SS Leitheft 9
SS Leitheft 9
INHALT
Sieghafter Glaube
Bekenntnis
Ein Zeuge des Glaubens / Zur Wiederkehr des Todestages von Dr-Ing. Todt am 8. Februar 1942
Das Geheimnis des Sieges
Im Sturm geboren
Krieg und Frieden
Das macht der Glaube
Eine schlichte Begebenheit
Beantwortung entstandener Fragen
Vom Tode fr das Vaterland
"ber jedem Grabe werden hundert Wiegen stehen"
Sigurd, Ritter Georg undder Kampf mit dem Drachen
Schicksatsstunde
Ein Kriegserlebnis in der Heimat
Der Allmchtige wird der gerechte Richter sein. Unsere Aufgabe aber ist es, unsere Pflicht so
zu erfllen, da wir vor ihm, als dem Schpfer aller Welten, nach dem von ihm gegebenen
Gesetz des Kampfes um das Dasein zu bestehen vermgen, da wir, ohne jemals zu verzagen,
keine Leben schonen und keine Arbeit scheuen, um das Leben unseres Volkes fr die Zukunft
zu erhalten. Dann wird in diesem Kampf einst die groe Stunde schlagen, in der unser Volk
befreit sein wird vom ueren Feind. Aus den Opfern der Toten und den Ruinen unseres
Stdte und Drfer wird dann ein neues Leben erblhen, um den Staat weiter zu gestalten, an
den wir glauben, fr den wir kmpfen und arbeiten: den germanischen Staat der deutschen
Nation, als ewige und gleiche Heimat aller Mnner und Frauen unseres Volkes: das
nationalsozialistische Grodeutsche Reich.
ADOLF HITLER
AUS DER PROKLAMATION VOM 30. JANUAR 1943
Sieghafter Glaube
Der germanische Mensch war zu allen Zeiten mit den Sonnenwenden in seinem Innersten verbunden. Vlker, denen das
Schicksal gnstigere Lebensbedingungen, ein gleichbleibendes Klima, die Fruchtbarkeit des Bodens gewissermaen als
Geschenk des Himmels in die Wiege gelegf hat, mgen jenen groen Vorgngen in der Natur gleichgltiger
gegenberstehen, die sich im Laufe der Gestirne offenbaren.
Das deutsche Volk, das dem Boden nur das abgewinnt, was es ihm in mhsamer Arbeit abringt, erlebt den Durchbruch
der Frhjahrssonne und damit den Beginn neuer Fruchtbarkeit wie eine Geburt, begleitet von der Gewalt und der Gre
aller wirklichen Naturereignisse, und sieht in diesem Vorgang nur ein Abbild seines eigenen Lebenskampfes und eine
seinem Schicksal hnliche Verwandlung.
Darum haben wir auch dieses Leitheft wieder unter das Zeichen des 21. Mrz gestellt. Mit der Frhjahrssonnenwende
bricht das Licht und das Leben durch Eis und Klte unserer nordisch bestimmten Natur und damit keimt neuer Glaube
nach langem Warten und langer Verschttung.
Es ist schon so: die Gunst der ueren Umstnde ist. meistens ein zweifelhaftes Gttergeschenk. "Wer nie sein Brot in
Trnen an, der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mchte." Und was fr den Einzelnen gilt, das gewinnt erst recht seine
schicksalsschwere Bedeutung fr ein Volk. Unter einem gnstigeren Himmel, im ewigen Sommer sdlicher Lnder
sind ganze germanische Vlker nach kurzer Bltezeit zugrunde gegangen. Vom groen nordischen Mutterboden aus
aber geht jene unversiegbare Kraft, die demMittelalter die Idee und Wirklichkeit des Kaisertums geschenkt und heute
nach schweren Rijckseblgen endlich doch zur Sammlung Europas nach der germanischen Mitte hin gefhrt hat.
Der Sieg des Reiches ist letzten Endes ein Sieg des Glaubens. Wer geschichtlich zu denken verniag, den kann der
immer wieder vorgetragene Anlauf der groen mittelalterlichen Kaisergeschlechter zur Verwirklichung des Reiches nur
aufs tiefste erschttern. Und doch blieb dem Reichsgedanken die letzte Erfllung versagt, da er sich mit einer Macht
verbndete- die weltanschaulich gesehen den germanischen Staat verneinte und deren Schwerpunkt nicht in dieser Welt
lag. Aber besiegt werden konnte der Glaube an das Reich nicht, auch nicht in den, Tagen seiner tiefsten Verdsterung,
als der groe Korse sein zeitlich beschrnktes europisches Staatengebilde zusammenfgte. Es wurde im Gegenteil
durch die napoleonische Epoche zu neuem Leben erweckt, um sich endlich mit Bismarck und Adolf Hitler Bahn zu
brechen.
Wenn man sich einpal klargemacht hat, wie leicht es ist, gesichichflieh vollzogene Tatsachen nachtrglich als
gerechtfertigt anzuerkennen, wie schwer es aber fllt, fr eine geschichtliche Aufgabe einzutreten zu dem Zeitpunkt, da
die sogenannte ffentliche Meinung ihre Durchfhrung fr unmglich hlt und sich ihrer Verwirklichung entgegensetzt,
dann ermit man das berma von Glaubenskraft, das von jenen Mnnern gefordert wird, die sich gegen die Meinung
der Mehrheit stellen. Dabei ist es notwendig, einmal grundstzlich zu unterscheiden zwischen Glauben und Illusion.
Ich erinnere mich noch sehr wohl, wie ein zentrmlich eingestellter Rechts. anwalt im Jahre 1923 seine - wie er sicher
annahm - scharfsinnige Beurteilung der Lage nach dem 9. November dahin zusammenfate, da er erklrte, Mnchen
sei schon immer die Stadt der Illusionen gewesen. Und dabei ist diese Stadt und dieser Tag der Ausgangspunkt der
Bewegung gewesen, die das Reich gestaltet hat und Europa neu zu ordnen im Begriff ist. Unser Glaube hat nichts zu
tun mit dem Glauben der Toren. Nur der Glaube der Toren hat den letzten deutschen Kaiser dazu verfhrt anzunehmen,
er knne den Marxismus durch Geschenke fr sich gewinnen, und nur ein hirnverbrannter Optimismus konnte das
Brgertum so lange in Sicherheit wiegen, bis die Totengrber der Nation ihr unheimliches Werk vollendet hatten. Jener
Ruf "Deutschland erwache" von Dietrich Eckart galt dem illusionistischen, glaubensarmen Brgertum, das nicht einmal
aufhorchte, als der Jude Bela Khun sein Schreckensregiment in Ungarn aufrichtete. Welche Ironie, da gerade die zu
einem starken Glauben damals unfhigen Politiker uns Nationalsozialisten Illusionspolitik vorwarfen!
Der echte Glaube unterscheidet sich darin von der Illusion, da er aufs innigste verbunden ist mit jenen Krften, die
Geschichte, machen. Er enthlt Witterung fr die Gefahr, den Willen zum Unmglichen und das Wissen um die
inneren Zusammenhnge zu gleichen Teilen. Er wird darum durch Rckschlge nicht erschttert, sondern nur gereinigt
und gestrkt und zur Wahl neuer Mittel veranlat. Der Illusionist wird immer berrascht und widerlegt durch die
Gewalt der Ereignisse, weil er sich passiv verhlt, die sogenannte Wirklichkeit berschtzt, weil er nur das Heute sieht,
aber nicht das Morgen und vor allem nicht den Willen und die Kraft aufbringt, du kommende Schicksal zu zwingen.
Wir sind in dieseii Krieg ohne Illusionen eingetreten und fassen die Tatsache klar ins Auge, da schwere Stunden
kommen knnen und da wir auf dem oder jenem Schlachtfeld dieses weitgedehnten Ringens Mierfolge und
schwerste Belastung auf uns zu nehmen haben. Wer aber den Sieg schon im Herzen trgt, kann den Krieg nicht
verlieren. Nur das ist entscheidend. Wir haben auch 1918 nicht etwa den Krieg verloren, weil unsere materiellen Mittel
unzulnglich waren, sondern nur und ausschlielich deshalb, weil unsere politische Fhrung glaubenslos war. Das
kleine Preuen, hat den geschichtlichen Beweis erzwungen, da das Gewicht der Materie absolut belanglos ist. Das
preuische Beispiel lehrt uns auch, die einzelne Phase des Krieges immer ganz nchtern und, immer nur mit dem Blick
auf dai letzte Ziel zu werten. Das kleine Preuen hat unter Friedrich dem Groen Niederlageh erlitten, von denen andere
Staaten nicht mehr aufd der Knig selbst, oft am Ende seiner Kraft, hat gestanden wren, und jenes unversiegbare
Gottvertrauen besessen, das das Schicksal den Mnnern verleiht, die es sich zu hherer Bestimmung erwhlt hat. Nichts
ist vergeblich. Kein Opfer Wird umsonst gcbracht, das aus dem Glauben heraus entsteht. Das Schicksal segnet nur die,
die wagen und an ihrer Bestimmung festhalten. Die ganze, an GlanzpuDkten so reiche, an Leid und Trnen nicht arme
Geschichte unseres Volkes durchzieht der unversiegbare Glaube an das Reich. Er ist von Generationen durch die
Jahrhunderte getragen worden, und je bitterer und hrter die Rckschlge waren, desto reiner und tiefer ist er geworden.
Und schlielich hat er doch die Wirklichkeit gestaltet. Ganz Deutschland stehtmit seinem Herzen bei den Mnnern, die
im Kampf um Stalingrad gefallen sind. Der Gegner mge nicht zu frh frohlocken. Aus dem 9. November 1923 ist ein
sieghafter Glaube aufgestanden wie der Phnix aus der Asche. Stalingrad wird eine zweite Stufe auf dem Wege zum
Reich werden, ein unvergngliches Mahnmal des Glaubens eines ganzen Volkes an den Sieg, der ihm vor dem
Richterstuhl der Geschichte zusteht.
Gd.
Ich sehe vor mir das heldentum unserer Kmpfer. Ich sehe die Kraft der
nationalsozialistischen Weltanscauung, die uns durchdringt, und ich sehe vor mir den Fhrer
und die allgemeine Kraft seines Ingeniums. Das alles sehe ich. Ich sehe die vergangenen zehn
Jahre, eine Sekundenspanne im Ablauf der Weltgeschichte, und doch ist in dieser
Sekundenspanne aus einem zerlumpten, ohnmchtigen, in Ha zerissenen Volk eine eineige,
kmpfende, starke Nation und Wehrmacht geworden. Das sind die Erkenntnisse, die mir den
unerschtterlichen Glauben an den deutschen Endsieg geben. Zehn Jahre, meine Kameraden,
hat uns der Fhrer jetzt von Gre zu Gre gefhrt, aus Ohnmacht, aus Armut, aus
schrecklichen Verhltnissen heraus, und in den nchsten Jahren - und damit will ich als
meine heilige berzeugung schlien - wird uns der Fhrer zum grten aller Siege der
deutschen fhren.
Aus der Rede des Reichsmarschalls vom 30. Januar 1943
Bekenntnis
Ich glaub' an Deutschland wie an Gott!
Wie Gott, so lieb' ich dich!
Mein groes Volk, wie bitterlich
Trugst du des Schicksals Spott!
Du trotztest, ob das Herz dir springt,
Du fhlst, da dir dein Kampf gelingt.
Denn, Deutscher, horch! Dein Herz, das singt:
Ich glaub' an Deutschland wie an Gott!
Ich glaub' an Deutschland wie an Gott!
Er gab uns: Mensch zu sein!
Und sprach: "Kmpf' um das Erbe dein!
Ich mach' dich nicht zum Spott!"
Vor ihm sind alle Lnder gleich,
Reich ist ihm arm und arm ist reich,
Deutschland ist arm und reich zugleich!
Ich glaub' an Deutschland wie an Gott!
Ich glaub' an Deutchland wie an Gott!
Von Deutschland la ich nicht!
Und naht fr uns das Weltgericht:
Gott ist in uns, in uns ist Gott!
Kmpfend erfll' ich sein Gebot;
Trug Deutschlands Glck, trag' Deutschlands Not,
Und dafr geh' ich in den Tod:
Ich glaub' an Deutschland wie an Gott!
Heinrich Lersch
Als der Minister uns kurz vor der Rckkehr nach Hamburg im Flugzeuge verlie, ahnten wir nicht, wie bald sein Werk
vor seiner Erfllung und Bestimmung stand. Aber ich wute es: er war derselbe geblieben wie vor zwanzig Jahren souvern in seinem Knnen, zuversichtlich und bescheiden zugleich, ein schpferischer Idealist, ein Kamerad, den wir
alle tief verehrten und liebten.
Kamerad! Die produktiven Leistungen . eines Menschen sind immer die Ergebnisse seines kmpferischen Einsatzes fr
ein Ideal. Burgen und Dome sind nie von Juden erbaut worden, aber von Idealisten. Die endlose Reihe der Mnner der
Technik, die unser Volk mit neuen Schpfungen beschenkt haben, zeigt ein altes Gesetz: immer war die Kraft des
Ideals die Ursache dieser Schpfungen, waren es Mnner, die dafr kmpften und stritten, Opfer und Sorgen,
Entbehrungen und Leiden nicht als Fluch, sondern als unentbehrlichen Teil ihres Erfolges ansahen und diese
Widerstnde berwanden. So auch Dr.-Ing. Todt. Lchelnd steht er vor mir, so sicher, als ob es wirklich keine
Schwierigkeiten gbe, klar und zielbewut, nicht als "Priester der Maschine", wie Spengler den Ingenieur bezeichnete,
sondern als souverner Sieger ber all die kleinen Dinge und Widerstnde, als klarblickender Diener seiner Ideale und
darum als Herr der Dinge zugleich.
"Wer etwas Treffliches leisten will, der sammle still und unerschlafft im kleinsten Punkte die hchste Kraft." So war es
bei ihm. Im kleinsten Punkte hat er seine Kraft zu entfalten begonnen, und als das Kleine zum Groen wurde, blieb sein
Weg und sein Werkzeug dasselbe. Niemals ist sein Glaube an die Kraft des Ideals kleiner geworden.
Der Glaube an das Ideal unseres Fhrers, der Geist einer neuen Gotik, hat durch Dr.-Ing. Todt Feuer in unserem Volke
angezndet. Nicht wie die Juden der Systemzeit setzte er Vorkalkulationen und Etatberatungen an die erste Stelle seiner
Aufgaben - so wenig wie die Mnner der Gotik damit ihre Werke begannen. Allein mit dem Glauben an die alles
gestaltende Kraft des Ideals ging der Baumeister des Fhrers an seine Aufgabe. Mit demselben Glauben hatte einst
Caesar Gallien erobert und seinen Marsch auf Rom siegreich gestaltet, hatte Friedrich der Groe "gegen alle Regeln der
Kriegskunst" Unmgliches mglich gemacht, und hat unser Fhrer, mit sieben Mann beginnend, unser Volk und damit
Europa gerettet. Mit dem gleichen Glauben sind die Schlachten der letzten Jahre jeschlagen worden, wurden
Erfindungen gemacht, und mit demselben Glauben hat Dr.-Ing. Todt durch seine genialen Werke als Reprsentant der
deutschen Technik, als genialer Organisator und als vorbildlicher Mensch zugleich mit seinen Werken ein ewiges
Denkmal und Mahnmal errichtet.
Sein Tod am 8. Februar 1942 erwecke in uns den neuen Glauben an die unbegrenzten Mglichkeiten der Kraft und
Leistung unseres Volkes. Er mahnt uns zum Glauben an die Kraft unserer Ideale und er verpflichtet uns auf diesem
Glauben, der frhlich und mutig macht, als ewigem Fundament neue Taten aufzubauen.
Otto Borst
So sehen wir heute die fertigen Brcken der Autobahnen mit Stolz und Freude. Hier sind
keine brutalen und lieblosen Gebilde aus Eisen und Beton zu sehen. Wo es sich eben
ermglichen lie, whlte Dr. Todt den Werkstein und gab damit seinen Brcken icht nur eine
unbeschrnke Lebensdauer, sondern verband sie auch durch das aus der Landschaft
gewachsene Material dem Boden in idealer Form. Aber auch die weitgespannten Grcken, die
notwendig aus Stahl oder Eisenbeton zu erstellen waren und die unsere groen Flsse und
weiten Tler berspannen, beweisen, wie sehr die knstlerische Arbeit auch hier zu Lsungen
fhrte, die die Landschaft nicht stren, sondern ihre Schnheit unterstreichen.
Aus einem Aufsatz ber den Baumeister Fritz Todt von Reichsminister Dipl.-Ing. Albert Speer
Niederlage beigebracht, die den Zusammenbruch des Ordens eingeleitet hatte. Schien nicht jetzt das Schicksal ein
zweites Mal zur Entscheidung aufzurufen zwischen uns und den Mchten des Ostens?
Tannenberg wurde das Muster einer Vernichtungsschlacht durch Umfassung des Gegners. Man kann jedoch den Erfolg
nicht nur mit einer konsequenten Durchfhrung Schlieffenscher Regeln begrnden. Eine Schlacht ist nie wie eine
mathematische Aufgabe, die, wenn man den Ansatz richtig macht und die blichen RegelnaDwendet, nur eine Lsung
haben kann, nmlich: die richtige Lsung. Sondern eine Schlacht wird mit Menschen geschlagen, ihr Geschehen ist mit
Blut geschrieben. Der Mensch aber ist kein willenloses Werkzeug, sondern bringt die Kraft des eigenen Willens mit.
Was aber ein unbndiger Wille und ein sieghafter Glaube vermag, das haben wir in diesen Tagen alle an uns selbst
versprt.
Es wird uns in alten Sagen erzhlt, da selbst die Gtter oder die Seelen der Erschlagenen in den Lften mitkmpfen.
Lebt nicht in diesen alten Vorstellungen etwas von der Ahnung der unsichtbaren Mchte, die an jeder
Schlachientscheidung teilhaben? Der Germane glaubte an das "Heil" des Feldherrn, d. h. an seine glckhafte Hand in
allen Dingen. Sprechen wir nicht auch Vom "soldatenglck", das in besonders hohem Ma auch dem Feldherrn zuteil
werden mu?
Das "Heil" des Feldherrn bewhrte sich bei Tannenberg vor allem darin, da Rennenkampf, der mit seiner Armee nur
50 Kilometer vom Schlachtfeld entfernt stand, der den Geschtzdonner hren. konnte, trotz wiederholter
funkentelegraphischer Bitten Saffisonows nicht eingriff, sondern im Raum von Insterburg unttig verharrte.
Es wre gewi falsch, zu glauben, da die Schlacht bei Tannenberg ein einfaches Spiel nach bewhrten Regeln gewesen
wre. Es ist lange nicht alles glatt gelaufen. Noch am 30. morgens entstand eine gewisse Gefahr dadurch, da ein
russischer General, der Fhrer des 1. Armeekorps, durch einen geschickten und berraschendenAngriff auf Neidenburg
seiner bereits eingekesselten Armee Luft zu machen versuchte. Nur mit einiger Mhe konnte dieser Vorsto abgefangen
werden, ohne die. Einschlieung nach Norden aufgeben zu mssen.
Wie sehr das Schicksal mithelfen kann zum Siege, zeigt auch folgende Episode: Am 24. mute die 37. Division,
nachdem sie einen schweren Angriff der Russen abgewehrt hatte, in eine bessere Stellung zurckgenommen werden.
Diese Manahme erweckte bei den Russen den Eindruck eines allgemeinen deutschen Rckzuges. Samsonow lie
sofort einen Verfolgungsbefehl funken, aus dem wir wertvolle Einzelheiten ber die Formierung seiner beiden
Flgelkorps entnehmen konnten.
Die glatte Erledigung aller Schwierigkeiten und die stndige Ausnutzung aller Schwchen des Feindes, das ist die
technische Leistung der deutschen Fhrung. Kaum an einem Tage lief die Entwicklung so, wie es geplant war. Einzelne
Generle gefhrdeten durch Eigenmchtigkeiten und Nichtbefolgung der gegebenen Befehle wiederholt den Erfolg.
Immer wieder mute die Fhrung umdenken, aber immer wieder meisterte sie die Lage. Der unbndige Siegeswille und
der Angriffsgeist der Truppe, das war die zweite Voraussetzung zum Siege. Die grte Leistung jedoch war der Wille
Hindenburgs und Ludendorffs, die Schlacht zu schlagen trotz der drohenden Nhe Rennenkampfs. So"ist auch dieser
Lorbeer uns nicht in den Scho gefallen, sondern in hartem Ringen dem Schicksal abgetrotzt. jeder Sieg ist schlielich
der Gefahr entwachsen, und auf die Dauer hilft das Glck doch nur dem Tapferen allein.
Heinrich Gaese
Wer die Geschichte eines Landes lenkt, wer ein Volk fhrt, der darf nur an den Sieg denken.
Sein Glaube ist die Strke seines Volkes, sein Wille die inbrnstige Verheiung glcklicherer
Tage, seine Khnheit der Ansporn zu unerhrten Taten. Der Glaube an den Sieg, wenn er nur
stark genug ist zu dauern, das ist schon der Sieg selber.
GERHARD MENZEL
Im Sturm geboren
Emke hob den Kopf und besah sein Haus. Es war grau und verwaschen von dem Herbstregen, grau wie der Himmel,
grau wie, die Wlder auf den geduckten Hgeln, grau wie der stille Flu, wie die Wiesen und cker, ber denen der
Schlamm lag, den das Hochwasser hinaufgebracht hatte.
Welch ein Jahr war das!
Im Januar hatte die Sonne das Wort, der Roggen spitzte auf, die Knospen schwollen, der Seidelbast blhte. Im Februar
kam die Flut, staute sich und verlief ber Nacht; aber die Felder und Weiden waren nicht mehr grn, der Schlamm lag
darber. Der Mrz brachte Frost, der April Schnee. Ein Weststurm nahm ihn fort, aber die Nchte blieben siernklar und
kalt, ein eisiger Mond, frostig rot im Aufgang, fahl, krank und riesig im Niederschwinden, herrschte mchtiger als das
Tagesgestirn, das zu matt war, um die schweren Bodennebel der Frhe zu sich heraufzusaugen und den grauen Tag zu
durchdringen.
Kein Ende der Winterzeit, und ein schlechter Anfang fr Emke. Es war nicht schlimm, solange Oleitie frhlich war und
leichtfig; nun ging sie schwer und fate oft nach dem Herzen. Keine gute Zeit... selbst die Tiere merkten es. Das
Geflgel kam nicht aus der Mauser; die weien Scharen der Hhner und Gnse, die blauen der Tauben, die braunen der
Enten, sie fraen von den Vorrten, sie fraen, die Norrte schwanden - die Nester aber blieben leer. Das war der Strich
durch Emkes Rechnung.
Denn Eier kann man in alles verwandeln, in Saatgut, Gerte und Futter fr alles, das,auf dem kleinen Hofe lebt: die
Kuh, das Pferd, die Schweine, die Schafe, die Langhaarkaninchen und den Hund. Selbst die Scheunenmuse spren es
bitter, da die Eier ausgeblieben sind. So steht das Vieh im Stall, die Wiesen sind noch tot oder von der Flut verdorben,
kaum da die Schafe ein kmmerliches Auskommen darauf finden; und die Kuh, das Pferd und die Sau, sie mten auf
das beste gefttert werden, denn ihre Leiber sind prall und sollen starkes, gesundes Leben bringen.
Nicht da in dieser Zeit der Not jemand htte kommen knnen und sagen, Emkes und Oleities Rechnung sei falsch oder
leichtsinnig gewesen, nichts davon. Sie konnten den kleinen Hof wohl bernehmen, ohne darum Schulden zu machen,
und sie hatten im Herbst einen guten Anfang. junges, krftiges Vieh, Wintersaatgut, Vorrte genug - und nun, nun ging
der Plan nicht mehr. Wer kann gegen eineff Winter, der an Ostern den Boden noch hart gefroren hlt? Nein, mochte das
Haus grau bleiben, wenn die Wiesen, die A&er, der Wald und der Himmel grau, trbe und dster waren. Es begann in
der Nacht.
Emke fuhr auf, und er hrte an Oleities Atem, da sie noch wach war. Die Lufi in der Kammer war warm. Eine lose
Scheibe klirrte und bebte, ein Fensterladen schlug hastig und hart, kreischte in den AngeW, schlug, kreischte, schlug.
Dann erzitterte das Haus, es brllte und drhnte ber den Dachfirst dahin, verfing sich in den Bumen im Garten,
schttelte und schauerte, zerrte, ri, sog und jaulte dahin: Strm. In der Diele gloste die Herdglut unter der Asche auf,
Emke lschte sie hastig. Im Geblk knirschte und knisterte es, die Wnde knackten, und nachher rieselte es lange.
Emke sprte die Unruhe in den Stllen. Er schlug einen Mantel um und ging hinaus. Als er die Kleinfre ffnete, prallte
es ihm feucht und warm entgegen, erregt und wild: starke Luft, in der es brodelte und gut roch, gut, sfl vom klebrigen
Harz der Knospen und bitter von Erde, die bersatt getrnkt war von Saft und durchwebt mit aufrhrerisch gestrafftem,
hungrigem Wurzelwerk, gedrngt von platzend geschwelltem Samen und durchsickert von den grenden Flssen der
Auflsung.
Der Mann ging voran. Zwischen Haus und Stall fiel ihn der Sturm hart an, er mute sich abkehren und stehenbleiben, es
prete ihm den Atem vom Munde. Doch dann wendete er sich zu, er fhlte den Anprall der SturmSte auf der Haut,
wie sie sich berstrzten, er schmeckte sie und roch; sie fuhren herauf von den Hgeln, verfingen sich im Ufergebseh
des Flusses, platzten am Boden auf oder barsten ans Haus. Die Luft aus den Wldern hatte den Geruch rotten, bitter
vergehenden Laubes, was von der Niederung heranschauerte, hatte den Duft von Saft und Gezweige der Weiden und
war khl vom Wasser. Und zwischen den Windfllen war die erregte Nacht voll von feinem Knistern; den Laufen der
Erde, des schweren, trchtigen, fruchtbaren Breies, in dem es grte und quoll, auftrieb und sthnte und strmte. Dann
brauste es wieder auf, im Garten brach ein Ast, es tat Emke weh, er hrte einen Schrei, der Wind zerri ihn, und
Sthnen; neue schttelnde Schauer, Dachziegel klappern in rasender Hast, der Fensterladen schlgt und kreischt, es
orgelt dahin.
Hlt das Dach, denkt, der Mann, ich habe es nicht gedeckt, wer wei, ob es gut gemacht ist. Er ging in den Stall und
machte Licht, dabei hrte er, es war die Kuh, die sthnte; die weiche Schnauze der'Stute tastete nach seiner Hand, und
dann schrie es neben ihm.
Er lief zurck ins Haus. "Oleitie!" rief er, seine Stimme war heiser, "setz Wasser auf" - da ich das Feuer lschen
mute, dachte er voll rger und rannte zurck in den Stall.
Oleitie, ihre Fe wollten sie nilt fragen und ihre Hnde muten nach Sttzen suchen; als das Feuer brannte. kam sie
aus den Knien nicht mehr hoch. Aber der Kessel mute eingehngt und Ma fr Ma gefllt werden, ab und an
verschttete sie das Wasser, dafl die Flammen zischten und sich am Boden spiegelten; Oleities Hnde zitterten, und sie
mute sich niederbeugen und sthnen unter den Wellen des Schmerzes. Sie tastete sieh zurck zur Kammer, es war ein
langer Weg.
Emke trug das Wasser fort, sie hrte seine eiligen Schritte und konnte nicht rufen. Der Sturm drauen ffnete den
Boden bis tief hiziab, sprengte die Knospen und weckte das Leben; es war ja schon spt im Jahre, das junge Kommende
hatte lange warten mssen, nun wollte alles zugleich herauf und drngte und brach mit Wildheit hervor - es war schon
ber die Zeit. Sie legte den Kopf in die Kissen und berlie sich der Gewalt. Er, dmmerte, und die Laterne in Emkes Hand gab nur noch blassen Schein, als er zurck in das Haus kam. "Ein
Hengstfohlen", sagte er, "und ein Kuhkalb", aber Oleitie hatte das Antlitz zur Wand gewendet, vielleicht wollte sie
nicht, da er es jetzt sah.
"Ja", sagte sie, aber es wurde ein Wort ohne Ende, es wuchs und schwoll an, zitterte und stieg, immer lauter, ihre Kehle
schrie, ihr Leib, ihre Not, und sie konnte nicht dawider.
Emke lief durch die Finsternis. Es schmatzte und klatschte unter seinen Fen -, sog und klebte sich an ihn, er lief
gegen den Sturm, glitt, stolperie, strzte, hinter sich den Schrei. Unten am Flu kam ihm eine Frau entgegen: Oleities
Mutter. "Es konnte nicht anders sein", sagte sie, Junges Leben will nicht zur Winterzeit herkommen. Es hat seine Weile
gewartet, nun mit der Wrme ist seine Stunde da!"
Die Nacht schrie und zitterte unter dem Sturme, die lange, schwere Nacht... Als der Bauer im spten Morgen in den
Stall kam, sprach er mit den Muttertieren, lachte auch und lie seine Hnde lange auf ihnen ruhen. Er trieb die Schafe
hinaus auf die Weide, und auf dem Rckwege pfiff er. Am Abend, als er sie heimholen wollte, blieb er stumm am
Zaune stehen. Der Widder lief ihm entgegen, dahinter die Jungschafe. Langsam zogen ihnen die vier Muttertiere nach,
und zwischen ihren Wolligen, breiten Leibern sprangen auf ihren ungelenken Beinen fnf schneeweie Lmmer. Sie
fllten den Stall mit ihren gleichmtigen Rufen, die Mtter antworteten; im Schweinekoben quiekte es und verstummte,
in dem pltzlichen Schweigen war ein vielfltiges Saugen vernehmbar; es waren elf winzige Ferkel.
Ein Kubkalb, ein Hengstfohlen, fnf Lmmer und elf Ferkel. Emke ging um den Stall herum und sah zu, wo er anbauen
konnte.
Dann kamen stille, sonnige Tage. Die Wiesen grnfen auf, und aus der abgetrockneten Schlammschicht ber den
ckern drangen die Triebe der schon aufgegebenen Wintersaat. AmiOstermorgen, als Emke ber den Hof zum Hhnergehege ging, woher ihm frhliches Gackern nach der langen Zeit
der Stummheit entgegenscholl, kam ihm aus der Scheune eine Henne mit acht Kken entgegen. Emke lachte, er hatte
die Henne nicht brten sehen. Er lachte auch noch, als er mit einem Korb voller Eier aus dem Hhnerstall kam: grofle
brunliche Eier. Er setzte de n Korb nieder und sah sich um.
Das Haus glnzte und leuchtete in strahlendem Wei, sogar fr den Stall hatte der Kalk gereicht. ber den Bschen des
Gartens lag ein'grner Schimmer und ein violetter ber dem Walde der Hgel. Die Sonne schien so frhlich und
wrmte. Vom Flu kam das Schnattern der Enten und Gnse durch die stille und klare Luft, die Tauben gurrten
behaglich im Schlage, ein Schwarm blitzte im Fluge ber die Wiesen dahin, die voll waren und bunt von
Himmelsschlsseln, Veilchen, Gnseblumen und Huflattich. Am Waldrande stubten die Ktzchen, unter den silbrigen
Buchen blhten in dichten Teppichen Buschwindrschen, HungerbItimen, Mrzbeeher, Lerchensporn und die
Milchsterne. Wehte ein Windhaucb, herber, war er warm und s von Duft.
Oleities Mutter kam mit dem Milcheimer aus der Stalltre. Sie ging ins Haus. Und dann trat langsamen Schrittes an
ihrem Arme aus dem Dunkel der Diele Oleitie hervor, blinzelte in- das Licht und lchelte dahin, wo sie Emke stehen
wute.
Sie wendete den Kopf noch rckwrts. Im Hause weinte der Sohn.
Grge Spervogel (gefallen im Osten)
Schon oft ist es ausgesprochen worden, und wir alle empfinden es, da wir in einer Zeit des tiefsten Umbruchs leben.
Alte Wertungen und alte Gesetzestafeln zerbrechen, neue werden gesucht und treten an ihre Stelle. Eine andere Welt
wird geboren. Gegen Unnatrlichkeit, gegen innere Verlogenheit und Schein setzten sich die ewig-gltigen Gesetze der
Natur selbst wieder erfolgreich durch. Dieser Vorgang ist gewi schmerzhaft, aber auch wahrhaft einmalig in seiner
Gre. Groen instinktsicheren und schpferischen Persnlichkeiten ist es gegeben, das Neue und Werdende nicht nur
zu erahnen sondern auch klar zu erschauen und es vor unseren Augen vorausgreifend zu leben und selbstverantwortlich
mitzuverwirklichen. Aber auch die ueren, die mehr unpersnlichen Entwicklungen weisen in die selbe Richtung. Sie
erzwingen den Durchbruch des Neuen auch gegen den Willen des Einzelnen, gegen die menschliche Trgheit und
gegen den Widerstand des Alten.
Krieg und Frieden als unvershnliche Gegenstze innerhalb eines brgerlichen Zeitalters
Der Umschmelzung unterliegen nicht zuletzt auch unsere aligewohnten Vorstellungen ber Krieg und Frieden. Bisher
war es fr uns ganz selbstverstndlich, in beiden die grten nur denkbaren Gegenstze zu sehen. Beide waren in
unseren Vorstellungen und in unseren Wertungen durch eine tiefe und einschneidende Kluft getrennt. Wir liebten und
suchten den Frieden als unser hchstes Gut. Wir verabscheuten den Krieg ob seiner Hrte, ob seiner Grausamkeit, ob
der Brutalitt, mit der er in unsere Geschicke einzugreifen pflegt. Wir waren von der Idee des Friedens in einem Mae
erfllt und berzeugt, dali wir darber die gewaltigen Krfte und inneren Werte, die auch dem Kriege innewohnen, oft
gnzlich bersahen. Allgemeine Grundauffassung war etwa die folgende: der Frieden ist selbstverstndlich der Arbeit
sowie der positiven Verwirklichung sachlicher und besonders auch persnlicher Ziele gewidmet. Durch ihn ist die
Erfllung des menschlichen Daseinssinnes gewhrleistet. Nur im Frieden ist ein brgerlich-beschauliches und
behagliches Leben mglich, nur der Friede garantiert den ungestrten Genu des Lebens. Demgegenber erschien der
Krieg als ein notwendiges bel, sofern er nicht von dem oder jenem. in romantischen aber unwirklichen Vorstellungen
verherrlicht wurde. Esgab keine innere Brcke zwischen diesen beiden Gegenstzen: der Friede bedeutete Glck und
Erfllung, der Krieg Unglck, Zerstrung und Vernichtung. Der Friede war der Inbegriff der Sicherheit, der Krieg
derjenige der Gefhrlichkeit. Eg gehrte schon ein auerordentlicher innerer Mut dazu, mit Nietzsche gerade die
Gefhrlichkeit des Lebens zu bejahen und damit letzten Endes auch den Krieg.
Mit diesen Auffassungen wurde der grte Teil unseres Volkes 1914 vom Kriege berrascht und berrumpelt. Die
Entrstung ber den Friedensbruch unserer Gegner war um so echter und leidenschaftlicher, als sich Deutschland
ehrlich und ernst der Idee des, Friedens verschrieben hatte. Deshalb wurde 1914 nicht nur uerlich der Krieg "erklrt"
sondern auch innerlich. Das deutsche Volk war pltzlich ein ganz anderes geworden und zog mit aufflammender
Begeisterung in den ihm aufgezwungenen Kampf. Es warf den Frieden mit all seinen Annehmlichkeiten hinter sich und
gab alles fr den Krieg, bis endlich seine Kraft erlahmte und auch sein innerer Schwung verebbte.
Kriegszeit unterscheidet sie sich jedenfalls nicht so grundstzlich wie der Friede vor 1914 vom Ersten Weltkrieg. Weil
dieser Friede schon kein Friede im Sinne alter Vorstellungen mehr war, deshalb traf uns der 1939 ausbrechende Krieg
auch ganz anders als 1914. Auch diesmal ist uns der Krieg aufgezwungen worden, und doch erlebten wir ihn anders.
Besonders deutlich zeigte sich dies daran, wie wir ihn innerlich aufnahmen. Wir brauchten nicht erst in
Kriegsbegeisterung auszubrechen. um uns seelisch vollkommen umzustellen und neu zu orientieren. Wir brauchten uns
vielmehr nur noch mehr als schon zuvor zu straffen und anzuspannen. Wir bringen in ihm nur dasienige zur hchsten
Steigerung, was wir schon vorher bereits zu unserer neuen Lebenshaltung zu machen begonnen hatten. Als aber der
Krieg 1939 wirklich begonnen hatte, wuxde auch er in der schpferischen Hand des Fhrers zu etwas ganz anderem als
das, was wir uns noch im ersten Weltkriege unter einem Krieg vorgestellt hatten. Wir erlebten die ersten kurzen
Feldzge wie Episoden, denen zwar nicht der "Friedensschlufl" im alten Sinne folgte und nach dem Willen unserer
Gegner auch nicht folgen konnte. Auer, neben und zwischen diesen Feldzgen aber schien alles Wesentliche so
weiterzugehen wie whrend des Friedens. Ja, das Geseti des Friedens kam im und durch den Krieg in allen seinen
tiefsten Wesensr zgen noch viel strker, viel gewaltiger und imponierender zum Durchbruch als je vorher. Sehen wir
in der schpferischen Gestaltung, im Ordnen und in der Arbeit des Neuaufbaues die tiefste Sinngebung allen Friedens,
dann stand der jetzige Krieg von Anfang an zugleich unter dem Zeichen und dem Gesetz des Friedens. Es kam nicht
darauf an, einen Frieden zu "schlieen". Hingegen wurde und wird in diesem Krieg und durch ihn Europa Zug um Zug
neu geordnet und schpferisch gestaltet. Der Fhrer hat damit den Krieg in jeder seiner Phasen zugleich unter das
Wesensgesetz des Friedens gestellt. Dies gibt seiner Kriegfhrung den neuartigen Charakter, die Einmaligkeit und die
sieghafte Gre. Dieser Krieg wird von deutscher Seite nicht mehr im alten Sinne als ein zerstrender sondern als ein
wahrhaft schpferischer gefhrt. Darin hat er vor uns und vor der Welt seine berlegene innere Rechtfertigung.
aufgerufen ist. Verloren ist, wer diesen Anruf berhrt oder nicht begreift. Lassen wir uns als Volk die jngsten
Geschicke Frankreichs zum warnenden Beispiel dienen. Es hat die groen Chancen, die ihm fr die Mitarbeit in einem
neuzuschaffenden Europa auch noch nach seiner Niederlage geboten wurden, verpat, indem es sich auf eine Politik des
"zuwartens" verlegte. Die Geschichte und die Ereignisse sind darber hinweggegangen und haben, diesem Volk auch
diej(Inigen Trmpfe, die ihm verblieben waren, aus der Hand genommen. Gerade das umgekehrte Beispiel gibt uns das
japanische Volk, das seit dem Ausbruch des Chinakonfliktes Frieden und Krieg in einer kmpferischen Lebenshaltung
verschmolzen hat, und dem die Tugenden des Friedens auch diejenigendes Krieges sind und umgekehrt!
Jeder, der heute, statt mit ganzem Herzen bei der Sache zu sein, sich nur in illusionistischen Hoffnungen auf inneres
"Zuwarten" verlegt, wird am Ende auch das verloren haben, was er einstweilen noch zu besitzen glaubt.
Krieg und Frieden sind in einer Welt, deren Gesetz der ewige Kampf ist, eine organische innere Einheit. Wer dies
erkennt und mit ganzer Seele bejaht, wird Sieger sein; der andere aber wird untergehen.
Ludwig Eckstein
"Wenn Ihr nun selnst zur ttigen Teilnahme an den groen Gottesgerichten berufen werdet,
so empfehle ich Euch eine immer auf die groe Sache ganz gerichtete Seele, Tag und Nacht
weit offene Augen und Ohren, immer bereit, der Erste im Sattel und der Letzte aus dem
Sattel zu sein, der Vertraute von Hunger und Durst, zu allen Entbehrungen willig,
verzichtend auf eigene Bequemlichkeit, jede Kraft von Ro und Reiter gewissenhaft zu Rate
haltend, wenn es aber gilt, sie dann auch rcklichtslos verwendend, heiter im Enste und voll
Zuversicht auch in den schwierigsten und traurigsten Lagen."
Friedrich Magnus Graf Schlieffen an seine Shne Theodor und Alfred, als sie 1859 Soldaten wurden
"Nein!"
"So wie wir uns jetzt berprfen", fahre ich fort, "so habe ich die Reden und Schriften Adolf Hitlers studiert und habe
ihn auch ganz persnlich unter vier Augen schon sprechen drfen. Wenn an dem Mann je eine Lge befunden wrde,
dann htte ich mit einem Schlage das Lachen fr immer verlernt und jeden Glauben an das Menschenangesieht! Sorgen
Sie sich nicht um Ihre deutschen Arbeitskollegen... fr die ist gesorgt!! Dies ist mein Glaube!
Ich gab ihm die Hand. Die Freude dieses Mannes war wie ein Wunder. Er atmete tief auf, als ob er schwere Lasten von
den Schultern wrfe, er nickte mir zu und gab mir beide Hnde.
"Herrgott, wre das schn, wenn Deutschland wieder..."
"Deutschland wird wieder!" sagte ich.
Wir verstanden uns.
Ich gab ihm noch eine Kleinigkeit fr sein Enkelkind mit auf den Weg, die wir gemeinsam in einem Kiosk erstanden
hatten. Wir sehieden als gute Bekannte und kannten einander doch nicht.
Aber wir hatten eine gemeinsame heiniliche Liebe, die hie Deutschland!
Lieber alter Gepcktrger von Luzern. Deine Augen haben mich den ganzen Tag ber begleitet, wie die Melodie eines
Chorals, von dem wir nicht wissen, wer ihn komponierte, und der doch das ganze Gewlbe unserer Kindheit mit seliger
Erinnerung durchtnt.
gewisse naturwissenschaftliche Dogmatik vom Affen "abstammen" lie, bedarf es fr uns einfach der Feststellung der
Tatsachen. Eine solche Tatsache ist neben anderen die aufrechte Haltung des Menschen. Sie ist auch fr das innere
Wesen des Menschen von ungeheurer Bedeutung. Um dieser Bedeutung willen braucht man aber nicht wie das
Christentum die Brcken des Menschen zur brigen Natur abzubrechen, sowenig wie man um dieser Brcke willen den
Menschen zum Affenstmmling machen mu. Die Stellung des Menschen in der Natur gibt deshalb weder
Veranlassung zu einem hochmtigen "Herrentum" noch zu einer Herabsetzung ins Tierische. Sie ist uns in erster Linie
Aufruf und Verpflichtung zur menschlichen Selbstverantwortung.
Zum Heldengedenktag:
Die Toten lassen sich nicht halten, ihr Lebendigen: Nicht Geisterbanner sollt ihr sein und
Totenbeschwrer, ihr Leidgeschlagenen! ihr sollt Totenerwecker werden! Habt ihr
Herzenskraft und Liebeskraft genug zu solchem Werke? Leid kann ttig oder tatenmde
machen, aber sicher ist, da das gre Leid auch die ttigsten Herzen schafft. Zwischen
diesen ttigen Herzen und den rhrigen Hnden gieriger Glcksjger wird der eigentliche
Entscheidungskampf um Seele und Zukunft der deutschen Volkes nach dem Kriege
ausgefochten werden. Die besten Kmpfer des deutschen Idealismus liegen unter der Erde,
erwartet nicht alles von den Heimkehrenden. Nur den Toten knnt ihr ganz vertrauen, die in
euch leben, denn es ist kein Falsch an ihnen. Glaubt, die Besten unseres Volkes sind nicht
gestorben, damit die Lebendigen tot seien, sondern, da die Toten lebendig wrden.
WALTER FLEX
Es ist doch so sinnIgs und auch vermessen, ber das zu grbeln, was der einzelne, der aus dem deutschen
Freiheitskampfe zurckkehrt, anfangen soll Denn wer zurckkehrt, dem wurde das Leben neu geschenkt. Ist dieses
Leben denn dann nicht ein Baustein in der Hand des grten Baumeisters, der unserem Volke in der Geschichte je
geschenkt wurde? Und wo der einzelne hingestellt wird, da hat er nicht nur zu stehen, sondern er hat Bettigungsfeld,
sich frei zu entfalten, wie es nie zuvor einer deutschen Generation gegnnt war. Im Reich lebten 145 Menschen auf
einen Quadratkilorneter zusammengepfercht,einer sa auf'dem anderen, der eine gnnte dem anderen nicht den Platz
unter der Sonne und das tgliche Brot. Sie hatten ja auch keinen Raum und kein Brot. Ist es nicht auch in L. so? Die aus
L. sind nicht die Schlechtesten, das Gegenteil knnte man behaupten. Der Erwerb von Grund undBoden war begrenzt
durch die Teilung des Hofes, auf die Kinderzahl zers'litterte sich dieser Grund und Boden. Wir hatten, d. h. wir haben
dasselbe Problem wie im Altreich: Volk ohne Raum. Da haiten wir nun den Neid um den Platz an der Kanne des ewig
brodelnden Kessels. Einer frit den anderen anf, denn es fehlt ein groes sichtbares Ziel, und ruhelos ist das deutsche
Volk nun einmal. Weil unser Volk kein Ziel hatte, hat es sich jahrhundertelang den Kopf eingeschlagen darber, auf
welche Art man in den Himmel kommt. Die anderen haben die Welt besetzt.
ber dem Kampf, den wir seit dem 22. Juni fhren, sieht unsichtbar das Fiihrerwort: "Haltet das Reich nicht fr
gesichert, solange nicht auf Jahrhunderte hinaus jedem Spro unseres Volkes sein eigener Grund und Boden gesichert
ist." Im neuen deutschen Osten findet das Fhrerwort nun seine Erfllung. Das zusammengepferchte deutsche Volk
wird Lebensraum haben. jedem Spro ist Grund und Boden gesichert. Alle kleinen Hfe werden zusammengelegt berall"wo Deutsche wohnen -, und die freiwerdenden deutschen Menschen werden in den deutschen Osten ziehen,
nach den Weisungen [Link]-SS Heinrich Himmler, Beauftragter des Fhrers fr die Festigung des deutschen
Volkstums.
Es werden dann die eingeholt, die in Amerika sind. Viele aus unserem L. werden gehen. Die Umsiedlung aus den
gefhrdeten Gebieten der ganzen Jahre war erst der Auftakt, der Beginn der grten Vlkerwanderung der
Weltgeschichte. Werden Sie dann noch unglcklidi sein, mein lieber Vater, wenn Ihr Sohn auch dabei ist? Von den
ersten dabei war und dann in den ersten Reihen dabei ist? Da das Gegenteil der Fall sein wird, wei ich. Nur den einen
Wunsch habe ich, dafl Sie gesund bleiben.
Gewi, es war viel, was Ihnen das Schicksal zumutete'. Aber wir wollen immer, wenn es, schwer wird im Leben und
wir ein Leid zu fragen haben, an unseren Fhrer denken, welch unsgliches Leid er im Leben durchringen mute und
durch Glaube, Wille und Mut immer Sieger blieb. Wie er all unser Leid und Schmerz kennt und einst beheben wird,
dann, wenn das deutsche Volk das Erbe dieses Krieges antreten wird.
Mge Euch alle mein Brief gesund antreffen. Seid alle gegrt! Heil Hitler!
Euer Heinrich
von der Erneuerung des Lebens. Nur die ewige Bereitschaft berwindet den Tod. berall stellt sich uns das Schicksal,
das drachenhafte Ungeheuer, in den Weg und wehrt uns den Zustritt zum Jungbrunnen, wehrt uns die Gewinnung des
Lebenstrunkes, des "gleienden Schatzes".
Die zwei Seiten des Lebens, Geburt und Tod, Tag und Nacht, Winter und Sommer, zeigen sich in vielerlei Gestalt und
haben sich im bildhaften Reichtum unseres Volksgutes bewahrt, erhalten sogar im christlichen Gewand, da die
Allgewalt der germanischen Volksseele nicht anders zu ber-, winden war, als dafl die Kirche sie in ihre Dienste nahm.
Ritter Georg, der Drachentfer, ist so die germanischste aller heldenhaften Gestalten geblieben. Aus der Seelenkraft
germanischen Wesens hat Bernd Notke seinen Heiligen, Georg geschafffn. Eine alte Urkunde berichtet: "Geeignet
erscheint es gerade Zu dieser Zeit - Osterzeit -, mit Georg zu triumphieren, wenn der Winter durch den Sdwind verjagt
wird und die Erde im Hervorbringen der Pflanzen und Blten in ihr Jnglingsalter eintritt."
Und suchen wir nun in der nheren und ferneren germanischen Vergangenheit nach Symbolen dieser hochgemuten
Lebenshaltung, so sind wir berrascht ber die Flle der Zeugnisse und ihre Unmittelbarkeit des Ausdrucks. Allen
voran stellen wir das erhabene Sinnbild des Lebens aus der Edda. "tine Esche wei ich, sie heit Yggdrasil / die hohe,
umhllt von hellem Nebel; / von dort kommt der Tau, der im Tale fllt, immergrn sieht sie am Urdbrunnen." An ihrem
Grunde aber haust Nidhggr, das grausige Schicksal, htet den Brunnen mit dem Unsterblichkeitstrank und nagt an den
Wurzeln des Lebensbaumes. "Der dstere Drache tief drunten fliegt, / die schillernde Schlange aus Schluchtendunkel. /
Er fliegt bers Feld; im Fittich trgt Nidhgg die Toten..." So sagt der Wurm von sich: "Gift schnob ich als auf dem
Gold ich lag, / dem funkelnden Vatererbe; niemand noch mir zu nahen wagte, / kein Schwert mich schrecken konnte."
Im Kampf gegen diesen dsteren Drachen um die Erhaltung der Welt setzen sich selbst die hehren Gtter Odin und
Thor ein. Ihre gttliche Kraft wirkt weiter in Helden wie Sigurd und Dietrich, ber deren Taten in den germanischen
Knigshallen von Sngern berichtet wurde. "Gleiender Wurm, du hast Grausen geweckt / und Heldenmut gehegt: /
desto mehr Grimm den Mnnern erwchst, die gewinnen diese Wehr." Das Leben war ohne den Tod nicht zu gewinnen:
"Ich rate Dir, Sigurd, den Rat nimm an reit heim von hinnen: / das gleiflende Gold und der glutrote Schatz - / es bringt
der Hort dich zur Hel."
Diese germanische Lebenshaltung lt sich bereits in den ltesten Zeugnissen, die wir aus dem zweiten Jahrtausend v.
d. Zir. besitzen, nachweisen. Auf Felsbildern in Schweden - Symbolen alten Brauchtums - erscheint die
Midgardschlange, der Lebensbaum. wird der Kampf Thors mit dem Wurm dargestellt. Besonders aber in der
Vlkerwanderungszeit, der Zeit des groen politischen Aufbruches des germanischen Volkstums, lebten im
Kunsthandwerk - wie schon in der Bronzezeit - die geistigen Krfte einer noch ungebrochenen Weltanschauung. Mit
der Wikingerkunst des Nordens reichte diese Kraft sogar bis in die christliche Zeit, ja, erlebte eine starke Erneuerung.
Sicher und beherrscht reitet der Sonnengott, auf dem Hornhausener Reiterstein dargestellt, durch die Welt, unbeschadet
der schicksalhaften Mchte am Grunde. Auf Gewandschmuck, auf Holzschnitzeieien selbst der frhesien Kirchen im
Norden erscheint das [Link] Motiv des Lindwurms. Kns tlerhnde schufen aus reichem Erleben
Sigurds Kampf mit, dem Drachen auf der Tr von Hyllestad. Wundersam zeigt auch ein Motiv aus Island das dein Tod
berwindende Leben. In diesem Symbol erscheinen die zwei Seiten des Weltalls, , wird uns das Wesen des myfhischen
Gottes Odin erklrt. Immer wieder dringt es durch alle Gestaltungen, da es dem germanischen Volkstum bewut war,
da der gttliche Auftrag des Lebens in ihm selbst, in seinem Glauben, in seiner Tatkraft ruhte. Dieser Tatkraft war zu
allen Zeiten ein Weg zu Gott gewiesen. Nur der Schwache verfielt den dunklen Mchten.
Unsere Mrchen, Sagen und Legenden, unsere Volkskunst sind Symbole des geistigen und sittlichen Lebens der
Vorfahren unseres Volkes. Wir'drfen die Einfachheit und Klarheit ihrer seelischen Regungen nicht mit Einfalt
verwechseln, Stieben wir nicht ebenfalls wieder nach der Einheit des Lebens, die uns aus alter berlieferung
entgegenleiiehtet, aus der selbst die mittelalterliche kirthe die Krfte fr ihre fremde Lehre zog? Sind nicht die sittlieben
Grundlagen unseres Wollens die gleichen wie in alter Zeit?
Noch kennen wir die tieferen Krfte nicht die das germanische Volkstum in ein ihm voiksfremdes christliches Denken
zwang. Vielleicht war es der gefhrliche Augenblick des bergangs in eine eigene, neue hhere Bewuth eit des
Lebens, der ihm verlockende, fast hnliche Begriffe eines aber im formalen Denken erstarrten rmisch-christlichen
Lebens gab.
Die Erkenntnis unseres Selbst fhrte uns wieder zur gttlichen Ordnung, in der wir ein Glied sind, aus der uns auch
keine geistige Transzendenz erlsen kann. Leib, Seele und Geist bilden wieder eine Einheit, der ewige Rhythmus des
Lebens erfllt uns nach, wie vor, und das Leben erscheint in allen Dingen als die fortschreitende gttliche Offenbarung.
Dr. Mhling
Schicksalstunde
Die frhlingsmilde Nachmittagssonne spielt auf dem blauen Wgelchen, darin der Knabe schlft. Ein sfles Zirpen geht
von diesem Wagen aus, ein, zarter Lebensatem. Sonst ist es ganz still im Raum. Die junge Mutter sitzt am Fenster. Ihre
Hnde, noch ruhend in diesen Tagen nach der Geburt, liegen gefaltet in ihrem Scho. Sie sieht ber das Meer, das unter
dem Rot und Gold der Untergangssonne schimmert. Ihr Blick voll unendlicher Zrtlichkeit ist in die Weite gerichtet. Er
grflt einen fernen Soldaten. "Sind wir nicht Kameraden auch in diesen Stunden, Kmpfer fr dasselbe Ziel mit dem
gleichen Einsatz? Da ich neues Leben geboren habe, mut du es zur gleichen Zeit verteidigen gegen die Feinde des
Reiches. Schicksalhaft ist unser Leben und ganz verwoben mit dem des Volkes, dem wir das unsere geweiht haben.
Nebeneinander stehen wir auch heute, jeder im Dienst an seiner besonderen Aufgabe und doch im Hchsten beseelt
vom schicksalhaften Gleichklang unseres Lebens. Keine Trennung kann diese Einheit zerstren. Am Sonntag, in den
Stunden der Geburt, da hielt ich deine Hand fest in der Todesnhe und dachte, ob du wohl auch im Kampf stndest um
diese Zeit? Ich dchte an die Verwundeten, die irgendwo auf einsamem Feld in ihren Schmerzen liegen. Am Ende ihrer
Schlacht steht so oft der Tod, am Ausgang der unsern das Leben!"
Im Wagen rhrt sich der Knabe. Die Frau tritt heran und nimmt ihn hoch. Mit zarter Sorgfalt sucht sie wieder ihren
Platz am Fenster und beitet den Knaben in ihrem Arm, so da sein Kpfchen an ihrer Brust liegt. Das rosige Abendlicht
liebkost den goldenen Flaum des Kpfchens. "Du, mein kleines Leben! Werde wie dein Vater, tapfer, stark, rein! Dann
wird dein Leben gut! Du, mein Sonntagskind."
Drunten schellt das Telephon. Die Mutter ist ganz versunken in ihrer Andacht. Irgend jemand nimmt den Hrer ab. Sie
hrt, dafl gesprochen wird, eine Stimme pltzlich aufschluchzt und das Wort "gefallen" wie ein kaum vernehmbarer
Aufschrei im dunklen Stimmengewirr steht.
Siesitzt ganz still, sie fhlt nur, wie ihre Lippen zu zittern beginnen, ihre Hnde erkalten, ein dumpfes Wrgen ber
ihrem Herzen beginnt. Und dann sinkt sie, sinkt ganz in den Stuhl zurck und tiefer hiitein in einen dunklen Abgrund,
ins Schwarze, Leere.
Aber da ist etwas, das Widerstand leistet gegen das Versinken, etwas, das' ihren Arm, darin es ruht, zu einer unfalichen
Festigkeit zwingt. Dieser Arin 'gibt nicht nach, er macht den Sturz nicht mit. Er hlt, als gbe eine bermenschliche
Gewalt ihm Riesenkrfte, ein kleines Kind. Und dann sprt sie, wie das Kind ruhig liegt in aiesem Arm und trinkt, in
tiefen, friedlichen Zgen aus ihr Leben trinkt. Da sitzt sie aufrecht, und mit der verstrmenden Kraft fhlt sie, wie die
Heilssfte des Lebens zu ihrem Heizen heraufdrngen. Als die Menschen zu ihr ins Zimmer kommen, steht ein
bebendes Licht in ihren Augen, die schon wieder den Horizont suchen, u,ud ihre Lippen formen tonlos Worte: "Er, ist
nicht tot!"
Irgend jemand nimmt ihr das Kind ab, das befriedigt schlft. Die Wirklichkeit rckt auf sie zu. Sie fragt: "Wann war
es?" Eine Stimme antwortet: "Sonntag."
Die gleiche Stunde! Sehicksalsstunde! Sie sieht auf das Leben, das in dieser Stunde zum Lichte aufstieg. Der Knabe
blinzelt in der Sonne. Es scheint, ein Lcheln steige aus seinem Gesicht empor aus den ewigen Grnden, in denen das
Leben vor der Geburt und nach dem Tode eins ist. Und ihr mtterlicher Arm behlt seine Kraft auch auf dem
kommenden dunklen einsamen Weg.
Ursula Schneider-Zabel
Schatz in den wohlvorbereiteten Schutzrumen geborgen. Nun kommen die Mtter dran. Immer zwei der in ihrem
Mutterglck sichtlich aufgeblhten Frauen werden in einem Bett zusammengelegt, und auf Gummirdern gleitet Bett
fr Bett wiederum zum Fahrstuhl. In den geleerten Zimmern verlscht das Licht. Unten aber drngt sich das Leben auf
engerem Raum zusammen und ist da um so lieblicher anzuschauen. Das im Luftschutz erfahrene Stationspersonal wei
alles so zu lenken, dafl berall Gnge frei bleiben und fr auftretenden Hunger und Durst Kaffee, Brot und Milch bereit
stehen. Die rzte sind da und tauschen mit den Frauen herzliche und beruhigende Worte. Die Bereitschaft hat ihre
Posten bezogen.
Da vernimmt man nun auch schon die-ersten Flakschsse. Der Tommy ist da. Der Feind ist in unmittelbarer Nhe auch
des Hauses, das ein Sinnbild unseres lebenswilligen und zukunfisglubigen Volkes ist. Rings herum aber liegen die
Huser, in denen unsere verwundeten SS-Kameraden ihrer Heilung und Wiederherstellung entgegengehen. In diesem
Augenblick begreift man wieder einmal ganz, da dieser Krieg ein totaler Krieg ist.
Die Frauen liegen ruhig und ihrer Lage vertrauend da. Meine Frau sagt zu mir, indem sie mich auf den Fhrer vom
Dienst im Stahlhelm hinweist, der eben durch die Kellerrume geht: "Es ist so schn, da man den soldatischen Schutz
unserer Mnner so nahe wei. Hier erlebt man auch so recht, was es fr die Frau bedeutet, der SS durch ihren Mann
anzugehren. Nie habe ich das Gefhl der SS-Gemeinschaft so stark gesprt wie hier in diesem Heim."
Da drhnt in der Nhe die schwere Flak auf. Schu um Schu in zgigen Pausen. Doch der Anflugversuch geht ohne
Strung vorber.
Nun aber ist hier im Keller etwas los. Die Schwester bittet die Mnner, sich in eine abseitige Ecke zu begeben. Man
fragt nicht lange, sondern man geht, und im Gehen begreift man schon. Es ist Stillzeit. Die Schwestern bringen die
handlich verpackten Kleinen zu ihren Mttern. Die liegen jetzt alle durcheinander und werden oft nicht gleich
gefunden. Aber bald sind alle Teile richtig bedient. Zunehmend hat sich das Krhen, das erst auf einen Raum
konzentriert war, nun auf alle Gnge verbreitet und ist Ausdruck eines ewig jungen Lebenswillens, der mich gerade
unter diesen Umstnden mchtig ergreift. Denn jetzt hrt man zweierlei: hier innen diese Summe feiner und doch
krftiger Kinderstimmen und drauen das fernereoder nhere Getse der Flak. Ich brauchte mich vorhin nicht weit von
meiner Zwillingsmutti zu entfernen und sehe nun, wie sie beiderseits beladen ist und den Kinderchen ihr Bestes gibt.
Noch eines war mir heute abend, als ich die ganze Belegschaft so nahe beisammen sah und berblicken konnte,
aufgefallen: ich sah, da diese Gruppe Frauen tatschlich auch eine Auslese darstellte, welche die sichtbare Folge der in
der SS erhobenen Forderungen fr die Heiratsgenehmiguilg ist. Man denkt unwillkrlich weiter: wie sauber wird unser
Volk einmal sein, wenn dieser Wille zur Auslese Allgemeingut geworden ist.
Die Flak strt mich aus meinen Gedanken auf, die hungrigen Kinderchen kmmern sich nicht um sie. Sie wissen nicht,
wie sehr ihr Leben schon in ihrer ersten oder zweiten Woche in diesem Augenblick in Gefahr ist. Drauen stehen vier
Leuchtschirme in einer Reihe am Himmel und erhellen das Gelnde des Lazaretts. Ein Anflug mu jede Sekunde
erwartet werden. Da - tatschlich eine heftige Detonation, das ganze Haus wird geschttelt, die Tr, welche nur
angelehnt war, fliegt auf, und von drauen hrt man das Klirren gesplitterter Fensterscheiben. Eine Bombe war einige
hundert Meter voll uns gefallen. Die Flak schiet grimmig.
Die Frauen mssen sich wohl innerlich zusammennehmen, aber niemand lt etwas von der Bangigkeit merken, die
glckliche Mtter in einer solchen Lage wohl ankommen mag. Wir sind alle von dertemeinsehaft gehalten, die wir im
Augenblick bilden und um die wir wissen. - Bei diesem Schrecken aber bleibt eg fr den Abend. Der feindliche Luftangriff ebbt allmhlich ab. Nach erfolgter
Entwarnung helfen wir wieder alle zusammen, unser teuerstes Gut, unsere Mtter und Kinder, fr die Nachtruhe an Ort
und Stelle zu bringen.
Ich aber habe seit langem keinen so - ja, keinen so schnen - Abend mehr erlebt.
M.