtigen Amt Katja Keul
für die Bundesregierung.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015411000">
<p klasse="redner"><a id="r125"/><redner
id="11004067"><name><vorname>Katja</vorname><nachname>Keul</nachname><rolle><rolle_
lang>Staatsministerin im Auswärtigen Amt</rolle_lang><rolle_kurz>Staatsministerin
AA</rolle_kurz></rolle></name></redner>Katja Keul, Staatsministerin im Auswärtigen
Amt:</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Seit 2011 gibt es das UN-Mandat im Südsudan, an dem wir uns derzeit mit
14 Soldatinnen und Soldaten, überwiegend Militärbeobachtern, beteiligen. Die
Mission selbst ist mit 17 000 Soldatinnen und Soldaten und mit 2 000 Polizistinnen
und Polizisten eine der letzten verbleibenden großen UN-Friedensmissionen. Und ein
Ende ist leider nicht in Sicht.</p>
<p klasse="J">Von den 12 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern
Südsudans sind etwa 9 Millionen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Das sind drei
Viertel der Bevölkerung. Hinzu kommen aktuell 1 000 bis 1 500 Geflüchtete täglich
aus dem Sudan, bislang mehr als 500 000. Die Klimakatastrophe trägt mit Dürren und
Überschwemmungen zur Notlage der Menschen bei. Trotz des Friedensabkommens von 2018
kommt es weiter regelmäßig zu bewaffneten Kämpfen auf regionaler und lokaler Ebene.
Auftrag der UN in dieser Lage ist der Schutz der Zivilbevölkerung und der
humanitären Helfer, die Umsetzung des Friedensvertrages von 2018 und die
Beobachtung der Menschenrechtslage. Das sind riesige Herausforderungen.</p>
<p klasse="J">Gleichzeitig muss der Druck auf die Machthaber
aufrechterhalten werden, endlich selbst Verantwortung zu übernehmen für das Wohl
ihrer Bevölkerung. Seit der Unabhängigkeit des Landes 2011 hat es noch keine Wahlen
gegeben. Seit vier Jahren regiert eine Übergangsregierung der nationalen Einheit
von Präsident Salva Kiir und seinem langjährigen Rivalen und heutigen
Vizepräsidenten Riek Machar. Die beiden sprechen kaum miteinander. Es fehlt ihnen
immer noch der entscheidende politische Wille, das Land endlich zu befrieden.</p>
<p klasse="J">Ursprünglich sollten die Wahlen bereits Ende 2022
stattfinden. Sie wurden aber um zwei Jahre verschoben, weil weder die
Rechtsgrundlagen vorlagen noch die praktische Durchführbarkeit gegeben war. Im
letzten Herbst wurde immerhin eine Wahlkommission eingesetzt, die aber ihre Arbeit
erst noch aufnehmen muss. Die Durchführung der Wahl braucht nicht nur
funktionierende Institutionen, sondern eben auch ein Minimum an Sicherheit. Dafür
ist die Präsenz von UNMISS unerlässlich.</p>
<p klasse="J">Die Umsetzung des Friedensabkommens verläuft
schleppend. Wie so häufig gestaltet sich gerade die Zusammenführung der
unterschiedlichen Milizen zu einer einheitlichen Armee besonders schwierig. Keiner
der Rivalen will sich dem anderen unterordnen. Jeder beansprucht möglichst viele
Führungspositionen. Immerhin konnte am 15. November das erste Bataillon der neu
gebildeten Vereinten Streitkräfte an seinen Einsatzort verlegt werden. Das ist ein
erster Schritt.</p>
<p klasse="J">Die Menschenrechtslage ist allerdings weiter
desaströs. Besonders gravierend ist die weitverbreitete konfliktbezogene sexuelle
Gewalt: von Massenvergewaltigungen bis zu sexueller Versklavung. Ein Zugang zur
Justiz ist kaum vorhanden. Die Täter genießen praktisch Straffreiheit. Wir legen
mit unserem Beitrag einen besonderen Fokus auf den Kampf gegen sexualisierte und
genderbasierte Gewalt.</p>
<p klasse="J">Bei meinem Besuch im April 2022 wurde mir mehrfach
die intensive Bitte um die Entsendung deutscher Polizistinnen und Polizisten
vorgetragen. Deswegen ist es eine gute Neuigkeit, dass wir mit diesem Mandat jetzt
auch wieder bis zu 20 Polizistinnen und Polizisten entsenden werden. In Kürze
werden die ersten drei Beamten eingesetzt.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Mit unserem Beitrag zu UNMISS wollen wir in erster
Linie helfen, das Leid der Menschen im Südsudan zu lindern. Gleichzeitig
signalisieren wir aber auch den Vereinten Nationen, dass wir weiterhin
friedenssichernde Einsätze aktiv unterstützen wollen. Das ist umso wichtiger heute,
wo unsere Aufmerksamkeit von so vielen Kriegen beansprucht wird, sowohl in Europa
selbst als auch im Nahen Osten.</p>
<p klasse="J">Trotzdem müssen wir realistisch bleiben, wenn es
darum geht, was wir von einer Blauhelmmission in einer solchen Lage erwarten
können. Sie kann politische Prozesse unterstützen, aber nicht ersetzen, und sie
kann unerwünschte Nebenwirkungen haben, wenn es darum geht, die Akteure und
Machthaber vor Ort in die Verantwortung zu nehmen. Wir sehen diese Probleme. Wir
werden uns auf UN-Ebene der strategischen Debatte stellen, wie Friedensmissionen
der Zukunft den Herausforderungen besser gerecht werden können. Im nächsten Jahr
werden wir eine hochrangige Konferenz zum Thema Peacekeeping ausrichten, das
sogenannte UN Peacekeeping Ministerial, und damit Impulse zur Weiterentwicklung der
Friedenseinsätze geben.</p>
<p klasse="J">Für die Menschen im Südsudan gibt es derzeit keine
Alternative. Wo selbst die humanitären Helfer bedroht, attackiert oder gar ermordet
werden, ist die Präsenz von UNMISS schlicht überlebensnotwendig. Es gibt daher auch
keine Anti-UNMISS-Stimmung im Land, wie wir sie in Mali erlebt haben, weder bei der
Bevölkerung noch bei der Regierung.</p>
<p klasse="J">Im UN-Sicherheitsrat haben 13 von
15 Sicherheitsratsmitgliedern dafür gestimmt, darunter alle drei afrikanischen
Mitgliedstaaten. Selbst China beteiligt sich mit Infanterie an der Mission und hat
sich nur deswegen enthalten, weil ihm die Förderung von Rechtsstaatlichkeit zu weit
geht – ein Fokus, der gerade für uns zentral ist und den wir nicht nur mit
Polizistinnen und Polizisten unterstützen. So fördert unter anderem die Max-Planck-
Stiftung vor Ort sowohl den Verfassungsprozess als auch die Vereinheitlichung der
Rechtsprechung.</p>
<kommentar>(Johannes Schraps [SPD]: Sehr wichtig!)</kommentar>
<p klasse="O">Der militärische Beitrag ist damit nicht isoliert zu
betrachten. Er ist vielmehr eingebettet in einen breiteren Ansatz, der auch
humanitäre Hilfe und regierungsferne Entwicklungszusammenarbeit umfasst.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN,
der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Die Kosten für unseren Beitrag zu UNMISS sind mit
1,3 Millionen Euro für das nächste Jahr überschaubar. Ich bitte Sie daher, der
Fortsetzung dieses Mandats zuzustimmen.</p>
<p klasse="J">Ich danke allen Soldatinnen und Soldaten sowie allen
zivilen Helferinnen und Helfern, die sich unter diesen schwierigen und gefährlichen
Umständen für die Menschen im Südsudan einsetzen.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der
FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Frau Staatsministerin. – Nächster
Redner ist der Kollege Joachim Wundrak, AfD-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015411100">
<p klasse="redner"><a id="r126"/><redner
id="11005264"><name><vorname>Joachim</vorname><nachname>Wundrak</nachname><fraktion
>AfD</fraktion></name></redner>Joachim Wundrak (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Herr Präsident! Frau Wehrbeauftragte! Herr Minister
Pistorius! Wie schon gehört, beteiligt sich die Bundeswehr seit 2011 an der UN-
Mission im Südsudan. In diesem Jahr sollen auch wieder Polizeikräfte dazukommen.
UNMISS ist die derzeit größte Friedensmission der Vereinten Nationen mit bis zu
17 000 Soldaten, 2 000 Polizisten und einem Budget von 1,2 Milliarden US-Dollar. Die
Teilnehmer kommen aus mehr als 60 Ländern, darunter auch – und das ist
interessant – die USA, Russland und China. Letzteres stellt für UNMISS mehr als
1 000 Soldaten. Der Beitrag der Bundeswehr besteht aus Abstellung von gut einem
Dutzend Einzelpersonal in Stäben und Beobachtern, die auch im Land
patrouillieren.</p>
<p klasse="J">Der Südsudan zählt zu den fragilsten und
unterentwickeltsten Staaten mit einem seit 2013 gewaltsam ausgetragenen Konflikt,
der bis heute andauert und bereits mehr als 400 000 Menschenleben gefordert hat.
Rund 2,2 Millionen Menschen sind in Nachbarländer geflohen, teilweise
zurückgekehrt. Etwa 1,5 Millionen haben als Binnenvertriebene ihre Heimat
verlassen. Drei Viertel der Einwohner Südsudans sind heute von humanitärer Hilfe
von außen abhängig, obwohl das Land über reiche Ölquellen verfügt, die Erlöse
jedoch überwiegend als Transitgebühren in den Sudan gehen oder bei den chinesischen
Produzenten verbleiben.</p>
<p klasse="J">Der Abschluss eines erneuten Friedensabkommens 2018
sowie die Bildung einer neuen Einheitsregierung im Jahr 2020 waren Hoffnungszeichen
einer insgesamt äußerst schwierigen und labilen Situation, die wohl noch einige
Jahre andauern wird. Bis 2025 soll nun eine Übergangsphase zur Schaffung
vereinigter Sicherheitskräfte und zur Verabschiedung einer Verfassung genutzt
werden. Bisher sind die Fortschritte nur marginal.</p>
<p klasse="J">Die Sicherheitslage im Südsudan ist weiterhin äußerst
instabil. Die Anzahl gewaltsamer Vorfälle ist seit 2022 wieder angestiegen. Die
langjährigen Kontrahenten Kiir und Machar zeigen kein ernsthaftes Interesse an
einer friedlichen Machtteilung. Ob daher die für 2024 vorgesehenen, mehrfach
verschobenen Wahlen stattfinden können, ist durchaus fraglich. Insbesondere die USA
üben Druck auf die Übergangsregierung aus, das Friedensabkommen von 2018
vollständig umzusetzen – Druck auch durch Kürzung der finanziellen
Unterstützung.</p>
<p klasse="J">Die Reaktion darauf war eine Annäherung Präsident
Kiirs an Russland, dessen offensive Afrika-Politik jüngst im Sahel zum Rückzug der
westlichen Präsenz führte. Präsident Putin hat dem Südsudan zum Beispiel den Bau
einer Raffinerie versprochen und damit seinen Einfluss auf die Übergangsregierung
erheblich vergrößert.</p>
<p klasse="J">Die Bundesregierung unterstützt den Südsudan durch
humanitäre Hilfe und Entwicklungsarbeit. Den Friedensprozess hat sie mit einigen
Hundert Millionen Euro unterstützt. Wie so oft sind wir hier zweitgrößter Geber. Es
muss natürlich deutsches Interesse sein, dazu beizutragen, der Bevölkerung des
Südsudan eine Zukunft im eigenen Land zu bieten, um die Migration nach Europa und
Deutschland zu verhindern. Insbesondere der jungen Bevölkerung, deren Medianalter
bei 17 Jahren liegt, müssen Perspektiven im Südsudan geboten werden. Sie sind die
Zukunft des Landes und sollen helfen, die Wirtschaft zu entwickeln und die
Gesellschaft künftig friedlich zu gestalten.</p>
<p klasse="J">Daher ist UNMISS bei durchaus auch berechtigter
Kritik bis auf Weiteres ein wesentlicher Faktor für die Stabilisierung und
Befriedung des Südsudan. Es ist im Antrag richtig dargestellt, dass der deutsche
Beitrag zu UNMISS weniger durch die absolute Anzahl als durch die Qualität und
Expertise der entsandten Soldaten an Bedeutung gewinnt. Auch wenn nur wenige
unserer Soldaten den besonderen Risiken der Patrouillenfahrten ausgesetzt sind, –
</p>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege, kommen Sie zum Schluss, bitte.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11005264"><name><vorname>Joachim</vorname><nachname>Wundrak</nachname><fraktion
>AfD</fraktion></name></redner>Joachim Wundrak (AfD):</p>
<p klasse="J_1">– ist ihrer Sicherheit besondere Aufmerksamkeit zu
schenken. Daher ist die Bundesregierung aufgefordert, –</p>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege, Ihr letzter Satz jetzt.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11005264"><name><vorname>Joachim</vorname><nachname>Wundrak</nachname><fraktion
>AfD</fraktion></name></redner>Joachim Wundrak (AfD):</p>
<p klasse="J_1">– insbesondere das Funktionieren der Rettungskette
jederzeit sicherzustellen.</p>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Gut.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11005264"><name><vorname>Joachim</vorname><nachname>Wundrak</nachname><fraktion
>AfD</fraktion></name></redner>Joachim Wundrak (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Grundsätzlich sehen wir den Nutzen der Mission und
stimmen daher zu.</p>
<kommentar>(Das Mikrofon wird abgeschaltet)</kommentar>
<p klasse="O">Die Zustimmung – –</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege, ich habe Ihnen jetzt das Wort
entzogen, da Sie bereits 30 Sekunden über der Zeit sind.</p>
<p klasse="J">Nächster Redner ist der Kollege Jens Beeck für die
FDP-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015411200">
<p klasse="redner"><a id="r127"/><redner
id="11004666"><name><vorname>Jens</vorname><nachname>Beeck</nachname><fraktion>FDP<
/fraktion></name></redner>Jens Beeck (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Hochverehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Seit 2005 engagieren wir uns im Sudan. Seit 2011, der Staatsgründung,
sind wir Teil der UNMISS-Mission mit – der Bundesminister der Verteidigung hat es
beschrieben – nur 14 Soldaten bei einer Obergrenze von 50. Man könnte sich fragen:
Welche Wirksamkeit entfalten wir an dieser Stelle eigentlich?</p>
<p klasse="J">Auch die tatsächliche Entwicklung im Südsudan, die
wir jedes Jahr hier einmal neu beleuchten, hat weiterhin die von Frau
Staatsministerin Keul beschriebenen Schwierigkeiten in menschenrechtlicher
Hinsicht: Genderbasierte Gewalt, sexualisierte Gewalt sind an der Tagesordnung, das
muss man leider sagen. Die Versorgungslage ist nach wie vor sehr schlecht. Durch
Naturkatastrophen im letzten Jahr ist die Infrastruktur weiter angegriffen, sodass
die Herausforderungen, denen sich UNMISS stellt, nämlich, wie es insbesondere bei
diesem Mandat der Fall ist, Sicherheit für die Zivilbevölkerung herzustellen, immer
schwieriger werden.</p>
<p klasse="J">Wir stellen uns dem, ich glaube, größten
Peacekeeping-Mandat der Vereinten Nationen, das es noch gibt – mit über 19 000
genehmigten Kräften, davon über 17 000 Kräfte im Land –, sehr verantwortungsvoll.
Der Bundesminister der Verteidigung hat darauf hingewiesen: Der Beitrag ist in der
Sache qualitativ sehr hochwertig. Die deutschen Soldaten übernehmen an dieser
Stelle Funktionen bei Aufklärung in den Stäben, die von den Partnern, die die
großen Truppenkontingente stellen, sehr geschätzt werden. Herr Minister, der Dank
des Hauses an diese Soldatinnen und Soldaten ist Ihnen gewiss.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Aber es geht eben nicht nur darum. Deswegen hat mich
etwas irritiert, was die Frau Kollegin Dr. Leikert mit der Frage angesprochen hat,
die so ein bisschen wie „Was machen wir da eigentlich?“ klang. Es geht nicht nur um
diese 14 Soldaten, sondern es geht außerdem – darauf ist hingewiesen worden – um
die Polizeikräfte, die wir stellen. Es geht außerdem darum, dass Deutschland auch
hier einer der größten Geber der EZ ist und dass unsere NGOs im Südsudan sehr, sehr
aktiv sind. Frau Staatsministerin Keul hätte weiter ausführen können,</p>
<kommentar>(Dr. Johann David Wadephul [CDU/CSU]: In der Tat: „Hätte
… können“!)</kommentar>
<p klasse="O">dass das Auswärtige Amt im Südsudan den Verfassungs-
und Friedensprozess eng begleitet, und zwar seit Anbeginn.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und
des Abg. Niklas Wagener [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="O">Ich glaube, es gibt kein anderes Land in der Welt –
außer vielleicht Kolumbien –, wo unser Einsatz für Rechtsstaatlichkeit noch stärker
ist als in diesem Land.</p>
<p klasse="J">Wenn man all das, was wir tun, zusammennimmt, nämlich
den Schutz von Leben und Gesundheit für die einzelnen Menschen im Sudan möglichst
sicherzustellen, jetzt mit sehr viel Patrouillen, mit Außenbasen der großen
Truppensteller, dann ist das an sich schon ein Wert, für den jedenfalls die
regierungstragenden Fraktionen sich sehr stark einsetzen und dem sie sich verbunden
fühlen.</p>
<p klasse="J">Aber es geht viel weiter. Der Südsudan ist 13 Jahre
nach seiner Staatsgründung auf dem Weg, ein Land zu werden, das unsere
wertebasierte Ordnung teilen will. Bei all den Schwierigkeiten, die geschildert
worden sind, sind gerade in einer aktuellen Umfrage von UNMISS, die breit im ganzen
Land angelegt war, Menschen, die von Vergewaltigung, von Hunger, von
Naturkatastrophen betroffen sind, gefragt worden: Beabsichtigen Sie denn
eigentlich, an der Wahl teilzunehmen, die wir Ende des Jahres durchführen wollen?
Das Ergebnis war, dass weit mehr als 90 Prozent der Menschen im Südsudan
geantwortet haben: Wir warten darauf. Wir wollen dieses demokratische System
unterstützen. Wir wollen es leben.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie
bei Abgeordneten der SPD)</kommentar>
<p klasse="J">Das zeigt: Gerade mit den spezifischen Fähigkeiten,
die Deutschland hat – dazu gehört übrigens auch unser hohes Ansehen; in vielen
Teilen der Welt sind wir ein Vermittler, auch in Ländern mit sehr, sehr schwierigen
innenpolitischen Situationen; das gelingt auch im Südsudan –, sollten wir uns
heute, glaube ich, im Wesentlichen darauf konzentrieren, den Soldaten zu danken,
den Polizeibeamten zu danken, die in Kürze dort sein werden, aber, Frau
Staatsministerin Keul, insbesondere auch dem ganzen Stab, der vom Auswärtigen Amt
koordiniert wird, um diesem jungen Land auf dem Weg in eine wertebasierte Ordnung
mit eigener Rechtsstaatlichkeit zu helfen. Herzlichen Dank für diese Arbeit sagen
wir all den Deutschen, die sich dort engagieren. Alles Gute auf diesem Weg und dem
Südsudan auch!</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Herr Kollege Beeck. – Nächster Redner
ist der Kollege Jens Lehmann, CDU/CSU-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015411300">
<p klasse="redner"><a id="r128"/><redner
id="11004800"><name><vorname>Jens</vorname><nachname>Lehmann</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Jens Lehmann (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wir
debattieren heute über die weitere Beteiligung der Bundeswehr am UN-Einsatz im
Südsudan. Die Bundesregierung möchte das Mandat von bis zu 50 Bundeswehrsoldaten
verlängern. Die Ziele der Mission, unter anderem Schutz von Zivilpersonen sowie die
Unterstützung der Umsetzung des Friedensabkommens vom 12. September 2018 und des
Friedensprozesses, sind weiterhin aktuell. Klar ist, dass unsere derzeit 14
eingesetzten Soldaten innerhalb der knapp 17 000 Mann umfassenden UNMISS-Truppe
eine beratende und beobachtende Funktion einnehmen. Das machen unsere Soldaten sehr
gut und sehr professionell.</p>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, einige Bürger werden sich
vielleicht fragen, was man mit 14 Soldaten in einer Truppe von 18 000 Soldaten,
Polizisten und Zivilisten ausrichten kann. Diese Frage ist berechtigt. Für uns muss
es von großem Interesse sein, wie sich der Südsudan als eines der ärmsten Länder
der Welt entwickelt. Dafür brauchen wir die Unterstützung vor Ort. An verschiedenen
Standorten sind unsere Militärbeobachter nah dran und können die Konfliktlinien
entlang der verschiedenen Interessengruppen im Südsudan verfolgen und analysieren.
Das ist aus meiner Sicht gerade in der heutigen Zeit enorm wichtig.</p>
<p klasse="J">Der fragile Friedensschluss zwischen den früheren
Konfliktparteien muss weiter unterstützt, vertieft und geschützt werden, sodass
sich dieser nationale Waffenstillstand auch zunehmend auf lokaler und regionaler
Ebene durchsetzt. Gerade hier macht die Präsenz der UNMISS-Soldaten in der Fläche
Sinn. Die Zivilisten sehen die mobilen und flexiblen Patrouillen. Das erhöht das
Sicherheitsgefühl in den Hochrisikogebieten, auch weil die UN-Mission ermächtigt
ist, Zivilisten durch aktive Präsenz zu schützen und im äußersten Notfall auch
militärische Gewalt gegen Rebellen zum Schutz der Bevölkerung einzusetzen.</p>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, werte Bundesregierung, die
Vereinten Nationen sollten stets ein wachsames Auge auf den afrikanischen Kontinent
haben. Deshalb halten wir es als CDU/CSU-Bundestagsfraktion weiterhin für wichtig,
die UN bei ihrem Ziel der Befriedung des Südsudan zu unterstützen. Die
Unionsfraktion steht geschlossen hinter unseren Soldaten. Deshalb werden wir zu
einer breiten parlamentarischen Mehrheit beitragen und der Verlängerung
zustimmen.</p>
<p klasse="J">Danke.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank. – Ich sage Ihnen: Einen wunderbaren
guten Abend! Wir tendieren jetzt dazu, dass wir bis weit nach Mitternacht tagen.
Deswegen werde ich die Policy meines Vorgängers hier am Stuhl fortsetzen und sehr
streng sein.</p>
<p klasse="J">Jetzt hat Jürgen Coße das Wort für die SPD-
Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015411400">
<p klasse="redner"><a id="r129"/><redner
id="11004639"><name><vorname>Jürgen</vorname><nachname>Coße</nachname><fraktion>SPD
</fraktion></name></redner>Jürgen Coße (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Sehr geehrte Frau Wehrbeauftragte, liebe Eva Högl! An den Anfang
möchte ich eine Ausführung stellen, die sich selbstverständlich anhört: Herzlichen
Dank denen, die da im Auslandseinsatz die Tätigkeit für uns ausüben! Das ist eine
Parlamentsarmee. Dementsprechend haben wir auch eine Fürsorgepflicht. Ich finde,
die Soldatinnen und Soldaten machen eine gute Arbeit. Herzlichen Dank!</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Und sie sind es, die die Umsetzung des schwierigen
Friedensprozesses im Südsudan konkret unterstützen. Sie sind es, die die
Bereitstellung humanitärer Hilfe absichern und Zivilpersonen schützen. Unsere
Soldatinnen und Soldaten vor Ort sind es, die bei derzeit knapp 40 Grad
Außentemperatur und mehr als 5 000 Kilometer Luftlinie von der Heimat entfernt die
Fahne des Multilateralismus hochhalten.</p>
<p klasse="J">Warum sollten wir UNMISS weiter unterstützen?</p>
<p klasse="J">Erstens. Weil wir Stabilität und Frieden fördern.
Laut Fragile States Index ist der Südsudan das drittinstabilste Land der Welt, nach
Somalia und dem Jemen. UNMISS trägt durch die Bereitstellung von Truppen und
Ressourcen dazu bei, den Südsudan zu stabilisieren. Gleichzeitig wird der
angestoßene Friedensprozess gefördert. Die Stabilisierung von Konfliktregionen
verbessert letztendlich die globale Sicherheit. Sie dient damit natürlich auch
unserem eigenen Interesse, liebe Kolleginnen und Kollegen.</p>
<p klasse="J">Zweitens. Weil wir Zivilisten schützen und helfen.
Von den rund 12 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern Südsudans sind 9 Millionen
auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die Auswirkungen des Bürgerkrieges im benachbarten
Sudan verschärfen zudem seit April 2023 die humanitäre Lage. UNMISS sichert die
Bereitstellung humanitärer Hilfe ab und schützt Zivilisten vor Gewalt.</p>
<kommentar>(Johannes Schraps [SPD]: Ganz genau!)</kommentar>
<p klasse="O">UNMISS hilft also, Leiden von Millionen von Menschen
zu lindern. UNMISS hilft, grundlegende Menschenrechte zu wahren, liebe Kolleginnen
und Kollegen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Alexander Müller [FDP])</kommentar>
<p klasse="J">Drittens. Weil wir an Ansehen und diplomatischem
Einfluss gewinnen. Eine weitere Beteiligung an UNMISS, an diesem Friedenseinsatz,
stärkt Deutschlands Ansehen als verantwortungsbewusster Akteur in Afrika. Dies
wirkt sich positiv auf die Beziehungen zu anderen Ländern aus und positioniert
Deutschland als Partner, liebe Kolleginnen und Kollegen.</p>
<p klasse="J">Viertens. Weil wir international Verantwortung
übernehmen. Als UN-Mitglied und aufgrund unserer Geschichte haben wir eine
besondere Verpflichtung, uns an Friedensbemühungen zu beteiligen. Die Unterstützung
von UN-Friedenseinsätzen ist ein wichtiger Beitrag zur Erfüllung dieser
internationalen Verantwortung.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Johannes Schraps [SPD]: Genau! Gut, dass du das
sagst!)</kommentar>
<p klasse="J">Zum Ende meiner Rede will ich noch auf eine Sache
hinweisen. Wenn wir Frieden im Südsudan wollen, reicht es nicht aus, UNMISS nur zu
verlängern. Es braucht den politischen Willen vieler Akteure, um Fortschritt auf
dem Weg zu den 2024 anstehenden, vielleicht auch eher oder nicht stattfindenden
Wahlen und einer vollständigen Umsetzung des Friedensprozesses zu erzielen.
Deutschland und die internationale Gemeinschaft sollten deshalb ihr politisches
Engagement in Bezug auf die Konfliktparteien verstärken. Eine hochrangige Mission,
geführt von afrikanischen Spitzenpolitikern, zur Vermittlung zwischen Präsident
Kiir und Vizepräsident Machar wäre wünschenswert, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Nur dann kann der eingeschlagene Friedensprozess Erfolg haben. Ansonsten wird die
Gewalt stets aufs Neue ausbrechen. Nur eine politische Lösung kann Frieden
schaffen. Militärische Einsätze allein können das nicht. Bis jedoch eine politische
Lösung gefunden ist, brauchen wir UNMISS, brauchen wir diese Mission, brauchen wir
die militärische Begleitung dieses Friedensprozesses und der anstehenden
Wahlen.</p>
<kommentar>(Johannes Schraps [SPD]: Richtig!)</kommentar>
<p klasse="J">Verehrte Kolleginnen und Kollegen, UN-
Friedenseinsätze erfordern sicherlich auch Geduld und einen langen Atem. Wir
unterstützen den Antrag der Bundesregierung. Ich freue mich auf die weiteren
Beratungen im Auswärtigen Ausschuss.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der
FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Das Wort hat für die Unionsfraktion der Kollege
Dr. Volker Ullrich.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015411500">
<p klasse="redner"><a id="r130"/><redner
id="11004427"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Volker</vorname><nachname>Ullrich</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Dr. Volker Ullrich
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und
Herren! Die Situation des Südsudan ist in der Tat prekär. Das Land erwirtschaftet
nicht mehr als 3,5 Milliarden Euro Bruttoinlandsprodukt, und 75 Prozent der
Bevölkerung sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die Infrastruktur ist rudimentär
und die Menschenrechtslage prekär. Deswegen ist es wichtig, dass wir, auch wenn es
sich nur um 14 Soldatinnen und Soldaten handelt, diese Mission unterstützen: weil
wir damit das Zeichen an die Staatengemeinschaft und insbesondere an die
afrikanischen Staaten senden, dass uns Stabilität in dieser Region wichtig ist.</p>
<p klasse="J">Es sind 17 000 Soldatinnen und Soldaten – sie stammen
aus allen Teilen der Welt –, die im Südsudan für Stabilität sorgen. Die größten
Kontingente stammen aus Ruanda, Indien, Nepal, Bangladesch und Äthiopien. Wenn wir
mit unserem Kontingent diese Mission auch nur symbolisch unterstützen, dann trägt
das dazu bei, dass europäische Politik und deutsche Handschrift in diesem Kontext
für Stabilität und Sicherheit sorgen; und das ist wichtig.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Nils Schmid [SPD])</kommentar>
<p klasse="J">Frau Staatsministerin Keul, Sie haben das
Abstimmungsverhalten Chinas im Weltsicherheitsrat angesprochen und deutlich
gemacht, dass China sich enthalten hat – übrigens neben Russland. Sie haben aber
nicht angesprochen, dass es neben der Situation der Rechtsstaatlichkeit noch eine
zweite Lage gibt, die wir dringend analysieren müssen: 90 Prozent der staatlichen
Einnahmen des Südsudan kommen aus dem Erdölgeschäft. Und es gibt nur eine Firma,
die das Erdölgeschäft im Südsudan kontrolliert; das ist die sogenannte China
National Petroleum Corporation.</p>
<kommentar>(Zuruf von der CDU/CSU: Hört! Hört!)</kommentar>
<p klasse="O">Der größte Teil des Exports aus Südsudan geht nach
China.</p>
<p klasse="J">Die Frage muss wirklich erlaubt sein – und da fehlt
mir die Strategie der Bundesregierung –: Wie gehen wir damit um, dass über
50 Staaten der Welt den Südsudan stabilisieren und gleichzeitig die wesentlichen
Exporte nach China gehen und China sich den Südsudan quasi wirtschaftlich
unterwirft? Wo ist unsere Strategie gegenüber dem Machtanspruch Chinas in der
Sahelzone und im Sudan?</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Die Antwort ist: Es gibt keine Strategie dafür.</p>
<p klasse="J">Es gibt auch keine Strategie der Bundesregierung
dafür, dass sich nicht nur der Südsudan, sondern auch viele andere Staaten Afrikas
bis zum Hals bei China verschuldet haben. Allein 1 Milliarde Euro an
Auslandsschulden hat der Südsudan bei China. Ich glaube, dass es keine Situation
geben darf, in der auf der einen Seite die Staatengemeinschaft ein Land
stabilisiert und auf der anderen Seite Mittelabflüsse nur in eine Richtung gehen.
Ich glaube, da brauchen wir auch einen Einklang von Sicherheit und
Wirtschaftspolitik. Das muss die Bundesregierung leisten.</p>
<p klasse="J">Dem Mandat indes werden wir zustimmen, weil es
wichtig ist für die Stabilität der Region, meine Damen und Herren.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Dr. Johann David Wadephul
[CDU/CSU]: Sehr gut!)</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank. – Damit schließe ich die Aussprache.</p>
<p klasse="J">Interfraktionell wird Überweisung der Vorlage auf
Drucksache 20/10160 an die in der Tagesordnung aufgeführten Ausschüsse
vorgeschlagen. – Weitere Vorschläge sehe ich nicht. Dann verfahren wir so.</p>
</tagesordnungspunkt>
<tagesordnungspunkt top-id="Tagesordnungspunkt 15">
<p klasse="J">Ich komme zu Tagesordnungspunkt 15:</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t35"/> Beratung des Antrags der
Fraktion der CDU/CSU </p>
<p klasse="T_fett"> Deutschland braucht sichere Grenzen –
Nationale Grenzkontrollen verlängern, bis die EU-Außengrenzen wirksam geschützt
sind</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="J">Verabredet ist es, hierzu 39 Minuten zu debattieren.</p>
<p klasse="J">Ich eröffne die Aussprache, und Alexander Throm hat das
Wort für die CDU/CSU-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<rede id="ID2015411600">
<p klasse="redner"><a id="r131"/><redner
id="11004917"><name><vorname>Alexander</vorname><nachname>Throm</nachname><fraktion
>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Alexander Throm (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen
und Kollegen! Über ein Jahr lang hat sich Bundesinnenministerin Faeser geweigert,
Binnengrenzkontrollen an den Grenzen zu Tschechien, Polen und der Schweiz
einzurichten.</p>
<kommentar>(Karsten Hilse [AfD]: Ihr habt das 16 Jahre lang nicht
getan!)</kommentar>
<p klasse="O">– Nein, das stimmt überhaupt nicht; denn wir haben im
Jahr 2015 – das sollten Sie wissen – die Grenzkontrollen unmittelbar an der Grenze
zu Österreich eingeführt, da, wo es damals drauf angekommen ist.</p>
<p klasse="J">Noch im September letzten Jahres hat sie in einer
Regierungsbefragung gesagt, das sei reine Symbolpolitik, die Schleierfahndung sei
besser und es sei ein Ausdruck von Hilflosigkeit, wenn man Binnengrenzkontrollen
macht. Der Kollege Castellucci – heute hat er offensichtlich kein Interesse – hat
sich dann noch dazu verstiegen, dass die Union mit ihrer Forderung in den
Nationalismus kippe.</p>
<p klasse="J">Ja, jemand ist umgekippt; es war aber nicht die
Union. Zehn Tage vor der Landtagswahl in Hessen hat sich die Frau Faeser dazu
entschieden, Binnengrenzkontrollen an den Grenzen zu Tschechien, der Schweiz und
Polen einzurichten. Das Motiv war sicherlich sachfremd, wenn man das wohlmeinend
ausdrücken will, aber das Ergebnis war wichtig und richtig, liebe Kolleginnen und
Kollegen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Denn die Kontrollen wirken, und das gibt Frau Faeser
auch zu. Jetzt hat sie sie ja um – nur – drei Monate verlängert. Das sei notwendig,
so die Innenministerin, um das skrupellose Geschäft der Schleuser und die
irreguläre Migration zu begrenzen. Herzlichen Glückwunsch zu diesem
Erkenntnisgewinn! Das ist kein Nationalismus. Das ist schlicht die Wahrung unserer
nationalen Interessen. Ich will diese Gelegenheit hier auch dazu nutzen, um
insbesondere der Deutschen Polizeigewerkschaft Dank zu sagen, die wirklich über
Monate dieses Thema getrieben hat. Und ja, sie hat recht behalten, liebe
Kolleginnen und Kollegen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Wir wissen: Grenzkontrollen sind kein Allheilmittel;
das hat auch nie jemand behauptet. Die Menschen, die kommen wollen, lösen sich
nicht in Luft auf. Die Schleuser verziehen sich nicht in eine Ecke, sondern ändern
vielleicht ihre Strategie. Da gibt es in der Tat ein Agieren und ein Reagieren.
Aber das ist in anderen Bereichen genauso. Niemand würde auf die Idee kommen,
Straßenverkehrskontrollen als sinnlos zu bezeichnen, nur weil die Menschen nach wie
vor zu schnell und teilweise auch unter Alkoholeinfluss fahren. Das hat was mit
Prävention, mit Abschreckung, mit Kontrolle und, ja, auch mit Verhinderung zu tun.
Deswegen muss manchmal auch jemand aus dem Verkehr gezogen werden, liebe
Kolleginnen und Kollegen.</p>
<p klasse="J">Die Zahlen zeigen, dass die Kontrollen wirken. Sie
sind zunächst einmal ein Stoppsignal nach innen und nach außen – an Schleuser, an
Kriminelle, an die Migranten und auch an unsere europäischen Nachbarländer. Denn
diese haben in der Folge ihrerseits ihren Grenzschutz verstärkt und die Menschen
nicht mehr einfach nur durch ihre Länder nach Deutschland geschickt. Das war aber
beabsichtigt. Das ist genau der Dominoeffekt, der erzielt werden sollte. Nur dazu
mussten wir als Erste entsprechende Kontrollen einführen, damit andere
nachziehen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Das Zögern der Ampel geht weiter, liebe Kolleginnen
und Kollegen. Nur um drei Monate wurde verlängert: keine Planungssicherheit für
Bundespolizei, für Kommunen, für Länder, für Gerichte. Das ist falsch. Das Ergebnis
zeigt mir auch, dass die Ampel nicht verstanden hat, dass wir noch längere Zeit
derartige Grenzkontrollen brauchen werden, ja sogar – das sage ich aus momentaner
Sicht – auf unabsehbare Zeit diese brauchen. Deswegen ist es schlichtweg falsch,
dass die deutsche Bundesregierung jetzt zugestimmt hat, dass es beim Schengener
Grenzkodex zukünftig eine Obergrenze von zwei bzw. drei Jahren gibt, in denen
Grenzkontrollen noch stattfinden können. Wenn dieser neue Schengener Grenzkodex in
Europa beschlossen wird, dann müssten wir am nächsten Tag die Grenzkontrollen zu
Österreich beenden, und das wäre schädlich für Deutschland. Deswegen darf das nicht
passieren, liebe Kolleginnen und Kollegen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Das Wort für die SPD-Fraktion hat die Kollegin
Dorothee Martin.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Stephan Thomae [FDP])</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015411700">
<p klasse="redner"><a id="r132"/><redner
id="11004959"><name><vorname>Dorothee</vorname><nachname>Martin</nachname><fraktion
>SPD</fraktion></name></redner>Dorothee Martin (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Guten Abend, Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Liebe Gäste! Werte CDU, ich finde Ihren Antrag ziemlich schwach. Sie
haben gerade einmal 94 Wörter gebraucht für Ihre Forderungen, und man kann einfach
sagen: so kurz, so schlicht und so unnötig. Auch Ihre Unterstellungen gegen unsere
Innenministerin, Herr Throm, sind unsäglich.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD – Alexander Throm
[CDU/CSU]: Unsäglich?)</kommentar>
<p klasse="J">Ja, es war richtig, dass das BMI aufgrund der
aktuellen Migrationslage im Herbst 2023 die vorübergehenden Grenzkontrollen
eingeführt hat. Und ja, es ist genauso richtig, dass man diese Kontrollen an den
Grenzen zu Polen, Tschechien und der Schweiz jetzt um drei Monate verlängert hat.
Sie teilen auch unser Ziel – das freut uns ja –, Schleusungskriminalität zu
bekämpfen und illegale Migration zu begrenzen.</p>
<kommentar>(Alexander Throm [CDU/CSU]: Lächerlich!)</kommentar>
<p klasse="O">Aber ich will hier auch noch einmal ganz klar sagen:
Binnengrenzkontrollen können und dürfen keine Dauerlösung sein.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Stephan
Thomae [FDP])</kommentar>
<p klasse="O">Sie müssen zum absoluten wie zeitweiligen
Ausnahmefall werden. Denn offene Binnengrenzen sind doch eine historische
Errungenschaft in Europa.</p>
<kommentar>(Dr. Volker Ullrich [CDU/CSU]: Das bestreitet ja auch
keiner!)</kommentar>
<p klasse="O">Und wenn nun alle dauerhaft dichtmachen würden, ist
es mit offenen Grenzen für Waren, für Pendler, für Touristen vorbei. Das wollen wir
ganz klar – offenbar anders als die CDU – nicht.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Stephan Thomae [FDP])</kommentar>
<p klasse="J">Daher lautet unsere Devise auch völlig zu Recht:
Grenzkontrollen ja, so lange wie nötig und erforderlich, aber eben auch so kurz wie
möglich. Deswegen ist es klug von Ministerin Faeser und sinnvoll, in regelmäßigen,
sehr kurzen Abständen anhand von Fakten zu überprüfen, ob diese Maßnahme eben noch
geeignet ist.</p>
<p klasse="J">Dabei – das ist uns ein wichtiges Anliegen – dürfen
wir auch nicht die herausfordernde Situation der Bundespolizisten vergessen, die
dort tätig sind und denen wir für ihren Einsatz ganz herzlich danken. Auch um sie
bei ihrer Arbeit weiter zu unterstützen, sorgen wir nicht nur für mehr Kolleginnen
und Kollegen – das haben wir gerade im Haushalt beschlossen –, sondern auch für
eine gute Ausstattung.</p>
<p klasse="J">Ja, die Grenzkontrollen zeigen Erfolge, gerade auch
bei der Schleuserbekämpfung; das ist ein ganz großer Fokus von uns. Allein in den
letzten Monaten wurden über 500 Schleuser festgenommen. An dieser Stelle will ich
auch noch einmal auf die aktuelle koordinierte Großrazzia in mehreren europäischen
Ländern hinweisen – in Deutschland waren allein 650 Bundespolizisten im Einsatz –,
durch die ein wirklich großer Schlag gegen menschenverachtende Kriminalität mit
ganz vielen Festnahmen gelungen ist. Das ist ein beachtlicher Erfolg der
Sicherheitsbehörden und zeigt nochmals, wie wichtig hier europäische Zusammenarbeit
ist.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Wir werden hier weiter sehr konsequent vorgehen,
indem wir etwa die Bundespolizei bei der Novellierung des Bundespolizeigesetzes mit
weiteren Kompetenzen bei der Bekämpfung von Schleuserkriminalität ausstatten und
die Schleuser härter bestrafen. Man muss an dieser Stelle auch noch einmal deutlich
sagen: Das sind ganz konkrete Maßnahmen. Dazu verlieren Sie kein Wort, und dazu
hatten Sie offenbar unter Ihrer Regierungsverantwortung nicht den Mut oder nicht
die Kraft. Das packen wir nun an.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD)</kommentar>
<p klasse="J">Womit ich auch wirklich beim Kern der Debatte um
europäische Migrationspolitik bin: Das sind eben nicht die Grenzkontrollen, sondern
das ist der wirksame Schutz der Außengrenzen, und das ist die gemeinsame
europäische Asylreform. Was sämtliche CDU-Innenminister in den Merkel-Jahren nicht
hinbekommen haben, das hat Nancy Faeser in knapp eineinhalb Jahren wirklich harter
Verhandlungen geschafft</p>
<kommentar>(Zurufe von der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">und mit dem neuen Gemeinsamen Europäischen Asylsystem
eine tiefe Spaltung Europas in der Flüchtlingspolitik überwunden. Denn dieses
System ist der Schlüssel, um jetzt gemeinsam Migration zu gestalten, zu steuern,
irreguläre Zuwanderung wirksam zu bekämpfen, aber dabei auch nicht zuletzt
humanitäre Standards zu wahren. Wir wollen nämlich, dass das Sterben auf dem
Mittelmeer und das Chaos an den Außengrenzen ein Ende haben. Das geht eben nur mit
europäischen Lösungen, mit verbindlicher, geregelter und solidarischer Verteilung
von Geflüchteten auf die Mitgliedstaaten.</p>
<p klasse="J">Jetzt geht es darum, diese politische Einigung, an
der übrigens auch Ihre Ursula von der Leyen maßgeblich mitgewirkt hat, zügig
umzusetzen.</p>
<kommentar>(Philipp Amthor [CDU/CSU]: Dann hat sich mit uns ja doch
nicht alles verschlechtert!)</kommentar>
<p klasse="O">Das muss im Fokus stehen, und dazu sollten alle ihren
Beitrag leisten.</p>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, abschließend noch einige
Worte zum Thema „Integration der geflüchteten Menschen“; denn darum geht es ja
auch, und dazu tragen Sie hier im Hause wirklich überhaupt nichts bei.</p>
<kommentar>(Zuruf der Abg. Beatrix von Storch [AfD])</kommentar>
<p klasse="O">Wir haben ein neues Fachkräfteeinwanderungsgesetz auf
den Weg gebracht. 400 000 Fachkräfte fehlen hier in Deutschland.</p>
<kommentar>(Alexander Throm [CDU/CSU]: Das hat ja mit dem Thema
nichts zu tun!)</kommentar>
<p klasse="O">Die Union – das merkt man ja auch gerade – hat sich
dagegengestemmt. Wir haben das Chancen-Aufenthaltsrecht auf den Weg gebracht, damit
Menschen, die hier gut integriert sind, die auch von den Betrieben gebraucht
werden, endlich eine Bleibeperspektive haben.</p>
<kommentar>(Beatrix von Storch [AfD]: Sie bringen ja alles
durcheinander!)</kommentar>
<p klasse="O">Gleichzeitig arbeiten wir weiter an
Migrationsabkommen. Auch das sind ganz, ganz wichtige Bausteine.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD)</kommentar>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, das sind unsere Schwerpunkte
als Ampelkoalition für eine moderne, für eine wirksame europäische
Migrationspolitik. Ihr Antrag leistet dazu allerdings nicht den geringsten
Beitrag.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Das Wort hat Martin Hess für die AfD-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015411800">
<p klasse="redner"><a id="r133"/><redner
id="11004749"><name><vorname>Martin</vorname><nachname>Hess</nachname><fraktion>AfD
</fraktion></name></redner>Martin Hess (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Jeder
Antrag, der eine Begrenzung der illegalen Massenmigration fordert, ist
grundsätzlich zu begrüßen. Denn die seit 2015 stattfindende und ungebrochen
anhaltende Migrationspolitik der offenen Tür hat die Sicherheitslage in unserem
Land massiv verschlechtert. Die Anzahl der Gewaltdelikte ist extrem gestiegen, die
Messerkriminalität geradezu explodiert. Die schweren Sexualdelikte haben mit zwei
Gruppenvergewaltigungen pro Tag ein unerträgliches Ausmaß erreicht. Der
islamistische Terror bedroht immer stärker Leib und Leben unserer Bürger, und immer
mehr Gruppen von migrantischen Männern lassen in unseren Freibädern oder an unseren
traditionellen Festen wie Karneval oder Silvester ihrer ungehemmten Gewalt freien
Lauf. Und der Staat, der seine Bürger eigentlich schützen müsste, der steht nahezu
ohnmächtig daneben. Diese Zustände sind absolut inakzeptabel und müssen so schnell
wie möglich beendet werden.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Aber die CDU/CSU versucht mit diesem Antrag – sehen
Sie es mir bitte nach – zum wiederholten Mal, möchte man sagen, die Bevölkerung
offensichtlich für dumm zu verkaufen. Sie verweisen in Ihrem Antrag zwar zu Recht
auf die inakzeptabel hohe Zahl von 110 000 illegalen Einreisen von November 2022
bis September 2023. Aber im Jahr 2016 – und wenn ich mich recht erinnere, waren Sie
da in der Regierungsverantwortung – war die Lage noch viel schlimmer. Da sind
nämlich über 248 000 illegal nach Deutschland eingereist.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der AfD – Zuruf des Abg.
Alexander Throm [CDU/CSU])</kommentar>
<p klasse="O">Sie haben die Grenzen damals nicht nur einfach offen
gelassen. Nein, die Unionskanzlerin Merkel hat mit ihren Selfies mit sogenannten
Flüchtlingen</p>
<kommentar>(Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Pfui!)</kommentar>
<p klasse="O">die Armutsmigranten der ganzen Welt zu uns
eingeladen, und Millionen sind durch ihr historisches Versagen illegal in unser
Land gekommen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="O">Es bleibt dabei: Die CDU/CSU ist die Ursache für die
ganze Misere, in der wir uns heute befinden. Deshalb ist Ihr Antrag auch die
reinste Heuchelei.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Und das auch und vor allem noch aus einem anderen
Grund: In Ihrer Regierungszeit, als Sie die Grenzen tatsächlich hätten schützen
können, haben Sie alle Anträge der AfD, die einen effektiven Grenzschutz gefordert
haben, kategorisch abgelehnt und uns sogar Inhumanität und Menschenfeindlichkeit
vorgeworfen. Selbst jetzt in der Opposition lehnen Sie alle unsere diesbezüglichen
Anträge ab, zuletzt am 28. September 2023. Ihre Doppelmoral ist unerträglich, und
Ihre plumpen Versuche der Wählertäuschung sind beschämend. Also hören Sie endlich
damit auf!</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Man muss immer wieder fragen: Mit wem wollen Sie
Ihren angeblich geänderten Kurs denn eigentlich umsetzen? Ihr Fraktionsvorsitzender
Friedrich Merz schließt eine Zusammenarbeit mit der AfD, der einzigen Partei, mit
der ein Politikwechsel bei der Migration überhaupt möglich wäre, aus,</p>
<kommentar>(Zuruf der Abg. Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="O">bekräftigt aber, dass er sich eine Koalition mit den
Grünen gut vorstellen kann. Wer soll Ihnen denn da den angeblichen Kurswechsel
überhaupt noch abnehmen? Immer mehr Bürger erkennen: Die CDU/CSU ist nicht die
Lösung, sondern Bestandteil des Problems.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Zuruf der Abg. Filiz Polat
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="J">Die Grundrichtung Ihres Antrages ist zwar richtig.
Die von Ihnen vorgeschlagenen Maßnahmen werden die Massenmigration aber nicht
beenden. Denn nach Ihrem Antragstext käme jeder, der sein Asylbegehren nur in
Deutschland äußert, trotz Grenzkontrollen in unser Land. Damit wird der ganze
Antrag ad absurdum geführt. Sie trauen sich einfach nicht, den Kern des Problems
klar anzusprechen und zu korrigieren.</p>
<kommentar>(Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Der Kern des
Problems ist die AfD!)</kommentar>
<p klasse="O">Deshalb kann und wird es mit der CDU/CSU keine Wende
in der Migrationspolitik in Deutschland geben.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Wir brauchen keine wertlosen Absichtserklärungen
einer CDU/CSU, die mit den Grünen kuschelt,</p>
<kommentar>(Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie kuscheln mit
den Rechtsextremisten der Welt!)</kommentar>
<p klasse="O">sondern eine wirkliche Wende in der
Migrationspolitik. Jeder, der Asyl begehrt und aus einem sicheren europäischen Land
oder ohne Ausweispapiere in unser Land einreisen will, muss zukünftig, so wie es
unsere Gesetze vorsehen, draußen bleiben. Es darf nur noch eine Obergrenze für
illegale Migration geben,</p>
<kommentar>(Julian Pahlke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Für
Rechtsextreme im Parlament!)</kommentar>
<p klasse="O">und die liegt genau bei null.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Liebe Bürger, wir, die Alternative für Deutschland,
sind die einzige politische Kraft in diesem Land,</p>
<kommentar>(Julian Pahlke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: … die vom
Verfassungsschutz beobachtet wird! Welche Verbindungen hatten Sie eigentlich zum
NSU? Kennen Sie da jemanden?)</kommentar>
<p klasse="O">die dieses Ziel klar proklamiert. Und wir werden das
auch umsetzen, wenn wir Regierungsverantwortung übernehmen. Spätestens nach den
Landtagswahlen am 1. September dieses Jahres werden wir damit anfangen.</p>
<kommentar>(Dr. Karamba Diaby [SPD]: Träumen Sie
weiter!)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Ihre Redezeit ist um.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004749"><name><vorname>Martin</vorname><nachname>Hess</nachname><fraktion>AfD
</fraktion></name></redner>Martin Hess (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Denn für uns ist Ihre Sicherheit nicht
verhandelbar.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Marcel Emmerich hat das Wort für Bündnis 90/Die
Grünen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015411900">
<p klasse="redner"><a id="r134"/><redner
id="11004969"><name><vorname>Marcel</vorname><nachname>Emmerich</nachname><fraktion
>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Marcel Emmerich (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Meine Damen und Herren! Hier hat man mal wieder gesehen, was das für
ein Tiefpunkt ist, wenn die Hess- und Hetzmaschine hier loslegt.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD – Dr. Götz Frömming [AfD]: Jetzt werden Sie mal nicht
persönlich, junger Mann! – Martin Hess [AfD]: Ist das alles, was Ihnen einfällt? So
billig! – Weiterer Zuruf von der AfD: Typisch für die Grünen!)</kommentar>
<p klasse="J">Es gehen ja in dieser Zeit viele Gewissheiten flöten.
Eine Gewissheit, die flöten geht, ist zum Beispiel, dass der FC Bayern auf Platz
eins in der Bundesligatabelle ist. Aber hier im Bundestag hat man jede
Sitzungswoche die Gewissheit, dass es einen mit Scheinlösungen gespickten
Migrations-TOP von CDU/CSU und/oder AfD gibt, und das ist auch heute leider wieder
der Fall.</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Josef Oster [CDU/CSU])</kommentar>
<p klasse="J">Schauen wir uns doch mal im Detail an, was Sie da in
Ihrem Antrag aufgeschrieben haben, und vor allem auch, welches Triumphgeheul Sie
hier mit Blick auf die Grenzkontrollen angestimmt haben. Ich finde, das wird der
Sache überhaupt nicht gerecht. Es wird der Sache einmal deswegen nicht gerecht,
weil die Polizistinnen und Polizisten der Bundespolizei unter einer sehr großen
Belastung leiden. Sie müssen 24/7 an den Grenzen stehen und können dadurch nicht
mehr an Bahnhöfen oder an Flughäfen sein. Es ist vor allem auch deswegen nicht
angemessen, weil es der Lage und den Fakten überhaupt nicht gerecht wird.</p>
<p klasse="J">Sie haben so getan, als wären es große Erfolge, die
da jetzt auf den Weg gebracht worden wären.</p>
<kommentar>(Josef Oster [CDU/CSU]: Das sagt sogar die
Ministerin!)</kommentar>
<p klasse="O">Wenn wir uns das im Detail anschauen, stellen wir
fest: Das stimmt überhaupt nicht. – Es geht hier immer um viele unerlaubte
Einreisen, die gezählt werden. Dass aber am Ende des Tages die Asylantragszahlen
dadurch nicht sinken,</p>
<kommentar>(Alexander Throm [CDU/CSU]: Oh doch!)</kommentar>
<p klasse="O">wird von Ihnen verschwiegen. Stattdessen sagen Sie
dann: Es braucht mehr Zurückweisungen.</p>
<p klasse="J">Schauen wir uns doch mal an, was Expertinnen und
Experten dazu sagen. Andreas Roßkopf zum Beispiel von der Gewerkschaft der Polizei
sagt – ich zitiere –:</p>
<kommentar>(Alexander Throm [CDU/CSU]: Der hat sich ja
geirrt!)</kommentar>
<p klasse="O">„Das ist nicht die Lösung.“ Migrationsfachleute, auf
die Sie sonst so viel geben, wie Gerald Knaus wiederholen immerwährend, dass die
Binnengrenzkontrollen nicht zu einem Rückgang bei den Antragszahlen führen. Und die
IHK Chemnitz, Dresden, Oberfranken, Niederbayern und Regensburg warnen – ich
zitiere –: „Wartezeiten an den Grenzen … zehren nicht nur an den Nerven, sie kosten
auch Zeit und Geld.“</p>
<kommentar>(Alexander Throm [CDU/CSU]: Wann war das?)</kommentar>
<p klasse="O">Dadurch werde man unattraktiv für Fachkräfte.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg.
Stephan Thomae [FDP])</kommentar>
<p klasse="J">Dieser Tage kann man in der „Welt“ – da hat übrigens
Kollege de Vries mal ganz nebenbei die Genfer Flüchtlingskonvention und auch die
Europäische Menschenrechtskonvention unterschlagen –</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
und der SPD)</kommentar>
<p klasse="O">sehr deutlich lesen, dass diese stationären
Grenzkontrollen sogar dazu führen können, dass die Organisierte Kriminalität
begünstigt wird.</p>
<kommentar>(Abg. Christoph de Vries [CDU/CSU] meldet sich zu einer
Zwischenfrage)</kommentar>
<p klasse="J">Also: Das ist alles Augenwischerei, und damit wird
den Menschen Sand in die Augen gestreut. Es ist kein richtiger Weg bei diesen
Fragen.</p>
<kommentar>(Josef Oster [CDU/CSU]: Dann machen Sie doch mal einen
besseren Vorschlag!)</kommentar>
<p klasse="J">Ich finde, gerade in diesen Zeiten, mit Blick auf den
Europawahlkampf, sollte man hier nicht mit so einem Triumphgeheul auftreten und
fordern: Es sollte mehr Grenzkontrollen geben. – Das ist einfach eine Politik des
Stacheldrahts. Das ist ein Weg in den Nationalismus. Ich glaube, im Jahr der
Europawahl ist das nicht der richtige Weg. Das ist ein Irrweg, liebe Union.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Das Wort hat der Kollege Stephan Thomae für die
FDP-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015412000">
<p klasse="redner"><a id="r135"/><redner
id="11004175"><name><vorname>Stephan</vorname><nachname>Thomae</nachname><fraktion>
FDP</fraktion></name></redner>Stephan Thomae (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen
und Kollegen! Meine Damen und Herren! Das Europa der offenen Binnengrenzen ist eine
großartige Errungenschaft. Das Europa der Reise- und Bewegungsfreiheit: sichtbar
und erlebbar für uns alle.</p>
<p klasse="J">Die aktuelle Flüchtlingskrise zwingt leider uns und
viele andere Länder in der Europäischen Union dazu, wieder genauer hinzusehen, wer
unsere Grenzen überquert. Denn für Hunderttausende Flüchtlinge und Asylsuchende,
die jedes Jahr in europäischen Ländern einen Aufnahmeantrag stellen, gelten
logischerweise nicht die gleichen Freizügigkeitsregeln, gilt nicht die gleiche
Reisefreiheit wie für EU-Bürger oder für Menschen mit einem Schengenvisum.</p>
<p klasse="J">Mehr und mehr Krisengebiete überall auf der Welt
lösen Flüchtlingsbewegungen aus. Menschen sind auf der Suche nach Schutz und nach
Freiheit, manchmal auch einfach nach Arbeit und sozialer Sicherheit. Sie machen
sich auf den Weg in das oftmals weit entfernte Europa, wo sie sich all das
versprechen und alle Hoffnungen darin setzen.</p>
<p klasse="J">Nun ist es nichts Verwerfliches, nach einem besseren
Leben zu suchen. Aber wer sich in einem anderen Land niederlassen will, der muss
auch die Regeln beachten. Diese Regeln beginnen bereits bei der Einreise in die
Europäische Union. Und es gibt auch Regeln für das Reisen innerhalb der
Europäischen Union. Und solange wir noch nicht garantieren können, dass diese
Regeln bei der Einreise nach Europa überall gleichermaßen geprüft und beachtet
werden, müssen wir darauf achten, dass die Regeln beim Reisen innerhalb Europas
gewahrt werden.</p>
<p klasse="J">Dabei machen wir uns die Entscheidung,
innereuropäische Grenzkontrollen durchzuführen, nicht leicht. Wir wollen den freien
Warenverkehr schützen. Wir wollen den Reiseverkehr schützen. Wir wollen auch den
kleinen Grenzverkehr der Pendler schützen. Denn das alles sind keine
Selbstverständlichkeiten. Das sind Errungenschaften, auf die wir achten müssen. Und
darum ist es unser Ziel, Grenzkontrollen auch nur temporär und dosiert einzusetzen.
Sie sollen nicht zur Dauereinrichtung werden. Deshalb ist es wichtig, dass das
Gemeinsame Europäische Asylsystem, GEAS, so schnell wie möglich reformiert,
beschlossen und auch umgesetzt wird, meine Damen und Herren.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der
SPD)</kommentar>
<p klasse="O">Denn auf Dauer kann ein Europa der offenen
Binnengrenzen nur dann funktionieren, wenn Europa zu einer gemeinsamen Asylpolitik
findet und eben auch seine Außengrenzen besser unter Kontrolle bekommt.</p>
<p klasse="J">Grenzkontrollen können nur ein vorübergehender
Notbehelf sein. Die langfristige Lösung muss eine wirksamere Kontrolle der
europäischen Außengrenzen sein. Abkommen mit unseren Nachbarn rund um Europa herum,
im Nahen Osten, in Afrika, aber auch die Bekämpfung der Fluchtursachen in den
Herkunftsländern, die Umwandlung ungeregelter Fluchtmigration in eine geregelte
Arbeitsmigration in unseren Arbeitsmarkt und in unsere Ausbildungssysteme – das ist
das, was wir wollen. Das wird auf Dauer helfen, meine Damen und Herren.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der FDP und der
SPD)</kommentar>
<p klasse="J">Aber bis dahin werden wir eben auch gewisse
Grenzkontrollen benötigen. Grenzkontrollen werden immer eine Gratwanderung sein und
bleiben. Wir brauchen sie eben so lange und engmaschig wie nötig, aber eben auch so
kurz und so dosiert wie irgendwie möglich.</p>
<p klasse="J">Im Grunde ging die Vorgängerregierung genauso vor,
Herr Kollege, auch wenn Sie den Kopf schütteln. Sie haben es auch so gemacht – so
dosiert wie möglich –, damals nur eben in Österreich, weil es in Österreich
notwendig war.</p>
<kommentar>(Alexander Throm [CDU/CSU]: Weil es darauf ankam! Und
dann durchgehend!)</kommentar>
<p klasse="O">Sie haben es möglichst dosiert gemacht; das machen
wir auch. Deswegen verstehe ich eigentlich gar nicht so ganz, was die Union uns mit
ihrem Antrag sagen will, worauf sie eigentlich hinauswill. Denn das, was wir
machen, ist doch das Richtige. Deswegen ist der Antrag der Union zwar nicht falsch,
aber er ist vor allem eines: überflüssig.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Alexander Throm [CDU/CSU]: Dann können Sie ja
zustimmen, wenn er nicht falsch ist!)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Das Wort hat Detlef Seif für die
Unionsfraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015412100">
<p klasse="redner"><a id="r136"/><redner
id="11004152"><name><vorname>Detlef</vorname><nachname>Seif</nachname><fraktion>CDU
/CSU</fraktion></name></redner>Detlef Seif (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Herr Hess, als Beamter wissen Sie:</p>
<kommentar>(Julian Pahlke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Noch-
Beamter!)</kommentar>
<p klasse="O">Wir müssen uns auf allen staatlichen Ebenen und in
allen Institutionen an Recht und Gesetz halten. Die Art und Weise, wie Sie Ihre
Wirbelwindrede gehalten haben, ist Ihre Sache. Aber wir sind in der Bundesrepublik
Deutschland an Recht und Gesetz gebunden. Das heißt: Jeder, der an der Grenze ein
Asylgesuch stellt, hat einen rechtsstaatlichen Anspruch, dass dieses geprüft
wird.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD, des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Das ist auch neueste EuGH-Rechtsprechung. Deshalb ist
das, was Sie in den Raum stellen, so überhaupt nicht umsetzbar, sondern
rechtswidrig.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD,
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP – Martin Hess [AfD]: Das ist doch völliger
Quatsch! – Dr. Götz Frömming [AfD]: Das Recht wird mit Füßen getreten!)</kommentar>
<p klasse="J">Die wichtigste Maßnahme – wir wollen irreguläre
Migration wirklich effektiv bekämpfen – ist die Idee der Drittstaatenverfahren.
Alle Asylverfahren sollten zukünftig in sicheren Drittstaaten durchgeführt werden.
Die Bundesregierung hat nach der Ministerpräsidentenkonferenz gesagt: Wir prüfen
das. – Ich habe aber noch kein Ergebnis erfahren. Wir sind in einer Krise. Wir
haben größte Migrationsbewegungen. Da erwarte ich, dass die Bundesregierung diese
Prüfung möglichst zügig abschließt, meine Damen und Herren.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Frau Martin, Sie haben vorhin den Kollegen Throm
kritisiert. Er hat nur die Historie geschildert.</p>
<kommentar>(Zuruf der Abg. Dorothee Martin [SPD])</kommentar>
<p klasse="O">Faeser hat noch wenige Wochen, bevor sie die
Maßnahmen auf den Weg gebracht hat, in einem „Bild“-Interview öffentlich kundgetan,
dass stationäre Kontrollen völlig unwirksam seien. Zehn Tage vor der Wahl in
Hessen – wahrscheinlich nicht aus Überzeugung in der Sache –</p>
<kommentar>(Dorothee Martin [SPD]: Das ist eine
Unterstellung!)</kommentar>
<p klasse="O">hat sie dann angekündigt, dass sie diese auf den Weg
bringt. Und in einem Interview kurze Zeit später sagte sie: Unsere Maßnahmen –
stationäre Kontrollen zusammen mit allen anderen Maßnahmen – wirken wunderbar. –
Ich kann nur sagen: Herzlichen Glückwunsch, geht doch! Die Union hat das über ein
Jahr vorher verlangt und immer vehement darauf hingewiesen.</p>
<p klasse="J">Das ist eine wichtige Maßnahme. Und, Herr Hess,
natürlich brauchen wir ein Bündel von Maßnahmen. Diese eine Maßnahme wird das
Problem als solches nicht lösen, aber sie hilft, dass wir die irreguläre Migration
zusammen mit den anderen Maßnahmen wirklich in den Griff kriegen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Die Maßnahmen sind ein voller Erfolg. Mehr als
2 200 Haftbefehle konnten vollstreckt werden, 670 Schleuser sitzen. Ich bin der
Justiz dankbar, dass sie hier eine wirklich harte Gangart gewählt hat,
beschleunigte Verfahren durchführt. Leute, die Menschenleben gefährden und die hier
unser Asylsystem unterminieren, haben die härteste Strafe verdient.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Der Dominoeffekt ist auch schon angesprochen worden,
wobei ich mir nicht sicher bin, ob die Signale aus Deutschland vorher nicht so
waren: Schickt sie mal, wir nehmen sie schon auf. – Denn bereits die Ankündigung,
dass wir stationäre Kontrollen durchführen werden, hat dazu geführt, dass Polen an
der Grenze zu Tschechien und Tschechien an der Grenze zur Slowakei selbst
stationäre Grenzkontrollen auf den Weg gebracht haben.</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Julian Pahlke [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="O">Allein das ist schon ein Grund, diese wichtige
Maßnahme fortzuführen.</p>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege, Sie kommen bitte zum Ende.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004152"><name><vorname>Detlef</vorname><nachname>Seif</nachname><fraktion>CDU
/CSU</fraktion></name></redner>Detlef Seif (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Wir sollten hier auch das starke Signal senden: Wir
machen das so lange, wie die EU-Außengrenzen nicht wirklich gut kontrolliert
werden.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Helge Lindh hat das Wort für die SPD-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015412200">
<p klasse="redner"><a id="r137"/><redner
id="11004802"><name><vorname>Helge</vorname><nachname>Lindh</nachname><fraktion>SPD
</fraktion></name></redner>Helge Lindh (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Die Idee dieses Antrages der CDU/CSU ist es ja, zu zeigen: „Wir haben es besser
gewusst“, „Hättet ihr auf uns gehört!“, „Sind wir toll!“ und „Wie die
Innenministerin versagt!“. Das Problem ist: Der Zeigefinger, mit dem Sie auf die
Innenministerin zeigen, bedeutet, dass mindestens drei fette Finger auf Sie
zurückzeigen. Das ist so, wenn wir über Leistungsbilanz sprechen. Das bedeutet
auch, dass es notwendig ist – so anstrengend das ist –, da redlich zu sein.</p>
<p klasse="J">Ich bin dankbar dafür, dass wir eine Innenministerin
haben, die eben nicht Hurra schreit, die das Mittel der Grenzkontrollen nicht
romantisiert und verklärt, sondern es nüchtern abwägend und dosiert einsetzt, und
die bis zum heutigen Tag auch auf die Warnungen und Hinweise der GdP hört – und wir
sollten auf die GdP hören. Und sie sagt eben in einer anderen Weise als Sie: Ja,
wir sehen Wirkung. Es ist sinnvoll, Schleuserkriminalität zu monitoren. Wir können
auch Menschen mit Einreisesperre erfassen. Aber es ist eben nicht das zentrale
Instrument, um irreguläre Migration zu reduzieren.</p>
<p klasse="J">Das wird es niemals sein, allein schon deswegen – Sie
haben dies eben belegt –, weil man nicht einfach zurückweisen kann, weil
europäisches Recht gilt, weil es ein Non-Refoulement-Prinzip gibt. Das haben Sie ja
selbst insgeheim zugegeben; denn Sie schreiben in Ihrem Antrag als zweiten Punkt,
man müsse das europäische Recht entsprechend anpassen. Das heißt: Insgeheim haben
Sie es verstanden. Grenzkontrollen sind eben kein Instrument, um zurückzuweisen,
sondern ein Erfassungsinstrument, ein dosiertes Instrument, aber nicht die Antwort
auf die großen Fragen der Migration.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD)</kommentar>
<p klasse="J">Jetzt kommen wir mal zu Ihrer Leistungsbilanz; denn
es heißt doch im Deutschen so schön, man solle die Leute an ihren Taten messen. Ich
habe es als Koalitionspartner in der letzten Legislatur erlebt, wie die Union aus
CDU und CSU eine Selbstfindungsgruppe war. Wir waren kurz davor, dass die Koalition
auseinandergeflogen ist, weil sich Herr Seehofer und Frau Merkel über
Grenzkontrollen, Zurückweisung, Transitzonen stritten. Das haben Sie uns zugemutet.
Es ging nicht um fachliche Politik, sondern um Abarbeitung Ihres internen Merkel-
Traumas. Damit haben Sie uns und dieses Land beschäftigt. Keine Lösung für die
europäische Frage, kein systematisches Konzept zur Bekämpfung der
Schleuserkriminalität, keine pragmatischen Antworten zur Bleiberechtsfrage, keine
Verbindung von Abschiebungen mit Migrationsabkommen. All das nicht.</p>
<p klasse="J">Jetzt gucken wir uns mal an, was in der Ampel erfolgt
ist. Das ist übrigens unser Fehler als Ampel – das müssen wir selbst zugeben –:
Unsere Leistungsbilanz ist in Fragen der Migration zwar hervorragend.</p>
<kommentar>(Lachen bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Dumm ist nur, dass wir viel zu bescheiden sind, es
darzustellen.</p>
<kommentar>(Lachen bei der CDU/CSU und der AfD – Alexander Throm
[CDU/CSU]: Das sehen 80 Prozent der deutschen Bürger anders!)</kommentar>
<p klasse="J">Gucken wir uns das doch mal an: Stephan Mayer hat in
jeder Ausschusssitzung gesagt: Wir brauchen den europäischen Weg, GEAS ist die
Antwort. – GEAS kommt; die Innenministerin war deutlich erfolgreicher als Ihre
Innenminister. Wir haben konsequente Verschärfungen in Bezug auf
Schleuserkriminalität, aber auch in Bezug auf Gefährder und schwerkriminelle
Personen, aber verbunden mit Migrationsabkommen. Und Herr Stamp, FDP, macht das
auch nicht Hurra jubelnd, sondern systematisch, fachorientiert. Migrationsabkommen:
Wir mehrere, Sie null.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Gucken wir uns das Bleiberecht an. Zig Unternehmen
rennen mir die Tür ein und sagen: Was ist da für ein Irrsinn passiert über Jahre?
Ich habe fähige Leute, die man doch niemals abschieben kann, die die Sprache
können, die arbeiten. – Es ist doch Selbstbetrug, zu sagen, dass wir sie alle
abschieben wollten. Deshalb ist es nur klug und absolut vernünftig, dass wir ein
Chancen-Aufenthaltsrecht auf den Weg gebracht haben, das den Menschen reale Chancen
bietet. Was kam von Ihnen? Nichts. Wirtschaftsförderung Ihrerseits? Null.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Und erklären Sie mir mal, warum Sie Fragen zu
Aufnahmeabkommen, zur Familienzusammenführung, gesteuerte, geregelte Migration,
sichere Verfahren mit klarer Identitätsklärung so blockieren. Stattdessen wollen
Sie am liebsten, dass die Leute nicht arbeiten können und die Sprache nicht
beherrschen. Damit machen Sie doch ganze Teile dieser Gesellschaft zu
perspektivlosen Menschen. Sie sind mit dieser Politik ein sicherheitspolitisches
Risiko. Die Union ist ein sicherheitspolitisches Risiko in diesem Land.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Deshalb: Kehren Sie doch zurück zur Vernunft! Kommen
Sie nicht immer mit Ihren Lösungen. Vor ein paar Monaten war es Abschiebung, dann
Grenzkontrollen. Jetzt sagen Sie: Drittstaatenverfahren. Und Sie wissen doch genau,
dass weder das eine noch das andere die einzige Lösung sein wird. Wir können das
nur mit einem ganzheitlichen Ansatz schaffen, der nicht auf Bestrafung und
Belohnung beruht, der nicht in Menschen erster, zweiter und dritter Klasse
unterteilt, sondern pragmatisch und humanitär an das Problem herangeht, weil wir
uns nicht ideologisch selbstverwirklichen wollen und weil wir keine Selbstfindung
betreiben, sondern weil wir uns wirklich für die Fragen der Migration
interessieren.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Das Wort hat Mechthilde Wittmann für die CDU/CSU
Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015412300">
<p klasse="redner"><a id="r138"/><redner
id="11005261"><name><vorname>Mechthilde</vorname><nachname>Wittmann</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Mechthilde Wittmann
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Es
entbehrt nicht einer gewissen Komik, Herr Lindh, wenn Sie sich angesichts des
Zustands der Ampel über den Zustand der damaligen Großen Koalition auslassen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Lachen des Abg. Karsten Hilse
[AfD])</kommentar>
<p klasse="O">Es war wirklich von höchstem Amüsement, was Sie hier
geliefert haben.</p>
<p klasse="J">Lassen Sie uns auf die Leistungsbilanz zurückkommen;
es war super, dass Sie das angesprochen haben. Die Leistungsbilanz der Ampel ist,
dass es nie so hohe Zugangszahlen bei den Asylanträgen gab wie jetzt, seit Sie
wieder am Ruder sind, nämlich 350 000 allein im letzten Jahr. Das muss man erst mal
fertigbringen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Meine sehr verehrten Damen und Herren, Ihre
Ampelpolitik ist nichts anderes als eine verfehlte Anreizpolitik,</p>
<kommentar>(Helge Lindh [SPD]: Syrien, Türkei,
Afghanistan!)</kommentar>
<p klasse="O">die uns zwingt, dafür zu sorgen, dass sich die
Menschen beim Grenzübertritt an Recht und Gesetz halten, so wie die Menschen hier
auch. Frau Faeser hat das genau erkannt und seit ihrem Amtsantritt ganz still und
leise alle sechs Monate die Grenzkontrollen zu Österreich verlängert, bis zum
heutigen Tag; alle sechs Monate, ganz ohne Aufhebens, und das sicher nicht, weil
das nur Symbolik ist, sonst müsste sie die Politik ihres Vorgängers, die sehr
erfolgreich war, ja nicht fortsetzen.</p>
<kommentar>(Lachen bei der SPD – Marcel Emmerich [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN]: Das würde er jetzt nicht mal selbst von sich behaupten!)</kommentar>
<p klasse="O">Wer hat denn 2015 die Grenzkontrollen eingesetzt? Es
war Horst Seehofer, der sie eingesetzt hat. Das war in unserer Regierungszeit. Das
war der richtige Weg.</p>
<p klasse="J">Wenn Sie von Triumphgeheul sprechen, dann meinen Sie
doch hoffentlich nicht die Aussage von Frau Faeser. Die Zahl der unerlaubten
Einreisen ist bundesweit durch die endlich auch an der Grenze zu Polen, Tschechien
und zur Schweiz eingeführten Kontrollen um mehr als 60 Prozent zurückgegangen, von
über 20 000 im Oktober auf 7 300 im November. Und sie hat eben nicht davon
gesprochen, dass wir sie monitoren, sondern dass wir sie dringend brauchen.</p>
<p klasse="J">Lassen Sie mich an diesem Punkt noch einmal zum
Grenzkodex, zum Schengener System, kommen. Ich möchte es ausdrücklich betonen,
lieber Stephan Thomae: Der größte Inbegriff der Freiheit – das ist wirklich
historisch – ist die Errungenschaft der offenen Binnengrenzen. Das ist es, was die
Menschen zueinander führt,</p>
<kommentar>(Julian Pahlke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Und Sie machen
Schlagbäume!)</kommentar>
<p klasse="O">was sie ein Zusammengehörigkeitsgefühl hat entwickeln
lassen, was das Miteinander schützen soll, was Europa ausmacht.</p>
<kommentar>(Julian Pahlke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Und jetzt
rechtfertigen Sie mal Schlagbäume!)</kommentar>
<p klasse="O">– Sie haben ja gleich Redezeit, Herr Pahlke. Jetzt
plärren Sie hier halt nicht immer wie ein Kleinkind herum.</p>
<kommentar>(Zurufe von der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:
Oh!)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Frau Kollegin.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11005261"><name><vorname>Mechthilde</vorname><nachname>Wittmann</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Mechthilde Wittmann
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Deswegen glaube ich, dass wir nach Artikel 29 SGK
handeln müssen. Solange die Außengrenzen als Schutz nicht funktionieren, müssen wir
an den Innengrenzen kontrollieren und den Dominoeffekt ausnutzen; dafür gibt es
ihn.</p>
<p klasse="J">Lassen Sie mich noch einen Webfehler ansprechen.
Natürlich muss das immer so lange gelten, bis der Fehler abgestellt ist, und die
Maßnahme muss nicht neu erfunden werden.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Frau Kollegin, ich weise Sie darauf hin, dass
persönliche Beleidigungen der Kollegen hier im Haus nicht angebracht und
unparlamentarisch sind.</p>
<kommentar>(Detlef Seif [CDU/CSU]: Das war doch keine
Beleidigung!)</kommentar>
<p klasse="O">Ich bitte Sie, künftig darauf zu achten.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Patrick Schnieder [CDU/CSU]: Welche
Beleidigung?)</kommentar>
<p klasse="O">– Ja, wissen Sie selber.</p>
<p klasse="J">Julian Pahlke hat das Wort für Bündnis 90/Die
Grünen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015412400">
<p klasse="redner"><a id="r139"/><redner
id="11005173"><name><vorname>Julian</vorname><nachname>Pahlke</nachname><fraktion>B
ÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Julian Pahlke (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte
Demokratinnen und Demokraten!</p>
<kommentar>(Lachen bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="O">Zu den vielen jungen Menschen hier auf den Tribünen
möchte ich nach der Rede des Abgeordneten Hess sagen: Falls ihr in diesem Jahr
schon gegen den Rechtsextremismus in diesem Land demonstrieren wart: Nutzt
weiterhin eure Freiheit, bevor die AfD sie weiter zerstört!</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD
sowie bei Abgeordneten der FDP – Lachen bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Zum Antrag der Union. Ich finde, dieser Antrag ist
eine intellektuelle Beleidigung. Sie schreiben mit Müh und Not auf knapp zwei
Seiten einen Antrag zusammen, der zu zwei Dritteln aus einer Auflistung von
Presseartikeln besteht. Dann wollen Sie so richtig zum inhaltlichen Höhenflug
ansetzen und machen das Ganze noch mal so richtig scharf mit – ich habe
nachgezählt – zwei konkreten Forderungen, die Sie sich aus dem Ärmel geschüttelt
haben. Dazu meinen herzlichen Glückwunsch!</p>
<kommentar>(Detlef Seif [CDU/CSU]: Danke!)</kommentar>
<p klasse="J">Aber ich will der Union in einem Punkt recht geben:
Es lohnt sich, sich mal ganz genau anzuschauen, weshalb Menschen an den EU-Grenzen
nicht registriert werden und dann in Deutschland auftauchen. In Italien wird
nämlich in der Tat nur ein Teil der Menschen registriert, eben weil die
italienische Regierung sich einfach über die gemeinsamen EU-Regeln hinweggesetzt
hat.</p>
<kommentar>(Alexander Throm [CDU/CSU]: Ganz genau! So, und
jetzt?)</kommentar>
<p klasse="O">Anstatt Grenzkontrollen zu fordern, könnten Sie,
liebe Union, doch einfach mal bei Ihren Freunden von den Postfaschisten in Rom
anrufen; denn mit denen hat Manfred Weber ja zuletzt noch Wahlkampf gemacht.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">Oder Sie rufen mal bei der Europäischen Kommission an
und fragen nach, wie das eigentlich aussieht in Italien, warum die italienische
Regierung jahrelang europäische Regeln verletzen darf.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">Ich habe vorhin noch mal nachgeguckt: Soweit ich
weiß, ist die Kommissionspräsidentin noch Mitglied der CDU.</p>
<kommentar>(Detlef Seif [CDU/CSU]: Ja, fragen Sie die
Kommission!)</kommentar>
<p klasse="J">Aber das ist ja auch ein bisschen symptomatisch.</p>
<kommentar>(Alexander Throm [CDU/CSU]: Das ist aber intellektuell
auch etwas unterdurchschnittlich!)</kommentar>
<p klasse="O">Im Mittelmeer ertrinken seit Jahren Menschen, auch
deswegen, weil Ihr Minister Seehofer die zivilen Rettungsschiffe jahrelang bekämpft
hat. Unter den Augen von Ursula von der Leyen, der Kommissionspräsidentin, durften
Griechenland und Frontex Geflüchtete auf Rettungsinseln aussetzen. Mit Millionen
der EU für die sogenannte libysche Küstenwache wird am Ende ein System aus
Schleppern und Schleusern in Libyen finanziert.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">Denn genau diese sogenannte Küstenwache arbeitet mit
den brutalen Schlepperstrukturen vor Ort zusammen und bringt Menschen wieder
zurück, um am Ende noch mal abzukassieren.</p>
<p klasse="J">Ich kann nach den letzten Jahren nur zu dem Schluss
kommen: Die konservative Migrationspolitik, sie ist gescheitert.</p>
<kommentar>(Detlef Seif [CDU/CSU]: Sie ist noch gar nicht richtig
umgesetzt!)</kommentar>
<p klasse="O">Sie führt zu mehr Toten, sie führt zu mehr Unrecht,
sie führt zu mehr europäischen Schlagbäumen, und sie löst am Ende kein einziges
Problem.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Wer aber ernsthafte Probleme lösen möchte, der
unterstützt die Kommunen bei der Unterbringung, der unterstützt die Seenotrettung,
der schafft eine ernsthafte Verteilung von Menschen in der EU.</p>
<kommentar>(Detlef Seif [CDU/CSU]: Wir müssen verhindern, dass sich
Menschen in Gefahr bringen! Das ist der Punkt!)</kommentar>
<p klasse="O">So löst man Probleme, aber nicht mit Ihrer heißen
Luft, die ein bisschen zu sehr nach AfD stinkt; und langsam merken das auch immer
mehr in der EU.</p>
<p klasse="J">Ich finde wirklich bemerkenswert, was in Griechenland
in diesen Wochen passiert ist. Die griechische Regierung – nicht wirklich eine
Vorkämpferin für die Rechte von Geflüchteten – hat tatsächlich den
Aufenthaltsstatus von 30 000 Menschen legalisiert und ihnen dann noch eine
Arbeitserlaubnis obendrauf gepackt. Denn das Land hat erkannt: Geflüchtete brauchen
Schutz, Geflüchtete sollen am Leben teilnehmen, einen Job annehmen und, ja, am Ende
sogar Steuern zahlen.</p>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11005173"><name><vorname>Julian</vorname><nachname>Pahlke</nachname><fraktion>B
ÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Julian Pahlke (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Wir haben es mit dem Chancen-Aufenthaltsrecht
möglich gemacht; da ist bei Ihnen ja der Laden ein bisschen
auseinandergeflogen.</p>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Sie kommen zum Ende bitte.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11005173"><name><vorname>Julian</vorname><nachname>Pahlke</nachname><fraktion>B
ÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Julian Pahlke (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Raffen Sie sich auf! Kommen Sie raus aus der
rechten Ecke! Überlegen Sie mal, wie man konstruktiv Politik macht!</p>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege!</p>
<kommentar>(Patrick Schnieder [CDU/CSU]: Abschalten!)</kommentar>
<p klasse="redner"><redner
id="11005173"><name><vorname>Julian</vorname><nachname>Pahlke</nachname><fraktion>B
ÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Julian Pahlke (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Vielleicht klappt es ja ohne Friedrich Merz ein
bisschen besser bei Ihnen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Ich schließe die Aussprache.</p>
<p klasse="J">Wir kommen nun zum Antrag der Fraktion der CDU/CSU auf
Drucksache 20/10381. Die Fraktion der Union wünscht Abstimmung in der Sache, die
Fraktionen von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP wünschen Überweisung, und zwar
federführend an den Ausschuss für Inneres und Heimat und zusätzlich an den
Auswärtigen Ausschuss, an den Rechtsausschuss, an den Ausschuss für Menschenrechte
und humanitäre Hilfe und an den Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen
Union.</p>
<p klasse="J">Wir stimmen nach ständiger Übung zuerst über den Antrag
auf Ausschussüberweisung ab. Ich frage deshalb: Wer ist für die
Ausschussüberweisung? – Das sind die Koalitionsfraktionen. Wer ist dagegen? – Das
sind CDU/CSU- und AfD-Fraktion. Wer enthält sich? – Das ist niemand. Damit ist die
Überweisung so beschlossen, und damit stimmen wir heute über den Antrag in der
Sache nicht ab.</p>
</tagesordnungspunkt>
<tagesordnungspunkt top-id="Tagesordnungspunkt 14">
<p klasse="J">Damit rufe ich Tagesordnungspunkt 14 auf:</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t36"/> Beratung des Antrags der
Bundesregierung </p>
<p klasse="T_fett"> Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter
deutscher Streitkräfte an der NATO-geführten Maritimen Sicherheitsoperation SEA
GUARDIAN im Mittelmeer</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_Ueberweisung"> Überweisungsvorschlag: Auswärtiger
Ausschuss (f) Rechtsausschuss Verteidigungsausschuss Ausschuss für Menschenrechte
und humanitäre Hilfe Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Haushaltsausschuss gemäß § 96 der GO</p>
<p klasse="J">Hierzu ist es vorgesehen, 39 Minuten zu debattieren.</p>
<p klasse="J">Ich eröffne die Aussprache. Für die Bundesregierung
ergreift Boris Pistorius das Wort.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie des Abg. Torsten Herbst
[FDP])</kommentar>
<rede id="ID2015412500">
<p klasse="redner"><a id="r140"/><redner
id="999990093"><name><vorname>Boris</vorname><nachname>Pistorius</
nachname><rolle><rolle_lang>Bundesminister der
Verteidigung</rolle_lang><rolle_kurz>Bundesminister
BMVg</rolle_kurz></rolle></name></redner>Boris Pistorius, Bundesminister der
Verteidigung:</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten
Damen und Herren Abgeordneten! Heute Vormittag habe ich über unsere tapferen und
mutigen ukrainischen Freunde gesprochen und vorhin über unsere Beteiligung an der
Mission UNMISS im Südsudan.</p>
<p klasse="J">Jetzt möchte ich ebenfalls einen Blick in Richtung
Süden werfen, wo unsere Unterstützung dringend notwendig bleibt, und zwar in
Richtung Mittelmeer. Wir sprechen hier von 2,5 Millionen Quadratkilometern; das ist
mehr als die Hälfte der Fläche der Europäischen Union. Das Mittelmeer verbindet
unsere Nachbarländer mit Nordafrika und dem Nahen und dem Mittleren Osten. Zum
einen stellt es die südliche Grenze der Europäischen Union dar, zum anderen ist es
der Zugang zu unserer südlichen Nachbarschaft in der NATO. Das Mittelmeer ist
Schauplatz von Menschen- und Waffenschmuggel, von Flucht und Migration und von
Organisierter Kriminalität – hier kommt alles zusammen –, und es ist ein großes
Grab. Allein im vergangenen Jahr verschwanden oder verstarben dort
3 760 Menschen.</p>
<p klasse="J">Gleichzeitig kommt dem Mittelmeer eine hohe
strategische Bedeutung zu. Durch das Mittelmeer verlaufen für uns zentrale
Handelsrouten. Das heißt, dass wir hier besonders verwundbar sind. Denn sind unsere
Seewege nicht sicher, spüren wir die Auswirkungen sofort: Werke stehen still, weil
Produktionsteile aus anderen Teilen der Welt nicht rechtzeitig geliefert werden
können, und unsere Exportprodukte können nicht rechtzeitig in die Welt verschifft
werden. Klar ist: Für uns ist die Sicherheit dieses Seegebietes extrem wichtig.</p>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, die NATO-geführte maritime
Sicherheitsoperation Sea Guardian macht das Mittelmeer sicherer: zum einen, indem
unsere Soldatinnen und Soldaten Lagebilder erstellen, diese mit der NATO und
unseren Partnern teilen und wichtige Informationen für die Überwachung des
Seeraumes austauschen, zum anderen, indem sie Schiffe kontrollieren und durchsuchen
können, bei denen der Verdacht auf Waffenschmuggel oder gar Terrorismus besteht.
Sie tragen so dazu bei, dass wir gemeinsam den Terrorismus bekämpfen und den
internationalen Waffenschmuggel einschränken.</p>
<p klasse="J">Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten,
wir müssen für Bedrohungen von allen Seiten der NATO gewappnet sein, nicht nur aus
dem Osten. Maritime Sicherheit betrifft uns alle, auch im Mittelmeer. Um uns hier
schützen zu können, brauchen wir eine durchgehende Präsenz der NATO. Nur so
schrecken wir glaubwürdig ab und kommen unserem Ziel der kollektiven Sicherheit und
Verteidigung nach. Deswegen beteiligt sich Deutschland gemeinsam mit vielen unserer
Partner an der NATO-geführten maritimen Sicherheitsoperation Sea Guardian.</p>
<p klasse="J">Das Engagement geht Hand in Hand mit der NATO-
Unterstützung in der Ägäis und anderen Operationen wie dem UNIFIL-Flottenverband
Maritime Task Force oder der EU-geführten Operation EUNAVFOR MED Irini. Mit unserem
flexiblen Ansatz unterstützen wir bei der Überwachung und Aufklärung auf und über
See und bei Patrouillen.</p>
<p klasse="J">Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten,
ich bitte Sie heute um Ihre Unterstützung für die Verlängerung des Mandats für die
Operation Sea Guardian um ein weiteres Jahr. Der Einsatz unserer Soldatinnen und
Soldaten hat sich bewährt, und er wird weltweit geschätzt. Unsere Partner verlassen
sich auf sie, und sie können das. Auch wir, die Bürgerinnen und Bürger dieses
Landes, und dieser Bundestag können sich auf unsere Parlamentsarmee verlassen. Ich
bitte um Ihre Zustimmung.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank. – Für die Unionsfraktion hat der
Kollege Markus Grübel das Wort.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015412600">
<p klasse="redner"><a id="r141"/><redner
id="11003542"><name><vorname>Markus</vorname><nachname>Grübel</nachname><fraktion>C
DU/CSU</fraktion></name></redner>Markus Grübel (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Herr Minister! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Sea Guardian – zu Deutsch: Seewächter – ist ein Stabilitätsanker im
Mittelmeer. Sea Guardian ist seit 2016 fester Bestandteil der NATO-Präsenz im
Mittelmeer und trägt zum Schutz der NATO-Südflanke bei.</p>
<p klasse="J">Diese Operation steht nicht so stark im Rampenlicht
der Öffentlichkeit. Sie leistet mit Aufklärung und Lagebilderstellung einen
wichtigen Beitrag für unsere Sicherheit und die Sicherheit im Mittelmeer. Die
anderen Aufträge, die im Mandat genannt sind, sind weniger relevant, insbesondere
weil Küstenmeere grundsätzlich nicht mehr zum Einsatzgebiet gehören.</p>
<p klasse="J">Aufklärung und Lagebilderstellung sind eigentlich
eine Selbstverständlichkeit für ein Kriegsschiff, das durch ein Seegebiet fährt,
und aus meiner Sicht nicht mandatierungspflichtig. Erklären kann man sich die
Mandatierung vielleicht aus der Geschichte, wenn man – vielleicht erinnern sich die
Kollegen, die schon länger dabei sind – auf die Vorgängermission, auf die Operation
Active Endeavour, schaut. Sie war eine Reaktion auf den 11. September, basierend
auf Artikel 5 NATO-Vertrag.</p>
<p klasse="J">Die Situation heute: Wenn eine Fregatte über das
Mittelmeer fährt und Lagebilder erstellt, ist das mandatierungspflichtig und wird
in zwei Debatten im Bundestag beraten. Aber wenn eine Regierung entscheidet, eine
schwere Panzerbrigade mit 5 000 bis 6 000 Mann nach Litauen zu schicken, erfordert
das kein Mandat – so viel auch zu dem Begriff „Parlamentsarmee“.</p>
<kommentar>(Wolfgang Hellmich [SPD]: Sie wissen doch auch,
warum!)</kommentar>
<p klasse="J">Durch das Mittelmeer verlaufen wichtige Handelsrouten
und Seewege. Am Grund des Mittelmeeres verlaufen kritische Infrastrukturen wie
Datenkabel, Pipelines etc. Die freie Seefahrt und die Sicherheit der
Unterwasserinfrastruktur sind im deutschen Interesse und im Interesse der ganzen
Welt.</p>
<p klasse="J">Wenn ich an freie Seewege und unsere Mandate denke,
denke ich auch an unseren ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler. Liebe Kollegen
von den Grünen, Horst Köhler hat mal gesagt, freie Seewege müssten auch mithilfe
der Deutschen Marine durchgesetzt werden.</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Jürgen Hardt [CDU/CSU])</kommentar>
<p klasse="O">Da hat der damalige grüne Fraktionsvorsitzende Jürgen
Trittin gesagt, das sei Kanonenbootpolitik. Die Grünen lagen damals falsch. Umso
positiver ist es, dass die Grünen heute zu einem ganz anderen Ergebnis kommen. Die
Lernkurve ist also steil.</p>
<p klasse="J">Wir haben verschiedene Marineoperationen. Darum
brauchen wir dringend eine bessere Ausstattung der Marine. Wir müssen jetzt die
Entscheidung für eine fünfte und sechste Fregatte vom Typ F126 treffen und den
Beschluss zeitnah fassen. Wir brauchen aber auch neue bemannte und unbemannte
Systeme für Minenabwehr und die Unterwasserkriegsführung, insbesondere auch zum
Schutz von Leitungen am Meeresgrund. Leider bildet die Haushaltsplanung all dies
nicht richtig ab.</p>
<p klasse="J">Neben den großen Herausforderungen – Personal,
Material, Haushalt – gibt es auch die Herausforderung für unsere Gesellschaft. Auch
unsere Gesellschaft muss wieder verteidigungsfähig – oder wie Sie, Herr Minister,
sagen: kriegstüchtig – werden. Andere sprechen von Resilienz oder
Widerstandsfähigkeit. Das gilt auch für die Familien der Soldatinnen und Soldaten,
insbesondere auch für die Kinder. Sie stellen sich bei gefährlichen Missionen wie
EUNAVFOR Aspides natürlich Fragen. Und wir müssen diese Familien –</p>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Sie kommen bitte zum Ende.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11003542"><name><vorname>Markus</vorname><nachname>Grübel</nachname><fraktion>C
DU/CSU</fraktion></name></redner>Markus Grübel (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">– stärken und unterstützen.</p>
<p klasse="J">Mein großer Dank gilt unseren Soldatinnen und
Soldaten bei den Marineoperationen –</p>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege!</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11003542"><name><vorname>Markus</vorname><nachname>Grübel</nachname><fraktion>C
DU/CSU</fraktion></name></redner>Markus Grübel (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">– und deren Familien.</p>
<p klasse="J">Herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der
FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Ich danke auch. – Der Kollege Tobias Bacherle von
der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen gibt seine Rede zu
Protokoll.<sup>1</sup><fussnote><p><a href="ANL9">Anlage 9</a></p></fussnote></p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Damit hat Joachim Wundrak das Wort für die AfD-
Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015412700">
<p klasse="redner"><a id="r142"/><redner
id="11005264"><name><vorname>Joachim</vorname><nachname>Wundrak</nachname><fraktion
>AfD</fraktion></name></redner>Joachim Wundrak (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Der eine
oder die andere mag sich an die unmittelbaren Folgen von Nine Eleven erinnern: die
unteilbare Solidarität mit den USA, den Beginn des Kampfes gegen den Terrorismus.
Der Beitrag der NATO dazu bestand ab Oktober 2001 in der Operation Active Endeavour
mit einem Kapitel-VII-Mandat für das Mittelmeer.</p>
<p klasse="J">Diese wurde 2016 durch die NATO-Operation Sea
Guardian ersetzt, die mit der Sicherheitsratsresolution 2292 ebenfalls ein robustes
Mandat für den Kampf gegen Terrorismus und Waffenschmuggel in Libyen erhielt. Das
entsprechende Bundestagsmandat wurde 2022 modifiziert, um den Grünen als
Regierungspartei die Zustimmung zu ermöglichen. Die Obergrenze wurde auf
550 Soldaten abgesenkt, Kapazitätsaufbau ist nicht mehr im Auftrag, und die
Küstenmeere sind, wie schon gehört, nicht mehr im Einsatzgebiet enthalten.</p>
<p klasse="J">Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass seit
2020 mit der EU-Operation EUNAVFOR MED Irini parallel dazu, basierend auf der
gleichen Sicherheitsratsresolution, ein nahezu deckungsgleicher Auftrag besteht.
Der vorliegende Antrag der Bundesregierung wiederholt hier einmal mehr seit 2020,
dass diese Doppelung des Auftrages und damit auch weitgehend der gesamten Operation
bisher nicht aufgelöst werden konnte. Eine entsprechende Vereinbarung zwischen NATO
und EU konnte nicht erreicht werden und wird wohl weiterhin am NATO-Partner Türkei
scheitern.</p>
<p klasse="J">Weiterhin ist bezeichnend, dass die Vereinten
Nationen selbst in einem Bericht das Waffenembargo gegen Libyen als völlig
wirkungslos bezeichnen. Heute ist festzustellen, dass über Libyen Waffen in nahezu
alle Krisengebiete Afrikas, insbesondere auch in den Sahel, nach Sudan und Südsudan
geschmuggelt werden.</p>
<p klasse="J">Der heutige Staatsminister Lindner bezeichnete das
Sea-Guardian-Mandat, als er noch in der Opposition war, abfällig als „Pappkamerad“,
weil es eine Auftragserfüllung gegen Terroristen und gegen Waffenschmuggler
vortäusche, die nicht der Realität entspräche. Daran hat sich bis heute nichts
geändert.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Die wesentliche Leistung von Sea Guardian war und ist
die Erstellung eines Lagebildes im Mittelmeer. Das Lagebild, das vom Maritime
Headquarters in Northwood, Großbritannien, erstellt wird, ist auch ohne dieses hier
beantragte weitreichende, robuste Mandat leistbar. Schiffe der NATO-Staaten im
Mittelmeer sind ja ohnehin nur im Zweitauftrag für Sea Guardian tätig. Einsätze
gegen Terroristen konnten in all den nunmehr mehr als 20 Jahren bisher nicht
verzeichnet werden. Es ist nach wie vor so, dass sich NATO-Mitglieder der Kontrolle
von Schiffen, die unter Waffenschmuggelverdacht geraten sind, verweigern.</p>
<p klasse="J">Was ist also dieses robuste Mandat schließlich wert?
Dieses Mandat war und ist eine Mogelpackung.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="O">So darf nicht mit dem Parlament umgegangen werden.
Wir werden diesem Antrag erneut nicht zustimmen.</p>
<p klasse="J">Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Für die FDP-Fraktion hat jetzt Rainer Semet das
Wort.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015412800">
<p klasse="redner"><a id="r143"/><redner
id="11005223"><name><vorname>Rainer</vorname><nachname>Semet</nachname><fraktion>FD
P</fraktion></name></redner>Rainer Semet (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Heute geht es um die Verlängerung der NATO-Mission Sea Guardian.
Verglichen mit dem Text des Vorjahres hat sich nicht viel verändert. Die
Personalobergrenze bleibt gleich. Das Budget wird an die allgemeine Preiserhöhung
angepasst. Die Aufgabe bleibt die Überwachung des Seeraumes und damit verbunden die
Terrorismusbekämpfung. Dazu führen unsere Soldaten routinemäßig Abfragen an
Schiffen durch.</p>
<p klasse="J">Diese Abfragen fließen in ein umfassendes NATO-Bild
ein, das den Mittelmeerraum abbildet. Dadurch versetzen wir die gesamte
Mittelmeerregion in die Lage, maritimen Terrorismus frühzeitig zu erkennen und zu
vereiteln. Mit dem Datenaustausch und der engen Abstimmung mit Staaten und
Organisationen senden wir das Signal an Schmuggler, Menschenhändler und
Terroristen: Wir sind vor Ort, wir bleiben dort, und wir sehen euch. Unsere
Soldaten leisten damit einen entscheidenden Beitrag zur maritimen Sicherheit an der
NATO-Südflanke.</p>
<p klasse="J">Wir sprechen aktuell viel über Verantwortung in der
NATO. Dabei leistet nicht jedes Mitglied gleich viel. In unserem wichtigsten
Partnerland, den Vereinigten Staaten, werden Stimmen laut, seinen Bündnispflichten
im Ernstfall nicht nachzukommen. Mithilfe des Sondervermögens gibt Deutschland
dieses Jahr erstmals seit 32 Jahren mehr als 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts
für Verteidigung aus. Meine Damen und Herren, das ist wichtig, und das ist richtig.
Wir beweisen damit unser Verantwortungsbewusstsein und unsere Führungsstärke in der
NATO. Wir leisten damit einen entscheidenden Beitrag zur Wahrung unseres Friedens
und unserer Freiheit.</p>
<p klasse="J">Wichtig ist, dass dies in Zukunft auch so bleibt;
denn unsere Sicherheit ist leider nicht mehr selbstverständlich. Die schrecklichen
Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten machen deutlich, wie fragil Frieden und
Freiheit auf der Welt sind. Als ich vor einem Jahr zuletzt für die Verlängerung von
Sea Guardian warb, warnte ich davor, dass wir uns nicht nur auf eine aktuelle Krise
konzentrieren dürfen. Wir müssen uns auch mit zukünftigen Krisen
auseinandersetzen.</p>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, eine solche Krise ist nun
eingetreten. Der barbarische Angriff der Hamasterroristen im Oktober löste die
größte Eskalation im Nahen Osten seit Jahrzehnten aus. Auch Drittparteien wie die
Hisbollah haben sich in diesen Konflikt eingemischt. Aus dem Südlibanon beschießen
sie Israel täglich mit Raketen. Das kann die Hisbollah nur, weil sie trotz
internationaler Sanktionen an viele Waffen gelangt ist. Die Mission Sea Guardian
ist gerade deshalb so bedeutsam, da sie sich gegen solchen illegalen
Waffenschmuggel einsetzt.</p>
<p klasse="J">Morgen stimmen wir darüber ab, die Fregatte „Hessen“
ins Rote Meer zu entsenden. Sie soll dort zivile Frachtschiffe vor hinterhältigen
Angriffen der Huthi-Rebellen schützen und dafür sorgen, dass die internationalen
Seewege sicher und offen bleiben. Aspides ist die gefährlichste Mission unserer
Bundeswehr seit Afghanistan. Aber mit der Fregatte „Hessen“ stellen wir unseren
Soldaten modernes und für die Mission geeignetes Material zur Verfügung. Sie können
sich damit und mit unseren Partnern sicher für unsere Verteidigung einsetzen. Das
ist heute leider notwendig; denn die Zeiten, in denen wir uns aus vielen Konflikten
heraushalten konnten, sind endgültig vorbei.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie des Abg. Helge Limburg
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="J">Europa muss bei seiner Verteidigung wieder
selbstständiger werden. Wir in Deutschland werden dabei unserer Verantwortung
gerecht. Dafür, dass dies so bleibt, werden wir Freie Demokraten uns auch weiterhin
einsetzen. Mit Sea Guardian leisten unsere Soldaten seit Jahren einen
entscheidenden Beitrag zur Bekämpfung von Terrorismus, irregulärer Migration sowie
zur Stabilisierung und Sicherung der europäischen Außengrenzen. Ich bitte Sie daher
um eine breite Zustimmung für die Verlängerung des Mandats bis einschließlich
März 2025.</p>
<p klasse="J">Danke schön.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Das Wort hat Dr. Volker Ullrich für die CDU/CSU-
Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015412900">
<p klasse="redner"><a id="r144"/><redner
id="11004427"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Volker</vorname><nachname>Ullrich</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Dr. Volker Ullrich
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und
Herren! Im Mittelmeer kann man die geostrategischen Herausforderungen unserer Zeit
wie unter einem Brennglas beobachten. Nirgendwo sonst auf der Welt befinden sich in
einer Distanz von etwa 3 500 Kilometern in Ost-West-Richtung und 700 bis
800 Kilometern in Nord-Süd-Richtung mehr als 20 Staaten, die völlig
unterschiedlichen Kulturkreisen, aber auch demokratischen Verfasstheiten angehören.
EU-Mitglieder, unsere NATO-Partner und die einzige Demokratie im Nahen Osten,
Israel, aber auch instabile Staaten wie Libyen sind Anrainerstaaten am Mittelmeer.
Und über die Dardanellen und das Marmarameer gewährt das Mittelmeer auch noch
Zugang zum Schwarzen Meer und damit zu einem der beiden großen Kriegsschauplätze,
nämlich dort, wo Russland die Ukraine angreift.</p>
<p klasse="J">Gleichzeitig erleben wir, dass die Hamas seit dem
7. Oktober Israel angreift. Auch der Gazastreifen hat 40 Kilometer Küstenlänge zum
Mittelmeer. Das zeigt, wie wichtig es ist, dass die NATO im Mittelmeer Sicherheit
und Stabilität garantiert. Wir brauchen ein Lagebild, weil wir wissen müssen, was
dort passiert. Vor allen Dingen müssen wir aber auch dafür Sorge tragen, dass
Waffenschmuggel und Terrorismus auf dem Mittelmeer klar unterbunden werden. Dafür
steht diese Mission seit mehr als 20 Jahren. Deswegen sage ich all den Soldatinnen
und Soldaten, die auf dieser Mission tätig sind, Danke.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD,
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Es war bereits angesprochen worden, dass aus dem
Mandatstext die Patrouille in den Küstengewässern ausdrücklich herausgenommen
wurde, was sich als strategischer Nachteil für die NATO entwickeln kann. Gerade die
fehlende Kontrolle in den Küstengewässern zum Libanon beispielsweise, zu Gaza, zu
Libyen kann sich als ein Nachteil erweisen. Es wäre von strategischem Vorteil, wenn
die Mission der Europäischen Union Irini, also die Unterbindung des
Waffenschmuggels in den Küstengewässern von Libyen, mit der Operation Sea Guardian
zusammengeführt werden könnte, um einen integrierten Sicherheitsansatz im
Mittelmeer zu haben.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Wir werden nach wie vor dafür eintreten, dass die
Sicherheit der NATO-Südflanke und damit auch die Sicherheit des Bündnisses, aber
auch die Sicherheit der Europäischen Union gemeinsam gedacht werden, weil wir nur
mit einem stabilen und sicheren Schutz des Mittelmeeres, mit dem Schutz der
Handelswege, aber mehr noch mit dem Schutz von Demokratie und Freiheit auch in
diesem Gebiet unsere sicherheitspolitischen Ziele erreichen können.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Der Kollege Dr. Karamba Diaby hat jetzt das Wort
für die SPD-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015413000">
<p klasse="redner"><a id="r145"/><redner
id="11004259"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Karamba</vorname><nachname>Diaby</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Dr. Karamba Diaby (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten
Damen und Herren! Bei der verheerenden Flutkatastrophe in Libyen kamen im letzten
Jahr 13 000 Menschen ums Leben. Zehntausende haben ihr zu Hause verloren. Diese
Menschen dürfen wir nicht vergessen. Libyen steht vor gewaltigen Herausforderungen.
Krisen wie diese beeinflussen die Zusammenarbeit im gesamten Mittelmeerraum.
Deshalb sage ich: Der Einsatz der Bundeswehr in der NATO-Mission Sea Guardian muss
fortgesetzt werden.</p>
<p klasse="J">Ich nenne dafür drei Gründe: Erstens. Das Mittelmeer
ist eine Verkehrsader für Handel und Mobilität zwischen den Ländern und
Kontinenten. Diese wichtige Region gilt es zu schützen. Zweitens. Die Sicherheit
der Mittelmeerregion ist auch entscheidend für die Sicherheit Deutschlands; denn
das Mittelmeer ist die südliche Grenze des NATO-Bündnisgebietes und der
Europäischen Union. Drittens. Unser Engagement mit Sea Guardian sichert die
internationale Kooperation im Mittelmeerraum.</p>
<p klasse="J">Meine sehr verehrten Damen und Herren, derzeit ist
diese Sicherheit bedroht von der Fragilität mancher Anrainerstaaten, von Krieg und
Ausbreitung von Gewalt, aber auch von Umweltkatastrophen wie zuletzt der
Flutkatastrophe in Libyen oder dem Erdbeben in Marokko.</p>
<p klasse="J">Sea Guardian stärkt die maritime Sicherheit im
Mittelmeer. Zu ihren Aufgaben gehört, den Seeraum zu überwachen, der Austausch von
Lagebildern, der Kampf gegen Terrorismus, aber auch die Bekämpfung von illegalen
Aktivitäten wie Waffenschmuggel und Menschenhandel. Damit leistet sie einen
wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der gesamten Region.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">An dieser Stelle, meine sehr verehrten Damen und
Herren, sagen wir unseren Soldatinnen und Soldaten herzlichen Dank für die Arbeit,
die sie leisten.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU,
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Ihre Präsenz im Mittelmeer ermöglicht es, Bedrohungen
frühzeitig zu erkennen. Gemeinsame Operationen stärken die regionale
Sicherheitsarchitektur. Das fördert das Vertrauen und die Zusammenarbeit zwischen
den Staaten. Deshalb ist es entscheidend, dass die Mission weitergeführt wird.</p>
<p klasse="J">Meine sehr verehrten Damen und Herren, wenn wir über
Sicherheit im Mittelmeer sprechen, dürfen wir nicht vergessen, dass das Meer für
viele Menschen lebensgefährlich ist. Wachsende Krisen zwingen immer mehr Menschen
zur Flucht. Viele nehmen den Weg über das Mittelmeer. Viele überleben diesen Weg
nicht. Für meine Fraktion und für mich persönlich steht fest: Zur Sicherheit im
Mittelmeer gehört die Wahrung von Humanität.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">Darum ist es wichtig, dass Sea Guardian die
völkerrechtliche Verpflichtung hat, Hilfe für Menschen in Seenot zu leisten.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie
bei Abgeordneten der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Ich finde, meine Damen und Herren, die Einhaltung von
Menschenrechten ist nicht verhandelbar.</p>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, es ist wichtig und richtig,
dass die deutsche Beteiligung an der Mission Sea Guardian im Mittelmeer fortgeführt
wird – zur Sicherheit und zum Wohl der Menschen hier und in der gesamten Region.
Deshalb bitte ich Sie um Zustimmung zur Verlängerung des Bundeswehreinsatzes Sea
Guardian im Mittelmeer.</p>
<p klasse="J">Danke schön.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der
FDP)</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Danke für eine eingesparte Minute. Und danke für vier
eingesparte Minuten an Roderich Kiesewetter, der seine Rede zu Protokoll gegeben
hat.<sup>1</sup><fussnote><p><a href="ANL9">Anlage 9</a></p></fussnote></p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Ich schließe damit die Aussprache.</p>
<p klasse="J">Interfraktionell wird Überweisung der Vorlage auf
Drucksache 20/10161 an die in der Tagesordnung aufgeführten Ausschüsse
vorgeschlagen. – Weitere Vorschläge sehe ich nicht. Dann werden wir so
verfahren.</p>
</tagesordnungspunkt>
<tagesordnungspunkt top-id="Tagesordnungspunkt 17">
<p klasse="J">Ich rufe Tagesordnungspunkt 17 auf:</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t37"/> Beratung des Antrags der
Fraktion der CDU/CSU </p>
<p klasse="T_fett"> Wiederaufbau im Ahrtal durch Anpassungen
bei der Aufbauhilfe 2021 beschleunigen</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_Ueberweisung"> Überweisungsvorschlag: Ausschuss
für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen (f) Ausschuss für Inneres und
Heimat Finanzausschuss Wirtschaftsausschuss Ausschuss für Ernährung und
Landwirtschaft Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und
Verbraucherschutz Ausschuss für Klimaschutz und Energie Haushaltsausschuss</p>
<p klasse="J">Hier ist es vorgesehen, 39 Minuten zu debattieren.</p>
<p klasse="J">Ich eröffne die Aussprache und gebe Lars Rohwer das Wort
für die CDU/CSU-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)</kommentar>
<rede id="ID2015413100">
<p klasse="redner"><a id="r146"/><redner
id="11005190"><name><vorname>Lars</vorname><nachname>Rohwer</nachname><fraktion>CDU
/CSU</fraktion></name></redner>Lars Rohwer (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Glück auf, Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten
Damen und Herren! Mindestens 135 Menschen starben durch die Flutkatastrophe vor
zwei Jahren allein im Ahrtal. Eine Person wird noch immer vermisst. 9 000 Gebäude
wurden auf dem 40 Kilometer langen Flussabschnitt zerstört. Mehr als zwei Jahre
nach der Katastrophe gibt es im Ahrtal verschiedene Geschwindigkeiten beim
Wiederaufbau: Während einige Orte im Ahrtal wieder im Glanz erstrahlen, sieht es in
anderen Orten dramatisch schlimm aus, als wäre das Wasser erst gestern durch die
Orte gerauscht. Auch im dritten Jahr nach der Flut hat der Wiederaufbau in einigen
Gemeinden teilweise noch gar nicht begonnen. Das Spektrum ist riesig: von neu
bezogen und komplett saniert bis zu diesem Stillstand, den ich gerade beschrieben
habe. Nichts ist einfach an der Ahr. Der Wiederaufbau ist vielerorts ein schwerer
Neuanfang.</p>
<p klasse="J">Warum setzen wir heute diesen Antrag auf die
Tagesordnung des Deutschen Bundestages? Ganz einfach: Weil die Menschen keine Zeit
mehr haben, weil ihnen die Zeit wegläuft.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Lang genug haben die Menschen Geduld und Verständnis
gehabt. Wir brauchen keine weiteren Vertröstungen und neuen Gutachten zur
Entscheidungsfindung. Es muss endlich entschieden werden! Legen wir endlich
Pragmatismus an den Tag und entscheiden mit Augenmaß und Sachverstand. – So, wie
wir es im Freistaat Sachsen ebenfalls gemacht haben, als ich selber 2002 und 2013
von zwei Naturkatastrophen heimgesucht worden bin und es dort erlebt habe. Es war
in Sachsen übrigens dieselbe gefürchtete Wetterlage Vb; 2021 ging sie im engen
Ahrtal und im Erftkreis darnieder, im Sommer letzten Jahres im Adria-Raum.</p>
<p klasse="J">Bereits dreimal bin ich in den vergangenen Jahren
selbst im Ahrtal gewesen und habe mir persönlich ein Bild vor Ort gemacht. Bis
heute kämpfen die Menschen im Ahrtal mit den Widrigkeiten des Wiederaufbaus. Mein
Kollege Seif wird gleich aus dem Erftkreis berichten; die Situation dort ist eine
völlig andere. Viele Häuser entlang der Ahr sind noch immer unbewohnt, zugenagelt
oder im Rohbau, manchmal sogar noch mit Flutschlamm bespritzt. Der Wiederaufbau
stockt aufgrund komplexer Verfahren und Planungsprozesse, die wir schnellstens
beschleunigen müssen. Der Bauausschuss – Frau Weeser als Ausschussvorsitzende ist
heute auch hier – war letztes Jahr im Ahrtal. Ich glaube, wir alle waren sehr
betroffen von dem, was wir gesehen und was wir erlebt haben.</p>
<p klasse="J">Viele Menschen haben sich Provisorien geschaffen; die
bestehen jetzt seit drei Jahren. „Nichts ist so dauerhaft wie ein Provisorium“,
sagt man in Sachsen. Aber das darf in der heutigen Zeit nicht die Realität bleiben.
Die Menschen wollen in ihrer gewohnten Umgebung bleiben. Es ist eben ihre Heimat.
Sie wollen anpacken, wiederaufbauen, ihre Orte wieder zum Leben erwecken.</p>
<p klasse="J">Der heute vorliegende Antrag ist uns wichtig, um das
Signal an die Bundesregierung, aber auch an die Landesregierung in Rheinland-Pfalz
zu senden, dass wir nicht länger warten können. Wir müssen uns zusammensetzen!
Nehmen Sie die rechtlichen Möglichkeiten, die dieser Deutsche Bundestag geschaffen
hat, endlich auch in die Hand. Entscheiden Sie, und warten Sie nicht immer wieder
auf neue Gutachten und Entscheidungen von irgendwelchen anderen Institutionen!</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der
AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Aus den Mitteln des Wiederaufbaufonds müssen auch
zukünftige energetische Standards gefördert werden; denn der Wiederaufbau ist ein
Schritt nach vorn und nicht zurück. Er ist unbedingt erwünscht. Energetische
Standards sind dabei mitzudenken, und das gilt auch für die Bewilligung von Mitteln
für den Wiederaufbau. Trotz des ungebrochen großen Engagements im Ahrtal ist die
Zahl der noch umzusetzenden Wiederaufbauprojekte sehr groß; es gibt noch viel zu
tun. Machen wir es den Menschen vor Ort so leicht wie möglich. Sie brauchen
Zuversicht und eine Perspektive. Helfen wir ihnen bei den vielen Herausforderungen,
und reduzieren wir endlich die bürokratischen Hürden des Wiederaufbaufonds 2021,
damit mehr Menschen schneller Zugang zu den Mitteln erhalten, die wir als Bund
gemeinsam mit den Ländern bereitgestellt haben.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Sebastian
Münzenmaier [AfD])</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank. – Das Wort hat Martin Diedenhofen für
die SPD-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015413200">
<p klasse="redner"><a id="r147"/><redner
id="11005040"><name><vorname>Martin</vorname><nachname>Diedenhofen</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Martin Diedenhofen (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Ich bin am Rhein aufgewachsen und habe schon als Kind etliche
Hochwasser miterlebt. Die Flut im Ahrtal war aber kein normales Hochwasser, sondern
eine Katastrophe mit einem Ausmaß, wie es die Region noch nicht erlebt hat. Ich
wohne in Sichtweite des Landkreises Ahrweiler, und ich kenne Leute, die bei der
Flut nahezu alles verloren haben. Wir alle haben seitdem aber auch miterlebt, wie
viel Solidarität und Hilfsbereitschaft es ab dem ersten Tag gegeben hat. Menschen
haben, ohne zu zögern, mitangepackt, sich durch den Schlamm gekämpft und anderen
Menschen geholfen, die sie noch nie zuvor gesehen haben. Für diese
Hilfsbereitschaft und für diesen starken Zusammenhalt sind wir alle hier sehr
dankbar.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Erst vergangene Woche habe ich mich wieder mit
Bürgermeistern aus den betroffenen Gemeinden ausgetauscht. Aus erster Hand weiß ich
deswegen: Beim Wiederaufbau wurden bereits große Fortschritte erzielt. Und
trotzdem – das ist vollkommen klar – gibt es noch viel zu tun. Der Bundestag hat
2021 in einem beispiellosen Akt beschlossen, gemeinsam mit den Ländern
30 Milliarden Euro für den Wiederaufbau der von der Flut zerstörten Regionen zur
Verfügung zu stellen. Natürlich wird es aber noch einige Zeit dauern, bis alle
materiellen Schäden beseitigt sein werden. Deswegen ist es gut, dass wir heute und
auch in Zukunft hier im Bundestag über diese Flutkatastrophe sprechen.</p>
<p klasse="J">Heute reden wir beispielsweise über einen Antrag,
der, liebe Kolleginnen und Kollegen der Union, erkennen lässt, dass Sie und wir das
gleiche Ziel verfolgen, nämlich im Ahrtal so schnell wie möglich voranzukommen. Das
begrüße ich; denn es darf hier nicht um Parteifragen gehen. Leider gibt es – wir
werden es heute wieder erleben – in unserem Land Kräfte rechts außen, denen es
nicht darum geht, hier im Sinne der Menschen an einem Strang zu ziehen, sondern die
aus dem Schicksal der Menschen im Ahrtal ganz egoistisch politischen Profit
schlagen wollen. Es wird von diesen Leuten beispielsweise bewusst der Eindruck
vermittelt, dass die Gegend insgesamt noch in Trümmern liegen würde und noch nichts
passiert sei. Das ist, ehrlich gesagt, einfach nur schäbig.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Wer nicht nur über, sondern einmal mit den Menschen
vor Ort redet, der weiß, dass diese Spalter nicht nur Lügen verbreiten, sondern den
Menschen vor Ort auch einen Bärendienst erweisen; denn das Ahrtal ist eine
Tourismusregion. Wer behauptet, dass da alles noch in Trümmern liege, der schreckt
Gäste ab und sorgt dafür, dass wichtige finanzielle Einnahmen ausbleiben. Sie
erschweren damit genau denen das Handwerk, die jeden Tag mit ihrem persönlichen
Einsatz für das Ahrtal, für seinen Wein, für seine Gastronomie und für seine
Menschen werben.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Sebastian Münzenmaier [AfD]: Reden Sie doch mal mit den
Menschen dort vor Ort!)</kommentar>
<p klasse="J">Beispielsweise sind das die Weinhoheiten, die wir als
SPD-Fraktion vor einigen Wochen zu Gast hatten; denn diese Menschen engagieren sich
wirklich für ihre Heimatregion. Sie sind wichtige Botschafterinnen und Botschafter
für den örtlichen Weinbau und für gute touristische Angebote.</p>
<p klasse="J">Statt also Lügen und Halbwahrheiten über die aktuelle
Situation im Ahrtal zu verbreiten, möchte ich hier darüber reden, was vor Ort
wirklich los ist. Der Wiederaufbau im Ahrtal geht jeden Tag voran. Trotzdem steht
noch nicht wieder jedes Haus, bei Weitem nicht. Das hat mehrere Gründe. Ein solches
Ausmaß an Zerstörung haben wir seit vielen Jahrzehnten in Deutschland nicht mehr
erleben müssen. Beim Anblick der Zerstörung war den meisten Menschen klar, dass der
Wiederaufbau dauert. Der ist nämlich mit komplexen Planungen verbunden. Wo zum
Beispiel kann man überhaupt wiederaufbauen und in welcher Weise? Viele zerstörte
Häuser und Brücken waren ziemlich alt.</p>
<p klasse="J">Ich möchte an der Stelle übrigens einmal klarstellen,
dass wir eben nicht eins zu eins wiederaufbauen, sondern nach dem Stand der Technik
und in einer dem Überschwemmungsrisiko angepassten Weise. Ich halte es für sehr
problematisch, das in dem Antrag so zu schreiben; denn das ist einfach falsch.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Ein Problem ist auch die Kapazitätenfrage bei
Gutachtern in den zuständigen Behörden, bei den Handwerkern, in der Bauwirtschaft.
Das Problem ist nicht im Handumdrehen zu lösen. Umso wichtiger ist beispielsweise
die Initiative „Handwerk baut auf“ der Landesregierung und der Handwerkskammer
Koblenz, die das Ziel verfolgt, Handwerker aus anderen Gebieten für den
Wiederaufbau dort zu gewinnen.</p>
<p klasse="J">Zu der Aufzählung, warum der Wiederaufbau dauert,
gehören aber auch Dinge, die anfangs nicht gesehen wurden, die wir aber verbessert
haben. Wir haben die Antragsfristen für die Fluthilfen im letzten Jahr
unkompliziert verlängert. Auch Anpassungen im Bauplanungs- und Vergaberecht, die
Absenkung der Anforderungen bei der erforderlichen Planungstiefe für die
Antragstellung, Abschlagszahlungen an Kommunen direkt nach der Bewilligung der
Anträge usw. haben wir ermöglicht.</p>
<p klasse="J">Weitere punktuelle Neujustierungen müssen immer zur
Debatte stehen. Jetzt aber eine zeitaufwendige grundsätzliche Novellierung der
Aufbauhilfe zu starten, liebe Union, das lehnen wir ab. Wo wir ausdrücklich
zustimmen und wo wir uns einig sind, ist, dass wir Schritt für Schritt daran
arbeiten, den Wiederaufbau voranzutreiben, und zwar im engen Austausch mit den
Menschen vor Ort.</p>
<p klasse="J">Ich möchte am Ende die Gelegenheit ergreifen, den
Menschen, die im Ahrtal im Einsatz waren und sind, zu danken. Danke an die
Mitglieder der Blaulichtfamilie, Danke an die zahlreichen Ehrenamtlichen, Danke an
die Menschen, die in den Verwaltungen arbeiten, Danke an die Handwerksbetriebe und
alle anderen, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten geholfen haben und es noch immer
tun.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie
bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP – Josef Oster [CDU/CSU]: Aber kein Dank an
die Landesregierung!)</kommentar>
<p klasse="O">Auch Danke an die Menschen, die aus der ganzen
Republik gespendet haben. Ich habe das die Tage noch mal nachgelesen: 283 Millionen
Euro sind allein bei der Aktion Deutschland Hilft bis Mitte letzten Jahres
eingegangen. Das ist sehr beeindruckend, und das zeigt die große Solidarität der
gesamten Republik.</p>
<p klasse="J">Wir sollten bei all dem eines nicht vergessen: Für
viele Menschen im Ahrtal ist zwar ein gewisser Alltag wieder eingekehrt, aber
Normalität noch lange nicht. Das ist unser Auftrag.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Das Wort hat Sebastian Münzenmaier für die AfD-
Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015413300">
<p klasse="redner"><a id="r148"/><redner
id="11004836"><name><vorname>Sebastian</vorname><nachname>Münzenmaier</
nachname><fraktion>AfD</fraktion></name></redner>Sebastian Münzenmaier (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und
Herren! Wir alle erinnern uns leider nur zu gut an die schrecklichen Ereignisse im
Ahrtal: Häuser, Straßen, Brücken verschwanden über Nacht, die Zerstörung war
immens. Mindestens 135 Menschen verloren ihr Leben.</p>
<p klasse="J">Obwohl es nach dieser Jahrhundertkatastrophe große
Versprechungen aus Land und Bund gab, stockt in den betroffenen Gebieten der
Wiederaufbau bis heute. Der vorliegende Antrag der CDU/CSU-Fraktion geht deshalb in
die richtige Richtung. Es hat eben seine Gründe, warum von den 30 Milliarden Euro
der Aufbauhilfe 2021 bis Oktober letzten Jahres nur etwa 3 Milliarden Euro, also
gerade mal 10 Prozent, überhaupt abgerufen wurden. Das Regelwerk ist in seiner
jetzigen Form schlicht und ergreifend zu starr und zu unflexibel.</p>
<p klasse="J">Betrachten wir doch zum Beispiel mal den Wiederaufbau
außerhalb des Überschwemmungsgebiets anstelle des Eins-zu-eins-Wiederaufbaus. Es
ist doch eigentlich sinnvoll, wenn eine Familie sagt: Wir möchten unser Haus
außerhalb des Überschwemmungsgebiets als Ersatzbauvorhaben errichten. – Betroffene
berichten uns dann von hohen Hürden, um diese Ausnahmegenehmigung zu bekommen.
Manche haben sogar Traumagutachten vorlegen müssen, damit sie dieses
Ersatzbauvorhaben überhaupt durchführen können. So etwas darf nicht passieren. In
diesen Fällen muss man schnell und unbürokratisch handeln.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="O">Denn wer Hab und Gut oder sogar nahe Angehörige
verloren hat, der soll sich doch bitte nicht mit bürokratischen Nickligkeiten
herumschlagen müssen.</p>
<p klasse="J">Ein weiterer Punkt, den die CDU/CSU bisher leider
nicht in ihrem Antrag hat, den wir aber hoffentlich im Ausschuss aufgreifen können:
Der Bonner Hochwasserexperte Roggenkamp hat vor dem Mainzer Untersuchungsausschuss
Flutkatastrophe mehrfach betont, dass die Ahr ihr Potenzial mit der Flut 2021 noch
gar nicht ausgeschöpft hat. Es wäre also durchaus sinnvoll, wenn Kommunen vor Ort
ihre Vorkaufsrechte nutzen, damit Versickerungsflächen erworben werden können. So
könnte man Flussauen erhalten und effektiven, günstigen und vor allem schnellen
Hochwasserschutz betreiben.</p>
<p klasse="J">Die klammen rheinland-pfälzischen Kommunen – das
wissen alle Rheinland-Pfälzer, die hier sitzen – dürfen diese Käufe bisher eben
nicht aus dem Wiederaufbaufonds bezahlen. Auch eine Änderung an dieser Stelle wäre
ein Fortschritt in Sachen Hochwasserschutz im Ahrtal, meine Damen und Herren.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Ich möchte an dieser Stelle aber deutlich betonen:
Die Bevölkerung im Ahrtal hat nicht nur bereitgestelltes Geld, sondern auch
Unterstützung und vor allem Respekt verdient, der ihr aus der Politik leider oft
versagt wurde.</p>
<kommentar>(Dr. Johannes Fechner [SPD]: Von euch
vielleicht!)</kommentar>
<p klasse="O">Schon zum zweiten Jahrestag der Katastrophe tauchte
von der Bundesregierung im Ahrtal nämlich niemand mehr auf.</p>
<p klasse="J">Wenn wir von mangelndem Anstand reden, dann muss ich
nur nach links schauen; denn da ist vor allem die SPD Rheinland-Pfalz zu nennen:
zum einen die personifizierte Charakterlosigkeit Roger Lewentz, der als zuständiger
Innenminister politisch verantwortlich für den Tod von etlichen Menschen ist, die
bei rechtzeitigen Warnungen hätten gerettet werden können.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Martin Diedenhofen [SPD]: Das ist
Quatsch! Sie sind unter aller Sau!)</kommentar>
<p klasse="O">– Herr Diedenhofen, Sie beschweren sich hier. Sie
sitzen mit diesem Mann, mit diesem Ahrtalversager, noch gemeinsam im Landesvorstand
Rheinland-Pfalz. Mit solchen Leuten machen Sie gemeinsame Sache.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Martin Diedenhofen [SPD]: Unter
aller Sau! Ganz, ganz schlimm! Schämen Sie sich! – Zuruf des Abg. Dr. Thorsten
Rudolph [SPD])</kommentar>
<p klasse="J">Zum anderen muss man auch über Ministerpräsidentin
Dreyer reden, die andauernd inhaltsleere Floskeln über Haltung und Zusammenhalt auf
irgendwelche Plakate drucken lässt oder auf irgendwelchen Demos gegen rechts
raushaut, die aber in der damaligen Flutnacht schlicht und ergreifend geschlafen
hat und die am nächsten Tag nicht mal angemessene Worte fand. Ich erinnere oder
zitiere gern die berühmte SMS von Dreyer an ihre Mitarbeiter: „Ich brauche ein paar
Sätze des Mitgefühls“. Bis heute hat sich Malu Dreyer bei den Betroffenen nicht für
das katastrophale Versagen der Landesregierung entschuldigt. Wie kalt und herzlos
kann man eigentlich sein, meine Damen und Herren?</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Martin Diedenhofen [SPD]: Kalt
und herzlos ist nur Ihre Politik!)</kommentar>
<p klasse="J">Lassen Sie mich mal zusammenfassen: Die Ampel in
Rheinland-Pfalz hat in der Flutnacht und in den Tagen danach Desinteresse,
Unwissenheit und völlige Inkompetenz bewiesen.</p>
<kommentar>(Martin Diedenhofen [SPD]: Schwachsinn!)</kommentar>
<p klasse="O">Sie hat auf ganzer Linie versagt.</p>
<kommentar>(Harald Ebner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Falsch!)</kommentar>
<p klasse="O">Ich kann an dieser Stelle der Ampelregierung auf
Bundesebene nur zurufen: Begehen Sie beim Wiederaufbau nicht den gleichen Fehler!
Nehmen Sie die Vorschläge der Opposition – in diesem Fall der CDU/CSU – ernst,
hören Sie auf die Menschen vor Ort, und zeigen Sie den Opfern der Ahrtalflut den
Respekt, den diese auch verdient haben!</p>
<p klasse="J">Vielen herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Matthias David Mieves [SPD]:
Beschämend ist das! – Martin Diedenhofen [SPD]: Dafür brauchen wir Sie jedenfalls
nicht!)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Anja Liebert hat das Wort für Bündnis 90/Die
Grünen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015413400">
<p klasse="redner"><a id="r149"/><redner
id="11005130"><name><vorname>Anja</vorname><nachname>Liebert</nachname><fraktion>BÜ
NDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Anja Liebert (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen
und Kollegen! Auch im dritten Jahr nach der Flutkatastrophe vom Juli 2021 sind wir
im Ahrtal weit entfernt von der Normalität: Menschen, die ihr Haus, ihre Wohnung
verloren haben, oder auch Unternehmen, die noch nicht wieder arbeiten können, und
natürlich die weiterhin großen Schäden an der Infrastruktur. Das Ausmaß der
Zerstörung zeigt: Die Herausforderungen und Anstrengungen des Wiederaufbaus sind
enorm. Es ist eine Generationenaufgabe.</p>
<p klasse="J">Wir waren – das wurde ja vorhin schon erwähnt – mit
dem Bauausschuss vor Ort, haben Gespräche mit den Verantwortlichen und mit den
Betroffenen geführt. Der Wiederaufbau läuft sehr unterschiedlich. Wir haben
Gemeinden besucht, die schon sehr weit sind. Es herrschte dort Zuversicht und
Optimismus. Auf der anderen Seite gibt es Orte, wo es noch sehr schleppend läuft.
Aber es ist eine historische Ausnahmesituation, und die kommunale und finanzielle
Ausstattung ist sehr unterschiedlich.</p>
<p klasse="J">Die Verfügbarkeit des Handwerks, von Gutachterinnen
und Gutachtern, von Fachkräften ist schwierig.</p>
<p klasse="J">Auch von meiner Seite noch mal Dank an die vielen
Haupt- und Ehrenamtlichen in Nordrhein-Westfalen und in Rheinland-Pfalz, die sich
seit zweieinhalb Jahren für ihre Heimat einsetzen und nach wie vor Solidarität und
Menschlichkeit zeigen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP und des Abg. Matthias W. Birkwald [Die
Linke])</kommentar>
<p klasse="J">Die Grundlage für den Wiederaufbau ist das Regelwerk
der Aufbauhilfe 2021, in dem die Förderkriterien festgelegt sind. Diese Regelungen
haben Bund und Länder nach intensivem Austausch gemeinsam beschlossen. Auch das
Sondervermögen mit den 30 Milliarden Euro ist ein Akt der Solidarität, der hier nie
infrage gestellt wurde, auch nicht nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes
zum Haushalt.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der
FDP – Zuruf von der SPD: Sehr richtig!)</kommentar>
<p klasse="J">Wenn wir genau hinschauen, werden wir bei der
Verwaltungsvereinbarung vielleicht die ein oder andere Stelle finden, an der wir
nachbessern können. Die demokratischen Fraktionen sind da ja gemeinsam aktiv. Von
daher auch von dieser Stelle noch mal herzliche Grüße an Frau Heil und die
Kolleginnen und Kollegen von der Ampel, mit denen wir das ja gemeinsam
besprechen.</p>
<p klasse="J">Die Frage ist: Wie können wir mehr Schnelligkeit in
die Verfahren bringen, aber gleichzeitig Hochwasserschutz und Wirtschaftlichkeit
gewährleisten? Vor Ort im Land kann besser entschieden werden, ob und wie weit von
dieser Eins-zu-eins-Wiederaufbauregel abgewichen werden sollte. Es gibt
ausdrücklich die Möglichkeit, Bundesförderung komplementär mit anderen
Förderprogrammen zu kombinieren, mit der Städtebauförderung, mit Förderung nach dem
Gebäudeenergiegesetz, mit der BEG, wenn es um die energetischen Standards geht.</p>
<p klasse="J">Das Ausmaß der Katastrophe, aber auch die Erkenntnis,
dass es in Zukunft mehr Extremwetter und mehr Starkregen gibt, macht deutlich:
Klimaanpassung bleibt eine Daueraufgabe, –</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der
SPD)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Frau Kollegin.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11005130"><name><vorname>Anja</vorname><nachname>Liebert</nachname><fraktion>BÜ
NDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Anja Liebert (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">– und die großen Herausforderungen können wir nur
gemeinsam lösen.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der
SPD)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Für die FDP hat jetzt Sandra Weeser das Wort.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015413500">
<p klasse="redner"><a id="r150"/><redner
id="11004929"><name><vorname>Sandra</vorname><nachname>Weeser</nachname><fraktion>F
DP</fraktion></name></redner>Sandra Weeser (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Wenn ich die Situation im Ahrtal mit einer Überschrift betiteln
sollte, dann würde ich sagen, sie lautet: Die Kluft zwischen Anspruch und
Wirklichkeit.</p>
<p klasse="J">135 Menschen haben ihr Leben verloren, Tausende von
Menschen ihr Zuhause, eine ganze Region ihre Heimat. Vieles ist seitdem schon
passiert, auch für den Wiederaufbau; aber es ist tatsächlich auch noch sehr viel zu
tun.</p>
<p klasse="J">Heute stehen einem einfachen Wiederaufbau
frustrierende Hürden entgegen. Ich kann die Resignation und den Frust der Menschen
vor Ort verstehen. Von den Bürgermeistern höre ich: Kurz nach der Flut, als wir
einfach aufgebaut haben, da war es viel einfacher, da kamen wir wenigstens voran. –
Dann kam der Bürokratiewahnsinn zurück, an dem die Menschen und die Verwaltung zu
verzweifeln drohen.</p>
<p klasse="J">Direkt nach der Nacht der Flut war die Solidarität
riesig. Es waren Tausende von Freiwilligen, Hilfsorganisationen und Private im
Einsatz. Das sind sie teilweise noch heute. Der Bund hat sofort reagiert und einen
Aufbaufonds von 30 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Ich selbst bin auch aus
dem Norden von Rheinland-Pfalz und habe diese überwältigende Hilfsbereitschaft
mitbekommen.</p>
<p klasse="J">Aber wir dürfen jetzt nicht nachlassen, meine Damen
und Herren, den Menschen im Ahrtal zu helfen, auch wenn andere Krisen vielleicht in
den Vordergrund getreten sind.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">Deswegen bin ich regelmäßig im Ahrtal unterwegs. Wir
waren – Sie haben es eben schon gehört – auch letzten August mit dem Bauausschuss
im Ahrtal. Es ist mir ein Herzensanliegen, dass die Menschen im Ahrtal wissen, dass
wir in Berlin sie nicht vergessen haben.</p>
<p klasse="J">Was machen wir auf parlamentarischer Ebene? Wir haben
eben schon gehört: Wir arbeiten in einem überfraktionellen Kleeblatt zusammen.
Gemeinsam mit Anja Liebert, mit Martin Diedenhofen, aber auch mit Mechthild Heil –
alle als Abgeordnete aus der Region – kämpfe ich dafür, dass die politischen
Herausforderungen vor Ort adressiert und vereinfacht werden. Wir konnten durch
unser gemeinsames Engagement bereits die Verlängerung der Antrags- und
Bewilligungsfristen erreichen. Hier war Not, weil die Menschen teilweise mental
überhaupt nicht in der Lage waren, innerhalb der zuvor geltenden Frist ihre Anträge
zu stellen. Es gab auch gar nicht genug Gutachter, um innerhalb der Frist diese
Tausenden von Schäden aufzunehmen.</p>
<p klasse="J">Wir haben aber auch mit dem neuen § 246c im
Baugesetzbuch einen Grundstein gelegt für einen resilienten Wiederaufbau in einem
Katastrophengebiet. Die Landesregierungen haben jetzt ein Instrument an der Hand,
das sie ermächtigt, ein Wiederaufbaugebiet zu deklarieren und dort
katastrophenangepasst wiederaufzubauen. Das sind wichtige Schritte, um den
Betroffenen Planungssicherheit, aber auch Zuversicht zu geben.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Die Hauptkritik, die wir als Bauausschuss im Ahrtal
damals gehört haben, galt der Vorgabe des Eins-zu-eins-Wiederaufbaus, nach der mit
Flutmitteln nur Dinge bezahlt werden dürfen, die es vorher schon gab – und damit
natürlich nicht Dinge, die vielleicht zukunftsgewandt, innovativ oder vielleicht
auch nachhaltiger sind. Deswegen müssen wir tätig werden. Wir haben als
Parlamentarier bereits Gespräche auf allen Ebenen geführt, auf Bundesebene, auf
Landesebene. Wir müssen uns dafür einsetzen, dass drei Dinge unbedingt umgesetzt
werden:</p>
<p klasse="J">Erstens. Die Erfüllung künftiger energetischer
Standards muss durch den Wiederaufbaufonds finanziert werden. Auch das moderne
Nahwärmenetz, das in Ihrem Antrag steht, muss aus Mitteln des Wiederaufbaufonds
gefördert werden können.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der FDP, der SPD, der CDU/CSU
und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Zweitens. Neubau und Sanierung sollen beim
Wiederaufbau gleichbehandelt werden.</p>
<p klasse="J">Drittens. Bei gleichartigen Maßnahmen muss die
Summenbetrachtung zulässig sein. Was heißt das? Das heißt: Wenn zum Beispiel, wie
geschehen, drei Gemeinden ihren Sportplatz durch die Flut verloren haben und sie
jetzt sagen: „Wir wollen beim Wiederaufbau nicht mehr so viel Fläche versiegeln,
wir wollen jetzt nur noch einen Sportplatz bauen, den dafür ein bisschen größer,
ein bisschen schicker, ein bisschen besser; er kostet dann ein bisschen mehr“, dann
muss auch dieser Sportplatz durch den Fluthilfefonds förderfähig sein, auch wenn er
nicht dem entspricht, wie es vor der Flut war.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der FDP, der SPD, der CDU/CSU,
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken)</kommentar>
<p klasse="J">Es sind jetzt beherzte Schritte notwendig, um einen
Kurswechsel einzuleiten. Ich habe das Gefühl, dass es ein Übersetzungsproblem gibt:
Wir wollen alle helfen, aber Bund und Länder verstehen einander noch nicht
ganz.</p>
<kommentar>(Zuruf von der CDU/CSU: Tja, das ist die
Ampel!)</kommentar>
<p klasse="O">Wir führen die Gespräche, aber am Ende des Tages
dürfen wir nicht mit dem Finger aufeinander zeigen.</p>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Frau Kollegin, Sie kommen zum Ende, bitte.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004929"><name><vorname>Sandra</vorname><nachname>Weeser</nachname><fraktion>F
DP</fraktion></name></redner>Sandra Weeser (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Am Ende des Tages müssen wir den Menschen vor Ort
helfen, und das geht nur, indem wir diesen gordischen Knoten durchschlagen. Unser
Wille ist, dem Ahrtal zu helfen.</p>
<kommentar>(Zuruf von der CDU/CSU: Aber Sie regieren
doch!)</kommentar>
<p klasse="O">Insofern –</p>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Frau Kollegin.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004929"><name><vorname>Sandra</vorname><nachname>Weeser</nachname><fraktion>F
DP</fraktion></name></redner>Sandra Weeser (FDP):</p>
<p klasse="J_1">– müssen wir die Kluft zwischen Anspruch und
Wirklichkeit schließen.</p>
<p klasse="J">Danke schön.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Lars Rohwer [CDU/CSU])</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Für die Unionsfraktion gebe ich Detlef Seif das
Wort.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015413600">
<p klasse="redner"><a id="r151"/><redner
id="11004152"><name><vorname>Detlef</vorname><nachname>Seif</nachname><fraktion>CDU
/CSU</fraktion></name></redner>Detlef Seif (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Die Flutkatastrophe vom Juli 2021 ist beispiellos in der Geschichte der
Bundesrepublik Deutschland. In Deutschland gab es insgesamt 188 Todesfälle und
einen Zerstörungsgrad, wie man ihn zuvor nie gesehen hat.</p>
<p klasse="J">Viele Menschen sind regelrecht paralysiert und haben
auch zweieinhalb Jahre nach der Katastrophe überhaupt nicht die Kraft, sich dem
Wiederaufbau zu widmen. Die Antragsverfahren sind für die Beteiligten oftmals sehr
schwierig und eine Herausforderung, und zwar nicht nur für Privatleute, sondern
auch für Mitarbeiter von Verwaltungen und auch für professionelle Unternehmen. Es
wurde schon angesprochen: Wir haben einen Mangel an Gutachtern, Planern,
Ingenieuren, Handwerkern, Bauunternehmern; das ist natürlich eine ganz schwierige
Situation.</p>
<p klasse="J">In einer derart schwierigen Situation ist es
besonders wichtig, dass der Staat professionell unterwegs ist, dass er ein
Unterstützer ist, dass er den Menschen zur Seite steht, dass er wie ein Scout
auftritt und nicht noch zusätzliche Barrieren schafft, indem er Bürokratie
aufbaut.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Warum sage ich das? Als Abgeordneter des von der
Flutkatastrophe am zweitstärksten betroffenen Wahlkreises, das ist der Wahlkreis
Euskirchen – Rhein-Erft-Kreis II, war ich beeindruckt, dass die Landesregierung von
Tag eins nach der Flut an direkt tätig wurde – wie ein Scout; wie jemand, der
Probleme aus dem Weg räumen will; wie jemand, der sagt: Wenn hier irgendein Problem
ist, stehe ich zur Verfügung, helfe mit, damit dieses bürokratische Monster zur
Seite geschoben wird. Ich nenne namentlich die zuständige Ministerin Ina
Scharrenbach. Ihre Besuche im Wahlkreis lassen sich gar nicht mehr zählen; es lässt
sich im Einzelnen gar nicht mehr nachvollziehen, wie intensiv und wie oft sie bei
diesem Thema unterwegs war. Genau das ist die Art und Weise, die uns in Nordrhein-
Westfalen in den betroffenen Kommunen besonders weit gebracht hat.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Die rheinland-pfälzische Landtagsabgeordnete Petra
Schneider hat kürzlich gesagt, dass die Landesregierung beim Wiederaufbau vieles
unnötig schwer macht und verzögert. Es mangele an Mut, mit den Betroffenen
unbürokratische Lösungen zu finden.</p>
<kommentar>(Josef Oster [CDU/CSU]: Genau!)</kommentar>
<p klasse="J">Es genügt eben nicht, zu sagen: Es kommt schnelle und
unbürokratische Hilfe. – Es genügt nicht, zu sagen: Das ist eine große Chance, wir
können die Region zur Modellregion entwickeln. – Wenn die Mitglieder der
Landesregierung an vorderster Front stehen und die Verantwortung tragen</p>
<kommentar>(Zuruf von der CDU/CSU: So ist es!)</kommentar>
<p klasse="O">und alle darunter total fleißig, engagiert sind und –
ich sage es mal so – den Karren aus dem Dreck ziehen wollen, dann erwarte ich von
der Landesregierung, dass sie das zur Chefsache macht, bürokratische Hürden aus dem
Weg räumt und vor Ort selbst aktiv wird.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Die Bundesregierung sollte zunächst einmal mit
Rheinland-Pfalz und eventuell auch mit weiteren Bundesländern ins Gespräch kommen.
Denn teilweise ist es im Rahmen des geltenden Rechts möglich, die Punkte, die Sie
ansprachen, beispielsweise die Zusammenlegung mehrerer Gebäudeteile, mehrerer
Einrichtungen, umzusetzen. Das geht. Aus Sicht der Wiederaufbauhilfe spricht nichts
dagegen. Es geht auch – da gab es in der Vergangenheit Schwierigkeiten –, dass man
an einem hochwassergesicherten Standort wiederaufbaut. Und es geht grundsätzlich
auch, dass man auf den aktuellen technischen Stand aufrüstet. Aber natürlich muss
man das Ganze weiterentwickeln. Wir sehen den technischen Fortschritt; da ist
einiges in Bewegung. Morgen gelten andere Dinge, von denen wir heute schon Kenntnis
haben. Da macht es ja Sinn, dass wir diese Standards gleich mitberücksichtigen.</p>
<p klasse="J">Das ist der Grund, warum die Unionsfraktion diesen
Antrag gestellt hat, wir sagen: Hier besteht Anpassungs- und Änderungsbedarf. Ich
nenne das prominente Beispiel Dernau, wo es um ein Nahwärmenetz geht. Viele
Dernauer sind abgesprungen, weil es zu lange dauert. Genau diese Projekte müssen
zukünftig finanziert werden.</p>
<p klasse="J">Herr Diedenhofen, Sie sagen, man soll das Regelwerk
jetzt nicht novellieren. Warum nicht? Niemand hat einen Nachteil, wenn wir jetzt in
die Diskussion einsteigen, wenn wir verhandeln und am Ende des Tages das Regelwerk
dieser aktuellen Katastrophe anpassen, niemand wird in seinen Rechten beschnitten.
Bis dahin gilt das aktuelle Regelwerk. Also packen wir es doch gemeinsam an – im
Interesse der Menschen und im Sinne einer guten Entwicklung der Region.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Das Wort hat der Kollege Dr. Thorsten Rudolph für
die SPD-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Ria Schröder [FDP])</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015413700">
<p klasse="redner"><a id="r152"/><redner
id="11005194"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Thorsten</vorname><nachname>Rudolph<
/nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Dr. Thorsten Rudolph (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und
Herren! Die Lage im Ahrtal ist alles andere als einfach; wir haben das gerade in
vielen Reden gehört. Aber ich möchte trotzdem mit einigen guten Zahlen beginnen:
Was den privaten Wiederaufbau von Gebäuden angeht, sind inzwischen über 95 Prozent
aller Anträge bewilligt, beim Hausrat mehr als 96 Prozent und bei der allgemeinen
kommunalen Infrastruktur sogar mehr als 98 Prozent aller Anträge. Und wir reden
hier insgesamt von weit über 15 000 Anträgen.</p>
<p klasse="J">Ich möchte daher die Gelegenheit heute ausdrücklich
nutzen und den vielen Kolleginnen und Kollegen in den Verwaltungen der betroffenen
Orts- und Verbandsgemeinden, der Kreise, der SGD Nord und der ADD, der ISB und der
beteiligten Ministerien danken, die seit Jahren und oft genug mit hohem
persönlichem Einsatz den Flutgebieten helfen. Gerade weil sie nicht selten
diejenigen sind, die Frust und Kritik abbekommen, muss man einfach mal sagen: Ihr
macht einen guten Job, vielen Dank!</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie
bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Was den vorliegenden Antrag angeht, ist es gut, sich
noch einmal den Grundsatz für solche Hilfen ins Gedächtnis zu rufen: Die
Aufbauhilfe 2021 hat – genau wie die Aufbauhilfe 2013 nach dem Oderhochwasser – das
Ziel, durch das Hochwasser entstandene Schäden finanziell auszugleichen. Die
finanzielle Erstattung bemisst sich also nach den tatsächlich entstandenen
Schäden.</p>
<p klasse="J">Es ist trotzdem kein Eins-zu-eins-Wiederaufbau, wie
das im Antrag der Union behauptet wird, sondern geht entscheidend darüber hinaus.
Natürlich muss niemand sein Haus nach Standards von 1960 wiederaufbauen, sondern
bekommt eine finanzielle Erstattung gemäß den heute geltenden technischen und
baulichen Normen. Und natürlich wird der Wiederaufbau, zweitens, auch in einer dem
Überschwemmungsrisiko angepassten Weise gefördert. Und drittens werden in
begründeten Fällen sogar Modernisierungsmaßnahmen über die tatsächlichen Schäden
hinaus gefördert, sofern eine Rechtspflicht besteht oder dies aufgrund des Risikos
erforderlich ist.</p>
<p klasse="J">Auch ansonsten gibt es eine Vielzahl von
Erleichterungen: hohe Abschlagszahlungen direkt nach Bewilligung der Anträge, der
allgemein zugelassene vorzeitige Maßnahmenbeginn, deutlich abgesenkte Anforderungen
an die Kostenschätzungen, erhebliche Erleichterungen im Vergaberecht. Das sind
alles verwaltungstechnische Regelungen, die aber in der Praxis sehr hilfreich
sind.</p>
<p klasse="J">Die Union schlägt jetzt in ihrem Antrag Änderungen
bei einigen dieser verwaltungstechnischen Regelungen vor. Letztlich geht es dabei
zumeist darum, wer am Ende die Kosten trägt: Kommune, Land oder doch der Bund und
die anderen Bundesländer? Dabei geht es der Union beispielsweise um Zinskosten auf
Liquiditätskredite für die Vorfinanzierung, die Zusammenlegung mehrerer
gleichartiger Anlagen oder die Übernahme von Kosten für die Aufrüstung auf den
aktuellen technischen Stand.</p>
<p klasse="J">Im Ergebnis sehe ich einen Teil dieser Vorschläge
eher kritisch, einen anderen kann ich durchaus nachvollziehen. Daher finde ich den
Antrag als Diskussionsbeitrag gar nicht verkehrt.</p>
<p klasse="J">Ich habe aber ein anderes Problem mit diesem Antrag.
Die Union behauptet, dass es die Regelungen der Aufbauhilfe 2021 sind, die den
Wiederaufbau verzögern. Obwohl über 95 Prozent aller Anträge bereits bewilligt
sind, machen Sie Bund und Land für Frustrationen und gesundheitliche Probleme durch
mühsame und zeitintensive Prozesse verantwortlich, die angeblich ursächlich für die
Verzögerungen sind.</p>
<kommentar>(Josef Oster [CDU/CSU]: Nicht wir! Das machen die
Betroffenen!)</kommentar>
<p klasse="O">Herr Seif, Sie haben es eben selber gesagt: Die
Verzögerungen und Probleme beim Wiederaufbau sind aktuell vor allem auf
Planungsnotwendigkeiten durch Architekten, Straßen- und Verkehrsplaner, auf
Baugenehmigungsverfahren und Bauleitplanungen, auf Fachkräftemangel und
unzureichende Verfügbarkeit von Baufirmen und Bauprodukten zurückzuführen.</p>
<kommentar>(Lars Rohwer [CDU/CSU]: Was ist in anderen Regionen
besser? – Josef Oster [CDU/CSU]: Reden Sie mal mit den Betroffenen!)</kommentar>
<p klasse="O">Eine grundsätzliche Novellierung des Regelwerks der
Aufbauhilfe 2021, wie von Ihnen gefordert, hilft da wenig.</p>
<p klasse="J">Genau an diesem Punkt wird Ihr Antrag leider zum
plumpen Versuch, die Katastrophe parteipolitisch zu nutzen. Wir haben das bei Ihnen
eben auch gehört: In NRW ist alles super, in Rheinland-Pfalz nicht.</p>
<kommentar>(Josef Oster [CDU/CSU]: Das ist leider so!)</kommentar>
<p klasse="O">Es ist wirklich schade, wie Sie die Katastrophe
parteipolitisch nutzen wollen. Deshalb mein Appell: Wir sollten alle gemeinsam
daran arbeiten, das Ahrtal wiederaufzubauen, aber nicht in dieser Art.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der
FDP – Lars Rohwer [CDU/CSU]: Schämen Sie sich für diese Rede!)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Dr. André Hahn spricht für Die Linke.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015413800">
<p klasse="redner"><a id="r153"/><redner
id="11004288"><name><titel>Dr.</titel><vorname>André</vorname><nachname>Hahn</
nachname><fraktion>Die Linke</fraktion></name></redner>Dr. André Hahn (Die
Linke):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe
Union, ich bin gerade heute nicht mit allem einverstanden, was Sie in diesem Hause
so tun. Aber Ihrem Antrag zur Anpassung der Aufbauhilfe im Ahrtal kann ich in
vielen Teilen zustimmen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="J">Ganz vorne steht die Zusammenlegung von Sportanlagen.
Ich habe mit Bürgermeistern gesprochen. Wenn sich drei Orte mit zerstörten
Sportplätzen für ein wirtschaftlich und demografisch sinnvolles Konzept entscheiden
und gemeinsam eine neue, attraktive Sportanlage errichten wollen – was letztlich
sogar kostengünstiger ist als der dreifache Wiederaufbau –, dann muss auch dieser
Neubau finanziert werden.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="O">Leider ist das gegenwärtig nicht der Fall. Ich finde,
dieser bürokratische Unsinn muss endlich ein Ende haben.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="J">Die Prüffragen müssen lauten: Was ist zeitgemäß? Was
wird gebraucht? Und: Was ist mit Blick auf die Umwelt womöglich nicht mehr
vertretbar? Ganz klar: Nach Katastrophen darf nicht nur stur und populistisch
Wiederaufbau betrieben werden wie bei dem 50-Millionen-Projekt der Bob- und
Rodelbahn am bayerischen Königssee, das ich nach wie vor sehr kritisch sehe.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="J">Liebe Kollegen von der Union, in Ihrem Antrag fehlt
der Aspekt des Abrisses von Ruinen. Bei meiner Reise ins Ahrtal im September 2023
konnte ich einige Ruinen von Häusern sehen, die offenkundig abgerissen werden
müssen, bei denen aber die Eigentümer mit der Verantwortung für die Kosten
alleingelassen werden, zumal sie womöglich noch einen Ersatzbau mitfinanzieren
müssen. Wer keinen Wiederaufbau stemmen oder auch die Kosten für den Abriss
überhaupt nicht tragen kann, muss hier auf Unterstützung zählen können.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="O">Das ist auch wichtig für die Dorfgemeinschaften, die
nicht länger in der Nähe der Ruinen mit den Erinnerungen konfrontiert werden
sollten.</p>
<p klasse="J">Der Aufbauhilfefonds ist mit 30 Milliarden Euro
deutlich zu niedrig ausgestattet. Einen echten Wiederaufbaukoordinator gibt es bis
heute nicht. Die langen Antragsdauern für Baugenehmigungen sorgen schon im
Normalbetrieb für Frust und Ärger. Für von einer Katastrophe Betroffene ist das
noch viel schlimmer und untermauert nicht das Vertrauen –</p>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Herr Hahn.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004288"><name><titel>Dr.</titel><vorname>André</vorname><nachname>Hahn</
nachname><fraktion>Die Linke</fraktion></name></redner>Dr. André Hahn (Die
Linke):</p>
<p klasse="J_1">– ich weiß, Frau Präsidentin – in die Politik. Wir
müssen aus den Fehlern lernen und gemeinsam dafür sorgen, –</p>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Die Redezeit ist zu Ende, Herr Hahn.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004288"><name><titel>Dr.</titel><vorname>André</vorname><nachname>Hahn</
nachname><fraktion>Die Linke</fraktion></name></redner>Dr. André Hahn (Die
Linke):</p>
<p klasse="J_1">– verloren gegangenes Vertrauen –</p>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Herr Hahn, die Redezeit ist weit überschritten!</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004288"><name><titel>Dr.</titel><vorname>André</vorname><nachname>Hahn</
nachname><fraktion>Die Linke</fraktion></name></redner>Dr. André Hahn (Die
Linke):</p>
<p klasse="J_1">– zurückzugewinnen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Harald Ebner hat das Wort für Bündnis 90/Die
Grünen.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN,
der SPD und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015413900">
<p klasse="redner"><a id="r154"/><redner
id="11004215"><name><vorname>Harald</vorname><nachname>Ebner</nachname><fraktion>BÜ
NDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Harald Ebner (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen
und Kollegen! Im letzten Sommer habe ich im Ahrtal Weinbaubetriebe besucht – wir
haben schon von den Weinhoheiten gehört –, und der zupackende Mut der Menschen, die
Betriebe am Laufen halten und wieder aufbauen, hat mich tatsächlich sehr
beeindruckt. Was die Menschen im Ahrtal leisten, verdient höchste Bewunderung,
braucht aber auch noch viele Jahre verlässliche Unterstützung.</p>
<p klasse="J">Der Unionsantrag benennt viele gute Punkte, und ich
bin sehr dankbar, dass es da eine konstruktive Zusammenarbeit gibt. Schäden
schneller zu beseitigen und Wiederaufbau zu finanzieren, sind eine wichtige Seite
der Medaille.</p>
<p klasse="J">Wir sind es den Opfern der Katastrophe aber auch
schuldig, überall Vorsorge vor künftigen Flutereignissen – wie jüngst in
Niedersachsen – zu treffen; denn die Klimakrise vervielfacht das Risiko extremer
Starkregenfälle. Nach Daten der Versicherungsbranche gehen mehr als die Hälfte
aller Schäden durch Naturkatastrophen auf Unwetterereignisse zurück. In den letzten
20 Jahren war statistisch jedes zehnte Haus in Deutschland von Starkregenschäden
betroffen.</p>
<p klasse="J">Zur Schadensbegrenzung wird technischer
Hochwasserschutz allein aber nicht ausreichen. Über 80 Prozent des Landkreises
Ahrweiler bestehen aus Wald und Agrarflächen. Hier müssen wir ansetzen. Nur wenn
wir mehr Wasser in der Landschaft halten können, kann technischer Hochwasserschutz
überhaupt funktionieren.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD)</kommentar>
<p klasse="O">Nötig sind auch Anpassungsmaßnahmen für den Blick
nach vorn, um die Versickerung von Wasser in Böden zu verbessern und Erosion zu
minimieren. Genau das empfiehlt ja auch der Abschlussbericht der rheinland-
pfälzischen Enquete-Kommission.</p>
<p klasse="J">Trotz dieser Fakten blendet der Unionsantrag – ich
muss es leider sagen – die Vorsorgeaufgabe völlig aus. Ich kann das gerade mit
Blick auf die Menschen vor Ort nicht verstehen.</p>
<p klasse="J">Während die Union schimpft, handeln wir bereits. Mit
dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz fördern wir Entsiegelung, erhöhen das
natürliche Wasserrückhaltevermögen in Landschaften, und mit klimaangepasstem
Waldmanagement fördern wir dort den Rückbau von Entwässerungsgräben, den Waldumbau,
bodenschonende Bewirtschaftung und, und, und. Kurz: Wir stellen die Weichen für
Klimaresilienz auch durch das neue Klimaanpassungsgesetz.</p>
<p klasse="J">Trotz der guten Ansätze im Unionsantrag muss ich
feststellen, dass für die Union die Bewahrung unserer natürlichen
Lebensgrundlagen – Ihr Antrag weist für den Bereich nämlich eine komplette
Fehlstelle auf – offenbar keine Relevanz mehr hat. Sie agieren da retro wie in den
frühen 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts,</p>
<kommentar>(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Wie kommen Sie denn
darauf?)</kommentar>
<p klasse="O">Umwelt- und Artenschutzbelange sind bei Ihnen nur
lästige Störfaktoren. Das haben weder unsere Umwelt noch die Menschen im Ahrtal
verdient.</p>
<kommentar>(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Wenn es stimmen
würde!)</kommentar>
<p klasse="J">Wir müssen die Wiederaufbauinvestitionen durch
Vorsorge schützen – nur dann können sie Bestand haben.</p>
<p klasse="J">Danke schön.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Ich schließe die Aussprache.</p>
<p klasse="J">Interfraktionell wird Überweisung der Vorlage auf
Drucksache 20/10382 an die in der Tagesordnung vorgesehenen Ausschüsse
vorgeschlagen. – Sie sind damit einverstanden. Dann verfahren wir so.</p>
</tagesordnungspunkt>
<tagesordnungspunkt top-id="Zusatzpunkt 14 und 15">
<p klasse="J">Ich rufe die Zusatzpunkte 14 und 15 auf:</p>
<p klasse="T_ZP_NaS"><a id="t38"/> ZP 14 Erste Beratung des von den
Fraktionen SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes
zur Änderung des Strafgesetzbuches – Strafbarkeit der unzulässigen
Interessenwahrnehmung </p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_Ueberweisung"> Überweisungsvorschlag:
Rechtsausschuss (f) Ausschuss für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung
Petitionsausschuss Ausschuss für Inneres und Heimat Finanzausschuss
Wirtschaftsausschuss Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe
Haushaltsausschuss</p>
<p klasse="T_ZP_NaS"><a id="t39"/> ZP 15 Erste Beratung des von den
Abgeordneten Thomas Seitz, Marc Bernhard, Thomas Dietz, weiteren Abgeordneten und
der Fraktion der AfD eingebrachten Entwurfs eines … Strafrechtsänderungsgesetzes –
Ausweitung und Verschärfung des Straftatbestandes der Abgeordnetenbestechung </p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_Ueberweisung"> Überweisungsvorschlag:
Rechtsausschuss (f) Ausschuss für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung</p>
<p klasse="J">Hierfür sind 26 Minuten Debatte vorgesehen.</p>
<p klasse="J">Der Kollege Stephan Thomae, FDP-Fraktion, hat seine Rede
zu Protokoll gegeben.<sup>1</sup><fussnote><p><a href="ANL10">Anlage
10</a></p></fussnote></p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und
der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Mithin gebe ich das Wort für die CDU/CSU-Fraktion Ansgar
Heveling.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<rede id="ID2015414000">
<p klasse="redner"><a id="r155"/><redner
id="11004056"><name><vorname>Ansgar</vorname><nachname>Heveling</nachname><fraktion
>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Ansgar Heveling (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Das Vertrauen in die Integrität der gewählten Volksvertreter ist für
eine parlamentarische Demokratie von überragender Bedeutung. Wir alle arbeiten hier
in dem Willen und mit der Überzeugung, Vertreter des ganzen Volkes zu sein, wie es
das Grundgesetz in seinem Artikel 38 ausdrückt. Dabei sind wir an Weisungen und
Aufträge nicht gebunden.</p>
<p klasse="J">Diese Freiheit von Aufträgen und Weisungen darf aber
kein Freifahrtschein dafür sein, das Abgeordnetenmandat zur Verfolgung eigener
Zwecke zu missbrauchen.</p>
<kommentar>(Beifall der Abg. Wilfried Oellers [CDU/CSU] und Helge
Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="O">Vielmehr entspringt dieser Freiheit auch die Pflicht,
sich nicht selbst in Abhängigkeiten zu manövrieren.</p>
<p klasse="J">Dass es immer wieder Einzelfälle gibt, in denen
Abgeordnete gleichwohl die Autorität und die Einflussmöglichkeiten ihres Mandats
dazu nutzen, Vorteile für sich zu erwirtschaften, ist aber leider auch Teil der
Wirklichkeit.</p>
<p klasse="J">Die gegenwärtige Rechtslage, die in § 108e des
Strafgesetzbuches geregelt ist, stellt das Sichverschaffen eines ungerechtfertigten
Vorteils für einen Abgeordneten nur dann unter Strafe, wenn er bei der Wahrnehmung
seines Mandates handelt. Von der Rechtsprechung wird das so interpretiert, dass die
Tathandlung im parlamentarischen Wirken selbst bestehen muss, also etwa bei
Abstimmungen im Plenum oder in Ausschüssen. Wirkungsgleiche Verhaltensweisen
außerhalb des Plenums und der parlamentarischen Gremien sind von § 108e StGB
hingegen nicht erfasst.</p>
<p klasse="J">Dabei ist es aus meiner Sicht selbstverständlich,
dass das Abgeordnetenmandat erst recht nicht dazu benutzt werden darf, sich
außerhalb des Parlaments Vorteile zu verschaffen. Insofern gibt es mit § 44a des
Abgeordnetengesetzes auch bereits eine klare innerparlamentarische Regelung der
Abgeordnetenpflichten im Hinblick auf die Sicherung der Unabhängigkeit des Mandats.
Und diese Vorschriften haben wir vor einiger Zeit auch angepasst und
verschärft.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Es ist aber grundsätzlich sinnvoll, dass nun auch
eine Regelung ins Strafgesetzbuch aufgenommen werden soll, mit der die bestehenden
abgeordnetenrechtlichen Pflichten auch strafrechtlich sanktioniert werden können.
Wir als Union wollen uns diesem Anliegen auch nicht verschließen. Ob der Tatbestand
eines neuen § 108f noch weiterer Präzisierungen bedarf oder ob etwa auch noch
flankierende Regelungen im Abgeordnetenrecht notwendig sind, das werden wir und
müssen wir in den weiteren Beratungen diskutieren. Wir unterstützen jedenfalls das
Grundanliegen schon einmal und freuen uns auf die Beratungen.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD,
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Das Wort für die SPD-Fraktion hat Dr. Johannes
Fechner.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der
FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015414100">
<p klasse="redner"><a id="r156"/><redner
id="11004270"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Johannes</vorname><nachname>Fechner<
/nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Dr. Johannes Fechner (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer!</p>
<p klasse="Z">„Korruption zu bekämpfen ist nicht einfach nur gute
Regierungsführung. Es ist Selbstverteidigung. Es ist Patriotismus.“</p>
<p klasse="O">Denn:</p>
<p klasse="Z">„Korruption ist nur eine andere Form der
Tyrannei.“</p>
<p klasse="O">So, liebe Kolleginnen und Kollegen, brachte es der
amerikanische Präsident Joe Biden treffend auf den Punkt. Ich kann ihm hier nur
zustimmen.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Wir müssen hart gegen Korruption vorgehen; denn es
muss für die Bürgerinnen und Bürger immer klar sein: Wir Abgeordnete, wir arbeiten
für das Allgemeinwohl und nicht für den eigenen Geldbeutel, liebe Kolleginnen und
Kollegen.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der FDP und des
Abg. Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="J">Genau deshalb machen wir dieses Gesetz. Es macht mich
nach wie vor fassungslos, wie dreist vor nicht allzu langer Zeit Unionspolitiker
bei den Maskendeals ihre Stellung als Politiker missbraucht haben, um Geschäfte zu
machen.</p>
<kommentar>(Zuruf von der CDU/CSU: Was ist mit Herrn
Feldmann?)</kommentar>
<p klasse="O">Die zuständigen Gerichte haben geurteilt, das stellt
keine strafbare Handlung dar, weil es hier eine Strafrechtslücke gibt. Deswegen ist
es jetzt überfällig – ein Dank geht an die Grünen und an die FDP für die gute
Zusammenarbeit, auch an das BMJ –, dass wir jetzt hier diesen Gesetzentwurf beraten
und ihn dann auch bald beschließen können.</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Ansgar Heveling [CDU/CSU])</kommentar>
<p klasse="O">Wir brauchen eine Strafnorm, um strafrechtlich gegen
Abgeordnete vorgehen zu können, wenn sie nicht nur in Ausübung ihres Mandates,
sondern auch bei einer unerlaubten Nebentätigkeit während der Mandatszeit tätig
werden und gegen Geld bestimmte politische Interventionen unternehmen, liebe
Kolleginnen und Kollegen; das ist überfällig.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der
FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Damit kommen wir auch dem Nachhaltigkeitsziel der
Vereinten Nationen, Korruption weiter zu bekämpfen, nach; auch daran will ich an
dieser Stelle erinnern. Deutschland ist im internationalen Vergleich laut des
neuesten Korruptionswahrnehmungsindexes von Transparency International zwar unter
den besten zehn Ländern, was Korruptionsbekämpfung angeht, dennoch können wir hier
noch besser werden. Es gehört deshalb auch dazu, strafrechtlich noch härter gegen
Korruption vorzugehen, was wir mit diesem Gesetz hier tun, liebe Kolleginnen und
Kollegen.</p>
<p klasse="J">Ganz konkret schaffen wir mit dem neuen § 108f des
Strafgesetzbuches den neuen Straftatbestand der unzulässigen Interessenwahrnehmung,
der den unzulässigen Einflusshandel durch Abgeordnete auch dann unter Strafe
stellt, wenn dieser auf Interessenwahrnehmung außerhalb der Mandatsausübung
abzielt. In der Tat ist in dem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass wir auch sehr
weitgehende Verhaltensvorgaben im Abgeordnetengesetz für uns Abgeordnete haben;
diese reichen aber eben nicht aus.</p>
<p klasse="J">Die Maskendeals und wahrscheinlich auch die
Aserbaidschan-Connection, die es ja noch abschließend juristisch aufzuarbeiten
gilt, haben gezeigt, dass wir hier Strafrechtslücken haben. Wir müssen deshalb auch
mit dem scharfen Schwert des Strafgesetzbuches tätig werden – das
Abgeordnetengesetz allein reicht hier nicht aus –, wenn wir dafür Sorge tragen
wollen, dass es keine entgeltliche Interessenvertretung von Abgeordneten gegenüber
der Bundesregierung oder gegenüber Amtsträgern gibt. Es muss einfach klar sein,
dass wir in Deutschland auch hier im Bundestag, wo es leider vorgekommen ist, hart
gegen Korruption vorgehen.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Ja, man kann sich die Frage stellen, ob wir mit dem
Gesetzentwurf nicht noch weiter hätten gehen sollen. Es gibt Länder, in denen es
auch strafbar ist, wenn nachträglich, also erst nach einem gewissen Zeitraum nach
der politischen Intervention eines Abgeordneten, ein Vermögensvorteil zugewandt
wird. Und man kann sich auch fragen, ob nicht auch jegliche unberechtigte
Zuwendung, also auch ohne einen konkreten Bezug zu einer Leistung eines
Mandatsträgers, die sogenannte politische Klimapflege, strafbar sein sollte.
Darüber können wir im weiteren Verfahren sprechen.</p>
<p klasse="J">Abgelehnt haben wir den Vorschlag – das will ich hier
ausdrücklich sagen, weil in manchen Ländern ja Kommunalwahlen bevorstehen –, auch
die Kommunalpolitiker hier miteinzubeziehen. Es ist schwer genug, Personen zu
finden, die auf kommunaler Ebene kandidieren. Außerdem geht es da um geringere
Summen; die Einflussnahmen und das Missbrauchspotenzial sind nicht ganz so groß.
Deswegen haben wir davon abgesehen, die Kommunalpolitiker hier
miteinzubeziehen.</p>
<p klasse="J">Also: Alles in allem ist das ein guter Gesetzentwurf.
Dank noch mal an alle, die daran mitgearbeitet haben! Wir können hier ein starkes
Zeichen gegen Korruption in der Politik setzen, liebe Kolleginnen und Kollegen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Herr Kollege Fechner. – Als nächster
Redner spricht der Kollege Thomas Seitz, AfD-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015414200">
<p klasse="redner"><a id="r157"/><redner
id="11004891"><name><vorname>Thomas</vorname><nachname>Seitz</nachname><fraktion>Af
D</fraktion></name></redner>Thomas Seitz (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen
und Herren! Die Strafbarkeit von Korruption von Volksvertretern muss die Integrität
parlamentarischer Abläufe, wirklich unabhängige Mandatsträger und sachbezogene
Entscheidungen sicherstellen; denn käufliche Abgeordnete zerstören das Vertrauen
der Bürger in Parlament und Regierung.</p>
<p klasse="J">Beispiele gab es genug. Dem ehemaligen Unionsvize
Georg Nüßlein lag zur Last, im Zusammenhang mit Maskenbestellungen von
Gesundheitsministerien mehr als 600 000 Euro kassiert zu haben. Beim früheren CDU-
MdB Löbel ging es um Provisionen von rund 250 000 Euro.</p>
<p klasse="J">Manchmal braucht es gar kein Mandat; da reicht der
lange Schatten des Vaters. So im Fall der CSU-Politikertochter Andrea Tandler mit
ihren Maskenprovisionen von rund 50 Millionen Euro, auch gezahlt für persönlichen
Einsatz bei Minister Spahn. Im Fall von Frau Tandler, die wegen Steuerhinterziehung
verurteilt wurde, endet wohl die Korrekturmöglichkeit des Gesetzgebers.
Familienwirtschaft à la Tandler wird es in Bayern geben, solange es dort die CSU
gibt.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Aber was ist mit Nüßlein, Löbel und den vielen
anderen Absahnern mit Mandat? Sie erfreuen sich ihrer Freiheit und der erzielten
Einnahmen; denn laut OLG München ist es nach dem eindeutigen Willen des
Gesetzgebers kein Verstoß, wenn ein Abgeordneter die Autorität seines Mandats und
seine Kontakte außerhalb des Parlaments zum eigenen Vorteil nutzt. – Das ist
natürlich völlig falsch – wohlgemerkt: nicht der Beschluss des OLG, sondern diese
Rechtslage.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Der Bürger hat in der repräsentativen Demokratie nur
beschränkte Mitwirkungs- und Kontrollmöglichkeiten. Gerade deshalb fordert die AfD
die Einführung von Elementen direkter Demokratie nach Schweizer Vorbild. Damit die
Bürger einem rein repräsentativen System nicht das Vertrauen entziehen, ist es
notwendig, dass Abgeordnete, die sich schamlos selbst bereichern, auch hart
bestraft werden.</p>
<p klasse="J">Ein Abgeordneter, der pflichtwidrig Vorteile annimmt,
muss genauso bestraft werden wie ein Beamter. Für das Vertrauen der Bürger in das
demokratische System macht es keinen Unterschied, ob ein Abgeordneter Vorteile im
Rahmen seiner parlamentarischen Arbeit annimmt oder nur die Autorität oder die
Position seines Mandates ausnutzt. Denn bereits der böse Schein der Käuflichkeit
ist demokratiezerstörend.</p>
<p klasse="J">Der Gesetzentwurf der AfD sieht eine Ahndung als
Verbrechen mit einer Mindeststrafe von einem Jahr vor und beendet so die
Selbstprivilegierung der Abgeordneten.</p>
<p klasse="J">Der Entwurf der Ampelkoalition ist dagegen völlig
unzureichend. Es ist bezeichnend, dass Sie unseren Gesetzentwurf nicht zur
öffentlichen Anhörung zugelassen haben. Ihr Vorschlag der Ahndung als Vergehen mit
einem Strafrahmen bis drei Jahre ermöglicht, Verfahren unter Ausschluss der
Öffentlichkeit durch Einstellung mit oder auch ohne Auflage oder per Strafbefehl
mit einer geringen Geld- oder Freiheitsstrafe zu erledigen – also: weder
Transparenz für die Bürger noch Abschreckung für korrupte Abgeordnete.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Noch beschämender war die Position der Union bis vor
Kurzem, jedenfalls die des Ersten PGFs, der hier überhaupt keinen Handlungsbedarf
sah. Erfreulich, dass Sie, Herr Kollege – das entnehme ich Ihrer Rede –, das jetzt
wohl anders sehen.</p>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege, kommen Sie zum Schluss, bitte.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004891"><name><vorname>Thomas</vorname><nachname>Seitz</nachname><fraktion>Af
D</fraktion></name></redner>Thomas Seitz (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Dann können Sie auch unserem Antrag zustimmen.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Danke sehr. – Nächster Redner ist der Kollege Helge
Limburg, Bündnis 90/Die Grünen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015414300">
<p klasse="redner"><a id="r158"/><redner
id="11005132"><name><vorname>Helge</vorname><nachname>Limburg</nachname><fraktion>B
ÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Helge Limburg (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Vielen Dank. – Herr Präsident! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Wir alle erinnern uns noch an die Zeiten der Coronapandemie. Menschen
machten sich Sorgen um ihre Gesundheit oder die ihrer Angehörigen. Krankenhäuser
waren teilweise überlastet. Menschen hatten existenzielle Sorgen, weil sie ihre
Berufe nicht ausüben durften, weil Schulen und Kitas lange geschlossen waren und
vieles mehr.</p>
<p klasse="J">In dieser für uns alle sorgenvollen Zeit gab es
einige Bundestagsabgeordnete der Unionsfraktion, die vor allem die Chance auf das
große Geld witterten. Unter offenkundigem Missbrauch ihrer Mandate als
Volksvertreter nutzten sie ihre Kontakte ins Bundesgesundheitsministerium, um
mittels dubioser Maskendeals Provisionen in großer Höhe zu kassieren. Damit haben
sie dem Ansehen des gesamten Deutschen Bundestages und letztlich der gesamten
parlamentarischen Demokratie schweren Schaden zugefügt.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN,
der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, ein Bundestagsmandat ist
Verpflichtung und Verantwortung. Es ist eine Ehre, dieses Mandat auf Zeit ausüben
zu dürfen. Es darf nicht der Hebel, das Mittel zum Zweck sein, um die
Abgeordnetenbezüge durch solche Deals noch deutlich anzuheben.</p>
<p klasse="J">Es ist gut – das ist ausdrücklich festzustellen –,
dass die Unionsfraktion diese Personen ausgeschlossen hat und dass auch keiner aus
dieser Riege dem Deutschen Bundestag heute noch angehört. Aber das ist bislang auch
die einzige Sanktion; es ist bereits gesagt worden.</p>
<p klasse="J">Der Bundesgerichtshof hat festgestellt, dass das
Verhalten nach der derzeit geltenden Fassung des § 108e Strafgesetzbuch nicht
strafbar war. Bislang bestraft diese Fassung nämlich nur, wenn durch käufliche
Zuwendungen parlamentarische Handlungen im engeren Sinne, also Abstimmungen oder
Reden hier im Plenum, sozusagen gekauft werden sollen. Das Ausnutzen von Kontakten
durch das Mandat ist bislang nicht umfasst. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das
kann so nicht bleiben.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Es löst zu Recht in der Öffentlichkeit ein breites
Unverständnis aus, wenn ein solches Verhalten straflos bleibt, wohingegen zum
Beispiel Lehrerinnen und Lehrer, die eine zu teure Flasche Wein als Geschenk
annehmen, sich Verfahren gegenübersehen.</p>
<p klasse="J">Deshalb schärfen wir als Ampelfraktionen – ich
schließe mich dem Dank an die Kolleginnen und Kollegen und an das
Bundesjustizministerium ausdrücklich an – mit diesem Gesetzentwurf den § 108e nach.
Ich bin froh, dass wir uns darauf verständigt haben, und ich hoffe, dass es uns
gelingt, im Laufe des parlamentarischen Verfahrens zu einer Einigung mit allen
demokratischen Abgeordneten zu kommen. Ihre Rede, Herr Heveling, macht da ja auch
durchaus Mut, dass wir eine gemeinsame Lösung finden. Ich glaube, das wäre ein
gutes und wichtiges Signal zur Stärkung unserer parlamentarischen Demokratie.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, die Maskendeals waren in der
Tat nicht die einzigen Fälle, die Schlagzeilen machten. Mehrere Abgeordnete,
wiederum aus der Unionsfraktion, fanden sich bereit, gegen Geld die Interessen des
Staates Aserbaidschan hier in Deutschland zu vertreten. Hier ist Anklage erhoben;
ein Urteil steht noch aus.</p>
<p klasse="J">Klar muss aber sein: Auch wer sich als
Bundestagsabgeordneter gegen Geld für eine ausländische Macht verdingt, ohne dabei
konkret auf Abstimmungen Einfluss zu nehmen, muss natürlich strafrechtlich
sanktioniert werden. Auch deshalb ist die von uns vorgeschlagene Verschärfung
richtig.</p>
<p klasse="J">Herr Präsident, meine Damen und Herren, das
Bundestagsmandat – und nur das – muss im Zentrum unserer Arbeit stehen. Bei den
allermeisten von uns tut es das doch auch selbstverständlich. Lassen Sie uns jetzt
gemeinsam die Kraft aufbringen, wenn, wie hier, eine Regelungslücke im Strafrecht
erkannt worden ist, diese Lücke dann auch schnell gemeinschaftlich zu schließen und
das Strafrecht nachzuschärfen! Wir sind es der Arbeit des Parlamentes schuldig.</p>
<p klasse="J">Ich freue mich auf die Ausschussberatung.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank. – Nächster Redner ist der Kollege
Dr. Volker Ullrich, CDU/CSU-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015414400">
<p klasse="redner"><a id="r159"/><redner
id="11004427"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Volker</vorname><nachname>Ullrich</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Dr. Volker Ullrich
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und
Herren! Die Integrität von Parlamentariern ist ein wesentlicher Bestandteil einer
funktionierenden parlamentarischen Demokratie. Es darf zu keinem Zeitpunkt
irgendwie auch nur der Anschein erweckt werden, dass Parlamentarier käuflich seien
oder dass Korruption Bestandteil von parlamentarischer Arbeit wäre. Korruption ist
ein Gift, welches wir bekämpfen müssen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg. Sonja Eichwede
[SPD] und Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="J">Die bedauerlichen Fälle auch aus den Reihen unserer
Fraktion sind schon angesprochen worden. Das beschämt uns auch heute noch;</p>
<kommentar>(Dr. Gesine Lötzsch [Die Linke]: Zu Recht!)</kommentar>
<p klasse="O">aber die Union hat ganz konsequent intern und
innerhalb des Deutschen Bundestages dafür gesorgt, dass dieses Verhalten
Konsequenzen hat. Mehr noch: Wir haben ein Kontrollsystem eingerichtet, auch
innerhalb unserer Fraktion, damit das nicht mehr vorkommen kann. Der Kampf gegen
Korruption gehört zu unserer DNA.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Zuruf des Abg. Ralph Lenkert
[Die Linke])</kommentar>
<p klasse="J">Jetzt geht es um die Frage, inwieweit wir
möglicherweise Strafbarkeitslücken im Strafgesetzbuch schließen.</p>
<kommentar>(Dr. Till Steffen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Sensationell!)</kommentar>
<p klasse="O">Der Bundesgerichtshof hat im Jahr 2022 in der Tat
darauf hingewiesen, dass eine Strafbarkeit nach jetzigem Recht – § 108e
Strafgesetzbuch – nur dann vorliegt, wenn es sich um den Kernbereich des Mandats
handelt, also Abstimmungen und Aktionen im Plenum selbst. Das Handeln in Bezug auf
die Abgeordnetentätigkeit konnte nicht bestraft werden, weil dafür keine Grundlage
im Gesetz war. Deswegen ist es richtig, dass wir rechtspolitisch darüber
diskutieren, ob eine solche Grundlage geschaffen wird.</p>
<p klasse="J">Was gut ist, ist, dass die Ampel Abstand davon
genommen hat, das innerhalb des § 108e selbst lösen zu wollen, sondern sich
entschieden hat, einen neuen Paragrafen einzuführen. Der Vorschlag ist sicherlich
eine Arbeits- und Diskussionsgrundlage;</p>
<kommentar>(Dr. Johannes Fechner [SPD]: Das ist das höchste
Lob!)</kommentar>
<p klasse="O">aber er hat auch den einen oder anderen Mangel, den
wir gemeinsam diskutieren müssen.</p>
<p klasse="J">Zum einen schreiben Sie im Gesetzentwurf: „Wer einen
ungerechtfertigten Vermögensvorteil …“. – Wer das „Wer“ ist, kommt aber erst
danach; es wäre klüger, gleich aufzuzählen, wer damit gemeint ist.</p>
<p klasse="J">Der zweite Punkt ist: Sie schreiben: „… während
seines Mandats zur Wahrnehmung …“. – An der Stelle muss präziser geregelt werden,
um was es sich handelt. Ist „während“ zeitlich gemeint, oder erstreckt sich
„während“ auf bestimmte Tätigkeiten?</p>
<kommentar>(Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das verstehen
nur Juristen!)</kommentar>
<p klasse="J">Deswegen: Betrachten Sie Ihren Gesetzentwurf als
Grundlage zur Diskussion! Lassen Sie uns gemeinsam überlegen, ob wir auch im
Abgeordnetengesetz noch weitere Sanktionen einrichten können, um damit ein
gemeinsames Gesamtpaket zu beschließen, welches tauglich ist, die Korruption –</p>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege, kommen Sie zum Schluss, bitte.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004427"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Volker</vorname><nachname>Ullrich</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Dr. Volker Ullrich
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">– in Bezug auf diesen Punkt zu bekämpfen!</p>
<p klasse="J">Herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Herr Kollege Ullrich. – Letzte
Rednerin der Debatte ist die Kollegin Sonja Eichwede, SPD-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015414500">
<p klasse="redner"><a id="r160"/><redner
id="11005049"><name><vorname>Sonja</vorname><nachname>Eichwede</nachname><fraktion>
SPD</fraktion></name></redner>Sonja Eichwede (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und
Kollegen der demokratischen Fraktionen!</p>
<kommentar>(Stephan Brandner [AfD]: Die deutschen demokratischen
Altfraktionen meinen Sie doch!)</kommentar>
<p klasse="O">Politik machen wir nicht für uns selbst, sondern für
die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes. Wir arbeiten für ein soziales,
demokratisches Miteinander, für eine freie Gesellschaft, für Chancengerechtigkeit
und für unseren Rechtsstaat. Das tun wir hier Tag für Tag und auch mit voller
Überzeugung, unserem Gewissen verpflichtet.</p>
<p klasse="J">Als Abgeordnete des Deutschen Bundestages haben wir
die Verantwortung und eben auch das Privileg, die Bevölkerung unseres Landes
vertreten zu dürfen. Wir sind gewählt, um ihre Interessen zu vertreten,</p>
<kommentar>(Stephan Brandner [AfD]: Die wollen von Ihnen gar nicht
mehr vertreten werden, Frau Eichwede, sondern von uns!)</kommentar>
<p klasse="O">nicht die Interessen von uns selbst. Aus diesem Grund
ist es folgerichtig, dass unzulässige Interessenwahrnehmung sanktioniert und unter
Strafe gestellt wird. Das ist wichtig für die Glaubwürdigkeit von Politik. Das ist
wichtig für unsere gesamte Demokratie, werte Kolleginnen und Kollegen.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Es kann doch nicht sein, dass ein Abgeordneter
Millionenprovisionen dafür kassieren kann, dass durch seine Vermittlung Geschäfte
zwischen der Regierung und einem Unternehmen entstehen, während er doch eigentlich
die Interessen der Bürgerinnen und Bürger unseres Landes vertreten soll. Kein
Abgeordneter darf das Mandat dazu nutzen, in die eigene Tasche zu wirtschaften.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD)</kommentar>
<p klasse="J">Aber – wir haben es in der Debatte gehört – genau das
ist eben bei den Maskendeals geschehen. Unionspolitiker haben entsprechende
Millionenprovisionen für solche Vermittlungen erhalten. Selbst Gerichte konnten
hier keine Strafen aussprechen, sondern mussten freisprechen, weil dieses Verhalten
bisher nicht unter Strafe stand. Das ist ein unhaltbarer Zustand, werte Kolleginnen
und Kollegen. Genau das hat auch der BGH in seinem Urteil gesagt. Er konnte keine
Strafe aussprechen, aber er hat gesagt, dass dieses Verhalten strafwürdig
erscheint.</p>
<p klasse="J">Genau diesen unhaltbaren Zustand ändern wir jetzt.
Dieses Verhalten muss zukünftig unter Strafe stehen; denn wir müssen unabhängig
sein als Abgeordnete, wir müssen frei sein als Abgeordnete, wir müssen einfach nur
die Interessen der Bürgerinnen und Bürger unseres Landes vertreten als
Abgeordnete.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Katrin Helling-Plahr [FDP])</kommentar>
<p klasse="J">Und ich sage auch: Korruption ist eine Gefahr.
Korruption ist eine Gefahr für die gesamte Demokratie. Korruption ist ein
Sicherheitsrisiko für unser Land. Denn Korruption wird als strategisches Mittel
eingesetzt, um die Demokratie zu unterwandern, um Entscheidungsprozesse zu
unterwandern. Deswegen sagen wir der Korruption als gesetzgebende Gewalt, als
Parlament, den Kampf an.</p>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Frau Kollegin, kommen Sie zum Schluss, bitte.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11005049"><name><vorname>Sonja</vorname><nachname>Eichwede</nachname><fraktion>
SPD</fraktion></name></redner>Sonja Eichwede (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Bei den Gerichten ist das auch der Fall, und in der
Exekutive werden wir das auch machen, indem wir den exekutiven Fußabdruck
angehen.</p>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Frau Kollegin, bitte.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11005049"><name><vorname>Sonja</vorname><nachname>Eichwede</nachname><fraktion>
SPD</fraktion></name></redner>Sonja Eichwede (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Ich freue mich auf die Beratung.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank. – Vielen Dank, Herr Präsident.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Katrin Helling-Plahr [FDP])</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Danke schön, Frau Kollegin Eichwede. – Damit schließe
ich die Aussprache.</p>
<p klasse="J">Interfraktionell wird Überweisung der Gesetzentwürfe auf
den Drucksachen 20/10376 und 20/2777 an die in der Tagesordnung aufgeführten
Ausschüsse vorgeschlagen. Gibt es weitere Vorschläge? – Das sehe und höre ich
nicht. Dann verfahren wir wie vorgeschlagen.</p>
<p klasse="J">Bevor ich den nächsten Tagesordnungspunkt aufrufe,
appelliere ich noch einmal von hier aus herzlich an die Parlamentarischen
Geschäftsführer, sich mit der Frage intensiv zu beschäftigen, ob jede Rede gehalten
werden muss – auch aus Verantwortung gegenüber den Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern des Hauses. Wir sind nach wie vor bei nahezu 2 Uhr. Das ist keine
Größenordnung, die wir akzeptieren können.</p>
</tagesordnungspunkt>
<tagesordnungspunkt top-id="Tagesordnungspunkt 19">
<p klasse="J">Ich rufe auf den Tagesordnungspunkt 19:</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t40"/> Beratung des Antrags der
Abgeordneten Susanne Ferschl, Gökay Akbulut, Matthias W. Birkwald, weiterer
Abgeordneter und der Gruppe Die Linke </p>
<p klasse="T_fett"> Sachgrundlose Befristung vollständig
abschaffen</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_Ueberweisung"> Überweisungsvorschlag: Ausschuss
für Arbeit und Soziales (f) Wirtschaftsausschuss</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="J">Für die Aussprache ist eine Dauer von 26 Minuten
beschlossen.</p>
<p klasse="J">Ich eröffne die Aussprache und erteile als erster
Rednerin der Kollegin Susanne Ferschl von der Gruppe Die Linke das Wort.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<rede id="ID2015414600">
<p klasse="redner"><a id="r161"/><redner
id="11004715"><name><vorname>Susanne</vorname><nachname>Ferschl</nachname><fraktion
>Die Linke</fraktion></name></redner>Susanne Ferschl (Die Linke):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr verehrte
Kolleginnen und Kollegen! Mehr als 3 Millionen Beschäftigte in Deutschland haben
einen Arbeitsvertrag mit Verfallsdatum; er ist befristet – bei über der Hälfte
davon sachgrundlos. Das heißt, der Arbeitgeber muss noch nicht mal einen Grund
dafür angeben, wie zum Beispiel Elternzeit oder Krankheitsvertretung.</p>
<kommentar>(Dr. Gesine Lötzsch [Die Linke]: Frechheit!)</kommentar>
<p klasse="O">Für die Beschäftigten bedeutet das bis zu zwei Jahre
Probezeit. Das ist völlig inakzeptabel.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken – Heidi Reichinnek [Die Linke]:
Wer denkt sich so was aus?)</kommentar>
<p klasse="O">So entstehen Druck und Unsicherheit.</p>
<p klasse="J">Wie oft saßen mir als Betriebsrätin verzweifelte
Kolleginnen und Kollegen gegenüber, die nicht wussten, ob sie am Ende des Monats
noch einen Job haben oder ob sie am Ende des Monats ihre Miete bezahlen können oder
ob sie aufgrund einer Befristung überhaupt einen Mietvertrag bekommen! Damit muss
endlich Schluss sein.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="J">Für Arbeitgeber sind Befristungen natürlich
praktisch. Sie wälzen damit das unternehmerische Risiko auf die Beschäftigten ab
und disziplinieren sie damit auch noch. In der Hoffnung auf eine Festanstellung
schleppen sich Beschäftigte häufig krank zur Arbeit, meiden Betriebsrat und
Gewerkschaft und akzeptieren schlechtere Arbeitsbedingungen und schlechtere Löhne.
Es kommt doch nicht von ungefähr, dass fast ein Drittel der befristet Beschäftigten
zu einem Niedriglohn arbeitet.</p>
<p klasse="J">Deswegen an die Adresse der Bundesregierung:
Streichen Sie endlich die sachgrundlose Befristung aus dem Gesetz!</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken sowie des Abg. Alexander Ulrich
[BSW])</kommentar>
<p klasse="O">Dass das innerhalb von wenigen Tagen möglich wäre,
haben Sie ja bei den Totalsanktionen bewiesen. Statt Politik nur für wenige Tausend
zu machen, schlage ich Ihnen vor: Machen Sie doch mal Politik für die Mehrheit!</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="J">9 Millionen Beschäftigte würden von einer
Mindestlohnerhöhung auf 14 Euro profitieren. 27 Millionen Beschäftigte würden
profitieren, wenn Sie die Tarifbindung endlich stärken. Und wie gesagt: Über
1,5 Millionen Beschäftigte würden profitieren, wenn Sie die sachgrundlose
Befristung abschaffen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken)</kommentar>
<p klasse="J">Wir als Linke machen jedenfalls weiter Druck für gute
Arbeit.</p>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Frau Kollegin, kommen Sie zum Schluss, bitte.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004715"><name><vorname>Susanne</vorname><nachname>Ferschl</nachname><fraktion
>Die Linke</fraktion></name></redner>Susanne Ferschl (Die Linke):</p>
<p klasse="J_1">Und die hat kein Verfallsdatum.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der Linken sowie des Abg. Alexander Ulrich
[BSW])</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Frau Kollegin Ferschl. – Nächster
Redner ist der Kollege Michael Gerdes, SPD-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015414700">
<p klasse="redner"><a id="r162"/><redner
id="11004039"><name><vorname>Michael</vorname><nachname>Gerdes</nachname><fraktion>
SPD</fraktion></name></redner>Michael Gerdes (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und
Herren! Ich hätte fast gesagt: Jährlich grüßt das Murmeltier. – Aber, Frau Ferschl,
Sie haben ja gerade deutlich gemacht, dass es Ihnen nicht nur um diesen Antrag
geht, sondern Sie haben noch etwas hinzugefügt; denn Sie haben bereits im März 2014
einen fast gleichlautenden Gesetzentwurf hier im Bundestag vorgelegt.</p>
<kommentar>(Susanne Ferschl [Die Linke]: So lange, bis sie
erfolgreich sind! – Zuruf der Abg. Heidi Reichinnek [Die Linke])</kommentar>
<p klasse="J">Diesem Gesetzentwurf und diesem Antrag waren ähnliche
Anträge vorangegangen. Innovativ ist das nicht.</p>
<kommentar>(Stephan Stracke [CDU/CSU]: Jawoll!)</kommentar>
<p klasse="O">Dennoch ist Ihr Antrag berechtigt; das gebe ich gerne
zu. Sachgrundlose Befristungen sind mit großen Unsicherheiten verbunden. Sie
beeinträchtigen nicht nur die Gesundheit, sie stehen auch der Lebens- und
Familienplanung im Weg.</p>
<p klasse="J">Der DGB hat im letzten Jahr seinen „Personalreport“
vorgelegt. Es lohnt sich, ihn zu lesen. Sachgrundlose Befristungen sind
kontraproduktiv und meines Erachtens auch überflüssig. Deshalb ärgert mich
insbesondere, dass sowohl die Industrie als auch der öffentliche Dienst zunehmend
sachgrundlos befristen. In dem von mir erwähnten „Personalreport“ des DGB ist für
die letzten zwei Jahre ein Plus von 16 Prozent bei befristeten Verträgen in
Behörden festgestellt worden. In Berlin, meine Damen und Herren, sind es sogar
68,9 Prozent befristete Verträge. Ich finde das bemerkenswert. Bleiben wir am Ball,
und diskutieren wir weiter!</p>
<p klasse="J">Die restliche Redezeit schenke ich heute der
Nachtschicht.</p>
<p klasse="J">Herzlichen Dank und Glück auf!</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU,
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Wie schön, Herr Kollege. – Nächster Redner ist der
Kollege Wilfried Oellers, CDU/CSU-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015414800">
<p klasse="redner"><a id="r163"/><redner
id="11004365"><name><vorname>Wilfried</vorname><nachname>Oellers</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Wilfried Oellers
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Befristungen sind ein sehr
wichtiges Flexibilisierungsinstrument für unser Arbeitsleben und für unsere
Wirtschaft. Sie dienen den Unternehmen dazu, Auftragsspitzen abzufangen, die
logischerweise entstehen.</p>
<kommentar>(Beate Müller-Gemmeke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wo ist
denn der Sachgrund?)</kommentar>
<p klasse="J">Sie haben aber auch für Arbeitnehmer eine wichtige
Brückenfunktion, um in Arbeit zu gelangen. Wenn man einmal feststellt, dass der
Anteil der befristeten Arbeitsverhältnisse, die in eine unbefristete Beschäftigung
übergehen, im Jahre 2022 bei 45 Prozent lag, dann, denke ich, kann man dem
Schreckgespenst, das heute gemalt wird, doch deutlich die Wirkung nehmen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Zuruf der Abg. Heidi
Reichinnek [Die Linke])</kommentar>
<p klasse="O">Das gilt vor allen Dingen, wenn man feststellt, dass
die Übernahmequoten in den Jahren von 2009 bis heute von 39 auf 45 Prozent
gestiegen sind und dass damit die Befristungen dieser Brückenfunktion gerecht
werden.</p>
<p klasse="J">Ich will aber auch im Gesamten mal sagen: Man
schildert hier die Befristung als ein untunliches Instrument, das über Gebühr in
Anspruch genommen wird. Im Antrag der Linken werden 8,7 Prozent genannt. Das
Statistische Bundesamt nimmt nicht 8,7 Prozent, sondern 7,8 Prozent an. Warum? Weil
es die Beschäftigten bis 25 aus dieser Statistik herausnimmt. Warum? Weil es bei
ihnen natürlich auch viele Ausbildungsverhältnisse gibt, die logischerweise
befristet sind.</p>
<p klasse="J">Und wenn man daneben sieht, dass wir im
internationalen Vergleich bei befristeten Arbeitsverhältnissen wirklich deutlich im
Mittelfeld liegen und die Niederlande zum Beispiel mit 18 Prozent absoluter
Spitzenreiter in der Europäischen Union sind, gefolgt von Spanien mit 16 Prozent –
darauf folgen Italien und Portugal mit 14 Prozent –, dann wird, glaube ich, klar,
dass wir hier kein Schreckgespenst für unser Land haben.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Zudem will ich auch einmal deutlich betonen: Die
Wirtschaft ist auf dieses Flexibilisierungsinstrument angewiesen; aber 60 Prozent
der befristeten Arbeitsverhältnisse befinden sich im öffentlichen Dienst. Michael
Gerdes hat es angesprochen: Der Anteil nur im öffentlichen Dienst ist in der
letzten Zeit sogar um 16 Prozent gestiegen.</p>
<kommentar>(Stephan Stracke [CDU/CSU]: Sauerei!)</kommentar>
<p klasse="O">Das ist in der Tat viel zu viel.</p>
<kommentar>(Stephan Stracke [CDU/CSU]: Genau! Was macht die
Bundesregierung?)</kommentar>
<p klasse="O">40 Prozent sind es in der Wirtschaft. Und wenn man
dann noch sieht, dass der Klebeeffekt, die Brückenfunktion, die ich angesprochen
habe, in der Wirtschaft sechsmal so hoch ist wie im öffentlichen Dienst, dann hat
man, glaube ich, einige Zahlen, die das alles insbesondere für die Wirtschaft doch
relativieren, sodass sie nicht entsprechend schlecht darzustellen ist; vor allen
Dingen die Wirtschaft braucht dieses Instrument.</p>
<p klasse="J">Ich denke, wir sollten bei diesem Thema einmal
verbal, Kollegin Ferschl und die Partei der Linken, deutlich abrüsten.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Es ist kein Schreckgespenst. Wir sollten uns darauf
konzentrieren, diese wichtigen Instrumente für unsere Wirtschaft zu erhalten, und
daneben, bitte schön, auch schauen, dass die Ampel vielleicht mal eine Politik für
die Wirtschaft macht und nicht unser Land weiter in eine Rezession treibt.</p>
<p klasse="J">Danke schön.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Zuruf der Abg. Heidi
Reichinnek [Die Linke])</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Herr Kollege Oellers. – Nächste
Rednerin ist die Kollegin Beate Müller-Gemmeke, Bündnis 90/Die Grünen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015414900">
<p klasse="redner"><a id="r164"/><redner
id="11004117"><name><vorname>Beate</vorname><nachname>Müller-Gemmeke</
nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Beate Müller-
Gemmeke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Präsident! Kolleginnen und
Kollegen der demokratischen Fraktionen!</p>
<kommentar>(Stephan Brandner [AfD]: „Der deutschen demokratischen
Altfraktionen“ heißt das!)</kommentar>
<p klasse="O">Ich bin jetzt einige Jahre hier im Deutschen
Bundestag, und zu keinem anderen Thema habe ich so oft geredet wie zur
sachgrundlosen Befristung.</p>
<kommentar>(Heidi Reichinnek [Die Linke]: Traurig
eigentlich!)</kommentar>
<p klasse="O">Heute ist es das elfte Mal. Wir haben also die
Argumente hier im Bundestag und natürlich auch in den Koalitionsverhandlungen
häufig ausgetauscht – leider ohne Konsens; denn die einen sind für und die anderen
sind gegen die sachgrundlose Befristung. Da gibt es eben keinen Mittelweg. Unsere
Haltung ist und bleibt eindeutig: Für uns Grüne sind sachgrundlose Befristungen
unnötig. Wir würden sie einfach abschaffen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD)</kommentar>
<p klasse="J">„Grundlos“ meint im Wortsinn ja nichts anderes, als
einfach so, willkürlich zu befristen. So etwas hat ganz grundsätzlich im
Arbeitsrecht nichts zu suchen.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Befristungen einfach so, ohne Grund, sind auch nicht
fair. Wer befristet angestellt ist, kann nicht richtig für seine Zukunft planen,
und er hat vor allem auch handfeste Nachteile. Dabei geht es beispielsweise um so
banale Dinge wie einen Kredit für ein Auto oder um einen Arbeitsvertrag; denn ein
befristeter Arbeitsvertrag bietet eben keine genügende Sicherheit. Wer befristet
angestellt ist, hat ein höheres Armutsrisiko, ist öfters arbeitslos, macht sich
mehr Sorgen um die Zukunft. Lebensqualität sieht anders aus.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Sachgrundlose Befristungen sind auch unnötig, Herr
Oellers; denn natürlich haben die Unternehmen auch ohne die sachgrundlose
Befristung genügend Flexibilität. Es gibt eine ausreichend lange Probezeit.</p>
<kommentar>(Wilfried Oellers [CDU/CSU]: Nein! Das stimmt doch
nicht!)</kommentar>
<p klasse="O">Kleine Betriebe sind ganz vom Kündigungsschutz
ausgenommen. Und wer gute Gründe hat, kann ja auch vorübergehend befristen: bei
Auftragsspitzen, bei Projektarbeit, Elternzeit, bei längerer Krankheit, sogar bei
Erprobungen. Für Befristungen gibt es also gute Gründe, für die sachgrundlose
Befristung aber nicht.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Für die Arbeitgeber/-innen ist die sachgrundlose
Befristung einfach. Sie haben Vorteile, sie profitieren davon. Für die
Beschäftigten hat das aber einen hohen Preis. Wir Grünen wollen einen fairen
Ausgleich. Wir wollen gute und sichere Arbeit. Die sachgrundlose Befristung passt
da definitiv nicht.</p>
<p klasse="J">Deshalb bleiben wir dabei: Wir wollen die
sachgrundlose Befristung abschaffen. – Dafür gibt es im Moment keine politische
Mehrheit. Das wissen wir auch – auch nicht in der Ampel –; aber wir werden uns
weiter dafür einsetzen. Wenn es notwendig ist, werde ich auch zum zwölften Mal über
dieses wichtige Thema reden.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Frau Kollegin Müller-Gemmeke. – Als
nächster Redner hat der Kollege Norbert Kleinwächter das Wort. – Ich habe
vernommen, Sie haben heute Geburtstag, Herr Kleinwächter. Meinen Glückwunsch! An
Ihrer Stelle hätte ich die Rede zu Protokoll gegeben und wäre feiern gegangen.</p>
<kommentar>(Heiterkeit und Beifall bei der AfD sowie bei
Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Aber bitte, Sie haben das Wort.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015415000">
<p klasse="redner"><a id="r165"/><redner
id="11004781"><name><vorname>Norbert</vorname><nachname>Kleinwächter</
nachname><fraktion>AfD</fraktion></name></redner>Norbert Kleinwächter (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Werter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Die Pflicht ruft halt, und die nehme ich für unsere Bürger sehr gerne
wahr. – Vielen Dank für die Glückwünsche.</p>
<p klasse="J">Als Geschenk kriegt man von den Linken fünf Jahre
abgelaufenen Schimmelkäse auf die Tagesordnung gesetzt. Sie haben 2018 das Thema
schon mal auf die Tagesordnung gebracht. Die AfD hat einen super Gesetzentwurf dazu
vorgelegt. Den haben Sie offensichtlich nicht gelesen, sonst hätten Sie ja was
gelernt. Die Linke möchte, wie Linke das gerne tun, mal wieder was verbieten, und
das ist heute die sachgrundlose Befristung.</p>
<p klasse="J">Wenn man den Antrag liest, dann ist die sachgrundlose
Befristung eine Machtstrategie der Unternehmer, eine Möglichkeit, ein legales
Mittel, Arbeitnehmerrechte auszuhebeln. Der Wind von Karl Marx weht einem hier
wirklich kalt ins Gesicht, meine Damen und Herren. Nur zeigen Sie durch Ihre
Argumentation leider, dass Sie über sehr viele Vorurteile, aber über sehr wenig
betriebswirtschaftliches Verständnis verfügen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Wir sind uns doch einig, werte Kolleginnen und
Kollegen:</p>
<kommentar>(Erhard Grundl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Nein!)</kommentar>
<p klasse="O">Die unbefristete Beschäftigung ist das Optimalziel.
Natürlich ist die befristete Beschäftigung nicht das, was wir erreichen wollen,
weil es damit keine Sicherheit für die Arbeitnehmer gibt, weil es damit natürlich
keine Zukunftsplanung gibt, weil es damit Probleme beim Aufstieg – beim Gehalt, in
der Karriere usw. usf. – gibt. Darüber sind wir uns im Klaren.</p>
<p klasse="J">Aber bringt denn die Abschaffung der sachgrundlosen
Befristung irgendeinen Vorteil? Es gibt ja die Befristung mit Sachgrund. Die hat
die technische Voraussetzung, dass ein Sachgrund genannt wird, hat aber eben auch
den Nachteil, dass Kettenbefristungen möglich sind. Nach der Gesetzesänderung, die
es 2018 gab, kann man bis zu fünf Jahre kettenbefristet sein. Diese Befristung mit
Sachgrund ist doch das Gegenteil von Sicherheit.</p>
<p klasse="J">Und dann gibt es die sachgrundlose Befristung. Da ist
die Kettenbefristung auf 24 Monate begrenzt, aber dafür muss eben kein Sachgrund
genannt werden. Die sachgrundlose Befristung, die Sie also loswerden wollen,
schützt auf der einen Seite den Arbeitnehmer und auf der anderen Seite den
Arbeitgeber. Der Arbeitnehmer profitiert davon, dass Kettenbefristungen begrenzt
sind, also nach maximal 24 Monaten Feierabend ist und ein unbefristeter Vertrag
hermuss. Der Arbeitgeber profitiert davon, dass man ihn eben nicht wegen eines
Sachgrundes vor Gericht verklagen kann. Genau deswegen ist das eine Win-win-
Situation. Und wir wissen: Immer wenn es eine Win-win-Situation gibt, sind die
Linken die Ersten, die sie abschaffen wollen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Widerspruch der Abg. Heidi
Reichinnek [Die Linke])</kommentar>
<p klasse="J">Wir sind ja wirkliche Europäer, meine Damen und
Herren. Deswegen: Schauen wir doch mal zu unseren Nachbarn im Westen, zu den lieben
Franzosen. In Frankreich gibt es keine sachgrundlose Befristung; die ist verboten.
Die Sachgründe sind ganz eng definiert, und man muss sogar noch eine 10-Prozent-
Abfindung am Ende des Vertrages zahlen. Während in Deutschland 2022 30 Prozent der
Neueinstellungen befristet waren, gab es im hochreglementierten Frankreich
82 Prozent befristete Neueinstellungen.</p>
<p klasse="J">Das zeigt uns zweierlei, meine Damen und Herren:
Erstens. Das Verbot einer sachgrundlosen Befristung bringt uns überhaupt nichts in
Bezug auf Neueinstellungen. Und zweitens. Der einzige Weg, wie wir unbefristete
Beschäftigung erreichen, ist, dass wir die Unternehmen in die wirtschaftliche Lage
versetzen, perspektivisch gute, unbefristete Arbeitsverhältnisse anzubieten. Dazu
müssen wir den Wohlstand mehren, die Steuern senken, die Regulierung zurückfahren
und diese ganzen Auflagen reduzieren.</p>
<p klasse="J">Diese Ampelkoalition –</p>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege, kommen Sie bitte zum Schluss.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004781"><name><vorname>Norbert</vorname><nachname>Kleinwächter</
nachname><fraktion>AfD</fraktion></name></redner>Norbert Kleinwächter (AfD):</p>
<p klasse="J_1">– tut genau das Gegenteil. Arbeiten Sie mit der
AfD! Helfen Sie uns dabei, nicht den Mangel zu verwalten, sondern den
Wohlstand!</p>
<kommentar>(Anja Liebert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Niemals!)</kommentar>
<p klasse="J">Haben Sie herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Herr Kollege Kleinwächter. – Nächster
Redner ist der Kollege Pascal Kober, FDP-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015415100">
<p klasse="redner"><a id="r166"/><redner
id="11004075"><name><vorname>Pascal</vorname><nachname>Kober</nachname><fraktion>FD
P</fraktion></name></redner>Pascal Kober (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Zum wiederholten Mal bringt Die Linke einen Antrag hier in den Deutschen
Bundestag ein, mit dem sie die sachgrundlose Befristung verbieten will. Sie führen
hier Beispiele an und erzählen Schauermärchen, wie es am Arbeitsmarkt angeblich
zugehen soll. Belege allein bleiben Sie schuldig.</p>
<p klasse="J">Deshalb sage ich als Freier Demokrat und für meine
Fraktion: Wir beziehen uns in unserer politischen Arbeit auf die Wirklichkeit, auf
wissenschaftliche Untersuchungen und Forschungen. Dazu zitiere ich das Institut für
Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, das festgestellt hat, dass die Chancen bei der
Befristung überwiegen. Deshalb, liebe Kolleginnen und Kollegen, werden wir Ihren
Antrag zum wiederholten Male ablehnen.</p>
<p klasse="J">Hiermit beende ich meine Rede und wünsche uns allen
dann, wenn es so weit ist, einen schönen Abend.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Heiterkeit und Beifall bei der FDP und der CDU/CSU
sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Carsten Träger
[SPD])</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Herr Kollege Kober. Das hat mich jetzt
gerade überrascht. – Nächster Redner ist für die Gruppe BSW der Kollege Alexander
Ulrich.</p>
</rede>
<rede id="ID2015415200">
<p klasse="redner"><a id="r167"/><redner
id="11003858"><name><vorname>Alexander</vorname><nachname>Ulrich</
nachname><fraktion>BSW</fraktion></name></redner>Alexander Ulrich (BSW):</p>
<p klasse="J_1">Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Rund 1,5 Millionen Menschen in diesem Land sind sachgrundlos befristet angestellt.
Es gibt keinen wirtschaftlichen Grund. Es gibt keine Gründe, die man anführen
könnte,</p>
<kommentar>(Stephan Brandner [AfD]: Es heißt ja auch
„sachgrundlos“! Dazu braucht man keinen Grund!)</kommentar>
<p klasse="O">etwa dass man die Leute nicht mehr loswird, wenn sie
keine Leistung erbringen. Dafür gibt es im Arbeitsrecht die Probezeit. Bei
sachgrundlosen Befristungen wird die Probezeit auf zwei Jahre verlängert; das ist
eigentlich eine Umgehung des Arbeitsrechts.</p>
<p klasse="J">Allein das ist schon ein Grund, warum wir sagen:
Sachgrundlose Befristungen müssen abgeschafft werden.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der Linken)</kommentar>
<p klasse="O">Sie haben keinen Grund. Sie führen dazu, dass der
Einzelne sein Leben und die Familiengründung nur ganz schwer planen kann. Er hat
teilweise auch Schwierigkeiten, auf der Bank einen Kredit zu bekommen, wenn er nur
sachgrundlos befristet angestellt ist. Im Betrieb muss er Angst haben, sich in
Gewerkschaften zu organisieren. Er kann sich nicht beschweren, wenn die Löhne zu
niedrig sind. Es ist also auch für die Betroffenen nur von Nachteil. Deshalb
müssten sachgrundlose Befristungen nicht erst gestern, sondern am besten schon
vorgestern abgeschafft worden sein.</p>
<kommentar>(Beifall des Abg. Matthias W. Birkwald [Die
Linke])</kommentar>
<p klasse="J">Wenn die heutige Debatte etwas gezeigt hat, dann,
dass es viele hier gibt, die die sachgrundlosen Befristungen abschaffen wollen. Wer
es verhindert, ist die 4-Prozent-Partei FDP.</p>
<kommentar>(Pascal Kober [FDP]: Gucken Sie sich mal die Umfragen
an! Immer schön aktuell bleiben! Nicht im Gestern leben, sondern im
Heute!)</kommentar>
<p klasse="O">Allein das ist schon ein Grund, warum wir alle hoffen
sollten, dass die FDP im nächsten Bundestag nicht mehr dabei ist.</p>
<kommentar>(Wilfried Oellers [CDU/CSU]: Ihr auch!)</kommentar>
<p klasse="J">Wenn wir über gute Arbeit reden, dann sollten wir
auch über andere Themen reden. Morgen reden wir ja nochmals über das
Wachstumschancengesetz. Dass mit den 3 Milliarden Euro tatsächliche Wirkungen
erzielt werden sollen, bestreitet ja mittlerweile fast schon jeder, so auch heute
Clemens Fuest auf einer größeren Konferenz. Was das Wachstum in diesem Land
wirklich beschleunigen würde, wäre zum Beispiel, wenn man den Mindestlohn auf
14 Euro anheben würde; denn das Geld wird von den Betroffenen sofort wieder
ausgegeben. Was das Wachstum auch beschleunigen würde, wäre, wenn wir Tarifbindung
und mehr Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen hätten.</p>
<kommentar>(Ulrike Schielke-Ziesing [AfD]: Das ist aber das linke
Parteiprogramm! Hat er verwechselt!)</kommentar>
<p klasse="O">Was das Wachstum auch beschleunigen würde, wäre, wenn
man öffentliche Aufträge nur an tarifgebundene Betriebe vergeben würde. – Das wären
Beispiele für gute Arbeit.</p>
<p klasse="J">Deshalb: Weg mit sachgrundlosen Befristungen, den
Mindestlohn auf 14 Euro erhöhen, mehr Tarifverträge, Investitionen in die
Transformation der Wirtschaft und Vergabe öffentlicher Aufträge nur an Betriebe mit
Tarifbindung! Das wäre ein Wachstumschancengesetz, das den Namen verdient.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall des Abg. Matthias W. Birkwald [Die
Linke])</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Herr Kollege Ulrich. – Der Kollege Jan
Dieren, SPD-Fraktion, hat seine Rede zu Protokoll
gegeben.<sup>1</sup><fussnote><p><a href="ANL11">Anlage 11</a></p></fussnote> Welch
eine glorreiche Entscheidung! Man sollte da Beifall spenden.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Letzter Redner in der Debatte ist der Kollege Axel
Knoerig, CDU/CSU-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<rede id="ID2015415300">
<p klasse="redner"><a id="r168"/><redner
id="11004073"><name><vorname>Axel</vorname><nachname>Knoerig</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Axel Knoerig (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und
Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Unbefristete Arbeitsverträge sind
grundsätzlich besser als befristete; das ist auch mein Standpunkt. Viele Menschen
empfinden Befristungen als Belastung, insbesondere wenn sie monatlich Miete zahlen
müssen, wenn sie womöglich gar ein Häuschen bauen wollen oder auch eine Familie
gründen wollen. Eine Befristung führt dazu, dass das Leben nicht als so einfach, so
angenehm empfunden wird, weil man immer wieder mit der Sorge konfrontiert ist, dass
man womöglich in wenigen Monaten arbeitslos werden könnte. Von daher sind die
Zukunftsängste, die diese Menschen haben, verständlich.</p>
<p klasse="J">Aber diese Zukunftsängste – das sage ich ganz klar –
werden auch durch die wirtschaftliche Lage geprägt. Der Bundeswirtschaftsminister
hat in der letzten Woche gesagt, dass die wirtschaftliche Lage dramatisch schlecht
ist. Ich schaue auf die Zahl der offenen Stellen: Was tut sich denn da? Diese Zahl
nimmt nicht zu, die nimmt eher ab. Was ist mit den Arbeitgebern? Die sind
verunsichert. Und ich sage Ihnen: Wenn Arbeitgeber verunsichert sind und damit
konfrontiert werden, befristete Stellen abzuschaffen, dann schaffen sie diese
Stellen komplett ab.</p>
<p klasse="J">Deswegen sage ich: Dieser Antrag der Linken würde,
wenn er denn in Regierungshandeln umgesetzt würde, zu weniger Arbeit und somit zu
weniger Arbeitsplätzen führen.</p>
<kommentar>(Jens Peick [SPD]: Fachkräftemangel ist
abgeschafft!)</kommentar>
<p klasse="O">Wer in so einer Lage starr an solchen Verboten
festhält, dem ist die Ideologie weitaus wichtiger als sein Streben, etwas für die
Menschen zu tun. Ich sage: Wir sollten in solchen Situationen die Menschen in
Arbeit halten.</p>
<p klasse="J">Dazu kommt noch die Problematik, dass zurzeit viele
Menschen nicht den Weg aus der Arbeitslosigkeit in Arbeit schaffen; das sehen wir
an der Zahl der Vermittlungen und der Anträge auf Bürgergeld. Das gelingt nur
bedingt, wenn überhaupt. Deswegen sage ich: Wenn es keine befristeten Verträge
gibt, dann findet man keinen Einstieg in Arbeit und hat nachher auf dem ersten
Arbeitsmarkt keine Chance auf Übernahme.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Marc Biadacz [CDU/CSU]: Sehr
gut! – Beate Müller-Gemmeke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Die CDA hat aber den Beschluss
gefasst, die sachgrundlose Befristung abzuschaffen, oder?)</kommentar>
<p klasse="J">Ich möchte klarstellen: Auch wir Christlich-Soziale
setzen uns dafür ein, dass in Zukunft weitaus seltener ohne Sachgrund befristet
wird. Schauen wir doch einmal in den öffentlichen Dienst: Hier sind – das haben die
Kollegen richtig ausgeführt – Befristungen eher die Regel als die Ausnahme. Und
schauen wir zu unserem nordrhein-westfälischen Arbeitsminister Karl-Josef Laumann
nach NRW – er macht es uns doch vor –: Er hat in seinem Ministerium die
sachgrundlose Befristung abgeschafft.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Stephan Stracke [CDU/CSU]:
Das ist vorbildlich! – Marc Biadacz [CDU/CSU], an die SPD gewandt: Ja, guckt
mal!)</kommentar>
<p klasse="O">Das ist vorbildlich. Gut so!</p>
<p klasse="J">Jetzt schaue ich mal zur Bundesregierung: Wie sieht
das denn in Ihren Ministerien aus oder gar in den nachgeordneten Behörden? Da denke
ich zum Beispiel an die Kürzungen bei den Jobcentern.</p>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege, kommen Sie bitte zum Schluss.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004073"><name><vorname>Axel</vorname><nachname>Knoerig</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Axel Knoerig (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Hat das bei der Personalplanung zu mehr Sicherheit
geführt?</p>
<p klasse="J">Deswegen sagen wir ganz klar: –</p>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege, kommen Sie bitte jetzt zum
Schluss.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004073"><name><vorname>Axel</vorname><nachname>Knoerig</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Axel Knoerig (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">– Die Bürger können sich auf unsere Union
verlassen.</p>
<kommentar>(Beate Müller-Gemmeke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja, ja,
ja! Die CDA hat einen Beschluss gefasst!)</kommentar>
<p klasse="O">Wir haushalten ordentlich, wir schaffen das
Bürgergeld wieder ab.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Marc Biadacz [CDU/CSU]: Sehr
gut!)</kommentar>
<p klasse="O">Und wir machen eine Wirtschaftspolitik</p>
<kommentar>(Das Mikrofon wird abgeschaltet)</kommentar>
<p klasse="O">für – –</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege, ich habe Ihnen das Wort entzogen. Sie
können sich jetzt bitte hinsetzen. – Vielen Dank.</p>
</rede>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen, damit ist die Aussprache
beendet.</p>
<p klasse="J">Interfraktionell wird Überweisung der Vorlage auf
Drucksache 20/10243 an die in der Tagesordnung aufgeführten Ausschüsse
vorgeschlagen. Gibt es weitere Vorschläge? – Das sehe und höre ich nicht. Dann
verfahren wir wie vorgeschlagen.</p>
</tagesordnungspunkt>
<tagesordnungspunkt top-id="Zusatzpunkt 16">
<p klasse="J">Ich rufe auf den Zusatzpunkt 16:</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t41"/> Beratung der Unterrichtung
durch die Bundesregierung </p>
<p klasse="T_fett"> Strategie für die Internationale
Digitalpolitik der Bundesregierung</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_Ueberweisung"> Überweisungsvorschlag: Ausschuss
für Digitales (f) Rechtsausschuss Wirtschaftsausschuss Ausschuss für Ernährung und
Landwirtschaft Ausschuss für Arbeit und Soziales Ausschuss für Umwelt, Naturschutz,
nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz Ausschuss für Bildung, Forschung und
Technikfolgenabschätzung Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung</p>
<p klasse="J">Für die Aussprache ist eine Dauer von 26 Minuten
beschlossen. – Der Platzwechsel kann zügig vor sich gehen, weil nicht mehr so viele
Leute anwesend sind.</p>
<p klasse="J">Ich eröffne die Aussprache und erteile als erstem Redner
dem Kollegen Maximilian Funke-Kaiser, FDP-Fraktion, das Wort.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der
SPD)</kommentar>
<rede id="ID2015415400">
<p klasse="redner"><a id="r169"/><redner
id="11005058"><name><vorname>Maximilian</vorname><nachname>Funke-Kaiser</
nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></redner>Maximilian Funke-Kaiser (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Wir leben in Zeiten der globalen Veränderungen. Und wir brauchen uns
nichts vorzumachen: Gerade in solchen Zeiten der Veränderung bleiben weder unsere
Wirtschaftskraft noch unsere liberale Demokratie eine Selbstverständlichkeit. Das
sehen wir gerade hier in Deutschland sehr deutlich.</p>
<p klasse="J">Zwei wesentliche Bereiche, die diesen Wandel
bedingen, sind zum einen die Außen- und Sicherheitspolitik und zum anderen die
Digitalpolitik. Unweigerlich werden unsere Freiheit und unsere Wirtschaftskraft von
unserer Verteidigungsfähigkeit und von unserem internationalen Gewicht gesichert.
Unsere Freiheit und unsere Wirtschaftskraft werden zudem am Grad unseres eigenen
technologischen Fortschritts als Volkswirtschaft gemessen.</p>
<p klasse="J">Dabei stehen wir gerade erst am Anfang des digitalen
Wandels. Sei es KI, seien es 6-G-Hochleistungsnetzwerke, seien es Quantencomputer:
Der digitale Wandel wird Gesellschaft und Wirtschaft maßgeblich prägen, wie es kein
anderer Bereich vermag. Dadurch wird der digitale Wandel auch zu einem immer
zentraleren Faktor in der Geopolitik.</p>
<p klasse="J">Die Tatsache, dass Deutschland nun eine
internationale Digitalstrategie hat, trägt endlich der geopolitischen Dimension des
digitalen Wandels Rechnung; denn in den letzten Jahren ist Deutschland in der
Gestaltung der internationalen Digitalpolitik nicht ausreichend selbstbewusst
aufgetreten. Das ändert sich nun. Deutschland wird nicht mehr nur an der
Seitenlinie stehen, sondern internationale Entscheidungen aktiv mitprägen.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der FDP, der SPD und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Wir setzen uns beispielsweise dafür ein, dass
Grundrechte nicht nur im Analogen gelten, sondern auch im Digitalen. Wir setzen uns
für ein freies Internet ein. Wir gestalten digitale Normen und Standards. Wir bauen
Abhängigkeiten von kritischen Komponenten ab. Das Bundesministerium für Digitales
und Verkehr handelt bereits nach diesen Prinzipien; denn gemeinsam mit dem
Bundesministerium der Justiz haben wir erfolgreich die Chatkontrolle abgewehrt und
das digitale Briefgeheimnis geschützt.</p>
<p klasse="J">Mit dem bald kommenden Recht auf Verschlüsselung
sichern wir zudem nicht nur jede Einzelne und jeden Einzelnen gegen persönliche
Angriffe ab, sondern steigern dadurch auch unsere gemeinsame Abwehrfähigkeit.
Genauso haben wir uns sehr früh in Brüssel gegen eine Datenmaut und somit für ein
freies Internet eingesetzt.</p>
<p klasse="J">Auch der G-7-Abstimmungsprozess zur künstlichen
Intelligenz zeigt, was die Bundesrepublik mit selbstbewusstem Auftreten erreichen
kann. Hier ist es gelungen, die G-7-Staaten von gemeinsamen Regeln für KI zu
überzeugen; denn auch und insbesondere die KI-Regulierung braucht eine globale
Herangehensweise.</p>
<p klasse="J">Ein Punkt, der mir besonders am Herzen liegt, ist die
aktive Teilnahme an internationalen Normungs- und Standardisierungsprozessen.
Unsere zukünftige Wettbewerbsfähigkeit hängt nämlich maßgeblich davon ab, dass wir
aktiv Standards mitgestalten. China hat die geopolitische Dimension von Standards
längst erkannt und ist seit Jahren massiv in entsprechenden Gremien vertreten. Auch
deshalb freue ich mich ganz besonders darüber, dass Unternehmen zukünftig aktiv
beim Engagement in solchen Gremien unterstützt werden.</p>
<p klasse="J">Kurzum: Deutschland präsentiert sich nun endlich mit
Selbstbewusstsein und auch mit Selbstbestimmtheit in der internationalen
Digitalpolitik. Damit schützen wir nicht nur unsere liberalen Werte, sondern
stärken zugleich auch unsere Wettbewerbsfähigkeit.</p>
<p klasse="J">Herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Herr Kollege Funke-Kaiser. – Nächster
Redner ist der Kollege Nicolas Zippelius, CDU/CSU-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015415500">
<p klasse="redner"><a id="r170"/><redner
id="11005266"><name><vorname>Nicolas</vorname><nachname>Zippelius</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Nicolas Zippelius
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten
Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Funke-Kaiser, ich kann Ihr
Lob über die Strategie nicht ganz teilen; denn es wird so langsam ein Schema
offenkundig. Die Strategie war schon für 2023 in Aussicht gestellt. Sie kam wie
alle anderen Strategien verspätet, nämlich erst am 7. Februar 2024, und das, obwohl
diese dringend notwendig ist, um die digitale Souveränität, Innovations- und
Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands international zu sichern und unseren Bemühungen
zur Schaffung eines freien, offenen und demokratischen Internets ein strategisches
Fundament zu geben.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Man könnte meinen, dass diese Verspätung zugunsten
der inhaltlichen Qualität erfolgte. Doch ein Blick in die Strategie belehrt den
Leser eines Besseren. Statt klaren Zielen und Maßnahmen gibt es nur
handlungsleitende Grundsätze und statt echtem Führungsanspruch nur
Beliebigkeit.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Ich darf da einen geradezu trivialen Satz aus der
Strategie zitieren:</p>
<p klasse="Z">„Das globale Digitalzeitalter eröffnet enorme
Möglichkeiten, stellt aber alle Akteure auch vor Herausforderungen.“</p>
<p klasse="O">Man möchte an dieser Stelle sagen: Wasser ist nass.
Meine Damen und Herren, das ist der qualitative Anspruch.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Marc Biadacz [CDU/CSU]: Sehr
gut! Scharfe Analyse!)</kommentar>
<p klasse="J">Die vorliegende Strategie ist ein Sammelsurium von
Themen: vom Schutz der Menschenrechte im Internet und digitaler Geschlechterkluft
über Risikominimierung in Wertschöpfungssektoren und Cybersicherheit bis hin zu
technischer Normierung und Standardisierung. Viele dieser Themen haben direkte und
langfristige Auswirkungen auf Deutschlands internationalen Anspruch als starker
Technologie-, Forschungs- und Wirtschaftsstandort, insbesondere da die globale
digitale Ordnung aktuell von einigen wenigen privaten Technologiekonzernen, den USA
und China dominiert wird.</p>
<p klasse="J">Dennoch verpasst es Deutschland, sich im Rahmen
dieser Strategie sowohl gegenüber systemischen Rivalen als auch möglichen
Verbündeten klar zu positionieren und den eigenen Anspruch innerhalb der globalen
digitalen Ordnung zu formulieren. China und Russland, von denen 2022 laut Bitkom
79 Prozent aller Cyberangriffe auf Unternehmen in Deutschland ausgingen, werden gar
nicht oder nur ganz am Rande erwähnt. Was soll man dazu eigentlich noch sagen,
meine Damen und Herren?</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Eines muss man der Bundesregierung jedoch lassen: Sie
bleibt sich immerhin treu.</p>
<kommentar>(Stephan Stracke [CDU/CSU]: Genau!)</kommentar>
<p klasse="O">Auch dieses Digitalthema wird im Zuständigkeitschaos
begraben. So deutet die Bundesregierung in ihrer Strategie für die Internationale
Digitalpolitik selbst darauf hin, dass es Überschneidungen mit zwölf weiteren
Strategien aus insgesamt acht Ministerien gibt. Die Digitalstrategie, die
Datenstrategie, die Klimaaußenstrategie, die Gigabitstrategie,</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Stephan Stracke [CDU/CSU])</kommentar>
<p klasse="O">die Fachkräftestrategie, die Raumfahrtstrategie, die
China-Strategie, die Nationale Sicherheitsstrategie: Es ist ein Labyrinth, aus dem
es kein Entkommen gibt.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Einen Hierarchie- oder Koordinierungsansatz bietet
sie natürlich nicht an. Bei der Pressekonferenz zur Veröffentlichung der Strategie
versicherte Staatssekretär Schnorr auf Nachfrage jedoch einen stärkeren Austausch
zwischen den Ressorts, beginnend nach der Verabschiedung, indem man sich – ich
zitiere – „regelmäßig zusammensetzen“ und über „Vorhaben im internationalen
Bereich“ informieren wolle. Ich will zurufen: Dann kann ja gar nichts mehr
schiefgehen!</p>
<kommentar>(Heiterkeit und Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Einziger Lichtblick im Rahmen der Strategie ist, dass
die Bundesregierung die Relevanz deutscher Präsenz in den Normierungs- und
Standardisierungsgremien endlich anerkennt, um – um es mit Staatssekretär Schnorrs
Worten zu sagen; ich zitiere – „Heerscharen“ von Chinesen dort Paroli bieten zu
können. Dabei hält sich der semantische Anspruch des Staatssekretärs mit dem
inhaltlichen Ansatz der Strategie die Waage. Es wurden die deutschen Ambitionen in
diesem Bereich nun zumindest als Grundsatz in die Strategie aufgenommen.</p>
<p klasse="J">Im Haushalt spiegelt sich dies allerdings nicht
wider. Ganz wichtig: Falls Sie nun wieder das Urteil des Bundesverfassungsgerichts
als Ursache nennen wollen, muss ich Ihnen sagen: Das können Sie sich sparen. Denn
es war laut einer Kleinen Anfrage der Linken von Anfang November 2023 schon eine
Reduktion der Haushaltsmittel zur Förderung deutscher Bestrebungen in
Normierungsgremien geplant.</p>
<kommentar>(Stephan Stracke [CDU/CSU]: Sauerei!)</kommentar>
<p klasse="O">Damit wirkt auch dieser Anspruch wie ein reines
Lippenbekenntnis der Bundesregierung.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Die deutsche internationale Digitalpolitik braucht
klare Ziele und den ausformulierten Willen, Gestaltungsspielräume zu nutzen und
diese Ziele auch umzusetzen, um Zukunftssicherheit zu schaffen. Wir brauchen eine
aktive Positionierung zu international weniger besetzten Themen wie digitale
Außenpolitik, digitaler Handel oder Cybersicherheit</p>
<kommentar>(Dr. Jens Zimmermann [SPD]: Sechs Minuten sind ganz
schön lang!)</kommentar>
<p klasse="O">und müssen neue Wege finden, um etablierte
Politikbereiche wie die Normierung oder Risiken in den Wertschöpfungsketten zu
bespielen. Nur so bleibt Deutschland international digitalpolitisch relevant. Wir
plädieren daher für eine starke Nachbesserung der Strategie, welche statt
substanzlosem Wunschdenken echte Verbindlichkeit schafft.</p>
<p klasse="J">Herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Herr Kollege Zippelius. – Nächster
Redner ist der Kollege Dr. Jens Zimmermann, SPD-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015415600">
<p klasse="redner"><a id="r171"/><redner
id="11004603"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Jens</vorname><nachname>Zimmermann</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Dr. Jens Zimmermann (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Wenn in Russland Menschen auf die Straße gehen, weil sie gegen das Regime
protestieren und an Herrn Nawalny erinnern, dann sollten Bilder davon frei im
Internet verbreitet werden dürfen – ohne Zensur und auch in Russland. Wenn seine
Witwe auf X über den Tod ihres Mannes und seinen Widerstand gegen das Regime
schreibt, dann sollte ihr Account dafür nicht gesperrt werden, auch hier bei uns
nicht.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Wir reden heute über das Internet. Das ist ein Ort,
der lange Zeit ein Ort des Widerstands und der Protestorganisationen eben auch für
die Opposition in Russland war. Deshalb sprechen wir nicht nur über eine
Technologie, sondern gleichzeitig auch über Demokratie, Menschenrechte, unsere
Grundwerte, über Freiheit, Gerechtigkeit und internationale Solidarität.</p>
<kommentar>(Stephan Brandner [AfD]: Das ist eine gute
Idee!)</kommentar>
<p klasse="O">Nicht weniger als das enthält die internationale
Digitalstrategie der Bundesregierung, liebe Kolleginnen und Kollegen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Wichtig ist: Putin sieht das freie Internet als eine
Gefahr für seine Herrschaft.</p>
<kommentar>(Stephan Brandner [AfD]: Ursula von der Leyen
auch!)</kommentar>
<p klasse="O">– Sie hat er ja als fünfte Kolonne; das ist eh
klar. – Und er hat Angst. Seine digitale Außenpolitik zielt darauf ab,
einzuschüchtern, Desinformationskampagnen zu streuen und sein Land digital
abzuschirmen. Das ist die digitale Außenpolitik von Ländern wie Russland und
China.</p>
<kommentar>(Stephan Brandner [AfD]: Und vom Digitale-Dienste-
Gesetz!)</kommentar>
<p klasse="O">Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns international
hier eindeutig positionieren.</p>
<p klasse="J">Es ist im Interesse von Deutschland und Europa, dass
wir im digitalen Raum für unsere Werte einstehen: bei den Vereinten Nationen, in
den Normungsgremien und in multilateralen Dialogen. Das Internet ist heute eben ein
wichtiger Ort für Meinungsaustausch, für Informationen, aber auch für Widerstand
und für Protest.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Stephan Brandner [AfD]: Da haben Sie völlig recht! Warum
regulieren Sie das hier mit dem Digital Services Act? Was haben Sie da
gemacht?)</kommentar>
<p klasse="J">Als Koalition sorgen wir dafür, dass die
Digitalisierung, die viele Herausforderungen mit sich bringt, auch ordentlich
reguliert wird: vom Digital Services Act,</p>
<kommentar>(Stephan Brandner [AfD]: Das habe ich gerade
gesagt!)</kommentar>
<p klasse="O">dem „Internetgrundgesetz“, über die KI-Verordnung,
die Datenregulierung bis hin zum digitalen Arbeiten und dem Ausbau unseres
Internets.</p>
<p klasse="J">Die internationale Digitalpolitik darf sich aber eben
nicht nur an andere Länder richten, sie muss sich auch an die Digitalkonzerne
richten.</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Stephan Brandner [AfD])</kommentar>
<p klasse="O">Da will ich ganz klar sagen: Es kann nicht sein, dass
sich US-Unternehmen wie X am Ende zu Handlangern Moskaus machen, wie die Truppe
hier rechts.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">Es kann nicht sein, dass Accounts von Frau Nawalny
gesperrt werden, weil es ihnen nicht in den Kram passt.</p>
<p klasse="J">Ich sage ganz klar: Dieses Unternehmen muss vor dem
Bundestag Rechenschaft ablegen, wie es dazu kommt, dass es sich zu genau einem
solchen Handlanger macht. Deswegen werden wir diese Unternehmen auch vor den
Digitalausschuss vorladen.</p>
<kommentar>(Abg. Robert Farle [fraktionslos] meldet sich zu einer
Zwischenfrage)</kommentar>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen, herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Maximilian Funke-Kaiser [FDP])</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank. – Herr Farle, ich weiß nicht, warum
Sie winken. Der Kollege ist nun schon vom Rednerpult weg, also können Sie keine
Frage mehr stellen. Abgesehen davon habe ich darauf hingewiesen, dass es zu dieser
Uhrzeit keine Zwischenfragen und keine Kurzinterventionen mehr gibt.</p>
<p klasse="J">Nächster Redner ist der Kollege Eugen Schmidt, AfD
Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015415700">
<p klasse="redner"><a id="r172"/><redner
id="11005209"><name><vorname>Eugen</vorname><nachname>Schmidt</nachname><fraktion>A
fD</fraktion></name></redner>Eugen Schmidt (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Herr Präsident! Liebe Landsleute! Julian Assange
drohen in den USA bis zu 175 Jahre Haft. Vor der Wahl haben Annalena Baerbock und
Robert Habeck seine Freilassung gefordert. Doch jetzt: Totenstille! Auch deshalb
möchte ich die Deutschen über die Pläne der Bundesregierung zur internationalen
Digitaldiktatur aufklären.</p>
<kommentar>(Dr. Jens Zimmermann [SPD]: Erzählen Sie uns doch mal
was über Ihren Mitarbeiter! Das wäre auch mal interessant!)</kommentar>
<p klasse="J">Die Regierung schreibt von Schutz von „Demokratie und
Freiheit im digitalen Raum“. Was wir stattdessen beobachten, ist eine gnadenlose
Zensur von Alternativmedien, eine systematische Kriminalisierung von freier
Meinungsäußerung und die Förderung einer einseitigen regierungshörigen Doktrin in
Deutschland.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Maximilian Funke-Kaiser [FDP]: Wo
ist denn Ihr Mitarbeiter?)</kommentar>
<p klasse="J">Weiter heißt es, die Regierung wolle „wertebasierte
Technologiepartnerschaften intensivieren“. Doch in Wirklichkeit übt sie Druck auf
internationale Portale wie Twitter und Tiktok aus, weil sich diese der Zensur
entziehen. Dies legt die wahren Absichten offen. Eine Kampfansage an all
diejenigen, die es wagen, eine eigene Ansicht zu vertreten!</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Maik Außendorf [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN]: O mein Gott!)</kommentar>
<p klasse="J">Ihre Behauptung, „Wohlstand in einer globalisierten
digitalen Wirtschaft“ zu fördern, erweist sich angesichts einer Politik, die den
über Generationen geschaffenen Wohlstand vernichtet und unser Land in die
Deindustrialisierung treibt, als Betrug.</p>
<p klasse="J">Genauso betrügerisch klingt – zumindest aus Ihrem
Mund – „vertrauenswürdige und sichere grenzüberschreitende Datenflüsse“.
Stattdessen wollen Sie unabhängige Stimmen blockieren, ausländische Medien
ausschalten, weil Sie die Deutschen für unfähig halten, selbstständig zu
denken.</p>
<kommentar>(Dr. Jens Zimmermann [SPD]: Jetzt reden Sie aber über
Ihre russischen Freunde, oder?)</kommentar>
<p klasse="O">Das ist keine Freiheit, sondern Bevormundung und
Unterdrückung.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Wenn Sie von Schutz der digitalen Infrastruktur im
Rahmen der NATO sprechen, dann denke ich an das größte Infrastrukturprojekt
Deutschlands, nämlich Nord Stream. Der Bundeskanzler stand damals reglos und
lächelnd daneben, als ein Staatschef die Zerstörung dessen offen ankündigte.</p>
<p klasse="J">Wir brauchen eine Wiederbelebung des
Innovationsgeistes in Deutschland, eine Stärkung unserer digitalen Infrastruktur,
die uns global wieder wettbewerbsfähig macht. Die Bundesregierung muss ihre
Zensurpolitik aufgeben.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Stephan Brandner [AfD]:
Jawohl!)</kommentar>
<p klasse="O">Die Menschen wollen eine Umgebung, in der jeder ohne
Angst vor Repressionen frei sprechen kann.</p>
<kommentar>(Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Wie in Russland, oder
was?)</kommentar>
<p klasse="J">Julian Assanges Kampf ist auch unser Kampf. Denn wenn
wir heute schweigen: Wer wird morgen für uns sprechen? Wir jedenfalls sind und
bleiben die laute Stimme der Freiheit.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Dr. Jens Zimmermann [SPD]:
Lächerlich! Die hätte Herr Nawalny sich gewünscht! – Gegenruf der Abg. Sonja
Eichwede [SPD]: Wenn er noch leben würde!)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Herr Kollege Schmidt. – Nächster
Redner ist der Kollege Tobias B. Bacherle, Bündnis 90/Die Grünen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015415800">
<p klasse="redner"><a id="r173"/><redner
id="11005013"><name><vorname>Tobias
B.</vorname><nachname>Bacherle</nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN</fraktion></name></redner>Tobias B. Bacherle (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Es ist eine gute Idee, jetzt auf „OK Kid“ zu sprechen zu kommen.</p>
<kommentar>(Stephan Brandner [AfD]: Auf wen?)</kommentar>
<p klasse="O">Bei Ihrer Rede musste ich arg an deren Song „Es
regnet Hirn“ denken.</p>
<kommentar>(Stephan Brandner [AfD]: Damit ist Ihre Redezeit schon
um!)</kommentar>
<p klasse="J">Aber gut, kommen wir zurück zu erfreulicheren
Themen. – Digitalisierung und digitale Innovation machen nicht an nationalen
Grenzen halt. Das klingt vielleicht zu selbstverständlich, um es noch in einer
Strategie aufzuschreiben. Aber ich glaube, es war wirklich sehr gut, dass sich die
Bundesregierung mit den internationalen Auswirkungen ihrer Digitalpolitik und dem
Digitalen in ihrer internationalen Politik einmal gesammelt auseinandergesetzt hat.
Dabei hat sie auch klargemacht: Unser Engagement für Grund- und Menschenrechte auf
internationaler Ebene endet nicht offline, sondern geht auch online weiter.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Der Kollege Maximilian Funke-Kaiser hatte gerade
schon über die Relevanz von Standardisierungsgremien gesprochen. Ich möchte die
Gelegenheit nutzen, um dem BMWK zu danken, dass man dort diesen Punkt sozusagen
vorauseilend ein bisschen angegangen ist und das Programm WIPANO verbessert hat und
es so für kleine und mittelständische Unternehmen besser zugänglich gemacht
hat.</p>
<p klasse="J">Aber was steckt eigentlich hinter diesen vielen
Strängen in der Strategie für die Internationale Digitalpolitik? Ich möchte das an
einem aktuellen Beispiel aufzeigen, der Frage von Content Credentials. Hierbei geht
es um Content-Authentizität, also um die Frage, wie ein Bild oder ein Videoinhalt,
den wir online irgendwo sehen, eigentlich so zustande kommt.</p>
<p klasse="J">Dazu gab es gerade eine große Diskussion. Wir alle
haben ein bisschen Sorge davor, was KI-basierte Tools so alles machen und ob wir
das erkennen können. Dass das Video vom tippenden Hund, wie er da so süß am
Computer sitzt, das von Sora und OpenAI jüngst veröffentlicht wurde, nicht ganz
echt ist, das können wir uns vielleicht noch denken. Es gibt uns aber einen
Vorgeschmack, wie wichtig es ist, erkennen zu können, welche Inhalte eigentlich
editiert wurden oder ob diese komplett KI-generiert wurden. Diese Content
Credentials, die im Hiroshima-KI-Prozess – dabei geht es um die Frage, wie wir uns
international bei G 7 koordinieren – noch als Watermarks, also als Wasserzeichen,
bezeichnet wurden, sind nichts anderes als ein kleiner Beipackzettel zu diesen
digitalen Inhalten.</p>
<p klasse="J">Ein Beipackzettel ist ja schön und gut, aber er muss
auch für alle lesbar sein. Deswegen braucht es eben internationale Standards. Das
passiert gerade auch schon. Aber es ist unglaublich wichtig, dass dieser
Beipackzettel sowohl von allen Plattformen als auch auf allen Kontinenten lesbar
ist und dass das nicht nur auf ein kleines Gebiet beschränkt bleibt.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Das zeigt: Dieser ganzheitliche Ansatz ist eben auch
international wichtig.</p>
<p klasse="J">Mit der Strategie für die Internationale
Digitalpolitik gibt es jetzt das klare Bekenntnis und den Auftrag, Grund- und
Menschenrechte auch online zu schützen. Das ist, wie gesagt, unglaublich wichtig;
denn nicht nur die Einheit des Internets wird durch Splinternet und Great-Firewall-
Nachahmer immer wieder bedroht, auch die Freiheit und die Demokratie stehen im Netz
unter Beschuss. Internetabschaltungen, das Eindringen in die Privatsphäre, oft in
die von Oppositionellen mit Hilfe von Überwachungstechnologien, das Doxing von
privaten Details wie zum Beispiel Daten zum Wohnort, aber auch die
Arbeitsbedingungen von Clickworkern – all das bedroht die Würde des Menschen im
digitalen Raum, aber eben mit Folgen im ganz echten Leben vieler Menschen.</p>
<p klasse="J">Dass wir dabei eine große Verantwortung haben, das
zeigen solche Debatten wie die zur Chatkontrolle. Wir können ja nicht überall auf
der Welt herumrennen und sagen: „Privatsphäre ist wichtig, bitte schützt die
private Kommunikation“, und starten selber aber nicht nur einen Angriff darauf,
sondern lassen auch noch eine Backdoor einbauen, die dann überall genutzt werden
kann.</p>
<p klasse="J">Da trifft es sich gut, dass wir uns mit dem
Koalitionsvertrag vorgenommen haben, das Recht auf Verschlüsselung zu verankern.
Die Bundesregierung und das BMJ gehen das jetzt an, natürlich immer in Multi-
Stakeholder-Foren –</p>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege, kommen Sie bitte zum Schluss.</p>
<p klasse="redner"><redner id="11005013"><name><vorname>Tobias
B.</vorname><nachname>Bacherle</nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN</fraktion></name></redner>Tobias B. Bacherle (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">– und unter starker Beteiligung der
Zivilgesellschaft. Auch das ist im Haushalt verankert.</p>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege, bitte kommen Sie zum Schluss.</p>
<p klasse="redner"><redner id="11005013"><name><vorname>Tobias
B.</vorname><nachname>Bacherle</nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN</fraktion></name></redner>Tobias B. Bacherle (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Wir haben auch da schon ein bisschen weitergedacht.
Ich freue mich auf die weitere Umsetzung.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank. – Die Kolleginnen Anke Domscheit-Berg aus
der Gruppe Die Linke und Anna Kassautzki aus der SPD-Fraktion haben ihre Reden zu
Protokoll gegeben. Sehr gut.<sup>1</sup><fussnote><p><a href="ANL12">Anlage
12</a></p></fussnote></p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU, des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der Linken)</kommentar>
<p klasse="J">Damit schließe ich die Aussprache.</p>
<p klasse="J">Interfraktionell wird Überweisung der Vorlage auf
Drucksache 20/10310 an die in der Tagesordnung aufgeführten Ausschüsse
vorgeschlagen. Gibt es weitere Überweisungsvorschläge? – Das erkenne ich nicht.
Dann verfahren wir so.</p>
</tagesordnungspunkt>
<tagesordnungspunkt top-id="Tagesordnungspunkt 21">
<p klasse="J">Ich rufe die Tagesordnungspunkte 21 a und 21 b auf:</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t42"/> a) Beratung des Antrags der
Fraktion der CDU/CSU </p>
<p klasse="T_fett"> Für transparente Verhandlungen über
das WHO-Pandemieabkommen – Gegen Fehlinformationen und Verschwörungstheorien</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_Ueberweisung"> Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Gesundheit (f) Auswärtiger Ausschuss Rechtsausschuss Ausschuss für
Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz Ausschuss für
Menschenrechte und humanitäre Hilfe Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union
Haushaltsausschuss</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t43"/> b) Beratung des Antrags der
Abgeordneten Martin Sichert, Dr. Christina Baum, Jörg Schneider, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der AfD </p>
<p klasse="T_fett"> Ablehnung des WHO-Pandemievertrags
sowie der überarbeiteten Internationalen Gesundheitsvorschriften</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_Ueberweisung"> Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Gesundheit (f) Auswärtiger Ausschuss Haushaltsausschuss</p>
<p klasse="J">Für die Aussprache ist eine Dauer von 26 Minuten
beschlossen.</p>
<p klasse="J">Es gibt keine großen Platzwechsel. Dann eröffne ich die
Aussprache und erteile als erstem Redner dem Kollegen Hermann Gröhe für die
CDU/CSU-Fraktion das Wort.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<rede id="ID2015415900">
<p klasse="redner"><a id="r174"/><redner
id="11002666"><name><vorname>Hermann</vorname><nachname>Gröhe</nachname><fraktion>C
DU/CSU</fraktion></name></redner>Hermann Gröhe (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Herr Präsident! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen!
Wenn wir uns heute Abend mit zwei Anträgen zum geplanten WHO-Pandemieabkommen
befassen, dann geht es im Kern um die Frage: Wollen wir, dass die
Völkergemeinschaft, dass die Weltgemeinschaft die richtigen Konsequenzen aus der
Coronapandemie zieht? Diese Pandemie hat weltweit millionenfach Leid über Menschen
gebracht. Die Konsequenzen der zu ihrer Bekämpfung ergriffenen Maßnahmen waren für
die Freiheit der Menschen, für ihre Chancen auf Bildung, für ihre sozialen und
wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten weltweit – bei uns, aber nicht zuletzt
in den ärmsten Ländern der Welt – massiv.</p>
<p klasse="J">Globale Gesundheitsgefahren – das macht ihr Wesen
aus – verlangen entschlossenes globales Handeln! Deshalb bekennen wir uns zur
Notwendigkeit, die WHO zu stärken, auch durch ein wirksames Pandemieabkommen und
die Stärkung der internationalen Gesundheitsvorschriften.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg. Johannes Wagner
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Dr. Andrew Ullmann [FDP])</kommentar>
<p klasse="O">Deshalb wollen wir, dass der Deutsche Bundestag
denjenigen mit einem Beschluss den Rücken stärkt, die an einem erfolgreichen
Abschluss der Verhandlungen in Genf, die wahrlich nicht leicht sind, arbeiten.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg. Johannes Wagner
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Dr. Andrew Ullmann [FDP])</kommentar>
<p klasse="J">Wir brauchen mehr internationale Verbindlichkeit!
Aber natürlich – und das betonen alle Textentwürfe – bleibt es bei der
Verantwortung der Mitgliedstaaten für die Umsetzung ihrer Gesundheitspolitiken.
Zudem wird die Bedeutung der Freiheitsrechte und Menschenrechte ausdrücklich
betont. In Deutschland gilt im Übrigen natürlich weiterhin, dass alle behördlichen
Maßnahmen gerichtlich überprüft werden können.</p>
<kommentar>(Stephan Stracke [CDU/CSU]: So ist es! – Dr. Andrew
Ullmann [FDP]: Kein Widerspruch!)</kommentar>
<p klasse="J">Gegen alle Fehlinformationen gilt: Eine
verbindlichere internationale Zusammenarbeit in der Pandemievorbeugung, in der
Vorbereitung auf pandemische Gefahren und in der Pandemiebekämpfung ermöglicht uns
frühzeitigere und zielgerichtete Maßnahmen, die auch dabei helfen können,
Freiheitsbeschränkungen zu vermeiden oder zu begrenzen.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="O">Ich sage sehr deutlich: Globaler Pandemieschutz ist
für unsere Bürgerinnen und Bürger auch Freiheitsschutz.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Deswegen ist das Geschwurbel von einer
Gesundheitsdiktatur, das den AfD-Antrag prägt, ebenso unsinnig wie
unverantwortlich!</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD,
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Der Antrag der Unionsfraktion macht deutlich, warum
wir, durch einen besseren Austausch von Daten und anderes mehr, unsere Fähigkeit,
adäquat zu reagieren, stärken müssen. Sicherlich haben wir als reiche Staaten auch
eine besondere Verantwortung dafür, ärmeren Ländern den Zugang zu Medizin und
Impfstoffen zu eröffnen. Das ist uns ein wichtiges Anliegen. Zugleich ist es aber
richtig, dass die EU den Schutz des geistigen Eigentums stärkt und verteidigt.</p>
<p klasse="J">Meine Damen, meine Herren, gerne hätten wir diesen
Antrag gemeinsam mit der Koalition eingebracht. Wir haben Ihnen frühzeitig unsere
Überlegungen mitgeteilt und wären natürlich auch für Anregungen Ihrerseits
offengeblieben. Gescheitert ist das vor allen Dingen an der SPD. Ein eigener Antrag
blieb aus.</p>
<kommentar>(Stephan Stracke [CDU/CSU]: Aha!)</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege, kommen Sie bitte zum Schluss.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11002666"><name><vorname>Hermann</vorname><nachname>Gröhe</nachname><fraktion>C
DU/CSU</fraktion></name></redner>Hermann Gröhe (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Gerade angesichts schädlicher Verschwörungstheorien
gilt: Wer schweigt oder abtaucht, schwurbelt mit. Die AfD verweigert sich globalem
Gesundheitsschutz.</p>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege, kommen Sie bitte zum Schluss.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11002666"><name><vorname>Hermann</vorname><nachname>Gröhe</nachname><fraktion>C
DU/CSU</fraktion></name></redner>Hermann Gröhe (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Die Ampel taucht ab.</p>
<kommentar>(Dr. Andrew Ullmann [FDP]: Das stimmt so
nicht!)</kommentar>
<p klasse="O">Wir bekennen uns zur Stärkung des globalen
Gesundheitsschutzes.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Zuruf der Abg. Linda Heitmann
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Herr Kollege Gröhe. – Nächste Rednerin
ist die Kollegin Tina Rudolph, SPD-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015416000">
<p klasse="redner"><a id="r175"/><redner
id="11005195"><name><vorname>Tina</vorname><nachname>Rudolph</nachname><fraktion>SP
D</fraktion></name></redner>Tina Rudolph (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Zu später Stunde, Herr Gröhe, habe ich bei Ihrer Rede – ich weiß nicht,
ob Sie das gesehen haben – partiell sogar geklatscht. Es fällt mir natürlich
leichter, diesem Antrag einiges Positives abzugewinnen, als das bei einigem, was
derzeit sonst so aus Ihrer Fraktion kommt, der Fall ist, nicht zuletzt deshalb,
weil viele Punkte, die sich in Ihrem Antrag finden, ohnehin schon im Entwurf des
internationalen Pandemieabkommens enthalten sind</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Stephan Stracke [CDU/CSU])</kommentar>
<p klasse="O">und auch schon Gegenstand des Koalitionsantrags aus
dem letzten Jahr waren, den wir bereits angenommen haben.</p>
<p klasse="J">Ich bin Ihnen für die Einbringung Ihres Antrages
sogar dankbar, weil Sie so dafür gesorgt haben,</p>
<kommentar>(Marc Biadacz [CDU/CSU]: Klatschen Sie öfter für Hermann
Gröhe!)</kommentar>
<p klasse="O">dass das Thema „globale Gesundheit“ und vor allem die
Theorien um das internationale Pandemieabkommen</p>
<kommentar>(Hermann Gröhe [CDU/CSU]: Fragen Sie mal bei der WHO,
was die sich gewünscht hätten!)</kommentar>
<p klasse="O">hier noch mal zum Thema werden. Insofern an dieser
Stelle: Danke.</p>
<p klasse="J">Jetzt muss ich, so wie Sie am Ende Ihrer Rede auch,
noch mal kurz zur Kritik kommen. Ehrlich gesagt, ich verstehe den Titel Ihres
Antrags nicht. Die Formulierung „Für transparente Verhandlungen über das WHO-
Pandemieabkommen“ impliziert, dass wir eine solche Transparenz nicht hätten. Ich
glaube, da strafen Sie Ihre eigene Aussage Lügen, dass es hier eigentlich darum
gehen sollte,</p>
<kommentar>(Stefan Müller [Erlangen] [CDU/CSU]: Es schadet nicht,
auch eigene Positionen vorzutragen!)</kommentar>
<p klasse="O">zu verdeutlichen, dass wir genau diese Transparenz
haben, dass jegliche Verhandlungsstände dieses Abkommens einsehbar sind, dass das
für eine internationale Gemeinschaft spricht und dass es eine Sternstunde von
Demokratie und Solidarität ist, was wir hier erleben.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Andrew Ullmann [FDP])</kommentar>
<p klasse="O">Mehr Zeit will ich jetzt auf diesen Punkt aber nicht
verwenden, weil ich heute so viel Redezeit auch gar nicht habe.</p>
<p klasse="J">Wir haben jetzt noch mal Anlass, darüber zu reden,
warum ein internationales Pandemieabkommen möglich und nötig ist. Ich glaube, es
wird deutlich: Es ist nicht zielführend und ist völlig unsolidarisch, hier zu
konstruieren, dass wir, ohne uns zu mehr Zusammenarbeit in der internationalen
Gemeinschaft zu bekennen, durch eine nächste Pandemie kommen könnten. Denn wir
müssen uns immer vor Augen halten, was passieren könnte, wenn ein nächster Erreger
auftritt und ein nächstes Gegenmittel, ein nächster Impfstoff nicht in Deutschland
bzw. Europa, sondern in einem anderen Land außerhalb Europas entwickelt würde. Wir
sind dann auf Zusammenarbeit und Solidarität angewiesen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">Deswegen gilt es jetzt, diese hochzuhalten. Deswegen
gilt es jetzt, miteinander Regelungen zu treffen, damit wir als Weltgemeinschaft
gut genug für einen solchen Fall gerüstet sind.</p>
<p klasse="J">Ich werde jetzt nicht allzu viel Redezeit
investieren, um hier darauf einzugehen, warum die Vorwürfe, das Ganze sei
undemokratisch und nationalstaatliche Rechte würden beschnitten, die wir hier immer
von ganz rechts außen zu hören bekommen, nicht gerechtfertigt sind. Diejenigen, die
das interessiert, verweise ich auf eine Anhörung und auf einen breitangelegten
Prozess, den wir dazu im Petitionsausschuss hatten; da ist das alles thematisiert
worden. In die Unterlagen kann man auch immer wieder reingucken.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um
herauszustellen, warum es so wichtig ist, dass wir zu mehr Verbindlichkeit und zu
mehr Absprachen auch im internationalen Raum kommen, um auf eine nächste Pandemie
vorbereitet zu sein. Wir hatten zum Beispiel folgenden Fall: Die Omikron-Variante
des Coronavirus wurde in Südafrika entdeckt, an der Universität Stellenbosch, einer
unglaublich guten und modernen Universität. Und was passierte daraufhin? Die
Grenzen wurden dichtgemacht; Südafrika wurde abgeriegelt. Das ist keine gute
Anreizwirkung. So etwas zeigt nicht, dass es etwas bringt, Forschungserkenntnisse
mit der internationalen Gemeinschaft zu teilen und so dafür zu sorgen, dass wir
alle besser vorbereitet sind und entsprechende Maßnahmen ergreifen können. Darin
müssen wir besser werden. Deswegen gilt es, sowohl die internationale
Zusammenarbeit als auch die WHO an sich zu stärken.</p>
<p klasse="J">Ich möchte auf einen Punkt in Ihrem Antrag noch
gesondert eingehen. Wenn man dort hineinschreibt, dass man die WHO stärken möchte,
dann verstehe ich nicht, warum man gleichzeitig jede Möglichkeit nutzt, um gegen
diese zu schießen und zu konstruieren, dass die WHO eben nicht die Institution ist,
der wir sehr viel zu verdanken haben, wenn es um die Zusammenarbeit bei
internationalen Gesundheitsherausforderungen geht. Wenn es die WHO nicht gäbe,
meine Damen und Herren, dann müssten wir sie erfinden; denn es braucht genau eine
solche Institution, die dafür sorgt, dass wir in einem solchen Fall besser
vorbereitet sind.</p>
<p klasse="J">Bitte lassen Sie uns beim nächsten Mal besser
vorbereitet sein! Die Wege haben wir schon beschrieben. Wir haben auch schon
entsprechende Anträge verabschiedet.</p>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Frau Kollegin, kommen Sie bitte zum Schluss.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11005195"><name><vorname>Tina</vorname><nachname>Rudolph</nachname><fraktion>SP
D</fraktion></name></redner>Tina Rudolph (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Damit komme ich zum Schluss: Setzen wir auch heute
ein Zeichen für die internationale Solidarität!</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Andrew Ullmann [FDP])</kommentar>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Frau Kollegin Rudolph. – Nächste
Rednerin ist die Kollegin Dr. Christina Baum, AfD-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015416100">
<p klasse="redner"><a id="r176"/><redner
id="11005018"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Christina</vorname><nachname>Baum</
nachname><fraktion>AfD</fraktion></name></redner>Dr. Christina Baum (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die CDU
will also „aktiv gegen die negativen Auswirkungen von gesundheitsbezogenen
Fehlinformationen und Hassreden“ vorgehen. Haben Sie ganz vergessen, dass die
schlimmsten Falschmeldungen bei Corona von der Regierung und von der CDU selbst
ausgegangen sind?</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Ruppert Stüwe [SPD]: Nein! Die
sind von Ihnen ausgegangen!)</kommentar>
<p klasse="O">Zum Beispiel das Märchen der überlasteten
Intensivstationen oder der überdurchschnittlichen Corona-Todesrate. Die größte Lüge
war jedoch, dass die Genimpfung wirksam und sicher sei.</p>
<kommentar>(Zuruf der Abg. Kordula Schulz-Asche [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="J">Hass und Hetze gab es gerade von den Politikern der
Altparteien zuhauf. Der grüne Herr Kretschmann bezeichnete Ungeimpfte als „Aasgeier
der Pandemie“. Herr Lauterbach spaltete die Pfleger in gute Geimpfte und schlechte
Ungeimpfte. Und Herr Spahn versetzte die ganze Republik in Angst und Panik mit der
Aussage, am Ende des Winters werde so ziemlich jeder in Deutschland „geimpft,
genesen oder gestorben“ sein.</p>
<p klasse="J">Wenn von Ihnen jemand wirklich an der Wahrheit
interessiert gewesen wäre, hätte er sich die Beiträge der renommierten
Wissenschaftler bei unserem Coronasymposium im Deutschen Bundestag angehört. Aber
niemand von Ihnen war dabei.</p>
<kommentar>(Dr. Andrew Ullmann [FDP]: Warum wohl?)</kommentar>
<p klasse="O">Stattdessen wollen Sie dem kritischen Volk nun einen
Maulkorb verpassen. Wie erbärmlich!</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Zuruf der Abg. Martina Stamm-
Fibich [SPD])</kommentar>
<p klasse="J">Sie fordern verbindliche internationale
Mindeststandards bei der Datenauswertung. Dabei haben Sie die Forderung noch nicht
einmal in Deutschland umsetzen können. Die Krankenkassendaten zu den Impfschäden
wurden bis heute nicht an RKI und PEI übermittelt und ausgewertet.</p>
<p klasse="J">Die privat finanzierte WHO unterlag bei der
sogenannten Coronapandemie unzähligen Fehleinschätzungen.</p>
<kommentar>(Hermann Gröhe [CDU/CSU]: Die „sogenannte“
Pandemie!)</kommentar>
<p klasse="O">Alle von ihr vorgeschlagenen Maßnahmen zur Eindämmung
haben mehr Schaden verursacht als Nutzen gebracht.</p>
<kommentar>(Zuruf der Abg. Leni Breymaier [SPD])</kommentar>
<p klasse="O">Eine solche Organisation soll zukünftig weltweit neue
Pandemien managen?</p>
<kommentar>(Zuruf der Abg. Linda Heitmann [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="O">Das kann nicht Ihr Ernst sein!</p>
<p klasse="J">Die Gesundheitssysteme der Mitgliedstaaten sind
unterschiedlich leistungsfähig. Deshalb sind individuelle, dezentrale Lösungen
immer einer Zentralisierung vorzuziehen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="O">Schweden hat das eindrücklich bewiesen.</p>
<p klasse="J">Eine gesunde Bevölkerung ist ein Indikator für eine
erfolgreiche Gesellschaft. Dieser Erfolg wird aber ganz sicher nicht erreicht durch
die Abgabe unserer Individualität und Souveränität an eine global agierende und
nicht demokratisch legitimierte Institution.</p>
<kommentar>(Dr. Andrew Ullmann [FDP]: Passiert doch gar
nicht!)</kommentar>
<p klasse="O">Wir wollen keine weiteren Machtbefugnisse der WHO,
kein globales Gesundheitszertifikat und keinen weiteren Einfluss privater
Stiftungen.</p>
<kommentar>(Zuruf der Abg. Kordula Schulz-Asche [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="O">Dieser Pandemievertrag muss abgelehnt werden.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsident Wolfgang Kubicki:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Frau Kollegin. – Der Kollege Johannes
Wagner, Bündnis 90/Die Grünen, die Kollegin Kathrin Vogler aus der Gruppe Die Linke
und der Kollege Dr. Andrew Ullmann, FDP-Fraktion, haben ihre Reden jeweils zu
Protokoll gegeben.<sup>1</sup><fussnote><p><a href="ANL13">Anlage
13</a></p></fussnote></p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Deshalb rufe ich als nächsten Redner den Kollegen
Dr. Georg Kippels, CDU/CSU-Fraktion, auf.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<rede id="ID2015416200">
<p klasse="redner"><a id="r177"/><redner
id="11004327"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Georg</vorname><nachname>Kippels</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Dr. Georg Kippels
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten
Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ein einzelner Redebeitrag in
dieser Debatte am heutigen Abend zeigt noch einmal, wie wichtig es ist, aus der
Mitte dieses Hauses ein deutliches Signal in Richtung der WHO und der
Weltgemeinschaft zu senden, dass angesichts dessen, was nach dem 27. Januar 2020
und der Entdeckung des ersten Coronafalls bei der Firma Webasto in München passiert
ist, unsere Solidarität und unser Bekenntnis zur WHO dringend erforderlich ist.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Wir alle können uns noch sehr gut an die Abläufe im
Gesundheitsausschuss und in vielen anderen Gremien nach diesem Tag erinnern, als
zunächst noch in Anwesenheit und Präsenz getagt wurde, im weiteren Verlauf aber
nahezu täglich mit digitaler Unterstützung der richtige Weg für die Bekämpfung der
Pandemie gesucht wurde. Es war eine Herausforderung für die Wissenschaft, die
Politik, die Staatengemeinschaft und natürlich viele Menschen, die mit dieser
Situation erstmalig in ihrem Leben konfrontiert wurden. Es musste auf die
traditionellen Methoden von Hygiene und Isolation zurückgegriffen werden, weil
wissenschaftliche Erkenntnisse nicht vorhanden waren bzw. es nicht gelungen ist,
die notwendigen Pathogene bzw. die Genomsequenzierungen aus dem vermeintlichen
Ursprungsland China zu erhalten.</p>
<p klasse="J">Insofern war es das absolut richtige Signal und
Zeichen, schon vor Beendigung der Pandemie den Beschluss zu fassen: Es bedarf einer
konzertierten Zusammenfassung der Erkenntnisse, der Erarbeitung eines
Übereinkommens und der Niederlegung der Formate der zukünftigen Zusammenarbeit.
Kollegin Rudolph hat es schon angerissen: Es gab teilweise überraschende und
äußerst unerfreuliche Ereignisse, wie eben die Flugsperre nach Südafrika. Es war
sicherlich kein Signal der Solidarität und Loyalität, nachdem von Südafrika ein
wesentlicher wissenschaftlicher Beitrag für die Weltgemeinschaft geleistet worden
ist.</p>
<p klasse="J">Wir brauchen dieses Bekenntnis zur WHO, wir brauchen
eine klare Absage an das, was gerade von der AfD hier vorgetragen worden ist, und
wir brauchen vor allen Dingen auch seitens der Bundesregierung und seitens der
Bundesrepublik Deutschland eine Vorbildfunktion und ein klares Zeichen, dass die
WHO das richtige Institut ist und dass es vor allen Dingen ein ganz klares Mandat
hat, dieses Abkommen mit 194 Akteuren zu verhandeln und zu Papier zu bringen.</p>
<p klasse="J">Und wir müssen die Zeit bis zum Mai zielgerichtet
nutzen; denn wir wissen nicht, wann die nächste Pandemie kommen könnte und wie
gefährlich sie ausfallen wird. Wir müssen deshalb auf die Situation direkt nach der
Coronapandemie aufsetzen und die Entschlussfähigkeit aller noch einmal ausdrücklich
betonen.</p>
<p klasse="J">Lassen Sie uns heute Abend ein Signal in Richtung der
Weltgemeinschaft und in Richtung der WHO senden.</p>
<p klasse="J">Vielen herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank. – Andrej Hunko hat das Wort für das
BSW.</p>
</rede>
<rede id="ID2015416300">
<p klasse="redner"><a id="r178"/><redner
id="11004060"><name><vorname>Andrej</vorname><nachname>Hunko</nachname><fraktion>BS
W</fraktion></name></redner>Andrej Hunko (BSW):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die WHO
hat seit ihrer Gründung 1948 wichtige zivilisatorische Fortschritte erzielen
können. An erster Stelle wäre hier die Ausrottung der Pocken 1980 zu nennen, die
die Menschheit jahrhundertelang geplagt hatten – ein zivilisatorischer Meilenstein.
In den 1990er-Jahren begann jedoch das Einfrieren der regulären staatlichen
Beiträge und die Öffnung für private Investoren mit der Folge, dass heute nur noch
rund 20 Prozent des Budgets der WHO aus regulären Beiträgen kommt. Der Rest sind
Mittel privater Stifter oder zweckgebundene Mittel.</p>
<kommentar>(Tina Rudolph [SPD]: Sie haben die letzten zwei Jahre
verschlafen!)</kommentar>
<p klasse="O">Massive Interessenkonflikte sind die Folge, wie der
Europarat schon 2010 anlässlich der Schweinegrippe zeigte.</p>
<p klasse="J">Die Rolle der WHO in der Coronapandemie mit den
weitreichenden und nicht evidenzbasierten Grundrechtseinschränkungen ist bislang
überhaupt nicht aufgearbeitet. Das wäre aber meines Erachtens Voraussetzung für die
Verabschiedung der jetzt geplanten Pandemieverträge und der Änderung der
internationalen Gesundheitsvorschriften.</p>
<p klasse="J">Die Verhandlungen zu diesen beiden Vertragswerken
sind in der Tat von ausgeprägter Intransparenz geprägt. Es gibt bei diesem Prozess
keine parlamentarische Begleitung – jedenfalls keine hinreichende – und ebenso
wenig eine ernsthafte öffentliche Auseinandersetzung. Unter diesen Voraussetzungen
sind die Zentralisierung innerhalb der WHO und mögliche Kompetenzübertragungen, wie
sie in den gegenwärtigen Entwürfen diskutiert werden, insbesondere bei den
Änderungen der internationalen Gesundheitsvorschriften, sehr kritisch zu sehen.
Auch dass die EU-Kommission für die 27 Mitgliedstaaten verhandelt, ist kritisch zu
sehen, nachdem Kommissionspräsidentin von der Leyen per SMS milliardenschwere
Impfstoffdeals festgemacht hat und bis heute Transparenz darüber verweigert.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Angesichts der bevorstehenden
77. Weltgesundheitsversammlung in Genf Ende Mai, auf der über die genannten
Verträge entschieden werden könnte, brauchen wir dringend eine offene Diskussion
unter Einbeziehung der kritischen Stimmen.</p>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege, die Redezeit ist um.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004060"><name><vorname>Andrej</vorname><nachname>Hunko</nachname><fraktion>BS
W</fraktion></name></redner>Andrej Hunko (BSW):</p>
<p klasse="J_1">Ich bin sofort fertig. – Grundrechtsschutz und der
Schutz der demokratischen Souveränität muss ebenso gewährleistet werden –</p>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Die Redezeit ist um.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004060"><name><vorname>Andrej</vorname><nachname>Hunko</nachname><fraktion>BS
W</fraktion></name></redner>Andrej Hunko (BSW):</p>
<p klasse="J_1">– wie internationale Kooperation im Kampf gegen
Krankheiten und Gesundheitsgefahren.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Für die SPD-Fraktion hat Dr. Herbert Wollmann jetzt
das Wort.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der
FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015416400">
<p klasse="redner"><a id="r179"/><redner
id="11005262"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Herbert</vorname><nachname>Wollmann<
/nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Dr. Herbert Wollmann (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen
und Herren! 2022 veröffentlichten Forscherinnen und Forscher einen Artikel in der
renommierten Zeitschrift „Nature“. Sie fanden heraus, dass es bereits heute mehr
als 10 000 Virusarten gibt, die den Menschen potenziell infizieren können. Noch
halten sich diese Viren vor allem in wildlebenden Säugetieren auf. Mit der globalen
Erwärmung und dem Verlust der Artenvielfalt werden diese Viren jedoch zunehmend
zwischen bisher geografisch isolierten Wildtierarten ausgetauscht. Damit steigt
auch das Risiko einer Übertragung auf den Menschen und das Risiko von
Pandemien.</p>
<p klasse="J">Pandemien sind – das wissen wir alle – globale
Gesundheitsrisiken. Wir wissen nicht, wie die nächste Pandemie aussehen wird, wo
sie ausbrechen wird, wer betroffen sein wird und wie lange es dauert,
Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Deshalb brauchen wir einen globalen Ansatz, um im
Gegensatz zum Ausbruch von Covid-19 besser vorbereitet zu sein und im Ernstfall
weltweit schneller reagieren zu können.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD)</kommentar>
<p klasse="O">Die WHO ist eine globale Institution, die das mit dem
Pandemieabkommen und den angepassten internationalen Gesundheitsvorschriften einzig
und allein leisten kann. Das sehen die Ampelparteien, die Regierung und, wie der
Antrag zeigt, auch die Union im Grunde so.</p>
<p klasse="J">Leider enthält der vorliegende Antrag der Union
darüber hinaus wenig Neues. Für mich ist er in einem wichtigen Punkt sogar ein
gewisser Rückschritt. Sie sprechen sich in Ihrem Antrag zur Verbesserung der
Pandemiebekämpfung gegen eine Abschwächung des Patentschutzes für Impfstoffe und
Medikamente aus. Für mich ist das unsolidarisch und steht während einer Pandemie im
Widerspruch zum Schutz von allen Menschenleben weltweit. Daher sollte die
schnellstmögliche Verteilung und Produktion von Medikamenten, Impfstoffen und
anderen Hilfsgütern im Vordergrund stehen. Wir als SPD unterstützen deshalb auch
das Ziel der Afrikanischen Union, bis 2040 60 Prozent der auf dem afrikanischen
Kontinent verwendeten Impfstoffe selber zu produzieren.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Der Antrag der AfD zeigt, warum die Union in ihrem
Antrag zu Recht fordert, gegen die Auswirkungen von Desinformation und Hassrede
vorzugehen; denn die AfD greift wieder bestehende Desinformationen auf. Es gibt
keinen drohenden Demokratieverlust durch die WHO oder das Pandemieabkommen. Der
Bundestag stimmt in letzter Konsequenz über das Pandemieabkommen ab.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Sonst ist es für Deutschland nicht bindend. Daher ist
es notwendig, dass wir alle als demokratische Abgeordnete gegen Desinformationen
der AfD vorgehen,</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">gemeinsam und sachlich, aber ohne Populismus. Dafür
braucht es keinen gesonderten Antrag.</p>
<p klasse="J">Danke.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Das Wort hat Robert Farle.</p>
</rede>
<rede id="ID2015416500">
<p klasse="redner"><a id="r180"/><redner
id="11005053"><name><vorname>Robert</vorname><nachname>Farle</nachname><fraktion>fr
aktionslos</fraktion></name></redner>Robert Farle (fraktionslos):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen
und Herren! Im Mai soll die WHO mit dem Pandemievertrag zur globalen
Gesundheitsbehörde ausgebaut werden. Nicht mehr Parlamente sollen über die
Verhängung eines gesundheitlichen Ausnahmezustands entscheiden, sondern ein nicht
kontrollierbares, nicht gewähltes Gremium in einer supranationalen Organisation.
Wenn die WHO dann den Notstand ausruft, sind die Parlamente nur noch
Nebendarsteller. Ein solches Vorgehen zur Entmachtung der Parlamente lehne ich
grundsätzlich ab.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Mit diesem Antrag haben sich CDU und CSU endgültig
als Lobbyorganisation von Big Pharma wie Pfizer, Moderna und anderen geoutet und
als Opposition selbst diskreditiert.</p>
<kommentar>(Dr. Andrew Ullmann [FDP]: Ui, ui, ui!)</kommentar>
<p klasse="O">Da dieser Antrag keine Besonderheiten gegenüber der
Position der Ampel beinhaltet, lehne ich ihn grundsätzlich ab und sage Ihnen klar
und empfehle Ihnen: Lehnen Sie diesen Antrag ab!</p>
<p klasse="J">Danke.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der AfD)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Für die FDP-Fraktion spricht Lars Lindemann.</p>
<kommentar>(Anhaltender Beifall bei der FDP, der SPD, der CDU/CSU
und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">– Der Beifall war jetzt fast schon so lang wie die
Redezeit, aber das wird nicht angerechnet.</p>
</rede>
<rede id="ID2015416600">
<p klasse="redner"><a id="r181"/><redner
id="11004095"><name><vorname>Lars</vorname><nachname>Lindemann</nachname><fraktion>
FDP</fraktion></name></redner>Lars Lindemann (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und
Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Auf dem Weg zu dieser Plenardebatte habe
ich darüber nachgedacht, wie großartig es eigentlich ist, dass man hier in diesem
Hohen Haus, hier von diesem Pult etwas dazu beitragen kann, dass Deutschland
gelingt.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Stephan Brandner [AfD]: Mit 1 Prozent
wird das nichts, Herr Lindemann!)</kommentar>
<p klasse="O">– Dass Ihnen es schwerfällt, an dieser Stelle
zuzuhören, dürfen Sie gern für sich behalten. – Ich sage hier: Ich werde das sehr
vermissen.</p>
<p klasse="J">Ich habe es als meine Aufgabe empfunden, das Richtige
für unser Land zu tun, und habe versucht, mich dabei ständig daran zu erinnern,
dass man, wenn man glaubt, dass man das Richtige tut, nicht immer recht hat und
dass es deswegen gut ist, dass man andere Perspektiven auf sich wirken lässt und
die dann in seine Entscheidungen mit einbezieht. Das macht Entscheidungen am Ende
besser.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP, der SPD, der CDU/CSU und dem
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Jörn König [AfD])</kommentar>
<p klasse="J">Darum bedanke ich mich in erster Linie bei meiner
Fraktion und bei allen Kollegen der demokratischen Fraktionen in diesem Haus,</p>
<kommentar>(Stephan Brandner [AfD]: Keine Ursache!)</kommentar>
<p klasse="O">dass wir einen parlamentarischen Umgang miteinander
haben pflegen können, der mir sehr, sehr große Freude gemacht hat. Ich war sehr,
sehr gerne Teil dieses Hauses. Es war mir eine Ehre.</p>
<p klasse="J">Herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Anhaltender Beifall bei der FDP, der SPD, der CDU/CSU
und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Die Fraktion der FDP sowie Abgeordnete der SPD, der
CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN erheben sich)</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Herr Lindemann, das war zumindest für diese
Legislaturperiode Ihre letzte Rede hier in diesem Haus. Wir bedanken uns sehr
herzlich für Ihre Arbeit hier und für Ihren Dienst an der Demokratie und wünschen
Ihnen alles Gute!</p>
<kommentar>(Beifall)</kommentar>
<p klasse="J">Ich schließe die Aussprache.</p>
<p klasse="J">Interfraktionell wird Überweisung der Vorlagen auf den
Drucksachen 20/9737 und 20/10391 an die in der Tagesordnung aufgeführten Ausschüsse
vorgeschlagen. – Weitere Vorschläge sehe ich nicht. Dann verfahren wir so.</p>
</tagesordnungspunkt>
<tagesordnungspunkt top-id="Tagesordnungspunkt 26">
<p klasse="J">Ich rufe den Tagesordnungspunkt 26 auf:</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t44"/> Beratung der
Beschlussempfehlung und des Berichts des Ausschusses für Wahlprüfung, Immunität und
Geschäftsordnung (1. Ausschuss) </p>
<p klasse="T_fett"> Änderung der Geschäftsordnung des
Deutschen Bundestages</p>
<p klasse="T_fett"> hier: Anlage 2a Verhaltenskodex für
Interessenvertreterinnen und Interessenvertreter im Rahmen des
Lobbyregistergesetzes</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="J">Für die Aussprache sind 26 Minuten vorgesehen.</p>
<p klasse="J">Der Kollege Dr. Johannes Fechner hat das Wort für die
SPD-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<rede id="ID2015416700">
<p klasse="redner"><a id="r182"/><redner
id="11004270"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Johannes</vorname><nachname>Fechner<
/nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Dr. Johannes Fechner (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Ich kann es kurz machen: Wir haben in unserer
Geschäftsordnung eine Anlage, und zwar den Verhaltenskodex für
Interessenvertreterinnen und Interessenvertreter. Diese Änderung haben wir gemacht,
weil wir die Umsetzung des Lobbyregisters, also wie wir hier im Bundestag mit
Lobbyisten umgehen wollen, glasklar regeln wollen. Wir haben ein sehr gutes
Lobbyregister. Dieses haben wir noch einmal erheblich verschärft. Das, was wir
heute hier beschließen wollen, ist also die Folge. Wir setzen quasi um, was wir im
Lobbyregister geregelt haben. Das schreiben wir jetzt auch in den Verhaltenskodex
hinein. – Damit ist dazu auch schon alles gesagt.</p>
<p klasse="J">Ich will die Gelegenheit, dass wir hier über die
Geschäftsordnung sprechen, noch nutzen und sagen: Ich freue mich sehr, dass die
demokratischen Fraktionen jetzt Gespräche darüber gestartet haben, wie wir unsere
Geschäftsordnung gegen verfassungsfeindliche Spielchen absichern, wie wir sie noch
effektiver gestalten, wie wir sie ganz transparent machen. Ich glaube, es ist ganz
wichtig, dass wir auch hier im Bundestag dafür sorgen, dass rechtsradikale Parteien
unsere Institutionen nicht für ihre rechte Hetze missbrauchen können.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Auch das ist ein wichtiges Ziel, und ich freue mich
auf die Beratungen.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank. – Für die Unionsfraktion hat Patrick
Schnieder seine Rede zu Protokoll gegeben.<sup>1</sup><fussnote><p><a
href="ANL14">Anlage 14</a></p></fussnote></p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der FDP und der Abg. Stefan
Müller [Erlangen] [CDU/CSU] und Johannes Wagner [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="J">Ich gebe das Wort an Stephan Brandner für die
AfD.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015416800">
<p klasse="redner"><a id="r183"/><redner
id="11004678"><name><vorname>Stephan</vorname><nachname>Brandner</
nachname><fraktion>AfD</fraktion></name></redner>Stephan Brandner (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Herr
Fechner, das war ja weit am Thema vorbei, was Sie hier geredet haben. Aber die
sieben Minuten haben Sie uns geschenkt – prima Sache! Die Menschen draußen müssen
allerdings wissen: Es ist ja völlig egal, was Sie in Ihre Geschäftsordnung
reinschreiben, Sie halten sich hinterher sowieso nicht dran, wenn es zulasten der
AfD geht. Von daher: ziemliche Heuchelei, muss ich Ihnen sagen.</p>
<kommentar>(Dr. Johannes Fechner [SPD]: Wieso verlieren Sie dann
dauernd? Warum verlieren Sie dauernd vorm Verfassungsgericht?)</kommentar>
<p klasse="J">In der Sache selber – das Thema haben Sie ja leider
verfehlt; setzen, sechs, Herr Fechner – geht es um Altparteien,
Günstlingswirtschaft, Vetternwirtschaft, familiäre Bande. Wir haben das ja schon
kennengelernt in dieser Legislaturperiode mit dem Graichen-Clan im grünen
Ministerium. Plötzlich ein neuer Skandal im FDP-Verkehrsministerium: Da hat wohl
ein Abteilungsleiter für Wasserstoff seine Verwandten und Bekannten mit
Millionenbeträgen versorgt;</p>
<kommentar>(Tina Rudolph [SPD]: Grüße nach
Aserbaidschan!)</kommentar>
<p klasse="O">deshalb schnell der Stopp des Wasserstoffprojektes im
Verkehrsministerium.</p>
<p klasse="J">Das sind aber alles keine Ausnahmen, meine Damen und
Herren. Wir haben die Porsche-Mails, von denen Herr Wissing wahrscheinlich auch
nichts gehört hat. Wir haben Herrn Lindner und die BBBank, was alles sehr dubios
ist. Wir haben die Kahrs-Connections, über die der Kollege Kahrs seine Sozikumpels
in Hamburg versorgt hat. Wir wissen nicht genau, was mit dem Benko-Clan und der
Bundesregierung ist. Wir haben Löbel, Tandler, Sauter, Nüßlein, Hauptmann von CDU
und CSU,</p>
<kommentar>(Ruppert Stüwe [SPD]: Sie sind doch die Fraktion mit den
meisten Straftätern!)</kommentar>
<p klasse="O">alle bis zur Halskrause im Korruptions- und
Spendensumpf.</p>
<kommentar>(Dr. Johannes Fechner [SPD]: So, jetzt mal zum
Verhaltenskodex! Mal zum Thema!)</kommentar>
<p klasse="O">Und Sie stellen sich allen Ernstes hierhin und tun
so, als wenn Sie irgendetwas zum Besseren verändern wollen!</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren draußen, Sie müssen wissen:
Egal ob Maskendeals, Habeck-Clan, Benko, Gabriel, Lindner, Tandler, Löbel oder wie
sie alle heißen, egal also, ob SPD, FDP, Grüne, CDU oder CSU:</p>
<kommentar>(Tina Rudolph [SPD]: Eigene Korruptionsskandale schön
ausklammern!)</kommentar>
<p klasse="O">Sie haben sich alle – und das sage ich immer wieder
von hier vorne – den Staat zur Beute gemacht, hemmungslos. Sie kennen keine
Grenzen, um sich Ihre Taschen zulasten der Steuerzahler draußen zu füllen. Ihre
Diäten sollten genug sein.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Zuruf des Abg. Dr. Christos
Pantazis [SPD])</kommentar>
<p klasse="O">Sie sind auf Lobbyismus doch gar nicht angewiesen.
Trotzdem kümmern Sie sich einen Scheiß darum, was den Menschen draußen im Kopf
herumgeht, meine Damen und Herren.</p>
<kommentar>(Frauke Heiligenstadt [SPD]: Das ist
unparlamentarisch! – Weitere Zurufe von der SPD)</kommentar>
<p klasse="J">Apropos Lobbykontakte: Ist Frau Agnes Strack-
Rheinmetall auch hier?</p>
<kommentar>(Ingo Bodtke [FDP]: Eine Frechheit ist das!)</kommentar>
<p klasse="O">Weiß ich gar nicht. Die lobbyiert wahrscheinlich
gerade wieder.</p>
<p klasse="J">Sie wollen und können den Lobbyismus gar nicht
eindämmen, weil Sie alle davon profitieren. Deshalb ist das Lobbyregistergesetz
nichts als ein toter Vogel.</p>
<kommentar>(Dr. Johannes Fechner [SPD]: „Toter Vogel“! Da haben Sie
aber lange drüber nachgedacht!)</kommentar>
<p klasse="O">Es enthält keinen legislativen, keinen exekutiven
Fußabdruck, wie wir es wollen, sodass nachgeprüft werden kann: Wo hat wer wie
Einfluss auf Gesetzgebung ausgeübt? Das wollen Sie alles nicht. Interessenvertreter
können die Angaben über ihre Finanzierung verweigern. Lobbyisten müssen nicht
angeben, zu welchen Projekten und Gesetzesvorhaben sie arbeiten. Es gibt so viele
Ausnahmen, dass die Ausnahmen schon die Regel sind, meine Damen und Herren.</p>
<p klasse="J">Heute geht es nur um minimale Änderungen. Damit
wollen Sie verbrämen, dass Sie den ursprünglichen Gesetzgebungsprozess einfach
verpennt haben.</p>
<kommentar>(Anke Hennig [SPD]: Wie kann man so viel Unsinn
quatschen!)</kommentar>
<p klasse="O">Sie haben Hals über Kopf, wenige Stunden vor der
Schlussabstimmung, in diesem Parlament Änderungsanträge eingebracht, die Sie selber
nicht kapiert haben. Deshalb müssen Sie heute hierhin, um redaktionelle Änderungen
im Plenum zu besprechen.</p>
<kommentar>(Dr. Johannes Fechner [SPD]: Das ist doch Schwachsinn!
Dummes Zeug! Wir machen nichts am Lobbyregister! Es wird nichts am Lobbyregister
geändert!)</kommentar>
<p klasse="J">Wir hätten uns das alles sparen können. Hätten Sie
vernünftige Gesetzgebungsarbeit gemacht, so wie wir es machen werden, wenn wir
demnächst in der Regierung sind, hätten wir uns diesen Debattenpunkt völlig sparen
können.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Dr. Johannes Fechner [SPD]: Sie
haben ja nichts gelesen, Herr Brandner! Sie begreifen nicht die einfachsten
Punkte! – Tina Rudolph [SPD]: Wir können uns die ganze Demokratie sparen, wenn Sie
in der Regierung sind!)</kommentar>
<p klasse="O">Sie haben sich mal wieder selber entlarvt. Gut, dass
man das noch mal aussprechen konnte von hier vorne; ich weiß ja nicht, wie lange
das noch geht.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Dr. Johannes Fechner [SPD]: Ja,
tschüs!)</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Der Kollege Bruno Hönel für Bündnis 90/Die Grünen hat
seine Rede zu Protokoll gegeben, ebenso Philipp Hartewig für die FDP-Fraktion.
Vielen Dank dafür!<sup>1</sup><fussnote><p><a href="ANL14">Anlage
14</a></p></fussnote></p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der
FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Wir kommen jetzt zur Abstimmung über die
Beschlussempfehlung des Ausschusses für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung
auf Drucksache 20/10290 zur Änderung der Geschäftsordnung des Deutschen
Bundestages, hier: Anlage 2a Verhaltenskodex für Interessenvertreterinnen und
Interessenvertreter im Rahmen des Lobbyregistergesetzes. Wer stimmt für die
Beschlussempfehlung? – Das sind die Koalitionsfraktionen. Wer stimmt dagegen? – Die
CDU/CSU. Wer enthält sich? – Die AfD-Fraktion.</p>
<kommentar>(Lachen des Abg. Dr. Johannes Fechner [SPD])</kommentar>
<p klasse="O">Damit ist die Beschlussempfehlung angenommen.</p>
</tagesordnungspunkt>
<tagesordnungspunkt top-id="Tagesordnungspunkt 23">
<p klasse="J">Ich rufe auf Tagesordnungspunkt 23:</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t45"/> Beratung des Antrags der
Fraktion der CDU/CSU </p>
<p klasse="T_fett"> Fußball-EM 2024 – Volle Unterstützung für
ein neues Sommermärchen</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_Ueberweisung"> Überweisungsvorschlag:
Sportausschuss (f) Verkehrsausschuss Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, nukleare
Sicherheit und Verbraucherschutz Ausschuss für Kultur und Medien Ausschuss für
Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen</p>
<p klasse="J">Für die Aussprache sind 26 Minuten vorgesehen.</p>
<p klasse="J">Stephan Mayer gibt seine Rede zu Protokoll?</p>
<kommentar>(Stefan Müller [Erlangen] [CDU/CSU]: Ja, zu
Protokoll!)</kommentar>
<p klasse="J">Stephan Mayer und Christian Schreider geben ihre Reden zu
Protokoll.<sup>2</sup><fussnote><p><a href="ANL15">Anlage 15</a></p></fussnote></p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der FDP und der Abg.
Linda Heitmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] – Stephan Brandner [AfD]: Haben wir doch
erwartet!)</kommentar>
<p klasse="J">Für die AfD gebe ich Jörn König das Wort.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Stephan Brandner [AfD]: Bravo! –
Michael Sacher [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Nichts zu sagen, aber reden!)</kommentar>
<rede id="ID2015416900">
<p klasse="redner"><a id="r184"/><redner
id="11004788"><name><vorname>Jörn</vorname><nachname>König</nachname><fraktion>AfD<
/fraktion></name></redner>Jörn König (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte
Kollegen! Und vor allem: Liebe Sportler! Also, liebe Union, wenn man schon einen
Antrag schreibt, dann sollte man auch dazu reden oder pünktlich zur Rede
erscheinen. Wir sind der Union trotzdem dankbar, dass sie den Sport, in dem Fall
den Fußball, mal wieder ins Plenum gebracht hat. Es geht um einen Antrag zur EM im
Sommer 2024, die genau wie die WM 2006 zu einem Sommermärchen werden soll.</p>
<p klasse="J">In normalen, guten Zeiten würde man jetzt behaupten,
der Antrag sei ein Schaufenster- oder Wohlfühlantrag. Die Forderungen sind nämlich
lauter Selbstverständlichkeiten. So solle zum Beispiel für die Sicherheit von
Spielern und Fans gesorgt werden.</p>
<kommentar>(Stephan Brandner [AfD]: Aha!)</kommentar>
<p klasse="O">Wir leben aber nicht in guten Zeiten, wir leben in
Ampelkatastrophenzeiten:</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="O">Der Haushalt ist verfassungswidrig mit Ansage, der
Kaufkraftverlust liegt bei 15 Prozent in zwei Jahren, die Bauern und Handwerker
sind auf der Straße,</p>
<kommentar>(Leni Breymaier [SPD]: Thema!)</kommentar>
<p klasse="O">Arzttermine gibt es erst nach Monaten, die Bahn ist
unpünktlich wie nie, und die Energie ist auch teuer wie nie.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="O">Deshalb ist der Antrag richtig und wichtig, liebe
Union; denn unter dieser Regierung funktionieren nicht einmal
Selbstverständlichkeiten.</p>
<p klasse="J">Der Schwerpunkt der Regierung und besonders der
zuständigen Ministerin liegt auch ganz woanders. Erstens hat sie den Sportetat um
20 Prozent in zwei Jahren gekürzt. Zweitens will Ministerin Faeser den Sport und
sportliche Großereignisse in bewährter SED-Manier für ihre „politische
Bildungsarbeit“ nutzen. Das steht so im 15. Sportbericht der Bundesregierung in
immerhin zwei von elf Kapiteln.</p>
<kommentar>(Leni Breymaier [SPD]: Uijuijui! Große
Sache!)</kommentar>
<p klasse="O">Da ist von „Lernort Stadion“ die Rede und von einem
Netzwerk „Sport und Politik“, welches sogar mit Mitteln des BMI gefördert wird.</p>
<p klasse="J">Die Frankfurter SPD-Außenstelle, nämlich der Deutsche
Fußball-Bund, wird wieder willfährig mitmachen.</p>
<kommentar>(Lachen bei Abgeordneten der SPD – Armand Zorn [SPD]:
Was für ein Quatsch! – Weiterer Zuruf von der SPD: Mensch, Mensch, Mensch! –
Stephan Brandner [AfD]: Ich bin davon überzeugt!)</kommentar>
<p klasse="O">Wir müssen leider mit irgendwelchen zweifelhaften
Aktionen zugunsten der Genderideologie rechnen,</p>
<kommentar>(Leni Breymaier [SPD]: Ah!)</kommentar>
<p klasse="O">obwohl die meisten LGBT-Personen dieses permanente
Rampenlicht überhaupt gar nicht wollen. Hören Sie endlich auf mit diesem
verpudelten Randgruppenfirlefanz!</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="O">Es gibt nur zwei Geschlechter, nämlich Frau und
Mann.</p>
<kommentar>(Anke Hennig [SPD]: Das stimmt nicht!)</kommentar>
<p klasse="J">Schon bei der Fußball-WM in Katar hat Frau Faeser im
Stadion eine politische Armbinde getragen.</p>
<kommentar>(Stephan Brandner [AfD]: Das war peinlich! –
Dr. Johannes Fechner [SPD]: Jawoll! Das war sehr gut!)</kommentar>
<p klasse="O">Vielleicht wird sie – oder wer auch immer – wieder
mit Armbinden in deutschen Stadien auftreten.</p>
<kommentar>(Michael Sacher [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Ja!)</kommentar>
<p klasse="O">Die Träger dieser Binden merken in ihrer
Ideologiebesoffenheit gar nicht, in welch unselige Fußstapfen sie treten.</p>
<kommentar>(Stephan Brandner [AfD]:
Reichsinnenminister!)</kommentar>
<p klasse="O">Deutsche Politiker mit Armbinden will bei uns in
Deutschland nie wieder jemand sehen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Stephan Brandner [AfD]: Genau!
Weder bunt noch braun! – Zuruf des Abg. Dr. Jens Zimmermann [SPD])</kommentar>
<p klasse="J">Ach ja, Fußball wird wohl auch gespielt werden.
Darauf freuen wir uns.</p>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Ihre Redezeit ist zu Ende, Herr Kollege.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004788"><name><vorname>Jörn</vorname><nachname>König</nachname><fraktion>AfD<
/fraktion></name></redner>Jörn König (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Wir von der AfD freuen uns auf 24 Mannschaften, auf
großartige, spannende Spiele. Möge die beste Mannschaft gewinnen!</p>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Herr König!</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004788"><name><vorname>Jörn</vorname><nachname>König</nachname><fraktion>AfD<
/fraktion></name></redner>Jörn König (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Wir drücken unserer Fußballnationalmannschaft die
Daumen und hoffen auf das nötige Glück zum Europameistertitel.</p>
<kommentar>(Dr. Anja Reinalter [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Die
Redezeit ist vorbei!)</kommentar>
<p klasse="O">Sport frei!</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Philip Krämer für Bündnis 90/Die Grünen hat seine
Rede zu Protokoll gegeben.<sup>1</sup><fussnote><p><a href="ANL15">Anlage
15</a></p></fussnote></p>
<p klasse="J">Bernd Reuther hat das Wort für die FDP.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015417000">
<p klasse="redner"><a id="r185"/><redner
id="11004864"><name><vorname>Bernd</vorname><nachname>Reuther</nachname><fraktion>F
DP</fraktion></name></redner>Bernd Reuther (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Nach dem Schwachsinn, den der Kollege König hier gerade gesagt hat,</p>
<kommentar>(Stephan Brandner [AfD]: Na, na, na, na, na, na, na!
Wenn das mal keinen Ordnungsruf gibt!)</kommentar>
<p klasse="O">muss man sich erst mal wieder auf diesen Antrag der
CDU konzentrieren.</p>
<kommentar>(Stephan Brandner [AfD]: Ordnungsruf!
Hallo?)</kommentar>
<p klasse="O">Aber so wichtig scheint der Antrag ja nicht zu sein,
wenn Sie noch nicht mal dazu sprechen.</p>
<kommentar>(Stephan Brandner [AfD]: Sie erzählen
Schwachsinn!)</kommentar>
<p klasse="J">Volle Unterstützung für das Sommermärchen – das
können wir teilen, liebe Kolleginnen und Kollegen von der Union. Aber viel mehr
kommt da nicht mehr bei Ihrem Antrag.</p>
<kommentar>(Stephan Brandner [AfD]: Hören Sie mit dem Schwachsinn
auf! Bei der FDP kommt doch auch nichts mehr! Nur noch Schwachsinn!)</kommentar>
<p klasse="O">Da wird ein fehlendes Mobilitätskonzept erwähnt. Dazu
will ich auch als Verkehrspolitiker sagen:</p>
<kommentar>(Stephan Brandner [AfD]: Zum falschen
Thema!)</kommentar>
<p klasse="O">Ein Mobilitätskonzept gibt es. Es gibt auch ein
Ticket der Deutschen Bahn. Es gibt Verkehrslenkung für den Individualverkehr und
Ausnahmen für den Flugverkehr. Ich glaube, das ist in Summe einiges wert.</p>
<p klasse="J">Ich will auch erwähnen, dass die
Bundesaußenministerin Botschafter ernannt hat – Miroslav Klose, Jimmy Hartwig,
Steffi Jones, Gerald Asamoah, um nur einige zu nennen –, die in ganz Europa für
dieses Event werben. Ich glaube, die Bundesregierung ist gut aufgestellt.</p>
<p klasse="J">Ich will noch eins sagen, weil ich es schon ein
bisschen blöd finde: Ich glaube, wir sollten die Jungs einfach Fußball spielen
lassen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Jörn König [AfD] – Stephan Brandner [AfD]:
Ja! Und keinen Schwachsinn machen lassen!)</kommentar>
<p klasse="O">Vor dem Sommermärchen 2006 war die Stimmung übrigens
auch nicht so gut. Da gab es eine 1 : 4-Klatsche gegen Italien, und da hat ein
damaliger Kollege von der Union gefordert, man solle jetzt mal Jürgen Klinsmann in
den Sportausschuss einladen. Dann gab es das besagte Sommermärchen. Ich finde, wir
sollten uns darauf konzentrieren.</p>
<kommentar>(Abg. Stephan Mayer [Altötting] [CDU/CSU] meldet sich zu
einer Zwischenfrage)</kommentar>
<p klasse="O">– Wir machen jetzt keine Zwischenfrage mehr. Sonst
immer gerne, zu jeder anderen Uhrzeit, lieber Kollege Mayer.</p>
<kommentar>(Stephan Brandner [AfD]: Er hätte ja eine Rede halten
können, der Herr Mayer! Aber er war ja nicht da!)</kommentar>
<p klasse="J">Wir nehmen als Ampelkoalition auch nicht für uns in
Anspruch, dass Toni Kroos heute seine Rückkehr in die Nationalmannschaft erklärt
hat.</p>
<kommentar>(Stephan Mayer [Altötting] [CDU/CSU]: Ein
Lichtblick!)</kommentar>
<p klasse="J">Ich will schließen mit dem großen Rudi Völler, der
letztes Jahr im Sportausschuss, als wir im Zusammenhang mit der WM 2022 darüber
gesprochen haben, was in Zukunft besser werden muss, gesagt hat: Der Musiala muss
halt häufiger ins Tor und weniger gegen den Pfosten schießen.</p>
<p klasse="J">Ich wünsche uns allen ein schönes Sommermärchen.
Schönen guten Abend noch!</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Jetzt hätten Sie nur noch sagen müssen, dass auch
Jens Lehmann im Sportausschuss war. Aber so ist es nicht; er spricht jetzt hier für
die CDU/CSU-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Zurufe: Oh!)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015417100">
<p klasse="redner"><a id="r186"/><redner
id="11004800"><name><vorname>Jens</vorname><nachname>Lehmann</nachname><fraktion>CD
U/CSU</fraktion></name></redner>Jens Lehmann (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ich
erhoffe mir von der EURO 2024 in Deutschland vor allem eins: ein grandioses
Fußballfest, das unser Land nachhaltig – im positiven Sinne – prägt. 1990 haben
unsere leider kürzlich verstorbenen WM-Helden Andreas Brehme und Franz Beckenbauer
das in der Wiedervereinigung steckende Deutschland gemeinsam jubeln lassen. Vereint
in Schwarz-Rot-Gold sind wir in Rom zum dritten Mal Fußballweltmeister geworden.
Das Land war im kollektiven Glücksrausch.</p>
<p klasse="J">Ähnliches durften wir 2006 erleben: das
Sommermärchen. Der Kaiser hat die WM nach Deutschland geholt und damit ein
kollektives Glücksgefühl bewirkt. Ich erinnere mich gern zurück an den strahlenden
Sommer, an das Meer aus Schwarz-Rot-Gold, das Fans aus der ganzen Welt begrüßt hat.
So haben beispielsweise die Holländer bei ihrem Vorrundenspiel Leipzig in ein
oranges Meer getaucht. Im Sommermärchen 2006 wurde der Mythos Fanmeile geboren.</p>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, ich denke, wir alle wünschen
uns ein neues Sommermärchen 2024. Zwei Dinge sind aus meiner Sicht dafür
entscheidend:</p>
<p klasse="J">Zum Ersten sollten wir die Nationalmannschaft Fußball
spielen lassen. Jegliche Armbinden-Diskussionen oder Statement-Aufforderungen aus
Politik und Gesellschaft sollten wir unterlassen.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und des Abg. Jörn
König [AfD])</kommentar>
<p klasse="O">Wir dürfen unsere Fußballer nicht erneut vor eine
politische Agenda zerren. Das hat mit zum bitteren Vorrundenaus in Katar
geführt.</p>
<kommentar>(Dr. Johannes Fechner [SPD]: Blödsinn! – Christian
Schreider [SPD]: Legendenbildung!)</kommentar>
<p klasse="O">Sie waren zu sehr durch die One-Love-Binden-Debatte
abgelenkt. Das bittere Resultat ist bekannt: Vorrundenaus der Nationalelf,</p>
<kommentar>(Dr. Johannes Fechner [SPD]: Das hat doch nichts mit der
Armbinde zu tun!)</kommentar>
<p klasse="O">Manuel Neuers Schienbeinbruch, der ihm wahrscheinlich
erspart geblieben wäre, wenn er zur gleichen Zeit um den Einzug ins WM-Finale
gekämpft hätte.</p>
<kommentar>(Christian Schreider [SPD]: Die haben schlecht gekickt!
Das war’s! So ein Quatsch!)</kommentar>
<p klasse="J">Ich möchte klarstellen: Sportler dürfen sich durchaus
politisch äußern; ganz klar. Aber das sollte möglichst nicht vor einem wichtigen
Wettkampf geschehen.</p>
<kommentar>(Dr. Johannes Fechner [SPD]: Wieso das
denn?)</kommentar>
<p klasse="O">Ich war als Sportler schon immer politisch sehr
interessiert, aber vor meinen 20 WM-Finalläufen habe ich mich beispielsweise mit
meinem Gegner beschäftigt und mich nicht um den Weltfrieden gekümmert.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Jörn König
[AfD] – Dr. Johannes Fechner [SPD]: Das geht beides! – Christian Schreider [SPD]:
Wäre vielleicht besser gewesen!)</kommentar>
<p klasse="O">Halten wir es lieber wie der Kaiser: „Gehts raus und
spielts Fußball!“</p>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, mein zweiter Punkt. Die
Bundesregierung behandelt diese EM ziemlich stiefmütterlich.</p>
<kommentar>(Dr. Johannes Fechner [SPD]: Das stimmt doch gar
nicht!)</kommentar>
<p klasse="O">Sie brennt leider absolut nicht für diese EM. Es ist
fatal, wenn die Organisatoren der Bundesregierung Passivität und somit mangelndes
Interesse vorwerfen. Werte Bundesregierung, schaffen Sie die perfekten Bedingungen
im Rahmen Ihrer Zuständigkeit: Sicherheit und Mobilität für Fans und Spieler!
Entwickeln Sie eine Vision für ein attraktives Deutschland, das die Fußballfans in
positiver Erinnerung behalten! Sorgen Sie mit dafür, dass die Bahn nicht streikt
wie bei der Handball-Heim-EM, sondern fährt und möglichst pünktlich ankommt!</p>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, wir wünschen unserer
Mannschaft maximale Erfolge, damit wieder Millionen Bürger bei sommerlichem Wetter
mit schwarz-rot-goldenen Fahnen unsere Mannschaft feiern können und so ein neues
Sommermärchen 2024 entsteht.</p>
<p klasse="J">Werte Kollegen, abschließen möchte ich mit einem
Zitat von Andreas Brehme: „Ich sage nur ein Wort: Vielen Dank!“</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP
und der AfD und der Abg. Sonja Eichwede [SPD])</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Vielen Dank Ihnen. – Für Die Linke gibt Dr. André Hahn
seine Rede zu Protokoll. Dr. Herbert Wollmann hat für die SPD seine Rede bereits zu
Protokoll gegeben.<sup>1</sup><fussnote><p><a href="ANL15">Anlage
15</a></p></fussnote></p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Ich schließe die Aussprache.</p>
<p klasse="J">Interfraktionell wird Überweisung der Vorlage auf
Drucksache 20/10068 an die in der Tagesordnung aufgeführten Ausschüsse
vorgeschlagen. – Weitere Vorschläge sehe ich nicht. Dann verfahren wir so.</p>
</tagesordnungspunkt>
<tagesordnungspunkt top-id="Tagesordnungspunkt 25">
<p klasse="J">Ich rufe auf Tagesordnungspunkt 25:</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t46"/> Erste Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über die Digitalisierung des
Finanzmarktes (Finanzmarktdigitalisierungsgesetz – FinmadiG) </p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_Ueberweisung"> Überweisungsvorschlag:
Finanzausschuss (f) Rechtsausschuss Wirtschaftsausschuss Ausschuss für
Digitales</p>
<p klasse="J">Auch hier ist es vorgesehen, 26 Minuten zu
debattieren.</p>
<p klasse="J">Ich eröffne die Aussprache und gebe Dr. Volker Redder das
Wort für die FDP-Fraktion. – Ist er da? Gibt er zu Protokoll?</p>
<kommentar>(Stephan Thomae [FDP]: Zu Protokoll!)</kommentar>
<p klasse="O">– Er gibt seine Rede zu
Protokoll.<sup>2</sup><fussnote><p><a href="ANL16">Anlage 16</a></p></fussnote></p>
<p klasse="J">Für die CDU/CSU-Fraktion hat Johannes Steiniger das
Wort.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<rede id="ID2015417200">
<p klasse="redner"><a id="r187"/><redner
id="11004418"><name><vorname>Johannes</vorname><nachname>Steiniger</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Johannes Steiniger
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Wir sprechen heute hier in erster Lesung über das
Finanzmarktdigitalisierungsgesetz. Damit setzen die Bundesregierung und wir hier im
Parlament insgesamt vier EU-Rechtsakte im Bereich der Kryptowerte und der
Kryptomärkte in deutsches Recht um: drei Verordnungen, eine Richtlinie. Insgesamt
217 Seiten hat dieser Gesetzentwurf. Wir führen ein ganz neues Gesetz ein, das
Kryptomärkteaufsichtsgesetz, und ändern 19 Gesetze und Verordnungen. Die werden
alle angepackt, vom Kreditwesengesetz bis zur
Finanzdienstleistungsaufsichtsgebührenverordnung.</p>
<p klasse="J">Jetzt könnte man sich, da das ziemlich viel Aufwand
ist, ja die Frage stellen: Warum machen wir das denn eigentlich? Wir sehen es in
diesem Bereich wie auch in anderen Bereichen der europäischen Regulierung wie unter
einem Brennglas: dass wir Regeln, die in unterschiedlicher Form in den einzelnen
Staaten vorherrschen, in einem vernünftigen Maße regulieren wollen, sodass
beispielsweise Unternehmen, Dienstleister, die bei uns Dienstleistungen im Bereich
der Kryptowerte anbieten, diese Dienstleistungen auch in anderen Ländern anbieten
können.</p>
<p klasse="J">Da kann ich nur sagen: An dieser Stelle haben die
Kolleginnen und Kollegen im Europäischen Parlament sehr gut vorgearbeitet. Ich
nenne insbesondere unseren Kollegen Dr. Stefan Berger von der EVP-Fraktion, der
sich sehr darum verdient gemacht hat, dass die MiCA-Verordnung ordentlich durchs
Europäische Parlament gegangen ist. Wir setzen das hier im Deutschen Bundestag in
den nächsten Wochen um, heute in erster Lesung.</p>
<p klasse="J">Meine sehr geehrten Damen und Herren, das hört sich
jetzt alles kompliziert an; aber es ist, ehrlich gesagt, der Wert der Europäischen
Union, dass wir einen starken Binnenmarkt haben, dass wir einen Kapitalmarkt haben
und dass wir es eben über die Harmonisierung auf europäischer Ebene schaffen, mehr
Wohlstand und mehr Wachstum in Deutschland zu produzieren. In diesem Sinne ist es
erst mal ein guter und richtiger Schritt.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Das ist ja das, was die AfD nicht kapiert. Das ist
auch der Grund, warum die AfD so gefährlich für den Wohlstand in unserem Land
ist.</p>
<kommentar>(Stephan Brandner [AfD]: Für Ihre Pöstchen sind wir
gefährlich!)</kommentar>
<p klasse="O">Höcke sagt: „Diese EU muss sterben …“. Der
Spitzenkandidat für die Europawahl, Krah, will der EU – Zitat – „den Stecker
ziehen“ und kuschelt mit China, der Türkei und Russland. Und Ihre
Fraktionsvorsitzende, Frau Weidel, will den Dexit, also den Austritt Deutschlands
aus der Europäischen Union. Wir müssen aber einfach mal feststellen: Es gibt kein
anderes Land in der Europäischen Union, das so stark von dieser Europäischen Union
profitiert.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Stephan Brandner [AfD]: So
ein Märchen! Das Märchen wird durch Wiederholungen nicht wahrer, Herr
Steiniger!)</kommentar>
<p klasse="O">55 Prozent unserer Exporte gehen an die
Mitgliedstaaten. Die AfD wäre eine Bedrohung für den Mittelstand in unserem
Land.</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Jörn König [AfD])</kommentar>
<p klasse="J">Ich habe darauf hingewiesen, dass es vor allen Dingen
eine technische Umsetzung ist. Jetzt gucken wir uns mal den Titel des Gesetzes an:
Finanzmarktdigitalisierungsgesetz. Das hört sich ja nach richtig viel Power an.
Aber ehrlich gesagt: Einen eigenen Anspruch als Ampel formulieren Sie hier in
keiner Art und Weise. Sie setzen lediglich das um, was von Europa kommt. Sie
bringen keine eigenen Aspekte ein. Das wäre sehr wichtig gewesen, weil die großen
Aufgaben, die in den nächsten Jahren vor uns stehen, der Staat nicht allein lösen
können wird. Die werden wir auch nicht lösen können, wenn wir den Wunschtraum der
Grünen erfüllen und die Schuldenbremse abschaffen. Wir werden auch die Privaten
brauchen. Wir werden den großen Hebel des Kapitalmarkts brauchen, um diesen
Aufgaben in Zukunft gerecht zu werden, meine sehr geehrten Damen und Herren.</p>
<p klasse="J">Es ist so ein bisschen wie beim
Zukunftsfinanzierungsgesetz; auch das ist ein toller Name: Wir finanzieren die
Zukunft.</p>
<kommentar>(Lennard Oehl [SPD]: Ein tolles Gesetz!)</kommentar>
<p klasse="O">Aber auch damals war es so: Da kam zumindest noch ein
Entwurf hier ins Parlament, der einen gewissen Anspruch hatte, aber aufgrund von
SPD und Grünen wurde das Fleisch, das am Knochen war, ziemlich abgenagt.</p>
<p klasse="J">Ich freue mich auf die Anhörung und auf die weiteren
Debatten im Ausschuss. Wir werden das Ganze konstruktiv begleiten, werden aber auch
sagen: Wir wollen eine absolute Eins-zu-eins-Umsetzung. Wir wollen kein Gold
Plating haben. Wir müssen noch ein paar Dinge, wo es, ich sage mal, technisch
ruckelt, entsprechend anpassen. Es gibt da aus Hessen einen guten Antrag, den wir
uns auch noch näher anschauen und einarbeiten sollten. Wir werden als
Unionsfraktion dieses gesamte Verfahren konstruktiv begleiten, um das Gesetz noch
ein bisschen besser zu machen.</p>
<p klasse="J">Herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Für die SPD-Fraktion spricht Lennard Oehl.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015417300">
<p klasse="redner"><a id="r188"/><redner
id="11005170"><name><vorname>Lennard</vorname><nachname>Oehl</nachname><fraktion>SP
D</fraktion></name></redner>Lennard Oehl (SPD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Wenn ich an die Zukunft des Finanzmarktes denke, dann denke ich
sicherlich nicht an Schecks oder an SEPA-Überweisungsträger, die man in den
Briefkasten wirft, und auch nicht an Anleihen mit Mantel und Bogen in Papierform.
Es klingt komisch, aber das ist tatsächlich teilweise noch Alltag in der
Finanzwirtschaft; da spreche ich aus der Erfahrung aus meiner vorigen Tätigkeit als
Analyst im Finanzwesen. Aber wenn ich aus meiner früheren beruflichen Tätigkeit
eines mitgenommen habe, dann, dass Digitalisierung die Finanzwirtschaft so stark
verändert wie jeden anderen Wirtschaftszweig auch und dass wir diese dynamische
Entwicklung gestalten müssen.</p>
<p klasse="J">Ich nehme nur das Beispiel Kryptohandel. Der war vor
wenigen Jahren noch eine vage Utopie. Mittlerweile haben wir es mit dem
Zukunftsfinanzierungsgesetz möglich gemacht, dass Kryptowerte auch in
Publikumsfonds vorkommen können. Das zeigt, dass wir als Gesetzgeber diese
dynamische Entwicklung begleiten können. Es zeigt aber auch, dass wir faire
Spielregeln schaffen können, am besten europäisch harmonisiert, und das schaffen
wir mit dem Finanzmarktdigitalisierungsgesetz.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD)</kommentar>
<p klasse="J">Ich bleibe beim Kryptohandel. Es ist gut, dass die
Europäische Union mit der MiCA-Verordnung schon vor vielen Jahren den Weg
vorgezeichnet hat. Es ist mittlerweile die zwölfte Konsultation in der EU. Wir
knüpfen daran an. Jetzt setzen wir endlich um, dass wir europäisch harmonisierte
Offenlegungs- und Transparenzpflichten bekommen. Vor allem aber integrieren wir den
Kryptohandel in die Geldwäscheverordnung. Geldwäsche ist ja oft ein Vorwurf
gegenüber dem Kryptohandel. Ich glaube, dass wir da echte Fortschritte machen
können. Gerade heute ist dafür ein guter Zeitpunkt. Wir haben die Nachricht aus
Brüssel vernommen, dass Frankfurt mit seiner Bewerbung</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD)</kommentar>
<p klasse="O">– die Ersten klatschen – für die
Antigeldwäschebehörde der EU den Zuschlag bekommen hat. Das ist ein wichtiger
Schritt für den Finanzplatz Frankfurt, für Deutschland. Wir werden damit die
Geldwäschebekämpfung in Deutschland, in Frankfurt auf ein ganz neues Level heben
und werden von hier aus die Regulierung konzentrieren und besser machen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der
FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Wenn wir über Risiken in der Digitalisierung im
Finanzwesen sprechen, müssen wir auch über Cybersicherheit sprechen. Auch da setzt
das Gesetz an, nämlich mit der Umsetzung der DORA-Pakete. Da möchte ich ganz
besonders die Penetrationstests hervorheben, bei denen Unternehmen, Finanzinstitute
simulierten Angriffen ausgesetzt werden, damit sie ihre Kundendaten besser vor
Hackerangriffen schützen. Es ist ein wichtiges Zeichen, dass wir das europäisch
harmonisieren, damit am Ende für alle Unternehmen in Europa die gleichen Regeln
gelten. Da sollten wir ein einheitliches Gesetz schaffen. Da setzen wir mit dem
Finanzmarktdigitalisierungsgesetz gut an.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Ich freue mich auf die weiteren Beratungen. Wir als
SPD-Fraktion haben schon den Anspruch, den Gesetzentwurf noch ein bisschen besser
zu machen und manches durchaus noch klarzustellen. Das ist uns beim
Zukunftsfinanzierungsgesetz übrigens gelungen. Wir haben den Gesetzentwurf in den
parlamentarischen Beratungen besser gemacht, haben vor allem für die Kleinanleger
was getan. Das werden wir auch bei diesem parlamentarischen Verfahren tun. Denn ich
bin davon überzeugt, dass Digitalisierung nur dann gesellschaftliche Akzeptanz
finden wird, wenn wir es als Gesetzgeber schaffen, die Risiken sorgsam abzuwägen
und daraus auch die notwendigen gesetzlichen Maßnahmen abzuleiten.</p>
<p klasse="J">In diesem Sinne: Vielen Dank für die
Aufmerksamkeit.</p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Für die AfD hat Jörn König das Wort.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Stephan Brandner [AfD]: Der war
doch gerade erst!)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015417400">
<p klasse="redner"><a id="r189"/><redner
id="11004788"><name><vorname>Jörn</vorname><nachname>König</nachname><fraktion>AfD<
/fraktion></name></redner>Jörn König (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte
Kollegen! Liebe Zuschauer! Der Deutsche Bundestag berät mal wieder ein EU-
Richtlinienumsetzungsgesetz. Es heißt „Finanzmarktdigitalisierungsgesetz“. Die EU
gibt also etwas vor, und der Deutsche Bundestag soll es dann in deutschen Worten
abnicken.</p>
<p klasse="J">Wir von der Alternative für Deutschland haben bei
dieser EU mehr als nur ein Störgefühl. Erstens. Das EU-Parlament hat kein
Initiativrecht, kann also keine Gesetze oder Richtlinien verabschieden. Zweitens.
Der Grundsatz „Eine Person, eine Stimme“ ist nicht gewährleistet. Es braucht
zehnmal so viele deutsche Stimmen für einen Sitz wie für einen Sitz aus Malta.
Damit sind die EU-Wahlen keine gleichen Wahlen. Und schon der Titel „Kommissar“ für
die Quasiminister erinnert doch sehr an die Sowjetunion unter Stalin.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Ein solches Bürokratiegebilde drückt uns gewählten
deutschen Parlamentariern nun diese MiCA-Verordnung auf. Es geht unter anderem um
die Stärkung digitaler Finanzdienstleistungen mittels Technologien wie Distributed
Ledger – oft „Blockchain“ genannt –, neue Regelungen für Kryptowerte und deren
Handel inklusive Zulassungsverfahren und Transparenzpflichten, Schutzmaßnahmen für
Inhaber und Anbieter von Kryptowertedienstleistungen. Wir begrüßen sehr die
Schaffung von Rechtssicherheit in diesem Sektor. Regulatorische Klarheit bringt für
alle Marktteilnehmer Vorteile.</p>
<p klasse="J">Trotzdem verursacht das Gesetz neue bürokratische
Anforderungen, zum Beispiel Zulassungs- und Offenlegungspflichten. Gerade für
kleinere Finanzinstitute, Start-ups bzw. Fintechs sind diese neuen Regelungen
besonders belastend. Diese ungleiche Belastung könnte zu einer Marktkonsolidierung
führen, bei der kleinere Akteure vom Markt verdrängt werden können.</p>
<p klasse="J">Es ist also nicht so, dass mit diesem Gesetz der
Kryptostandort Deutschland automatisch gesichert wäre. Hier gibt es noch viel zu
tun. Wir fordern die Regierung auf, für mehr Freiheit bei der Balance zwischen
Regulierung und Freiheit zu sorgen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Die Überwachungsbehörde für die neuen Kryptogeschäfte
wird die BaFin sein. Hier sehen wir großen Handlungsbedarf im Personalbereich. Die
BaFin braucht dringend qualifizierte Mitarbeiter in der Kryptoregulierung. Solche
Mitarbeiter jedoch können Sie am Markt inzwischen mit der Lupe suchen. Wir haben
die Befürchtung, die Entwicklung könnte ähnlich desaströs verlaufen wie bei der
FIU. Dort gab es 180 000 unbearbeitete Fälle von Geldwäsche. Und einen zweiten Fall
Wirecard will sicher niemand von uns.</p>
<p klasse="J">Zusammenfassend: nicht demokratisch legitimiert,
inhaltlich trotzdem ausreichend guter Ansatz, aber mit einigem Korrekturbedarf.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank und gute Nacht.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Ich würde Sie bitten, noch hierzubleiben. – Ich gebe
Ihnen zur Kenntnis, dass freundlicherweise Sabine Grützmacher für Bündnis 90/Die
Grünen ihre Rede zu Protokoll gegeben hat, genauso wie für die SPD Dr. Jens
Zimmermann.<sup>1</sup><fussnote><p><a href="ANL16">Anlage
16</a></p></fussnote></p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Ich schließe die Aussprache.</p>
<p klasse="J">Interfraktionell wird Überweisung des Gesetzentwurfs auf
Drucksache 20/10280 an die Ausschüsse, die Sie in der Tagesordnung finden,
vorgeschlagen. – Andere Vorschläge sehe ich nicht. Dann verfahren wir so.</p>
</tagesordnungspunkt>
<tagesordnungspunkt top-id="Tagesordnungspunkt 20">
<p klasse="J">Ich rufe auf Tagesordnungspunkt 20:</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t47"/> Zweite und dritte Beratung
des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Zehnten Gesetzes zur
Änderung des Bundesverfassungsgerichtsgesetzes – Einführung des elektronischen
Rechtsverkehrs mit dem Bundesverfassungsgericht </p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_NaS"> Beschlussempfehlung und Bericht des
Rechtsausschusses (6. Ausschuss)</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="J">26 Minuten sind hier für die Aussprache vorgesehen.</p>
<p klasse="J">Ich eröffne die Aussprache. Der erste Redner ist
Dr. Thorsten Lieb für die FDP-Fraktion.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<rede id="ID2015417500">
<p klasse="redner"><a id="r190"/><redner
id="11005129"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Thorsten</vorname><nachname>Lieb</
nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></redner>Dr. Thorsten Lieb (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte
Kolleginnen und Kollegen! Heute Abend kommen wir dem Tag, an dem das letzte Mal ein
Telefax an ein deutsches Gericht gesandt wird oder von dort versandt wird, einen
ganz wichtigen Schritt näher.</p>
<p klasse="J">Mit dem hier zur abschließenden Beratung vorliegenden
Gesetz zur Einführung des elektronischen Rechtsverkehrs mit dem
Bundesverfassungsgericht führen wir gleich mehrere sichere digitale
Übertragungswege und damit Zugänge zum wichtigsten deutschen Gericht ein. Es gibt
dann einen umfassenden digitalen Zugang.</p>
<p klasse="J">Behörden, Länder, Kommunen und andere öffentliche
Institutionen werden mit Inkrafttreten des Gesetzes verpflichtet, Schriftsätze beim
Bundesverfassungsgericht digital einzureichen – ein ganz wichtiger Schritt für die
Digitalisierung der deutschen Justiz.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der FDP und der SPD und des
Abg. Dr. Till Steffen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="O">Für Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer gilt
nach einer gewissen Übergangsfrist – hier haben wir per Änderung noch die
Regelungen der VwGO übernommen – die gleiche Verpflichtung.</p>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen, das
Bundesverfassungsgericht ist ein Bürgergericht. Daher ist entscheidend, dass
Bürgerinnen und Bürger mit dieser Gesetzesänderung endlich auch einen
elektronischen Zugang zum höchsten deutschen Gericht bekommen, so wie das alle in
ihrer tagtäglichen Praxis gewohnt sind.</p>
<p klasse="J">Aber eines bleibt klar: Der Zugang für alle
Bürgerinnen und Bürger bleibt auch auf anderen Wegen möglich. Der Zugang zum
Bundesverfassungsgericht ist zentral für das Funktionieren unserer Rechtsordnung,
der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der FDP und der SPD und des
Abg. Dr. Till Steffen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="J">Das Gesetz enthält zudem einen weiteren wichtigen,
zentralen Punkt für die Digitalisierung des Bundesverfassungsgerichts. Es schafft
die Grundlagen für die Einführung der elektronischen Akte auch in Karlsruhe, auch
dort einschließlich der Möglichkeit, elektronisch Akteneinsicht zu nehmen. Und
damit das kein Papiertiger bleibt, haben wir das Ganze im Haushaltsverfahren für
den Haushalt 2024 bereits ausfinanziert und die notwendigen Mittel zur Verfügung
gestellt, sodass das Projekt beim Bundesverfassungsgericht unverzüglich starten
kann. Wir freuen uns alle darauf, wenn das dann endlich entsprechend
funktioniert.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der FDP, der SPD und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Das ist eine gute Nachricht: Die Zeiten, in denen
umfangreichste Schriftsätze gerade in Organstreitverfahren per Telefax nach
Karlsruhe übermittelt werden, haben endlich ein Ende – der Minister hat ein
eindrucksvolles Beispiel in der Einbringungsrede vorgebracht –; das ist endlich
vorbei, liebe Kolleginnen und Kollegen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und
der Abg. Susanne Menge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="J">Zusätzlich – und das ist ein wichtiger Punkt –: Für
die Sicherung der wehrhaften parlamentarischen Demokratie nehmen wir eine
Veränderung bei den Fristen für die Richteranklage vor. Die bis jetzt zweijährige
Frist verlängern wir auf fünf Jahre, weil sich in der Praxis klar gezeigt hat: Wir
brauchen hier mehr Spielraum, um entsprechend zu ermitteln. Auch das ist ein
wichtiger Schritt für den Rechtsstaat.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der FDP, der SPD und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Sonja Eichwede [SPD]: Absolut!)</kommentar>
<p klasse="J">Abschließend weise ich auf einen Teil des Gesetzes
hin, der zwar überhaupt nichts mit Digitalisierung zu tun hat, der aber für die
Demokratie und die Erinnerungskultur in diesem Land gleichwohl wichtig ist. Das
Bundesverfassungsgericht hat ein Forschungsvorhaben beschlossen, welches die
personellen Verquickungen gerade in der Anfangszeit des Gerichts mit dem
nationalsozialistischen Unrechtsregime untersuchen soll. Es gibt Hinweise, dass
Persönlichkeiten dort leider – es ist allerdings auch nicht ganz überraschend, wie
ich finde – verquickt waren.</p>
<p klasse="J">Dieser Aufarbeitung, die für Institutionen ja oft
sehr schwierig ist, stellt sich jetzt auch das Bundesverfassungsgericht. Auch das
haben wir im Haushalt bereits finanziell abgesichert. Gerne unterstützen wir das.
Es gibt für Forschende zukünftig die Möglichkeit, entsprechend Akteneinsicht zu
nehmen.</p>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen, zusammenfassend sage
ich: Hier steht ein wichtiger, zukunftsweisender Entwurf zur Abstimmung. Ich werbe
für die Zustimmung.</p>
<p klasse="J">Vielen herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Das Wort hat Dr. Volker Ullrich für die
CDU/CSU.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015417600">
<p klasse="redner"><a id="r191"/><redner
id="11004427"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Volker</vorname><nachname>Ullrich</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Dr. Volker Ullrich
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und
Herren! Das Bundesverfassungsgericht ist ein Verfassungsorgan, ein Gericht, welchem
von über 60 Prozent der Menschen in Deutschland großes bzw. sogar sehr großes
Vertrauen entgegengebracht wird. Ich finde, darauf können wir stolz sein. Wir haben
die Verpflichtung, dieses Gericht nicht nur zu schützen, sondern auch zukunftsfest
zu machen.</p>
<p klasse="J">Die Zeiten, in denen Anwälten, wenn sie eine
Verfassungsbeschwerde einreichen, nachts der Schweiß von der Stirn tropft, weil
noch 150 Seiten Schriftsatz zu faxen sind und die Deadline, also die
Schriftsatzfrist, ausläuft, gehören der Vergangenheit an, weil in diesem Gesetz
zwei Dinge geregelt werden: zum einen der elektronische Rechtsverkehr mit dem
Bundesverfassungsgericht und zum anderen die Einführung der elektronischen Akte.
Beides ist zu begrüßen.</p>
<p klasse="J">Gleiches gilt für die Frage der sogenannten
Richteranklage. Die Verlängerung der Frist von zwei Jahren auf fünf Jahre ist
sachgemäß, weil sich gezeigt hat, dass die Frist von zwei Jahren oftmals zu kurz
ist.</p>
<p klasse="J">Alles in allem liegt hier ein vernünftiger
Gesetzentwurf vor, welcher das Verfassungsgericht auf die kommunikative Höhe der
Zeit hebt. Deswegen wird die Unionsfraktion diesem Gesetzentwurf zustimmen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie bei
Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Sonja Eichwede
[SPD])</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Sonja Eichwede hat für die SPD-Fraktion ihre Rede zu
Protokoll gegeben.<sup>1</sup><fussnote><p><a href="ANL17">Anlage
17</a></p></fussnote></p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der
FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Für die AfD gebe ich Stephan Brandner das Wort.</p>
<rede id="ID2015417700">
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="redner"><a id="r192"/><redner
id="11004678"><name><vorname>Stephan</vorname><nachname>Brandner</
nachname><fraktion>AfD</fraktion></name></redner>Stephan Brandner (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Liebe deutsche demokratische Altfraktionen! Liebe
Kollegen von der Alternative für Deutschland! Liebe Kollegen aus dem Arbeitskreis
Recht, vollzählig angetreten! Das nenne ich mal vorbildliches Leben des
Parlamentarismus in Deutschland.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Zurufe von der SPD, der CDU/CSU
und der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">– Bei der CDU war nur noch einer da; aber wir sind
vollständig da.</p>
<p klasse="J">Meine Damen und Herren, wir reden mal wieder über
Zwangsdigitalisierung. Diese Zwangsdigitalisierung soll nun das
Bundesverfassungsgericht treffen. Bereits in der vergangenen Legislaturperiode
hatten wir darüber gesprochen, Stichwort „besonderes elektronisches
Anwaltspostfach“. Auch war da die Frage: Zwangsanschluss – ja oder nein? Unsere
Auffassung ist: Digitalisierung kann man machen, aber ohne Zwang. Wir stehen also
für Freiwilligkeit und nicht für Zwang.</p>
<kommentar>(Otto Fricke [FDP]: Freiwillig
telefonieren!)</kommentar>
<p klasse="O">Wir stehen für fakultative Anwendbarkeit und nicht
obligatorische.</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Dr. Jens Zimmermann [SPD])</kommentar>
<p klasse="J">Daran dürfte man auch gar keinen Zweifel haben: Wenn
das, was Sie vorschlagen, alles so toll ist, dann wird sich das Ganze auch von
selber durchsetzen. Da braucht man nicht von oben zu oktroyieren. Deshalb ist
unsere Auffassung: Freiheit vor Zwang.</p>
<p klasse="J">Dieser hilft ja auch nicht weiter; denn das
Bundesverfassungsgericht muss nach wie vor auch Papierakten führen, das
Bundesverfassungsgericht muss nach wie vor Verfassungsbeschwerden bearbeiten, auch
von dem normalen Bürger draußen, der nicht digital unterwegs ist. Sie schießen da
deutlich übers Ziel hinaus – in der einen Hinsicht.</p>
<p klasse="J">In anderer Hinsicht gehen Sie die wahren Probleme des
Bundesverfassungsgerichts nicht an. Ich stand vor wenigen Minuten hier am
Rednerpult und habe im Rahmen der Korruptionsdebatte – Stichwort
„Lobbyregistergesetz“ – klargemacht: Sie haben sich den Staat zur Beute gemacht;
das ist schon schlimm genug. Aber Sie haben sich auch das Bundesverfassungsgericht
zur Beute gemacht. Und da sollten Sie mal rangehen: Finger weg von der
Gewaltenteilung! Finger weg vom Bundesverfassungsgericht!</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="O">Das ist unsere Auffassung.</p>
<p klasse="J">Erklären Sie den Menschen draußen doch mal, warum
nicht ein einziger Bundesverfassungsrichter Verfassungsrichter wird, ohne dass er
von einer politischen Partei, von einer Altpartei vorgeschlagen wird! Es gibt nie
Kandidaturen gegeneinander. Wir können nie eine Wahl treffen. Sie haben die
16 Richter unter sich aufgeteilt. Ein paar gehen an die CDU, ein paar gehen an die
SPD; ab und zu fallen mal Brosamen für CSU, FDP und Grüne ab.</p>
<kommentar>(Dr. Johannes Fechner [SPD]: Voll am Thema vorbei! Lesen
Sie eigentlich die Tagesordnung?)</kommentar>
<p klasse="O">Das können Sie den Menschen draußen nicht
vermitteln.</p>
<kommentar>(Dr. Johannes Fechner [SPD]: Jetzt mal zum
elektronischen Rechtsverkehr!)</kommentar>
<p klasse="O">Das können Sie auch bei Auslandsreisen nicht
vermitteln. Die Leute fragen doch: Wie besetzt ihr euer Bundesverfassungsgericht? –
Und dann sagen wir: Die Parteien schlagen das vor.</p>
<kommentar>(Dr. Johannes Fechner [SPD]: Langweilig!)</kommentar>
<p klasse="O">Es gibt nie Gegenkandidaturen.</p>
<kommentar>(Zuruf des Abg. Armand Zorn [SPD])</kommentar>
<p klasse="J">Sie haben das Bundesverfassungsgericht eigentlich zu
einer Ruine gemacht.</p>
<kommentar>(Dr. Johannes Fechner [SPD]: Langweilig!)</kommentar>
<p klasse="O">Es war einmal ein Bollwerk des Rechts in Deutschland
mit einem hohen Ansehen, hochgradig seriös. Sie – nicht zuletzt die CDU mit Herrn
Harbarth als Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, der jahrelang an Merkels
Seite kämpfte –</p>
<kommentar>(Dr. Johannes Fechner [SPD]: Das wird ihn freuen zu
hören!)</kommentar>
<p klasse="O">haben es dem Verdacht und dem Ruf ausgesetzt, fast
ein Parteiunternehmen geworden zu sein.</p>
<p klasse="J">Ich muss Ihnen sagen: Finger weg vom
Bundesverfassungsgericht! Versuchen Sie auch da, das zu machen, was die AfD macht,
nämlich das Grundgesetz leben,</p>
<kommentar>(Lachen des Abg. Dr. Johannes Fechner [SPD] – Zurufe der
Abg. Dr. Martin Rosemann [SPD] und Martina Stamm-Fibich [SPD])</kommentar>
<p klasse="O">jeden Tag das Grundgesetz leben, nicht nur darüber
labern wie Sie! Leben Sie auch die Gewaltenteilung! Nehmen Sie die Finger weg vom
Bundesverfassungsgericht!</p>
<kommentar>(Sonja Eichwede [SPD]: Schon mal was von
Legitimationskette gehört?)</kommentar>
<p klasse="O">Und versuchen Sie, das Bundesverfassungsgericht
wieder zu dem zu machen, was es einmal war, nämlich die Herzkammer unseres
Rechtsstaats, die Herzkammer unserer Demokratie.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Dr. Till Steffen, Bündnis 90/Die Grünen, und Ansgar
Heveling, CDU/CSU, haben ihre Reden zu Protokoll
gegeben.<sup>1</sup><fussnote><p><a href="ANL17">Anlage 17</a></p></fussnote>
Vielen Dank dafür.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten
der SPD, der CDU/CSU und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Wir kommen zur Abstimmung über den von der
Bundesregierung eingebrachten Gesetzentwurf zur Änderung des
Bundesverfassungsgerichtsgesetzes – Einführung des elektronischen Rechtsverkehrs
mit dem Bundesverfassungsgericht. Der Rechtsausschuss empfiehlt in seiner
Beschlussempfehlung auf Drucksache 20/10408, den Gesetzentwurf der Bundesregierung
auf Drucksache 20/9043 in der Ausschussfassung anzunehmen. Wer dem Gesetzentwurf in
der Ausschussfassung zustimmen will, den bitte ich um das Handzeichen. – Das sind
die Koalitionsfraktionen und die CDU/CSU. Wer stimmt dagegen? – Das ist die AfD-
Fraktion. Enthält sich jemand? – Das ist nicht der Fall. Damit ist der
Gesetzentwurf in zweiter Beratung angenommen.</p>
<p klasse="J">Jetzt dürfen Sie für die</p>
<p klasse="K">dritte Beratung</p>
<p klasse="O">und Schlussabstimmung aufstehen, wenn Sie zustimmen
wollen, damit auch alle schön wach bleiben. – Wer stimmt dagegen und steht jetzt
auf? – Möchte sich jemand enthalten? – Das ist nicht der Fall. Dann ist der
Gesetzentwurf in dritter Beratung angenommen.</p>
</tagesordnungspunkt>
<tagesordnungspunkt top-id="Tagesordnungspunkt 22">
<p klasse="J">Ich rufe auf Tagesordnungspunkt 22:</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t48"/> Zweite und dritte Beratung
des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Zweiten Gesetzes zur
Änderung des DWD-Gesetzes </p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksachen <a
href="[Link] <a
href="[Link]
<p klasse="T_NaS"> Beschlussempfehlung und Bericht des
Verkehrsausschusses (15. Ausschuss)</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="J">Es sind 26 Minuten Aussprache vorgesehen.</p>
<p klasse="J">Ich eröffne die Aussprache. Der Kollege Jürgen Lenders
hat für die FDP seine Rede zu Protokoll gegeben.<sup>2</sup><fussnote><p><a
href="ANL18">Anlage 18</a></p></fussnote></p>
<p klasse="J">Für die CDU/CSU spricht Martina Englhardt-Kopf.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<rede id="ID2015417800">
<p klasse="redner"><a id="r193"/><redner
id="11005052"><name><vorname>Martina</vorname><nachname>Englhardt-Kopf</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Martina Englhardt-Kopf
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Guten Abend, sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe
Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Mit der heutigen
zweiten und dritten Lesung des Entwurfs eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des
Gesetzes über den Deutschen Wetterdienst kommen die parlamentarischen Beratungen zu
einem Gesetz zu ihrem Ende, das nicht regelmäßig im Deutschen Bundestag debattiert
wird. Die letzte große Änderung liegt mittlerweile sieben Jahre zurück.</p>
<p klasse="J">Der Deutsche Wetterdienst ist unser nationaler
ziviler meteorologischer Dienst, und er erbringt an seinem Hauptsitz in Offenbach
und an vielen weiteren Standorten in Deutschland mit seinen über
2 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern meteorologische Dienstleistungen für die
Allgemeinheit und auch für einzelne Nutzer, für den Luftverkehr zum Beispiel, die
Schifffahrt oder auch die Land- und Forstwirtschaft.</p>
<p klasse="J">Von der hervorragenden Qualität der Arbeit des DWD
überzeugen auch wir als CDU/CSU-Bundestagsfraktion uns regelmäßig. So war auch der
Kollege MdB Björn Simon, den ich an dieser Stelle vertrete, im vergangenen Jahr vor
Ort zu einem ausführlichen Gespräch. Insbesondere als Arbeitsgruppe Verkehr
innerhalb der Unionsfraktion wissen wir die Daten, die geliefert werden, und die
wertvolle Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihre verantwortungsvolle
Aufgabe und Tätigkeit hervorragend erfüllen, sehr zu schätzen. Aber auch viele
Branchen profitieren davon – ich hatte die Land- und Forstwirtschaft
angesprochen –; die Daten sind wichtig.</p>
<p klasse="J">Im vergangenen Jahr konnte man sich im Übrigen auch
hier im Deutschen Bundestag von der wichtigen Arbeit überzeugen: Es gab eine
Ausstellung „70 Jahre zwischen Natur &amp; Gesellschaft“.</p>
<p klasse="J">Heute steht mit dem vorliegenden Änderungsgesetz aber
ein sehr spezifisches Projekt des Deutschen Wetterdienstes im Mittelpunkt. Es geht
um die Einrichtung eines Naturgefahrenportals, das die Menschen zukünftig klar,
verständlich und ortsspezifisch vor Unwettern warnen soll. Zuständige Behörden
sollen künftig ihre Frühwarnungen, Lage- und Vorsorgeinformationen zu Naturgefahren
möglichst über autorisierte Schnittstellen in das neue Portal einpflegen
können.</p>
<p klasse="J">Wichtig ist, dass bestehende Warnsysteme für
Akutwarnungen wie das vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe
betriebene Modulare Warnsystem hiervon gänzlich unberührt bleiben. Die Warnungen
dieses Systems aber sollen entsprechend auch in dem neuen Portal dargestellt
werden.</p>
<p klasse="J">Auch die Verantwortlichkeiten für die jeweiligen
Frühwarnungen, Lage- und Vorsorgeinformationen bleiben unberührt. Die Verantwortung
für das Warnmanagement im Katastrophenschutz bleibt wie bereits heute bei den
Ländern und deren Kommunen. Klare Zielsetzung des neuen Naturgefahrenportals ist es
somit, Frühwarnung und Bevölkerungsschutz mit klaren Zuständigkeiten zu
verbessern.</p>
<p klasse="J">Hintergrund der Bemühungen um das neue Portal sind
die Hochwasserkatastrophen aus dem Jahr 2021, von welchen die Bundesländer
Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und auch Bayern betroffen waren.
Allein in NRW wurden über 180 Kommunen teilweise schwer beschädigt. In Rheinland-
Pfalz waren 65 000 Personen betroffen, davon rund 42 000 im Ahrtal.</p>
<p klasse="J">Im Rahmen der Aufarbeitung der Katastrophe haben die
Bundesländer den Deutschen Wetterdienst im zuständigen Bund-Länder-Beirat des DWD
beauftragt, das neue Naturgefahrenportal einzurichten und zu betreiben.</p>
<p klasse="J">Wichtig ist uns als Unionsfraktion dabei, dass die
Einrichtung des Naturgefahrenportals seitens des DWD ausdrücklich begrüßt wird. Im
Laufe der parlamentarischen Beratungen hat sich auch der Bundesrat zu den Plänen
der Bundesregierung geäußert und noch Änderungsvorschläge eingebracht. Zudem
spricht man sich dafür aus, dass es zu keinen Doppelungen durch bereits bestehende
Warnmittel und Warnwege kommen darf, was aus unserer Sicht absolut sinnvoll
ist.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Wir können der Bundesregierung und den
Ampelfraktionen deshalb nur empfehlen, dem Vorschlag der zu vermeidenden
Doppelungen zu folgen und das Naturgefahrenportal mit Blick auf Daten und Kosten so
transparent wie möglich zu gestalten. Eine zukünftige enge Zusammenarbeit zwischen
Bund und Ländern wäre an dieser Stelle sehr wünschenswert.</p>
<p klasse="J">Darüber hinaus begrüßen wir aufgrund der überaus
großen Bedeutung des Portals für die Frühwarnung und den Bevölkerungsschutz aber
auch die Zielsetzung des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr, nun die
notwendige gesetzliche Änderung zu schaffen.</p>
<p klasse="J">Wir danken abschließend allen am Papier Beteiligten,
natürlich insbesondere dem Deutschen Wetterdienst unter der Leitung von Frau
Präsidentin Professor Dr. Sarah Jones und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern,
ganz herzlich für die wertvolle Arbeit. Wir sind davon überzeugt, dass der Deutsche
Wetterdienst ein hervorragendes Naturgefahrenportal zur Verfügung stellen wird, das
die Frühwarnung und den Bevölkerungsschutz spürbar verbessern wird, und werden dem
Gesetzentwurf zustimmen.</p>
<p klasse="J">Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP
und der Abg. Sonja Eichwede [SPD] – Dr. Christoph Ploß [CDU/CSU]: Prima! Und das zu
später Stunde!)</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Jan Plobner hat seine Rede für die SPD-Fraktion zu
Protokoll gegeben.<sup>1</sup><fussnote><p><a href="ANL18">Anlage
18</a></p></fussnote></p>
<kommentar>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der
FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Das Wort hat Dirk Brandes für die AfD.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<rede id="ID2015417900">
<p klasse="redner"><a id="r194"/><redner
id="11005031"><name><vorname>Dirk</vorname><nachname>Brandes</nachname><fraktion>Af
D</fraktion></name></redner>Dirk Brandes (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten
Damen und Herren! Kleiner Rückblick: Welche Verantwortung Politiker von Grünen, CDU
und SPD für die Auswirkungen der Flutkatastrophe von 2021 mit ihren über 180 Toten
tragen, damit beschäftigen sich gegenwärtig die Staatsanwaltschaften. Die
Ergebnisse der Sachverständigen aus dem Untersuchungsausschuss Ahrtal zeigen das
ganze Ausmaß politischen und moralischen Versagens der regierenden Politik. Die
Betroffenen kämpfen noch immer mit dem Trauma und den Verwüstungen: zerstörte
Häuser, zerstörte Straßen, zerstörte Brücken, Schäden in Höhe von 40 Milliarden
Euro – und auf der anderen Seite lächerliche 3,3 Milliarden Euro Wiederaufbauhilfe
bis Ende letzten Jahres.</p>
<kommentar>(Sonja Eichwede [SPD]: Ich dachte, Sie reden vom
Wetter!)</kommentar>
<p klasse="J">Im Jahr 2022 gab Deutschland das Zehnfache, fast
34 Milliarden Euro, für Entwicklungshilfen in der ganzen Welt aus. Ministerin
Schulze sagte dazu: „Deutschland übernimmt Verantwortung.“ Ich finde es ganz toll,
wenn Politiker Verantwortung übernehmen. Aber es wäre toll, wenn deutsche Politiker
zur Abwechslung auch mal Verantwortung für Deutschland übernähmen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Werfen wir jetzt aber einen Blick auf Ihren
Gesetzentwurf für ein Portal mit Vorsorgeinformationen und Frühwarnungen an
zentraler Stelle. Zweifellos ein Schritt in die richtige Richtung; die Vorbereitung
ist jedoch bisher etwas dürftig. Nach dem Desaster bei der Corona-App mit
Gesamtkosten von mehr als 220 Millionen Euro ist bei vielen neuen Stellen, die
jetzt geschaffen werden, und bei so hohen Betriebskosten für ein weiteres
Softwareprojekt der Bundesregierung nach meiner Auffassung Misstrauen geboten.</p>
<p klasse="J">Wir müssen uns fragen, inwiefern das Portal wirklich
etwas verbessern wird. Denn obwohl die Wetterdienste vor der Flutkatastrophe
gewarnt hatten, blieben die verantwortlichen Amtsträger aus den Altparteien
untätig. Ein Medium, das den Deutschen etwas Unabhängigkeit von der behördlichen
Lethargie verschafft, begrüßen wir. Wir sollten uns aber nicht der Illusion
hingeben, dass eine App in der Lage wäre, die Nachteile einer trägen,
gleichgültigen, inkompetenten, verbohrten Regierung zu kompensieren.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Ich erinnere an dieser Stelle auch daran, wie einige
gewissenlose Klimaideologen meinten, man könne die Ahrtal-Katastrophe nutzen, um
Bürger auf veganes Essen und den Umstieg auf das Lastenfahrrad einzuschwören. Wir
werden also genau ein Auge darauf haben, dass die Steuergelder tatsächlich für
Katastrophenschutz und nicht wieder für Ihre unsinnige Klimapropaganda eingesetzt
werden.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Für Bündnis 90/Die Grünen hat Susanne Menge jetzt
das Wort.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015418000">
<p klasse="redner"><a id="r195"/><redner
id="11005149"><name><vorname>Susanne</vorname><nachname>Menge</nachname><fraktion>B
ÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Susanne Menge (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen
und Herren! Anlass der Änderung des DWD-Gesetzes sind – so steht es im Text – die
„Hochwasserereignisse im Juli 2021“. Gemeint ist die verheerende Flutkatastrophe im
Ahrtal in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.</p>
<p klasse="J">Über die Diskussion „Ist das noch Wetter, oder ist
das schon Klima?“ sind wir längst hinaus. In bemerkenswerter Einigkeit sagt uns die
Wissenschaft, dass der Klimawandel in vollem Gange ist. Die Vorhersagen zur
Klimaerwärmung mit all ihren Folgeerscheinungen sind präzise und werden teilweise
von der Wirklichkeit längst überholt.</p>
<kommentar>(Jörn König [AfD]: Ja, es wird wärmer, und ich freue
mich drauf!)</kommentar>
<p klasse="J">Inzwischen kann man auch ziemlich genau ausrechnen,
mit welcher Wahrscheinlichkeit Starkregen und andere Wetterextreme zunehmen, wenn
die Erwärmung der Atmosphäre und der Meere weiter fortschreitet. Klar ist: Unglücke
wie das im Ahrtal werden immer wahrscheinlicher, genauso großflächige
Überschwemmungen wie vor Kurzem in meinem Bundesland Niedersachsen.</p>
<p klasse="J">185 Menschen sind bei der Flutkatastrophe im
Jahr 2021 im Ahrtal und andernorts gestorben. Bund und Länder haben zur Behebung
der Flutschäden einen Hilfsfonds in Höhe von 30 Milliarden Euro beschlossen. Das
ist allerdings nur eine abstrakte Größe für die ungeheure Zerstörung und für das
anhaltende menschliche Leid, das damit verbunden ist. Zudem sind großräumige
Umweltschäden durch ausgelaufenes Öl und andere Substanzen entstanden.</p>
<p klasse="J">Wir wissen, dass Wetterextreme zunehmen werden, die
das Leben der Menschen und ihr Hab und Gut in Gefahr bringen oder gar zerstören,
vom Verlust an intakter Natur ganz zu schweigen. Wann verstehen endlich auch die
Letzten, dass wir gut beraten sind, auf die Wissenschaft zu hören? Das ist ein
Gebot der Vernunft. Wenn wir dem Klimawandel nicht endlich angemessen und wirksam
begegnen, sind die Folgekosten der Umwelt- und Naturkatastrophen kaum
abzuschätzen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD)</kommentar>
<p klasse="J">Auch wir als politische Entscheidungsträger/-innen
sind aufgefordert, aus den Erkenntnissen der Wissenschaft geeignete Maßnahmen
abzuleiten, zu beschließen und umzusetzen. Das erfordert langfristiges Denken.
Manchen würde das abverlangen, den Fokus von der eigenen Klientel auf das große
Ganze zu weiten.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
und der SPD)</kommentar>
<p klasse="O">Das würde aktuell auch bedeuten, zu Absprachen in
Brüssel zu stehen. Gemeint sind solche, die aufgrund wissenschaftlicher
Erkenntnisse zum Schutz des Klimas getroffen worden sind.</p>
<kommentar>(Dr. Dirk Spaniel [AfD]: Oder falscher
wissenschaftlicher Erkenntnisse!)</kommentar>
<p klasse="J">Wenn wir jetzt den Warnauftrag des Deutschen
Wetterdienstes erweitern, geht es um einen nachgelagerten, aber leider zunehmend
bedeutenden Teil unserer Aufgaben. Wir müssen dafür sorgen, kleinere und mittlere
Katastrophen beherrschbar zu machen.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
und des Abg. Jan Plobner [SPD])</kommentar>
<p klasse="O">Und wir müssen dahin kommen, große Katastrophen
berechenbar zu machen und mögliche verheerende Wirkungen abmildern zu können.</p>
<p klasse="J">Deshalb soll es künftig gut verständliche
Frühwarnungen, Lage- und Vorsorgeinformationen für die Bevölkerung geben. Der Fokus
liegt dabei zuerst auf Hochwassergefahren. Ziel ist es, nach Möglichkeit
Menschenleben zu schützen und Schäden an Eigentum zu verringern oder gar zu
vermeiden. Ein zentral organisiertes Naturgefahrenportal im Aufgabenbereich des
Deutschen Wetterdienstes bringt eine offensichtlich notwendige Verbesserung. Wir
finden es richtig, den DWD mit dieser zusätzlichen Aufgabe zu betrauen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Ohne Sachzusammenhang, aber durchaus wichtig ist die
Änderung, die wir als Huckepackgesetz an dieses Gesetz dranhängen: Wir werden die
Schwellenwerte für Bilanzierung anheben; das heißt, wir stärken kleinere und
mittelständische Unternehmen und bauen Bürokratie ab.</p>
<p klasse="J">Ich komme zum Ende: Draußen regnet es. Kommen Sie
nachher trotzdem gut nach Hause!</p>
<p klasse="J">Ich danke für die Aufmerksamkeit.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Bevor ich mitteile, dass Herr Schätzl seine Rede zu
Protokoll gegeben hat, gebe ich das Wort zu einem Antrag zur Geschäftsordnung Herrn
Brandner.</p>
<kommentar>(Zuruf von der SPD: Nein! – Stephan Brandner [AfD]: Nach der
Abstimmung!)</kommentar>
<p klasse="O">– Nach der Abstimmung, okay. – Gut, dann gebe ich zur
Kenntnis, dass Herr Schätzl seine Rede zu Protokoll gegeben
hat.<sup>1</sup><fussnote><p><a href="ANL18">Anlage 18</a></p></fussnote></p>
<p klasse="J">Wir kommen zur Abstimmung über den von der
Bundesregierung eingebrachten Gesetzentwurf zur Änderung des DWD-Gesetzes. Der
Verkehrsausschuss empfiehlt in seiner Beschlussempfehlung auf Drucksache 20/10428,
den Gesetzentwurf der Bundesregierung auf Drucksache 20/10032 in Kenntnis der
Unterrichtung auf Drucksache 20/10282 in der Ausschussfassung anzunehmen. Ich bitte
diejenigen, die dem Gesetzentwurf in der Ausschussfassung zustimmen wollen, um das
Handzeichen. – Das sind die Koalitionsfraktionen und die CDU/CSU. Wer ist
dagegen? – Wer enthält sich? – Das ist die AfD-Fraktion. Damit ist der
Gesetzentwurf in zweiter Beratung angenommen bei Zustimmung durch die
Koalitionsfraktionen und die CDU/CSU. Die AfD-Fraktion hat sich enthalten.
Gegenstimmen gab es nicht.</p>
<p klasse="J">Dann kommen wir zur</p>
<p klasse="K">dritten Beratung</p>
<p klasse="O">und Schlussabstimmung. Ich bitte diejenigen, die dem
Gesetzentwurf zustimmen wollen, sich zu erheben. – Wer möchte dagegenstimmen? – Da
sehe ich niemanden. Wer möchte sich enthalten? – Das ist die AfD-Fraktion. Damit
ist der Gesetzentwurf bei Zustimmung durch die Koalitionsfraktionen und die
CDU/CSU, keiner Gegenstimme und Enthaltung durch die AfD-Fraktion in dritter
Beratung angenommen.</p>
<p klasse="J">Jetzt kommt Herr Brandner mit einem
Geschäftsordnungsantrag dran.</p>
<rede id="ID2015418100">
<p klasse="redner"><a id="r196"/><redner
id="11004678"><name><vorname>Stephan</vorname><nachname>Brandner</
nachname><fraktion>AfD</fraktion></name></redner>Stephan Brandner (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Beim nächsten
Tagesordnungspunkt geht es ja zu später Stunde um einen Gesetzentwurf, eingebracht
durch die Bundesregierung. Das muss ja ein wichtiger Gesetzentwurf sein; sonst
würde er a) nicht eingebracht und b) nicht zu so später Stunde. Ich sehe aber den
zuständigen Minister nicht auf der Regierungsbank.</p>
<kommentar>(Zurufe von der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:
Oh!)</kommentar>
<p klasse="O">Es geht um den Minister für Digitales und Verkehr,
Volker Wissing. Wenn ich den Vizepräsidenten Kubicki vorhin richtig verstanden
habe, hat Herr Wissing heute schon mal unentschuldigt gefehlt. Das kann er
wiedergutmachen. Deshalb beantrage ich für die AfD-Fraktion die Herbeizitierung des
für diesen Tagesordnungspunkt zuständigen Ministers für Digitales und Verkehr.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Herr Thomae, bitte.</p>
</rede>
<rede id="ID2015418200">
<p klasse="redner"><a id="r197"/><redner
id="11004175"><name><vorname>Stephan</vorname><nachname>Thomae</nachname><fraktion>
FDP</fraktion></name></redner>Stephan Thomae (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Ich bin der Meinung, dass dieses
Gesetz auch ohne den Minister hier beraten und beschlossen werden kann. Deswegen
beantrage ich, diesen Antrag abzulehnen.</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD)</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Herzlichen Dank. – Dann lasse ich über diesen Antrag
abstimmen. Wer für den Geschäftsordnungsantrag von Herrn Brandner auf
Herbeizitierung des Ministers ist</p>
<kommentar>(Stephan Brandner [AfD]: Von der AfD-Fraktion!)</kommentar>
<p klasse="O">– von der AfD-Fraktion, genau –,</p>
<kommentar>(Lachen bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Britta
Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das sind 16 Leute!)</kommentar>
<p klasse="O">den bitte ich um das Handzeichen. – Das sind die
Mitglieder der AfD-Fraktion. Wer ist dagegen? – Das sind alle anderen Kolleginnen
und Kollegen, die ich sehe.</p>
<kommentar>(Stephan Brandner [AfD]: Die deutschen demokratischen
Altfraktionen!)</kommentar>
<p klasse="O">Möchte sich jemand enthalten? – Das ist nicht der Fall.
Dann ist dieser Antrag abgelehnt.</p>
<kommentar>(Stephan Brandner [AfD]: So viel zur
Demokratie!)</kommentar>
</tagesordnungspunkt>
<tagesordnungspunkt top-id="Zusatzpunkt 17">
<p klasse="J">Wir kommen jetzt zum Zusatzpunkt 17:</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t49"/> Zweite und dritte Beratung
des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Ersten Gesetzes zur
Änderung des Saubere-Fahrzeuge-Beschaffungs-Gesetzes </p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksachen <a
href="[Link] <a
href="[Link] <a
href="[Link] Nr. 4</a></p>
<p klasse="T_NaS"> Beschlussempfehlung und Bericht des
Verkehrsausschusses (15. Ausschuss)</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="J">Hierzu liegt ein Entschließungsantrag der Unionsfraktion
vor.</p>
<p klasse="J">26 Minuten wollen wir darüber debattieren.</p>
<p klasse="J">Schade ist, dass ich keine Redeliste hier habe; die hat
Herr Kubicki irgendwie versteckt.</p>
<kommentar>(Stefan Müller [Erlangen] [CDU/CSU]: Christoph Ploß ist der
Nächste! – Stephan Brandner [AfD]: Ich kann Ihnen meine geben! – Abg. Stephan
Brandner [AfD] übergibt Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt ein Schriftstück –
Dr. Christoph Ploß [CDU/CSU]: Volker Wissing steht da jetzt aber nicht drauf,
oder?)</kommentar>
<p klasse="O">– Herr Brandner, das ist sehr nett von Ihnen. Vielen
Dank.</p>
<p klasse="J">Bernd Reuther hat für die FDP-Fraktion seine Rede zu
Protokoll gegeben.<sup>2</sup><fussnote><p><a href="ANL19">Anlage
19</a></p></fussnote></p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der FDP und der Abg. Sonja
Eichwede [SPD] und Christina-Johanne Schröder [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="J">Für die CDU/CSU-Fraktion redet Dr. Christoph Ploß. Bitte
schön.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<rede id="ID2015418300">
<p klasse="redner"><a id="r198"/><redner
id="11004854"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Christoph</vorname><nachname>Ploß</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Dr. Christoph Ploß
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und
Kollegen! Im Kern geht es bei dem Gesetzentwurf und bei dieser Debatte doch um
Folgendes: Wollen wir die Klimaziele mit Verboten erreichen, oder wollen wir die
Klimaziele mit Technologieoffenheit erreichen? Wir als CDU/CSU-Fraktion sagen hier
bei dieser Debatte – und wir werden es auch in Zukunft bei anderen Debatten
sagen –: Wir wollen die Klimaziele technologieoffen erreichen. Wir wollen alle
Möglichkeiten, die da sind – ob Batterie, ob Wasserstoff, ob klimafreundliche
Kraftstoffe wie E-Fuels –, nutzen. Alle diese Möglichkeiten sollen erlaubt sein.
Wir wollen nicht verbieten, sondern wir wollen erlauben.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
<p klasse="J">Ich will mal eines in Richtung der Grünen sagen, weil
Sie in den vergangenen Wochen im Bundestag etwas zum Ausdruck gebracht haben. Sie
sagen: Nur mit Elektroautos kann man die Klimaziele erreichen.</p>
<kommentar>(Susanne Menge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Stimmt überhaupt
nicht! Haben wir nicht gesagt! Das ist jetzt eine Verkürzung unseres komplexen
Wissens!)</kommentar>
<p klasse="O">Eigentlich soll es in Zukunft nur noch Elektroautos
auf Deutschlands Straßen geben. – Da sage ich Ihnen: Sie begeben sich mit dieser
Politik auf einen gefährlichen Irrweg. Ein E-Auto, das mit Braunkohlestrom
betrieben wird, rettet nicht das Weltklima, sondern ein solches E-Auto schadet dem
Klima. Das ist ein ideologischer Irrsinn, den Sie da zeigen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU – Susanne Menge [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN]: Gott sei Dank, dass uns das Herr Ploß erklärt! Meine Güte! – Stefan
Gelbhaar [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Haben Sie das Gesetz mal gelesen?)</kommentar>
<p klasse="J">Deswegen kann ich Ihnen nur eines sagen: Führen Sie
Ihren Kampf gegen den Verbrennungsmotor bitte nicht weiter! Sorgen Sie dafür, dass
die vielen Ansätze, die Forscher aus Deutschland präsentieren, erlaubt werden und
dass der Verbrennungsmotor in Zukunft klimafreundlich betrieben wird! Wenn Sie den
Verbrennungsmotor de facto verbieten wollen, dann sorgen Sie dafür, dass die
nächste deutsche Technologieführerschaft kaputtgemacht wird. Deswegen will ich
Ihnen sagen: Nicht nur auf E-Autos setzen! Wir brauchen auch in Zukunft den
deutschen Verbrenner, und wir brauchen auch in Zukunft klimafreundliche Kraftstoffe
wie E-Fuels.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der
AfD – Susanne Menge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ganz gewiefter Mann! Ganz
gewieft!)</kommentar>
<p klasse="J">Das Wichtigste, was Sie machen könnten, wenn Sie den
Verkehr klimafreundlich machen wollen – das gilt übrigens auch für andere
Bereiche –, wäre, endlich auch wieder Kernkraftwerke in Deutschland zuzulassen.</p>
<kommentar>(Widerspruch bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="O">Sie hätten nicht den Ausstieg beschließen und auf
Braunkohle setzen sollen; denn unter einem grünen Minister ist der Anteil der
Braunkohle an der Stromerzeugung deutlich gestiegen. Deswegen will ich noch eines
sagen: Sie schaden nicht nur dem Wirtschaftsstandort, sondern Sie sorgen auch
dafür, dass die Klimaziele nicht erreicht werden können.</p>
<kommentar>(Susanne Menge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Palmölplantagen
statt Wald! Palmöl statt Wald!)</kommentar>
<p klasse="J">Herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der CDU/CSU)</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Isabel Cademartori für die SPD-Fraktion hat ihre Rede
zu Protokoll gegeben.<sup>1</sup><fussnote><p><a href="ANL19">Anlage
19</a></p></fussnote> Dafür herzlichen Dank!</p>
<p klasse="J">Das Wort geht an Dr. Dirk Spaniel für die AfD.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Stephan Brandner [AfD]: Guter
Mann!)</kommentar>
<rede id="ID2015418400">
<p klasse="redner"><a id="r199"/><redner
id="11004899"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Dirk</vorname><nachname>Spaniel</
nachname><fraktion>AfD</fraktion></name></redner>Dr. Dirk Spaniel (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen
und Herren! Wir reden hier über das Saubere-Fahrzeuge-Beschaffungs-Gesetz. Man muss
sich ja fragen, wie das im Verkehrsministerium – der Herr Volker Wissing ist ja
leider nicht da –</p>
<kommentar>(Stephan Thomae [FDP]: Aber der Staatssekretär ist
da!)</kommentar>
<p klasse="O">genau gemeint ist: Geht es um die saubere Art und
Weise der Beschaffung von Fahrzeugen, oder geht es hier um saubere Fahrzeuge? Ich
kann das leider heute Abend nicht klären; Herr Wissing ist ja persönlich nicht
da.</p>
<kommentar>(Stephan Brandner [AfD]: Ich habe da so einen
Verdacht! – Stephan Thomae [FDP]: Der Staatssekretär ist da!)</kommentar>
<p klasse="O">– Ja, wir haben da in letzter Zeit ja einige Sachen
gehört. Das können wir leider heute nicht persönlich ausdiskutieren.</p>
<p klasse="J">Fakt ist auf jeden Fall: Da gibt es mal ein
einigermaßen vernünftiges Gesetz, das Technologieoffenheit bei der Beschaffung von
Fahrzeugen vorsieht. Und was macht diese Regierung, die sich eigentlich genau diese
Technologieoffenheit auf die Fahne geschrieben hat bzw. die das, zumindest im
Wahlkampf, den Wählern immer so erzählt hat? Sie schafft diese Gesetzgebung ab. Sie
sorgt dafür, dass in Zukunft in diesem Bereich – wie momentan auch im normalen Pkw-
Bereich – nur noch Unfugtechnologien wie Elektro- und Wasserstoffantrieb
durchgesetzt werden können. Das ist ein Irrweg, und das haben Sie von der Union
auch Gott sei Dank erkannt.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Susanne Menge [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN]: In Ansätzen war das so zu hören bei Herrn Ploß, das stimmt! – Stephan
Brandner [AfD]: AfD wirkt!)</kommentar>
<p klasse="J">Nur: Wenn Sie, liebe Kollegen von der Union, das
erkannt haben und das auch durch Ihren Antrag ausdrücken, dann muss sich der
aufrichtige Wähler doch fragen: Warum setzen Sie das, wo Sie das jetzt erkannt
haben, nicht in der Europäischen Union durch, wo Sie die Kommissionspräsidentin
stellen? Das kann doch wohl nicht wahr sein, wie Sie die Leute hier in diesem Land
hinters Licht führen wollen!</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="O">Sie stehen genauso wie die Regierung für die
Abschaffung des Verbrennungsmotors – bis zum Beweis des Gegenteils. Dann können wir
das gerne korrigieren.</p>
<kommentar>(Dr. Christoph Ploß [CDU/CSU]: Das habe ich doch vorher
gesagt!)</kommentar>
<p klasse="O">– Ja, Sie haben es gesagt, aber Ihre Parteifreundin,
die Kommissionspräsidentin, handelt völlig anders.</p>
<kommentar>(Zuruf der Abg. Susanne Menge [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN])</kommentar>
<p klasse="O">Wir führen hier aber kein Zwiegespräch. Wir können
gerne noch mal darüber reden, was man machen kann, um den Verbrennungsmotor zu
erhalten.</p>
<p klasse="J">Es ist falsch, an dieser Stelle ein Gesetz zu machen,
das zu uneinhaltbaren Verwaltungsvorschriften führt. Es ist nicht bzw. nicht mit
vertretbarem Aufwand möglich, nachzuweisen, dass die Kraftstoffe ohne fossile
Energie hergestellt wurden. Das wissen auch alle, die sich damit beschäftigen; das
sagen die Verbände. Das Einzige, wozu dieses Gesetz führen wird, sind wahnsinnig
hohen Kosten bei den Verkehrsbetrieben. Das wollen Sie. Sie wollen weitere
Zuschüsse für den öffentlichen Nahverkehr.</p>
<kommentar>(Susanne Menge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Um Gottes
willen! Wie furchtbar ist das denn! Ganz schlimm! Ganz schlimm!)</kommentar>
<p klasse="O">Sie wollen weitere Zuschüsse für Unfugtechnologien.
Sie wollen dieses Land kaputtmachen, jawohl!</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD – Susanne Menge [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN]: Meine Güte! – Dr. Anja Reinalter [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Schwätzen Sie
doch nicht so ein Zeug! Das ist nur für Ihre Social-Media-Kanäle!)</kommentar>
<p klasse="J">Und weil Sie das wissen, ist das ja so verwerflich.
Es geht hier im Endeffekt nicht um irgendeine kleine Änderung. Es geht darum, dass
Sie alle vernünftigen Lösungen durch diese Änderung des Saubere-Fahrzeuge-
Beschaffungs-Gesetzes ausschalten. Sie wissen das. Sie machen es trotzdem. Machen
Sie weiter so! Das ist zwar schlecht für Deutschland, aber gut für die
Opposition,</p>
<kommentar>(Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Sie sind schlecht für
Deutschland!)</kommentar>
<p klasse="O">zumindest für die einzige Opposition, die das
ernsthaft vertritt; das ist unsere Partei.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Das Wort hat Stefan Gelbhaar für Bündnis 90/Die
Grünen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
</rede>
<rede id="ID2015418500">
<p klasse="redner"><a id="r200"/><redner
id="11004726"><name><vorname>Stefan</vorname><nachname>Gelbhaar</nachname><fraktion
>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Stefan Gelbhaar (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN):</p>
<p klasse="J_1">Sehr geehrte Frau Präsidentin! Die beiden Vorredner
machen ein bisschen sprachlos.</p>
<kommentar>(Heiterkeit und Beifall bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD)</kommentar>
<p klasse="O">Ich muss Herrn Spaniel eines zugestehen: Er war näher
am Thema dran als Herr Ploß. Das muss man schon sagen.</p>
<kommentar>(Heiterkeit bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN und der SPD – Dr. Christoph Ploß [CDU/CSU]: Reißt die Brandmauer da ein bei
den Grünen, oder wie?)</kommentar>
<p klasse="J">Herr Ploß, Ihnen sei gesagt: Sie haben zur Kohle und
zu Kernkraftwerken geredet. Sie haben das Gendern, das Lastenrad und den
Fleischkonsum vergessen.</p>
<kommentar>(Dr. Christoph Ploß [CDU/CSU]: Dafür reichte die
Redezeit nicht!)</kommentar>
<p klasse="O">Das hätte zu dieser Rede noch dazugepasst, die mit
dem Saubere-Fahrzeuge-Beschaffungs-Gesetz nichts, aber auch gar nichts zu tun
hatte.</p>
<p klasse="J">Dieses Gesetz gibt es schon lange. Das hat auch die
Große Koalition nicht abgeschafft oder so. Wir ändern dieses Gesetz in genau zwei
Punkten:</p>
<p klasse="J">Zum Ersten schaffen wir die Möglichkeit ab, dass man
Palmöl in Tanks packt.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)</kommentar>
<p klasse="O">Im Ausschuss haben Sie kein Wort dazu gesagt.</p>
<kommentar>(Dirk-Ulrich Mende [SPD], an die CDU/CSU gewandt: Hätten
Sie mal lesen sollen!)</kommentar>
<p klasse="O">Sie fanden das okay. Und ich finde es gut, dass Sie
es okay finden, dass keine Ölpalmen angepflanzt werden,</p>
<kommentar>(Dr. Christoph Ploß [CDU/CSU]: Ölpalmen? Was sind
Ölpalmen? – Stephan Brandner [AfD]: Napalm! Ich glaube, Sie meinen Napalm! Oder
Palmolive!)</kommentar>
<p klasse="O">– lesen Sie nach! –, wofür Regenwald abgeholzt werden
müsste, nur damit wir das Öl dann in den Tank tun. Das ist doch Konsens. Ich finde
das gut.</p>
<p klasse="J">Zum Zweiten haben wir die Beschaffungsquote ein Stück
weit erhöht – anscheinend haben Sie das überhaupt nicht zur Kenntnis genommen –,
damit die Bundesbehörden mehr saubere Fahrzeuge beschaffen.</p>
<kommentar>(Dr. Christoph Ploß [CDU/CSU]: Warum liegt das dann seit
September im Ausschuss, wenn das alles so einfach ist?)</kommentar>
<p klasse="O">Übrigens ist im Gesetz auch beschrieben und
definiert, was saubere Fahrzeuge sind. Deswegen ist das, was Sie da erzählt haben,
leider einfach nur Quatsch gewesen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD
sowie bei Abgeordneten der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Natürlich geht es auch darum, mehr Elektrofahrzeuge,
mehr saubere Fahrzeuge in den Markt zu bekommen. Um das eben für die Behörden, für
die Autobahn GmbH planungssicher zu gestalten, haben wir dieses Gesetz. Und, wie
gesagt, wir haben es schon lange. Deswegen ist es so irre, was Sie hier vorne
erzählt haben; ganz ehrlich. Wir etablieren damit auch einen Gebrauchtwagenmarkt
für saubere Fahrzeuge. Auch das hilft der Bevölkerung, sich solche Fahrzeuge zu
kaufen.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD)</kommentar>
<p klasse="J">Herr Spaniel, ich habe aus Ihrer Rede nur
mitgenommen, dass Sie gegen Zuschüsse für den ÖPNV sind. Glückwunsch dazu!</p>
<kommentar>(Dr. Dirk Spaniel [AfD]: Nein! Quatsch!)</kommentar>
<p klasse="O">Sie sollten sich vielleicht mal anschauen, wie viel
an Zuschüssen wir jedes Jahr auch für den Autoverkehr haben.</p>
<kommentar>(Dr. Dirk Spaniel [AfD]: Ja, wie viel haben wir denn
da?)</kommentar>
<p klasse="O">Stellen Sie das mal daneben. Dann sehen Sie: Die
Debatte ist eine andere. Aber geschenkt.</p>
<kommentar>(Stephan Brandner [AfD]: Jetzt kneifen, oder was?
Irgendwas raushauen und dann keine Fakten liefern!)</kommentar>
<p klasse="J">Dieses Gesetz ist ein gutes Gesetz. Deswegen würde
ich vorschlagen, dass wir den Gesetzentwurf heute annehmen. Wir schaffen damit
Planungssicherheit, wir schaffen damit eine höhere klimafreundliche Beschaffung.
Dann haben wir da einen Punkt gemacht.</p>
<p klasse="J">Wir haben auch noch einen Antrag der CDU/CSU
vorliegen. Auch mit ihm müssen wir uns befassen und ihn bescheiden. Ich würde
vorschlagen, dass wir ihn ablehnen;</p>
<kommentar>(Heiterkeit bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN und der SPD)</kommentar>
<p klasse="O">denn er will das Saubere-Fahrzeuge-Beschaffungs-
Gesetz zu einem Dreckige-Fahrzeuge-Beschaffungs-Gesetz machen. Er besagt nämlich,
dass man auch fossile Quellen, also Kohle und Kernkraft, für die Gewinnung von E-
Fuels nutzen können sollte. Ich habe in den letzten zwei Jahren gelernt, E-Fuels
seien diese supersauberen Kraftstoffe aus Peru, mit Windkraft hergestellt. Das war
die Erzählung der CDU/CSU und auch von anderen. Da gab es schöne Bilder von Porsche
und Co. Und jetzt kommt die dramatische Wendung der CDU/CSU hier am Pult: Es geht
nicht mehr um E-Fuels aus Windkraft aus Peru, nein, E-Fuels soll man auch aus Kohle
machen können.</p>
<kommentar>(Dr. Christoph Ploß [CDU/CSU]: „Aus Kohle“ haben wir
doch nicht gesagt! Kernkraft!)</kommentar>
<p klasse="O">Das, glaube ich, müssten Sie noch ein bisschen
erklären.</p>
<kommentar>(Stefan Müller [Erlangen] [CDU/CSU]: Kohle machen Sie
gerade! – Dr. Christoph Ploß [CDU/CSU]: Kohle machen Sie! Das ist Sache der
Grünen!)</kommentar>
<p klasse="O">Das ist nicht mal mehr Greenwashing. Das ist quasi
ein Dreckige-Fahrzeuge-Beschaffungs-Gesetz, und das lehnen wir natürlich ab.</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der SPD – Henning Rehbaum [CDU/CSU]: Aber Elektromobilität mit
Braunkohlestrom ist okay, oder? – Dr. Christoph Ploß [CDU/CSU]: E-Autos mit
Braunkohlestrom sind der richtige Ansatz! Das sind die grünen
Ideologen!)</kommentar>
<p klasse="J">Ich sage noch einen letzten Punkt, weil auch Herr
Ploß hier immer E-Fuels und HVO durcheinanderbringt. Wir ändern in diesem Zuge auch
die 10. BImSchV und lassen E-Fuels zu. Das heißt, Ihr Traum geht in Erfüllung. Sie
können uns künftig gallonenweise E-Fuels mitbringen und zeigen, dass es die gibt.
Und wenn Sie die für 5 Euro den Liter in Ihren Pkw füllen wollen, dann machen Sie
das doch gerne. Viel Spaß dabei!</p>
<kommentar>(Dr. Christoph Ploß [CDU/CSU]: Ich habe gar keinen Pkw!
Ich fahre nur U- und S-Bahn und nehme das Rad!)</kommentar>
<p klasse="J">Glück auf!</p>
<kommentar>(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD
sowie bei Abgeordneten der FDP)</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Für die CDU/CSU-Fraktion hat Martina Englhardt-Kopf
ihre Rede zu Protokoll gegeben, genauso wie Thomas Lutze für die SPD-
Fraktion.<sup>1</sup><fussnote><p><a href="ANL19">Anlage 19</a></p></fussnote>
Dafür herzlichen Dank!</p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU, des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP – Stephan Brandner [AfD]: Super!)</kommentar>
<p klasse="J">Wir kommen zur Abstimmung über den von der
Bundesregierung eingebrachten Gesetzentwurf zur Änderung des Saubere-Fahrzeuge-
Beschaffungs-Gesetzes. Der Verkehrsausschuss empfiehlt in seiner
Beschlussempfehlung auf Drucksache 20/10412, den Gesetzentwurf der Bundesregierung
auf den Drucksachen 20/8295 und 20/8647 in der Ausschussfassung anzunehmen. Wer
möchte dem Gesetzentwurf zustimmen und hebt dafür seine Hand? – Das sind die
Koalitionsfraktionen. Wer ist dagegen? – Das sind Union und AfD. Enthält sich
jemand? – Das sehe ich nicht. Dann ist der Gesetzentwurf in zweiter Beratung mit
den Für- und Gegenstimmen, wie ich sie genannt habe, angenommen.</p>
<p klasse="K">Dritte Beratung</p>
<p klasse="O">und Schlussabstimmung. Wer will zustimmen und steht dafür
auf? – Wer möchte dagegenstimmen und steht dafür auf? – Möchte sich jemand
enthalten? – Das sehe ich nicht. Dann ist der Gesetzentwurf in dritter Beratung mit
dem gleichen Stimmverhältnis wie vorher angenommen.</p>
<p klasse="J">Wir kommen jetzt zur Abstimmung über den
Entschließungsantrag der Fraktion der CDU/CSU auf Drucksache 20/10421. Wer stimmt
für den Entschließungsantrag? – Das sind die Unionsfraktion und die AfD. Wer stimmt
dagegen? – Das sind die Koalitionsfraktionen.</p>
<kommentar>(Dr. Christoph Ploß [CDU/CSU]: Oje! Verpasste Chance! Damit
hätte die Ampel die Wende hinbekommen! – Gegenruf des Abg. Stefan Gelbhaar
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Schlechtester Antrag aller Zeiten!)</kommentar>
<p klasse="O">Enthält sich jemand? – Das sehe ich nicht. Dann ist der
Entschließungsantrag abgelehnt.</p>
</tagesordnungspunkt>
<tagesordnungspunkt top-id="Tagesordnungspunkt 18">
<p klasse="J">Ich komme zu Tagesordnungspunkt 18:</p>
<p klasse="T_NaS"><a id="t50"/> Beratung der Unterrichtung
durch die Bundesregierung </p>
<p klasse="T_fett"> Bericht zum Anerkennungsgesetz 2023</p>
<p klasse="T_Drs"> Drucksache <a
href="[Link]
<p klasse="T_Ueberweisung"> Überweisungsvorschlag: Ausschuss
für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung (f) Ausschuss für Inneres und
Heimat Rechtsausschuss Ausschuss für Arbeit und Soziales Ausschuss für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend</p>
<p klasse="J">Auch hier sind theoretisch 26 Minuten für die Aussprache
vorgesehen.</p>
<p klasse="J">Das Wort hat für die Bundesregierung Dr. Jens
Brandenburg.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP)</kommentar>
<rede id="ID2015418600">
<p klasse="redner"><a id="r201"/><redner
id="11004676"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Jens</vorname><nachname>Brandenburg<
/nachname><rolle><rolle_lang>Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für
Bildung und Forschung</rolle_lang><rolle_kurz>Parl. Staatssekretär
BMBF</rolle_kurz></rolle></name></redner>Dr. Jens Brandenburg, Parl. Staatssekretär
bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung:</p>
<p klasse="J_1">Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Seit zwölf Jahren ermöglicht das Anerkennungsgesetz des Bundes
Menschen, die im Ausland berufliche Qualifikationen erworben haben, diese in
Deutschland anerkennen zu lassen und somit einen einfacheren Zugang in den
deutschen Arbeitsmarkt zu bekommen. Wie sich die Zahlen, die Nachfrage, die
Verfahren entwickeln, darüber berichtet die Bundesregierung alle paar Jahre, so
auch im aktuellen Bericht, der sich auf die Jahre 2019 bis 2022 bezieht.</p>
<p klasse="J">Die Zahlen sind sehr erfreulich. So gibt es im
Jahr 2022 einen neuen Rekord, einen Höchststand von etwa 50 000 erfolgreichen
Anerkennungsverfahren. Wir haben im Berichtszeitraum von 2019 bis 2022 so viele
erfolgreiche Verfahren erlebt wie im gesamten Zeitraum davor. Wir sehen, dass sich
die Verfahrensdauer von 111 Tagen auf im Schnitt 85 Tage deutlich verkürzt hat.
Immer mehr Anträge werden auch direkt aus dem Ausland gestellt. Und sehr spannend
finde ich im Übrigen, dass im Zuständigkeitsbereich des Bundes etwa 80 Prozent der
Verfahren den Bereich der Gesundheitsberufe betreffen.</p>
<p klasse="J">Jetzt sind das aber keine kalten Zahlen, sondern
dahinter stecken konkrete Menschen. Das sind jedes Jahr etwa 50 000
leistungsbereite Menschen, die in Deutschland leben und arbeiten wollen. Das ist
eine gute Nachricht für unsere Volkswirtschaft, sicher eine gute Nachricht auch für
den Bundeshaushalt – das sind dann ja auch Steuerzahler und Steuerzahlerinnen –,
vor allem aber eine gute Nachricht für all die deutschen Unternehmen, die
händeringend neue Fachkräfte suchen. Und es ist eine gute Nachricht für all die
Patienten und Kundinnen, die dringend beispielsweise Handwerker oder Pflegekräfte
suchen. Deutschland, unsere Volkswirtschaft braucht nicht weniger, sondern mehr
Zuwanderung. Deshalb zeigen diese Zahlen so einen Erfolg.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Gleichzeitig dürfen uns, wenn wir uns den
Fachkräftemangel anschauen, diese Zahlen natürlich nicht zufriedenstellen. Deshalb
haben wir auch in dieser Legislaturperiode als Koalition einiges auf den Weg
gebracht. Nur beispielhaft möchte ich an dieser Stelle das
Pflegestudiumstärkungsgesetz nennen, das insbesondere Hürden bei der Zuwanderung
für Pflegekräfte abgebaut hat, oder die erfolgreiche Reform des
Fachkräfteeinwanderungsgesetzes im vergangenen Jahr. Auch dadurch wurden
bürokratische Hürden für Zuwanderung in den Arbeitsmarkt abgebaut und insbesondere
mit der Anerkennungspartnerschaft die Möglichkeit gegeben, zuerst nach Deutschland
einzuwandern, hier zu arbeiten und im Laufe dessen dann parallel das
Anerkennungsverfahren durchzuführen. In der Zuständigkeit des BMBF kommt die
Verstetigung des Anerkennungszuschusses für Menschen mit niedrigem Einkommen,
sodass auch sie dieses Verfahren durchlaufen können.</p>
<p klasse="J">Allerdingst möchte ich nicht verhehlen, dass noch
viel zu tun ist, insbesondere was die Effizienz auf Verwaltungsseite angeht.
Oftmals sehen wir gerade bei den Berufen in der Zuständigkeit der Länder 16
unterschiedliche – manchmal noch mehr – zuständige Stellen in ganz Deutschland. Bei
den digitalen Verfahren ist es mit dem Bundeszuschuss von 13 Millionen Euro jetzt
gelungen, ein einheitliches elektronisches Antragsverfahren für alle Berufe zur
Verfügung zu stellen. Einige Bundesländer nehmen das in Anspruch, noch lange nicht
alle. Gerade im Bereich „Verwaltungseffizienz und Digitalisierung“ haben wir also
noch viel vor uns und noch viel zu tun, damit diese Zahlen im nächsten
Berichtszeitraum dann noch etwas höher sein werden. In diesem Sinne setzen wir auf
diese gute Nachricht in den nächsten Jahren gerne noch was drauf.</p>
<p klasse="J">Ich freue mich auf die Debatte – die in dieser Nacht
vermutlich recht kurz sein wird, im Ausschuss dann etwas ausführlicher.</p>
<p klasse="J">Vielen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Seine Rede zu Protokoll gibt Norbert Maria Altenkamp
für die CDU/CSU-Fraktion, genauso wie Dr. Lina Seitzl für die SPD-
Fraktion.<sup>1</sup><fussnote><p><a href="ANL20">Anlage 20</a></p></fussnote></p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD)</kommentar>
<p klasse="J">Zu Wort kommt Nicole Höchst für die AfD.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<rede id="ID2015418700">
<p klasse="redner"><a id="r202"/><redner
id="11004753"><name><vorname>Nicole</vorname><nachname>Höchst</nachname><fraktion>A
fD</fraktion></name></redner>Nicole Höchst (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Werte Kollegen! Meine sehr
verehrten Damen und Herren! Seit 2012 ist das Anerkennungsgesetz in Kraft. Bis
Ende 2022 wurden 365 000 Anträge auf Anerkennung der Gleichwertigkeit ausländischer
Berufsqualifikationen gestellt; das macht im Durchschnitt 30 416 pro Jahr.</p>
<p klasse="J">2022 entfielen 32 226 Anträge auf
Berufsqualifikationen aus Drittstaaten. Schauen wir beispielhaft auf Syrer, die
über den Gesamtbetrachtungszeitraum rund 17 800 dieser Anträge gestellt haben –
macht im Durchschnitt 1 483 Anträge im Jahr. Seit 2012 ist die Anzahl der Syrer in
Deutschland um 891 000 Personen angewachsen. Auf im Schnitt 74 250 zugewanderte
Syrer pro Jahr seit 2012 kommen also 1 483 gestellte Anträge auf Anerkennung nach
dem Bundesgesetz im Schnitt pro Jahr. Meine Damen und Herren, ich übersetze Ihnen
das mal in die Realität: Im Schnitt haben pro Jahr 72 767 zugewanderte Syrer keinen
Antrag auf Anerkennung irgendeiner Qualifikation gestellt – eine Stadt fast so groß
wie Zwickau, die wiederum Fachkräfte aller Art, Wohnraum etc. benötigt.</p>
<kommentar>(Ruppert Stüwe [SPD]: Ach, Sie benutzen das zur Hetze,
das Gesetz!)</kommentar>
<p klasse="J">Im März 2023 bezogen 587 000 erwerbsfähige
Flüchtlinge aus Ländern wie Syrien, Afghanistan und dem Irak in Deutschland
Bürgergeld. Es ist wichtig, zu beachten, dass der Großteil dieser
Bürgergeldempfänger als erwerbsfähig gilt. Laut dem Migrationsmonitor der BA haben
87 Prozent der arbeitslosen Menschen aus den Asylherkunftsländern keinen
Berufsabschluss. Gerade mal 4,3 Prozent absolvierten eine schulische oder
betriebliche Ausbildung, und lediglich 7,3 Prozent verfügen über einen akademischen
Abschluss. Upsi! Ich übersetze Ihnen das wieder mal salopp: Wo nichts ist, da
können Sie auch nichts anerkennen.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="O">Ich frage Sie, Frau Ministerin: Wie viele von diesen
Leuten wollen Sie davon überzeugen, zu arbeiten? Wie? Und als was?</p>
<kommentar>(Stephan Brandner [AfD]: Wo ist denn die
Ministerin?)</kommentar>
<p klasse="J">Schauen wir genau: Welchen Mehrwert für Deutschland
hat Ihr Gesetz insgesamt? Im Durchschnitt wurden 2022 pro Quartal insgesamt
8 057 Anträge auf Anerkennung aus Drittländern gestellt. Rechnen wir überschlägig:
Im letzten Quartal 2022 gab es 1,63 Millionen offene Arbeitsstellen und
8 057 Anträge auf Anerkennung. Ihr tolles Gesetz hat also dafür gesorgt, dass
0,49 Prozent dieser offenen Stellen durch Antragsteller von anderswo hätten besetzt
werden können, wenn sich diese tatsächlich in Arbeit befinden würden, worüber keine
Statistik geführt wird. Meine Damen und Herren, das nennt sich salopp „doppelter
Beschiss“.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
<p klasse="J">Sie beheben den Fachkräftemangel nicht; Sie
verschärfen ihn. Es ist ein volkswirtschaftliches Armageddon, was Sie und die Ampel
für Deutschland da veranstalten und was Sie hier wieder schönreden. Kein Wunder,
dass Sie der Opposition wenig mehr als einen Tag Zeit gegeben haben, um den Bericht
zu studieren!</p>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Ihre Redezeit ist zu Ende.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004753"><name><vorname>Nicole</vorname><nachname>Höchst</nachname><fraktion>A
fD</fraktion></name></redner>Nicole Höchst (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Ich komme zum Schluss.</p>
<kommentar>(Ruppert Stüwe [SPD]: Jetzt ist Schluss!)</kommentar>
<p klasse="O">Es ist sonnenklar, dass Sie diesen nicht bei
Tageslicht debattieren wollen.</p>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Ihre Redezeit ist wirklich zu Ende.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11004753"><name><vorname>Nicole</vorname><nachname>Höchst</nachname><fraktion>A
fD</fraktion></name></redner>Nicole Höchst (AfD):</p>
<p klasse="J_1">Vielen herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der AfD)</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Die Kollegin Dr. Anja Reinalter für Bündnis 90/Die
Grünen hat ihre Rede zu Protokoll gegeben.<sup>2</sup><fussnote><p><a
href="ANL20">Anlage 20</a></p></fussnote></p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN und der FDP)</kommentar>
<p klasse="J">Zu Wort kommt für die FDP-Fraktion Friedhelm
Boginski.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<rede id="ID2015418800">
<p klasse="redner"><a id="r203"/><redner
id="11005028"><name><vorname>Friedhelm</vorname><nachname>Boginski</
nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></redner>Friedhelm Boginski (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und
Herren! Eigentlich wollte ich meine Rede auch zu Protokoll geben. Aber, ich glaube,
wir sind uns alle einig: Das letzte Wort an diesem Tag in diesem Haus hat immer ein
Demokrat. Das ist wichtig, und deshalb bin ich hier.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN – Stephan Brandner [AfD]: Ja, dann müssen Sie sich aber wieder hinsetzen!
1 Minute, 1 Prozent! – Dr. Carolin Wagner [SPD]: Sehr richtig! Kein Platz für Hetze
im Parlament!)</kommentar>
<p klasse="J">Das Anerkennungsgesetz, das unsere Bundesregierung
hier auf den Weg gebracht hat, ist etwas sehr Wichtiges, weil es uns hilft, unsere
Volkswirtschaft in der nächsten Zeit zu stärken. Mir ist es wichtig, dass wir vor
allen Dingen auch im Ausland schon in die Werbung hineingehen und den Menschen dort
versichern, dass sie hier in Deutschland gebraucht werden.</p>
<kommentar>(Jörn König [AfD]: Ach, das Bürgergeld ist Werbung
genug! – Stephan Brandner [AfD]: Genau wie die FDP gebraucht wird, oder? Fragen Sie
mal draußen, wer die FDP überhaupt noch kennt!)</kommentar>
<p klasse="J">Ich muss mal ganz ehrlich sagen: Ich weiß nicht, ob
Sie auch mal an die Ostsee fahren; das ist ja so mein Spezialgebiet. Wenn Sie dort
hinkommen, werden Sie sehen, dass Sie ohne ausländische Fachkräfte gar nicht mehr
bedient werden können, dass Sie nicht mehr im Hotel untergebracht werden können
oder Ähnliches. Wir brauchen Menschen aus dem Ausland, die hier bei uns in
Deutschland arbeiten.</p>
<kommentar>(Stephan Brandner [AfD]: Sie brauchen Wähler! – Jörn
König [AfD]: Nee, wir brauchen Kinder, Herr Boginski! Kinder brauchen
wir!)</kommentar>
<p klasse="O">Diese Menschen müssen eine Anerkennung kriegen, damit
sie dementsprechend auch ordentlich bezahlt werden können. Dafür stehen wir ein,
und deshalb sind wir dankbar, dass unser Ministerium ein solches Anerkennungsgesetz
auf den Weg gebracht hat.</p>
<kommentar>(Nicole Höchst [AfD]: Ein wichtiges!
0,49 Prozent!)</kommentar>
<p klasse="J">Meine große Bitte ist, die Digitalisierung auch im
Ausland entsprechend voranzubringen.</p>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege, Ihre Redezeit!</p>
<kommentar>(Stephan Brandner [AfD]: Lassen Sie ihn ruhig noch ein
paar demokratische Worte sprechen!)</kommentar>
<p klasse="redner"><redner
id="11005028"><name><vorname>Friedhelm</vorname><nachname>Boginski</
nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></redner>Friedhelm Boginski (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Herr Brandner, Sie würden hier gar nicht
vorwärtskommen.</p>
<kommentar>(Stephan Brandner [AfD]: Ich verteidige Sie
gerade!)</kommentar>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Herr Kollege, Ihre Redezeit ist längst
überschritten.</p>
<p klasse="redner"><redner
id="11005028"><name><vorname>Friedhelm</vorname><nachname>Boginski</
nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></redner>Friedhelm Boginski (FDP):</p>
<p klasse="J_1">Dann freue ich mich auf den Abend und darüber, dass
ich der letzte Redner war.</p>
<p klasse="J">Ganz herzlichen Dank.</p>
<kommentar>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Beifall des Abg. Thomas Seitz [AfD])</kommentar>
</rede>
<name>Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:</name>
<p klasse="J_1">Wir haben die Reden von Stephan Albani für die CDU/CSU-
Fraktion und von Dr. Carolin Wagner für die SPD-Fraktion zu Protokoll
genommen.<sup>1</sup><fussnote><p><a href="ANL20">Anlage 20</a></p></fussnote></p>
<kommentar>(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</kommentar>
<p klasse="J">Interfraktionell wird Überweisung der Vorlage auf
Drucksache 20/10350 an die in der Tagesordnung aufgeführten Ausschüsse
vorgeschlagen. – Damit sind Sie einverstanden; das ist wunderbar.</p>
<p klasse="J">Damit sind wir am Schluss der heutigen Tagesordnung.</p>
<p klasse="J"><a id="s8"/>Ich freue mich, Ihnen sagen zu können, dass
die nächste Sitzung des Deutschen Bundestages morgen, am Freitag, dem 23. Februar
2024, um 9 Uhr stattfindet. </p>
<p klasse="J">Genießen Sie die restlichen Minuten des Tages und die
gewonnenen Einsichten. Die Sitzung ist geschlossen.</p>
<p klasse="T_Beratung">(Schluss: 23.48 Uhr)</p>
</tagesordnungspunkt>
<sitzungsende sitzung-ende-uhrzeit="23:49"/>
</sitzungsverlauf>
<anlagen>
<anlagen-titel>Anlagen zum Stenografischen Bericht</anlagen-titel>
<anlage>
<anlagen-titel><a id="ANL1"/>Anlage 1</anlagen-titel>
<anlagen-text anlagen-typ="Entschuldigte Abgeordnete">
<p klasse="Anlage_2"><a id="ANLt1"/>Entschuldigte Abgeordnete </p>
<table>
<colgroup>
<col width="53.0%"/>
<col width="47.0%"/>
</colgroup>
<tbody>
<tr>
<th>Abgeordnete(r)</th>
<th/>
</tr>
</tbody>
<tbody>
<tr>
<td>Aeffner, Stephanie</td>
<td>BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN</td>
</tr>
<tr>
<td>Ahmetovic, Adis</td>
<td>SPD</td>
</tr>
<tr>
<td>Al-Dailami, Ali</td>
<td>BSW</td>
</tr>
<tr>
<td>Alt, Renata (Teilnahme an einer Parl.
Versammlung)</td>
<td>FDP</td>
</tr>
<tr>
<td>Andres, Dagmar</td>
<td>SPD</td>
</tr>
<tr>
<td>Baerbock, Annalena</td>
<td>BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN</td>
</tr>
<tr>
<td>Bareiß, Thomas</td>
<td>CDU/CSU</td>
</tr>
<tr>
<td>Bayram, Canan (Teilnahme an einer Parl.
Versammlung)</td>
<td>BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN</td>
</tr>
<tr>
<td>Bollmann, Gereon</td>
<td>AfD</td>
</tr>
<tr>
<td>De Ridder, Dr. Daniela (Teilnahme an einer Parl.
Versammlung)</td>
<td>SPD</td>
</tr>
<tr>
<td>Deligöz, Ekin</td>
<td>BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN</td>
</tr>
<tr>
<td>Dietz, Thomas</td>
<td>AfD</td>
</tr>
<tr>
<td>Esdar, Dr. Wiebke</td>
<td>SPD</td>
</tr>
<tr>
<td>Frohnmaier, Markus</td>
<td>AfD</td>
</tr>
<tr>
<td>Gava, Manuel</td>
<td>SPD</td>
</tr>
<tr>
<td>Grund, Manfred (Teilnahme an einer Parl.
Versammlung)</td>
<td>CDU/CSU</td>
</tr>
<tr>
<td>Heil, Mechthild</td>
<td>CDU/CSU</td>
</tr>
<tr>
<td>Henneberger, Kathrin</td>
<td>BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN</td>
</tr>
<tr>
<td>Hessel, Katja</td>
<td>FDP</td>
</tr>
<tr>
<td>Huy, Gerrit</td>
<td>AfD</td>
</tr>
<tr>
<td>Kaddor, Lamya</td>
<td>BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN</td>
</tr>
<tr>
<td>Kaufmann, Dr. Stefan</td>
<td>CDU/CSU</td>
</tr>
<tr>
<td>Keuter, Stefan (Teilnahme an einer Parl.
Versammlung)</td>
<td>AfD</td>
</tr>
<tr>
<td>Klinck, Dr. Kristian (Teilnahme an einer Parl.
Versammlung)</td>
<td>SPD</td>
</tr>
<tr>
<td>König, Anne</td>
<td>CDU/CSU</td>
</tr>
<tr>
<td>Kreiser, Dunja</td>
<td>SPD</td>
</tr>
<tr>
<td>Kruse, Michael</td>
<td>FDP</td>
</tr>
<tr>
<td>Kuban, Tilman</td>
<td>CDU/CSU</td>
</tr>
<tr>
<td>Limbacher, Esra</td>
<td>SPD</td>
</tr>
<tr>
<td>Lindner, Dr. Tobias</td>
<td>BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN</td>
</tr>
<tr>
<td>Mast, Katja</td>
<td>SPD</td>
</tr>
<tr>
<td>Möhring, Cornelia</td>
<td>Die Linke</td>
</tr>
<tr>
<td>Müntefering, Michelle</td>
<td>SPD</td>
</tr>
<tr>
<td>Naujok, Edgar</td>
<td>AfD</td>
</tr>
<tr>
<td>Pau, Petra</td>
<td>Die Linke</td>
</tr>
<tr>
<td>Piechotta, Dr. Paula</td>
<td>BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN</td>
</tr>
<tr>
<td>Pohl, Jürgen</td>
<td>AfD</td>
</tr>
<tr>
<td>Renner, Martin Erwin</td>
<td>AfD</td>
</tr>
<tr>
<td>Rohde, Dennis</td>
<td>SPD</td>
</tr>
<tr>
<td>Roth (Heringen), Michael</td>
<td>SPD</td>
</tr>
<tr>
<td>Schätzl, Johannes</td>
<td>SPD</td>
</tr>
<tr>
<td>Schauws, Ulle</td>
<td>BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN</td>
</tr>
<tr>
<td>Scheuer, Andreas</td>
<td>CDU/CSU</td>
</tr>
<tr>
<td>Schierenbeck, Peggy</td>
<td>SPD</td>
</tr>
<tr>
<td>Sekmen, Melis</td>
<td>BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN</td>
</tr>
<tr>
<td>Simon, Björn</td>
<td>CDU/CSU</td>
</tr>
<tr>
<td>Stöcker, Diana</td>
<td>CDU/CSU</td>
</tr>
<tr>
<td>Stumpp, Christina (gesetzlicher Mutterschutz)</td>
<td>CDU/CSU</td>
</tr>
<tr>
<td>Vogel, Johannes</td>
<td>FDP</td>
</tr>
<tr>
<td>Weingarten, Dr. Joe (Teilnahme an einer Parl.
Versammlung)</td>
<td>SPD</td>
</tr>
<tr>
<td>Winkler, Tobias (Teilnahme an einer Parl.
Versammlung)</td>
<td>CDU/CSU</td>
</tr>
<tr>
<td>Witt, Uwe</td>
<td>fraktionslos</td>
</tr>
<tr>
<td>Zeulner, Emmi</td>
<td>CDU/CSU</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</anlagen-text>
</anlage>
<anlage>
<anlagen-titel><a id="ANL2"/>Anlage 2</anlagen-titel>
<anlagen-text anlagen-typ="Erklärung nach § 31 GO">
<p klasse="Anlage_2"><a id="ANLt2"/>Erklärung nach § 31 GO </p>
<p klasse="Anlage_3">der Abgeordneten Manuel Höferlin,
Dr. Christoph Hoffmann, Carina Konrad, Kristine Lütke, Alexander Müller, Ria
Schröder und Dr. Stephan Seiter (alle FDP) zu der namentlichen Abstimmung über den
Antrag der Fraktion der CDU/CSU:</p>
<p klasse="Anlage_3">Für eine echte Zeitenwende in der deutschen
Außen- und Sicherheitspolitik</p>
<p klasse="Anlage_3">(Tagesordnungspunkt 7)</p>
<p klasse="J">Ich unterstütze die Forderungen, der Ukraine Taurus-
Marschflugkörper zur Verfügung zu stellen und einen Nationalen Sicherheitsrat im
Bundeskanzleramt einzurichten.</p>
<p klasse="J">Die Regierungskoalition bringt diese Woche einen
eigenen Antrag in den Bundestag ein, welcher anlässlich des zweiten Jahrestages des
erneuten russischen Überfalls auf die Ukraine unsere Ansprüche an die deutschen
Unterstützungsleistungen umfassender und detaillierter formuliert. Der
Koalitionsantrag gibt der deutschen Sicherheits- und Ukraine-Politik klare Konturen
und Ziele.</p>
<p klasse="J">Mit dem Antrag der Regierungskoalition halten wir als
Parlament erstmals in dieser Deutlichkeit fest, dass das Ziel ist, die volle
territoriale Integrität der Ukraine wiederherzustellen – dies schließt explizit die
Krim mit ein. Zentral ist ebenfalls, dass wir uns darauf verständigt haben, dass
die Ukraine diesen Krieg gewinnen und Russland ihn verlieren muss. Wir beschränken
uns nicht auf den Taurus, sondern wollen der Ukraine eine breite Unterstützung mit
präzisen, weitreichenden Systemen zukommen lassen. Unser Antrag ist ein klares
Signal der fortgesetzten und vertieften Solidarität des Deutschen Bundestages mit
der Ukraine.</p>
<p klasse="J">Der Unionsantrag hingegen bleibt in seinen
Forderungen unpräzise und wirkt wie pflichtschuldig in aller Eile geschrieben. Die
darin gefasste negative Bewertung der im Rahmen der Zeitenwende durch die
Bundesregierung getroffenen Maßnahmen teile ich nicht. Den vorliegenden Antrag der
CDU/CSU-Bundestagsfraktion lehne ich daher ab.</p>
</anlagen-text>
</anlage>
<anlage>
<anlagen-titel><a id="ANL3"/>Anlage 3</anlagen-titel>
<anlagen-text anlagen-typ="Erklärungen nach § 31 GO">
<p klasse="Anlage_2"><a id="ANLt3"/>Erklärungen nach § 31 GO </p>
<p klasse="Anlage_3">zu der namentlichen Abstimmung über den Antrag
der Fraktion der CDU/CSU:</p>
<p klasse="Anlage_3">Für eine echte Zeitenwende in der deutschen
Außen- und Sicherheitspolitik</p>
<p klasse="Anlage_3">(Tagesordnungspunkt 7)</p>
<rede id="ID2015418900">
<p klasse="redner"><a id="ANLr1"/><redner
id="11005001"><name><vorname>Valentin</vorname><nachname>Abel</nachname><fraktion>F
DP</fraktion></name></redner>Valentin Abel (FDP):</p>
<p klasse="J">Die Forderung, der Ukraine Marschflugkörper des
Typs Taurus zu liefern, genießt meine uneingeschränkte Unterstützung. Ebenso sollte
dringend ein Nationaler Sicherheitsrat auf Ebene des Bundeskanzleramts eingerichtet
werden.</p>
<p klasse="J">Der Antrag der Unionsfraktion greift aus meiner
Sicht jedoch in entscheidenden Punkten zu kurz. Nur, weil ein Waffensystem in einem
Antrag namentlich genannt wird, darf dies nicht über Defizite in anderen Bereichen
hinwegtäuschen. Ja, die Ukraine braucht Taurus-Marschflugkörper, aber sie braucht
in Zukunft potenziell auch andere Waffensysteme, um den Aggressor zu vertreiben und
ihr Staatsgebiet von den Besatzern zu befreien.</p>
<p klasse="J">Zwei Jahre nach Beginn der völkerrechtswidrigen
Invasion der gesamten Ukraine durch Russland und zehn Jahre nach dessen
verbrecherischer Annexion der Autonomen Republik Krim haben die regierungstragenden
Fraktionen ihrerseits einen allumfassenden Antrag zur Unterstützung der Ukraine auf
den Weg gebracht, der nicht bei der Frage um die Lieferung von Marschflugkörpern
haltmacht.</p>
<p klasse="J">Der Antrag der Ampelkoalition schließt für mich
explizit Taurus mit ein, zeigt sich jedoch offen für weiterreichende Lieferungen
militärischen Materials. Zudem bekennt sich das Parlament mit diesem Antrag auch
erstmals zur vollen territorialen Integrität der Ukraine in den international
anerkannten und im Budapester Memorandum auch von der Russischen Föderation
garantierten Grenzen.</p>
<p klasse="J">Ausdrücklich stelle ich mich gegen den im Antrag
der Unionsfraktion anklingenden Vorwurf der Passivität der Bundesregierung
gegenüber der Ukraine seit Beginn der Eskalation des Krieges im Februar 2022. Die
seitdem veranlasste Hilfe – sei sie militärisch, finanziell oder humanitär – ist
international vorbildlich und die eingeleiteten Reformen in den Bereichen
Verteidigung und Energiesicherheit stellen Jahre unionsgeführter Bundesregierungen
in den Schatten.</p>
<p klasse="J">Jedem Demokraten und jeder Demokratin sollte klar
sein, dass die Zukunft der Ukraine auch großen Einfluss auf die Zukunft
Deutschlands und Europas hat. Dauerhafter Frieden in Osteuropa kann es nur mit
wahrer Selbstbestimmung der dort lebenden Völker ohne Angst vor kriegerischen
Attacken autoritärer Nachbarstaaten geben. Ein Sieg der Ukraine liegt daher im
Interesse aller freiheitsliebenden Menschen.</p>
<p klasse="J">Ich setze mich dafür ein, die Menschen in der
Ukraine und die Soldaten und Soldatinnen an der Front auch weiterhin mit allem zu
unterstützen, was sie auf dem Weg dorthin brauchen – seien es Taurus, andere
Waffensysteme oder finanzielle Mittel.</p>
<p klasse="J">Da mir der Antrag der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
zu kurz greift, lehne ich ihn ab.</p>
</rede>
<rede id="ID2015419000">
<p klasse="redner"><a id="ANLr2"/><redner
id="11004003"><name><vorname>Christine</vorname><nachname>Aschenberg-Dugnus</
nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></redner>Christine Aschenberg-Dugnus
(FDP):</p>
<p klasse="J">Ich unterstütze die Forderungen, der Ukraine
Taurus-Marschflugkörper zur Verfügung zu stellen und einen Nationalen
Sicherheitsrat im Bundeskanzleramt einzurichten.</p>
<p klasse="J">Die Regierungskoalition bringt diese Woche einen
eigenen Antrag in den Bundestag ein, welcher anlässlich des zweiten Jahrestages des
erneuten russischen Überfalls auf die Ukraine unsere Ansprüche an die deutschen
Unterstützungsleistungen umfassender und detaillierter formuliert. Der
Koalitionsantrag gibt der deutschen Sicherheits- und Ukraine-Politik klare Konturen
und Ziele.</p>
<p klasse="J">Die Regierungskoalition hält in ihrem Antrag
erstmals in dieser Deutlichkeit fest, dass die Wiederherstellung der vollen
territorialen Integrität der Ukraine das Ziel ist – dies schließt auch explizit die
Krim mit ein. Zentral ist ebenfalls, dass wir uns darauf verständigt haben, dass
die Ukraine diesen Krieg gewinnen und Russland ihn verlieren muss.</p>
<p klasse="J">Wir beschränken uns nicht auf den Taurus, sondern
wollen der Ukraine eine breite Unterstützung mit präzisen, weitreichenden Systemen
zukommen lassen. Unser Antrag ist ein klares Signal der fortgesetzten und
vertieften Solidarität des Deutschen Bundestags mit der Ukraine.</p>
<p klasse="J">Der Unionsantrag hingegen bleibt in seinen
Forderungen unpräzise und wirkt wie pflichtschuldig in aller Eile geschrieben. Die
darin gefasste negative Bewertung der im Rahmen der Zeitenwende durch die
Bundesregierung getroffenen Maßnahmen teile ich nicht. Den vorliegenden Antrag der
CDU/CSU-Bundestagsfraktion lehne ich daher ab.</p>
</rede>
<rede id="ID2015419100">
<p klasse="redner"><a id="ANLr3"/><redner
id="11004697"><name><vorname>Carl-Julius</vorname><nachname>Cronenberg</
nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></redner>Carl-Julius Cronenberg (FDP):</p>
<p klasse="J">Die Forderung der Ukraine, Taurus-
Marschflugkörper zur Verfügung zu stellen und einen Nationalen Sicherheitsrat im
Bundeskanzleramt einzurichten, unterstütze ich.</p>
<p klasse="J">Die Regierungskoalition bringt diese Woche einen
eigenen Antrag in den Bundestag ein, welcher anlässlich des zweiten Jahrestages des
erneuten russischen Überfalls auf die Ukraine unsere Ansprüche an die deutschen
Unterstützungsleistungen umfassender und detaillierter formuliert. Der
Koalitionsantrag gibt der deutschen Sicherheits- und Ukraine-Politik klare Konturen
und Ziele.</p>
<p klasse="J">Mit dem Antrag der Regierungskoalition halten wir
als Parlament erstmals in dieser Deutlichkeit fest, dass es das Ziel ist, die volle
territoriale Integrität der Ukraine wiederherzustellen – dies schließt explizit die
Krim mit ein. Wir beschränken uns nicht auf den Taurus, sondern wollen der Ukraine
eine breite Unterstützung mit präzisen, weitreichenden Systemen zukommen lassen.
Unser Antrag ist ein klares Signal der fortgesetzten und vertieften Solidarität des
Deutschen Bundestags mit der Ukraine.</p>
<p klasse="J">Der Unionsantrag hingegen bleibt in seinen
Forderungen unpräzise und wirkt wie pflichtschuldig in aller Eile geschrieben. Die
darin gefasste negative Bewertung der im Rahmen der Zeitenwende durch die
Bundesregierung getroffenen Maßnahmen teile ich nicht. Den vorliegenden Antrag der
CDU/CSU-Bundestagsfraktion lehne ich daher ab.</p>
</rede>
<rede id="ID2015419200">
<p klasse="redner"><a id="ANLr4"/><redner
id="11005058"><name><vorname>Maximilian</vorname><nachname>Funke-Kaiser</
nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></redner>Maximilian Funke-Kaiser (FDP):</p>
<p klasse="J">Der Ukraine müssen Taurus-Marschflugkörper zur
Verfügung gestellt werden. Auch die Einrichtung eines Nationalen Sicherheitsrates
im Bundeskanzleramt ist notwendig.</p>
<p klasse="J">Die Regierungskoalition bringt diese Woche einen
eigenen Antrag in den Bundestag ein, welcher anlässlich des zweiten Jahrestages des
erneuten russischen Überfalls auf die Ukraine unsere Ansprüche an die deutschen
Unterstützungsleistungen umfassender und detaillierter formuliert. Der
Koalitionsantrag gibt der deutschen Sicherheits- und Ukraine-Politik klare Konturen
und Ziele.</p>
<p klasse="J">Mit dem Antrag der Regierungskoalition halten wir
als Parlament erstmals in dieser Deutlichkeit fest, dass das Ziel ist, die volle
territoriale Integrität der Ukraine wiederherzustellen – dies schließt explizit die
Krim mit ein. Zentral ist ebenfalls, dass wir uns darauf verständigt haben, dass
die Ukraine diesen Krieg gewinnen und Russland ihn verlieren muss. Wir adressieren
hier auch die Lieferung von Taurus-Raketen an die Ukraine, beschränken uns jedoch
nicht nur darauf, sondern wollen der Ukraine eine breite Unterstützung mit
präzisen, weitreichenden Systemen zukommen lassen. Unser Antrag ist ein klares
Signal der fortgesetzten und vertieften Solidarität des Deutschen Bundestags mit
der Ukraine. Ich erwarte, dass sämtliche im Entschließungsantrag der
Regierungskoalition aufgegriffenen Punkte, inklusive der Taurus-Lieferung, zeitnah
vom Bundeskanzler in die Realität umgesetzt werden.</p>
<p klasse="J">Der Unionsantrag hingegen bleibt in seinen
Forderungen unpräzise und wirkt wie pflichtschuldig in aller Eile geschrieben. Die
darin gefasste negative Bewertung der im Rahmen der Zeitenwende durch die
Bundesregierung getroffenen Maßnahmen teile ich nicht. Den vorliegenden Antrag der
CDU/CSU-Bundestagsfraktion lehne ich daher ab.</p>
</rede>
<rede id="ID2015419300">
<p klasse="redner"><a id="ANLr5"/><redner
id="11004948"><name><vorname>Peter</vorname><nachname>Heidt</nachname><fraktion>FDP
</fraktion></name></redner>Peter Heidt (FDP):</p>
<p klasse="J">Ich unterstütze die Forderungen, der Ukraine
Taurus-Marschflugkörper zur Verfügung zu stellen und einen Nationalen
Sicherheitsrat im Bundeskanzleramt einzurichten.</p>
<p klasse="J">Die Regierungskoalition bringt diese Woche einen
eigenen Antrag in den Bundestag ein, welcher anlässlich des zweiten Jahrestages des
erneuten russischen Überfalls auf die Ukraine unsere Ansprüche an die deutschen
Unterstützungsleistungen umfassender und detaillierter formuliert. Der
Koalitionsantrag gibt der deutschen Sicherheits- und Ukraine-Politik klare Konturen
und Ziele.</p>
<p klasse="J">Mit dem Antrag der Regierungskoalition halten wir
als Parlament erstmals in dieser Deutlichkeit fest, dass das Ziel ist, die volle
territoriale Integrität der Ukraine wiederherzustellen – dies schließt explizit die
Krim mit ein. Zentral ist ebenfalls, dass wir uns darauf verständigt haben, dass
die Ukraine diesen Krieg gewinnen und Russland ihn verlieren muss. Wir beschränken
uns nicht auf den Taurus, sondern wollen der Ukraine eine breite Unterstützung mit
präzisen, weitreichenden Systemen zukommen lassen. Unser Antrag ist ein klares
Signal der fortgesetzten und vertieften Solidarität des Deutschen Bundestags mit
der Ukraine.</p>
<p klasse="J">Deutschland ist bereits jetzt mit Abstand der
größte europäische Unterstützer der Ukraine.</p>
<p klasse="J">Der Unionsantrag hingegen bleibt in seinen
Forderungen unpräzise und wirkt wie pflichtschuldig in aller Eile geschrieben. Die
darin gefasste negative Bewertung der im Rahmen der Zeitenwende durch die
Bundesregierung getroffenen Maßnahmen teile ich nicht. Den vorliegenden Antrag der
CDU/CSU-Bundestagsfraktion lehne ich daher ab.</p>
</rede>
<rede id="ID2015419400">
<p klasse="redner"><a id="ANLr6"/><redner
id="11004745"><name><vorname>Markus</vorname><nachname>Herbrand</nachname><fraktion
>FDP</fraktion></name></redner>Markus Herbrand (FDP):</p>
<p klasse="J">Ich unterstütze die Forderungen, der Ukraine
unter anderem Taurus-Marschflugkörper zur Verfügung zu stellen und einen Nationalen
Sicherheitsrat im Bundeskanzleramt einzurichten.</p>
<p klasse="J">Die Regierungskoalition bringt diese Woche einen
Antrag in den Bundestag ein, der noch weit darüber hinausgeht. Anlässlich des
zweiten Jahrestages des erneuten russischen Überfalls auf die Ukraine haben wir
unsere Ansprüche an die deutschen Unterstützungsleistungen noch einmal umfassender
und detaillierter formuliert. Der Koalitionsantrag gibt der deutschen Sicherheits-
und Ukraine-Politik klare Konturen und Ziele.</p>
<p klasse="J">Mit dem Antrag der Regierungskoalition halten wir
als Parlament erstmals in dieser Deutlichkeit fest, dass es unser gemeinsames Ziel
ist, die volle territoriale Integrität der Ukraine wiederherzustellen – dies
schließt explizit die Krim mit ein. Zentral ist ebenfalls, dass wir uns darauf
verständigt haben, dass die Ukraine diesen Krieg gewinnen und Russland ihn
verlieren muss. Wir beschränken uns nicht auf den Taurus, sondern wollen der
Ukraine eine breite Unterstützung mit präzisen, weitreichenden Systemen zukommen
lassen. Unser Antrag ist ein klares Signal der fortgesetzten und vertieften
Solidarität des Deutschen Bundestags mit der Ukraine.</p>
<p klasse="J">Der Unionsantrag hingegen bleibt in seinen
Forderungen unpräzise und wirkt wie pflichtschuldig in aller Eile geschrieben. Die
darin gefasste negative Bewertung der im Rahmen der Zeitenwende durch die
Bundesregierung getroffenen Maßnahmen teile ich nicht. Den vorliegenden Antrag der
CDU/CSU-Bundestagsfraktion lehne ich daher ab.</p>
</rede>
<rede id="ID2015419500">
<p klasse="redner"><a id="ANLr7"/><redner
id="11005219"><name><vorname>Stefan</vorname><nachname>Seidler</nachname><fraktion>
fraktionslos</fraktion></name></redner>Stefan Seidler (fraktionslos):</p>
<p klasse="J">Ich begrüße die klare Benennung der Absichten zur
Unterstützung der Ukraine.</p>
<p klasse="J">Allerdings teile ich nicht die im Antrag
vorgebrachte Einschätzung, die Zeitenwende sei „über das Stadium der Ankündigung
nicht hinausgekommen“. Die daraus folgenden weitreichenden und breit gefächerten
Forderungen zu einem strategischen Paradigmenwechsel hin zu einer „echten
Zeitenwende“ sind meines Erachtens mit Bezug auf ihre Umsetzung nur undeutlich
definiert und daher in der Beurteilung nur schwer nachzuvollziehen.</p>
<p klasse="J">Ich enthalte mich.</p>
</rede>
<rede id="ID2015419600">
<p klasse="redner"><a id="ANLr8"/><redner
id="11004922"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Andrew</vorname><nachname>Ullmann</
nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></redner>Dr. Andrew Ullmann (FDP):</p>
<p klasse="J">Ich befürworte die Bereitstellung von Taurus-
Marschflugkörpern für die Ukraine und die Schaffung eines Nationalen
Sicherheitsrates im Bundeskanzleramt.</p>
<p klasse="J">Diese Woche legt die Regierungskoalition einen
Antrag vor, der die deutschen Unterstützungsmaßnahmen für die Ukraine anlässlich
des zweiten Jahrestages des russischen Überfalls detaillierter und umfassender
darlegt. Dieser Koalitionsantrag definiert die deutsche Sicherheitspolitik und
unsere Unterstützung für die Ukraine mit klaren Zielen und Konturen. Erstmals
bekennen wir uns im Parlament so deutlich zu dem Ziel, die volle territoriale
Integrität der Ukraine, einschließlich der Krim, wiederherzustellen. Es ist unser
gemeinsames Verständnis, dass die Ukraine diesen Krieg gewinnen muss, während
Russland ihn verlieren soll. Unsere Unterstützung beschränkt sich nicht nur auf den
Taurus, sondern wir streben an, der Ukraine mit einer Vielzahl von präzisen und
weitreichenden Systemen zur Seite zu stehen. Unser Antrag ist ein Zeugnis unserer
tiefen und fortwährenden Solidarität mit der Ukraine.</p>
<p klasse="J">Die gesundheitlichen Schäden und Leiden, die der
Krieg verursacht, sind enorm und stellen eine weitere dringende Notwendigkeit dar,
alles in unserer Macht Stehende zu tun, um diesen Krieg zu beenden. Die zivile
Bevölkerung leidet unter direkten Kriegsfolgen, aber auch unter langfristigen
Gesundheitsschäden durch die Zerstörung der Infrastruktur, die zu einem Mangel an
sauberem Wasser, Nahrung und medizinischer Versorgung führt. Diese humanitäre Krise
unterstreicht die Notwendigkeit, der Ukraine die Mittel zum Sieg zu geben, um
weitere menschliche Leiden zu verhindern und eine Wiederherstellung der
Friedensordnung in Europa zu ermöglichen.</p>
<p klasse="J">Der Antrag der Unionsfraktion bleibt hingegen
vage und scheint unter Zeitdruck verfasst zu sein. Die darin enthaltene Kritik an
den Maßnahmen der Bundesregierung teile ich nicht und lehne daher den vorliegenden
Antrag der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ab.</p>
</rede>
</anlagen-text>
</anlage>
<anlage>
<anlagen-titel><a id="ANL4"/>Anlage 4</anlagen-titel>
<anlagen-text anlagen-typ="Erklärung nach § 31 GO">
<p klasse="Anlage_2"><a id="ANLt4"/>Erklärung nach § 31 GO </p>
<p klasse="Anlage_3">des Abgeordneten Dr. Rainer Kraft (AfD) zu den
namentlichen Abstimmungen über</p>
<p klasse="T_fett">–den Antrag der Fraktion der CDU/CSU: Für eine
echte Zeitenwende in der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik</p>
<p klasse="Anlage_3">und</p>
<p klasse="T_fett">–den Antrag der Fraktionen SPD, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN und FDP: Zehn Jahre russischer Krieg gegen die Ukraine – Die Ukraine und
Europa entschlossen verteidigen</p>
<p klasse="Anlage_3">(Tagesordnungspunkte 7 und 8 a)</p>
<p klasse="J">Vorliegender Antrag ist in seiner Indifferenz
gegenüber den Sicherheitsinteressen unseres Landes, der ukrainischen Nation und den
Partnern und Verbündeten Deutschlands ein weiterer peinlicher Offenbarungseid der
aktuellen Regierungskoalition.</p>
<p klasse="J">Statt ernsthafte Konsequenzen aus dem
völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der russischen Invasoren und deren fortgesetzten
Drohungen und Sabotagearbeit gegenüber Deutschland zu ziehen, liest sich die
Drucksache 20/10375 wie ein Dokument schändlicher Beschwichtigungspolitik und
Feigheit. Die sogenannte Zeitenwende ist damit seitens der Ampelkoalition
augenscheinlich beendet. Was bleibt, ist der offensichtliche Wunsch, eigene
Verantwortung, Souveränität und die natürliche Führungsrolle Deutschlands in Europa
gegen die Verschwendung von Steuergeldern zu tauschen.</p>
<p klasse="J">Nichts könnte den Interessen des deutschen Volkes
weniger dienen als die Fortsetzung der gescheiterten Außenpolitik der Regierungen
Schröder und Merkel. Es gilt, einen Massenexodus der ukrainischen Bevölkerung
Richtung Deutschland zu verhindern und die Sicherheit unserer östlichen
Nachbarstaaten zu gewährleisten.</p>
<p klasse="J">Da meine Fraktion zu diesem Thema keine eigene
Drucksache eingereicht hat, sehe ich mich gezwungen, dem Antrag der Unionsfraktion
„Für eine echte Zeitenwende in der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik“ mit all
seinen Schwächen (pauschale Sanktionen, Beitritt der Westbalkanstaaten zur EU,
kleinteilige Absprachen statt Bekenntnis zur NATO) zuzustimmen.</p>
</anlagen-text>
</anlage>
<anlage>
<anlagen-titel><a id="ANL5"/>Anlage 5</anlagen-titel>
<anlagen-text anlagen-typ="Erklärung nach § 31 GO">
<p klasse="Anlage_2"><a id="ANLt5"/>Erklärung nach § 31 GO </p>
<p klasse="Anlage_3">der Abgeordneten Frank Junge, Dr. Nina Scheer,
Dr. Ralf Stegner und Dr. Herbert Wollmann (alle SPD) zu der namentlichen Abstimmung
über den Antrag der Fraktionen SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP: Zehn Jahre
russischer Krieg gegen die Ukraine – Die Ukraine und Europa entschlossen
verteidigen</p>
<p klasse="Anlage_3">(Tagesordnungspunkt 8 a)</p>
<p klasse="J">Der russische Krieg gegen die Ukraine ist ein
Völkerrechtsbruch und von erschreckender Brutalität gekennzeichnet. Er ist auf das
Schärfste zu verurteilen. Das unendliche Leid bei unzähligen unschuldigen Opfern,
Tausende Soldaten eingeschlossen, und ihren Familien hat ein erschreckendes Ausmaß
angenommen.</p>
<p klasse="J">Nach meiner festen Überzeugung muss mit dem Ziel
einer schnellstmöglichen Beendigung des Krieges die Gewichtung in den
internationalen und europäischen ausgehenden Hilfen stärker zugunsten
diplomatischer Ansätze ausfallen. Insofern begrüße ich auch, wenn Bundeskanzler
Olaf Scholz keinen Forderungen nachgibt, die in ihrer sachlichen Betrachtung
möglicherweise eine dann nicht mehr aufzuhaltende Eskalationsspirale bedeuteten. Es
gilt verstärkt auch nach diplomatischen Wegen zu suchen, damit dieser barbarische
Krieg schnellstmöglich beendet werden kann und ein Leben auf soliden
völkerrechtlichen wie rechtsstaatlichen Grundlagen für die Menschen in der Ukraine
wieder möglich wird.</p>
<p klasse="J">Richtigerweise hat Deutschland bei den von breiter –
auch europäischer – Solidarität getragenen Hilfen, seien diese militärisch
geleistet worden oder auch auf dem zivilschützenden Weg sowie im Umgang mit
Kriegsflüchtlingen, zu jeder Zeit die uns größtmöglichen Hilfsmaßnahmen ergriffen
und diese zuvor sorgfältig abgewogen. Die militärischen Maßnahmen betreffend habe
ich zur Vermeidung von Eskalationen sowie in der Überzeugung, dass es einer
diplomatischen Friedensoffensive bedarf, von Beginn an eine restriktivere Haltung
eingenommen. Es muss auch weiterhin die Maxime gewahrt bleiben, im Rahmen von
Hilfsmaßnahmen als NATO-Mitgliedstaat nicht Kriegspartei zu werden.</p>
<p klasse="J">Vor diesem Hintergrund begrüße ich ausdrücklich, dass
der heute zur Abstimmung stehende Antrag der Koalitionsfraktionen keine Forderung
zur Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern enthält. Ich halte die mit der Lieferung
von Taurus verbundenen Risiken in den übergeordneten Bemühungen um einen
Friedensweg als zu groß. Da gerade um diese Frage in der Koalition seit vielen
Monaten gerungen wird und eine solche Forderung gleichwohl nicht Bestandteil des
Antrages ist, wird damit auch unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass die
Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern keine Zustimmung in der gesamten Koalition
findet. In der Koalition können gemäß Koalitionsvertrag nur einvernehmliche
Beschlüsse gefasst werden.</p>
<p klasse="J">Gleichwohl erkenne ich persönlich in der Aussage zur
Zukunft der Ukraine in der NATO in Anbetracht möglicher Folgeeffekte die Gefahr der
Überschreitung nach eben der benannten Maxime keiner eigenen Kriegsbeteiligung
Deutschlands für die Verteidigung der Ukraine gegenüber Russland. Mir ist bewusst,
dass die gefundene Formulierung schon aufgrund der bestehenden NATO-Statuten nicht
darauf zielen kann, eine Mitgliedschaft der Ukraine zu Kriegszeiten anzustreben,
und sich als solche auf die Selbstverteidigung der Ukraine bezieht. Eine
entsprechende Erwartung für einen NATO-Beitritt kann aber mit der getroffenen
Formulierung dennoch entstehen. Eine solche Erwartung sollte nach meiner
Überzeugung nicht geweckt werden. Grundsätzlich sind weitere NATO-Mitgliedschaften
immer auch im Kontext der Weltmächtekonstellation zu bewerten. Zudem lehrt uns die
Geschichte, dass manche Auslöser für Entwicklungen nicht rechtzeitig erkannt
wurden.</p>
<p klasse="J">Mein dem Antrag zustimmendes Abstimmungsverhalten ist
unter Einbeziehung der vorstehenden Erwägungen und Erwartungen zu werten.</p>
</anlagen-text>
</anlage>
<anlage>
<anlagen-titel><a id="ANL6"/>Anlage 6</anlagen-titel>
<anlagen-text anlagen-typ="Erklärung nach § 31 GO">
<p klasse="Anlage_2"><a id="ANLt6"/>Erklärung nach § 31 GO </p>
<p klasse="Anlage_3">der Abgeordneten Maja Wallstein (SPD) zu der
namentlichen Abstimmung über den Antrag der Fraktionen SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
und FDP: Zehn Jahre russischer Krieg gegen die Ukraine – Die Ukraine und Europa
entschlossen verteidigen</p>
<p klasse="Anlage_3">(Tagesordnungspunkt 8 a)</p>
<p klasse="J">Der russische Krieg gegen die Ukraine ist ein
Völkerrechtsbruch und von erschreckender Brutalität gekennzeichnet. Er ist auf das
Schärfste zu verurteilen. Das unendliche Leid bei unzähligen unschuldigen Opfern,
Tausende Soldaten eingeschlossen, und ihren Familien hat ein erschreckendes Ausmaß
angenommen. Meine Solidarität gilt den tapferen Ukrainerinnen und Ukrainern.</p>
<p klasse="J">Nach meiner festen Überzeugung muss mit dem Ziel
einer schnellstmöglichen Beendigung des Krieges die Gewichtung in den
internationalen und europäischen ausgehenden Hilfen stärker zugunsten
diplomatischer Ansätze ausfallen. Insofern begrüße ich auch, wenn Bundeskanzler
Olaf Scholz keinen Forderungen nachgibt, die in ihrer sachlichen Betrachtung
möglicherweise eine dann nicht mehr aufzuhaltende Eskalationsspirale bedeuteten. Es
gilt verstärkt auch nach diplomatischen Wegen zu suchen, damit dieser barbarische
Krieg schnellstmöglich beendet werden kann und ein Leben auf soliden
völkerrechtlichen wie rechtsstaatlichen Grundlagen für die Menschen in der Ukraine
wieder möglich wird.</p>
<p klasse="J">Richtigerweise hat Deutschland bei den von breiter –
auch europäischer – Solidarität getragenen Hilfen, seien diese militärisch
geleistet worden oder auch auf dem zivilschützenden Weg sowie im Umgang mit
Kriegsflüchtlingen, zu jeder Zeit die uns größtmöglichen Hilfsmaßnahmen ergriffen
und diese zuvor sorgfältig abgewogen. Die militärischen Maßnahmen betreffend habe
ich zur Vermeidung von Eskalationen sowie in der Überzeugung, dass es einer
diplomatischen Friedensoffensive bedarf, von Beginn an eine restriktivere Haltung
eingenommen. Es muss auch weiterhin die Maxime gewahrt bleiben, im Rahmen von
Hilfsmaßnahmen als NATO-Mitgliedstaat nicht Kriegspartei zu werden.</p>
<p klasse="J">Gleichwohl erkenne ich persönlich in der Aussage zur
Zukunft der Ukraine in der NATO in Anbetracht möglicher Folgeeffekte die Gefahr der
Überschreitung nach eben der benannten Maxime keiner eigenen Kriegsbeteiligung
Deutschlands für die Verteidigung der Ukraine gegenüber Russland. Mir ist bewusst,
dass die gefundene Formulierung schon aufgrund der bestehenden NATO-Statuten nicht
darauf zielen kann, eine Mitgliedschaft der Ukraine zu Kriegszeiten anzustreben,
und sich als solche auf die Selbstverteidigung der Ukraine bezieht. Eine
entsprechende Erwartung für einen NATO-Beitritt kann aber mit der getroffenen
Formulierung dennoch entstehen. Eine solche Erwartung sollte nach meiner
Überzeugung nicht geweckt werden. Mein dem Antrag zustimmendes Abstimmungsverhalten
ist unter Einbeziehung der vorstehenden Erwägungen und Erwartungen zu werten.</p>
</anlagen-text>
</anlage>
<anlage>
<anlagen-titel><a id="ANL7"/>Anlage 7</anlagen-titel>
<anlagen-text anlagen-typ="Ergebnisse und Namensverzeichnis">
<p klasse="Anlage_2"><a id="ANLt7"/>Ergebnisse und
Namensverzeichnis </p>
<p klasse="Anlage_3"> der Mitglieder des Deutschen Bundestages, die
an der Wahl eines Stellvertreters der Präsidentin des Deutschen Bundestages
(1. Wahlgang) sowie an der Wahl von Mitgliedern des Parlamentarischen
Kontrollgremiums gemäß Artikel 45d des Grundgesetzes teilgenommen haben
(Tagesordnungspunkte 10 und 11 sowie Zusatzpunkt 9)</p>
<p klasse="Anlage_3">Ergebnis der Wahl eines Stellvertreters der
Präsidentin (1. Wahlgang) (Tagesordnungspunkt 10)</p>
<table>
<caption>Abgegebene Stimmkarten: 660 Für die Wahl sind
mindestens 369 Jastimmen erforderlich.</caption>
<colgroup>
<col width="25%"/>
<col width="19%"/>
<col width="19%"/>
<col width="18%"/>
<col width="19%"/>
</colgroup>
<tbody>
<tr>
<th>Abgeordneter</th>
<th>Jastimmen</th>
<th>Neinstimmen</th>
<th>Enthaltungen</th>
<th>Ungültige Stimmen</th>
</tr>
</tbody>
<tbody>
<tr>
<td>Jan Ralf Nolte</td>
<td>86</td>
<td>560</td>
<td>14</td>
<td>0</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p klasse="Anlage_3">Ergebnis der Wahl von Mitgliedern des
Parlamentarischen Kontrollgremiums gemäß Artikel 45d des Grundgesetzes
(Tagesordnungspunkt 11 und Zusatzpunkt 9)</p>
<table>
<caption>Abgegebene Stimmen: 660 Für die Wahl sind mindestens
369 Jastimmen erforderlich.</caption>
<colgroup>
<col width="25%"/>
<col width="19%"/>
<col width="19%"/>
<col width="18%"/>
<col width="19%"/>
</colgroup>
<tbody>
<tr>
<th>Abgeordneter</th>
<th>Jastimmen</th>
<th>Neinstimmen</th>
<th>Enthaltungen</th>
<th>Ungültige Stimmen</th>
</tr>
</tbody>
<tbody>
<tr>
<td>Gereon Bollmann</td>
<td>68</td>
<td>578</td>
<td>12</td>
<td>2</td>
</tr>
<tr>
<td>Marc Henrichmann</td>
<td>521</td>
<td>92</td>
<td>47</td>
<td>0</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p klasse="Anlage_3">Namensverzeichnis (Tagesordnungspunkte 10 und
11 sowie Zusatzpunkt 9)</p>
<p klasse="AL_Partei">SPD</p>
<p klasse="AL_Namen">Sanae Abdi</p>
<p klasse="AL_Namen">Reem Alabali-Radovan</p>
<p klasse="AL_Namen">Niels Annen</p>
<p klasse="AL_Namen">Johannes Arlt</p>
<p klasse="AL_Namen">Heike Baehrens</p>
<p klasse="AL_Namen">Ulrike Bahr</p>
<p klasse="AL_Namen">Daniel Baldy</p>
<p klasse="AL_Namen">Nezahat Baradari</p>
<p klasse="AL_Namen">Sören Bartol</p>
<p klasse="AL_Namen">Alexander Bartz</p>
<p klasse="AL_Namen">Bärbel Bas</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Holger Becker</p>
<p klasse="AL_Namen">Jürgen Berghahn</p>
<p klasse="AL_Namen">Bengt Bergt</p>
<p klasse="AL_Namen">Jakob Blankenburg</p>
<p klasse="AL_Namen">Leni Breymaier</p>
<p klasse="AL_Namen">Katrin Budde</p>
<p klasse="AL_Namen">Isabel Cademartori Dujisin</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Lars Castellucci</p>
<p klasse="AL_Namen">Jürgen Coße</p>
<p klasse="AL_Namen">Bernhard Daldrup</p>
<p klasse="AL_Namen">Hakan Demir</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Karamba Diaby</p>
<p klasse="AL_Namen">Martin Diedenhofen</p>
<p klasse="AL_Namen">Jan Dieren</p>
<p klasse="AL_Namen">Esther Dilcher</p>
<p klasse="AL_Namen">Sabine Dittmar</p>
<p klasse="AL_Namen">Felix Döring</p>
<p klasse="AL_Namen">Falko Droßmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Axel Echeverria</p>
<p klasse="AL_Namen">Sonja Eichwede</p>
<p klasse="AL_Namen">Heike Engelhardt</p>
<p klasse="AL_Namen">Ariane Fäscher</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Johannes Fechner</p>
<p klasse="AL_Namen">Sebastian Fiedler</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Edgar Franke</p>
<p klasse="AL_Namen">Fabian Funke</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Gerdes</p>
<p klasse="AL_Namen">Martin Gerster</p>
<p klasse="AL_Namen">Angelika Glöckner</p>
<p klasse="AL_Namen">Kerstin Griese</p>
<p klasse="AL_Namen">Uli Grötsch</p>
<p klasse="AL_Namen">Bettina Hagedorn</p>
<p klasse="AL_Namen">Rita Hagl-Kehl</p>
<p klasse="AL_Namen">Metin Hakverdi</p>
<p klasse="AL_Namen">Sebastian Hartmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Dirk Heidenblut</p>
<p klasse="AL_Namen">Hubertus Heil (Peine)</p>
<p klasse="AL_Namen">Frauke Heiligenstadt</p>
<p klasse="AL_Namen">Gabriela Heinrich</p>
<p klasse="AL_Namen">Wolfgang Hellmich</p>
<p klasse="AL_Namen">Anke Hennig</p>
<p klasse="AL_Namen">Nadine Heselhaus</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Hitschler</p>
<p klasse="AL_Namen">Jasmina Hostert</p>
<p klasse="AL_Namen">Verena Hubertz</p>
<p klasse="AL_Namen">Markus Hümpfer</p>
<p klasse="AL_Namen">Frank Junge</p>
<p klasse="AL_Namen">Josip Juratovic</p>
<p klasse="AL_Namen">Oliver Kaczmarek</p>
<p klasse="AL_Namen">Elisabeth Kaiser</p>
<p klasse="AL_Namen">Macit Karaahmetoğlu</p>
<p klasse="AL_Namen">Carlos Kasper</p>
<p klasse="AL_Namen">Anna Kassautzki</p>
<p klasse="AL_Namen">Gabriele Katzmarek</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Franziska Kersten</p>
<p klasse="AL_Namen">Helmut Kleebank</p>
<p klasse="AL_Namen">Lars Klingbeil</p>
<p klasse="AL_Namen">Annika Klose</p>
<p klasse="AL_Namen">Tim Klüssendorf</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Bärbel Kofler</p>
<p klasse="AL_Namen">Simona Koß</p>
<p klasse="AL_Namen">Anette Kramme</p>
<p klasse="AL_Namen">Martin Kröber</p>
<p klasse="AL_Namen">Kevin Kühnert</p>
<p klasse="AL_Namen">Sarah Lahrkamp</p>
<p klasse="AL_Namen">Andreas Larem</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Karl Lauterbach</p>
<p klasse="AL_Namen">Sylvia Lehmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Kevin Leiser</p>
<p klasse="AL_Namen">Luiza Licina-Bode</p>
<p klasse="AL_Namen">Helge Lindh</p>
<p klasse="AL_Namen">Bettina Lugk</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Lutze</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Tanja Machalet</p>
<p klasse="AL_Namen">Isabel Mackensen-Geis</p>
<p klasse="AL_Namen">Holger Mann</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Zanda Martens</p>
<p klasse="AL_Namen">Dorothee Martin</p>
<p klasse="AL_Namen">Parsa Marvi</p>
<p klasse="AL_Namen">Franziska Mascheck</p>
<p klasse="AL_Namen">Andreas Mehltretter</p>
<p klasse="AL_Namen">Takis Mehmet Ali</p>
<p klasse="AL_Namen">Dirk-Ulrich Mende</p>
<p klasse="AL_Namen">Robin Mesarosch</p>
<p klasse="AL_Namen">Kathrin Michel</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Matthias Miersch</p>
<p klasse="AL_Namen">Matthias David Mieves</p>
<p klasse="AL_Namen">Susanne Mittag</p>
<p klasse="AL_Namen">Claudia Moll</p>
<p klasse="AL_Namen">Bettina Müller</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Müller</p>
<p klasse="AL_Namen">Detlef Müller (Chemnitz)</p>
<p klasse="AL_Namen">Michelle Müntefering</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Rolf Mützenich</p>
<p klasse="AL_Namen">Rasha Nasr</p>
<p klasse="AL_Namen">Brian Nickholz</p>
<p klasse="AL_Namen">Dietmar Nietan</p>
<p klasse="AL_Namen">Jörg Nürnberger</p>
<p klasse="AL_Namen">Lennard Oehl</p>
<p klasse="AL_Namen">Josephine Ortleb</p>
<p klasse="AL_Namen">Mahmut Özdemir (Duisburg)</p>
<p klasse="AL_Namen">Aydan Özoğuz</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Christos Pantazis</p>
<p klasse="AL_Namen">Wiebke Papenbrock</p>
<p klasse="AL_Namen">Mathias Papendieck</p>
<p klasse="AL_Namen">Natalie Pawlik</p>
<p klasse="AL_Namen">Jens Peick</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Petry</p>
<p klasse="AL_Namen">Jan Plobner</p>
<p klasse="AL_Namen">Sabine Poschmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Martin Rabanus</p>
<p klasse="AL_Namen">Ye-One Rhie</p>
<p klasse="AL_Namen">Andreas Rimkus</p>
<p klasse="AL_Namen">Daniel Rinkert</p>
<p klasse="AL_Namen">Sönke Rix</p>
<p klasse="AL_Namen">Sebastian Roloff</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Martin Rosemann</p>
<p klasse="AL_Namen">Jessica Rosenthal</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Thorsten Rudolph</p>
<p klasse="AL_Namen">Tina Rudolph</p>
<p klasse="AL_Namen">Nadine Ruf</p>
<p klasse="AL_Namen">Bernd Rützel</p>
<p klasse="AL_Namen">Sarah Ryglewski</p>
<p klasse="AL_Namen">Johann Saathoff</p>
<p klasse="AL_Namen">Ingo Schäfer</p>
<p klasse="AL_Namen">Axel Schäfer (Bochum)</p>
<p klasse="AL_Namen">Rebecca Schamber</p>
<p klasse="AL_Namen">Johannes Schätzl</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Nina Scheer</p>
<p klasse="AL_Namen">Marianne Schieder</p>
<p klasse="AL_Namen">Udo Schiefner</p>
<p klasse="AL_Namen">Timo Schisanowski</p>
<p klasse="AL_Namen">Christoph Schmid</p>
<p klasse="AL_Namen">Uwe Schmidt</p>
<p klasse="AL_Namen">Dagmar Schmidt (Wetzlar)</p>
<p klasse="AL_Namen">Daniel Schneider</p>
<p klasse="AL_Namen">Carsten Schneider (Erfurt)</p>
<p klasse="AL_Namen">Olaf Scholz</p>
<p klasse="AL_Namen">Johannes Schraps</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Schreider</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Schrodi</p>
<p klasse="AL_Namen">Frank Schwabe</p>
<p klasse="AL_Namen">Stefan Schwartze</p>
<p klasse="AL_Namen">Andreas Schwarz</p>
<p klasse="AL_Namen">Rita Schwarzelühr-Sutter</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Lina Seitzl</p>
<p klasse="AL_Namen">Svenja Stadler</p>
<p klasse="AL_Namen">Martina Stamm-Fibich</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Ralf Stegner</p>
<p klasse="AL_Namen">Mathias Stein</p>
<p klasse="AL_Namen">Nadja Sthamer</p>
<p klasse="AL_Namen">Ruppert Stüwe</p>
<p klasse="AL_Namen">Claudia Tausend</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Thews</p>
<p klasse="AL_Namen">Markus Töns</p>
<p klasse="AL_Namen">Carsten Träger</p>
<p klasse="AL_Namen">Anja Troff-Schaffarzyk</p>
<p klasse="AL_Namen">Derya Türk-Nachbaur</p>
<p klasse="AL_Namen">Frank Ullrich</p>
<p klasse="AL_Namen">Marja-Liisa Völlers</p>
<p klasse="AL_Namen">Emily Vontz</p>
<p klasse="AL_Namen">Dirk Vöpel</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Carolin Wagner</p>
<p klasse="AL_Namen">Maja Wallstein</p>
<p klasse="AL_Namen">Hannes Walter</p>
<p klasse="AL_Namen">Carmen Wegge</p>
<p klasse="AL_Namen">Melanie Wegling</p>
<p klasse="AL_Namen">Lena Werner</p>
<p klasse="AL_Namen">Bernd Westphal</p>
<p klasse="AL_Namen">Dirk Wiese</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Herbert Wollmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Gülistan Yüksel</p>
<p klasse="AL_Namen">Stefan Zierke</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Jens Zimmermann</p>
<p klasse="AL_Namen">Armand Zorn</p>
<p klasse="AL_Namen">Katrin Zschau</p>
<p klasse="AL_Partei">CDU/CSU</p>
<p klasse="AL_Namen">Knut Abraham</p>
<p klasse="AL_Namen">Stephan Albani</p>
<p klasse="AL_Namen">Norbert Maria Altenkamp</p>
<p klasse="AL_Namen">Philipp Amthor</p>
<p klasse="AL_Namen">Artur Auernhammer</p>
<p klasse="AL_Namen">Peter Aumer</p>
<p klasse="AL_Namen">Dorothee Bär</p>
<p klasse="AL_Namen">Melanie Bernstein</p>
<p klasse="AL_Namen">Peter Beyer</p>
<p klasse="AL_Namen">Marc Biadacz</p>
<p klasse="AL_Namen">Steffen Bilger</p>
<p klasse="AL_Namen">Simone Borchardt</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Brand (Fulda)</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Reinhard Brandl</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Helge Braun</p>
<p klasse="AL_Namen">Silvia Breher</p>
<p klasse="AL_Namen">Sebastian Brehm</p>
<p klasse="AL_Namen">Heike Brehmer</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Breilmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Ralph Brinkhaus</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Carsten Brodesser</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Marlon Bröhr</p>
<p klasse="AL_Namen">Yannick Bury</p>
<p klasse="AL_Namen">Gitta Connemann</p>
<p klasse="AL_Namen">Mario Czaja</p>
<p klasse="AL_Namen">Astrid Damerow</p>
<p klasse="AL_Namen">Alexander Dobrindt</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Donth</p>
<p klasse="AL_Namen">Hansjörg Durz</p>
<p klasse="AL_Namen">Ralph Edelhäußer</p>
<p klasse="AL_Namen">Alexander Engelhard</p>
<p klasse="AL_Namen">Martina Englhardt-Kopf</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Erndl</p>
<p klasse="AL_Namen">Hermann Färber</p>
<p klasse="AL_Namen">Uwe Feiler</p>
<p klasse="AL_Namen">Enak Ferlemann</p>
<p klasse="AL_Namen">Alexander Föhr</p>
<p klasse="AL_Namen">Thorsten Frei</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Hans-Peter Friedrich (Hof)</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Frieser</p>
<p klasse="AL_Namen">Ingo Gädechens</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Thomas Gebhart</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Jonas Geissler</p>
<p klasse="AL_Namen">Fabian Gramling</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Ingeborg Gräßle</p>
<p klasse="AL_Namen">Hermann Gröhe</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Grosse-Brömer</p>
<p klasse="AL_Namen">Markus Grübel</p>
<p klasse="AL_Namen">Oliver Grundmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Monika Grütters</p>
<p klasse="AL_Namen">Fritz Güntzler</p>
<p klasse="AL_Namen">Olav Gutting</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Haase</p>
<p klasse="AL_Namen">Florian Hahn</p>
<p klasse="AL_Namen">Jürgen Hardt</p>
<p klasse="AL_Namen">Matthias Hauer</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Stefan Heck</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Heilmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Mark Helfrich</p>
<p klasse="AL_Namen">Marc Henrichmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Ansgar Heveling</p>
<p klasse="AL_Namen">Susanne Hierl</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Hirte</p>
<p klasse="AL_Namen">Alexander Hoffmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Hendrik Hoppenstedt</p>
<p klasse="AL_Namen">Franziska Hoppermann</p>
<p klasse="AL_Namen">Hubert Hüppe</p>
<p klasse="AL_Namen">Erich Irlstorfer</p>
<p klasse="AL_Namen">Anne Janssen</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Jarzombek</p>
<p klasse="AL_Namen">Andreas Jung</p>
<p klasse="AL_Namen">Anja Karliczek</p>
<p klasse="AL_Namen">Ronja Kemmer</p>
<p klasse="AL_Namen">Roderich Kiesewetter</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Kießling</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Georg Kippels</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Ottilie Klein</p>
<p klasse="AL_Namen">Volkmar Klein</p>
<p klasse="AL_Namen">Julia Klöckner</p>
<p klasse="AL_Namen">Axel Knoerig</p>
<p klasse="AL_Namen">Jens Koeppen</p>
<p klasse="AL_Namen">Anne König</p>
<p klasse="AL_Namen">Carsten Körber</p>
<p klasse="AL_Namen">Gunther Krichbaum</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Günter Krings</p>
<p klasse="AL_Namen">Ulrich Lange</p>
<p klasse="AL_Namen">Armin Laschet</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Silke Launert</p>
<p klasse="AL_Namen">Jens Lehmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Paul Lehrieder</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Katja Leikert</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Andreas Lenz</p>
<p klasse="AL_Namen">Andrea Lindholz</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Carsten Linnemann</p>
<p klasse="AL_Namen">Patricia Lips</p>
<p klasse="AL_Namen">Bernhard Loos</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Jan-Marco Luczak</p>
<p klasse="AL_Namen">Daniela Ludwig</p>
<p klasse="AL_Namen">Klaus Mack</p>
<p klasse="AL_Namen">Yvonne Magwas</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Astrid Mannes</p>
<p klasse="AL_Namen">Andreas Mattfeldt</p>
<p klasse="AL_Namen">Stephan Mayer (Altötting)</p>
<p klasse="AL_Namen">Volker Mayer-Lay</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Michael Meister</p>
<p klasse="AL_Namen">Friedrich Merz</p>
<p klasse="AL_Namen">Jan Metzler</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Mathias Middelberg</p>
<p klasse="AL_Namen">Dietrich Monstadt</p>
<p klasse="AL_Namen">Maximilian Mörseburg</p>
<p klasse="AL_Namen">Axel Müller</p>
<p klasse="AL_Namen">Florian Müller</p>
<p klasse="AL_Namen">Sepp Müller</p>
<p klasse="AL_Namen">Carsten Müller (Braunschweig)</p>
<p klasse="AL_Namen">Stefan Müller (Erlangen)</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Stefan Nacke</p>
<p klasse="AL_Namen">Petra Nicolaisen</p>
<p klasse="AL_Namen">Wilfried Oellers</p>
<p klasse="AL_Namen">Moritz Oppelt</p>
<p klasse="AL_Namen">Florian Oßner</p>
<p klasse="AL_Namen">Josef Oster</p>
<p klasse="AL_Namen">Henning Otte</p>
<p klasse="AL_Namen">Ingrid Pahlmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Christoph Ploß</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Martin Plum</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Rachel</p>
<p klasse="AL_Namen">Kerstin Radomski</p>
<p klasse="AL_Namen">Alexander Radwan</p>
<p klasse="AL_Namen">Alois Rainer</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Peter Ramsauer</p>
<p klasse="AL_Namen">Henning Rehbaum</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Markus Reichel</p>
<p klasse="AL_Namen">Josef Rief</p>
<p klasse="AL_Namen">Lars Rohwer</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Norbert Röttgen</p>
<p klasse="AL_Namen">Stefan Rouenhoff</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Röwekamp</p>
<p klasse="AL_Namen">Erwin Rüddel</p>
<p klasse="AL_Namen">Albert Rupprecht</p>
<p klasse="AL_Namen">Catarina dos Santos-Wintz</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Christiane Schenderlein</p>
<p klasse="AL_Namen">Jana Schimke</p>
<p klasse="AL_Namen">Patrick Schnieder</p>
<p klasse="AL_Namen">Nadine Schön</p>
<p klasse="AL_Namen">Felix Schreiner</p>
<p klasse="AL_Namen">Detlef Seif</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Silberhorn</p>
<p klasse="AL_Namen">Tino Sorge</p>
<p klasse="AL_Namen">Jens Spahn</p>
<p klasse="AL_Namen">Katrin Staffler</p>
<p klasse="AL_Namen">Albert Stegemann</p>
<p klasse="AL_Namen">Johannes Steiniger</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Freiherr von Stetten</p>
<p klasse="AL_Namen">Dieter Stier</p>
<p klasse="AL_Namen">Stephan Stracke</p>
<p klasse="AL_Namen">Max Straubinger</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Hermann-Josef Tebroke</p>
<p klasse="AL_Namen">Hans-Jürgen Thies</p>
<p klasse="AL_Namen">Alexander Throm</p>
<p klasse="AL_Namen">Antje Tillmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Astrid Timmermann-Fechter</p>
<p klasse="AL_Namen">Markus Uhl</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Volker Ullrich</p>
<p klasse="AL_Namen">Kerstin Vieregge</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Oliver Vogt</p>
<p klasse="AL_Namen">Christoph de Vries</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Johann David Wadephul</p>
<p klasse="AL_Namen">Marco Wanderwitz</p>
<p klasse="AL_Namen">Nina Warken</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Anja Weisgerber</p>
<p klasse="AL_Namen">Maria-Lena Weiss</p>
<p klasse="AL_Namen">Sabine Weiss (Wesel I)</p>
<p klasse="AL_Namen">Kai Whittaker</p>
<p klasse="AL_Namen">Annette Widmann-Mauz</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Klaus Wiener</p>
<p klasse="AL_Namen">Bettina Margarethe Wiesmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Klaus-Peter Willsch</p>
<p klasse="AL_Namen">Elisabeth Winkelmeier-Becker</p>
<p klasse="AL_Namen">Mechthilde Wittmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Mareike Lotte Wulf</p>
<p klasse="AL_Namen">Paul Ziemiak</p>
<p klasse="AL_Namen">Nicolas Zippelius</p>
<p klasse="AL_Partei">BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN</p>
<p klasse="AL_Namen">Luise Amtsberg</p>
<p klasse="AL_Namen">Andreas Audretsch</p>
<p klasse="AL_Namen">Maik Außendorf</p>
<p klasse="AL_Namen">Tobias B. Bacherle</p>
<p klasse="AL_Namen">Lisa Badum</p>
<p klasse="AL_Namen">Felix Banaszak</p>
<p klasse="AL_Namen">Karl Bär</p>
<p klasse="AL_Namen">Katharina Beck</p>
<p klasse="AL_Namen">Lukas Benner</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Franziska Brantner</p>
<p klasse="AL_Namen">Agnieszka Brugger</p>
<p klasse="AL_Namen">Frank Bsirske</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Anna Christmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Janosch Dahmen</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Sandra Detzer</p>
<p klasse="AL_Namen">Katharina Dröge</p>
<p klasse="AL_Namen">Deborah Düring</p>
<p klasse="AL_Namen">Harald Ebner</p>
<p klasse="AL_Namen">Leon Eckert</p>
<p klasse="AL_Namen">Marcel Emmerich</p>
<p klasse="AL_Namen">Emilia Fester</p>
<p klasse="AL_Namen">Schahina Gambir</p>
<p klasse="AL_Namen">Tessa Ganserer</p>
<p klasse="AL_Namen">Matthias Gastel</p>
<p klasse="AL_Namen">Kai Gehring</p>
<p klasse="AL_Namen">Stefan Gelbhaar</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Jan-Niclas Gesenhues</p>
<p klasse="AL_Namen">Katrin Göring-Eckardt</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Armin Grau</p>
<p klasse="AL_Namen">Erhard Grundl</p>
<p klasse="AL_Namen">Sabine Grützmacher</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Robert Habeck</p>
<p klasse="AL_Namen">Britta Haßelmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Linda Heitmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Bernhard Herrmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Bettina Hoffmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Anton Hofreiter</p>
<p klasse="AL_Namen">Ottmar von Holtz</p>
<p klasse="AL_Namen">Bruno Hönel</p>
<p klasse="AL_Namen">Dieter Janecek</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Kirsten Kappert-Gonther</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Kellner</p>
<p klasse="AL_Namen">Katja Keul</p>
<p klasse="AL_Namen">Misbah Khan</p>
<p klasse="AL_Namen">Sven-Christian Kindler</p>
<p klasse="AL_Namen">Maria Klein-Schmeink</p>
<p klasse="AL_Namen">Chantal Kopf</p>
<p klasse="AL_Namen">Laura Kraft</p>
<p klasse="AL_Namen">Philip Krämer</p>
<p klasse="AL_Namen">Jürgen Kretz</p>
<p klasse="AL_Namen">Renate Künast</p>
<p klasse="AL_Namen">Markus Kurth</p>
<p klasse="AL_Namen">Ricarda Lang</p>
<p klasse="AL_Namen">Sven Lehmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Steffi Lemke</p>
<p klasse="AL_Namen">Anja Liebert</p>
<p klasse="AL_Namen">Helge Limburg</p>
<p klasse="AL_Namen">Max Lucks</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Anna Lührmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Zoe Mayer</p>
<p klasse="AL_Namen">Susanne Menge</p>
<p klasse="AL_Namen">Swantje Henrike Michaelsen</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Irene Mihalic</p>
<p klasse="AL_Namen">Boris Mijatovic</p>
<p klasse="AL_Namen">Claudia Müller</p>
<p klasse="AL_Namen">Sascha Müller</p>
<p klasse="AL_Namen">Beate Müller-Gemmeke</p>
<p klasse="AL_Namen">Sara Nanni</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Ingrid Nestle</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Ophelia Nick</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Konstantin von Notz</p>
<p klasse="AL_Namen">Omid Nouripour</p>
<p klasse="AL_Namen">Karoline Otte</p>
<p klasse="AL_Namen">Cem Özdemir</p>
<p klasse="AL_Namen">Julian Pahlke</p>
<p klasse="AL_Namen">Lisa Paus</p>
<p klasse="AL_Namen">Filiz Polat</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Anja Reinalter</p>
<p klasse="AL_Namen">Tabea Rößner</p>
<p klasse="AL_Namen">Claudia Roth (Augsburg)</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Manuela Rottmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Corinna Rüffer</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Sacher</p>
<p klasse="AL_Namen">Jamila Schäfer</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Sebastian Schäfer</p>
<p klasse="AL_Namen">Stefan Schmidt</p>
<p klasse="AL_Namen">Marlene Schönberger</p>
<p klasse="AL_Namen">Christina-Johanne Schröder</p>
<p klasse="AL_Namen">Kordula Schulz-Asche</p>
<p klasse="AL_Namen">Nyke Slawik</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Anne Monika Spallek</p>
<p klasse="AL_Namen">Merle Spellerberg</p>
<p klasse="AL_Namen">Nina Stahr</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Till Steffen</p>
<p klasse="AL_Namen">Hanna Steinmüller</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn</p>
<p klasse="AL_Namen">Kassem Taher Saleh</p>
<p klasse="AL_Namen">Awet Tesfaiesus</p>
<p klasse="AL_Namen">Katrin Uhlig</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Julia Verlinden</p>
<p klasse="AL_Namen">Niklas Wagener</p>
<p klasse="AL_Namen">Johannes Wagner</p>
<p klasse="AL_Namen">Beate Walter-Rosenheimer</p>
<p klasse="AL_Namen">Saskia Weishaupt</p>
<p klasse="AL_Namen">Stefan Wenzel</p>
<p klasse="AL_Namen">Tina Winklmann</p>
<p klasse="AL_Partei">FDP</p>
<p klasse="AL_Namen">Valentin Abel</p>
<p klasse="AL_Namen">Katja Adler</p>
<p klasse="AL_Namen">Muhanad Al-Halak</p>
<p klasse="AL_Namen">Christine Aschenberg-Dugnus</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Bartelt</p>
<p klasse="AL_Namen">Nicole Bauer</p>
<p klasse="AL_Namen">Jens Beeck</p>
<p klasse="AL_Namen">Ingo Bodtke</p>
<p klasse="AL_Namen">Friedhelm Boginski</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar)</p>
<p klasse="AL_Namen">Mario Brandenburg (Südpfalz)</p>
<p klasse="AL_Namen">Sandra Bubendorfer-Licht</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Marco Buschmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Karlheinz Busen</p>
<p klasse="AL_Namen">Carl-Julius Cronenberg</p>
<p klasse="AL_Namen">Bijan Djir-Sarai</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Dürr</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Marcus Faber</p>
<p klasse="AL_Namen">Daniel Föst</p>
<p klasse="AL_Namen">Otto Fricke</p>
<p klasse="AL_Namen">Maximilian Funke-Kaiser</p>
<p klasse="AL_Namen">Martin Gassner-Herz</p>
<p klasse="AL_Namen">Knut Gerschau</p>
<p klasse="AL_Namen">Anikó Glogowski-Merten</p>
<p klasse="AL_Namen">Nils Gründer</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Hacker</p>
<p klasse="AL_Namen">Philipp Hartewig</p>
<p klasse="AL_Namen">Ulrike Harzer</p>
<p klasse="AL_Namen">Peter Heidt</p>
<p klasse="AL_Namen">Katrin Helling-Plahr</p>
<p klasse="AL_Namen">Markus Herbrand</p>
<p klasse="AL_Namen">Torsten Herbst</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Gero Clemens Hocker</p>
<p klasse="AL_Namen">Manuel Höferlin</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Christoph Hoffmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Reinhard Houben</p>
<p klasse="AL_Namen">Olaf In der Beek</p>
<p klasse="AL_Namen">Gyde Jensen</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Ann-Veruschka Jurisch</p>
<p klasse="AL_Namen">Karsten Klein</p>
<p klasse="AL_Namen">Daniela Kluckert</p>
<p klasse="AL_Namen">Pascal Kober</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Lukas Köhler</p>
<p klasse="AL_Namen">Carina Konrad</p>
<p klasse="AL_Namen">Wolfgang Kubicki</p>
<p klasse="AL_Namen">Konstantin Kuhle</p>
<p klasse="AL_Namen">Ulrich Lechte</p>
<p klasse="AL_Namen">Jürgen Lenders</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Thorsten Lieb</p>
<p klasse="AL_Namen">Lars Lindemann</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Lindner</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Georg Link (Heilbronn)</p>
<p klasse="AL_Namen">Oliver Luksic</p>
<p klasse="AL_Namen">Kristine Lütke</p>
<p klasse="AL_Namen">Till Mansmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Christoph Meyer</p>
<p klasse="AL_Namen">Maximilian Mordhorst</p>
<p klasse="AL_Namen">Alexander Müller</p>
<p klasse="AL_Namen">Frank Müller-Rosentritt</p>
<p klasse="AL_Namen">Claudia Raffelhüschen</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Volker Redder</p>
<p klasse="AL_Namen">Bernd Reuther</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Sauter</p>
<p klasse="AL_Namen">Frank Schäffler</p>
<p klasse="AL_Namen">Ria Schröder</p>
<p klasse="AL_Namen">Anja Schulz</p>
<p klasse="AL_Namen">Matthias Seestern-Pauly</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Stephan Seiter</p>
<p klasse="AL_Namen">Rainer Semet</p>
<p klasse="AL_Namen">Judith Skudelny</p>
<p klasse="AL_Namen">Konrad Stockmeier</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann</p>
<p klasse="AL_Namen">Benjamin Strasser</p>
<p klasse="AL_Namen">Linda Teuteberg</p>
<p klasse="AL_Namen">Jens Teutrine</p>
<p klasse="AL_Namen">Michael Theurer</p>
<p klasse="AL_Namen">Stephan Thomae</p>
<p klasse="AL_Namen">Nico Tippelt</p>
<p klasse="AL_Namen">Manfred Todtenhausen</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Florian Toncar</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Andrew Ullmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Gerald Ullrich</p>
<p klasse="AL_Namen">Tim Wagner</p>
<p klasse="AL_Namen">Sandra Weeser</p>
<p klasse="AL_Namen">Nicole Westig</p>
<p klasse="AL_Namen">Katharina Willkomm</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Volker Wissing</p>
<p klasse="AL_Partei">AfD</p>
<p klasse="AL_Namen">Carolin Bachmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Christina Baum</p>
<p klasse="AL_Namen">Roger Beckamp</p>
<p klasse="AL_Namen">Andreas Bleck</p>
<p klasse="AL_Namen">René Bochmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Dirk Brandes</p>
<p klasse="AL_Namen">Stephan Brandner</p>
<p klasse="AL_Namen">Jürgen Braun</p>
<p klasse="AL_Namen">Marcus Bühl</p>
<p klasse="AL_Namen">Petr Bystron</p>
<p klasse="AL_Namen">Tino Chrupalla</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Ehrhorn</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Michael Espendiller</p>
<p klasse="AL_Namen">Peter Felser</p>
<p klasse="AL_Namen">Dietmar Friedhoff</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Götz Frömming</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Alexander Gauland</p>
<p klasse="AL_Namen">Albrecht Glaser</p>
<p klasse="AL_Namen">Hannes Gnauck</p>
<p klasse="AL_Namen">Kay Gottschalk</p>
<p klasse="AL_Namen">Mariana Iris Harder-Kühnel</p>
<p klasse="AL_Namen">Jochen Haug</p>
<p klasse="AL_Namen">Martin Hess</p>
<p klasse="AL_Namen">Karsten Hilse</p>
<p klasse="AL_Namen">Nicole Höchst</p>
<p klasse="AL_Namen">Leif-Erik Holm</p>
<p klasse="AL_Namen">Fabian Jacobi</p>
<p klasse="AL_Namen">Steffen Janich</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Marc Jongen</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Malte Kaufmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Michael Kaufmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Norbert Kleinwächter</p>
<p klasse="AL_Namen">Enrico Komning</p>
<p klasse="AL_Namen">Jörn König</p>
<p klasse="AL_Namen">Steffen Kotré</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Rainer Kraft</p>
<p klasse="AL_Namen">Rüdiger Lucassen</p>
<p klasse="AL_Namen">Mike Moncsek</p>
<p klasse="AL_Namen">Matthias Moosdorf</p>
<p klasse="AL_Namen">Sebastian Münzenmaier</p>
<p klasse="AL_Namen">Jan Ralf Nolte</p>
<p klasse="AL_Namen">Gerold Otten</p>
<p klasse="AL_Namen">Tobias Matthias Peterka</p>
<p klasse="AL_Namen">Stephan Protschka</p>
<p klasse="AL_Namen">Martin Reichardt</p>
<p klasse="AL_Namen">Frank Rinck</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Rainer Rothfuß</p>
<p klasse="AL_Namen">Bernd Schattner</p>
<p klasse="AL_Namen">Ulrike Schielke-Ziesing</p>
<p klasse="AL_Namen">Eugen Schmidt</p>
<p klasse="AL_Namen">Jan Wenzel Schmidt</p>
<p klasse="AL_Namen">Jörg Schneider</p>
<p klasse="AL_Namen">Uwe Schulz</p>
<p klasse="AL_Namen">Thomas Seitz</p>
<p klasse="AL_Namen">Martin Sichert</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Dirk Spaniel</p>
<p klasse="AL_Namen">René Springer</p>
<p klasse="AL_Namen">Klaus Stöber</p>
<p klasse="AL_Namen">Beatrix von Storch</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Harald Weyel</p>
<p klasse="AL_Namen">Wolfgang Wiehle</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Christian Wirth</p>
<p klasse="AL_Namen">Joachim Wundrak</p>
<p klasse="AL_Namen">Kay-Uwe Ziegler</p>
<p klasse="AL_Partei">Die Linke</p>
<p klasse="AL_Namen">Gökay Akbulut</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Dietmar Bartsch</p>
<p klasse="AL_Namen">Matthias W. Birkwald</p>
<p klasse="AL_Namen">Clara Bünger</p>
<p klasse="AL_Namen">Anke Domscheit-Berg</p>
<p klasse="AL_Namen">Christian Görke</p>
<p klasse="AL_Namen">Ates Gürpinar</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. André Hahn</p>
<p klasse="AL_Namen">Susanne Hennig-Wellsow</p>
<p klasse="AL_Namen">Jan Korte</p>
<p klasse="AL_Namen">Ina Latendorf</p>
<p klasse="AL_Namen">Ralph Lenkert</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Gesine Lötzsch</p>
<p klasse="AL_Namen">Pascal Meiser</p>
<p klasse="AL_Namen">Sören Pellmann</p>
<p klasse="AL_Namen">Victor Perli</p>
<p klasse="AL_Namen">Heidi Reichinnek</p>
<p klasse="AL_Namen">Martina Renner</p>
<p klasse="AL_Namen">Bernd Riexinger</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Petra Sitte</p>
<p klasse="AL_Namen">Kathrin Vogler</p>
<p klasse="AL_Namen">Janine Wissler</p>
<p klasse="AL_Partei">BSW</p>
<p klasse="AL_Namen">Sevim Dağdelen</p>
<p klasse="AL_Namen">Klaus Ernst</p>
<p klasse="AL_Namen">Andrej Hunko</p>
<p klasse="AL_Namen">Amira Mohamed Ali</p>
<p klasse="AL_Namen">Zaklin Nastic</p>
<p klasse="AL_Namen">Jessica Tatti</p>
<p klasse="AL_Namen">Dr. Sahra Wagenknecht</p>
<p klasse="AL_Partei">Fraktionslos</p>
<p klasse="AL_Namen">Joana Cotar</p>
<p klasse="AL_Namen">Robert Farle</p>
<p klasse="AL_Namen">Matthias Helferich</p>
<p klasse="AL_Namen">Johannes Huber</p>
<p klasse="AL_Namen">Stefan Seidler</p>
<p klasse="p">Abgeordnete, die sich wegen gesetzlichen
Mutterschutzes für ihre Abwesenheit entschuldigt haben oder an einer
Parlamentarischen Versammlung teilnehmen, sind in der Liste der entschuldigten
Abgeordneten (Anlage 1) aufgeführt.</p>
</anlagen-text>
</anlage>
<anlage>
<anlagen-titel><a id="ANL8"/>Anlage 8</anlagen-titel>
<anlagen-text anlagen-typ="Erklärung nach § 31 GO">
<p klasse="Anlage_2"><a id="ANLt8"/>Erklärung nach § 31 GO </p>
<p klasse="Anlage_3">des Abgeordneten Bernd Riexinger (Die Linke)
zu der Abstimmung über die Entschließung unter Buchstabe b der Beschlussempfehlung
des Verkehrsausschusses zu dem Gesetzentwurf der Bundesregierung: Entwurf eines
Vierten Gesetzes zur Änderung des Bundesschienenwegeausbaugesetzes</p>
<p klasse="Anlage_3">(Zusatzpunkt 12)</p>
<p klasse="J">Ich erkläre für die Gruppe Die Linke, dass unser
Votum Enthaltung lautet.</p>
</anlagen-text>
</anlage>
<anlage>
<anlagen-titel><a id="ANL9"/>Anlage 9</anlagen-titel>
<anlagen-text anlagen-typ="Zu Protokoll gegebene Reden">
<p klasse="Anlage_2"><a id="ANLt9"/>Zu Protokoll gegebene Reden
</p>
<p klasse="Anlage_3">zur Beratung des Antrags der Bundesregierung:
Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an der NATO-
geführten Maritimen Sicherheitsoperation SEA GUARDIAN im Mittelmeer</p>
<p klasse="Anlage_3">(Tagesordnungspunkt 14)</p>
<rede id="ID2015419700">
<p klasse="redner"><a id="ANLr9"/><redner
id="11004068"><name><vorname>Roderich</vorname><nachname>Kiesewetter</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Roderich Kiesewetter
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J">Als im November 2016 die Operation Sea Guardian
als Nachfolgeoperation der Operation Active Endeavour begann, sprachen wir über das
Mittelmeer hauptsächlich als Weg für Migration. Die geostrategische Bedeutung war
nicht von der Relevanz, die das Mittelmeer eigentlich verdient hat, denn den
Systemkonflikt zwischen den CRINK-Staaten und den Staaten der internationalen
regelbasierten Ordnung sehen wir auch im Mittelmeer. Israel wurde am 7. Oktober von
den Terroristen der Hamas angegriffen, die aus Nordkorea und Russland unterstützt
werden, auf dem Balkan sehen wir, wie der serbische Präsident Vučić versucht, das
Vorgehen Putins zu kopieren, und in den Staaten Nordafrikas versucht Russland mit
dem Nachfolger der Gruppe Wagner, Afrikakorps, immer stärker Fuß zu fassen und die
dortigen Länder für die eigenen Interessen auszubeuten und zu instrumentalisieren.
Diverse Regionen des Mittelmeers gleichen einem Pulverfass und benötigen dringend
mehr europäische Aufmerksamkeit.</p>
<p klasse="J">Unabhängig davon, ob Donald Trump im November zum
US-Präsidenten gewählt wird oder nicht, brauchen wir eine faire transatlantische
Lastenteilung, was bedeutet, dass wir Europäer uns um unsere eigene Nachbarschaft
kümmern müssen: den bereits von mir angesprochenen Balkan, Nordafrika, aber auch
den Kaukasus. Deutschland kommt hierbei eine besondere Rolle zu, denn während des
Kalten Krieges waren wir der Frontstaat, dessen Sicherheit von unseren Alliierten
gewährleistet wurde, und auch Jahre danach haben wir von günstiger Sicherheit aus
den USA profitiert. Das muss sich nun ändern. Wir müssen selbst zum
Sicherheitsprovider werden. Dafür steht auch Sea Guardian.</p>
<p klasse="J">Der Lackmustest für all unsere Versprechungen
wird nicht im Mittelmeer sein, sondern ob wir es schaffen, bis Ende 2027 die
Einsatzbereitschaft der Brigade der Bundeswehr in Litauen herzustellen. Dennoch
müssen wir in einen stärkeren Dialog mit unseren Freunden in Rom, Paris oder Madrid
treten, um ein gemeinsames europäisches Vorgehen im Mittelmeer zu koordinieren und
um uns nicht gegenseitig durch nationalstaatliche Interessen zu sabotieren. Im
Geiste Helmut Kohls muss Deutschland in Europa wieder eine Scharnierfunktion
einnehmen, um unseren Kontinent innert kürzester Zeit auf die Herausforderungen und
Bedrohungen aus Moskau, Peking, Teheran oder Pjöngjang einzustellen. Nur als
verlässlicher Partner, der zu seinen Zusagen steht, können wir unseren Anteil
leisten.</p>
<p klasse="J">Umso wichtiger ist, dass Deutschland im Rahmen
einer NATO-Mission Verantwortung für den Schutz des Mittelmeers übernimmt. Diese
Scharnierfunktion beinhaltet auch, einen stärkeren Dialog mit Ländern wie Marokko
zu suchen, die für die Energiewende, wenn diese gelingen soll, von zentraler
Bedeutung sind.</p>
<p klasse="J">Ich wünsche mir von der Bundesregierung aber auch
ein stärkeres Commitment zur Freiheit der internationalen Seewege, wie sie im
Antrag der Bundesregierung erwähnt wird. Zögerlichkeit wie bei der Beteiligung an
der US-Mission gegen die Angriffe der Huthi im Roten Meer können wir uns nicht mehr
erlauben. Nur mit Stärke schrecken wir Autokraten und Diktatoren ab!</p>
<p klasse="J">Wir als Union stimmen der Fortsetzung von Sea
Guardian zu, weil wir fest an der Seite unserer Bündnispartner stehen. Deutschland
muss sich endlich seiner Verantwortung auf der globalen Bühne bewusst werden. Sea
Guardian ist hier ein kleiner, aber wichtiger Schritt. Herzlichen Dank an die
Soldatinnen und Soldaten, die im Rahmen von Sea Guardian unsere Interessen
vertreten und schützen.</p>
</rede>
<rede id="ID2015419800">
<p klasse="redner"><a id="ANLr10"/><redner
id="11005013"><name><vorname>Tobias
B.</vorname><nachname>Bacherle</nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN</fraktion></name></redner>Tobias B. Bacherle (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):</p>
<p klasse="J">Die Bundesregierung bittet uns heute um die
Zustimmung zur Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an
der NATO-geführten maritimen Sicherheitsoperation Sea Guardian im Mittelmeer.
Diesem vorgelegten Antrag auf Mandatsverlängerung kann ich, kann meine Fraktion
guten Gewissens zustimmen.</p>
<p klasse="J">Das Mittelmeer ist und bleibt als eines der am
stärksten frequentierten Seegebiete ein Ort, an dem die Herausforderungen unserer
globalisierten Welt aufeinandertreffen. Klar ist: Dieses Seegebiet ist entscheidend
als zentraler Baustein für sichere Lieferketten. Es ist die geographische
Verbindung zwischen Europa, Nordafrika und dem Nahen Osten und eben auch das letzte
Verbindungsstück nach dem Suezkanal für globale Lieferketten aus Indien oder China.
Außerdem ist das Mittelmeer die natürliche Begrenzung des NATO-Bündnisgebiets und
der Europäischen Union im Süden.</p>
<p klasse="J">Zeitgleich müssen wir anerkennen, dass trotz
unseres diplomatischen Engagements zum Beispiel in Libyen manche der angrenzenden
Staaten über fragile staatliche Systeme verfügen. Das macht es einerseits zu einem
Gebiet mit großer wirtschaftlicher, kultureller und außen- und
sicherheitspolitischer Bedeutung – aber auch zu einem Gebiet unter konstanten
Herausforderungen und Spannungen. Gerade in den letzten Jahren.</p>
<p klasse="J">Wir diskutieren daher nicht zum ersten Mal dieses
Mandat. Bereits zum dritten Mal allein seit der Regierungsübernahme der aktuellen
Bundesregierung entscheiden wir über eine Mandatsverlängerung von Sea Guardian.
Dabei möchte ich besonders hervorheben, dass das Mandat im Kern unverändert um
zwölf Monate verlängert werden soll. Das heißt, dass das Mandat so, wie es ist, und
so, wie wir Bündnisgrüne es 2021 gefordert hatten, weiterhin der praktischen
Einsatzrealität entspricht. Mit einer klaren Mandatsobergrenze, klarem
Einsatzgebiet und regelmäßiger Evaluation.</p>
<p klasse="J">Mit einer Verlängerung des deutschen Engagements
in der multilateralen Operation Sea Guardian können unsere Soldatinnen und Soldaten
weiterhin dazu beitragen, die Schifffahrt im Mittelmeer zu sichern und maritimem
Terrorismus und Waffenschmuggel entgegenzutreten. Unsere Soldatinnen und Soldaten
erstellen Lagebilder, überwachen den Seeraum, und bei Bedarf kontrollieren,
beschlagnahmen und leiten sie Schiffe um. Insgesamt haben deutsche Einheiten im
Kalenderjahr 2023 rund 480 Seetage zum Lagebildaufbau beigetragen.</p>
<p klasse="J">Ich möchte daher die Gelegenheit nutzen, um
unseren Soldatinnen und Soldaten für ihren Einsatz zu danken, die sich heute nicht
nur im Mittelmeer, sondern auch in allen anderen Einsätzen für die Sicherheit und
Stabilität unseres Europas einsetzen.</p>
<p klasse="J">Zum Abschluss möchte ich noch um breite
Unterstützung für dieses Mandat werben. Denn wenn auf der anderen Seite des
Atlantiks andere, potenzielle Wieder-Präsidenten über einen NATO-Ausstieg
nachdenken, gerade dann gilt es besonders, verlässlich zum NATO-Bündnis zu stehen.
Genau das tut unsere Bundeswehr im Auftrag des Parlamentes. Gemeinsam mit unseren
Bündnispartnern trägt sie zur Sicherheit und zur Sicherung der Schifffahrt im
Mittelmeer bei.</p>
<p klasse="J">Natürlich muss unser Engagement auch breiter
aufgestellt sein, insbesondere im Mittelmeerraum, schließlich ist das unsere
europäische Nachbarschaft. Es liegt dabei auf der Hand: Ohne diplomatische,
zivilgesellschaftliche, menschenrechtliche und außen- und sicherheitspolitischen
Antworten werden wir die multiplen Krisen im Mittelmeer nicht meistern können.
Dennoch ist Sea Guardian ein wichtiger Beitrag und ein klares Signal unseres
Engagements in der Region, und ich bitte daher um Zustimmung für dieses Mandat.</p>
</rede>
</anlagen-text>
</anlage>
<anlage>
<anlagen-titel><a id="ANL10"/>Anlage 10</anlagen-titel>
<anlagen-text anlagen-typ="Zu Protokoll gegebene Rede">
<p klasse="Anlage_2"><a id="ANLt10"/>Zu Protokoll gegebene Rede
</p>
<p klasse="Anlage_3">zur Beratung</p>
<p klasse="T_fett">–des von den Fraktionen SPD, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN und FDP eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des
Strafgesetzbuches – Strafbarkeit der unzulässigen Interessenwahrnehmung</p>
<p klasse="T_fett">–des von den Abgeordneten Thomas Seitz, Marc
Bernhard, Thomas Dietz, weiteren Abgeordneten und der Fraktion der AfD
eingebrachten Entwurfs eines … Strafrechtsänderungsgesetzes – Ausweitung und
Verschärfung des Straftatbestandes der Abgeordnetenbestechung</p>
<p klasse="Anlage_3">(Zusatzpunkte 14 und 15)</p>
<rede id="ID2015419900">
<p klasse="redner"><a id="ANLr11"/><redner
id="11004175"><name><vorname>Stephan</vorname><nachname>Thomae</nachname><fraktion>
FDP</fraktion></name></redner>Stephan Thomae (FDP):</p>
<p klasse="J">Als in Deutschland viele Menschen wegen der
Coronapandemie Existenzängste hatten, Menschen zu Hause bleiben mussten, Schulen
geschlossen blieben, viele Menschen schwer erkrankten und viele starben, da haben
sich einige Menschen persönlich bereichert, indem sie ihr Bundestags- oder
Landtagsmandat nutzten, um mit dem Einfluss und den Kontakten, die sie dem Mandat
der Wählerinnen und Wähler verdankten, Handel zu treiben und Maskendeals
einzufädeln, mit denen sie Vermittlungsprovisionen in sechs- und siebenstelliger
Höhe verdienten.</p>
<p klasse="J">Obwohl einem das Rechtsgefühl sagt, dass das
nicht in Ordnung sein kann, war das bisher keine Straftat, sondern rechtlich
zulässig. Die Millionenprovisionen durften sie behalten. Denn der Straftatbestand
der Abgeordnetenbestechung war nicht erfüllt.</p>
<p klasse="J">Und das, obwohl eine missbräuchliche Ausnutzung
des eigenen Mandats offensichtlicher kaum sein kann: Der ehemalige CSU-
Bundestagsabgeordnete Georg Nüßlein trat gegenüber den Behörden als Mitglied des
Bundestags und stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion auf,
der frühere bayerische Justizminister Alfred Sauter versandte entsprechende E-Mails
unter der E-Mailadresse seiner Rechtsanwaltskanzlei unter Verwendung der Signatur
mit dem Kürzel „MdL“, also „Mitglied des Landtags“.</p>
<p klasse="J">Die Straflosigkeit klingt unglaublich, hat aber
einen Grund: Den Tatbestand der Bestechlichkeit erfüllt bisher nur, wer sich für
sein Abstimmverhalten im Parlament bezahlen lässt. Abgeordnete, die ihre besondere
Stellung als Mandatsträger außerhalb des Parlaments dazu nutzen, sich selbst zu
bereichern, kommen bisher ohne Konsequenzen davon.</p>
<p klasse="J">Angesichts dieser Fälle hat es etwas
Unverständliches, wie man zu dem Schluss kommen kann, dass in diesem Bereich kein
Handlungsbedarf bestehen soll. Sogar in der Urteilsbegründung des 3. Senats des BGH
steht explizit: „Falls der Gesetzgeber eine Strafbarkeitslücke erkennen sollte, ist
es seine Sache, darüber zu befinden, ob er sie bestehen lassen oder durch eine neue
Regelung schließen will.“ Das ist fast schon eine Handlungsaufforderung.</p>
<p klasse="J">Und genau das gehen wir jetzt an. Die Koalition
sorgt jetzt dafür, dass es keine Schlupflöcher mehr für Mandatsträger gibt, die ihr
Mandat versilbern wollen. Mit einem neuen § 108f StGB werden künftig Fälle wie die
Maskendeals strafbar werden. Diese Vorschrift stellt den unzulässigen
Einflusshandel durch Mandatsträger auch dann unter Strafe, wenn das Geschäft auf
eine Interessenwahrnehmung außerhalb der Mandatswahrnehmung abzielt. Das gilt für
Bundestags-, Landtags- und Europaabgeordnete.</p>
<p klasse="J">Die kommunale Ebene ist ausdrücklich ausgenommen.
Unsere kommunalen Mandatsträger sind überwiegend im Ehrenamt tätig. Sie erhalten
oft nur bescheidene Sitzungsgelder, versehen ihr kommunales Ehrenamt am Feierabend
und am Wochenende. Man muss froh sein, wenn sich überhaupt noch Menschen dazu
bereitfinden. Es würde sie überstrapazieren, sich auch noch jedes Mal Gedanken
darüber machen zu müssen, ob sie ein Dankeschön annehmen dürfen, wenn sie jemandem
helfen, einen Bauplatz zu bekommen, einen Bauantrag durchzubringen oder einen
Kindergartenplatz zu bekommen.</p>
<p klasse="J">Und es geht auch nicht um Honorare, Tantiemen
oder Vergütungen, die nach dem Abgeordnetenrecht erlaubt sind, aber bei der
Bundestagspräsidentin angezeigt werden müssen.</p>
<p klasse="J">Wenn aber jemand in einen Landtag, in den
Bundestag oder ins Europaparlament gewählt ist, muss sichergestellt werden, dass
diese herausgehobene Stellung als Mandatsträger nicht kommerziell genutzt werden
kann, um Kontakte herzustellen und Einfluss gegen Geldzahlungen zu verkaufen. Das
ist die Intention dieses Gesetzes.</p>
</rede>
</anlagen-text>
</anlage>
<anlage>
<anlagen-titel><a id="ANL11"/>Anlage 11</anlagen-titel>
<anlagen-text anlagen-typ="Zu Protokoll gegebene Rede">
<p klasse="Anlage_2"><a id="ANLt11"/>Zu Protokoll gegebene Rede
</p>
<p klasse="Anlage_3">zur Beratung des Antrags der Abgeordneten
Susanne Ferschl, Gökay Akbulut, Matthias W. Birkwald, weiterer Abgeordneter und der
Gruppe Die Linke: Sachgrundlose Befristung vollständig abschaffen</p>
<p klasse="Anlage_3">(Tagesordnungspunkt 19)</p>
<rede id="ID2015420000">
<p klasse="redner"><a id="ANLr12"/><redner
id="11005041"><name><vorname>Jan</vorname><nachname>Dieren</nachname><fraktion>SPD<
/fraktion></name></redner>Jan Dieren (SPD):</p>
<p klasse="J">3,24 Millionen Menschen in Deutschland haben
befristete Arbeitsverträge. Doch was verbirgt sich hinter dieser nüchternen Zahl?
Unsicherheit, ein Damoklesschwert über den Köpfen von Millionen Beschäftigten und
ihren Familien, die von Tag zu Tag, von Vertrag zu Vertrag balancieren. Befristete
Beschäftigung bedeutet Unsicherheit – Unsicherheit darüber, ob man in der Lage sein
wird, die Miete nächsten Monat zu bezahlen, Unsicherheit hinsichtlich der Planung
der eigenen Zukunft. Die ständige Frage: Was kommt als Nächstes?</p>
<p klasse="J">Natürlich gibt es Situationen, in denen es für
Befristungen aus Unternehmenssicht gute Gründe gibt. Projektbezogene Arbeit oder
Vertretungen sind nur einige Beispiele, bei denen befristete Verträge
gerechtfertigt erscheinen mögen. Das ändert nichts an der grundlegenden
Unsicherheit, die sie für die Beschäftigten bedeuten; aber sie mögen sie ein Stück
weit rechtfertigen.</p>
<p klasse="J">Anders ist das bei den sogenannten sachgrundlosen
Befristungen. „Sachgrundlos“ – das Wort allein sollte uns zum Nachdenken anregen.
Es bedeutet, dass es keinen sachlichen Grund für die Befristung gibt, keinen Grund,
der die damit verbundene Unsicherheit rechtfertigt. Dennoch sind in privaten
Unternehmen fast drei Viertel aller Befristungen ohne einen guten Grund. Es ist,
als würden die Unternehmen offen zugeben: Wir halten euch in der Schwebe, ohne euch
dafür einen guten Grund nennen zu können. – Das ist nicht nur unfair, es ist ein
Affront gegenüber den Arbeitenden.</p>
<p klasse="J">Manchmal gibt es aber nicht nur keinen guten
Grund für eine Befristung. Manchmal kommen sogar schlechte Gründe dazu, so zum
Beispiel bei Samuel Atuegbu. Samuel Atuegbu war bei Amazon in Wunstorf beschäftigt,
sachgrundlos befristet. Zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen gründete er
einen Betriebsrat, trotz Widerstands von der Geschäftsführung. Samuels Vertrag
wurde daraufhin nicht verlängert. Jetzt gibt es natürlich keine Beweise, dass
Samuels Vertrag nicht verlängert wurde, weil er unbequem war und einen Betriebsrat
mitgegründet hat; aber zum gleichen Zeitpunkt wurden die Arbeitsverträge von 16
anderen befristet Beschäftigten verlängert. Den Schluss daraus zu ziehen, ist nicht
schwer.</p>
<p klasse="J">Sachgrundlose Befristungen haben schon per
definitionem nie einen guten Grund, und häufig kommen schlechte hinzu. Die
Möglichkeit, Arbeitsverträge ohne guten Grund zu befristen, gehört abgeschafft.
Deshalb hat die SPD in ihrem Wahlprogramm zu Recht klargestellt: Die Zeit der
sachgrundlosen Befristungen muss enden. – Derzeit gibt es für diesen richtigen
Schritt hier im Bundestag aber keine parlamentarische Mehrheit. Wir arbeiten daran,
das bei den nächsten Bundestagswahlen zu ändern. Das schafft Sicherheit für die
Millionen von Menschen, die nicht länger in der Schwebe gehalten werden wollen.</p>
</rede>
</anlagen-text>
</anlage>
<anlage>
<anlagen-titel><a id="ANL12"/>Anlage 12</anlagen-titel>
<anlagen-text anlagen-typ="Zu Protokoll gegebene Reden">
<p klasse="Anlage_2"><a id="ANLt12"/>Zu Protokoll gegebene Reden
</p>
<p klasse="Anlage_3">zur Beratung der Unterrichtung durch die
Bundesregierung: Strategie für die Internationale Digitalpolitik der
Bundesregierung</p>
<p klasse="Anlage_3">(Zusatzpunkt 16)</p>
<rede id="ID2015420100">
<p klasse="redner"><a id="ANLr13"/><redner
id="11005098"><name><vorname>Anna</vorname><nachname>Kassautzki</nachname><fraktion
>SPD</fraktion></name></redner>Anna Kassautzki (SPD):</p>
<p klasse="J">Inzwischen schon fast ein Klassiker an dieser
Stelle: Wir stellen uns in der Digitalpolitik mal wieder die Frage: In welcher
vernetzten, digitalisierten Welt wollen wir eigentlich künftig leben? Eine Antwort
auf diese Frage liefert nun die Bundesregierung mit ihrer Strategie für die
Internationale Digitalpolitik.</p>
<p klasse="J">Auf welchen Grundprinzipien soll nun unsere
digitale Welt in Zukunft beruhen? Ich spoilere an dieser Stelle schon mal: Auf sehr
ähnlichen wie die analoge Welt!</p>
<p klasse="J">Da ist zunächst das Prinzip der Teilhabe: Wir
müssen den Zugang zum Netz, zur digitalen Welt so niedrigschwellig wie möglich
gestalten, damit Teilhabe möglich wird. Der Zugang zum Netz muss frei und gleich
sein, Datenpakete müssen gleichbehandelt werden, egal wer sie sendet oder empfängt,
was ihr Inhalt ist oder womit sie erstellt wurden. Das Bekenntnis der
Bundesregierung in ihrer Strategie zu dieser sogenannten Netzneutralität ist hier
ein wichtiges Signal, denn wie oft wurde diese Netzneutralität in den vergangenen
Jahren infrage gestellt.</p>
<p klasse="J">Ist die Teilhabe gesichert, müssen im Netz
selbstverständlich auch Grundrechte und Menschenrechte gelten. Auch dafür setzt
sich unsere Bundesregierung ein. Ich zitiere: Wir „positionieren … uns aktiv gegen
staatliches und nichtstaatliches Verhalten im digitalen Raum, das Grund- und
Menschenrechte oder demokratische Grundordnungen untergräbt“.</p>
<p klasse="J">Dieses Bekenntnis ist elementar, denn das Netz
wird zunehmend zu einem Schauplatz, an dem wir unsere Demokratie verteidigen
(müssen). Zum einen höhlen Desinformationskampagnen und Hassrede gesellschaftlichen
Zusammenhalt aus. Zum anderen sorgen aber auch staatliches Handeln wie
Internetabschaltung und Zensur oder Vorstöße zur anlasslosen Massenüberwachung
privater Kommunikation wie zuletzt der Versuch der Einführung einer Chatkontrolle
auf EU-Ebene für einen zunehmenden Vertrauensverlust. Wenn wir es nicht schaffen,
erkämpfte demokratische Grundrechte in ein digitales Zeitalter zu übersetzen,
verlieren wir am Ende unsere Demokratie.</p>
<p klasse="J">In den kommenden Jahren wird sich zeigen, wie
resilient, wie widerstandsfähig unser politisches System ist, und das auch und
nicht zuletzt im digitalen Raum. Diese Resilienz kommt nicht von selbst. Wir müssen
die Strukturen schaffen, die uns widerstandsfähig machen.</p>
<p klasse="J">Auch hier zeigt die Strategie Wege auf, wie das
gelingen kann: Zum einen muss sichergestellt werden, dass kritische Technologien
und Wissen innerhalb unserer Wertegemeinschaft gehalten werden. Dennoch ist
Abschottung keine Lösung, um im digitalen Zeitalter zu bestehen. Vielmehr müssen
wir uns einbringen in die Gestaltung der digitalen Welt der Zukunft.</p>
<p klasse="J">Dazu sieht die Bundesregierung unter anderem zwei
Möglichkeiten: internationale Standards und Gremien. Das mag trocken klingen,
bildet aber die Grundlage eines freien, eines offenen, eines toleranten Netzes und
damit die Grundlage einer freien digitalen Gesellschaft. Denn: Wer in einer global
vernetzten Welt die technischen und ethischen Standards setzt, überträgt sein
Weltbild in diese digitale Welt.</p>
<p klasse="J">Das gilt für Hardwarekomponenten und
Technologietransfers, bei denen wir international auf wertebasierte
Technologiepartnerschaften auf Augenhöhe setzen.</p>
<p klasse="J">Das gilt für nachprüfbaren Open Source Basis
Code – also offenen Quellcode, den man einsehen und weiterentwickeln kann –, der
die Grundlage unserer Vernetzung darstellt.</p>
<p klasse="J">Das gilt für Grundrechte wie das Recht auf
Privatsphäre, das wir bereits erfolgreich in die halbe Welt exportiert haben.</p>
<p klasse="J">Das gilt aber auch für zukünftig wichtige Normen
wie den AI Act zur Wahrung einer vertrauenswürdigen, sicheren, menschenzentrierten
und nachhaltigen Entwicklung von KI.</p>
<p klasse="J">Alle diese Standards werden international gesetzt
und verhandelt. Daher ist diese Strategie der Bundesregierung notwendig und
überfällig, denn mit dieser Strategie kann Deutschland als starke Stimme für
wertebasierte Technologie auftreten und die Grundlagen unserer digitalen Welt
international verhandeln.</p>
</rede>
<rede id="ID2015420200">
<p klasse="redner"><a id="ANLr14"/><redner
id="11004703"><name><vorname>Anke</vorname><nachname>Domscheit-Berg</
nachname><fraktion>Die Linke</fraktion></name></redner>Anke Domscheit-Berg (Die
Linke):</p>
<p klasse="J">Die Strategie für die Internationale
Digitalpolitik der Ampel ist voll von schönen Worten, von Menschenrechten bis
Nachhaltigkeit. Aber sie enthält keinerlei konkretes Ziel, keine Ressourcen für
ihre Umsetzung, keinen Zeitplan und keinerlei Meilensteine. Da ist vielfach die
Rede von „wir streben an“, „wir stärken“ oder „wir fördern“. Aber wie denn? Kein
Wort zu Maßnahmen, Fördergeldern oder Investitionen!</p>
<p klasse="J">Außerdem steht die Internationale
Digitalstrategie im eklatanten Widerspruch zum Regierungshandeln. So schützt nach
dieser Strategie die Ampelkoalition die „Grund- und Menschenrechte, online wie
offline“. Aber in der Praxis schweigen Kanzler und Außenministerin zum Schicksal
von Julian Assange, dem Gründer der digitalen Whistleblower-Plattform Wikileaks.
Dabei wäre seine Auslieferung an die USA ein Frontalangriff auf die Pressefreiheit.
Und bei der KI-Verordnung stimmte die Ampelregierung für die biometrische
Identifikation im öffentlichen Raum – ein verheerender Angriff auf die Grundrechte
und obendrein eine gefährliche Blaupause für undemokratische Staaten.</p>
<p klasse="J">Ein weiteres Beispiel für den Spagat zwischen
Theorie und Praxis bzw. zwischen der Internationalen Digitalstrategie und dem
Handeln der Regierung: Laut Strategie will die Regierung Risiken in Lieferketten
minimieren. In der Realität blockt Deutschland das Lieferkettengesetz in der EU.
Dabei sind gerade Lieferketten elektronischer Güter hochproblematisch,
beispielsweise wegen Kinderarbeit und Umweltzerstörung beim Abbau wichtiger
Rohstoffe oder wegen Zwangsarbeit in chinesischen Fabriken. Und trotzdem liegt der
Fokus dieser Strategie nicht etwa darauf, sondern ausschließlich auf der
Sicherstellung unterbrechungsfreier Lieferketten für die Wirtschaft.</p>
<p klasse="J">Besonders krass: Nur fünf Zeilen dieser Strategie
thematisieren den Ressourcenverbrauch durch und die Klimawirkung von
Digitalisierung. Ein einziger Satz davon hat Bezug auf Regierungshandeln. Es ist
der folgende: „[Wir] setzen uns auch weiterhin international für die umwelt- und
klimafreundliche Entwicklung, Produktion, Nutzung, Reparatur und Entsorgung
digitaler Produkte und Dienstleistungen ein.“ Das ist alles, und das ist
oberflächlich, inkonkret und unverbindlich.</p>
<p klasse="J">Das Fazit der Linken: Auch die Strategie für die
Internationale Digitalpolitik dient vor allem Wirtschaftsinteressen, und das ist
ein Armutszeugnis.</p>
</rede>
</anlagen-text>
</anlage>
<anlage>
<anlagen-titel><a id="ANL13"/>Anlage 13</anlagen-titel>
<anlagen-text anlagen-typ="Zu Protokoll gegebene Reden">
<p klasse="Anlage_2"><a id="ANLt13"/>Zu Protokoll gegebene Reden
</p>
<p klasse="Anlage_3">zur Beratung</p>
<p klasse="T_fett">–des Antrags der Fraktion der CDU/CSU: Für
transparente Verhandlungen über das WHO-Pandemieabkommen – Gegen Fehlinformationen
und Verschwörungstheorien</p>
<p klasse="T_fett">–des Antrags der Abgeordneten Martin Sichert,
Dr. Christina Baum, Jörg Schneider, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD:
Ablehnung des WHO-Pandemievertrags sowie der überarbeiteten Internationalen
Gesundheitsvorschriften</p>
<p klasse="Anlage_3">(Tagesordnungspunkt 21 a und b)</p>
<rede id="ID2015420300">
<p klasse="redner"><a id="ANLr15"/><redner
id="11005248"><name><vorname>Johannes</vorname><nachname>Wagner</nachname><fraktion
>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Johannes Wagner (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN):</p>
<p klasse="J">Ich möchte die heutige Debatte für einen Appell
nutzen: Lassen Sie uns unaufgeregt über das Thema Pandemievertrag diskutieren,
nicht als Feindbild und nicht als Mittel zur parteipolitischen Profilierung,
sondern als das, was es ist: ein wichtiger internationaler Prozess, in den
Deutschland sich zu Recht einbringt und dessen Erfolg für Deutschland wichtig
ist.</p>
<p klasse="J">Um unaufgeregt zu diskutieren, müssen wir uns
natürlich auf einen Grundkonsens einigen: Wie entstehen Pandemien? Welchen Schaden
richten sie an? Und wie wollen wir ihnen entgegentreten?</p>
<p klasse="J">Erstens. Pandemien entstehen in der Regel durch
Zoonosen, also Erreger, die vom Tier auf den Menschen übergehen. Diese werden wegen
zerstörter Ökosysteme und bestimmter Tierhaltungsformen immer wahrscheinlicher.</p>
<p klasse="J">Wir haben mit dem Parlamentskreis One Health, den
ich mit meiner Kollegin Tina Rudolph gegründet habe, letztes Jahr eine Führung
durch den Berliner Zoo gemacht. Professor Christian Drosten hat uns dabei erklärt,
von welchem Tier die nächste Pandemie ausgehen könnte. Stehen geblieben sind wir
nicht nur bei den exotischen Tieren, sondern vor allem auch bei Hühnern und
Schweinen. Denn unsere Massentierhaltung ist wie eine tickende Zeitbombe für
Pandemien – einer von vielen Gründen, unsere Landwirtschaft endlich nachhaltig zu
verändern, für die Landwirtinnen und Landwirte, für die Tiere, aber auch für die
Gesundheit von uns allen.</p>
<p klasse="J">Zweitens. Der potenzielle Schaden durch Pandemien
ist groß, und zwar nicht nur aus Sicht der Gesundheit, sondern auch für die
Wirtschaft. Häufig wird so getan, als ob Gesundheit und Wirtschaft auf zwei völlig
verschiedenen Seiten stünden. Die Wahrheit ist: Sie gehören zusammen. Denn ohne
gesunde Menschen funktioniert auch keine Wirtschaft. Deswegen ist das A und O in
der Pandemiebekämpfung die Prävention.</p>
<p klasse="J">Drittens. Wir müssen den Pandemien gemeinsam
entgegentreten. Ein Virus macht nicht an nationalen Grenzen halt. Während Corona
gab es genug nationale Alleingänge. Aber wirklich erfolgreich bekämpfen kann man
eine Pandemie nur in internationaler Zusammenarbeit: durch das Teilen von Daten,
Impfstoffen und Medizinprodukten.</p>
<p klasse="J">Das sind die Punkte, bei denen ich mir einen
Konsens wünsche. Und ich mache mir nichts vor: Dieser Konsens wird ein Konsens
unter Demokratinnen und Demokraten werden. Die Klimaleugner/-innen und
Nationalistinnen und Nationalisten dieses Parlaments sind hier eindeutig nicht
mitgemeint.</p>
<p klasse="J">Zum Schluss einige Punkte zum Antrag der Union.
Ich stimme Ihnen bei vielem sogar zu. Es ist gut, dass auch Sie die Bedeutung des
One-Health-Ansatzes betonen. Es ist wichtig, dass auch Sie auf die Gefahr durch
antimikrobielle Resistenzen hinweisen. Und es ist richtig, dass auch Sie sich für
eine finanzielle Stärkung der WHO aussprechen. Aber: Was in Ihrem Antrag fehlt, ist
der Aspekt der globalen Gerechtigkeit. Impfstoffhersteller wie BioNTech haben
Hunderte von Millionen an öffentlichen Geldern erhalten. Und auch wenn sie mit der
Entwicklung des Impfstoffs ohne Zweifel Großartiges geleistet haben: Wir müssen
auch darüber sprechen, welchen Beitrag solche privaten Unternehmen im Falle eines
globalen Gesundheitsnotstands leisten müssen, damit ein weltweit gerechter Zugang
zu Medikamenten gesichert werden kann.</p>
<p klasse="J">Der Pandemievertrag ist ein elementares
Instrument zur Pandemiebekämpfung, der solche Fragen regeln soll. Durch Covid-19
haben Menschen und Regierungen erkannt, was auf dem Spiel steht. Dadurch hat sich
ein Möglichkeitsfenster geöffnet. Lassen Sie es uns nutzen.</p>
</rede>
<rede id="ID2015420400">
<p klasse="redner"><a id="ANLr16"/><redner
id="11004922"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Andrew</vorname><nachname>Ullmann</
nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></redner>Dr. Andrew Ullmann (FDP):</p>
<p klasse="J">Wir sind uns der entscheidenden Bedeutung dieser
Diskussion bewusst und nehmen die Standpunkte anderer Parteien ernst,
einschließlich des Antrags der CDU/CSU. Auch wenn Herr Merz bekanntlich jegliche
Zusammenarbeit ablehnt, versuche ich ein konstruktives und gemeinsames Engagement
zu demonstrieren.</p>
<p klasse="J">Unsere fraktionsübergreifende Delegationsreise
nach Südafrika und Ruanda hat gezeigt, dass Zusammenarbeit möglich ist. Vielleicht
sollte sich Herr Merz bemühen, beim nächsten Mal mitzukommen. Ich lade ihn herzlich
zu einer Sitzung in unseren Unterausschuss Globale Gesundheit ein, wo die
Zusammenarbeit der demokratischen Parteien hervorragend funktioniert. Während
unserer Reise trafen wir Vertreter der WHO, aus der EU, aus den afrikanischen
Ländern, aus Amerika und Europa und diskutierten unser Engagement für den Aufbau
von Impfstoff- und Arzneiproduktionen.</p>
<p klasse="J">Es ist jedoch sehr bedauerlich, dass es in der
öffentlichen Debatte Falschaussagen und Missverständnisse zum Pandemievertrag und
der Rolle der WHO gibt. Es ist unsere Pflicht, die Diskussion auf Fakten und
Evidenz zu stützen und klarzustellen, dass ein internationales Abkommen die
Souveränität einzelner Staaten nicht bedroht, sondern eine koordinierte Reaktion
auf Gesundheitskrisen ermöglicht.</p>
<p klasse="J">Die jüngsten Äußerungen von WHO-Chef Dr. Tedros
Adhanom Ghebreyesus unterstreichen die Dringlichkeit, mit der wir handeln müssen,
um die weltweite Gesundheitssicherheit zu gewährleisten. Ein starkes
internationales Engagement ist unerlässlich, um Zugang zu Diagnostik, Behandlung
und Impfstoffen für alle zu sichern. Wir müssen uns der Gefahr einer neuen
Pandemie, einer Disease X, bewusst sein und jetzt gemeinsam handeln. Eine enge
Zusammenarbeit zwischen den Nationen ist unabdingbar. Eine internationale Allianz,
basierend auf einem gemeinsamen Verständnis von globaler Gesundheitsgovernance, ist
notwendig, um zukünftige Herausforderungen zu meistern.</p>
<p klasse="J">Wir stehen an einem Wendepunkt, an dem unsere
Entscheidungen maßgeblich die Zukunft der globalen Gesundheit beeinflussen werden.
Wir als Freie Demokraten sind bereit, konstruktiv und kritisch zum Prozess
beizutragen. Wir fordern eine umfassende Präventionsstrategie, gute
Rahmenbedingungen für schnelle Innovation und einen klaren, robusten
Beschaffungsmechanismus. Weiterhin sind wir der Auffassung, dass der Vertrag ein
dynamisches, regelmäßiges und unabhängiges Überprüfungsverfahren beinhalten soll.
Wir setzen uns für eine starke Rolle der WHO ein, eine solide Finanzierung von
Pandemic Prevention, Preparedness and Response, die auf mehrere Schultern verteilt
ist, und betonen die Bedeutung einer verlässlichen globalen Governance im Umgang
mit Gesundheitsdaten.</p>
<p klasse="J">Der Antrag der Union, der gegen ein Aufweichen
von Patentrechten argumentiert, hebt hervor, wie entscheidend IP-Anreize für eine
effektive Pandemiereaktion sind. Das ist gut und richtig. Die Covid-19-Pandemie
führte zu einer beispiellosen Anzahl von Partnerschaften, die den Zugang zu
Impfstoffen und Therapeutika erleichterten. Deswegen sollten wir nicht den Fokus
auf geistiges Eigentum legen, sondern uns auf echte Barrieren wie
Handelsbeschränkungen und unzureichende Finanzierung konzentrieren, die zu einer
ungleichen Verteilung von Impfstoffen führten und führen.</p>
<p klasse="J">Die AfD schürt mit ihrem sach- und fachfreien
Antrag Ängste und verbreitet Verschwörungstheorien rund um das Pandemieabkommen.
Dass dort nicht von Echsenmenschen oder der Erde als Scheibe die Rede ist, kann man
als einzig positiv vermerken. Man muss schon sehr im eigenen Phantasialand
unterwegs sein, um auf die Idee zu kommen, dass die WHO die Weltherrschaft
übernehmen und allen Menschen Zwangsimpfungen verabreichen will. Hierzu möchte ich
klarstellen: Die WHO greift nicht in die Souveränität von Staaten ein, der
Pandemievertrag wird von den 194 Mitgliedstaaten ausgehandelt, und die WHO bestimmt
nicht den Inhalt des Übereinkommens. Im Textentwurf wird die Souveränität der
Staaten hervorgehoben. Zudem stehen den Vereinten Nationen keine militärischen
Kräfte zur Verfügung, und es gibt im Entwurf des WHO-Abkommens keine Vorschriften
zu Zwangsimpfungen. Es geht vielmehr um eine gerechte Verteilung von Impfstoffen
und Medikamenten.</p>
<p klasse="J">Lassen Sie uns mit Mut, Kompromissbereitschaft
und einer klaren Vision für eine gesunde und sichere Welt an den Herausforderungen
der Zukunft arbeiten. Nur durch internationale Zusammenarbeit können wir effektive
Antworten auf Gesundheitskrisen finden und eine nachhaltige, resiliente
Gesundheitsarchitektur aufbauen. Lassen Sie uns gemeinsam zur
77. Weltgesundheitsversammlung im Mai 2024 für einen Pandemievertrag eintreten.</p>
</rede>
<rede id="ID2015420500">
<p klasse="redner"><a id="ANLr17"/><redner
id="11004181"><name><vorname>Kathrin</vorname><nachname>Vogler</nachname><fraktion>
Die Linke</fraktion></name></redner>Kathrin Vogler (Die Linke):</p>
<p klasse="J">Dass in einer global vernetzten Welt
Gesundheitsrisiken nicht mehr an der nächsten Landesgrenze haltmachen, haben
spätestens in der Coronapandemie fast alle verstanden, zumindest diejenigen von
uns, die sich an Wissenschaft und Fakten orientieren. Wir haben da aber auch
erlebt, wie sich die reichen Länder auf zynische Weise der internationalen
Solidarität entzogen haben – ja, auch Deutschland. Ich erinnere noch an Robert
Habeck und Karl Lauterbach, die vor der Bundestagswahl dafür geworben haben, die
Patente auf Impfstoffe und Medizinprodukte für die ärmere Hälfte der Welt
aufzuheben, und knapp nach der Wahl davon nichts mehr wissen wollten.</p>
<p klasse="J">Die WHO ist, bei allen Defiziten, das
demokratischste Gremium, das wir für die globale Gesundheitspolitik haben. Genau
deswegen wird sie von den reichen Industriestaaten kurzgehalten und von der
globalen Bewegung der Rechtsextremen – von Donald Trump über Bolsonaro bis zu Alice
Weidel – dämonisiert und bekämpft. Und auch hier im Bundestag schürt die AfD die
irrationalen Ängste vor einer weltweiten Gesundheitsdiktatur, die ausgerechnet von
der WHO ausgehen soll – einer Organisation, die strukturell unterfinanziert und auf
zweckgebundene Spenden angewiesen ist.</p>
<p klasse="J">Die Wahrheit ist: Wenn wir die WHO nicht stärken,
dann übernehmen undemokratische Strukturen wie die G 7, wo die Kapitalinteressen
der Industrieländer mit aller Macht vertreten werden. Deswegen braucht die WHO mehr
Befugnisse und mehr Geld. Ein bisschen davon bekommt sie mit dem internationalen
Pandemievertrag. Daher ist er ein Schritt in die richtige Richtung.</p>
<p klasse="J">Wir werden globale Probleme, von der Klimakrise
über gesundheitliche Gefahren, Flucht und Migration bis zu den aktuellen Kriegen
und Konflikten, niemals nach dem Motto lösen können: „Wenn jeder an sich denkt, ist
an alle gedacht“. Die Mehrheit der über 8 Milliarden Menschen auf diesem Planeten
lebt nun mal in den Ländern des Globalen Südens. Wenn ihre Interessen und ihre
Perspektiven nicht berücksichtigt werden, werden die Probleme auch bei uns immer
größer.</p>
<p klasse="J">Die WHO kann ein Teil der Lösung sein, wenn sie
aus der Bevormundung der Sponsoren befreit wird. Dafür werden wir als Die Linke
auch weiter kämpfen.</p>
</rede>
</anlagen-text>
</anlage>
<anlage>
<anlagen-titel><a id="ANL14"/>Anlage 14</anlagen-titel>
<anlagen-text anlagen-typ="Zu Protokoll gegebene Reden">
<p klasse="Anlage_2"><a id="ANLt14"/>Zu Protokoll gegebene Reden
</p>
<p klasse="Anlage_3">zur Beratung der Beschlussempfehlung und des
Berichts des Ausschusses für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung: Änderung
der Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages</p>
<p klasse="Anlage_3">hier: Anlage 2a Verhaltenskodex für
Interessenvertreterinnen und Interessenvertreter im Rahmen des
Lobbyregistergesetzes</p>
<p klasse="Anlage_3">(Tagesordnungspunkt 26)</p>
<rede id="ID2015420600">
<p klasse="redner"><a id="ANLr18"/><redner
id="11004146"><name><vorname>Patrick</vorname><nachname>Schnieder</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Patrick Schnieder
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J">Wie Sie wissen, haben wir die Änderung des
Lobbyregistergesetzes im letzten Jahr sehr deutlich kritisiert und abgelehnt. Ab
1. März gibt es mehr Intransparenz und sinnlose Bürokratie beim Lobbyregister.</p>
<p klasse="J">Der größte Zuwachs an Intransparenz entsteht
durch die geänderte Spendenregelung. Nach bisheriger Rechtslage ist vorgesehen,
dass bei Spenden ab 20 000 Euro veröffentlicht werden muss, von wem diese Spenden
stammen. Das war bei spendenfinanzierten Interessenvertretern wichtig, damit man
überhaupt weiß, wie sich diese Organisationen finanzieren.</p>
<p klasse="J">Durch die im letzten Jahr beschlossenen
Änderungen im Lobbyregistergesetz wurden die Schwellenwerte für Spenden deutlich
erhöht: Die Spende muss über 10 000 Euro liegen und zugleich – und das ist die
entscheidende Änderung – mehr als 10 Prozent der Gesamtspendensumme ausmachen. Das
wird de facto dazu führen, dass spendenfinanzierte Interessensvertreter –
vorwiegend linksgrüne Vorfeldorganisationen wie Greenpeace, Deutsche Umwelthilfe,
WWF – künftig von vornherein nicht mehr offenlegen müssen, wie sie finanziert
werden. Beispiel: Greenpeace verfügt über ein Gesamtspendenaufkommen von circa
80 Millionen Euro pro Jahr. Künftig müssen dann Einzelspenden bis 8 Millionen Euro
nicht mehr veröffentlicht werden.</p>
<p klasse="J">Finanzströme linksgrüner Vorfeldorganisationen
und Nichtregierungsorganisationen sollen offenbar absichtlich verschleiert werden.
Das ist kein Mehr an Transparenz, das ist mehr Intransparenz; das ist ein bewusstes
Verschleiern der Herkunft dieser Gelder. Dabei zeigt nicht zuletzt die jüngste
Presseberichterstattung über eine angebliche Lobbykampagne der Deutschen
Umwelthilfe, dass es im Bereich von linksgrünen Nichtregierungsorganisationen einen
erheblichen Nachholbedarf an Transparenz gibt. Wie der Presse zu entnehmen war,
soll die Deutsche Umwelthilfe dem Verein Erdgas Mobil im Jahr 2016 in Aussicht
gestellt haben, gegen Zahlung von 2,1 Millionen Euro eine Lobbykampagne für
fossiles Gas als Treibstoff in Pkws zu machen. Die Kampagne sollte den Titel haben
„Saubere Luft durch saubere Antriebe“, eine Kampagne also zum Greenwashing von
fossilem Gas. Gleichzeitig soll die Umwelthilfe angeboten haben, sich für
Steuerprivilegien von fossilem Gas im Rahmen der „regelmäßigen Spitzengespräche“
zwischen ihr und führenden Umweltpolitikern in Deutschland starkzumachen.</p>
<p klasse="J">Besonders bemerkenswert dabei: Die Umwelthilfe
ist als gemeinnützig anerkannt. In ihrer Satzung heißt es in § 2 Absatz 4 unter
anderem: „Der Verein ist selbstlos tätig; er verfolgt nicht in erster Linie
eigenwirtschaftliche Zwecke.“ Die Prüfung, wie gemeinnützig die Tätigkeit der
Umwelthilfe tatsächlich ist, wird Aufgabe der zuständigen Finanzbehörden sein.</p>
<p klasse="J">Der Fall zeigt aber auch, dass es dringender denn
je geboten ist, die Finanzierung von Nichtregierungsorganisationen im Rahmen des
Lobbyregisters hell auszuleuchten. Bei den Ampelfraktionen besteht hier jedoch
akute Verdunkelungsgefahr. Sie begünstigen einseitig linksgrüne NGOs und bürden
Unternehmen zusätzliche bürokratische Hürden auf.</p>
<p klasse="J">Die Änderungen im Lobbyregistergesetz sowie in
der Geschäftsordnung sind in puncto Transparenz ein deutlicher Rückschritt
gegenüber der geltenden Rechtslage. In der Konsequenz lehnen wir daher heute auch
die diesbezüglichen Änderungen in der Geschäftsordnung ab.</p>
</rede>
<rede id="ID2015420700">
<p klasse="redner"><a id="ANLr19"/><redner
id="11005086"><name><vorname>Bruno</vorname><nachname>Hönel</nachname><fraktion>BÜN
DNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Bruno Hönel (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN):</p>
<p klasse="J">Seit zwei Jahren müssen sich Unternehmen,
Verbände und Nichtregierungsorganisationen in das Lobbyregister eintragen, um
gegenüber dem Deutschen Bundestag und der Bundesregierung ihre Interessen
einzubringen. Das Register ist digital, öffentlich zugänglich und wird von der
Bundestagsverwaltung geführt. Zum ersten Mal wurden die Strukturen der
Interessenvertretung in Deutschland sichtbar gemacht.</p>
<p klasse="J">Allerdings wies diese Gesetzesfassung
signifikante Mängel bei der Darstellung der vertretenen Interessen und der
Praktikabilität auf. Im Oktober haben wir deswegen eine umfangreiche Novelle des
Lobbyregistergesetzes beschlossen, die in einer Woche in Kraft tritt. Mit diesen
notwendigen Verschärfungen schaffen wir mehr Transparenz bei allen Aspekten der
Interessenvertretung in Deutschland.</p>
<p klasse="J">Ich führe hier ein paar Beispiele auf: Wir weiten
die Registrierungspflicht auf den Kontakt zu Referatsleitern und -leiterinnen der
Bundesregierung aus und setzen undurchsichtigen Kettenbeauftragungen ein Ende. Die
Lobbyistinnen und Lobbyisten müssen auch Angaben zu konkreten Gegenständen der
Interessenvertretung machen und auf bestehende oder vorherige Mandate und
Beschäftigungen in der Politik hinweisen. Die Möglichkeit, finanzielle Angaben zu
verweigern, haben wir hingegen ersatzlos gestrichen. Es müssen ab dem 1. März die
Angaben zu jährlichen finanziellen Aufwendungen im Bereich der
Interessenvertretung, zu Zuwendungen und Zuschüssen der öffentlichen Hand und
Schenkungen Dritter sowie zu Jahresabschlüssen oder Rechenschaftsberichten
juristischer Personen gemacht werden. Auch im Verhaltenskodex für
Interessenvertreterinnen und Interessenvertreter sollen diese Änderungen abgebildet
werden. Deswegen beschließen wir sie heute, damit sie pünktlich zum 1. März in
Kraft treten.</p>
<p klasse="J">Von den nun klareren und nachvollziehbareren
Regeln im Bereich des Lobbyismus – also wenn politische Prozesse transparenter
gestaltet werden und Bürger/-innen unmittelbar einsehen können, wer mit wem über
welche Themen spricht und welchen Einfluss sie auf politische Entscheidungen
haben – profitiert nicht nur die breite Öffentlichkeit. Wir schaffen auch mehr
Vertrauen und Akzeptanz für die Interessenvertretung als Bestandteil einer
repräsentativen Demokratie. Aus unserer Sicht braucht gute Politik den lebendigen
Dialog zwischen Politikerinnen und Politikern und den vielen gesellschaftlichen,
wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Interessen mit ihren vielfältigen
Praxiserfahrungen und Perspektiven. Die Politik trägt Verantwortung für einen
fairen und transparenten Interessenausgleich, wofür ausgewogene Beteiligung
verschiedener Interessen von essenzieller Bedeutung ist.</p>
<p klasse="J">Zur Verbesserung der Qualität der Daten im
Lobbyregister stärken wir zudem die registerführende Stelle. Ein Lobbyregister ist
ohne verlässliche und umfangreiche Angaben lediglich ein Telefonbuch der
Interessenvertretung. Aus diesem Grund wird die registerführende Stelle befähigt,
bei offensichtlich widersprüchlichen Eintragungen und konkreten Hinweisen Belege
für veröffentlichte Angaben zu fordern, und erhält damit eine eigenständige
Prüfkompetenz. Darauf weisen wir die Interessenvertreter/-innen nun im
Verhaltenskodex explizit hin. Dies gilt neben dem nun auch effizienter
ausgestalteten Sanktionsverfahren, wie Bußgeldverhängung bei
Ordnungswidrigkeiten.</p>
<p klasse="J">Jahrelang wurde in diesem Haus die Laissez-faire-
Haltung zur transparenten und integren Abgeordnetentätigkeit geduldet. Um nur ein
Beispiel zu nennen: In der Maskenaffäre blieben wegen der löchrigen gesetzlichen
Regelungen gegen Abgeordnetenbestechung strafrechtliche Konsequenzen für die
Akteure aus. Als Ampel schließen wir endlich diese Lücken im Strafgesetzbuch und
verschärfen die Paragrafen zu Bestechung und Bestechlichkeit. Auch ein häufig von
Transparenzorganisationen und internationalen Institutionen geforderter exekutiver
Fußabdruck kommt zeitnah. Verdeckte Einflussnahme auf politische Entscheidungen und
Politik hinter verschlossenen Türen müssen endlich der Vergangenheit angehören.</p>
</rede>
<rede id="ID2015420800">
<p klasse="redner"><a id="ANLr20"/><redner
id="11005075"><name><vorname>Philipp</vorname><nachname>Hartewig</
nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></redner>Philipp Hartewig (FDP):</p>
<p klasse="J">Das Gesetz zur Änderung des Lobbyregistergesetzes
vom 15. Januar 2024 zieht Änderungen im Verhaltenskodex für
Interessenvertreterinnen und Interessenvertreter nach sich. Diese werden durch eine
Änderung der Anlage 2a zur Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages umgesetzt. Am
Regelungsgehalt der Anlage 2a zur Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages ändert
sich jedoch nichts, weswegen nicht ersichtlich ist, warum man das Thema so breit
heute im Plenum diskutieren möchte, nachdem im Ausschuss dazu auch keinerlei
Aspekte genannt wurden.</p>
<p klasse="J">Als Koalition haben wir uns daher auch
entschieden, lediglich die Anlage 2a zur Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages
anzupassen. Der gesamte Inhalt der geplanten Änderung wurde bereits am 15. Januar
2024 mit dem Gesetz zur Änderung des Lobbyregistergesetzes beschlossen, weswegen es
sich nur um Folgeänderungen aufgrund dieses Änderungsgesetzes handelt und eine
erneute, tiefgreifendere Debatte nicht zielführend ist.</p>
<p klasse="J">Es entfällt mit den bereits beschlossenen
Änderungen zum Lobbyregistergesetz die Möglichkeit, die Angabe der jährlichen
finanziellen Aufwendungen, Zuwendungen und Zuschüsse im Bereich der
Interessenvertretung, aus der öffentlichen Hand oder aus Schenkungen Dritter,
Jahresabschlüssen oder Rechenschaftsberichten juristischer Personen zu verweigern.
Es ist daher folgerichtig, die betreffenden Hinweise auf die
Verweigerungsmöglichkeit der Angaben in Absatz 2 Satz 3 der Anlage 2a zur
Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages aufzuheben und die dazugehörigen
Formulierungen in den Absätzen 6 und 7 zu streichen. Ebenfalls wird in diesem Zug
der unvorteilhafte Wortlaut des Absatzes 8 sprachlich angepasst, an dessen Inhalt
ändert sich nichts. Darüber hinaus nehmen wir eine Klarstellung in Bezug auf den
Status der Bundestagsverwaltung als registerführende Stelle vor.</p>
<p klasse="J">Ziel der Änderung des Lobbyregistergesetzes war
es unter anderem, die registerführende Stelle zu stärken. Um die Regelung des neuen
§ 4 Absatz 3 des Lobbyregistergesetzes umzusetzen, werden die Befugnisse der
registerführenden Stelle in der neuen Fassung des Absatz 9 der Anlage 2a zur
Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages wiedergegeben. Bisher bestätigte
Absatz 9 nur den Regelungsgehalt des § 5 Absatz 8 des Lobbyregistergesetzes.</p>
<p klasse="J">Die Änderungen des Lobbyregistergesetzes und die
daraus folgenden Folgeänderungen der Anlage 2a zur Geschäftsordnung des Deutschen
Bundestages tragen nachhaltig gleichermaßen zur Befriedigung des Bedürfnisses nach
Transparenz, welche die Zivilbevölkerung von ihren gewählten Vertreterinnen und
Vertreter verlangt, und einer fortschreitenden Eindämmung unnötiger Bürokratie bei.
Sie stärken die Integrität eines jeden Mitglieds des Deutschen Bundestags und
fördern das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler in uns.</p>
<p klasse="J">Die Änderung des Lobbyregistergesetzes ist ab dem
1. März 2024 wirksam. Es ist daher folgerichtig, die Anpassungen des
Verhaltenskodex für Interessenvertreterinnen und Interessenvertreter zum gleichen
Zeitpunkt in Kraft zu setzen.</p>
</rede>
</anlagen-text>
</anlage>
<anlage>
<anlagen-titel><a id="ANL15"/>Anlage 15</anlagen-titel>
<anlagen-text anlagen-typ="Zu Protokoll gegebene Reden">
<p klasse="Anlage_2"><a id="ANLt15"/>Zu Protokoll gegebene Reden
</p>
<p klasse="Anlage_3">zur Beratung des Antrags der Fraktion der
CDU/CSU: Fußball-EM 2024 – Volle Unterstützung für ein neues Sommermärchen</p>
<p klasse="Anlage_3">(Tagesordnungspunkt 23)</p>
<rede id="ID2015420900">
<p klasse="redner"><a id="ANLr21"/><redner
id="11005213"><name><vorname>Christian</vorname><nachname>Schreider</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Christian Schreider (SPD):</p>
<p klasse="J">Ein ewiges Gesetz des Journalismus lautet: Nichts
ist so alt wie die Zeitung von gestern. – Das haben Sie mit Ihrem Antrag mal eben
komplett ignoriert, wahrscheinlich deshalb, weil die Union sich ja auch immer mehr
wie von gestern geriert. Ich erinnere mich noch gut an einen Artikel in der SZ von
Ende Mai 2006, kurz vor dem Sommermärchen; Titel und Tenor: „Keine WM-Stimmung im
Land“ – eine der wohl größten Fehleinschätzungen im Sportjournalismus.</p>
<p klasse="J">Ähnlich daneben liegen Sie. Denn nicht von
gestern, nicht von letzter Woche, nein, sage und schreibe von Anfang November
letzten Jahres stammt der Zeitungsartikel, auf den Sie Ihren vermeintlich aktuellen
Antrag stützen. Liebe Union, das kann ja nur schiefgehen; das müssten Sie doch
wissen. Trotzdem fordern Sie Dinge, die – nach fundierter Vorbereitung –
mittlerweile längst fertig sind, zum Beispiel ein Mobilitätskonzept, vorgestellt am
18. Januar, oder ein Kulturprogramm, präsentiert am 29. Januar. Und es sind richtig
gute Konzepte: 300 Kulturaktionen in 45 Städten, finanziert mit 13 Millionen Euro
vom Bund. Es gibt das „Stadion der Träume“ und vieles Ähnliches mehr. Übrigens ist
das alles schon im Internet nachlesbar; das ist aber vielleicht Neuland für manche
in der Union.</p>
<p klasse="J">Auch das vermeintlich vermisste Mobilitätskonzept
überzeugt: Bahnen und Busse sind rund um die Spielorte am Spieltag kostenlos. Die
Bahn bietet Fernverkehrstickets für 29 Euro – ein mehr als fairer Preis, wie ich
finde, alles übrigens seit Anfang Januar buchbar. Das kann man wissen, wenn man
will.</p>
<p klasse="J">Oder: Sie fordern Kommunikation mit den
Gastgeberstädten. Läuft doch! Die Sportministerin bereist alle Host Cities vor der
EURO, war schon in Stuttgart, Frankfurt, Düsseldorf und Hamburg. Morgen geht es
nach Leipzig, Anfang März nach Köln. Dafür braucht Nancy Faeser doch keinen
Unionsantrag.</p>
<p klasse="J">Richtig Sorgen machen muss man sich um Ihren
Blick auf die Sicherheitsbehörden. Wo ist das Unionsvertrauen in die Polizei
geblieben? Die Sicherheitskonzepte, die Sie fordern, die gibt es doch längst: Das
International Police Cooperation Center, IPCC, erstellt das zentrale Lagebild zur
EURO 2024. Es ergänzt das Nationale Konzept Sport und Sicherheit – erst gestern im
Sportausschuss vorgestellt.</p>
<p klasse="J">Die Polizei kann zurückgreifen auf die zentrale
Datei „Gewalttäter Sport“. Und es gibt natürlich im Innenministerium den Stab
EURO 2024 mit der Stabsstelle Sicherheit, ganz oben angedockt. Seien Sie ganz
beruhigt, liebe Union, lehnen Sie sich zurück.</p>
<p klasse="J">Hören Sie vor allem auf, wie üblich alles
schlechtzureden oder jetzt unmögliche Dinge zu fordern, die Sie einst selbst
versäumt haben, zum Beispiel den Ausrichterstädten Sportstätten zur Verfügung zu
stellen, die auch nach dem Turnier genutzt werden können. Aha, nette Idee! Das
hätte aber zur Amtszeit von Horst Seehofer geplant und finanziert werden müssen.
Das haben Sie verschlafen. So zieht sich das Unmögliche, Unnötige und vor allem
längst Erledigte durch Ihren ganzen Antrag, der nichts anderes ist als Panikmache
auf der Zielgeraden zum Anpfiff.</p>
<p klasse="J">Die Zielgerade wird die Nationalmannschaft besser
nutzen, unter anderem mit einem halben Dutzend Besuchen dort, wo keine EM-Stadien
stehen, mit öffentlichem Training in Thüringen zum Beispiel. Aber ganz ehrlich:
Alle Ticketkontingente sind extrem gefragt, ganz Europa hat sich angesagt, Menschen
aus insgesamt 206 Ländern. Die Deutschen und ihre Millionen Gäste sind heiß auf die
Europameisterschaft. Keiner davon braucht ernsthaft einen sinnfreien Unionsantrag,
auch Julian Nagelsmann nicht. Er verdient Vertrauen, weil er auch Fehler
eingesteht. Er hat eingesehen, dass er nicht elf Einzelspieler in ein System
pressen darf. Es geht um die richtige Mischung. Helfen könnte da eine Rückkehr von
Toni Kroos – eine taktische Anregung von gestern aus den Reihen unseres FC
Bundestag, heute schon umgesetzt.</p>
<p klasse="J">Unter dem Strich bin ich immer Optimist:
Nagelsmann wird die beste Elf finden. „Elf Mal Morgen“ heißt übrigens ein
wunderbarer Fußballfilm aus dem schönen EM-Kulturprogramm, diese Woche auf der
Berlinale vorgestellt. Schauen Sie ihn sich an, seien Sie nicht von gestern. Freuen
Sie sich mit uns auf eine tolle EM.</p>
</rede>
<rede id="ID2015421000">
<p klasse="redner"><a id="ANLr22"/><redner
id="11005262"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Herbert</vorname><nachname>Wollmann<
/nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Dr. Herbert Wollmann (SPD):</p>
<p klasse="J">Die WM 2006 war ein Sommermärchen: Sportlich,
weil die Nationalmannschaft mit dem Gewinn der Bronzemedaille einen großen Erfolg
feierte. Gesellschaftlich, weil das WM-Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden“ von
allen Fans und den Menschen im Land gelebt wurde.</p>
<p klasse="J">Auch für die EM 2024 wünsche ich mir, dass sie
unsere Gesellschaft in dieser schwierigen Zeit wieder ein Stück näher
zusammenbringt. Daher teile ich auch den in der Überschrift des Antrages
formulierten Wunsch der Union – Volle Unterstützung für ein neues
Sommermärchen.</p>
<p klasse="J">Den Rest des Antrags und die Kritik an der
Regierung, insbesondere die mangelnde Umsetzung der Vision und die
Sicherheitsbedenken, teile ich hingegen nicht. Ich erkläre Ihnen gerne, warum:</p>
<p klasse="J">Das EM-Organisationskomitee aus UEFA und DFB hat
die Vision, das Turnier zu einem Vorbild für nachhaltige Veranstaltungen und zu
einem Impulsgeber für nachhaltige Entwicklung in der deutschen und europäischen
Gesellschaft zu machen. Dies wurde uns unter anderem in der 34. Sitzung des
Sportausschusses vorgestellt.</p>
<p klasse="J">In der gleichen Sitzung haben Sie von der Union,
in Person von MdB Mayer, die Bundesregierung dafür kritisiert, diese Vision nicht
zu gestalten! Offenbar haben Sie die damalige Antwort des BMI vergessen, denn sonst
hätten Sie den Punkt nicht wieder in den Antrag aufgenommen. Ich helfe aber gerne:
Bei der WM 2006 war die Bundesregierung Mitausrichter des Turniers. Für die EM 2024
hat sie allerdings nur eine koordinierende Rolle. Damit sind auch die Kompetenzen
der Bundesregierung ganz anders und die Einmischung in die EM-Vision wäre eine
klare Kompetenzüberschreitung.</p>
<p klasse="J">Sie vergessen in Ihrem Antrag, dass die
Bundesregierung die Umsetzung der Vision aktiv unterstützt. Beispielsweise stellt
das BMI über 23 Millionen Euro für ein Kulturprogramm und andere Projekte wie
„Verein(t) gegen Rassismus“ zur Verfügung. Und auch das BMUV fördert EM-
Begleitprojekte zur Nachhaltigkeit.</p>
<p klasse="J">Auch was die Sicherheit betrifft, teile ich Ihre
Bedenken nicht, denn es gibt bereits ein nationales Sicherheitskonzept, das
International Police Cooperation Center und den Nationalen Koordinierungsausschuss
mit dem Co-Vorsitz von BMI und DFB. Damit wird die Sicherheit aller
gewährleistet.</p>
<p klasse="J">Zum Schluss noch eine Bewertung: Die
Bundesregierung ist nicht für das Abschneiden der Nationalmannschaft
verantwortlich. Wir alle sind in der Verpflichtung, nicht nur rumzunörgeln, sondern
mit Optimismus das Turnier und die Mannschaft zu stärken. Daher mein Tipp: Wir
erreichen mindestens das Halbfinale.</p>
</rede>
<rede id="ID2015421100">
<p klasse="redner"><a id="ANLr23"/><redner
id="11003589"><name><vorname>Stephan</vorname><nachname>Mayer</nachname><ortszusatz
>(Altötting)</ortszusatz><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Stephan Mayer
(Altötting) (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J">Der Countdown läuft – es sind nur noch gut
100 Tage bis zum Start der Fußball-Europameisterschaft der Männer in unserem Land.
Die deutsche Mannschaft eröffnet das Turnier am 14. Juni mit dem Spiel gegen
Schottland in München. Ich darf sicherlich für uns alle sprechen: Wir freuen uns
auf die EURO 2024 im eigenen Land. Vor allem tun dies die Fans, denn sie erinnern
sich genauso gut wie wir an das Sommermärchen von 2006: Die Weltmeisterschaft hier
in Deutschland war nicht nur sportlich ein Erfolg; auch wenn es damals nicht ganz
zum Titel gereicht hat, war es ein großartiges Fußballfest für alle Fans, und
Deutschland hat sich als zuverlässiger und sympathischer Gastgeber präsentiert.</p>
<p klasse="J">Wir alle hoffen und wünschen uns, dass wir im
Sommer ein Sommermärchen 2.0 erleben dürfen, mit einer erfolgreichen deutschen
Nationalmannschaft und einem Turnier, an das man sich in Deutschland wie auch im
Ausland gern erinnern wird. Nun können auch wir als CDU/CSU-Fraktion keinen
Europameistertitel durch einen Antrag im Plenum herbeidebattieren, aber wir können
Fragen stellen und auch Hinweise geben, damit seitens der Politik alle
erforderlichen Schritte bis zum Beginn der Europameisterschaft unternommen werden,
um dann ein Fußballfest feiern zu können.</p>
<p klasse="J">Ein gelungenes Turnier setzt eine tadellose
Organisation voraus, und ich hege erhebliche Zweifel, ob die Bundesregierung hier
all das tut, was sie leisten muss. Anlass zur Besorgnis gibt die Ende des
vergangenen Jahres erhobene Klage der Organisatoren, Deutschland habe keine Vision.
Ein Zitat lautete: „Was die Regierung liefert, reicht so nicht“. Diese
alarmierenden Wortmeldungen sind nur ein gutes halbes Jahr vor Beginn der EURO
erhoben worden; das macht uns schon Sorgen. Nicht nur ich frage mich, wie die
Bundesregierung mit den von den Organisatoren geäußerten Befürchtungen umgegangen
ist. Der von der Bundesregierung an dieser Stelle gern gegebene lapidare Hinweis,
man sei „nur“ Gastgeber und – anders als bei der Weltmeisterschaft 2006 – kein
Veranstalter, kann hier keine hinreichende Erklärung sein, denn den
Geschäftsführern des Veranstalters dürfte dieser Umstand durchaus bekannt gewesen
sein, als sie ihre Kritik geäußert haben. Ich fordere die zuständige
Bundesinnenministerin auf, ihren Besuch im Sportausschuss am 13. März 2024 zum
Anlass zu nehmen, um die Antwort der Bundesregierung auf die geäußerte Kritik sowie
die Reaktion der Veranstalter hierauf darzustellen.</p>
<p klasse="J">Es gibt ein weiteres Thema, das in diesem
Zusammenhang von zentraler Bedeutung ist – leider! Es geht um die Sicherheit
Deutschlands, der Fans und Gäste sowie der Spieler angesichts einer stetig
unsicherer und gewalttätiger werdenden Welt, innerhalb und außerhalb der
Fußballcommunity. Hier muss die Bundesregierung auch dem Sportausschuss gegenüber
darlegen, wie der aktuelle Sachstand ist. Den Medien konnte man vor vier Wochen
entnehmen, dass ein umfassendes Sicherheitskonzept angekündigt worden sei. Diese
Ankündigung der Erstellung eines Sicherheitskonzepts im Januar, das die Sicherheit
einer Großveranstaltung im Juni gewährleisten soll, ist – mit Verlaub – eher zur
Erzeugung von Unsicherheit geeignet. Diese – um im Thema zu bleiben – sportliche
Zeitplanung erstaunt vor allem vor dem Hintergrund, dass der Profifußball und die
Sicherheitsbehörden aktuell offenbar bereits mit Ultras in den Stadien überfordert
sind, die Schokotaler und Tennisbälle auf das Spielfeld werfen.</p>
<p klasse="J">Abschließend ein Appell an den Deutschen Fußball-
Bund: Nutzen Sie die Europameisterschaft im eigenen Land, um bei den Fans das
Vertrauen zurückzugewinnen, das die Mannschaft und damit auch der DFB früher stets
bei den Fans im In- wie auch im Ausland genossen haben. Durch zu viele
enttäuschende sportliche Auftritte der Nationalmannschaft in den letzten Jahren hat
das Verhältnis zu den Fans Risse bekommen, die es jetzt zu kitten gilt. Das Turnier
im eigenen Land bietet dem DFB hier eine einmalige Chance, die so schnell nicht
wiederkommen wird. Gehen Sie mit der richtigen Einstellung ins Turnier, und
bereiten Sie sich und uns ein erneutes Sommermärchen.</p>
</rede>
<rede id="ID2015421200">
<p klasse="redner"><a id="ANLr24"/><redner
id="11005114"><name><vorname>Philip</vorname><nachname>Krämer</nachname><fraktion>B
ÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Philip Krämer (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN):</p>
<p klasse="J">In diesem Hohen Haus erinnern sich sicher noch
viele an das Sommermärchen 2006: die Fußball-Weltmeisterschaft der Herren in
Deutschland. Endlich konnten sich der deutsche Fußball und auch dessen Fans vom
rückwärtsgewandten und konservativen Filz befreien und ein Fest der Weltoffenheit
und Toleranz feiern. „Die Welt zu Gast bei Freunden“ – das war nicht nur eine
Phrase, sondern wurde von vielen Menschen gelebt, das Turnier baute Brücken
zwischen Kulturen, und die Menschen demonstrierten nach innen und außen, wie
freiheitlich, pluralistisch und damit stark unsere Gesellschaft ist. Und genau
diese Chance haben wir auch in diesem Jahr: „Heimspiel für Europa.“ Im Sommer
findet die UEFA EURO 2024 hier in Deutschland statt. Sie ist das sportpolitische
Großereignis 2024 und für zahlreiche Fans das Highlight in diesem Jahr.</p>
<p klasse="J">Doch in diesem Antrag äußert die Fraktion der
CDU/CSU nun Bedenken, wir würden die EURO nicht ausreichend unterstützen, und nimmt
darin Bezug auf Mobilität, Sicherheit und Kultur. Lassen Sie uns gerne kurz über
diese drei Punkte sprechen:</p>
<p klasse="J">Mobilität. Sie sagen in Ihrem Antrag, man müsse
gemeinsam mit den Ländern klären, welches Mobilitätskonzept für das Turnier
erforderlich sei. Das Bundesverkehrsministerium hat aber gemeinsam mit DFB, UEFA,
der EURO 2024 GmbH, den zehn Host Cities, den Bundesländern und Stakeholdern wie
etwa der Deutschen Bahn AG ein verkehrsträgerübergreifendes nationales
Mobilitätskonzept erstellt. Es wurde bereits am 18. Januar 2024 auf der fünften
Sitzung des Nationalen Koordinierungsausschusses zur UEFA EURO 2024 in Frankfurt am
Main vorgestellt. Dieses Konzept führt die jeweiligen Zuständigkeiten und
Verantwortlichkeiten der Beteiligten auf und unterstützt die EURO 2024 GmbH als
Organisator bei der weiteren Planung.</p>
<p klasse="J">Bei dieser Sitzung im Januar – auch hier können
wir der CDU/CSU eine Sorge nehmen – stellte Bundesinnenministerin Faeser den
Beteiligten das weitreichende Sicherheitskonzept vor, das zeigt: Die Sicherheit für
alle hat immer oberste Priorität. – Um die internationale Zusammenarbeit mit
anderen Sicherheitsbehörden sicherzustellen, bildet das International Police
Cooperation Center in Neuss das Herzstück.</p>
<p klasse="J">Nun zum dritten Punkt: Kultur. Am 24. Januar
stellte unter anderem Kulturstaatsministerin Claudia Roth das Kunst- und
Kulturprogramm zur UEFA EURO 2024 im Hamburger Bahnhof vor. Hier wurde eindrücklich
gezeigt: Die Bundesmittel in Höhe von 13 Millionen Euro werden in 60 Projekten und
300 bundesweiten Events eingesetzt, mit dem Ziel, ein buntes und ansprechendes
kulturelles Rahmenprogramm zur UEFA EURO 2024 zu schaffen – für Jung und Alt, für
Menschen mit und Menschen ohne Beeinträchtigung. Schauen Sie sich doch gerne mal
die Website der Stiftung Fußball &amp; Kultur an; dort finden Sie in einer
interaktiven Karte sicher auch starke Projekte in Ihrer Nähe.</p>
<p klasse="J">Wie ich zu Beginn erwähnt habe: Wir haben in
diesem Jahr – übrigens auch das Jahr der Europawahl – die Möglichkeit, ein Signal
nach innen und außen zu geben. Während seit zwei Jahren Krieg in Europa herrscht
und Putin völkerrechtswidrig die Ukraine angreift, können wir ein Zeichen setzen:
für Zusammenhalt, für Solidarität in Europa. Wir sind ein starkes Gastgeberland,
und wir vertreten ein Europa mit noch stärkeren Werten.</p>
<p klasse="J">Unsere Außenministerin Annalena Baerbock hat am
1. Februar die Fußball-Botschafterinnen und -Botschafter vorgestellt, unter ihnen
Steffi Jones, Thomas Hitzlsperger und Miroslav Klose. In den nächsten Monaten
werben sie in ganz Europa für Deutschland, die EURO 2024 und unsere gemeinsamen
europäischen Werte. Denn die Fußball-Europameisterschaft muss über das Sportliche
hinausgehen. Das bedeutet auch: Die EURO 2024 wird bei der Nachhaltigkeit von
Sportgroßveranstaltungen neue Maßstäbe setzen – an dieser Stelle Danke an Steffi
Lemke – und einen demokratischen Gegenentwurf zu den autoritären Veranstaltern der
vergangene Sportgroßveranstaltungen darstellen. „Heimspiel für Europa.“</p>
<p klasse="J">Abschließend will ich noch einmal auf den von der
Union angesprochenen Ansehensverlust des deutschen Fußballs eingehen. Die Union
argumentiert, dass diesem Ansehensverlust, „der durch die Leistungen der deutschen
Nationalmannschaft eingetreten ist“, nun durch Fan-Nähe entgegengewirkt werden
soll. Die aufgestellte Kausalität der Union ist ein offensichtlicher Irrtum und
fügt sich damit in die lange Reihe an Fehleinschätzungen ein, die den deutschen
Profifußball gerade umgeben. Der Ansehensverlust ist nicht auf die Leistungen der
Mannschaft zurückzuführen, sondern vorrangig auf die Vorgehensweise der Verbände,
insbesondere auf die mangelnde Einbindung der Fans und Mitglieder. Das haben die
Fanproteste der letzten Wochen eindrucksvoll bewiesen, und meiner Meinung nach ist
der Stopp der Verhandlungen um den Investorendeal durch die DFL jetzt richtig und
wichtig. Nun ist es an den Vereinen, ihre Fans in Zukunft demokratischer in
Entscheidungsprozesse einzubinden.</p>
<p klasse="J">Ich empfehle, den Antrag der Union abzulehnen,
weil ihm die Substanz fehlt. Dennoch hoffe ich, dass es uns allen gelingt, die
EURO 2024 zu einem Turnier zu machen, das Verbände, Vereine und Fans nach ihrer
breiten Spaltung wieder zusammenführen kann und die Menschen zusammenbringt. Die
Bundesregierung hat dafür durch ihr Engagement die Grundlage gelegt.</p>
</rede>
<rede id="ID2015421300">
<p klasse="redner"><a id="ANLr25"/><redner
id="11004288"><name><titel>Dr.</titel><vorname>André</vorname><nachname>Hahn</
nachname><fraktion>Die Linke</fraktion></name></redner>Dr. André Hahn (Die
Linke):</p>
<p klasse="J">Auch ich bin bekennender Fußballfan und freue
mich auf die in Deutschland stattfindende Europameisterschaft. Aber ich bin dafür,
dass wir hier im Bundestag nicht über Sommer- oder Wintermärchen reden, sondern
konkrete Politik machen.</p>
<p klasse="J">Wir haben in Deutschland über 27 Millionen
Mitgliedschaften von Menschen, die sich unter dem Dach des Deutschen Olympischen
Sportbundes in rund 87 000 Vereinen aktiv in über 100 olympischen, paralympischen
und nichtolympischen Sportarten betätigen, und weitere Millionen Menschen, die auch
außerhalb des DOSB in vielfältiger Form Sport treiben. Viele von ihnen sind auch
Fußballfans, aber nicht wenige beklagen dennoch zu Recht, dass der Profifußball in
einer völlig anderen Welt lebt und durch die zunehmende Kommerzialisierung, TV-
Dominanz und Profitorientierung sich selbst, aber auch den Sport insgesamt kaputt
macht. Während im Profifußball völlig abartige Summen im Spiel sind, fehlen in
anderen Sportarten die Sportstätten, Trainerinnen und Trainer sowie eine
angemessene Förderung für das so viel gepriesene Ehrenamt.</p>
<p klasse="J">Katastrophal ist die Situation im Schulsport und
beim Schwimmunterricht für unsere Jüngsten. Menschen mit Behinderungen sowie mit
niedrigen Einkommen und im ländlichen Raum haben aufgrund von baulichen, ÖPNV-
sowie finanziellen Barrieren kaum die Möglichkeit, angemessen am Sport
teilzuhaben.</p>
<p klasse="J">Statt dagegen etwas zu tun, widmen Bundeskanzler
Scholz wie auch Sportministerin Faeser mehr als die Hälfte aller ihrer Sporttermine
dem Profifußball. Bund, Länder sowie die zehn Ausrichterstädte stecken Hunderte
Millionen Euro Steuergelder, darunter der Bund über 60 Millionen und allein das
Land Berlin über 80 Millionen Euro, in diese Europameisterschaft. Das ist völlig
unverhältnismäßig, da die UEFA über ein Milliardenvermögen verfügt und bei der EURO
selbst mit riesigen Gewinnen rechnet. Das kritisiert die Union nicht, sondern kommt
mit einem oberflächlichen, eher peinlichen Antrag ohne jede Substanz.</p>
<p klasse="J">Die Linke fordert abschließend, dass Sport und
Kultur endlich als Staatsziel ins Grundgesetz kommen. Wir brauchen einen goldenen
Plan für Sportstätten, eine deutlich bessere Förderung des Breiten- und des
Spitzensports sowie mindestens drei Stunden Sport pro Woche in allen Schulen und
Altersgruppen. Statt voller Unterstützung für ein neues Märchen möchten wir eine
volle Kanne für einen besseren Breiten-, Schul- und Spitzensport.</p>
</rede>
</anlagen-text>
</anlage>
<anlage>
<anlagen-titel><a id="ANL16"/>Anlage 16</anlagen-titel>
<anlagen-text anlagen-typ="Zu Protokoll gegebene Reden">
<p klasse="Anlage_2"><a id="ANLt16"/>Zu Protokoll gegebene Reden
</p>
<p klasse="Anlage_3">zur Beratung des von der Bundesregierung
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über die Digitalisierung des Finanzmarktes
(Finanzmarktdigitalisierungsgesetz – FinmadiG)</p>
<p klasse="Anlage_3">(Tagesordnungspunkt 25)</p>
<rede id="ID2015421400">
<p klasse="redner"><a id="ANLr26"/><redner
id="11004603"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Jens</vorname><nachname>Zimmermann</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Dr. Jens Zimmermann (SPD):</p>
<p klasse="J">Neue Technologien im Banken- und Zahlungsverkehr
verändern die Finanzdienstleistungsbranche. Unter dem Schlagwort „Open Banking“
oder „Beyond Banking“ bildet sich eine breite Differenzierung des klassischen
Bankengeschäfts im digitalen Raum ab, etwa wenn neue Finanzdienstleister über
Plattform-Modelle das Portfolio für ihre Kundinnen und Kunden mit den Leistungen
externer Partner aufladen.</p>
<p klasse="J">Der digitale Wandel in Europa ist für die EU in
den nächsten zehn Jahren von höchster Priorität und ein Schwerpunktbereich für
Investitionen im Rahmen ihres Aufbauplans. Die vergangenen Jahre waren allerdings
auch gekennzeichnet von Missständen, extremen Marktvolatilitäten, Intransparenz von
Produkten, unseriösen Plattform-Anbietern oder fehlenden Sicherheitsvorkehrungen.
Mit dem Gesetz über die Digitalisierung des Finanzmarktes setzt Deutschland eine
Reihe von europäischen Regulierungen um, die die EU im Rahmen ihrer Strategie für
ein digitales Finanzwesen geschaffen hat – und durch die, neben der Schaffung eines
wettbewerbsfähigen digitalen Finanzdienstleistungssektors, auch Finanzstabilität
und Verbraucherschutz in den Fokus rücken.</p>
<p klasse="J">Im Zentrum des
Finanzmarktdigitalisierungsgesetzes stehen drei europäische Verordnungen.</p>
<p klasse="J">Die Verordnung über Märkte für Kryptowerte
schafft einen harmonisierten Regulierungsrahmen für Kryptowerte. Zentral bei der
MiCA-Gesetzgebung sind die Registrierungs- und Zulassungsanforderungen für
Emittenten von Kryptowährungen, Börsen und Wallet-Anbieter sowie Sicherheits- und
Risikominderungsanforderungen. Damit stehen hier Anlegerschutz und Finanzstabilität
im Mittelpunkt. So wird für das öffentliche Angebot, die Zulassung und die
Erbringung von Dienstleistungen mit Kryptowerten eine Erlaubnis erforderlich.</p>
<p klasse="J">Emittenten von Stablecoins müssen unter anderem
ein Mindestniveau an Liquidität vorhalten und ihren Sitz in der Europäischen Union
haben.</p>
<p klasse="J">Für Transaktionen zwischen Hosted Wallets und
Unhosted Wallets, die einen Gegenwert von 1 000 Euro überschreiten, muss der
Inhaber der Unhosted Wallet identifiziert werden.</p>
<p klasse="J">Wer eine Zulassung bei einem Kryptohandelsplatz
beantragt, muss künftig ein Whitepaper erstellen. Das ist eine leicht verständliche
Zusammenfassung der wesentlichen Informationen über den Emittenten und den
ausgegebenen Kryptowert. Das Whitepaper muss zudem den Aufsichtsbehörden
übermittelt werden.</p>
<p klasse="J">Der Vorschlag der Neufassung der
Geldtransferverordnung orientiert sich an den aktuellen Standards der FATF zur
Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Die Hauptanforderung der
neuen Verordnung betrifft die Nachverfolgbarkeit der Transaktionen für
Kryptodienstleister, welche bereits seit Jahren für den elektronischen Geldtransfer
bestehen. Kryptodienstleister müssen demnach künftig Informationen über Sender –
Originator – und Empfänger – Begünstigten – ermitteln, wenn sie Transaktionen
abwickeln. Im Fall einer Ermittlung wegen Verdachts auf Geldwäsche oder
Terrorismusfinanzierung müssen die Dienstleister die Information auch an die
zuständigen Behörden weiterleiten.</p>
<p klasse="J">Die Verordnung über die digitale operationale
Resilienz im Finanzsektor DORA zielt auf eine Verbesserung des IT-Risikomanagements
nicht nur von Finanzunternehmen ab, sondern von allen IT-Dienstleistern, die im
Finanzsektor tätig sind. Sie stellt zahlreiche Vorkehrungen in personeller,
technischer und physischer Hinsicht sowie interne und externe Prüfmechanismen auf:
Neben internen Governance- und Kontrollmechanismen, die eine Steuerung von IT-
Risiken ermöglichen, bedarf es eines umfassenden Risikomanagementrahmens, also
Strategien, Leit- und Richtlinien, Verfahren, IT-Protokollen und IT-Tools, die die
digitale Resilienz sicherstellen und laufend überwachen. Die Gesamtverantwortung
für die Cybersicherheit wird dabei ausdrücklich der Geschäftsleitung auferlegt.</p>
<p klasse="J">Ein Novum ist zudem das Überwachungs- und
Aufsichtsregime für solche IT-Drittdienstleister, die aufgrund ihrer Größe und
Systemrelevanz unter anderem von der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA als
„kritische IT-Drittdienstleister“ eingestuft werden. Die DORA-VO schafft erstmalig
eigenständige Überwachungs- und Prüfungsbefugnisse der EBA unmittelbar gegenüber
solchen IT-Dienstleistern.</p>
<p klasse="J">Mit einer angemessenen Regulierung von
Kryptomärkten erhöhen wir letztlich die Legitimität dieser Märkte. Exzesse der
Vergangenheit werden dadurch unwahrscheinlicher, die Finanzstabilität nimmt zu und
die Märkte können durch mehr Sicherheit und Transparenz einem größeren Kreis an
Verbraucherinnen und Verbrauchern zugänglich werden als bisher.</p>
</rede>
<rede id="ID2015421500">
<p klasse="redner"><a id="ANLr27"/><redner
id="11005071"><name><vorname>Sabine</vorname><nachname>Grützmacher</
nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Sabine
Grützmacher (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):</p>
<p klasse="J">Der vorgelegte Entwurf eines
Finanzmarktdigitalisierungsgesetzes markiert einen entscheidenden Schritt in der
Entwicklung europäischer Vorschriften und ihrer Implementierung in unser nationales
Recht im Bereich der digitalen Finanzmärkte. Es adressiert die Integration von
Schlüsselregulierungen wie MiCA, die EU-Geldtransferverordnung und das DORA-Paket,
um einen neuen regulatorischen Rahmen für Kryptowerte zu schaffen und einheitliche
IT-Sicherheitsstandards für den Finanzsektor zu etablieren.</p>
<p klasse="J">Ein zentraler Fokus des
Finanzmarkdigitalisierungsgesetzes liegt auf der Stärkung der digitalen Resilienz
im Finanzsektor. Durch die Einführung einheitlicher Anforderungen an die Sicherheit
von Netzwerk- und Informationssystemen zielen wir darauf ab, den Sektor
widerstandsfähiger gegen Cyberangriffe zu machen. Im Rahmen des DORA-Pakets werden
spezifische Meldepflichten bei Sicherheitsvorfällen und der Austausch von
Informationen reguliert. Zudem werden Vorgaben für das Testen der digitalen
operationalen Resilienz mittels Penetrationstests festgelegt. Diese Maßnahmen
müssen den KRITIS-Anforderungen entsprechen und sind integraler Bestandteil eines
umfassenderen regulatorischen Rahmens zur IT-Sicherheit. Im Kontext von MiCA
reguliert das Finanzmarktdigitalisierungsgesetz Erlaubnisverfahren für Anbieter von
Kryptowerte-Dienstleistungen und Transaktionen mit selbstgehosteten Adressen.</p>
<p klasse="J">Ziel ist es außerdem, Finanzkriminalität effektiv
zu bekämpfen und eine Synchronisierung mit aktuellen Gesetzesinitiativen im Bereich
der Geldwäschebekämpfung zu gewährleisten. Das Gesetz verfolgt das Ziel, das
Vertrauen in neue digitale Finanzinfrastrukturen zu stärken und die digitale
Resilienz unseres Finanzsektors zu erhöhen. Dies umfasst auch die Implementierung
von Richtlinien zur Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Es werden klare
Definitionen und Anwendungsbereiche festgelegt, die sich auf diverse Sektoren und
Institutionen erstrecken. Es soll dabei helfen, Risikobewertungen durchzuführen, um
Geldwäscherisiken und Risiken der Terrorismusfinanzierung zu identifizieren und zu
bewerten. Darüber hinaus werden strenge Anforderungen an die Identifizierung von
Kunden und die Durchführung von Due-Diligence-Prüfungen gestellt. Finanzinstitute
müssen die Identität ihrer Kunden verifizieren und verdächtige Transaktionen
melden. Zudem wird die Regulierung von Bargeldtransfers, einschließlich der
Meldepflicht für Bargeldtransfers über 10 000 Euro, adressiert.</p>
<p klasse="J">Zusammenfassend stellt das
Finanzmarktdigitalisierungsgesetz einen wegweisenden Schritt dar, um die digitale
Transformation unseres Finanzsektors zu fördern und gleichzeitig die Sicherheit und
Integrität des Systems zu gewährleisten. Das sind wichtige Grundsteine für ein
modernes digitales Finanzsystem, und ich freue mich auf die kommende Anhörung und
die Beratungen.</p>
</rede>
<rede id="ID2015421600">
<p klasse="redner"><a id="ANLr28"/><redner
id="11005183"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Volker</vorname><nachname>Redder</
nachname><fraktion>FDP</fraktion></name></redner>Dr. Volker Redder (FDP):</p>
<p klasse="J">Wir stehen heute an einem entscheidenden Punkt in
der Geschichte unseres Finanzsektors. In der heutigen Zeit sind digitale
Innovationen nicht nur eine Option, sondern eine Notwendigkeit, um im globalen
Finanzwettbewerb zu bestehen. Das Finanzmarktdigitalisierungsgesetz setzt
folgerichtig einen Rechtsrahmen, der Innovationen fördert, die digitale Resilienz
stärkt und für die Nutzer und Kunden von Kryptowerten Sicherheit schafft.</p>
<p klasse="J">Mit dem Finanzmarktdigitalisierungsgesetz stellen
wir also die Weichen für die Zukunft des digitalen Finanzstandorts Deutschland in
Europa. Denn für einen zukunftsfesten digitalen Finanzstandort Deutschland in
Europa ist der Ausbau der digitalen Resilienz Grundvoraussetzung. Das hat uns nicht
zuletzt der russische Angriffskrieg auf die Ukraine aufgezeigt. Ich möchte Sie
daran erinnern: Am 14. Januar 2022, also kurz vor dem Beginn der russischen
Invasion, zeigten über 70 ukrainische Regierungswebseiten die Botschaft „Wartet auf
das Schlimmste“. Mutmaßlich verantwortlich für diese Cyberattacke waren russische
Hacker. Oder erinnern wir uns an die Windenergieanlagen-Runterschaltung wegen einer
Satellitenüberlastung zu Beginn des Kriegs gegen die Ukraine!</p>
<p klasse="J">Auch der europäische Finanzsektor wird regelmäßig
Opfer von Cyberattacken. Neuste Zahlen zeigen, dass sich die Anzahl der
Cyberattacken im Finanzsektor der EU innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt
hat. In Deutschland stellen wir bisher unter anderem mit den Bankenaufsichtlichen
Anforderungen an die IT, kurz: BAIT, schon hohe Anforderungen an die IT-Sicherheit
von Banken. Mit der Überführung der „Digital Operational Resilience“-Verordnung und
der dazugehörigen Richtlinie in nationales Recht vereinheitlichen wir nun die
Regulierung der IT von Finanzunternehmen. Denn aktuell gibt es neben der BAIT auch
die VAIT für Versicherungen, die KAIT für Kapitalverwaltungen und die ZAIT für
Zahlungsdienstleister. Dadurch schaffen wir es, sowohl bei der Aufsicht als auch
bei den Aufsichtsobjekten Effizienzen zu heben und die Kosten zu senken. So werden
auch die Anbieter von Kryptowerte-Dienstleistungen in den einheitlichen
Regulierungsrahmen fallen.</p>
<p klasse="J">Das bringt mich zu einem weiteren wichtigen
Bestandteil des Finanzmarktdigitalisierungsgesetzes. Dieses Gesetz setzt nicht nur
einen EU-weit einheitlichen Rahmen für eine digitale und resilientere
Finanzbranche. Mit der Überführung und Ermöglichung der Umsetzung der Märkte-für-
Kryptowerte-Verordnung stellen wir auch die Weichen für den Einsatz von innovativen
Technologien. Wir schaffen einen Rechtsrahmen, der Innovationen fördert, aber
gleichzeitig auch den Schutz der Inhaber von Kryptowerten und der Kunden im Bereich
der Kryptowerte-Dienstleistungen gewährt.</p>
<p klasse="J">Insgesamt ist das
Finanzmarktdigitalisierungsgesetz also ein entscheidender Schritt in Richtung eines
zukunftsfähigen, digitalen deutschen Finanzsektors. Es schafft einen rechtlichen
Rahmen, der Innovationen fördert und gleichzeitig die Sicherheit und Stabilität des
Finanzsektors stärkt.</p>
<p klasse="J">Abschließend möchte ich noch, auch bezüglich der
kommenden Europawahl, sagen: Digitale sowie analoge Resilienz ist eine
gesamteuropäische Aufgabe. Es ist gut und richtig so, dass die Europäische Union
hier für einen einheitlichen Rahmen im europäischen Binnenmarkt gesorgt hat. Denn
hier kann Europa nur gemeinsam bestehen.</p>
</rede>
</anlagen-text>
</anlage>
<anlage>
<anlagen-titel><a id="ANL17"/>Anlage 17</anlagen-titel>
<anlagen-text anlagen-typ="Zu Protokoll gegebene Reden">
<p klasse="Anlage_2"><a id="ANLt17"/>Zu Protokoll gegebene Reden
</p>
<p klasse="Anlage_3">zur Beratung des von der Bundesregierung
eingebrachten Entwurfs eines Zehnten Gesetzes zur Änderung des
Bundesverfassungsgerichtsgesetzes – Einführung des elektronischen Rechtsverkehrs
mit dem Bundesverfassungsgericht</p>
<p klasse="Anlage_3">(Tagesordnungspunkt 20)</p>
<rede id="ID2015421700">
<p klasse="redner"><a id="ANLr29"/><redner
id="11005049"><name><vorname>Sonja</vorname><nachname>Eichwede</nachname><fraktion>
SPD</fraktion></name></redner>Sonja Eichwede (SPD):</p>
<p klasse="J">Wir haben bereits wichtige Schritte auf dem Weg
zur Digitalisierung unserer Justiz getan. Das jetzige Vorhaben zur Änderung des
Bundesverfassungsgerichtsgesetzes ist ein weiterer notwendiger Schritt, in dem eine
Rechtsgrundlage zur Sicherung der zeitgemäßen und zukunftsfähigen Arbeitsweise
unseres höchsten Verfassungsorgans geschaffen wird.</p>
<p klasse="J">Seit seiner Gründung 1951 verkörpert das
Bundesverfassungsgericht die Prinzipien und Werte, auf denen unsere Gesellschaft
und unser friedliches Zusammenleben aufbauen. Das Gericht spielt nicht nur für den
Schutz der Rechte und Freiheiten unserer Bürgerinnen und Bürger eine unverzichtbare
Rolle. Ebenso wahrt es die Einhaltung von Verfassung und Gewaltenteilung.</p>
<p klasse="J">Das Gericht hat wegweisende Entscheidungen
getroffen, die das deutsche Rechtssystem maßgeblich geprägt haben. Darüber hinaus
hat die Arbeit unseres Bundesverfassungsgerichts internationale Anerkennung für das
hohe Maß an Grundrechtsschutz, für die Stärkung demokratischer Prinzipien und für
die dabei bewahrte Unabhängigkeit der Justiz erfahren.</p>
<p klasse="J">Das Bundesverfassungsgericht schafft es, unsere
Verfassung zeitgemäß zu interpretieren und dadurch den Herausforderungen einer sich
verändernden Welt gewachsen zu sein. Als höchstes Verfassungsorgan der
Bundesrepublik muss es – genau wie die Instanzgerichte – die Möglichkeit haben, mit
der Zeit zu gehen und seine alltägliche Arbeit praktikabel zu gestalten. Es steht
dabei in unserer Verantwortung, sicherzustellen, dass das Bundesverfassungsgericht
über die notwendigen technischen und materiellen Ressourcen hierfür verfügt.</p>
<p klasse="J">Zeitgemäß ist es einerseits, auf dem Rechtsweg
zum Bundesverfassungsgericht rechtswirksam moderne Kommunikationsmittel nutzen zu
können. Die Klageeinreichung per Fax entspricht seit mehreren Jahren nicht mehr der
alltäglichen Rechtspraxis. Es muss möglich sein, die Kommunikation vom Beginn des
Verfahrens bis hin zur abschließenden Entscheidung über den elektronischen
Rechtsverkehr abwickeln zu können.</p>
<p klasse="J">Andererseits erfordert das zeitgemäße Arbeiten am
Bundesverfassungsgericht den sukzessiven Abschied von der Papierakte. Ermöglichen
wird dies der Einzug der elektronischen Akte, die im juristischen Alltag bereits
erfolgreich genutzt wird.</p>
<p klasse="J">Angesichts der weltpolitischen Lage, in der die
Legitimität von Demokratien und deren Rechtsstaatlichkeit nicht nur angezweifelt
werden, sondern permanentem Druck und fortwährenden Angriffen ausgeliefert sind,
hat die Behütung unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung eine
herausragende Bedeutung.</p>
<p klasse="J">Um die Justiz resilienter und auf allen Ebenen
wehrhaft gegen die Unterwanderung durch rechte Kräfte zu machen, verlängern wir die
Fristen für die Richteranklage, mit der verfassungsfeindliche Richterinnen und
Richter aus dem Amt entfernt werden können. Gerade gegenüber der bedeutsamen Arbeit
der Richterschaft im Namen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung ist dies
ein wichtiges Zeichen.</p>
<p klasse="J">Nicht zuletzt tragen wir dem öffentlichen
Interesse an unserem Hüter der Verfassung Rechnung. Mit dem aktuellen Vorhaben
erleichtern wir der Forschung für ausgewählte Vorhaben den Zugang zu Archivmaterial
von Gerichtsverfahren, in denen Entscheidungen zum Schutze unserer freiheitlich-
demokratischen Grundordnung getroffen wurden.</p>
</rede>
<rede id="ID2015421800">
<p klasse="redner"><a id="ANLr30"/><redner
id="11004056"><name><vorname>Ansgar</vorname><nachname>Heveling</nachname><fraktion
>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Ansgar Heveling (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J">Wenn wir heute über die Einführung des
elektronischen Rechtsverkehrs beim Bundesverfassungsgericht abstimmen, vollziehen
wir für die Verfassungsgerichtsbarkeit das nach, was sich in anderen
Verfahrensordnungen schon bestens bewährt hat. Im Zivilprozess, in arbeits-,
familien- und sozialgerichtlichen Verfahren, aber auch vor den Verwaltungs- und
Finanzgerichten ist die elektronische Kommunikation für Anwälte und Behörden
bereits seit dem 1. Januar 2022 verpflichtend. Vor allem aber ist der elektronische
Rechtsverkehr mit den Gerichten ein gutes Beispiel für eine gelungene
Digitalisierung, die für alle Beteiligten enorme Erleichterungen schafft. Denn er
spart Papier, Zeit und schont nicht zuletzt Nerven. Und diese kann man schon einmal
verlieren, wenn man aktuell noch versucht, kurz vor Fristablauf einen Schriftsatz
beim Bundesverfassungsgericht per Fax einzureichen. Vor allem schafft der
elektronische Rechtsverkehr auch die Sicherheit, dass Schriftsätze schnell und
geschützt den zuständigen Empfänger erreichen.</p>
<p klasse="J">Nicht zuletzt ist der elektronische Rechtsverkehr
natürlich auch unerlässlich für die Möglichkeit der elektronischen Aktenführung,
die das Bundesverfassungsgericht damit erhält. Das erleichtert die
Verfahrensführung ganz erheblich und stärkt das Bundesverfassungsgericht, gerade
auch angesichts der nach wie vor hohen Verfahrenszahlen und der erheblichen
Auslastung der beiden Senate des Gerichts.</p>
<p klasse="J">Auch wenn die Pflicht zur elektronischen
Kommunikation nicht für die Bürgerinnen und Bürger gilt, die sich im Rahmen von
Individualverfassungsbeschwerden ohne anwaltliche Vertretung an das
Bundesverfassungsgericht wenden: Die Vorteile werden spürbar sein. Das gilt
insbesondere auch für diejenigen Verfahren, die das Bundesverfassungsgericht in
seiner Rolle als Staatsgerichtshof verhandelt und die uns hier im politischen
Berlin in ganz besonderer Weise betreffen, etwa bei Organstreitverfahren oder
abstrakten Normenkontrollen. Denn bei diesen Verfahren werden ja regelmäßig
Hochschullehrer des öffentlichen Rechts mit der Wahrnehmung der
Interessenvertretung mandatiert. Und auch für sie gilt ab 2026 die Pflicht zur
elektronischen Kommunikation. Wenn die Verfahrensbevollmächtigten zukünftig bei der
Abgabe ihrer Schriftsätze nicht mehr den Postlauf einrechnen müssen, sorgt das ja
auch für eine gewisse Stressreduktion.</p>
<p klasse="J">Insgesamt ist es ein gelungener Gesetzentwurf,
dem wir als Union zustimmen werden.</p>
</rede>
<rede id="ID2015421900">
<p klasse="redner"><a id="ANLr31"/><redner
id="11005228"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Till</vorname><nachname>Steffen</
nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Dr. Till Steffen
(BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):</p>
<p klasse="J">Im Koalitionsvertrag hat die Ampelkoalition 2021
die Digitalisierung der Verwaltung und Gerichte versprochen. Mit dem vorliegenden
Gesetzentwurf schaffen wir nun die Möglichkeit, auch mit dem höchsten Gericht im
Lande auf elektronischem Wege zu kommunizieren und dieses damit leichter zugänglich
zu machen. Damit ist das Bundesverfassungsgericht in puncto Digitalisierung und
elektronischer Rechtsverkehr kein gallisches Dorf mehr.</p>
<p klasse="J">Mit dem Änderungsantrag der Koalitionsfraktionen
modifizieren wir außerdem die Vorschriften für die im Grundgesetz verankerte
Richteranklage. Unser Rechtsstaat ist wehrhaft, aber die Richteranklage hat sich
bislang als Schwert erwiesen, das stumpf geblieben ist. Dieses Instrument soll
verhindern, dass Extremistinnen und Extremisten Recht sprechen können. Bislang ist
es aber zu keiner erfolgreichen Richteranklage gekommen, weder auf Bundes- noch auf
Landesebene. Ein Blick auf vergleichbare Fälle zeigt, dass innerhalb der
gegenwärtigen Fristen die Nutzung dieses Instruments nicht realistisch ist:
Einerseits wird es regelmäßig mehrerer Äußerungen oder Handlungen bedürfen, um eine
verfassungsfeindliche Handlung nachzuweisen. Andererseits sollen die hier
antragsbefugten Parlamente das Instrument nicht leichtfertig, sondern nach
sorgfältiger Debatte nutzen. Daher schärfen wir hier nun nach – eine kleine, aber
wichtige Änderung; denn Verfassungsfeinde haben auf der Richterbank nichts
verloren.</p>
</rede>
</anlagen-text>
</anlage>
<anlage>
<anlagen-titel><a id="ANL18"/>Anlage 18</anlagen-titel>
<anlagen-text anlagen-typ="Zu Protokoll gegebene Reden">
<p klasse="Anlage_2"><a id="ANLt18"/>Zu Protokoll gegebene Reden
</p>
<p klasse="Anlage_3">zur Beratung des von der Bundesregierung
eingebrachten Entwurfs eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des DWD-Gesetzes</p>
<p klasse="Anlage_3">(Tagesordnungspunkt 22)</p>
<rede id="ID2015422000">
<p klasse="redner"><a id="ANLr32"/><redner
id="11005181"><name><vorname>Jan</vorname><nachname>Plobner</nachname><fraktion>SPD
</fraktion></name></redner>Jan Plobner (SPD):</p>
<p klasse="J">Dass wir mit der Änderung des Gesetzes über den
Deutschen Wetterdienst eine gute Erweiterung des Katastrophenschutzes für die
Bürgerinnen und Bürger dieses Landes auf den Weg bringen, zeigen vor allem die
positiven Rückmeldungen vom DWD selbst und die schnellen und zielführenden
Beratungen innerhalb der parlamentarischen Verhandlungen. Ich möchte deshalb allen
Beteiligten meinen Dank aussprechen, dass wir hier gemeinsam und vertrauensvoll
vorangehen konnten.</p>
<p klasse="J">Die mit dem Gesetz eingeführte neue Möglichkeit
des DWDs, ein Naturgefahrenportal zu betreiben, hat zwar medial und auch hier im
Bundestag im Vergleich zu anderen Themen eher wenig Aufmerksamkeit bekommen, kann
aber tatsächlich Grundlage sein für einen besseren Katastrophenschutz. Denn gerade
im Rückblick auf die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen
2021 hätte ich mir gewünscht, dass die Bürger/-innen bereits viel früher und besser
über die nahende Katastrophe informiert gewesen wären. Schnelle Kommunikation ist
oft entscheidend.</p>
<p klasse="J">Das Andenken an die Opfer und insbesondere
diejenigen, die ihr Leben verloren haben, ist auch ein Auftrag an den Gesetzgeber,
in der Zukunft besser über mögliche Naturgefahren aufzuklären und für entsprechende
Vorsorgemaßnahmen so früh wie möglich Informationen bereitzustellen. Und deshalb
wollen wir mit der Einrichtung eines Naturgefahrenportals beim Deutschen
Wetterdienst dafür sorgen, dass das bestehende Warnsystem in Deutschland ergänzt
und der Zugang zu gegebenenfalls überlebenswichtigen Informationen verbessert
wird.</p>
<p klasse="J">Über das Naturgefahrenportal sollen die Bürger/-
innen sich im Web direkt über die aktuelle Lage und Frühwarnungen zu Naturgefahren
wie Unwetter, Hochwasser oder Sturmfluten informieren können. Zusätzlich wird der
DWD dafür Sorge tragen, dass auch die Informationen anderer Behörden zu etwaigen
Naturgefahren zentral gesammelt und an die richtigen Stellen weiterverbreitet
werden. Das wird hoffentlich die Koordination zwischen Bund und Ländern sowie den
zuständigen Behörden in Extremsituationen massiv erleichtern, und wir kommen damit
auch dem Ersuchen der Länder nach Unterstützung bei der Herausgabe ihrer Warnungen
und Informationen bezüglich des Katastrophenschutzes nach.</p>
<p klasse="J">Mir persönlich ist – wie in allen
Lebensbereichen – besonders wichtig, dass bei der Umsetzung des Gesetzes
Barrierefreiheit von Beginn an mitgedacht wird und eine zentrale Rolle bei der
Einrichtung des Naturgefahrenportals spielt. Es ist absolut entscheidend, dass
wirklich allen Bürger/-innen der Zugang zu diesen im Zweifel lebensrettenden
Informationen so einfach und verständlich wie möglich gestaltet wird. Menschen mit
Beeinträchtigungen sind in Katastrophensituationen besonders gefährdet. 2021 sind
bei der Hochwasserkatastrophe allein dreizehn Menschen mit geistiger Behinderung
gestorben, zwölf davon lebten im selben Behindertenwohnheim in Sinzig.</p>
<p klasse="J">Wir müssen auch dafür Sorge tragen, dass die
Informationen aus dem Naturgefahrenportal diejenigen erreichen, die keinen Zugang
zum Web haben, und dass sie in Leichter Sprache für alle verständlich aufzufinden
sind. Alle Formate, über die Kriseninformationen verbreitet werden, müssen in
barrierefreier Form – beispielsweise auch in Gebärdensprache, mit Untertiteln, mit
Text-zu-Sprache-Option – auffindbar sein.</p>
<p klasse="J">Um zum Ende zu kommen: Ich denke, dass die
allermeisten hier anerkennen können, dass die Einrichtung eines
Naturgefahrenportals ein gutes, ein richtiges und vor allem ein notwendiges
Vorhaben ist. Ich bin ebenfalls überzeugt, dass der DWD dank seiner über 70-
jährigen Erfahrung, meteorologische und klimatologische Informationen der
Öffentlichkeit bereitzustellen, genau die richtige Stelle ist, dieses Portal
anzusiedeln.</p>
</rede>
<rede id="ID2015422100">
<p klasse="redner"><a id="ANLr33"/><redner
id="11005204"><name><vorname>Johannes</vorname><nachname>Schätzl</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Johannes Schätzl (SPD):</p>
<p klasse="J">Vor drei Jahren ereignete sich im Ahrtal eine
verheerende Flutkatastrophe, die uns alle tief erschütterte. Die Auswirkungen waren
verheerend: Über 180 Menschen verloren ihr Leben, zahlreiche Familien wurden
obdachlos, in der Region wurden ganze Landstriche zerstört. Diese tragischen
Ereignisse haben uns schmerzlich vor Augen geführt, wie wichtig es ist, Maßnahmen
zum Schutz unserer Bevölkerung zu ergreifen.</p>
<p klasse="J">Der menschengemachte Klimawandel trägt dazu bei,
dass wir vermehrt mit extremen Wetterereignissen wie Hochwasser, Stürmen und
Unwettern konfrontiert werden. Die Vorhersagen deuten darauf hin, dass sich diese
Ereignisse in Zukunft noch häufen und an Intensität zunehmen werden. Angesichts
dieser Realität müssen wir uns mit aller Entschlossenheit die Frage stellen: Wie
können wir unsere Bevölkerung effektiv schützen?</p>
<p klasse="J">Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist die
Einführung des Naturgefahrenportals. Dieses Portal wird es ermöglichen, relevante
Daten und Informationen zu Naturgefahren zentral zu bündeln und für die Bürgerinnen
und Bürger leicht zugänglich zu machen. So können wir frühzeitig über drohende
Gefahren informieren und Maßnahmen zur Evakuierung und Vorsorge ergreifen, um Leben
zu retten und Schäden zu minimieren.</p>
<p klasse="J">Darüber hinaus müssen wir den Bevölkerungsschutz
wieder ganz oben auf die politische Agenda setzen. Dies erfordert nicht nur die
Wiederaufstellung von Sirenen und die Einführung von Mobilfunkwarnungen wie Cell
Broadcast, sondern auch eine kontinuierliche Verbesserung der Zusammenarbeit
zwischen den zuständigen Behörden. Nur durch eine koordinierte und effiziente
Zusammenarbeit können wir im Ernstfall schnell und effektiv handeln.</p>
<p klasse="J">Die Flutkatastrophe im Ahrtal hat uns schmerzhaft
auf unsere Probleme aufmerksam gemacht und gezeigt, dass wir handeln müssen. Wir
müssen die Lehren aus dieser Tragödie ziehen und entschlossen unsere Bevölkerung
schützen. Dies erfordert ein gemeinsames Engagement von uns, der Verwaltung, der
Einsatzkräfte und auch der Bürgerinnen und Bürger. Lasst uns gemeinsam an der
Stärkung unseres Bevölkerungsschutzes arbeiten, damit wir auch in Zukunft besser
auf die Herausforderungen vorbereitet sind, die die Natur uns stellt.</p>
</rede>
<rede id="ID2015422200">
<p klasse="redner"><a id="ANLr34"/><redner
id="11005125"><name><vorname>Jürgen</vorname><nachname>Lenders</nachname><fraktion>
FDP</fraktion></name></redner>Jürgen Lenders (FDP):</p>
<p klasse="J">Wir novellieren das DWD-Gesetz, damit der
Deutsche Wetterdienst ein Naturgefahrenportal entwickeln und betreiben kann, in das
die zuständigen Behörden ihre Frühwarnungen, Lage- und Vorsorgeinformationen zu
Naturgefahren einpflegen. Mit dem Gesetz schaffen wir die notwendige gesetzliche
Grundlage für den Bund als Betreiber des Naturgefahrenportals. Bürgerinnen und
Bürger können sich künftig über Naturgefahren informieren, die an ihrem Wohn- oder
Aufenthaltsort in Deutschland auftreten können.</p>
<p klasse="J">Die Ahr-Flut 2021 war eine der schlimmsten
Naturkatastrophen in Deutschland in der jüngeren Vergangenheit. 49 Menschen kamen
in Nordrhein-Westfalen, 135 in Rheinland-Pfalz ums Leben, darunter allein 134 im
Ahrtal. Insgesamt verloren 184 Menschen ihr Leben. Ganze Häuser, Dörfer und Städte
wurden von den Fluten einfach weggerissen. Allein im Landkreis Ahrweiler mussten
nach dem Hochwasser 350 000 Tonnen Abfälle und 53 000 Tonnen Schlamm abgefahren
werden.</p>
<p klasse="J">Überschwemmungen werden sich auch in Zukunft
nicht verhindern lassen. Es ist fraglich, ob man solchen Dimensionen je gerecht
werden kann, doch angesichts solcher Dimensionen tut man sein Bestes. Angesichts
dieser Tragödie wurde das Sondervermögen „Aufbauhilfe 2021“ ins Leben gerufen, um
über mehrere Jahre hinweg 30 Milliarden Euro zur Bewältigung der Schäden
bereitzustellen. Der bisherige Weg wurde durch die Entscheidung des
Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe nun ausgeschlossen. Die Bundesregierung wird
2024 die Fluthilfen für das Ahrtal in Höhe von 2,7 Milliarden Euro aus dem
regulären Bundeshaushalt 2024 finanzieren.</p>
<p klasse="J">Klar ist: Frühwarnsysteme und Informationen sind
Prävention. Das kann die Naturkatastrophen nicht verhindern, aber den Unterschied
machen, Leben und Existenzen retten.</p>
<p klasse="J">Mit dem Zweiten Gesetz zur Änderung des DWD-
Gesetzes schaffen wir nun die Grundlage für ein zentrales und barrierefreies
Naturgefahrenportal. Es soll als Frühwarnsystem fungieren und Informationen über
mögliche Naturgefahren am Wohn- oder Aufenthaltsort bieten. Bestehende Warnsysteme
oder die NINA-Warn-App werden dadurch nicht ersetzt. Auch werden keine
Verantwortlichkeiten mit Blick auf Informationen oder Warnungen im
Katastrophenschutz bei Kommunen oder Ländern verändert oder angefasst.</p>
<p klasse="J">Es werden Vorsorge- und Lageinformationen
verbessert und bestehende Warnstrukturen von Bund und Ländern ergänzt. Das geschah
Hand in Hand mit den Ländern. Damit sorgen wir sowohl dafür, dass Wetterwarnungen
des Deutschen Wetterdienstes an den richten Stellen ankommen, als auch dafür, dass
Informationen anderer Behörden mitverbreitet werden, zum Beispiel zu
Hochwasserereignissen. Solche werden auch in Zukunft auftreten. Verhindern können
wir diese nicht, das Naturkatastrophenportal ist aber ein Schritt.</p>
<p klasse="J">Im sogenannten Omnibusverfahren beschließen wir
heute auch die Anhebung der monetären Schwellenwerte zur Bestimmung der
Unternehmensgrößenklassen im Handelsbilanzrecht. Zehntausende Unternehmen rutschen
dadurch in eine niedrigere Größenklasse, wodurch bürokratischer Aufwand gesenkt und
Kosten eingespart werden – im Durchschnitt 12 500 Euro pro Unternehmen.</p>
<p klasse="J">Die Schwellenwerteanhebung dient der Umsetzung
der Delegierten Richtlinie 2023/2775 der Kommission vom 17. Oktober 2023 zur
Änderung der Richtlinie 2013/34/EU des Europäischen Parlaments und des Rates durch
Anpassung der Größenkriterien für Kleinstunternehmen und für kleine, mittlere und
große Unternehmen oder Gruppen. Die europäischen Regelungen ermöglichen es, die
Schwellenwerteanhebung auch rückwirkend für das Geschäftsjahr 2023 geltend zu
machen. Das ist eine gute Nachricht für die Unternehmen in Deutschland und trägt
dazu bei, Deutschland als Wirtschaftsstandort wieder attraktiver zu machen.</p>
</rede>
</anlagen-text>
</anlage>
<anlage>
<anlagen-titel><a id="ANL19"/>Anlage 19</anlagen-titel>
<anlagen-text anlagen-typ="Zu Protokoll gegebene Reden">
<p klasse="Anlage_2"><a id="ANLt19"/>Zu Protokoll gegebene Reden
</p>
<p klasse="Anlage_3">zur Beratung des von der Bundesregierung
eingebrachten Entwurfs eines Ersten Gesetzes zur Änderung des Saubere-Fahrzeuge-
Beschaffungs-Gesetzes</p>
<p klasse="Anlage_3">(Zusatzpunkt 17)</p>
<rede id="ID2015422300">
<p klasse="redner"><a id="ANLr35"/><redner
id="11005036"><name><vorname>Isabel</vorname><nachname>Cademartori
Dujisin</nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Isabel Cademartori
Dujisin (SPD):</p>
<p klasse="J">Heute beschließen wir ein Gesetz, mit dem wir
deutlich machen, dass der Staat mit gutem Beispiel bei der Antriebswende vorangeht.
Wir wollen Vorbild für die Privatwirtschaft sein, die Fahrzeugflotten möglichst
schnell auf klimaneutrale Antriebe umzustellen.</p>
<p klasse="J">Mit der Novelle des Saubere-Fahrzeuge-
Beschaffungs-Gesetzes stellen wir die Weichen für den Einsatz alternativer
Kraftstoffe für öffentlich beschaffte Straßenfahrzeuge. Synthetische Kraftstoffe
werden nur noch eingesetzt, wenn sie nicht aus fossilen Rohstoffen hergestellt
wurden. Und auch strombasierte Kraftstoffe müssen mit erneuerbaren Energien erzeugt
werden. Wir schließen damit Kraftstoffe aus Palmöl und strombasierte Kraftstoffe
aus nicht erneuerbaren Energien unmissverständlich aus.</p>
<p klasse="J">Der aufgezeigte Pfad liegt klar vor uns: Die
Zukunft gehört der emissionsfreien Mobilität – in Europa, im Bund und in den
Ländern. Mit dem Gesetz setzen wir die Vorgaben der europäischen Clean Vehicles
Directive nicht nur stringent um, wir übererfüllen sie sogar. Die öffentliche
Verwaltung ist in der Pflicht, die zivilen Fuhrparks auf alternative
Antriebstechnologien umzustellen. Und wir erhöhen die von der EU vorgegebene Quote
für die Beschaffungen des Bundes: Statt 38,5 Prozent müssen bei uns mindestens
42,5 Prozent der neu beschafften Pkw und leichten Nutzfahrzeuge emissionsfrei sein.
Denn gerade als Staat ist es enorm wichtig, ein Zeichen zu setzen und die Flotten
klimaneutral aufzustellen. Wir müssen den Anspruch haben, Vorbild für die
Gesellschaft zu sein und ganz konkret zur Flottenerneuerung beizutragen – auch
damit die beschafften Fahrzeuge zeitnah auf dem Gebrauchtwagenmarkt zur Verfügung
stehen werden. Ich bin sehr froh, dass der Großteil der Ministerien für die
kommenden Jahre bereits eine Beschaffungsquote sauberer Fahrzeuge von deutlich über
50 Prozent angemeldet hat. Nutzen wir also die Erhöhung als Ansporn für eine
erfolgreiche Antriebswende.</p>
<p klasse="J">Gleichzeitig verbessern wir die Versorgung mit
klimaneutralen Kraftstoffen: Endlich kann die 10. Bundesimmissionsschutzverordnung
den Bundesrat passieren. Somit ist der Weg frei für HVO100, ein Reinkraftstoff, der
aus Abfall- und Reststoffen besteht. Damit ist er besonders CO2-arm und spart
90 Prozent an CO2-Emissionen ein. Hiervon profitiert künftig insbesondere unsere
Logistikbranche: Lkw, die vorher mit fossilem Diesel unterwegs waren, können nun
das klimafreundliche HVO100 tanken. Wir machen damit einen großen Schritt in
Richtung Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs. Das soll allerdings nicht
heißen, dass wir uns bei der Elektrifizierung des Straßenverkehrs weniger
anstrengen oder Halt machen.</p>
<p klasse="J">Biokraftstoffe ermöglichen uns als
Brückentechnologie die schrittweise Dekarbonisierung des Verkehrssektors. Mit
HVO100 bieten wir eine neue klimafreundliche Option an der Zapfsäule an.
Perspektivisch ist die Elektrifizierung bei gleichzeitiger Entwicklung von
Batterietechnologien und dem Ausbau der erneuerbaren Energien weiterhin die
zentrale Säule zur Einsparung von CO2 im Straßenverkehr.</p>
<p klasse="J">Nach dem erfolgreichen Abschluss der CO2-
Flottengrenzwerteregulierung für schwere Nutzfahrzeuge blicke ich positiv gestimmt
in die Zukunft: Mit der nächsten Novelle des Saubere-Fahrzeuge-Beschaffungs-
Gesetzes müssen wir die Busflotten unseres Nahverkehrs angehen. Busse sollen
möglichst flächendeckend emissionsfrei unterwegs sein. Das Deutschlandticket, das
ohnehin schon einen Riesenanteil daran trägt, Mobilität klimafreundlicher zu
machen, gewinnt so noch mal an Wichtigkeit.</p>
<p klasse="J">Gehen wir es an.</p>
</rede>
<rede id="ID2015422400">
<p klasse="redner"><a id="ANLr36"/><redner
id="11004103"><name><vorname>Thomas</vorname><nachname>Lutze</nachname><fraktion>SP
D</fraktion></name></redner>Thomas Lutze (SPD):</p>
<p klasse="J">Mit dem Saubere-Fahrzeuge-Beschaffungs-Gesetz
übernimmt die öffentliche Hand selbst Verantwortung, den Verkehr innerhalb
Deutschlands klimaneutral zu gestalten. Das Gesetz ist nicht nur zur Erreichung der
Klimaziele notwendig, sondern gibt auch ein wichtiges politisches Zeichen an
Wirtschaft und Gesellschaft: Die öffentliche Hand geht mit gutem Beispiel in ihrer
Klimawirkung voran und schafft eine dauerhafte Nachfrage für klimafreundliche
Fahrzeuge.</p>
<p klasse="J">Dazu regelt das Gesetz verbindliche Quoten bei
der Beschaffung von emissionsfreien Nutzfahrzeugen durch die öffentliche Hand.
Dadurch soll kontinuierlich der Anteil an klimaneutralen oder weniger
klimaschädlichen Fahrzeugen im öffentlichen Besitz ausgebaut werden.</p>
<p klasse="J">Im Rahmen der kommenden Änderung der
10. Bundesimmissionsschutzverordnung sollen aus fossilen Rohstoffen erzeugte
paraffinische Dieselkraftstoffe als Reinkraftstoffe aufgenommen werden. Dies hätte
nach bisheriger Gesetzeslage zur Folge, dass Kraftstoffe aus fossilen Quellen zur
Erreichung der Emissionsquoten genutzt werden könnten und durch die öffentliche
Hand gefördert werden würden. Paraffinische Dieselkraftstoffe aus fossilen
Rohstoffen sind hinsichtlich ihrer Klimawirkung herkömmlichen Dieselkraftstoffen
gleichgestellt. Das konterkariert natürlich den intendierten Klimaschutzeffekt des
Saubere-Fahrzeuge-Beschaffungs-Gesetzes.</p>
<p klasse="J">Wir ändern daher das Saubere-Fahrzeuge-
Beschaffungs-Gesetz dahingehend, dass aus Synthese oder Hydrierungsverfahren auf
Basis fossiler Quellen hergestellte paraffinische Dieselkraftstoffe explizit zur
Erreichung der Beschaffungs- bzw. Emissionsquoten ausgeschlossen sind. Dadurch wird
einer Förderung dieser klimaschädlichen Kraftstoffe durch die öffentliche Hand
entgegengewirkt. Außerdem konnten wir eine leichte Quotenerhöhung bei den
Beschaffungen von leichten Nutzfahrzeugen durch den Bund erreichen.</p>
<p klasse="J">Die Kollegen der Union mit ihren Ängsten
hinsichtlich einer Knappheit klimaneutraler Kraftstoffe kann ich beruhigen: Zum
Ersten reden wir hier von Quoten, die einen kontinuierlichen Aufbau einer
klimaneutralen Flotte festlegen, der sich über Jahre hinweg vollziehen wird. Zum
Zweiten dürfte Ihre Fraktion keine Ängste bezüglich einer Knappheit von
erneuerbaren synthetischen Kraftstoffen schüren, wenn diese gemäß Ihrer Vorstellung
die Verbrennerbestandsflotte in Zukunft versorgen soll. Sie müssten sich sogar
freuen, dass das Gesetz bereits in den nächsten Jahren eine verlässliche Nachfrage
für regenerative Kraftstoffe schafft.</p>
<p klasse="J">Glück auf!</p>
</rede>
<rede id="ID2015422500">
<p klasse="redner"><a id="ANLr37"/><redner
id="11005052"><name><vorname>Martina</vorname><nachname>Englhardt-Kopf</
nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></redner>Martina Englhardt-Kopf
(CDU/CSU):</p>
<p klasse="J">Der Gesetzentwurf und der dazugehörige
Änderungsantrag der Bundesregierung zeigen eines wieder ganz deutlich: Der
Bundesregierung fehlt es an zwei Kernkompetenzen in ihrer Verkehrspolitik:
Technologieoffenheit und Praxisnähe.</p>
<p klasse="J">Warum ist das so? Die geplanten Änderungen der
Bundesregierung im Saubere-Fahrzeuge-Beschaffungs-Gesetz bevorteilen eindeutig
elektrisch betriebene Fahrzeuge gegenüber anderen Antriebsformen. Denn woher der
Strom für elektrisch betriebe Fahrzeuge kommt, scheint sie nicht zu
interessieren.</p>
<p klasse="J">Die Bundesregierung stürzt sich in ihrem
Änderungsgesetz auf paraffinische Dieselkraftstoffe und verteufelt diese. Schwere
Nutzfahrzeuge, die mit diesen Kraftstoffen betrieben werden, gelten dann nicht mehr
als saubere schwere Nutzfahrzeuge. Fakt ist doch: Selbst wenn paraffinierte
Dieselkraftstoffe teilweise – und die Betonung liegt eindeutig auf „teilweise“ –
mit fossilen Kraftstoffen hergestellt wurden, können paraffinische
Dieselkraftstoffe zum jetzigen Zeitpunkt einen Beitrag zur Luftreinhaltung leisten.
Das ist doch genau das, was wir alle wollen. Denn in der Praxis ist es so, dass wir
noch immer einen Markthochlauf emissionsfreier schwerer Nutzfahrzeuge brauchen –
wir stecken mittendrin, und aktuell befinden sich nur wenige E-basierte schwere
Nutzfahrzeuge auf dem Markt, die Praxistauglichkeit ist schlichtweg nicht
gegeben.</p>
<p klasse="J">Ich möchte betonen: Es geht nicht darum, das Ziel
des Saubere-Fahrzeuge-Beschaffungs-Gesetzes aus dem Jahr 2021 zu untergraben. Ich
bin nach wie vor fest davon überzeugt, dass der öffentliche Sektor beispielhaft bei
der Verkehrswende vorangehen muss. Doch wir und allen voran die Bundesregierung
müssen das zulassen. Und daher plädieren wir zuallererst für einen umsetzbaren
Rahmen. Es braucht ausreichende Übergangsfristen für die Nutzung paraffinischer
Dieselkraftstoffe.</p>
<p klasse="J">Wie in unserem Entschließungsantrag der CDU/CSU
festgehalten, fordern wir auch eine Evaluierungsklausel im Gesetz. Ganz konkret:
Die Verfügbarkeit der nötigen Fahrzeuge und Kraftstoffe am Markt ist zu einem
festzulegenden Zeitpunkt zu überprüfen. Bei einem negativen Ergebnis der
Überprüfung muss dann das Gesetz entsprechend angepasst werden. Zum Beispiel muss
es dann Lockerungen für bestimmte Nutzer geben, wie etwa die Polizei, Feuerwehr
oder auch den ÖPNV.</p>
<p klasse="J">Wir fordern die Bundesregierung auf, endlich
technologieoffen zu sein und gutgemeinte Kritik, die der Sache dienlich ist,
zuzulassen. Deshalb lehnen wir den Entwurf der Bundesregierung ab.</p>
</rede>
<rede id="ID2015422600">
<p klasse="redner"><a id="ANLr38"/><redner
id="11004864"><name><vorname>Bernd</vorname><nachname>Reuther</nachname><fraktion>F
DP</fraktion></name></redner>Bernd Reuther (FDP):</p>
<p klasse="J">Als Ampelkoalition haben wir uns unter anderem
zum Ziel gesetzt, „eine nachhaltige, barrierefreie, innovative und für alle
alltagstaugliche sowie bezahlbare Mobilität zu ermöglichen“. Mit der Novelle des
Saubere-Fahrzeuge-Beschaffungs-Gesetzes erreichen wir einen bedeutenden
Meilenstein, um unsere Bestandsflotte nachhaltig zu gestalten und einen wichtigen
Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen zu leisten.</p>
<p klasse="J">Wir setzen die im Modernisierungspaket vom
28. März 2023 festgelegten Ziele um, insbesondere die Förderung und Nutzung
paraffinischer Dieselkraftstoffe in Reinform, um Treibhausgase zu reduzieren und
gleichzeitig sicherzustellen, dass diese Kraftstoffe ausschließlich aus
nichtfossilen Quellen – das heißt unter anderem der Ausschluss von Palmöl –
gewonnen werden.</p>
<p klasse="J">Ich möchte an dieser Stelle kurz auf den
Entschließungsantrag der CDU/CSU eingehen. Es ist bekannt, dass Sie in den letzten
Jahren viele Chancen verpasst haben, für bezahlbare, moderne und nachhaltige
Mobilität zu sorgen, und uns stattdessen einen verkehrspolitischen Scherbenhaufen
hinterlassen haben. Ihr Entschließungsantrag zur jetzigen Gesetzesnovelle hat mich
dann aber doch wieder zum Staunen gebracht. Mir scheint, als hätten Sie den Inhalt
und den Hintergrund unserer Gesetzesanpassung nicht ganz verstanden. Unter anderem
fordern Sie in Ihrem Entschließungsantrag die Bundesregierung auf, paraffinische
Dieselkraftstoffe und strombasierte Dieselkraftstoffe weiterhin zuzulassen.</p>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen der CDU/CSU, in
unserer Novelle geht es darum, auszuschließen, dass wir unbeabsichtigt
paraffinische Dieselkraftstoffe aus fossilen Quellen fördern. Die Betankung mit
nachhaltigen Biokraftstoffen sowie mit Erdgas, CNG oder LPG bleibt weiterhin für
die Mindestbeschaffungsziele zulässig, ebenso wie der Einsatz elektrischer
Fahrzeuge in Form von Batterie-, Brennstoffzellen- oder extern aufladbaren
Hybridfahrzeugen.</p>
<p klasse="J">Das sollte doch alles in Ihrem Interesse sein,
schließlich fordern Sie doch in Ihrem Regierungsprogramm, „in saubere Fahrzeuge und
leistungsfähige Infrastruktur zu investieren …“. Genau dies tun wir und tragen zur
Reduzierung der CO2-Emissionen in unserer bestehenden Fahrzeugflotte bei und
schaffen die Grundlage für eine nachhaltige und moderne Mobilität von morgen.</p>
<p klasse="J">Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die
Geltung dieser Neuregelung an die zeitgleiche Anpassung der
10. Bundesimmissionsschutzverordnung zur Einführung synthetischer und
paraffinischer Kraftstoffe gemäß der DIN-Norm 15940 als Kraftstoff in Reinform
geknüpft ist. Mit dieser Aufnahme sollen künftig paraffinische Kraftstoffe wie E-
Fuels und innovative Biokraftstoffe bis hin zur Reinform zugelassen werden – und
nicht wie bisher nur als begrenzte Beimischung. Dies ermöglicht es, dass neben
anderen klimafreundlichen Kraftstoffen auch HVO100 an Tankstellen in Verkehr
gebracht werden kann.</p>
<p klasse="J">Ein wichtiges Signal, denn es verdeutlicht nicht
nur die Absicht, den Markt für klimafreundliche Kraftstoffe zu stärken, sondern
bietet auch eine dringend benötigte Möglichkeit für Handwerker und mittelständische
Unternehmen, ihre Flotten auf Klimaneutralität umzustellen, ohne sofort enorme
Investitionen tätigen zu müssen. Dieser Schritt ist entscheidend, sowohl im
Hinblick auf den Klimaschutz als auch für die Förderung technologischer
Vielfalt.</p>
</rede>
</anlagen-text>
</anlage>
<anlage>
<anlagen-titel><a id="ANL20"/>Anlage 20</anlagen-titel>
<anlagen-text anlagen-typ="Zu Protokoll gegebene Reden">
<p klasse="Anlage_2"><a id="ANLt20"/>Zu Protokoll gegebene Reden
</p>
<p klasse="Anlage_3">zur Beratung der Unterrichtung durch die
Bundesregierung: Bericht zum Anerkennungsgesetz 2023</p>
<p klasse="Anlage_3">(Tagesordnungspunkt 18)</p>
<rede id="ID2015422700">
<p klasse="redner"><a id="ANLr39"/><redner
id="11005221"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Lina</vorname><nachname>Seitzl</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Dr. Lina Seitzl (SPD):</p>
<p klasse="J">Es ist allseits bekannt, dass der
Fachkräftemangel eine der größten Herausforderungen ist, vor denen wir in den
kommenden Jahren stehen. Zur Fachkräftegewinnung ist das Anerkennungsgesetz
zentral – zum einen, um das Potenzial an Fachkräften in Deutschland durch die
Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen zu heben, und zum
anderen, um Fachkräften aus dem Ausland die Einwanderung und Integration in den
deutschen Arbeitsmarkt zu erleichtern.</p>
<p klasse="J">Das Anerkennungsgesetz ist dabei aber so viel
mehr. Es sind konkrete Menschen und ihre Geschichten und Schicksale, die damit
verbunden sind. Das Anerkennungsgesetz schafft auch die Möglichkeit, die
Lebensleistung von Menschen zu würdigen und ihnen eine bessere berufliche und
persönliche Perspektive zu geben.</p>
<p klasse="J">Die Anerkennung von Berufsqualifikationen bildet
auch einen wichtigen Grundstein für ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben
und eine gelungene Integration. Es muss uns doch zu denken geben, wenn bisher, laut
dem vorliegenden Bericht, nur 36 Prozent aller Zugewanderten mit ausländischen
Berufs- oder Studienabschlüssen einen Anerkennungsantrag stellen, und das, obwohl
dadurch die Aussichten auf eine qualifikationsadäquate Beschäftigung und
entsprechende höhere Bezahlung deutlich steigen würde. Konkret heißt das: Unter
denjenigen, die vor der Einwanderung als qualifizierte Fachkraft gearbeitet haben,
üben 36 Prozent nach Zuzug lediglich eine Helfer- oder Anlerntätigkeit aus. Bei
Personen mit Fluchthintergrund sind es sogar 50 Prozent, die nach ihrem Zuzug nur
noch eine Helfer- oder Anlerntätigkeit ausüben. Das ist ein riesiges Potenzial an
Fachkräften, das wir verschenken.</p>
<p klasse="J">Klar ist: Die Verfahren müssen schneller und
unkomplizierter werden. Das hilft den Menschen, die vor den langen und teuren
Anerkennungsverfahren stehen, ebenso wie den Arbeitgebern, die händeringend
Fachkräfte suchen. Der Berichtszeitraum bezieht sich auf Daten aus dem Jahr 2022.
Seitdem sind wir im Rahmen des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes schon einige
Verbesserungen angegangen.</p>
<p klasse="J">Mit der Anerkennungspartnerschaft eröffnen wir
die Möglichkeit der Einreise ohne vorherige Anerkennung, wenn Arbeitnehmer und
Arbeitgeber sich gemeinsam verpflichten, die Anerkennung nach der Einreise
anzugehen. Für nicht reglementierte Berufe setzen wir zukünftig stärker auf
vorhandene Berufserfahrung und verzichten teilweise auf das Anerkennungsverfahren
und entlasten so Verwaltung, Arbeitskräfte und Arbeitgeber deutlich.</p>
<p klasse="J">Bei Hürden bei der Übersetzung von Dokumenten wie
zum Bespiel Arbeitszeugnissen oder Tätigkeitsbeschreibungen soll den
Antragstellerinnen und Antragstellern nun entgegengekommen werden, und es sollen
vermehrt auch englischsprachige Dokumente und Dokumente im Original angenommen
werden. Die Möglichkeiten dafür sind da, sie müssen aber auch Anwendung finden.</p>
<p klasse="J">Gerade für diejenigen, die keine vollständige
Anerkennung bekommen und für die Gleichwertigkeit eine Nachqualifizierung
absolvieren müssen, müssen wir die Beratungsmöglichkeiten weiter ausbauen. Auch den
Anerkennungszuschuss müssen wir ausbauen und weiter verstetigen, um mehr Menschen
die Anerkennung zu ermöglichen und ihr Potenzial als Fachkraft zu entfalten.</p>
<p klasse="J">Es ist ausdrücklich zu begrüßen, dass die
Bundesregierung diesen Bericht vorlegt. Es ist zwingend notwendig, dass wir das
Anerkennungsgesetz und die Umsetzung der angestrebten Verbesserungen in der Praxis
eng begleiten, weiter evaluieren und, wenn nötig, mit weiteren Ergänzungen und
Verbesserungen nachsteuern.</p>
</rede>
<rede id="ID2015422800">
<p klasse="redner"><a id="ANLr40"/><redner
id="11005247"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Carolin</vorname><nachname>Wagner</
nachname><fraktion>SPD</fraktion></name></redner>Dr. Carolin Wagner (SPD):</p>
<p klasse="J">Ich bin der Bundesregierung sehr dankbar für die
Vorlage des Berichts zum Anerkennungsgesetz. Der Bericht zeigt, dass das Gesetz
eine Erfolgsgeschichte ist: Wir schaffen damit die Rahmenbedingungen dafür, dass
dringend benötigte Fachkräfte aus dem Ausland Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt
bekommen. Flankierend haben wir vor vier Jahren das Fachkräfteeinwanderungsgesetz
verabschiedet, das die Möglichkeiten der Einwanderung von qualifizierten Menschen
aus Drittstaaten deutlich erweitert hat.</p>
<p klasse="J">Die mit dem Anerkennungsgesetz verbundenen Ziele
haben sich seit seiner Einführung nicht verändert: Wir möchten, dass Menschen aus
aller Welt zu uns kommen und ihre Fähigkeiten bei uns einbringen.
Selbstverständlich müssen eine Ingenieurin aus Usbekistan, ein Erzieher aus
Kolumbien oder ein Arzt aus Polen auch hier bei uns in Deutschland dem erlernten
Beruf nachgehen können. Dass das sinnvoll ist, liegt auf der Hand – und dass es ein
Erfolg ist, auch: Die Zahl der gestellten Anerkennungsanträge steigt stetig an, der
vorliegende Bericht weist für das Jahr 2022 einen bisherigen Höchststand von
49 464 Anträgen aus. Der positive Trend wird sich für 2023 wohl fortsetzen.</p>
<p klasse="J">Besonders deutlich ist die dynamische Entwicklung
im Pflegebereich. In einzelnen Berufsfeldern sind die Antragszahlen massiv
angestiegen. Für die Gesundheits-/Krankenpflegerin bzw. den -pfleger zum Beispiel
haben sich die Antragszahlen seit 2017 auf 16 600 im Berichtsjahr 2022 fast
verdoppelt. Ohnehin ist der Gesundheitssektor der Bereich, in dem die meisten
Anträge auf Anerkennung gestellt werden.</p>
<p klasse="J">Nun gibt es aber auch immer noch Dinge zu
verbessern. Den Antragstellenden stehen selbstverständliche zügige Verfahren zu.
Sie wollen und sollen arbeiten, entsprechend effektiv muss die Bearbeitung eines
Antrags erledigt werden. 85 Tage dauert bei einem ordentlich gestellten Antrag das
Verfahren im Durchschnitt. Wir wollen hier noch schneller werden, müssen aber
gleichzeitig die Mitarbeitenden in den Kammern und Beratungsstellen entlasten, die
sehr an ihrer Belastungsgrenze arbeiten.</p>
<p klasse="J">Ein Weg, dies zu erreichen, führt über die
Digitalisierung. Da ist vieles bereits auf einem sehr guten Weg. Die Pandemie war
sicherlich ein Anschub dafür, das verbesserte Onlinezugangsgesetz wird auch noch
mal einen Push geben.</p>
<p klasse="J">Erstens soll die digitale Antragstellung das
Verfahren beschleunigen. Diese Möglichkeit wurde in den Jahren 2022 und 2023 in
einem Bund-Länder-Umsetzungsprojekt entwickelt und kann von allen Bundesländern
genutzt werden. Der Service wird bereits von vielen zuständigen Stellen
angeboten.</p>
<p klasse="J">Zweitens ist es aber auch wichtig, digitale
Datenbanken weiter auszubauen. Zentral ist dabei das vom Institut der deutschen
Wirtschaft angebotene BQ-Portal, das Arbeitgebende und die zuständigen
Anerkennungsstellen bei der Bewertung ausländischer Berufsqualifikationen
unterstützt. Rund 5 400 ausländische Berufsprofile sind dort hinterlegt. Für die
Anerkennung von Studienabschlüssen und Bildungsnachweisen steht analog dazu das
Portal ANABIN zur Verfügung. Beide Datenbanken müssen stetig ausgebaut und gepflegt
werden. Ohne diese digitalen Wissensspeicher wäre die Anerkennung ausländischer
Abschlüsse schlicht undenkbar.</p>
<p klasse="J">Grundsätzlich gilt aber mit Blick auf das
digitale Antragsverfahren: Von der Antragsstellung bis zur Zustellung des Bescheids
muss alles online möglich sein, selbstverständlich auch in verschiedenen Sprachen.
Das ist sowohl für die Behörden als auch für die Fachkräfte, die eine Anerkennung
beantragen, eine massive Erleichterung und wird dazu beitragen, dass das
Anerkennungsgesetz eine Erfolgsgeschichte bleibt.</p>
</rede>
<rede id="ID2015422900">
<p klasse="redner"><a id="ANLr41"/><redner
id="11004655"><name><vorname>Norbert
Maria</vorname><nachname>Altenkamp</nachname><fraktion>CDU/CSU</fraktion></name></
redner>Norbert Maria Altenkamp (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J">Seit wir den letzten Bericht zum
Anerkennungsgesetz debattiert haben, sind schon vier Jahre vergangen. Der
Fachkräftemangel ist weiterhin gravierend und wird sich zunehmend verstärken. Auf
den Punkt gebracht: Die Babyboomer, eine ganze Handwerker- und Technikergeneration,
gehen bis 2035 in Rente. Aber die jetzige geburtenschwache Generation der
Berufseinsteiger/-innen kann schon allein zahlenmäßig die Lücke nicht
schließen.</p>
<p klasse="J">Nach dem MINT-Herbstreport 2023 des IW Köln
fehlen schon heute 285 000 Fachkräfte in Technikberufen. Der Bedarf an MINT-
Fachkräften wird durch die Digitalisierung, die Energiewende, den ständigen
Innovationsdruck in allen technologischen Bereichen weiter steigen. Hinzu kommt der
schnell wachsende Bedarf an Pflegekräften durch die alternde Gesellschaft.
Gleichzeitig sinkt der Anteil der Studierenden in den MINT-Fächern. Und der jüngste
PISA-Test stimmt alles andere als optimistisch, was den Fachkräftenachwuchs
betrifft.</p>
<p klasse="J">Ohne die MINT-Fachkräfte aus dem Ausland würden
laut IW Köln über 400 000 Fachkräfte mehr fehlen. Wichtige Impulse für die
Fachkräfteeinwanderung und für das Beschäftigungswachstum gerade in MINT-Berufen
hat die unionsgeführte Bundesregierung mit dem Anerkennungsgesetz von 2012 gegeben.
Dass dieses Gesetz eine große Erfolgsgeschichte ist, zeigt auch der aktuelle
Bericht zum Anerkennungsgesetz 2023:</p>
<p klasse="J">Zwischen 2012 und Ende 2022 wurden rund
365 000 Anträge auf Gleichwertigkeit ausländischer Berufsqualifikationen gestellt,
das sind fast doppelt so viele wie Ende 2018. Allein 2022 gab es über
49 000 Anträge, die meisten davon im Bereich Gesundheit und Pflege, aber viele auch
in Ingenieur-, Mechatronik-, Energie- und Elektroberufen. In fast der Hälfte der
Fälle wurden die Berufe als gleichwertig anerkannt, in fast allen anderen Fällen
als teilweise gleichwertig, mit Auflagen zur Nachqualifizierung vor allem in den
Gesundheitsberufen. Hinzu kommen seit 2012 fast 230 000 Anträge auf Prüfung
ausländischer Hochschulqualifikationen. Immer mehr Anträge werden auch direkt aus
dem Ausland gestellt, 2022 schon rund 48 Prozent bei Bundesberufen, die meisten
davon aus Drittländern.</p>
<p klasse="J">Dieser Anstieg ist auch ein großer Erfolg unseres
Fachkräfteeinwanderungsgesetzes von 2020. Damit haben wir Deutschland als Zielland
für Fachkräfte aus Drittstaaten attraktiver gemacht und dazu vor allem die
Anerkennungsverfahren für ausländische Qualifikationen wesentlich erleichtert und
beschleunigt, ebenso die Zuwanderungs- und Nachqualifizierungsverfahren. Auch den
Anerkennungszuschuss haben wir ausgebaut, ebenso die Beratungs- und
Informationsangebote im In- und Ausland verstärkt, auch digital. Und wir haben die
Zentrale Servicestelle Berufsanerkennung etabliert. Davon profitieren auch die
Geflüchteten vor allem aus Syrien und der Ukraine.</p>
<p klasse="J">Aber wie die Entwicklungen der letzten Jahre
zeigen: All das reicht noch nicht aus, damit wirklich genügend Fachkräfte aus dem
Ausland zu uns kommen. Besonders die Visaverfahren dauern nach wie vor zu lang.
Wenn selbst Studierende und Wissenschaftler monatelang auf ein Visum warten müssen,
bis sie endlich nach Deutschland einreisen können, dann ist das ein ganz schlechtes
Zeugnis für unseren Wirtschafts- und Innovationsstandort.</p>
<p klasse="J">Bei der Novellierung des
Fachkräfteeinwanderungsgesetzes im letzten Jahr hat die Ampel zwar weitere
Erleichterungen auf den Weg gebracht, die wir aber nur zum Teil begrüßen können.
Denn viele Fragen hat die Ampel dabei unbeantwortet gelassen, unsere Ideen dazu
ignoriert, mit der Chancenkarte neue bürokratische Hürden aufgebaut oder durch die
Kürzung von Fördermitteln neue Probleme aufgeworfen, die unserem Forschungs- und
Innovationsstandort schaden.</p>
<p klasse="J">Ich frage Sie deshalb:</p>
<p klasse="J">Wo sind die Fortschritte in den letzten beiden
Jahren seit Ihrer Regierungsübernahme bei der Digitalisierung der
Anerkennungsverfahren? Was haben sie getan, um die Visaverfahren weiter zu
beschleunigen und zu digitalisieren?</p>
<p klasse="J">Warum denken Sie nicht über ein Fast-Track-
Verfahren nach, wie wir es für hochqualifizierte akademische Fachkräfte gefordert
haben? Was spricht gegen unseren Vorschlag, eine Bundesagentur für Einwanderung
bzw. eine „Work &amp; Stay-Agentur“ einzuführen, die Fachkräften alle Services aus
einer Hand anbietet?</p>
<p klasse="J">Wie sieht es mit mehr Vermittlungsabsprachen mit
anderen Ländern auch für MINT-Berufe ähnlich wie bei den Pflegeberufen aus?</p>
<p klasse="J">Wo sind die Maßnahmen, die die Willkommenskultur
für Fachkräfte verbessern? Wie wollen Sie gezielt die Einreisemöglichkeiten für
ausländische Studentinnen und Studenten und junge Berufstätige nach Deutschland
verbessern und es ihnen nach Studium oder Ausbildung leichter machen, in
Deutschland zu bleiben und zu arbeiten?</p>
<p klasse="J">Wie sieht es mit der Förderung von Deutschkursen
in den Herkunftsländern aus, nachdem Sie die Mittel für die Goethe-Institute
gekürzt haben und Institute geschlossen werden sollen?</p>
<p klasse="J">Wie kurzsichtig ist es, Mittel für den DAAD und
die Alexander-von-Humboldt-Stiftung zu kürzen, die so immens wichtig sind für die
Stipendien ausländischer Studierender und Wissenschaftler? Die AvH-Stiftung sieht
sich deshalb sogar gezwungen, das renommierte Bundeskanzler-Stipendium für
Nachwuchsführungskräfte einzustellen, insgesamt rund hundert Stipendien weniger zu
vergeben und weitere Einschnitte bei ihren Förderprogrammen vorzunehmen. Welch ein
fatales Signal. Auch dem DAAD droht eine gefährliche Schwächung. Wir fordern
deshalb, dass Sie das Versprechen aus Ihrem Koalitionsvertrag einlösen, die
institutionelle Förderung von DAAD und AvH analog zum Pakt für Forschung und
Innovation zu erhöhen.</p>
<p klasse="J">Liebe Kolleginnen und Kollegen der
Ampelfraktionen: Es gilt jetzt, das Anerkennungsgesetz und die Strukturen der
Fachkräfteeinwanderung konkret, pragmatisch und unbürokratisch weiterzuentwickeln,
damit mehr dringend benötigte Fachkräfte – und ganz besonders vielversprechende
junge Talente und Wissenschaftler/-innen – aus dem Ausland zu uns nach Deutschland
kommen. Unsere Vorschläge dazu liegen auf dem Tisch!</p>
</rede>
<rede id="ID2015423000">
<p klasse="redner"><a id="ANLr42"/><redner
id="11004241"><name><vorname>Stephan</vorname><nachname>Albani</nachname><fraktion>
CDU/CSU</fraktion></name></redner>Stephan Albani (CDU/CSU):</p>
<p klasse="J">Das Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und
Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen ist seit dem 1. April 2012
in Kraft. Das Ziel des Gesetzes ist die Gewinnung und nachhaltige Integration
ausländischer Fachkräfte.</p>
<p klasse="J">Wissenschaftliche Studien zum Anerkennungsgesetz
belegen: Es ist ein Erfolg! Neun Fachkräfte von zehn Fachkräften mit ausländischem
Berufsabschluss finden nach erfolgreicher Anerkennung eine berufliche Tätigkeit.
Dies führt zu einem deutlichen Anstieg der Beschäftigungsquote um mehr als
50 Prozent. Gemäß aktuellen Umfragen steigt das Einkommen nach erfolgreicher
Berufsanerkennung durchschnittlich um 860 Euro pro Monat.</p>
<p klasse="J">Das Anerkennungsgesetz trägt positiv zur
qualifizierten Zuwanderung bei, da fast jeder vierte Antrag aus dem Ausland
stammt – eine Option, die vor Inkrafttreten des Gesetzes nicht existierte und
zunehmend an Bedeutung gewinnt. Die psychologische Wirkung der Anerkennung sollte
ebenfalls nicht unterschätzt werden: In einer Umfrage gaben 84 Prozent der
Fachkräfte an, dass sich die berufliche Anerkennung für sie gelohnt hat. Etwa
30 Prozent bestätigen, dass sie durch die Anerkennung auch eine gesteigerte
Akzeptanz und Wertschätzung erfahren. Somit trägt die Anerkennung maßgeblich zu
einer nachhaltigen Integration bei.</p>
<p klasse="J">Seit 2012 wurden bereits über 500 000 Anträge für
bundes- und landesrechtliche Berufe sowie für Zeugnisbewertungen zu akademischen
Berufen eingereicht, darunter rund 240 100 Anträge auf Anerkennung in
Bundesberufen. Die Zahl der Anträge in Bundesberufen ist jährlich deutlich
gestiegen. 2021 konnte, nach einem geringen Rückgang im Jahr 2020, ein neuer
Höchststand verzeichnet werden: von rund 33 120 Anträgen in 2019 über 31 536 Anträge
in 2020 auf 34 623 Anträge in 2021. Im Jahr 2021 endeten 52 Prozent der Verfahren
zu Bundesberufen mit einer vollen Gleichwertigkeit, nur 2 Prozent der Anträge
wurden gänzlich abgelehnt. Der Rest erzielte eine teilweise Gleichwertigkeit, hier
sind Ausgleichsmaßnahmen möglich. 41 Prozent der Anträge des Jahres 2021 wurden aus
dem Ausland gestellt.</p>
<p klasse="J">Aus dem neuen Bericht geht hervor, dass immer
mehr ausländische Staatsangehörige die Anerkennung ihrer beruflichen
Qualifikationen in Deutschland beantragen, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu
verbessern. Im Jahr 2022 erreichte die Zahl der Anträge einen neuen Höchststand von
49 500, was einer fast doppelten Steigerung seit dem letzten Bericht von 2019
entspricht. Zusätzlich fällt auf, dass eine zunehmende Anzahl von Antragstellern
ihren Anerkennungsantrag bereits aus dem Ausland stellt – im Jahr 2022 waren es
bereits 40 Prozent. Dies verdeutlicht laut dem Bericht „die wachsende Bedeutung
Deutschlands als Einwanderungsland“.</p>
<p klasse="J">Die größte Gruppe der Antragsteller sind Pfleger
und Ärztinnen. An dritter Stelle folgen Ingenieure. Eine größere Gruppe bilden
daneben Lehrer und Erzieherinnen. Auch ausländische Elektrofachkräfte stellten
allein 2022 fast 2 000 Anträge auf Anerkennung ihrer Kompetenzen.</p>
<p klasse="J">Für mehr als die Hälfte der kleinen und mittleren
Unternehmen ist die Rekrutierung von Mitarbeitenden mit den erforderlichen
Fähigkeiten eines der gravierendsten Probleme, so eine Eurobarometer-Umfrage der
EU-Kommission im Jahr 2023.</p>
<p klasse="J">Obwohl die Verfahrensdauer kürzer geworden ist,
beträgt sie nach Einreichung vollständiger Unterlagen immer noch 85 Tage, was knapp
drei Monaten entspricht. Das ist noch zu lang. Dies ist teilweise auf die noch
nicht flächendeckende Digitalisierung zurückzuführen, da einige Unterlagen immer
noch in Papierform eingereicht werden müssen.</p>
<p klasse="J">Um den erwarteten Anstieg der Anträge zu
bewältigen, wird in dem Bericht betont, dass eine zentralisierte Bearbeitung durch
künstliche Intelligenz erforderlich ist. Zusätzlich bedarf es mehr Personal und
einer Bündelung der Verfahren, auch über die Grenzen der Bundesländer hinweg.
Derzeit gibt es bundesweit etwa 50 zuständige Stellen. Raum für Verbesserungen gibt
es auch bei der Vereinheitlichung von Anforderungen an Unterlagen und bei der
Qualitätssteigerung der Bescheide.</p>
<p klasse="J">Fazit: 2012 – das waren noch Zeiten! Es war ein
gutes Jahr für die deutsche Gesetzgebung! Die schwarz-gelbe Regierungskoalition hat
sich damals noch intensiv Gedanken darüber gemacht, wie die Situation in
Deutschland angesichts des – damals noch geringeren – Fachkräftemangels verbessert
werden kann. Mit Erfolg!</p>
<p klasse="J">Für das Jahr 2023 – und 2024 – müssen wir
allerdings konstatieren, dass das Ziel, nämlich die Gewinnung ausländischer
Fachkräfte, durch die Gesetze der Ampel immer weiter konterkariert wird.</p>
<p klasse="J">Beispiel: Das Gesetz zur Weiterentwicklung der
Fachkräfteeinwanderung, das im letzten Jahr beschlossen wurde, zielt in die völlig
falsche Richtung. Wir wissen alle, dass Deutschland in vielen Branchen mehr
Fachkräfte braucht. Aber das Ampelgesetz zur Weiterentwicklung der
Fachkräfteeinwanderung wird unserer Volkswirtschaft langfristig mehr schaden als
nutzen. Das Ampelgesetz fokussiert sich nicht auf die Einwanderung von Fachkräften,
sondern zielt auf die Einwanderung von Geringqualifizierten ab. Das von der FDP
gepriesene Punktesystem unterscheidet sich deutlich vom vermeintlichen Vorbild des
kanadischen Punktesystems. Kanada wählt Bewerber für die Einwanderung anhand einer
strengen Auswahl auf hohem Qualifikationsniveau aus. Im Gegensatz dazu setzt das
Punktesystem der Ampel auf niedrige Anforderungen. Die Erweiterung der Möglichkeit
der Westbalkanregelung auf Länder außerhalb Europas wird zudem dazu führen, dass
Personen ohne ausreichende Qualifikation nach Deutschland kommen. Denn die einzige
Einreisevoraussetzung besteht in einem Arbeitsvertrag zum Mindestlohn, ohne
jeglichen Nachweis von Qualifikationen.</p>
<p klasse="J">Auch das jetzt angekündigte
Berufsbildungsvalidierungs- und -digitalisierungsgesetz als Mittel, dem
Fachkräftemangel entgegenzuwirken, ist so ein Fehlschuss: Das Verfahren zur
Validierung beruflicher Kompetenzen ist durch hohen administrativen und
finanziellen Aufwand gekennzeichnet und wird negative Auswirkungen auf tarifliche
Eingruppierungen und die duale Ausbildung haben. Eine Verstärkung digitaler
Prozesse in der Berufsbildung ist dringend geboten, um Effizienz zu erhöhen, Kosten
zu senken und Prüferinnen und Prüfer zu entlasten.</p>
<p klasse="J">Fazit: Das Jahr 2012, das Jahr des Inkrafttretens
des Anerkennungsgesetzes, war noch ein gutes Jahr. Von dieser Art der Gesetzgebung
sind wir mittlerweile leider Lichtjahre entfernt.</p>
</rede>
<rede id="ID2015423100">
<p klasse="redner"><a id="ANLr43"/><redner
id="11005187"><name><titel>Dr.</titel><vorname>Anja</vorname><nachname>Reinalter</
nachname><fraktion>BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN</fraktion></name></redner>Dr. Anja
Reinalter (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):</p>
<p klasse="J">Lassen Sie mich mit dem Politischen
Aschermittwoch in Biberach beginnen. Mein Wahlkreis erreichte letzte Woche traurige
Berühmtheit. Unser traditioneller grüner Politischer Aschermittwoch musste abgesagt
werden, weil eine Gruppe wütender Störer nichts anderes zu tun hatte, als aggressiv
gegen unsere Demokratie auf die Straße zu gehen. Und klar ist: Dass derzeit
besonders die Grünen im Fokus der Angriffe stehen, entlässt die anderen
demokratischen Parteien nicht aus der Verantwortung, dafür zu sorgen, dass sich das
Debattenklima nicht noch weiter aufheizt. Denn das ist kein Problem der Grünen, das
ist ein Problem für unsere Demokratie und unseren Rechtsstaat und betrifft uns
alle. Es geht ums Ganze!</p>
<p klasse="J">So, und was hat das jetzt mit dem
Anerkennungsgesetz zu tun? – Sehr viel! Sie können sich hier gern beklagen, dass
die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse viel zu langsam geht und zu
kompliziert ist. Aber selbst ein Verfahren in Echtzeit, also wenn jeder Antrag
stante pede bearbeitet werden würde, macht uns nicht zu einem attraktiven
Einwanderungsland, solange sich solche Szenen wie in Biberach auf unseren Straßen
abspielen. Denn wenn Rechtsextreme das Ende des Rechtsstaates ausrufen, werden wir
den Kampf gegen den Fachkräftemangel verlieren. Das ist ein echtes Problem, und das
können wir uns nicht leisten.</p>
<p klasse="J">Darum brauchen wir ein neues Wir! Dieses neue Wir
ist ein Deutschland mit einem freundlichen Gesicht. Mit einer echten
Willkommenskultur. Das brauchen wir, um die Fach- und Arbeitskräfte zu gewinnen,
die mit uns in der Zukunft arbeiten – und ich sage bewusst „mit uns“ und nicht „für
uns“. Den Motor Deutschlands können wir nur gemeinsam auf Touren halten. Dazu
gehört auch, dass wir die Kompetenzen, Erfahrungen und Abschlüsse anerkennen. Wir
müssen besser werden, freundlicher werden, schneller werden, die Hand reichen.</p>
<p klasse="J">Und wir sind auf dem richtigen Weg: Die Zahl der
Anträge ist auf einem Rekordhoch. Insgesamt wurden bereits über 365 000 Anträge
registriert, knapp 50 000 davon allein im Jahr 2022. Auch die Verfahrensdauer ist
nun deutlich kürzer. Das kann sich sehen lassen.</p>
<p klasse="J">Besonders erfreulich ist die Anerkennungsquote:
2022 endeten 98 Prozent der Verfahren für bundesrechtlich geregelte Berufe mit der
Möglichkeit, die volle Gleichwertigkeit direkt oder nach einer Nachqualifizierung
zu erlangen. Das zeigt doch, dass was geht! Und so machen wir weiter! Denn wir
brauchen in vielen Branchen dringend Unterstützung. Deutlich wird das am Beispiel
der Heilberufe, die bereits 75 Prozent aller Anerkennungen nach Bundesrecht
ausmachen.</p>
<p klasse="J">Diese Entwicklungen waren möglich, weil an vielen
Stellschrauben gedreht wurde. Ich denke an die Einführung der digitalen
Antragstellung, Erleichterungen bei der Antragstellung auf Englisch, den Ausbau der
Plattform „Anerkennung in Deutschland“ und die so wichtigen Förderprogramme wie zum
Beispiel die IQ-Netzwerke.</p>
<p klasse="J">Doch wir sind noch lange nicht am Ziel: Jahr für
Jahr brauchen wir für unsere Unternehmen und in der Wissenschaft 400 000 Fachkräfte
aus dem Ausland, um die Lücke zu schließen. „Mind the Gap!“ Wichtige Bausteine
dafür sind: Mehr Sprachförderung im In- und Ausland, eine stärkere Zentralisierung
der zuständigen Stellen und finanzielle Unterstützung für Anträge, die aus dem
Ausland gestellt werden. Vor allem aber müssen die zuständigen Behörden und
Beratungsstellen über ausreichend Personal verfügen, um den steigenden
Antragszahlen gerecht zu werden.</p>
<p klasse="J">Aber noch einmal: Das alles hilft uns nur weiter,
wenn wir es mit der Willkommenskultur ernst meinen. Und dass wir es ernst meinen,
zeigt sich dadurch, was wir bisher auf den Weg gebracht haben: mit einem modernen
Staatsangehörigkeitsgesetz, mit einem modernen Chancen-Aufenthaltsgesetz und mit
einem modernen Fachkräfteeinwanderungsgesetz.</p>
<p klasse="J">So wird Deutschland ein attraktives
Einwanderungsland für die Fach- und Arbeitskräfte, die wir so dringend
benötigen.</p>
</rede>
</anlagen-text>
</anlage>
</anlagen>
<rednerliste sitzung-datum="22.02.2024">
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<rolle_lang>Bundesminister für Wirtschaft und
Klimaschutz</rolle_lang>
<rolle_kurz>Bundesminister BMWK</rolle_kurz>
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