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Elektrizitätslehre Und Magnetismus: 9783835533110 - 229 - 237.indd 229 09.03.11 13:58

Das Dokument behandelt die Grundlagen der Elektrizitätslehre und des Magnetismus, insbesondere die Eigenschaften von Gleichstrom und die relevanten physikalischen Größen wie Stromstärke, Spannung und Widerstand. Es erklärt die Umwandlung elektrischer Energie in andere Energieformen sowie die Anwendung von Kirchhoffschen Gesetzen in elektrischen Schaltungen. Zudem werden Methoden zur Messung von elektrischen Größen und die Verwendung von Ersatzschaltungen zur Vereinfachung komplexer Netzwerke beschrieben.

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Das Dokument behandelt die Grundlagen der Elektrizitätslehre und des Magnetismus, insbesondere die Eigenschaften von Gleichstrom und die relevanten physikalischen Größen wie Stromstärke, Spannung und Widerstand. Es erklärt die Umwandlung elektrischer Energie in andere Energieformen sowie die Anwendung von Kirchhoffschen Gesetzen in elektrischen Schaltungen. Zudem werden Methoden zur Messung von elektrischen Größen und die Verwendung von Ersatzschaltungen zur Vereinfachung komplexer Netzwerke beschrieben.

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4 Elektrizitätslehre

und Magnetismus
Unser heutiges Leben ist ohne Elektrizität nur schwer
vorstellbar. So ermöglicht das Wissen über Halbleiter
den Bau von vielfältigen elektronischen Geräten.
Elektrische und magnetische Felder spielen in Natur und
Technik eine Rolle. Mit der elektromagnetischen Induk­
tion werden wichtige Grundlagen der gesamten Elek­
trotechnik behandelt.

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230 Elektrizitätslehre und Magnetismus

4.1 Der Gleichstromkreis – Grundlagen

Bei Gleichstrom wird Ein elektrischer Strom, der stets in eine bestimmte Richtung fließt, wird als
die Richtung des Gleichstrom bezeichnet. Wechselt der Strom immer wieder seine Richtung,
Stromflusses von so spricht man von Wechselstrom. Der zeitliche Verlauf der Stromstärke
+ nach – festgelegt. kann dabei sehr unterschiedlich sein. Die nachfolgenden Beispiele zeigen
charakteristische Verläufe.

Ein zeitlich kon­ Zeitlich konstanter Pulsierender Gleichstrom Wechselstrom


stanter Gleichstrom Gleichstrom (sinusförmig)
fließt, wenn sich
im Stromkreis eine I I I
Gleichspannungs­
quelle (Batterie,
Akkumulator, Strom­
t t t
versorgungsgerät)
befindet.

Elektrische Stromstärke, Spannung und Widerstand


Aus dem bisherigen Physikunterricht ist bekannt: Ein einfacher Gleich­
stromkreis kann durch die drei Größen elektrische Stromstärke, elektri-
sche Spannung und elektrischer Widerstand beschrieben werden. Häufig
spricht man einfach von Stromstärke, Spannung und Widerstand.

Elektrische Stromstärke Elektrische Spannung Elektrischer Widerstand

gibt an, wie viel elek­ gibt an, wie stark der gibt an, wie stark der
trische Ladung sich je Antrieb des elektrischen Strom im Stromkreis
Zeiteinheit durch den Stroms ist. behindert wird.
Querschnitt eines Leiters
bewegt.

Formelzeichen: I Formelzeichen: U Formelzeichen: R


Einheit: ein Ampere (1 A) Einheit: ein Volt (1 V) Einheit: ein Ohm (1 Ω)
Messgerät: Amperemeter Messgerät: Voltmeter Messgerät: Ohmmeter

A V Ω
U
∆Q Q U l
I=}
∆t
I=}
t
U = I·R R=}
I
R = ρ·}
A
Q elektrische Ladung I Stromstärke durch ρ spezifischer elektri­
t Zeit den Widerstand scher Widerstand
R Wert des Widerstands l Länge des Leiters
A Querschnittsfläche

Benannt ist die Einheit Benannt ist die Einheit Benannt ist die Einheit
der Stromstärke nach der Spannung nach dem des Widerstands nach
dem französischen Na­ italienischen Naturfor­ dem deutschen Naturfor­
turforscher A ndré M Arie scher A lessAndro VoltA scher G eorG s iMon o hM
A Mpère (1775 –1836). (1745 –1827). (1789 –1854).

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Der Gleichstromkreis – Grundlagen 231

Elektrische Energie und Leistung


Bei Stromfluss durch Bauelemente wird elektrische Energie in andere Als dritte Größe
Energieformen (innere Energie, Strahlungsenergie) umgewandelt. Die wird mitunter die
quantitative Beschreibung der Energieumwandlungen erfolgt mithilfe der elektrische Arbeit
Größen elektrische Energie und elektrische Leistung. einbezogen.
Dann gilt:
W = ∆E
Elektrische Energie Elektrische Leistung
W = U·I·t
ist die Fähigkeit des elektrischen gibt an, wie viel elektrische Energie
Stroms, mechanische Arbeit zu ver­ pro Zeiteinheit in andere Energiearten Benannt sind die
richten, Wärme abzugeben oder Licht umgewandelt wird. Einheiten nach dem
auszusenden. schottischen Erfinder
und Techniker J AMes
Formelzeichen: E Formelzeichen: P
WAtt (1736 –1819).
Einheit: eine Wattsekunde (1 Ws) Einheit: ein Watt (1 W)
1 Ws = 1 J 1 W = 1 }Js

Für U = konstant und I = konstant gilt: Für U = konstant und I = konstant gilt:

E = U·I·t P = }Et = U · I

U elektrische Spannung E elektrische Energie


I elektrische Stromstärke t Zeit
t Zeit

Die Messung der elektrischen Energie Die Messung der elektrischen Leistung
erfolgt mit Elektrizitätszählern erfolgt mit Leistungsmessern
(Kilowattstundenzählern). (Wattmetern).
1 kWh = 3 600 000 Ws

Sind mehrere Bauelemente in Reihe oder parallel geschaltet, so gelten für


die Reihen­ bzw. Parallelschaltung die in der nachfolgenden Übersicht dar­
gestellten Gesetze.

Reihenschaltung von Bauelementen Parallelschaltung von Bauelementen

– + – +

I = I1 = I2 = … = In I = I1 + I2 + … + In

U = U1 + U2 + … + Un U = U1 = U2 = … = Un

1 1 1 1
R = R1 + R2 + … + Rn }
R
=}
R
+}
R
+…+}
R
1 2 n

E = E1 + E2 + … + En E = E1 + E2 + … + En

P = P1 + P2 + … + Pn P = P1 + P2 + … + Pn

Für zwei Bauelemente gilt: Für zwei Bauelemente gilt:


U1 R1 I1 R2
}
U2
= }
R2
(Spannungsteilerregel) }
I
=}
R
(Stromteilerregel)
2 1

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232 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Anwendung der Gesetze in Gleichstromkreisen


Die Gesetze in Gleichstromkreisen werden z. B. bei Potenziometerschaltun-
gen, bei der Messbereichserweiterung von Messgeräten sowie bei span­
nungsrichtigen und stromrichtigen Messschaltungen angewendet.

Potenziometer- Spannungsteilerschaltung (Potenziometerschaltung)


schaltungen werden
U Gesamtspannung
genutzt, um die
UL Teilspannung
Spannung kontinu­
R1, R2 Teilwiderstände
ierlich von null bis R1
RL Lastwiderstand
zu einem Maximal­ U
V
wert verändern zu R
U UL 2
UL = }} ·U
können. RL
R ·R 1 2
R1 + R2 + }
V R L
R2

Um mit elektrischen Messgeräten sowohl möglichst kleine als auch mög­


lichst große Spannungen und Stromstärken messen zu können, werden die
Messbereiche mit Vor­ oder Nebenwiderständen erweitert.

Soll bei einem Messbereichserweiterung Messbereichserweiterung


Amperemeter der eines Amperemeters eines Voltmeters
Messbereich um den
Faktor 10 erweitert Messwerk Nebenwiderstand Vorwiderstand Messwerk
werden, so muss
der Nebenwider­
stand ein Neuntel
des Widerstands
des Messwerks
betragen. Bei einem
Amperemeter Voltmeter
Voltmeter müsste
der Vorwiderstand
9­mal so groß sein.
Die Innenwiderstände der Messgeräte beeinflussen die Genauigkeit der
gemessenen Spannungen und Stromstärken. Durch die Art der Schaltung
kann man die Messfehler klein halten.

Um die Beein­ Stromrichtige Messschaltung Spannungsrichtige Messschaltung


flussung des
Stromkreises U U
durch Messgeräte A I
RM R R, IR
möglichst gering zu
A
halten, sind diese I UR
so konstruiert, dass RM
V V
Amperemeter einen U U
möglichst kleinen
U
und Voltmeter einen UR = U – I · RM IR = I – }
RM
möglichst großen Korrektur nicht erforderlich, Korrektur nicht erforderlich,
Innenwiderstand wenn RM << R. wenn RM >> R.
haben.

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Der Gleichstromkreis – Grundlagen 233

Mit einem Vielfachmessgerät kann man sowohl sehr kleine als auch
sehr große Stromstärken messen.
Bei einem bestimmten Messgerät lässt das Messwerk selbst jedoch nur
eine Stromstärke bis maximal 0,10 A zu. Wird es stärker belastet, kann
die Stromstärke nicht mehr abgelesen werden und das Messgerät kann
zerstört werden. Das Messwerk selbst hat einen Widerstand von 50 Ω.
Wie kann der Messbereich erweitert werden, um eine Stromstärke bis
zu 1,0 A messen zu können?

Analyse:
Den Messbereich eines Ampere­
+ –
meters erweitert man durch ei­
nen Nebenwiderstand, der pa­ Messwerk
rallel zum Messwerk geschaltet I I1 I
wird. A
Dadurch teilt sich der Gesamt­ I2
strom in zwei Teilströme auf,
wobei nur ein Teilstrom durch
Nebenwiderstand Amperemeter
das Messwerk fließt: I1 = I – I2

Gesucht: R2 (Widerstand des Nebenwiderstands)


Gegeben: R1 = 50 Ω
I1 = 0,10 A
I = 1,0 A

Lösung:
U
R2 = }
I2

U ist gleich der Spannung am Messwerk. Sie ergibt sich aus U = R1 · I1


zu 5,0 V.
Die Stromstärke I2 erhält man aus I2 = I – I1 zu 0,90 A. Damit ergibt
sich für den Nebenwiderstand:
5,0 V Für die Einheiten
R2 = }
0,90 A gilt:
1V
R2 = 5,6 Ω }
1A
=1Ω

Bei elektrischen
Bei der vollständigen Beschreibung eines Stromkreises ist zu beachten, Quellen ist zwischen
dass die Spannungsquelle einen Innenwiderstand hat und dass durch sie der Leerlaufspan­
ein Strom fließt. Dann gilt bei geschlossenem Stromkreis: nung U0 (Spannung
bei geöffnetem
0 U Stromkreis) und der
UK = U0 – I · Ri und I=}
R +R A
i a I Klemmenspannung
UK (Spannung bei
Im Leerlauf (Ra → ∞) ist I = 0 und
Ri V Stromfluss) zu unter­
UK = U0. Ra
UK scheiden.
U0 U0 Es gilt immer:
Bei Kurzschluss (Ra → 0) ist I = }
Ri U0 > UK
und UK = 0.

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234 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Benannt sind diese Die kirchhoffschen Gesetze


Gesetze nach Für Netzwerke, in denen sich z. B. mehrere Spannungsquellen befinden
dem deutschen oder an einem Verzweigungspunkt (Knoten) mehrere Ströme zu­ oder ab­
Physiker GustAV fließen, formulierte K irchhoff zwei Gesetze, die heute als kirchhoffsche
robert Kirchhoff Gesetze bezeichnet werden.
(1824 –1887), der
sie 1845/46 als
1. kirchhoffsches Gesetz (Knotensatz) 2. kirchhoffsches Gesetz (Maschensatz)
21­jähriger Student
formulierte. UQ U1
Sie werden auch Knoten + –
als kirchhoffsche I1 I3
Regeln bezeichnet. U4 U2
I2 I4
U3
I5

In jedem Knoten ist die Summe der In jeder Masche ist die Summe aller
zufließenden Ströme gleich der Summe Quellenspannungen gleich der Summe
der abfließenden Ströme. aller Spannungen an den Widerständen.

Σ Izu = Σ Iab Σ UQ = Σ U

Ersatzschaltungen
Komplizierte Netzwerke lassen sich häufig auf einfache Reihen­ oder
Parallelschaltungen zurückführen. Die vereinfachte Darstellung einer
komplizierten elektrischen Schaltung nennt man Ersatzschaltung.
Um zu einer Ersatzschaltungen zu gelangen, ist es meist zweckmäßig,
schrittweise vorzugehen, so wie das unten am Beispiel dargestellt ist.
Blockschaltbilder kann man ebenfalls als stark vereinfachte Ersatzschaltun­
gen auffassen.

Ersatzschaltungen werden genutzt, um komplizierte Schaltungen über­


sichtlicher und durchschaubarer zu machen. Dabei werden gleichartige
Bauelemente (Widerstände, Spannungsquellen) zusammengefasst, wobei
durch die Vereinfachung die Funktionsweise der Schaltung im Wesentli­
chen erhalten bleiben muss.

Nachfolgend ist ein Beispiel für eine Vereinfachung dargestellt. Verschiedene gleichartige
Bauelemente, in diesem Fall Widerstände, werden schrittweise zusammengefasst.

R4 R4
+ + +
U U U
– – – R1
R2
R3 R3
R1 R3
A A A R4

R2 R1, R2

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Aufgaben 235

Aufgaben 3Ω

2Ω
1. 410 294 Ohmsches Gesetz
Geben Sie den Zusammen­ A 1Ω
hang zwischen der Span­ I
nung U, dem Widerstand U R 1Ω 1Ω 1Ω
R und der Stromstärke I in
dem Stromkreis an.
A B

2. 418 684 Länge eines Drahts


Um die Länge eines aufgewickelten Kupferdrahts 9. 410 014 Spannungsmessung
(d = 0,4 mm) zu bestimmen, wird der Widerstand Wie muss ein Messgerät angeschlossen werden, um
des Drahts mit einem Ohmmeter zu 72 Ω ermittelt. in dem Stromkreis Stromstärke bzw. Spannung am
Wie lang ist der Draht? Widerstand R1 messen zu können?
Fertigen Sie eine Skizze an.
3. 410 024 Parallelschaltung
Leiten Sie her: Für den Gesamtwiderstand Rges von R3
zwei parallel geschalteten Widerständen R1 und R2
gilt: } 1 = 1 + 1
} } U R2 R1
Rges R1 R 2

4. 410 364 Reihenschaltung


Leiten Sie her: Für den Gesamtwiderstand Rges von
zwei in Reihe geschalteten Widerständen R1 und R2
gilt: Rges = R1 + R2 10. 410 174 Widerstände kombiniert
Es stehen drei Widerstände mit 10 Ω, 20 Ω und 30 Ω
5. 410 554 Zwei Widerstände sowie eine Spannungsquelle mit 100 V zur Verfü­
Ein Stromkreis besteht aus zwei parallel geschalte­ gung. Die Widerstände können in unterschiedlicher
ten Widerständen (50 Ω, 100 Ω) und einer elektri­ Weise geschaltet sein.
schen Quelle mit 12 V. a) Wie viele verschiedene Gesamtwiderstände kann
Wie groß sind die Stromstärken und die Spannun­ man damit realisieren? Wie groß ist der jeweilige
gen im Stromkreis? Gesamtwiderstand?
b) Die drei Widerstände werden in Reihe geschaltet.
6. 410 194 Spannungsteiler Berechnen Sie die Stromstärke und die Teilspan­
Zwei Widerstände von 50 Ω und 100 Ω sind mit einer nungen an den Widerständen.
elektrischen Quelle in Reihe geschaltet. c) Die drei Widerstände werden parallel geschaltet.
a) Zeichnen Sie den Schaltplan. Wie groß sind dann die Teilströme?
b) Am Widerstand mit 50 Ω liegt eine Spannung von d) Vergleichen Sie die in den Widerständen umge­
12 V an. Wie groß ist die Spannung am anderen setzten elektrischen Leistungen bei Reihen­ und
Widerstand? Parallelschaltung.
c) Geben Sie eine mögliche Anwendung für diesen
Spannungsteiler an. 11. 410 324 Passende Widerstände bilden
Für eine Schaltung werden Widerstände von 5 Ω,
7. 419 364 Voltmeter 35 Ω und 105 Ω benötigt. Es stehen aber nur meh­
Der Messbereich eines Spannungsmessers soll von rere Festwiderstände mit 10 Ω und mit 50 Ω zur Ver­
1 auf 10 V vergrößert werden. fügung. Geben Sie Schaltungen an, mit denen man
Erläutern Sie, wie man eine solche Messbereichser­ die benötigten Widerstände erhält.
weiterung realisieren kann!
12. 418 384 Anschlussmöglichkeiten
8. 410 124 Gesamtwiderstand Eine Halogenlampe mit den Kenndaten 12 V/50 W
Wie groß ist der Gesamtwiderstand zwischen den soll an die Netzspannung von 230 V angeschlossen
Punkten A und B? werden. Welche Möglichkeiten dafür gibt es?

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236 Elektrizitätslehre und Magnetismus

13. 410 424 Potenziometerschaltung 16. 410 214 Wasserkocher


Die Spannung an einem Bauteil kann mithilfe eines Ein Wasserkocher hat ein Typenschild mit den Anga­
Potenziometers kontinuierlich verändert werden. ben 230 V/800 W.
a) Wie groß ist die Stromstärke, die durch die Heiz­
U
platte des Wasserkochers fließt?
R2 b) Wie lange dauert es, bis 0,5 Liter Wasser von 18
R1
auf 75 °C erwärmt werden, wenn man von Wär­
meverlusten absieht?
R1+ R2 = R c) Wie lange dauert der Vorgang, wenn man von ei­
RL,UL nem durchschnittlichen Wirkungsgrad von 80 %
ausgeht?
a) Bei einem unbelasteten Potenziometer ist der
Lastwiderstand RL unendlich groß. Leiten Sie eine 17. 410 104 Verzweigter Stromkreis
Gleichung für die Spannung UL ab. An einer Verzweigung in einem Stromkreis teilt sich
b) Weisen Sie nach, dass für ein belastetes Potenzio­ die elektrische Stromstärke auf die beiden Zweige
meter die folgende Gleichung gilt: nach den bekannten Gesetzen auf. Geben Sie an,
R2
UL = }} R ·R
·U wie sich die transportierte Energie aufteilt.
1 2
R1 + R2 + }
R L

c) Stellen Sie die Spannung UL in Abhängigkeit 18. 410 284 Bedeutung der Stromversorgung
von R2 für R = 100 Ω, U = 20 V, RL = 110 Ω und Häufig wird formuliert: Elektrische Energie ist die
RL = 25 Ω in einem Diagramm dar. wichtigste Energieform für uns.
Zeichnen Sie in dasselbe Diagramm auch den Gra­ a) Stellen Sie Argumente zusammen, die für diese
phen für RL → ∞ ein. Aussage sprechen. Gibt es auch Gegenargu­
d) Interpretieren Sie das Diagramm. mente?
b) In den letzten Jahren hat es in Deutschland meh­
14. 410 484 Schaltkreis rere Beispiele dafür gegeben, dass in Städten
Geben Sie die Stromstärke an, die das Messgerät in oder in ganzen Gebieten die Versorgung mit
der abgebildeten Schaltung anzeigt. Elektroenergie kurzzeitig zusammengebrochen
Wie groß ist die Stärke des Stroms durch den ist. Erkunden Sie ein Beispiel. Stellen Sie die Ursa­
25­Ω­Widerstand? chen und die Folgen dar.
c) Präsentieren Sie ein Szenario „Leben ohne Elek­
A trizität“. Unterscheiden Sie zwischen kurzfristi­
I gen und längerfristigen Folgen.
25 Ω
4Ω 19. 410 344 Alltagssprachliche Bedeutung
12 V Bezüge zur Elektrizitätslehre gibt es auch in unse­
rer Umgangssprache, z. B. in der Formulierung „Sie
10 Ω steht unter Spannung“.
Suchen Sie weitere umgangssprachliche Formulie­
rungen dieser Art und diskutieren Sie deren Bedeu­
100 Ω tung. Stellen Sie jeweils Bezüge zur Fachsprache der
Physik her.
15. 410 234 Autoscheinwerfer
Für die Scheinwerfer von Pkw werden Halogenlam­ 20. 414 804 Innenwiderstand
pen H4 (12 V/60 W) oder Xenonlampen (12 V/35 W An einer Spannungsquelle werden die unten ge­
bzw. 24 V/50 W) genutzt. nannten Werte gemessen.
a) Geben Sie jeweils die Stärke des Stroms an, der
I in mA 12 25
durch die Lampen fließt. Vergleichen Sie mit
einer 20­W­Energiesparlampe und einer 100­W­ UK in V 24,6 24,3
Glühlampe im Haushalt.
b) Erkunden und vergleichen Sie die Lichtausbeute Wir groß sind der Innenwiderstand der Spannungs­
der drei Lampen. quelle und die Leerlaufspannung U0?

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Aufgaben 237

21. 410 444 Lebensgefahr 24. 424 914 Knotensatz


Der menschliche Körper leitet den Widerstände sind so angeordnet, wie es das Schalt­
elektrischen Strom. Die Skizze zeigt bild zeigt. Die Pfeile geben jeweils die Stromrich­
ein vereinfachtes Schaltbild. Als tung an.
gerade noch zulässiger Grenz­ I2 I1
wert gilt eine Stromstärke

60
von 20 mA. 0
60

0

a) Begründen Sie die Re­ I3 I5
gel: Spannungen über
25 V dürfen nicht zwi­ I4
schen beiden Händen

60
0Ω
anliegen. Geben Sie eine Gleichung für die Stromstärken I1 bis

0Ω
60

b) Begründen Sie mit den I5 an dem Knoten im Schaltbild an.


Daten, weshalb Netzspan­
nung lebensgefährlich ist. 25. 410 394 Maschensatz
c) Die Kugel eines aufgeladenen Bandgenerators Geben Sie eine Gleichung U3 U1
(20 kV, 0,01 mC) wird zufällig mit einer Hand be­ für die Spannungen U1
1
rührt und entlädt sich dadurch innerhalb } 10
Se­ bis U3 in einer Masche des
kunde über den Körper zur Erde. Schaltbildes an. U2
Ist der dabei fließende Strom lebensgefährlich?
d) Warum ist ein unvorsichtiges Berühren eines auf­ 26. 419 824 Eine Ersatzschaltung
geladenen Körpers fast immer gefährlich? a) Entwickeln Sie für die angegebene Schaltung
eine Ersatzschaltung.
22. 410 474 Akkumulatoren
Batterien und Akkumulatoren sind Energie­ und
Ladungsspeicher. So gibt es z. B. Autobatterien mit R1
R2
der Angabe 12 V/70 Ah. Auf Kleinakkus findet man
analoge Angaben (b Abb.).

b) Wie groß ist der Gesamtwiderstand, wenn jeder


der gezeichneten Widerstände 20 Ω hat?
c) Vergleichen Sie die Stromstärken durch die
Widerstände R1 und R2.
a) Was bedeuten die Angaben? d) Berechnen Sie die Stromstärke durch den Wider­
b) Ein Pkw­Fahrer lässt beim Abstellen seines Autos stand R1, wenn die Spannung der Spannungs­
am Abend um 21.00 Uhr das Standlicht einge­ quelle 12 V beträgt.
schaltet. Vorn und hinten leuchten je zwei Glüh­
lampen mit 12 V/5 W. Bewerten Sie die Gefahr, 27. 410 544 Wasserkraftwerke
dass der Fahrer am nächsten Morgen um 6.30 Uhr Das Wasserkraftwerk Walchensee erreicht eine
das Auto nicht mehr starten kann. Man kann da­ maximale Leistung von 124 MW, wenn in jeder
von ausgehen, dass ein Kaltstart noch bei 30 % Sekunde eine Wassermenge von 84 m3 durch die
der Batteriekapazität sicher möglich ist. 450 m langen Rohre fließt. Der Höhenunterschied
c) Welche Ladung fließt über Nacht durch jede der beträgt dabei 200 m.
Glühlampen? Geben Sie auch die Anzahl der a) Beschreiben Sie die Energieübertragungen bei ei­
Elektronen an. nem solchen Speicherkraftwerk.
b) Schätzen Sie aus den angegebenen Daten den
23. 426 934 Akku eines Handys Wirkungsgrad des Kraftwerks ab.
Der Akku eines Handys (3,7 V/5,6 Wh) hat nur noch
10 % der maximal möglichen Energie. Er wird in 28. 410 064 Energiesparen
30 Minuten wieder voll aufgeladen. Wie groß ist die Stellen Sie einen Plan auf, wie Sie in Ihrem Haushalt
durchschnittliche Ladestromstärke? elektrische Energie einsparen können.

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238 Elektrizitätslehre und Magnetismus

4.2 Elektrische Leitungsvorgänge

Fließt in einem Stoff oder im Vakuum ein elektrischer Strom, so spricht


man von einem elektrischen Leitungsvorgang.

Unter einem elektrischen Leitungsvorgang versteht man eine gerich-


tete Bewegung von Ladungsträgern, z. B. von Elektronen oder Ionen,
unter dem Einfluss eines elektrischen Felds.

Elektrische Leitungsvorgänge treten in der Natur auf (z. B. Blitz, Nordlicht).


Sie werden in der Technik in vielfältiger Weise genutzt, etwa bei der Über-
tragung von elektrischer Energie oder bei elektronischen Bauelementen.
Elektrische Leitungsvorgänge können in Metallen, Flüssigkeiten, Gasen, im
Vakuum sowie in Halbleitern auftreten.

Voraussetzungen dafür sind


Bewegliche – das Vorhandensein von beweglichen Ladungsträgern,
Ladungsträger – das Anliegen einer Spannung.
bedeutet, dass sie
nicht an Atome oder Der Verlauf eines elektrischen Leitungsvorgangs hängt ab von
Moleküle gebunden – der Art und der Anzahl der beweglichen Ladungsträger (Ladungsträger-
sind und sich unter
dichte) im betreffenden Raumbereich,
dem Einfluss einer
– der anliegenden Spannung,
Spannung in be-
stimmter Richtung
– der Behinderung der gerichteten Bewegung der Ladungsträger durch
bewegen können. andere Teilchen (elektrischer Widerstand).

Bezüglich der Leitfähigkeit lassen sich grundsätzlich drei Gruppen von


Stoffen unterscheiden.

Leiter Halbleiter Nichtleiter

besitzen eine große besitzen bewegliche besitzen nur wenige


Anzahl beweglicher Ladungsträger oder keine beweglichen
Ladungsträger (Elektronen, Ladungsträger.
(Elektronen, Ionen). Defektelektronen).

Metalle Silicium Vakuum


Elektrolyte Germanium Isolatoren (Porzellan,
ionisierte Gase Verbindungen Papier, Gummi)
(GaAs, PbS) Gase („normale“ Luft)

Bei Metallen kommt Bei Halbleitern kommt Bei Nichtleitern kommt


auf ein Atom im Mittel auf 104 – 107 Atome ein auf mehr als 1010
ein bewegliches Elektron. beweglicher Ladungs- Atome ein beweglicher
träger. Ladungsträger.
Die elektrische
Leitfähigkeit ist der Die elektrische Die elektrische Leit- Die elektrische Leit-
Kehrwert des spezi- Leitfähigkeit liegt in fähigkeit liegt in einer fähigkeit ist kleiner als
fischen elektrischen einer Größenordnung Größenordnung von 10–5 Ω–1 ∙ m–1.
Widerstands. von 107 Ω–1 ∙ m–1. 10–1 bis 103 Ω–1 ∙ m–1.

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Elektrische Leitungsvorgänge 239

4.2.1 Elektrische Leitungsvorgänge in Metallen

In Metallen liegt Metallbindung vor. Die nicht gebundenen Elektronen ste- Die Metallbin-
hen als bewegliche Ladungsträger für Leitungsvorgänge zur Verfügung. dung ist eine Art
Beim Anliegen einer Spannung bewegen sie sich in einer Vorzugsrichtung, der chemischen
die durch die Polung bestimmt ist. Bindung, die durch
anziehende Kräfte
– – zwischen Metall-Io-
– – – – – – – – – –
+ + + + + + + + + + + + nen und freien Elek-
– –
– – – – – – tronen verursacht
+ + + + + + + +
– – – – – – – + wird. Die bewegli-
– – – –
+ + + + + + + + + + + + chen Außenelektro-
– – – – – – – – – – nen bezeichnet man
+ – –+ – + + + + + – –+ – + + + + auch als Elektronen-
– –
gas.

In metallischen Leitern besteht der elektrische Strom aus Elektronen,


die sich in einer Vorzugsrichtung bewegen.

Im Mittel kann man ihnen eine konstante Driftgeschwindigkeit zuordnen. Einen experimen-
Der Zusammenhang zwischen der Stromstärke und der Driftgeschwindig- tellen Nachweis für
keit ergibt sich durch folgende Überlegungen: die Existenz beweg-
Aus dem Volumen A · v · Δt tritt in der Zeit Δt die Ladung licher Elektronen
erbrachte der
ΔQ = n · e · A · v · Δt amerikanische Phy-
siker richard chace
durch die Querschnittsfläche A des
– + tolMan (1881–1948)
Leiters. n ist dabei die Ladungsträ- im Jahre 1916. Er
gerdichte (= Anzahl der Ladungs- ließ eine Drahtspule
träger/Volumen). schnell um ihre
Längsachse rotieren
ΔQ
Mit I = }
Δt
erhält man für die Stromstärke: und dann plötzlich
n · e · A · v · Δt abbremsen. Dabei
I=} Δt konnte er zwischen
den Enden der
I = n·e·A·v (1)
Spule eine Span-
U l nung nachweisen
Aus dem ohmschen Gesetz I = }
R
ergibt sich mit R = ρ · }
A
:
(Tolman-Versuch).
U U∙A
I=}
R
=}
ρ∙l
(2)

Gleichsetzen von (1) und (2) ergibt:


U∙A
n·e·A·v = }
ρ∙l
Durch Umstellen nach der Driftgeschwindigkeit v erhält man:
1 U
v=} ∙}
ρ·n·e l
Die Driftgeschwindigkeit ist bei Metallen also abhängig vom spezifischen
elektrischen Widerstand ρ, von der Lädungsträgerdichte n und von der
Stärke des elektrischen Felds U/l. Sie liegt bei Metallen in der Größenord-
mm
nung von etwa 1 } s
.

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240 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Bei Metallen vergrößert sich der elektrische Widerstand mit Erhöhung der
Temperatur. Damit erhält man für Metalle charakteristische Kennlinien.

Bei dieser Art der U-I-Kennlinie bei θ = konstant U-I-Kennlinie bei θ ≠ konstant
Darstellung gilt: Der
Widerstand ist umso I ∆U
I
R = ∆I
größer, je kleiner ∆I2
der Anstieg des ∆U
Graphen ist. ∆I
∆U ∆U
∆I1 <
∆U ∆I1 ∆I2
∆U

U U
Der Widerstand ist konstant. Der Widerstand vergrößert sich.

Metalle im Bändermodell
Ausführliche Die Leitfähigkeit von Stoffen kann mithilfe des Bändermodells gedeutet
Informationen zu werden.
diesem Modell unter
415 995
Das Bändermodell ist ein Modell für die Energiezustände von Elektro-
nen in einem Festkörper.

Für einzelne In einem Festkörper führt das Zusammenwirken vieler Atome dazu, dass
Atome werden die keine scharfen Energieniveaus wie bei einzelnen Atomen auftreten, son-
Energiezustände der dern breite Energiebereiche, die man als Bänder bezeichnet. Das ener-
Elektronen in einem giereichste, noch vollständig mit Elektronen besetzte Band nennt man
Energieniveau- Valenzband V. Das folgende, teilweise mit Elektronen besetzte oder leere
schema (b S. 459)
Band heißt Leitungsband L.
dargestellt.
Die Elektronen in diesem Leitungsband sind beweglich und damit für die
elektrische Leitfähigkeit bestimmend. Die Skizze zeigt charakteristische
Unterschiede zwischen einzelnen Atomen und den verschiedenen Grup-
Im Valenzband V pen von Festkörpern.
sind sämtliche
Elektronen an ihre E E E E
Atome gebunden. L
L
∆E > 3 eV
L ∆E < 3 eV
V V V
einzelnes Atom Metall Halbleiter Nichtleiter
Die Breite der Band-
lücke beträgt z. B. Die gute elektrische Leitfähigkeit von Metallen wird dadurch bewirkt, dass
für die Halbleiter Valenz- und Leitungsband aneinandergrenzen oder sich teilweise über-
Germanium 0,72 eV lappen. Das Leitungsband ist mit Elektronen besetzt. Bei Halbleitern und
und Silicium 1,1 eV. Nichtleitern ist das Leitungsband bei einer Temperatur von 0 K leer, bei
1 eV = 1,602 ∙ 10–19 J Zimmertemperatur teilweise besetzt. Daraus resultiert eine wesentlich
kleinere Leitfähigkeit als bei Metallen.

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Elektrische Leitungsvorgänge 241

Supraleitung
Bei Metallen erhöht sich mit der Temperatur der elektrische Widerstand,
bei Verringerung der Temperatur verkleinert er sich. Bei sehr tiefen Tem-
peraturen nimmt der Widerstand bei einer Reihe von Festkörpern ab einer
bestimmten Sprungtemperatur den Wert null an.

Unter Supraleitung versteht man die Erscheinung, dass bei sehr niedri- Entdeckt wurde die
gen Temperaturen der elektrische Widerstand bestimmter Festkörper Supraleitung 1911
verschwindet. durch den nieder-
ländischen Physiker
heiKe KaMerlinGh
Bei Sprungtemperaturen von unter 10 K war an eine technische Nutzung onnes (1853 –1926)
der Supraleitung kaum zu denken. Das änderte sich 1986 mit der Entde- bei Untersuchungen
an Quecksilber. Die-
ckung der Hochtemperatur-Supraleiter durch den deutschen Physiker Jo-
ses Element hat eine
hannes GeorG Bednorz (*1950) und den Schweizer Physiker Karl alex Müller
Sprungtemperatur
(*1927). Heute kennt man Supraleiter mit einer Sprungtemperatur bis zu
von 4,2 K.
138 K = –135 °C. Sie lassen sich mit flüssigem Stickstoff kühlen.

Bei der Supraleitung treten einige spezielle Effekte auf: Genutzt wird die
– Unterhalb der Sprungtemperatur wirkt ein veränderter Leitungsmecha- Supraleitung zur
nismus. Beschrieben wird er durch die 1957 veröffentlichte BCS-Theorie, Herstellung starker
eine quantenmechanische Theorie. Nach dieser Theorie bilden sich bei Magnete, die z. B. in
tiefen Temperaturen Paare von Elektronen (Cooper-Paare), durch die der Kernspintomografen
verwendet werden.
Ladungstransport verlustfrei erfolgt.
– Findet zwischen einem supraleitenden Körper und einem Magneten eine
Relativbewegung statt, so wird in dem Supraleiter ein Strom induziert,
dessen Stärke nicht abnimmt.
– Bringt man einen Supraleiter oberhalb der Sprungtemperatur in ein
Magnetfeld und kühlt ihn dann ab, so entsteht im supraleitenden Zu- Permanentmagnet
stand wieder ein Strom, der zeitlich unbegrenzt fließt (Meissner-Ochsen-
feld-Effekt). Ein Supraleiter verhält sich damit wie ein Magnet, von dem
ein Permanentmagnet abgestoßen wird (b Abb. rechts).
– Die Ströme verlaufen bei Supraleitern weitgehend in der Oberfläche. Die
Eindringtiefe in den Leiter ist gering. Supraleiter
– Cooper-Paare bewegen sich durch eine sehr dünne Isolationsschicht zwi-
schen zwei Supraleitern, wobei der Strom vom äußeren Magnetfeld ab- Ein Permanentmag-
hängig ist (Josephson-Effekt). Diesen Effekt kann man nutzen, um mag- net schwebt über
netische Flussdichten bis etwa 10–15 T zu messen. einem Supraleiter.

Traditionelle Supraleiter Hochtemperatur-Supraleiter

Stoff Sprung- Stoff Sprung-


temperatur in K temperatur in K

Aluminium 1,2 (LaBa)2CuO4 35 (1986)

Quecksilber 4,2 (1911) YBa2Cu3O7 93 (1996/97)

Blei 7,2 Bi2Sr2Ca2Cu3O10 110

BiPb 8,8 HgBa2Ca2Cu3O8 133

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242 Elektrizitätslehre und Magnetismus

4.2.2 Elektrische Leitungsvorgänge in Flüssigkeiten

Der Begriff Ion In Flüssigkeiten kann eine elektrische Leitung stattfinden, wenn frei be-
stammt aus dem wegliche positive und negative
Katode Anode
Griechischen und Ionen vorhanden sind und eine
bedeutet „das Wan- Spannung anliegt. Solche Ionen – +
dernde“. Die positiv entstehen in wässrigen Lösun- – + –
geladenen Ionen, +
gen von Säuren, Basen und Salzen +
die zur Katode wan-
durch Dissoziation. Die Ladung der – + –
dern, nennt man
Kationen. Die nega-
Ionen hängt von der Wertigkeit der
jeweiligen Stoffe ab. – + Ionen Wassermoleküle
tiv geladenen Ionen,
die zur Anode
wandern, heißen So dissoziiert z. B. Kochsalz (NaCl) in einfach positiv geladene Natrium-
Anionen. Geprägt ionen und in negativ geladene Chloridionen:
und in die Physik NaCl g Na+ + Cl–
eingeführt hat
alle diese Begriffe Bei der Lösung von Kupfersulfat (CuSO4) in Wasser bilden sich positiv
Michael Faraday geladene Kupferionen und negativ geladene Sulfationen.
(1791–1867). 2–
CuSo4 g Cu2+ + SO 4

Leitende Flüssigkeiten werden als Elektrolyte bezeichnet. Den oben ge-


nannten Vorgang der Ionenwanderung einschließlich der damit verbun-
denen stofflichen Veränderungen nennt man Elektrolyse. Beim Anlegen
einer Spannung und damit beim Vorhandensein eines elektrischen Felds
bewegen sich die Ionen entsprechend ihrer Ladung und der Richtung des
Felds zur Anode oder zur Katode und lagern sich dort ab.

In Elektrolyten besteht der elektrische Strom aus positiv und negativ


geladenen Ionen, die sich in entgegengesetzter Richtung bewegen.

Die Driftgeschwindigkeit von Ionen hängt wie bei Metallen (b S. 239) vor
allem vom Stoff, von der Anzahl der Ladungsträger im Volumen und von
der Spannung im betreffenden Bereich ab. Sie ist um einen Faktor von
etwa 10–5 geringer als bei guten Leitern wie Kupfer oder Silber.

Eine Besonderheit von Leitungsvorgängen in Flüssigkeiten besteht darin,


dass mit Ladung auch Stoff transportiert wird und sich dieser Stoff an den
Elektroden ablagert oder als Gas freigesetzt wird. Der Zusammenhang
Gefunden wurden zwischen der Masse des abgeschiedenen Stoffs und der transportierten La-
die Gesetze der dung ist im 1. faradayschen Gesetz erfasst.
Elektrolyse um 1833
von dem englischen
Die Masse eines aus einem Elektrolyten abgeschiedenen Stoffs ist der
Naturforscher
M ichael F araday transportierten elektrischen Ladung proportional.
(1791–1867). Sie m = c·Q m Masse des abgeschiedenen Stoffs
werden deshalb als c elektrochemisches Äquivalent
faradaysche Gesetze Q elektrische Ladung
bezeichnet.

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Elektrische Leitungsvorgänge 243

Bei konstanter Stromstärke gilt Q = I · t. Damit kann man das Gesetz auch Heute wird die
formulieren: m = c · I · t. Genutzt wurde dieser Zusammenhang früher zur Einheit 1 A über die
Definition der Stromstärke. Ein Strom hat die Stärke 1 A, wenn er bei Kraft zwischen zwei
gleichmäßiger Stärke in einer Sekunde 1,118 mg Silber abzuscheiden ver- stromdurchflossenen
mag. Leitern definiert.

Betrachten wir als Beispiel ein Bauteil, das verchromt werden soll. Bei
einer Stromstärke von 800 A und einer Zeit von 30 s erhält man für die
Masse des abgelagerten Chroms:
mg
m = 0,018 }
A·s
· 800 A ∙ 30 s

m = 432 mg
In 30 s wird bei 800 A ein knappes halbes Gramm Chrom am Bauteil
abgelagert.

Das 2. faradaysche Gesetz stellt den Zusammenhang zwischen der trans- Die Faraday-Kon-
portierten Ladung und den Ionen des jeweiligen Stoffs her, die diese La- stante hat einen
dung tragen. Wert von:
C
F = 9,649 ∙ 104 }
mol
Die transportierte und an einer Elektrode abgegebene bzw. aufge- Mithilfe des 2. fara-
nommene Ladung ist der Wertigkeit der Ionen und der Stoffmenge dayschen Gesetzes
ist es auch möglich,
proportional.
die Elementar-
Q = n·z·F n Stoffmenge in Mol ladung e zu bestim-
z Wertigkeit der Ionen men.
F Faraday-Konstante

Leitungsvorgänge in Flüssigkeiten werden in vielfältiger Weise genutzt,


z. B. in Batterien und Akkumulatoren, zur Oberflächenveredlung von Kör-
pern durch Galvanisieren (Vergolden, Verchromen, Versilbern, Verkup-
fern), bei der Elektrotauchlackierung von Metallteilen, bei der Schmelz-
flusselektrolyse zur Aluminiumherstellung oder bei der Elektroraffination
von Metallen.
Beim Galvanisieren
Verkupfern eines Gegenstands Elektrolackierung
wird in der Regel
mit geringen Span-
– + nungen (1– 2 V) und
– + Stromstärken bis
– 1 000 A gearbeitet.
+
+ + Die Schichtdicke der
– –
Überzüge hängt
vom Verwendungs-
+ positiv geladene Cu-Ionen
zweck ab und liegt
– negativ geladene SO4-Ionen im Mikrometerbe-
Wassermoleküle reich, z. B. bei Gold
zwischen 0,3 und
Die positiv geladenen Cu-Ionen lagern An der als Anode geschalteten Karos-
1 μm, bei Chrom
sich in einer dünnen Schicht am metal- serie lagern sich die negativ geladenen
zwischen 10 und
lischen Gegenstand ab. Wasser-Lack-Teilchen ab.
25 μm.

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244 Interessantes aus der Natur

Der Mensch – ein elektrisches Wesen

Der Mensch ist aus physikalischer Sicht nicht nur ein Es stellt sich ein Gleichgewichtszustand ein (Abb. 1b).
offenes thermodynamisches System. Er ist auch ein In diesem Zustand ist die Zelle polarisiert. Physika-
Energiewandler mit einem bestimmten Wirkungs- lisch handelt es sich um ein Diffusionspotenzial.
grad, verfügt über Temperatur-, Schall-, Geruchs- Die Spannung (Potenzialdifferenz), das sogenannte
und Geschmackssensoren und ist vor allem ein We- Ruhepotenzial, liegt für die einzelne Zelle im Be-
sen, in dem vielfältige elektrische Vorgänge vor sich reich von 70 – 90 mV.
gehen.
Die Reizfortleitung in Nervenzellen, die Steuerung Durch Erregung einer Zelle erhöht sich die Durch-
der Herztätigkeit oder der Hirntätigkeit erfolgen lässigkeit der Zellmembran für Na+-Ionen schlag-
durch elektrische Impulse. Wir betrachten nachfol- artig auf mehr als das Hundertfache. Der Einstrom
gend einige ausgewählte Aspekte. positiver Ladungsträger (Na+-Ionen) führt zu einem
Abbau des Membranpotenzials, zu einer Depolarisa-
Der Mensch als Spannungsquelle tion (b Abb. 1c). Es kommt dabei sogar zu einer Um-
Tierische und menschliche Zellen sind von einer hoch kehr der Potenzialrichtung, zu einem „Overshoot“.
spezialisierten Zellmembran umgeben. Dabei han- Dieser Overshoot wird anschließend durch einen
delt es sich im Wesentlichen um Lipoprotein-Schich- verstärkten Austritt von K+-Ionen wieder abgebaut
ten mit einer Dicke von 0,007 bis 0,008 �m. Diese (b Abb. 1d). Die bei diesem Vorgang auftretenden
Zellmembran grenzt zum einen das Innere der Zelle Potenziale, die Aktionspotenziale, liegen für eine
gegen den Außenraum ab. Zum anderen verfügt sie Zelle zwischen 80 mV und 120 mV. Durch Austausch
über aktive Transportmechanismen und veränderli- von Na+- und K+-Ionen wird der ursprüngliche Zu-
che Durchlässigkeiten (Permeabilitäten) für verschie- stand wiederhergestellt. Die an Zellmembranen auf-
dene Stoffe. tretenden elektrischen Phänomene sind also letzt-
lich nichts anderes als die Ergebnisse des Austauschs
Im nicht erregten Zustand (Ruhezustand) werden von Na+- und K+-Ionen durch diese Membran.
unter Aufwand von Energie Kalium-Ionen in das
Zellinnere und Natrium-Ionen nach außen transpor- Die Dauer der Depolarisation und der Repolarisation
tiert (b Abb. 1a). Dabei entsteht ein Konzentrations- ist bei einzelnen Zellen unterschiedlich. Bei Myo-
gefälle, denn die Konzentration der K+-Ionen ist im kardfasern liegt diese Zeit bei etwa 300 ms, bei Ner-
intrazellulären Raum 20- bis 40-mal höher als im ex- ven- und Skelettmuskelfasern bei ca. 1 ms.
trazellulären Raum. Infolge dieses Konzentrations- Grundsätzlich gilt für den Zusammenhang zwischen
gefälles diffundieren K+-Ionen so lange nach außen, den elektrischen Vorgängen an Zellen und den me-
bis durch die negative Aufladung des Zellinnern ein chanischen Vorgängen der Muskelkontraktion: Der
elektrisches Feld entsteht, das der weiteren Diffu- Prozess der Kontraktion wird durch den elektrischen
sion entgegenwirkt (b Abb. 1b). Erregungsprozess ausgelöst. Bei einzelnen Organen

a) extrazellulärer c) Na+
Raum
K+ Zellmembran
(0,007… 0,008 m)

+
Na+ intrazellulärer Raum K +

b) + d)

+
K+ K+

1 Entstehung von Ruhepotenzial und Aktionspotenzial an einer Zelle

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245

wirken dabei ganze Muskelgruppen zusammen, teils


von bestimmten Zentren gesteuert. So setzt die ko-
ordinierte Herztätigkeit einen „Schrittmacher“ vor-
aus, der die Herzzyklen auslöst und steuert. Diese
Funktion hat der Sinusknoten, der sich im Vorhof
des Herzens befindet.
Zu jedem Zeitpunkt eines Herzzyklus ist aufgrund
der dabei verlaufenden elektrischen Vorgänge im
Körper eine bestimmte, zeitabhängige Potenzi-
alverteilung vorhanden. Damit existiert zwischen
zwei Punkten der Körperoberfläche eine ebenfalls
zeitabhängige Potenzialdifferenz (Spannung), die
über Elektroden abgegriffen und registriert werden
kann. Man erhält zeitveränderliche Spannungen in 1 Die Aufzeichnung des EKG eines Patienten mit
Form von Kurven, die beim Herzen als Elektrokardio- normalem Verlauf, die Kurve ist periodisch.
gramm (EKG) und beim Gehirn als Elektroenzepha-
logramm (EEG) bezeichnet werden. Der Mensch als elektrischer Leiter
Elektrischer Strom im menschlichen Körper, der
Als Abnahmepunkte werden definierte Stellen an durch äußere Spannungsquellen hervorgerufen
der Körperoberfläche verwendet. Das ist wichtig, wird, dient zum einen diagnostischen und thera-
weil der Spannungsverlauf von den Messstellen peutischen Zwecken. Zum anderen kann ein unbe-
abhängig ist. Darüber hinaus ist zu beachten, dass absichtigter Stromfluss, z. B. durch Berühren einer
zwischen Elektroden und Haut Kontaktspannungen elektrischen Quelle, überaus gefährlich und sogar
von bis zu 300 mV auftreten können, die sich mit tödlich sein. Die Wahrnehmungsschwelle liegt bei
den Aktionsspannungen überlagern. Eine Übersicht 1– 2 mA. Bei über 10 mA kommt es zu einer Ver-
über die abgreifbaren Aktionsspannungen in ver- krampfung der Muskulatur. Ströme von über 40 mA
schiedenen Körperregionen ist in der Tabelle unten können bei längerer Einwirkung tödlich sein.
gegeben.
Der Mensch ist ein Ionenleiter (Leiter 2. Ordnung).
Aus einem EKG (b Abb. 1) ist erkennbar, ob Stö- Der Körperwiderstand ist abhängig von der Span-
rungen der Herztätigkeit vorliegen oder nicht. Das nung, der Stromart, der Dauer der Einwirkung und
erste Elektrokardiogramm wurde 1887 von Waller vom Stromweg.
aufgezeichnet, das Verfahren 1903 durch einthoven Bei Gleichstrom und niederfrequentem Wechsel-
wesentlich verbessert. strom kann das in Abb. 2a dargestellte Modell ge-
nutzt werden. Aufgrund der Depolarisierung von
Aktionsspannungen Frequenz Spannung Zellgrenzflächen nimmt der Körperwiderstand mit
in Hz in mV steigender Spannung und Einwirkungsdauer ab.
Bei Wechselstrom verkleinert sich der Widerstand
Herzaktionsspan-
mit zunehmender Frequenz. Ein geeignetes Modell
nung (EKG) 0,2 … 200 0,1 … 3
dafür ist in Abb. 2b dargestellt.
Hirnaktionsspan-
nung (EEG) 0,5 … 70 0,005 … 0,1 a) b)

Aktionsspannungen
der Skelettmuskula- 10 … 1 000 0,05 … 5
tur (EMG)

Aktionsspannung
des Magens (EGG) 0,02 … 0,2 0,2 … 1

Aktionsspannung
der Gebärmutter
(EUG) 0 … 200 0,1 … 8
2 Modelle des Stromdurchgangs

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246 Elektrizitätslehre und Magnetismus

4.2.3 Elektrische Leitungsvorgänge in Gasen

Ein Gas unter Eine merkliche elektrische Leitung Zufuhr von Energie in Form von
Normbedingungen, in Gasen findet nur statt, wenn Wärme oder ionisierender Strahlung
also z. B. die Luft in durch äußere Einflüsse bewegliche
unserer Umgebung, Ladungsträger erzeugt werden.
ist ein guter Isolator. Eine erste Möglichkeit dazu ist die + – + –
– +
Ionisation des Gases. Dabei werden + –
z. B. durch Energiezufuhr in Form – +
von Wärme oder Strahlung ein-
Gasmoleküle + Ionen – Elektronen
zelne Elektronen aus den Gasmole-
külen herausgelöst. Es entstehen Elektronen und positive Gasionen als be-
wegliche Ladungsträger.
Elektronen als La- Eine zweite Möglichkeit zur Erzeugung beweglicher Ladungsträger ist die
dungsträger können Stoßionisation in Gasentladungsröhren (b Skizze). Sie kommt zustande,
in Gasen auch durch wenn freie Elektronen bei niedrigem Druck durch das elektrische Feld so
Emission (b S. 247) stark beschleunigt werden, dass sie beim Auftreffen auf Gasmoleküle von
erzeugt werden. diesen Elektronen abspalten kön-

nen. In einem lawinenartigen Pro- – +



+

zess entstehen Elektronen und po-




– +

–+
sitiv geladene Gasionen. – –

+

+

Bis zur Spannung US Untersucht man ein Gas bezüglich +


– +

erfolgt die Leitung seiner Leitfähigkeit genauer, so er-


durch die (zufällig) gibt sich ein charakteristischer Zu-
vorhandenen Elek- sammenhang zwischen der an einer Gasentladungsröhre anliegenden
tronen und Ionen. Spannung und der Stromstärke.
Bei weiterer Vergrö-
ßerung der Span- I
nung gelangen alle I = f(U) bei niedrigem Druck
Ladungsträger zu
den Elektroden, es IS
fließt ein konstanter
Sättigungsstrom.
Bei noch höherer
Spannung kommt unselbstständige Sättigungsbereich selbstständige
Gasentladung Gasentladung
es zur Ionisation
der Gasmoleküle US UG U
und damit zu einem
starken Anstieg der
Oberhalb einer bestimmten Grenzspannung UG, die vom Druck und von
Stromstärke.
der Art des Gases in der Elektronenröhre abhängt, kommt es zu selbst-
ständiger Gasentladung, die mit verschiedenen Leuchterscheinungen ver-
bunden ist. Diese unterschiedlichen
Leuchterscheinungen lassen sich
demonstrieren, wenn man an die
Elektroden einer Elektronenröhre
eine Hochspannung anlegt und den
Druck in der Röhre allmählich ver-
ringert. Man beobachtet zunächst
vor der Katode ein Glimmlicht.

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Elektrische Leitungsvorgänge 247

Es kommt infolge der Anregung von Gasmolekülen durch schnelle Elek- Genutzt werden
tronen zustande. Darüber hinaus leuchtet das Gas in einem Großteil der Gasentladungen
Röhre. Diese positive Säule, ein leuchtendes Plasma, kommt zustande, weil z. B. bei Glimmlam-
Elektronen auf ihrem Weg zur Anode immer wieder mit Gasmolekülen in pen, Leuchtröhren,
Wechselwirkung treten und diese zur Emission von Licht anregen. Leuchtstofflampen,
Quecksilberdampf-
Bei weiterer Verringerung des Drucks im Gas verschwinden die Leucht-
lampen oder Natri-
erscheinungen wegen der geringen Anzahl der dann noch vorhandenen
umdampflampen.
Gasmoleküle. Die Farbe des Lichts
Bei hinreichend hohen Spannungen können auch bei normalem Luftdruck hängt von der Art
Leitungsvorgänge stattfinden. Charakteristisch sind Spitzenentladungen des Gases und bei
(Elmsfeuer) und Funkenentladungen. Eine spezielle Funkenentladung sind Verwendung von
Blitze. Technisch überaus bedeutsam sind auch Lichtbögen. Leuchtstoffen von
diesen Stoffen ab.

4.2.4 Elektrische Leitungsvorgänge im Vakuum

Im Vakuum kann nur dann ein elektrischer Leitungsvorgang stattfinden, Die Glühemission
wenn durch äußere Einflüsse Elektronen als frei bewegliche Ladungsträ- wurde 1883 von
ger erzeugt werden und ein elektrisches Feld anliegt. Die Erzeugung von t hoMas a lva e dison
Ladungsträgern (Elektronen) kann z. B. durch den glühelektrischen oder (1847–1931) bei
lichtelektrischen Effekt erfolgen. Dabei wird in das Vakuum eine Platte aus Experimenten mit
Glühlampen ent-
Metall oder Metalloxid als Elektrode gebracht. Durch Erhitzen bzw. Be-
deckt.
strahlen mit Licht erhalten einzelne Elektronen der Elektrode so viel Ener-
gie, dass sie sich aus der Metalloberfläche lösen können. Sie stehen dann
als bewegliche Ladungsträger zur Verfügung.

Glühemission (glühelektrischer Effekt) Fotoemission (lichtelektrischer Effekt) Die Fotoemission


wurde 1888 von
Katode Anode Katode Licht Anode WilhelM hallWachs
(1859 –1922) erst-
mals beim Bestrah-
- –
– - –– – len einer Zinkplatte
– –
– – – – – mit Licht beob-

– – – – – achtet (b S. 414).
1905 konnte alBert
einstein (1879 –1955)
Heizung – + – + den lichtelektrischen
Effekt theore-
tisch begründen
(b S. 416 f.) und
Im Vakuum besteht der elektrische Strom aus Elektronen.
erhielt u. a. dafür
1921 den Nobelpreis
für Physik.
Die Leitung im Vakuum wurde vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahr-
hunderts in Elektronenröhren (Röhrendiode, Triode, Tetrode, Pentode)
Aufbau und Wir-
genutzt. Solche Elektronenröhren werden heute nur noch für spezielle kungsweise von
Zwecke verwendet. Sie sind in den meisten Anwendungsbereichen von Elektronenstrahl-
Halbleiterbauelementen verdrängt worden. röhren sind auf den
Angewendet wird die Leitung im Vakuum heute vor allem in Elektronen- Seiten 291 und 311
strahlröhren (Fernsehbildröhren, Oszillografenbildröhren, Röntgenröhren). dargestellt.

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248 Elektrizitätslehre und Magnetismus

4.2.5 Elektrische Leitungsvorgänge in Halbleitern

Die physikalischen Halbleiterbauelemente wie Thermistoren, Dioden, Transistoren oder inte-


Grundlagen für grierte Schaltkreise sind Grundelemente der meisten modernen techni-
Halbleiterbauele- schen Geräte und Anordnungen. Die breite technische Nutzung von Halb-
mente wurden in leitern begann erst nach der Entdeckung des Transistoreffekts (1948) und
der Festkörperphy- war eng verbunden mit der Entwicklung von Technologien zur Herstellung
sik erforscht, mit
von Halbleitermaterialien ab Beginn der Fünfzigerjahre des 20. Jahrhun-
dem Bereich der
derts.
technischen Umset-
zung beschäftigt
sich die Elektronik. Eigenleitung in Halbleitern
Technisch wichtige Halbleiter sind die Elemente Silicium, Germanium, Se-
len und Tellur sowie zahlreiche Verbindungen aus Elementen der III. und V.
Gruppe bzw. der II. und VI. Gruppe des Periodensystems der Elemente (z. B.
Galliumarsenid GaAs, Indiumphosphat InP).

Von reinen Halblei- Der spezifische elektrische Widerstand ρ von Halbleitern hängt stark von
tern spricht man, der Reinheit des Materials und von der Temperatur ab. Er liegt bei reinen
wenn auf mehr Stoffen im Bereich der Leitfähigkeit von Elektrolyten.
als 109 Atome ein
Fremdatom oder ein
Gitterfehler kommt.
Supraleiter

Elektrolyte

Isolatoren
Halbleiter
Metalle

2
10–15 10–10 10–5 1 105 1010 1015 ρ in Ω · mm
m

Die Beweglichkeit Der spezifische elektrische Widerstand beträgt bei 20 °C bei reinem Sili-
Ω · mm2 Ω · mm2
von Elektronen liegt cium 2 · 105 } m
und bei reinem Germanium 4 · 107 } m
.
bei Metallen (20 °C)
m2
bei 10–3 }
V·s
, bei Für Halbleiter gilt im Vergleich zu Metallen: Die Beweglichkeit der La-
Halbleitern ist sie dungsträger ist größer, die Ladungsträgerdichte aber wesentlich kleiner.
mehr als 100-mal
In einem reinen Halbleiter werden die Bindungen zwischen den Atomen
größer.
durch Elektronenpaare realisiert. Es liegt eine Atombindung vor. Bei sehr
tiefen Temperaturen sind alle Elektronen gebunden. Bei Zimmertempera-
tur können einzelne Elektronen die Bindung verlassen. Sie stehen als be-
wegliche Ladungsträger zur Verfügung.
Die Darstellung der
Anordnung von Ato- Räumliche Anordnung Darstellung der Anordnung
men kann in räum- der Siliciumatome in einer Ebene
lichen oder ebenen
Si – – – – – – – – – –
Gittermodellen oder
Si Si Si Si Si
in Packungsmodel- Si – – – – – – – – – –
len erfolgen. Für die – – – – – – – – – –
Veranschaulichung Si Si Si Si Si
von Leitungsvor- – – – – – – – – – –
Si – – – – – – – – – –
gängen sind ebene
Si Si Si Si Si
Gittermodelle Si – – – – – – – – – –
zweckmäßig.

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Elektrische Leitungsvorgänge 249

Verlässt ein Elektron seinen Platz in der Bindung, so entsteht dort eine
Fehlstelle, die als Defektelektron oder Loch bezeichnet wird. Den Vorgang
der Entstehung eines beweglichen Elektrons und eines Lochs nennt man
Paarbildung, den umgekehrten Vorgang Rekombination.

In einem reinen Halbleiter halten sich Paarbildung und Rekombination Bei einer bestimm-
die Waage. Die Leitung in einem reinen Halbleiter wird als Eigenlei- ten Temperatur ist
tung bezeichnet. Sie erfolgt durch Elektronen und Löcher. die Beweglichkeit
von Elektronen in
der Regel größer als
Eigenleitung mit Elektronen und Defektelektronen (Löchern) die von Löchern.

a) b) c)
– – – – – – – – – – – – – – – – – –
Si Si Si Si Si Si Si Si Si
– – – – – – – – – – – – – – – – – –
– – – – – – – – – – – –
+ Si Si – + – Si Si – + – Si Si –
– – – – – – – – – –
– – – – – – – – – – – – – – – – – –
Si Si Si Si Si Si Si Si Si
– – – – – – – – – – – – – – – – – –

Die Elektronen wandern nach links, die Löcher nach rechts.


Die Elektronen wandern nach links, die Löcher nach rechts.

Im Bändermodell lässt sich die Eigenlei- E Der energetische


tung folgendermaßen deuten: – Elektron L Abstand ΔE zwi-
Bei 0 K ist das Leitungsband L unbesetzt. schen Valenzband
∆E
Bereits bei Zimmertemperatur reicht die und Leitungsband
Loch V liegt bei Halbleitern
innere Energie einiger Elektronen aber
bei weniger als 3 eV.
aus, um vom Valenzband V ins Leitungs-
Ein typischer Wert
band L zu gelangen. Diese Elektronen bewegen sich unter dem Einfluss
ist 1 eV.
eines elektrischen Felds gerichtet. Im Valenzband V bleiben Löcher zurück,
die von Elektronen des Valenzbands besetzt werden können und dadurch
in der zu den Elektronen entgegengesetzten Richtung wandern.

Störstellenleitung in Halbleitern
Für die technische Nutzung spielt die Eigenleitung nur eine geringe Rolle.
Praktisch bedeutsam wurden Halbleiter erst, als es gelang, ihr Leitvermö-
gen durch den Einbau von Fremdatomen in hochreines Halbleitermaterial
gezielt zu beeinflussen.

Das Dotieren von


Der gezielte Einbau von Fremdatomen in Halbleiterkristalle wird als
Halbleitern ist
Dotieren bezeichnet. ebenso wie die Her-
stellung von hoch-
reinen Halbleitern
Zum Dotieren von Silicium nutzt man Elemente der III. Hauptgruppe (z. B. ein komplizierter
Bor, Gallium oder Indium) bzw. der V. Hauptgruppe des Periodensystems technischer Prozess.
(z. B. Phosphor, Arsen oder Bismut). Dadurch entstehen Störstellen mit Meist nutzt man
freien Elektronen bzw. Löchern. Beide tragen zum Leitungsvorgang in zum Dotieren die
Halbleitern bei. Thermodiffusion.

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250 Elektrizitätslehre und Magnetismus

n-Halbleiter p-Halbleiter

– – – – – – – – – – – –
Si Si Si + + Si Si Si – –
– – – – – – + + – – – – – – –
+ –
– – – – – – – – – – – – – –
– P Si Si Si B Si
+ Phosphor-Ion – Bor-Ion
– – – – – – – – – – – – – –
– – – – – – freies Elektron – – – – – – Defektelektron
Si Si Si Si Si Si (Loch)
– – – – – – – – – – – –

Wird ein Phosphoratom (5-wertig) in Silicium Wird in ein Siliciumkristall ein Boratom (3-wertig)
dotiert, kann ein Außenelektron des Phosphors dotiert, kann ein Außenelektron eines Silicium-
nicht gebunden werden und steht als freies atoms nicht gebunden werden. Es bleibt ein Loch,
Elektron für eine n-Leitung zur Verfügung. das für eine p-Leitung zur Verfügung steht.

n- und p-Leitung Durch Dotieren lässt sich die Leitfähigkeit von Halbleitern gezielt erhö-
wird auch als Stör- hen. Nach der Art der dann dominierenden Leitung unterscheidet man
stellenleitung be-
zwischen n-Leitung (Elektronenleitung) und p-Leitung (Löcherleitung).
zeichnet, da Grund-
lage dieser Leitung
der gezielte Einbau
Im Bändermodell lässt sich die n- und p-Leitung folgendermaßen deuten:
von Fremdatomen
(Störstellen) ist.
n-Leitung p-Leitung

E E
– – – L L

V V

Elektronen im Leitungsband Löcher im Valenzband bewirken


bewirken einen Strom von Elektronen einen Strom von Defektelektronen
von – nach +. von + nach –.

Beeinflussung des Leitungsvorganges durch Wärme und Licht


Bei speziellen Halbleitermaterialien kann die Leitfähigkeit durch Tempe-
Für fast alle Halb- raturänderung oder durch Bestrahlung mit Licht stark beeinflusst werden.
leiter gilt: Je höher Aus solchen Materialien werden Halbleiterbauelemente hergestellt, bei
die Temperatur ist, denen diese Effekte genutzt werden. Beispiele dafür sind Thermistoren
desto größer ist die und Fotowiderstände.
Leitfähigkeit. Das
resultiert daraus,
Thermistoren (abgeleitet vom englischen thermally sensitive resistor) sind
dass sich zwar mit
stark temperaturabhängige Widerstände aus halbleitenden Metalloxiden
steigender Tempe-
ratur die Beweglich- mit negativem Temperaturkoeffizienten (Heißleiter, NTC-Widerstand, ab-
keit der Ladungsträ- geleitet vom englischen negative temperature coefficient resistor) oder
ger verringert, ihre positivem Temperaturkoeffizient (Kaltleiter, PTC-Widerstand, abgeleitet
Konzentration aber vom englischen positive temperature coefficient resistor). Ihre Eigenschaf-
stärker zunimmt. ten sind in der folgenden Übersicht dargestellt.

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Elektrische Leitungsvorgänge 251

Thermistoren Fotowiderstände (LDR)

Heißleiter (NTC-Widerstand) Kaltleiter (PTC-Widerstand)

Mit steigender Temperatur θ ver- Mit steigender Temperatur θ ver- Mit zunehmender Beleuchtungs-
ringert sich der Widerstand. größert sich der Widerstand. stärke E verringert sich der
Widerstand.
I R I R I R
I R
I

R
I R
θ θ E

In der Übersicht ist jeweils die Abhängigkeit der Stromstärke I von derTemperatur θ bzw. von der
Beleuchtungsstärke E (schwarze Graphen) dargestellt. Der Widerstand ist rot eingezeichnet.

Der pn-Übergang
Dioden und Transistoren bestehen aus einer Kombination von p- und n-lei-
tenden Halbleitern. Für ihre Wirkungsweise spielt der Übergang zwischen
dem p-leitenden und dem n-leitenden Gebiet, kurz als pn-Übergang be-
zeichnet, eine entscheidende Rolle.
Im Bereich zwischen dem p-Leiter und dem n-Leiter kommt es zur Diffusion
von Elektronen in den p-Leiter und von Löchern in den n-Leiter. Es entsteht
eine Grenzschicht mit speziellen Eigenschaften.

p-Leiter pn-Übergang n-Leiter In diesem Modell


sind die großen

– – – – – + + + + + negativ bzw. positiv
– – –
– – geladenen Teilchen
– – – – – + + + + + die ortsfesten Ionen
– – – der Dotierungs-
– –
– – – – – + + stoffe. Die kleinen
– + + – + –
Teilchen sind die
E beweglichen Elek-
Q
tronen bzw. Löcher.

– x

Für diese Grenzschicht, den pn-Übergang, gilt:


– Aufgrund von Rekombination sind im pn-Übergang keine Elektronen
und Löcher vorhanden. Der pn-Übergang wirkt wie eine Sperrschicht.
– Im pn-Übergang existiert ein elektrisches Feld, dass vom n-Leiter zum
p-Leiter gerichtet ist. Aufgrund seiner Entstehung durch Diffusion wird
es als Diffusionsfeld bezeichnet. Es verhindert das weitere Eindringen
von Elektronen in den p-Leiter und von Löchern in den n-Leiter.

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252 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Die Diode
Früher nutzte man Eine Halbleiterdiode besteht aus p- und n-leitenden Halbleitern mit einem
statt Halbleiter- dazwischenliegenden pn-Übergang.
dioden spezielle
Elektronenröhren, p-Leiter pn-Übergang n-Leiter
die Röhrendioden.
– + +
Als Schaltzeichen – – +
für eine Diode wird – +

verwendet: + +

– – +

+ +

Grenzschicht
Hinweise zum Auf- – Bor-Ion
bau von Fotodioden, Defektelektron
LED und Laserdio- + Phosphor-Ion
den gibt 416 655 freies Elektron

Untersucht man experimentell die Stromstärke in Abhängigkeit von einer


außen anliegenden Spannung, dann zeigt sich:
– Liegt am p-Leiter der Pluspol der Spannungsquelle, so fließt bei geringer
Spannung zunächst kein Strom. Das Diffu-
I Durchlass-
sionsfeld (b S. 251) wirkt dem äußeren Feld
richtung
entgegen.
Die Schwellenspan- – Ab der Schwellenspannung US überwiegt Sperrrichtung
nung beträgt für das äußere Feld. Der pn-Übergang wird mit
Silicium ca. 0,7 V Ladungsträgern überschwemmt. Die Diode 0 US U
und für Germanium ist in Durchlassrichtung geschaltet.
ca. 0,35 V. – Liegt am p-Leiter der Minuspol der Spannungsquelle, so wirken Diffusi-
onsfeld und äußeres Feld in gleicher Richtung. Der an Ladungsträgern
verarmte pn-Übergang wird breiter. Die Diode ist in Sperrrichtung ge-
schaltet.

Aus dieser Eigen- Eine Diode lässt den elektrischen Strom nur in einer Richtung, der
schaft ergibt sich das Durchlassrichtung, hindurch.
Hauptanwendungs-
gebiet von Dioden:
Sie werden als Diode in Durchlassrichtung Diode in Sperrrichtung
Gleichrichter ge-
p-Leiter n-Leiter p-Leiter n-Leiter
nutzt. –
+ – – – –– +
413 315 – ––
– – – –
Sie ermöglichen pn-Übergang Grenzschicht
auch den Bau von
Konstantspannungs- + +
quellen.

+ +

+ +

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Elektrische Leitungsvorgänge 253

Der bipolare Transistor


Der bipolare Transistor ist ein Halbleiterbauelement, das aus drei unter- Der Begriff Tran-
schiedlich dotierten Schichten besteht und damit zwei pn-Übergänge be- sistor ist vom
sitzt. Man unterscheidet zwischen npn-Transistoren und pnp-Transistoren. englischen transfer
Jeder Transistor besitzt drei Anschlüsse, den Emitter E, den Kollektor C und resistor = übertra-
die Basis B. gender Widerstand
abgeleitet.
Kollektor C
Schaltzeichen von
Transistoren:
n npn-Transistor
C
B
p E

n pnp-Transistor
C
B
Basis B Emitter E E

Über die drei Anschlüsse können die Widerstände der beiden pn-Über-
gänge und damit die Stromflüsse durch den Transistor gesteuert werden.
Dazu schaltet man den Transistor so, dass zwei Stromkreise entstehen. Ver-
gleichbar ist das mit der Reihenschaltung von zwei Dioden.

Mit der Entdeckung


RC RC
C des Transistor-
Rv n Rv effekts durch die
B p V A drei US-amerika-
UCE IC nischen Physiker
n
A IB UBE V WilliaM shocKley
E (1910 –1989), Walter
houser Brattain
+ + + + (1902 –1987) und
Basisstromkreis Kollektorstromkreis vergleichbare Schaltung John Bardeen
(Steuerstromkreis) (Arbeitsstromkreis) zweier Dioden (1908 –1991) in den
Jahren 1947/48
Die Wirkungsweise eines Transistors ergibt sich aus der Schaltung und den wurde ein entschei-
Besonderheiten seines Aufbaus: dender Durchbruch
– Liegt nur eine Spannung zwischen Emitter und Kollektor an, so ist stets bei der Entwicklung
einer der beiden pn-Übergänge in Sperrrichtung geschaltet. Es fließt der Halbleiterelek-
kein Strom. tronik erzielt.
1948 wurde der
– Wird der Übergang zwischen Emitter und Basis in Durchlassrichtung
erste Transistor von
geschaltet und liegt die Spannung UBE über der Schwellenspannung
ihnen zum Patent
(b S. 252), so fließt ein Basisstrom. angemeldet. 1956
– Durch den Basisstrom wird die sehr dünne Basisschicht mit Ladungsträ- erhielten die drei
gern überschwemmt. Aufgrund der relativ großen Spannung zwischen Physiker für ihre
Emitter und Kollektor gelangt der überwiegende Teil dieser Ladungsträ- Leistungen den No-
ger (Elektronen) durch den pn-Übergang zum Kollektor und bildet den belpreis für Physik.
Kollektorstrom IC.

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254 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Der beschriebene Effekt der Steuerung des Kollektorstromes durch den Ba-
sisstrom wird als Transistoreffekt bezeichnet.

Durch Anlegen einer Basis-Emitter-Spannung wird ein bipolarer Tran-


sistor zwischen Emitter und Kollektor elektrisch leitend. Im Kollektor-
stromkreis fließt dann ein elektrischer Strom. Ein Transistor kann damit
als elektronischer Schalter genutzt werden.

Die Zusammen- Der Zusammenhang zwischen den Strömen ist aus der Skizze links und der
hänge zwischen IC-IB-Kennlinie (Steuerkennlinie) erkennbar.
den verschiede-
nen Strömen und U
IC in mA
Spannungen beim
Transistor lassen sich n 50
in einem Kennlini-
enfeld darstellen. 40
Dabei werden für P
30
einen Transistor die n 20
Zusammenhänge
zwischen den Grö- 10
ßen UBE, UCE, IB und UBE RC 0
IC erfasst. 0 0,1 0,2 IB in mA

Eine kleine Änderung der Basisstromstärke führt zu einer erheblich stär-


keren Änderung der Kollektorstromstärke. Ebenso führt eine kleine Än-
derung der Eingangsspannung UBe zu einer größeren Änderung der Span-
nung an einem äußeren Widerstand RC im Kollektorstromkreis.

Mit einem Transistor lassen sich Stromstärke, Spannung und damit auch
elektrische Leistung verstärken. Ein Transistor kann als Verstärker ge-
nutzt werden.

Die Stromverstär- Die Verstärkung wird durch Faktoren erfasst, die je nach Transistortyp in
kung liegt bei einem weiten Bereich schwanken können.
Transistoren meist
zwischen 20 und Stromverstärkung Spannungsverstärkung Leistungsverstärkung
1 000.
CΔI ΔU
C
B=}
ΔI
VU = }
ΔU
V = B ∙ VU
B BE

An einem Transistor werden folgende Werte gemessen:


(1) UBE = 0,75 V IB = 0,10 mA IC = 20 mA UCE = 6,5 V UC = 2,4 V

(2) UBE = 0,85 V IB = 0,15 mA IC = 30 mA UCE = 3,1 V UC = 5,8 V

Damit erhält man für diesen Transistor:


10 mA 3,4 V
B=}
0,05 mA
= 200 VU = }
0,1 V
= 34 V = 200 · 34 = 6 800

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Elektrische Leitungsvorgänge 255

Der Feldeffekttransistor
Der Feldeffekttransistor (FET) ist ein unipolarer Transistor. Diese Bezeich- Feldeffekttransis-
nung rührt daher, dass bei ihm beim Leitungsvorgang entweder Elektro- toren (FET) sind der
nen oder Löcher beteiligt sind, während beim Bipolartransistor Elektronen Typ von Transisto-
und Löcher eine Rolle spielen. ren, der seit etwa
Es gibt inzwischen eine Vielzahl von verschiedenen Arten von FET. Wir 1970 für integrierte
Schaltungen ver-
betrachten als Beispiel einen MOSFET (metal-oxide-semiconductor-field-
wendet wird. Die
effect-transistor).
Herstellungstechno-
logie (Planartechnik)
Die Skizze zeigt den Aufbau und die Isolierschicht ermöglicht es, auf
Schaltung eines solchen MOSFET. (SiO2)
– + kleinstem Raum
Auf einem Grundmaterial aus p-lei- UDS eine große Anzahl
tendem Silicium befinden sich zwei – + ID von Transistoren
A unterzubringen.
n-leitende Bereiche, die durch einen UGS
dünnen Kanal miteinander verbun- Metall G
Darüber hinaus er-
S D folgt die Steuerung
den sind. Oberhalb dieses Kanals
– – – – dieser Transistoren
befindet sich eine Metallelektrode. n – n

leistungsfrei.
Die drei Anschlüsse eines FET wer- p
den als Source S (Quelle, Zufluss),
Drain D (Senke, Abfluss) und Gate G Grundmaterial (p-leitendes Silicium)
(Tor) bezeichnet. Der Arbeitsstrom-
kreis wird zwischen Source S und Drain D geschaltet.

Die Wirkungsweise eines FET lässt sich folgendermaßen beschreiben:


– Liegt nur eine Spannung zwischen S und D an, dann fließt kein Strom.
– Wird an das Gate G eine positive Spannung angelegt, so entsteht ein
nach unten gerichtetes elektrisches Feld. Es bewirkt, dass Elektronen aus
dem Grundmaterial in den Kanal gelangen und sich dort die Ladungsträ-
gerdichte stark erhöht. Der Kanal wird leitend; zwischen S und D fließt
ein Strom, dessen Stärke von der Gate-Spannung abhängt.

Transistoren können als elektronische Schalter oder als Verstärker ver- Transistoren werden
wendet werden. Bei der Verwendung als Schalter wird der Transistoref- nicht nur als dis-
fekt (b S. 254) genutzt. Beim Verstärker wendet man an, dass man durch krete Bauelemente
Stromverstärkung oder Spannungsverstärkung eine Leistungsverstärkung genutzt, sondern
erreichen kann. sind Bestandteil
integrierter Schal-
IC Ausgangs- tungen. Damit ist ihr
in mA signal Anwendungsbereich
40 außerordentlich
R2 ∆ IC vielfältig.
30
Mikrofon Laut-
C 20
sprecher
B +
10

E 0
0 0,1 0,2 0,3 0,4 IB in mA

R1 ∆IB Eingangs-
signal

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256 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Ausgewählte elektronische Bauelemente im Überblick

Thermistor Fotowiderstand

NTC-
Widerstand
θ (Heißleiter)

PTC-
Widerstand
θ (Kaltleiter)
Thermistoren sind stark temperaturabhängige Fotowiderstände sind beleuchtungsabhängige
Widerstände aus halbleitenden Metalloxiden. Ihr Widerstände, z. B. aus Cadmiumsulfid, die auf ein
Widerstand vergrößert oder verkleinert sich mit Trägerplättchen aufgebracht sind. Ihr Widerstand
steigender Temperatur. verkleinert sich mit der Beleuchtungsstärke.

Gleichrichterdiode Leuchtdiode (LED)

Gleichrichterdioden sind Bauelemente mit einem Leuchtdioden, z. B. aus GaAs, werden in Durch-
pn-Übergang, die in Sperrrichtung einen großen lassrichtung betrieben. Bei der Rekombination im
und in Durchlassrichtung einen kleinen Widerstand pn-Übergang wird Energie frei, die in Form von
haben. Strahlung (Licht) abgegeben wird.

Fotodiode Fotoelement, Solarzelle

Fotodioden werden in Sperrrichtung betrieben. Solarzellen sind flächenhafte Anordnungen von


Bei Beleuchtung des pn-Übergangs mit Licht erfolgt Fotoelementen. Bei einem Fotoelement entsteht
eine Paarbildung. Die Stromstärke steigt an. bei Lichteinstrahlung zwischen p- und n-Anschluss
eine Spannung.

Bipolarer Transistor Unipolarer Transistor (Feldeffekttransistor)

npn
C
B
E
D
pnp C G S
B
E
Bipolare Transistoren sind Bauelemente, bei denen Unipolare Transistoren sind Bauelemente, bei
ein Arbeitsstromkreis durch einen Steuerstrom- denen durch ein elektrisches Feld ein Arbeitsstrom-
kreis beeinflusst wird. Sie werden als Schalter und kreis beeinflusst wird. Sie werden als Schalter und
Verstärker genutzt. Verstärker genutzt.

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Elektrische Leitungsvorgänge 257

Analoge und digitale Signalverarbeitung


In Natur und Technik ändern sich viele Größen kontinuierlich, z. B. die Tem- Allgemein ist ein
peratur der Luft oder die Helligkeit im Freien. Die Messung solcher Größen Signal eine durch
ergibt stetige Verläufe. Man spricht von analogen Signalen. Mess- oder Nach-
weisgeräte erfass-
bare Veränderung
Die Gesamtheit der Verfahren und Geräte, bei denen analoge Signale einer physikalischen
verwendet werden, bezeichnet man als Analogtechnik. Größe.

Für die Übertragung und Verarbeitung von Signalen ist es häufig günsti-
ger, mit digitalen Signalen zu arbeiten, also mit Signalen, die durch zwei
Zustände gekennzeichnet sind. Die Übertragung solcher Signale ist weni-
ger störempfindlich als die analoger Signale. Darüber hinaus ist eine einfa-
che Weiterverarbeitung mit Computern möglich.

Die Gesamtheit der Verfahren und Geräte, bei denen digitale Signale Die zwei Zustände
verwendet werden, bezeichnet man als Digitaltechnik. bei digitalen
Signalen werden
unterschiedlich be-
Analoge Signale Digitale Signale zeichnet, gemeint ist
aber inhaltlich das
sind durch kontinuierliche Änderungen sind durch zwei Zustände
Gleiche:
gekennzeichnet. gekennzeichnet.
– ein oder aus
U U – high (h) oder
low (l)
ein
– L oder O
t – 1 oder 0
aus
t

Welche Signale man jeweils erhält, ist weitgehend von den genutzten
technischen Geräten abhängig. Analoge und digitale Signale können aber
ineinander umgewandelt werden.

AD-Wandler und
Die Umwandlung analoger in digitale Signale erfolgt mithilfe von Ana- DA-Wandler sind
log-Digital-Wandlern (AD-Wandler), die von digitalen Signalen in ana- komplexe Schal-
loge durch Digital-Analog-Wandler (DA-Wandler). tungen, die sich in
unterschiedlicher
Weise realisieren
Bei vielen modernen Messgeräten werden nicht elektrische Größen in lassen.
elektrische Größen, insbesondere in Spannungs- oder Stromstärkewerte,
umgewandelt.

Bei elektrischen Thermometern bewirkt eine Temperaturänderung eine Zur Verstärkung


Änderung der Stromstärke, die ihrerseits in eine digitale Anzeige um- schwacher Signale
gesetzt wird. Helligkeitsschwankungen werden in einem Belichtungs- nutzt man häufig
messer in Spannungsschwankungen umgewandelt. Bei automatischen Operationsverstär-
Türöffnern ergibt ein Druck eine Spannungsänderung. ker (OV).

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258 Elektrizitätslehre und Magnetismus

In der Messtechnik erfolgt die Erfassung solcher Größen, wie der Tempe-
ratur, der Masse, der Geschwindigkeit, der Helligkeit, des Drucks oder der
Feuchtigkeit durch Sensoren.

Sensoren sind Bauelemente zur Messwert- und Datengewinnung, bei


denen nicht elektrische Größen in elektrische Signale umgewandelt
werden.

Sensoren sind meist mit komplexen elektronischen Schaltungen kombi-


niert, die in Abhängigkeit vom Verwendungszweck sehr unterschiedlich
aufgebaut sein können.

Bei feuchter Erde Pflanzen in Gewächshäusern brauchen für das optimale Wachstum eine
ist der Widerstand bestimmte Bodenfeuchtigkeit, die man automatisch regeln kann. Die
klein. Die Span- Skizze zeigt eine einfache Reglerschaltung.
nung sinkt unter
die Schwellenspan- Magnetventil Beregnungsanlage
nung (b S. 252). Das
Magnetventil wird
geschlossen. Beim R
Trocknen der Erde +
vergrößert sich der –
Widerstand und da-
mit auch die Basis-
Emitter-Spannung.
Mit Erreichen der
Schwellenspannung
fließt im Kollek- Elektroden
torstromkreis ein
Strom, das Magnet-
Der Widerstand zwischen den beiden Elektroden hängt von der Boden-
ventil öffnet sich.
feuchtigkeit ab. Er beeinflusst zugleich die Spannung zwischen Basis
und Emitter des Transistors.

Sensor Zu messende Größe Einflussgröße Nutzung

Thermistor (b S. 251) Temperatur Widerstand Temperaturmessung,


elektrische Thermometer

Fotowiderstand, Helligkeit Widerstand Belichtungsmesser, Schalter für


Fotodiode (b S. 251) (Beleuchtungsstärke) Straßenbeleuchtung

Dehnungsmessstreifen Kraft, Druck Widerstand Kraftmesser, Druckmesser


(DMS, b S. 74)

Bimetallstreifen Temperatur Länge Bimetallschalter

Thermoelement Temperatur Spannung Temperaturmessung,


Strahlungsmessung

Drehwiderstand Winkel Widerstand Winkelmessung

Piezokristall Druck Spannung Druckmessung

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Interessantes aus der Technik 259

Touchscreens – Bildschirme mit Gefühl

Ob Fahrkartenautomat, Pocket-PC, Organizer oder scheibe, die innen eine leitende und außen eine
Infoterminal – überall nutzt man inzwischen Sensor- kratzfeste Beschichtung hat. An die beiden leitend
bildschirme, die sogenannten Touchscreens. beschichteten Platten wird über ein Steuergerät je-
weils ein gleichmäßiger Spannungsabfall erzeugt,
und zwar bei der einen Platte in x-Richtung und
bei der anderen Platte in y-Richtung, also senkrecht
dazu. Werden bei Berührung die beiden leitenden
Schichten zusammengedrückt, so verringert sich der
Widerstand. Es wird ein minimaler Strom abgeleitet.
Durch eine Steuerungselektronik werden die Koor-
dinaten des betreffenden Punktes ermittelt. Resis-
tive Touchscreens werden vor allem bei Pocket-PCs
und PDAs (Personal Digital Assistant) verwendet.

Kapazitive Touchscreens
Eine Glasplatte wird beidseitig mit leitfähigem Ma-
terial beschichtet und bildet damit einen Kondensa-
Sie reagieren, wenn man sie mit einem Stift oder tor. Auf der äußeren Schicht wird über Elektroden
dem Finger berührt. Der erste berührungsempfindli- ein gleichmäßiges elektrisches Feld erzeugt. Beim
che Bildschirm wurde 1977 bei der US-amerikani- Berühren des Schirms mit dem Finger erhöht sich die
schen Firma Elo Touchsystems entwickelt. Anfang Kapazität, da auch der menschliche Körper als Kon-
der Achtzigerjahre begann die breitere technische densator wirkt. Es fließt ein schwacher Strom über
Nutzung. Heute werden solche Bildschirme in viel- die Elektroden. Der betreffende Punkt wird über
fältiger Weise verwendet. eine Steuerungselektronik ermittelt.
Die physikalisch-technischen Prinzipien, die man da- Kapazitive Touchscreens verwendet man vor allem
bei anwendet, sind unterschiedlich. Immer geht es bei Infoterminals oder Fahrkartenautomaten, bei
aber darum, den Punkt zu lokalisieren, an dem der denen die Bedienung durch Berühren des Schirms
Bildschirm berührt wird. mit dem Finger erfolgt.

Resistive Touchscreens Infrarot- und Ultraschall-Touchscreens


Das älteste und am weitesten verbreitete Prinzip ist An den Ecken einer unbeschichteten Glasplatte be-
das Widerstandsprinzip mit der Messgröße elektri- finden sich Signalgeber, die Infrarotstrahlung oder
scher Widerstand Ultraschall aussenden. Durch Reflexion entsteht auf
(b Abb. 1). der Glasplatte ein Muster aus stehenden Wellen
(b Abb. 2). Bei Berührung des Schirms wird ein Teil
der Wellen absorbiert. Diese Änderung wird erfasst
und durch die Steuerungselektronik werden die Ko-
ordinaten bestimmt.

Signalgeber Reflektor

1 Aufbau
eines resistiven
Touchscreens

Eine Glasplatte auf dem Bildschirm ist außen mit


leitendem Material beschichtet. Winzige Abstands-
halter aus Polyester trennen sie von einer Abdeck- 2 Prinzip eines Infrarot-Touchscreens

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260 Das Wichtigste im Überblick

Elektrische Leitungsvorgänge
Überblick

Elektrische Leitungsvorgänge können in Metallen, Flüssigkeiten, Gasen, im Vakuum und in


Halbleitern vor sich gehen. Voraussetzungen dafür sind
– das Vorhandensein von beweglichen Ladungsträgern und
– das Anliegen einer Spannung.

Medium Metalle Flüssigkeiten Gase Vakuum Halbleiter

Ladungsträger Elektronen positiv und Elektronen, Elektronen Elektronen,


(Metall- negativ gela- Ionen (Glühemission, Defekt-
bindung) dene Ionen (Ionisation, Fotoemission) elektronen
(Dissoziation) Emission) (Dotierung)

Die unterschiedliche Leitfähigkeit von Stoffen kann mit dem Bändermodell gedeutet wer-
den. Es ist ein Modell für die Energiezustände von Elektronen in einem Festkörper. Die Leit-
fähigkeit hängt von der Besetzung des Leitungsbands L mit Elektronen ab.

E E E E
L
L
∆E > 3 eV
L ∆E < 3 eV
V V V
einzelnes Atom Metall Halbleiter Nichtleiter

Besondere Bedeutung für die moderne Technik haben Halbleiterbauelemente, die in viel-
fältiger Weise genutzt werden können. Beispiele dafür sind in der nachfolgenden Übersicht
genannt.

Heißleiter (NTC-Widerstand) Kaltleiter (PTC-Widerstand) Fotowiderstand (LDR)

I R I R I R
I R I

R I R
Temperatur θ Temperatur θ Beleuchtungsstärke E

Halbleiterwiderstände mit pn-Übergängen sind Dioden und Transistoren.

Dioden Transistoren

werden als Gleichrichter und als stromrichtungs- werden als elektronische Schalter und Verstärker
abhängige Widerstände verwendet. verwendet.

C D
B G S
E

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Aufgaben 261

4. 418 174 Widerstandsthermometer


Aufgaben
Ein metallischer Widerstand kann als Messfühler für
ein Thermometer (b Abb.) genutzt werden. Der Sen-
1. 418 494 Verschiedene Modelle sor dient zur Messung der Außentemperatur.
Der elektrische Leitungsvorgang in Metallen kann
mit einem Teilchenmodell oder mit dem Bändermo-
dell beschrieben werden.
a) Charakterisieren Sie beide Modelle.
b) Beschreiben Sie den Leitungsvorgang in Metallen
mit den beiden Modellen.

2. 417 744 Unbekanntes Bauelement


Für ein elektronisches Bauelement wurde die nach-
folgend dargestellte U-I-Kennlinie aufgenommen.

I in mA
100 Zum Betrieb eines solchen Thermometers ist eine
80 elektrische Quelle erforderlich.
a) Entwerfen Sie einen Schaltplan für ein einfaches
60
elektrisches Thermometer.
40
b) Erklären Sie die Wirkungsweise eines solchen
20 Thermometers.
0 c) Als Sensor für die Temperatur kann auch ein
0 10 20 30 40 U in V Heißleiter oder ein Kaltleiter genutzt werden.
Bewerten Sie, welches Bauelement als Sensor
a) Interpretieren Sie das Diagramm. zweckmäßig ist.
b) Bestimmen Sie den elektrischen Widerstand des
Bauelements für 15 V und für 30 V. Welchen Zu- 5. 416 694 Supraleiter
sammenhang kann man daraus ableiten? Supraleiter gewinnen zunehmend an Bedeutung.
c) Kann das Bauelement ein metallischer Leiter Informieren Sie sich anhand von Lehrbüchern, Nach-
sein? Begründen Sie. schlagewerken oder des Internets über Hochtempe-
ratur-Supraleiter (HTS) und deren Anwendung.
3. 418 764 Metallfadenlampe Bereiten Sie dazu einen Vortrag vor. Gehen Sie dabei
Für eine Metallfadenlampe ergibt sich der im Dia- auf eine Anwendung genauer ein.
gramm dargestellte Zusammenhang.
6. 418 074 Leitung in Flüssigkeiten
I in mA
In Flüssigkeiten erfolgt der Leitungsvorgang durch
300 positiv oder negativ geladene Ionen.
a) Wie dissoziieren NaCl, H2SO4, HNO3, CuSO4 und
MgCl2?
200 b) Beschreiben Sie den Leitungsvorgang in einer
Flüssigkeit am Beispiel einer wässrigen Kochsalz-
lösung.
100
c) Leitungsvorgänge in Flüssigkeiten sind teils er-
wünscht und werden technisch genutzt, teils sind
sie unerwünscht. Nennen und erläutern Sie Bei-
0
0 2 4 6 U in V spiele dafür.

Interpretieren Sie das Diagramm und begründen Sie 7. 419 274 Leitende Luft
den Verlauf des Graphen. Luft ist normalerweise ein Isolator. Geben Sie Bedin-
Skizzieren Sie die Abhänigigkeit des Widerstands R gungen an, unter denen Luft leitend werden kann.
von der anliegenden Spannung U. Erläutern Sie ein Beispiel.

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262 Elektrizitätslehre und Magnetismus

8. 418 474 Energiesparlampen 12. 415 124 Gleichrichterschaltungen


In Energiesparlampen (Leuchtstofflampen) erfolgen Beschreiben Sie den Aufbau und die Wirkungsweise
Leitungsvorgänge in Gasen. a) einer Einweggleichrichterschaltung,
Bereiten Sie einen Kurzvortrag zum Aufbau und zur b) einer Zweiweggleichrichterschaltung.
Wirkungsweise einer Energiesparlampe vor. Gehen
Sie dabei auch auf Vor- und Nachteile gegenüber 13. 418 214 Eine Konstantspannungsquelle
herkömmlichen Glühlampen ein. Um eine konstante Spannung von 1,4 V zu erhalten,
wählt man die folgende Schaltung mit zwei Silicium-
9. 415 614 Metall und Halbleiter dioden:
Vergleichen Sie den elektrischen Leitungsvorgang in + –
einem Drahtwiderstand mit dem in einem Halblei- R
ter. Stellen Sie Gemeinsamkeiten und Unterschiede
zusammen.
U = konstant
10. 418 614 Heißleiter
Ein Drahtwiderstand und ein Heißleiter werden in a) Begründen Sie, weshalb der Spannungsabfall an
Reihe geschaltet. Bei konstanter Spannung werden den Dioden bei unterschiedlicher Spannung der
beide Widerstände gleichmäßig erwärmt. Spannungsquelle gleich bleibt.
U = konstant b) Welche Möglichkeiten gibt es, mit einer solchen
Schaltung andere konstante Spannungen zu er-
halten? Geben Sie ein Beispiel an.
A
14. 419 384 Automatische Steuerung
Die Skizze zeigt eine einfache Variante für eine
Drahtwiderstand Heißleiter Steuerung, so wie sie z. B. bei Rolltreppen oder Fahr-
stuhltüren verwendet wird.
a) Wie verändern sich die Werte für jeden der bei-
den Widerstände? M
Gegenstand
b) Welche Varianten können im Zusammenspiel bei- oder Person
der Widerstände beim Erwärmen auftreten? Stel- Rv B C
+
len Sie diese zusammen. –
E
11. 419 654 Schaltung mit Dioden ~
Ein Stromkreis ist nach dem abgebildeten Schaltplan
aufgebaut.
+ – Beschreiben und erklären Sie die Wirkungsweise die-
ser Schaltung.
1 I
15. 417 234 Transistor als Schalter
Ein Transistor kann als elektronischer Schalter ge-
2 II nutzt werden.
a) Erläutern Sie, wie ein Transistor als Schalter funk-
tioniert.
a) Sagen Sie voraus, welche Lampe leuchtet, wenn b) Welche Vor- bzw. Nachteile hat ein Transistor als
Schalter 1 oder Schalter 2 oder beide geschlossen Schalter gegenüber einem elektromagnetischen
werden. Relais?
Fertigen Sie dazu eine Tabelle an.
b) Was geschieht bei Umpolung der Quelle bei den 16. 418 144 Eine spezielle Sicherung
verschiedenen Schalterstellungen? Begründen Sie Schaufenster können gesichert werden, indem ein
Ihre Aussagen. dünner Aluminiumstreifen um die Scheibe geklebt
c) Bauen Sie die Schaltung auf und überprüfen Sie wird, der Bestandteil einer elektronischen Schaltung
Ihre Voraussagen. ist. In der Schaltskizze ist er rot eingezeichnet.

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Aufgaben 263

+ – und Armbanduhren, auch dann, wenn kein Licht


auf die Solarzelle fällt?

19. 419 174 Leuchtdioden


Leuchtdioden werden heute in vielfältiger Weise ge-
nutzt, z. B. bei Verkehrszeichen (b Abb.), in Taschen-
Beim Zerreißen des Drahts wird Alarm ausgelöst. Er- lampen, bei Rücklichtern von Pkws oder in Lampen
klären Sie die Wirkungsweise dieser Schaltung. für den Haushalt.

17. 414 684 Ein Mikrofonverstärker


Die Skizze zeigt den Aufbau eines einfachen Mikro-
fonverstärkers.

Laut-
R2
sprecher
Mikrofon
B C
+
E –

R1

Bereiten Sie einen Vortrag vor, indem Sie eingehen


Beschreiben Sie den Aufbau und erklären Sie die auf:
Wirkungsweise eines solchen Mikrofonverstärkers. – den Aufbau und die Wirkungsweise von Leucht-
dioden,
18. 419 354 Solarzellen – die Energieumwandlungen,
Solarzellen werden heute einerseits zur Versorgung – ausgewählte Anwendungen.
kleinerer Geräte mit elektrischer Energie genutzt. Begründen Sie, weshalb eine Leuchtdiode Licht ei-
Andererseits wird in großen Solarparks eine erhebli- ner Wellenlänge aussendet.
che Menge Elektroenergie gewonnen. Geben Sie eine Möglichkeit an, mithilfe von Leucht-
dioden weißes Licht zu erzeugen.

20. 417 044 Lichterketten


Es gibt Lichterketten, die nicht verlöschen, wenn
eine Lampe kaputt geht. Geben Sie eine Möglichkeit
an, wie man das technisch realisieren könnte.

21. 418 624 Integrierter Schaltkreis


Seit etwa 1960 begann man, Chips herzustellen.
Heute können sich auf einem Chip Millionen Bauele-
mente befinden.

a) Erkunden Sie, wie eine Solarzelle aufgebaut ist


und wie sie funktioniert. Bereiten Sie dazu einen
Kurzvortrag vor.
b) Recherchieren Sie, welchen Wirkungsgrad die
heute meist verwendeten Solarzellen haben.
c) Diskutieren Sie Vor- und Nachteile von Solarzel-
len für die kontinuierliche Versorgung mit Elek-
troenergie.
d) Warum funktionieren die meisten mit Solarzellen Bereiten Sie zum Thema „Entwicklung der Halblei-
betriebenen Geräte, z. B. Parkscheinautomaten terelektronik“ ein Referat vor.

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264 Elektrizitätslehre und Magnetismus

4.3 Elektrische Felder

4.3.1 Elektrische Ladungen

Die Bezeichnungen Alle Körper sind aus Atomen bzw. Molekülen aufgebaut. Atome wiede-
plus (+, positiv) und rum bestehen aus einer Atomhülle mit negativ geladenen Elektronen und
minus (–, negativ) einem Atomkern, der u. a. positiv geladene Protonen enthält. Ein Atom,
gehen auf den das die gleiche Anzahl von Protonen im Atomkern und Elektronen in der
amerikanischen Atomhülle besitzt, ist elektrisch neutral. Auch ein Körper, der insgesamt
Wissenschaftler und
genauso viele Protonen wie Elektronen hat, ist neutral. Durch unterschied-
Staatsmann benJamin
liche Vorgänge können Elektronen von einem Atom bzw. Körper auf ein
FranKlin (1706 –1790)
zurück.
anderes Atom oder einen anderen Körper übergehen.

Bei der Dissoziation von Kochsalz (NaCl) bilden sich Ionen.

Ein Chloratom wird durch die Ein Natriumatom wird durch die
Aufnahme eines Elektrons zu ei- Abgabe eines Elektrons zu einem
nem negativ geladenen Chlorid- positiv geladenen Natriumion.
Negativ geladene ion.
Ionen heißen Aufnahme
Anionen, positiv eines Elektrons Abgabe
geladene Ionen eines Elektrons
Kationen.

17+ 11+

Eine Ladungstrennung kann durch elektrochemische Vorgänge (b oben),


durch das Berühren oder Reiben von Körpern aneinander, durch thermo-
elektrische Vorgänge oder durch Influenz (b S. 266) erfolgen.
Die Ladungstren­
nung durch elektro- Es gibt positive und negative elektrische Ladungen. Ein elektrisch neu-
chemische Vorgänge traler Körper hat gleich viele Elektronen und Protonen. Negativ ge-
wird bei galvani- ladene Körper haben einen Elektronenüberschuss, positiv geladene
schen Elementen Körper einen Elektronenmangel.
und bei Akkumula-
toren genutzt.
elektrisch neutraler negativ geladener positiv geladener
Körper Körper (–) Körper (+)
+ + + + + +
Reibungselektrizität + + +
wird bei Bandgene-
ratoren und Influ- Ladungstrennungen und die damit verbundene elektrische Aufladung von
enzmaschinen zur Körpern treten auch in der Natur auf. So kommt es z. B. in Gewitterwolken
Ladungstrennung aufgrund von Reibungseffekten zur Ladungstrennung, die so stark sein
verwendet. kann, dass ein Ladungsausgleich in Form von Blitzen erfolgt.

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Elektrische Felder 265

Die Größe elektrische Ladung


Wie stark ein Körper elektrisch geladen ist, wird durch die physikalische Die Einheit der
Größe elektrische Ladung beschrieben. Ladung ist nach
dem französischen
Naturforscher
Die elektrische Ladung eines Körpers gibt an, wie groß sein Elektro-
Charles augustin de
nenüberschuss oder sein Elektronenmangel ist. Coulomb (1736 –1806)
Formelzeichen: Q benannt. 412 135
Einheit: ein Coulomb (1 C) Für die Einheit gilt:
1 C = 1 A·s
Jede elektrische Ladung ist ein Vielfaches der Elementarladung e:
e = 1,602 · 10–19 C. Sie kann in unterschiedlicher Weise bestimmt werden. Je nachdem, ob ein
Körper positiv oder
negativ geladen ist,
Die elektrische Ladung eines Körpers kann berechnet werden mit der
kann man dem Zah-
Gleichung:
lenwert der Ladung
Q = N·e N Anzahl der Ladungen ein positives oder ein
e Elementarladung negatives Vorzeichen
geben.

Elektrischer Strom als bewegte Ladung


Ladung wird bei Stromfluss durch A
einen Leiter oder einen Elek-
trolyten transportiert. Wie viel
Ladung durch eine Querschnitts-
fläche A hindurchtritt, hängt von – +
der Stromstärke und der Zeit des
Stromflusses ab.

Der Zusammenhang zwischen der elektrischen Ladung und der Strom-


stärke kann zur Definition der Stromstärke oder zur Bestimmung der La-
dung genutzt werden.

Die Stromstärke ist der Quotient aus der durch einen Leiterquerschnitt
hindurchtretenden elektrischen Ladung und der Zeit.
Q
I=}
t
Q elektrische Ladung
t Zeit

Durch die Glühwendel einer 100-W-Glühlampe fließt ein Strom der


Stärke 0,43 A. Damit beträgt die Ladung, die in einer Sekunde durch
eine Querschnittsfläche der Glühwendel hindurchtritt:
Q = I·t
Q = 0,43 A · 1,0 s = 0,43 C
Da ein Elektron eine Ladung von 1,602 · 10–19 C hat, heißt das: Bei einer
Stromstärke von 0,43 A bewegen sich in jeder Sekunde 2,7 · 1018 Elek-
tronen durch eine Querschnittsfläche der Glühwendel. Bei I = 1 A wä-
ren es 6,2 · 1018 Elektronen.

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266 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Eigenschaften geladener Körper


Der Betrag der Zwischen elektrisch geladenen Körpern wirken je nach der Art der Ladung
Kraft hängt von der anziehende oder abstoßende Kräfte.
Ladung der Körper
und von ihrem Ab- Gleichnamig geladene Körper Ungleichnamig geladene Körper
stand voneinander stoßen einander ab. ziehen einander an.
ab (b S. 268).

+ + + –

– –

Lässt man eine leitende Kugel zwi-


schen zwei unterschiedlich gelade-
nen Platten hin- und herpendeln, so
erfolgt allmählich ein Ladungsaus­ + –
gleich zwischen den beiden Platten.
Die Ladung wird „portionsweise“
zwischen den Platten verschoben.
Ein solcher Ladungsausgleich erfolgt
auch, wenn man die beiden Platten
mit einem Leiter verbindet.

Die Bezeichnung Bringt man einen geladenen Körper in die Nähe eines leitenden, nach au-
Influenz ist abgelei- ßen ungeladenen Körpers, so wirken zwischen den Ladungen Kräfte. Sie
tet von influere (lat.) bewirken auf dem leitenden Körper eine Ladungsverschiebung und damit
= hineinfließen. eine Ladungstrennung, die als Influenz bezeichnet wird.

In Leitern sind frei Leiter Leiter


bewegliche und
– + + –
damit verschiebbare + + + – –
– – +
Ladungsträger (Elek- + – + +
– –
+ –
– + ++ –
tronen) vorhanden. – +
+ –

Bringt man einen geladenen Körper


in die Nähe eines Isolators, so kommt Isolator –
es aufgrund der Kraftwirkungen zwi- – +
Nähert man z. B. ei- + –
schen Ladungen zu einer Ausrichtung – +
nen negativ gelade- – + + –
der gebundenen Ladungen. Es bilden + + –
nen Kunststoffstab + – + – + –
sich kleinste elektrische Dipole. Damit – + – +
Papierschnitzeln, so – + –
tritt dort dielek-
kann sich die Oberfläche eines Isola- + – +
+ –
+ –
tors z. B. positiv (b Skizze) aufladen. – +
trische Polarisation + –
auf. Die Papier- Dieser Vorgang der Ladungsverschie- – +

schnitzel werden bung bei Isolatoren wird als dielektri­
angezogen. sche Polarisation bezeichnet.

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Elektrische Felder 267

Das coulombsche Gesetz


F
Zwischen zwei elektrisch geladenen r
Körpern wirken je nach der Ladung F
Q
der Körper anziehende oder absto-
ßende Kräfte (b S. 266).
Der Betrag der Kraft hängt von der
Ladung der Körper und von ihrem Ab-
stand voneinander ab. Genauer kann
man das experimentell untersuchen. Die Abstände
Zwei kleine metallische Kugeln wer- werden so gewählt,
den mit der gleichen Ladung Q auf- dass der Kugelradius
geladen. Die Kraft, welche die Kugeln klein gegenüber
aufeinander ausüben, wird mit einem dem Abstand der
elektronischen Kraftmesser bestimmt. r Kugeln ist.

Die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Kraft F und Ladung Q bei


bestimmtem Abstand (r = 12 cm) der Kugelmittelpunkte ergibt:

Q in nC F in mN F in mN

200 24,6
20
150 14,2

100 6,0 10

50 1,7
0
25 0,38 0 50 100 150 200 Q in nC

Nach dem Verlauf des Graphen könnte man eine quadratische Abhängig- Wird F über
keit vermuten. Genauere Untersuchungen ergeben: F ~ Q1 · Q2 Q1 · Q2 = Q2 aufge-
Die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen der Kraft F und dem tragen, so erhält
Abstand der Kugelmittelpunkte r bei bestimmter Ladung der Kugeln man eine Ursprungs-
(Q = 100 nC) ergibt: gerade. Die Vermu-
tung ist demzufolge
richtig.
r in cm F in mN F in mN

10 8,9
10
15 3,9

20 2,3 5

25 1,4
0
30 0,95 0 10 20 30 40 r in cm
Wird F über } 1 auf-
r2
getragen, so erhält
Daraus könnte man eine indirekte Proportionalität vermuten. Tatsächlich man eine Ursprungs-
gilt aber für den Zusammenhang zwischen Kraft F und Radius r : gerade.
Folglich gilt:
1
F~} 1
2 F~} 2
r r

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268 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Durch die Zusammenfassung beider Proportionalitäten erhält man:


1 Q ·Q
2
F~} 2 r
Der Proportionalitätsfaktor ist der Term 1 . Dabei ist ε0 die elektri-
}
4π · ε · ε
0 r
sche Feldkonstante mit:
As
ε0 = 8,854 · 10 –12 }
Vm
Nachfolgend Der Faktor εr ist die Permittivitätszahl, eine Stoffkonstante (b S. 282). Eine
betrachten wir Zusammenfassung der Proportionalitäten unter Berücksichtigung des Pro-
nur Vorgänge in portionalitätsfaktors ergibt das coulombsche Gesetz, benannt nach seinem
Luft. Für Luft ist Entdecker, dem französischen Naturforscher Charles augustin de Coulomb
εr = 1,000 6, kann (1736 –1806).
also näherungsweise
1,00 gesetzt werden.
Unter der Bedingung näherungsweise punktförmig geladener Körper
gilt für die anziehenden oder abstoßenden Kräfte die Gleichung:
Beide Kräfte sind
gleich groß und Q1 F –F Q2
1 · 1 2 Q ·Q
F=} +
entgegengesetzt 4π · ε }2
0 r r
gerichtet (Wechsel-
wirkungsgesetz).
ε0 elektrische Feldkonstante
Q1, Q2 Ladungen der Körper
r Abstand der Mittelpunkte

Eine Punktladung Dabei ist zu beachten:


ist ein Modell, – Exakt gilt das Gesetz nur für Punktladungen. Es ist auch gut anwendbar,
analog zu einem wenn der Abstand der geladenen Körper groß gegenüber ihren Abmes-
Massepunkt in der sungen ist.
Mechanik. – Die Kraft wirkt wechselseitig, also auf jeden der Körper.
– Die Kraft wirkt immer längs der Verbindungslinie der Mittelpunkte.
– Die Richtung der Kraft wird durch die Art der Ladungen bestimmt.

Der Proportiona- Das coulombsche Gesetz weist Analogien mit dem Gravitationsgesetz auf,
litätsfaktor beim das Sie aus dem bisherigen Physikunterricht kennen.
Gravitationsgesetz
ist die Gravitations- Gravitationsgesetz Coulombsches Gesetz
konstante:
m3
G = 6,673 · 10 –11 } macht eine Aussage über die Kraft macht eine Aussage über die Kraft
2
kg · s zwischen zwei Körpern aufgrund ihrer zwischen zwei Körpern aufgrund ihrer
Masse. Ladung.

m1 m2 Q1+ Q2–
F –F F –F

r r

1 2m ·m 1 Q ·Q
2
F~} 2
F~} 2
r r

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Elektrische Felder 269

Gesetz von der Erhaltung der Ladung


Ähnlich wie für Energie, Impuls oder Masse gilt auch für die elektrische
Ladung ein Erhaltungssatz. Erhaltungssätze ma-
chen eine Aussage
über die Konstanz
In einem abgeschlossenen System bleibt die Gesamtladung erhalten:
einer physikalischen
Q = Q1 + Q2 + … + Qn = konstant Q Gesamtladung Größe in einem
Qi Teilladungen abgeschlossenen
System.

Dieses Gesetz gilt insbesondere auch für Prozesse der Ladungstrennung.


Die Gesamtladung ändert sich nur dann, wenn Ladungen aus dem betrach-
teten System hinein- oder hinausfließen, also ein elektrischer Strom über
die Systemgrenze hinweg vorhanden ist.

Nachweis und Messung von Ladung


Ein Gerät zum Nachweis elektrischer Ladung ist das Elektroskop oder das
Elektrometer. Kommt ein geladener Körper mit dem Metallstab eines Elek-
trometers in Berührung, so findet zwischen beiden ein Ladungsausgleich
statt. Metallzeiger und Metallstab laden sich dabei gleichnamig auf. Es
kommt infolge von abstoßenden Kräften zum Zeigerausschlag, unabhänig
von der Art der Ladung.

Positiv geladenes Elektrometer Negativ geladenes Elektrometer

Elektronenbewegung
Elektronenbewegung

Spitze des Metallstabs


Gehäuse
Metallstab
Metallzeiger
Skala Ein mit Skala ver-
sehenes Elektroskop
wird als Elektro­
meter bezeich-
net. Es gibt sie in
unterschiedlichen
Bei einem Elektrometer kann es
Bauformen. Die
auch infolge von Influenz zu einem
Ladungsmessung
Zeigerausschlag kommen. kann man auch
Dies kann man beobachten, wenn mithilfe einer Strom-
in die Nähe der Spitze des Me- stärkemessung oder
tallstabs ein geladener Körper eines Galvanometers
gebracht wird. Dann kommt es durchführen.
infolge Influenz zu einer Ladungs-
trennung und damit zu einem Aus-
schlag.

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270 Interessantes aus der Geschichte der Physik

Bestimmung der Elementarladung

In der Mitte des 19. Jahrhunderts fand miChael Damit könnte man die Elementarladung e bestim-
Faraday (1791–1867), dass bei der Elektrolyse zur men.
Abscheidung einer bestimmten Anzahl von Atomen Das Problem besteht allerdings in der Ermittlung der
gegebener Wertigkeit immer die gleiche Ladung Masse. Um es zu lösen, wandte milliKan folgenden
erforderlich ist. Auf dieser Grundlage versuchte der „Trick“ an: Neben der Gewichtskraft und der Feld-
britische Physiker g. J. stoney (1826 –1911) eine erste kraft wirkt auf die kleinen Tröpfchen auch die Rei-
Abschätzung der Elementarladung, konnte aber nur bungskraft FR. Die geladenen Tröpfchen bewegen
einen statistischen Mittelwert angeben. sich gleichförmig nach oben, wenn

F = FG + FR oder FR = F – FG (1)
Mit einem völlig anderen Verfahren gelang es dem
amerikanischen Physiker robert andreWs milliKan und gleichförmig nach unten, wenn
(1868 –1953), in den Jahren 1909 bis 1913 erstmals,
FR = F + FG. (2)
die Elementarladung e relativ genau zu bestimmen.
Er nutzte dazu die Tröpfchenmethode, der Versuch Nach dem stokesschen Gesetz beträgt die Reibungs-
wird heute als Millikan­Versuch bezeichnet. milliKan kraft:
erhielt für die Präzisionsmessung der Elementarla-
FR = 6π · η · r · v
dung 1923 den Nobelpreis für Physik.
Das Prinzip des Millikan-Versuchs ist in den Abbil- Dabei bedeuten η die dynamische Viskosität, r den
dungen 1 und 2 dargestellt. Radius des Öltröpfchens und v die Geschwindigkeit.
In ein senkrecht gerichtetes homogenes elektrisches Aus den Kräftegleichgewichten (1) und (2) kann
Feld werden Öltröpfchen gesprüht, die sich durch man die Geschwindigkeit beim Sinken und Steigen
Reibung aufladen. Sie werden durch ein Mikroskop ermitteln und erhält:
beobachtet (Abb. 1). Liegt kein elektrisches Feld
N·e·E + m·g N·e·E – m·g
an, sinken die Tröpfchen unterschiedlich schnell v1 = } v2 = }
6π · η · r 6π · η · r
nach unten. Nach Anlegen eines Felds sinken einige
Tröpfchen schneller, andere schweben oder steigen. Um N · e zu bestimmen, bildet man v1 + v2 und
Nach Umpolen der Spannung kehrt sich die Bewe- v1 – v2 und erhält eine Gleichung für N · e mit durch-
gungsrichtung um (Abb. 2). weg messbaren Größen bzw. Stoffkonstanten. Ge-
Bei schwebenden Tröpfchen sind die Beträge von naue Messungen ergaben:
Gewichtskraft FG und Feldkraft F gleich groß. Für
e = 1,602 176 46 · 10 –19 C
diesen Fall gilt:
U m·g·d Die Elementarladung e ist eine fundamentale Natur-
m·g = N·e·} oder e = }
N·U
d konstante.

F +
– U

FG

FG – F –
U
+

1 Kammer für die Beobachtung der geladenen 2 Je nach Richtung des Felds wirken Gewichtskraft
Öltröpfchen. Die Messung ihrer Geschwindigkeit FG und Feldkraft F in entgegengesetzter oder in
erfolgt mithilfe eines Mikroskops mit Skala. gleicher Richtung.

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Elektrische Felder 271

4.3.2 Beschreibung elektrischer Felder

Elektrische Felder spielen nicht nur in der Physik, sondern auch in Natur
und Technik eine wichtige Rolle. Wir wollen uns nachfolgend genauer mit
ihrer Beschreibung und ihren Eigenschaften beschäftigen.
Dabei betrachten wir ausschließlich Felder, die sich zeitlich nicht ändern.
Sie werden als statische elektrische Felder oder als elektrostatische Felder
bezeichnet.

Beschreibung elektrischer Felder durch Feldlinienbilder Lange Zeit war


Aus dem bisherigen Physikunter- F2 umstritten, ob

richt ist bereits bekannt: Bringt + geladene Körper
+ + aufgrund ihrer
man in die Nähe eines geladenen +
Körpers andere elektrisch geladene + + – Ladung unmittelbar
F3
aufeinander wirken
Körper (Probeladungen), so wer- F1 –
Probeladung (Fernwirkungs­
den auf diese Kräfte ausgeübt. Der
theorie) oder ob
Raum um einen geladenen Körper das elektrische Feld
Bandgenerator
befindet sich in einem besonderen eines Körpers einen
Zustand. In ihm existiert ein elek­ anderen geladenen
trisches Feld. Körper beeinflusst
(Nahwirkungs­
Ein elektrisches Feld ist der Zustand des Raums um einen elektrisch ge- theorie). 418 925
ladenen Körper, in dem auf andere elektrisch geladene Körper Kräfte
ausgeübt werden.

Da wir kein Sinnesorgan für elektrische Felder haben, sind sie nur an ihren
Wirkungen erkennbar und nachweisbar, etwa durch Kräfte auf Probela-
dungen. Die Struktur elektrischer Felder lässt sich experimentell veran-
schaulichen.

In einem Gefäß mit zwei Elektroden befindet sich Öl, auf das gleichmäßig Im elektrischen Feld
Grießkörnchen gestreut werden. Werden die Elektroden ungleichnamig bilden die Grieß-
aufgeladen, so ordnen sich die Grießkörnchen zu regelmäßigen Ketten an körnchen kleine
(b Abb. 1). Zeichnet man anstelle dieser Ketten Linien, so erhält man ein Dipole (dielektri-
Feldlinienbild des elektrischen Felds (b Abb. 2). sche Polarisation,
b S. 266).
– + – +

+

+ – + – – +

+

1 Grießkörnchen im elektrischen Feld 2 Feldlinienbild zwischen zwei un-


zwischen zwei ungleichnamig gelade- gleichnamig geladenen Elektroden und
nen Elektroden Probeladungen im Feld

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272 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Das Modell der Feld- Ein Feldlinienbild ist ein Modell für ein elektrisches Feld. Es ermöglicht
linien wurde von Aussagen über die Struktur des Felds sowie über die Richtung der Kräfte
m iChael F araday auf andere geladene Körper oder Teilchen, die sich im Feld befinden.
(1791 –1867) in die
Physik eingeführt.
Er erwarb sich große
Für das Feldlinienbild als Modell des elektrischen Felds gilt:
Verdienste um die – Feldlinien beginnen und enden an Ladungen.
Physik der Felder. – Als Richtung der Feldlinien ist die Richtung von + nach – festgelegt.
411 335 – Je größer die Anzahl der Feldlinien in einem bestimmten Gebiet des
Felds ist, desto stärker ist die dort wirkende Kraft auf einen gelade-
Die Richtung der nen Körper.
Feldlinien verläuft – Die Richtung der Feldlinien gibt die Richtung der wirkenden Kraft
vereinbarungsge-
auf einen geladenen Körper an. Dabei ist die Art der Ladung zu be-
mäß von + nach –.
rücksichtigen.

Für die zeichnerische Darstellung ist


zu beachten: Die Feldlinien treten im
elektrostatischen Gleichgewicht aus F1

Leiteroberflächen immer senkrecht ein
oder aus. Wäre das nicht der Fall (siehe F2
+ – Leiter
untere Feldlinie), dann würde eine tan-
gentiale Kraftkomponente so lange
eine Verschiebung der Ladung auf dem F3 –
Leiter hervorrufen, bis auch F3 senk-
recht zur Oberfläche wirkt.

In der Physik unterscheidet man homogene und inhomogene Felder.


Ein homogenes Feld liegt vor, wenn es an allen Stellen gleich stark ist,
wenn also die Kraft auf einen Probekörper überall gleich groß ist. Im Feld-
linienbild verlaufen die Feldlinien bei einem homogenen Feld parallel und
in gleichem Abstand voneinander.
Ein inhomogenes Feld liegt vor, wenn es von Ort zu Ort unterschiedlich
stark ist, wenn die Kraft auf einen Probekörper also an unterschiedlichen
Stellen des Felds verschieden ist.
Beispiele für homogene und inhomogene Felder sind in der Übersicht un-
ten dargestellt.

Homogenes Feld Inhomogene Felder

Feld zwischen zwei ungleich- Feld zwischen zwei geladenen Feld um eine geladene Kugel
namig geladenen Platten Kugeln (Radialfeld)

+ – + – +

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Elektrische Felder 273

Abschirmung elektrischer Felder


Elektrische Felder können mithilfe von Leitern abgeschirmt werden. Be-
reits miChael Faraday (1791–1867) wies 1836 nach, dass eine solche Ab-
schirmung nicht nur durch massive Leiter, sondern auch durch Metallgitter
und -streben erfolgt. Eine Anordnung von Leitern, durch die ein Raum von
elektrischen Feldern abgeschirmt wird, nennt man faradayschen Käfig.

Ein Beispiel für einen solchen


faradayschen Käfig ist die Ka-
rosserie eines Autos. Auch bei
einem Blitzeinschlag bleibt der Bei vielen Kabeln
Raum im Innern feldfrei. Perso- erfolgt eine Abschir­
nen sind damit geschützt. Das mung elektrischer
gilt selbst für Cabrios bei ge- Felder durch eine
schlossenem Dach. Faradaysche metallische Hülle
oder durch ein
Käfige nutzt man auch, um Ka-
Drahtgeflecht.
bel oder elektronische Geräte
vor störenden elektrischen Fel-
dern abzuschirmen.
Eine Person, die sich in einem
solchen Käfig befindet, ist auch
bei Spannungen von einigen
Hunderttausend Volt geschützt.

Die elektrische Feldstärke


Zur genaueren Kennzeichnung

elektrischer Felder kann man Be-
+
trag und Richtung der Kraft bestim-
men, die auf einen geladenen Kör-
per in diesem Feld wirkt. + – – +
Dazu könnte man z. B. den Betrag
der Kraft messen, die auf einen Pro- +

bekörper mit bestimmter Ladung
wirkt.
Experimente zeigen: Der Betrag der Kraft hängt von der Stärke des Felds
im betreffenden Punkt und von der Ladung des Probekörpers ab. Die Rich-
tung der Kraft wird durch die Feldrichtung und die Art der Ladung be-
stimmt.
Die Stärke und die Richtung des elektrischen Felds können durch die Größe
elektrische Feldstärke beschrieben werden.

Die elektrische Feldstärke in einem Punkt eines elektrischen Felds gibt Für die Einheit gilt:
an, wie groß die Kraft auf eine Ladung in diesem Punkt ist. N =1
1}
kg · m
C }
2 s ·A·s
Formelzeichen: E = V·A·s
1}
N) A·s·m
Einheit: ein Newton durch Coulomb (1 }
C V
=1}
m
ein Volt durch Meter V
(1 }
m)

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274 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Wir bezeichnen hier Die elektrische Feldstärke kann berechnet werden mit der Gleichung:
und nachfolgend
F
die felderzeugende E=}
q
F Kraft auf einen positiv geladenen Körper
Ladung mit Q, die q Ladung dieses Körpers
Ladung eines gela-
denen Körpers im
Feld (Probeladung, Bei einem homogenen elektrischen d
+ –
Probekörper) mit q. Feld ist die elektrische Feldstärke
an allen Stellen gleich groß. Sie + F
hängt bei einem elektrischen Feld q
Mit der Festlegung zwischen zwei parallel zueinander
F stehenden Platten (Plattenkonden-
E=}
q
stimmt die Richtung sator) nur vom Abstand d der Plat-
ten und der Spannung U zwischen + –
der Feldstärke in
einem Punkt mit der ihnen ab. U
Richtung der Feld-
linie durch diesen Für das homogene Feld im Innern eines Plattenkondensators kann die
Punkt überein. elektrische Feldstärke berechnet werden mit der Gleichung:
Die Kraft F, die auf U
E=} U Spannung zwischen den Platten
einen geladenen d
Körper in einem
d Abstand der Platten
Feld wirkt, wird
als Feldkraft be-
Beträgt z. B. die Spannung zwischen den Platten 100 V und der Plattenab-
zeichnet. 100 V = 1 000 V .
stand 10 cm = 0,1 m, dann ist E = }
0,1 m }
m

Zwischen zwei Kondensatorplatten mit einem Abstand von 3,2 cm liegt


eine Spannung von 1,5 kV.
Wie groß ist die Kraft auf einen Körper mit einer Ladung von 20 nC?

Analyse:
Zur Berechnung können die oben genannten Gleichungen für die elek-
trische Feldstärke genutzt werden.
Gesucht: F
Gegeben: d = 3,2 cm = 0,032 m
U = 1,5 kV = 1 500 V
q = 20 nC = 2,0 · 10 – 8 C

Lösung:
Für die Einheit gilt: U erhält man:
Aus F = q · E und E = }
d
C·V = 1 A·s·V
1} U
m }m F = q·}
d
= Ws
1}
m
F = 2,0 · 10 – 8 C · }
1 500 V
0,032 m
= Nm
1} =1N
m
F = 9,4 · 10 – 4 N

Ergebnis:
Auf den geladenen Körper wirkt im Feld eine Kraft von 9,4 · 10 – 4 N.

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Elektrische Felder 275

Arbeit im elektrischen Feld, Potenzial und Potenzialdifferenz


In einem homogenen Feld ist die elektrische Feldstärke an allen Stellen
gleich groß. Damit ist auch die Feldkraft F = E · q auf einen Körper mit be-
stimmter Ladung überall konstant.

Bewegt man einen elektrisch geladenen Körper unter Kraftaufwendung Das Bewegen eines
in einem elektrischen Feld, so wird an dem geladenen Körper Arbeit ver- geladenen Körpers
richtet. im elektrischen Feld
ist vergleichbar mit
Heben eines Körpers Bewegen einer Ladung dem Heben eines
im Gravitationsfeld im elektrischen Feld Körpers im Gravita-
tionsfeld. In beiden
–FG –Fq
Fällen wird Arbeit
Weg s q+ im Feld verrichtet.
m
FG Fq

Diese Arbeit kann in einfacher Weise berechnet werden, da die Kraft kon-
stant ist und in Richtung des Wegs wirkt. Unter diesen Bedingungen gilt
für die verrichtete Arbeit: W = F · s
Mit der Feldkraft F = E · q und dem Weg s erhält man:

Bei der Bewegung eines geladenen Körpers oder Teilchens in Richtung


der Feldlinien beträgt die im homogenen elektrischen Feld oder vom
homogenen elektrischen Feld verrichtete Arbeit:
W = q·E·s q Ladung des Körpers Achtung! E ist das
E konstante Feldstärke Kurzzeichen für die
s Weg parallel zu den Feldlinien Feldstärke und für
die Energie
Auch für Bewegungen geladener Körper im elektrischen Feld gilt der all- (b unten).
gemeine Zusammenhang zwischen Arbeit W und Energieänderung ∆E:

Die von einem Körper oder an einem Körper verrichtete Arbeit ist Es muss zwischen
gleich der Änderung seiner Energie: der Energie eines
geladenen Körpers
W = ∆Epot = q · E · s oder Teilchens im
elektrischen Feld
und der Energie des
Ähnlich wie bei der potenziellen + Felds selbst (Feld-
Energie (Höhenenergie) in der Me-
P Energie energie) unterschie-
chanik wird bei der Energie eines E>0 den werden.
Körpers bzw. Teilchens im elektri- Wir betrachten hier
schen Feld ein Nullniveau verein- die Energie eines
bart. Das sei ein beliebiger Punkt P0 + Energie Körpers im Feld.
– E=0
der negativ geladenen Platte. Be- P0 Informationen zur
wegt man einen positiv geladenen Feldenergie sind auf
Körper von P0 nach P, so vergrößert sich seine Energie um die verrichtete den Seiten 282 – 283
mechanische Arbeit. zu finden.

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276 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Es gilt also: ∆Epot = q · E · s und mit EP0 = 0


Epot = q · E · s

In Analogie zur Mechanik wird diese Energie als potenzielle Energie eines
geladenen Körpers im homogenen elektrischen Feld bezeichnet.
Um jeden Punkt eines beliebigen elektrischen Felds unabhängig von der
jeweils im Feld befindlichen Ladung kennzeichnen zu können, wird der
Begriff Potenzial eingeführt.

Unter dem elektrischen Potenzial φ eines Punkts in einem elektrischen


Für die Einheiten Feld versteht man den Quotienten aus der potenziellen Energie des
gilt: Körpers im Feld und der Ladung dieses Körpers.
J = 1 V·A·s
1} }
C A·s Formelzeichen: φ
=1V Einheit: ein Joule durch Coulomb (1 }CJ )
Linien oder Flächen In einem homogenen elektrischen Feld beträgt demzufolge das Potenzial
gleichen Potenzials in einem Punkt P:
nennt man Äqui­ q·E·s
potenziallinien φ=}
q bzw.
oder Äquipotenzial­ P P0
flächen. Sie stehen φ = E · s,
U
stets senkrecht zu
wenn man im Ausgangspunkt das + q
den Feldlinien. Sie
sind grün einge-
Potenzial P0 mit null annimmt. s
Das Potenzial in einem beliebigen + –
zeichnet.
Punkt P hängt damit nur vom Ort
und von der elektrischen Feldstärke
ab. Es ist unabhängig von der La-
dung, die sich im Feld befindet. Äquipotenziallinien

Damit ist das Potenzial gut geeignet, eine längst bekannte Größe – die
elektrische Spannung – in anderer Weise als bisher bekannt zu definieren.
Schon die Übereinstimmung der Einheiten zeigt, dass zwischen Potenzial
und Spannung ein enger Zusammenhang besteht. Aus der Gleichung für
Die Spannung ist die elektrische Arbeit W = U · I · t folgt mit I · t = q:
also gleich dem W = U·q oder
Quotienten aus der
W
U=} (1)
an einer Ladung q
q verrichteten
Mit W = q · E · s erhält man aus (1):
Arbeit W und dieser
q·E·s
Ladung. q = E·s
U=} (2)

Allgemein kann man für zwei beliebige Punkte im Feld formulieren:


Die Potenzialdiffe-
renz (Spannung) ist Die elektrische Spannung zwischen zwei Punkten eines elektrischen
unabhängig davon, Felds ist gleich der Potenzialdifferenz zwischen ihnen.
welcher Punkt als U = ∆φ = φ2 – φ1 φ1 Potenzial im Punkt 1
Nullpotenzial ge- φ2 Potenzial im Punkt 2
wählt wird.

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Interessantes aus der Technik 277

Die Xerografie

Die Xerografie ist ein Verfahren, das heute bei al- das Papier durch eine Fixiereinheit geführt, in
len gängigen Kopiergeräten und bei Laserdruckern der die Tonerpartikel schmelzen und sich da-
genutzt wird. Die Bezeichnung ist aus dem Griechi- durch fest mit dem Papier verbinden.
schen abgeleitet und kann mit „trocken schreiben“
übersetzt werden. e) Nachdem die Tonerpartikel auf das Papier über-
tragen wurden, muss die Trommel vollständig
Das Verfahren wurde von C. F. Carlson (1906 –1968) entladen und von Tonerpartikeln gereinigt wer-
entwickelt und 1937 zum Patent angemeldet. Die den. Das geschieht durch eine stabförmige Licht-
ersten kommerziellen Kopierer wurden 1949 auf quelle (Entladelampe). Tonerrückstände werden
den Markt gebracht. über einen Abstreifer entfernt, in einem einge-
bauten Behälter gesammelt und entsorgt.
Wir betrachten als Beispiel einen Laserdrucker bzw.
einen digitalen Kopierer. Sein Kernelement ist eine a) Draht für Sprühentladung
elektrostatische
metallische Trommel, die außen mit einer lichtemp- Aufladung – – –– lichtempfindliche
– Halbleiterschicht
findlichen Schicht aus organischen Halbleitern ver-
––––––
5 kV ++++++ – – –
sehen ist (b Abb. 1a). Alle übrigen in den Skizzen ++ –
++
dargestellten Bauteile sind rings um die Trommel
angeordnet.
Aluminiumtrommel

Die Skizzen zeigen die zeitliche Abfolge des Drucks b) Belichtung


bzw. des Kopiervorgangs.
a) Mit einer Spannung von etwa 5 000 V wird über
––– ––––
Sprühelektroden die Halbleiterschicht gleichmä- –– +++ –
– ++++ –– +
ßig negativ aufgeladen. ++ –
++ +
+

b) Die lichtempfindliche Schicht auf der Walze wird


belichtet. Dazu wird bei einem digitalen Kopie-
c) Tonerteilchen
rer das reflektierte Licht ähnlich wie bei einem
Scanner aufgenommen und in ein digitalisiertes
Druckbild umgewandelt. Dieses digitalisierte ––– ––––
Druckbild wird mit einem Laser über ein elek-
–– +++ –
++ –– ++++ –– +
tronisch gesteuertes Spiegelsystem auf die licht- ++ + +
empfindliche Halbleiterschicht „geschrieben“.
Die Stellen, die von Licht getroffen werden, ent-
d) +++ Papier
laden sich. In den dunklen Bereichen bleibt die ++++
+++++
++++++ + +
Ladung erhalten. ++++ + +
+
+++
++
––– –––– +
c) Die Trommel läuft nun an einer Tonerkartusche
–– +++ –
++ –
– ++++ ––
vorbei. Dabei werden die Tonerpartikel (Durch- ++ + +
+
messer 3 –15 m) möglichst gleichmäßig an die
Walze herangebracht. Die negativ geladenen To-
nerpartikel werden von den negativ geladenen e) Abstreifer
Entladelampe
Bereichen abgestoßen und setzen sich an den
nicht geladenen Bereichen ab.
––––

++++ –– +
d) Nun muss das Tonerbild von der Trommel auf ++
Papier oder Folie übertragen werden. Dazu wird
das Papier über eine andere Trommel geführt,
die positiv geladen ist. Die Tonerpartikel gehen 1 Funktionsprinzip eines Laserdruckers bzw. eines
dadurch auf das Papier über. Anschließend wird digitalen Kopierers

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278 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Elektrische Feldstärke von Punktladungen


Bringt man einen elektrischen Leiter in ein elektrisches Feld, so erfolgt In-
fluenz (b S. 266). Sie ist umso stärker, je stärker das Feld ist.

Den Zusammenhang zwischen der Feld-


stärke und der durch Influenz hervorge-
A
rufenen Ladung kann man folgender-
maßen untersuchen: Zwei ungeladene + –
metallische Blättchen der Fläche A
werden aneinanderliegend in ein elek-
trisches Feld gebracht. Dort werden sie
voneinander getrennt und anschlie-
ßend wird ihre Ladung gemessen.

Genaue Untersuchungen in unterschiedlichen Feldern zeigen:

Die auf einer bestimmten Fläche A durch Influenz hervorgerufene La-


dung Q ist proportional zur elektrischen Feldstärke.

In der Literatur Damit hat man eine weitere Möglichkeit zur Kennzeichnung der Stärke
findet man für Q
eines elektrischen Felds durch die Größe }
A
.
Q
die Größe } A
die
Bezeichnungen Die Beziehung kann man zugleich nutzen, um die elektrische Feldstärke
Flächenladungs­ zu messen. Darüber hinaus lässt sich damit die Feldstärke eines Radialfelds
dichte, elektrische
ermitteln. Dazu werden um eine kleine geladene Kugel mit der Ladung Q
Verschiebungsdichte
zwei große Halbkugelschalen mit dem Radius r gelegt. Die durch Influenz
oder elektrische
Flussdichte in Analo-
auf den Halbkugelschalen hervorgerufene Ladung ist genauso groß wie
gie zu einer entspre- die Ladung der kleinen Kugel.
chenden Größe zur Dann gilt für die Flächenladungsdichte:
Charakterisierung Q Q
}
A
= }2
des magnetischen 4π · r +
Q

Felds. Mit } ~ E erhält man:
A
–+

+–

Q
E~} 2
4π · r
Q
+

+

Als Proportiona- Verkleinert man den Radius der kleinen


litätsfaktor ergibt Kugel, geht man also zur Punktladung
+–

–+

sich }1
ε0 . über, so ändert das nichts am Sachver-

+
halt. Durch Einbeziehung eines Propor- A = 4π · r 2
tionalitätsfaktor erhält man als Ergebnis:

Für die elektrische Feldstärke eines Radialfelds gilt die Gleichung:


Wir betrachten auch 1 ·Q
E=}
4π · ε }2
Q Ladung der Punktladung
hier Luft als um- 0 r
gebendes Medium r Abstand von der Punktladung
(εr = 1,00). ε0 elektrische Feldkonstante

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Elektrische Felder 279

Befindet sich in einem Radialfeld mit der felderzeugenden Ladung Q1 ein


geladener Körper mit der Ladung Q2, dann beträgt die Feldkraft auf die-
sen geladenen Körper:

F = E · Q2 oder mit der Gleichung für die Feldstärke


1 · 1 2 Q ·Q
F=}
4π · ε }2
0 r

Das ist das auf Seite 268 genannte coulombsche Gesetz.

Überlagerung von elektrischen Feldern


Beim Feld einer geladenen Kugel Wählt man im
oder einer Punktladung verlaufen Radialfeld als
die Feldlinien radialsymmetrisch. Nullpotenzial einen
Die Feldstärke nimmt mit der Ent- Punkt im Unendli-
fernung von der geladenen Kugel chen, dann beträgt
das Potenzial im
ab, im Feldlinienbild erkennbar an
Abstand r von einer
der Vergrößerung des Abstands der +
Ladung Q:
Feldlinien.
1 Q
Bereiche gleichen Potenzials liegen φ=} ·}
4π · ε r
0
auf Kugelflächen um den Mittel-
punkt der felderzeugenden Kugel.
Die Äquipotenzialflächen sind die
Oberflächen von Kugeln, in der
ebenen Darstellung Kreise (grün).
Häufig ist nicht nur ein geladener Körper vorhanden, sondern mehrere.
Dann gilt:

Ein von mehreren Ladungen erzeugtes resultierendes Feld lässt sich In jedem Punkt des
durch Überlagerung der Felder der einzelnen Ladungen konstruieren. Felds ist die Feld-
kraft tangential zu
der entsprechenden
Betrachten wir als Beispiel zwei Punktladungen, die unterschiedlich gela- Feldlinie gerichtet.
den sind. Jede einzelne Punktladung besitzt ein eigenes radialsymmetri-
sches Feld. Die betreffenden Feldlinien sind grau eingezeichnet. Die Rich-
tung der Feldlinien ist aufgrund
ihrer Ladung unterschiedlich.
An jeder Stelle addieren sich nun
die einzelnen Feldstärken vektori-
ell zur Gesamtfeldstärke. Das ist für
einige ausgewählte Punkte grün
eingezeichnet.
+ –
Daraus ergibt sich insgesamt das
Feldlinienbild für das resultierende
Feld (rot eingezeichnet). Für einen
geladenen Körper gilt: Die resultie-
rende Kraft auf ihn ist die Vektor-
summe der einzelnen Feldkräfte.

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280 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Feldstärke und Potenzialverlauf


Der Verlauf der Feldstärke und der Potenzialverlauf sehen bei einer klei-
nen geladenen Kugel ganz ähnlich aus.

Das Potenzial φ wird Verlauf der Feldstärke E im Verlauf des Potenzials φ im


auf einen unendlich radialsymmetrischen Feld radialsymmetrischen Feld
weit entfernten
E φ
Punkt bezogen.

1
E~}2 φ ~ }1r
r

+ r + r

Die Feldstärke nimmt mit } 1


ab. Das Potenzial nimmt mit }1r ab.
r2
An der Oberfläche der Kugel ist die An der Oberfläche der Kugel ist das
Feldstärke maximal. Das Innere der Potenzial maximal.
Kugel ist feldfrei (E = 0).

In dem Radialfeld einer Punktladung haben alle Punkte auf der Oberflä-
che einer Kugel mit der Punktladung im Mittelpunkt das gleiche Potenzial.
Flächen gleichen Potenzials sind Äquipotenzialflächen. Die Feldlinien und
damit der Feldstärkevektor verlaufen senkrecht dazu. Das lässt sich in ver-
Die felderzeugende schiedener Weise darstellen, wie die nachfolgenden Skizzen zeigen.
Ladung befindet
sich in der Mitte. Räumliche φ In der Draufsicht erhält man das
Die Äquipoten- Darstellung folgende Bild:
ziallinien sind grün des Potenzial-
eingezeichnet, die verlaufs
Feldlinien schwarz.
y

Der Verlauf von Der Zusammenhang zwischen dem


Feldlinien und von Verlauf der Feldlinien und dem
Äquipotenzialli- der Äquipotenziallinien kann ge-
nien lässt sich mit nutzt werden, um den prinzipiel-
Computersimula- len Potenzialverlauf in beliebigen + –
tionen darstellen
Feldern zu erkennen. Rechts ist das
(b Aufg. 7, S. 294).
am Beispiel des Felds zwischen zwei
ungleichnamig geladenen Kugeln
dargestellt.

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Elektrische Felder 281

4.3.3 Kondensator als Ladungs­ und Energiespeicher

Ein Kondensator ist ein Bauelement zur Speicherung elektrischer Ladung Abgeleitet ist der
bzw. elektrischer Energie. Er besteht aus zwei leitenden Schichten, die Begriff Kondensator
durch einen Isolator, Dielektrikum genannt, voneinander getrennt sind. von condensare, lat.
Die einfachste Bauform ist ein Plattenkondensator. = verdichten.
Weitere Bauformen
von Kondensatoren
sind Wickelkonden-
satoren, Keramik-
kondensatoren,
Drehkondensatoren
und Elektrolytkon-
+ – densatoren.

Plattenkondensator mit elektrisches Feld eines Schaltzeichen eines


Luft als Dielektrikum Plattenkondensators Kondensators

Wird ein Kondensator an eine Gleichspannungsquelle angeschlossen, so


fließt ein Ladestrom, beim Entladen ein Entladestrom.

Schaltung Verlauf der Spannung Verlauf der Stromstärke

U I
Entladen Laden Entladen

+ V

t
Laden
t

Die Speicherfähigkeit eines Kondensators für elektrische Ladung wird


durch die physikalische Größe Kapazität angegeben.

Abgeleitet ist der


Die Kapazität eines Kondensators gibt an, wie viel elektrische Ladung Begriff Kapazität
der Kondensator bei einer Spannung von 1 V speichern kann. von capacitas, lat. =
Aufnahmefähigkeit,
Formelzeichen: C
Fassungsvermögen.
Einheiten: 1 Farad (1 F)
1 Coulomb durch Volt ( }VC )
1
Die Einheit 1 F ist
Sie kann berechnet werden mit der Gleichung: nach dem engli-
schen Naturforscher
Q
C=}
U
Q elektrische Ladung miChael Faraday
U elektrische Spannung (1791 –1867) be-
nannt.
Für die Einheiten
Bei einem Plattenkondensator ist die Kapazität umso größer, je größer die gilt:
Flächen der Platten und je kleiner der Abstand zwischen ihnen ist. 1F=1} C = A·s
V } V

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282 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Die Permittivi­ Die Kapazität eines Plattenkondensators kann berechnet werden mit
tätszahl, auch der Gleichung:
Dielektrizitätszahl
A
genannt, ist eine C = ε0 · εr · }
d
A Fläche einer Platte
Stoffkonstante, die d Abstand der Platten
die Beeinflussung ε0 elektrische Feldkonstante (ε0 = 8,854 · 10–12 }
As )
Vm
der Kapazität durch εr Permittivitätszahl
das Dielektrikum
angibt.
Für die Schaltung von Kondensatoren gelten folgende Gesetze:
Für Luft gilt:
εr = 1,00 Parallelschaltung Reihenschaltung
Bei Verwendung von
U U
speziellen kerami-
schen Werkstoffen C1
kann sich die Spei-
cherfähigkeit bei C2 C1 C2
gleicher Plattenflä-
che und gleichem
Abstand um den C = C1 + C2 + … + Cn 1 = 1 + 1 +…+ 1
}
C } C
1
}
C 2
}
C n
Faktor 10 … 10 000
erhöhen. U = U1 = U2 = … = Un U = U1 + U2 + … + Un

Q = Q1 + Q2 + … + Qn Q = Q1 = Q2 = … = Qn

Das Aufladen eines Kondensators bedeutet das Aufbauen eines elek-


trischen Felds zwischen seinen Platten. Dazu ist Energie erforderlich, die
dann nach dem Energieerhaltungssatz im elektrischen Feld gespeichert ist.
Allgemein gilt:

Ein elektrisches Feld besitzt Energie. Diese Energie bezeichnet man als
Feldenergie.

Wie viel Energie z. B. im Feld eines geladenen Kondensators gespeichert


ist, hängt von seiner Kapazität und der Ladespannung ab.
Im Q-U-Diagramm
U
ist die Fläche unter ∆Ei
dem Graphen gleich Ui
der beim Aufla-
den verrichteten
Arbeit und damit
auch gleich der im
Feld gespeicherten ∆Q Q
Energie.
Beim Aufladen wird Ladung zu den Platten transportiert. Dazu ist Arbeit
erforderlich. Für ein Ladungselement ∆Q ist diese Arbeit:
Wi = ∆Q · Ui
Die Gesamtarbeit ergibt sich aus der Summe aller Teilarbeiten.

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Elektrische Felder 283

Für den dargestellten speziellen Fall ergibt sich:

W = }12 Q · U und mit Q = C·U

W = }12 C · U 2
Da die verrichtete Arbeit gleich der Energieänderung ist, gilt:

Die in einem Kondensator gespeicherte Feldenergie kann berechnet


werden mit den Gleichungen:

E = }12 Q · U Q Ladung des Kondensators


E= }12 C · U 2
U Spannung am Kondensator
C Kapazität des Kondensators

Bei Blitzgeräten von Fotoapparaten werden Kondensatoren als Ener-


giespeicher genutzt. Als Energiequelle dienen die eingesetzten Batte-
rien oder Akkumulatoren.
a) Wie groß ist die im Kondensator gespeicherte und beim Auslösen
des Blitzes frei werdende Energie, wenn der eingebaute Kondensa-
tor eine Kapazität von 100 µF hat und die Ladespannung 350 V be-
trägt?
b) Warum kann ein zweiter Blitz erst nach einer bestimmten Zeit aus-
gelöst werden?

Analyse:
a) Die im Kondensator gespeicherte Energie
kann aus Kapazität und Ladespannung
berechnet werden.

Gesucht: E
Gegeben: C = 100 µF = 10 – 4 F
U = 350 V Für die Einheiten
Lösung: gilt:
E = }12 C · U 2 1 F·V2 = 1 }
C ·V2
V

E = }12 · 10 – 4 F · (350 V)2 = 1 A·s·V


=1J
E = 6,1 J
Die im Kondensator
Ergebnis: gespeicherte Ener-
Im Kondensator des Blitzgeräts ist eine Energie von 6,1 J gespeichert. gie wird bei einem
Blitzgerät in sehr
b) Unmittelbar nach dem Zündvorgang ist der Kondensator entladen. kurzer Zeit freige-
Die Feldenergie ist null. Für den erneuten Aufladevorgang ist eine setzt. Nimmt man
bestimmte Zeit erforderlich, die von der Kapazität des Kondensa- als Entladezeit beim
tors und vom ohmschen Widerstand im Stromkreis abhängig ist. Erst Blitzen 1 ms an, so
beträgt die Leistung:
nach vollständigem Aufladen des Kondensators ist das Blitzgerät
6,1 J
wieder betriebsbereit. P=}
1 ms
= 6100 W

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284 Interessantes aus der Natur

Blitz und Donner – luftelektrische Erscheinungen

Mit Blitz und Donner kündigt sich ein Gewitter an.


Während eines Gewitters können Dutzende von
Blitzen auftreten. Nach langjährigen Untersuchun-
gen sind auf der Erde im Mittel 200 Gewitter aktiv.
Weltweit werden 70 –100 Blitze in jeder Sekunde
registriert. Dabei können Stromstärken von einigen
10 000 A auftreten. Der Durchmesser eines Blitzka-
nals beträgt meist 10 –20 cm, die Länge eines Blitzes
2 –3 km und die Dauer weniger als eine Sekunde.

Was bewirken Blitze?


Die einfachste und für uns naheliegende Antwort
wäre: Sie können erhebliche Schäden verursachen,
zu Bränden führen und sogar den Tod von Men-
schen und Tieren herbeiführen. Allein in Deutsch-
land rechnet man pro Jahr mit mindestens 10 Toten
durch Blitze, weltweit mit über 1 000.

1. Erkunden Sie unter Nutzung des Internets, wo 2 Blitze können erhebliche Schäden anrichten.
erhebliche Schäden durch Blitze aufgetreten
sind und was Blitze dabei bewirkt haben. Luft nahe dem Erdboden ist ein schlechter Leiter. Je
höher man sich aber begibt, umso besser leitet die
2. Leichtsinn und Unkenntnis führen immer wieder Luft den elektrischen Strom. In Höhen über 70 km
zu vermeidbaren Schäden. Erkunden Sie, wie kann man die Luft als guten Leiter betrachten. Man
man sich bei einem heranziehenden Gewitter nennt diese Luftschicht Ionosphäre. Verglichen mit
verhalten sollte. der Luft nahe dem Erdboden ist auch die Erdober-
Stellen Sie einen Katalog von Verhaltensregeln fläche ein relativ guter Leiter.
zusammen und begründen Sie die einzelnen Re- Wir haben also einen riesigen Leiter in großer Höhe
geln physikalisch. und einen zweiten riesigen Leiter, die Erdoberfläche
(Abb. 1). Zwischen diesen beiden Leitern existiert
Blitze sind allerdings auch entscheidend dafür ver- ständig eine Spannung von etwa 300 kV. Da die Luft
antwortlich, dass das elektrische Feld der Erde erhal- dazwischen ein schlechter Leiter ist, fließt trotz der
ten bleibt. Um das zu verstehen, muss man einige hohen Spannung bei schönem Wetter je Quadratme-
elektrische Erscheinungen in der Atmosphäre ken- ter nur ein sehr kleiner Strom. Wenn man die Strom-
nen. Darüber hinaus ist zu beachten, dass der Erdbo- stärke aber über die gesamten 500 Mio. Quadrat-
den elektrischen Strom leitet. kilometer der Erdoberfläche aufaddiert, erhält man

re mit dem Potenzial 30 re mit dem Potenzial 3


Ionosphä 0 kV Ionosphä 00 kV

Gewitter- + 10 000 kV
Schönwetterstrom 1 500 A wolke Schönwetter-
strom
– 10 000 kV

Erde mit dem Potenzial 0 V Erde mit dem Potenzial 0 V

1 Zwischen Erdoberfläche und Ionosphäre besteht 3 Gewitter wirken wie eine elektrische „Pumpe“
eine Spannung von etwa 300 000 V. und halten den globalen Stromfluss aufrecht.

Achtung: bei Vergrößerung Erde wieder „rund“ machen! Achtung: bei Vergrößerung Erde wieder „rund“ machen!

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285

immerhin einen ständig fließenden Strom der Stärke


1 500 A von der Ionosphäre zum Erdboden (b S. 284, 14 km Eiskristalle
Abb. 1). Er wird als Schönwetterstrom bezeichnet
und würde dazu führen, dass die Spannung inner-
12 km
halb kurzer Zeit zusammenbrechen würde, wenn
nicht „Pumpen“ ständig elektrische Ladung vom
Boden in die Ionosphäre transportieren würden. Die 10 km – 40°C
Rolle dieser „Pumpen“ übernehmen Gewitterwol-
ken (b S. 284, Abb. 3). Von der Oberseite von Gewit-
8 km + + + ++ +
terwolken fließt ein Strom in Richtung Ionosphäre. +
+ ++ ++
+
Von der Erde zum unteren Teil der Wolke, wo die + + + + ++ + +
Luft schlecht leitet, fließt die Ladung in gewaltigen 6 km – – – – – – – 10°C

Blitzen. Insgesamt fließt durch die etwa 100 Blitze –
– – – – – – – –

je Sekunde im Durchschnitt ein Strom von 1 500 A – –– – –– – – –
– – –
nach oben. Was also mit dem Schönwetterstrom an 4 km – – – – – – 0°C
– – + +
Ladung nach unten fließt, wird durch die Gewitter – + +
nach oben gepumpt. 2 km + 10°C

Wie entsteht ein Gewitter?


Gewitter mit Blitz und Donner entstehen dann, Erdoberfläche
wenn durch starke Luftströmungen Wolken gegen- 1 Aufbau einer Gewitterwolke
über der Erde oder anderen Wolken so stark aufge-
laden sind, dass die Bedingungen für eine elektri- Das elektrische Feld der Erde
sche Entladung gegeben sind. Die Erdoberfläche ist gegenüber dem sie umgeben-
Der Mechanismus der Ladungstrennung ist bisher den Raum negativ geladen. Ihre Ladung beträgt
nicht in allen Einzelheiten geklärt. Ein Erklärungsan- etwa 6 · 105 C. Im flachen Gelände ohne Bauwerke
satz ist folgender (Abb. 1): und Bäume ist das elektrische Feld nahezu radial-
In Gewitterwolken befinden sich Wassertröpfchen symmetrisch. Die Feldstärke in der Nähe des Erd-
unterschiedlicher Größe, Eispartikel und Hagelkör- V
bodens beträgt im langjährigen Mittel etwa 130 }
m,
ner, die durch starke Luftströmungen transportiert kann aber in weiten Grenzen schwanken.
werden. Ein Teil der aufgestiegenen Hagelkörner
bzw. Wassertropfen fällt wieder herab, weil sie zu Durch Menschen, Bäume, Häuser oder Berge wird
schwer sind. Durch das schnelle Aufsteigen von Luft das elektrische Feld der Erde beeinflusst. Aufgrund
mit kleinen Wassertropfen und Eiskristallen kommt von Influenzladungen bilden die Oberflächen dieser
es infolge Reibung zu Ladungstrennungen. Damit Körper jeweils eine Äquipotenzialfläche. Dadurch
entstehen in Gewitterwolken Bereiche, die unter- wird das elektrische Feld der Erde, wie es Abb. 2
schiedlich geladen sind (Abb. 1). Wenn die Ladungs- zeigt, „deformiert“. Es ist also z. B. im Bereich von
unterschiede groß genug sind, kommt es durch ei- Baumkronen besonders stark.
nen Blitz zum Ladungsausgleich zwischen Wolke
und Erde oder zwischen zwei Wolken.

Eine Abwärtsentladung Wolke – Erde ist häufig mit


einer darauffolgenden Aufwärtsentladung verbun-
den. In dem so ausgebildeten Blitzkanal erfolgt der
Hauptblitz, der weniger als 1 ms dauert und bei dem
ein Strom von einigen 10 000 A fließen kann.
Die Temperatur von etwa 20 000 °C im Blitzkanal
bewirkt eine schlagartige Expansion der Luft. Damit
werden Schallwellen mit großer Amplitude ausge-
löst, die wir als Donner wahrnehmen. Der Donner,
den wir bei einem Gewitter hören, ist also immer 2 Menschen, Bäume und auch Häuser beeinflussen
eine Begleiterscheinung eines Blitzes. den Verlauf der Äquipotenziallinien des Felds.

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286 Elektrizitätslehre und Magnetismus

4.3.4 Geladene Teilchen in elektrischen Feldern

Bewegung geladener Teilchen im homogenen Längsfeld


Wir gehen immer Befinden sich frei bewegliche und geladene Teilchen in einem elektrischen
vom zunächst ru- Feld, so wirkt auf sie eine Kraft, die Feldkraft, in Richtung der Feldlinien.
henden geladenen Die Teilchen bewegen sich in Feldrichtung.
Teilchen aus. Spannung U
Ist das Feld homogen, so ist die Feldstärke
E im gesamten Feld konstant. Demzufolge
Bewegen sich die wirkt auf Teilchen mit der Ladung q eine q
geladenen Teilchen konstante Feldkraft: F = E · q + F – –
längs der Feldlinien,
so spricht man kurz Nach dem newtonschen Grundgesetz
von einer Bewegung F = m · a führt das geladene Teilchen im elek-
im Längsfeld. Abstand d
trischen Feld eine gleichmäßig beschleu-
nigte Bewegung mit folgender Beschleunigung aus:
F U q q
Die Beschleunigung a=}
m = E·}
m = }·}
m d
geladener Teilchen
nutzt man bei Elek­
Beträgt die Beschleunigungsspannung zwischen zwei Punkten des elektri-
tronenstrahlröhren schen Felds U, so gilt für ein ursprünglich ruhendes Teilchen:
und Beschleunigern. q · U = }12 m · v 2

Für gleichmäßig Das Produkt q · U ist damit die Energie, die geladene Teilchen haben, wenn
beschleunigte Be- sie eine bestimmte Beschleunigungsspannung U durchlaufen haben.
wegungen aus dem
Stillstand gilt:
Geladene Teilchen, die durch die Spannung U im elektrischen Feld be-
a = konstant
schleunigt werden, besitzen dann die Energie E = q · U.
v = a·t
Sie ist gleich ihrer kinetischen Energie:
s = }a2 t 2
q · U = }12 m · v 2

Für die Einheiten Wird ein zunächst ruhendes Elektron mit der Ladung q = e = 1,602 · 10–19 C
gilt: durch eine Spannung von 1 V beschleunigt, dann beträgt seine Energie:
1 C · 1 V = 1 As · V
E = 1,602 · 10–19 C · 1 V = 1,602 · 10–19 J
=1J
= 1 Nm
Die Energie eines durch 1 V beschleunigten Elektrons nennt man ein
Elektronenvolt (1 eV). Es gilt: 1 eV = 1,602 · 10–19 J

Die Einheit ein Elektronenvolt (1 eV) wird vor allem in der Atomphysik ge-
nutzt. Dabei wird häufig mit Vielfachen dieser Einheit gearbeitet:

1 MeV = 106 eV = 1,602 · 10–13 J

1 GeV = 109 eV = 1,602 · 10–10 J

Beträgt in einer Elektronenstrahlröhre die Beschleunigungsspannung


2,0 Kilovolt, so haben die Elektronen nach Durchlaufen dieser Span-
nung eine Energie von 2 000 · 1 eV = 3,2 · 10–16 J.

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Elektrische Felder 287

Die Gleichung q · U = }12 m · v 2 kann man nutzen, um die Geschwindigkeit zu


berechnen, die geladene Teilchen nach Durchlaufen einer bestimmten Be-
schleunigungsspannung erreichen. Die Umstellung der Gleichung nach der
Geschwindigkeit ergibt:

q
In einem homogenen Längsfeld hängt die Geschwindigkeit von gela- Der Term }m wird als
denen Teilchen von der Beschleunigungsspannung und von ihrer spe- spezifische Ladung
bezeichnet.
zifischen Ladung ab.
Für Elektronen gilt
}q
v = √2U · } U Beschleunigungsspannung mit der Ladung e:
m
q
}
m spezifische Ladung des Teilchens e 11 C
m = 1,759 · 10 }
} kg

Beträgt z. B. in einer Elektronenstrahlröhre die Beschleunigungsspan-


nung 3 kV, dann erhält man für die Geschwindigkeit der Elektronen
nach Durchlaufen dieser Spannung:

v = √} e
2U · }
m
}}}

v = 2 · 3 · 103 V · 1,759 · 1011 }
C
kg
Für die Einheiten
gilt:
v = 3,3 · 107 }
m } }
s
√}
kg √}
V·C = V·A·s
kg
}
Das ist immerhin eine Geschwindigkeit, die ca. 10 % der Vakuumlicht-
geschwindigkeit beträgt. Eine Verdopplung der Spannung führt zu ei-

= }
}
J =
kg
}2 √
kg · m2
kg · s
}
ner Vergrößerung der Geschwindigkeit um den Faktor √} 2 = 1,414. √s
= }
2
m2
= m
}
s

Damit kommt man bereits bei einer einfachen Elektronenstrahlröhre, so


wie sie in Oszillografen oder Fernsehgeräten mit herkömmlicher Bildröhre
genutzt wird, in Bereiche, bei der unsere klassischen Vorstellungen ihre
Grenzen haben.

Eine klassische Vorstellung ist: Ein geladenes Teilchen hat eine bestimmte
Masse, unabhängig davon, ob es ruht oder ob es sich bewegt. Diese Vor- Bei }1 der Licht-
10
stellung gilt für Geschwindigkeiten nahe der Lichtgeschwindigkeit nicht geschwindigkeit
mehr. A. einstein hat erkannt: Bewegte Teilchen verändern mit der Ge- vergrößert sich die
schwindigkeit ihre Masse und damit ihre Energie. Es gilt: Masse im Vergleich
m zur Ruhemasse um
E = m·c2 = }0
}2 · c
2

√ v
1– }
c2
den Faktor 1,005,
also um 0,5 %. Bei
Dabei ist m0 die Masse des ruhenden Teilchens (Ruhemasse), c die Lichtge- der Hälfte der Licht-
schwindigkeit und v die Geschwindigkeit des Teilchens. Diese Masseände- geschwindigkeit ist
die Masse um den
rung muss man bei Beschleunigern (b S. 504 f.) beachten.
Faktor 1,15 größer.
10 % der Lichtge-
Eine andere klassische Vorstellung lautet: Überlagern sich zwei Geschwin- schwindigkeit er-
digkeiten v1 und v2, so ist bei gleicher Bewegungsrichtung die Gesamt- reichen Elektronen
geschwindigkeit v = v1 + v2. Auch diese Vorstellung gilt bei sehr großen schon bei einer Be-
Geschwindigkeiten nicht mehr (b S. 518). Die Grenzen klassischer Vorstel- schleunigungsspan-
lungen sind auf den Seiten 512 ff. ausführlich dargestellt. nung von 2,6 kV.

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288 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Je nach der Feldrichtung und der Ladung der Teilchen im Feld erfolgt ent-
weder eine gleichmäßig beschleunigte oder eine gleichmäßig verzögerte
Bewegung der Teilchen.

Bei der gleichmä- Gleichmäßig beschleunigte Bewegung Gleichmäßig verzögerte Bewegung


ßig beschleunigten
Bewegung geht
man davon aus,
dass die Teilchen im + + F – + F – –
Ausgangszustand v0 = 0 v0 > 0
die kinetische Ener-
gie null haben, also
ruhen. Anfangszustand: v0 = 0 Anfangszustand: v0 > 0
Endzustand: v0 > 0 Endzustand: v0 = 0
F E –F E
a=}
m
= q·}
m
a=}
m
= –q·}
m
v = a·t v = v0 – a ∙ t
a
s= }2 · t 2 s = v0 · t – }a2 · t 2

Die Gegenfeldmethode

Die Gegenfeldmethode ist ein Verfahren, mit dem Elektronen oder Ionen treten mit einer bestimm-
man die Geschwindigkeit und damit die Energie ten Geschwindigkeit durch die Gitterelektrode hin-
von geladenen Teilchen (Elektronen, Ionen) be- durch. Das elektrische Feld zwischen den beiden
stimmen kann. Das Verfahren geht auf den deut- Elektroden ist so gerichtet, dass die geladenen Teil-
schen Physiker PhiliPP lenard (1862 –1947) zurück, chen abgebremst werden.
der sich große Verdienste um die Erforschung der Bei geringer Gegenspannung gelangen geladene
Katodenstrahlen (Elektronenstrahlen) erworben Teilchen zur Auffangelektrode. Am empfindlichen
hat. Amperemeter wird ein Strom registriert.
Interessantes aus der Physik

Nutzbar ist die Gegenfeldmethode bei allen elek- Wird die Spannung U vergrößert, so wird die
trisch geladenen Teilchen, die sich mit einer be- Stromstärke schließlich null. Für diesen Grenzfall
stimmten Geschwindigkeit v bewegen. Das Prinzip gilt:
ist in Abb. 1 dargestellt. kinetische Energie der Arbeit gegen das
=
Gitterelektrode Auffangelektrode geladenen Teilchen elektrische Feld
1
}2 m · v 2 = q · U
v2
geladene F –
Die Umstellung nach der Geschwindigkeit v ergibt:
Teilchen
q
mit v > 0 v1 v 2 = 2U · }
m oder
– I
A }q
v = √2U · }
m
U
V Die Spannung U (bei I = 0) kann gemessen werden,
q
die spezifische Ladung } m der betreffenden Teil-
+ – chen muss bekannt sein. Für Elektronen beträgt sie
1,759 · 1011 C/kg. Ist die Geschwindigkeit der Teil-
1 Die geladenen Teilchen werden durch ein chen unterschiedlich, so erhält man auf diese Weise
Gegenfeld abgebremst. die Geschwindigkeit der schnellsten Teilchen.

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Elektrische Felder 289

Bewegung geladener Teilchen im homogenen Querfeld


Tritt ein geladenes Teilchen mit einer Anfangsgeschwindigkeit v0 senk-
recht zu den Feldlinien in ein homogenes elektrisches Feld ein, dann wirkt
U · q.
eine konstante Feldkraft mit dem Betrag Fel = E · q = }
d

+ Diese Feldkraft bewirkt eine Ablenkung Die Bewegung


F des Teilchens aus der ursprünglichen Bewe- des Teilchens ist
gungsrichtung. Das Teilchen bewegt sich auf vergleichbar mit

v0 einer parabelförmigen Bahn. der Bewegung
Die Ablenkung kann mithilfe bekannter Be- eines Körpers beim
– waagerechten Wurf.
wegungsgesetze ermittelt werden.
Dort wirkt die kon-
stante Gewichtskraft
Wir betrachten dazu zunächst die Bewegung des geladenen Teilchens in- als beschleunigende
nerhalb eines homogenen elektrischen Felds in einem x-y-Koordinaten- (ablenkende) Kraft.
system, so wie es in der nachfolgenden Skizze dargestellt ist.

y
Es überlagern sich
+ eine gleichförmige
vy v y2
Bewegung mit
y1 vx v0 in horizonta-
d x ler Richtung mit
Leucht- einer gleichmäßig
schirm beschleunigten Be-
– wegung in vertikaler
l s Richtung.

Innerhalb des Felds überlagern sich eine gleichförmige Bewegung in Die Bewegungen in
x-Richtung mit einer gleichmäßig beschleunigten Bewegung in y-Richtung. x-Richtung und in
Für die Wege in diesen Richtungen gilt: y-Richtung verlaufen
unabhängig vonein-
x = v0 · t (1) y = }12 a · t 2 (2) ander.
x
Mit t = }
F
Für die Beschleunigung a gilt nach dem newtonschen Grundgesetz a = } v ergibt sich:
m.
0
U
Mit F = E · q und E = } erhält man für den Weg in y-Richtung: x
vy = a · t = a · }
d v 0
q
U· ·t2 U· : q
y = }12 } } (3) und mit a = } }
d m
d m
q
U· · x
x
Stellt man Gleichung (1) nach t um (t = } vy = } } }
v0 ) und setzt man das in Gleichung d m v 0

(3) ein, so erhält man: vx bleibt vx = v0


q
U· · 1 ·x2
y = }12 } } } (4)
d m v02
Das ist die Gleichung für die parabelförmige Bahnkurve in dem Bereich
zwischen den beiden Platten.

Die Ablenkung y1 am Ende der Platten ergibt sich mit x = l zu:


q
U· · 1 ·l2
y1 = }12 } }
m }2
d v0
Folglich ist die Ablenkung geladener Teilchen im Feld umso größer, Die Richtung der
U Ablenkung hängt
– je größer die Stärke E = }
d
des Felds ist,
q von der Art der
– je größer die spezifische Ladung }m der Teilchen ist und
– je kleiner ihre Anfangsgeschwindigkeit v0 ist. Ladung ab.

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290 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Nach Verlassen des elektrischen Felds bewegen sich die geladenen Teilchen
geradlinig weiter. Die Ablenkung y2 auf einem Schirm beträgt dann:
q
} }2 (}2
U· · l l + s
y2 = }
d m )
v0
Setzt man die Geschwindigkeit v0 = √2UB · }
}q
UB ist die Beschleu- m ein, so erhält man:
nigungsspannung.
d U (2 )
U· l l + s
y2 = }12 · } } }
B

Mit einer solchen Die Ablenkung eines geladenen Teilchens hängt von der Ablenkspan-
Anordnung kann nung U, von der Beschleunigungsspannung UB (Geschwindigkeit der
man demzufolge
Teilchen) und den Abmessungen der Anordnung ab. Sie ist unabhän-
nicht die spezifische
gig von der spezifischen Ladung des Teilchens.
Ladung von Teilchen
bestimmen.

Elektronen mit einer Energie von 420 eV treten senkrecht zu den Feld-
linien in ein homogenes elektrisches Feld ein. Dieses Feld existiert zwi-
schen zwei Platten, die 5,0 cm lang sind und einen Abstand von 2,6 cm
voneinander haben.
a) Welche Geschwindigkeit haben die Elektronen beim Eintritt in das
elektrische Feld?
b) Wie groß muss die Ablenkspannung sein, damit die Ablenkung des
Elektronenstrahls am Ende der Ablenkplatten 1,8 mm beträgt?

Analyse:
Wir gehen von einer ungehinderten Bewegung der Elektronen aus. Die
Geschwindigkeit der Elektronen ergibt sich aus ihrer Energie. Die Ab-
lenkspannung kann aus der Ablenkung ermittelt werden.
Gesucht: v, U
Gegeben: E = 420 eV
d = 2,6 cm
l = 5,0 cm
y1 = 1,8 mm

Lösung:
Ein Elektronenvolt a) Aus der Definition der Einheit Elektronenvolt ergibt sich: UB = 420 V
(1 eV) ist die Ener- Damit erhält man als Geschwindigkeit der Elektronen:
gie, die ein Elektron
v = √}
}}}
nach Durchlaufen
e
2UB · } √ 11 C 7m
m = 2 · 420 V · 1,759 · 10 } = 1,2 · 10 }
kg s
einer Spannung von b) Durch Umstellen der auf S. 289 genannten Gleichung erhält man:
1 V besitzt: 2
m·d· 0 v
1 eV = 1,602 · 10–19 Ws U = 2y1 · }
e }2 l
m2
U = 2 · 1,8 · 10 –3 m · kg
· 0,026 m · }s (1,2 · 107 }
= 30,7 V
)
}11 2
1,759 · 10 C (0,05 m)

Ergebnis:
Elektronen mit einer Energie von 420 eV besitzen eine Geschwindigkeit
von 1,2 · 107 }
m . Bei einer Ablenkspannung von etwa 31 V beträgt die
s
Ablenkung im Feld 1,8 mm.

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Interessantes aus der Technik 291

Oszilloskop mit braunscher Röhre

Oszilloskope (b Abb. 2) werden genutzt, um Wech-


selspannungen sichtbar zu machen, den Schwin-
gungsverlauf bei Tönen oder Klängen zu erfassen
oder um die Kennlinien bei Bauelementen aufzu-
nehmen. In der Literatur findet man auch die Be-
zeichnungen Oszillograf, Katodenstrahloszillograf
oder Elektronenstrahloszillograf.

Das entscheidende Bauteil eines solchen Oszillos-


kops ist eine Elektronenstrahlröhre. Sie wird nach ih-
rem Erfinder Carl Ferdinand braun (1850 –1918) auch
als braunsche Röhre bezeichnet. Der Aufbau einer 2 Modernes Oszilloskop
solchen Röhre ist in Abb.1 dargestellt:
– In einem Strahlerzeugungssystem, bestehend aus sich der Leuchtpunkt horizontal und gleichförmig
Katode, Wehneltzylinder und Anode, wird ein von links nach rechts.
Elektronenstrahl erzeugt. Legt man an die y-Ablenkplatten eine Wechsel-
– Zur Ablenkung des Elektronenstrahls nutzt man spannung (b Abb. 3 unten), so wird der Leuchtfleck
Plattenpaare. Die Ablenkung erfolgt im elektri- gleichzeitig nach oben bzw. nach unten abgelenkt.
schen Feld zwischen den Platten. Mit den y-Ab- Insgesamt erhält man das Bild einer Wechselspan-
lenkplatten erfolgt eine Ablenkung nach unten nung.
oder nach oben, mit den x-Ablenkplatten nach
links oder rechts. Im Unterschied dazu erfolgt die U Sägezahnspannung
Ablenkung bei herkömmlichen Fernsehbildröhren
durch magnetische Felder.
– Der Elektronenstrahl trifft innen auf eine Leucht-
schicht. Die betreffende Stelle des Bildschirms
t
leuchtet auf.
sinusförmige Wechselspannung
U
Die gesamte Anordnung befindet sich in einem
evakuierten Glaskolben. Um z. B. eine Wechselspan-
nung darzustellen, wird an die x-Ablenkplatten eine t
Spannung angelegt, die durch einen Sägezahngene-
rator erzeugt wird (b Abb. 3 oben). Dadurch bewegt 3 Spannungen an den Ablenkplatten

y-Ablenkplatten
Wehnelt- Elektronenstrahl + (vertikal)
zylinder

Heizung
Leucht-
schirm

Katode
+ –
– +
x-Ablenkplatten evakuierter
Anode (horizontal) Glaskolben
1 Prinzipieller Aufbau einer braunschen Röhre mit elektrischer Ablenkung

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292 Interessantes aus der Technik

Ionentriebwerke – eine moderne Antriebsmöglichkeit

In der Nacht vom 27. zum 28. September 2003 star- Ionen die Gitterelektrode G1 passiert haben, werden
tete die erste Mondmission der Europäer. Ein Ziel der sie durch das starke elektrische Feld zwischen G1 und
Mission war die Erprobung eines Ionentriebwerks G2 beschleunigt. Der Impuls der austretenden Xe-
für Weltraumreisen. Mit der Raumsonde SMART-1 Ionen ruft nach dem Rückstoßprinzip einen gleich
(Small Missions for Advanced Research in Techno- großen Impuls in entgegengesetzter Richtung her-
logy) wurden neue Techniken für künftige Expediti- vor, der die Sonde beschleunigt.
onen ins Weltall getestet. Das Antriebsaggregat von Katode K2 führt den Xe-Ionen Elektronen zu. Damit
SMART-1 war ein Ionentriebwerk. wird eine ständige Aufladung der Sondenhülle ver-
hindert.
Nachdem die Sonde mit einer Trägerrakete vom Das Triebwerk lief insgesamt ca. 5 000 Stunden, die
Typ Ariane-5 in eine Erdumlaufbahn transportiert notwendige elektrische Energie lieferten Solarzellen
wurde, begann dort das Ionentriebwerk zu arbei- mit einer Leistung von 1 900 W.
ten. Mit einer Schubkraft von etwa 70 Millinew- Der Vorteil eines solchen Triebwerks besteht vor al-
ton (!) war die Beschleunigung der anfangs 367 kg lem in der geringen Menge an Treibstoff, die benö-
schweren Sonde (davon 82,3 kg Xenon als Treib- tigt wird.
stoff) außerordentlich klein. Sie reichte aber aus, Ein Nachteil ist die geringe Schubkraft eines solchen
um die Sonde auf einer spiralförmigen Bahn allmäh- Ionentriebwerks.
lich von der Erde in Richtung Mond zu bringen. Die
Sonde legte innerhalb von 14 Monaten etwa 100 G1 G2
Millionen Kilometer zurück und schwenkte dann Tank
in eine Mondumlaufbahn ein. Nachdem sämtlicher Xe K2
Treibstoff verbraucht war, stürzte die Sonde, so wie e–
geplant, am 3. 9. 2006 auf die Mondoberfläche.
K1 Xe+
Die Funktionsweise eines Ionentriebwerks ist aus Ionenstrahl
Abb. 2 erkennbar. In einem keramischen Trichter von
Vorkammer
etwa 10 cm Durchmesser (Vorkammer) treten durch
Glühemission Elektronen aus der Katode K1 aus und
werden im elektrischen Feld zwischen K1 und G1 be-
schleunigt.
Aus dem Tank wird geregelt Xenon zugeführt. Sto- – + –
ßen die beschleunigten Elektronen mit Xe-Atomen U1 U2
zusammen, so entstehen Xe-Ionen. Wenn diese 2 Aufbau eines Ionentriebwerks

1 SMART-1 mit Ionentriebwerk (Simulation). Das Foto rechts zeigt einen Test des Triebwerks im Labor.

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Das Wichtigste im Überblick 293

Elektrische Felder

Überblick
Um elektrisch geladene Körper existiert ein elektrisches Feld. In ihm werden auf andere
elektrisch geladene Körper Kräfte ausgeübt. Die Struktur eines elektrischen Felds lässt sich
mit Feldlinien oder mit Äquipotenziallinien beschreiben. Ein Feldlinienbild oder ein Bild aus
Äquipotenziallinien ist ein Modell des real existierenden elektrischen Felds.

Homogenes Feld eines Plattenkondensators Inhomogenes Feld einer Punktladung

+ – + –

Die Feldlinien verlaufen parallel. Die Feldlinien verlaufen radial.

Die Äquipotenziallinien verlaufen parallel zu Die Äquipotenziallinien verlaufen kreisförmig


den Platten (grün eingezeichnet). um den Mittelpunkt der Punktladung.

Im Plattenkondensator ist die Feldstärke E senkrecht zu den Platten gerichtet und überall
F
konstant: E = } U
q = konstant E=}
d

Kondensatoren dienen als Speicher für Ladung und Energie.

Die Kapazität C gibt an, wie viel Ladung bei Die Energie E gibt an, wie viel Energie im elek-
bestimmter Spannung gespeichert werden kann. trischen Feld des Kondensators gespeichert
werden kann.
Q
C=}
U
A
C = ε0 · εr · }
d
E = }12 Q · U E = }12 C · U 2

Bewegen sich geladene Teilchen in einem homogenen elektrischen Feld, wirkt auf sie in
Richtung der Feldlinien eine konstante Feldkraft F = q · E.

F –
+
q
+ –

– F
q v
d
+

Positiv und negativ geladene Teilchen werden Positiv geladene Teilchen werden in Feldrich-
gleichmäßig beschleunigt. tung (nach oben), negativ geladene Teilchen
} entgegen der Feldrichtung (nach unten) be-
q · U = }12 m · v 2 v= √2 U ∙ }mq schleunigt und damit abgelenkt.

Die Energie von geladenen Teilchen wird häufig in der Einheit Elektronenvolt (1 eV) ange-
geben. Es gilt: 1 eV = 1,602 · 10–19 J

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294 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Aufgaben 5. 410 434 Das Feld einer Nadelspitze


Die Skizze zeigt das elektrische Feld zwischen einer
Spitze und einer Platte. –

1. 411 504 Ladungstrennung –

Nennen und erläutern Sie Beispiele für Vorgänge –

aus Natur, Technik und Alltag, bei denen Ladungs- –

trennung auftritt.

++
+


Welche Effekte können damit verbunden sein? –



2. 418 844 Eine haarige Sache –
Experimente mit geladenen Körpern waren und sind a) Interpretieren Sie dieses Feldlinienbild.
sehr beliebt. b) Welche Aussagen kann man aus dem Feldlinien-
bild über die Stärke des Felds in der Nähe der
Spitze bzw. in der Nähe der Platte treffen?
Begründen Sie.

6. 412 564 Grieskörnchen


Die Struktur elektrischer Felder kann experimentell
erkundet werden. Die Abbildungen zeigen einige
Beispiele.

a) b)

a) Wie ist der Effekt zu erklären, der auf dem Foto


zu sehen ist?
b) Bei solchen Versuchen mit Hochspannung fließen c) d)
meist nur kleine, für den Menschen ungefährli-
che Ströme.
Welche Stromstärke sollte dabei auf keinen Fall
überschritten werden?

3. 410 224 Das Feldlinienbild


Worin besteht der Unterschied zwischen einem elek-
trischen Feld und dem Feldlinienbild dieses Felds? Skizzieren Sie im Heft die Feldlinienbilder dieser
elektrischen Felder.
4. 411 474 Das Feld geladener Kugeln Handelt es sich um homogene oder um inhomogene
Die Skizzen zeigen die Feldlinienbilder zwischen un- Felder? Begründen Sie.
gleichnamig und gleichnamig geladenen Kugeln.
7. 418 594 Feldlinienbilder
Im Internet finden Sie unter der Adresse [Link]-
+ – + + [Link]/java/physlet/ die Möglichkeit, Feldlinien-
bilder zu simulieren. Probieren Sie es aus.
Präsentieren Sie besonders interessante Varianten
Ihren Mitschülern.
a) Welche Kräfte wirken zwischen ungleichnamig
bzw. zwischen gleichnamig geladenen Kugeln? 8. 411 984 Feldlinien
b) Wie könnte man diese Kräfte mit dem Modell Zeichnen Sie das Feldlinienbild eines positiv gelade-
Feldlinienbild deuten? nen Hufeisens.

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Aufgaben 295

9. 411 634 Das Feld an der Oberfläche 14. 416 564 Feldstärke im Kondensator
Begründen Sie, dass eine Feldlinie eines elektrischen Zwischen zwei parallelen Platten liegt eine Span-
Felds immer senkrecht auf einer Leiteroberfläche nung von 55 V. Der Abstand der Platten beträgt
steht. 20 cm.

10. 410 774 Kugel im Kasten U


Eine positiv geladene Ku-
gel befindet sich in einem –
+ +
negativ geladenen Kasten. + q –
Skizzieren Sie den Feldlinien-
verlauf und den Verlauf der Äquipotenziallinien.

11. 411 594 Kugel im Feld a) Wie groß ist die elektrische Feldstärke?
Bringt man eine sehr leichte, ungeladene leitende b) Ein positiv geladenes Teilchen mit q = 3,2 · 10 – 8 C
Kugel zwischen zwei unterschiedlich geladene Plat- wird von der Mitte zwischen den Platten bis zur
ten, dann passiert nichts. Bringt man sie dagegen in positiven Platte transportiert.
die Nähe eines geladenen Körpers, so wird sie aus- Wie groß ist die Veränderung seiner potenziellen
gelenkt. Wie kommt das? Energie?
c) Bestimmen Sie das Potenzial für die Endlage des
geladenen Teilchens q. Für die negativ geladene
Platte sei das Potenzial null.
+ – + d) Welche Geschwindigkeit erreicht das Teilchen
(m = 0,2 mg), wenn es den Weg von der positiven
Platte (v = 0) zur negativen Platte durchläuft?

15. 413 104 Probeladung im Kondensator


Zwischen zwei Kondensatorplatten mit einem Ab-
12. 410 054 Nah­ und Fernwirkung stand von 3,2 cm liegt eine Spannung von 1,5 kV. In
Kräfte zwischen zwei geladenen Körpern kann man das Feld wird ein Körper mit einer Ladung von 20 nC
mit der Fernwirkungstheorie oder mit der Nahwir- gebracht.
kungstheorie erklären. Bereiten Sie ein Kurzreferat Wie groß ist die Kraft auf diesen Körper?
zu diesen beiden Theorien vor. Gehen Sie dabei auf
die Bedeutung der Theorien in der Geschichte der 16. 413 174 Geerdete Schaltung
Physik ein. Bei elektrischen Schaltungen erfolgt häufig eine Er-
dung, d. h., ein Pol wird mit der Erde verbunden.
13. 411 604 Geladene Pendel Ihm wird das Potenzial null zugeordnet. Die Skizze
Zwei leitende Kugeln mit einer zeigt ein Beispiel.
Gewichtskraft von je 0,3 N hän- 8,0 cm
gen an 80 cm langen Fäden. A
20 Ω
Ihre Aufhängepunkte sind 8,0 cm 10 Ω
50 Ω
voneinander entfernt.
a) Bringt man auf beide Kugeln + D
50 V B
die gleiche Ladung gleichen –
Vorzeichens, so entfernen sie 10 Ω
sich bis auf 12 cm. Wie groß ist 50 Ω
der Betrag der Ladung?
b) Bringt man auf beide Kugeln C
die gleiche Ladung ungleichen
Vorzeichens, so nähern sie sich a) Berechnen Sie den Gesamtwiderstand und die
bis auf 3,0 cm. Gesamtstromstärke für diese Schaltung.
Wie groß ist in diesem Fall der b) Geben Sie die Potenzialdifferenzen zwischen
Betrag der Ladung? Punkt C und den Punkten A, B und D an.

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296 Elektrizitätslehre und Magnetismus

17. 415 624 Geladenes Fadenpendel 21. 413 654 Kapazität


Am Ende eines 1,5 m langen Fadens ist eine ge- Zwei Plattenkondensatoren von 4 �F und 10 �F wer-
ladene kleine Kugel mit einer Masse von 0,5 g an- den an eine 10-V-Gleichspannungsquelle
gebracht. a) einzeln,
Bringt man diese Kugel in ein homogenes elektri- b) in Reihe,
sches Feld, so wird sie um 5 cm ausgelenkt. c) parallel
a) Skizzieren Sie eine solche Anordnung und tragen geschaltet angeschlossen.
Sie in die Skizze alle wirkenden Kräfte ein. Wie groß sind die jeweiligen Kondensatorspannun-
b) Wie groß ist die auf die Kugel wirkende elektri- gen und die Ladung der Platten?
sche Feldkraft?
22. 413 974 Kondensatorentladung
18. 411 614 Zwei Kugeln Ein Kondensator soll über einen Widerstand ent-
Zwei je 1 g schwere und gleichartig geladene Ku- laden und die Entladestromstärke nach jeweils glei-
geln sind an 1 m langen Fäden befestigt. Sind beide chen Zeiten gemessen werden.
Fäden an dem gleichen Aufhängepunkt befestigt, so a) Entwerfen Sie eine Schaltung zur Aufnahme
stellt sich ein Mittelpunktabstand von 10 cm ein. einer solchen Messreihe.
a) Wie groß sind Auslenkwinkel, die abstoßende b) Bei einer Messung wurden die folgenden Werte
Kraft und der Betrag der Ladung einer Kugel? registriert:
b) Skizzieren Sie das Feldlinienbild zwischen den
t in s 0 3 6 9 12 15
Kugeln.
c) Wie groß ist die Feldstärke des Felds der einen I in �A 130 91 68 51 35 26
Kugel am Ort der anderen Kugel?
d) Wie ändert sich der Kugelabstand, wenn die La- Zeichnen Sie das Diagramm. Interpretieren Sie es.
dungen beider Kugeln halbiert bzw. verdoppelt c) Ermitteln Sie aus dem Diagramm die Zeiten, in
werden? denen die Stromstärke auf die Hälfte bzw. auf
e) Beide Kugeln tragen die gleiche Ladung Q, ihr ein Viertel der Anfangsstromstärke gefallen ist.
Abstand beträgt r. Stellen Sie den Zusammen- d) Welche Möglichkeiten gibt es, die ursprüngliche
hang zwischen Q und r grafisch dar. Ladung des Kondensators zu bestimmen?
Interpretieren Sie das Diagramm. Schätzen Sie die Ladung ab.

19. 410 304 Gravitation und elektrische Kraft 23. 414 464 Offener Kondensator
Ein Elektron hat eine Ladung von 1,6 · 10 –19 C und Ein Plattenkondensator wird aufgeladen und dann
eine Masse von 9,1 · 10 –31 kg. von der Spannungsquelle getrennt. Wie ändern sich
a) Vergleichen Sie die Gewichtskraft eines Elektrons Feldstärke und Spannung, wenn der Plattenabstand
mit der nach oben gerichteten Feldkraft im Feld a) halbiert,
eines waagerecht angeordneten Plattenkonden- b) verdoppelt,
sators. Der Plattenabstand beträgt 10 cm, die c) auf 10 % verringert,
Spannung zwischen den Platten 1,0 V. d) um 30 % vergrößert
b) Wie bewegt sich das Elektron aufgrund der wir- wird?
kenden Kräfte?
24. 414 414 Energievermehrung
20. 410 254 Schwebende Watte Wird bei einem geladenen, von der Spannungsquelle
Ein kleiner Wattebausch (m = 0,15 g) mit einer La- getrennten Kondensator der Plattenabstand vergrö-
dung von + 5 · 10 –9 C soll zwischen zwei horizon- ßert, so vergrößert sich auch die im Feld gespeicherte
tal angeordneten Kondensatorplatten (d = 5 cm) Energie. Woher kommt diese zusätzliche Energie?
schweben.
a) Skizzieren Sie den Sachverhalt. Zeichnen Sie alle 25. 415 884 Energie in zwei Kondensatoren
wirkenden Kräfte ein. Zwei Kondensatoren C1 und C2 mit unterschied-
b) Welche Spannung muss zwischen den Konden- lichen Kapazitäten sind in Reihe geschaltet. Werden
satorplatten anliegen, wenn der Wattebausch sie parallel geschaltet, so ändert sich die in ihnen ge-
schweben soll? Was geschieht, wenn die Span- speicherte Energie. Begründen Sie, warum das der
nung vergrößert wird? Fall ist und wie sich die Energie ändert.

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Aufgaben 297

26. 412 984 Plattenkondensator 30. 412 644 Felder in der Umgebung
An einem Plattenkondensator liegt eine Spannung Elektrische Felder sind überall in unserer Umgebung
von 1,5 kV. vorhanden.
a) Welche Energie ist erforderlich, um eine positive a) Erkunden Sie, welche Feldstärken dabei auftre-
Ladung q = 6,5 · 10 – 6 C von der negativ gelade- ten und ob damit gesundheitliche Gefährdungen
nen Platte zur anderen zu transportieren? verbunden sind.
b) Wie groß ist die Potenzialdifferenz zwischen der b) Erkunden und präsentieren Sie eine Möglichkeit
negativ geladenen Platte und einem Punkt in der für den Nachweis solcher elektrischer Felder.
Mitte zwischen den Platten? Begründen Sie.
31. 416 004 Miniaturisierung
27. 413 424 Potenzial im Kondensator Die Durchschlagsfeldstärke in normaler Luft beträgt
Im homogenen Feld eines Plattenkondensators 2,0 · 106 }
V
m , d. h., bei dieser Feldstärke wird die Luft
herrscht eine Feldstärke von 7,0 · 104 }
V
m . Der Platten- leitend. In einem Chip sind kleine Kondensatoren,
abstand beträgt 1,2 cm, die Fläche 245 cm2. an denen die Spannung 5,0 V liegt.
a) Berechnen Sie die Spannung am Kondensator. Welchen Abstand dürfen die Platten minimal ha-
b) Ein Punkt ist 0,40 cm von der negativen Platte ben? Inwieweit ergibt sich daraus ein Problem für
(φ = 0) entfernt. Bestimmen Sie das Potenzial die- die Miniaturisierung von Chips?
ses Punkts bezüglich beider Platten.
c) Welche Energie ist im Kondensator gespeichert? 32. 418 164 Protonen im Längsfeld
d) Welche Energie hat ein Elektron, das aus der Protonen werden im Feld eines Plattenkondensators
negativen Platte ausgetreten ist, wenn es die an- (U = 800 V, d = 4,0 cm) beschleunigt.
dere Platte erreicht? a) Wie groß ist ihre Beschleunigung?
b) Welche maximale Geschwindigkeit können sie
28. 415 304 Energie im Kondensator aus der Ruhe heraus erreichen?
Ein Kondensator mit einer Kapazität von 2,4 �F wird
mit einer Spannung von 120 V aufgeladen. 33. 414 824 Ablenkung im Feld
a) Wie viel Energie ist dann in ihm gespeichert? Ein Elektron verlässt die Glühkatode und wird in
b) Wie hoch könnte man mit dieser Energie einen Richtung Anode gleichmäßig beschleunigt. Durch
10 g schweren Körper heben? ein Loch in der Anode tritt das Elektron in ein homo-
c) Mit welcher Geschwindigkeit müsste sich ein 10 g genes elektrisches Feld ein, das senkrecht zur Bewe-
schwerer Körper bewegen, damit er die Energie gungsrichtung steht (b Skizze).
besitzt, die im Kondensator gespeichert ist? a) Beschreiben und begründen Sie die Bewegung
des Elektrons.
29. 412 804 Feldstärkemessung b) Mit welcher Geschwindigkeit tritt das Elektron
Zur Bestimmung der Stärke eines elektrischen Felds durch die Anode hindurch?
kann man folgendermaßen vorgehen: c) Prüfen Sie, ob das Elektron das elektrische Quer-
An die betreffende Stelle werden zwei kleine lei- feld verlässt oder auf eine der Platten trifft.
tende Platten gebracht. Diese an isolierten Stielen
5,0 cm
befestigten Platten werden im Feld getrennt, die
Katode Anode +4V
auf ihnen influenzierte Ladung wird gemessen. An
einer Stelle beträgt die auf den Platten (r = 2 cm) in-
fluenzierte Ladung 2,7 · 10 –10 C. 2,0 cm

Wie groß ist die elektrische Feldstärke an dieser
Stelle? 600 V

0V

34. 419 574 Gegenfeldmethode


Zur Bestimmung der Energie von bewegten Elektro-
nen kann die Gegenfeldmethode genutzt werden.
Beschreiben Sie diese Methode. Fertigen Sie dazu
auch eine Skizze an.

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298 Elektrizitätslehre und Magnetismus

4.4 Magnetische Felder


Elektrizitätslehre und Magnetismus

4.4.1 Magnetische Felder von Dauer- und Elektromagneten

Das Phänomen des Magnetismus ist schon seit dem Altertum bekannt.
Elektromagnetismus wurde erstmals 1820 von dem dänischen Physiker
H ans C Hristian o ersted (1777–1851) nachgewiesen.

Magnete sind Körper, die auf andere Körper in ihrer Umgebung (Kör­
per aus Eisen, Nickel oder Cobalt, stromdurchflossene Leiter) Kräfte
ausüben.
412 455
H ans C Hristian Dabei wird zwischen Dauermagneten (Permanentmagneten) und Elektro-
o ersted entdeckte
magneten unterschieden. Dauermagnete bestehen aus ferromagnetischen
1820, dass ein
Stoffen. Das sind z. B. Stoffe mit einem hohen Anteil an Eisen, Nickel oder
stromdurchflossener
Leiter eine Magnet­
Cobalt. Körper aus diesen Stoffen werden von Magneten angezogen. Das
nadel beeinflusst. hängt mit ihrer Struktur zusammen (b S. 301).
Eine magnetische Wirkung tritt auch um stromdurchflossene Leiter, insbe­
sondere stromdurchflossene Spulen auf. Stromdurchflossene Spulen wer­
In der Technik den als Elektromagnete (b Abb. 2) bezeichnet.
genutzte Elektro- Ein Magnet übt auf andere Magnete und auf Körper aus ferromagneti­
magnete bestehen schen Stoffen Kräfte aus. Die Bereiche mit der größten magnetischen Kraft
zumeist aus einer werden als Magnetpole bezeichnet. Da sich eine kleine Magnetnadel im
Spule mit Eisenkern. Magnetfeld der Erde in Nord­Süd­Richtung ausrichtet, bezeichnet man die
Pole eines Magneten mit Nord (N) und Süd (S).

Körper aus ferro­ Gleichnamige Magnetpole Ungleichnamige Magnetpole


magnetischen stoßen sich ab. ziehen sich an.
Stoffen werden von
einem Magneten
N S S N S N
angezogen.
Drehbar gelagerte
Körper richten sich
im Bereich eines S N N S N S
Magneten aus.

Dauermagnete
werden heute meist
aus Legierungen
und Oxidwerkstof­
fen (Barium­ und
Eisenoxid, Neodym)
hergestellt. Sie kön­
nen in verschiedene
Formen gebracht 1 Dauermagnete unterschiedlicher 2 Eine Spule mit Eisenkern bildet
werden. Form einen Elektromagneten.

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Magnetische Felder 299

Auch wenn man ei­


Jedem Magneten kann mindestens ein Nordpol und ein Südpol zuge­ nen Magneten zer­
ordnet werden. teilt, hat jeder Teil
wieder mindestens
zwei Pole, einen
Der Raum um einen Magneten, in dem auf andere Magnete oder auf Kör­
Nordpol und einen
per aus ferromagnetischen Stoffen Kräfte ausgeübt werden, befindet sich
Südpol. Keramische
in einem besonderen Zustand. In ihm existiert ein magnetisches Feld. Magnete können
auch mehr als ein
Ein magnetisches Feld ist der Zustand des Raums um einen Magneten, Polpaar haben, wie
in dem auf andere Magnete bzw. Körper aus ferromagnetischen Stof­ das Feldlinienbild
fen Kräfte ausgeübt werden. des Magneten aus
einem Fahrrad­
dynamo zeigt.
Ein magnetisches Feld ist nur an seinen Wirkungen erkennbar und damit
nachweisbar. Wir haben kein Sinnesorgan dafür.
Magnetische Felder können wie elektrische Felder mithilfe von Feldlinien-
bildern dargestellt werden. Ein Feldlinienbild als Modell des magnetischen
Felds macht Aussagen über die Kräfte auf Probekörper (z. B. kleine Mag­
nete). Dabei gelten analoge Aussagen wie für Feldlinienbilder elektrischer
Felder (b S. 272).
Der Verlauf von Feldlinien lässt sich experimentell mithilfe kleiner Mag­
nete oder mithilfe von Eisenfeilspänen darstellen.

Kleine Magnete richten sich im Eisenfeilspäne ordnen sich im


Magnetfeld aus. Magnetfeld zu Ketten an.

Zeichnet man
anstelle der Ketten
aus Eisenfeilspänen
Linien, so erhält man
ein Feldlinienbild
des Magnetfelds.

Das Feldlinienbild eines Magnetfelds ist ein Modell des real existieren­
den magnetischen Felds.
Kleine Magnet­
nadeln richten sich
Feldlinienbild eines Stabmagneten Feldlinienbild eines Hufeisenmagneten im magnetischen
Feld so aus, dass
sie parallel zu den
Feldlinien sind.
N Die Richtung der
N S Feldlinien gibt bei
Dauermagneten die
S Richtung der Kraft
auf einen magneti­
schen Nordpol an.

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300 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Die Richtung der Feldlinienbild um einen stromdurch- Feldlinienbild einer stromdurch-


Feldlinien ergibt flossenen Leiter flossenen Spule
sich aus folgender

Regel: Zeigt der
Daumen der rechten
Hand in Stromrich­ N S
tung (von + nach –),
dann geben die
gekrümmten Finger
die Richtung der + – +
Feldlinien an.

Magnetische Feldlinien sind im Unterschied zu elektrischen Feldlinien ge­


I schlossen. Sie haben keinen Anfang und kein Ende. Deshalb kann man
nach dem Verlauf der Feldlinien ein Magnetfeld im Unterschied zu einem
elektrischen Feld (b S. 272) auch folgendermaßen charakterisieren:

Ein magnetisches Feld ist ein quellenfreies Wirbelfeld.

Diese Aussage gilt ebenfalls für Permanentmagnete, selbst wenn man dort
aus Gründen der Zweckmäßigkeit keine geschlossenen Linien zeichnet.

Das Magnetfeld der Erde


Ursachen des Erd- Die Erde ist ein großer, wenn auch relativ schwacher Magnet. Die mag­
magnetfelds sind netischen Pole liegen in der Nähe der geografischen Pole, wobei sich im
Ströme im Innern Norden der magnetische Südpol und im Süden der magnetische Nordpol
der Erde, die durch befindet. Die Lage der Pole ändert sich mit der Zeit.
eine Art selbst­ In Erdnähe ist die Form des Erdmagnetfelds vergleichbar mit dem Magnet­
erregten Dynamo
feld eines riesigen Stabmagneten (b S. 299).
zustande kommen.
Untersuchungen mithilfe von Satelliten haben ergeben, dass das Erdmag­
netfeld durch die von der Sonne ausgehende Strahlung von geladenen
Einige Anwendun­
Teilchen (Sonnenwind) erheblich deformiert wird und dass es auf der son­
gen von Magneten nenabgewandten Seite weit in den Raum hinausreicht.
sind unter Die Teilchen des Sonnenwinds, es handelt sich vor allem um Elektronen
413 385 und Protonen, dringen teilweise auch in das Magnetfeld der Erde ein und
zu finden. werden von diesem beeinflusst (b S. 309).

Magnetfeld der Erde Magnetfeld der Erde


in Erdnähe in größerer Entfernung von ihr
Durch den Son­
nenwind wird das S
Erdmagnetfeld in
Sonnenwind

Richtung Sonne
regelrecht „zusam­
mengedrückt“. Der
Schweif in Gegen­
richtung reicht weit
in den Weltraum
hinaus. N

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Interessantes aus der Natur 301

Dauermagnete und weißsche Bezirke

Bei der Magnetisierung wird ein Körper zu einem


starker Magnet
Dauermagneten. Durch Entmagnetisierung kann
man die magnetischen Eigenschaften eines Dauer­
Eisenstab
magneten aufheben. Verstärker Lautsprecher
Spule
Einige Materialien zeichnen sich durch eine Beson­
derheit ihrer inneren Struktur aus. Sie bestehen
>
aus Elementarmagneten, die in winzigen magneti­
schen Bereichen (in der Größenordnung von 0,01 bis
0,1 mm) parallel orientiert sind. Diese Bereiche sind
allerdings regellos angeordnet (Abb. 1). Man nennt 3 Experimenteller Nachweis des Barkhausen­
diese Bereiche nach dem französischen Physiker Effekts
P ierre e rnest Weiss (1865 –1940) weißsche Bezirke.
Alle Stoffe, in denen weißsche Bezirke existieren, ten. Die Teilfelder überlagern sich zu einem kräfti­
sind ferromagnetisch. Zu diesen Stoffen gehören gen Magnetfeld. Ein Dauermagnet ist entstanden.
Eisen, Nickel und Cobalt sowie verschiedene Le­ Den beschriebenen Effekt kann man zum Beispiel
gierungen. Aufgrund ihrer regellosen Anordnung beobachten, wenn man eisenhaltige Kleinteile über
kompensieren sich die schwachen Magnetfelder längere Zeit in der Nähe eines kräftigen Dauermag­
der weißschen Bezirke, sodass nach außen hin keine neten aufbewahrt. Auch Heizkörper aus Gusseisen,
magnetische Wirkung auftritt. die sich ständig im Magnetfeld der Erde befinden,
werden allmählich zu schwachen Magneten. Bei
Bringt man eine ferromagnetische Substanz in ein magnetisch weichen Stoffen geht die Ausrichtung
äußeres Magnetfeld, dann verschieben sich die der weißschen Bezirke schnell wieder verloren.
Grenzen zwischen den weißschen Bezirken zuguns­ Wird ein magnetisierter Stoff erhitzt, dann nimmt
ten derjenigen Bezirke, die entlang der magneti­ die thermische Bewegung seiner Teilchen zu. Dabei
schen Feldlinien des äußeren Felds orientiert sind wird auch die Ausrichtung der Elementarmagnete
(Abb. 2). Je stärker dieses äußere Feld ist, desto grö­ zerstört, bis sie bei sehr hoher Temperatur, der so­
ßer ist der Effekt. Wenn der ferromagnetische Stoff genannten Curie-Temperatur (benannt nach P ierre
einheitlich ausgerichtet ist, tritt Sättigung ein. Die­ C urie , 1859–1906), schließlich wieder in regellosen
sen Vorgang bezeichnet man als Magnetisierung. weißschen Bezirken angeordnet sind. Dadurch liegt
Schaltet man das äußere Feld ab, dann bleibt bei der Stoff nun wieder im entmagnetisierten Zustand
magnetisch harten Stoffen die Ausrichtung erhal­ vor. Bei Eisen beträgt diese Temperatur ca. 770 °C.

Ein experimenteller Beleg für die Existenz der weiß­


schen Bezirke ist der Barkhausen­Effekt, benannt
nach H einriCH B arkHausen (1881–1956).
Im Versuch wird dabei das Springen der Grenze
zwischen einzelnen weißschen Bezirken hörbar ge­
macht. Um das zu erreichen, bringt man einen Eisen­
draht in eine Spule mit vielen Windungen. Die Spu­
1 Regellos angeordnete weißsche Bezirke lenenden werden über einen Verstärker mit einem
Lautsprecher verbunden (Abb. 3). Nähert man dem
Eisendraht sehr langsam einen Magneten, so hört
man im Lautsprecher ein Rauschen. Beim Springen
der Grenzen entsteht jeweils ein Spannungsstoß.
Entfernt man den Magneten, tritt dieses Rauschen
erneut auf: Die weißschen Bezirke geraten wieder in
Unordnung. Bei einem Stahldraht tritt das Rauschen
nur beim ersten Annähern auf, beim Entfernen nicht
2 Großflächig gleich orientierte weißsche Bezirke mehr. Bei Stahl bleibt die Magnetisierung erhalten.

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302 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Die UVW­Regel Richtung des


wird auch als magnetischen
Rechte-Hand-Regel Felds
bezeichnet. (N g S)
Ursache U: Kraft-
Stromfluss richtung
Vermittlung V:
Magnetfeld
Stromrichtung
Wirkung W:
(von + nach –)
Kraft auf Leiter

Sie kann auch als


Linke-Hand-Regel 1 Der Kraftmesser zeigt die auf das 2 Die Richtung der Kraft kann mit der
formuliert werden. Leiterstück wirkende Kraft an. UVW­Regel bestimmt werden.
Dann ist als Strom­
richtung die Rich­
tung von – nach +
4.4.2 Beschreibung magnetischer Felder durch eine Größe
(Bewegungsrichtung
von Elektronen) zu
wählen.
Die Stärke eines elektrischen Felds lässt sich durch die elektrische Feld­
stärke E (b S. 273 f.) genauer kennzeichnen. In analoger Weise lässt sich ein
Magnetfeld charakterisieren. Wir betrachten dazu die Kraft, die im Mag­
netfeld auf einen stromdurchflossenen Leiter ausgeübt wird.
Aus dem bisherigen Physikunterricht ist bereits bekannt: Befindet sich
ein stromdurchflossener Leiter in einem Magnetfeld, so wird auf ihn eine
Kraft ausgeübt.
Erste experimentelle Untersuchungen zeigen, dass die Kraft abhängig ist
von
– der Stärke des Magnetfelds, in dem sich der Leiter befindet,
– der Stromstärke durch den Leiter und
– der Länge des Leiterstücks, das sich im Magnetfeld befindet.

Zur genaueren experimentellen Untersuchung der Zusammenhänge wird


ein Leiterstück in ein homogenes Magnetfeld gebracht. Das stromdurch­
flossene Leiterstück der Länge l steht senkrecht zu den Feldlinien des Mag­
netfelds. Die Kraft auf das stromdurchflossene Leiterstück kann mit einem
Federkraftmesser oder mit einem Kraftsensor gemessen werden.
Die experimentelle Untersuchung der Zu­
A sammenhänge ergibt:
– Bei konstanter Länge l ist die Kraft
l
– umso größer, je größer die Stromstärke
F
ist: F ~ I
+
– Bei konstanter Stromstärke ist die Kraft
Kraftsensor
umso größer, je länger der stromdurch­
flossene Leiter ist, der sich im Magnet­
Richtung des Magnetfelds feld befindet: F ~ l

Die Zusammenfassung der Proportionalitäten ergibt:

F ~ I·l oder }F = konstant


I·l

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Magnetische Felder 303

Weitere Untersuchungen zeigen: In einem stärkeren Magnetfeld ist der Statt von magne­
Quotient größer, in einem schwächeren kleiner. Er ist somit geeignet, die tischer Flussdichte
Stärke eines Magnetfelds zu kennzeichnen. Aus historischen Gründen be­ wird auch von mag-
zeichnet man die Größe als magnetische Flussdichte. netischer Induktion
gesprochen.

Die magnetische Flussdichte gibt an, wie stark ein Magnetfeld ist.

Formelzeichen: B
Einheit: ein Tesla (1 T)

Unter der Bedingung, dass sich ein stromdurchflossener Leiter senk­


recht zu den Feldlinien eines Magnetfelds befindet, kann die magneti­
sche Flussdichte berechnet werden mit der Gleichung:
F
B=} F Kraft auf den stromdurchflossenen Leiter
l·l
I Stromstärke durch den Leiter
l Länge des Leiters im Magnetfeld

Die Richtung der magnetischen Flussdichte ist gleich der Richtung der Feld­ Analog ist die
linien des magnetischen Felds. Für die Einheit ergibt sich aus der Definiti­ Richtung der elek­
onsgleichung 1 } N . Diese Einheit wird als ein Tesla (1 T) bezeichnet: trischen Feldstärke
A·m
gleich der Richtung
1T=1}N
A·m der Feldlinien des
elektrischen Felds.
Benannt ist die
Ein Leiter von 4,0 cm Länge befindet sich in einem Magnetfeld und
Einheit der magne-
wird von einem Strom der Stärke 5,1 A durchflossen. Auf ihn wirkt eine tischen Flussdichte
Kraft von 2,2 · 10–2 N. nach dem kroati­
Wie groß ist die magnetische Flussdichte des Felds? schen Elektrotech­
niker und Physiker
Analyse: n iCola tesla (1856
Da kein Winkel zwischen Leiter und Richtung des Magnetfelds ange­ bis 1943).
geben ist, gehen wir davon aus, dass beide senkrecht zueinander sind.
Dann kann die oben genannte Definitionsgleichung für die Flussdichte
angewendet werden.
Gesucht: B
Gegeben: l = 4,0 cm = 0,040 m
I = 5,1 A F = 2,2 · 10–2 N

Lösung:
Für den Fall l und damit I senkrecht zu B gilt für die Flussdichte: Für die Einheiten
F gilt:
B= }
I·l
1}N =1T
A·m
2,2 · 10–2 N
B= }}
5,1 A · 0,040 m

B = 0,11 T

Ergebnis:
Die magnetische Flussdichte des betreffenden Magnetfelds beträgt
0,11 T.

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304 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Magnetische Flussdichte in einer langen Spule


Von einer langen Bei einer langen, stromdurchflossenen Spule verlaufen die Feldlinien im
Spule wird gespro­ Innern der Spule nahezu parallel und in gleichem Abstand voneinander.
chen, wenn die Das bedeutet:
Länge der Spule
groß gegenüber
dem Spulendurch­
Das Magnetfeld im Innern einer langen, stromdurchflossenen Spule ist
messer ist. näherungsweise ein homogenes Feld.

Demzufolge ist die magnetische Flussdichte in diesem Teil des Felds als
konstant anzunehmen. Wovon aber ist sie abhängig?

Ein Teslameter Experimentell kann man das an ei­


enthält einen Sensor ner Spule untersuchen, bei der die
(Hall­Sonde) zur magnetische Flussdichte im Innern
direkten Messung mit einem Teslameter direkt ge­
der magneti­ messen wird (b Experimentieran­
schen Flussdichte.
ordnung rechts).
Informationen zur
Wirkungsweise einer
Hall­Sonde sind auf
Die eperimentellen Untersuchun­
S. 313 gegeben. gen ergeben für eine bestimmte
Spule:
– Die magnetische Flussdichte ist der Stromstärke durch die Spule propor­
tional: B ~ I
– Die magnetische Flussdichte ist der Windungszahl N der Spule proporti­
onal: B ~ N
– Die magnetische Flussdichte ist der Länge der Spule indirekt proportio­
nal: B ~ }1l

Eine Zusammenfassung aller Proportionalitäten ergibt:


I·N B·l
B~} l
oder }
I·N
= konstant

Der konstante Proportionalitätsfaktor wird als magnetische Feldkonstante


μ0 bezeichnet. Diese Feldkonstante hat folgenden Wert:
V·s V·s
μ0 = 4 π · 10 –7 }
A·m
= 1,257 · 10 – 6 }
A·m
Für das Vakuum Befindet sich im Innern der Spule ein Körper aus ferromagnetischem Stoff,
und für Luft ist z. B. ein Eisenkern, so vergrößert sich die Flussdichte um den Faktor μr , die
μr = 1,000. Permeabilitätszahl. Zusammenfassend ergibt sich damit:
Für Eisen beträgt
ihr Wert je nach
Zusammensetzung
Die magnetische Flussdichte im Innern einer langen, stromdurchflosse­
250 – 600, bei spe­ nen Spule kann berechnet werden mit der Gleichung:
ziellen Legierungen l·N
B = μ0 · μr · }
werden Werte von l
100 000 und mehr μ0 magnetische Feldkonstante l Stromstärke durch die Spule
erreicht. μr Permeabilitätszahl l Länge der Spule
N Windungszahl der Spule

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Magnetische Felder 305

Durch eine Spule mit 1 000 Windungen fließt ein Strom der Stärke
1,0 A. Die Länge der Spule beträgt 15 cm, ihr Durchmesser 5,0 cm. In
der Spule befindet sich ein Kern aus einer speziellen Legierung mit ei­
ner Permeabilitätszahl von 6 000. Wie groß ist die magnetische Fluss-
dichte in der Spule ohne und mit Kern?

Analyse:
Bei einer Länge von 15 cm und einem Durchmesser von 5,0 cm kann
man von einer langen Spule ausgehen. Demzufolge kann die auf S. 304
genannte Gleichung für die magnetische Flussdichte B genutzt werden.

Gesucht: B (ohne und mit Kern)


Gegeben: I = 1,0 A
l = 15 cm = 0,15 m
μr = 6 000
V·s
μ0 = 1,257 · 10–6 }
A·m
N = 1 000

Lösung:
Genutzt wird die Gleichung für die magnetische Flussdichte einer lan­
gen, stromdurchflossenen Spule:
I·N
B = μ0 · μr · } l
Dann erhält man für die Spule ohne Kern ( μr = 1):
V · s 1,0 A · 1 000
B1 = 1,257 · 10– 6 } ·} 0,15 m
A·m

B1 = 8,4 · 10– 3 }
V · s = 8,4 · 10– 3 T
2
m
Für die Spule mit Kern vergrößert sich die Flussdichte um den Faktor
Für die Einheiten
μr = 6 000, beträgt also B2 = 8,4 · 10– 3 T · 6 · 103 = 50 T.
gilt:
V·s = 1 V·s·A =
1}
Ergebnis: 2 } 2
m m ·A
In der Spule ohne Kern beträgt die magnetische Flussdichte 8,4 · 10–3 T Nm = 1 N = 1 T
1} }
oder 8,4 mT, mit Kern dagegen 50 T. 2
m ·A m·A

Mithilfe einer speziellen Spulenanordnung kann man ein weitgehend ho­


mogenes Magnetfeld erzeugen.
Zwei kurze Spulen mit
großem Radius R werden
parallel zueinander im Ab­
stand s (s = R) aufgestellt. Diese besondere
Spulenanordnung
Die Überlagerung der Mag­
geht auf den
netfelder beider Spulen
deutschen Physi­
ergibt in Achsennähe ein ker H ermann von
weitgehend homogenes H elmHoltz (1821 bis
Magnetfeld, das gut für ex­ 1894) zurück. Man
perimentelle Untersuchun­ nennt sie deshalb
gen genutzt werden kann. Helmholtz-Spulen.

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306 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Vergleich statischer elektrischer und magnetischer Felder


Zwischen elektrischen und magnetischen Feldern gibt es eine Reihe von
Gemeinsamkeiten bzw. Analogien, aber auch Unterschiede.
In der nachfolgenden Übersicht sind ausgewählte Eigenschaften der Felder
gegenübergestellt.

Statisches elektrisches Feld Statisches magnetisches Feld

Ein elektrisches Feld existiert um elektrisch gela­ Ein magnetisches Feld existiert um Permanentmag­
dene Körper. nete und stromdurchflossene Leiter bzw. Spulen.

Ein elektrisches Feld kann mit dem Modell Feld­ Ein magnetisches Feld kann mit dem Modell Feld­
linienbild veranschaulicht werden. linienbild veranschaulicht werden.

– +


+

+ N S
– – +

+
– –

Die Richtung der Feldlinien gibt die Richtung der Die Richtung der Feldlinien gibt an, wie sich kleine
Kraft auf einen positiv geladenen Körper an. Magnetnadeln im Feld ausrichten. Der Nordpol
zeigt in Feldrichtung.

Das elektrische Feld ist ein wirbelfreies Quellenfeld. Das magnetische Feld ist ein quellenfreies Wirbel­
Das bedeutet: feld. Das bedeutet:
Die Feldlinien beginnen und enden an Ladungen. Die Feldlinien sind geschlossene Linien.

Die Stärke des elektrischen Felds wird mit der Die Stärke des magnetischen Felds wird mit der
Größe elektrische Feldstärke E beschrieben: Größe magnetische Flussdichte B beschrieben:
F F
E=}
Q
B=}
I·l
(B, F und I senkrecht zueinander)
V N
m)
Einheit: ein Volt durch Meter (1 } Einheit: ein Tesla (1 T = 1 }
A·m
)

Für das homogene Feld eines Plattenkondensators Für das homogene Feld im Innern einer langen
gilt: Spule gilt:
U I·N
E=}
d
B = μ0 · μr · } l

Die elektrische Feldstärke kann mit einem Feld­ Die magnetische Flussdichte kann mit einem Tesla­
stärkemesser gemessen werden. meter bzw. mit einem Feldstärkemesser gemessen
werden.

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Magnetische Felder 307

4.4.3 Geladene Teilchen in magnetischen Feldern

Die Lorentzkraft
Bewegen sich geladene Teilchen senkrecht zu den magnetischen Feldli­
nien, so wird auf sie im Magnetfeld eine Kraft ausgeübt. Diese Kraft wird
als Lorentzkraft bezeichnet.

Die Lorentzkraft ist die Kraft, die auf einzelne bewegte Ladungsträger
in einem Magnetfeld wirkt.

416 205
Der Betrag dieser Kraft kann unter der Voraussetzung, dass Bewegungs­ Benannt ist diese
richtung und Richtung des Magnetfelds senkrecht zueinander stehen, fol­ Kraft nach dem nie­
gendermaßen ermittelt werden: derländischen Physi­
ker H endrik a ntoon
In einem Leiter bewegen sich Elektronen mit einer mittleren Driftge­
l orentz (1853 bis
schwindigkeit v. Die N Elektronen im Bereich eines Leiterstücks der Länge l
1928), der sie 1895
bewegen sich in der Zeit t durch einen Leiterquerschnitt, haben also die
in die Elektrodyna­
Geschwindigkeit v = }tl . Dann beträgt die Stromstärke im Leiter: mik einführte.
Q N·e
I=}
t
=}t
(1)

Die Kraft auf ein Leiterstück der Länge l in einem Magnetfeld beträgt
(b S. 302 f.):

FL = B · I · l (2)

Setzt man (1) in (2) ein, so erhält man: FL = B · N · e · }tl


Mit N · e = Q und }tl = v ergibt sich FL = Q · v · B.

Unter der Voraussetzung, dass die Bewegung geladener Teilchen Für Elektronen und
senkrecht zur Richtung des Magnetfelds verläuft, kann der Betrag der Protonen ist der
Lorentzkraft berechnet werden mit der Gleichung: Betrag der Ladung:
Q = e = 1,602 · 10–19 C
FL = Q · v · B Q Ladung des Teilchens
(v ⊥ B) v Geschwindigkeit der geladenen Teilchen
B magnetische Flussdichte

Die Lorentzkraft wirkt senkrecht zur Bewegungsrichtung und senk­


recht zur Richtung des Magnetfelds (b S. 308).

Aus der Gleichung und den Bedingungen ergeben sich folgende Schluss­
folgerungen:
– Da die Lorentzkraft so wie die Radialkraft (b S. 86) immer senkrecht zur
Bewegungsrichtung wirkt, ändert sich nur die Richtung, nicht aber der
Betrag der Geschwindigkeit der geladenen Teilchen.
– In einem homogenen Magnetfeld (B = konstant) ist die Kraft konstant. Die Lorentzkraft
Die geladenen Teilchen bewegen sich auf kreisförmigen Bahnen. wirkt als Radialkraft.
– Die Kräfte auf positiv und negativ geladene Teilchen gleicher Ladung
sind entgegengesetzt gerichtet, haben aber bei gleicher Geschwindig­
keit und gleicher magnetischer Flussdichte den gleichen Betrag.

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308 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Die Richtung der Kraft auf geladene Teilchen und damit auch auf strom­
durchflossene Leiter ergibt sich aus der Rechte-Hand-Regel (b S. 302).

Daumen: Richtung des Stroms von + nach – (Ursache)


Zeigefinger: Richtung des magnetischen Felds (Vermittlung)
Mittelfinger: Richtung der Kraft (Wirkung)

Richtung des
magnetischen
+ – Felds
I (N g S)
Kraft-
S
richtung

F Stromrichtung
I
(von + nach –)
N

Statt sin α schreibt Bewegen sich die geladenen Teilchen nicht senkrecht, sondern unter ei­
man auch häufig: nem beliebigen Winkel α zur Richtung des Magnetfelds, dann gilt für die
sin ² (v, B ) wirkende Lorentzkraft:
Der Zusammenhang
FL = Q · v · B · sin α
ist aus der folgen­
den Skizze erkenn­ Daraus folgt:
bar: – Bewegen sich geladene Teilchen parallel zu den Feldlinien des magne­
B und v liegen in tischen Felds (α = 0), so ist die Lorentzkraft null. Die Teilchen werden in
einer Ebene. ihrer Bewegung nicht beeinflusst.
– Bei senkrechtem Eintritt in das Feld wirkt die Lorentzkraft als Radial­
FL
kraft. Die geladenen Teilchen bewegen sich auf kreisförmigen Bahnen
(b Skizze unten links).
B v – Bei schrägem Eintritt in das Magnetfeld (b Skizze unten rechts) wirkt
ebenfalls die Lorentzkraft, aber mit dem Betrag F = Q · vs · B. Dabei ist vs
α die Geschwindigkeitskomponente senkrecht zu den Feldlinien. Die Ge­
schwindigkeitskomponente vP parallel zu den Feldlinien bewirkt, dass
v · sin α die Kreisbahn im dargestellten Fall nach rechts „auseinandergezogen“
wird und damit eine spiralförmige Bahn entsteht.

Bewegung senkrecht zu den Feldlinien Bewegung schräg zu den Feldlinien


Bei dieser und allen des Magnetfelds des Magnetfelds
folgenden Darstel­
lungen bedeutet:
v vs

FL v
FL
vp v
Das Magnetfeld
zeigt in die Blatt­ –
FL
ebene hinein.
Die umgekehrte
Die Elektronen bewegen sich auf einer Die Elektronen bewegen sich auf einer
Richtung wird durch
kreisförmigen Bahn. spiralförmigen Bahn.
Punkte markiert.

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Interessantes aus der Natur 309

Elektrische Erscheinungen in der Atmosphäre

In der Erdatmosphäre vollziehen sich vielfältige energieärmeren Elektronen wird rotes Licht der
elektrische Erscheinungen. Dazu gehören Blitze Wellenlänge 630 nm ausgesendet. Blaue und vio­
und andere Entladungserscheinungen ebenso wie lette Farbtöne ergeben sich beim Stoß von Elektro­
Polarlichter oder die Existenz ionisierter Schichten nen mit Stickstoffmolekülen. Da nur energiereiche
(Heaviside­Kennelly­Schichten) oder von Strahlungs­ Teilchen tief in die Atmosphäre eindringen können,
gürteln, die 1958 in Auswertung von Satellitenmes­ tritt grünes Polarlicht vorwiegend in Höhen von 100
sungen durch den amerikanischen Astrophysiker bis 200 km auf, rotes Polarlicht dagegen in Höhen
J ames van a llen (1914 – 2006) entdeckt wurden. zwischen 200 und 500 km. Darüber hinaus kommen
durch Farbmischungen weitere Farben zustande.
Polarlichter Das Polarlicht enthält auch Anteile an infrarotem
Eine besonders attraktive Erscheinung sind Polarlich­ und ultraviolettem Licht.
ter. Sie treten vorrangig zwischen dem 60. und 75.
Grad nördlicher bzw. südlicher Breite auf. Van-Allen-Strahlungsgürtel
Die 1958 entdeckten Strahlungsgürtel sind Bereiche
Ursache für die Polarlichter ist der Sonnenwind, ein energiereicher, geladener Teilchen um die Äquator­
vom äußeren Bereich der Sonnenatmosphäre, der ebene herum bis etwa 40° nördlicher bzw. südlicher
Korona, ausgehender Teilchenstrom, der vor allem Breite.
aus Protonen und aus Elektronen besteht. Diese Teil­
chen treffen meist mit einer Geschwindigkeit von Der innere Gürtel in Höhen von 1 000 – 6 000 km
300 bis 400 } km auf das Magnetfeld der Erde und besteht meist aus Protonen, der äußere Gürtel in
s
werden unter dem Einfluss dieses Felds abgelenkt. 15 000 – 25 000 km Höhe aus Elektronen (Abb. 1).
Das Zusammenwirken des Sonnenwinds mit dem Durch den Sonnenwind gelangen Protonen und
Erdmagnetfeld führt zu einem komplizierten System Elektronen in den Bereich des Erdmagnetfelds. In
elektrischer Ströme. Abhängigkeit von ihrer Geschwindigkeit und der
Struktur des Erdmagnetfelds bewegen sie sich vor­
Einer dieser Ströme besteht aus Elektronen, die sich zugsweise in bestimmten Bereichen (Gürteln) längs
auf spiralförmigen Bahnen längs der magnetischen der Feldlinien des Magnetfelds auf spiralförmigen
Feldlinien des Erdmagnetfelds bewegen. In Höhen Bahnen. Die Vergrößerung der magnetischen Fluss­
zwischen 500 und 100 km stoßen die Elektronen dichte in Richtung Pole der Erde bewirkt, dass die
mit Gasmolekülen zusammen und regen diese zum geladenen Teilchen im skizzierten Bereich hin­ und
Leuchten an. Die Frequenz und damit die Farbe herpendeln. Das Erdmagnetfeld bildet für sie eine
des emittierten Lichts hängt von der Energie der Art „magnetischer Flasche“.
stoßenden Elektronen und von der Art der getrof­
fenen Gasmoleküle ab. Sauerstoffmoleküle senden Für Weltraumunternehmen ist wichtig: Die Strahlen­
beim Stoß mit energiereichen Elektronen grünes belastung ist im Bereich der Van­Allen­Gürtel we­
Licht mit einer Wellenlänge von 558 nm aus, bei sentlich größer als auf der Erdoberfläche.

1 Elektronen und Protonen bewegen sich auf 2 Polarlichter sind leuchtende Gase, vor allem
spiralförmigen Bahnen. Sauerstoff und Stickstoff.

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310 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Bestimmung der spezifischen Ladung von Elektronen


In analoger Weise Die Ablenkung von Elektronen in homogenen Magnetfeldern kann ge­
kann auch die spe­ nutzt werden, um ihre spezifische Ladung zu bestimmen. Dazu werden in
zifische Ladung von einer speziellen Röhre, die sich im homogenen Magnetfeld von Helmholtz­
Protonen oder von Spulen (b S. 305) befindet, Elektronen im elektrischen Feld beschleunigt
anderen geladenen und im magnetischen Feld abgelenkt. Links ist die Elektronenstrahlröhre
Teilchen ermittelt
zu sehen, rechts die Skizze des Versuchsaufbaus.
werden.

Elektronenstrahl +

Durch eine Gas­ Anode r


füllung wird die
+ Katode
Bahn der Elektro­ –
nen sichtbar: Die
schnellen Elektronen
regen das Gas zum
Elektronenstrahl
Leuchten an.

Aus einer Glühkatode treten Elektronen aus und werden im elektrischen


Feld zwischen Katode und ringförmiger Anode durch eine Spannung U be­
schleunigt. Dabei erreichen sie die Geschwindigkeit v = √} e
2U · }
m (1).
Durch das homogene Magnetfeld werden sie auf eine Kreisbahn gezwun­
Für die Radialkraft gen. Die Lorentzkraft wirkt dabei als Radialkraft. Es gilt:
gilt: v 2
v2 m·}r
= e·v·B (2)
F= m·}r
4 π2 · r Dividiert man durch v und setzt (1) in (2) ein, so erhält man:
F= m·}
T2 m · √} e
2U · }
m
} r
= e·B
e
Quadrieren der Gleichung und Umstellen nach }
Die magnetische m ergibt:
Flussdichte kann e 2U
man entweder mit }
m
=}
2 2
B ·r
einer Hall-Sonde Alle rechts stehenden Größen sind messbar, damit ist die spezifische
(b S. 313) direkt Ladung } e
m
des Elektrons experimentell ermittelbar.
messen oder aus der
räumlichen Anord­
Bei einer Beschleunigungsspannung von 200 V und einer magnetischen
nung der Helmholtz­
Spulen bei Kenntnis
Flussdichte von 1,0 mT wird ein Durchmesser der Bahn des Elektronen­
der Stromstärke strahls von 9,50 cm ermittelt.
durch die Spulen Bestimmen Sie aus diesen experimentellen Daten die spezifische La-
berechnen. dung des Elektrons.

Analyse:
Wir gehen davon aus, dass die Bedingungen für die Anwendbarkeit
}› }›
der abgeleiteten Gleichung (homogenes Magnetfeld, v ' B , Geschwin­
digkeit der Elektronen unmittelbar nach Austritt aus der Katode null)
erfüllt sind.
Dann kann die obige Gleichung zur Berechnung der spezifischen La­
dung von Elektronen genutzt werden.

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Magnetische Felder 311

e
Gesucht: }
m
Für die Einheiten
Gegeben: U = 200 V gilt:
B = 1,0 mT = 10–3 T 1} V
2 2
d = 9,50 cm g r = 4,75 cm = 4,75 · 10–2 m T ·m
4
=1}V·m
2 2 2
V ·s ·m
Lösung:
e 2U m 2
}
m
=}
2 2
=1} 2
B ·r V·s
e 2 · 200 V
}
m
= }}
–3 2 –2 2 =1}
kg · m2
(10 T) · (4,75 · 10 m) 2
V · s · kg
e C
}
m
= 1,77 · 1011 }
kg
N · m = 1 Ws
=1} }
V · kg V · kg

V·A·s
=1 }
V · kg
Ergebnis:
Aus den Messungen ergibt sich für die spezifische Ladung des Elektrons A·s = 1 C
=1} }
kg kg
ein Wert von 1,77 · 1011 }C.
kg
Der Tabellenwert der spezifischen Ladung des Elektrons beträgt
1,759 · 1011 }C . Kennt man die Elementarladung, so kann auch die
kg
Masse des Elektrons ermittelt werden.

e C
Die spezifische Ladung des Elektrons beträgt }
m
= 1,759 · 1011 }
kg
, seine
Masse (Ruhemasse) mE = 9,109 · 10–31 kg.

Bildröhren mit magnetischer Ablenkung

Die Ablenkung von Elektronen in Magnetfeldern strahls in vertikaler bzw. in horizontaler Richtung
wird in herkömmlichen Fernsehbildröhren genutzt. bewirkt.
Den prinzipiellen Aufbau einer solchen Röhre zeigt Bei einer Fernsehbildröhre wird jeweils ein Elektro­

Interessantes aus der Technik


die Skizze unten. nenstrahl für jede der drei Grundfarben Rot, Grün
Das Strahlerzeugungssystem besteht aus Katode, und Blau in 625 Zeilen 50­mal in jeder Sekunde von
Wehneltzylinder und Anode, das Ablenksystem aus oben nach unten über den Bildschirm geführt, wo­
Spulenpaaren, die außen auf den evakuierten Glas­ bei in jeder Zeile 833 Bildpunkte zum Leuchten an­
kolben aufgesetzt sind. Sie erzeugen paarweise ein geregt werden können. Moderne Flachbildschirme
Magnetfeld, das eine Ablenkung des Elektronen­ arbeiten nach völlig anderen Prinzipien.

Vertikal-Ablenkspulen
Wehnelt-
Elektronenstrahl
zylinder

Heizung
Leucht-
schirm

Katode
+ –
– + Horizontal-Ablenkspulen
Anode

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312 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Der Hall-Effekt
Die Erscheinung, dass geladene Teilchen, die sich im Magnetfeld bewegen,
beeinflusst werden, zeigt sich auch bei stromdurchflossenen Leitern. Wird
ein flächenhafter stromdurchflossener Leiter senkrecht zur Driftgeschwin­
digkeit der Elektronen von einem Magnetfeld durchsetzt, so kann man
zwischen den Punkten A und B (b Skizze)
eine Spannung nachweisen.
Benannt ist der B UH
Effekt nach dem d
amerikanischen Phy­
siker e dWin H erBert – A
H all (1855 –1938), –



– –
der ihn 1879 ent­ – – b –
– –
deckte. B
– – – +
l

Die Richtung Diese Spannung wird als Hall-Spannung bezeichnet. Das Zustandekom­
der Kraft auf die men lässt sich mithilfe der Lorentzkraft deuten: Infolge ihrer Bewegung
Elektronen kann im Magnetfeld werden die Elektronen im skizzierten Fall nach unten ab­
man mithilfe der gelenkt. Es kommt im Punkt B zu einer Vergrößerung und im Punkt A zu
Rechte-Hand-Regel einer Verringerung der Elektronenanzahl, demzufolge zu einer Spannung
(b S. 308) ermitteln.
zwischen diesen beiden Punkten.

Ihr Betrag lässt sich folgendermaßen herleiten:


Aufgrund der Ladungsverschiebung bildet sich zwischen den Flächen,
an denen sich die Anschlüsse A und B befinden, ein elektrisches Feld der
U
Stärke EH = }H heraus.
b
Die Verschiebung der Ladungsträger durch die Lorentzkraft erfolgt so
lange, bis Lorentzkraft und Feldkraft im elektrischen Feld gleich groß sind,
also gilt:
H U
e·v·B = e·}
b
v ist die Driftge­ Damit erhält man für die Hall­Spannung: UH = v · B · b (1)
schwindigkeit der
Ladungsträger. Diese Gleichung kann man nutzen, um die Driftgeschwindigkeit von
Elektronen in Metallen abzuschätzen. In einem Experiment wurden für
ein dünnes Kupferblech folgende Werte bestimmt:

B = 1,25 T; b = 20 mm und UH = 0,024 mV

Durch Umstellen der Gleichung (1) nach v erhält man:


U
H
v=}
B·b
Mit den gegebenen Werten ergibt sich:
2,4 · 10 V –5 m mm
v = }} –2
= 0,96 · 10–3 }
s
= 0,96 }s
1,25 T · 2 · 10 m
Das stimmt gut mit dem in der Literatur häufig genannten Wert von
mm
1}s
überein.

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Magnetische Felder 313

Bei der nachfolgenden Herleitung beschränken wir uns auf Metalle, da


sich in ihnen bei Stromfluss nur freie Elektronen bewegen.
Für Metalle gilt für den Zusammenhang zwischen Driftgeschwindigkeit v
und Stromstärke I:
∆Q N·e
I=}
∆t
=}
∆t
und mit ∆t = }vl

N·e·v
I=} l
I·l
Die Umstellung nach v ergibt v = }N·e
(2). Setzt man (2) in die auf S. 312
genannte Gleichung (1) ein, so erhält man für die Hall­Spannung:
I·B·l·b
UH = } N·e
(3)

Die Erweiterung mit der Dicke d des Leiters ergibt:


I·B·l·b·d
UH = } N·e·d
Der Term l · b · d ist das Volumen V des Leiters. Mit der Hall­Konstanten
l·b·d V
RH = }N·e
=}
N·e
erhält man für die Hall­Spannung:

Der Faktor RH ist


Die Hall­Spannung kann berechnet werden mit der Gleichung: eine Stoffkon­
stante und ist gleich
I·B
UH = RH · }d
RH Hall­Konstante (Stoffkonstante) dem Kehrwert der
I Stromstärke Ladungsträgerdichte
B magnetische Flussdichte im betreffenden
d Dicke des Leiters Leiter:
V
RH = }
N·e

Den genannten Zusammenhang kann man nutzen, um die magnetische


Flussdichte und damit die Stärke von Magnetfeldern direkt zu messen.
Der Sensor wird als Hall­Sonde bezeichnet, die gesamte Messanordnung
als Teslameter.
Moderne Hall­Sonden bestehen meist aus einem kleinen Halbleiterplätt­ Genutzt wird z. B.
chen, da bei Halbleitern die Hall­Konstante RH relativ groß ist. Bei angeleg­ Indiumantimonid

C )
(RH = 2,4 · 10– 4 }
ter Spannung U fließt ein Strom durch den Halbleiter. Die Hall­Spannung m3

wird gemessen, am Messgerät wird in der Regel aber sofort die Flussdichte
in Tesla oder Millitesla angezeigt. In der Praxis wird die Hall­Sonde mit oder Indiumarsenid

C)
(RH = 1,0 · 10– 4 }
3
m
allen anderen Komponenten (Verstärker, A/D­Wandler, Anschlüsse für die .
Stromversorgung) auf einem Chip integriert.

UH

1 Aufbau einer Hall­Sonde 2 Messung mit einer Hall­Sonde

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314 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Massenspektrograf
Den ersten Nachweis Eine Anordnung, mit der geladene Teilchen kleinster Massedifferenzen
eines Isotops mittels voneinander getrennt werden können, wird als Massenspektrograf be­
Ablenkung durch zeichnet. Die Skizze zeigt den prinzipiellen Aufbau und den Bahnverlauf
elektrische und bei positiv geladenen Ionen.
magnetische Felder
führten 1912 die
m3
britischen Physiker
F ranCis W illiam m2 Fotoplatte
a ston (1877–1945) m1
und J osePH B1 B2
J oHn t Homson +
(1856 –1940). 1919 E
entwickelte a ston
einen Massen- Quelle von Ionen –
spektrografen
mit gekreuztem
gekreuztes elektrisches magnetisches Feld
elektrischen und und magnetisches Feld
magnetischen Feld
(b Skizze). Für seine
Arbeiten erhielt er
Von einer Ionenquelle treten geladene Ionen aus, die zunächst unter­
1922 den Nobelpreis schiedliche Geschwindigkeiten besitzen. Sie treten in ein gekreuztes elek­
für Chemie. trisches und magnetisches Feld ein. Positiv geladene Ionen werden vom
elektrischen Feld nach unten, vom magnetischen Feld nach oben abge­
lenkt. Nur die Ionen, bei denen die beiden Feldkräfte gleich groß sind,
durchlaufen das gekreuzte Feld geradlinig. Das ist der Fall, wenn gilt:
E
Fel = Q · E = Q · v · B1 = Fmagn und damit v = }
B 1

Teilchen mit ande­ Das bedeutet: Alle geladenen Teilchen, die das gekreuzte Feld geradlinig
ren Geschwindig­ E
durchlaufen, haben die gleiche Geschwindigkeit v = }
B1
. Das gekreuzte Feld
keiten werden nach wirkt als Geschwindigkeitsfilter.
oben oder unten Anschließend treten die geladenen Teilchen in ein zweites homogenes
abgelenkt und ge­ Magnetfeld ein. Die Ablenkung in diesem Magnetfeld erfolgt durch die
langen nicht in das
Lorentzkraft. Es gilt:
zweite magnetische
v2
Feld. Q · v · B2 = m · }r
E
Mit v = }
B
erhält man die Gleichung:
1
Q E E
So besteht z. B. Was­ m=}
} r·B ·B
oder r = } Q
1 2 B1 · B2 · }
m
serstoff aus den drei
Nukliden: Der Radius der Kreisbahn im magnetischen Feld ist bei konstanter Stärke
1
1
H (99,985 %) des elektrischen und der beiden magnetischen Felder nur von der spezifi­
2
schen Ladung der Teilchen abhängig. Aus E, r, B1 und B2 lässt sich die spe-
H (Deuterium; Q
1
zifische Ladung }m bestimmen. Kennt man die Ladung der Ionen, kann man
0,015 %)
aus der spezifischen Ladung die Ionenmasse berechnen.
3
1
H (Tritium; Die Entwicklung der Massenspektroskopie war ein wichtiger Schritt auf
0,000 1 %) dem Weg zur Erforschung von Atomkernen. Mithilfe massenspektrosko­
Ihre Massen verhal­ pischer Untersuchungen fand man heraus, dass fast alle Elemente aus ver­
ten sich wie 1 : 2 : 3. schiedenen Nukliden bestehen.

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Das Wichtigste im Überblick 315

Statisches magnetisches Feld

Überblick
Ein magnetisches Feld ist der Zustand des Raums um einen Magneten, in dem auf andere
Magnete und Körper aus ferromagnetischen Stoffen Kräfte ausgeübt werden. Man kann
ein magnetisches Feld mit dem Modell Feldlinienbild beschreiben.

N S

Ein magnetisches Feld existiert um Dauermag­ A


nete und um stromdurchflossene Leiter (Elek­ l
tromagnete). Die Stärke des Felds wird mit der F –
magnetischen Flussdichte B beschrieben. +
Kraftsensor
F (B, F und I
B=}
I·l
senkrecht zueinander) Richtung des Magnetfelds

Im Innern einer langen, stromdurchflossenen Spule


besteht näherungsweise ein homogenes Feld. Für
die magnetische Flussdichte im Innern einer solchen N S
Spule gilt:

N·I
B = μ0 · μr · }l
– +

In einem homogenen magnetischen Feld wirkt auf bewegte geladene Teilchen eine Kraft
senkrecht zur Bewegungsrichtung und senkrecht zur Richtung des Magnetfelds. Die Rich­
tung der Ablenkung hängt auch von der Art der Ladung ab.

Magnetfeld in Richtung des


v Blattebene hinein magnetischen
– Felds
FL
FL (N g S)
Kraft-
richtung
FL
Stromrichtung
(von + nach –)

Der Betrag der Lorentzkraft kann mit fol­ Die Richtung der Lorentzkraft ergibt sich
gender Gleichung berechnet werden: mit der Rechte­Hand­Regel.
FL = Q · v · B

Unter der Voraussetzung v ⊥ B wirkt die Lorentzkraft als Radialkraft:


v 2 Q v
Q·v·B = m·}r
oder }
m
=}
r·B

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316 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Aufgaben a) Probieren Sie verschiedene Varianten aus.


b) Untersuchen Sie für einen geraden Leiter die
Flussdichte in Abhängigkeit von der Entfernung x
1. 410 584 Eisenfeilspäne (bei konstantem y). Nehmen Sie eine Messwerte­
Die Fotos zeigen, wie sich Eisenfeilspäne in der Nähe reihe auf! Stellen Sie die Messwerte grafisch dar.
von Permanentmagneten ausrichten. Interpretieren Sie das Diagramm.
Skizzieren Sie die Feldlinienbilder. Was kann man c) Untersuchen Sie den Feldlinienverlauf zwischen
einem Feldlinienbild entnehmen und wo liegen die zwei geraden Leitern bei gleicher und bei unter­
Grenzen dieses Modells? schiedlicher Stromrichtung. Präsentieren Sie das
Ergebnis Ihrer Untersuchungen.
a) b)
5. 412 754 Nachweis von Magnetfeldern
Sie wollen herausfinden, ob in einem Raum ein mag­
netisches Feld vorhanden ist oder nicht.
Diskutieren Sie Möglichkeiten des Nachweises eines
Magnetfelds. Präsentieren Sie eine Variante.
2. 412 574 Erdmagnetfeld
Die Erde ist ein großer, aber recht schwacher Mag­ 6. 412 764 Abschirmung von Magnetfeldern
net. Ihr Magnetfeld reicht weit in den Weltraum Ein Magnetfeld durchdringt
hinaus. bestimmte Stoffe, z. B. Holz
a) Informieren Sie sich anhand verschiedener Infor­ (b Abb.).
mationsquellen über das Magnetfeld der Erde, a) Probieren Sie aus, welche
seine Form, seine Stärke und seine Besonderhei­ Stoffe von einem Mag­
ten. Bereiten Sie dazu einen Kurzvortrag vor. netfeld durchdrungen wer­
b) Erkunden Sie, ob auch andere Planeten ein Mag­ den und welche nicht.
netfeld besitzen. b) Empfindliche elektronische
Geräte müssen von Magnet­
3. 412 594 Leiter im Magnetfeld feldern abgeschirmt werden.
Im Magnetfeld eines Huf­ +– Erkunden Sie, wie man eine
eisenmagneten befindet sich magnetische Abschirmung eines
ein stromdurchflossener Raums realisieren könnte.
Leiter. Es können sich die S
Stromrichtung und die Feld­ 7. 410 764 Drehspulmesswerk
richtung verändern. Viele Messgeräte für Spannung und Stromstärke
Skizzieren Sie nach dem Mus­ N arbeiten mit einem Drehspulmesswerk. Die Skizze
ter die vier möglichen Fälle zeigt seinen prinzipiellen Aufbau. Der Messstrom
und zeichnen Sie jeweils die Kraft ein. fließt durch die drehbare Spule. Erklären Sie die Wir­
kungsweise eines solchen Drehspulmesswerks.
4. 414 554 Simulation von Magnetfeldern
Unter der Internetadresse [Link]/java/ Zeiger
physlet finden Sie Simulationen zu Feldlinienbildern Skala
magnetischer Felder. Dabei können Sie vielfältige
Veränderungen vornehmen. Der Screenshot zeigt drehbare Spule
ein Beispiel. mit Eisenkern

Spiralfeder
– +

8. 416 494 Verschiedene Stoffe


Erkunden Sie, wie sich diamagnetische und para­
magnetische Stoffe von ferromagnetischen Stoffen
unterscheiden.

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Aufgaben 317

9. 416 364 Kraft auf Leiterschleife 11. 411 294 Spule im Magnetfeld
Mithilfe eines Leiters soll das Magnetfeld einer Spule Eine quadratische Spule
ausgemessen werden (b Abb.). Der Leiter wird mit mit 6,0 cm Seitenlänge und
einer Kraft von 12 mN in das Feld hineingezogen. 500 Windungen befindet sich
vollständig in einem homo­
Magnetfeld läuft in
die Zeichenebene hinein. genen Magnetfeld mit der
Flussdichte 40 mT.
a) Wie groß ist die auf die
Spule insgesamt wirkende
Kraft, wenn die Stromstärke durch sie 2,6 A be­
l = 20 cm
trägt?
b) Die Spule wird nach oben zur Hälfte aus dem Feld
herausbewegt. Welche Aussage kann man jetzt
über die Kraft treffen?
a) Übernehmen Sie die Zeichnung in Ihr Heft und
ergänzen Sie die Kraftrichtung sowie die Strom­ 12. 418 234 Ströme und Kräfte
richtung. Wo ist demnach der Pluspol angeschlos­ An einem Ort beträgt die Horizontalkomponente
sen? des Magnetfelds der Erde 25 µT. Auf eine in Ost­
b) Berechnen Sie die magnetische Flussdichte der West­Richtung verlaufende Gleichspannungsleitung
Spule, wenn im Leiter ein Strom von 2,5 A fließt. wird damit eine Kraft ausgeübt.
c) Erklären Sie, warum sich die Leiterschleife nur a) In welcher Richtung wirkt die Kraft, wenn der
nach unten bewegt, nicht jedoch nach links oder Strom von West nach Ost fließt? Skizzieren Sie
nach rechts. den Sachverhalt.
b) Wie groß ist die Kraft auf die Leitung zwischen
10. 412 694 Leiterschleife im Feld zwei Masten, wenn die Stromstärke 500 A be­
Ein mit einem Strom von 10 A – trägt und die Masten 120 m voneinander ent­
+
durchflossener Leiter der fernt stehen?
Länge 4,0 cm befindet sich im
Magnetfeld eines Hufeisen­ 13. 419 154 Magnetfelder um uns
magneten und ist mit einem In unserer Umgebung sind zahlreiche Magnetfelder
Kraftsensor verbunden. vorhanden.
a) In der gezeichneten Stel­ a) Erkunden Sie, wie stark das Magnetfeld der Erde
lung kann man eine Kraft ist.
von 11,6 mN messen. Berechnen Sie die magneti­ b) Versuchen Sie, mithilfe des Internets herauszufin­
sche Flussdichte des Hufeisenmagneten. den, welche magnetischen Flussdichten bei tech­
b) Der Leiter wird nun im Magnetfeld gedreht. Zu nischen Geräten und Anlagen auftreten.
Beginn wird der Leiter parallel zu den Feldlinien c) Es gibt die These, dass Magnetfelder das mensch­
ausgerichtet und dann gegen den Uhrzeigersinn liche Wohlbefinden beeinflussen.
um den Winkel α gedreht. Dabei ergeben sich die Sammeln Sie dazu Informationen. Bereiten Sie
folgenden Messwerte: ein Kurzreferat zu der These vor.

α in ° 0 30 60 90 120 14. 416 784 Flussdichte in einer Spule


Eine lange Spule mit 1 000 Windungen ist 8,0 cm
F in mN 0 5,6 9,9 11,6 10,4 lang und hat eine Querschnittsfläche von 6,0 cm2.
Der Widerstand beträgt 16 Ω.
α in ° 150 180 210 240 270 Beim Anlegen einer Spannung von 4,0 V bildet sich
ein Magnetfeld aus.
F in mN 6,3 0,1 – 5,8 – 9,9 –11,5
Berechnen Sie die Flussdichte im Innern der langen
Spule,
Welche Bedeutung hat der Vorzeichenwechsel? a) wenn sie keinen Eisenkern enthält,
c) Welcher Zusammenhang besteht zwischen F und b) wenn sie einen Kern mit μr = 750
α? Zeichnen Sie dazu ein F­α­Diagramm. enthält.

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318 Elektrizitätslehre und Magnetismus

15. 418 964 Untersuchungen an Spulen a) Zeichnen Sie für einen geraden Leiter, durch den
In einem Versuch soll das Magnetfeld einer langen ein Strom von I = 2 A fließt, ein r­B­Diagramm im
Spule untersucht werden. Intervall 0 ≤ r ≤ 0,1 m. Berechnen Sie dafür min­
a) Überlegen Sie sich einen möglichen Versuchs­ destens 5 Wertepaare.
aufbau, mit dem man das Feld in einer langen b) Skizzieren Sie ein Feldlinienbild in einer Ebene
Spule messen kann. Welche Größen müssen ver­ senkrecht zu den Leitern
ändert werden können? – für einen geraden stromdurchflossenen Leiter,
b) Skizzieren Sie das Feldlinienbild einer an eine – für zwei parallele stromdurchflossene Leiter
Gleichstromquelle angeschlossenen langen Spule. bei gleicher Stromrichtung.
c) Bei einer Messung an einer Spule der Länge c) Berechnen Sie die Kraft zwischen zwei parallelen
15 cm mit 30 Windungen erhält man für verschie­ stromdurchflossenen Leitern (I = 1 A) der Länge
dene Spulenströme die folgenden Messwerte: l = 1 m im Abstand r = 1 m.

I in A 0 2,0 4,0 6,0 8,0 10,0 18. 411 424 Teilchenbahnen


Elektronen und Protonen treten in verschiedener
B in mT 0 0,52 1,02 1,52 1,96 2,48
Weise in homogene Magnetfelder ein.
Übernehmen Sie die Skizzen ins Heft, zeichnen Sie
Werten Sie das Messergebnis aus. Welchen Zu­ den weiteren Bahnverlauf ein und begründen Sie
sammenhang erhält man? ihn jeweils.
d) Welche Stromstärke hat man im Versuch c) einge­
a) b)
stellt, wenn das Magnetfeld 3,5 mT beträgt?
e) Beim nächsten Versuch wird die Länge der Spule
– –
verändert:
Bei 30 Windungen und einem Spulenstrom von + +
20 A ergeben sich folgende Messwerte:

c) d)
l in cm 15 20 25 30 35 40

B in mT 4,98 3,97 3,11 2,62 2,32 2,05 –

– +
+

Welcher Zusammenhang besteht zwischen den


Größen l und B? Werten Sie die Messwerte rech­
nerisch und grafisch aus. 19. 415 814 Elektronen im Feld
f) Bestimmen Sie unter Zuhilfenahme geeigneter Elektronen mit einer Energie von 500 eV bewegen
Messwerte die Feldkonstante μ0. sich in einem homogenen Magnetfeld auf einer
kreisförmigen Bahn mit r = 2,6 cm.
16. 416 404 Selbst gewickelte Spule a) Mit welcher Spannung werden diese Elektronen
Auf eine 45 mm lange Plastikhülse mit einem Durch­ beschleunigt?
messer von 8 mm ist auf 40 mm Länge einlagig b) Wie stark ist das Magnetfeld?
und lückenlos Kupferdraht (Durchmesser 0,1 mm)
gewickelt. Durch den Draht fließt ein Strom von 20. 413 184 Teilchenbeschleunigung
50 mA. Elektronen und Protonen sollen in elektrischen
a) Welche magnetische Flussdichte ist dann im In­ Feldern auf die gleiche Geschwindigkeit gebracht
nern der Hülse vorhanden? werden.
b) Welche Spannung liegt an dieser selbst gewickel­ a) In welchem Verhältnis müssen die Beschleuni­
ten Spule an? gungsspannungen zueinander stehen?
b) Die Elektronen und Protonen bewegen sich an­
17. 417 264 Gerade Leiter schließend mit der gleichen Geschwindigkeit im
Für die magnetische Flussdichte im Abstand r von gleichen homogenen Magnetfeld auf kreisförmi­
einem langen, geraden, stromdurchflossenen Lei­ gen Bahnen.
ter, durch den der Strom I fließt, gilt die Beziehung: Vergleichen Sie die Radien und die Umlauf­
B = μ0 · } I frequenzen miteinander.
2π · r

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Aufgaben 319

21. 417 464 β-Strahlung im Magnetfeld 25. 419 804 Ionen im Magnetfeld
Als Detektoren für geladene Teilchen eignen sich Ionen eines Gases treten mit unterschiedlichen Ge­
Kammern, in denen die Spuren der Teilchen sichtbar schwindigkeiten senkrecht zu den Feldlinien in ein
werden (Blasenkammern, Nebelkammern). magnetisches Feld der Flussdichte 1,2 T ein, so wie es
Damit man Teilchen verschiedener spezifischer in der Skizze dargestellt ist.
Ladung bzw. verschiedener Geschwindigkeit vonein­
ander unterscheiden kann, wird ein Magnetfeld so
angeordnet, dass es die Kammer senkrecht durch­
setzt. Ionen-
Die Spur von β–­Strahlung bildet bei einer strahl
magnetischen Flussdichte von 10 mT eine Kreisbahn
mit einem Radius von 4,6 cm.
a) Leiten Sie eine Gleichung zur Bestimmung der ki­
netischen Energie von β–­Teilchen her. Das magnetische Feld wird von einem dazu senk­
b) Berechnen Sie die kinetische Energie der rechten elektrischen Feld eines Plattenkondensators
β–­Teilchen in MeV. durchsetzt, sodass nur Ionen mit v = 4,0 · 104 }
m das
s
gekreuzte Feld geradlinig durchlaufen.
22. 418 904 Gekreuzte Felder a) Geben Sie die Richtung des elektrischen Felds an.
Geladene Teilchen, die ein gekreuztes elektrisches Begründen Sie Ihre Aussage.
und magnetisches Feld geradlinig durchlaufen, ha­ b) Wie groß muss die elektrische Feldstärke sein, da­
ben die gleiche Geschwindigkeit. mit sich die Ionen geradlinig bewegen?
c) Begründen Sie, dass sich die Ionen hinter der
+ Blende auf einer Kreisbahn bewegen.
Quelle von d) Berechnen Sie die spezifische Ladung der Ionen
geladenen für den Fall, dass der Radius des Kreisbogens
Teilchen 4,5 cm beträgt.
– e) Die Ionen sind einfach ionisiert. Berechnen Sie
die Masse eines Ions. Um Ionen welchen Elements
a) Begründen Sie diese Aussage. könnte es sich handeln?
b) Geben Sie sinnvolle Kombinationen von elektri­
scher Feldstärke und magnetischer Flussdichte 26. 419 784 Massenspektrograf
an, wenn Ionen mit der Geschwindigkeit von Die Skizze zeigt einen möglichen Aufbau eines Mas­
2,5 · 106 }
m erzeugt werden sollen.
s senspektrografen. Elektrisches und magnetisches
Feld haben die gleiche Richtung und stehen senk­
23. 419 004 Die Hall-Spannung recht auf der Bewegungsrichtung der geladenen
Eine Tür soll mit einem Schließmechanismus verse­ Teilchen.
hen werden. Dazu wird am beweglichen Teil der Tür elektrisches und
m3 ) einge­
eine Hall­Sonde (d = 1 mm, RH = 0,000 40 }C magnetisches Feld y
z
baut. Am Türrahmen wird ein Permanentmagnet
befestigt, dessen Magnetfeld bei geschlossener Tür +
– N x
die Hall­Sonde mit 850 mT senkrecht durchsetzt. +
Ionenquelle –
Wie groß ist die Hall­Spannung, die dann durch eine S
elektronische Schaltung den Schließmechanismus d l
auslöst? Die Energieversorgung der Hall­Sonde er­ Auffangschirm
folgt durch eine Gleichspannung von 12 V. Dabei
fließt ein Strom von 0,30 A. a) Beschreiben Sie, in welche Richtung positiv gela­
dene Ionen durch das elektrische bzw. das mag­
24. 417 514 Hall-Sonden netische Feld abgelenkt werden. Wovon ist die
Informieren Sie sich über Einsatzmöglichkeiten von Ablenkung abhängig?
Hall­Sonden. b) Welche Aufgabe hat ein Massenspektrograf?
Wählen Sie ein Beispiel aus und fertigen Sie dazu Erklären Sie die Wirkungsweise der dargestellten
eine Präsentation an. Anordnung.

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320 Elektrizitätslehre und Magnetismus

4.5 Elektromagnetische Induktion


Elektrizitätslehre und Magnetismus

Der Begriff „Induk­ Im Jahr 1820 fand h ans c hrisTian o ersTed (1777–1851) den Zusammen­
tion“ ist abgeleitet hang zwischen elektrischem Strom und Magnetismus: Jeder stromdurch­
von inducere, lat. = flossene Leiter ist von einem Magnetfeld umgeben.
hineinführen. In den nachfolgenden Jahren untersuchte M. F araday (1791–1867) inten­
siv den Zusammenhang zwischen Magnetfeldern und Strömen, ausgehend
Wichtige Unter­ von der Frage: Kann man mithilfe von Magnetismus elektrischen Strom
suchungen zum erzeugen? Das führte ihn 1831 zur Entdeckung der elektromagnetischen
Elektromagnetismus Induktion und des Induktionsgesetzes.
führte auch a. M. Das Induktionsgesetz ist eine entscheidende physikalische Grundlage für
a MpÈre (1775 –1836) die gesamte Elektrotechnik. So beruht z. B. die Wirkungsweise von Genera­
durch. Er entdeckte
toren und Transformatoren auf diesem Gesetz.
1820 die Kräfte zwi­
schen stromdurch­
flossenen Leitern.
4.5.1 Grundlagen der elektromagnetischen Induktion

Induktion in einem Leiter


Sie wissen bereits: Befindet sich ein beweglicher stromdurchflossener Lei­
ter in einem Magnetfeld, so wirkt auf ihn eine Kraft (b Skizze links). Er
bewegt sich. Das wird als elektromotorisches Prinzip bezeichnet.
Wird dagegen ein Leiter senkrecht zu den Feldlinien im Magnetfeld durch
eine Kraft bewegt (b Skizze rechts), so kann man zwischen den Enden des
Leiters eine Spannung feststellen. Diese Umkehrung des elektromotori­
schen Prinzips wird als Generatorprinzip bezeichnet.

Die Richtung der Elektromotorisches Prinzip Generatorprinzip


Kraft bzw. die
Richtung des Stroms V
+ –
kann mithilfe der I I
Rechte­Hand­Regel
S S
(b S. 308) bestimmt
werden. Bei der
F v
Bewegung eines Lei­ I I
ters im Magnetfeld N N
(b Abb. rechts) gilt:
Zeigt der Daumen Auf einen stromdurchflossenen Leiter Bei einem bewegten Leiter im Magnet­
der rechten Hand in im Magnetfeld wirkt eine Kraft (F'B ). feld entsteht eine Spannung (v'B ).
Bewegungsrichtung
und der Zeigefin­
ger in Richtung des Das Entstehen einer Spannung
Magnetfelds, dann kann man experimentell leicht
gibt der Mittelfinger nachweisen, z. B. mit der darge­
die Stromrichtung
stellten Versuchsanordnung.
(von + nach –) an.
Dabei ist es egal, ob der Magnet
oder die Leiterschleife oder beide
bewegt werden. Entscheidend ist
die Relativbewegung zwischen
Leiterschleife und Magnet.

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Elektromagnetische Induktion 321

Die Spannung, die man zwischen den Enden eines Leiters messen kann,
wird Induktionsspannung genannt. Der dadurch bei geschlossenem Strom­
kreis fließende Strom heißt Induktionsstrom.

Die Ursache für die Entstehung Beachten Sie bei


S
einer Spannung ist die Lorentz­ der Anwendung der
kraft, die bei Bewegung eines Rechte­Hand­Regel:
Leiters im Magnetfeld auf die Lei­ F Elektronen sind
tungselektronen im Leiter wirkt. – – – negativ geladen.
Die Lorentzkraft bewirkt, dass v
sich die Elektronen an dem einen
Ende des Leiters sammeln. N
Dort besteht dann Elektronen­
überschuss, am anderen Ende Elektronenmangel. Damit existiert zwischen
den beiden Enden ein Ladungsunterschied und folglich eine Spannung.

Für ein homogenes Magnetfeld und bei Bewegung des Leiters senkrecht zu Besteht zwischen
den Feldlinien ergibt sich der Betrag der Spannung aus folgender Überle­ den Enden eines
gung: Auf die Elektronen im Leiter wirkt die Lorentzkraft. Ist die Ladungs­ Leiters der Länge l
verschiebung beendet, dann wirkt weiter die Lorentzkraft FL = B · e · v. eine Spannung U,
Zugleich wirkt in entgegengesetzter Richtung eine elektrische Feldkraft, so beträgt die Feld­
U
stärke im Leiter E = }
denn zwischen den beiden unterschiedlich geladenen Enden des Leiters l
und die Feldkraft
besteht ein elektrisches Feld. Im Gleichgewichtszustand gilt:
auf ein Elektron:
FL = Fel U
Fel = e · E = e · }
l
Setzt man für die Lorentzkraft und die Feldkraft die genannten Terme ein,
so erhält man:
U
B·e·v = e·}
l
Die Umstellung der Gleichung nach der Spannung U ergibt:

U = B·l·v

Damit kann allgemein für die in einem Leiter induzierte Spannung formu­
liert werden:

Wird ein Leiter der Länge l in einem homogenen Magnetfeld senkrecht


zu den Feldlinien gleichförmig bewegt, so kann die zwischen seinen Wird der Leiter
Enden auftretende Spannung berechnet werden mit der Gleichung: parallel zu den
Feldlinien bewegt,
Ui = B · l · v B magnetische Flussdichte so wird in ihm keine
l Länge des Leiters Spannung induziert.
(B'v )
v Geschwindigkeit des Leiters

Induktionsspannungen treten auch auf, wenn Spulen in Magnetfeldern


bewegt werden oder wenn sich das von einer Spule umfasste Magnetfeld
ändert, also stärker oder schwächer wird. Die charakteristischen Fälle sind
nachfolgend dargestellt.

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322 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Induktionsspannung bei zeitlich konstantem Magnetfeld


Bisher haben wir die Bewegung eines Leiters in einem homogenen Mag­
netfeld betrachtet. Wir wollen nun versuchen, diese Erkenntnisse auf Lei­
terschleifen und Spulen anzuwenden und damit zugleich zu einer allge­
meinen Formulierung der Zusammenhänge bei der elektromagnetischen
Induktion zu gelangen.

Dazu betrachten wir die Bewegung einer Leiterschleife in ein homogenes


Alle nachfolgen­ Magnetfeld hinein (b Skizze). Die Fläche der Leiterscheife befindet sich
den Betrachtungen senkrecht zu den Feldlinien des Magnetfelds.
werden am Beispiel
einer rechteckigen
Leiterschleife durch­ Zeitpunkt t 1
geführt. Eine solche
Leiterschleife kann Zeitpunkt t 2
V
aufgefasst werden
als eine Windung V
einer Rechteckspule,
eine Spule dem­ ∆s
zufolge als Rei­
l
henschaltung von
Leiterschleifen.

Das Vorzeichen der Ein zeitlich konstantes Magnetfeld kann durch einen Dauermagneten oder
Spannung hängt einen Elektromagneten bei konstanter Stromstärke hervorgerufen wer­
vom Vorzeichen der den. Wird die Leiterschleife in das Magnetfeld hineinbewegt, so entsteht
Änderung des mag­ eine Induktionsspannung. Wirksam ist dabei nur die Leiterlänge l. Die im
netischen Flusses ab.
Leiterstück induzierte Spannung beträgt (b S. 321):
Unter Berücksichti­
gung des lenzschen Ui = – B · l · v
Gesetzes (b S. 328) ∆ s . Durch Einsetzen erhält man:
wird deshalb das Die Geschwindigkeit v ergibt sich aus v = }
∆t
Minuszeichen einge­ ∆s
Ui = – B · l · }
führt. ∆t
Das Produkt l · ∆ s ist gleich der Änderung der Fläche, die vom Magnetfeld
durchsetzt wird. Es gilt also l · ∆ s = ∆ A. Damit erhält man:
∆A
Ui = – B · } (1)
∆t
Die Fläche einer Befindet sich die Leiterschleife
Leiterschleife, die nicht senkrecht, sondern unter ei­
von einem Mag­ nem beliebigen Winkel zu den A AW A
netfeld senkrecht φ
Feldlinien, dann ist die wirksame
durchsetzt wird,
Fläche AW kleiner als die Fläche der
bezeichnet man als
Leiterschleife A. Sie hat den Betrag:
wirksame Fläche.
AW = A · cos φ

Wird statt einer Leiterschleife eine Spule mit N Windungen verwendet, so


addieren sich die Teilspannungen. Die induzierte Spannung ist N­mal so
groß wie bei einer einzelnen Leiterschleife. Für eine Spule muss also die
rechte Seite von Gleichung (1) mit N multipliziert werden.

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Elektromagnetische Induktion 323

In differenzieller
Im zeitlich konstanten Magnetfeld hängt die induzierte Spannung von Schreibweise lautet
der Änderungsgeschwindigkeit der wirksamen Fläche ab. die Gleichung:
dA
Für Spulen gilt: Ui = – N ·B · }
dt
∆A dA
Ui = –N·B·}
∆t
N Windungszahl der Spule }
dt
bzw. A ist die
B magnetische Flussdichte
Änderungsge­
∆A Änderung der wirksamen Fläche schwindigkeit
∆t Zeitintervall (zeitliche Änderung)
der Fläche.
Rotiert z. B. eine Leiterschleife in einem Magnetfeld, so ändert sich ständig Genutzt wird diese
die wirksame Fläche und damit das von der Leiterschleife umfasste Mag­ Art der Spannungs­
netfeld. Anschaulich lässt sich das mit dem Modell Feldlinienbild deuten: erzeugung bei
Eine Änderung des von der Leiterschleife umfassten Magnetfelds bedeutet Generatoren.
eine Änderung der Anzahl der Feldlinien, die durch die Fläche der Leiter­
schleife verlaufen (b Abb. unten).

In einem homogenen Magnetfeld mit der Flussdichte 0,36 T befindet Die Darstellung im
sich eine quadratische Spule mit 7,3 cm Kantenlänge und einer Win­ Ausgangszustand
dungszahl von 350. Die Spule liegt so, dass ihre Längsachse mit der lässt sich mathema­
Richtung der Feldlinien zusammenfällt. tisch so beschreiben:
Wie groß ist die Induktionsspannung, wenn die Spule in 0,20 s um 90° A'B oder A ||B
gedreht wird? Dabei ist A die
Flächennormale.
Analyse:
Die Spule kann um ver­ Ausgangspunkt Endpunkt
schiedene Achsen gedreht A B
werden. Bei Drehung um A
die Längsachse wird keine
Spannung induziert. Im skiz­
zierten Fall wird die maxi­
male Spannung induziert.
Für diesen Fall ist die oben
genannte Gleichung anwendbar.
Gesucht: Ui
Gegeben: B = 0,36 T
l = 7,3 cm g A = 53 cm2 ∆ A = 5,3 · 10 –3 m2
N = 350 ∆t = 0,20 s

Lösung:
Für den betrachteten Fall gilt: Für die Einheiten
Ui = ∆A
–N · B · } gilt:
∆t 2
T·m
1}
5,3 · 10 –3 m2 s
Ui = –350 · 0,36 T·} 0,20 s
= –3,3 V
2
V·s·m
=1} 2m ·s
Ergebnis:
=1V
Bei einer Drehung um 90° wird zwischen den Enden der Spule eine
Spannung mit dem Betrag 3,3 V induziert.

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324 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Induktionsspannung bei zeitlich veränderlichem Magnetfeld


Ein zeitlich veränderliches Magnetfeld entsteht, wenn sich bei einem Elek­
tromagneten die Stromstärke ändert, z. B. durch Ein­ und Ausschalten des
Stroms oder durch Nutzung einer Wechselspannungsquelle. Ein solches
Magnetfeld entsteht auch beim Verschieben eines Eisenkerns in einer
Spule. Ändert sich das von einer Leiterschleife oder einer Spule umfasste
Magnetfeld mit der Zeit, so wird ebenfalls eine Spannung induziert.

Ursache für die Induktionsspannung ist in diesem Falle nicht die Bewegung
zwischen Induktionsspule und Magnetfeld, sondern die zeitliche Ände­
rung des von der Spule umfassten magnetischen Felds. Experimentelle Un­
tersuchungen zeigen, dass der Betrag der induzierten Spannung von der
Schnelligkeit der Änderung der magnetischen Flussdichte abhängt. Es gilt:

Im zeitlich veränderlichen Magnetfeld hängt die induzierte Spannung


von der Änderungsgeschwindigkeit der magnetischen Flussdichte ab.
Für Spulen gilt:
∆B
Ui = –N · A · } N Windungszahl der Spule
In differenzieller ∆t
Schreibweise lautet
A wirksame Fläche
die Gleichung: ∆B Änderung der magnetischen Flussdichte
dB
∆t Zeitintervall
Ui = –N · A · }
dt
dB bzw. B
}
dt In einer 20 cm langen Spule mit 560 Windungen befindet sich eine
ist die Änderungs­ kleine, quadratische Induktionsspule (li = 5,0 cm, Ai = 25 cm2, Ni = 200).
geschwindigkeit Die Längsachsen der Spulen fallen zusammen. Die lange Spule ist über
(zeitliche Änderung) einen Schalter mit einer Gleichspannungsquelle (U = 20 V) verbunden.
der magnetischen Wird der Schalter geschlossen, so fließt durch die Spule ein Strom von
Flussdichte. Genutzt 2 Sekunden erreicht.
2,4 A. Diese Stromstärke wird innerhalb von } 100
wird diese Art der
Wie groß ist die in der kleinen Spule induzierte Spannung?
Spannungserzeu­
gung bei Transfor­
matoren (b S. 326). Analyse:
Im Innern der langen Spule bildet sich bei Stromfluss ein homogenes
Magnetfeld aus, das die Induktionsspule durchsetzt. Damit ändert sich
das von dieser Spule umfasste Magnetfeld. Die Flussdichte kann mit
den gegebenen Daten errechnet werden.

Gesucht: Ui
Gegeben: lSp = 20 cm = 0,20 m
∆I = 2,4 A NSp = 560
Die auf S. 323 und
li = 5,0 cm Ai = 25 cm2 = 2,5 · 10 –3 m2
auf dieser Seite
Ni = 200 ∆t = 0,020 s
genannten Zusam­
menhänge lassen
sich deduktiv aus Lösung:
der allgemeinen NSp · ∆ I
∆B = µ0 · }
l
Formulierung des Sp

Induktionsgesetzes Vs · 560 · 2,4 A = 8,4 · 10 –3 T


∆B = 1,257 · 10 –6 }
Am } 0,20 m
(b S. 326) ableiten.

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Elektromagnetische Induktion 325

Für die Induktionsspannung ergibt sich dann: Für die Einheiten


∆B
gilt:
Ui = –Ni · Ai · }
∆t 2
m ·T =
1}
–3 8,4 · 10 –3 T s
Ui = –200 · 2,5 · 10 m2 · } 0,020 s 2
m ·V·s = 1 V
1} 2
m ·s
Ui = – 0,21 V

Ergebnis:
Beim Einschalten des Stroms durch die lange Spule wird in der Induk­
tionsspule eine Spannung mit dem Betrag 0,21 V induziert.

Der magnetische Fluss


Aus den oben genannten Gleichungen ist erkennbar, dass der Betrag der
Induktionsspannung sowohl von der zeitlichen Änderung der wirksamen
Fläche ∆A/∆t als auch von der zeitlichen Änderung der magnetischen Fluss­
dichte ∆B/∆t abhängt.
Beide Änderungen können auch gleichzeitig auftreten und führen dann
ebenfalls zu einer Induktionsspannung. Es ist deshalb sinnvoll, für eine
kürzere und zugleich allgemeine Formulierung des Induktionsgesetzes die
beiden Größen Fläche A und magnetische Flussdichte B miteinander zu
verknüpfen. Das geschieht durch die Größe magnetischer Fluss.

Der magnetische Fluss ist ein Maß für das die Fläche einer Leiterschleife Benannt ist die
oder Spule durchsetzende Magnetfeld. Einheit des mag­
netischen Flusses
Formelzeichen: Φ nach dem deutschen
Einheit: ein Weber (1 Wb), 1 Wb = 1 V · s Physiker W ilhelM
e dUard WeBer (1804
Unter der Voraussetzung, dass die Fläche senkrecht zu den Feldlinien bis 1891), der in
liegt, gilt für den magnetischen Fluss: Göttingen eng mit
c arl F riedrich G aUss
Φ = B·A B magnetische Flussdichte (1777–1855) zusam­
A wirksame Fläche menarbeitete.

Anschaulich gedeutet werden kann nach M. F araday diese Größe folgen­


dermaßen:

B B

A1 A2
Φ1 = Φ 2
Die magnetische
Flussdichte B ist
dagegen ein Maß
dafür, wie dicht die
Feldlinien liegen.
Der magnetische Fluss Φ ist ein Maß für die Anzahl der Feldlinien, die senk­ In den Skizzen ist
recht durch eine Fläche hindurchtreten. Demzufolge ist der magnetische die Flussdichte links
Fluss in beiden Fällen gleich groß. größer als rechts.

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326 Elektrizitätslehre und Magnetismus

4.5.2 Das Induktionsgesetz

Nach seinem Mithilfe der Größe magnetischer Fluss lässt sich das Induktionsgesetz so
Entdecker M ichael formulieren, dass es alle Spezialfälle umfasst.
F araday (1791 bis Diese Spezialfälle sind auf den Seiten 323 und 324 angegeben.
1867) wird das Ge­
setz auch faraday­ Zeitlich konstantes Magnetfeld Zeitlich veränderliches Magnetfeld
sches Induktions­
gesetz genannt. ∆A
Ui = –N · B · } ∆B
Ui = –N · A · }
∆t ∆t
411 335
Mit B · ∆ A = ∆Φ erhält man: Mit A · ∆B = ∆Φ erhält man:

∆Φ ∆Φ
Ui = –N · }
∆t
Ui = –N · }
∆t

In der jeweils zuletzt genannten Formulierung sind alle vorher betrachte­


ten Fälle enthalten. Folglich lässt sich das Induktionsgesetz in allgemeiner
Form so formulieren:

In differenzieller
Schreibweise lautet In einer Leiterschleife oder Spule wird eine Spannung induziert, so­
die Gleichung: lange sich der magnetische Fluss durch die Leiterschleife oder Spule

zeitlich ändert. Der Betrag der Induktionsspannung kann berechnet
Ui = –N · }
dt werden mit der Gleichung:
oder ∆Φ
Ui = –N · }
∆t
N Windungszahl der Spule
Ui = –N · Φ ∆Φ Änderung des magnetischen Flusses
∆t Zeitintervall

In differenzieller Form kann man das Induktionsgesetz folgendermaßen


schreiben:

Ui = –N · }
dt
d (B · A)
= –N · } dt ( dA
= –N · B · }
dt
dB
+ A·}
dt )

Der Transformator

Ein Beispiel für die technische Nutzung des Indukti­ Primärspule Sekundärspule
onsgesetzes sind Transformatoren, mit denen eine
Primärspannung U1 in eine Sekundärspannung U2 Schalt-
zeichen
Aus der Technik

umgewandelt werden kann.


N1 N2
Durch die Primärspule wird ein zeitlich veränderli­
ches Magnetfeld erzeugt, das auch die Sekundär­ U1~ ~ U2
spule durchsetzt. Dadurch wird in der Sekundär­
spule eine Spannung induziert.
Für den idealen Transformator gilt:
U1 1N 1 I
2 N
} =} und } =} geschlossener Eisenkern
U2 N 2 I N 2 1
aus Dynamoblechen
Für die Leistungen gilt dann bei η = 1:
Moderne Transformatoren haben heute einen Wir­
U1 · I1 = U2 · I2
kungsgrad von bis zu 99 %.

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Elektromagnetische Induktion 327

Erzeugung sinusförmiger Wechselspannung


Unsere Netzwechselspannung hat einen sinusförmigen Verlauf. Sie wird Stator
in Kraftwerken mit Wechselstromgeneratoren gewonnen. Wie dabei eine
sinusförmige Wechselspannung zustande kommt, ist nachfolgend darge­
stellt. Wir betrachten zur Vereinfachung die gleichförmige Rotation einer
N S
Leiterschleife der Fläche A im homogenen Magnetfeld. Die nachfolgende
Skizze zeigt verschiedene Stellungen einer rotierenden Leiterschleife und Rotor Ui
die zugehörigen Induktionsspannungen.

Ui

π 3 φ
}2 π }2 π 2π

Durch die Rotation ändert sich ständig die wirksame Fläche (b S. 322). Die
induzierte Spannung beträgt nach dem Induktionsgesetz für eine Leiter­
schleife (N = 1):
∆Φ B·∆A
Ui = – }
∆t
= –}∆t

Die wirksame Fläche der Leiterschleife beträgt Aw = A · cos φ, wobei der Die Winkelge­
Winkel φ auch mithilfe der Winkelgeschwindigkeit ω ausgedrückt werden schwindigkeit ω ist
kann. Mit φ = ω · t erhält man A · cos φ = A · cos (ω · t) und damit als Induk­ so definiert:
tionsspannung: ∆φ
ω=} 2π
=}
∆t T
∆(cos (ω · t))
Ui = –B · A · } ∆t

In differenzieller Schreibweise lautet die Gleichung:


d(cos (ω · t))
Ui = –B · A · } dt
Bei gleichförmiger
Rotation einer Spule
Die Differenziation ergibt: Ui = B · A · ω · sin (ω · t) der Windungszahl
Der Term B · A · ω bzw. N · B · A · ω ist eine Spannung. Da sin (ω · t) maximal N erhält man den
den Wert 1 annimmt, bezeichnet man diese Spannung mit Umax. Damit N­fachen Wert für
ergibt sich: Ui = Umax · sin (ω · t). Das entspricht der Gleichung für eine har­ die Induktionsspan­
monische Schwingung (b S. 147). nung.

Eine sinusförmige Wechselspannung ergibt sich bei gleichförmiger


Rotation einer Leiterschleife oder einer Spule in einem homogenen
Magnetfeld. Für die Induktionsspannung gilt in diesem Falle:
Ui = N · B · A · ω · sin (ω · t) = Umax · sin (ω · t)

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328 Elektrizitätslehre und Magnetismus

4.5.3 Energieerhaltung und lenzsches Gesetz

Für Induktionsvorgänge gilt wie für alle anderen Vorgänge in abgeschlos­


senen Systemen der Energieerhaltungssatz: In einem abgeschlossenen Sys­
tem ist die Summe aller Energien stets konstant. Die Gesamtenergie bleibt
erhalten. Für die Induktion bedeutet das:

Induktion im zeitlich konstanten Induktion im zeitlich veränderlichen


Magnetfeld Magnetfeld

Bewegung Veränderung der


magnetischen Flussdichte

V V
F
I V

Wird eine Leiterschleife im Magnetfeld Vergrößert sich die magnetische


bewegt, so wird in ihr eine Spannung Flussdichte, so wird eine Spannung
induziert und damit ein Strom hervor­ induziert und damit ein Strom hervor­
gerufen. gerufen.

Der Induktionsstrom ist so gerichtet, Der Induktionsstrom ist so gerichtet,


dass er eine Kraft entgegen der Bewe­ dass er ein Magnetfeld hervorruft, das
gungsrichtung hervorruft. der Verstärkung des magnetischen
Flusses entgegenwirkt.

Es wird mechanische Energie in elektri­ Es wird Energie des magnetischen Felds


sche Energie umgewandelt. in elektrische Energie umgewandelt.

Die experimentellen Ergebnisse zur Richtung des Induktionsstroms fasste


der Physiker h. F. e. l enz 1833 zu einem Gesetz zusammen, das als lenz­
sche Regel oder als lenzsches Gesetz bezeichnet wird.

Der Induktionsstrom ist stets so gerichtet, dass er der Ursache seiner


Entstehung entgegenwirkt.

Das lenzsche Gesetz ist eine Formulierung des Energieerhaltungssatzes für


419 985
die elektromagnetische Induktion. Aus historischen Gründen – l enz ent­
h einrich F ried -
rich e Mil l enz
deckte das Gesetz 1833, der Energieerhaltungssatz wurde von J. r. M ayer
(1804 –1865) war ein erstmals 1841 formuliert – wird es als gesondertes Gesetz betrachtet. Die
deutscher Physiker, oben genannte Formulierung hat darüber hinaus den Vorteil, dass man
der ab 1836 als mithilfe dieses Gesetzes viele Erscheinungen anschaulich erklären kann.
Professor für Physik
an der Universität Dass man mechanische Energie aufwenden muss, um elektrische Ener­
St. Petersburg tätig gie zu gewinnen, merkt man z. B. beim Radfahren. Bei eingeschaltetem
war. Dynamo muss man unter sonst gleichen Bedingungen kräftiger treten.

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Elektromagnetische Induktion 329

Wirbelströme
Induktionsspannungen und ­ströme treten nicht nur bei Leiterschleifen Durch Dynamoble­
und Spulen auf. Ändert sich das Magnetfeld, das einen massiven Metall­ che können Wirbel­
körper durchsetzt, so tritt ebenfalls elektromagnetische Induktion auf. ströme weitgehend
Aufgrund der räumlichen Ausdehnung der Leiter entstehen Ringströme, verhindert werden.
Das sind dünne,
die als Wirbelströme bezeichnet werden.
gegeneinander
isolierte Bleche. Die
Zeitlich konstantes Magnetfeld Zeitlich veränderliches Magnetfeld
Kerne von Transfor­
matoren setzt man
deshalb aus solchen
Dynamoblechen
v zusammen.

Wirbelströme sind abhängig von der Wirbelströme sind abhängig von der
Bewegungsrichtung und der Richtung Änderung der magnetischen Fluss­
des Magnetfelds. dichte und der Richtung des Magnet­
felds.

Wirbelströme sind teilweise erwünscht, teilweise auch unerwünscht. Er­


wünscht sind Wirbelströme bei solchen technischen Anwendungen wie
beim Induktionshärten von metallischen Werkstücken (b Abb. links) oder
bei Wirbelstrombremsen (b Abb. rechts), die z. B. auch in modernen Zügen
wie dem ICE genutzt werden.
Wirbelstrombrem­
sen werden z. B.
zur Dämpfung der
Zeigerbewegung
in Messgeräten
(Drehspulmessgerät,
Dreheisenmess­
gerät) genutzt.

Die Wirbelströme
sind nach dem lenz­
schen Gesetz so ge­
richtet, dass sie der
Ursache ihrer Entste­
hung (Bewegung)
entgegenwirken,
Durch Induktionsströme wird das Bei der Bewegung im Magnetfeld wird also die Bewegung
Werkstück zum Glühen gebracht und eine metallische Scheibe stark abge­ abbremsen.
anschließend abgekühlt (gehärtet). bremst.

Genutzt werden Wirbelströme auch bei Induktionsherden und bei Indukti­


onszählern (Elektrizitätszählern).
Unerwünscht sind sie bei Transformatoren, Generatoren oder Elektromo­
toren, da sie dort zu erheblichen Energieverlusten führen können.

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330 Elektrizitätslehre und Magnetismus

4.5.4 Selbstinduktion

Ein­ und Ausschaltvorgang bei einer Spule


Wird ein Stromkreis mit Spule geschlossen, so wird um diese Spule ein
Magnetfeld aufgebaut. Dieses sich ändernde Magnetfeld umfasst die
Spule selbst und induziert in ihr eine Spannung, die einen Strom bewirkt.
Liegt eine Wechsel­
Dieser Effekt tritt beim Öffnen des Stromkreises und bei Verwendung von
spannung an, so
Wechselspannung ebenfalls auf.
erfolgt in der Spule
ständig Selbst­
induktion. Die Spule Die Erscheinung, dass in einer felderzeugenden Spule selbst eine Span­
behindert den nung und ein Strom induziert werden, bezeichnet man in der Physik
Stromfluss und wirkt als Selbstinduktion.
als Widerstand.

+ –
Liegt ein Stromkreis mit Spule vor, so
bewirkt die Selbstinduktion einen cha­
I
rakteristischen Verlauf von Stromstärke
A
und Spannung beim Schließen und Öff­
U
nen des Stromkreises. Dieser Verlauf ist V
in dem t­I­ und t­U­Diagramm unten dar­
gestellt.

Da nach dem lenz­ I


schen Gesetz der
Induktionsstrom der
Ursache seiner Ent­
stehung entgegen­
wirkt, verzögert sich
Einschalten I = konstant Ausschalten t
die Änderung der
Stromstärke beim
Ein­ und Ausschal­
ten. U

Die Selbstinduk­
tionsspannung
ist proportional Ui = 0
zur Änderung des
t
Felds und somit
zur Änderung der
Stromstärke.

Selbstinduktion tritt in allen Stromkreisen mit Spulen bei Änderung der


Stromstärke und damit bei Änderung des von der Spule umfassten Mag­
Beim Einschalten
netfelds auf. Insbesondere bei Ausschaltvorgängen können dabei kurz­
verzögert die Selbst­
zeitig hohe Induktionsspannungen entstehen, weil sich in diesem Fall die
induktionsspannung
den Anstieg der
magnetische Flussdichte in kurzer Zeit stark ändert.
Stromstärke, beim
Ausschalten bewirkt Genutzt werden solche beim Öffnen eines Stromkreises entstehenden
sie ein Weiter­ „Spannungsspitzen“ bei Zündspulen von Kraftfahrzeugen oder zum Zün­
fließen. den von Leuchtstofflampen und Glimmlampen.

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Elektromagnetische Induktion 331

Induktivität und Selbstinduktionsspannung


Wir betrachten nachfolgend eine lange Spule. Da für die Selbstinduktion
wie für jeden anderen Induktionsvorgang das Induktionsgesetz gilt, kann
man mit ihm die Selbstinduktionsspannung bestimmen. Für eine Spule, bei
der sich das von ihr umfasste Magnetfeld ändert, gilt:
∆B
Ui = – N · A · }
∆t
Setzt man für die magnetische Flussdichte in einer langen Spule
I · N ein, so erhält man:
B = µ0 · µr · } l
∆ ( µ0 · µr · }
l
I·N
)
Ui = – N · A · }
∆t
Die einzige Größe, die sich zeitlich ändert, ist die Stromstärke. Bei differenzieller
Folglich kann man auch schreiben: Schreibweise steht
2
N · A ∆I statt
Ui = – µ0 · µr · } l
·}
∆t ∆I dI
}
∆t
der Ausdruck }
dt
Der für eine Spule konstante Faktor vor dem zweiten Quotienten charak­ oder I.
terisiert den Bau der Spule und wird als Induktivität bezeichnet.

Die Einheit 1 H ist


Die Induktivität einer Spule gibt an, wie stark die Änderung der Strom­ nach dem ameri­
stärke in der Spule aufgrund der Selbstinduktion behindert wird. kanischen Physiker
J oseph h enry (1797
Formelzeichen: L
bis 1878) benannt.
Einheit: ein Henry (1 H)
Es gilt:
1H=1} V·s
Die Induktivität einer langen Spule kann mit folgender Gleichung be­ A
rechnet werden:
Eine Spule hat eine
A
L = µ0 · µr · N2 · }
l
A Querschnittsfläche der Spule Induktivität von 1 H,
l Länge der Spule wenn bei einer Än­
N Windungszahl der Spule derung der Strom­
µ0 magnetische Feldkonstante stärke von 1 A in
µr Permeabilitätszahl einer Zeit von 1 s die
Spannung 1 V durch
Selbstinduktion in
Mit der Induktivität L gilt für die Selbstinduktionsspannung in einer lan­ ihr induziert wird.
gen Spule und auch allgemein:
∆I
Ui = – L · }
∆t
Das bedeutet: Die in der Spule
– Die Selbstinduktionsspannung hängt vom Bau der Spule (Querschnitts­ selbst induzierte
fläche, Länge, Windungszahl, Eisenkern) ab. Insbesondere wächst sie mit Spannung und der
dem Quadrat der Windungszahl. damit verbundene
Strom überlagern
– Die Selbstinduktionsspannung ist umso größer, je schneller sich die
sich mit der im
Stromstärke ändert.
Stromkreis vorhan­
denen Spannung der
Bei Verwendung von Wechselstrom ändert sich die Stromstärke zeitlich pe­ Spannungsquelle
riodisch. Demzufolge wird dann in der Spule ständig eine Spannung indu­ und dem dadurch
ziert, die einen Strom hervorruft, der seiner Ursache entgegenwirkt. Eine hervorgerufenen
Spule im Wechselstromkreis wirkt damit als Widerstand. Strom.

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332 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Eine quadratische Spule (l = 20 cm, Kantenlänge 5,0 cm) hat 1 000 Win­
dungen und einen Eisenkern (µr = 300).
Wie groß ist die Induktivität dieser Spule?

Analyse:
Es kann die auf Seite 331 genannte Gleichung angewendet werden.
Gesucht: L
Gegeben: l = 20 cm = 0,20 m
a = 5,0 cm = 0,050 m
N = 1 000
V·s
µr = 300 µ0 = 1,257 · 10– 6 }
A·m

Das Ergebnis lässt


Lösung:
sich interpretieren: A
L = µ0 · µr · N 2 · } A = a2 = 0,002 5 m2
Bei einer Strom­ l
stärkeänderung von –6 2 2
1,257 · 10 V · s · 300 · 1 000 · 0,002 5 m
1 A in einer Zeit von L = }}} A · m · 0,20 m
= 4,7 H
1 s wird eine Span­
nung von 4,7 V in Ergebnis:
der Spule induziert. Die Spule mit den genannten Daten hat eine Induktivität von 4,7 H.

Die Zündung von Energiesparlampen


Energiesparlampen sind Leuchtstofflampen. Es Der Starter ist eine Glimmlampe, bei der eine Elek­
gibt sie in unterschiedlichen Formen – als röhren­ trode ein Bimetallstreifen ist. Nach dem Betätigen
förmige Lampen, als stab­ oder kugelförmige Lam­ des Schalters kommt es zu einer Glimmentladung,
pen oder in einer Form, die der herkömmlicher wobei ein kleiner Strom im Stromkreis fließt. Der
Glühlampen entspricht. Bimetallstreifen schließt die beiden Elektroden
Leuchtstofflampen haben gegenüber Glühlampen kurz, wodurch ein stärkerer Strom fließt.
den Vorteil, dass sie für dieselbe Lichtausbeute Dadurch beginnen die Wolframdrähte zu glühen
Interessantes aus der Technik

nur }13 bis }16 der elektrischen Energie benötigen, die und emittieren Elektronen. Das Gas in der Leucht­
eine Glühlampe braucht. Daher kommt die Be­ stofflampe wird elektrisch leitend. Gleichzeitig
zeichnung Energiesparlampe. Darüber hinaus ist kühlt sich die Bimetallelektrode im Starter ab und
die Lebensdauer einer Energiesparlampe in der Re­ unterbricht den Stromkreis plötzlich.
gel wesentlich größer als die einer Glühlampe. Das führt in der Drosselspule aufgrund der Selbst­
Eine Leuchtstofflampe wird mit Netzspannung induktion zu einem kurzen Spannungsstoß, der
(230 V) betrieben. Zum zum Zünden der Lampe ausreicht.
Zünden ist jedoch Im Betrieb begrenzt die Drosselspule aufgrund der
eine Zündspannung Selbstinduktion die Stromstärke im Stromkreis.
von 300 – 450 V erfor­
230 V~
derlich.
Um diese Zündspannung Drosselspule Lichtschalter
beim Einschalten zu errei­
chen, benötigt man eine
Schaltung, wie sie verein­
facht rechts dargestellt ist.
Die Drosselspule und der Wolframelektroden
Starter befinden sich im So­
ckel der Lampe. Starter

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Elektromagnetische Induktion 333

Die Energie des magnetischen Felds


Damit um eine Spule ein Magnetfeld aufgebaut wird, muss Energie aufge­ Eine analoge
wendet werden. Diese Energie ist dann im Magnetfeld der Spule gespei­ Betrachtung ist das
chert. Wird der Strom im Stromkreis unterbrochen, so verschwindet das Aufladen und das
Magnetfeld. Die in ihm gespeicherte Energie wird freigesetzt. Entladen eines Kon­
Letzteres kann man experimentell nach­ densators (b S. 281).
weisen. Bei geschlossenem Schalter
leuchtet die Lampe schwach. Wird der
Schalter geöffnet, so leuchtet die Lampe
kurzzeitig hell auf.
Ursache dafür sind die Selbstinduktions­
spannung und der damit verbundene
Strom. Für ein kleines Zeitintervall er­
gibt sich für die umgesetzte Energie:

∆ E = UL · I · ∆t
∆I
Mit UL = – L · }
∆t
erhält man:

∆ E = – L · I · ∆I

Addiert man über den gesamten Zeitraum des Verschwindens des Mag­
netfelds alle ∆E, so erhält man die insgesamt im Magnetfeld gespeicherte
Energie E.

In Analogie zum elektrischen Feld (b S. 282 f.) ergibt sich für das Magnet­
feld einer Spule:

Für die Einheiten


Im Magnetfeld einer Spule ist Energie gespeichert. Für die Energie des gilt:
Magnetfelds einer stromdurchflossenen langen Spule gilt:
1 H · A2
1
E= }2 L · I 2 L Induktivität der Spule V·s·A
=1}
2

A
I Stromstärke durch die Spule
= 1 V·A·s
=1J
Hat z. B. eine Spule eine Induktivität von 4,7 H, so würde im Magnetfeld
der Spule bei einer Stromstärke von 0,50 A folgende Energie gespei­ Die Gleichung für
chert sein: die Energie gilt für
beliebige Spulen.
E = }12 · 4,7 H · (0,50 A)2 = 0,59 J

Die Gleichung für die Energie des Magnetfelds einer Spule hat eine ana­
loge Struktur wie die Gleichung für die Energie des elektrischen Felds eines
Kondensators.

Magnetisches Feld einer Spule Elektrisches Feld eines Kondensators

Die Feldenergie hängt von der Indukti­ Die Feldenergie hängt von der Kapa­
vität L der Spule und von der Strom­ zität C des Kondensators und von der Eine Übersicht über
stärke I durch die Spule ab: Spannung U am Kondensator ab: die beiden Felder
E = }12 L · I 2 E = }12 C · U 2 ist auf Seite 306 zu
finden.

9783835533110_320_337.indd 333 11.03.11 09:52


334 Das Wichtigste im Überblick

Elektromagnetische Induktion
Überblick

Wird ein Leiter der Länge l senkrecht zu den Feldlinien B


im homogenen Magnetfeld gleichförmig bewegt, so
gilt für die in ihm induzierte Spannung:
l v Ui
Ui = –B · l · v

Allgemein gilt:
In einer Leiterschleife oder in einer Spule wird eine Spannung induziert, solange sich der
magnetische Fluss durch die Leiterschleife oder Spule zeitlich ändert. Diese Änderung kann
in unterschiedlicher Weise erfolgen.

Relativbewegung zwischen Spule und Magnet Änderung der Stärke des Magnetfelds
(zeitlich konstantes Magnetfeld) (zeitlich veränderliches Magnetfeld)

+ Ui
Ui

Bewegung

Änderung der Stromstärke


∆A ∆B
Ui = – N · B · }
∆t
Ui = – N · A · }
∆t

∆Φ ∆(B · A)
Für beliebige Fälle gilt das Induktionsgesetz: Ui = – N · }
∆t
= –N·} ∆t

Anwendung: Generator Anwendung: Transformator


Bei gleichförmiger Rotation einer Spule in Für einen unbelasteten Transformator gilt:
einem homogenen Magnetfeld entsteht eine U1 = 1 N
}
U
}
N
sinusförmige Wechselspannung: 2 2

Für einen belasteten Transformator gilt:


U = Umax · sin (ω · t)
I 1 = 2 N
}
I
}
N
2 1

Für die elektromagnetische Induktion gilt der Energieerhaltungssatz:

Der Induktionsstrom ist immer so gerichtet, dass er der Ursache seiner Entstehung entge­
genwirkt (lenzsches Gesetz).

Im Magnetfeld einer Spule ist die Energie E = }12 L · I 2 gespeichert. 2


N ·A
In einer felderzeugenden Spule selbst wird eine Spannung indu­ L = µ 0 · µr · } l
ziert, wenn sich das von ihr umfasste Magnetfeld ändert (Selbst­ ∆I
induktion). Der Betrag der Selbstinduktionsspannung hängt von Ui = – L · }
∆t
der Induktivität L ab.

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Aufgaben 335

Aufgaben 4. 416 674 Induktion


Beschreiben Sie je ein typisches Experiment zur
Erzeugung einer Induktionsspannung,
1. 413 204 Bewegter Magnet a) wenn keine Relativbewegung zwischen Mag­
Ein Dauermagnet wird in unterschiedlicher Weise netfeld und Leiter (Spule) vorliegt,
vor einer Spule bewegt. b) wenn eine Relativbewegung zwischen Mag­
netfeld und Leiter (Spule) vorliegt.
V 3 c) Unter welchen Bedingungen wird in einem Leiter
1 bzw. einer Spule eine Spannung induziert?
2 4

5 5. 411 494 Leiterstück


Ein 15 cm langer Leiter bewegt sich senkrecht zu
den Feldlinien eines homogenen Magnetfelds
cm .
(B = 2,6 mT) mit einer Geschwindigkeit von 80 }s
Bei welcher der fünf Bewegungen entsteht eine Wie groß ist die Induktionsspannung zwischen den
Induktionsspannung, bei welcher nicht? Enden des Leiters?
Begründen Sie Ihre Aussagen.
6. 413 364 Freier Fall im Feld
2. 411 484 Bewegte Spule Ein gerader Leiter von
In einem Magnetfeld wird eine Spule in unterschied­ 10 cm Länge wird losge­ v B = 4,8 mT
licher Weise bewegt. lassen, fällt herunter und
trifft nach 50 cm so auf
ein homogenes Magnet­
feld, wie es in der Skizze
dargestellt ist.
a) Mit welcher Geschwindigkeit tritt der Leiter in
V das Magnetfeld ein?
V b) In welche Richtung bewegen sich dann die Elek­
(1) (2)
tronen im Leiter?
c) Wie groß ist unmittelbar nach dem Eintreten in
das Magnetfeld die zwischen den Enden des Lei­
ters bestehende Spannung?
d) Wie verändert sich diese Spannung, wenn der
Leiter im Feld weiter frei fällt?
V V
(3) (4) 7. 417 364 Induktionsspannung
Auf einem Eisenkern befinden sich eine felderzeu­
a) In welchen Fällen wird eine Spannung induziert, gende Spule 1 und eine Induktionsspule 2.
in welchen nicht? Begründen Sie.
Spule 1 Spule 2
b) Geben Sie jeweils eine weitere Variante an, bei
der eine Spannung induziert wird bzw. bei der Eisen-
kern
keine Spannung induziert wird.
Ui
3. 413 354 Spule im Feld V
Eine bewegliche Spule befindet
sich so wie angegeben in einem a) Geben Sie mindestens drei Möglichkeiten der
homogenen Magnetfeld. Geben Erzeugung einer Induktionsspannung in Spule 2
Sie Bewegungen an, an. Begründen Sie Ihre Vorschläge.
a) bei denen eine Spannung V b) Wie kann man erreichen, dass in Spule 2 eine
induziert wird, möglichst große Spannung induziert wird?
b) bei denen keine Spannung induziert wird. c) Geben Sie eine Bewegung von Spule 2 an, bei der
Begründen Sie jeweils Ihre Aussage. keine Spannung induziert wird.

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336 Elektrizitätslehre und Magnetismus

8. 411 574 Induktionsschleife a) Berechnen Sie den magnetischen Fluss durch die
Mithilfe einer in der Leiterschleife!
Straße eingelassenen Wie verändert sich der magnetische Fluss, wenn
Induktionsschleife kann –+ die Leiterschleife um 45° bzw. um 90° gedreht
z. B. die Schaltung einer wird?
A
Ampel gesteuert wer­ b) Die Leiterschleife wird parallel zu den Feldlinien
den. bewegt. Welche Aussage kann man über die In­
a) Beschreiben Sie die Funktionsweise einer solchen duktionsspannung treffen?
Induktionsschleife. c) Die vom magnetischen Feld senkrecht durch­
b) Würde eine solche Anordnung auch ohne Span­ setzte Leiterschleife wird innerhalb von 0,50 s
nungsquelle funktionieren? vollständig aus dem Feld herausbewegt. Welche
c) Geben Sie eine Möglichkeit an, wie man mithilfe Aussage kann man dann über die Induktions­
von Induktionsschleifen die Geschwindigkeit von spannung treffen?
Fahrzeugen ermitteln könnte.
d) Wie groß ist die Geschwindigkeit des Fahrzeugs, 13. 411 994 Veränderliches Magnetfeld
wenn zwei Leiterschleifen 5,2 m voneinander Im Diagramm ist für ein magnetisches Feld, das eine
entfernt sind und zwischen den Spannungsstö­ Spule durchsetzt, die zeitliche Abhängigkeit des
ßen eine Zeit von 0,28 Sekunden gemessen wird? magnetischen Flusses dargestellt.
Vergleichen Sie die in den einzelnen Abschnitten
9. 412 044 Anwendungen entstehenden Induktionsspannungen.
Bei Anwendungen der elektromagnetischen In­
duktion ändert sich entweder die magnetische Φ
Flussdichte oder die wirksame Fläche mit der Zeit.
Beschrieben werden können diese beiden Möglich­
keiten mit den Gleichungen:
∆B ∆A
Ui = – N · A · }
∆t
bzw. Ui = – N · B · }
∆t

a) Nennen Sie je ein technisches Gerät, dessen Wir­ I II III IV V


kungsweise auf den in den Gleichungen beschrie­
benen Zusammenhängen basiert.
b) Beschreiben Sie den Aufbau und erklären Sie die t0 t1 t2 t3 t4 t
Wirkungsweise der betreffenden Geräte.
14. 414 494 Selbstinduktion
10. 414 064 Präsentation Transformator Eine 20 cm lange Zylinderspule mit 500 Windungen
Ein wichtiges Gerät, bei dem die elektromagnetische und 5,2 cm Durchmesser wird von einem zeitlich ver­
Induktion genutzt wird, ist der Transformator. änderlichen Strom durchflossen.
Fertigen Sie eine Präsentation zu Aufbau, Wirkungs­
weise und Nutzungsmöglichkeiten von Transforma­ I in mA
toren an.

414 184 Transformator Wirkungsgrad 100


11.
Ein Transformator hat einen Wirkungsgrad von
98 %. Wie groß ist die Primärstromstärke, wenn 0
die Primärspannung 220 kV beträgt und auf der 10 20 30 40 t in ms
Sekundärseite eine Leistung von 15 MW entnom­ I II III IV V
men wird? –100

12. 412 494 Bewegte Leiterschleife


Eine quadratische Leiterschleife mit einer Seiten­
länge von 6,0 cm befindet sich vollständig in einem Ermitteln Sie die entstehenden Selbstinduktions­
homogenen Magnetfeld (B = 4,5 mT) und wird von spannungen. Stellen Sie diese in Abhängigkeit von
diesem senkrecht durchsetzt. der Zeit dar.

9783835533110_320_337.indd 336 11.03.11 09:52


Aufgaben 337

15. 415 024 Energie in der Spule 19. 412 584 Induktionsherd
Durch eine Zylinderspule mit 500 Windungen, einer Bei Induktionsherden wird
Länge von 15 cm und einem Durchmesser von 5,6 cm die elektromagnetische
fließt ein Strom von 3,0 A. Induktion ausgenutzt.
a) Wie groß ist die im Feld der Spule gespeicherte Unter der Kochfläche
Energie? Wie ändert sich diese Energie, wenn die befindet sich eine – – – – – – ++++++
Stromstärke halb so groß beziehungsweise dop­ Spule, die von Wech­
Spule Magnetfeld
pelt so groß wird? selstrom durchflossen
Glaskeramik Topfboden
b) Welche Spannung müsste an einem Kondensator wird.
der Kapazität C = 6,2 µF anliegen, wenn in ihm a) Erklären Sie die Wirkungsweise eines solchen
die gleiche Energie wie in a) berechnet gespei­ Induktionsherds.
chert sein soll? b) Warum können auf Induktionsherden nur be­
c) Welche Spannung wird beim Ausschalten des stimmte Metalltöpfe genutzt werden?
Stroms zwischen den Enden der Spule induziert, c) Welche Vorteile bzw. Nachteile haben Indukti­
wenn der Ausschaltvorgang 0,020 s dauert? onsherde gegenüber herkömmlichen Herden?

16. 419 874 Spule mit Eisenkern 20. 414 484 FI­Schalter
Eine lange Spule mit Eisenkern (l = 25 cm, N = 1 500, Die Skizze zeigt vereinfacht den Aufbau eines Feh­
A = 85 cm2, µr = 480) wird von einem Strom der lerstromschutzschalters (FI­Schalter).
Stärke I = 4,2 A durchflossen. Erklären Sie seine Wirkungsweise.
a) Wie viel Energie ist dann im Magnetfeld der
Spule gespeichert?
b) Wie hoch könnte man damit einen 100 g schwe­
ren Körper (Tafel Schokolade) heben?
c) Wie verändert sich die im Magnetfeld gespei­
cherte Energie, wenn der Eisenkern aus der Spule
entfernt wird? Begründen Sie.
Nullleiter
Außenleiter
17. 413 384 Kondensator und Spule
Im elektrischen Feld eines Kondensators ist ebenso
wie im magnetischen Feld einer Spule Energie ge­ 21. 414 734 Magnet im freien Fall
speichert. Lässt man einen Dauermagneten in
a) Vergleichen Sie diese Energien für einen Kon­ einer Metallröhre fallen, so zeigt sich
densator (C = 2,4 µF, U = 120 V) und eine Spule ein merkwürdiger Effekt: Der Dau­
(L = 1,2 H, I = 2,5 A). ermagnet fällt relativ langsam und
b) Geben Sie eine Kombination für Spule und Kon­ gleichförmig nach unten.
densator an, bei der die in den Feldern gespei­ Bei Verwendung einer Plastikröhre
cherte Energie gleich groß ist. fällt er dagegen gleichmäßig be­
c) Geben Sie für einen Körper der Masse m = 500 g schleunigt. v
eine Höhe h und eine Geschwindigkeit v an, bei Wie sind diese Effekte zu erklären?
denen potenzielle und kinetische Energie gleich
groß sind. 22. 414 844 Wechselstromwiderstand
An eine Reihenschaltung + –
18. 418 954 Energieerhaltung aus einer Spule mit Ei­ ~
In einem Stromkreis befindet sich eine Spule mit Ei­ senkern und einer Glüh­
senkern (N = 250, A = 15 cm2, l = 20 cm, µr = 320). Es lampe wird jeweils eine
fließt ein Strom von 4,3 A. Gleichspannung bezie­
a) Wie groß ist die im Magnetfeld gespeicherte hungsweise eine Wech­
Energie? selspannung von 10 V angelegt.
b) Was geschieht mit dieser im Feld gespeicherten Bei Gleichspannung leuchtet die Lampe hell, bei
Energie, wenn der Stromkreis durch einen Schal­ Wechselspannung leuchtet sie kaum noch.
ter geöffnet wird? Erklären Sie diese Erscheinung.

9783835533110_320_337.indd 337 11.03.11 09:52


338 Elektrizitätslehre und Magnetismus

4.6 Elektromagnetische Schwingungen und Wellen


Elektrizitätslehre und Magnetismus

Informationen
zu mechanischen 4.6.1 Elektromagnetische Schwingungen
Schwingungen und
Wellen sind auf Eine geeignete Anordnung, mit deren Hilfe man elektromagnetische
S. 143 ff. zu finden. Schwingungen erzeugen kann, ist eine Schaltung aus einem Kondensator
und einer Spule. Eine solche Anordnung wird als Schwingkreis bezeichnet.
Experimentell lassen
sich diese Schwin­ 1 2
Energie wird durch eine elektrische
gungen nachwei­ Quelle zugeführt. Bei Schalterstel­
sen, wenn an den lung 1 wird der Kondensator aufge­

zum Oszilloskop
Schwingkreis ein
laden und damit elektrische Energie Schwingkreis
Oszilloskop ange­
im Feld des Kondensators gespei­ +
schlossen wird. –
Bei allen nachfol­
chert. Bringt man den Schalter in C
Stellung 2, so wird der Schwingkreis L
genden Betrachtun­
gen wird der ohm­ von der elektrischen Quelle getrennt
sche Widerstand und es gehen die unten beschriebe­
vernachlässigt. nen Veränderungen vor sich.

N S
+ + + +

U U=0 U U=0 U

+ +

S N
I=0 I I=0 I I=0

U,I U

t
}T4 }T2 3T
}
4
T

Der Kondensator Durch den Strom­ Durch Selbst­ Der Kondensator Durch Selbstinduk­
ist geladen. Die fluss entsteht induktion in der entlädt sich in tion entsteht wie­
Energie ist im um die Spule ein Spule entstehen umgekehrter Rich­ der ein Stromfluss,
elektrischen Feld magnetisches Feld, eine Spannung tung. Durch den der zur erneuten
des Kondensators in dem die Energie und ein Strom, die Strom entsteht um Aufladung des
gespeichert. gespeichert ist. zu einer entgegen­ die Spule wieder Kondensators
gesetzten Aufla­ ein Magnetfeld, in führt.
dung des Konden­ dem die Energie
sators führen. gespeichert ist.

Die Energie „pendelt“ zwischen dem Kondensator und der Spule hin und her. Dadurch ändern sich die
Spannung am Kondensator und die Stromstärke durch die Spule zeitlich periodisch (sinusförmig).

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Elektromagnetische Schwingungen und Wellen 339

Die thomsonsche Schwingungsgleichung


Wie bei mechanischen Schwingungen ist auch bei elektromagnetischen
Schwingungen die Frage von Interesse, wovon die Schwingungsdauer ab­
hängig ist und wie man sie berechnen kann.

Wir betrachten dazu einen Schwingkreis mit einer Spule der Induktivität
L und einem Kondensator der Kapazität C. Bei Kenntnis der Gesetze im
Wechselstromkreis kann man die Schwingungsdauer theoretisch herleiten.
Da uns diese Gesetze nicht zur Verfügung stehen, wählen wir den experi­
mentellen Weg.
Zur experimentellen Untersuchung eignet sich eine Versuchsanordnung,
wie sie nachfolgend dargestellt ist.

Eine Erklärung für


die Funktionsweise
dieser Schaltung ist
auf S. 341 gegeben.

Oszilloskop
L C

Die experimentellen Untersuchungen zeigen:


– Die Spannung U beeinflusst nur die Amplitude der elektromagnetischen Bei allen Betrach­
Schwingung, nicht aber die Schwingungsdauer. tungen wird der
– Je größer die Induktivität L der Spule ist, desto größer ist die Schwin­ ohmsche Widerstand
gungsdauer T. R des Schwingkreises
vernachlässigt.
– Je größer die Kapazität C des Kondensators ist, desto größer ist die
Schwingungsdauer T.

Allerdings besteht jeweils keine einfache direkte Proportionalität.

Durch systematisches Probieren oder intuitiv findet man heraus:


411 965
T ~ √}
L·C
Als Erster leitete
Den Proportionalitätsfaktor kann man experimentell bestimmen. Er be­ 1853 W illiam
trägt für alle Schwingungsvorgänge 2π. T homson (1824 bis
1907), der spätere
Lord K elvin of
Unter der Bedingung, dass der ohmsche Widerstand im Schwingkreis l args , die Gleichung
null ist, gelten für die Eigenfrequenz f des Schwingkreises bzw. für die zur Berechnung
Schwingungsdauer T folgende Gleichungen: der Schwingungs­

T = 2π √}
dauer ab. Sie wird
L·C L Induktivität der Spule
deshalb thomson­
f= } 1 C Kapazität des Kondensators
2π √}
L·C
sche Schwingungs­
gleichung genannt.

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340 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Gedämpfte und ungedämpfte elektromagnetische Schwingungen


Es handelt sich Wird einem geschlossenen Schwingkreis einmalig Energie zugeführt, z. B.
dabei um eine freie durch Aufladen des Kondensators, so kommt die elektromagnetische
Schwingung bzw. Schwingung im Schwingkreis nach einer bestimmten Zeit zum Erliegen. Es
Eigenschwingung liegt eine gedämpfte Schwingung vor. Ursache dafür ist der ohmsche Wi­
mit der Eigenfre­ derstand im Schwingkreis, durch den elektrische Energie in innere Energie
quenz f0, die durch
umgewandelt und als Wärme an die Umgebung abgegeben wird.
Induktivität und
Kapazität bestimmt
Gedämpfte Schwingung Ungedämpfte Schwingung
ist.

U U

t t

Um eine ungedämpfte Schwingung zu erhalten, muss dem Schwingkreis


im zeitlichen Mittel ständig so viel Energie zugeführt werden, wie in in­
nere Energie umgewandelt wird. Außerdem muss die Energie auch noch
im Takt der Schwingung zugeführt werden. Von einer Kinderschaukel ist
das Prinzip bekannt. Man kann die Abnahme der Schwingungsweite ver­
hindern, wenn man die Schaukel immer wieder im Rhythmus ihrer Eigen­
frequenz anstößt. Das muss darüber hinaus im richtigen Takt erfolgen.
Resonanz bei elek­ Ein Maximum der Amplitude wird dann erreicht, wenn die Erregerfre­
tromagnetischen quenz genauso groß wie die Eigenfrequenz des Schwingkreises ist.
Schwingungen kann In diesem Fall liegt Resonanz vor. Die Amplituden von Wechselspannung
erwünscht oder und Wechselstromstärke im Schwingkreis erreichen ein Maximum. Damit
unerwünscht sein. ergibt sich zusammenfassend:
Erwünscht ist sie z. B.
beim Abstimmkreis
in einem Rund­ Die Resonanzbedingung für erzwungene Schwingungen lautet:
funkempfänger.
fE = f0 fE Erregerfrequenz
Unerwünscht ist sie
bei der Rückkopp­
f0 Eigenfrequenz des Schwingkreises
lung einer Verstär­
keranlage mit einem
Mikrofon. Für technische Anwendungen sucht man natürlich nach Lösungen, bei de­
nen die periodische Energiezufuhr im richtigen Takt ohne menschliches Zu­
tun erfolgt. Dazu muss das schwingende System von allein auf eine äußere
Energiequelle zugreifen. Systeme, denen das möglich ist, werden in der
Physik als rückgekoppelte Systeme bezeichnet. Das physikalische Prinzip
nennt man Rückkopplung.
Dieses Prinzip kann bei Schwingkreisen genutzt werden. Die entsprechende
Schaltung wird als Rückkopplungsschaltung bezeichnet. Die bekannteste
Rückkopplungsschaltung ist die meißnersche Rückkopplungsschaltung. Sie
geht auf den deutschen Techniker a lexander m eissner (1883 –1958) zu­
rück, der sie 1913 entwickelt hat.

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Elektromagnetische Schwingungen und Wellen 341

Die Abbildung zeigt die meißner­ a lexander m eissner


sche Rückkopplungsschaltung. verwendete statt ei­
3
Das Kernstück dieser Schaltung 1 nes Transistors eine
ist ein Transistor. Der stets mit Elektronenröhre
2
drei Anschlüssen (1, 2, 3) verse­ (Triode). Transisto­
ren waren Anfang
hene Transistor besitzt folgende
des 20. Jahrhun­
Eigenschaften, die durch mikro­
derts unbekannt.
physikalische Effekte im Innern Der erste Transistor
zustande kommen: + –
wurde erst Mitte
der Vierzigerjahre
– Liegt zwischen den Anschlüssen 1 und 2 keine Spannung an oder befin­ des 20. Jahrhunderts
det sich am Anschluss 1 der negative Pol einer Spannungsquelle, dann ist entwickelt.
der elektrische Widerstand zwischen den Anschlüssen 2 und 3 sehr groß. Weitere Genera­
– Legt man jedoch zwischen den Anschlüssen 1 und 2 eine Spannung von toren zur Schwin­
etwa +1 V an, dann wird die Verbindung zwischen den Anschlüssen 2 gungserzeugung
und 3 schlagartig elektrisch leitend. Der Widerstand wird sehr klein. Zwi­ sind zu finden unter:
419 565
schen 2 und 3 fällt keine Spannung mehr ab.

Die Funktionsweise der meißnerschen Rückkopplungsschaltung lässt sich


mit diesen Kenntnissen so erklären:
– Dem Schwingkreis (rot eingezeichnet) wird an der Spule ein kleiner Es liegt eine induk­
Teil der Energie entzogen. Das geschieht mithilfe einer zweiten Spule tive Kopplung vor.
(schwarz eingezeichnet), in der das veränderliche Magnetfeld der
Schwingkreisspule eine sinusförmig verlaufende Spannung induziert.
– Gelangt die positive Halbschwingung im schwarz gezeichneten Rück­
kopplungskreis zum Transistor, dann wird der Übergang zwischen den
Anschlüssen 2 und 3 elektrisch leitend. Die an der Spannungsquelle be­
reitgestellte Spannung fällt in diesem Moment ganz über dem Schwing­
kreis ab. Dadurch werden die Ladungsträger im Schwingkreis beschleu­
nigt, und zwar gerade dann, wenn sie mit maximaler Stromstärke die
Spule durchfließen. Der Schwingkreis erhält somit von außen Energie.
– Gelangt die negative Halbschwingung der Spannung zum Transistor,
dann wird der Übergang zwischen den Anschlüssen 2 und 3 am Transis­
tor nicht leitend. Infolge des hohen ohmschen Widerstands fällt nun fast
die gesamte Spannung der Spannungsquelle am Transistor und nicht am
Schwingkreis ab. Die Energiezufuhr zum Schwingkreis ist unterbrochen.

Insgesamt darf man sich vorstellen, dass der Schwingkreis – ähnlich wie
eine Kinderschaukel – im Takt seiner Eigenfrequenz „angestoßen“ wird,
ihm also von außen periodisch Energie zugeführt wird.

Eigenschwingun­
Die meißnersche Rückkopplungsschaltung wird u. a. in Tonfrequenzgene­
gen von Bauwer­
ratoren angewendet, um hörbaren Schall oder Ultraschall zu erzeugen.
ken können durch
Sie kann auch zu Erzeugung hochfrequenter Schwingungen verwendet äußere Einflüsse
werden. Rückgekoppelte Systeme treten in Natur und Technik vielfältig (Wind, Erdbeben) so
auf. Sie werden zum Teil genutzt (b oben), sind aber zum Teil auch uner­ stark werden, dass
wünscht. Befinden sich z. B. Mikrofon und Lautsprecher in einem Raum, so es zu Zerstörungen
kann sich die Rückkopplung in einem schrillen Pfeifton äußern. kommt.

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342 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Analogien zwischen mechanischen und elektromagnetischen


Schwingungen
Zwischen mechanischen und elektromagnetischen Schwingungen gibt es
eine Reihe von Analogien, die in der nachfolgenden Übersicht dargestellt
sind. Analogiebetrachtungen bzw. die Analogiemethode sind typische
Vorgehensweisen in der Physik.

Mechanische Schwingungen Elektromagnetische Schwingungen

Eine mechanische Schwingung ist eine zeitlich peri­ Eine elektromagnetische Schwingung ist eine zeit­
odische Bewegung eines Körpers um eine Gleichge­ lich periodische Änderung der Stärke des elektri­
wichtslage. schen beziehungsweise des magnetischen Felds.
Beispiel: Federschwinger Beispiel: Schwingkreis

N
+ +

F
+ +
F
S

|y| maximal |U| maximal |U| = 0 |U| maximal


v=0 |y| = 0 I=0 I maximal I=0

y v maximal U
|y| maximal
v=0

t t

Es wird potenzielle Energie in kinetische Energie Es wird Energie des elektrischen Felds in Energie
umgewandelt und umgekehrt. des magnetischen Felds umgewandelt und umge­
kehrt.

Ohne Energiezufuhr verläuft die Schwingung Ohne Energiezufuhr verläuft die Schwingung
gedämpft. gedämpft.

y U

t t

Ursache: Durch Reibung wird mechanische Energie Ursache: Durch den ohmschen Widerstand im
in innere Energie umgewandelt. Stromkreis wird elektrische Energie in innere
Energie umgewandelt.

Für die Schwingungsdauer gilt: Für die Schwingungsdauer gilt:

T = 2π √}
m
}
D
T = 2π √}
L·C

m Masse des Körpers L Induktivität der Spule


D Federkonstante C Kapazität des Kondensators

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Elektromagnetische Schwingungen und Wellen 343

4.6.2 Elektromagnetische Felder und elektromagnetische Wellen

Wir haben bisher elektrische und magnetische Felder weitgehend unab­ Die Theorie elektro­
hängig voneinander betrachtet. Das ist bei statischen Feldern durchaus magnetischer Felder,
sinnvoll. Bereits beim magnetischen Feld (b S. 298 ff.) und auch bei der auch elektromagne­
elektromagnetischen Induktion (b S. 320 ff.) wird aber deutlich, dass es tische Feldtheorie
genannt, wurde
zwischen elektrischen und magnetischen Feldern sehr enge Verbindungen
ab 1855 von dem
gibt und sie teilweise untrennbar miteinander verknüpft sind:
schottischen Phy­
siker James C lerK
– Der durch ein elektrisches Feld hervorgerufene Strom in einem gerad­ m axWell (1831 bis
linigen Leiter oder in einer Spule ist immer mit einem Magnetfeld ver­ 1879) entwickelt
bunden (b S. 300). und mathematisch
– Bei der Änderung eines Magnetfelds, das eine Leiterschleife oder eine ausgearbeitet.
Spule durchsetzt, wird eine Spannung induziert (b S. 322), damit also ein 413 245
elektrisches Feld hervorgerufen.

}

Diese letzte Aussage soll etwas ∆B
}
∆t
genauer untersucht werden. Nach
dem Induktionsgesetz wird in einer
Leiterschleife eine Spannung indu­
ziert, wenn sie von einem zeitlich A

veränderlichen magnetischen Fluss


Die maxwellsche
durchsetzt wird (b S. 326). Im gege­ Ui
Theorie basiert auf
benen Fall ändert sich die magneti­ der von m iChael
sche Flussdichte B mit der Zeit: f araday (1791 bis
∆B
Ui = – A · }
}›
Diese Gleichung gilt für B || A .
}› 1867) entwickelten
∆t Feldtheorie.
∆Φ ∆(B · A)
Allgemein ist: Ui = – }
∆t
= –} ∆t
Für technische Anwendungen (Transformatoren, Generatoren) ist das In­
duktionsgesetz in dieser Form zweckmäßig, da man die Induktionswirkung
so auffassen kann, als würde durch sie eine Spannungsquelle in einem
Stromkreis gebildet. Die Bedingung, dass
Allerdings ist eine elektrische Span­ } › die magnetische
∆B }›
nung U als Potenzialdifferenz ∆φ }
∆t Flussdichte B eine
zwischen zwei Punkten im elektri­ Fläche A senkrecht
schen Feld definiert. Daher ist zu durchsetzt, kann
man verschieden
erwarten, dass ursächlich nicht als E
formulieren:
Erstes eine Spannung, sondern viel­ }›
a) B und die senk­
mehr zunächst ein elektrisches Feld
recht zur Fläche
durch ein zeitlich veränderliches stehende Flä­
Magnetfeld hervorgerufen wird. chennormale A
}›
Für diesen Vorgang ist die Anwesenheit einer Leiterschleife am Ort der haben die gleiche
Magnetfeldänderung nicht nötig. Der Sachverhalt ist in der Skizze darge­ Richtung:
stellt. Sofern man aber eine Leiterschleife mit freien Elektronen in das in­ }› }›
B || A
}›
b) B steht senkrecht
duzierte elektrische Feld bringt, dann bewegen sie sich entgegen der Feld­
richtung. Es entsteht ein Strom und zwischen den Enden der Leiterschleife zur Fläche A:
eine Spannung. }›
B 'A

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344 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Ist E || s, so gilt für Wenn das zeitlich veränderliche magnetische Feld homogen ist, kann man
ein homogenes davon ausgehen, dass das induzierte elektrische Feld überall im Kreisring
elektrisches Feld: die gleiche Stärke besitzt und parallel zum Verlauf der Leiterschleife orien­
U = E·s tiert ist. Beträgt die Länge des geschlossenen Rings s, dann ist Ui = E · s und
das Induktionsgesetz kann in folgender Form geschrieben werden:

E · s = – A · ∆B
}
∆t
Das bedeutet für den Zusammenhang zwischen magnetischem und elek­
trischem Feld:

Ein zeitlich veränderliches magnetisches Feld ist untrennbar mit einem


elektrischen Feld verbunden.

Die Richtung Elektrisches Feld und magnetisches Feld stehen dabei senkrecht zueinan­
der elektrischen der. Die Richtungen der Felder sind durch die Richtungen der elektrischen
Feldstärke bzw. Feldstärke bzw. der magnetischen Flussdichte gegeben.
der magnetischen Fließt in einem elektrischen Leiter ein Strom, dann ist er von einem Mag­
Flussdichte ist gleich
netfeld umgeben, dessen Richtung sich aus der jeweiligen Stromrichtung
der Richtung der
ergibt (b Skizze unten links).
Feldlinien.
Baut man in den Wechselstromkreis einen Kondensator ein, dann unter­
bricht dieser Kondensator den Stromfluss im Kreis nicht. Er wirkt lediglich
als Widerstand. Folglich müsste man annehmen, dass sich das Magnetfeld,
das die Zuleitungen umgibt, ohne Unterbrechung im Kondensator fort­
setzt (b Skizze unten Mitte).
Zur Messung der Mit einem empfindlichen Magnetfeldmesser kann man das bestätigen.
magnetischen Fluss­ Allerdings bewegen sich zwischen den Kondensatorplatten keine Ladungs­
dichte verwendet träger. Es breitet sich dort lediglich ein zeitlich veränderliches elektrisches
man Hall­Sonden Feld aus. Damit ergibt sich aber, wie rechts unten dargestellt:
(b S. 313).

Ein zeitlich veränderliches elektrisches Feld ist untrennbar mit einem


magnetischen Feld verbunden.

Auch hier stehen elektrische und magnetische Feldlinien senkrecht zuein­


ander. Das magnetische Feld „umschließt“ das elektrische Feld so, wie das
in der rechten Skizze dargestellt ist.

I, U I, U
~ ~
B

Kondensator

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Elektromagnetische Schwingungen und Wellen 345

Kennzeichnung elektromagnetischer Felder


Da ein zeitlich veränderliches Magnetfeld ein elektrisches Feld induziert
und ein zeitlich veränderliches elektrisches Feld ein Magnetfeld erzeugt,
kann man formulieren:

Elektrische und magnetische Felder können sich gegenseitig induzie­


ren (hervorrufen).

Die wechselseitige Induzierbarkeit elektrischer und magnetischer Felder


ermöglicht folgenden, zuerst von J ames C lerK m axWell (1831–1879) vor­
hergesagten Prozess:
In einem von Wechselstrom durchsetzten Kondensator entsteht ein zeitlich Die genannten Vor­
veränderliches elektrisches Feld. In der Skizze a ist ein Zeitpunkt dargestellt. stellungen entwi­
Dieses sich ändernde elektrische Feld ruft nun seinerseits ein Magnetfeld ckelte J. C. m axWell
hervor, dessen Stärke ebenfalls zeitabhängig ist (b Skizze b). Demzufolge im Rahmen seiner
muss durch dieses veränderliche Magnetfeld ein weiteres elektrisches Feld elektromagneti­
schen Feldtheorie.
induziert werden, das nun seinerseits das Magnetfeld umgibt (b Skizze c).

Durch eine unaufhörliche Kette wechselseitiger Induktionsvorgänge bildet


sich schließlich ein elektromagnetisches Feld, das immer größere Teile des
umliegenden Raums erfasst. Wenn ein solches elektromagnetisches Feld
existiert, dann lässt es sich folgendermaßen charakterisieren:

Ein elektrisches und


Ein elektromagnetisches Feld ist der Zustand eines Raums, in dem elek­ ein damit verbun­
trische und magnetische Felder existieren, die untrennbar miteinander denes magnetisches
verknüpft sind und sich wechselseitig bedingen. Feld verlaufen
immer senkrecht
zueinander, anders
Als Erster zog um 1860 J. C. m axWell die Möglichkeit in Betracht, dass sich formuliert: Elek­
elektromagnetische Felder wellenförmig im Raum ausbreiten können und trische Feldstärke E
dass Lichtwellen elektromagnetische Wellen sind. Diese von m axWell theo­ und magnetische
retisch vorhergesagten elektromagnetischen Wellen wurden 1886 –1888 Flussdichte B stehen
von dem deutschen Physiker h einriCh h erTz (1857–1894) experimentell senkrecht aufein­
ander.
nachgewiesen und in ihren Eigenschaften untersucht. Erzeugung und Ei­
genschaften der elektromagnetischen Wellen, die zu Ehren von h. h erTz
auch als hertzsche Wellen bezeichnet werden, sind auf den nachfolgenden
Seiten dargestellt.

a) b) c)
B
B

E E
E

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346 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Die wechselseitige Erregung elektrischer und magnetischer Felder

Zeitlich konstante Änderung eines Zeitlich konstante Änderung eines


elektrischen Felds magnetischen Felds

Ein elektrisches Feld, das sich zeitlich konstant Ein magnetisches Feld, das sich zeitlich konstant
ändert, erzeugt ein magnetisches Feld, das eine ändert, erzeugt ein elektrisches Feld, das eine
konstante Feldstärke hat. konstante Feldstärke hat.
∆E
B }
∆t
= konst. ∆B = konst.
}
B ∆t

– +

E E

Beispiel: Beispiel:
Wird in einem Kondensator durch gleichmäßige Wird durch eine gleichmäßige Zunahme der Strom­
Zunahme der Spannung das elektrische Feld gleich­ stärke das Magnetfeld einer Spule gleichmäßig
mäßig verstärkt, entsteht um dieses elektrische Feld verstärkt, dann entsteht um dieses Magnetfeld ein
ein Magnetfeld konstanter Stärke. elektrisches Feld konstanter Stärke.

In beiden Fällen endet der Vorgang mit der Herausbildung eines weiteren Felds. Im umgebenden Raum
entstehen keine weiteren Veränderungen.

Zeitlich nicht konstante Änderung eines Zeitlich nicht konstante Änderung eines
elektrischen Felds magnetischen Felds

Ist die zeitliche Änderung des elektrischen Felds Ist die zeitliche Änderung des magnetischen Felds
nicht konstant, dann erzeugt es ein magnetisches nicht konstant, dann erzeugt es ein elektrisches
Feld, das ebenfalls eine veränderliche Feldstärke Feld, das ebenfalls eine veränderliche Feldstärke
besitzt. Dieses Feld ruft dann seinerseits ein neues besitzt. Dieses Feld ruft dann seinerseits ein neues
elektrisches Feld hervor. magnetisches Feld hervor.

B
B

– +

E E

Beispiel: Beispiel:
Ein Kondensator im Schwingkreis bildet ein elek­ Eine Spule im Schwingkreis ist von einem Mag­
trisches Feld aus, dessen Änderung zeitlich nicht netfeld umgeben, dessen Änderung zeitlich nicht
konstant ist. konstant ist.

In beiden Fällen wird eine Kette von Folgeinduktionen ausgelöst. Die elektrischen und magnetischen
Felder breiten sich im Raum aus. Eine elektromagnetische Welle entsteht.

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Elektromagnetische Schwingungen und Wellen 347

Sinusförmiger Wechselstrom ist sehr gut dazu geeignet, Felder zu erzeu­


gen, deren Stärke mit veränderlicher Geschwindigkeit schwankt. Einschalt­
und Ausschaltvorgänge oder Entlade­ und Aufladevorgänge bewirken ei­
nen ähnlichen Effekt.
Alle diese Prozesse haben eine Gemeinsamkeit: Die bewegten Ladungs­
träger, die den felderzeugenden Strom bilden, werden beschleunigt oder
abgebremst. Auch durch zahlreiche Experimente ist belegt:

Durch schnelles
Werden Ladungsträger beschleunigt oder abgebremst, dann entste­ Abbremsen von
hen elektrische und magnetische Felder (elektromagnetische Wellen), Elektronen entsteht
die sich im Raum ausbreiten. z. B. die Röntgen­
Bremsstrahlung
(b S. 464 ff.).

Abstrahlung elektromagnetischer Wellen


Der Schwingkreis in der bisher beschriebenen Bauform ist nur sehr bedingt
zur Erzeugung von Wellen geeignet. Zum einen ist nach der thomsonschen
Schwingungsgleichung die Frequenz bei großen Kapazitäten und Indukti­
vitäten gering. Zum anderen sind elektrisches und magnetisches Feld na­
hezu vollständig auf Kondensator bzw. Spule beschränkt, also voneinan­
der isoliert.

Um die Frequenz zu erhöhen, muss man die Induktivität und die Kapazität Für die Induktivität
im Schwingkreis verringern. So kann man bei der Spule die Wicklungen einer langen Spule
„auseinanderziehen“ und kommt damit im Extremfall zu einem gerad­ gilt:
2
linigen Leiter. Beim Kondensator kann man die Fläche der Kondensator­ N ·A
L = µ0 · µr · } l
platten verkleinern und ihren Abstand vergrößern.
Die Kapazität eines
Nimmt man alle diese Veränderungen nacheinander vor, dann bleibt am
Plattenkondensators
Ende lediglich ein gerader Stab übrig, den man als offenen Schwingkreis
ergibt sich zu:
oder als Dipol bezeichnet (b Skizzen).
A
C = ε0 · εr · }
d

Geschlossener Öffnen des Offener Schwing­ Abstrahlen elektro­


Schwingkreis Schwingkreises kreis (Dipol) magnetischer Wellen

Neben der Frequenzerhöhung erreicht man mithilfe eines Dipols darüber


hinaus, dass elektrisches und magnetisches Feld nicht mehr räumlich von­
einander getrennt sind, sondern sich beide um den Dipol herum bilden
und sich von dort aus in den Raum hinein ausbreiten.

Ein Dipol kann als Quelle elektromagnetischer Wellen dienen.

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348 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Die Anordnung von elektrischem und magnetischem Feld um einen Dipol


ist in den nachfolgenden Skizzen in der zeitlichen Abfolge dargestellt.

++ –– ++
+ – +
+ – +

–– ++ ––
– + –
– + –
Vergleicht man den
sinusförmigen Ver­
lauf von Stromstärke Im Dipol werden Ladungsträger (Elek­ Länge l Länge l
bzw. Spannung mit tronen) beschleunigt und abgebremst.
einer vollständigen Daraus ergibt sich eine charakteristische
Periode einer Welle, Verteilung von Stromstärke und Span­
dann ist erkennbar:
nung längs des Dipols, wie nebenste­
Sowohl bei Span­
hend für die beiden ersten Zeitpunkte
nung als auch bei
Stromstärke ist }2λ
dargestellt. An den Enden des Dipols
U I
dargestellt, wenn ist die Stromstärke null, die Spannung
auch phasenver­ ist zwischen den Enden maximal. In der
schoben. Daraus ist Mitte des Dipols ist die Stromstärke am
ableitbar: l = }2λ größten. Die Spannung ist dann null.

In unmittelbarer Vergleicht man in der nebenstehen­ Stärke des elektrischen Felds


Nähe eines Dipols den Skizze die Ausbreitungsrichtung
sind elektrisches und der Welle vom Dipol weg mit den Rich­ Ort x
magnetisches Feld tungen von elektrischem und magne­
gegeneinander ver­ tischem Feld, so ist zu erkennen: Beide
schoben, so wie es
Felder ändern ihre Stärke senkrecht zur
auf S. 347 dargestellt
Ausbreitungsrichtung. Wie anderen Stärke des Ausbreitungs-
ist. Man spricht vom richtung
Nahfeld.
Wellen kann ihnen eine Ausbreitungs­ magnetischen
geschwindigkeit, eine Wellenlänge und Felds
In größerer Entfer­
nung vom Dipol, eine Frequenz zugeordnet werden.
beim Fernfeld, ist
die Lage der Felder Eine elektromagnetische Welle ist die Ausbreitung einer elektromag­
zueinander so, wie netischen Schwingung im Raum. Elektromagnetische Wellen sind
es hier skizziert
Transversalwellen, für die wie für andere Wellen gilt:
ist. Sie schwingen
gleichphasig und c = λ·f c Ausbreitungsgeschwindigkeit
stets senkrecht zu­ λ Wellenlänge
einander. f Frequenz

Der charakteristische Verlauf von Stromstärke und Spannung an einem Di­


pol, so wie er oben skizziert ist, bestimmt entscheidend den Verlauf der
abgestrahlten Felder, die sich senkrecht vom Dipol weg ausbreiten.

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Elektromagnetische Schwingungen und Wellen 349

Elektromagnetische Wellen umfassen einen großen Frequenz­ bzw. Wel­


lenlängenbereich (b S. 354). Bei der Untersuchung ihrer Eigenschaften
zeigt sich, dass es frequenzabhängige und frequenzunabhängige Eigen­
schaften gibt. So hat z. B. Gammastrahlung ein völlig anderes Durchdrin­
gungsvermögen als sichtbares Licht oder als die beim Handy genutzten
hertzschen Wellen, obwohl es sich in allen drei Fällen um elektromagneti­
sche Wellen handelt. Wir konzentrieren uns nachfolgend auf die frequenz­
unabhängigen Eigenschaften elektromagnetischer Wellen.

In einer Eigenschaft unterscheiden sich mechanische und elektromagneti­


sche Wellen grundlegend voneinander. Mechanische Wellen benötigen zur
Ausbreitung einen Stoff. Im Vakuum können sie sich nicht ausbreiten. Bei
elektromagnetischen Wellen handelt es sich dagegen um miteinander ge­
koppelte elektrische und magnetische Felder, die sich in Stoffen, aber auch
im Vakuum ausbreiten können. Es gilt somit:

Elektromagnetische Wellen können sich in Stoffen und im Vakuum Die Lichtgeschwin­


ausbreiten. Ihre Ausbreitungsgeschwindigkeit ist gleich der Lichtge­ digkeit in Vakuum
schwindigkeit im jeweiligen Stoff beziehungsweise im Vakuum. und in Luft beträgt
km
etwa 300 000 } s
.

Von ihrem Charakter her handelt es sich bei elektromagnetischen Wellen


um Transversalwellen, denn die Schwingungsrichtung von elektrischer
Feldstärke E und magnetischer Flussdichte B erfolgt stets senkrecht zur
Ausbreitungsrichtung (b S. 348).
Analog zu mechanischen Wellen gilt:

Mit elektromagnetischen Wellen wird Energie transportiert.

Diese Energie verteilt sich gleichmä­ Isolator Das Foto zeigt einen
ßig auf das elektrische und das mag­ Mikrowellensender.
netische Feld. Sie ist umso größer,
je größer die maximale elektrische
Feldstärke E und die maximale mag­ Sender
netische Flussdichte B sind. Empfänger
Die zu mechanischen Wellen analogen Eigenschaften lassen sich experi­
mentell gut mit einem Mikrowellensender und ­empfänger untersuchen.
Isolatoren können von elektromagnetischen Wellen durchdrungen wer­
den, während metallische Leiter diese abschirmen.

In einem Zimmer kann man in der Regel Fernseh­ und Radiosender


empfangen, in einem Gebäude aus Stahlbeton kann es Probleme ge­
ben, weil die hertzschen Wellen abgeschirmt werden. Das gilt auch für
das Innere eines Pkw oder für Tunnel.

Schwächung elektromagnetischer Wellen tritt auch durch Absorption auf,


etwa bei größerer Entfernung von einem Sender.

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350 Elektrizitätslehre und Magnetismus

An metallischen Leitern werden die


Fernseh­ und Metallplatte
Wellen reflektiert. Es gilt das Refle­
Satellitenantennen xionsgesetz: α = α '
besitzen für einen
α α'
optimalen Emp­ Beispiel:
fang sogenannte Bei einem Auto benötigt man eine
Reflektoren, die das Außenantenne, weil die Blechkarosse des
Reflexionsgesetz Autos elektromagnetische Wellen reflek­ Sender Empfänger
nutzen. tiert und damit das Innere abschirmt.
Reflektierende
Schichten gibt es Beim Übergang von einem Isolator in Isolator
auch in der Atmo­ einen anderen können elektromagneti­
sphäre. sche Wellen ihre Ausbreitungsrichtung
ändern. Sie werden gebrochen. Es gilt das
Brechungsgesetz (b S. 160).
Sender Empfänger

Ob und wie stark An Hindernissen können die Wellen Hindernis


Durchdringung, gebeugt werden und sich so auch in
Reflexion, Beugung Schattenräume hinein ausbreiten.
und Brechung
auftreten, hängt Beispiel:
von Frequenz und Durch Beugung ist ein Fernsehempfang
Wellenlänge dieser z. T. auch hinter Bergen und hohen Ge­ Sender Empfänger
Wellen und von den bäuden möglich.
beteiligten Körpern
bzw. Stoffen ab. Elektromagnetische Wellen können sich
überlagern, sodass eine resultierende
Welle als Addition der Ausgangswellen Doppelspalt
entsteht (Interferenz). Dabei kommt es
Bei elektromag­ zu typischen Interferenzerscheinungen
netischen Wellen wie Verstärkung und Abschwächung.
treten wie bei
mechanischen Beispiel:
Wellen Interferenz­ Bei Radiosendern kann man diese Inter­
erscheinungen auf. ferenzerscheinungen mitunter wahrneh­ Sender Empfänger
men. Sie äußern sich in der Veränderung
der Empfangsqualität.

Elektromagnetische Wellen können pola­


Bei zeichnerischen
risiert werden, z. B. durch ein engmaschi­ Gitter
Darstellungen stellt
ges Netz aus Metalldrähten. Die Feldvek­
man in der Regel
toren schwingen dann hinter dem Gitter
nur die Schwin­
nur in einer Richtung.
gungsrichtung der
elektrischen Feld­
}› Ist die Schwingungsrichtung der elektri­
stärke E dar. }›
schen Feldstärke E parallel zu den Stäben
Elektromagnetische
des Gitters, tritt die Welle nicht hindurch.
Wellen, die von }›
Bei senkrechter Stellung von E zu den Sender Empfänger
Dipolen abgestrahlt
Stäben läuft die Welle weitgehend unge­
werden, sind linear
hindert durch das Gitter hindurch.
polarisiert.

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Interessantes aus der Technik 351

Identifizierung mithilfe elektromagnetischer Wellen

Mit elektronischen Schlüsseln im Scheckkartenfor­


mat lassen sich berührungslos Türen öffnen. An vie­
len Waren in Geschäften befinden sich kaum sicht­
bare Markierungen. Damit kann z. B. am Ausgang
eines Geschäfts eine automatische Kontrolle erfol­
gen, ohne dass der Kunde es merkt.

Genutzt wird dabei ein RFID­System, das aus einem


Transponder und einem Lese­ oder Schreibgerät be­
steht. Die Abkürzung RFID steht für das englische
radio­frequently identification. Das könnte man
übersetzen als „Identifizierung mithilfe elektromag­
netischer Wellen“. 2 Aufbau eines Transponders in einer Chipkarte:
Erkennbar sind eine Spule und der sehr kleine Chip.
Der Begriff Transponder ist zusammengesetzt aus
den Begriffen Transmitter und Responder und be­ Geht ein solcher RFID­Transponder verloren oder
deutet, dass das System Informationen empfangen wird er entwendet, so können die zugehörigen Be­
und auf diese antworten kann. In dem Chip des rechtigungen umgehend in der Computeranlage ge­
Transponders können alle möglichen Informationen, löscht werden. Ein Missbrauch des Schlüssels ist dann
wie Preis, Hersteller, Kennung für eine Person usw. nicht mehr möglich.
gespeichert sein.
Der Chip kann nicht nur gelesen, sondern auch be­ Funktionsweise
schrieben werden. So könnte an einer elektroni­ Bezüglich der Funktionsweise ist zwischen passiven
schen Kasse in den Chip der Ware das Kaufdatum und aktiven RFID­Transpondern zu unterscheiden.
geschrieben werden. Gleichzeitig könnte im Wa­ Passive Transponder besitzen keine Batterie, bei ak­
renlagersystem der Verkauf automatisch registriert tiven Transpondern ist eine Energiequelle integriert.
werden. Das Besondere dabei ist, dass alle diese In­ Betrachten wir als Beispiel einen elektronischen
formationen berührungslos durch elektromagneti­ Schlüssel, der in der Regel einen passiven Transpon­
sche Wellen übermittelt werden. der hat (b Abb. 1, 2).
Das Lesegerät sendet elektromagnetische Wellen
RFID­Transponder können in Schlüsselanhängern aus, die vom RFID­Transponder empfangen werden.
oder Plastikkarten integriert werden (b Abb. 1). Der Transponder enthält deshalb einen Schwing­
Über eine Computeranlage kann dann in einem Un­ kreis, dessen Spule als Antenne für die elektromag­
ternehmen für jeden Mitarbeiter individuell festge­ netischen Wellen des Senders dient. Mit der auf den
legt werden, welche Türen er öffnen darf. Schwingkreis übertragenen Energie wird ein Kon­
densator geladen. Die im Kondensator gespeicherte
Energie versorgt dann den Chip.
Im Chip werden die mit den elektromagnetischen
Wellen übertragenen Informationen decodiert. Die
Informationen bestehen aus Befehlen, die der Chip
ausführen soll. Ein solcher Befehl könnte lauten:
„Sag mir, wer du bist.“

Der passive Transponder kann selbst nicht senden. Er


antwortet, indem er z. B. durch gegenphasige Re­
flexion des Signals das Feld des Senders schwächt.
Die Reichweite passiver Transponder ist relativ klein.
1 Elektronischer Schlüssel: Das Lesegerät ist Bei aktiven Transpondern ist sie wesentlich größer.
fest eingebaut, der Transponder befindet sich im Das ermöglicht z. B. ihre Nutzung bei Mautsystemen
schwarzen Schlüsselanhänger. oder in der Containerlogistik.

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352 Elektrizitätslehre und Magnetismus

Senden und Empfangen hertzscher Wellen


Hertzsche Wellen Elektromagnetische Schwingungen können nur dann als hertzsche Wel­
sind die bei Rund­ len von einem Sender abgestrahlt werden, wenn sie eine relativ hohe
funk, Fernsehen, Frequenz (mindestens 100 kHz) besitzen. Man nennt diese auch Hochfre­
Handys oder Radar quenz­Schwingungen (HF­Schwingungen).
genutzten elek­ Sprache und Musik, also Schallschwingungen, besitzen nur eine Frequenz
tromagnetischen
bis maximal 20 kHz. Diese Schallschwingungen kann man mit einem Mik­
Wellen mit einem
rofon in elektromagnetische Schwingungen umwandeln. Man nennt diese
Frequenzbereich
von etwa 30 kHz bis
auch Niederfrequenz­Schwingungen (NF­Schwingungen). Sie sind auf­
3 GHz. grund der geringen Frequenz für das Aussenden als hertzsche Wellen nicht
geeignet.
Dargestellt sind Um Sprache, Musik und Bilder mithilfe hertzscher Wellen zu übertragen,
die „klassischen“ bedient man sich deshalb des Verfahrens der Modulation. Dabei wird eine
analogen Verfahren. hochfrequente Schwingung als „Träger” für niederfrequente Schwingun­
Heute wird in zu­ gen (Sprache, Musik) genutzt, da hochfrequente Schwingungen als hertz­
nehmendem Maße sche Wellen abgestrahlt werden können.
die Digitaltechnik
Die hochfrequente Schwingung wird dabei im Takt der niederfrequen­
zur Übertragung
ten Schwingung so verändert, dass die Information der niederfrequenten
von Rundfunk­ und
Fernsehprogrammen
Schwingung mit übertragen wird. Dies geschieht z. B. dadurch, dass man
genutzt. die Amplitude der HF­Schwingung im Takt der Amplitude der NF­Schwin­
gung verändert (Amplitudenmodulation).

Neben der Ampli­ niederfrequente Schwingung (z. B. Sprache)


U
tudenmodulation
gibt es auch das
Verfahren der Fre­
t
quenzmodulation.
Dabei wird nicht die
Amplitude, sondern
die Frequenz der U hochfrequente Trägerschwingung
Trägerschwingung
verändert.
410 175 t

U modulierte Trägerschwingung

Hertzsche Wellen werden über Antennen (Dipole) ausgestrahlt und emp­


fangen. Diese Sende­ und Empfangsdipole sind offene Schwingkreise.
Beim Senden von hertzschen Wellen wird der Sendedipol (Antenne) durch
einen weiteren Schwingkreis zu elektromagnetischen Schwingungen an­
geregt. Dabei sind Schwingkreis und Dipol so aufeinander abgestimmt,
dass beide mit derselben Eigenfrequenz schwingen können. Es tritt somit
Resonanz und damit eine maximale Abstrahlung elektromagnetischer
Wellen auf.

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Elektromagnetische Schwingungen und Wellen 353

Prinzip eines Senders

NF-Schwingung modulierte HF-Schwingung

modulierte
HF-Wellen

Mischkreis Verstärker

Mikrofon
Schwingkreis

HF-Generator Antenne
HF-Schwingung

Beim Empfang hertzscher Wellen Mithilfe des Dreh­


wird der Empfangsdipol durch elek­ kondensators kann
tromagnetische Wechselfelder in der Drehkondensator man die Kapazität
Umgebung zu Schwingungen ange­ Spule und damit die Fre­
regt. Diese Schwingungen werden quenz des Schwing­
kreises verändern.
wiederum auf einen Schwingkreis im
Empfänger, den Abstimmkreis, über­
tragen. Dipol Schwingkreis (Abstimmkreis)

Empfangsdipole werden so gewählt, dass sie annähernd dieselbe Eigen­ Die Amplitude der
frequenz besitzen wie der Sendedipol. Auf einen Empfangsdipol treffen Schwingung ist von
jedoch hertzsche Wellen unterschiedlicher Frequenzen. Um genau einen Erreger­ und Eigen­
Sender auszuwählen, wird mithilfe eines Abstimmkreises im Empfänger frequenz abhängig.
die Eigenfrequenz des gewünschten Senders eingestellt. Durch Resonanz Bei fE ≠ f0 ist die
ist die Amplitude der elektromagnetischen Schwingung im Abstimmkreis Amplitude klein.
dann am größten, wenn sie mit der Sendefrequenz des gewünschten Sen­
ders übereinstimmt, wenn also gilt: fE = f0
Die modulierte hochfrequente Trägerschwingung muss im Empfänger wie­
der in HF­ und NF­Schwingungen getrennt werden, damit die NF­Schwin­
gungen im Lautsprecher hörbar gemacht werden können. Diesen Vorgang
nennt man Demodulation.
In der Regel werden die NF­Schwingungen im Empfänger noch verstärkt,
damit z. B. Sprache und Musik gut hörbar werden. Bei fE = f0 ist die
Amplitude maximal.
Prinzip eines Empfängers

HF-Schwingung NF-Schwingung verstärkte


ankommende NF-Schwingung
modulierte
HF-Wellen

Demodulator Verstärker

Abstimmkreis
Lautsprecher
Antenne

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354 Elektrizitätslehre und Magnetismus

4.6.3 Das Spektrum elektromagnetischer Wellen

Das Spektrum elektromagnetischer Wellen umfasst einen großen Fre­


quenz­ und Wellenlängenbereich, von dem nur ein Teil technisch genutzt
wird. Es ist nachfolgend die in der Physik übliche Einteilung dieses Spek­
trums angegeben.

Art der Wellen Frequenz f Wellenlänge λ Eigenschaften Anwendungen


in Hz in m

Technischer 30 – 300 107 –106 leichte Erzeugbarkeit, Gewinnung und


Wechselstrom einfache Übertragbar­ Übertragung elektri­
keit mithilfe von Leitern scher Energie, Antrieb
elektrischer Maschinen
und Anlagen

Tonfrequenter 3 · 102– 3 · 104 106 –104 Frequenzbereich ent­ Übertragung von


Wechselstrom spricht dem des für den Sprache und Musik mit
(Niederfrequenz) Menschen hörbaren Leitungen (Telefonie)
Schalls

Hertzsche Wellen gute Ausbreitung in Radio, Mobilfunk,


Langwelle (LW) 3 · 104 – 3 · 105 104 –103 Luft, teilweise Refle­ Fernsehen, Radar
Mittelwelle (MW) 3 · 105 – 3 · 106 103 –102 xion an Schichten der
Kurzwelle (KW) 3 · 106 – 3 · 107 102 –10 Atmosphäre, Reflexion
Ultrakurzwelle 3 · 107 – 3 · 109 10 – 0,1 an Leitern
(UKW, VHF, UHF)

Mikrowellen 3 · 109 – 1013 0,1 – 3 · 10 –5 Eindringen in viele Mikrowellenherd,


Stoffe und dabei Mikrowellentherapie
Absorption durch diese
Stoffe

Infrarotes Licht 1013 – 3,8 · 1014 3 · 10 –5 bis tiefes Eindringen in Wärmestrahlung


7,8 · 10 –7 menschliche Haut, gute (Infrarotstrahler),
Absorption durch viele Infrarotfernbedienung
Stoffe

Sichtbares Licht 3,8 · 1014 bis 7,8 · 10 –7 bis vom Menschen mit dem Beleuchtung von
7,7 · 1014 3,9 · 10 –7 Auge wahrnehmbar Räumen (Lampen)

Ultraviolettes 7,7 · 1014 bis 3,9 · 10 –7–10 – 8 dringt in äußere Haut­ UV­Strahler
Licht 3 · 1016 schichten ein und ruft (Höhensonne)
Veränderungen hervor
(Bräunung, Sonnen­
brand)

Röntgenstrah­ 3 · 1016– 5 · 1021 10 – 8– 6 · 10 –14 unterschiedliches Röntgendiagnostik und


lung Durchdringen von ­therapie
weichem Gewebe und
Knochen

Gammastrahlung > 3 · 1018 < 10 –11 großes Durchdringungs­ Fehlersuche in Stahl­


und kosmische vermögen von massiven trägern oder in
Strahlung Körpern massiven Werkstücken

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Elektromagnetische Schwingungen und Wellen 355

einfallende Strahlung

Röntgenstrahlung
h in
km

ultraviolette Strahlung

infrarote Strahlung
(Wärmestrahlung)
optisches Fenster
100

Radiostrahlung
(Radiofenster)
Mikrowellen
γ-Strahlung

50

Bereich der voll-


ständigen Absorption
Erdoberfläche
0
10–12 10–10 10–8 10–6 10–4 10–2 1 λ in m

Für uns alle ist von Bedeutung, welche elektromagnetischen Wellen die Die Übersicht oben
Erdatmosphäre nahezu ungeschwächt bis zum Erdboden durchdringen. zeigt das Absorpti­
Aus der Übersicht oben ergibt sich: onsvermögen der
Erdatmosphäre für
elektromagnetische
Die Atmosphäre der Erde ist nur für sichtbare elektromagnetische Wellen, die „von
Wellen und einen Teil der hertzschen Wellen nahezu vollständig außen“ auffallen.
durchlässig.

Die betreffenden Bereiche werden als optisches Fenster und als Radiofens­
ter bezeichnet. Für die astronomische Forschung bedeutet dies, dass man
viele Jahrhunderte lang nur im optischen Bereich beobachten konnte. Die
Radioastronomie entwickelte sich erst nach 1932. Andere Wellenlängen­ 1932 entdeckte
bereiche werden durch die Atmosphäre weitgehend absorbiert. Unter­ K arl g uThe J ansKy
suchungen zu diesen Spektralbereichen können nur mit dafür gebauten (1905 –1950), dass
Empfängern außerhalb der dichteren Atmosphärenschichten betrieben kosmische Objekte
werden. Da die Menschheit erst seit wenigen Jahrzehnten über die Tech­ auch Strahlung im
Radiofrequenzbe­
nologien zur Raumfahrt verfügt, handelt es sich z. B. bei der Röntgen­ oder
reich aussenden.
Gammaastronomie um recht junge Forschungsgebiete.

Radioteleskope Röntgenteleskope Infrarotteleskope

Das Radioteleskop Effels­ Röntgensatelliten, z. B. Das Flugzeugobservato­


berg verfügt über einen ROSAT und Chandra, rium SOFIA registriert die
beweglichen Spiegel von erfassen die Röntgen­ von kosmischen Objekten
100 m Durchmesser. strahlung kosmischer ausgehende Infrarot­
Objekte. strahlung.

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356 Das Wichtigste im Überblick

Elektromagnetische Schwingungen und Wellen


Überblick

Elektromagnetische Schwin­ N S
+ + –– + +
gungen entstehen in einem
Schwingkreis, einer Reihen­ U U=0 U U=0 U
schaltung aus Kondensator – – ++ – –
und Spule. S N
I=0 I I=0 I I=0

U,I U
Die Schwingungsdauer hängt
I
nur von der Induktivität L der
t
Spule und der Kapazität C }T4 }T2 3T
}
4
T
des Kondensators ab.

Für R = 0 gilt die thomsonsche Schwingungsgleichung: T = 2π √}


L·C

Jedes zeitlich veränderliche elektrische Feld ist untrennbar mit einem magnetischen Feld
verbunden, jedes zeitlich veränderliche magnetische Feld mit einem elektrischen Feld.

Unter elektromagnetischen Wellen versteht man Stärke des elektrischen Felds


die Ausbreitung elektromagnetischer Schwin­
Stärke des Ort x
gungen im Raum. Elektromagnetische Wellen
magnetischen
werden von Dipolen (Antennen) abgestrahlt. Sie Felds
breiten sich mit Lichtgeschwindigkeit aus. Es gilt:

Ausbreitungs-
c = λ·f mit f = }1T richtung

Elektromagnetische Wellen haben analoge Eigenschaften wie mechanischen Wellen:


– Die Ausbreitung in einem Stoff erfolgt in der Regel geradlinig.
– Beim Auftreffen auf Hindernisse kann Reflexion auftreten.
– Beim Übergang von einem Stoff in einen anderen kann Brechung auftreten.
– Es können unter bestimmten Bedingungen die wellentypischen Eigenschaften Beugung,
Interferenz und Polarisation auftreten.

Zum Spektrum elektromagnetischer Wellen gehören:

Wechselstrom Hertzsche Wellen Mikrowellen Licht Röntgen­ und


Gammastrahlung

Wellenlänge: Wellenlänge: Wellenlänge: Wellenlänge: Wellenlänge:


107 –104 m 104 – 0,1 m 0,1 – 3 · 10 – 5 m 3 · 10 – 5–10 – 8 m < 10 – 8 m

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Aufgaben 357

Aufgaben 5. 414 934 Frequenz des Schwingkreises


Elektronische Thermometer mit Messfühler arbeiten
mit einer Frequenz von 433 MHz.
1. 414 834 Schwingkreis Geben Sie sinnvolle Kombinationen von L und C an,
Der Kondensator eines elektrischen Schwingkreises mit denen Schwingungen dieser Frequenz erzeugt
wird aufgeladen und anschließend über die Spule werden können.
entladen.
1 2 6. 410 094 Schwingkreis mit Rückkopplung
Für die meisten Anwendungen benötigt man unge­
L = 0,4 H dämpfte elektromagnetische Schwingungen.
+ a) Nennen Sie Bedingungen, unter denen eine un­
– C = 2 µF gedämpfte elektromagnetische Schwingung zu­
stande kommt.
b) Die Skizze zeigt den prinzipiellen Aufbau einer
meißnerschen Rückkopplungsschaltung mit Tran­
a) Beschreiben Sie die Vorgänge im Schwingkreis sistor.
bei Vernachlässigung des ohmschen Widerstands
und bei Berücksichtigung des ohmschen Wider­
stands.
b) Wie groß ist die Eigenfrequenz des Schwingkrei­
ses, wie groß die Schwingungsdauer?

2. 415 244 Verlauf der Schwingung


+ –
Die Frequenz der elektromagnetischen Schwingung
in einem Schwingkreis beträgt 100 Hz, die Ampli­
tude der Stromstärke 100 mA. Beschreiben Sie den Aufbau und erklären Sie die
a) Zeichnen Sie das t­I­Diagramm für drei vollstän­ Wirkungsweise einer solchen Schaltung!
dige ungedämpfte Schwingungen.
b) Beschreiben Sie anhand des t­I­Diagramms die 7. 412 654 Energieübertragung
Vorgänge in der Spule des Schwingkreises. Die von einem Dipol ausgehenden elek­
Erklären Sie diese Vorgänge. tromagnetischen Wellen lassen sich
mit einem Empfangsdipol (b Skizze)
3. 415 334 Vergleich der Schwingungen nachweisen. Zumindest in geringer Ent­
Vergleichen Sie mechanische und elektromagne­ fernung vom Sendedipol leuchtet die
tische Schwingungen hinsichtlich Lampe des Empfangsdipols auf.
a) der sich periodisch ändernden Größen, Die Helligkeit der Glühlampe ist maxi­
b) der Voraussetzungen für das Entstehen solcher mal, wenn beide Dipole parallel zuein­
Schwingungen, ander stehen und wenn sie gleich lang
c) der Energieübertragungen, sind. Begründen Sie diese Aussage.
d) der Ursachen für die Dämpfung der Schwingun­
gen. 8. 412 794 Radioempfang
Fertigen Sie dazu eine Übersicht an. Ein Rundfunksender arbeitet mit 88,8 MHz.
a) In welchem Frequenzband ist er zu empfangen?
4. 415 964 Kondensator und Spule b) Wie groß ist die Wellenlänge der betreffenden
Ein Schwingkreis besteht aus einer Spule (A = 20 cm2, hertzschen Wellen?
l = 15 cm, N = 750) und einem Plattenkondensator c) Wie lang müsste ein darauf abgestimmter Emp­
(A = 40 cm2, d = 2 mm). Zwischen den Platten befin­ fangsdipol etwa sein?
det sich Luft. d) Mit welcher Frequenz wird das von Ihnen bevor­
a) Wie groß ist die Eigenfrequenz des Schwingkrei­ zugte Radioprogramm gesendet? Erläutern Sie,
ses? auf welche Weise die Schallfrequenzen bei die­
b) Wie verändert sich die Eigenfrequenz, wenn man sem Programm mit den hertzschen Wellen über­
in die Spule einen Eisenkern einführt? tragen werden.

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358 Elektrizitätslehre und Magnetismus

9. 412 854 Im Schatten des Hauses 14. 413 464 Mobilfunk


Sie können Rundfunksendungen mit Ihrem Radio Bereiten Sie ein Referat zum Thema „Aufbau eines
empfangen, auch wenn zwischen Ihnen und dem Mobilfunknetzes und genutzte Frequenz­ und Wel­
Runkfunksender ein Haus steht. lenlängenbereiche“ vor.
Andererseits erreicht Sie weder das Licht noch die
Wärmestrahlung der Sonne, wenn Sie im Schatten 15. 413 684 Antenne am Kofferradio
eines Hauses stehen, obwohl es sich ebenfalls um Messen Sie die Länge der Antenne an einem Kof­
elektromagnetische Wellen handelt. ferradio. Stimmt die Länge mit Ihren Erwartungen
a) Geben Sie die Wellenlängenbereiche für Rund­ überein? Recherchieren Sie, wie man die optimale
funk, sichtbares Licht und Wärmestrahlung an. Länge einer solchen Antenne bestimmt.
b) Erläutern Sie, warum die Radiowellen Sie auch im
„Schatten“ des Hauses erreichen. 16. 413 694 Radio im Tunnel
c) Geben Sie die Gültigkeitsbereiche für das Mo­ Bei Autofahrten in Tunneln bricht der Radioempfang
dell Lichtstrahl und das Modell Welle bei der Be­ manchmal nach kurzer Zeit ab.
schreibung von elektromagnetischen Wellen an. Erklären Sie, woran das liegen könnte.

10. 413 554 Wellen im Vergleich 17. 410 874 Rundfunkempfänger


Vergleichen Sie mechanische und elektromagne­ Beschreiben Sie den Aufbau und erklären Sie die
tische Wellen hinsichtlich Wirkungsweise eines einfachen Rundfunkempfän­
a) der sich periodisch ändernden Größen, gers. +
b) der Voraussetzungen für die Ausbreitung der
Wellen,
c) der Eigenschaften der Wellen.
Fertigen Sie dazu eine Übersicht an.

11. 414 094 Radar


Eine wichtige Anwendung elektromagnetischer
Wellen ist das Radar. Bereiten Sie dazu eine Präsen­
tation vor. Gehen Sie dabei auf die Entwicklung des
Radars und ausführlich auf eine Anwendung ein.

12. 413 664 Interplanetarisches Radar
Zur Erforschung der Oberfläche anderer Planeten
werden u. a. Radaranlagen genutzt. 18. 413 194 Mikrowellenstrahlung
Bei einer bestimmten Stellung wird ein von der Erde Die im Mikrowellengerät verwendeten Wellen
zum Mars gesandtes Funksignal nach 24 Minuten haben ungefähr die gleiche Wellenlänge wie die
und 45 Sekunden wieder empfangen. Handystrahlung. Durch eine geeignete Abschirmung
a) Wie groß ist bei dieser Stellung die Entfernung soll die Mikrowellenstrahlung nicht aus dem Gerät
Erde – Mars? austreten.
b) Vergleichen Sie sie mit der Entfernung von der a) Wie würden Sie die Strahlung abschirmen?
Erde zur Sonne. Recherchieren Sie, welche Vorkehrungen die Her­
c) Wie lange braucht ein Funksignal für die Strecke steller von Mikrowellengeräten treffen.
Erde – Mond – Erde? b) Legen Sie ein Handy in die ausgeschaltete (!)
Mikrowelle. Rufen Sie das Handy an. Überlegen
13. 410 614 Stehende Mikrowellen und recherchieren Sie, wie das Ergebnis zu deu­
Ein Sendedipol strahlt Mikrowellen mit einer Fre­ ten ist.
quenz von 9,4 GHz ab. Die Mikrowellen treffen in
1,1 m Entfernung auf eine senkrechte Wand. 19. 418 584 Elektrosmog
a) Welche Eigenschaft muss die Wand haben, damit Elektrosmog gilt als eine Umweltbelastung. Erkun­
eine stehende Welle entsteht? den Sie, was man darunter versteht, wie groß die
b) Wie viele Schwingungsknoten hat dann die ste­ durchschnittliche Belastung ist und ob damit ge­
hende Welle auf einer Strecke von 17 cm? sundheitliche Beeinträchtigungen verbunden sind.

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