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Der Geier

In Franz Kafkas Parabel 'Der Geier' wird die Hilflosigkeit eines Menschen beschrieben, der von einem Geier angegriffen wird, während ein vorbeikommender Herr ihm Hilfe anbietet, jedoch zu spät zurückkehrt. Der Geier symbolisiert Kafkas eigene Krankheit, Tuberkulose, und die Unfähigkeit, sich von ihr zu befreien. Die Erzählung endet tragisch, als der Geier den Menschen tötet, was als Metapher für den Tod und die Befreiung von Schmerzen interpretiert werden kann.

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Der Geier

In Franz Kafkas Parabel 'Der Geier' wird die Hilflosigkeit eines Menschen beschrieben, der von einem Geier angegriffen wird, während ein vorbeikommender Herr ihm Hilfe anbietet, jedoch zu spät zurückkehrt. Der Geier symbolisiert Kafkas eigene Krankheit, Tuberkulose, und die Unfähigkeit, sich von ihr zu befreien. Die Erzählung endet tragisch, als der Geier den Menschen tötet, was als Metapher für den Tod und die Befreiung von Schmerzen interpretiert werden kann.

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Der Geier (1920)

-Es war ein Geier, der hackte in meine Füße. Stiefel und Strümpfe hatte er schon aufgerissen,
nun hackte er schon in die Füße selbst. Immer schlug er zu, flog dann unruhig mehrmals um mich
und setzte dann die Arbeit fort. Es kam ein Herr vorüber, sah ein Weilchen zu und fragte dann,
warum ich den Geier dulde. »Ich bin ja wehrlos«, sagte ich, »er kam und fing zu hacken an, da
wollte ich ihn natürlich wegtreiben, versuchte ihn sogar zu würgen, aber ein solches Tier hat
große Kräfte, auch wollte er mir schon ins Gesicht springen, da opferte ich lieber die Füße. Nun
sind sie schon fast zerrissen.« »Daß Sie sich so quälen lassen«, sagte der Herr, »ein Schuß und
der Geier ist erledigt.« »Ist das so?« fragte ich, »und wollen Sie das besorgen?« »Gern«, sagte
der Herr, »ich muß nur nach Hause gehn und mein Gewehr holen. Können Sie noch eine halbe
Stunde warten?« »Das weiß ich nicht«, sagte ich und stand eine Weile starr vor Schmerz, dann
sagte ich: »Bitte, versuchen Sie es für jeden Fall.« »Gut«, sagte der Herr, »ich werde mich
beeilen.« Der Geier hatte während des Gespräches ruhig zugehört und die Blicke zwischen mir
und dem Herrn wandern lassen. Jetzt sah ich, daß er alles verstanden hatte, er flog auf, weit
beugte er sich zurück, um genug Schwung zu bekommen und stieß dann wie ein Speerwerfer den
Schnabel durch meinen Mund tief in mich. Zurückfallend fühlte ich befreit, wie er in meinem alle
Tiefen füllenden, alle Ufer überfließenden Blut unrettbar ertrank.-
Der Geier ist ein kurzes, parabelartiges Prosastück von Franz Kafka, welches im Jahr 1920
verfasst und nach dem Tod des Autors von seinem Nachlassverwalter Max Brod veröffentlicht
wurde. Neben dieser kurzen Erzählung in der Ich-Perspektive verfasste Kafka weitere kurze
Prosastücke im selben Zeitraum, nachdem er sich von seiner Geliebten Milena Jesenská getrennt
hatte. Zeitgleich litt Kafka bereits seit 1917 an Tuberkulose und befand sich 1920 in
unterschiedlichen Kliniken in Italien, um zu genesen.
„Ein Geier hackt die Füße eines Menschen, ohne dass diesem geholfen wird. Am Ende stirbt der
Mann durch den Schnabel des Geiers.“
In der Erzählung von Franz Kafka „Der Geier“ geht es um eine Person und einen Geier, welcher
immer wieder auf die Füße des Menschen einhackt. Nach einiger Zeit kommt ein Herr vorbei und
möchte der verzweifelten Person helfen. Das Geschlecht der Person, aus deren Perspektive die
Geschichte erzählt wird, lässt sich für die Leser und Leserinnen nicht erkennen.
Diese Parabel lässt sich in drei Abschnitte gliedern. Im ersten wird beschrieben, wie die
Hauptfigur vom Geier belästigt wird und wie sie sich dadurch fühlt. Im nächsten Abschnitt taucht
ein Herr auf, welcher der Hauptfigur Hilfe anbietet. Im letzten Teil beschreibt Kafka, warum und
wie der Ich-Erzähler von dem Geier getötet wird.
Der Text ist gut verständlich, was sich vor allem auf die hauptsächlich kurz gehaltenen Sätze und
die einfache Satzstruktur zurückführen lässt. Die Handlung wird in der Ich-Form erzählt und es
kommt in der Mitte des Textes zu einem Dialog zwischen Herr und der erzählenden Person. Im
ersten Abschnitt wird nicht deutlich, warum der Geier auf die Füße des Mannes einhackt (Z. 3:
„Immer schlug er zu ..und setzte dann die Arbeit fort.“). Des Weiteren zeigt die Hauptfigur ihre
Hilflosigkeit, indem sie sagt, das sie nicht vor dem Geier fliehen kann und zudem auch völlig
wehrlos gegen das Tier ist (Z. 6: „Ich bin ja wehrlos …“). Im nachfolgenden Abschnitt vertieft sich
das Gespräch der beiden Personen (Z. 6-19). Der Herr schlägt vor, dem Wehrlosen zu helfen und
weiß eine Lösung (Z. 12: „ein Schuss und der Geier ist erledigt.“). Der Mann nimmt das Angebot
an und bittet ihn, es zu versuchen (Z. 17: „Bitte, versuchen Sie es für jeden Fall“). Doch der Herr
muss erst sein Gewehr holen, verspricht in einer halben Stunde wieder da zu sein und lässt die
Hauptfigur wieder allein. So ist der Protagonist im dritten Abschnitt allein auf sich gestellt und
stirbt schließlich. Denn der Geier hatte alles mit angehört und verstanden, was die Beiden sagten
(Z. 21: „Jetzt sah ich, dass er alles verstanden hatte …“). So tötet der Geier den Menschen und
stirbt dadurch selber (Z. 26: „… überfließenden Blut unrettbar ertrank.“).
Kafka verfasste diesen kurzen Prosatext im Jahr 1920. Kafka wollte damit sein Leiden an
Tuberkulose, woran er bereits seit 1917 litt, beschreiben. Der Geier stellt die Krankheit dar mit
der er leben muss und der er wehrlos ausgeliefert ist.
Die Hauptfigur lässt sich dann als Franz Kafka selbst interpretieren, welcher die Krankheit
akzeptiert hat, weil er ihr nicht alleine zu entfliehen vermag. Der hilfsbereite Herr steht in diesem
Zusammenhang dann für einen hilfsbereiten Arzt, welcher eine Lösung vorschlägt, doch diese
kommt zu spät (Z. 15: „… noch eine halbe Stunde warten?“).
Es ist vorstellbar, dass Kafka die Parabel schrieb, um seine Angst vor dem Tod zu verarbeiten,
denn wer stirbt, ist dann zumindest von den Schmerzen der Krankheit befreit (Z. 24: „… fühlte ich
befreit …“).
Eine andere Interpretation wäre sicherlich auch möglich, doch ist diese aufgrund der bekannten
Erkrankung Kafkas und der Klinik-Aufenthalte in dem Verfassungsjahr, für mich die schlüssigste.

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